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Full text of "Jahrbuch der Kaiserlich-Koniglichen Geologischen Reichsanstalt"

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JAHRBUCH 

DER 

KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


XII.  BAND. 

1861  UND  1862. 

MIT  X TAFELN. 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


Vorwort  zum  zwölften  Bande 


Zum  neuen  Jahre  1862  war  es  uns  gelungen,  nach  dem  Wiederbeginne 
unserer  Druckarbeiten  ein  Heft,  das  erste  des  gegenwärtigen  zwölften  Bandes 
zum  Abschlüsse  zu  bringen,  zum  neuen  Jahre  1863  ist  der  Band  selbst 
geschlossen  und  wir  dürfen  nun  die  Lücke  der  Störungen  des  Jahres  1860  als 
ausgefüllt  und  unsern  Gang  als  von  nun  an  vollständig  regelmässig  betrachten. 
Der  Band  schliesst  in  den  laufenden  Aufgaben  mit  dem  16.  December  ab,  doch 
verlangte  die  Sitzung  am  16.,  dass  zur  Vervollständigung  auch  diese  noch  ein- 
bezogen werde. 

Was  ich  am  10.  Juli  1861,  im  Vorworte  des  eilften  Bandes  als  Hoffnung 
aussprach,  das  nennen  wir  nun  mit  frohem  Muthe  Erfüllung.  Der  zwölfte  Band 
hat  nun  wieder  seine  vier  Hefte  gewonnen,  während  der  eilfte  mit  dem  zweiten 
abgeschlossen  werden  musste,  aber  es  war  unvermeidlich,  ihn  über  die  beiden 
Jahre  1861  und  1862  auszudehnen.  Indessen,  einmal  in  die  wünschenswerthe 
Zeit  gebracht,  soll  es  unser  lebhaftestes  Bestreben  sein,  sie  auch  für  spätere 
Abschnitte  einzuhalten. 

Der  Band  enthält  zwei  Jahresansprachen,  am  19.  November  1861  und  am 
4.  November  1862.  Sie  geben  ein  Bild  unserer  Fortschritte  während  dieser 
zwei  Jahre  in  grossen  Umrissen,  als  feste  Punkte  in  der  Reihe  unserer  fort- 
laufenden Berichte  über  Sitzungen  und  über  die  Arbeiten  des  Sommers.  In  den 
einzelnen,  im  Inhalte  verzeichneten,  wissenschaftlichen  Beiträgen  begegnen  wir 
jenen  von  hochgeehrten  Forschern,  welche  bereits  aus  unserem  näheren  Ver- 
bände ausgeschieden  sind,  des  Freiherrn  v.  Richthofen  und  des  verewigten 
Jokely;  von  auswärtigen  Freunden,  des  Herrn  Professors  Krejci  und  des 
nun  ebenfalls  verewigten  Th.  v.  Zollikofer,  den  umfassenderen  Arbeiten 
unseres  hochgeehrten  Mitgliedes  Herrn  k.  k.  Bergrathes  L ip  o 1 d,  zum  Theil  aus 
jener  früheren -Zeit  herrührend,  und  kürzeren  Beiträgen  der  Herren  Stur,  Sto- 
liczka,  Pichler,  über  das  chemische  Laboratorium  von  Herrn  Karl  Ritter 
v.  Hauer,  endlich  einem  mehr  Erörterungen  von  Ansichten  gewidmeten  des  hoch- 
geehrten Erforschers  der  silurischen  Gebirge  in  Böhmen,  Herrn  Joachim  B ar  r a n d e, 
dem  auch  ich  einige  Bemerkungen  beizufügen  mich  veranlasst  gesehen  hatte. 

A* 


IV 


Die  Bibliotheks-Berichte  besorgte  fortwährend  Herr  Ritter  A.  Senoner. 

Das  Register  fertigte  wie  bisher  Herr  Graf  v.  Marschall.  Ihm  sind  wir 
auch  für  das,  gleichzeitig  dem  Schlüsse  nahe  „Generalregister  für  die  10  ersten 
Bände  des  Jahrbuches“  zu  wahrem  Danke  verpflichtet. 

Der  Umschlag  gibt,  wie  bisher  die  Übersicht  der  bis  jetzt  von  uns  durch- 
gefuhrten  Kartenaufnahmen,  und  zwar  108  Sectionen  Specialkarten  des 
k.  k.  General-Quartiermeisterstabes  in  dem  Maasse  von  2.000  Klafter  = 1 Zoll 
(1  : 144.000  der  Natur);  36  Sectionen  Generalkarten  von  4.000  Klafter 
= 1 Zoll  (1  : 288.000)  und  9 Sectionen  Strassenkarten  von  6.000  Klafter 
= 1 Zoll  (1  : 432.000),  wie  die  nachstehende  Übersicht  ausführlicher  zeigt. 


Kronland  Sectionen  Preis 

Kroniand  Sectionen  Preis 

Oe.  W. 

Oe.  W. 

1'  = 2000°  Oesterreich  ob 

Lombardieund 

und  unter  der 

Venedig  . . 

4 

fl. 

34 

Enns  .... 

28 

fl.  143 

Tirol  und  Vor- 

Böhmen . . . 

38 

„ 167.50 

arlberg  . . . 

2 

30 

Salzburg  . . 

13 

„ 46.75 

Banat  .... 

4 

» 

8 

Steiermark  u. 

Steiermark . . 

4 

» 

36 

Illyrien  . . 

29 

„ 121.50 

36 

fl. 

263.50 

108 

fl.  478.75 

1'  ==j  6000°  Siebenbürgen  . 

2 

fl. 

9 

1 ' = 40000  Ungarn  . . . 

17 

fl.  65.50 

Galizien  u.s.w. 

3 

» 

9 

Salzburg  . . 

1 

„ 30 

Croatien . . . 

1 

» 

3.50 

Kärnthen,Krain 

Slavonien  . . 

i 

» 

2.50 

und  Istrien  . 

4 

„ 60 

Dalmatien  . . 

2 

» 

4 

9 

fl. 

28 

Ich  glaube  es  erheischt  es  meine  Pflicht  gerade  an  dem  gegenwärtigen  Orte 
des  Berichtes  zu  gedenken,  noch  in  unserer  letzten  Sitzung  am  16.  December 
(S.  306)  auch  von  meinem  hochverehrten  Freunde,  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz 
Ritter  von  Hauer  vorgelegt,  welchen  in  wohlwollendster  Weise  der  ausgezeich- 
nete Naturforscher,  Herr  ßuintino  Sella  in  Turin,  früher  daselbst  k.  Finanz- 
minister, über  unsere  k.  k.  geologische  Reichsanstalt,  am  8.  October  1861 
erstattet  hat,  in  seiner  Darstellung:  Sul  modo  di  fare  la  carta  geologica  del 
regno  d'Italia.  Relazione  del  Commendatore  Quintino  Sella  al  Sig.  Commen - 
datore  Cordova , ministro  di  agricoltura,  industria  e commercio.  (Aus  den 
Atti  della  Societä  Italiana  di  Scienze  naturali  in  Milano.  Vol.  IV.  Seduta  del 
29  giugtio  1862.)  Er  hatte  eine  Rundreise  nach  Frankreich,  England,  Belgien, 
Deutschland  unternommen,  und  gibt  hier  viele  Nachrichten  aufgesammelt,  die 
auch  für  uns  von  grösster  Wichtigkeit  sind.  Billig  spricht  Herr  Sella  die  höchste 
Anerkennung  den  Karten  der  in  England  unter  Sir  Henry  De  la  ßeche  gegrün- 
deten geologischen  Landesaufnahme,  nun  unter  Sir  Roderick  I.  Murchison 
unbedingt  aus.  Auch  wir  dürfen  darin  vollkommen  mit  ihm  übereinstimmen.  Sie 
waren  und  sind  noch  stets  das  Ziel,  dem  wir  uns  zu  nähern  bestreben,  so  weit 
dieses  auf  den  Grundlagen,  über  welche  wir  gebieten,  möglich  ist.  Mit  grosser 
Sachkenntnis  beurtheilt  er  auch  die  Ursachen,  welche  bei  uns  eine  vollständig 


V 


gleiche  Nachbildung  bisher  verhindert  haben,  und  es  wird  uns  auch  von  ihm  ein 
entsprechender  Grad  von  Anerkennung  keineswegs  vorenthalten.  Ich  darf  dies 
hier  um  so  weniger  übersehen,  als  Herr  Sella  es  war,  der  bereits  auf  der  Pariser 
Ausstellung  im  Jahre  1 855  in  der  damaligen  internationalen  Beurtheilungscom- 
mission  sich  warm  der  Verdienste  der  von  uns  eingesandten  geologischen  Kar- 
ten annahm,  während  sie  von  anderen  Beurtheilern  gleichgiltiger  aufgenommen 
worden  waren,  worauf  ich  damals  aufmerksam  machen  zu  müssen  glaubte.  (Jahr- 
buch 1856,  S.  198,  364,  376.) 

Was  die  Sache  selbst  anbelangt,  den  Hauptpunkt  in  den  Bemerkungen, 
welche  Herr  Sella  als  Ergebniss  seiner  Forschungen  gibt,  so  wird  allerdings 
in  vielen  Gegenden  eine  Karte  in  dem  Maasse  von  1 : 144.000,  oder  2000  Klafter 
= 1 Zoll  nicht  genügen,  um  dasjenige  darzustellen,  was  eine  Karte  von  dem 
Maasse  von  1 : 63.360  gibt,  oder  von  880  Klaftern  auf  den  Zoll,  also  2*27  Mal 
grösser  linear,  mehr  als  fünfmal  grösser  in  der  Fläche.  Allein  die  erstgenannte 
Grösse  ist  einmal  diejenige,  welche  uns  vorliegt,  und  wir  bescheiden  uns  daher, 
in  dieser  so  viel  darzulegen,  als  es  uns  überhaupt  möglich  ist. 

Ein  zweites  Bedenken  wird  erhoben,  ob  denn  die  Karten  auch  überall  hin- 
länglich genau  sein  mögen,  da  doch  die  Aufnahmen  mit  so  grosser  Raschheit 
vor  sich  gehen,  dass  ein  so  eingehendes  Studium  wie  in  England  sich  in  so 
kurzer  Zeit  gar  nicht  durchführen  lässt.  Ich  glaube  hier  von  einer  Seite  wohl 
auf  die  Anerkennung  eines  langjährigen  hochgeehrten  Gönners  und  Freundes, 
des  gegenwärtigen  Directors  der  geologischen  Landesaufnahme  in  England,  Sir 
Roderick  Murchison  selbst,  in  meiner  Ansprache  vom  4.  November  (V.  S.  270) 
einen  grossen  Werth  legen  zu  dürfen.  Es  kann  sich  ein  solches  Urtheil  freilich 
nur  auf  einzelne  Gegenden  beziehen,  aber  das  doch  nur  auf  zufällig  aus  der 
ganzen  Oberfläche  gewählte.  Aber  was  man  von  dieser  Grösse  der  Karten  vor- 
aussetzen kann,  das  glaube  ich  versichern  zu  dürfen,  wird  man  auch  in  ander- 
weitigen Sectionen  in  gleicher  Genauigkeit  dargestellt  vorfinden. 

Aber  über  die  Lage  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  selbst,  und  den 
Zustand  der  geologischen  Wissenschaft  überhaupt,  glaube  ich  ein  Wort  beifügen 
zu  müssen,  so  wie  über  die  Natur  unserer  geologischen  Grundlage,  den  Boden 
selbst.  Dass  uns  England  in  der  Zeit  der  Entwickelung  der  Geologie  weit  voran 
steht,  bedarf  wohl  kaum  einer  neuerlichen  Angabe,  wo  selbst  die  Londoner  geo- 
logische Gesellschaft  bis  in  das  Jahr  1808  zurückreicht,  der  vielfachen  gesell- 
schaftlich- wissenschaftlichen  Verbindungen  nicht  zu  gedenken,  welche  auch  vor 
jener  Zeit  die  Naturwissenschaften  förderten.  Als  die  geologische  Landesdurch- 
forschung im  Jahre  1835  unter  Sir  Henry  de  la  Be  che  begann  und  sich  alhnälig 
erweiterte,  war  schon  sehr  viele  wissenschaftliche  Grundlage  gewonnen. 

Ganz  anders  bei  uns.  Erst  in  neuester  Zeit  wurde  dem  Rufe  nach  Pflege 
der  Wissenschaft  um  ihrer  selbst  Willen,  der  Erweiterung  derselben,  in  der 
Gründung  unserer  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  am  30.  Mai  1846 
ein  Ausdruck  gegeben.  Zur  Zeit  der  Gründung  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt am  15.  November  1849  fanden  wir  nur  sehr  vereinzelte  Bruchstücke, 


VI 


wenn  auch  manche  von  grossem  Werthe  für  die  geologische  Landeskenntniss 
vor.  Wir  mussten  einen  raschen  Plan  der  Forschung  uns  auferlegen,  um  doch 
innerhalb  eines  Menschenalters  ein  Ganzes  in  dem  Wege  der  Darstellung  durch 
geologische  Karten  vorlegen  zu  können.  Daher  die  Bestimmung  der  dreissig 
Jahre  für  die  erste  genauere  Detailforschung  im  Ganzen  festgehalten  wurde.  Als 
wir  vor  einigen  Jahren  in  dieser  Weise  fortgeschritten  waren,  zeigte  sich  aber 
selbst  ein  unabweisbares  Bedürfniss,  durch  vorhergehende Uebersichtsaufnahmen 
in  noch  vermehrter  Schnelligkeit  zu  einer  vorläufigen  Kenntniss  des  Zusammen- 
hanges im  Ganzen  zu  gelangen,  während  die  Aufgabe  genauerer  Forschungen 
zum  Theil  gleichzeitig  durchgeführt  wurde,  zum  Theile  noch  vorliegt.  So 
war  es  immer  unser  Bestreben  der  Natur  der  unserer  Sorge  zur  geologischen 
Durchforschung  anvertrauten  Gegenden  entsprechend,  das  gerade  vorliegende 
Bedürfniss  zu  befriedigen.  Die  Uebersichtsaufnahmen  nun  wurden  im  Verlaufe 
des  letzten  Sommers  mit  der  Aufnahme  des  südlichen  Theiles,  der  Karlstädter 
k.  k.  Militärgrenze  und  Dalmatiens  geschlossen.  Eine  bereits  weit  über  die 
früheren  Kenntnisse  vorgeschrittene  Uebersichtskarte  wird  nun  zur  Veröffent- 
lichung vorbereitet.  Von  jetzt  an  theilen  sich  unsere  Obliegenheiten  in  drei 
Richtungen.  Alle  unsere  Kraft  wurde  bis  zum  Schlüsse  dieser  Aufgabe,  den  Ueber- 
sichtsaufnahmen, möglichst  zugewendet.  Es  gelingt  uns  jetzt  einen  Theil  mehr 
für  Arbeiten  im  Mittelpunkte  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zu  verwenden, 
während  ein  zweiter,  in  dem  bisherigen  Gange  den  Detailaufnahmen  gewidmet 
bleibt,  ein  dritter  Theil  unserer  Kräfte  aber  für  Aufgaben  im  Felde  Vorbehalten 
wird,  welche  sich  auf  einzelne  wissenschaftliche  Fragen  beziehen,  namentlich 
in  Gegenden , wo  auch  die  bisherigen  Detailaufnahmen  für  die  harten  von  dem 
Maassstabe  von  1:144.000  zu  viel  zu  wünschen  übrig  liessen,  und  mehr  noch  als 
das  in  den  Gegenden  von  höherer  volkswirtschaftlicher  Bedeutung,  wie  es  die 
Mittelpunkte  montanistischer  Thätigkeit  sind.  Wir  schliessen  uns  in  dieser  Weise 
auf  das  Genaueste  dem  wahren  Landesbedürfnisse  an,  welches  nicht  nur  die 
Pflicht  der  wissenschaftlichen  Kenntniss  des  Bodens  umfasst,  sondern  auch  die 
Anwendung  derselben  auf  die  materielle  Volkswohlfahrt  vorbereitet. 

Meinem  hochgeehrten  Gönner  und  Freunde,  Herrn  Quintino  Sella,  bin  ich 
nicht  nur  für  die  mich  persönlich  so  hoch  ehrenden  Stellen  in  seinem  Berichte 
zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet , sondern  auch  für  die  durch  denselben 
mir  so  günstig  gebotene  Veranlassung,  ein  Wort  über  die  Grundsätze  zu  sagen, 
welche  unsere  Aufnahmen  beleben,  in  deren  Ausführung  meine  hochverehrten 
Freunde,  die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  für  unser  schönes 
Vaterland  unverw’elkliche  Verdienste  erworben  haben.  Dank  und  Anerkennung 
sei  hier  den  hochverehrten  gegenwärtigen  Theilnehmern  an  unseren  Arbeiten  im 
Felde  ausgesprochen,  den  Herren  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Lipoid,  Foetterle, 
Stur,  Stäche,  Wolf,  Freih.v.  And  rian,  Paul,  während  wir  aber  auch  gewiss 
treues,  dankbares  Gedächtniss  den  Freunden  bewahren,  die  aus  unserem  Verbände, 
zum  Theile  selbst  aus  diesem  irdischen  Leben  geschieden  sind,  den  verewigten 
Forschern  Czjzek,  Kuder natsch,  Jokely,  unseren  noch  rüstigen  Freunden 


VII 


und  erfolgreichen  Forschern  Pri  nzinger,  Ritter  v.  Zepharovich,  Peters, 
v.  Lidl,  v.  Hochstetter,  Freiherrn  v.  Richthofen,  Stoliczka  und  so 
vielen  andern  Freunden,  welche  in  kürzeren  Zeitabschnitten  sich  unseren  Auf- 
nahmsarbeiten freundlichst  angeschlossen  haben. 

Einen  Augenblick  erheischt  die  Pflicht  der  Anerkennung  und  des  innigsten 
tief  gefühlten  Dankes  auf  dem  reichen  Verzeichnisse  der  wohlwollenden  Gönner 
und  Correspondenten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zu  verweilen,  welches 
dem  gegenwärtigen  Rande  zur  höchsten  Zierde  gereicht.  Es  stellt  dies  für  den 
zweijährigen  Zeitraum  von  1861  und  1862  eine  Reihe  thatsächlicher  Verbin- 
dungen aus  unserer  Geschichte  vor.  Einer  Gesellschaft,  einem  wissenschaft- 
lichen Vereine,  je  nach  ihren  Statuten,  können  Ehrenmitglieder,  correspon- 
dirende  Mitglieder  durch  wirkliche  Wahl  angehören.  Diese  Form  wäre  bei  einem 
Institute  von  der  Natur  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  nicht  durchzuführen. 
„Aber“  wie  ich  dies  bereits  bei  der  ersten  Veranlassung  (V.  Bd.  1864)  bemerkte, 
„es  gibt  ein  schönes  Bild  ihrer  ausgedehnten  und  erfolgreichen  Beziehungen,  wenn 
diese  wie  hier  an  die  Namen  der  Personen  geknüpft  werden.  Die  Aufzählung 
derselben  in  einem  Verzeichnisse,  die  Anzeige,  dass  die  Eintragung  in  dasselbe 
stattgefunden  hat,  stellen  einen  Theil,  ein  Merkmal  des  Dankes  und  der  Aner- 
kennung vor,  welche  diejenigen  Männer  in  vollem  Masse  verdienen,  welche  uns 
in  der  bezeichneten  Weise  ihre  Theilnahme  für  unsere  Arbeiten  und  ihre  Bei- 
hilfe zur  Förderung  derselben  bewiesen  haben“.  Und  ich  darf  nun  nach  acht 
Jahren  der  Uebung  gewiss  in  wahrer  Begründung  sagen,  was  wir  freundlich  und 
dankerfüllt  ausgesprochen  und  dargebracht,  das  ist  auch  in  allen  Schichten 
menschlicher  Gesellschaft  huldreich  und  wohlwollend  aufgenommen  worden. 

Den  höchsten  Glanz,  unter  dem  Allerhöchsten  Schutze  Seiner 
k.  k.  Apostolischen  Majestät  desKaisers  brachte  uns  die  A 1 1er  h öchste 
Besichtigung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  selbst,  am  15.  Februar,  aus 
Veranlassung  der  Vor-  Ausstellung  für  das  grosse  International-Unternehmen  des 
Sommers  1862  in  London.  Man  erkennt  dies  auf  den  ersten  Blick  in  dem  Ver- 
zeichnisse. Es  wird  uns  für  immer  die  anregendste  Erinnerung  bewahren. 

Allen  hochgeehrten  Theilnehmern  an  unseren  Arbeiten  bringe  ich  hier 
meinen  innigsten  Dank  dar  für  ihr  freundliches  Wirken  in  den  eben  so  verschie- 
denartigen Aufgaben,  welche  uns  im  Verlaufe  dieser  beiden  Jahre  Vorlagen.  Ins- 
besondere muss  ich  noch  meinen  hochverehrten  Freund,  Herrn  k.  k.  Bergrath 
Franz  Ritter  v.  Hauer  benennen,  in  der  Gewinnung  und  Durchführung  der 
Druckarbeiten  für  das  gegenwärtige  Jahrbuch  selbst.  Vortheilhaft  wie  in  vielen 
Beziehungen  die  uns  gewährte  Benützung  eines  so  grossen  technischen  Unter- 
nehmens ist,  wie  die  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  unter  ihrem  hochverdienten 
Director  Herrn  k.  k.  Hofrath  Auer  Ritter  v.  Welsbach,  so  erheischen  doch 
gerade  die  eigentümlichen  Obliegenheiten  eines  solchen,  dass  auch  in  den  ein- 
zelnen Abtheilungen  die  grösste  Sorgfalt  verwendet  werde,  und  auch  hier  darf 
ich  der  erfolgreichen  Bestrebungen  nicht  vergessen,  welche  uns  Herr  Factor 
A.  Kn  ob  lieh  in  der  Ausführung  stets  bereit  gehalten  hat. 


VIII 


Wohl  darf  man  auch  an  Grösseres  denken,  wenn  das  weniger  Umfassende 
selbst  für  uns  Grosses  ist,  und  uns  so  ganz  erfüllt,  wie  die  uns  obliegenden 
Arbeiten,  hier  wieder  zu  einem  Abschlüsse  gelangt,  zu  dem  Abschlüsse  des  zwölf- 
ten Bandes  unseres  Jahrbuches,  der  so  nahe  in  der  Zeit  zusammen  trifft  mit  dem 
Schlüsse  dieses  erhebendsten  Abschnittes  unserer  Geschichte,  der  gemein- 
samen Arbeit  der  ersten  Reihe  der  Sitzungen  in  unserem  hohen  Reichsrathe 
für  das  grosse  Kaiserreich,  unter  der  Waltung  unseres  Aller  gnädigsten 
Kaisers  und  Herrn,  Franz  Joseph  I«  Uns,  die  wir  unter  dem  Schutze 
Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritters  v.  Schmerling  wieder 
aufgelebt  und  neu  bekräftigt  uns  fühlen,  müssen  die  erreichten  Bewilligungen 
unseres  Bestehens  die  höchste  Anregung  bringen,  um  auch  unsererseits  die 
Pflicht  zu  erfüllen,  welche  Oesterreich  von  uns  erwartet. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  Wien,  am  24.  December  1862. 

W.  Haidinger. 


Au  s dem  Jahrbuche 


12.  Band. 


der  k.  k.  geologischen 


Jahrgang 


Reichsanstalt. 


1861  und  1862. 


Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


1.  Oberste  Leitung. 

K.  K.  Staatsministerium. 

Minister:  Seine  Excellenz,  Herr  Anton  Ritter  von  Schmerling,  Grosskreuz 
des  österreichisch-kaiserlichen  Leopold-Ordens,  Grosskreuz  desgrossherzog- 
lich-baden’schen  Ordens  der  Treue,  sämmtlicher  Rechte  Doctor,  k.  k.  wirk- 
licher Geheimer  Rath  , Curators-Stellvertreter  der  Kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  u.  s.  w. 

2.  Mitglieder. 

Director:  Wilhelm  Karl  Haidinger,  Med.  und  Phil.  Dr. , Ritter  des  kaiserlich- 
österreichischen Franz  Joseph-Ordens,  der  k.  preussischen  Friedensclasse 
Pour  le  Merite,  des  k bayerischen  Maximilians-Ordens  für  Wissenschaft  und 
Kunst,  Commandeur  des  k.  portugiesischen  Christus-Ordens,  Ritter  des  k. 
sächsischen  Albrechts-Ordens  und  des  k.  schwedischen  Nordstern-Ordens, 
k.  k.  wirklicher  Hofrath,  M.  K.  A. 

Erster  Geologe:  Franz  Ritter  v.  Hauer,  k.  k.  wirklicher  Bergrath,  M.  K.  A. 

Zweiter  Geologe:  Marcus  Vincenz  Lipoid,  k.  k.  wirklicher  Bergrath. 

Archivar:  August  Friedrich  Graf  Marschall  auf  Burgholzhausen,  Erb- 
marschall in  Thüringen,  k.  k.  wirklicher  Kämmerer. 

Assistent:  Franz  Foetterle,  k.  k.  wirklicher  Bergrath. 

Geologen:  Dionys  Stur. 

Guido  Stäche,  Phil.  Dr. 

Heinrich  Wolf. 

Ferdinand  Freiherr  v.  And rian -Werburg. 

Karl  M.  Paul. 

Verstand  des  chemischen  Laboratoriums:  Karl  Ritter  v.  Hauer,  k.  k.  Haupt  mann 
in  Pension. 

Bibliotheks-Cnstos : Adolph  Senoner,  Ritter  des  k.  russischen  St.  Stanislaus- 
Ordens  III.  CI.  und  des  k.  griechischen  Erlöser-Ordens,  Mag.  Chir. 

Zeichner:  Eduard  Jahn. 

Auswärtig:  Moriz  Hörn  es,  Phil.  Dr.,  Commandeur  des  k.  portugiesischen  Christus- 
Ordens  , Custos  und  Vorstand  des  k.  k.  Hof-Mineraliencabinets.  C.  M.  K.  A. 

3.  Diener. 

Cabinetsdiener:  Joseph  Richter,  Besitzer  des  k.  k.  silbernen  Verdienstkreuzes 
mit  der  Krone. 

Laborant:  Franz  Frei dlin g. 

Amtdieners-Gehilfen:  Erster:  Johann  Suttner. 

Zweiter:  Johann  Ostermayer. 

R.  k.  Militär-Invalide  als  Portier:  Unterofficier  Anton  Gärtner. 

Heizer:  Clemens  Kreil. 

Nachtwächter:  Andreas  Z eil ler. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


B 


X 


Gönner  und  Correspondenten. 

Fortsetzung  des  Verzeichnisses  im  XI.  Bande  des  Jahrbuches. 


(Die  aämmtlichen  hochverehrten  Namen  sind  hier,  wie  in  den  verflossenen  Jahren,  in  eine  einzige  alphabetisch  fort- 
laufende Reihe  geordnet  und  durch  Buchstaben  die  Veranlassung  zur  Einschreibung  derselben  ausgedrückt.  A die 
Mittheilung  von  wissenschaftlichen  Arbeiten;  B die  Schriftführung  für  Behörden,  Gesellschaften  und  Institute;  C die 
Geschenke  von  selbstverfassten  oder  D fremden  Druckgegenständen  oder  E von  Mineralien;  endlich  E als  Ausdruck 
des  Dankes  überhaupt  und  für  Förderung  specieller  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  wodurch  diese 

zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet  ist.) 


Seine  Majestät 

Kaiser  Ferdinand,  f. 

Ihre  kaiserliche  Hoheit  die  durchlauchtigste  Prinzessin  und  Frau 

Erzherzogin  Sophie,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ludwig,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Ferdinand  IV., 

Grossherzog  von  Toscana.  F. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ferdinand,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  hoch  würdigst- durchlauc  h tigste 

Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Wilhelm.  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Leopold,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Sigismund,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Rainer,  f. 


XI 

Seine  Majestät  der  König  von  Bayern 

Maximilian  Joseph  II.  D. 

•J*  Seine  Majestät  der  König  von  Portugal 

Dom  Pedro  V.  f. 

Seine  Majestät  der  König  von  Schweden  und  Norwegen,  der 
Gothen  und  Wenden 

Karl  XV.  F. 

Seine  königliche  Hoheit  der  Kurfürst  von  Hessen-Kassel 

Wilhelm  I.  F. 

Seine  Durchlaucht 

Georg  Adolph,  Regierender  Fürst  zu  Schadmburg-Lippe.  f. 

Die  Frauen: 

Gräfin  v.  Egger,  Nothburga,  Klagenfurt.  F. 

Ö ster lein,  Anna,  Lilienfeld,  Oesterreich.  F. 

Gräfin  v.  W a Idstein,  Antonia,  Dux,  Böhmen.  F. 

Die  H erren : 

Abert,  H.  L.,  Lieut.  U.  S.  Topograph.  Engineers,  Washington.  B. 

Adler,  Procop,  Oberstlieutenant  im  Ottocaner  k.  k.  Mil.-Grenz-Infanterie- 
Regiment,  Ottocac.  F. 

Alb  recht,  Johann,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Amon,  Karl,  k.  k.  Eisenwerksverweser  zu  Diosgyör,  Ungarn.  F. 
Andre  e,  Albert,  Werksdirector,  Witkowitz.  F. 

Antoine,  Franz,  k.  k.  Hofgärtner.  F. 

Auer,  Anton,  k.  k.  Bergmeister,  St.  Benigna,  Mauth,  Böhmen.  F. 

Bagge,  Harald,  Med.  Dr.,  Bibliothekar  der  Sen  kenb er g’schen  Gesellschaft, 
Frankfurt.  B. 

Baidinger,  Mathias,  Werksbesitzer,  Griftnergut,  Zell,  Vöklabruck,  Oester- 
reich. F. 

Balea,  F.,  Deputato  di  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Balfour,  Dr.  John  Hutton,  General-Secretär  der  Royal  Society.  Edinburg.  B. 
Balling,  Joseph,  fürstl.  v.  Metternich’scher  Director,  Plass.  F. 

Ball us,  Sigismund,  Bergverwalter,  Annathal,  Ungarn.  F. 

Bamberger,  Mathias,  k.  k.  Berg-  und  Hammerverwalter,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 
Barbieri,  Stephan,  k.  k.  Statthalterei-Secretär,  Zara.  F. 

Baumayer,  Eduard,  k.  k.  Berghauptmann,  Leoben.  F. 

Bayer,  Ant.,  Bergverwalterder  westböhmischen  ßergwerksgesellschaft,  Bilin.  F. 
Becker,  Heinr.,  kurfürstl.  Hessen’scher  Bergverwalter,  Komorau,  Horowic.  F. 
Bello,  Dr.  Andreas,  Rector  der  Universität  von  Chili,  Santiago.  B. 

Bermann,  Adolph,  k.  k.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k.  Liccaner  Ersten 
Karlstädter  Militär-Grenz-Infanterie-Regiments,  Gospich.  F. 

Graf  v.  Blacas  d’Aulps,  Stanislaus,  Gutsbesitzer,  Kirchberg  am  Wald, 
Schrems,  Oesterreich.  F. 

Borcich,  Se.  Hochwürden  Pietro,  Pfarrer  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 

B* 


XII 


B o rc  k enstein,  Georg,  k.  k.  priv.  Grosshändler.  F. 

Graf  v.  Bray,  Otto,  Grosskreuz,  kön.  bayer.  ausserordentlicher  Gesandter  und 
bevollmächtigter  Minister.  B. 

Broch,  Dr.  0.  J.,  Professorder  Mathematik  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
Brorsen,  Dr.  Theodor,  Astronom,  Senftenberg,  Böhmen. 

Brosch,  J.,  Med.  Dr.,  Rokitzan.  F. 

Brunner,  Anton,  Wegmeister,  Baltavar.  Vasvär,  Formend.  F. 

Bucich,  Gutsbesitzer,  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Graf  v.  Buquoi,  Georg,  k.  k.  wirklicher  Kämmerer,  Gratzen,  Böhmen.  F. 
Busch,  Karl,  Bergverwalter,  Wirtatobel,  Vorarlberg.  F. 

Busse,,  August,  Bergmeister,  Klein-Schwadowitz.  F. 

Busse,  Hermann,  Ober-Berggeschworner,  Klein-Schwadowitz.  F. 
v.  Calo,  Franz,  Bergverwalter,  Voitsberg,  Steiermark.  F. 

Ca  ndeze,  M.  E.,  Med.  Dr.,  Gen.-Secr.-Adjunct  der  kön.  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaften, Lüttich.  B. 

Cannissie,  Correspondirender  Secretär  der  Soc.  Imp.  des  Sciences,  Lille.  B. 
Cassels,  Dr.  J.  L.,  Choctaws,  Ohio.  E. 

Castel,  Emil,  Central-Director  der  k.  k.  priv.  Südbahn-Gesellschaft.  F. 
Castelli,  Albin,  Bevollmächtiger  der  Gewerkschaften  Salesl , Gross-Priesen, 
Böhmen.  F. 

Catergy,  Se.  Hochw.  P.  Jos.,  MechParisten-Ordens-Priester,  Constantinopel.  E. 
Celotta,  Julian,  k.  k.  Bezirksactuar,  Verlicea,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 
Cervello,  Nicolö,  Med.  Dr.,  Professor,  Palermo.  B. 

Chalaupka,  Moriz,  k.  k.  Lieutenant  in  der  Verwaltung  des  österr.  k.  k.  5.  Mili- 
tär-Grenzregiments in  Vukovic.  F. 

Christen,  Dr.  Adolph,  Rokitnitz,  Böhmen.  F. 

Edler  v.  Comelli,  Vincenz,  k.  k.  priv.  südl.  Staats-Eisenbahn-Beamter.  F. 
Cramer,  Professor,  Actuar  der  naturforschenden  Gesellchaft  in  Zürich.  B. 
Croy,  Engelbert,  Bergverwalter,  Chotieschau,  Böhmen,  F. 

Czegka,  Eduard,  Werksbevollmächtigter,  Petrovagora,  Topusko,  1.  k.  k.  Banal- 
Militärgrenze.  F. 

Czerny,  Friedrich,  k.  k.  Bergmeister,  Wossek,  Hollaubkau,  Böhmen.  F. 
D4aky,  Emanuel,  Kästner,  Csäkvär,  Stuhlweissenburg.  F. 

Delaharpe,  J.,  Med.  Dr.,  Archivar  der  Societö  Vaudoise  des  Sciences  naturelles, 
Lausanne.  B. 

D eile  Grazie,  Cäsar,  Werksbevollmächtigter,  Berzaszka,  k. k. Militärgrenze.  F. 
Doimi,  P.  D.,  Podestä  in  Lissa,  Dalmatien.  F. 

Dollfus,  August,  Geologe,  Paris.  C. 

Domas,  Se.  Hochw.  P.  Stephan,  k.  k.  Professor,  Mährisch-Triibau.  E. 
Dragancic  Edler  v.  Drachenfels,  Stanislaus,  k.  k.  Hauptmann,  Podlapac, 
Gospic,  croatische  Militärgrenze.  F. 

Dräsche,  Heinrich,  Werkshesitzer.  F. 

Draugentz,  C.  Friedrich,  k.  k.  Lieutenant,  Postencommandant  in  Obrovazzo, 
Zara,  Dalmatien.  F. 

Eckl,  Adalbert,  k.  k.  Berghauptmann,  Pilsen.  F. 

Ehlig,  Wenzel,  Werksbesitzer,  Hostomitz,  Teplitz,  Böhmen.  F. 

Ehrenberg,  Emil,  Berg-Director,  Trautenau.  F. 

v.  Elter  lein,  Gustav  Alexander,  Werksbesitzer,  Aussig,  Böhmen.  F. 

Ezer,  Karl,  Bergverwalter,  Miröschau,  Böhmen.  F. 

FearnI  ey,  Dr.  C.,  Prof,  der  Astronomie  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
Fehr,  Alexander,  k.  k.  Schiffsfähnrich,  Lissa,  Dalmatien.  F. 


XIII 


F eistmantel,  F.,  fürstl.  v.  Fürs tenberg’scher  Hüttenmeister, Bras, Radnitz. F. 
Fichtner,  Johann,  k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer,  Atzgersdorf,  Wien,  Wildpret- 
markt  Nr.  850.  F. 

Fiedler,  Leopold,  k.  k.  Bergrath,  Berginspector,  Mährisch-Ostrau.  A. 

Fischer,  Anton,  Werksbesitzer,  Tradigist,  Kirchberg  an  der  Bielach,  Oester- 
reich. F. 

Fitz,  Johann,  Werksverwalter,  Padochau,  Mähren.  F. 

Forcher,  Vincenz,  Ainbach  bei  Kniltelfeld,  Steiermark.  F. 

Graf  Forg ach  v.  Ghymes  und  Gäcs,  Seine  Exc.  Anton,  Ritter,  k.  k.  wirklicher 
Geh.  Rath,  Kämmerer,  kön.  Ungar.  Hofkanzler.  F. 

Fortis,  Dr.,  k.  k.  Prätor  in  Benkoväc,  Zara,  Dalmatien.  F. 

Frank,  Rudolph,  k.  k.  Einfahrer  in  Magura,  Csertest,  Siebenbürgen.  E. 

Frenz,  Johann,  Hausbesitzer,  Baltavar,  Körmend,  Vasvär.  F. 

Frey,  G.  N.,  Werksbesitzer  zu  Kleinzell,  Oesterreich,  Wien.  F. 

Frey,  Karl  August,  Eisenwerks-Director,  Store,  Cilli.  E. 

Ritter  v.  Fridau,  Franz,  Guts-  und  Werksbesitzer.  F. 

Friedrich,  Joseph,  Oberförster,  Gratzen,  Böhmen.  F. 

Fries,  Elias,  Med.  Dr.,  Secretär  der  königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften 
zu  Upsala.  B. 

Fritsch,  Anton,  Med.  Dr.,  Custos  am  böhm.  National-Museum,  Prag.  F. 
Fritsch,  Kronstadt.  F. 

Fuchs,  Michael,  Werksbesitzer,  Berzaszka,  k.  k.  Militärgrenze.  F. 

Fülepp,  Alexander,  Werksbesitzer,  Neu-Moldowa.  Banat.  F. 

Landgraf  v.  Fürstenberg,  Seine  fürstliche  Gnaden,  Friedrich,  Fürsterzbischof 
zu  Olmütz.  F. 

Galvani,  Vincenz,  Werksbesitzer,  Siverich,  Dalmatien.  F. 

Gatscher,  Seine  Hochw.  Albert,  Director  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums  zu  den 
Schotten.  B. 

Gerzabek,  Ferdinand,  k k.  Oberlieutenant  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 
Giraudier,  Balthasar,  Manila,  Lu^on,  Philippinen.  F. 

Girl,  Armin,  Bergverwalter,  Sagor,  Krain.  F. 

Gistel,  Dr.  Johannes,  Professor,  Regensburg.  D. 

Gö  dicke,  Jakob,  Berg-Ingenieur,  Reschitza,  Banat.  F. 

Gollitsch,  Gustav,  Werksbevollmächtigter,  Cilli.  F. 

Grass,  Moriz,  Eigenthümer  des  Wanderer.  D. 

Gregory,  Karl,  Inspector  der  Herrschaft  Besko,  Galizien.  A. 
v.  Grenze  n st  ei  n,  Gustav,  Werksbesitzer,  Kronstadt,  Siebenbürgen.  F. 
Grosse,  Wilhelm,  fürstlich  Fürstenberg’schen  Berg-  und  Hütten-Inspector, 
Althütten  bei  Beraun,  Böhmen.  F. 

Güdl,  Franz,  Werksbesitzer,  Pitten.  F. 

Guldberg,  C.  M.,  Candidat,  Universität  zu  Christiania.  D. 

Gunning,  J.  W.,  Secretär  der  Provincial-Utrecht’schen  Gesellschaft  für  Kunst 
und  Wissenschaft.  B. 

Gwinner,  Ernest,  k.  k.  Marine-Lieutenant,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 

Haecker,  Ludwig,  erzherzogl.  Verwalter  der  technischen  Gewerbe,  Wieselburg, 
Ungarn.  F. 

Hager,  Albert,  Dr.,  A.  M.  Proctorsville,  Vorment.  V.  S.  N.  A.  B. 

Haidinger,  Rudolph,  junior,  k.  k.  pr.  Fabriksbesitzer,  Elbogen.  A. 

Halla,  Joseph,  Ritter,  k.  k.  Major  und  Referent,  Beiovar.  F. 

Haluska,  Johann,  k.  k.  ßerghauptmann  zu  Lemberg.  F. 

Ritter  v.  Hampe,  Joseph,  k.  k.  Bergrath,  Eibiswald,  Steiermark.  F. 


XIV 


Han,  Alexius,  Oekonomie  - Beamter,  Puszta  Bänhäza,  Ersemjen,  Szabolcs, 
Ungarn.  F. 

Hanl,  Anton,  Werksleiter,  Zbeschau,  Mähren.  F. 

Graf  v.  Ha  rtig,  Seine  Exc.  Franz,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  Geh.  Rath  und  Kämmerer, 
Erblicher  k.  k.  Reichsrath  im  Herrenhause  u.  s.  w.  F. 

Hartisch,  Karl,  Werksdirector,  Bustehrad,  Böhmen.  F. 

Haupt,  Theodor,  toscanischer  Bergrath.  D. 

Haurand,  C.  W.  Th.,  Oekonomierath.  C. 

Hawelka,  Joseph  Ernst,  Bergverwalter,  Gaya,  Mähren.  F. 

Hecker,  Julian,  Werksbesitzer,  Myszyn,  Galizien.  F. 

Heine,  Joseph,  Med.  Dr.,  k.  Regierungs-  und  Medicinalrath,  Speyer.  B. 

Held,  Theodor,  Buchhalter  der  Gewerkschaft  Saxonia,  Karbitz,  Böhmen.  F. 
Freiherr  v.  H eifert,  Jos.  Alexander,  Ritter  II.  CI.  des  österr.  kais.  Ordens  der 
eisernen  Krone,  k.  k.  w.  Geh.  Rath,  Unter-Staatssecretär.  F. 

Ritter  v.  Helms,  Julius,  k.  k.  Sectionsrath,  Berg-  und  Forstdirector.  F. 

Graf  Henckel  v.  Donnersmark,  Werksbesitzer,  Wolfsberg,  Kärnthen.  F. 
Henzi,  R.,  Med.  Dr.,  Secretär  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Bern.  B. 
Herda,  Franz,  Berg-  und  Hiittendirector  zu  Engenthal  bei  Eisenbrod,  Böhmen.  F. 
Hets,  Paul,  Herrschafts-Inspector,  Nagy-Vaszony,  Veszprim.  F. 

Hirche,  Seine  Ehrw.  Gottlob  Traugott  Leberecht,  Pastor  emerit.,  Secretär  der 
Oberlausitzisch.  Gesellschaft  der  Wissenschaften. 

Heyrowsky,  Emil,  Berg-Inspector,  Wiesenau,  Kärnthen.  F. 

Hitchcock,  Eduard,  J.  Med.  Dr.,  Professor,  Amherst  College,  Massachusetts.  B. 
Hitchcock,  Karl  A.,  A.  M..  Geologe  des  Staates  Maide,  Amherst  College, 
Massachusetts.  B. 

Ritter  v.  Hoch  berge  r,  Gallus,  Med.  Dr. , Ritter  des  österr.  kais.  Ordens  der 
eisernen  Krone,  Hofrath,  Karlsbad.  F. 

Hodoly,  Seine  Hochw.  Bela,  Pfarrer  zu  Lokut.  F. 

H offmann,  Alexander,  Bergdirector,  Prödlitz,  Böhmen.  F. 

Hoffman  ns,  Ch.,  k.  k.  General-Consulatskanzler,  Paris.  B. 

Hofmann,  E.,  Director  der  kais.  Gesellschaft  für  Mineralogie.  St.  Petersburg.  B. 
Edler  v.  Hohendorf,  Theodor  Tobias,  k.  k.  Bergcommissär,  Teplitz.  E. 
Holler,  Karl,  Werksdirector,  Johannesthal,  Laibach,  Krain.  F. 

Homatsch,  Anton,  Guts-  und  Eisenwerksverweser,  Gradatz,  Krain.  F. 

Ritter  v.  Horstig,  Moriz,  Werksbesitzer,  Graden,  Lankowitz,  Steiermark.  F. 
Humphreys,  A.  A.,  Capt.  U.  S.  Topograph.  Eugineers,  Washington.  B. 

Inkey  v.  Pallin,  Ferd.,  k.  k.  w.  Kämmerer,  Gutsbesitzer,  Raszina,  Croatien.  F. 
Ivacskovits,  Mathias,  k.  k.  Bergbauleiter,  Dios-Györ,  Ungarn.  F. 

Ivanics,  Joseph,  k.  k.  Bergcommissär,  Zara.  F. 

Jackson,  Charles  T.,  Med.  Dr.,  Ritter  u.  s.  w.  F. 

Jahn,  A.,  Berggeschworner  zu  Rochlitz.  F. 

Jahnl,  Franz,  Werksbesitzer,  Miröschau,  Böhmen.  F. 

Graf  Jankovic  v.  Daruvar,  Julius,  Ritter  des  österr.  kais.  Ordens  der  eisernen 
Krone,  Obergespan  des  Pozegaer  Coinitates.  F. 

Jereb,  Johann,  Werksbesitzer,  Schönegg,  Cilli,  Steiermark.  F. 

Jessler,  Karl,  Bergbeamter  zu  Tergove,  Kostajnica,  k.  k.  Militärgrenze  des 
2.  Banal-Regiments.  F. 

Jezek,  Martin,  Bergverwalter,  Boskowitz,  Mähren.  F. 

Jochmann,  Dr.  E.,  Herausgeber  der  „Fortschritte  der  Physik“  im  J.  1859.  B. 
Kaczwinsky,  Karl,  k.  k.  Controlor,  Radoboj,  Krapina.  F. 

Kaehler,  Karl,  Werksdirector,  Karwin,  Schlesien.  F. 


XV 


Kahler,  Karl,  Werksleiter,  Jamnik,  Böhmen.  F. 

Kanitz,  August,  Mitgl.  d.  Ungar.  Naturforscher-Gesellschaft.  D. 

Kawka,  Egyd,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium  zu  Jicin.  F. 

Keller,  Adalbert,  Med.  Dr.,  k.  k.  Regimentsarzt,  Ottocae.  F. 

Keller,  Dr.  F.,  Professor,  Speyer.  B. 

v.  Kiepach,  Albin,  Werksbesitzer,  Bregana,  Croatien.  F. 

Killias,  Dr.,  Präsident  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Chur.  B. 

Kippist,  Richard,  Bibliothekar  der  Linnean-Society,  London,  ß. 

Kjerulf,  Theodor,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 

Klaus,  Aug.,  Bevollmächtigter  der  Gewerkschaft  Saxonia,  Karbitz,  Böhmen.  F. 
Edler  v.  Klein,  Albert,  Werksbesitzer. 

Klein,  Karl,  k.  k.  priv.  Grosshändler.  F. 

K 1 ein  di  e ns t,  Franz,  Werksbesitzer,  Eibiswald.  F. 

K lein  d ienst,  Joseph,  Werksbesitzer,  Eibiswald.  F. 

K lein peter,  Franz,  Werksdirector,  F.  E.  Bergrath,  Friedland,  Mähren.  F. 

K I ema  n n,  Alois,  Werksbevollmächtigter,  Ivanec,  Croatien.  F. 

Ritter  v.  Knesevic,  Emanuel,  Ritter  E.  K. , k.  k.  Oberst  und  Commandant  des 
Oguliner  Milit.-Grenz-Regiments,  Ogulin.  F. 

KnÖtgen,  Bergverwalter,  Kulm,  Böhmen.  F. 

Knoll,  Karl,  Werksbesitzer,  Ottowitz,  Karlsbad,  Böhmen.  F. 

Köhler,  Stud.  Phil.,  Ausschuss  des  akademischen  Lesevereins.  B. 

Ko  lisch,  Rudolph,  Bergwerksbesitzer,  Göding,  Mähren.  F. 

Kopetzky,  Adolph,  k.  k.  Bergcommissär,  Pilsen.  F. 

Kopp,  Emil,  Centraldirector  des  Communications-Betriebes  der  k.  k.  priv.  öster- 
reichischen Siaatseisenbahn-Gesellschaft.  F. 

Korizmits,  Seine  bischöfl.  Gnaden,  Anton,  Bischof  von  Bäcs,  Hofrath  und 
Referent  in  der  k.  ungar.  Hofkanzlei.  F. 

Kraetschmer,  Wilhelm,  Bergverwalter,  Brennberg,  Ungarn.  F. 

Krammer,  Ernst,  k.  k.  Berghauptmann,  Oravitza.  F. 

Kronig,  Lucas,  k.  k.  Berghauptmann,  Klagenfurt.  F. 

Kröschel,  Ludwig,  Werksdirector,  Klein-Schwadowitz.  F. 

Kube,  Ludwig,  Besitzer  des  k.  k.  goldenen  Verdienstkreuzes  rnit  der  Krone, 
Kreisvorsteher,  Zaleszczyk,  Galizien.  A. 

K ul isch,  Gustav,  Berggeschworner  zu  Rochlitz.  F. 

Ku  s che  1,  Ludwig,  Werksbesitzer  von  Johannesthal,  Krain,  in  Wien.  F. 
Kutschker,  Joh.  Florian,  k.  k.  Hauptzollamts-Oflicial,  Vils  bei  Reute,  Wien. 
Lacoeilhe,  Emil,  Secretär  der  Gesellschaft  für  Kunst,  Wissenschaft  u.  s.  w., 
St.  Quentin.  B. 

Lancia,  Duca  di  Castel  Brolo,  Dr.  Federico,  Generalsecretär  der  Akademie 
der  Wissenschaften  und  Literatur  in  Palermo.  B. 

Graf  v.  Lanckoronski-Brzezie,  Seine  Exc.  Karl,  Ritter  des  goldenen 
Vliesses,  k.  k.  wirkl.  geh.  Rath,  Kämmerer,  Oberstkämmerer.  B. 

Lang,  Adolph,  Director  des  k.  k.  Gymnasiums,  Marburg.  B. 

Langweil,  Maximilian,  Schichtenmeister,  Rokitzan.  F. 

Graf  v.  Larisch-Monnich,  Eugen,  Werksbesitzer,  Karwin,  Schlesien.  F. 
Graf  v.  Lariseh-Mönnich,  Johann,  Werksbesitzer,  Karwin,  Schlesien.  F. 

L atino-Co el h o,  J.  M.,  Secretär  der  königl.  Akademie  der  Wissenschaften, 
Lissabon.  B. 

Laukotzky,  Vincenz,  k.  k.  Landes-Schulrath,  Triest.  F. 

Lenaz,  Anton,  See-Capo,  Klada,  Ottocaner  Regiment.  F. 

Lepk  owski,  Michael,  Curland.  A. 


XVI 


Lindner,  Johann,  k.  k.  Berghauptmann,  Elbogen.  F. 

Litke,  Laurenz,  Werksbesitzer,  Fünfkirchen.  F. 

Lioy,  Paul,  Venedig.  D. 

Lösebner,  Joseph,  Med.  Dr.  und  Professor,  k.  k.  Statthallerei-  und  Landes- 
Medicinalrath,  Prag.  F. 

Loos,  Franz,  ßergverwalter,  Mährisch-Ostrau.  F. 

Lorenz,  Wenzel,  Schichtmeister,  Wolfsegg.  Oesterreich.  F. 

Ludwig,  Seine  Hochw.  Johann,  Ehrendomherr,  Erzdechant,  k.  k.  Waisenhaus- 
Director  u.  s.  w.  Hermannstadt.  B. 

Macale,  Anton,  Werksbesitzer,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 
y.  Machiedo,  Hieronymus,  Gutsbesitzer,  Gjelsa,  Lesina,  Dalmatien, 
v.  Makaj,  August,  pens.  Eisenwerks-Director  und  Bergbau-Unternehmer,  Gross- 
wardein. A.  E. 

Maloch,  Anton  Zephyrin,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  zu  Jicin.  F. 
Freiherr  v.  Mamula,  Seine  Exc.  Lazarus,  Ritter  des  Mil.  Maria  Ther.-O.,  Gross- 
kreuz u.  s.  w.,  k.  k wirkl.  geh.  Rath,  FML.,  Gouverneur  von  Dalmatien.  F. 
Maravic,  Ernanuel,  Ritter  d.  0.  K.  0.  der  eisernen  Krone,  M.  V.  K.,  k.  k. 

Oberstlieutenant  und  Regimentscomrnandanf,  Petrinia.  F. 

Marin  co vich,  J.  R.,  Agente  di  Porto  e Sanitä  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 
Maryska,  Seine  Hochwürden  P.  Joseph,  Pfarrer  zu  Liebstadtl.  F. 

Matiegka,  Karl,  k.  k.  Berghauptmann,  Kuttenberg.  F. 

Mayer,  Erasmus,  Werksbesilzer,  Griftnergut,  Zell,  Vöklabruck,  Oesterreich.  F. 
May  erb  ofer,  Georg,  Werkshesitzer,  Tregist,  Steiermark.  F. 

Mayr  Edler  von  Weinhof,  Franz,  Eisenwerks-  und  Bergbaubesitzer,  k.  k. 
Reichsrath  1860.  F. 

Freiherr  v.  Medl,  Theodor,  Ritter  des  0.  K.  Leopold-Ordens  u.  s.  w.,  k.  k. 

Generalmajor  und  Brigadier,  Ottocac.  F. 

Meiling,  Franz,  k.  k.  Controlor,  Eibiswald,  Steiermark.  F. 

Mendelein,  Rudolph,  k.  k.  Hauptmann  in  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Graf  y.  Mensdorff-Po  uilly,  Alphons,  Werksbesitzer,  Boskowitz. 

Menzel,  Se.  Hochw.  P.  Georg,  jub.  Dechant,  Schönwald,  Friedland,  Böhmen.  E. 
Graf  v.  Meran,  Franz,  k.  k.  erblicher  Reichsrath. 

Mer  kl,  Anton,  Bergbaubesitzer,  Swojanow,  Policzka,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Mertens,  Ludwig,  Bürgermeister,  Salzburg.  F. 

Michel,  Johann,  Generaldirector  der  k.  k.  priv.  Südbahn-Gesellschaft.  F. 

Mi  eg,  Ludwig,  Vorsteher  des  Bergrevieres  Karlsbad,  Pirkenhammer,  Böhmen.  F. 
Miko  v.  Bölön,  Samuel,  k.  k.  Oberbergrath  und  Referent,  Klausenburg,  Sieben- 
bürgen. E. 

Mirko  vic,  Serdar  und  Colonneneommandant,  in  Benkovac,  Zara,  Dalmatien.  F. 
Mischler,  Peter,  J.  U.  u.  Ph.  Dr.,  k.  k.  o.  o.  Universitäts-Professor,  Prag.  D. 
Mitchell,  J.,  Lieutn.  R.  C.  S.,  Museumsdirector,  Madras.  A. 

Mitsch,  Ernanuel,  Jur.  Dr.,  Kuttenberg,  Böhmen.  F. 

Mitterer,  Andreas,  k.  k.  Schichtmeister,  Häring,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 

Mitte  sei*  v.  Dervent,  Joseph,  Ritter,  k.  k.  Oberstlieutenant,  Beiovar.  F. 
Möbius,  Dr.  K.,  Prof.  Secretär  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  zu  Ham- 
burg. B. 

Mohn,  H.  Candidat  an  der  Universität  in  Christiania.  D. 

Monrad,  M.  J.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 

Mraovic.  Joseph,  M.  V.  K.  k.  k.  w.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k.  Ersten 
Banal-Militär-Grenz-Infanterie-Regiments  zu  Glina.  F. 

Mr o ule,  Franz,  k.  k.  Berghauptmann,  Cilli,  Steiermark.  F. 


XVII 


Müller,  Karl,  Oberverwalter,  Reschitza,  Banat.  F. 

Mül  ln  er,  Alphons,  Studirender.  C. 

Müllner,  Fortunat,  M.  D.  k.  k.  Bezirksarzt,  Radmansdorf.  E. 

Muntzel,  Hermann,  Bürgermeister,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Murmann,  Peter,  Ritter  des  0.  K.  0.  der  eis.  Kr.  k.  k.  Rath  u.  priv. 
Grosshändler.  F. 

Nakich,  J.,  k.  k.  Gubernialsecretär  Zara.  D. 

Neu  mann,  C.  Phil.  Dr.  Schriftführer  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Halle.  B. 
Newberry,  John  S.  Med.  Dr.  Professor  am  Columbia  College,  Washington.  D. 
Norton,  Karl  B.,  Buchhändler  New-York.  D. 

Ob  erst  ein  er,  F.,  Bergverwalter  in  Sivericb,  Spalato,  Dalmatien.  F. 

Odersky,  Ernst,  Fabriksdirector,  Burgau,  Ilz,  Steiermark.  F. 

Ritter  v.  Oroscheny-Bohdanowicz,  Gutsbesitzer  u.  s.  w.  Mojdan  Lukawetz, 
Wysnica,  Bukowina.  E. 

0 z e g o v i c Freiherr  v.  Barlabasevec  undBela  Ludwig,  Gutsbesitzer.  F. 
Edier  v.  Paitoni,  Friedrich,  k.  k.  Kreisrath,  Zara. 

Edler  v.  Paitoni,  Seine  Hochw.  Joseph,  k.  k.  Gubernialrath,  Triest.  F. 
Palmieri,  Luigi,  Neapel.  D. 

Pa  n kratz,  Franz,  Jur.  Dr.  Pilsen,  Böhmen.  F. 

Pauler,  Dr.,  Theodor,  Rector  der  könig.  Ungarischen  Universität,  Pest.  B. 
Pauli,  Eduard,  k.  k.  Revierförster,  Hryniawa,  Kuty,  Galizien.  F. 

Paulus,  Georg,  Bergmeister  der  Stadt  Pilsen.  F. 

Pen  dl,  Johann,  k.  k.  Bezirksrichter,  Graz.  F. 

Petric,  Daniel,  Besitzer  des  k.  k.  Mil.  V.  K.  (Kr.  Dec.)  k.  k.  Oberstlieutenant 
und  Platz-Commandant  zu  Castelnuovo,  Oesterreichisch-Albanien.  F. 

Petz,  Eduard,  Major  im  k.  k.  Kriegsarchiv. 

Pfeiffer,  Franz,  Phil.  Dr.  k.  k.  Universitäts-Professor,  Wien.  D. 

Pichler,  Vincenz,  Bergverweser,  Turrach,  Steiermark.  F. 

Pi  nt  er.  Seine  Hochw.  Anton,  Pfarrer  zu  Oszlop.  F. 

Plotzek,  Franz,  Berg-  und  Hüttenverwalter,  Wrzischt  bei  Nemetzky  (Neustadt!) 
in  Mähren.  F. 

Popovic,  Demeter,  Pozeg,  Slavonien.  F. 

Posepny,  Franz,  k.  k.  Expectant,  Nagybänya.  A. 

Graf  Potocki,  Adam  k.  k.  w.  Kämmerer,  Werksbesitzer,  Krzezowice,  Krakau.  F. 
Prodanow,  Arsenius,  k.  k.  Oberst -Lieutenant  und  Regiments  - Commandant, 
Ottocac.  F. 

Quaglio,  Julius,  Ingenieur.  F. 

Quincke,  Dr.  G.,  Schriftführer  der  physikalischen  Gesellschaft,  Berlin.  B. 
Rahn,  Anton,  Werksbesilzer.  F. 

Rainer,  Magnus,  k.  k.  Controlor,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 

Ran  da,  Franz,  k.  k.  Bezirksamts-Vorsteher,  in  Neupaka,  Jicin,  Böhmen.  F. 
Ranzinger,  Anton,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Ranzinger,  Franz,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Ranzinger,  Nikolaus,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Rath,  Franz,  k.  k.  Bergverwalter,  Jaworzno,  Krakau. 

Ratz,  Thomas,  k.  k.  Berghauptmann,  Agram.  F. 

Reich,  Johann,  Oberingenieur  und  Bergverwalter,  Brandeisei,  Böhmen.  F. 
Reichenbach,  Ludwig,  Werksbevollmächtigter,  Sziersza,  Krakau.  F. 
Remschmidt,  Joseph,  Bergwerks-  und  Hotelbesitzer,  Karlstadt,  Croatien.  F. 
Resucsek,  Seine  Hochw.  und  Gnaden  Anton  Emerich,  infulirter  Abt  der  ver- 
einigten Abteien  Zirez,  Pilis  und  Päsztö.  F. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862,  IV.  Heft. 


c 


XVIII 


Rhees,  Wilhelm,  Kanzlei-Director,  Washington.  B. 

Richter,  Raimund,  k.  k.  Oberförster,  Gospic,  Militärgrenze.  F. 

Rick,  Karl,  Vorstand  der  Künstlergesellschaft  Aurora.  F. 

Riegel,  Anton,  Werksbesitzer,  Fünfkirchen.  E. 

Rieger,  Johann,  Schichtmeister,  Höllenstein,  Oesterreich.  F. 

Ri g aut,  Secretär  der  Societe  academique  des  Sciences,  St.  Quentin.  B. 

Roh  rau  er,  Georg,  k.  k.  Telegraphenamtsleiter,  Ottocac.  F. 

Römer,  Seine  Hochw.  Florian,  Phil.  Dr.  Professor,  Pesth.  F. 

Rost,  Gustav,  Schichtmeister,  Nirschau,  Böhmen.  F. 

Edler  v.  Rosthorn,  Adolph,  Werksbesitzer,  Prävali,  Kärnthen.  F. 

Freiherr  v.  Rothschild,  Anselm,  Werksbesitzer  u.  s.  w.  F. 

Freiherr  v.  Rothschild,  Jakob,  k.  k.  Generalconsul,  Paris.  B. 

Rotte r.  Seine  Hochw.  und  Gnaden,  Johann  Nep.  Ignaz,  Dr.,  Commandeur, 
Prälat  von  Brewnow  und  Braunau,  Böhmen. 

Ru  st  ler,  Rudolph,  Med.  Dr.  Chefarzt  des  22.  k.  k.  Feldjäger-Bataillons,  Karl- 
stadt, Croatien.  F. 

Sabljar,  Michael,  k.  k.  Major  in  Pension,  Goljak  bei  Sused,  Agram.  F. 
Saemann,  Ludwig,  Geologe,  Paris. 

Freiherr  v.  Sallaba,  Seine  Exc.  Johann,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  Geh.  Rath, 
F.  M.  L.,  Obersthofmeister  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  hochw. -durchl. 
Herrn  Erzherzogs  Wilhelm.  B. 

Graf  Sändor  v.  Slavnicza,  Moriz,  k.  k.  w.  Kämmerer,  Gutsbesitzer.  F. 
Sapetza,  Joseph,  Lehramtscandidat.  A. 

Sarkäny,  Seine  Hochw.  u.  Gnaden,  Nikolaus,  Th.  Dr.,  Ritter,  Abt  zu  Bakonybel.  F. 
Sars,  Dr.  Michael,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
v.  Sartori,  Franz,  Werksbesitzer,  Steinbrück  bei  Cilly.  E. 

Satter,  Franz  Xaver,  Werksbesitzer,  Schaflos,  Cilly,  Steiermark.  F. 
Sauerländer,  Johann,  Werksbevollmächtigter.  F. 

Saun d er s,  Reginald  F.,  kön.  Grossbrit.  Deputy-Commissioner , Dhurmsala, 
Kangra,  Punjab.  B. 

Scacchi,  Arcangelo,  Neapel.  D. 

Schaarschmidt,  Georg,  k.  k.  Hüttenverwalter  in  Csertest,  Siebenbürgen.  E. 
Scheliessnigg,  Jakob,  Werksinspector,  Klagenfurt. 

Scheller,. Wilhelm,  Secretär  des  Naturhistorischen  Vereines,  Augsburg.  B. 
Scherl,  Theodor,  Fabriksdirector,  Wolfsberg,  Kärnthen.  F. 

Schiff,  Theodor,  Vorstand  des  k.  k.  Telegraphen- Amtes  in  Sign,  Spalato, 
Dalmatien.  F. 

Schmid,  Paul,  Bergverwalter,  Ivanec,  Croatien.  F. 

Schrnidl,  Ignaz,  Bergverwalter,  Locke,  Krain.  F. 

Schmidt,  Hermann,  k.  k.  Ingenieur-Assistent,  Liezen,  Steiermark.  A. 

Freiherr  v.  Schneeburg,  Oswald,  k.  k.  w.  Kämmerer  und  Hauptmann,  Dienst- 
kämmerer Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs 
Karl  Ludwig.  B. 

Schneider,  Hermann,  Werksleiter,  Kleinzell,  Oesterreich.  F. 

Schnitzel,  Joseph,  k.  k.  Werksverwalter,  Radoboj,  Krapina.  F. 

Schönbuche r,  Alexander,  Berg-  und  Hiittendirector  in  Tergove,  Kostajnica, 
k.  k.  Militärgrenze  des  2.  Banal-  Regimentes.  F. 

Schott,  Ferdinand,  k.  k.  Bergmeister,  Jaworzno,  Krakau.  F. 

Schretter  v.  Wo hlgemuthsheim,  k.  k.  pens.  Rechnungs-Official.  D. 
Schroll,  Joseph,  Bergverwalter,  Fünfkirchen.  F. 

Schuscha,  Franz,  Buchberg,  Cilli.  F. 


XIX 


Schwanberg,  Wenzel,  Comitats-  Ingenieur,  Steinamanger.  F. 

Schwarzer,  Ignaz,  Bergmeister,  Domanin,  Mähren.  F. 

Schwenger,  Karl,  Werksbesitzer,  Wirtatobel,  Vorarlberg.  F. 

Seifert,  Alexander,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Seifert,  Alois,  Bergbauunternehmer,  Hohenelbe.  E. 

Seifert,  Cornel,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Seykotta,  Mathias  Alois,  jub.  k.  k.  Salz- Speditions- Verwalter,  Wieliczka.  A. 
Sharswood,  Judge,  V.  P.  American  Phil.  Soc.  Philadelphia.  B. 

Sichrovsky,  Heinrich,  General-Secretär  der  k.  k.  a.  pr.  Kaiser-Ferdinands- 
Nordbahn.  F. 

Sieber,  Wilhelm,  Bergverwalter,  Dux,  Böhmen.  F. 

Sieb  er  er.  Seine  Hochw.  P.  Maurus,  Stifts-Prior,  k.  k.  Gymnasial^  Director, 
Kremsmünster.  B. 

Freiherr  v.  Sil  herstein,  Adolph,  Werksbesitzer,  Schatzlar,  Böhmen.  F. 
Simettinger,  Michael,  fürstl.  Lie chtenstein’scher Bergingenieur,  Mährisch- 
Trübau.  E. 

Spiske,  Karl,  Bergverwalter,  Fohnsdorf,  Steiermark.  F. 

Sprung,  Budolpb,  Werksbesitzer,  Voitsberg,  Steiermark.  F. 
v.  Sta  nisavljevic,  Daniel,  k.  k.  Oberfinanz-Bath,  Agram.  F. 

Steinbrecher,  Franz  Sales,  Bürgermeister,  Mährisch-Trübau.  F. 

Stein vorth,  Mitglied  des  Vorstandes  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  für 
das  Fürstenthum  Lüneburg.  B. 

Stewardson,  Thomas,  Med.  Dr.,  correspondirender  Secretär  der  Academy 
of  Natural  Sciences  of  Philadelphia.  B. 

Stoliczka,  Ferdinand,  Phil.  Dr.,  Assistent  der  k.  geologischen  Aufnahme  von 
Indien,  Calcutta.  A. 

Storch,  Alois,  B.  Apotheker,  Bokitzan.  F. 

Graf  v.  Strachwitz,  Moriz,  k.  k.  Kämmerer,  Werksbesitzer.  F. 

Strauss,  C.  F.,  Werksbesitzer  zu  Kleinzell,  Oesterreich,  Wien.  F. 
Strippelmann,  Leo,  Berg-  und  Eisenwerksdirector,  Komorau.  Böhmen.  F. 
Strossmayer,  Seine  Exc.  Joseph  Georg,  Th.  und  Phil.  Dr.,  apost.  Vicar, 
k.  k.  w.  geh.  Rath,  Bischof  von  Diakovär.  F. 

Stüdl,  Andreas,  Werksbesitzer,  Prag.  F. 

Stüdl,  Joseph,  Werksbesitzer,  Prag.  F. 

Sturm,  Johann,  Bürger,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Sturm,  Vincenz,  Stadt-Steuereinnehmer,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Graf  Szesen  v.  Temerin,  Anton,  k.  k.  w.  geh.  Rath  und  Kämmerer,  u.s.  w.  F. 
Szentkiralyi  v.  Komjätszegh,  k.  k.  Berghauptmann.  Zalathna.  F. 
Tempsky,  Friedrich,  Buchhändler,  Prag.  F. 

Thies,  Heinrich,  könig.  preuss. Bergamts-Assessor  A.  D.,  Vassas,  Fünfkirchen.  F. 
Thomas,  Justus,  k.  k.  w.  Bergrath,  Salzburg.  F. 

Ticknor,  Georg,  Directionsmitglied  der  städtischen  Bibliothek,  Boston.  B» 
Topp  er,  Andreas,  Werksbesitzer,  Scheibbs,  Oesterreich.  F. 

Tom  sich,  Peter,  k.  k.  Hafencapitän,  Zara.  F. 

Ritter  v.  Toppo,  Alexander,  Generalsecretär  der  Dampfschifffahrts-Gesellschaft 
des  österreichischen  Lloyd,  Triest.  F. 

Trajer,  Seine  Hochw.  P.  Johann,  Bischöfl.  Consistorial-Archivar,  Budweis.  D. 
Triger,  Geologe,  Paris. 

Tyson,  Philipp  T.,  Staatschemiker,  Annapolis,  Maryland.  D. 

Uranitseh,  Dr.  Anton,  Secretär  der  Handels- und  Gewerbekammer.  Lemberg.  B. 
v.  Urbanitzky,  Karl,  k,  k.  Berghauptmann,  St.  Pölten.  F. 

C* 


XX 


Urfuss,  Franz,  Werksbesifzer,  Dallwitz,  Böhmen.  F. 

Vogel,  Joseph,  Phil.,  Med.  u.  Chir.  Dr.,  k.  k.  Badearzt  in  Vöslau.  u.  s.  w.  A. 
Vogt,  Karl,  Bergverwalter,  Petrovagora,  zu  Topuszko  F. 

Waagner,  Ignaz,  Berg-  und  Hüttenverwalter,  Rüde  bei  Samobor,  Croatien.  F. 
Waberer,  Anton,  k.  k.  Oberlieutenant,  Ingenieur,  Virje,  Beiovar.  F. 

Ritter  v.  Wachtier,  Joseph,  Hohen wang,  Steiermark.  F. 

Graf  v.  Walderdorff,  Rudolph,  k.  k.  w.  Kämmeier,  Hauptmarin  und  Platz- 
Commandant  in  Castel  Lastua  bei  Cattaro.  F. 

Graf  v.  W ald  stein- Warte nberg,  Georg,  Dux,  Böhmen.  F. 

v.  Walther  zu  Herbstenburg,  Alois,  k.  k.  Berghauptmann,  Hall  in  Tirol.  F. 

Wanke,  Friedrich,  Bergdirector,  Wilkiscben,  Böhmen.  F. 

Weber,  Seine  Hochw.  Dr.  Dionys,  Prior  der  Abtei  Bakonybel.  F. 

Weissmann,  Johann,  Jur.  Dr.  k.  k.  w.  Ministerialrath  im  Staatsministerium.  E. 
Wessely,  Ignaz,  Bergverwalter,  Schwarzbach,  Böhmen.  F. 

Reichsgraf  v.  Westphalen-Fürstenberg,  Ritter  des  Oe.  K.  0.  d.  eisernen 
Krone,  Kulm,  Böhmen.  F. 

Graf  v.  Wickenburg,  Seine  Exc.  Mathias  Cons'antin,  Grosskreuz,  k.  k.  w. 

geh.  Rath  und  Kämmerer.  Handelsminister.  B. 

Wiebel,  Med.  Dr.  Prof,  Präsident  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  zu 
Hamburg.  B. 

Graf  v.  Wimpffen,  Felix,  Ritler,  k.  k.  w.  Kämmerer  und  Legationsrath  in 
London.  B. 

Wi  nda  kiewic  z,  Eduard,  Grubendirector,  Vassas,  Fünfkircher.  F. 
Wittmann,  Alois,  Director  der  DampfschitFfahrts-Gesellschaft  des  österreichi- 
schen Lloyd,  Triest.  F. 

Wodiczka,  Franz,  k.  k.  Bergverwalter,  Cilli.  F. 

Wo r mustin y,  Eduard,  Assistent  am  Landesmuseum,  Agram.  F. 

Wüllner,  Adolph,  Phil.  Dr.,  Privatdocent  der  Physik,  Univ.  Marburg.  D. 
Young,  Charles  A.,  Professor,  Western  Reserve  College,  Hudson,  Ohio.  B.  E. 
v.  Zanchi,  Franz,  k.  k.  Stadthaltereirath,  Kreisvorstand,  Berghauptmann,  Zara.  F. 
Ritter  v.  Zastavnikovic,  Gideon,  Ritter  des  Oe.  K.  Orden  der  E.  K.  k.  k. 
Oberst  und  Commandant  des  Szluiner  k.  k.  Mil.-Grenz-Regiments,  Karl- 
stadt. F. 

Zech,  Johann,  Bergingenieur,  Reschitza,  Banat.  F. 

Zecic,  Mathias,  k.  k.  Lieutenant,  Carlopago,  croatische  Militäj  grenze.  F. 
Zemlinsky,  Rudolph,  Bergdirector,  Schatzlar,  Böhmen.  F. 

Zerzer,  Karl,  Verweser,  Steyeregg,  Cilli,  Steiermark.  F. 

Zeynek,  Gustav,  Lehrer  an  dem  k.  k.  Theresianischen  katholischen  Waisen- 
hause, Hermannstadt.  E. 

Ritter  v.  Ziernfeld,  Hermann,  Berg-und  Hüttenverwalter,  Kogel,  Steiermark.  F. 
Zittel,  Karl,  Phil.  Dr.,  Heidelberg.  A. 


XXI 


Inhalt. 


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Seite 

Vorwort  III 

Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt IX 

Correspondenten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  aus  den  Jahren  1861  und  1862  . X 

1.  Heft.  Jänner  bis  December  1861. 

I.  Ueber  Herrn  J.  ßarrande’s  Colonien  in  der  Silurformation  Böhmens.  Von 

M.  V.  Lipoid i 

II.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  von  Hau  er ß7 

III.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen  an 

Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w 72 

IV.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w 75 

2.  Heft.  Jänner,  Februar,  März,  April  1862. 

I.  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol.  Zweite  Abtheilung.  Von  Ferdinand 

Freiherrn  von  Richthof en 87 

II.  Aus  Herrn  Joach.  B ar ran d e’s  Schrift:  „Defense  des  Colonies,  1.  Groupe pro- 

batoire“  Uebersetzt  von  A.  Fr.  Grafen  Marschall  207 

III.  Bericht  über  die  im  Jahre  1859  ausgeführlen  geologischen  Aufnahmen  bei  Prag 

und  Beraun.  Von  Johann  Krej cl 223 

IV.  Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien.  Von  Dionys  Stur  . . . 285 

V.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 
von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  10.  December  1861  bis 


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VI.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  1.  Jänner  bis  15.  April  1862  306 

3.  Heft.  Mai,  Juni,  Juli,  August  1862. 

I.  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

Von  Theobald  von  Z o 1 li  k o f e r . 31  i 

II.  Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen.  Von 

Johann  Jokely 367 

III.  Pflanzenreste  aus  dem  Basalttuffe  von  Alt-Warnsdorf  in  Nord-Böhmen.  Von  Johann 

Jokely 379 

IV.  Allgemeine  Uebersicht  über  die  Gliederung  und  die  Lagerungsverhältnisse  desßoth- 
liegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises  in  Böhmen.  Von  Joh.  Jokely  381 

V.  Das  Riesengebirge  in  Böhmen.  Von  Johann  Jokely 396 

VI.  Arbeiten  im  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  v.  Hauer 421 

VII.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 

von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  15.  April  bis  15.  August  1862  425 

VIII.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  16.  April  bis  15.  August  1862  426 


XXII 


Seite 

4.  Heft.  September,  October,  November,  December  1862. 


I.  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 

Von  M.  V.  Lipoid 431 

II.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Oguliner  und  der  südlichen  Com- 
pagnien des  Szluiner  Regimentes  in  der  Karlstädter  k.  k.  Militärgrenze.  Von 

Dr.  Ferdinand  S toi iczka 526 

III.  Zur  Geognosie  Tirols.  Von  Adolph  Pichl  er 531 

IV.  Arbeiten  im  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  v.  Hauer 533 

V.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 

von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  16.  August  bis  15.  Decem- 
ber 1862  537 

VI.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  16.  August  bis  15.  December  1862  539 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzungsberichte. 

1.  Sitzung  am  15.  Jänner  1861. 

W.  Haidinger,  F.  X.  M.  Zippe’s  siebenzigster  Geburtstag  1.  — Franz 
v.  Hauer,  Fogarascher  Gebirge  1.  — Bausteine  für  den  St.  Stephansthurm  2.  — 
Gümbel,  Scaphites  multinodosus  3.  — M.  V.  Lipoid,  J.  Biefel,  Petrefacten 
aus  Mähren  3.  — K.  v.  Hauer,  R.  Maly,  Ambrit  4.  — Freih.  v.  Andrian, 
geologische  Karte  des  Kaurzimer  und  Taborer  Kreises  5.  — G.  Stäche,  Eocen 
im  nordwestlichen  Siebenbürgen  5.  — Fr.  Foette  r I e,  „Das  Wasser  in  und  um 
Wien“  7.  — P.  Turczmanovich,  Steinsalz  von  Wieliczka 8 

2.  Sitzung  am  29.  Jänner  1861. 

Fr.  Foetterle,  Geschenke  vom  naturwissenschaftlichen  Verein  in  Augs- 
burg 9.  — K.  v.  Hauer,  H.  C.  Sorby,  mikroskopische  Structur  der  Krystalle  9. 

— Sammlung  künstlicher  Krystalle  10.  — W.  Haidinger,  C.  W.  Zenger, 

Mineralien  und  Hüttenprodacte  von  Neusohl  10.  — Th.  v.  Z ol  1 i ko  f e r,  Gratzer 
Tertiärbecken  11.  — W.  Haidinger,  Dank  an  Zollikofer  12.  — D.  Stur, 
Retjezat-Gebirg  12.  — H.  Wolf,  Körösthal  14.  — F.  Stoliczka,  Petrefacte 
aus  den  Südalpen  16.  — W.  Hai  dinge  r,  V.  v.  Zepharovich,  terminologische 
Sammlung  der  Universität  Krakau 18 

3.  Sitzung  am  26.  Februar  1861. 

M.  V.  Lipoid,  Aufnahmen  in  der  Umgegend  von  Olmütz  19.  — Ed.  Klesz- 
czynski,  Eruptivgestein  und  Cokes  von  Prziwos  19.  — F.  v.  Hochstetter, 
dessgleichen  von  Hruschau  19.  — Fr.  v.  Hauer,  Burzenländer  Gebirge  20.  — 

H.  Wolf,  geologische  Aufnahmen  in  Mähren  20.  — Gebirgsarten,  gesendet  von 
Herrn  Ambros  22.  — Mastodonknochen  von  Atzgersdorf  22.  — Fr.  Foetterle, 

J.  B.  Kraus,  Montanhandbuch  22.  — F.  v.  Ho  chst etter,  Schreiben  des  Herrn 
H.  Ulrich  aus  Australien 23 

4.  Sitzung  am  12.  März  1861. 

M.  V.  Lipoid,  J.  Jokely,  Rothliegendes  im  Jiciner  Kreise  29.  — Roth- 
liegendes  bei  Schwarzkosteletz  und  Böhmischbrod  30.  — G.  Stäche,  Quell- 
gebiet des  kleinen  Szamos  31.  — K.  v.  Hauer,  Analyse  von  Donauwasser  34.  — 

W.  Haidinger,  fliessendes  Wasser  nimmt  nicht  Kohlensäure  aus  der  Luft  auf  36. 

— Herrn.  Dauber  todt  36.  — Wollaston-Medaille  38.  — Wahlen  der  geologi- 

schen Gesellschaft  in  London  38.  — O.  Freih.  v.  Hingenau,  allgemeine  Ver- 
sammlung des  Werner-Vereines 38 

5.  Sitzung  am  16.  April  1861. 

W.  Haidinger,  Berichte  über  unsere  Sitzungen  im  „Berggeiste“  39.  — 

Fr.  v.  Hauer,  W.  Gümbel,  die  bayerischen  Alpen  39.  — Bronn’s  von  der 
Pariser  Akademie  gekrönte  Preisschrift  45.  — N.  Woldrich,  Becken  von 
Eperies  46.  — Ammoniten  von  Mariathal  bei  Stampfen  46.  — Curioni,  „ sulla 
Industria  del  ferro“  47.  — M.  V.  Lipoid,  Kreideformation  im  Prager  und  Bunz- 
lauer  Kreise  48.  — K.  v.  Hauer,  krystaliogenetische  Studien  49.  — H.  Wolf, 


XXIII 


Seite 

Tertiär  und  Diluvium  zwischen  OJmütz  und  Brünn  51.  — Fr.  Foetterle, 

J.  Leinmüller,  Petrefacten  von  Gurkfeld 53 

6.  Sitzung  am  30.  April  1861. 

W.  Kaidinger,  Karten  und  Jahrbuch  an  Seine  k.  k.  Apostol.  Majestät  54. 

— Sommerplan  für  1861  54.  — Localitäten  der  Anstalt  55.  — Verein  zur  Ver- 
breitung naturwissenschaftlicher  Kenntnisse  55.  — K.  v.  Hauer,  Quellen  von 
Mauer  56.  — Dr.  K.  Peters,  geologische  Verhältnisse  des  Baranyer  Comita- 
tes  58.  — M.  V.  Lipoid,  J.  Jokely,  das  Riesengebirge  in  Böhmen  59.  — 

D.  Stur,  Tertiäres  in  Südwest-Siebenbürgen  59.  — F.  Freih.  v.  Andrian, 
Granitgebiet  von  Beneschau  61.  — Fr.  Fo  etterle,  geologische  Uebersichts- 


karte  des  Banates  62.  — W.  Haidinger,  Danksagung 62 

7.  Sitzung  am  28.  Mai  1861. 

Fr.  Foetterle,  A.  Letocha  schenkt  Tertiär-Petrefacten  63.  — W.  Hai- 


dinger, Miethe  des  Local  es  für  die  Anstalt  erneuert  63.  — Unabhängige  Stellung 
der  Anstalt  angeordnet  63.  — Hauynfels  von  Ditro  64.  — Forcherit  64.  — 
Grund-  und  Profilrisse  über  die  Gangzüge  des  Oberharzes  66.  — Fr.  v.  Hauer, 
Petrefacten  aus  dem  Bakonyerwald  67.  — M.  V.  Lipoid,  geologische  Karte 
von  Böhmen  68.  — H.  Wolf,  Correspondenzen  der  Herren  F.  Römer  und 
Göppert  69.  — W.  Haidinger,  Schlusswort 70 

Monatsberichte. 

Bericht  vom  30.  Juni  1861. 

Audienz  des  Directors  bei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät  71.  — 
Berichterstattung  Schrotte r’s  in  der  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  71.  — Fr.  v.  Hauer’s  Festrede  in  dieser  Sitzung  71. 

— J.  Richter  erhält  das  silberne  Verdienslkreuz  mit  der  Krone  71.  — Geogra- 
phische Gesellschaft  72.  — Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  72.  — 
Berichte  von  M.  V.  Li  po  1 d aus  Hollaubkau  72.  — von  J.  J o k e 1 y aus  Jicin  73. 

— von  Fr.  v.  Hauer  aus  Raab  73.  — H.  Wolf,  Aufsammlung  von  Tertiär- 
Petrefacten  in  Mähren  73.  — Einsendungen  von  Mineralien  und  Druckwerken  . 74 

Bericht  vom  31.  Juli  1861. 

Seine  kais.  Hoheit  Erzherzog  Rainer  besucht  die  Anstalt  75.  — Berichte  von 
M.  V.  Lipoid  aus  Kolin  75.  — von  J.  Jokely  aus  Schatzlar  72.  — von  Fr. 
v.  Hauer  aus  dem  Vertesgebirge  und  dem  Bakonyerwalde  76.  — von  F.  Sto- 
liczka  aus  Güns  78.  — von  Fr.  Foetterle  aus  Warasdin  und  über  den  Avanza- 
Graben  im  Venetianischen  78.  — von  H.  Wolf  aus  Belovär  79.  — Analyse  von 
Mineralwässern  aus  Kärnthen  79.  — Einsendungen  und  Geschenke  der  Herren 
Schmidt  in  Lietzen,  M aryska  in  Liebstadt],  Sapetza,  Müller  in  Melbourne, 

Th.  Oldham  in  Calcutta  79.  — Einladungen  zu  Versammlungen 80 

Bericht  vom  31.  August  1861. 

Berichte  von  M.  V.  Li  p o ld  aus  Neu-ßidschow  81. — von  Freih.  v.  Andrian 
aus  Chotebor  81.  — von  J.  Jo k e ly  aus  Schwadowitz  81.  — von  F.  Foetterl  e 


aus  Agram  82.  — von  D.  Stur  aus  Posega  83.  — von  H.  Wolf  aus  Warasdin  83. 

— von  Fr.  v.  Hauer  aus  dem  Bakonyerwalde  83.  — K.  v.  Hauer,  Untersuchung 
des  Suliguli-Säuerlings  85.  — Untersuchung  der  Quelle  von  Mauer85. — F.  Schott, 
Galmei  von  Dlugoszyn  85.  — A.  Breithaupt,  Paradoxit  86.  — Einsendungen 
von  Mineralien  und  Druckwerken  durch  die  Herren  Freih.  v.  Merck,  Sapetza, 
Delesse  86.  — M.  A.  Seykotta,  Salzerzeugung  in  Wieliczka 87 


Sitzungsberichte. 


Sitzung  am  19.  November  1861. 

W.  Haidiger,  Jahres-Anspraehe 89 

M.  V.  Lipoid,  geologische  Karte  der  Umgebungen  von  Pardubitz  und  Elbe- 
teinitz  105.  — K.  v.  Hauer,  Quellen  von  Gars  t07.  — Fr.  Foetterle,  Fahlerz- 
vorkommen im  Avanzagraben  107.  — Einsendungen 108 

Sitzung  am  3.  December  1861. 

Fr.  F o ette  r 1 e , Collectiv-Ausstellung  von  fossilen  Brennstoffen  für  Lon- 


don 109.  — Fr.  v.  Hauer,  geolog.  Uebersichtskarte  von  Südwest-Ungarn  110.  — 


XXIV 


Seite 

B.  v.  Cotta,  Erzlagerstätten  112.  — Dr.  F.  Stoliczka,  krystallinisehe  Schiefer- 
gebilde in  Südwest-Ungarn  114.  — K.  v,  Hauer,  Verhalten  von  Metallen  in  der 
Flamme  von  Schwefelkohlenstoff  115.  — D.  Stur,  geologische  Karte  von  West- 
Slavonien  115.  — M.  V.  Lipoid,  Einsendungen  der  Herren  Dr.  Müllner, 

Freih.  v.  Merck,  J.  Sapetza  und  Frau  Jos.  Ka bl i k 118 

Sitzung  am  17.  December  1861. 

Dr.  M.  Hörnes,  Lieferung  14 — 15  der  „fossilen  Mollusken  des  Tertiär- 
beckens  von  Wien“  119.  — Dr.  F.  Zirkel,  Gesteine  des  Melegyhegy  121  — 

Fr.  Foetterle,  geologische  Karte  von  Croatien  123.  — Dr.  G.  Stäche, 
jüngere  Tertiärschichten  des  Bakonyer  Waldes  124.  — Freih.  v.  Andrian, 
geologische  Karte  des  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreises  127.  — M.  V.  Lipoid, 
Petrefacte,  gesendet  von  K rejci  128.  — Fr.  v.  Hauer,  Binkhorst  über  die 
Gasteropoden  der  oberen  Kreide  von  Limburg  129.  — A.  Pichler,  Fossilien  der 
Hierlatz-Schichten  in  Tirol  130.  — C.  W.  Gümbel,  die  Dachsteinbivalve  130.  — 

W.  Haidinger,  Druckwerke  von  L.  Hohenegg  er  (Karte  der  Nord-Karpa- 
then) 131  — und  Baronin  L.  v.  Kotz  (Was  ich  erlebte!)  133.  — Schlusswort  . 133 

Sitzung  am  7.  Jänner  1862. 

M.  V.  Lipoid,  Galmei  und  Braunkohlenbergbau  in  Ivanec  135.  — Karl 
v.  Hauer,  Kohle  der  Beatensglückgrube  139.  — D.  Stur,  fossile  Pflanzen  von 
Miröschau,  Bras  und  Swina  140.  — Dr.  Braun,  fossile  Pflanzen  von  Bayreuth  143. 

— Dr.  G.  S ta  c h e,  Basaltterrain  am  Plattensee  145.  — W.  Haidinger,  Jahr- 
buch, Bd.  XII,  Heft  1 148.  — Barrand  e’s  Defense  des  Colonies  148.  — 

C.  v.  E t ti  n gsh  aus  e n , Reelnmation  151.  — Geognostische  Karte  der  Banater 
Domäne  152.  — Bücher 152 

Sitzung  am  21.  Jänner  1862. 

E.  S u ess,  Brief  über  die  Barr  and  e’schen  Colonien  153.  — F.  F o e tte  rl  e, 
Braunkohlenvorkommen  von  Valdagno  154.  — M.  V.  Lipoid,  Basalte  von  Pardu- 
bitz 155.  — H.  Wolf,  das  Vrdnik-Gebirge  158.  — Dr.  F.  Stoliczka,  Reste  der 
Diluvialzeit,  gesendet  von  Herrn  Boucher  de  Perthes  160.  — Fr.  v.  Hauer, 
Triaskalke  im  Bakonyer  Wald  164.  — Ammoniten  aus  dem  Medolo 166 

Sitzung  am  4 Februar  1862. 

W.  H a i d i n g e r , K.  C.  v.  Leonhard  todt  167.  — J.  Jokely,  Professor 
am  Josephs-Polytechnicum  in  Ofen  168.  — J.  Jokely,  Geologisches  aus  dem 
Königgrätzer  Kreise  169.  — M.  V.  Lipoid,  Eisensteinlager  in  der  Silurforma- 
tion in  Böhmen  175.  — F.  Freih.  v.  Andrian,  Gneisse  aus  dem  Czaslauer  und 
Chrudimer  Kreise  177.  — P.  v.  Tchihatchef,  der  Vesuv  im  December  1861  . 179 

Sitzung  am  18.  März  1862. 

W.  Hai  d i n ge  r,  Vor-Ausstellung  für  London  183.  — Besuch  S ei  n e r k.  k. 
Apostolischen  Majestät  184.  — J.  J o k e ly’s  erste  Vorlesung  in  Ofen  188.  — 
Besucher  der  Anstalt  für  Dinstag  eingeladen  189.  — Granit  von  Bregenz,  gesendet 
von  Freih.  v.  Seyffertitz  189.  — K.  v.  H auer,  Untersuchung  von  Cokes  189. 

— Freih.  v.  Hingenau,  General-Versammlung  des  Werner-Vereines  189.  — 

Fr.  v.  Hauer,  Vorkommen  von  Phosphorverbindungen  im  Mineralreich  190.  — 

Fr.  Posepny’s  geognostische  Karte  des  Mittellaufes  der  Lapos  192.  — 

Al.  v.  Pävai,  Petrefaeten  aus  Nordost-Siebenbürgen  194.  — Ad.  Pichler,  zur 
Geognosie  des  Haller  Salzberges  194.  — M.  V.  Li p old,  Gänge  am  Giftherge  195. 

— Fr.  Foetterle,  K.  Gregory,  Naphthaquellen  in  Galizien  196.  — D.  Stur, 

Prof.  Braun,  Pflanzenlager  von  Veitlahm  199.  — Uebersichtsaufnahme  von 
West-Slavonien  200.  — K.  M.  Paul,  Verrucano  und  Werfener  Schiefer  im 
Bakonyer  Walde 205 

Sitzung  am  1.  April  1862. 

W.  Haidinger,  J.  Barrande’s  Defense  de  Colonies  207.  — Jahres- 
versammlung der  geologischen  Gesellschaft  in  London  209.  — Photographien  von 
- C.  v.Renard  und  Al.  P e r r e y 210.  — Dr.  G.  Stäche,  Eocenablagerungen  im 
Bakonyer  Wald  210.  — K.  v.  Hauer,  Untersuchung  der  Kohlen  von  Reschitza 
und  Steierdorf  212.  — Fr.  Foetterle,  Lagerungsverhältnisse  dieser  Kohlen  214. 

— H.  Wolf,  geologische  Aufnahme  der  Warasdiner  Grenzregimenter  215.  — 

Dr.  F.  Stoliczka,  jüngere  Tertiärschichten  in  Süd west-Ungarn 


217 


XXV 


Seite 

Sitzung  am  29.  April  1862. 

W.  Haidinger,  Karten  und  Druckwerke  an  Seine  k.  k.  Apostolische 
Majestät  219.  — Sommerplan  für  1862  221.  — Schwefelwasser  von  Hryniawa 
222.  — Freih.  v.  Härdtl’s  „Heilquellen  des  österreichischen  Kaiserstaates“  223. 

— H.  Wolf,  Profil  der  Kaiserin  Elisabeth-Westbahn  223.  — M.  V.  Lipoid, 
Eisensteinlager  der  Silurformation  in  Böhmen  224.  — Petrefacten,  gesendet  von 
Fr.  Jos.  K ablik,  J.  F.  Kutschker  und  Fr.  Posepny  225.  — K.  M.  Paul, 
Rhätische,  Lias-  und  Jura-Bildungen  im  Bakonyer  Gebirge  226.  — H.  Wolf,  das 


Kalnikgebirge  229.  — W.  Hai  dinge  r,  Schlusswort . 230 

Die  allgemeine  Farbentafel  für  die  10  geologisch-colorirten  Karten  der  inter- 
nationalen Ausstellung  in  London 231 


Monatsberichte. 

Bericht  vom  31.  Mai  1862. 

Audienz  des  Directors  bei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät  233. 
— Begünstigung  der  Geologen  der  Anstalt  durch  Freikarten  233.  — Berichte  der 
Herren  M.  V.  Lipoid,  H.  Wolf,  Freih.  v.  Andrian  und  K.  Paul  aus  Ost- 
Böhmen  234.  — von  D.  Stur  aus  Karlstadt  234.  — von  Dr.  F.  Stoliczka  aus 
Ogulin235.  — von  Dr.  G.  Stac  h e aus  Zara235.  — Geschenke  von  Büchern  236. 
— Das  Skelet  von  Cervus  Euryceros  in  den  Thiergarten  übertragen  237.  — 


Zweites  Heft  des  Jahrbuches  vollendet 237 

Ber  eht  vom  30.  Juni  1862. 

W.  Haidinger  zum  wirklichen  Hofrath  ernannt  238.  — Berichte  von  M.  V. 
Lipoid  aus  Policzka  238.  — von  Freih.  v.  Andrian  aus  Deutschbrod  239.  — von 
C.  M.  Paul  aus  Brandeis  239.  — von  Dr.  F.  Stoliczka  aus  Ogulin  239.  — von 


D.  Stur  aus  Samobor  240.  ■ — von  Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  G.  Stäche  aus  Spa- 
lato  241.  — von  Fr.  Foetterle  aus  Zen gg  241.  — Ausstellung  in  London  243. 
— C.  W.  Gümbel’s  Werk  über  die  bayerischen  Alpen  243.  — N.  St.  Maske- 
lyne,  Meteoriten  des  Britischen  Museums  244.  — Brief  von  Freih.  v.  Richt- 


hofen aus  Calcutta  244.  — Geschenke  an  Mineralien,  Büchern  u.  s.  w 245 

Wilhelm  Haidinger:  „Der  Boden  der  Stadt  Wien , von  Ed.  Suess  . . . 247 

Bericht  vom  31.  Juli  1862. 

Fünf  Medaillen  in  London  uns  zuerkannt  251.  — Berichte  von  M.  V.  Lipoid 
aus  Policzka  252.  — von  Freih.  v.  Andrian  aus  Neu-Reichenau  253.  — von 
C.  M.  Paul  aus  Chotzen  253.  — von  H.  Wolf  über  das  Rothliegende  253.  — 
von  Fr.  Foetterle  aus  Ottocac  254.  — von  D.  Stur  aus  Petrinia  256.  — von 


Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  G.  Stäche  aus  Spalato  257.  — Ed.  Suess,  alpine  Trias- 
Petrefacten  vomHimalaya  258.  — Frau  Jos.  Kablik  sendet  Fische  aus  dem  Roth- 
liegenden  von  Hohenelbe  259.  — DesCloizeaux,  Manuel  de  Mineralogie  259. 

— K.  Naumann,  Lehrbuch  der  Geognosie  259.  — Auszeichnungen  den  Herren 
D.  G.  Kieser,  Rokitansky  und  Hyrtl  verliehen  ...........  259 

Sitzungsberichte. 

Sitzung  am  4.  November  1862. 

W.  Haidinger,  Jahres-Ansprache 261 

F.  v.  Hochstetter,  Publicationen  der  Novara-Expedition  280.  — Dank  für 
eine  Kohlensammlung  280.  — Fr.  v.  Hauer,  Gümbel’s  Werk  über  die  bayeri- 
schen Alpen  280.  — M.  V.  Lipoid,  Karte  des  Silurterrains  in  Böhmen  284.  — 

Dr.  F.  Stoliczka,  Abschiedsworte  285.  — Fr.  v.  Hauer,  Antwort 285 

Sitzung  am  18.  November  1862. 

E.  Suess,  Säugethier-Reste  vom  k.  k.  Hof-Mineraliencabinete  acquirirt  286. 

— Fr.  v.  Hauer,  Paralleltafeln  für  die  Farbenschemata  der  Karten  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  287.  — M.  Y.  Lipoid,  Aufnahmen  in  Böhmen  288. 

— K.  v.  Hauer,  Kohlen-Untersuchungen  288.  — Fr.  Foetterle,  Kohlen- 
vorkommen im  Neograder  Comitat  290.  — Mammuthreste  von  Kasperowce  . . . 290 

Sitzung  am  2.  December  1862. 

E.  v.  Mojsisovics,  Lagerung  der  Hierlatz  - Schichten  291.  — M.  V. 
Lipoid,  Erzvorkommen  von  Raibl  292.  — D.  Stur,  Fisch-  und  Pflanzenreste 
von  Hohenelbe  293.  — F.  Römer  silurische  Schichten  von  Zaleszczyki  294.  — 

K.  Paul,  Aufnahmen  im  östlichen  Böhmen  295.  — H.  Wolf,  Tertiärpetrefacten 
von  Jaromieric  297.  — Fr.  Fo  etterle,  geologische  Karte  der  Licca  . ....  298 

K,  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


D 


Sitzung  am  16.  December  1862. 

M.  Y.  Lipoid,  Eisensteinvorkommen  von  Prasberg  299.  — Mineralien  aus 
Klein-Asien,  geschenkt  von  M.  L i 1 1 v.  L i 1 i e n b a c h 299.  — Freih.  v.  A n d r i a n, 
Eisensteinvorkommen  vom  Kohlberg  und  Kogelanger  300.  — K.  v.  Hauer,  Anti- 
monerze von  Pinkafeld  302.  — Eisensteine  vom  Kohlberg  und  Kogelanger  302. 
— H.  Wolf,  Geologie  des  Chrudimer  und  Czaslauer  Kreises  303.  — W.  Haidin- 
ger, Glimmer-Pseudornorphosen  nach  Cordierit  von  Greinburg  304.  — Franz 
v.  Hauer,  zur  Gedgnosie  Tirols,  von  A.  Pichler  304.  — Fossilien  aus  dem 
Tegel  von  Olmütz,  gesendet  von  J.  N.  W o 1 d ric h 304.  — Naturwissenschaft- 
licher Verein  für  Steiermark  305.  — Bericht  über  die  geologische  Landesauf- 
nahme von  Italien,  von  Q.  Sella 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 
NB0  1.  JÄNNER  BIS  DECEMBER  1861. 


WIEN. 

AUS  DER  K.  K.  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


■ 


- 


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I.  lieft. 


12.  Band.  1861  ».1861  JAHRBUCH 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Ueber  Herrn  J.  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur- 

Formation  Böhmens. 

Von  M.  V.  Lipoid, 

kaiserlich-königlichem  wirklichen  Bergrathe. 

(Mit  2 Tafeln  und  3 Holzschnitten.) 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  11.  December  1860. 


V o r w o r t. 

In  dem  Terrain  der  sibirischen  Grauvvackenformation  Böhmens,  welches  durch 
die  langjährigen  unermüdlichen  Arbeiten  des  gelehrten  und  hochverdienten  Natur- 
forschers Herrn  Joachim  Barrande  für  die  Paläontologie  ein  „classischer  Boden44 
geworden  ist,  hat  wohl  keine  Erscheinung  eine  so  grosse  Sensation  unter  den 
Geologen  hervorgerufen,  als  jene  der  „Colonien44.  Es  ist  bekannt,  dass  Herr 
Barrande  gewisse  isolirte  Partien  von  Schichten  aus  seiner  obersilurischen  Etage 
E,  welche  zwischen  Schichten  seiner  untersilurischen  Etage  D auftreten,  mit  dem 
Namen  „Colonien44  belegt  hat  und  annimmt,  dass  die  ersteren  in  normaler 
Beihenfolge  zwischen  den  letzteren  abgelagert  wurden.  Die  Fauna  der  Colonien, 
welche  jener  der  Etage  E entspricht,  wäre  in  das  böhmische  Silurbecken  zur 
Zeit,  als  daselbst  die  Ablagerungen  der  Etage  D erfolgten,  aus”  einem  ausserhalb 
dieses  Beckens  gelegenen  Meere,  wo  sie  bereits  existirte,  auf  einige  Zeit  „ein- 
gewandert“. 

Als  im  Sommer  des  Jahres  1859  Herr  Johann  Krejci , damals  Lehrer  an  der 
k.  böhmischen  Oberrealschule  zu  Prag,  derzeit  Direetor  der  Oberrealschule  zu 
Pisek,  an  den  Arbeiten  der  I.  Section  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt, 
welche  ich  als  Chefgeologe  zu  leiten  hatte,  Antheil  zu  nehmen  freundlichst  sich 
erbot,  und  die  geologische  Aufnahme  des  ihm  aus  früheren  Forschungen  viel- 
fach bekannten  Terrains  um  und  westlich  von  Prag  übernahm,  hatte  derselbe 
in  dem  über  seine  Arbeiten  im  Monate  August  an  die  Direction  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  erstatteten  Berichte  *)  die  Mittheilung  gemacht,  „dass  er  mit 
grösster  Aufmerksamkeit  den  Verlauf  der  Schichten  in  ihrem  Streichen  verfolgte, 
und  in  Bezug  auf  den  so  wichtigen  Begriff  der  B arr  a n d e’schen  „Colonien“  in 
den  Localitäten  von  Motol  und  dem  Beranka-Wirthshause,  wo  Schichten  mit 
Petrefacten  der  Etage  E in  Schichten  der  Etage  D eingelagert  sind,  sowie  in  der 
von  Gross-Kuhel  zu  der  Annahme  gelangt  ist,  dass  diese  Anomalien 
durch  wirkliche  Dislocationen  erklärt  werden  können“. 

Es  ist  erklärlich,  dass  diese  Behauptung  des  Herrn  Directors  Krej  ei,  welche 
der  bereits  von  hochgeachteten  Geologen  angenommenen  Erklärungsart  des  Herrn 


D Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrg.,  1859.  Verhandlungen,  S.  112. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  13.  Band,  1861  uud  1863.  I.  Heit,  1 


2 


M.  V.  Lipoid. 


[2] 


Barrande  über  die  „Colonien“  geradezu  entgegengesetzt  war,  unter  den  Wiener 
Geologen  Aufsehen  erregte,  und  dass  mein  hochverehrter  Freund  Herr  Professor 
Eduard  Suess,  sobald  er  hievon  Kenntniss  erhielt,  nach  Prag  eilte,  um  über 
diese  für  seine  eigenen  paläontologischen  Forschungen  so  hochwichtige  Frage 
Aufklärung  zu  erlangen.  Durch  Herrn  Suess,  und  später  aus  dem  Berichte  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  für  den  Monat  August  1859  gelangte  auch  Herr 
J.  Barrande  in  die  Kenntniss  von  der  Ansicht  des  Herrn  Krejci  über  die  „Colo- 
nien“. Beiden  Herren  gab  die  Behauptung  des  Herrn  Krejci  Veranlassung,  diesen 
Gegenstand  betreffende  Zuschriften  an  meinen  hochgeschätzten  Lehrer  und 
Director,  Herrn  Hofrath  W.  Haidinger,  zu  richten.  Herr  J.  Barrande  erklärte 
in  seinem  diesfälligen  Schreiben1)  von  Prag  den  17.  October  1859,  dass  „er 
gegen  diese  angebliche  Entdeckung“  des  Herrn  Krejci  „protestire “,  — „dass 
die  Colonien  wirklich  eine  anomale  Erscheinung  sind,  und  nichts  mit  den  in  dein 
silurischen  Becken  von  Böhmen  so  gewöhnlichen  Dislocationen  gemein  haben“, 
— und  dass  er  „ohne  zu  wanken,  an  seiner  Lehre  von  den  Colonien  festhalte“. 
Er  theilte  mit,  dass  er  demnächst  seine  Lehre  von  den  Colonien  in  einer  Arbeit 
darstellen2)  und  dieselbe  auf  Thatsachen  stützen  werde,  welche  man  in  den  zu- 
nächst bei  Prag  gelegenen  Colonien,  die  er  „Colonie  Zippe“,  „Colonie  Haidinger“ 
und  „Colonie  Krejci“  benannte,  beobachtet.  Auch  Herr  Professor  E.  Suess 
erklärte  sich  in  seinem  Schreiben  von  „Wien,  November  1859“  3)  für  die  Ansicht 
des  Herrn  Barrande,  stützte  sich  jedoch  hauptsächlich  auf  Thatsachen,  welche 
der  „Colonie  Zippe“,  die  in  der  „Bruska“  in  Prag  seihst  liegt,  entnommen  wurden, 
uud  meint,  „dass  in  der  Bruska  von  einer  Erklärung  der  Vorkommnisse  durch 
Schichtenstörung  keine  Rede  sein  könne“,  und  dass  man  es  an  dieser  Stelle 
„sicher  mit  einer  ursprünglichen  Einlagerung,  einer  Colonie,  und  nicht  mit  einer 
Schichtenstörung  zu  thun  habe“. 

Diese  Erklärungen  der  beiden  gelehrten  Herren  bestimmten  Herrn  Hofrath 
Haidinger  in  seinem  Schreiben  vom  18.  Februar  1860  an  Herrn  Barrande  die 
Meinung  auszusprechen,  „dass  die  Behauptung  des  Herrn  Krejci  auf  einer  Täu- 
schung und  nicht  auf  Thatsachen  beruhe,  und  dass  die  Colonien  neuerdings  an 
Terrain  gewonnen  hätten“.  Als  jedoch  Herr  Director  Krejci  im  Monate  April 
1860  den  Bericht  über  seine  im  Sommer  1859  für  die  Reichsanstalt  ausgeführten 
geologischen  Aufnahmen  dem  Herrn  Hofrathe  Haidinger  zur  Vorlage  brachte, 
und  in  diesem  Berichte4)  nicht  nur  seine  Ansicht  über  die  Colonien  theilweise  voll- 
ständig aufrecht  erhält,  sondern  auch  Thatsachen  anführt,  welche,  deren  Rich- 
tigkeit vorausgesetzt,  die  Lehre  des  Herrn  Barrande  über  die  Colonien  in  der 
That  zu  erschüttern  vermöchten,  — so  veranlasste  dieser  Zwiespalt  der  Meinungen 
den  Herrn  Hofrath,  mich  mit  folgendem  Aufträge  zu  beehren: 

„Seiner  u.  s.  w.  Herrn  M.  V.  Lipol  d,  k.  k.  w.  Bergrathe  und  Chefgeologen 
der  I.  Section  in  Böhmen. 

Hochgeehrter  Herr  k.  k.  Bergrath!  In  der  Frage  der  Barrande’schen  Colo- 
nien ist  im  Verlaufe  der  Detail- Aufnahme  des  diesjährigen  Sommers  eine  einge- 
hende Untersuchung  durch  den  vielerfahrnen  Chefgeologen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  in  dem  betreffenden  Bezirke  höchst  wichtig  und  unerlässlich. 

Ich  ersuche  Euer  Hochwohlgeboren  daher  an  Einer  der  „Colonien“,  wo  Herr 
Professor  Krejci  eine  von  der  des  Herrn  Barrande  verschiedene  Ansicht  sich 


!)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrgang,  1859.  Seite  479. 

2)  Ist  seitdem  erschienen. 

3)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrgang,  1859.  Seite  491. 

4)  Derselbe  wird  im  nächsten  Hefte  des  Jahrbuches  erscheinen. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


3 


[3] 


gebildet  hat,  alle  Verhältnisse  so  genau  zu  untersuchen  und  hinlängliche  Auf- 
sammlungen von  Fossilresten  einzuleiten,  um  zu  einem  sicheren  Schlüsse  zu 
gelangen,  so  dass  kein  Zweifel  übrig  bleibt.  Es  ist  gleichgiltig,  welche  dieser 
Colonien  dazu  ausgewählt  wird;  je  klarer  die  Verhältnisse,  desto  wünschens- 
werther  für  die  eigene  Untersuchung  sowohl,  als  um  andere  Geologen  darauf 
hinweisen  zu  können. 

Ich  ersuche  E.  H.  für  die  Erfolge  der  Untersuchung  an  diesem  Orte  sodann 
seiner  Zeit  bei  den  Ausarbeitungen  im  Herbste  und  Winter  eine  monographische 
Darstellung  vorzubereiten. 

Mit  ausgezeichneter  Hochachtung  u.  s.  w. 

Wien,  den  28.  Mai  1860.  W.  Hai  ding  er  m/p.“ 

Dies  ist  die  Veranlassung,  aus  welcher  ich  mich  an  der  Frage  über  die 
„Colonien"  im  böhmischen  Silurbecken  betheilige.  Gewiss  wird  es  Niemand 
wundern,  dass  der  Auftrag  meines  hochverehrten  Chefs,  so  ehrenvoll  und  schmei- 
chelhaft er  mir  einerseits  erscheinen  musste,  mich  andererseits  in  eine  peinliche 
Lage  versetzte.  Galt  es  doch  eine  Frage  wo  möglich  zur  Entscheidung  zu 
bringen,  welche  bereits  von  so  hochgestellten  Autoritäten  der  Wissenschaft,  wie 
Barrande,  Murchison,  Lyell,  Bronn,  Suess  u.  a.  besprochen  und  als 
entschieden  betrachtet  wurde!  — mit  der  Aussicht,  entweder  diesen  Autoritäten, 
deren  vielfache  Erfahrungen  die  meinigen  bei  Weitem  übertreffen,  — oder  meinem 
verehrten  Freunde,  Herrn  Director  Krejci,  der  die  Frage  wieder  in  Anregung 
brachte,  und  in  dessen  genaue  kenntnissreiche  Beobachtungen  ich  volles  Vertrauen 
zu  setzen  Grund  hatte,  entgegentreten  zu  müssen!  Doch,  hier  galt  kein  Zögern; 
— dem  Aufträge  meines  Herrn  Chefs  musste  Folge  geleistet  werden,  und  so 
machte  ich  mich  denn  an  die  Lösung  der  mir  gewordenen  Aufgabe  mit  dem 
ernsten  Vorsatze,  die  Thatsachen,  wie  sie  sind,  gewissenhaft  zu 
erheben  und  mitzutheilen.  Ohne  die  am  nördlichen  Rande  der  obersiluri- 
schen  Ablagerungen  nächst  Prag  befindlichen  Colonien  „Zippe“  und  „Motol“ 
gänzlich  ausser  Acht  zu  lassen,  hatte  ich  doch  vorzugsweise  die  am  südlichen  Rande 
jener  Ablagerungen  nächst  Gross-Kuhel  befindlichen  Colonien  „Haidinger"  und 
„Krejci"  in  das  Bereich  meiner  Untersuchungen  gezogen.  Jedoch  durch  Herrn 
Krejci’s  Erhebungen  darauf  aufmerksam  gemacht,  und  um  überhaupt  ein  klares 
Bild  über  die  betreffenden  Etagen  des  Herrn  Barrande  und  deren  Lagerungsver- 
hältnisse zu  erlangen,  fand  ich  es  nothwendig,  den  Kreis  meiner  Untersuchungen 
über  die  Colonien  hinaus  zu  ziehen,  und  dieselben  an  dem  südlichen  Rande  der 
obersilurischen  Ablagerungen  von  Gross-Kuhel  aus  in  südwestlicher  Richtung  in 
einer  Längenerstreckung  von  ungefähr  3 Meilen,  bis  in  die  Gegend  von  Litten, 
Mnienan  und  Winaric  auszudehnen.  Das  Resultat  dieser  im  Sommer  1860  gepflo- 
genen Untersuchungen  lege  ich  in  den  zwei  angehefteten  geologischen  Karten, 
Taf.  I und  Taf.  II,  und  in  mehreren  Profilen  vor,  zu  deren  Erläuterung  die 
nachfolgenden  Mittheilungen  dienen  sollen.  In  so  weit  die  geologische  Karte, 
Taf.  I,  in  Nordwesten  das  obersilurische  Kalkgebiet  umfasst,  ist  dieselbe  nach  den 
geologischen  Aufnahmen  des  Herrn  J.  Krejci  vom  Jahre  1859  zusammengestellt. 


1* 


M.  V.  Lipoid. 


m 


Einleitung. 

Es  wird  nicht  überflüssig  erscheinen,  der  Mittheilung  über  meine  thatsäeh- 
lichen  Erhebungen  bei  den  „Colonien“  einige  Angaben  über  die  silurischen  Ab- 
lagerungen Böhmens  im  Allgemeinen,  und  über  die  Geschichte  der  „Colonien“ 
insbesondere  vorangehen  zu  lassen. 

Was  nun  die  Ablagerungen  der  Silurformation  Böhmens  im 
Allgemeinen  betrifft,  so  brauche  ich  nicht  erst  daraufhinzuweisen,  dass  es 
Herr  J.  Barrande  ist,  dessen  höchst  werthvollen  und  gediegenen  Arbeiten  die 
gelehrte  Welt  die  erste  genaue  Kenntniss  über  jene  Ablagerungen  verdankt. 
Seine  in  dem  berühmten  Werke:  „ Systeme  Sibirien  du  centre  de  la  Boheme  — 
Par  Joachim  Barrande,  IiSre  Partie,  1852“,  und  zwar  im  „Esquisse  geologique" 
bekannt  gemachte  Einteilung  der  böhmischen  Silur-Ablagerungen  ist  auf  viel- 
jährige Erfahrungen  und  zahlreiche  Thatsachen  gestützt,  und  gründet  sich 
auf  die  Ueberlagerung,  auf  den  paläontologischen,  und  auf  den  petrographischen 
Charakter  der  einzelnen  Glieder.  — Herr  J.  Barrande  unterscheidet  im  böhmi- 
schen Silurbecken  eine  „untersiluris  che“  und  eine  „o be  rsiluris che“ 
Abtheilung,  und  sondert  jede  derselben  in  mehrere  „Etagen“. 

Die  u n t er silur is che  Abtheilung  umfasst  von  unten  nach  oben  die 
Etage  A — krystallinische  Schiefer-Etage; 

* B — Schiefer-  und  Conglomerat-Etage  — beide  „azoisch“,  — petre- 
„ factenleer; 

„ C — protozoische  Schiefer -Etage  — mit  der  „Primordial -Fauna“; 
„ endlich 

„ D — Quarzit-Etage,  welche  die  zweite  Silur -Fauna  Böhmens  beher- 
bergt, und  fünf  mit  dx,  d2 , d3 , d 4 und  db  bezeichnte  Unterabthei- 
lungen erhielt. 

Die  obersilu rische  Abtheilung  mit  der  dritten  Fauna  zerfällt  von 
unten  nach  oben  in  die 

Etage  E — untere  Kalk-Etage; 

„ F — mittlere  „ 

„ G — obere  „ 

„ H — oberste  Schiefer-Etage. 

Diese  Eintheilung  des  Silursystems  in  Böhmen  diente  den  geologischen  Auf- 
nahmen der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  diesem  Königreiche  zur  Grundlage, 
und  ist  von  den  betreffenden  Geologen,  wie  es  nicht  anders  zu  erwarten  war,  als 
vollkommen  begründet  befunden  worden.  Indessen  fanden  wir  es  nothwendig, 
zu  unserem  Gebrauche  von  der  Barrande’schen  Bezeichnung  der  einzelnen 
Glieder  der  böhmischen  Silurformation  mittelst  Buchstaben  abzuweichen,  und  statt 
derselben  die  Benennung  der  Glieder  nach  Localitäten,  an  denen  jedes  derselben 
besonders  charakteristisch  oder  verbreitet  auftritt,  vorzunehmen.  Es  geschah 
dies  auf  Veranlassung  des  Herrn  Directors,  nicht  etwa  aus  blosser  Neuerungs- 
sucht, sondern  ans  einem  zweifachen  Grunde.  Einerseits  erschien  es  nämlich 
angemessen,  die  bei  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  übliche,  und  vielfach, 
insbesondere  in  den  Alpen,  angewendete  Bezeichnung  einzelner  Formationsglieder 
nach  Localitäten,  als  diejenige,  welche  von  den  meisten  Geologen  benützt 
wurde  und  am  leichtesten  dem  Gedächtnisse  angeeignet  wird,  auch  bei  der 
Gliederung  der  böhmischen  Silurformation  in  Anwendung  zu  bringen.  Anderer- 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[S] 


s 


seits  fanden  wir  es  nothwendig,  bei  den  geologischen  Aufnahmen  in  der  böhmi- 
schen Silurformation  und  in  den  betreffenden  geologischen  Karten,  welche  zu- 
gleich praktischen  Zwecken  zur  Grundlage  dienen  sollen,  nicht  nur  eine 
Trennung  der  Glieder  auf  Grundlage  der  paläontologischen  Merkmale,  wie  es 
Herr  Barrande  gethan,  sondern  auch  eine  Ausscheidung  derselbennachpe- 
trographis  chen  Unterschieden  vorzunehmen,  wodurch  die  von  den  Geologen 
der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  durchgeführte  Gliederung  der  böhmischen  Silurfor- 
mation rücksichtlich  der  Anzahl  der  Glieder  von  jener  des  Herrn  Barrande 
abweichend  wurde,  und  desshalb  auch  eine  abweichende  Bezeichnung  erheischte. 

Ich  habe  die  in  den  Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  durchge- 
führte Gliederung  der  böhmischen  Silurformation  und  deren  Bezeichnung  bereits 
in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vom  21.  April  1860  *)  be- 
kannt gegeben,  will  jedoch  hier  dieselbe  mit  der  Bemerkung  wiederholen,  dass 
in  der  bekannt  gegebenen  Gliederung  die  „Kossower  Schichten“,  deren  Aus- 
scheidung erst  später  erfolgte,  fehlen. 

Die  B arr  an de 'sehe  Etage  A wurde  von  uns  als  „Urthonschiefer“  ausge- 
schieden. Die  übrigen  Etagen  des  Herrn  Barrande  erhielten  von  unten  nach 
oben  folgende  Gliederung  und  Benennung: 


1.  Pfibramer  Schiefer 

2.  „ Grauwacke 

3.  Jinecer . Schichten 

4.  Krusnahora  . . 

5.  Komorauer  . . 

6.  Brda  

7.  Vinicer  .... 

8.  Zahoraner  . . . 

9.  Königshofer  . . 

10.  Kossower  . . . 

11.  Littener  . . . 

12.  Kuhelbader  . . 

13.  Konepruser  . . 

14.  Braniker  . . . 

13.  Hluboceper  . . 


(Hostomnicer) 


> B a r r a n d e's 

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H. 

Von  diesen  verschiedenen  „Schichten“  werden  uns  in  der  Folge  fast  aus- 
schliesslich die  „Königshofer“,  die  „Kossower“  und  die  „Littener“  Schichten 
beschäftigen , wesshalb  ich  nur  von  diesen  Schichten  eine  kurze  Beschreibung 
beizufügen  für  nöthig  erachte. 

Die  Königshofer  Schichten  bestehen  aus  Schiefern  von  gelblich- 
oder  braungrauer  Farbe.  Diese  Schiefer  sind  sehr  dünnblätterig,  kurzklüftig 
und  leicht  brüchig,  an  den  Schieferungsflächen  glänzend,  im  Bruche  matt  und 
erdig,  und  enthalten  nur  sehr  wenig  Glimmer,  und  auch  diesen  nur  sparsam  in 
mit  freiem  Auge  kaum  sichtbaren  zarten  Blättchen  beigemengt.  Es  sind  Herrn 
Barrande’s  „schistes  gris-jaundtres“ . Die  Kossower  Schichten  dagegen 
bestehen  aus  Quarz-Sandsteinen  von  verschwindend  kleinem  Korn  und  von 
licht-  und  dunkel-  auch  braungrauer  Farbe.  Nur  Quarz,  mit  feinen  Glimmer- 
blättchen sparsam  gemengt,  bildet  die  Bestandtheile  dieses  Sandsteins,  an 
dessen  Schichtungsflächen  man  meist  pflanzenähnliche  wulstige  Erhabenheiten 
vorfindet.  Er  tritt  in  Schichten  von  i/a  Zoll  bis  zu  1 Fuss  Mächtigkeit  auf. 


D Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  XI.  Jahrgang,  1860.  Verhandlungen,  S.  88. 


6 


M.  V.  Lipoid. 


[•] 


Herr  Barrande  hat  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  seiner 
Unterabtheilung  db  der  Etage  D vereinigt,  zweifelsohne  auf  Grundlage  des 
gleichen  paläontologischen  Charakters.  Wir  hatten  die  Schiefer  und  Sandsteine 
dieser  Unterabtheilung  Herrn  Barr  an  de ’s  so  weit  als  möglich  als  „Königshofer“ 
und  „Kossower“  Schichten  besonders  ausgeschieden,  da  sie  einen  verschiedenen 
Einfluss  auf  die  Bodenbeschaffenheit  und  die  Configuration  des  Landes  nehmen. 
Allerdings  treten  die  Königshofer  Schiefer  und  die  Kossower  Sandsteine  auch  in 
Wechsellagerung,  und  so  wie  in  den  Königshofer  Schichten  Lagen  von  sandigen 
Schiefern  und  Sandsteinen,  eben  so  trifft  man  zwischen  den  Sandsteinen  der 
Kossower  Schichten  schiefrige  Mittel  untergeordnet  eingelagert.  Die  Königs- 
hofer Schichten  bestehen  demnach  entweder  ausschliesslich  oder  doch  bei 
weitem  vorwiegend  aus  Schiefern,  während  die  Kossower  Schichten  vorherr- 
schend von  Sandsteinen  gebildet  werden.  Bezüglich  ihrer  Stellung  zu  einander 
haben  ich  und  Herr  Kr  ejci  aus  vielfachen  Beobachtungen  die  bereits  von  Herrn 
Barrande  angeführte  Thatsache  constatirt,  dass  überall,  wo  eine  normale  nicht 
gestörte  Lagerung  zu  finden  ist,  die  Königs hofer  Schichten  die  tiefere 
Lage  einnehmen,  nach  oben  mit  Sandsteinen  in  Wechsellagerung  treten, 
und  endlich  von  den  Kossower  Schichten  überlagert  werden. 

Rücksichtlich  der  Fauna  der  Königshofer  und  Kossower  Schichten  muss  ich 
auf  Herrn  Barrande  V oben  angeführtes  Werk  „ Systeme  silurien  dti  centre  de 
la  Boheme “ hinweisen,  in  welchem,  Seite  69,  die  Fauna  der  Etage  D mitge- 
theilt  wird.  Abgesehen  nämlieh  davon,  dass  ich  in  der  verhältnissmässig  kurzen 
Zeit,  welche  ich  meinen  Erhebungen  über  die  Colonien  widmen  konnte,  unmög- 
lich auf  eine  erschöpfende  Ausbeutung  der  Petrefacten  obiger  Schichten  denken 
konnte,  um  so  weniger,  als  ich  auf  das  bei  den  Colonien  höchst  wichtige  Moment 
der  Feststellung  der  Lagerungsverhältnisse  mein  besonderes  Augen- 
merk richten  musste;  müsste  ich  in  der  That  selbst  auch  nur  den  Versuch,  die 
Resultate  der  erschöpfenden  paläontologischen  Forschungen  des  Herrn 
Barrande  im  böhmischen  Silurbecken  verbessern  zu  wollen,  als  eine  Anmas- 
sung  erklären.  Ich  begnüge  mich  desshalb  aus  Herrn  Barrande's  obigem 
Werke  anzuführen,  dass  ihm  bis  zum  Jahre  1852  seine  Etage  D 23  Genera  mit 
61  Species  von  Thieren  geliefert  hat,  unter  welchen  die  Trilobiten  vorherrschen, 
und  von  welchen  5 — 6 Genera  erst  in  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten 
erschienen  sind.  Von  den  bezeichneten  61  Species  sind  fast  alle  der  Etage  D 
eigentümlich,  und  nur  ein  paar  in  die  obersilurische  Etage  E übergegangen. 

Die  „Littener“  Schichten  bestehen  aus  Grünsteinen,  aus  Schiefern 
und  aus  Kalksph äroiden.  Die  Grünsteine  (Trappe)  sind  durchaus  kalk- 
hältig,  und  gehören  in  die  Classe  der  Diabase.  Sie  bilden  die  Basis  der  Littener 
Schichten,  indem  sie  unmittelbar  den  Kossower  Schichten  auflagern,  finden  sich 
aber  auch  in  höheren  Horizonten  innerhalb  der  Schiefer,  in  Wechsellagerung 
mit  diesen,  vor,  so  dass  man  mehrere  successive  Ablagerungen  der  Grünsteine 
annehmen  darf.  Man  trifft  sie  bald,  anderen  Eruptivgesteinen  ähnlich,  in  massi- 
gem Zustande,  bald  schön  geschichtet  in  förmlichen  Bänken  an.  Diese  Grün- 
steine sind  d en  Littener  Schichten  eigenthümlich  , und  wir  haben 
sie  in  normaler  Lagerung  in  den  tieferen  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  nicht  vo rgefu nden *).  — Die  Schiefer  der  Littener 


J)  Allerdings  treten  Trappgesteine  auch  in  den  tieferen  Schichten  der  Etage  D des  Herrn 
Barrande,  nämlich  in  den  „Komorauer  Schichten“,  wohl  auch  in  den  Zahoraner 
Schichten  auf.  Die  Trappgesteine  der  Komorauer  Schichten  unterscheiden  sich  jedoch 
theils  durch  ihre  Schalstein-  und  Mandelsteinbildung,  theils  durch  die  Begleitung  von 


Ueber  Herrn  ßarrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


7 


F] 

Schichten  sind  dünnblätterig,  im  Bruche  erdig  oder  sandig,  einzelne  sehr  dünn- 
plattige Lagen  derselben  kalkhaltig,  und  schwarz  oder  dunkel-blaugrau,  nur  im 
verwitterten  Zustande  auch  braun-  selbst  licht-  und  weissgrau  von  Farbe.  Glimmer 
findet  sich  in  ihnen  nicht  vor.  Dagegen  sind  sie  besonders  charakterisirt  durch 
die  grosse  Menge  von  Graptolithen,  welche  man  an  den  Schieferungsflächen 
antrifft,  und  welche  selten  einem  Handstücke  gänzlich  fehlen.  Zwischen  diesen 
Schiefern  liegen,  indenhöherenLagender  selben,  zerstreute  sphäroidale, 
abgeplattete  Concretionen  von  Kalk  (Anthrakonit)  — Kalksphäroide  — in  der 
Grösse  von  1 Zoll  bis  über  2 Fuss,  welche  in  der  Regel  sehr  reich  an  Petre- 
facten  sind,  und  nach  oben  an  Zahl  so  zunehmen,  dass  sie  förmliche  Bänke 
bilden.  — Ueberhaupt  treten  auch  die  Schiefer  der  Littener  Schichten  nach  oben 
mit  dunklen  bituminösen  Kalksteinen  in  Wechsellagerung , bis  diese  letzteren 
allein  das  Hangende  der  Littener  Schichten  bilden.  Die  letztgenannten  Kalksteine, 
welche  Herr  Barr  aride  noch  in  seine  Etage  E einbezieht,  konnte  ihrer  petro- 
graphischen  Verschiedenheit  wegen  Herr  K r ej  ci  in  seiner  geologischen  Karte 
über  die  Umgebungen  von  Prag  besonders  ausscheiden,  und  hat  dieselben  mit 
dem  Namen  „Kuhelbader  Schichten^  belegt. 

Auch  rücksichtlich  der  Fauna  der  Littener  Schichten  darf  ich  mich  auf 
Herrn  ßarrande’s  oben  angeführtes  Werk  berufen,  in  welchem  er,  Seite  72  f., 
eine  Uebersicht  der  Fauna  seiner  die  Littener  und  Kuhelbader  Schichten  um- 
fassenden Etage  E gibt,  welche  nach  Herrn  Barrande  die  petrefactenreichste 
aller  Abtheilungen  der  böhmischen  Silurformation  ist. 

Was  nun  das  Geschichtliche  der  Colonien  des  böhmischen  Silur- 
beckens anbelangt,  so  hat  Herr  Barrande  das  Thatsächliche  und  die  Theorie 
derselben  zuerst  in  seinem  grossen  Werke  „ Systeme  Sibirien  du  centre  de  la 
Boheme.  1852“  der  gelehrten  Welt  umständlicher  zur  Kenntniss  gebracht.  Er 
theilt  — Seite  69 — mit,  dass,  ungeachtet  die  untersi lur ischen  Ablage- 
rungen in  Böhmen  durch  den  Mangel  von  Kalkstein-Formationen  ausgezeichnet 
sind,  sich  dennoch  innerhalb  der  sehr  glimmen* eichen  S chiefer  der 
Etage  D zwei  sehr  merkwürdige  Einlagerungen  von  Kalksphäroiden  mit  Grap- 
tolithenschiefern,  welche  jenen  der  Etage  E ganz  ähnlich  sind,  vorfinden,  je 
eine  an  jeder  Seite  der  Axe  des  böhmischen  Silurbeckens,  u.  z.  die  eine  mit 
Grünsteinen  nächst  Motol  und  des  Beranka-Wirthshauses  (an  der  nördlichen 
Seite  des  Beckens) , die  andere  oberhalb  Gross-Kuhel  (an  der  südlichen  Seite 
des  Beckens),  und  beide  mit  Fossilien,  welche  den  charakteristischen  Fossilien 
der  Etage  ^vollkommen  ähnlich  sind,  und  dass  auch  Herr  Professor  Zippe 
in  der  „Bruska“  innerhalb  Prag’s  mitten  in  der  Etage  D eine  Kalksteinschichte 
beobachtet  habe,  deren  Fossilien  jenen  der  Etage  E ähnlich  sind.  Er  bezeichnet 
— Seite  71  — diese  in  der  Formation  der  glimmerreichen  Schiefer  d 4 der  Etage 
D Vorgefundenen  Einlagerungen  von  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden, 
deren  Fossilen  vollständig  verschieden  von  jenen  der  (untersilurischen) 
zweiten  Fauna,  und  identisch  mit  jenen  der  (obersilurischen)  dritten  Fauna  sind, 
mit  dem  Namen  „Colonien“.  Er  gibt  ferner  — Seite  72  a — ein  Verzeichniss 
der  Fauna  der  „Colonien“,  nach  welchem  die  bis  dahin  in  denselben  gesammelten 
Thierreste  63  Species,  u.  z.  hievon  4 Sp  ecies  ausschliesslich  den  Colo- 


Roogeneisensteinen  leicht  von  den  Grünsteinen  der  Littener  Schichten.  Herr  Director 
Krejci  bereitet  übrigens  eine  umfassendere  Arbeit  über  die  Grünsteine  der  böhmischen 
Silurformation  vor.  Herr  Krejci  beobachtete  Grünsteine  in  beschränkten  Verhältnissen 
noch  an  der  Basis  der  Hluboceper  Schichten  im  Thale  zwischen  Tachlovic,  Chejnie  und 
Chotec,  ohne  dass  deren  Durchbruch  durch  die  Konepruser  und  Braniker  Schichten 
sichtbar  wäre. 


8 


M.  V.  Lipoid. 


[8] 


nien,  2 (der  Colonie  in  der  „Bruska“  entnommene)  Species  den  Colonien  und 
der  zweiten  Fauna,  und  57  Species  den  Colonien  und  der  dritten  Fauna  gemein- 
schaftlich angehören,  — und  fügt  am  Schlüsse  bei,  dass  zu  Folge  dieses  Sach- 
verhaltes dieFauna  der  Colonien  alsidentischmitderdritten  Fauna, 
in  Böhmen,  u.  z.  mit  jener  der  Etage  E,  betrachtet  werden  müsse, 
und  dass  diese  coloniale  Fauna,  welche  nach  einer  kurzen  Existenz  erloschen 
ist,  erst  nach  der  gänzlichen  durch  die  Ausbrüche  der  Grünsteine  plötzlich  erfolg- 
ten Vernichtung  der  zweiten  Fauna  wieder  erschienen  sei  und  sich  weiter  ent- 
wickelt habe.  Nachdem  endlich  Herr  B a r r a n d e — Seite  72  e — noch  bemerkt, 
dass  die  mineralogisch  e Identität  der  Graptolithenschiefer,  der  Grünsteine 
und  Kalksphäroide  in  den  Colonien  und  in  der  Etage  E auf  einen  gleichen 
Ursprung  und  eine  gleichartige  Bildungsart  derselben  in  verschiedenen 
Epochen  hindeute,  sucht  er,  Seite  73 — 75,  die  Erscheinung  der  Colonien 
zu  erklären.  Er  setzt  hiebei  als  feststehende  Thatsache  voraus:  „t.,  dass  eine 
aus  Grünsteinen,  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden  bestehende  Einlagerung 
sehr  regelmässig  und  in  concordanter  Lagerung  den  Schichten  der 
sehr  glimmerreichen  Schiefer  d11  (der  Etage  D)  zwischengelagert  sei;  2.,  dass 
diese  Einlagerung  fast  einzig  und  allein  Fossilien  der  dritten  Fauna,  d.  i.  57 
unter  63  Species,  einschliesse,  während  sowohl  die  darunter,  als  die  darüber 
liegenden  Schichten  der  glimmerreichen  Schiefer  nur  charakteristische  Formen 
der  zweiten  Fauna  darbieten“;  — und  nimmt  nun  an,  dass  1.  die  bezüglich  der 
Einlagerung  tiefer  liegenden  Schichten  der  glimmerreichen  Schiefer  d *,  welche 
ausschliesslich  Fossilien  der  zweiten  Fauna  enthalten,  am  Grunde  eines  mehr 
oder  weniger  tiefen  Meeres  abgesetzt  wurden;  dass  2.  dieser  Meeresgrund  sich 
auf  ein  höheres  Niveau  der  Meeresfluthen  erhoben  habe,  um  die  Schichten  der 
Einlagerung,  d.  i.  die  Grünsteine,  Graptolithenschiefer  und  Kalksphäroide,  in 
welchen  die  ersten  Repräsentanten  der  dritten  Fauna  erscheinen,  aufzunehmen; 
dass  3.  derselbe  Meeresgrund  sich  hierauf  unter  das  Wasser  senkte,  und  wieder 
von  einer  neuen  mächtigen  Schichtenfolge  der  glimmerreichen  Schiefer  d 4 be- 
deckt wurde,  welche,  der  Einlagerung  aufliegend,  dieselben  Fossilien  der 
zweiten  Fauna,  welche  die  unter  der  Einlagerung  befindlichen  Schiefer  dk 
charakterisiren,  enthält,  und  dass  4.  der  Meeresgrund  sich  ein  zweites  Mal  auf 
ein  höheres  Niveau  der  Meeresfluthen  hob,  um  neuerdings  Ablagerungen  von 
Grünsteinen,  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden,  ähnlich  jenen  der  Ein- 
lagerung, aufzunehmen,  welche  aber  bereits  die  Basis  der  Kalk-Etage  E bilden, 
und  die  dritte  Fauna,  d.  i.  jene  der  obersilurischen  Abtheilung,  in  ihrer  ganzen 
Entwickelung  enthalten.  Die  dritte  Fauna  der  zwischen  den  Schiefern  d 4befind- 
lichen  Einlagerung  wäre  — nach  Herrn  Barrande  — aus  einem  ausserhalb  des 
böhmischen  Silurbeckens  gelegenen  Verbreitungsbezirke,  wo  sie,  u.  z.  gleich- 
zeitig mit  der  zweiten  Fauna  der  Quarzit-Etage  D des  böhmischen  Silur- 
Meeres,  bereits  existirte,  wegen  günstiger  Lebenshedingungen , als  welche  die 
Bildung  der  Graptolithenschiefer  und  Kalksteine  anzusehen  sind,  u.  z.  von  Nord- 
osten in  das  Becken  Böhmens  eingewandert,  und  sei  nach  Aufhören  dieser 
Lebensbedingungen  verschwunden,  um  später  wieder  zu  erscheinen,  — während 
die  die  Etage  D charakterisirende  zweite  Fauna,  welche  weder  unter  noch 
ober  der  colonialen  Einlagerung  mit  Fossilien  dieser  letzteren  gemengt  erscheint, 
zur  Zeit  und  dort,  als  und  wo  die  Graptolithenschiefer  der  Einlagerung  abgesetzt 
wurden,  die  Meeresufer  verlassen  haben  müsse. 

Herr  J.  Bar  ran  d e hat  in  Folge  der  von  Herrn  Director  J.Krejcf  neuerlich 
gegen  den  Bestand  der  „Colonien“  erhobenen  Bedenken  eine  neue  umfassende 
Abhandlung  über  die  Colonien,  wie  er  sie  in  seinem  Schreiben  an  Herrn  Hofrath 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


9 


[9] 


Haidinger  ddo.  17.  October  1859  ankündigte,  bereits  in  der  Sitzung  vom  4.  Juni 
1860  der  geologischen  Gesellschaft  von  Frankreich  in  Paris  vorgelegt,  aus 
welcher  ein  Auszug  in  dem  „ Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France , 
2.  serie , t.  XVII,  p.  602“  unter  dem  Titel:  „Colonies  dans  le  bassin  silurien 
de  la  Boheme ; par  M.  J.  Barrande“  erschienen  ist.  Herr  Barrande  hatte  die 
Güte,  mich  durch  Uebersendung  eines  Abdruckes  jenes  Auszuges  zu  erfreuen, 
was  ich  mit  um  so  grösserem  Danke  erwähne,  als  ich  aus  demselben  so  manche 
Belehrung  rücksichtlich  der  Fauna  der  Colonien  schöpfte,  und  durch  denselben 
in  die  Kenntniss  der  neuesten  Ansichten  Herrn  Barrande’s  über  die  Colonien 
gelangt  bin.  In  diesem  Auszuge  aus  der  Abhandlung  gibt  Herr  Barrande  bekannt: 

1.  die  Beschreibung  und  Parallele  der  drei  Colonien:  Zippe,  Haidinger  und  Krejci; 

2.  die  Uebereinstimmungen  und  die  Gegensätze  zwischen  den  Colonien  und  den 
Etagen  D und  E ; 3.  die  Beziehungen  der  zweiten  und  dritten  Fauna  Böhmens 
und  Englands  hinsichtlich  der  Colonien:  4.  die  Beziehungen  zwischen  den  sibi- 
rischen Faunen  der  verschiedenen  Begionen  Nord-Amerika’s;  5.  die  Unterbre- 
chungen in  der  jurassischen  Fauna  Englands  und  in  der  zweiten  silurischen  Fauna 
Böhmens;  endlich  6.  die  Erklärung  der  Colonien  Böhmens. 

Ich  werde  später  Gelegenheit  haben,  mich  mehrfach  auf  Herrn  Barrande’s 
neueste  Mittheilungen  über  die  „Colonien“  zu  berufen,  indessen  muss  ich  hier 
schon  auf  einige  wichtige  Umstände  aufmerksam  machen. 

Vor  Allem  hat  HerrBarrande  die  Ueberzeugung  gewonnen,  dass  nicht  alle 
Colonien  in  den  Zahoraner  Schichten  ( d 4),  wie  er  es  anfänglich  bekannt  gab, 
auftreten,  sondern  dass  nur  die  Colonie  „Zippe“  in  den  Zahoraner  Schichten, 
die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  dagegen  in  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  ( d 5)  sich  vorfinden,  und  zwar  die  beiden  letzteren  in  verschie- 
denen Horizonten.  ( Bulletin . Seite  616.) 

Daraus  folgt  von  selbst,  dass  nach  Herrn  Bar  ran  de  eine  dreimalige  Ein- 
und  Auswanderung  der  obersilurischen  Colonial-Fauna  in  das  böhmische  Silur- 
becken zu  verschiedenen  weit  aus  einander  liegenden  Zeiten  der  untersilurischen 
Epoche  angenommen  werden  müsse.  ( Bulletin . Seite  626.) 

Weiters  berichtiget  Herr  Barrande  selbst  {Bull.  Seite  625  und  628)  seine 
im  „ Systeme  silurien “ gemachte  Angabe,  dass  von  der  Fauna  der  Colonien 
4 Species  den  Colonien  eigenthümlich  seien,  dahin,  dass  er  nach  Ver- 
lauf von  mehr  als  15  Jahren  diese  4 Species  auch  in  den  Littener  Schichten  {E) 
vorgefunden  habe,  und  dass  daher  unter  der  Fauna  der  drei  in  Rede  stehenden 
Colonien  sich  bisher  keine  denselben  ausschliesslich  eigene  Species 
vorgefunden  habe.  Uebrigens  geht  Herr  Barrande  auch  in  seiner  neuesten  Arbeit 
über  die  Colonien  von  der  Ueberzeugung  aus,  dass  die  Colonien  den  Königshofer 
und  Kossower,  respective  den  Zahoraner  Schichten  r e gel rn ässig  u n d con- 
cordant  zwischengelagert  seien  {Bull.  Seite  610,  616  u.  m.  a.) , und  es 
ergibt  sich  aus  seiner  Beschreibung  der  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“, 
dass  dieselben  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern,  letztere  auch  aus  Kalk- 
sphäroiden,  somit  aus  Gesteinen  zusammengesetzt  sind,  welche  auch  die  Littener 
Schichten  charakterisiren.  (Siehe  auch  Bull.  Seite  660.) 

Die  Erklärung,  welche  Herr  Barrande  in  seiner  letzten  Notiz  {Bull.  Seite 
658  u.  f.)  über  die  Colonien  gibt,  entspricht  im  Allgemeinen  jener,  die  ich  aus 
seinem  „ Systeme  silurien“  anführte.  Ich  werde  später  dieselbe  näher  erörtern. 

Haben  auch  einzelne  bekannte  Geologen  und  Naturforscher,  wie  Herr  Vicomte 
d'Archiac  (Histoire  des  progres  de  la  geologie  1863) , Herr  Eduard  Forbes 
(Quart.  Journ,  of  the  London  geolog.  Society.  Anniv.  address  1864)  und  neuer- 
lich, wie  uns  Herr  Barrande  {Bull.  Seite  602)  mittheilt,  Herr  Bayl  e gegen  den 

% 


k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1S62.  I.  Heft. 


10 


M.  V.  Lipoid. 


m 

Bestand  der  Colonien  im  Sinne  des  Herrn  Barrande  Zweifel  erhoben  und  die  Er- 
scheinung derColonien  auf  eine  andere  Art  zu  erklären  versucht;  so  haben  dagegen 
andere  berühmte  Naturforscher,  welche  man  bezüglich  der  Geologie  und  Paläon- 
tologie mit  Hecht  als  „Autoritäten“  zu  bezeichnen  gewohnt  ist,  sich  den  Ansichten 
des  Herrn  Barrande  über  die  Colonien  angeschlossen,  und  die  B a r r a n d e’sche 
Theorie  und  Lehre  über  die  Colonien  in  ihre  Schriften  aufgenommen.  So  spricht 
sich  Herr  Charles  Lyell  in  seinem  „ Supplement  of  tlie  fifth  edition  of  a 
Manual  of  elementary  geology“ . London  1857.  Seite  29  u.  f.  für  die  Colonial- 
Theorie  des  Herrn  Barrande  aus,  nachdem  er  im  Sommer  1856  Prag  besuchte, 
und  Herrn  Barrande’s  grosse^Sammlungen  zu  besichtigen  und  in  dessen  Gesell- 
schaft „die  Ordnung  und  Aufeinanderfolge  der  durch  ihn  erklärten  Gesteine  zu 
beobachten“  Gelegenheit  hatte.  Ebenso  gibt  Herr  Professor  Dr.  H.  G.  Bronn 
in  seiner  von  der  französischen  Akademie  im  Jahre  1857  gekrönten  Preisschrift: 
„Unters  uchungenüberdieEntwickelungsgesetzederorganischen 
Welt  während  der  Bildungszeit  unserer  Erdoberfläche“.  Stuttgart 
1858,  Seite  294,  in  dem  Abschnitte  44.  Ana  chronische  Colonien“  die 
Erscheinung  und  die  Theorie  der  Colonien  des  böhmischen  Silurbeckens  nach 
Herrn  Barrande  bekannt,  und  bekräftiget  dieselbe  durch  Anführung  anderer 
„analoger  Fälle“.  Nicht  minder  bespricht  Herr  B.  I.  Murchison  in  seinem 
Prachtwerke  „ Siluria “.  III.  Edition.  London  1859 , Seite  400  die  „Colonien“ 
des  Herrn  Barrande,  und  zieht  deren  Bestand  nicht  in  Zweifel.  Endlich 
widmet  Herr  Professor  Eduard  Suess  in  seiner  Abhandlung:  „Ueber  die  Wohn- 
sitze der  Brachiopoden“  *)  den  „Colonien“  des  böhmischen  Silurbeckens  mehrere 
Seiten,  indem  er  den  durch  das  obangeführte  Schreiben  an  Herrn  Hofrath 
Haid*inger  eingenommenen  Standpunkt  festhält.  Ich  werde  später  auf  die  oben 
citirten  Stellen  aus  den  Werken  der  Herren  Lyell,  Bronn,  Murchison  und 
Suess  zurückkommen,  und  hiebei  die  von  denselben  gegebenen  Erklärungen  der 
böhmischen  „Colonien“  im  Silursysteme,  welche  theilweise  von  der  Erklärungsart 
des  Herrn  Barrande  abweichen,  näher  ausführen. 

Nach  diesen  einleitenden  Vorbemerkungen  werde  ich  zuerst 

A.  Eine  Beschreibung  der  „Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen 
Silurbeckens  liefern,  — sodann 

B.  Die  Erklärung  der  Erscheinung  dieser  „Colonien“  folgen  lassen,  und  endlich 

C.  Ueber  die  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  einige 
Bemerkungen  anschliessen. 


A.  Beschreibung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen 

Silurbeckens. 

An  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  befinden  sich  die  von  Herrn 
Barrande  bezeichneten  und  beschriebenen  Colonien  „Haidinger“  und 
„Krejcf“  nächst  Gross-Kuhel.  Wie  aus  der  unter  Tafel  I beigefügten  „Geolo- 
gischen Karte“  ersichtlich  ist,  finden  sich  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“ 


*)  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Classe  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften. 
Jahrgang  1859.  38.  Band,  Seite  185;  39.  Band,  Seite  151.  — Auch  im  Separat- 
abdrucke „Aus  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei“  Wien  1860.  In  Commission  bei 
Karl  Gerold’s  Sohn.“  Seite  107  u.  f. 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


11 


tu] 

ähnliche  Erscheinungen  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  in  südwestlicher  Richtung  von  Gross-Kuhel  bei  Radotin,  südlich 
von  Kosor,  nördlich  von  Cernositz,  bei  Wonoklas,  Karlik,  Treban,  Belec,  und 
zwischen  Litten  und  Korno  vor.  Die  Colonien  „Krejci“  und  „Haidinger“  sind  die 
nordöstlichsten  von  Allen,  ungefähr  eine  Meile  südlich  von  Prag  bei  Gross- 
Kuhel,  am  linken  Ufer  des  Moldau-Flusses,  und  an  dem  Gehirgsgehänge 
gelegen,  welches  hier  ziemlich  steil  in  das  Moldauthal  abfällt.  Bei  Lahowitz 
ergiesst  sich  der  Beraun-Fluss  in  die  Moldau,  welche  von  hier  an  in  nördlicher 
Richtung  gegen  Prag  zu  die  sibirischen  Gebirgsschiehten,  deren  Streichungs- 
richtung im  Allgemeinen  eine  nordöstliche  ist,  durchbrochen,  zum  Theile  weg- 
geschwemmt und  blossgelegt  hat.  Die  ziemlich  steilen  Gehänge  des  linken  Moldau- 
Ufers  zwischen  Lahowitz  und  Prag  entblössen  gleichsam  die  Ausgehenden  der 
obersilurischen  und  eines  Theiles  der  untersilurischen  Gebirgsschiehten  gegen 
das  Moldauthal.  Der  besonderen  Wichtigkeit  wegen,  welche  die  beiden  Colonien 
„Krejci“  und  „Haidinger“  besitzen,  habe  ich  dieselben  in  einem  zehnfach 
grösseren  Maassstabe,  als  auf  der  Karte  Tafel  I,  in  Tafel  II  ersichtlich  gemacht, 
und  hiebei  nebst  der  geologischen  Bezeichnung  der  besseren  Orientirung  wegen 
auch  die  Terrainzeichnung  ausgeführt  *).  Die  übrigen  der  obgenannten  Colonien 
befinden  sich  im  Beraun-Thale,  bis  Treban  am  linken,  dann  am  rechten  Ufer  des 
Beraun-Flusses.  Da  die  Karte  Tafel  I eine  Copie  der  Original-Aufnahmskarten 
des  k.  k.  General-Quartiermeisterstabes  ist,  und  somit  bezüglich  des  Terrains  auf 
vollkommene  Genauigkeit  Anspruch  hat,  so  wird  sie  mich  in  der  Folge  von  einer 
detaillirten  Localisirung  einzelner  Punkte , da  sie  ohnedem  in  der  Karte  genau 
ersichtlich  ist,  entbinden. 

Ich  lasse  nun  die  Beschreibung  der  „Colonien“  folgen,  indem  ich  hiebei  von 
Nordosten  gegen  Südwesten  fortschreite. 

Colonie  „Krejci“. 

Herr  Barrande  gibt  in  dem  oben  angeführten  Auszuge  seiner  neuesten 
Abhandlung  über  die  Colonien  ( Bullet . 1860.  Seite  621  u.  f.)  eine  detaillirte 
Beschreibung  von  dieser  Colonie,  auf  welche  ich  hier  verweise.  In  Tafel  II  ist 
deren  Lage  ersichtlich,  und  eine  „vordere  Ansicht“  nebst  zwei  „Profilen“  von 
derselben  gegeben.  Die  zwischen  den  zwei  Profilen  verzeichnete  „Vordere 
Ansicht“  erhält  man,  wenn  man  sich  gegenüber  der  Colonie  (ungefähr  bei  Punkto?) 
aufstellt.  Sie  gibt  ein  Totalbild  von  der  Colonie,  welche  die  Mitte  derselben 
einnimmt,  und  sich  in  einem  kleinen  Graben  befindet,  der  in  etwas  schiefer  Rich- 
tung das  Gehirgsgehänge  durchschneidet.  Bei  näherer  Betrachtung  der  Gesteins- 
arten, welche  die  Colonie  zusammensetzen,  wird  Jedermann,  der  die  einzelnen 
Gebirgsglieder  der  böhmischen  Silurformation  einigermassen  kennen  gelernt  hat, 
in  denselben  allsogleich  die  „Littener  Schichten“  erkennen,  sowohl  was  die 
Graptolithenschiefer,  als  auch  die  Grünsteine  und  insbesondere  die  Kalksphäroide, 
welche  diese  Colonie  führt,  anbelangt.  Wenigstens  konnte  ich  meinerseits  keinen 
wesentlichen  Unterschied  zwischen  den  Gesteinsarten  der  Colonie,  und  jenen, 
welche  die  Littener  Schichten  im  Allgemeinen  charakterisiren,  wahrnehmen. 

Das  viel  wichtigere  Moment,  welches  bei  der  Colonie  „Krejci“  zu  beobachten 
kommt,  sind  die  Verhältnisse  der  Lagerung.  Die  bis  in  den  Thalgrund  herab- 
reichende Colonie  zeigt  in  der  Mitte  eine  steil  aufgerichtete  Stellung  der 


i)  Die  genaue  trigonometrische  Aufnahme  des  in  Tafel  II  verzeiehneten  Terrains  und  der 
Höhendistanzen  hatte  Herr  Director  J.  Krejci  die  Güte  zu  besorgen  und  zu  veranlassen. 

2 * 


12 


M.  V.  Lipoid. 


[12] 


Schichten  der  Graptolitenschiefer  in  einer  Breite  von  10  bis  12  Klaftern.  Die 
Schichten  stehen  theils  saiger,  theils  sind  sie  unter  70  bis  80  Grad  nach  Nord- 
nordost oder  nach  Südsüdwest  geneigt,  und  gerade  in  dem  mittleren  Wasser- 
risse des  Grabens  beobachtet  man  eine  steil  convergirend^  Stellung  der 
Schichten.  Das  Streichen  dieser  Graptolithenschiefer  geht  nach  Stunde  5 (0.  15* 
N.).  — Sehr  verschieden  ist  nun  die  südliche  (linkseitige)  und  die  nördliche 
(rechtseitige)  Begrenzung  der  Colonie.  — Gegen  Süden  wird  die  Colonie  von 
„Kossower  Schichten“  begrenzt,  welche  an  dem  Gebirgsgehänge  an  einigen 
Stellen  entblösst  sind,  und  zu  unterst  ein  Streichen  nach  Stunde  4 (0.  30°  N.), 
höher  ein  solches  nach  Stunde  3 (N.  0.),  und  zu  oberst,  über  dem  hier  bestan- 
denen Steinbruche,  ein  Streichen  nach  Stunde  1 (N.  15°  0.),  aber  durchaus  nur 
ein  widersinnisches  Einfallen  der  Schichten  in  das  Gebirge  von  nur  30  bis  40,  ja 
seihst  nur  von  15  Graden  abnehmen  lassen.  Nur  unmittelbar  neben  der  Colonie  zu 
unterst  derselben  ist  eine  Partie  von  Kossower  Schichten  entblösst,  deren  Strei- 
chen nach  Stunde  4 (0.  30°  N.)  läuft,  deren  Einfallen  jedoch  bei  80  Grad  nach 
Nordwest  beträgt.  Zu  oberst  lagern  auf  den  Kossower  Schichten  Grünsteine  und 
Schiefer  der  Littener  Schichten,  — leider  nur  wenig  entblösst,  da  sie  alsbald  von 
Gebirgsschutt  und  Diluvialschotter  überdeckt  werden.  Schutt  und  Schotter  ver- 
hindern auch  den  unmittelbaren  Zusammenhang  zu  sehen,  in  welchem  diese  eben- 
genannte oberste  Partie  der  Littener  Schichten  mit  der  erstbezeichneten  mächti- 
gen Partie  derselben  im  Thalgrunde  steht.  Gegen  Norden  dagegen  wird  die  Co- 
lonie zunächst  von  „Königshofer  Schichten“  begrenzt,  die  wie  die  Schiefer  der 
Colonie,  steil  aufgerichtet  sind  und  nach  Stunde  5 (0.  15°  N.)  streichen.  Die 
Schiefer  der  Königshofer  Schichten,  die  in  einem  völlig  zermalmten  Zu- 
stande sich  vorfinden,  werden  weiter  nördlich  von  Kossower  Schichten 
überlagert,  die  an  einigen  Entblösungen  zu  Tag  treten,  und  daselbst  ein  verschie- 
denes Streichen  theils  nach  Stunde  4 (0.  30°  N.),  theils  nach  Stunde  7 (0. 15°  S.) 
und  ebenfalls  nur  ein  geringes  widersinnischen  Einfallen  von  30  bis  35  Grad 
nach  Norden  zeigen. 

Vergleicht  man  die  Streichungsrichtung  und  die  Stellung  der  Schichten  der 
Littener  Schichten  in  der  Hauptmasse  der  Colonie  mit  der  Streichungsrichtung 
und  Schichtenstellung  der  südlich  und  nördlich  von  ihr  auftretenden  Kossower 
Schichten,  so  wird  man  sich  kaum  berechtiget  finden,  eine  „concor  d ante“ 
Lagerung  beider,  und  überhaupt  eine  „regelmässige  Zwischenlagerung“ 
der  Littener  Schichten  der  Colonie  zwischen  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  anzunehmen.  Vielmehr  deuten  die  zwischen  die  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  förmlich  eingekeilten  Littener  Schichten  der  Hauptmasse  der 
Colonie  auf  eine  Unregelmässigkeit  in  der  Lagerung  hin,  welche  nur  in  Folge 
einer  Dislocation  Statt  haben  konnte.  Herr  Barrande  selbst  supponirt  eine 
solche,  indem  er  bei  der  Beschreibung  der  Colonie  „Krejci“  (Seite  621)  bemerkt : 
„Eine  merkliche  aber  graduelle  Abweichung  in  der  Neigung  der  Schichten  am 
ganzen  Gehänge  bezeuget  eine  Bewegung  des  Bodens  während  ihrer  Ablagerung, 
oder  eine  Unr egelmässigkeit  bei  ihrer  Hebung“. 

Die  oben  angedeutete  Art  der  Lagerung  versinnlichen  die  beiden  Profile  A B 
und  CD  in  Tafel  II,  deren  letzterer  nahe  am  Fusse  der  Colonie  quer  durch 
dieselbe,  ersterer  hingegen  nach  dem  südlichen  Gehänge  aufwärts  gezogen  ist, 
und  den  oberen  Theil  der  Colonie,  so  wie  (ideal)  die  Fortsetzung  des  unteren 
grösseren  Theiles  derselben  durchschneidet. 

Herr  Barrande  bezeichnet  (Seite  623)  die  Hauptmasse  der  Schiefer, 
welche  die  Colonie  „Krejci“  zusammensetzen,  als  „unreine  Schiefer 
(schistes  impurs)“,  und  hält  sie  für  eine  Mengung  der  Materie  der  eigent- 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


13 


[13] 

liehen  Littener  Schiefer  und  der  Königshofer  Schiefer.  Ich  meinestheils  bin 
geneigt,  die  Entstehung  dieser  „unreinen  Schiefer“  der  Hebung  zuzuschreiben 
welche,  wie  erwähnt,  aus  den  Lagerungsverhältnissen  der  Colonie  gefolgert 
werden  muss,  indem  man  als  eine  natürliche  Folge  der  durch  die  Hebung  veran- 
lassten  Schiehtenstörung  annehmen  kann,  dass  dabei  in  der  That  eine  Mengung 
der  Littener  Schichten  mit  Königshofer  Schichten  und  nebstdem  eine  mehr 
minder  bedeutende  Veränderung  ihres  sonstigen  petrographischen  Charakters 
Statt  gefunden  habe,  wie  dies  auch  die  zermalmten  Königshofer  Schichten 
rechts  nächst  der  Colonie  andeuten.  Ich  habe  mich  desshalb  auch  im  Vorher- 
gehenden in  keine  subtile  Beschreibung  der  Colonie  „Krejci'“  eingelassen  * weil 
sich  einzelne  kleine  Unregelmässigkeiten  einfach  durch  die,  wie 
ich  glaube,  constatirte  Thatsache,  dass  bei  der  Colonie  „Krejci“ 
eine  Schichtenstörung  in  Folge  einer  Dislocation  vor  liege, 
erklären  lassen. 

Die  Fossilien,  welche  Herr  Barrande  bisher  aus  der  Colonie  „Krejci“ 
gesammelt  hat,  führt  derselbe  in  seinem  Auszuge  {Bull.  Seite  624)  namentlich  an. 
Es  sind  40  Species,  von  welchen  Herr  Barrande  erklärt,  dass  sie  Alle 
auch  in  seiner  unteren  Kalk-Etage  ^erscheinen.  Die  Colonie  „Krejci“ 
besteht  demnach  nicht  nur  aus  Gesteinen,  die  die  „Littener  Schichten“  charak- 
terisiren,  sondern  sie  führt  auch  nur  solche  Fossilreste,  die  den  „Littener 
Schichten“  eigenthümlich  sind.  Ich  begnüge  mich  mit  diesen  Angaben  und  werde 
auch  in  der  Folge  bezüglich  der  Petrefactenführung  nur  Herrn  B arr a n d e‘s 
gewiss  vollkommen  verlässliche  Daten  citiren,  indem  überhaupt,  wie  es  sich 
später  zeigen  wird,  bei  der  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  der  Schwer- 
punkt nicht  blos  in  den  Vorgefundenen  Fossilresten,  als  vielmehr  vor  Allem  in 
den  Lagerungsverhältnissen  gesucht  werden  muss. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  dass  die  oberste  Partie  der  Littener  Schichten, 
welche  die  Colonie  Krejci  zusammensetzen  , von  Gebirgsschutt  und  Diluvial- 
schotter bedeckt  wird.  Letztere  verhindern  es  auch,  dass  man  die  südwestliche 
Fortsetzung  der  Colonie  unmittelbar  verfolgen  könnte.  Geht  man  jedoch  in  süd- 
westlicher Dichtung  von  der  Colonie  Krejci  aus  nach  dem  Gebirgsgehänge  in 
ziemlicher  Höhe  von  der  Thalsohle  an  der  Begrenzung  der  Diluvialablagerungen 
und  der  Kossower  Schichten  vorwärts,  so  trifft  man  an  ein  paar  Stellen  Littener 
Schichten,  u.  z.  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer,  unter  dem  Schotter  aus- 
beissen  und  auf  Kossower  Schichten  aufliegen , die  im  Allgemeinen  ein  geringes 
widersinnisches  Einfallen  nach  Nordwesten  besitzen.  Der  Zuhammenhang  dieser 
Kossower  Schichten  mit  jenen,  welche  die  südliche  Begrenzung  der  Colonie 
Krejci  bilden,  und  auf  welchen  die  bezeichnete  oberste  Partie  der  Colonie  ruhet, 
ist  ein  ununterbrochener,  und  es  kann  somit  keinem  Zweifel  unterliegen, 
dass  die  obenerwähnten  und  in  der  Karte  Tafel  II  angedeuteten  Ausbi  sse 
der  Littener  Schichten  die  weitere  südwestliche  Fortsetzung 
der  Colonie  „Krejci“  sind,  deren  Erscheinen  am  Tage  nur  durch  die 
Diluvial-  und  Schuttablagerungen  mehrmals  unterbrochen  wird.  Unter  den 
Kossower  Schichten  lagern  bei  diesen  Ausbissen,  wie  es  die  Karte  zeigt,  die 
Königshofer  Schiefer. 

Colonie  ,,flaidinger“. 

Auch  diese  Colonie  beschreibt  Herr  Barrande  in  seinem  angeführten  Aus- 
zuge {Bull.  Seite  616,  618  u.  f.)  im  Detail,  und  ich  habe  dieser  Beschreibung 
der  Colonie  „Haidinger“,  welche  sich  an  dem  Gebirgsgehänge  südwestlich  von 


M.  V.  Lipoid. 


14 


[14] 


der  am  Wege  zwischen  Kuhei  und  Radotin  befindlichen  Schäferei  (siehe  Karte 
Tafel  II)  befindet,  nur  Folgendes  beizufügen. 

Wenn  man  in  dem  ersten,  in  der  Karte  mit  „I“  bezeichneten  Graben, 
welcher  südwestlich  von  der  Schäferei  das  ziemlich  steile  Gebirgsgehänge  durch- 
schneidet, von  unten  nach  aufwärts  steigt,  so  findet  man  zu  unterst  Kossower 
Schichten,  sodann  Königshofer  Schichten,  endlich  gegen  die  Höhe  zu  wieder 
Kossower  Schichten,  die  aber  bald  von  Diluvialschottern  bedeckt  werden,  welche 
das  Hochplateau  einnehmen.  Die  Kossower  Schichten  zeigen  durchgehends 
ein  widersinnisches  nordwestliches  Einfallen  ihrer  Schichten  unter  einem  meist 
sehr  geringem  Einfallwinkel.  Die  zwischen  denselben  befindlichen 
Königshofer  Schichten  dagegen,  welche  den  grössten  Theil  des 
Grabens  einnehmen,  besitzen  eine  sehr  verworrene  Lagerung, 
indem  ihre  Schichten  nicht  nur  verschiedene  Streichungsrichtungen  abnehmen 
lassen,  sondern  auch  grösstentheils  ein  steiles  Einfallen,  und  zwar  bald  ein  wider- 
sinnisches, bald  ein  rechtsinnisches,  besitzen,  und  stellenweise  saiger  aufgerichtet 
erscheinen.  In  diesem  Graben  sind  keine  Spuren  von  Littener  Schichten 
anzutreffen.  Hingegen  stehen  an  dem  Grate  des  Gebirgsvorsprunges , welchen 
das  Gehänge  links  (südwestlich)  von  diesem  Graben  besitzt,  Littener  Schichten, 
und  zwar  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  an,  welche  man  nach  dem  Gebirgs- 
gehänge in  südwestlicher  Richtung  ungefähr  200  Klafter  weit  durch  zwei  Gräben 
verfolgen  kann,  bis  deren  Fortsetzung  gleichfalls  durch  Schult  und  Diluvial- 
schotter verdeckt  wird.  (Siehe  Karte,  Tafel  II.)  Diese  Grünsteine  und  Grapto- 
lithenschiefer, welche  die  Colonie  „Haidinger“  bilden,  stimmen  petrographisch 
vollkommen  mit  den  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten 
im  Allgemeinen  überein.  Die  Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  ist  5 bis  6 
Klafter,  und  sind  bald  die  Grünsteine,  bald  die  Schiefer  vorwaltend. 

Um  über  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie  „Haidinger“  ein  genaues 
und  getreues  Bild  zu  erlangen,  habe  ich  in  dem  zweiten  südwestlich  von  der 
Schäferei  befindlichen,  in  der  Karte  mit  „II“  bezeichneten  Graben , in  welchem 
die  Colonie  erscheint,  und  in  welchem  die  Gesteinschichten  sehr  schön  entblösst 
sind,  die  Reihenfolge  der  Schichten  mit  ihrem  Streichen  und  Fallen  erhoben,  und 
in  dem  Profile  EF  (Tafel  II)  ersichtlich  gemacht.  Der  Graben  selbst  ist  zwar, 
hauptsächlich  in  seinem  tieferen  Theile  unter  der  Colonie,  sehr  schroff,  und 
dessen  Passirung  beschwerlich ; allein  die  Ueberwindung  dieser  Schwierigkeit 
ist  um  so  nothwendiger  und  lohnender,  als  man  nur  dadurch  zu  einem  klaren 
Bilde  von  den  Lagerungsverhältnissen  der  Colonie,  welche  für  die  Erklärung  der 
Erscheinung  von  besonderer  Wichtigkeit  sind,  gelangen  kann.  Zu  unterst  nun 
in  diesem  Graben  stehen  Königshofer  Schichten  an,  auf  welche  nach  oben  bis 
zu  der  Colonie  in  steilen  Abfällen  Kossower  Schichten  folgen.  Beide  zeigen  ein 
gleichmässiges  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.),  und  ein  widersinnisches  Einfallen 
nach  Nordwest.  Das  Einfallen  der  Kossower  Schichten  ist  jedoch  ein  sehr  geringes 
und  beträgt  durchschnittlich  kaum  10  Grade;  ja  einzelne  Bänke  derselben 
liegen  ganz  horizontal.  Auf  diesen  Kossower  Schichten  liegt  die  Colonie,  und 
zwar  die  Grünsteine  denselben  gleichmässig  aufruhend,  während  die  Graptolithen- 
schiefer ein  Streichen  nach  Stunde  3 (0.  15°  N.)  bis  6 (0.),  und  an  ihrer 
nördlichen  Begrenzung  ein  nördliches  Einfällen  von  40  Graden  abnehmen 
lassen.  Auf  die  Graptolithenschiefer  folgen  nach  aufwärts,  die  Colonie  im  Nord- 
westen begrenzend,  abermals  Königshofer  Schichten,  und  zwar  nehmen  sie  den 
grössten  Theil  der  oberen  Hälfte  des  Grabens  ein,  und  gehen  erst  gegen  das 
Plateau  in  die  Kossower  Schichten  über,  welche  als  höchstes  anstehendes  Ge- 
birgsglied  in  dem  Graben  beobachtet  werden  können,  worauf  auch  hier  das  Pia- 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[18] 


18 


teau  von  Diluvialablagerungen  bedeckt  wird.  — Die  Königshofer  Schichten  nun, 
welche  auf  die  Colonie  folgen,  zeigen  in  ihrer  ganzen  Mächtigkeit  verschiedene 
Streichungsrichtungen  zwischen  Stunde  1 (N.  lö°  0.)  bis  h (0.  16°  N.),  aber 
schon  unmittelbar  an  der  Colonie  ist  ihr  widersinnisches  Einfallen  ein 
s t eiles  unter  70  u nd  m e hr  Gr  ad  , und  bleibt  es  bis  hoch  hinauf  im  Graben, 
indem  einzelne  Partien  derselben  selbst  vollkommen  saiger  aufgerichtet 
erscheinen.  Erst  gegen  den  Ausgang  des  Grabens  nach  oben  erhalten  die  Schich- 
ten einen  geringeren  Einfallswinkel,  der  jedoch  immer  noch  so  gross  ist,  dass 
selbst  die  obersten  sichtbaren  Kossower  Schichten  noch  mit  40  Grad  nach 
Nordwesten  verflachen. 

Fasst  man  nun  das  naturgetreue  Profil  EF  in  Tafel  II  in’s  Auge,  so  sieht 
man,  dass  zwischen  den  zum  Theile  horizontal  liegenden  und  höchstens  mit 
10  Grad  verflachenden  unteren  Kossower  Schichten,  welchen  die  Colonie  auf- 
ruhet, und  den  mit  40  bis  fiO  Grad  einfallenden  oberen  Kossower  Schichten 
die  Königshofer  Schichten  in  steiler,  selbst  saigerer  oder  verticaler  Schichten- 
stellung auftreten.  Man  wird  mir  daher  kaum  Unrecht  geben,  wenn  ich  die  bei 
der  Colonie  Haidinger  erhobene  Schichtenfolge  als  keine  concordante,  und 
die  Lagerung  der  Colonie  selbst  als  keine  regelmässige  Zwisch  enlage- 
rung  bezeichne.  Es  lässt  sich  vielmehr,  wie  bei  der  Colonie  Krejci,  so  auch  bei 
der  Colonie  Haidinger  aus  der  Unregelmässigkeit  der  Schichtenstellung  folgern, 
dass  auch  hier  eine  Störung  der  Lagerung  in  Folge  irgend  welcher  Dis- 
location Statt  gehabt  habe.  Die  Littener  Schichten  der  Colonie  erscheinen 
nach  dem  Profile  durch  die  Königshofer  Schichten  abgeschnitten,  und 
erstrecken  sich  demnach  nach  dem  Verflächen  nicht  weit  in  das  Gebirge  hinein. 
Der  Beweis  hiefür  liegt  auch  vor,  indem  die  Littener  Schichten  der  Colonie  an 
dem  vorspringenden  Grate  zwischen  den  beiden  Gräben  II  und  I der  Karte  sich 
verlieren,  und  in  den  Graben  I nicht  herabreichen,  wo  sie  doch  min- 
destens in  Spuren  erscheinen  müssten,  wenn  sie  den  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  regelmässig  und  concordant  zwischengelagert  wären. 

Die  Fossilreste,  welche  Herr  Barrande  aus  der  Colonie  Haidinger 
(a.  a.  0.  Seite  621)  anführt,  beschränken  sich  auf  8 Species,  was  wohl  dem 
Umstande  zuzuschreiben  ist,  dass  in  dieser  Colonie  keine  Kalksphäroide,  die  in 
der  Colonie  Krejci  die  meisten  Fossilien  lieferten,  Vorkommen.  Alle  8 Species 
der  Colonie  Haidinger  fand  Herr  Barrande  jedoch  auch  „an  verschie- 
denen Orten  in  der  tiefsten  Zone  seiner  unteren  Kal k- E ta ge  E.“ 

Die  wichtigsten  Thatsachen  nun,  welche  aus  dem  Yorgesagten  folgen  und 
besonders  beachtet  werden  müssen,  sind,  dass  auch  die  Grünsteine  und  Grapto- 
lithenschiefer,  welche  die  „Colonie  Haidinger44  bilden,  petrographisch  jenen  der 
Littener  Schichten  überhaupt  identisch  sind,  — dass  die  Lagerung  der  Colonie 
keine  regelmässige  sondern  eine  gestörte  ist,  — und  dass  die  Fossilreste,  welche 
die  Colonie  lieferte,  alle  auch  den  Littener  Schichten,  und  zwar  der  tiefsten 
Zone  derselben,  eigenthümlich  sind.  Das  Auftreten  von  kleinen  Partien  der 
Kossower  oder  Königshofer  Schichten  zwischen  den  Littener  Schichten  der 
Colonie,  wie  solches  Herr  Barrande  in  seiner  Beschreibung  der  Colonie 
Haidinger  anführt,  wird,  sobald  man  eine  statt  geh  abte  Schichten- 
störung in  Folge  einer  Dislocation  zugibt,  eben  so  wenig  überraschend 
erscheinen,  als  die  oben  angedeutete  Mengung  der  gleichen  Schichten  bei  der 
Colonie  „Krejci44. 

Aus  der  geologischen  Karte  Tafel  II  ist  ersichtlich,  dass  die  Colonien 
„Krejci44  und  „Haidinger44  nicht  einem  und  demselben,  sondern  zwei  ver- 
schiedenen durch  Königshofer  Schichten  getrennten  Zügen  der 


16 


M.  V.  Lipoid. 


rie] 


Kossower  Schichten  aufruhen,  dass  sie  demnach  nicht  als  Fortsetzung  einer 
von  der  andern  angesehen  werden  können.  Die  Colonie  „Krejcf“  käme,  wenn 
deren  südwestliche  Fortsetzung  nach  dem  Streichen  sichtbar  wäre,  über  und 
auf  die  obere  Partie  der  Kossower  Schichten  zu  liegen,  welche  man  im 
Graben  II  durchquert,  und  auf  deren  unteren  tieferen  Partie  die  Colonie  „Hai- 
dinger" erscheint.  Herr  Barrande  hat  demnach  vollkommen  Recht,  wenn  er, 
unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Lagerung  der  Colonie n eine 
regelmässige  und  concordante  sei  (a.  a.  0.  Seite  616  und  626), 
die  Angabe  macht,  dass  die  beiden  Colonien  „Krejcf"  und  „Haidinger"  zwei 
verschiedenen  Horizonten  angehören,  und  zwar  die  Colonie  „Haidinger“ 
dem  tieferen  und  die  Colonie  „Krejcf“  einem  höheren  Horizonte.  Mir  gilt  diese 
Thatsache  als  Beweis , das  in  dem  Terrain  der  beiden  Colonien  eine 
Störung  der  normalen  Lagerung  nach  zwei  zu  einander  paral- 
lelen Richtungen  von  Nordost  in  Süd  west  stattgefunden  habe, 
deren  eine  Richtung  durch  die  Colonie  Haidinger,  und  die  andere  durch  die 
Colonie  Krejcf  und  ihre  südwestliche  Fortsetzung  angedeutet  wird. 


Dass  Herr  B arr an  d e ausser  den  von  ihm  in  dem  ofterwähnten  Auszuge 
beschriebenen  Colonien  „Haidinger“,  „Krejcf“  und  „Zippe“  noch  mehrere  den 
Colonien  gleiche  Erscheinungen  im  böhmischen  Silurhecken  kennt,  folgt  aus 
seinen  Bemerkungen  Seite  609  und  625  des  Bull.  Auch  mir  sind  bei  der 
geologischen  Aufnahme  des  Terrains  zwischen  Gross-Kuhel  und  Litten  mehrere 
den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf"  analoge  Erscheinungen  vorgekommen, 
die  ich  auch  mit  dem  Namen  Colonien  belegen  will,  und  die  ich  im  Nachfolgenden 
in  kurzen  Umrissen  schildern  werde.  Ich  behaupte  hiebei  durchaus  nicht,  alle 
den  Colonien  ähnliche  Erscheinungen  zwischen  Kuhei  und  Litten  erschöpft  zu 
haben , indem  hei  dem  theils  mit  Diluvien  bedeckten , theils  stark  bewaldeten 
Terrain  es  sehr  leicht  möglich  ist,  dass  man  eine  oder  die  andere  dergleichen 
Erscheinung  verfehlet,  und  sie  in  der  Folge  zufällig  entdeckt  wird.  Nur  bin  ich 
überzeugt,  dass,  je  mehr  „Colonien“  in  dem  bezeichneten  Terrain  ausser  den 
von  mir  zu  beschreibenden  bekannt  würden,  man  dadurch  nur  desto  mehr  Anhalts- 
punkte zu  jener  Erklärung  der  „Colonien“  gewänne,  die  sich  aus  deren  Lage- 
rungsverhältnissen ergeben  wird. 

Colonie  „Radotin“. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  dass  die  Verfolgung  der  südwestlichen  Fort- 
setzung der  Colonie  „Haidinger“  wegen  jüngerer  Schutt-  und  Schotterablage- 
rungen nicht  thunlich  ist.  Allein  auf  den  Feldern  am  Plateau  nordöstlich  von 
Radotin  findet  man  zwischen  Geschieben  der  Kossower  Schichten  auch  einzelne 
seltene  Geschiebe  von  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten,  und  am  Wege, 
der  nach  dem  Gehänge  von  Radotin  nach  Lochkow  führt,  nächst  den  „Lahowska“ 
benannten  Häusern,  trifft  man  in  anstehendem  Gebirge  eine  Partie  Littener 
Schichten,  bestehend  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern,  mitten  unter 
Kossower  und  Königshofer  Schichten  ausbeissend.  Dieser  Ausbiss  von  Littener 
Schichten,  den  ich  Colonie  „Radotin“  bezeichne,  liegt,  wenn  man  ihn  nebst  den 
Stellen,  wo  Findlinge  von  Graptolithenschiefern  zu  sehen  sind,  in  der  Karte  ver- 
zeichnet, wie  ich  es  in  der  „Geologischen  Karte“  Tafel  I.  that,  genau  in  der  süd- 
westlichen Fortsetzung  der  Colonie  „Haidinger“,  und  ich  nehme  keinen  Anstand, 
die  Colonie  „Radotin“  als  südwestliche  Fortsetzung  der  Colonie  „Haidinger“ 
zu  bezeichnen. 


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Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


17 


Das  Profil  DE  in  Tafel  I.  erläutert  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie 
„Radotin.“  Dasselbe  ist  über  das  östlich  vom  Radotiner  Bache  befindliche  Pla- 
teau von  Südost  nach  Nordwest  gezogen,  und  vorzugsweise  aus  den  Beobachtun- 
gen zusammengestellt,  welche  ich  an  den  schön  entblössten  Gebirgsgehängen 
am  linken  Ufer  des  Radotiner  Baches  machen  konnte.  Uutersucht  man  nun  dieses 
rechtseitige  (östliche)  Gebirgsgehänge  nach  dem  Graben  aufwärts,  so  ver- 
misst man  vor  Allem  zwischen  den  daselbst  anstehenden  Königshofer  und  Kos- 
sower  Schichten  das  Erscheinen  von  Littener  Schichten,  welche  nach  dem  Strei- 
chen der  Littener  Schichten  in  der  Colonie  „Radotin“  als  Fortsetzung  dieser 
letzteren  an  irgend  einer  Stelle  dieses  Gehänges  zu  Tag  treten  sollten.  Man 
muss  hieraus  den  Schluss  ziehen,  dass  die  Littener  Schichten  der 
Colonie  „Radotin“  nach  dem  Verflächen  nicht  weit  in  das  Ge- 
birge hinein  reichen,  weil  sie  sonst  in  dem  Radotiner  Graben  an  dem 
Berggehänge  zu  Tage  kommen  würden,  sondern  dass  dieselben,  gleich  den  Lit- 
tener Schichten  in  der  Colonie  „Haidinger“,  als  deren  Fortsetzung  sich  die 
Colonie  Radotin  auch  darstellt,  durch  die  Königshofer  Schichten  in  der  Art  ab- 
geschnitten werden,  wie  ich  es  im  Profile  DE  verzeichnete. 

Weiter  gegen  Nordwesten  trifft  das  Profil  eine  mächtige  Partie  von  Litte- 
ner Schichten,  die  auf  Kossower  Schichten  lagern.  Diese  Littener  Schichten 
gehören  jedoch  bereits  der  normalen  Ablagerung  derselben  an,  da  sie  von 
Kuhelbader  Schichten  normal  bedeckt  werden,  und  somit  die  Reihe  der  norma- 
len obersilurischen  Schichtengruppen  eröffnen.  Indessen  findet  man  bei  genauer 
Untersuchung  dieser  Littener  Schichten  in  dem  Radotiner  Graben,  dass  nahe  an 
der  südöstlichen  oder  Liegendgrenze  dieser  Ablagerung  von  der  Thalsohle  an 
eine  Partie  von  Kossower  Schichten  in  die  Littener  Schichten  keilförmig  hinauf- 
ragt, und  diese  letzteren  in  ihrer  Lagerung  gestört  hat,  ohne  jedoch  die- 
selben ganz  durchzusetzen  und  bis  an  das  obere  Plateau  zu  reichen.  Ich  habe 
diese  Störung  der  normalen  Littener  Schichten  durch  Kossower  Schichten  in 
dem  Profile  DE  angedeutet,  während  die  letzteren  nach  Obigem  in  der  Karte 
selbst  nicht  ersichtlich  sind. 

Ich  bezeichne  diese  letztangeführte  Störung  der  Lagerung  der  norma- 
len Littener  Schichten  durch  Kossower  Schichten  als  besonders  bemerkenswerth, 
da  es  sich  hieraus  ergibt,  dass  auch  in  dem  Terrain  der  Colonie  „Radotin“  die 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  ihrem  regelmässigen  Einfallen  zwei  Stö- 
rungen erlitten  haben,  deren  eine  sich  bei  der  Colonie  „Radotin“  selbst,  die  an- 
dere durch  das  erwähnte  keilförmige  Hineinragen  der  Kossower  Schichten  in  die 
normalen  Littener  Schichten  kund  gibt.  Beide  Störungen  können  nur  Disloca- 
tionen  der  Schichten  ihren  Ursprung  verdanken,  und  wenn  man  die  Schich- 
tenstörung bei  der  Colonie  „Radotin“  als  südwestliche  Fortsetzung  derjenigen 
Schichtenstörung,  welche  bei  der  Colonie  „Haidinger“  nachgewiesen 
wurde,  meines  Erachtens  mit  Recht  annimmt,  so  ergibt  sich  völlig  von  selbst  die 
Vermuthung,  dass  die  nördlichere,  in  den  normalen  Littener  Schichten  beobach- 
tete Schichtenstörung  die  südwestliche  Fortsetzung  jener  Schichtenstörung  sei, 
welche  aus  den  Lagerungsverhältnissen  bei  der  Colonie  „Krejci“  gefolgert 
werden  muss. 

Zu  beachten  ist  ferner,  dass  auch  am  linkseitigen  (westlichen)  Gebirgs- 
gehänge des  Radotiner  Grabens  ein  Anstehen  von  Littener  Schichten  zwischen 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  im  Thalgrunde  nicht  aufgefunden  werden 
konnte,  und  die  Littener  Schichten  auch  an  diesem  Thalgehänge  erst  dort  auf- 
treten,  wo  sie  bereits  ihre  normale  Lage  zwischen  den  Kossower  Schichten  und 
den  obersilurischen  Kalksteinablagerungen  einnehmen.  Die  höheren  Theile  dieses 

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K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


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westlichen  Thalgehänges,  wie  auch  die  Höhen  selbst,  die  sich  daselbst  erheben, 
sind  stark  bewaldet,  und  daher  geologischen  Beobachlungen  ungünstig,  und  es 
bleibt  immerhin  möglich,  dass  an  irgend  einem  Punkte  dieser  Höhen  „Colonien“ 
sich  vorfinden,  die  ich  nicht  beobachtete,  und  nicht  in  die  Karte  verzeichnen  konnte. 


Colonie  „Kosor“. 

Mit  diesem  Namen  bezeichne  ich  jene  „Colonie“  von  Littener  Schichten 
zwischen  Kossower  Schichten,  welche  man  an  dem  östlichen  Gehänge  des  Gra- 
bens südöstlich  vom  Dorfe  Kosor  beobachten  kann.  (Taf.  I.)  Die  Colonie  selbst 
ist  nur  einige  Klafter  mächtig,  und  besteht  aus  Grünsteinen  und  Graptolithen- 
schiefern,  welche  zwischen  den  nach  Nordwest  einfallenden  Kossower  Schichten 
auftreten.  Die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Colonie,  welche  ich  im  Profile  FG , 
Taf.  I darstellte,  sind  gleichfalls  keine  vollkommen  regelmässigen.  Die  Kossower 
Schichten  nämlich,  welche  die  Colonie  in  Südosten  und  Nordwesten  begrenzen, 
fallen  zwar  beiderseits  nach  Nordwesten  ein;  aber  der  Einfallswinkel  der  süd- 
östlichen (oder  Liegend-)  Kossower  Schichten  ist  ein  kleiner  und  viel  gerin- 
gerer, als  der  Einfallswinkel  der  nordwestlichen  (oder  Hangend-)  Kossower 
Schichten,  der  sich  nächst  der  Colonie  bis  70  Grad  erhebt.  Dieser  verschiedene 
Verflächungswinkel  der  Kossower  Schichten  muss  mich  bestimmen,  auch  hei  der 
Colonie  „Kosor“  eine  Schichtenstörung  vorauszusetzen,  und  auch  hier  anzu- 
nehmen, dass  die  Littener  Schichten  der  Colonie  keine  tiefgehende  Einlagerung 
in  den  Kossower  Schichten  bilden,  sondern  durch  die  im  Hangenden  (Nordwest) 
der  Colonie  auftretenden  Kossower  Schichten  abgeschnitten  werden.  Gewiss  ist 
es,  dass  die  Littener  Schichten  der  Colonie  nach  dem  Streichen  in  Nordosten 
irgendwo  an  den  bewaldeten  Höhen  sich  auskeilen  müssen,  weil  sie  in  der  Thal- 
sohle des  Radotiner  Grabens,  wie  ich  oben  erwähnte,  nicht  vorgefunden  wurden, 
und  sie  doch  in  diesem  Thale  zu  Tage  treten  müssten,  wenn  sie  eine  reguläre 
Einlagerung  in  den  Kossower  Schichten  bildeten.  Zum  besseren  Verständniss 
dieser  Lagerungsverhältnisse  muss  ich  noch  beifügen,  dass  der  Punkt,  wo  sich 
die  Colonie  „Kosor“  befindet,  ziemlich  hoch  im  Gebirge,  und  mindestens  200 
Fuss  höher  sich  befindet,  als  die  Thalsohle  des  Radotiner  Grabens  ob  Radotin, 
woraus  es  erklärlich  wird,  warum  die,  allem  Anscheine  nach,  nach  ihrem  Verflä- 
chen  abgeschnittenen  Littener  Schichten  der  Colonie  „Kosor“  in  der  Thalsohle 
des  Radotiner  Grabens  nicht  mehr  vorgefunden  werden.  Die  südwestliche  Fort- 
setzung der  Colonie  „Kosor“  ist  durch  Diluvial-Ablagerungen,  welche  das  grosse 
Hochplateau  südlich  von  Kosor  bedecken,  über  Tag  unterbrochen,  obwohl  man 
dieselbe  unter  den  Diluvien  vermuthen  darf. 

Auf  die  Kossower  Schichten,  welche  die  Colonie  im  Nordwesten  begrenzen, 
folgen  nach  aufwärts  die  normalen  Littener  Schichten,  denen  gegen  Kosor  zu 
die  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten  regulär  auflagern. 

Colonien  „Cernositz“. 

Nordwestlich  von  dem  am  Beraunflusse  gelegenen  Dorfe  Cernositz  befindet 
sich  ein  Graben,  der  das  nach  Südost  abfallende  Gebirgsgehänge  ziemlich  tief 
durchschneidet.  An  der  rechten  (östlichen)  Seite  dieses  Grabens  stehen  am 
Fusse  des  steilen  Gehänges  Königshofer  Schichten  an,  welche  nach  aufwärts 
in  Kossower  Schichten  übergehen,  auf  die  gegen  die  Höhe  grosse  Steinbrüche 
im  Betriebe  stehen.  Sowohl  die  Königshofer  als  auch  die  sie  überlagernden  Kos- 
sower Schichten  besitzen  ein  durchschnittliches  Streichen  nach  Stunde  3,  und 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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ein  widersinnisches  Verflachen  nach  Nordwesten.  In  ähnlicher  Art  folgen  auch 
an  dem  Gebirgsgehänge  links  (westlich)  vom  Graben  von  unten  nach  oben  auf 
die  Königshofer  die  Kossower  Schichten.  Geht  man  nun  nach  dem  Hauptgraben 
aufwärts,  so  findet  man  in  der  oberen  Hälfte  desselben  bis  zu  dem  Hochplateau, 
das  von  Diluvien  bedeckt  ist,  nichts  als  Kossower  Schichten  anstehend.  Hingegen 
trifft  man  an  beiden  Seiten  des  Hauptgrabens  fast  in  der  Höhe  des  Plateaus  mitten 
zwischen  Kossower  Schichten  Partien  von  Littener  Schichten  ausbeissend.  An 
der  linken  Seite  des  Hauptgrabens  stösst  man  auf  die  aus  Grünsteinen  und  Grap- 
tolithenschiefern  bestehende  Partie  der  Littener  Schichten  am  Wege,  welcher 
an  dieser  Seite  des  Grabens  von  Cernositz  nach  Tfebotow  führt.  An  der  rechten 
(östlichen)  Seite  des  Hauptgrabens  hingegen  zweigt  sich  ein  kleiner  aber  schrof- 
fer Seitengraben  nach  Nord  osten  ab,  auf  dessen  steilen  von  Kossower  Schichten 
gebildeten  Felswänden  sich  Partien  von  Grünsteinen  der  Littener  Schichten 
vorfinden.  Diese  isolirten  Partien  von  Littener  Schichten  bilden  die  Colonien 
„Cernositz“.  Sie  besitzen  nur  eine  Mächtigkeit  von  4 bis  5 Klaftern. 

Was  die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Colonien  betrifft,  so  ist  deren  unmit- 
telbare Auflagerung  auf  Kossower  Schichten,  die  mit  40  bis  50  Grad  nach 
Nordwest  einfallen,  sichtbar;  weniger  klar  dagegen  ist  deren  Ueb erläge  r u ng, 
obschon  nach  den  vorhandenen  Entblössungen  es  keinem  Zweifel  unterliegt,  dass 
auch  im  Hangenden  der  Colonien,  d.  i.  an  der  nördlichen  Begrenzung  derselben, 
Kossower  Schichten  mit  steilem  nordwestlichen  Einfallen  auftreten.  Da  jedoch 
in  dem  Umstande,  dass  die  Littener  Schichten,  ungeachtet  sie  an  beiden  Sei- 
ten des  Hauptgrabens  und  zwar  genau  in  der  dem  Streichen  der  Gebirgsschichten 
entsprechenden  Richtung  in  der  Höhe  zu  Tag  treten,  in  dem  Hauptgraben  selbst, 
welchen  sie  nach  dem  Streichen  durchschneiden  sollten,  nirgends  in  der  Tiefe 
anstehend  gefunden  werden,  der  Beweis  vorliegt,  dass  die  Littener  Schichten 
sich  nach  dem  Verflächen  in  das  Gebirge  auskeilen  oder  durch  die  Kossower 
Schichten  abgeschnitten  werden;  so  habeich  diesem  entsprechend  das  Profil  HI 
in  Taf.  I entworfen,  welches  demnach  auch  ein  begründetes  Bild  von  den  Lage- 
rungsverhältnissen der  Colonien  „Cernositz“  gibt. 

Das  Hochplateau,  auf  dessen  Höhe  die  Colonien  „Cernositz“  nahezu  auf- 
treten, ist  mit  Diluvien  bedeckt.  Man  ist  daher  nicht  im  Stande,  weder  die 
westliche  noch  die  östliche  Colonie  nach  ihrem  Streichen  zu  verfolgen,  und  den 
allfälligen  Zusammenhang  der  letzeren  mit  der  Colonie  „Kosor“  zu  constatiren. 
Westlich  von  dem  Cernositzer  Graben  ist  überdies  das  Gebirge  bewaldet,  und 
diese  Waldungen,  die  bis  zu  dem  Solopisker  Graben  reichen,  verhinderten  auch 
eine  Begehung  der  Gehänge  gegen  diesen  Graben.  Am  Wege,  welcher  nach  dem 
Solopisker  Graben  von  Solopisk  nach  Cernositz  führt,  fand  ich  zwar  an  einer 
Stelle,  wo  am  Gehänge  nur  Kossower  Schichten  anstehen,  eine  kleine  Partie 
von  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten;  da  ich  jedoch  zur  Beurtheilung 
der  Lagerungsverhältnisse  derselben  keine  festen  Anhaltspuncte  gwinnen  konnte, 
so  begnüge  ich  mich,  hievon  einfach  Erwähnung  zu  machen.  In  diesem  Graben 
sind  jedoch  bei  Solopisk,  d.  i.  südlich  vom  Orte,  die  normalen  Littener  Schich- 
ten sehr  mächtig  entwickelt,  und  ich  konnte  daselbst  drei  mächtige  Partien  von 
Grünsteinen  zwischen  Graptolithenschiefern  beobachten.  Leider  gestatteten  mir 
das  Wetter,  die  Zeit,  und  das  theilweise  dicht  bewaldete  Terrain  nicht,  diese 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  einer  vollkommen  detaillirten  Aufnahme  zu 
unterziehen,  die  vielleicht  interessante  Daten  über  die  Lagerung  dieser  Littener 
Schichten  geliefert,  vielleicht  selbst  eine  coloniale  Erscheinung  von  Kossower 
Schichten  zwischen  denselben  nachgewiesen  hätte,  wesshalb  ich  spätere  Forscher 
auf  diese  Stelle  besonders  aufmerksam  zu  machen  mir  erlaube. 


3 * 


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Colonie  „Wonoklas“. 

Das  Dorf  Wonoklas  (siehe  Karte  Taf.  I)  steht  auf  Littener  Schichten,  wel- 
che, da  sie  nördlich  vom  Orte  normal  von  Kuhelbader  und  weiters  von  Kone- 
pruser,  Braniker  und  Hluboceper  Schichten  überlagert  werden,  als  die  normale 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  in  der  Beihe  der  obersilurischen  Schichten- 
gruppen anzusehen  sind.  Diese  Littener  Schichten  lagern  auf  Kossower  Schichten, 
wie  man  dies  in  dem  Graben  südlich  vom  Dorfe  beobachten  kann.  In  dem  erwähn- 
ten Graben  findet  man  in  der  Thalsohle  an  beiden  Gehängen  abwärts  bis  zu  der 
Wendung  desselben  gegen  Osten  nur  Kossower  Schichten  anstehend;  dort  treten 
Königshofer  Schichten  unter  denselben  auf.  An  den  Gehängen  zunächst 
der  Thalsohlewerden  demnach  keineLittener  Schichten  zwischen 
den  Kossower  Schichten  bemerkbar.  Allein  in  der  halben  Höhe  des 
östlichen  Thalgehänges,  und  zwar  an  der  Stelle,  wo  ein  Steinbruch  auf  die  Kosso- 
wer Sandsteine  eröffnet  ist,  zeigt  sich  ein  höchst  interessantes  Auftreten  von 
Grünsteinen  der  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  Schichten.  Letztere 
bilden  nämlich  daselbst  eine  Faltung  und  eine  Biegung,  und  die  Grünsteine 
der  Littener  Schichten  werden,  wie  man  dies  bei  dem  Steinbruche  deutlich 
sieht,  von  den  Falten  der  Kossower  Schichten  eingeschlossen,  so  dass  sie  nur 
nach  oben  frei  zu  Tag  treten,  nicht  aber  in  das  Gebirge  sich  erstrecken. 

Dieses  Auftreten  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  Schichten, 
welches  ich  als  Colonie  „Wonoklas“  bezeichne,  habe  ich  in  dem  Profile  KK  in 
Tafel  I dargestellt.  Der  Grünstein  tritt  nur  in  geringer  Masse  auf,  aber  in  einer 
Art,  die  klar  zeigt,  dass  derselbe  den  Kossower  Schichten  nicht  zwischen- 
gelagert, sondern  aufgelagert  sei,  und  nur  in  Folge  einer  Dis  lo cation  der 
letzteren  zwischen  dieselben  eingezwängt  wurde. 

Colonien  „Karlik“. 

Der  tiefe  Einschnitt,  welchen  der  Rubriner  Bach  nördlich  von  Karlik  (siehe 
Taf.  I)  in  das  Gebirge  macht,  und  durch  welchen  die  Gebirgsschichten  ihrem 
Streichen  in’sKreuz  durchbrochen  werden,  gestattet  auch  eine  genauere  Ermittlung 
der  Reihenfolge  der  Gebirgsschichten  in  diesem  Thale.  Das  Profil  LM  in  Tafel  I, 
welches  von  Karlik  aus  nach  Nordvvesten  über  die  Gehänge  am  linken  Bachufer 
gezogen  ist,  versinnlichet  die  beobachtete  Reihenfolge  der  Schichten. 

Das  steile  Gehänge,  welches  sich  bei  Karlik  aus  der  Dobfichowicer  Ebene 
erhebt,  besteht  am  Fusse  aus  Kossower  Schichten,  welche  nach  Stunde  3 (N.  0.) 
bis  4 (0.  30°  N.)  streichen,  und  nach  Nordwesten  einfallen.  Auf  den  Kossower 
Schichten  lagern  concordant  Littener  Schichten,  und  zwar  Grünsteine  und 
Graptolithenschiefer  mit  Kalksphäroiden ; die  Grünsteine,  steile  Felswände  am  Ein- 
gänge in’s  Rubriner  Thal,  eine  Art  Felsenthor,  bildend,  die  Graptolithenschiefer 
ebenfalls,  wie  die  Kossower  Schichten,  nach  Nordwesten  verflächend.  Die 
Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  ist  bedeutend,  und  beträgt,  wie  man  dies  am 
rechten  Bachufer  bei  Karlik  entnehmen  kann,  viele  Klafter.  Hinter  dem  ersten 
Bergrücken,  welcher  aus  den  oben  bezeichneten  Kossower  und  Littener  Schich- 
ten zusammengesetzt  ist,  breitet  sich  eine  kleine  Fläche  aus,  von  welcher  nach 
Nordosten  und  Südwesten  Gräben  auslaufen.  In  diesen  Gräben  findet  man  Königs- 
hofer Schichten  anstehend,  welche,  wie  die  genannten  Littener  Schichten,  auf 
welche  sie  folgen,  im  Allgemeinen  gleichfalls  ein  nordwestliches  Einfallen 
zeigen,  das  aber  steiler  ist,  als  jenes  des  Littener  Schichten.  Die  erwähnte  kleine 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[21] 


Fläche  begrenzt  nördlich  ein  zweiter  Bergrücken,  an  dessen  Fusse  noch  die  Königs- 
hofer Schichten  zu  sehen  sind,  dessen  steile  Gehänge  aber  die  Kossower  Schich- 
ten bilden,  welche  zwar  ein  Streichen  nach  Stunde  4 (0.  30°N.)  bis  5 (0. 13°N.) 
abnehmen  lassen,  aber  auch  ein  nordwestliches  Einfallen  besitzen,  somit  die  Königs- 
hofer Schichten  überlagern.  Verfolgt  man  die  Schlucht,  welche  diesen  zweiten 
Bergrücken  quer  durchschneidet,  und  durch  welche  der  Rubriner  Bach  fliesst, 
weiter  aufwärts,  so  beobachtet  man  am  Gehänge  des  linken  Bachufers  eine  zweite 
kleinere  Partie  yon  Littener  Schichten,  und  zwar  Grünsteine,  welche  deutlich  den 
Kossower  Schichten  auflagern.  Es  folgen  sodann  gegen  Norden  neuerdings  Kos- 
sower und  Königshofer  Schichten,  deren  Lagerungsverhältnisse , insbesondere 
gegen  die  letzterwähnten  Littener  Schichten,  aber  wegen  des  coupirten  Terrains 
nicht  bestimmt  erhoben  werden  konnten.  Erst  entfernter  von  diesen  Littener 
Schichten  kann  man  das  nordwestliche  Einfallen  der  Kossower  Schichten 
wieder  beobachten,  und  auf  diese  Kossower  Schichten  folgen  endlich  gegen 
Norden  in  concordanter  Lagerung  die  normalen  Littener  Schichten,  die  von 
den  Kuhelbader  und  höheren  Kalkschichten  überlagert  werden. 

Das  eben  erörterte  Profil  LM  zeigt  demnach,  dass  sich  in  dem  Graben  ob 
Karlikzwei  Colonien  von  Littener  Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kosso- 
wer Schichten  vorfiuden,  und  dass  diese  Colonien  zu  einander  nahezu  parallel 
streichen.  Ich  habe  die  südlichere  Colonie  mit  x>  die  nördlichere  mit  y , 
und  die  normalen  Littener  Schichten  mit  * bezeichnet.  Verfolgt  man  die  Colo- 
nien „Karlik“  nach  dem  Streichen  gegen  Nordosten,  so  gewahrt  man,  dass  ihre 
Mächtigkeit  in  dieser  Richtung  abnimmt,  und  dass  sie  am  Bergrücken  zwischen 
dem  Karliker  und  Wonoklaser  Graben  sich  verlieren.  Man  findet  sie  auch  in  der 
That  im  Wonoklaser  Graben  am  westlichen  Gehänge  des  rechten  Bachufers 
nirgends  zu  Tag  treten,  — ein  Beweis,  dass  sie  sich  in  dieser  Richtung  aus- 
gekeilt haben,  und  daher  nach  dem  Verflächen  nicht  tief  in  das  Ge- 
birge eing reifen.  In  südwestlicher  Richtung  dagegen  halten  die  Colonien 
„Karlik“  nach  dem  Streichen  an,  und  sie  stehen  in  dieser  Richtung  in  unmittel- 
barem Zusammenhänge  mit  den  zunächst  zu  beschreibenden  Colonien. 


Colonien  „Treban“. 


Das  coloniale  Auftreten  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und 
Königshofer  Schichten  östlich  von  Treban,  welches  ich  als  Colonien  „Treban“  in 
dem  von  Rewnitz  am  Beraunflusse  nach  Nordwest  zum  Plesiwec-Berge  gezogenen 
Profile  NO  in  Tafel  I darstellte,  verdient  eine  vorzügliche  Beachtung.  Einerseits 
hat  der  Beraunfluss,  welcher  bei  Rewnitz  aus  dem  obersilurischen  Gebirgsterrain, 
das  er  quer  durchbrochen  hatte,  tritt,  die  Gebirgsschichten  an  beiden  Ufern  in 
einer  Art  blossgelegt,  dass  man  deren  Lagerungsverhältnisse  leicht  erheben  kann. 
Andererseits  erscheinen  in  den  Trebaner  Colonien  die  Littener  Schichten  bereits 
in  so  grosser  Mächtigkeit  zwischen  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten, 
dass  sie  diesbezüglich  selbst  den  normalen  Ablagerungen  derselben  nicht 
viel  nachstehen. 

Untersucht  man  die  grösstentbeils  schön  entblössten  Gebirgsschichten,  wie 
sie  von  Rewnitz  an  in  nordwestlicher  Richtung  auf  einander  folgen,  so  stehen  ob 
der  Mahlmühle  am  linken  Ufer  des  Beraunflusses  gegenüber  von  Rewnitz  zu- 
nächst Königshofer  und  über  diesen  Kossower  Schichten  an,  die  nach  Stunde  3 
streichen  und  mit  33  Grad  nach  Nordwesten  einfallen.  Sie  werden  unmittelbar 
von  Grünsteinen  der  Littener  Schichten  überlagert,  deren  Auflagerung  auf  den 
Kossower  Schichten  besonders  schön  am  rechten  Ufer  der  Beraun  in  der  süd- 


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westlichen  Fortsetzung  des  Streichens  beobachtet  werden  kann,  wo  die  Griin- 
steine  in  Bänke  geschichtet  das  gleiche  Streichen  und  Fallen  mit  den  Kossower 
Schichten  besitzen.  Auf  den  Grünsteinen  liegen  Graptolithenschiefer  der  Litte- 
ner  Schichten. 

Es  folgt  nun  ein  kleiner  Thaleinschnitt  in  das  Gebirge,  der  sich  vom  Beraun- 
flusse  in  nordöstlicher  Richtung  gegen  das  Dorf  Rowina  hinaufzieht.  An  der 
Nordseite  dieses  Thaleinschnittes  erhebt  sich  von  Nordost  nach  Südwest  strei- 
chend ein  zweiter  schroffer  Hügelzug,  welcher  am  Beraunflusse  in  steilen  Fels- 
wänden „cerna  Skala“  genannt,  endet.  Am  südlichen  Fusse  dieses  Hügelzuges 
kommen  noch  Graptolithenschiefer  mit  Kalksphäroiden  der  Litte ner  Schich- 
ten zu  Tag,  und  ich  konnte  an  einer  Stelle  deren  Streichen  nach  Stunde  5 
(0.  15o  N.)  bis  6 (0.)  mit  nördlichem  Einfallen  unter  20  bis  30  Grad  ab- 
nehmen.  Auf  den  Schiefern  der  Littener  Schichten  lagern  Grünsteine  derselben 
in  einer  Mächtigkeit  von  mehreren  Klaftern,  an  dem  südlichen  Gehänge  des 
erwähnten  Hügelzuges  steile  Abstürze  bildend.  Diese  Grünsteine  findet  man,  auf 
der  Höhe  des  Gehänges  angelangt,  sehr  schön  und  deutlich  von  Kossower  Schich- 
ten überlagert,  welche  wieder  ein  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.)  bis  4 
(0.  30°  N.),  und  ein  nordwestliches  Einfallen  von  35  Grad  besitzen.  In  der 
kleinen  Einbuchtung,  welche  der  Hügelzug  nördlich  von  der  oben  erwähnten  von 
Kossower  Schichte  gebildeten  Höhe  besitzt,  sieht  man  auf  die  Kossower  Schichten 
die  Königshofer  Schichten  folgen,  welche  die  ganze  Einbuchtung  einnehmen.  Höchst 
beachtenswerth  ist  an  dieser  Stelle  der  Umstand,  dass  man  die  Königshofer 
Schichten,  wenn  man  deren  unmittelbare  Auflagerung  auf  Kossower  Schichten 
in  südwestlicher  Richtung  verfolgt,  nach  und  nach  diese  letz  teren  über- 
greifend bedecken  sieht,  so  dass  das  zu  Tagetreten  der  Kossower  Schich- 
ten in  dieser  Richtung  sich  auskeilt,  und  die  Königshofer  Schichten  zunächst  am 
Beraunflusse  unmittelbar  auf  die  Grünsteine  der  Littener  Schichten  zu  liegen 
kommen.  (Siehe  Karte  Taf.  I.)  Es  zeigt  sich  hier  klar  eine  Ueberschiebung 
der  Königshofer  Schichten  über  die  Kossower  Schichten,  und  ich 
muss  auf  diese  hier  deutlich  sichtbare  Thatsache  ein  um  so  grösseres  Gewicht 
legen,  als  dieselbe  geeignet  ist,  auf  manche  nicht  so  klar  vorliegende  Erscheinun- 
gen bei  anderen  Colonien  ein  Licht  zu  werfen. 

Auf  die  Königshofer  Schiefer  folgen  am  nördlichen  Rande  der  kleinen 
Einbuchtung  wieder  Kossower  Schichten  mit  einem  Streichen  nach  Stunde  4 
(0.  30°  N.)  und  mit  einem  Verflächen  von  35  Grad  nach  Nordwesten,  somit  un- 
bestritten die  ersteren  überlagernd.  Diese  Kossower  Schichten  werden  weiters 
gegen  Norden  abermals  von  Littener  Schichten  bedeckt,  welche  zunächst  der 
Kossower  Schichten  ein  Streichen  nach  Stunde  6 (0.)  und  auch  ein  nördliches 
Einfallen  mit  35  Grad  besitzen.  Diese  Littener  Schichten  nehmen  das  ganze  nörd- 
liche Gehänge  des  Hügelzuges,  dessen  geologische  Zusammensetzung  eben  erörtert 
wurde,  ein,  und  lassen  sich  bis  in  den  Grund  des  Thaies  verfolgen,  welches,  von 
der  Trebaner  Alluvialebene  ausgehend,  sich  gegen  Nordosten  in  das  Gebirge 
erstreckt,  und  den  erwähnten  Hügelzug  von  dem  nördlichen  Hauptgebirgszuge 
scheidet.  Die  Littener  Schichten  an  diesem  Gehänge  zeigen  mehrfachen  Wech- 
sel von  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  mit  Kalksphäroiden , aber  wenig 
Puncte,  wo  deren  Streichen  und  Fallen  mit  Sicherheit  erhoben  werden  könnte. 

Der  bezeichnete  Hauptgebirgszug  an  der  nördlichen  Seite  des  erwähnten 
Thaies  besteht  an  seiner  südlichen  Abdachung  aus  Kossower  und  Königshofer 
Schichten,  die  am  Fusse  des  Gebirges  ebenfalls  ein  nordwestliches  Einfallen 
zeigen,  auf  den  Höhen  aber  grösstentheils  von  Gebirgsschutt  und  Diluvialschotter 
bedeckt  sind.  Diese  sehr  mächtige  Zone  von  Kossower  und  Königshofer  Schichten 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[23] 


besitzt  übrigens  sehr  u nreg  elmäss  ige  Lagerungsverhältnisse,  wie  man  dies 
theils  an  den  Gehängen  des  linken  Beraunufers,  besonders  aber  in  der  Fortsetzung 
ihrer  Streichungsrichtung  am  rechten  Ufer  der  Beraun,  worauf  ich  später 
zurückkommen  werde,  beobachten  kann.  Erst  in  ziemlicher  Höhe  stösst  man  auf 
dem  Wege,  der  von  Vorder-Treban  nach  Karlstein  führt,  auf  Littener  Schichten, 
die  den  Kossower  Schichten  normal  auflagern,  und  auch,  da  auf  dieselben  bereits 
die  obersilurischen  Kalksteinschichten  folgen,  die  normale  Ablagerung  der 
Littener  Schichten  sind. 

Das  so  eben  beschriebene  Profil  NO  in  Tafel  I weiset  nach,  dass  auch 
nördlich  von  Bewnitz  bei  „Treban“  zwei  „Colonien“  von  Littener  Schichten 
zwischen  Kossower  und  Königshofer  Schichten  auftreten.  Ich  habe  auch  hier 
die  südlichere  Colonie  mit  x , die  nördlichere  mit  y , und  die  normale  Ablagerung 
der  Littener  Schichten  mit  z bezeichnet. 

Keine  der  Colonien,  die  ich  bereits  beschrieben,  und  noch  beschreiben 
werde,  bietet  bei  oberflächlicher  Aufnahme  scheinbar  eine  so  grosse  Begel- 
mässigkeit  in  der  Lagerung  dar,  als  dies  bei  der  Colonie  x von  Treban  der  Fall 
ist,  welche  eben  desshalb  als  die  interessanteste  von  Allen  bezeichnet  werden 
muss.  Denn  sowohl  die  liegendsten  Kossower  Schichten  (in  der  Karte  mit  zz 
bezeichnet)  , als  auch  die  die  beiden  Colonien  x und  y trennenden  Kossower 
Schichten  (?/?/)  besitzen  das  gleiche  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.)  bis  4 (0.  30° 
N.)  und  dasselbe  Verflachen  mit  35  Grad  nach  Nordwesten,  und  die  dazwischen 
liegende  Colonie  x selbst  fällt  scheinbar  gleichmässig  ein.  Gewiss  Jedermann,  der 
die  Trebaner  Colonie  x besichtiget,  wird  den  Eindruck  erhalten , dass  daselbst 
eine  regelmässige  Zwischenlagerung  von  Littener  Schichten  zwischen 
Kossower  Schichten  Platz  greife,  da  man  den  Unterschied  und  die  Abweichung 
im  Streichen  der  Littener  Schichten,  welches  nach  Stunde  5 (0.  15°  N.)  bis 
6 (0.)  läuft,  ohne  nähere  Untersuchung  kaum  wahrnehmen  kann.  Indessen  werde 
ich  in  der  Folge,  weniger  gestützt  auf  die  oben  erwähnte  verschiedene  Strei- 
chungsrichtung, die  für  sich  allein  kaum  maassgebend  wäre,  als  vielmehr 
durch  andere  Beweismittel  zu  begründen  suchen,  dass  auch  bei  dieser  Colonie 
eine  Störung  der  Lagerungsverhältnisse  erfolgt  sei,  und  die  scheinbar  regel- 
mässige Zwiscbenlagerung  eine  abnorme  Lagerung  in  sich  begreife. 

Die  Colonien  „Treban“  sind,  wie  ich  schon  oben  andeutete,  auch  desshalb 
von  besonderem  Interesse,  da  sie  zusammengenommen  eine  Breite  (nicht 
Mächtigkeit)  von  nahezu  400  Klaftern, — die  Colonie  x nahezu  eine  Breite 
von  120  Klaftern  — besitzen  *),  während  die  zwischen  den  beiden  Colonien 
befindlichen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (yy)  nur  in  einer  Breite  von 
ungefähr  50  Klaftern  zu  Tag  treten,  so  dass  man  es  hier  mehr  mit  einer 
Colonie  vonKönigshoferundKossower  Schichten  zwischen  Litte- 
ner Schichten,  als  mit  Colonien  von  Littener  Schichten  zu  thun  zu  haben 
vermeint. 

Betreff  der  Ausdehnung  der  Colonien  „Treban“  nach  dem  Streichen  habe 
ich  bereits  bei  den  Colonien  „Karlik“  darauf  hingedeutet,  dass  dieselben  mit 
jenen  von  Treban  in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen.  In  der 


4)  Die  Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung  der  einzelnen  Gebirgsglieder  ist  selbstver- 
ständlich in  der  Karte  und  in  den  Profilen  Tafel  I nicht  genau  nach  dem  Maassstabe 
angegeben,  sondern  meisten  theils  viel  vergrössert,  um  dadurch  die  Karte  selbst,  beson- 
ders aber  die  Profile  deutlicher  zu  machen.  Bei  dem  kleinen  Maassstabe  der  Karte  wäre 
ohnedem  die  genaue  Zeichnung  der  Mächtigkeit  von  einigen  Klaftern  gar  nicht  ausführbar, 
daher  der  Maassstab  nur  auf  das  Terrain  im  Allgemeinen,  nicht  auch  auf  die  geologischen 
Daten  angewendet  werden  kann. 


24 


M.  V.  Lipoid. 


[24] 

That  bilden  die  Colonien  x und  y von  Karlik  und  Tfeban,  wie  dies  aus  der 
geologischen  Karte  Tafel  I ersichtlich  ist,  zwei  zu  einander  parallel  laufende 
Züge  von  Littener  Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schichten. 
Gegen  Südwesten  werden  die  Colonien  „Tfeban“  durch  das  Beraunthal  abge- 
schnitten, und  ist  durch  das  letztere  ihre  u nm  ittelhare  Fortsetzung  unter- 
brochen. Nichtsdestoweniger  setzen  diese  beiden  Colonien  am  rechten  Ufer 
der  Beraun  nach  Südwesten  fort,  da  die  an  den  Gebirgsgehängen  am  rechten 
Beraun-Ufer  zwischen  Kossower  und  Königshofer  Schichten  auftretenden,  genau 
in  der  südwestlichen  Streichungsrichtung  der  Colonien  von  Tfeban  liegenden 
Littener  Schichten,  von  welchen  bei  der  nächstfolgenden  Beschreibung  der 
Colonien  „Belec“  die  Bede  sein  wird,  nur  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der 
Colonien  „Tfeban“  betrachtet  werden  können. 


Colonien  „Bflec“. 


Das  Profil  P Q in  Tafel  I,  welches  von  Lhotka  in  nordnordwestlicher  Dichtung 
über  das  Dorf  Belec  und  über  den  Woskowberg  in  das  Beraunthal  gezogen  ist, 
gibt  ein  Bild  von  dem  Auftreten  der  als  Colonien  „Belec“  bezeichnten  Littener 
Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  diesem  Terrain. 
Man  erhält  dieses  Profil,  wenn  man  von  dem  Bergrücken  südlich  von  dem  Belecer 
Thale  an  der  Strasse,  die  von  Lhotka  nach  Belec  führt,  in  das  Dorf  Belec  geht, 
sodann  nach  dem  kleinen  Graben,  der  im  Dorfe  Belec  in  den  Mnienaner  Bach 
mündet,  und  von  dem  Woskower  südlichen  Gebirgsgehänge  herabzieht,  von  dem 
unteren  in  das  obere  Dorf  Belec  steigt,  von  dort  in  nördlicher  Dichtung  an  den 
Rücken  des  Woskowberges  und  endlich  nach  dem  nördlichen  Gehänge  desselben 
zum  Beraunflusse  sich  verfügt.  Man  verquert  auf  diesem  Wege  zweimal 
Littener  Schichten,  abwechselnd  mit  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  die 
somit  zwei  auf  einander  folgende  Colonien  bilden,  wovon  ich  die  südlichere 
wieder  mit  x,  die  nördlichere  mit  y bezeichnete.  Am  nördlichen  Gehänge  des 
Woskowberges  stösst  man  endlich  auf  eine  dritte  Ablagerung  von  LittenerSchichten 
(z),  welche  sich  jedoch  als  die  normale  Ablagerung  dieser  Schichten  erweiset, 
da  sie  gegen  Krupna  zu,  so  wie  auch  am  linken  Beraunufer  normal  von  den 
Kalksteinen  der  Kuhelbader  Schichten  überlagert  wird. 

Was  nun  die  hiebei  beobachteten  Lagerungsverhältnisse  anbelangt, 
so  ist  vor  allem  zu  bemerken,  dass  die  liegendsten  Kossower  und  Königshofer 
Schichten,  welche,  in  der  Karte  Taf.  I mit  22  bezeichnet,  gleichsam  als  die 
normale  Ablagerung  dieser  Schichten  gelten  können  und  bei  den  bisher  be- 
schriebenen Colonien  stets  eine  grosse  Regelmässigkeit  in  ihrem  nordwestlichen 
Einfallen  beobachtet  hatten,  nächst  Belec  eine  grosse  Unregelmässigkeit  in  der 


Fig.  A. 


Lagerung  besitzen,  ln  einem  kleinen,  unge- 
fähr 100  Klafter  unterhalb  (östlich)  des  Dorfes 
Belec  am  rechten  Ufer  des  Mnienaner  Baches  am 
südlichen  Gebirgsgehänge  befindlichen  Graben 
zeigen  sich  die  Kossower  Schichten  in  der  Art 
gebrochen  und  gefaltet,  wie  es  Fig.  A darstellt. 

Am  linken  Ufer  des  Baches,  gegenüber  dem 
Graben,  stehen  am  Fusse  des  nördlichen  Ge- 
hänges ebenfalls  Kossower  Schichten  mit  nörd- 
lichem Einfallen  an,  und  sie  werden  daselbst 
gegen  die  Höhe  von  Grünsteinen  (der  Colonie  x)  bedeckt.  Auch  die  Königs- 
hofer Schichten,  die  man  am  südlichen  Gehänge  zwischen  dem  erwähnten  Graben 


Schichtenstörung  der  Kossower  Schichten, 
östlich  von  Belee. 


lieber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


25 


[25] 

und  dem  Dorfe  Beiec  antrifft,  zeigen  eine  sehr  gestörte  Lagerung,  und  die 
Kossower  Schichten,  welche  in  einer  Mächtigkeit  von  kaum  ein  paar 
Klaftern  die  südliche  Begrenzung  der  im  Dorfe  Beiec  anstehenden  Colonie  x 
bilden,  sind  steil  und  beinahe  senkrecht  aufgerichtet. 

An  diese  Kossower  Schichten  lagert  sich  die  Colonie  x an,  und  sie  beginnt 
am  südlichen  Gehänge  des  Mnienaner  Baches  am  Wege  vom  Dorfe  Beleß  nach 
Lhotka  mit  Grünsteinen,  auf  welche  Graptolithenschiefer  der  Littener  Schichten 
folgen.  Letztere  nehmen  dem  Dorfe  zu  ein  flacheres  nordwestliches 
Einfallen  an,  und  stehen  bis  zur  Thalsole  an.  Am  linken  Bachufer  erheben  sich 
wieder  Grünsteinfelsen,  von  Graptolithenschiefern  beiderseits  umlagert,  und,  wenn 
man  in  dem  kleinen  aber  tief  eingeschnittenen  Graben , der  vom  Oberdorfe 
herabkommt,  und  im  Unterdorfe  in  den  Mnienaner  Bach  mündet,  die  Gebirgs- 
schichten  untersucht,  so  findet  man,  dass  mitten  z wisch  en  di  e s en ' Schi  e- 
fern  und  Grünsteinen  eine  kaum  einige  Fuss  mächtige  Partie  von 
Kossower  Schichten  in  dieselben  hinauf  ragt,  und  die  Colonie  x 
gleichsam  in  zwei  Colonien  scheidet.  Diese  Kossower  Schichten,  deren  steiles 
Emporragen  ich  im  Profile  PQ  ersichtlich  machte,  sind  jedoch  nur  im  Graben 
sichtbar,  und  treten  an  der  Oberfläche  nirgends  kenntlich  zu  Tag. 

Von  da  an  nach  dem  Graben  aufwärts  und  durch  das  Oberdorf  beobachtet 
man  noch  einen  zweimaligen  Wechsel  von  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern 
der  Littener  Schichten,  u.  z.  mit  widersinnischem,  nordwestlichem  Verflächen, 
bis  man  oberhalb  des  Dorfes  an  die  nördliche  Begrenzung  der  Colonie  x gelangt, 
welche  aus  Kossower  Schichten  besteht,  die  auf  Grünsteinen  lagern,  nach 
St.  5 (0. 15°  N.)  streichen,  und  mit  50  Grad  widersinnisch  nach  Norden  einfallen. 

Steigt  man  nun  das  südliche  Gehänge  des  Woskow-Berges  hinan,  so  treten 
zuerst  nebst  Kossower  auch  Königshofer  Schichten  (yy) , an  der  halben  Höhe 
des  Gehänges  abermals  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  der  Littener  Schich- 
ten (Colonie  y)>  und  endlich  gegen  die  Höhe  des  Woskow  Berges  und  auf  der- 
selben wieder  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  in  der  Karte  mit  xx  be- 
zeichnet, zu  Tag.  Die  Lagerungsverhältnisse  dieser  verschiedenen  Schichten 
lassen  sich  jedoch  an  dem  südlichen  Berggehänge  nicht  genau  ermitteln  , und 
erst  am  nördlichen  Gehänge  des  Woskow-Berges  sieht  man  die  Kossower 
Schichten  wieder  deutlich  nach  Nord  einfallen,  und  die  sie  überlagernden 
normalen  Littener  Schichten  unterteufen.  Hingegen  geben  zur  Beurtheilung 
der  Lagerungsverhältnisse  der  erwähnten  Schichten  die  schönen  Gebirgsent- 
blössungen,  welche  die  schroffen  Abstürze  am  rechten  Ufer  der  Beraun  von 
Paucnik  abwärts  darbieten,  genügende  Anhaltspunkte  an  die  Hand.  — Unter 
den  (normalen)  Littener  Schichten,  welche  von  Paucnik  an  bis  zu  der  südlich 
davon  am  Beraunflusse  befindlichen  Mahlmühle  zu  Klucic  anstehen,  u.  z.  unter 
den  Grünsteinen  dieser  Schichten  lagern  nächst  der  Klucicer  Mühle  Kosso- 
wer Schichten,  welche  deutlich  nach  Norden  einfallen.  Von  da  an  abwärts  nach 
der  Beraun  aber  zeigen  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (des  Zuges  xx) 
eine  ausserordentlich  gestörte  Lagerung.  Ich  war  bemüht,  eine  möglichst  genaue 
Skizze  dieser  Lagerung  zu  nehmen,  die  ich  in  der  rückwärtsstehenden  Fig.  B. 
mittheile,  um  mit  desto  grösserer  Sicherheit  daraufhinweisen  zu  können,  dass 
diese  Lagerungsverhältnisse  einen  genügenden  Beweis  liefern  von  den  grossartigen 
Störungen  und  Dislocationen,  welche  die  bunt  durcheinander  geworfenen  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  dieses  Zuges  erlitten  haben  mussten.  An  der 
südlichen  Begrenzung  dieser  Schichten  sieht  man  an  die  vorherrschenden  und 
zuletzt  unter  70  bis  80  Grad  nach  Süd  verfiächenden  Königshofer  Schichten 
Grünsteine  anlagern,  die,  zur  Colonie  y gehörig,  schroffe  Felswände  bilden. 

4 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


2« 


M.  V.  Lipoid. 


[2ß] 


Noch  lassen  sich  die  zwischen  den  beiden  Colonien  y und  x 
befindlichen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  yy  am 
rechten  Ufer  der  Beraun  mit  Bestimmtheit  beobachten,  aber 
eine  genaue  Erhebung  ihrer  Lagerungsverhältnisse  ist  wegen 
des  coupirten  Terrains  auch  hier  nicht  thunlich  gewesen.  Die 
beiden  Colonien  selbst  erscheinen  daselbst  theils  aus  Grapto- 
lithenschiefern,  theils  aus  Grünsteinen  zusammengesetzt,  und 
insbesondere  sind  es  die  letzteren,  welche  man  unterhalb 
Hinter-Treban  den  Kossower  Schichten  zz  normal  und  gleich- 
massig  auflagern  sieht. 

Bei  Betrachtung  der  geologischen  Karte  Taf.  1 kann  es, 
wie  ich  schon  bei  Beschreibung  der  Colonien  „Treban“  am 
Schlüsse  bemerkte,  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  die 
auch  am  rechten  Ufer  der  Beraun  zu  Tag  tretenden  Colonien 
„Belec“  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der  Colonien  „Treban“ 
angesehen  werden  müssen,  und  dass  der  aus  ihrer  Streichungs- 
richtung gefolgerte  unmittelbare  Zusammenhang  nur  durch  den 
Durchbruch  des  Beraun-FMusses  eine  Unterbrechung  erlitten 
hatte.  So  wie  aber  die  Colonien  „Belec“  gegen  Nordosten 
fortsetzen,  eben  so  finden  sie  auch  gegen  Südwesten  ihre 
weitere  Fortsetzung,  die  ich  näher  erörtern  muss. 

Verfolgt  man  zuerst  die  Belecer  Colonie  x,  die  schon  in 
Belec  eine  Breite  von  mindestens  400  Klaftern  besitzt,  somit 
von  Nordosten  her  an  Breite  bedeutend  zugenommen  hat,  vom 
Dorfe  Belec  gegen  Südwesten,  so  findet  man,  dass  die  Littener 
Schichten  dieser  Colonie  sich  gegen  Litten  immer  mehr  aus- 
breiten, und  selbst  nach  allen  Bichtungen  eine  grosse  Ausdeh- 
nung erlangen.  Südwestlich  von  Litten  nun  erhebt  sich  das 
Winaritzer  Kalkgebirge,  ein  von  dem  Hauptgebirgszuge  der 
obersilurischen  Kalke  durch  eine  schmale  mit  Littener  Schichten 
ausgefüllte  Einbuchtung  zwischen  Mnienan  und  Koneprus 
getrennter  Kalkgebirgsstock.  Steigt  man  von  Litten  aus  dem 
östlichen  Vorsprunge  dieses  Kalkgebirges,  dem  Mramor-Berge, 
zu,  so  findet  man  an  dem  Gehänge  desselben  die  Kalke  der 
K u h e 1 b a d e r Schichten  anstehend,  und  man  ge- 
winnt die  Ueber zeugung,  dass  diese  Kalke  den 
Littener  Schichten,  welche  man  von  der  Belecer 
Colonie  x aus  bis  zum  Fusse  des  Mramor - Berges 
ununterbrochen  verfolgte,  unmittelbar  und  normal 
auflagern. 

Ganz  anders  gestaltet  sich  das  Auftreten  der  zwischen  den 
Belecer  Colonien  x und  y befindlichen  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  yy , wenn  man  dieselben  nach  Südwesten 
im  Streichen  verfolgt.  Diese  Schichten  nehmen  in  ihrer  durch 
Diluvien  theilweise  bedeckten  südwestlichen  Fortsetzung  an 
Breitenausdehnung  immer  mehr  ab,  so  dass  man  bei  dem  Dorfe 
Wienetz  nur  mehr  Kossower  Schichten  in  einer  Mächtigkeit 
von  kaum  ein  paar  Klaftern  zwischen  den  Littener  Schichten 
zu  Tage  treten  sieht.  Dagegen  setzen  sowohl  die  Littener 
Schichten  der  Colonie  y,  als  auch  die  am  breitesten  ent- 
wickelten Königshofer  und  Kossower  Schichten  des  Woskow- 


Ueber  Herrn  Barrande ’s  “Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


27 


[27] 

Berges  (xx),  letztere  einen  Bergrücken  bildend  und  an  der  nördlichen  Abdachung 
von  den  n o rm al en  Littener  Schichten  überlagert,  in  wenig  veränderter  Breite 
nach  Südwesten  fort. 

Colonie  „Korno“. 

Es  ist  dies  die  letzte  „Colonie“,  welche  ich  noch  zu  beschreiben  habe.  Sie 
ist  in  dem  nach  der  gebrochenen  Linie  RST  gezogenen  letzten  Profile  in 
Tafel  I dargestellt.  Das  Profil  läuft  von  dem  südlich  von  Litten  befindlichen  Berg- 
rücken in  nordwestlicher  Richtung  zum  Mramor-Berge,  und  von  da  in  nördlicher 
Richtung  zum  Dorfe  Korno. 

Das  Dorf  Korno  liegt  an  der  Grenze  von  Littener  und  Kuhelbader  Schichten, 
welche  letzteren  die  Littener  Schichten  regelmässig  überlagern,  und  dadurch  die- 
selben als  die  normale  Ablagerung  der  obersilurischen  Schichten  charakteri- 
siren.  Südlich  von  Korno  erhebt  sich  nach  einer  kleinen  Einbuchtung,  in  welcher 
die  Littener  Schichten  anstehen,  ein  niederer  Bergrücken,  welcher  zunächst  von 
Grünsteinen  der  Littener  Schichten  und  dann  von  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  gebildet  wird,  die  vom  Woskow-Berge  hieher  streichen  und  dem  Zuge 
xx  angehören.  Geht  man  von  dem  Rücken  an  der  Strasse,  die  von  Korno  nach 
Litten  führt,  abwärts,  so  sieht  man  die  erwähnten  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  auch  südlich  von  Grünsteinen  begrenzt,  die  nach  abwärts  von  Grapto- 
lithenschiefern  der  Littener  Schichten  unterteuft  werden.  Letztere  zeigen  zunächst 
dem  Grünsteine  ein  flaches  nördliches  Einfallen,  das  aber  immer  steiler 
wird,  je  tiefer  man  nach  dem  Gehänge  herabsteigt.  Verlässt  man 
die  Strasse,  und  verfügt  sich  in  einen  rechts  (westlich)  von  derselben  befindli- 
chen ziemlich  tief  eingeschnittenen  kleinen  Graben,  so  beobachtet  man  auf  die 
steil  aufgerichteten  Graptolithenschiefer  nach  abwärts  wieder  Grünsteine,  u.  z. 
in  einer  Mächtigkeit  von  einigen  Klaftern  folgen.  Mitten  zwischen  diesen 
Grünsteinen  nun  zeigt  sich  eine  kaum  4 bis  6 Fuss  mächtige  Ent- 
blössung  von  Königs hofer  und  Kossower  Schichten  — mit  yy  be- 
zeichnet — welche  auch  eine  fast  saigere  Schichtenstellung  be- 
sitzen. Die  auf  die  Grünsteine  im  Graben  abwärts  folgenden  Graptolithenschiefer 
zeigen  dieselbe  steile  und  eine  sehr  gestörte,  bald  nach  Nord,  bald  nach  Süd 
geneigte  Schichtenstellung,  bis  man  gegen  die  Thalsohle  zu  wahrnimmt,  dass  die 
Schiefer,  welche  hier  zahlreiche  Kalksphäroide  einschliessen,  ein  flacheres  aber 
südliches  Einfallen  annehmen.  Vom  rechten  Ufer  des  Mnienaner  Baches  am 
südlichen  Gehänge  des  Thalgrundes  gelangt  man  auf  den  Mramor-Berg  über 
Littener  Schichten,  die  gegen  die  Höhe  des  Berges  von  Kuhelbader  Kalken 
bedeckt  werden,  und  von  dem  Kalksteinrücken  des  Mramor-Berges  in  südöst- 
licher Richtung  durch  eine  kleine  Thaleinbuchtung,  in  welcher  wieder  Littener 
Schichten  anstehen,  an  den  südlichen  Bergrücken,  der  aus  Kossower  Schichten 
(zz)  gebildet  ist,  welche  das  Profil  in  Süden  abschliessen.  Die  am  rechten  Ufer 
des  Mnienaner  Baches  auftretenden,  den  Mramor-Berg  umgebenden  Littener 
Schichten  bestehen  aus  Graptolithenschieferri,  häufig  mit  Kalksphäroiden,  und  aus 
Grünsteinen,  welche  nach  den  gemachten  Beobachtungen  theils  unter  den  Schie- 
fern liegen,  theils  mit  denselben  wechsellagern.  Am  Mramor-Berge  selbst  scheinen 
die  Grünsteine  theil weise  unmittelbar  unter  den  Kuhelbader  Schichten  zu  liegen, 
und  somit  die  Littener  Schichten  nach  oben  abzuschliessen.  Die  eben  erwähnten 
Littener  Schichten  besitzen  keine  constante  regelmässige  Lagerung,  scheinen 
vielmehr  mehrere  wellenförmige  Biegungen  zu  machen,  wie  man  dies 
am  Wege  von  Litten  nach  Wienetz,  an  jenem  von  Litten  nach  Korno,  so  wie  am 

4* 


28  M.  V.  Lipoid.  [28] 

Wege  yon  Litten  zum  Mramor-Berge  sehen  kann,  wo  man  überall  unzweifel- 
hafte Schichtenstörungen  beobachtet. 

Das  eben  erläuterte  Profiil  RST  in  Tafel  I zeigt  nun  gleichfalls  zwei  Zwi- 
schenlagerungen von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und  Königshofbr 
Schichten.  Aber  die  südlichere  dieser  Zwischenlagerungen,  jene  nämlich  zwi- 
schen den  Kossower  Schichten  zz  und  yy,  deren  unmittelbaren  Zusammenhang 
mit  der  Colonie  x von  Belec  ich  schon  oben  nachwies,  und  welche  bereits  eine 
Breitenausdehnung  von  mehr  als  1000  Klaftern  besitzt,  wird  am  Mramor-Berge 
vou  Kuhelbader  Schichten  bedeckt.  Ihre  Einreihung  unter  die  „Colonien“ 
erscheint  desshalb  nicht  mehr  zulässig,  und  ich  werde  bald  Gelegenheit  haben 
dieselbe  näher  zu  charakterisiren.  Die  zweite  Zwischenlagerung  von  Littener 
Schichten  ( y ) zwischen  den  Kossower  und  Königshofer  Schichten  (,r.r  und  yy ), 
obschon  sie  an  Breitenausdehnung  den  letztgenannten  Schichten  xx  fast  gleich- 
kommt, und  jene  von  yy  bei  weitem  übertrifft,  besitzt  dagegen  noch  vollständig 
den  Charakter  einer  Colonie,  daher  ich  dieselbe  als  Colonie  „Korno“  bezeichne. 

Die  Zusammensetzung  und  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie  „Korno“ 
ergeben  sich  zum  Theil  aus  der  vorhergehenden  Beschreibung  des  Profils  RST. 
Die  Stellung  der  Schichten  ist  keine  durchaus  gleichartige;  sie  ist  steil  an  der 
südlichen,  und  flacher  an  der  nördlichen  Begrenzung.  Ihr  Verhältnis  zu  den 
südlichen  Kossower  Schichten  (jjy)  liegt  klar  vor,  und  das  steile  Emporragen 
der  letzteren  deutet  auf  eine  durch  Hebung  erfolgte  Störung  der 
S chic  hten  hin,  an  welcher  auch  die  Littener  Schi«  hten  der  Colonie  Theil 
nahmen.  Hingegen  konnte  ich  das  Verhalten  der  Littener  Schichten  der  Colonie 
zu  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten  xx  nicht  ermitteln,  da  letztere 
nirgends  mit  Sicherheit  ein  Streichen  und  Verflachen  abnehmen  Hessen. 

Untersucht  man,  wie  ich  es  bisher  bei  allen  Colonien  gethan  habe,  auch 
bei  der  Colonie  „Korno“  ihre  Fortsetzung  nach  dem  Streichen,  so  stellt  es  sich, 
ungeachtet  einer  durch  Diluvien  herbeigeführten  Unterbrechung,  aus  dem  Strei- 
chen der  Schichten  dennoch  als  unzweifelhaft  heraus,  dass  die  Colonie  „Korno“ 
in  nordöstlicher  Richtung  mit  der  Colonie  „Belec“  y in  unmittelbarem  Zusammen- 
hänge steht,  und  daher  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der  letzteren  angesehen 
werden  muss.  Andere  und  höchst  interessante  Verhältnisse  treten  zu  Tag,  wenn 
man  die  Colonie  „Korno“  und  die  sie  begrenzenden  Kossower  Schichten  in  ihrem 
westsüdwestlichen  Streichen  weiter  verfolgt. 

Vorerst  verlieren  sich  in  dieser  Richtung  alsbald  die  Kossower  Schichten 
„yy“  unter  den  Littener  Schichten,  denn  man  findet  keine  Spuren  mehr  davon 
zwischen  den  Littener  Schichten  westlich  von  dem  kleinen  Graben,  in  welchem 
ich  sie  beobachtete,  weder  an  dem  nördlichen  noch  an  dem  südlichen  Gebirgs- 
gehänge.  Durch  das  Auskeilen  dieser  Kossower  Schichten  treten  demnach  die 
Littener  Schichten  der  Colonie  „Korno"  in  unmittelbare  Verbindung  mit  den 
Littener  Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges,  d.  h.  die  Littener  Schich- 
ten der  Colonie  y vereinigen  sich  mit  den  Littener  Schichten,  welche 
nächst  Litten  die  C o I o n i e n x v e rt  r e t e n,  zwischen  Litten  und  M n i e n a n 
zu  einer  und  derselben  Ablagerung. 

Wie  die  Kossower  Schichten  yy,  eben  so  verlieren  sich  auch  die  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  xx,  welche  die  Colonie  y von  der  normalen 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  z trennen,  in  westlicher  Richtung  zwischen 
den  LittenerSchichten.  Denn,  während  man  an  dem  Gehänge  nördlich  vom  Dorfe 
Mnienan  noch  die  westliche  Fortsetzung  dieser  Schichten  in  einem  schmalen 
Streifen  beobachten  kann,  finden  sie  sich  an  dem  westlicher  befindlichen  Sattel, 
über  welchen  die  Strasse  von  Litten  nach  Koneprus  führt  und  auf  welchem  nur 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


29 


[29] 

Littener  Schichten  anstehen,  nicht  mehr  vor.  Die  Kossower  Schichten  xx  haben 
demnach  ebenfalls  zwischen  Mnienan  und  dem  erwähnten  Sattel  in  den  Littener 
Schichten  sich  ausgekeilt,  und  die  normale  Ablagerung  z der  Littener  Schich- 
ten, welche  man  von  Krnpna  über  Korno  am  Rande  der  Kuhelbader  Schichten  bis 
an  den  bezeichneten  Sattel  verfolgen  kann,  tritt  in  unmittelbare  Verbindung  mit 
denjenigen  Littener  Schichten,  welche  sich  am  nördlichen  Fusse  des  Mramor- 
Berges,  ausbreiten,  das  heisst,  die  normalen  Littener  Schichten  z ver- 
einigen sich  am  Sattel  zwischen  Mnienan  und  Koneprus  mit  den 
obberührten,  die  Colonien  x und  y r epr äse ntirenden  Littener 
Schichten  zu  einer  und  derselben  Ablagerung. 


Ich  bin  nun  an  dem  Punkte  angelangt,  von  welchem  aus  ich  zu  einer  Erklä- 
rung der  Erscheinung  der  Colonien  schreiten  kann,  was  ich  auch  im  nächsten 
Abschnitte  thun  will.  Ehe  ich  jedoch  zu  dieser  Erklärung  schreite,  muss  ich 
bezüglich  der  Petrefactenführung  der  von  mir  beschriebenen  Colonien 
einige  Bemerkungen  machen,  welche  sicherlich  bei  den  einzelnen  Beschreibungen 
bereits  vermisst  worden  sind. 

Ich  habe  schon  bei  Beschreibung  der  Colonie  „Krejcf“  angedeutet,  dass 
auf  die  Erklärung  der  „Colonien44,  wie  sie  sich  aus  den  Lagerungsverhältnissen 
ergibt,  die  in  denselben  Vorgefundenen  Fossilreste  keinen  entscheidenden  Einfluss 
nehmen,  sobald  es  festgestellt  ist,  dass  die  in  den  „Colonien44  vorfindigen  Fossil- 
reste im  Allgemeinen  die  „Littener  Schichten44  und  nur  diese  charakterisiren ; 
das  „Mehr"  oder  „Weniger44  von  Fossilresten  ist,  wie  es  sich  später  heraus- 
steilen wird,  zufällig  und  daher  unwesentlich. 

Ich  habe  nun  bei  sämmtlichen  obbeschriebenen  Colonien  in  den  vorhandenen 
Graptolithenschiefern  bald  mehr  bald  weniger,  aber  immer  nur  solche  Spe- 
ciesvon  Graptolithen  vorgefunden,  welche  Herr  Bar  ran  de  als  bezeich- 
nend für  seine  untere  Kalk-Etage  E,  und  zwar  für  die  tiefste  Zone  dieser 
Etage,  d.  i.  für  die  Littener  Schichten,  anführt.  Dasselbe  ist  der  Fall  mit 
den  Kalksphäroiden,  die  in  den  Graptolithenschiefern  einiger  Colonien  Vorkommen; 
auch  diese  zeigten  nur  Fossilreste  der  Etage  E des  Herrn  B arrande.  Eine 
specifische  Aufzählung  dieser  Fossilreste  darf  ich  daher  um  so  mehr  übergehen, 
als  die  eben  erwähnte  Wahrnehmung  bezüglich  der  Fossilreste,  im  Vereine  mit 
der  unverkennbaren  U eb er  e i n s ti  m m u n g in  den  petro graphischen  Merk- 
malen, mir  als  ein  hinreichender  Bew  eis  erscheinen,  dass  diesbezüglich  zwischen 
den  Littener  Schichten  der  Colonien  und  jenen  der  normalen  Ablagerungen 
kein  wesentlicher  Unterschied  Statt  finde,  dass  also  die  Ablagerungen, 
aus  welchen  die  Colonien  bestehen,  bezüglich  ihres  petrogra- 
phi sehen  Charakters  und  ihrer  Petr efactenführung,  mit  den  „Lit- 
tener Schichten44  im  Allgemeinen  vollkommen  identisch  sind.  Ich 
habe  in  der  Einleitung  angedeutet,  wie  und  wo  bereits  Herr  Barrande  selbst 
die  Identität  der  eben  erwähnten  Schichten  in  seinem  „ Systeme  silurien 44  und  in 
seiner  neuesten  Schrift  über  die  „Colonien44  ausspricht. 

Viel  seltener  sind  Fossilreste  zu  finden  in  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Colonien  umgeben.  Die  wenigen  Fossilreste,  die  in 
diesen  Schichten  bei  Radotin,  Cernositz  und  nächst  Treban  beobachtet  wurden, 
gehören  unstreitig  Herrn  Barrande’s  Etage  D an.  Wenn  indessen  die  Schiefer 
und  Quarzitsandsteine,  welche  die  Colonien  „Krejci44  und  „Haidinger44  begren- 
zen — wie  es  Herr  Barrande  selbst  anführt  — zu  dessen  Abtheilung  d5 


30 


M.  V.  Lipoid. 


m 

(schistes  gris-jaunatr es)  der  Etage  D gehören,  d.  i.  Königshofer  und  Kossou  er 
Schichten  sind,  so  liefern  nicht  nur  die  sich  gleich  bleibenden  petrographischen 
Merkmale,  sondern  auch  die  Lagerungsverhältnisse  den  Beweis,  dass  auch  die 
Schiefer  und  Quarzitsandsteine  nächst  den  übrigen  Colonien  denselben  Schichten 
angehören;  denn  dieselben  Schiefer  und  Sandsteine,  die  man  bei  den  Colonien 
„Krejcf“  und  „Haidinger“  findet,  setzen  von  dort,  wie  es  aus  der  Karte  Tafel  I 
ersichtlich  ist,  ununterbrochen  mit  demselben  petrographischen  Charakter 
und  mit  einem  gleichmässigen  südwestlichen  Streichen  bis  in  die  Umgebung  von 
Litten  fort.  Indessen  will  ich  hiemit  die  Möglichkeit  nicht  ausschliessen,  sondern 
sogar  die  Wahrscheinlichkeit  zugeben,  dass  in  dem  Terrain,  welches  die  Karte 
Tafel  I umfasst,  unter  den  Königshofer  Schichten  auch  stellenweise  Zahoraner 
Schichten  (^4)  zu  Tag  kommen,  weil  ich  mich  überzeugte,  dass  die  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  in  dem  fraglichen  Terrain  Dislocationen  erlitten  haben, 
welche  ein  zu  Tagetreten  der  tieferen  Zahoraner  Schichten  ganz  wohl  möglich 
erscheinen  lassen.  Ich  meinestheils  habe  jedoch  die  Zahoraner  Schichten  nirgends 
beobachtet. 


B.  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  an  der  Südseite 
des  böhmischen  Silurbeckens. 

a)  Aus  den  Lagerungsverhältnissen. 

Um  die  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lagerungs  verhäl  tnis- 
sen  zu  erklären,  was  ich  zunächst  versuchen  werde,  schlage  ich  den  entgegen- 
gesetzten Weg  ein  von  dem,  welchen  ich  bei  der  Beschreibung  der  Colonien 
verfolgte.  Ich  werde  nämlich  im  Südwesten  von  der  Umgebung  Litten’s  ausgehen, 
und  von  da  nach  Nordosten  vorwärts  schreiten. 

Ich  bringe  vorerst  die  Reihenfolge  der  Schichten,  wie  sie  im  böhmischen 
Silurbecken  zuerst  Herr  Barrande  feststellte  und  ich  sie  in  der  „Einleitung“ 
mittheilte,  in  Erinnerung,  wonach  von  unten  nach  oben  in  der  normalen 
Reihenfolge  auf  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (Bar.  Dd 5)  die 
Littener  und  Kuhelbader  (Bar.  E ),  auf  die  letzteren  die  Konepruser  Schichten 
(Bar.  F ),  und  endlich  auf  diese  die  Braniker  und  Hlubeceper  Schichten  (Bar.  G 
und  H ) folgen. 

Verfugt  man  sich  nun  von  dem  bereits  oben  erwähnten  Sattel,  über  welchen 
die  Strasse  von  Mnienan  nach  Koneprus  führt,  und  auf  welchem  die  Littener 
Schichten  anstehen,  zuerst  in  nördlicher  Richtung  gegen  das  Dorf  Tobolka, 
(Siehe  Taf.  I),  so  findet  man  über  den  Littener  Schichten  zuerst  die  Kuhel- 
bader Schichten,  und  über  denselben  die  Konepruser  Schichten  lagern.  Die- 
selbe Reihenfolge  der  Schichten  trifft  man  an,  wenn  man  von  dem  Sattel 
in  südlicher  Richtung  die  Strasse  gen  Winaric  verfolgt.  Die  Littener 
Schichten  am  Sattel  zwischen  Mnienan  und  Koneprus  befinden 
sich  demnach  in  vollkommen  normaler  Lagerung. 

Verfolgt  man  die  Littener  Schichten  von  dem  erwähnten  Sattel  in  östlicher 
und  nordöstlicher  Richtung  am  Fusse  der  Kalksteingebirge,  so  findet  man  sie 
daselbst  über  Korno,  Paucnfk,  Morin,  Wonoklas  bis  nördlich  von  Gross-Kuhel  in 
einem  nur  stellenweise  durch  Diluvien  unterbrochenen  Zuge  stets  die  normale  La- 
gerung einnehmen,  daher  ich  diesen  in  der  Karte  Tafel  I mit  „zu  bezeichnetenZug 
von  Littener  Schichten  bereits  oben  mit  dem  Namen  „normale“  Littener  Schieb- 


Uebei'  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


31 


[31] 

ten  belegte.  Allein  verfolgt  man  von  d em  selb  e n Sattel  die  Litten  er  Schich- 
ten am  Fusse  des  südlichen  (Winaricer)  Kalkgebirges  gegen  Südosten  und 
Süden,  so  sieht  man  sie  ununterbrochen  am  Fusse  des  Plesivec-Berges  und 
des  Mramor-Berges  zu  Tage  treten,  und  südöstlich  vom  Mramor-Berge  den 
Kossower  und  Königshofer  Schichten  aufiagern.  Es  kann  daher  auch  keinem 
Zweifel  unterliegen,  dass  auch  die  ebenerwähnten  Littener  Schichten  am  Fusse 
des  Mramor-Berges  sich  in  normaler  Lagerung  befinden.  Da  nun,  wie  ich  eben 
dargethan,  sowohl  die  Littener  Schichten  des  (normalen)  Zuges  „z*9  als  auch 
die  Littener  Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges  eine  normale  Lagerung 
besitzen,  da  sie  ferner  in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen 
und  am  ofterwähnten  Sattel  sich  zu  einer  und  derselben  Ablagerung 
vereinigen,  so  folgt  daraus  von  selbst,  dass  dieselben  einer  und  dersel- 
ben Bildungsepoche  ihren  Ursprung  verdanken,  oder,  um  mich 
geologisch  auszudrücken,  dass  dieselben  „gleichen  Alters“  sind.  Dasselbe 
gleiche  Alter  muss  aber  auch  für  jene  Littener  Schichten  in  Anspruch  genommen 
werden,  welche  in  grosser  Verbreitung  zwischen  Mnienan  und  Litten  und  in  der 
Umgebung  des  letzteren  Ortes  auftreten,  denn  sie  stehen  mit  den  Littener 
Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges  in  unmittelbarer  Verbindung,  und  bilden 
mit  denselben  eine  und  dieselbe  Ablagerung.  Die  Littener  Schichten  in 
der  Umgebung  von  Litten  sind  demnach  gleichen  Alters  mit  jenen 
Littener  Schichten,  welche  den  normalen,  in  der  Karte  Tafel  1 
mit  * be zeichneten  Zug  derselben  am  Fusse  der  Kalksteinzone 
bilden. 

Die  geologische  Untersuchung  des  Terrains,  deren  Resultat  eben  in  der 
geologischen  Karte  Tafel  I niedergelegt  ist,  hat  nun  gelehrt,  dass  in  der  Umge- 
bung von  Mnienan  und  Litten  mitten  aus  den  Littener  Schichten  zwei  Züge  von 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  auftauchen.  Diese  zwei  von  Südwest  nach 
Nordost  streichenden  Züge  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  deren 
nördlicherer  in  der  Karte  mit  „xx“,  der  südlichere  mit  „ yy “ bezeichnet  ist, 
haben  die  Littener  Schichten,  welche  nächst  Litten,  am  Fusse  des  Mramor- 
Berges,  respective  am  Konepruser  Sattel  noch  vereinigt  sind,  in  drei  Partien 
geschieden,  die  sich  gleichfalls  in  drei  zu  einander  nahe  parallelen  Zügen 
kenntlich  machen.  Diese  drei  Züge  von  Littener  Schichten,  deren  nördlichster 
in  der  Karte  mit  „z“,  der  miltlere  mit  „y“,  und  der  südliche  mit  „x“  bezeichnet 
ist,  streichen  gleichfalls  von  Südwest  nach  Nordost.  Der  nördliche  Zug  z9  schon 
wiederholt  als  der  normale  Zug  der  Littener  Schichten  besprochen,  wird  auf 
der  nordwestlichen  Seite  von  Kalksteinen  überlagert,  und  zieht  sich  ununterbro- 
chen fort  bis  an  das  Moldau-Ufer  unterhalb  Gross-Kuhel.  Die  beiden  anderen 
Züge  von  Littener  Schichten  sind,  da  auch  südöstlich  vom  Zuge  x Kossower 
Schichten  anstehen,  beiderseits  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten  umge- 
ben, und  nehmen  Antheil  an  der  Zusammensetzung  der  oben  beschriebenen 
Colonien  x und  y von  Korno,  ßelec,  Trebaii  und  Karlik.  Bei  der  Beschreibung 
dieser  Colonien  habe  ich  bereits  darauf  hingewiesen,  dass  die  Colonien  x einer- 
seits, und  y andererseits  von  Karlik,  bezüglich  vom  Wonoklaser  Graben  an, 
in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen,  und  sich  endlich  nächst 
Litten  und  Mnienan  mit  den  dortigen  Littener  Schichten  zu  einer  und  d er- 
selben  Ablagerung  vereinigen.  Gehören  aber  die  Littener  Schichten  der 
beiden  Züge  x und  y und  die  Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten 
und  Mnienan,  wie  es  nicht  bezweifelt  werden  kann,  einer  und  derselben 
Ablagerung  an,  so  müssen  sie  auch  gleichen  Alters  sein,  — und  da  die 
Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten,  wie  oben  nachgewiesen  wurde, 


M.  V.  Lipoid. 


[32] 


gleichen  Alters  sind  mit  den  Litlener  Schichten  des  Zuges  z,  so  ergibt  sich 
hieraus  der  richtige  Schluss,  d a ss  die  beiden  Züge  x und  y vonLittener 
Schichten,  welche  sich  aus  der  Umgebung  von  Litten  in  nord- 
östlicher Richtung  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schich- 
ten ununterbrochen  bis  nahe  zum  Wonoklaser  Graben  fortziehen, 
somit  auch  die  in  diesen  Zügen  ver zeichneten  „Colonien“  .rund  y , 
sowohl  unter  sich,  als  auch  mit  de  nLittener  Schichten  desZuges  * 
gleichen  Alters  sind.  Das  Gegentheil  anzunehmen,  dass  nämlich  die  Littener 
Schichten  der  Züge  x und  y unter  sich,  als  auch  bezüglich  des  Zuges  * ver- 
schied enen  Alte  rs  seien,  würde  zu  einem  offenbaren  Widerspruche  führen, 
da  man  dieselben  Littener  Schichten,  die  man  z.  B.  bei  den  Colonien  „Karlik, 
Treban“  u.  s.  f.  als  „verschieden  alt“  bezeichnete , in  ihrer  weiteren 
ununterbrochenen  südwestlichen  Fortsetzung  in  der  Umgebung  von  Litten 
und  am  Konepruser  Sattel  nothgedrungen  als  einer  und  derselben  Ablagerung 
angehörig,  und  daher  als  „gleich  alt“  anerkennen  müsste.  Ich  möchte  hier 
noch  auf  den  Umstand  hin  weisen,  dass  auch  die  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Züge  x,  y und  * der  Littener  Schichten  begrenzen, 
und  welche  laut  der  geologischen  Karte  gleichfalls  in  drei  Partien  xx,  yy  und 
zz,  von  welchen  die  letztere  gleichsam  als  das  eigentliche  Liegende  — als 
normale  Lagerung  anzusehen  ist,  auftreten,  — in  allen  drei  Partien  oder 
Zügen  einen  vollkommen  gleichen  petrograp bischen  Charakter 
besitzen,  und  die  gleichen  Fossilreste  enthalten,  und  dass  aus 
diesem  Grunde  auch  für  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  der  Züge  xx, 
yy  und  zz  a priori  die  Vermuthung  ausgesprochen  werden  muss,  dass  diesel- 
ben einer  und  derselben  Bildungsepoche  angeboren,  und  daher  unter  sich 
„gleichen  Alters“  sind. 

Nachdem  ich  nun  auf  einem  allerdings  weiten  Um  wege,  wie  ich  hoffe,  die  Ueber- 
zeugung  herbeigeführt  habe,  dass  die  Littener  Schichten,  welche  die  Colonien  x 
und  y von  „Karlik“,  „Treban“,  „Beiec“  und  „Korno“  bilden,  mit  den  normal 
gelagerten  Littener  Schichten  * gleichen  Alters  sind,  und  dass  es  den  Lagerungs- 
verhältnissen geradezu  widersprechend  wäre,  wenn  man  für  diese  drei  Ablage- 
rungen von  Littener  Schichten  verschiedene  Bildungszeiten  und  verschiedene 
Bildungsarten  annehmen  würde;  so  entsteht  ganz  natürlich  zunächst  die  Frage: 
Aus  welchem  Grunde  nehmen  die  so  eben  als  gleich  alt  bezeichneten  Littener 
Schichten  x , y und  * eine  verschiedene  Lage  ein?  — welches  ist  die  Ursache 
ihrer  Trennung? 

Auch  auf  diese  Frage  gehen  uns  die  beobachteten  Lagerungsverhältnisse 
eine  natürliche  Antwort,  und  ich  bin  dessen  gewiss,  dass  Jedermann,  der  mit 
Bedacht  und  ohne  eine  vorgefasste  Meinung  meine  Beschreibung  der  „Colonien“ 
und  die  bisherigen  Erörterungen  über  dieselben  verfolgte,  sich  schon  längst 
hierüber  ein  Urtheil  gebildet  bat,  und  mit  mir  den  Ausspruch  machen  wird,  dass 
diese  Trennung  der  gleich  alten  Littener  Schichten  in  drei  Züge 
durch  petrographisch  und  paläontologisch  identische  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  nur  eine  Folge  von  Dislocationen 
sein  könne,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten  haben.  Dass 
aber  die  Gebirgsschichten  in  dem  Terrain,  das  uns  eben  beschäftiget,  wirklich 
Dislocationen  erlitten  haben,  darüber  liefern  uns  die  beobachteten  Thatsachen 
unumstössliche  Beweise.  Ich  brauche  nur  auf  das  hinzuweisen,  was  ich  bei 
Beschreibung  der  Colonien  über  die  Lagerung  der  Littener  Schichten  nächst 
Litten,  über  das  saigere  Emporragen  von  Kossower  Schichten  bei  den  Colonien 
„Korno“  und  „Beiec“,  über  die  Störung  der  Kossower  Schichten  östlich  von 


lieber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Foimation  Böhmens. 


33 


[33] 

Belec  (Fi g.  A oben),  und  besonders  über  die  Störung  der  Königshofer  und 
Kossovver  Schichten  am  rechten  Beraun-Ufer  unterhalb  Paucnfk  (Fig.  B)  ange- 
führt habe. 

Die  durchaus  gegen  den  Horizont  geneigte  und  nicht  selten  steile  und  selbst 
saigere  Stellung  der  Schichten  deutet  nun  vorerst  dahin,  dass  die  erwähnten 
Dislocationen  in  Folge  von  Hebungen  entstanden  sind,  wodurch  eben  die 
normalen  Ablagerungen  gesprengt,  die  höheren  Littener  Schichten  zerrissen  und 
in  drei  Züge  getrennt,  und  die  tieferen  Kossower  und  Königshofer  Schichten 
zwischen  diesen  Zügen  an  den  Tag  gebracht  wurden.  Allein  die  beobachteten 
Lagerungsverhältnisse  bei  den  Colonien  „Korno“  bis  „Karlik“  lassen  nicht  nur 
auf  einfache  Hebungen  schliessen,  sondern  auch  auf  Faltungen  und  Ueber- 
schiebungen,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten  haben  mussten.  Dass 
Faltungen  und  U eher s c hieb  u ngen  der  Gebirgsschichten  überhaupt  Statt 
fanden,  darüber  belehren  uns  alle  Lehrbücher  der  Geologie.  Wir  finden  solche 
in  den  Alpen  in  allen  Formationen  nicht  selten1)*  Sir  R.  I.  Murchison  führt 
uns  in  seiner  neuesten  „ Siluria “ solche  Faltungen  und  Ueberschiebungen  der 
ältesten  Sedimentschichten  Seite  57,  79,  121,  151,  191,  369,  429,  467  u.m.a. 
in  schönen  Profilen  vor.  Sie  lassen  sich  auch  bei  den  „Colonien“  am  Südrande 
des  böhmischen  Silurbeckens  nachweisen.  Ich  führe  hier  als  Beispiel  die  Colonie 
„Treban“  (Profil  NO  Taf.  I)  an.  Es  folgen  dort  von  Süden  gegen  Norden  auf 
die  Königshofer  die  Kossower  Schichten,  auf  diese  die  Grünsteine  der  Littener 
Schichten,  auf  die  Grünsteine  die  Graptolithenschiefer  derselben  Schichten,  und 
sodann  gerade  in  umgekehrter  Ordnung  auf  die  Schiefer  wieder  Grün- 
steine, auf  diese  wieder  Kossower  und  auf  diese  die  Königshofer  Schichten,  denen 
neuerdings  Kossower,  sodann  Littener  Schichten  folgen,  — sämmtlich  mit 
geringen  Abweichungen  im  Streichen  und  im  Fallwinke!,  mit  nordwestlichem 
Ein  fallen.  Sind  nun,  wie  erwiesen,  die  Littener  Schichten  x und  y gleich  alt 
und  zusammengehörig,  so  lässt  sich  das  Auflagern  der  Kossower  Schichten  auf 
den  Littener  Schichten  x nur  durch  Annahme  einer  Faltung  der  Schichten 
erklären,  welche  Annahme  eben  in  der  umgekehrten  Reihenfolge  der 
Schichten  ihre  Rechtfertigung  und  Bestätigung  findet.  Dieselbe  Colonie  „Treban“ 
x bietet  auch,  wie  ich  es  bei  der  Beschreibung  derselben  angeführt  habe,  ein 
Beispiel  von  einer  offenbaren  Ueberschiebung  der  Königshofer  über  die  Kos- 
sower Schichten.  Durch  die  oben  nachgewiesenen  Dislocationen  erhält  wohl 
auch  die  oben  a priori  ausgesprochene  Vermut liung,  dass  die  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  der  drei  Züge  xx,  yy  und  zz  unter  sich  zusammengehörig 
und  „gleich  alt“  sind,  eine  genügende  geologische  Begründung. 

In  der  durch  Thatsachen  begründeten  Ueberzeugung,  dass  die  Littener 
Schichten  der  Colonien  x und  y unter  sich  und  mit  jenen  des  normalen  Zuges  z 
„gleichen  Alters“,  und  auch  die  Königshofer  und  Kossower  Schichtender 
drei  getrennt  erscheinenden  Ablagerungen  xx,  yy  und  zz  unter  sich  „gleich  alt“ 
sind,  und  dass  die  beobachteten  abnormen  Lagerungsverhältnisse  bei  den  Colonien 
eine  Folge  von  Hebungen,  Faltungen  und  Ueberschiebungen  sind,  habe  ich  es 
unternommen,  bei  den  in  den  Profilen  BST,  PQ , NO  und  LM  in  Tafel  I dar- 
gestellten Colonien  „Korno“,  „Belec“,  „Treban“  und  „Karlik“  die  betreffenden 
Faltungen  und  Ueberschiebungen,  so  wie  die  Verbindung  der  einzelnen  Schichten, 
durch  punktirte  Linien  anzudeuten.  Es  ergibt  sich  hiebei  das  für  die  Erklärung 


1)  Siehe  zum  Beispiel  die  schönen  Profile  Ferdinand  Freih.  v.  Richthofen’s  aus  den 
Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, X.  Band,  18S9,  Seite  72. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


o 


34 


M.  V.  Lipoid. 


[34] 


der  übrige«  Colonien  nicht  unwichtige  Resultat,  dass  es,  wenn  man  die  kleine  im 
Dorfe  Belec  und  nächst  Litten  beobachtete  Hebung  ausser  Acht  lässt,  hauptsäch- 
lich zwei  grosse  Falten  und  Ueberschiebungen  von  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  ( xx  und  yy)  sind,  welche  die  Erscheinung 
ebenfalls  zweier  paralleler  Colonien  von  Littener  Schichten 
begründen,  und  sich  über  Tags,  wie  es  die  Karte  Tafel  I zeigt,  in  zwei  langen 
Zügen  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten  zwischen  Littener  Schichten 
kenntlich  machen.  Obschon  übrigens  meine  eigenen  Untersuchungen  sich  über 
Winaric  hinaus  weiter  gegen  Westen  nicht  erstreckten,  und  ich  auch  die  geolo- 
gische Karte  Tafel  I daselbst  abschliessen  musste,  so  muss  ich  doch  darauf 
aufmerksam  machen,  dass,  wie  es  sich  aus  den  geologischen  Aufnahmen  des 
Herrn  Directors  J.  Krejcf  ergibt,  die  eben  erwähnten  Faltungen  der  Kossower 
Schichten  sich  auch  am  westlichen  Fusse  des  Winaricer  Kalksteingebirges  durch 
Rücken  von  Kossower  Schichten,  welche  bei  Launin  und  Borek  in  den  Littener 
Schichten  zu  Tag  treten,  kenntlich  machen,  und  dass  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  auch  die  obersilurischen  Kalksteine  des  Winaricer  Gebirges  an  diesen 
Dislocationen  Antheil  genommen  haben.  Gewiss  sind  die  eben  erwähnten  Rücken 
yon  Kossower  Schichten  bei  Launin  und  Borek  sehr  geeignet,  von  den  Disloca- 
tionen der  Kossower  und  Littener  Schichten  am  östlichen  Fusse  des  Winaricer 
Gebirges  ein  noch  klareres  Bild  zu  liefern,  da  die  zwischen  den  beiden  Rücken 
befindlichen  Littener  Schichten  auch  von  Kuhelbader  Schichten  bedeckt  werden, 
und  ich  muss  desshalb  um  so  mehr  zu  ferneren  Untersuchungen  auf  das  bezeich- 
nete  Terrain  hinweisen,  dasich  bei  der  gedrängten  Zeit  nur  desshalb  nicht  in 
das  Bereich  meiner  Aufnahme  zog,  weil  mir  meine  Aufnahmen  an  der  Ostseite 
des  Winaricer  Gebirges  bereits  genügende  und  überweisende  Anhaltspunkte  zu 
einer  naturgemässen  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen an  die  Hand  gegeben  haben. 

Ehe  ich  in  der  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colonien“  weiter  schreite, 
muss  ich  einige  Betrachtungen  und  Schlussfolgerungen  vorausschicken,  welche 
sich  aus  dem  bisher  gewonnenen  Resultate  meiner  Erhebungen  ergeben,  wonach 
die  Colonien  der  Züge  x und?/  zwischen  Mnienan  undKarlikaus 
wahren,  normalen  Littener  Schichten  bestehen,  welche  durch 
Hebungen,  Faltungen  und  Ueberschiebungen  zwischen  die  tiefer 
liegenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten  eingekeilt  wur- 
den. Es  ergibt  sich  aus  diesem  Resultate: 

1.  Dass  die  Littener  Schichten  der  Colonien  keine  regelmässige  und 
concordante  Zwischenlagerung  in  den  Königshofer  und  Kossower  Schich- 
ten bilden,  und 

2.  nicht  tief  in  das  Gebirge  eingreifen  können,  sondern  sich  nach  dem 
Verflachen  in  das  Gebirge  zwischen  den  Königshofer  oder  Kossower 
Schichten  auskeilen  müssen; 

3.  dass,  je  niedriger  das  Gebirge  wird,  beziehungsweise  je  mehr  von  dessen 
ursprünglich  ausbeissenden  Schichten  bereits  zerstört  und  weggeschafft  wurde, 
desto  geringer  auch  die  Mächtigkeit  und  Masse  der  colonialen  Littener  Schichten 
werden  müsse; 

4.  dass  bei  einer  sehr  weit  vorgeschrittenen  Zerstörung  der  Oberfläche  des 
Gebirges  es  möglich  wird,  dass  die  Littener  Schichten  der  Colonien  gänzlich 
weggeschafft  und  in  ihrem  Zusammenhänge  unterbrochen  werden; 

5.  dass  es  zufolge  2.  als  eine  ganz  natürliche  Erscheinung  angesehen  wer- 
den müsste,  wenn  bei  sehr  tiefen  Einschnitten  in  das  Gebirge  oder  bei  Gräben, 
welche  der  Streichungsrichtung  der  colonialen  Littener  Schichten  in’s  Kreuz, 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


35 


[3S] 

das  ist  von  Süd  oder  Südost  nach  Nord  oder  Nordwest,  auslaufen,  die  Littener 
Schichten  der  Colonien  wohl  an  den  Höhen  der  Gehänge,  nicht  aber  auch  in  der 
Tiefe  der  Einschnitte  oder  in  den  Thalsohlen  der  Gräben  erscheinen  und  vor- 
gefunden würden; 

6.  dass  umgekehrt,  je  höher  das  Terrain  in  dem  Streichen  der  Colonien 
ansteigt,  voraussichtlich  auch  die  Mächtigkeit  und  Breitensausdehnung  der  Colo- 
nien zunehmen  werde; 

7.  dass,  sobald  die  Littener  Schichten  der  Colonien  in  die  normale  Lage- 
rung eintreten,  das  ist  von  Kuhelbader  Schichten  bedeckt  werden,  die  die  Colonien 
trennenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten  nicht  mehr  über  Tags  erscheinen 
können;  endlich 

8.  dass,  in  je  grösserer  Mächtigkeit  die  Littener  Schichten  während  der 
Entstehung  der  „Colonien“  bei  ein  oder  der  anderen  derselben  zwischen  die 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  eingekeilt  wurden,  und  je  weniger  von 
diesen  Schichten  im  Laufe  der  Zeit  zerstört  und  entfernt  wurde,  ein  desto  grös- 
serer Reichthum  von  Fossilresten  auch  bei  der  betreffenden  Colonie  vorausgesetzt 
werden  müsse,  und  dass  daher  das  „Mehr“  oder  „Weniger“  von  Fossilien,  die 
in  einer  Colonie  vorgefunden  werden,  nur  von  Zufälligk  ei  ten,  welche  bei 
oder  nach  der  durch  Dislocationen  bewirkten  Bildung  der  „Colonie“  als  solcher 
eintraten,  abhänge. 

Einige  dieser  a priori  gezogenen  Schlussfolgerungen  finden  wir  bereits  in 
dem  Terrain  zwischen  dem  Mramor-  Berge  bei  Litten  und  dem  Wonoklaser 
Graben  nordwestlich  von  Karlik  bestätiget.  Das  Terrain  ist  in  der  Umgebung 
von  Litten  am  höchsten,  und  die  absolute  Höhe  der  Gebirge  wie  der  Thäler 
nimmt  gegen  Karlik  zu  immer  mehr  ab,  wie  letzteres  der  Lauf  der  Flüsse  von 
selbst  andeutet.  Dem  entsprechend  (3.)  nehmen  auch  die  zwischen  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  eingekeilten  Littener  Schichten  der  Züge  x und  y von 
Mnienan  und  Litten  aus  in  nordöstlicher  Richtung  gegen  Karlik  immer  mehr  an 
Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung  ab,  bis  sie  am  Plateau  nordöstlich  von  Karlik 
gänzlich  verschwinden,  wobei  eben  zu  bemerken  ist,  dass  die  Hügel  am  linken  Ufer 
des  Wonoklaser  Baches  viel  niedriger  sind,  als  das  Hochplateau  nordöstlich  von 
Karlik.  Man  findet  auch  (entsprechend  2.  und  5.)  die  Littener  Schichten  x und  y 
an  den  Thalgehängen  des  rechten  Bachufers  so  wenig,  wie  in  den  Gehängen 
nächst  der  Thalsohle  am  linken  Ufer  des  Wonoklaser  Baches  zu  Tage  tretend. 
Umgekehrt  sehen  wir  mit  dem  Ansteigen  des  Terrains  von  Nordost  nach  Süd- 
west auch  die  Littener  Schichten  der  Züge  x und  y (entsprechend  6.  und  7.)  an 
Verbreitung  zunehmen,  und  in  der  Umgebung  von  Litten  und  Mnienan,  wo  sie 
bereits  eine  sehr  grosse  Ausdehnung  gewinnen,  von  Kuhelbader  Kalken  bedeckt, 
zugleich  aber  auch  die  die  Züge  x}  y und  % trennenden  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  unter  den  Littener  Schichten  verschwinden. 

So  wie  ich  im  Vorhergehenden  den  directen  Beweis  geliefert  habe,  dass  die 
Colonien  „Korno,  Belec,  Treban  und  Karlik“  nur  aus  echten  und  normalen 
Littener  Schichten  zusammengesetzt  sein  können,  welche  durch  Dislocationen 
des  Gebirges  aus  ihrer  ursprünglichen  normalen  Lagerung  gerissen  wurden, 
eben  so  werde  ich  .suchen,  im  Nachfolgenden  auf  indireete  Weise  darzuthun, 
dass  auch  die  Colonien  „Wonoklas,  Cernositz,  Kosor,  Radotin,  Haidinger  und 
Krejci“  nur  von  wahren  und  normalen  Littener  Schichten  gebildet  werden.  Ich 
werde  desshalb  zu  erweisen  haben,  dass  die  letztgenannten  Colonien  mit  den 
Littener  Schichten  jener  oftberührten-zwei  Züge  x und  'y,  die  sich  vom  Karliker 
Plateau  in  südwestlicher  Richtung  bis  in  die  Umgegend  von  Litten  erstrecken,  in 
einem  unverkennbaren  inneren  Zusammenhänge  stehen,  und  dass  daher  die 


36 


M.  V.  Lipoid. 


[36] 


Colonien  „Wonoklas“  u.  s.  w bis  „Krejci“  nur  als  weitere  nord- 
östliche Fortsetzungen  der  beiden  Züge  x und  y von  Littener 
Schichten  angesehen  werden  können.  Dieser  Beweis  wird  sich  aus 
folgenden  Thatsachen  und  Betrachtungen  ergeben: 

1.  Die  Colonien  „Wonoklas,  Cernositz,  Kosor,  Treban,  Haidinger  und 
Krejcf“  sind  aus  Gesteinen  zusammengesetzt,  welche  pe  trographisch  den 
Littener  Schichten  der  Züge  x und  y identisch  sind.  Es  sind  dieselben 
Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  beiderseits  anzutreffen.  Das  gleichzeitige 
Auftreten  beider  Gesteinsarten  ist  jedoch,  wie  ich  später  zeigen  werde,  nicht 
wesentlich  nothwendig,  und  der  Mangel  einer  oder  der  anderen  Gesteinsart  ist  aus 
localen  Verhältnissen  leicht  erklärbar. 

Dasselbe  gilt  von  den  die  südöstlichen  sowohl  wie  die  nordöstlichen  Colonien 
begrenzenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  welche  in  ihrer  ganzen 
Erstreckung  von  der  Umgehung  von  Litten  bis  zum  Moldauflusse  hei  Kuhei  durch- 
aus denselben  gleichen  petrographischen  und  paläontologischen  Charakter  hei- 
behalten. 

2.  Sämmtliche  obige  Colonien  folgen  genau  in  derselben  nordöst- 
lichen Streichungsrichtung  auf  einander,  welche  die  beiden  Züge  x und 
y der  Littener  Schichten  nächst  Karlik  besitzen. 

Ebenso  liegen  die  die  genannten  nordöstlichen  Colonien  umgebenden 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  genau  im  Streichen  jener  Königshofer 
und  Kossower  Schichten,  welche  die  erwähnten  Züge  der  Littener  Schichten 
nächst  Karlik  begleiten,  und  stehen  beide  sogar  in  einem  unmittelbaren  ununter- 
brochenen Zusammenhänge. 

Die  gleiche  Richtung  des  Streichens  lässt  auf  einen  causalen  Zusammen- 
hang schliessen.  Bei  der  Beschreibung  der  Colonien  habe  ich  übrigens  bereits 
darauf  hingewiesen,  dass  und  in  wie  weit  die  südwestlichen  Colonien 
als  Fortsetzungen  der  nordöstlichen  betrachtet  werden  müssen. 

3.  Das  Terrain  nimmt  von  Karlik  abwärts  gegen  das  Moldau- 
thal an  absoluter  Höhe  ab,  und  der  von  Unter-Mokropes  an  mehr  gegen 
Norden  gerichtete  Lauf  des  Beraun-Flusses  und  sein  Annähern  zu  dem  Gebirgs- 
zuge, welcher  die  Colonien  beherbergt,  mussten  eine  grössere  und  tiefer 
gehende  Zerstörung  der  Oberfläche  und  der  Gehänge  dieses  Gebirgszuges  im 
Gefolge  haben.  Ganz  entsprechend  nun  dem,  was  ich  oben  sub  3.  und  4.  als 
Folgerung  des  bei  den  Zügen  x und  y gewonnenen  Resultates  anführte,  besitzen 
auch  die  in  Rede  stehenden  Colonien  im  Allgemeinen  nur  eine  geringe 
Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung,  und  sind  aus  ihrem  unmittelbaren 
ununterbrochenen  Zusammenhänge  gelangt.  Dieser  grösseren  Zerstörung 
des  Gebirges  muss  es  auch  zugeschrieben  werden , dass  ein  paar  Colonien , wie 
jene  von  Wonoklas,  nur  aus  Grünsteinen  bestehen,  welche  fast  allenthalben  als 
das  tiefste  Glied  der  Littener  Schichten  vorgefunden  werden,  und  dass  man 
daselbst  die  in  der  Regel  auf  den  Grünsteinen  lagernden  Graptolithenschiefer 
nicht  mehr  vorfindet.  Das  Auftreten  der  Colonien  „Wonoklas“  u.  s.  f.  entspricht 
demnach  auch  in  dieser  Beziehung  einem  Merkmale,  das  sich  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen der  Littener  Schichten  in  den  Zügen  x und  y ergibt. 

4.  So  wie  die  Littener  Schichten  der  mehrerwähnten  Züge  x und  y gemäss 
ihrer  Lagerung  und  nordöstlich  von  Karlik  auch  nachweislich  nicht  tief  in  das 
Gebirge  eind ringen,  eben  so  keilen  sich  die  obgenannten  nordöst- 
lichenColoniennachdem  Verflächenin  das  Gebirgeaus,  und  werden 

o.  wohl  an  den  Höhen  und  an  den  höheren  Theilen  der  Gehänge,  nicht 
aber  auch  in  den  dieselben  querdurch  schneidenden  Thalgründen 


9 


Ueber  Herrn  Rarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens.  t 


37 


[37] 


undtieferenEin  schnitten  vorgefunden.  Beide  den  Littener  Schichten 
der  Züge  x und y eigentümliche  Eigenschaften  sind  oben  bei  der  Beschrei- 
bung der  fraglichen  Colonien  auch  von  diesen  letzteren  nach  ge  wiesen  worden. 

6.  So  wie  sich  ferner  die  Trennung  der  Littener  Schichten  in  die  zwei 
Züge  x und  y derselben  als  eine  Folge  von  Dislo  cationen  und  Störungen, 
welche  die  Gebirgschichten  erlitten,  herausgestellt  hat,  — eben  so  zeigen  sich  bei 
den  Colonien  „Wonoklas  u.  s.  f.  bis  „Krejcf“  offenbare  Dislocationen  und 
Störungen  der  Gebirgsschichten , wie  ich  dies  gleichfalls  bei  der  Beschreibung 
dieser  Colonien  hervorgehoben  habe. 

7.  Endlich  scheint  es  kein  blosser  Zufall,  sondern  ein  augenfälliger  Beweis 
eines  causalen  Zusammenhanges  zu  sein,  dass  so  wie  in  dem  südwestlichen 
Terrain  hauptsächlich  zwei  Züge  von  Littener  Schichten  durch  zwei  parallele 
Hebungs-  und  Fa  Itungslinien  entstanden  sich  darstellen.  eben  so  auch  bei 
den  nordöstlichen  Colonien  namentlich  hei  den  Colonien  „Cernositz,  Radotin“ 
und  bei  den  Gross-Kuhler  Colonien  „Haidinger  und  Krejcfff, — wie  ich  bereits 
bei  der  Beschreibung  dieser  Colonien  darauf  hinwies,  — in  der  Richtung  des  Ein- 
fallens  der  Schichten  zwei  parallele  Ablagerungen  von  Colonien,  und  zwei 
Störungen  der  Gebirgsschichten  nach  dem  Einfallen — oder  was  dasselbe  ist,  eben- 
falls zwei  parallele  Hebungslinien  sich  kenntlich  machen. 

Dass  an  einzelnen  Punkten,  wie  bei  Kosor  und  Wonoklas  nur  ein e Colonie 
vorgefunden  wurde,  kann  die  Kraft  des  letztangeführten  Beweises  nicht  schwächen. 
Denn  in  Berücksichtigung  dessen,  was  bezüglich  des  Anhaltens  der  Colonien  nach 
dem  Verflachen  bereits  oben  erörtert  wurde,  lässt  sich  die  Abwesenheit  einer 
zweiten  parallelen  Colonie  in  Folge  einer  gänzlichen  Zerstörung  der- 
selben sehr  wohl  begreifen,  und  gerade  nächst  Wonoklas  deutet  die  verhält- 
nissmässig  geringe  Höhe  der  Vorberge  dahin,  dass  ein  grosser  Theil  ihrer  Ober- 
fläche und  Gehänge,  und  mit  diesem  auch  die  zweite  Colonie  zerstört  worden 
sein  möge.  Andererseits  ist  das  Terrain,  namentlich  auf  den  Hochplateaus,  und 
speciel  südlich  von  Kosor,  theils  mit  Diluvien  überdeckt,  theils  von 
Waldungen*  occupirt,  und  daher  ist  aus  dem  Grunde,  dass  ich  local  nur  eine 
Colonie  vorfand  und  meinen  Erhebungen  gemäss  in  die  Karte  Taf.  I aufnahm, 
die  Wahrscheinlichkeit  durchaus  nicht  ausgeschlossen,  dass  an  den  betreffenden 
Punkten  auch  noch  eine  zweite  parallele  Colonie  existire.  Ich,  muss  hier  insbe- 
sondere, wie  ich  es  bereits  bei  Beschreibung  der  Colonien  „Cernositz“  gethan 
habe,  auf  das  Terrain  südlich  von  Solopisk,  in  welchem  sich  in  der  Karte  Taf.  I 
eine  grössere  Unterbrechung  der  colonialen  Ablagerungen  zeigt,  aufmerksam 
machen,  indem  ich  es  für  höchst  wahrscheinlich  halte,  dass  es  späteren  glück- 
licheren Forschern  gelingen  werde,  auch  in  diesem  Terrain  „Colonien“  zu 
entdecken. 

Durch  die  eben  angeführten  Thatsachen  und  Betrachtungen  glaube  ich  die 
unzweifelhafte  Uebereinstimmung  und  den  innigen  Zusammenhang,  in  welchem 
die  nordöstlichen  Colonien  mit  den  südwestlichen  Zügen  x und  y der  Littener 
Schichten  stehen,  genügend  dargethan  und  dadurch  auch  den  überzeugenden 
Beweis  hergestellt  zu  haben,  dass  die  Colonien  „Wo  noklas,  Cernositz, 
Kosor,  Radotin,  Haidinger  und  Krejcf“  die  nordöstliche  Fort- 
setzung jener  Littener  Schichten  sind,  welche  von  Mnienan  und 
Litten  aus  bis  oberhalb  Karlik  zwischen  Königs hofer  und  Kos- 
sower  Schichten  zwei  Züge  (x  und  y ) bilden. 

Ist  nun  dieses,  wie  ich  hoffe  erwiesen  zu  haben,  der  Fall,  so  kann  man  füg- 
lich für  die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Colonien  und  für  die  südwest- 
lichen Züge  ( x und  y)  nur  eine  und  dieselbe  Bildungsart  und  Bildungszeit 


38 


M.  V.  Lipoid. 


[38] 

armehmen,  und  muss  daher  den  Litten  er  Schichten  der  nordöst- 
lichen Coionien  und  jenen  der  Züge  x und  y ein  gleiches  Alter 
z u s ehr  eib  e n. 

Da  nun  aber  die  Littener  Schichten  der  südwestlichen  Züge  x und  y,  wie 
ich  oben  nachgewiesen  habe,  sowohl  unter  sich  als  auch  mit  den  Littener  Schich- 
ten des  noch  normal  gelagerten  Zuges  z „gl  ei  che n Alters“  sind,  so  folgt  daraus, 
dass  auch  die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Coionien 
„Wonoklas“  u.  s.  f.  bis  „Krejcf“  sowohl  unter  sich  als  auch  mit  den 
Littener  Schichten  des  sobenannten  „normalen“  Zuges  * gleichen 
Alters  seien. 

Es  ist  einleuchtend,  dass  man  der  abnormen  Stellung  der  Littener 
Schichten  in  den  nordöstlichen  Coionien  — da  sie  nur  die  theilweise  unter- 
brochene nordwestliche  Fortsetzung  der  zusammenhängenden  Littener  Schichten 
in  den  Zügen  x und  y sind  — dieselbe  Erklärungsart,  die  sich  bei  den 
letzteren  als  begründet  ergeben  hat,  zu  Grunde  legen  kann  und  muss.  Auch 
die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Coionien  können  dem- 
nach nur  in  Folge  von  Dislocationen,  d.  i.  in  Folge  von  Hebungen, 
Faltungen  und  U eberschieb ungen,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten 
haben,  aus  ihrer  ursprünglichen  normalen  Lagerung  gebracht,  und  zwischen 
die  tieferen  Kossower  und  Königs hofer  Schichten  eiu gekeilt 
worden  sein.  Dass  solche  Dislocationen  und  Schichtenstörungen  bei  den  nord- 
östlichen Coionien  wirklich  Statt  gefunden  haben,  habe  ich,  wie  bereits 
wiederholt  erwähnt,  hei  der  Beschreibung  jeder  einzelnen  derselben  nach- 
gewiesen. Ebenso  ergibt  es  sich  aus  der  oben  in  sieben  Punkten  ausgeführten 
Vergleichung  der  nordöstlichen  colonialen  Erscheinungen  mit  den  südwestlichen 
Zügen  x und  y der  Littener  Schichten,  dass  sämmtliche  Thatsachen,  welche 
bei  der  Untersuchung  dieser  Coionien  festgestellt  wurden,  der  obigen  Erklär- 
ungsart nicht  nur  nicht  widersprechen , sondern  dieselbe  in  allen  Punkten 
bekräftigen. 

Hieristes  wieder  am  Platze,  von  der  Petrefactenführung  der  „Coio- 
nien“, und  insbesondere  der  nordöstlichen  Coionien,  zu  sprechen,  obschon 
ich  im  Allgemeinen  nur  das  wiederholen  kann,  was  ich  über  diesen  Gegenstand 
bereits  oben  gesagt  habe.  Ich  glaube  es  nämlich  als  etwas  ganz  Natürliches 
erklären  zu  müssen,  dass  bei  der  Art  und  Weise,  wie  die  Ablagerungen  der 
Littener  Schichten  in  den  „Coionien“  in  ihre  gegenwärtige  Stellung  gelangt 
sind,  man  an  und  für  sich  eine  gleiche  Mächtigkeit  derselben  nicht 
erwarten  kann,  und  eben  so  auch,  dass  die  spätere  Zerstörung  und  En t- 
fernu  n g der  colonialen  Schichten  nicht  durchgehends  gl  ei  c lim  ä s sig,  sondern 
je  nach  den  localen  Verhältnissen  bald  grösser,  bald  geringer  sein  konnte.  Die 
verschiedene  Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  in  den  Coionien  ist  dem- 
nach in  der  Erklärungsart  der  Coionien,  wie  sie  sich  aus  den  Lagerungsver- 
hältnissen ergibt,  begründet,  und  bängt  nicht  ab  von  der  ursprünglichen 
Bildung  der  Littener  Schichten,  sondern  von  späteren  Zufällen,  welchen 
diese  Schichten  unterlagen.  Von  der  zufälligen  grösseren  oder  geringeren 
Mächtigkeit  der  Littener  Schichten,  welche  eine  Colonie  beherbergt,  hängt 
aber  auch  die  grössere  oder  geringere  Menge  von  Fossilresten  ab,  welche 
man  in  derselben  vorfindet.  Enthält  daher  eine  Colonie  nur  das  gewöhnlich 
tiefste  Glied  der  Littener  Schichten,  nämlich  blos  Grün  st  eine,  die  in  der 
Begel  petrefactenleer  sind,  so  kann  es  möglich  sein,  dass  eine  solche  „Colonie“ 
gar  keine  Fossil  reste  enthüllt,  was  hei  der  Colonie  „Wonoklas“  wirklich  der 
Fall  zu  sein  scheint.  Treten  zu  den  Grünsteinen  der  Colonie  noch  die  auf  die 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[39] 

Grünsteine  folgenden  Graptont  heu  schiefer  hinzu,  so  wird  man  auch  die 
diese  Schiefer  charakterisirende  Fauna  darin  antreffen.  Wir  sehen  dies  bei  der 
Colonie  „Haidinger“  bestätiget,  die  bei  der  ge  rin  g e n Mächtigkeit  von  5 — 6 
Klaftern  nebst  Grünsteinen  auch  die  nächstfolgenden  Graptolitlienschiefer  besitzt, 
und  desshalb  auch  nur,  wie  uns  Herr  ßarrande  belehrt,  acht  Species  von  Fos- 
silien führt,  die  aber  eben  der  „tiefsten  Zone“  der  Etage  E eigentümlich 
sind.  Ich  habe  ferner  in  der  „Einleitung“  erwähnt,  dass  sich  den  Graptolithen- 
schiefern  in  den  höheren  Lagen  der Littener Schichten  auch  Kalks  phäroide 
beigesellen,  die  gewöhnlich  reich  an  Fossilresten  sind.  Erlangt  daher  irgend 
eine  Colonie  eine  solche  Mächtigkeit,  dass  sie  auch  die  höheren  Lagen  der 
Littener  Schichten  mit  den  Kalksphäroiden  in  sich  fasst,  so  wird  ihr  Reichthum  an 
Fossilresten  bedeutend  gesteigert,  und  die  Colonie  nebst  Graptolithen  auch  solche 
Fossilreste  enthalten,  die  man  in  den  Kalksphäroiden  der  Littener  Schichten  zu 
finden  pflegt.  Wir  sehen  dies  abermals  bei  der  Colonie  „Krejcf“  bestätiget, 
die  schon  eine  Mächtigkeit  von  10  — 12  Klaftern  besitzt,  und  bereits  auch  die 
höheren  Lagen  der  Littener  Schichten,  nämlich  die  Kalksphäroide 
einschliessenden  Graptolithenschiefer  in  sich  fasst.  Diese  Colonie  führt  nach 
Herrn  ßarrande’s  Angabe  bereits  40  Species  von  Fossilresten,  welche  Herrn 
Barrande’s  Etage  E eigen  sind.  Dass  aber  auch  die  Colonie  „Krejcf“  noch  nicht 
alle  und  einen  verhältnissmässig  nur  kleinen  Theil  jener  Fossilreste  aufzuweisen 
hat,  welche  Herrn  ßarrande  aus  seiner  Etage  E bekannt  wurden,  ist  wohl  ganz 
begreiflich,  da  die  Littener  Schichten  in  der  Colonie  „Krejcf“  noch  bei 
weitem  nicht  in  jener  Mächtigkeit  auftreten,  die  diese  Schichten  in  der  nor- 
malen Lagerung  besitzen,  da  eben  erst  in  den  der  Colonie  fehlenden  höchsten 
Lagen  der  Littener  Schichten  petrefactenreiche  Kalksteinbänke  mit  Graptolithen- 
schiefern  in  WechseJlagerung  treten,  und  da  endlich  Herr  ßarrande  auch  die 
sehr  fossilreichen  Kalke  der  „Kuhelbader“  Schichten  in  seine  Etage  E einbezieht. 

In  dem  über  die  Petrefactenführung  der  Colonien  bisher  Gesagten  wird 
man  die  Entschuldigung  finden,  warum  ich  den  Fossilresten  der  Colonien 
nicht  jene  Zeit  und  Mühe  zuwendete,  welche  sie  Verdientermassen  sonst  in  An- 
spruch nehmen,  und  warum  ich  mich  in  meiner  gegenwärtigen  Abhandlung 
nur  mit  allgemeinen  Angaben,  und  insbesonders  mit  den  durch  Herrn  Barrande 
constatirten  Thatsachen  begnüge.  Was  ich  übrigens  im  Vorhergehenden  über  die 
Petrefactenführung  der  Littener  Schichten  in  den  „Colonien“  bemerkte,  findet 
volle  Anwendung  auch  auf  die  Petrefactenführung  der  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Colonien  umgeben. 

Wie  bei  den  Profilen,  welche  die  südwestlichen  Colonien  darstellen,  habe 
ich  auch  bei  den  Profilen  KK,  HJ,  FG , DE,  BC  und  A in  Tafel  I,  welche  die 
Colonien  „Wonoklas“,  „Cernositz“,  „Kosor“,  „Radotin“,  „Haidinger“  und 
„Krejcf“  zur  Ansicht  bringen,  es  unternommen,  auf  Grundlage  der  Erklärungs- 
art der  Erscheinung  dieser  Colonien  die  Störungen,  welche  die  Gebirgsschichten 
erlitten  haben  mochten,  durch  punktirte  Linien  anzudeuten.  Dass,  wie  es  sich 
aus  den  Profilen  herausstellt,  bei  manchen  Colonien  nur  die  höheren  Kossower 
Schichten  zu  Tag  treten,  bei  manchen  die  Königshofer  Schichten  unmittelbar 
mit  den  Littener  Schichten  der  Colonie  in  Berührung  kommen,  wird  wohl  Nie- 
manden Wunder  nehmen,  den  es  mir  gelungen  ist  zu  überzeugen,  dass  die 
colonialen  Erscheinungen,  Hebungen,  Faltungen  und  (Jeberschiebungen  der 
Gebirgsschichten  ihre  Entstehung  verdanken.  Demgemäss  lässt  sich  die  Reihen- 
folge und  Stellung  der  Schichten  bei  der  Colonie  „Haidinger“  durch  eine  ein- 
fache Hebung,  bei  der  Colonie  „Wonoklas“  durch  eine  Faltung,  bei  der  Colonie 
„Krejcf“  durch  eine  Ueberschiebung  Her  Schichten  u.  s,  f.  erklären. 


40  M.  V.  Lipoid.  [40] 

Insbesondere  habe  ich  aber  in  den  Profilen  auch  durch  punktirte  Linien  jene 
Schichtengruppen  der  einzelnen  Profile  mit  einander  verbunden , welche  theils 
zufolge  der  geologischen  Karte,  theils  zufolge  der  oben  erörterten  Lagerungs- 
verhältnisse als  zusammengehörig  anzusehen  sind.  Diese  Verbindung  aller  Profile 
unter  einander  versinnlichet  am  besten  und  schnellsten  die  Art  und  Weise,  wie 
die  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lagerungsverhältnissen  erklärt  werden 
könne  und  müsse.  Sie  versinnlichet,  wie  man  von  der  Colonie  „Haidinger“  bei 
Grosskuhei  endlich  an  den  Mramor-Berg  bei  Litten,  d.  i.  aus  den  zweifelhaften 
Lagerungsverhältnissen  der  „Colonie“  zu  den  unzweifelhaften  normalen  Lage- 
rungsverhältnissen gelangt.  Sie  versinnlichet  endlich  auch  insbesondere  eine  der 
geologisch  interessantesten  Thatsachen,  dass  sich  nämlich  die  zwei 
grossen  Faltungen  und  Ueberschiebungen  der  Gebirgsschichten,  welche  so  deut- 
lich in  der  Umgebung  von  Treban  beobachtet  werden,  an  den  Ufern  der  Mol- 
dau in  einer  Entfernung  von  mehr  als  2 Meilen,  u.  z.  in  den  zwei  Colonie  n 
„Haidinger“  und  „Krejcf“,  noch  immer  klar  ausgeprägt  finden. 

Fassen  wir  das  bis  nun  Gesagte  zusammen,  so  ergibt  sich  für  die  Er- 
scheinung der  „Colonien“  aus  den  Lagerungsverhältnissen  fol- 
gende Erklärung: 

„Die„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhrnischenSilurbeckens, 
namentlich  auch  die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“,  — beste- 
hen aus  und  sind  Ueberreste  von  wahren  normalen  Littener 
Schichten,  welche  in  Folge  von  Hebungen,  Faltungen  und  Ueber- 
scbiebungen  der  Ge  birg  schichten  zwischen  die  tieferen  Kosso- 
wer  und  Königshofer  Schichten  eingekeilt  wurden. 

Ehe  ich  diesen  Abschnitt  schliesse,  will  ich  nur  noch  bemerken,  dass  die  so 
eben  angeführte  Erklärung  der  Colonien  dieselbe  ist,  welche  Herr  Director  Joh. 
Krejcf  aufstellte,  und  durch  die  in  seiner  im  April  1860  an  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt  eingesendeten  Abhandlung !)  angeführten  Thatsachen  unterstützte, 
und  welche  eben  die  Veranlassung  dieser  Abhandlung  wurde.  Ist  es  mir  nun  ge- 
lungen, wie  ich  hoffe,  die  Ueberzeugung  von  der  Richtigkeit  der  obigen  Erklärung 
zu  begründen,  so  gebührt  dennoch  Herrn  Krej  cf  das  Verdienst,  die  Lagerungs- 
verhältnisse, und  insbesondere  den  höchst  wichtigen  Zusammenhang,  in  welchem 
die  Littener  Schichten  der  Colonien  mit  den  Littener  Schichten  in  der  Umgebung 
von  Litten  stehen,  zuerst  richtig  erkannt  zu  haben,  und  es  gereicht  mir  zum  be- 
sonderen Vergnügen,  meinem  hochgeschätzten  Freunde  durch  Anerkennung 
seines  Verdienstes  jene  Genugtuung  zu  verschaffen,  welche  ihm  meines  Erach- 
tens, in  Folge  der  neuesten  Mittheilungen  des  Herrn  Barrande  über  die  „Colo- 
nien“, die  Wissenschaft  schuldet. 

b)  Nach  Herrn  Barrande’s  Theorie. 

Während  ich  im  Vorhergehenden  bei  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Co- 
lonien“ an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  aus  den  Lagerungsver- 
hältnissen von  dem  Standpunkte  ausging,  dass  die  Ablagerungen  der  „Colonien“ 
unter  sich  und  mit  den  „Littener Schichten“  im  Allgemeinen  „gleichen  Alte  rs“ 
sind,  stützt  Herr  Barrande  seine  zur  Erklärung  der  colonialen  Erscheinungen 
aufgestellte  Theorie  auf  die  Annahme,  dass  die  Ablagerungen  der  „Colonien“, 
weder  im  Vergleiche  zu  einander,  noch  im  Vergleiche  zu  den  regulären  „Littener 


!)  Die  Drucklegung  dieser  Abhandlung  wurde  durch  die  zeitweilige  Sistirung  des  Jahr- 
buches der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  verzögert;  sie  erscheint  jedoch  im  nächsten  Hefte. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


4 t 


[41] 

Schichten“,  „gleichen  Alters“  seien,  sondern  verschiedenen  Bildungs- 
epochen ihren  Ursprung  verdanken.  Herr  Barrande  setzt  demgemäss  eine 
sich  mehrmals  wiederholende,  suceessive,  regelmässige  Ablagerung  der  colonialen 
Schichten  im  Wechsel  mit  Schichten  seiner  Etage  B voraus. 

Es  ist  einleuchtend,  dass  diese  Voraussetzung  sich  nur  auf  die  Thatsache 
stützen  könne,  dass  die  Gebirgsschichten,  in  welchen  die  Colonien  auftreten, 
eine  regelmässige  Aufeinanderfolge  zeigen,  und  dass  die  colonialen 
Schichten  eine  concordante  Lager ung  zwischen  den  Schichten  der  Etage  D 
besitzen.  In  der  That  nimmt  Herr  Barrande  diese  Thatsache  als  feststehend  an. 
In  dem  bereits  in  der  „Einleitung“  citirten  Auszuge  seiner  neuesten  Abhandlung 
„ Colonies  dans  le  bassin  silurien  de  la  Boheme “ *)  erklärt  nämlich  Herr  Bar- 
rande bei  der  Mittheilung  der  allgemeinen  Beziehungen  zwischen  den  Colonien 
„Haidinger“  und  „Krejcf“  (Seite  616),  dass  „die  eine  und  die  andere“ 
dieser  Colonien  „in  concor danter  Lagerung  zwischen  die  Schichten 
der  mächtigen  Formation  der  graugelblichen  Schiefer  db,  welche 
die  Quarzit-EtageD  abschliessen,  eingeschaltet  sind.“  Insbesondere 
theilt  Herr  Barrande  bei  Beschreibung  der  „Colonie  Haidinger“  (a  a.  0. 
Seite  620)  mit,  indem  er  die  Reihenfolge  der  Schichten  nach  einem  Durch- 
schnitte der  Colonie  anführt,  dass  „dieser  Durchschnitt,  am  Punkte  der  grössten 
Mächtigkeit  genommen,  um  so  leichter  zu  messen  sei,  als  die  Colonie  an 
dieser  Stelle  von  einem  sehr  tiefen  Graben  durchschnitten  wird, 
an  dessen  Gehänge  man  sehr  deutlich  alle  Schichten  regelmässig, 
unter  einem  Winkel  von  ungefähr  45  Graden,  gegen  das  Innere 
des  Hügels,  einfallen  sieht“.  Herr  Barrande  fährt  fort:  „Indem  wir 
diesen  und  alle  übrigen  Gräben,  welche  diese  Abdachung  durchschneiden, 
aufmerksam  studirten,  ist  es  uns  unmöglich  gewesen,  daselbst  die 
mindeste  Spur  irgend  welcher  Störung  in  der  Regelmässigkeit 
der  Lagerung  zu  entdecken.“ 

Ich  übergehe  die  Detailbeschreibung,  welche  Herr  Barrande  von  den 
Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“  gibt,  die  Vergleichung  derselben  unter 
einander  und  mit  der  Colonie  „Zippe“,  und  die  die  Fülle  paläontologischer 
Kenntnisse,  welche  Herrn  Barrande  auszeichnet,  bekräftigende  Vergleichung 
der  Fauna  der  „Colonien“  mit  der  Fauna  aller  bekannten  Silurablagerungen,  und 
gehe  zur  Hauptsache  über,  zur  Erklärung  nämlich,  welche  Herr  Barrande 
(a.  a.  0.  Seite  658)  von  den  Colonien  Böhmens  gibt.  Er  sagt  daselbst: 

„Wir  nehmen  an,  dass  während  der  Zeitperiode,  welche  in  Böhmen  durch 
die  zweite  Fauna  gemessen  wird,  unsere  dritte  Fauna  in  mehr  oder  minder  ent- 
fernten Gewässern  zu  existiren  begonnen  habe;  jedoch  nicht  in  der  Vollständig- 
keit ihrer  Entwicklung,  nicht  einmal  in  dem  ganzen  Reichthum  ihrer  ersten,  in 
unserer  Etage  E vertretenen  Phase,  sondern  mit  einer  gewissen  Anzahl  von 
Formen  verschiedener  Classen,  welche  die  ersten  Elemente  ihrer  zoologischen 
Entwicklung  bilden.  Zwischen  Böhmen  und  diesen  unbekannten  Gewässern 
sind  während  der  zweiten  Hälfte  der  Dauer  der  zweiten  Fauna  zufällige  Ver- 
bindungen eröffnet  worden.  In  Folge  des  Zusammentreffens  günstiger  Umstände 
sind  eine  gewisse  Anzahl  von  Species  der  driften  Fauna  zu  wiederholten  Malen 
in  unser  Becken  eingezogen,  und  haben  sich  daselbst  an  beschränkten  Orten, 
weiche  zweifellos  ihrer  Existenz  am  zuträglichsten  waren,  niedergelassen.  Sie 
haben  daselbst  während  einer  gewissen  Zeit  gelebt,  ohne  sich  im  Allgemeinen 


0 Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France , 2.  Serie , t.  XVII , p.  602  — seance  du 
4.  Juin  1860. 


ii.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


6 


42 


M.  V.  Lipoid. 


[42] 


mit  den  Formen  der  zweiten  Fauna,  welche  die  benachbarten  Gewässer  be- 
wohnte, zu  vermengen  *).  Indessen  fand  eine  Vermengung  ausnahmsweise  an 
einigen  Punkten  2)  Statt.  Durch  das  Aufhören  der  günstigen  Umstände , welche 
wir  vorausgesetzt  haben,  der  zu  ihrem  Leben  unerlässlichen  Elemente  beraubt, 
sind  die  eingewanderten  Species,  das  ist  die  Colonien,  schnell  ausgestorben. 
Die  beschränkten  Niederlassungen,  welche  sie  bewohnt  hatten,  wurden  wieder 
durch  die  gewöhnlichen  Niederschläge  der  Etage  D bedeckt,  und  die  zweite 
Fauna  hat  über  ihnen,  wie  vor  der  Einwanderung,  wieder  ihre  ausschliessliche 
Herrschaft  eingenommen.“ 

„Diese  Erscheinungen  würden  sich  mindestens  dreimal  wiederholt  haben, 
weil  wir  auf  drei  verschiedenen  Horizonten  Colonien  finden:  die  tiefste  gegen 
die  halbe  Höhe  dk,  und  die  beiden  andern  in  der  Abtheilung  d'\u 

„Später  ist  die  zweite  Fauna  gänzlich  ausgestorben,  wahrscheinlich  in 
Folge  der  grossen  Ausbrüche  von  Grünsteinen,  welche  die  ganze  Oberfläche 
unseres  Beckens  bedeckten.  Als  hierauf  ähnliche  Umstände,  wie  jene,  welche 
die  Einwanderung  der  Colonien  begünstiget  hatten,  in  einem  grösseren  Maassstabe 
eintraten,  bemächtigte  sich  die  dritte  Fauna  der  verlassenen  Gewässer  Böhmens, 
deren  ganze  Fläche  sie  nach  und  nach  wieder  bevölkerte.  Es  ist  wichtig  zu 
bemerken,  dass  zur  Zeit  dieser  allgemeinen  Einwanderung,  das  ist  an  der  Basis 
der  Etage  E,  die  dritte  Fauna,  obschon  mit  vielen  in  den  Colonien  unbekannten 
Species  bereichert,  noch  weit  entfernt  war  von  dem  Maximum  ihrer  ersten  Phase, 
welche  sich  allmählig  in  der  Höhe  dieser  Etage  mit  einem  Reichthum  und  mit 
einer  Mannigfaltigkeit  von  Formen  entwickelte,  welche  bisher  in  der  sibirischen 
Welt  ohne  Gleichen  dasteht.“ 

Diese  Erklärung  beruht,  nach  Herrn  Barrande,  hauptsächlich  auf  zwei 
Vorstellungen,  die  da  sind: 

„1.  Die  theilweise  Gleichzeitigkeit  zweier  Faunen,  welche, 
in  ihrer  Gesammtheit  betrachtet,  dennoch  aufeinanderfolgend 
sind.“ 

„2.  Die  wiederholten  Wanderungen  gewisser  Species,  um  die 
abwechselnden  Erscheinungen  derselben  in  einer  und  derselben 
Gegend  zu  erklären.“ 

Die  Ursa  chen  und  die  Umstände,  welche  diese  Erscheinungen  veran- 
lasst haben,  erörtert  Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  660)  folgender  Art: 

„Vergleicht  man  die  Colonien  mit  der  Basis  der  Etage  E , so  bemerkt  man 
auf  diesen  verschiedenen  Horizonten  das  ähnliche  Auftreten  von  Graptolithen- 
schiefern,  von  mehr  oder  minder  häufigen  Kalksteinen,  und  von  Grünsteinlagern. 
Da  die  Graptolithenschiefer  und  die  Kalksteine  keinen  Bestandtheil  der  Nieder- 
schläge bilden,  welche  unsere  Etage  D zusammensetzen,  ausser  bei  den  Colo- 
nien, so  folgern  wir  daraus,  dass  dieselben  durch  neue  Ströme  und  Zuflüsse, 
welche  aus  anderen  Gegenden  kamen,  als  woher  bis  dahin  die  andern  Nieder- 
schläge geliefert  wurden,  in  unser  Becken  eingeführt  worden  sind.  Dieser 
Schluss  findet  vor  Allem  auf  die  Kalksteine  Anwendung,  welche  in  der  ganzen 
Mächtigkeit  der  Etage  D nur  in  unseren  Colonien  beobachtet  werden  können. 
Aber  welche  Umstände  konnten  in  unser  Becken  jene  neuen  Ströme  und  Zuflüsse 
eingeführt  haben,  welche  die  zarte  Masse  der  Graptolithenschiefer  mit  sich 


!)  Wie  ich  schon  oben  in  der  „Einleitung“  erwähnte,  fand  eine  Mengung  der  zweiten 
Fauna  mit  der  dritten  bei  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  nach  Herrn  Bar- 
rande’s  eigenen  Angaben  nicht  Statt. 

3)  Bezieht  sich  auf  die  Colonie  „Zippe“. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien"  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


43 


[43] 

führten,  und  kohlensauren  Kalk  aufgelöst  enthielten?"  — „Offenbar  könn- 
ten diese  Umstände  in  einem  seht*  natürlichen  Zusammenhänge  sein  mit  den 
Ausbrüchen  von  Grünsteinen,  welche  in  denselben  Epochen  Statt  hatten.  In  der 
That  lehren  uns  die  Beobachtungen  in  vulcanischen  Gegenden,  dass,  sobald  der 
Boden  einer  Gegend  genöthigt  ist  sich  zu  öffnen,  um  den  Strömen  der  feurigen 
Materie  einen  Ausweg  zu  gewähren,  die  Oberfläche  dieses  Bodens  Verschiebungen 
und  Schwankungen  ausgesetzt  ist,  welche  eben  so  im  Grunde  des  Meeres  wie 
im  Niveau  der  gehobenen  Erdstriche  Veränderungen  hervorbringen.  Aehnliche 
Schwankungen,  welche  die  gewöhnliche  Neigung  der  Oberfläche  verändern, 
können  leicht  in  ein  Becken  neue  Zuflüsse  einführen;  oder  sie  können  mit 
benachbarten  Meeren  Verbindungswege  eröffnen,  erweitern  oder  vertiefen,  in 
der  Art,  dass  Ströme  hineingeleitet  werden,  welche  bis  dahin  von  den  fraglichen 
Gewässern  ausgeschlossen  waren.  — Kurz,  die  beständige  Gegenwart  von 
Graptolithenschiefern , Kalken  und  Grünsteinen  in  den  Colonien,  so  wie  an  der 
Basis  der  Etage  E führt  uns  dahin,  die  Umstände,  welche  die  Einwanderungen 
begünstiget  haben , in  folgenden  allgemeinen  Ausdrücken  zusammen  zu  fassen: 
„Schwankungen  des  Bodens  und  Einführung  fremd  artiger  Nieder- 
schläge mit  Hilfe  neuer  Zuflüsse  und  Ströme  unter  dem  allge- 
meinen Einflüsse  plutonischer  Erscheinungen". 

Ich  habe  im  Vorhergehenden  Herrn  Ba  rr  an  de's  Theorie  über  die  Colonien 
mit  dessen  eigenen  Worten  wiedergegeben , um  dessen  Ansicht  hierüber  getreu 
auszudrücken.  Es  würde  mich  jedoch  zu  weit  führen,  wollte  ich  die  mehreren 
sinn- und  geistreichen  Beweise  anführen , durch  welche  Herr  Barrande  seine 
Theorie  zu  bekräftigen  und  die  gegen  dieselbe  erhobenen  Einwendungen  zu 
beheben  sucht.  Während  ich  daher  bezüglich  der  weiteren  Erörterungen  Herrn 
Barrande’s  über  die  Colonien  auf  dessen  Abhandlung  hierüber  verweise,  bin 
ich  dennoch  bemüssigt,  seiner  Theorie  einige  au  f Th  atsac  hen  gegründete 
Bedenken  entgegen  zu  stellen. 

Vorerst  sind  es  die  bei  den  Colonien  statthabenden  L agerungs Verhält- 
nisse, welche  der  Theorie  des  Herrn  Barrande’s  entgegentreten.  Ich  stimme 
nämlich  vollkommen  der  Ansicht  des  Herrn  Vicomte  d’Archiac  *)  hei,  wenn  er 
in  der  „Histoire  des  pro gr es  de  la  geologie,  T.  V,  p.  7"  als  einen  auf  That- 
sachen  gestützten  Grundsatz  der  Paläontologie  hinstellt,  „dass  die  Organismen 
ohne  Unterlass  sich  derart  veränderten,  dass  eine  und  dieselbe  Fauna 
sich  niemals  wiederholt  habe",  und  wenn  er  erklärt,  er  könne  Aus- 
nahmen von  diesem  Gesetze  so  lange  nicht  zugeben  als  dieselben  nicht  in 
vollkommen  regulären,  horizontalen  oder  in  ihrer  ursprüng- 
lichen Lagerung  nicht  gestörten  Terrains  beobachtet  worden 
sind.  Letztere  Anforderung  muss  man  bei  den  „Colonien"  am  Südrande  des  böh- 
mischen Silurbeckens  um  so  mehr  stellen,  als  einerseits  die  Ablagerungen  der 
Colonien  (Grünsteine  und  Graptolithenschiefer)  mit  den  Gesteinsarten  der  normal 
gelagerten  „Littener  Schichten",  das  ist  mit  den  an  der  Basis  der  Etage  E 
des  Herrn  Barrande  vorkommenden  Gesteinsarten  petrographisch  voll- 
kommen identisch  sind,  und  als  andererseits  in  den  Colonien  keine  anderen, 
sondern  ausschliesslich  nur  solche  und  speci fisch  ganz  gleiche  Fossilien 
vorgefunden  werden,  welche  zugleich  in  den  „Littener  Schichten"  an  der  er- 
wähnten Basis  der  Etage  E auftreten,  und  als  aus  diesem  Grunde  jeder  Geologe 
sich  gewiss  berechtiget  halten  wird,  a priori  anzunehmen,  dass  die  Colonien  und 
die  „normalen"  Littener  Schichten  gleichzeitige  Bildungen  sind.  Das  Gegen- 


O „B  a r r a n d e"  a.  a.  0.  Seite  602. 


6* 


44 


M.  V.  Lipoid. 


[44] 


theil  könnte  nur  durch  klare  Lagerungsverhältnisse , und  durch  evident 
normale  und  ungestörte  Z wisch  enlagerungen  der  colonialen  Schich- 
ten zwischen  den  älteren  untersilurischen  Schichten  bewiesen  werden. 

Meine  Untersuchungen  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens haben  nun  gerade  das  umgekehrte  Resultat  gehabt.  Bei  allen  Colonien 
nämlich,  bei  welchen  die  Lagerungsverhältnisse  erhoben  werden  konnten,  zeigten 
sich  offenbare  Störungen  und  Dislocationen,  welche  die  Gebirgs- 
schichten  erlitten  hatten.  Ich  verweise  diesbezüglich  auf  meine  Beschreibung 
der  Colonien,  insbesondere  der  beiden  Colonien  „Krejci“  und  „Haidinger“.  Bei 
der  Colonie  „Krejci'“  gibt  > Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  62 i ) selbst  „eine 
Bewegung  des  Bodens  während  der  Bildung  des  Terrains,  oder  eine  Unregel- 
mässigkeit bei  seiner  Heb  u ng“  zu.  Hingegen  behauptet  Herr  Barrande,  wie 
ich  oben  erwähnte,  bei  der  Colonie  „Haidinger“  die  deutlichste  Regelmässig- 
keit in  der  Lagerung  und  nicht  die  mindeste  Spur  irgend  welcher  Stö- 
rung in  dieser  Regelmässigkeit  der  Lagerung  vor  gefunden  zu 
haben,  während  ich  daselbst  laut  meiner  Beschreibung  derColonie  „Haidinger“ 
und  des  Profiles  EF  in  Tafel  II  eine  gewaltige  Störung  der  Lagerung  beob- 
achtete. Dies  ist  nun  freilich  eine  sehr  wesentliche  Streitfrage,  die  sich  zwischen 
mir  und  Herrn  Bar  ran  de  erhebt,  aber  es  ist  eine  Streitfrage,  deren  Lösung 
durch  einen  einzigen  Besuch  der  Localität  möglich  ist,  und  deren  Entscheidung 
ich  meinestheils  sehr  gerne  jedem  unbefangenen  Geologen  anheimstelle.  Was 
mich  betrifft,  so  kann  ich  in  der  That  die  Lagerung  der  Schichten,  wie 
sie  sich  in  dem  ersten  östlichen  Graben  (II.  Karte),  in  welchem  die  Colonie 
„Haidinger“  erscheint,  darstellt,  als  eine  regelmässige  nicht  anerkennen, 
indem  daselbst  auf  den  wenig  geneigten  fast  horizontal  liegenden 
Kossower  Schichten  die  „Colonie“  lagert,  und  unmittelbar  über  derselben  die 
Königshofer  Schichten  eine  steil  aufgerichtete,  zum  Theil  saigere 
Schichtenstellung  besitzen. 

Ich  muss  daher  bei  der  Beurtheilung  der  Theorie  des  Herrn  Barrande 
über  die  „Colonien“  von  derThatsache  ausgehen,  dass  die  Lagerung 
der  Colonien  keine  regelmässigeund  concordante,  sondern  eine 
gestörteist.  Durch  diese  Thatsache  wird  aber  die  wichtigste  Voraus- 
setzung, auf  welcher  die  Theorie  des  Herrn  Barrande  beruhet,  als  irrig 
nachgewiesen,  und  die  Basis,  auf  welcher  Herr  Barrande  seine  Theorie  über 
die  „Colonien“  aufgebaut  hat,  muss  als  haltlos  und  zerstört  angesehen  werden. 
Ist  aber  die  Basis  zerstört,  so  muss  auch  das  ganze  darauf  ruhende  Gebäude 
schwanken,  das  heisst,  sind  die  Voraussetzungen  irrig,  welche  Herr  Barrande 
seiner  Theorie  unterlegte,  so  können  auch  die  daraus  gezogenen  Folgerungen 
auf  eine  Wahrscheinlichkeit  keinen  Anspruch  machen. 

An  sich  genügt  diese  einzige  so  eben  erwähnte  Nachweisung,  dass  die 
„Colonien“  keine  concordante  Lagerung  besitzen,  um  die  Theorie 
des  Herrn  Barrand  e über  die  „Colonien“  als  ihrer  Grundlage  beraubt,  und 
somit  als  wid  e r 1 egt  zu  betrachten,  und  ich  könnte  füglich  weitere  Erörte- 
rungen hierüber  übergehen.  Dennoch  will  ich  noch  einige  kurze  Bemerkungen 
beifügen,  welche,  wenn  auch  nicht  einzeln  die  Theorie  des  Herrn  Barrande 
zu  widerlegen,  dennoch  höchst  bedeutsame  Bedenken  gegen  dieselbe  rege  zu 
machen  im  Stande  sind. 

Wiekommt  es,  dass  die  Colonien  nicht  tief  in  das  Gebirge 
eingreifen,  sondern  sich  sehr  bald  nach  dem  Verflachen  auskeilen  oder 
abgeschnitteji  werden,  wie  dies  bei  den  Colonien  „Haidinger“,  „Radotin“, 
„Kosorff,  „Cernositz“,  „Wonoklas“  und  „Karlik“  als  erwiesen  vorliegt?  Da  die 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


45 


[«] 

Einwanderung  der  colonialen  Fauna  von  Süden  her  nicht  stattfinden  konnte, 
weil  sich  die  fraglichen  Colonien  am  Südrande  der  obersilurischen  Ablagerungen 
befinden,  so  konnte  diese  Einwanderung  nur  von  Norden,  oder  wie  Herr 
Barrande  in  seinem  „ Systeme  silurien “ annimmt,  von  Nordosten  her  Platz 
greifen,  und  da  sollte  man  doch  meinen,  dass  die  durch  Ströme  von  Nord  her- 
beigeführten colonialen  Ablagerungen  sich  eben  in  der  nördlichen  Richtung 
des  Einfallens  weiter  in  das  Innere  des  Beckens  verbreiten  sollten!  Dass  dieses 
Auskeilen  und  Abschneiden  der  colonialen  Schichten  nach  dem  Verflachen  eine 
Folge  späterer  Dislocatio  nen  sei,  wird  Herr  Barrande  wohl  nicht 
zugeben,  weil  er  dadurch  seiner  Theorie  selbst  die  Grundstütze  wegnähme,  und 
weil  sich  sodann  die  colonialen  Erscheinungen  viel  einfacher  und  natürlicher 
ohne  Zuhilfenahme  einer  neuen  Theorie,  wie  ich  es  gethan  habe,  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen, eben  als  eine  Folge  von  späteren  Dislocationen,  welche  das 
Terrain  erlitt,  erklären  lassen. 

Herrßarrande  bemerkt  weiter,  dass  nach  einer  mindestens  dreimal 
wied erhol  ten  Ein-und Auswanderung  der  colonialen  (dritten)  Fauna  die  zweite 
Fauna  endlich  gänzlich  ausgestorben  sei,  wahrs  cheinlich  in  Fol  ge 
der  grossen  Ausbrüche  von  Grünsteinen,  welche  die  ganze  Oberfläche 
des  Beckens  bedeckten.  Gewiss,  sind  auch  die  Grünsteinausbrüche  vielleicht 
nicht  gerade  die  unmittelbare  Ursache  des  gänzlichen  Aussterbens  der  zweiten 
Fauna  gewesen,  so  lässt  sich  doch  nicht  bezweifeln,  dass  die  Ausbrüche  der 
Grünsteine  und  die  Bildung  der  Graptolithenschiefer  in  einer  unmittelbaren  Wech- 
selwirkung und  in  einem  innigen  Zusammenhänge  mit  den  Ursachen  gestanden 
haben  mussten,  welche  das  gänzliche  Erlöschen  der  zweiten  Fauna  zur  Folge 
hatten.  Nun  fragt  es  sich  aber,  warum  ist  die  zweite  Fauna  nicht 
sogleich  das  erste  Mal,  als  die  coloniale  dritte  Fauna  in  Folge  von 
Grünsteinausbrüchen  und  Bildung  von  Graptolithenschiefern 
einwanderte,  das  ist  zur  Zeit  der  Entstehung  der  „Colonien",  welche  doch 
die  gleichen  Grünsteine,  wie  sie  an  der  Basis  der  Etage  E auftreten,  führen, 
gänzlich  ausgestorben?  Warum  haben  die  Fossilien,  welche  zur  Zeit,  als 
die  Bildung  der  ersten  Colonien  am  Südrande  des  böhmischen  Silurbeckens 
(Colonie  „Haidinger“)  begann,  lebten,  nämlich  die  Fossilien  der  Königshofer  und 
Kossower  Schichten,  un  verkümmert  fortgelebt,  wie  es  nach  Herrn  Barrande 
die  Fossilien  der  zwischen  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  auftre- 
tenden Königshofer  und  Kossower  Schichten  darthun,  — warum  haben  sie,  ohne 
auch  nur  die  mindeste  speci fische  Veränderung  zu  erleiden,  zwei- 
mal eine  Katastrophe  überlebt,  welche,  wie  wir  vorausgesetzt  haben 
und  vorauszusetzen  berechtiget  sind,  bei  Beginn  der  Ablagerung  der  „normalen“ 
Littener  Schichten,  das  ist  an  der  Basis  der  Etage  E des  Herrn  Barrande,  ihr 
gänzliches  Auss.terben  zur  Folge  hatte?  — Ich  weiss,  man  wird  mir  ant- 
worten: Weil  die  Grünsteinausbrüehe  und  die  Bildung  von  Graptolithenschiefern 
zur  Zeit  der  colonialen  Wanderungen  nur  local  an  einzelnen  Punkten  Statt 
hatten,  und  sich  nicht  über  das  ganze  böhmische  Becken,  wie  später,  aus- 
dehnten, daher  auch  die  „Colonien“  nur  local  vorgefunden  werden,  und  linsen- 
förmige Ablagerungen  zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden. 
Abgesehen  davon,  dass  sich  letztere  Annahme  mit  der  Annahme  des  Herrn  Bar- 
rande, dass  die  colonialen  Ablagerungen  durch  Ströme  aus  anderen  Gewässern 
und  Gegenden  dem  böhmischen  Becken  zugeführt  wurden,  nicht  wohl  verein- 
baren lasse,  weil  diese  Ströme,  von  Norden  oder  Nordosten  kommend,  die 
ganze  Breite  des  Beckens  passiren  mussten,  um  an  den  südlichen  Rand  des- 
selben zu  gelangen,  und  die  mit  sich  geführte  Materie  der  Niederschläge  doch 


46 


M.  V.  Lipoid. 


m 


nicht  blos  an  den  Rändern  des  Beckens,  sondern  auf  ihrem  ganzen  Wege,  im 
ganzen  Becken  absetzen  mussten;  gibt  diese  Annahme  dem  folgenden  viel 
grösseren  Bedenken  den  weitesten  Spielraum.  Wenn  nämlich  die  coloniale 
Fauna  blos  an  beschränkten  Localitäten,  an  einzelnen  isolirten  nicht 
zusammenhängenden  Punkten  des  böhmischen  Beckens  leben  konnte  und  lebte, 
und  in  derselben  Zeit,  wie  Herr  Barrande  annimmt,  die  zweite  Fauna  die 
benachbarten  G ewässer  bewohnte,  so  mussten  die  colonialen  Niederlas- 
sungen ringsum  von  Gewässern  umgeben  sein,  in  denen  die  zweite  Fauna  leben 
konnte  und  lebte,  das  ist,  man  muss  sich  die  coloniale  Fauna  allseits  von  der 
zweiten  Fauna  umschwärmt  denken.  Ist  es  nun  möglich  bei  den  so  nahen  und  so 
vielen  Berührungspunkten,  in  welchen  die  coloniale  und  die  zweite  Fauna  zu 
einander  stehen  mussten,  sich  eine  andere  Vorstellung  zu  machen,  als  dass  die 
beiden  Faunen  sich  wenigstens  an  den  Berührungspunkten  mit  einander  ver- 
mengten, und  dass  die  Reste  der  colonialen  und  der  zweiten  Fauna  mindestens 
an  den  Grenzpunkten  ihres  Lebensbezirkes  zahlreich  mit  einander  vermischt  in  den 
betreffenden  Niederschlägen  eingebacken  wurden?  Und  dennoch  ist  von  dem 
Südrande  des  böhmischen  Silurbeckens  bisher  eine  solche  Mischung  der 
colonialen  und  der  zweiten  Fauna,  welche  sich  nach  Obigem  gerade  an 
den  meist  entblössten  Rändern  der  Colonien  im  grossen  Umfange  deutlich  zeigen 
müsste,  nirgends  be  obachtet  worden!!  Die  „Colonien“  führen  n u r Fos- 
silien der  dritten  Fauna,  die  dazwischen  liegenden  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  nur  Fossilien  der  zweiten  Fauna,  und  zwar  die  ersteren  ganz  die- 
selben Formen,  wie  sie  unverändert  an  der  Basis  der  Etage  E , das  ist  in 
den  Littener  Schichten,  wiederz ufind en  sind,  und  die  letzteren  genau  die- 
selben Species  von  Thieren,  welche  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten 
überhaupt  charakterisiren. 

Die  eben  erwähnten  Thatsachen,  so  wie  sie  einerseits  die  oben  gegebene 
Erklärung  der  colonialen  Erscheinungen  „aus  den  Lageru  ngs  Ver- 
hältnissen“ besonders  zu  unterstützen  befähigt  sind , sind  andererseits 
sehr  geeignet,  gegen  die  Richtigkeit  der  Theorie  des  Herrn  Barrande  Zweifel 
zu  erregen.  Es  widerspricht  nämlich  allen  bisherigen  paläontologischen  Erfah- 
rungen und  Grundsätzen,  wenn  man  nach  Herrn  Barrande’s  Ansinnen  annimmt, 
dass  eine  und  dieselbe  Fauna  in  ganz  unverändertem  Zustande  mit  den 
ganz  gleichen  Species  in  weit  von  einander  abstehenden  Epochen  sich 
wiederholt  habe,  ohne  in  den  zwischenliegenden  Ablagerungen,  — welche 
eine  ganz  vers  chi  edene,  aber  auch  mehrmals  und  stets  in  gleichen  For- 
men sich  wiederholende  Fauna  enthält,  — auch  nur  die  mindeste  Spur 
ihres  Daseins  zu  hinterlassen.  Die  Analogien,  die  aus  anderen  Terrains  angeführt 
werden,  kann  ich,  wie  ich  später  berühren  werde,  nicht  gelten  lassen.  Auch  der 
Umstand,  dass  die  Etage  E mehr  Fossilien  enthält,  als  die  Colonien,  kann  obigen 
Zweifel  nicht  mindern,  denn  es  bleibt  doch  wahr,  dass  die  Fauna  der  „Colonien“ 
sich  in  den  tiefsten  Schichten  der  Etage  E,  und  zwar  nur  in  diesen, 
wiederholt,  und  es  beirrt  nicht,  dass  höhere  Schichten  der  Etage  E noch 
andere  Fossilreste  aufnehmen.  Man  muss  eben  die  Schichten  der  Etage  E nicht 
in  ihrer  Gesammtheit,  sondern  nur  die  Basis,  das  ist  die  tiefsten  Schichten 
der  P]tage  E,  und  zwar  nur  in  derselben  Mächtigkeit  in  Betracht  ziehen, 
in  welcher  ein  oder  die  andere  Colonie  auftritt,  — und  man  wird  auch  nur  die- 
selben Petrefacte  in  beiden  finden.  Wenigstens  zweifle  ich  sehr,  dass  selbst 
Herr  Barrande  zwischen  den  Species  von  Graptolithen,  welche  die  Colonien 
bewohnten,  und  jenen,  welche  in  den  tiefsten  Schichten  der  Etage  E auf- 
treten,  auch  nur  den  mindesten  Unterschied  zu  bezeichnen  im  Stande  sein  werde. 


[47] 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


47 


Ich  habe  übrigens  oben  wiederholt  gezeigt,  dass  die  grössere  oder  geringere 
Anzahl  von  Petrefacten  in  einer  Colonie  auf  die  Erklärung  der  colonialen  Erschei- 
nungen aus  den  Lagerungsverhältnissen  keinen  Einfluss  nimmt.  Die  kenntniss- 
vollen  Vergleichungen,  die  Herr  Barrande  in  seiner  neuesten  Abhandlung 
zwischen  der  colonialen  Fauna  und  jener  der  Etage  D und  E und  fremder  Silur- 
becken macht,  und  die  scharfsinnigen  Deductionen,  welche  derselbe  aus  diesen 
Vergleichungen  zu  Gunsten  seiner  Theorie  zieht,  können  daher  die  obberührte 
Erklärungsart  der  Colonien  nicht  beirren,  da  sie,  vermöge  dieser  Erklärungsart, 
als  blos  von  der  wechselnden  Mächtigkeit  der  Colonien,  das  ist  von  Zufällig- 
keiten abhängig,  nicht  die  Wesenheit  der  Colonien  berühren.  Dies  der 
Grund,  dass  ich  mich  über  die  bezeichneten  Vergleichungen  der  Faunen  und  die 
diesfäiligen  Deductionen  des  Herrn  Barrande,  welche  dessen  Theorie, 
vorausgesetzt,  dass  dieselbe  anderweitig  begründet  und  den 
Lager ungsver hält nissen  entsprechend  befunden  würde,  ohne 
Zweifel  zu  unterstützen  geeignet  wären,  weiters  in  keine  Erörterungen  einlasse. 


Sehen  wir  nun,  in  welcher  Art  sich  andere  Naturforscher  über  die 
sibirischen  „Colonien“  Böhmens  aussprechen. 

Herr  Professor  Dr.  H.  G.  Bronn  bespricht  in  seiner  in  der  „Einleitung44 
citirten  gekrönten  Preisschrift:  „Untersuchungen  über  die  Entwickelungsgesetze 
der  organischen  Welt  u.  s.  f.“  Seite  294  die  „Anachronisehen  Colonien44,  als 
welche  er  „ausnahmsweise  Ansammlungen  zahlreicher  Arten  eines 
Terrains  in  beschränkten  Oer tlichk eiten  eines  anderen  durch 
Zwischenschichten  davon  getrennten  älteren  oder  jüngeren  Ter- 
rains“ bezeichnet,  und  zu  welchen  vorzugsweise  die  sibirischen  ^Colonien“ 
Böhmens  gezählt  werden.  Herr  Dr.  Bronn  reproducirt  die  Thatsaehe  und  die 
Erklärung  der  „Colonien“  Böhmens  in  der  Art,  wie  sie  Herr  Barrande  in 
seinen  ersten  Bekanntmachungen  über  diese  Colonien  *)  mitgetheilt  hat.  Er  sagt: 
„Sein  (Herrn  Barrande’s)  silurisches  Terrain  E,  worin  die  dritte  Trilobiten- 
Fauna  vorzugsweise  zur  Ablagerung  gekommen,  besteht  in  Graptolithenschiefern 
mit  Kalksphäroiden.  Dieselbe  Gesteinsart  nun  hatte  sich  auch  schon  in 
einem  vertical  wie  horizontal  sehr  beschränkten  Raume  im  unteren  Theile 
des  sonst  aus  Quarziten  bestehenden  Terrains  D,  welches  die  zweite  Silurfauna 
enthält,  in  vorübergehender  Weise  zu  bilden  begonnen,  sich  in  concor danter 
Lagerung  zwischen  die  übrigen  abgesetzt,  und  einen  Theil  der  dritten  Fauna 
in  sich  aufgenommen“  u.  s.  f. 

Man  sieht,  dass  Herr  Dr.  Bronn,  so  viel  ich  weiss,  nicht  aus  eigener 
Wahrnehmung,  sondern  eben  nur  gestützt  auf  Herrn  Barrande’s  Mittheilungen, 
die  wesentliche  Thatsaehe,  dass  die  Colonien  sich  „in  eoncordanter  Lage- 
rung“ zwischen  den  Schichten  des  Terrains  D befinden,  als  constatirt  annimmt. 
Ich  brauche  wohl  kaum  zu  wiederholen,  dass  ich  die  Behauptung  dieser  That- 
sache  als  auf  einem  Irrthum  beruhend  nachwies,  und  ich  setze  voraus,  dass 
der  hochgelehrte  Meister,  wenn  er,  wie  ich,  die  Ueberzeugung  gewonnen,  dass 
die  silurischen  Colonien  Böhmens  nicht  „concor  da  nt“  gelagert  sind,  Anstand 
genommen  hätte,  Herrn  Barrande’s  Theorie  über  die  „Colonien“  als  Substrat 
paläontologischer  Betrachtungen  zu  benützen.  Diese  Voraussetzungen  würden 
mich  eigentlich  von  weiteren  Erörterungen  über  die  „anachronisehen  Colonien“ 
entbinden.  Allein  da  Herr  Dr.  Bronn  (a.  a.  0.  Seite  295  u.  f.)  mehrere  den 


0 Bull,  geolog.  18 öl.  VIII,  150 , 158. 


48 


M.  V.  Lipoid. 


[48] 


Colonien  Böhmens  „analoge  Fälle“  anführt,  und  Herr  Barrunde  in  seiner 
neuesten  Abhandlung  über  die  Colonien  auf  diese  „analogen  Fälle“  ein  ganz 
besonderes  Gewicht  legt,  so  bin  ich  bemüssiget,  diese  „Analogien“  etwas 
näher  in’s  Auge  zu  fassen. 

Zwei  der  von  Herrn  Di*.  Bronn  angeführten  „analogen  Fälle“  betreffen 
Steinkohlenpflanzen.  Pflanzenreste  sind  wohl  minder  geeignet,  mit  Thier- 
resten überhaupt  in  Vergleichungen  gezogen  zu  werden,  da  sie  im  Allgemeinen 
doch  anderen  Gesetzen  folgen,  als  letztere,  und  da,  wie  Herr  Dr.  Bronn  (a.  a. 

0.  Seite  268)  selbst  bemerkt,  „Pflanzen  sich  am  wenigsten  an  bestimmte  Etagen 
des  Gebirges  binden  zu  wollen  scheinen“.  Ich  hebe  daher  blos  den  wichtigsten 
von  Herrn  Dr.  Bronn  angeführten  und  von  Herrn  Barrande  benützten  analogen 
Fall,  welcher  dem  Oolith  Englands  entnommen  ist,  hervor,  und  bezeichne  die 
Thatsachen,  wie  sie  Herr  Dr.  Bronn  mittheilt. 

Nach  Lycett,  Morris  und  Brodie  besitzen  nämlich  ein  oberer  Theil  des 
Gross-Ooliths  von  Minchinghampton  in  England  und  der  Unter -Oolith  von 
Leckhampton,  und  zwar  dessen  „ Fimbria “ und  „ Freestone “ Schichten,  eine 
grosse  Aehn lichkeit  sowohl  in  der  Mineral-Natur,  wie  in  den  organischen 
Resten.  Von  265  Arten  des  Gross-Ooliths  sind  demselben  64  Arten  mit  den 
Freestone-Schichten  des  Unter-Ooliths  gemein.  „Die  fossilen  Arten  des  Unter- 
Ooliths  von  Leckhampton  sind  jedoch  alle  auffallend  klein“,  — „auch 
jene,  welche  ihm  mit  dem  Gross-Oolith  daselbst  und  zu  Minchinghampton 
gemein  sind“.  — „Im  Ganzen  fehlen  die  meisten  der  aus  dem  Freestone  und 
der  Fimbria -Schicht  in  den  Gross-Oolith  übergehenden  Arten  in  den  Zwischen- 
schichten gänzlich,  und  die  wenigen,  Avelche  sich  auch  in  ihnen  ei  n- 
finden,  erleiden  meistens  bedeutende  Veränderungen  in  Form  und  Oberflächen- 
beschaffer^heit  und  eine  Verminderung  ihrer  Grösse“.  Nach  Buckmann  wieder- 
holt sich  diese  Erscheinung  mit  dem  Cornbrash  im  Ober-Oolith  von  Cirencester 
in  Gloucestershire.  „Dieser  Cornbrash  enthält  daselbst  65  fossile  Arten, 
wovon  21  mit  Arten  des  Unter-Oolith  und  selbst  mit  solchen  identisch  sind, 
welche  charakteristisch  für  ihn  gelten.  — Alle  diese  Arten  finden  sich  nur  mit 
wenigen  Ausnahmen  nicht  in  dem  dazwischen  liegenden  Gross-Oolith.“ 

Vergleichen  wir  die  oben  angeführten  Thatsachen  aus  dem  englischen 
Oolith  mit  den  entsprechenden  Thatsachen  aus  den  silurisehen  „Colonien“  an 
der  Südseite  des  Silurbeckens  Böhmens,  so  finden  wir  sehr  erhebliche 
Unterschiede  zwischen  beiden,  und  zwar: 

1.  Die  Schichten  des  Gross-Oolith  und  die  Eimbria-  und  Freestone-Schich- 
ten besitzen  in  soferne  eine  Aehnlichkeit,  als  beide  k al kiger  Natur  sind. 
Die  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  der  erwähnten  „Colonien“  hingegen  sind 
in  ihren  lithologischen  Merkmalen  mit  den  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern 
an  der  Basis  der  Etage  E nicht  nur  ä h n 1 i c h,  sondern  vollkommen  identisch. 

2.  Die  Fimbria-  und  Freestone-Schichten  haben  ausser  denjenigen  Arten, 
die  man  im  Gross-Oolith  findet,  noch  ihre  eigentümliche  Fauna;  nicht  alle 
Arten  der  ersteren  kommen  auch  in  dem  letzteren  wieder  zum  Vorschein.  — Die 
„Colonien“  Böhmens  haben  hingegen  gar  keine  eigentümliche  Fauna, 
und  alle  Species,  die  in  den  Colonien  gefunden  werden,  treten  auch  in  den 
Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E auf. 

3.  Die  fossilen  Arten,  welche  der  Gross-  und  Unter-Oolith  gemein  haben, 
sind  im  Unter-Oolith  alle  auffallend  klein,  im  Vergleiche  zu  jenen  des 
Gross-Oolith.  Dieser  auffallende  Unterschied  in  der  Grösse  derArten, 
wenn  auch  nicht  specifisch  wesentlich,  deutet  dennoch  auf  eine  Verschiedenheit 
in  der  Lebensentwickelung  hin.  Zwischen  den  Species,  welche  die  „Colonien“ 


[49]  Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens.  49 

Böhmens  und  die  Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E gemein  haben, 
ist  dagegen  auch  nicht  der  mindeste  Unterschied  wahrzunehmen. 

4.  Die  Schichten  des  „Cornbrash“,  „Gross-Oolith“  und  „Freestone“, 
welche  gemeinsame  Fossilarten  führen,  gehören  nach  Sir  Charles  Lyell  min- 
destens einer  und  derselben,  nämlich  der  unteren  Abtheil ung  des  Ooliths 
an.  — Die  „Colonien  Böhmens“  dagegen  treten  in  der  unteren  Abtheilung  des 
Silursystems,  welche  von  der  ZAveiten  Fauna  des  Herrn  Barr  and  e bewohnt 
wird,  auf,  während  die  gemeinsamen  Arten  in  den  Littener  Schichten  an  der 
Basis  der  Etage  E schon  die  dritte  Fauna  in  der  oberen  Abtheilung  des 
Systems  charakterisiren. 

fi.  Die  dem  „Cornbrash“  und  „Gross-Oolith“  einerseits,  und  dem  „Unter- 
sten Oolith“  andererseits  gemeinsamen  Arten  finden  sich,  wenn  auch  nur  als 
Ausnahmen,  in  veränderter  Form  oder  verminderter  Grösse,  dennoch  in  einer 
geringen  Zahl  auch  in  den  Zwischenschichten  vor.  Diese  „wenigen“ 
in  d e n Zwisch  enschichten  vorfindigen,  von  den  vielen  gemeinsamen 
Arten  genügen,  wenigstens  einen  natürlichen  Zusammenhang  zwischen  den 
gemeinsamen  Arten  im  untersten  Oolith,  und  im  Gross-Oolith  und  „Cornbrash“ 
anzudeuten.  — Die  zwischen  den  „Colonien“  Böhmens  und  den  Littener  Schich- 
ten an  der  Basis  der  Etage  E befindlichen  Zwischenschichten  (Königshofer 
und  Kossower  Schichten)  dagegen  besitzen  auch  nicht  die  mindeste 
Spur  von  Fossilien  der  dritten  Fauna,  welche  die  Colonien  und  die  Lit- 
tener Schichten  bewohnt.  Es  fehlt  daher  hier  jeder  natürliche  Zusammenhang 
zwischen  den  „Colonien“  und  den  Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E . 

6.  Verzeichnen  wir  die  Reihenfolge  der  Schichten,  wie  dieselben,  nach 
Sir  Ch.  Lyell,  im  „Unter- Oolith“  unter  dem  „Oxford-Thon“  von  oben  nach 
unten  folgen : 

a ) Cornbrash,  Thon  und  kalkiger  Sandstein,  — und  Forestmarble,  thoniger 
Kalkstein,  sehr  reich  an  marinen  Fossilien; 

b)  Great-Oolite,  muschelreicher  Kalkstein,  und  Stonesfield-Schiefer,  muschel- 
reiche  Kalksphäroide  in  Sand  eingehüllt,  nur  6 Fuss  mächtig,  mit  einer 
merkwürdigen  Säugethierfauna ; 

c)  Fullers’-earth , thonige  Ablagerung  bei  Bath,  reich  an  kleinen  Austern,  — 
fehlt  in  Nord-England; 

d)  Freestone,  kalkige  Schichten,  wenig  mächtig,  mit  Fimbria-Schichten,  — - 
darunter  gelber  Sand.  Letzterer  lagert  auf  dem  „Lias“,  der  bei  einem  sehr 
gleichförmigen,  lithologischen  Gepräge  eine  evident  eigenthümliche  Fauna 
besitzt. 

Wir  sehen  hieraus,  dass  im  Englischen  Oolith  die  Gebirgsschichten,  welche 
unter  dem  „Freestone“,  ferner  jene,  welche  zwischen  dem  „Freestone“  und 
dem  „Gross-Oolith“,  oder  zwischen  dem  „Freestone“  und  dem  „Cornbrash“, 
endlich  jene,  welche  über  dem  „Gross-Oolith“’ , beziehungsweise  über  dem 
„Cornbrash“  liegen,  sowohl  in  petrographischer,  als  auch  in  paläontologischer 
Beziehung  wesentlich  von  einander  abweichen.  Die  Zwischenschichten, 
welche  die,  eine  gemeinsame  Fauna  enthaltenden  „Freestones“  und  „Gross- 
Oolithe“,  respective  „Cornbrash“,  trennen,  sind  also  bezüglich  ihres  litholo- 
gischen Charakters  und  bezüglich  ihrer  Fossilreste  ganz  verschieden  von 
den  Schichten,  welche  im  Liegenden  des  Freestone  und  im  Han- 
genden des  Gross-Oolith,  respective  „Cornbrash“,  Vorkommen. 
Bei  den  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  dagegen  sind 
sowohl  die  im  Liegenden  der  südlicheren  Colonien  (Col.  „Haidinger“),  als 
auch  die  zwischen  diesen  und  den  nördlicheren  Colonien  (Col. 

K.  k.  geologische  Reichsaustalt.  12-  Band,  1861  und  1862.  I.  Heit. 


7 


50 


M.  V.  Lipoid. 


[50] 

„Krejci“),  endlich  auch  die  im  Hangenden  der  letztgenannten  Colonien  zwischen 
diesen  und  den  Littener  Schichten  ander  Basis  der  Elage  E betind- 
lichen  Schichten  nicht  nur  petrographisch,  sondern  auch  bezüglich  ihrer  Fossil- 
reste vo  llkom men  identisch.  Nicht  nur  die  Zwischenschichten,  son- 
dern auch  die  Liegend-  und  die  Hangendschichten  der  Colonien  bestehen 
nämlich  aus  denselben  Königshofer  und  Kossower  Schichten  mit  den- 
selben Fossilien  der  zweiten  Fauna. 

7.  Bemerken  wir  endlich,  dass  die  Zwischenschichten  bei  den  böh- 
mischen Colonien  eine  Mächtigkeit  von  mehreren  Hundert  Fuss,  die 
betreffenden  „Zwischenschichten“  im  englischen  Oolith  ab^r*  nur  eine  ver- 
hältnissmässig  sehr  geringe  Mächtigkeit  besitzen,  und  dass  die  Beproduc- 
tion  derselben  Fauna  im  Oolith  Englands  nur  einmal  stattfand,  im  Silur- 
becken Böhmens  aber  sich  dieselbe  Fauna  mindestens  dreimal  wiederholt 
haben  müsse,  so  geben  auch  diese  verschiedenartigen  Umstände  zu  höchst  bedenk- 
lichen Betrachtungen  Anlass. 

Man  wird  es  mir  kaum  verargen,  dhss  ich  in  Anbetracht  der  so  vie  1- 
fachen  und  so  wesentlichen  Unterschiede,  welche  zwischen  den  „ana- 
chronischen  Colonien“  des  englischen  Oolithes,  und  den  „Colonien“  des  Herrn 
Barrande  in  der  böhmischen  Silurformation  obwalten,  die  „An  a 1 og  i e“  zwischen 
denselben  als  verschwindend,  und  in  Folge  dessen  die  Theorie  des  Herrn 
Barrande  über  die  „Colonien“  als  beispiellos  bezeichne.  Da  ich  der  genannten 
Theorie  wegen  der  natürlichen  Erklärung,  welche  die  Erscheinung  der  „Colo- 
nien“ aus  den  Lagerungsverhältnissen  zulässt,  nicht  beiptlichten  kann,  so  ist  es 
natürlich,  dass  ich  auch  die  Dichtigkeit  der  Schlüsse,  welche  Herr  Dr.  Bronn 
aus  den  Thatsachen  der  „anachronischen  Colonien“  zieht,  in  soweit  sich  diese 
Schlüsse  auf  die  „Colonien“  Böhmens  stützen,  in  Zweifel  ziehen  muss. 

Viel  eingehender  noch,  als  Herr  Dr.  Bronn,  bespricht  Sir  Charles  Lyell 
in  seinem  ,, Supplement “ to  the  fiftli  edition  of  a „ Manual  of  elementar  y geo- 
logy .“  Seite  29  u.  f.  die  Theorie  des  Herrn  Barr  an  de  über  die  „Colonien“  des 
böhmischen  Silurbeckens.  Da  Sir  Ch.  Lyell  in  Allem  und  Jedem  die  Theorie 
des  Herrn  Barrande  vertheidigt,  indem  er  die  Richtigkeit  der  von  Herrn  Bar- 
rande angeführten  Thatsachen  voraussetzt,  so  würde  es  genügen,  zur  Wider- 
legung dieser  Vertheidigung  darauf  hinzuweisen,  dass  ich  im  Vorhergehenden 
dargethan  habe,  die  von  Herrn  B a rra  n d e angeführten  Thatsachen,  auf  denen 
die  ganze  Theorie  beruht,  seien  nicht  richtig.  — Allein  Sir  Ch.  Lyell 
führt  zur  Unterstützung  der  Theorie  des  Herrn  Barrande  noch  andere  That- 
sachen an,  die  gleichfalls  einer  Berichtigung  bedürfen. 

Wir  lesen  nämlich  in  dem  berührten  „ Supplement “ Seite  31  Folgendes  *): 

„Als  der  verstorbene  Eduard  Forbes  diese  Lehre  von  den  Colonien  com- 
mentirte,  bemerkte  er,  dass  durch  die  Annahme  derselben  der  Werth  der  Evidenz 
organischer  Reste  als  bestimmendes  Moment  für  das  Alter  und  die  Aufeinander- 
folge geologischer  Formationen  sehr  vermindert  werden  dürfte,  da  diese  Annahme 
die  Einführung  einer  Gruppe  von  Species  in  sich  einschliesst,  welche  die  Erfah- 
rung uns  gelehrt  hat  als  normale  Bestandtheile  einer  späteren  verschiedenen 
Formation  zu  betrachten,  und  welche  nicht  blos  zwischen  und  mit  der  Fauna 
einer  früheren  Stufe  gemischt  sind,  sondern  mitten  darunter  und  doch  gesondert 
davon.  Daher  stellt  Professor  Forbes,  während  er  zugleich  die  höchste Bewun- 


Nach  der  Uebersetzung  von  Herrn  Oralen  Marschall,  Achivar  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


51 


[S1] 

derung  über  Barr  and e’s  Talent  und  Arbeiten  ausdrückt,  die  Genauigkeit 
der  geologischen  Thatsac he  in  Frage,  indem  er  bemerkt,  „„dass  in  einer 
durch  Erhebungen  gestörten  silurischen  Gegend,  wo  die  Schichten  unter  sehr 
starken  Winkeln  geneigt  sind,  wo  wahrscheinlich  Verwerfungen  und  Verdre- 
hungen derselben  Vorkommen,  sehr  wohl  Fälle  dieser  Art  gefunden  werden 
dürften,  welche  Veranlassung  geben,  dass  Schichten  mit  neueren  Fossilien 
unter  und  inmitten  solcher  liegen,  die  ältere  Versteinerungen  enthalten.““ 
Hätte  mein  verstorbener  Freund  aber  die  Nachbarschaft  von  Prag  besucht,  so 
würde  er  erkannt  haben,  dass  die  dortigen  Schichten  sich  nicht  im  Zu- 
stande alpinischer  Verwirrung  befinden,  und  er  würde  sich  bereitwillig 
überzeugt  haben,  dass  ein  so  fähiger  Beobachter,  wie  Barrande,  sich  keines- 
wegs täuschte.  Wirklich  ist  die  Ordnung  der  Ueberlagerung  durchaus 
nicht  dunkel,  und  ausserdem  gibt  es  in  den  Vorstädten  Prag’s  eine 
Stelle,  die  ich  untersuchte  *),  wo  die  eingeschobene  Colonie-Formation  E 1 
auf  eine  Mächtigkeit  von  6 Zoll  reducirt  ist,  und  wo  sie  nichts  destoweniger 
sich  durch  ihren  organischen  Inhalt  deutlich  unterscheidet,  obgleich  dort,  wie 
wir  hätten  vorausschicken  können,  eine  leichte  Vermischung  der  verschie- 
denen Faunen  stattfindet,  da  zwei  Species  von  d*  mit  einer  grossen  Anzahl  von 
für  E 1 charakteristischen  Versteinerungen  auftreten.“ 

Vorerst  liegt’  irgend  welcher  Irrthum  der  Behauptung  zu  Grunde,  dass  Sir 
Ch.  Lyell  die  „Colo nie  Zippe“  — denn  nur  diese  liegt  innerhalb  der  Stadt- 
mauern Prag's  in  der  sogenannten  „Bruska“* 2),  und  zufolge  der  gegebenen 
Beschreibung  kann  nur  diese  gemeint  sein,  — selbst  „untersucht“  habe. 
Die  „Colonie  Zippe“  ist  seit  ihrer  Entdeckung  durch  Herrn  Professor  Zippe  im 
Jahre  1830  durch  Skarp-Mauern  verdeckt,  und  jeder  Untersuchung  unzu- 
gänglich gemacht.  Selbst  Herr  Bar  ran  de  hat  und  konnte  dieselbe  niemals 
persönlich  in  Augenschein  nehmen. 

Eben  so  als  irrthümlich  aber  muss  ich  auch  die  Behauptung  des  hochge- 
lehrten Sir  Ch.  Ly  el  l bezeichnen,  dass  „die  dortigen  Schichten  sich  nicht  im 
Zustande  alpiner  Verwirrung  befinden“,  und  „dass  die  Ordnung  der  Ueberlage- 
rung  durchaus  nicht  dunkel“  sei,  weil  diese  Behauptung  zu  der  Meinung  Anlass 
geben  könnte,  dass  die  silurischen  Schichten  in  Böhmen  sich  noch  durchwegs  in 
ihrer  normalen  Lagerung  befinden,  oder  wenigstens  nur  unerhebliche  oder 
unwesentliche  Störungen  erlitten  hätten.  Dieser  Ansicht  jedoch  muss  ich  sehr 
entschieden  entgegentreten.  Herr  Barrande  selbst  scheint  sie  nicht  zu  theilen, 
indem  er  in  seinem  Schreiben  an  Herrn  Hofrath  Haidinger  vom  17.  October  * 
1859  erklärt,  „dass  die  „Colonien“  nichts  gemein  haben  mit  den  so  häufigen 
Disl  ocationen  im  silurischen  Becken  Böhmens.“ 

In  der  That  genügt  ein  einziger  Spaziergang  von  der  „Kleinseite“  Prag's 
am  Fusse  des  Belvedere-Hügels  nach  dem  linken  Ufer  des  Moldauflusses  abwärts 
zum  Dorfe  Klein- Bubna,  oder  ein  kleiner  Ausflug  auf  den  am  rechten  Ufer  der 
Moldau  befindlichen  „Kreuz-Berg“  bei  Wolsan  nächst  Prag,  um  eine  Einsicht  in 
die  Lagerungsverhältnisse  der  silurischen  Schichten  zu  erlangen.  Am  Fusse  des 
Belvedere-Hügels  wird  man  wellenförmige  Biegungen,  Brüche,  Verschiebungen, 
und  Faltungen  der  sehr  schön  entblössten  Zahoraner  Schichten  (Bar. 
beobachten  können,  wie  man  Aehnliches  nicht  allzu  häufig  in  den  Alpen  findet. 
Ebenso  sieht  man  am  Kreuzberge,  durch  Steinbrüche  blossgelegt,  Quarzite, 


0 „wliich  I examined.“ 

2 ) In  den  zwei  Vorstädten  Prag’s,  Karolinenthal  und  Smichow,  sind  keine  „Colonien“ 
bekannt  geworden. 


welche  meines  Erachtens  den  „Brda-Schichten“  (Bar.  dz>)  angehören,  wenigstens 
denselben  petrographisch  vollkommen  identisch  sind,  kuppenförmig  aus  den 
umgebenden  Schiefern  emporragen. 

Es  ist  wohl  auch  natürlich,  dass  die  wiederholten  Ausbrüche  von  Por- 
phyren und  Grünsteinen  an  der  B a si  s der  Bar  ra  n d e’schen  Etagen  D und  E 
Dislocationen  der  älteren  Schichten  im  Gefolge  haben  und  wiederholte  Stö- 
rungen derselben  veranlassen  mussten.  Ich  könnte  aus  eigener  Erfahrung  zahl- 
reiche eclatante  Beispiele  solcher  Störungen  aus  den  untersiln rischen 
Schichten  Böhmens  anführen,  doch  ich  muss  mich  auf  diese  Angabe  beschränken, 
und  will  nur  hervorheben,  dass  auch  nach  der  Ablagerung  der  o b er  si  Iu- 
ris chen  Schichten  in  Böhmen  noch  sehr  gewaltige  Dislocationen  der  Gebirgs- 
schichten  Statt  gehabt  haben  mussten.  Beweis  dessen  sind  die  vielen  Störungen, 
welche  man  in  den  obersilu rischen  Schichten,  die  Hluboceper  Schichten 
(Bar.  H)  mit  inbegriffen,  beobachten  kann,  und  worüber  uns  Herr  Director 
J.  Krejci'in  seinem  Berichte  über  die  geologischen  Arbeiten  im  Jahre  1859, 
durch  Profile  erläutert,  so  lehrreiche  und  schöne  Beispiele  lieferte.  Ein  Blick 
auf  die  geologische  Karte  Tafel  I zeigt  mitten  zwischen  Braniker  Schichten 
einen  langen  Streifen  von  Konepruser  Schichten,  der  sich  von  Nordost  über 
Trebotow  und  Zaborinach  B.  nach  Südost  zieht.  Dieser  Streifen  von  Konepruser 
Schichten  deutet  eine  der  mehreren  Hebungsspalten  an , welche  man  in  den 
obersilurisehen  Schichten  beobachtet,  und  es  ist  gewiss  mehr  als  blosser  Zufall, 
dass  diese  Hebungsspalte  genau  dieselbe  Richtung  besitzt,  wie  die  oben  nach- 
gewiesenen zwei  Faltungslinien  bei  den  Colonien  an  der  Südseite  des  Silur- 
beckens, und  dass  daher  alle  zu  einander  parallel  sind.  Ich  will  übrigens  eine 
Störung,  welche  ich  selbst  beobachtete , hier  anführen,  theils  um  Obiges  zu 
begründen,  theils  aber  um  zum  Besuche  der  Loyalität  jene  Geologen  anzueifern, 
welche  sich  persönlich  von  den  Dislocationen  der  Silurschichten  Böhmens  über- 
zeugen wollen.  Die  Localität  ist  nämlich  in  nächster  Nähe,  und  zwar  kaum  eine 
halbe  Meile  von  Prag  entfernt,  und  befindet  sich  südlich  von  dieser  Stadt  am 
linken  Ufer  der  Moldau,  und  zwar  neben  dem  Dorfe  Hlubocep  im  „Prokopithale“. 
Am  westlichen  Ende  dieses  Dorfes  befindet  sich  eine  tiefe  Spalte  in  dem  nörd- 
lich vom  Dorfe  hinziehenden  Kalksleinrücken,  durch  welche  Spalte  ein  kleiner 
Graben  mündet.  Nach  dieser  Spalte  und  dem  kleinen  Graben  ist  das  beigefügte 
Profil  Fig.  C von  Süd  nach  Nord  gezogen,  welches  keiner  weiteren  Erklärung 


Fig.  C. 


Braniker  Schickten. 
(Barr.  Etage  G.' ) 


Hluboceper  Schichten. 
(Barr.  Etage  ff.) 


bedarf,  aber  gewiss  eine  Störung  darstellt,  die  nicht  minder,  wie  die  colonialen 
Erscheinungen , zu  irrigen  Anschauungen  Anlass  geben  könnte. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


53 


[«] 

Ich  glaube,  und  Sir  Ch.  Lvell  scheint  es  selbst  gefühlt  zu  haben,  dass  die 
u n wider  legbar  bewiesene  Thatsache,  dass  die  Silurschichten  Böhmens 
dehr  bedeutende  und  wiederholte  Dislocationen  erlitten  haben,  die  Erklärung 
ser  colonialen  Erscheinungen  aus  den  blossen  Lngerungsverhältnissen,  wie  die- 
selbe von  Herrn  E.  Forbes  vermuthet,  von  Herrn  Director  J.  Kre  jci  zuerst 
beobachtet,  und  von  mir  im  vorigen  Abschnitte  durchgeführt  wurde,  wo  nicht  zu 
begründen,  so  doch  zu  bekräftigen  und  glaubwürdig  zu  machen  vermag.  Die 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erscheinen  nach  dieser 
Erklärung  blos  als  „dislocirte“  Littener  Schichten,  aber  sie  treten  daseibst  in 
den  nordöstlichen  Colonien  „Haidinger“,  „Krejcf“  u.  s.  f.  fürwahr  in  einer  Art 
und  unter  Verhältnissen  auf,  die  jeden  Besucher  im  ersten  Augenblicke  frappiren 
muss,  und  jene  gewiss  alpine  Verwirrung  der  Schichten  nicht  ahnen  lässt, 
welche  auch  eine  Verwirrung  in  langbewährte  paläontologische  Grundsätze  zu 
bringen  drohte.  Ist  es  doch  auch  mir  eben  so  ergangen,  und  erst  nach  sorgsamer 
Untersuchung  eines  weitläufigen  Terrains  gelungen,  die  bei  den  nordöstlichen 
Colonien  herrschende  Verwirrung  zu  enträthseln,  indem  ich  für  die  von  Herrn 
Krej  ci  versuchte  Erklärung  erst  auf  weiten  Umwegen  den  jetzt,  wie  ich  glaube, 
evident  vorliegenden  Beweis  ermitteln  konnte,  dass  die  nordöstlichen  „Colo  ni  en“ 
nur  eine  Fortsetzung  der  Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten,  und 
daher  nichts  als  Ueberreste  von  durch  Störungen  der  Gebirgsschichten 
„dislocirten  Littene  r Schichten“  sind.  Eben  diese  „alpine  Verwirrung“ 
der  Lagerungsverhältnisse  bei  den  nordöstlichen  Colonien  lässt  nichts  Ueber- 
rasehendes  darin  erblicken,  dass  Herr  Barrande,  dessen  umfassenden  und  uner- 
müdlichen Forschungen  im  böhmischen  Silurbecken  doch  bisher  vorwaltend  den 
Fossilresten  und  minder,  wenigstens  nicht  in’s  Detail,  den  Lagerungsverhältnissen 
gewidmet  gewesen  sein  mochten,  diese  Lagerungsverhältnisse  zufällig  irrig  auf- 
gefasst habe.  Diese  irrige  Auffassung  der  Lagerungsverhältnisse  bei  den  „Colo- 
nien“, — vorausgesetzt,  dass  sie  als  solche  erkannt  wird,  könnte 
daher  weder  Herrn  Barrande’s  begründeten  Ruf  als  eines  der  gewiegtesten 
Naturforscher,  noch  dessen  grosse  Verdienste  um  die  Kenntniss  des  böhmischen 
Silurheckens  schmälern,  so  wenig  als  die  ersten  und  berühmtesten  Meister  in 
der  Geologie,  welche  unsere  Alpen  besuchten,  ohne  über  die  Lagerungsverhält- 
nisse derselben  vollkommen  in's  Reine  zu  kommen,  desshalb  auch  nur  im  Minde- 
sten von  ihrem  wohlverdienten  Ruhme  eingebiisst  hätten. 

Sir  R.  I.  Murebison  gibt  in  seiner  berühmten  neuesten,, Silur ia “ (1859) 
Seite  400  in  sehr  kurzen  Umrissen  die  Thatsachen  und  die  Theorie  der  „Colo- 
nien“ des  Herrn  B arrande  bekannt.  Bezüglich  der  Erklärung  der  „Colonien“ 
bemerkt  derselbe: 

„Einige  Geologen  wollen  diese  Thatsache  durch  die  Abhängigkeit  fossiler 
| Thierarten  von  eigentümlichen  Bedingungen  erklären,  indem  sie,  je  nach  den 
Veränderungen  des  Meeresbodens  erscheinen  und  verschwinden.  Der  einzige  Unter- 
schied zwischen  dieser  Ansicht  und  der  von  Herrn  B arrande  aufgestellten  liegt 
darin,  dass  er  annimmt,  seine  alte  „Colonie“  sei  aus  entfernten  Meeren  her  ein- 
! gewandert,  in  welchen  seine  dritte  oder  obere  Silurfauna  bereits  in  Blüthe  stand, 
indess,  was  mich  betrifft,  ich  sie  lieber  als  ein  unterschiedenes  und  getrenntes 
Auftreten  ähnlicher  Typen  in  demselben  Gebiete  betrachten  möchte,  so  dass 
beim  ersten  Auftreten  die  Festsetzung  auf  der  bestimmten  Stelle  gleichsam 
misslungen  sei,  beim  zweiten  aber  die  betreffenden  Formen  eine  vollständige  Ent- 
wickelung erreicht  hätten , als  später  diese  Thiere  wieder  zum  Vorschein 
kamen.“ 


S4 


M.  V.  Lipoid. 


[W] 


Da  Sir  R.  I.  Murchison  keine  neue  Begründung  der  „Colonien“  gibt, 
sondern  nur  die  von  Herrn  Bar  ran  de  initgetheilten  Thatsachen  und  Gründe 
verzeichnet,  so  genügt  es,  auf  das  hinzuweisen,  was  ich  gegen  Herrn  Barrande's 
Theorie  im  Vorhergehenden  erörtert  habe. 


Es  erübrigt  mir  noch,  Einiges  über  dasjenige  zu  bemerken,  was  Herr  Pro- 
fessor Eduard  Suess  in  seiner  Abhandlung  „Wohnsitze  der  Brachiopoden“ 
über  die  „Colonien“  des  Herrn  Bar  ran  de  mittheilt.  Diese  Mittheilung  ist  älteren 
Nachrichten  des  Herrn  Barrande  über  die  „Colonien“  entnommen,  und  enthält 
daher  einige  wesentliche  Irrthümer,  welche  Herr  Barrand e selbst  in  seiner 
neuesten  Schrift  über  die  „Colonien“  berichtigte.  Dahin  gehören  die  Thatsachen: 
dass  die  Einlagerung  der  „Colonien“  nicht  blos  in  „den  sehr  glimmerrei- 
chen Schiefern  </4“,  sondern  an  der  ganzen  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens in  den  graugelblichen  Schiefern  d 5 Statt  findet, 

dass  die  „Colonien“  nicht  blos  aus  „Schiefern  mit  Kalksphäroiden“,  sondern 
auch  aus  Grünsteinen  bestehen,  und 

dass  die  Colonien  nicht  „vier  eigen thümliche“  Arten  von  Thierresten 
umschliessen,  sondern  gar  keine  eigentümlichen  Species  besitzen. 

Auch  ist  es,  um  Missverständnissen  vorzubeugen,  wesentlich,  zu  bemerken, 
dass  die  „vier  mit  der  Stufe  D übereinstimmenden  Arten*  sämmtlich 
der  „Colonie  Zippe“  an  der  Nordseite  des  Beckens  entnommen  sind,  und  dass  die 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  Beckens  bisher  keine  Mengung  der  zweiten 
mit  der  dritten  Fauna  zeigten. 

Nach  dieser  kurzen  Berichtigung  will  ich  die  höchst  interessanten  Resultate 
und  Schlüsse  anführen,  zu  denen  Herr  Professor  E.  Suess  durch  seine  scharf- 
sinnigen Studien  über  die  Wohnsitze  der  Brachiopoden  rücksichtlich  d er 
„Colonien“  gelangt  ist.  Herr  Suess  setzt  als  feststehend  voraus,  dass 
„Wesen  der  dritten  (obersilurischen)  Fauna  bereits  existirten,  bevor  die  zweite 
(die  untersilurische)  Bevölkerung  vernichtet  war“,  — er  sucht  darzuthun,  dass 
in  der  Etage  D „der  litorale  oder  sublitorale  Charakter“  vorherrsche, 
während  „die  Brachiopoden  der  Colonien  und  jene  der  Stufe  E die  Kennzeichen 
einer  Bevölkerung  tieferer  Meeresstrecken  an  sichtragen“,  — und  er  zieht 
hieraus  den  Schluss,  „dass  die  Colonien  nicht  durch  Einwanderung  aus  früher 
abgetrennten  Meeresbecken,  sondern  lediglich  durch  Senkungen  des  Bodens 
entstanden  seien,“  und  daher  blos  „Einschiebungen  von  Bildungen  einer  tieferen 
Meereszone  in  solche  einer  seichteren  Zoneff  vorstellen. 

Gewiss  ist  dies  eine  sehr  natürliche  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colo- 
nien“, obschon  auch  der  Erklärung  des  Herrn  Professor  Suess  dieselben  Beden- 
ken, welche  ich  bereits  der  Theorie  Herrn  Barrande’s  entgegenstellte,  und  zwar, 
ich  möchte  sagen,  in  noch  stärkerem  Masse  entgegentreten,  die  Bedenken  nämlich, 
die  aus  den  Thatsachen  entspringen,  dass  die  „Colonien“  an  der  Südseite  des 
Silurbeckens  nicht  tief  in  das  Gebirge  eingreifen,  sondern  -sich  nach  dem  Ver- 
flachen aus  keilen,  und  dass  daselbst  die  Colonien  bisher  eine  Beimischung 
von  Species  der  untersilurischen  (zweiten)  Fauna,  die  doch,  wie  schon  Herr 
E.  Forb.es  gewiss  mit  Recht  bemerkte,  vorausgesetzt  werden  müsse,  nicht  nacli- 
weisen  Hessen. 

Uebrigens  geht  auch  Herr  Professor  Suess,  wie  es  aus  seinen  Mittheilungen 
hervorgeht,  von  der  Annahme  aus,  dass  die  Thatsache,  die  Colonien  bilden 
con.cor dante  Zwischenlage  rungen  in  den  untersil  uri sehen  S chich- 

4)  Sitzungsberichte  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  XXXIX.  Band,  1860. 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


55 


[öS] 

ten,  als  erwiesen  vorliege.  Da  ich  oben  den  Nachweis  geliefert  habe,  dass  diese 
Thatsache  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  nicht  feststehe,  viel- 
mehr das  Gegentheil  davon  beobachtet  werde,  so  verlieren  auch  die  rücksicht- 
lich der  böhmischen  Colonien  angeführten  Schlüsse  des  Herrn  S uess,  so 
wahr  sie  widrigenfalls  wären,  meines  Erachtens  ihre  Berechtigung. 


C,  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens. 

In  seinem  Schreiben  vom  November  1859  4)  an  Herrn  Hofrath  Haidinger 
erklärt  Herr  Professor  E.  Suess,  nachdem  er  die  an  der  Nordseite  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  in  der  „Bruska“  in  Prag  befindliche  „Colonie  Zippe“  bespro- 
chen hatte,  Folgendes: 

„Durch  den  Nachweis,  dass  man  es  an  einer  Stelle,  nämlich  an  der 
Bruska,  sicher  mit  einer  ursprünglichen  Einlagerung,  einer  Colonie,  und 
nicht  mit  einer  Schichtenstörung  zu  thun  habe,  ist  wohl  die  Frage  auch  für  die 
anderen  Punkte  gelöst,“  — das  ist,  für  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Silur- 
beckens. 

Ich  weiss  nicht,  ob  man  mir  es  gestatten  wird,  mich  der  gleichen  Schluss- 
folgerung in  nachstehender  Art  zu  bedienen : 

Durch  den  Nachweis,  dass  man  es  an  der  Südseite  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  sicher  mit  keinen  ursp  rü  n gl  i dien  Einlage- 
rungen, mit  keinen  Colonien,  sondern  mit  Schichtenstörungen  zu 
thun  habe,  ist  wohl  die  Frage  auch  für  die  an  deren  Punkte — an 
der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  — gelöst. 

Obschon  dieser  Schluss  sehr  viel  Wahres  an  sich  hat,  so  zweifle  ich  doch, 
dass  man  mir  ihn  ohne  Weiteres  wird  gelten  lassen.  So  viel  wird  man  jedoch 
zugeben,  dass,  sobald  man  die  colonialen  Erscheinungen  an  der  Südseite  des 
böhmischen  Silurbeckens  als  blosse  Folgen  von  Schichtenstörungen  anerkennt, 
man  auch  die  Vermuthung  nicht  ausschliessen  kann,  dass  die  colonialen 
Erscheinungen  an  der  Nordseite  desselben  Beckens  gleichfalls  in  Dislocationen 
ihren  Ursprung  haben.  Diese  begründete  Vermuthung  könnte  nur  dadurch 
geschwächt  und  beseitiget  werden,  wenn  man  durch  offenbar  und  klar  vorliegende 
T h a t s a c h e n , aus  vollkommen  ungestörten  und  c o n c o r d a n t e n Lage- 
rungsverhältnissen den  unumstösslichen  Nachweis  liefern  würde,  dass  die  Colonien 
an  der  Nordseite  des  Beckens  unzweifelhaft  ursprüngliche  Einlagerungen 
zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden. 

Dieser  Nachweis  liegt  jedoch  meines  Erachtens  nicht  vor. 

Von  den  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  auftretenden 
Colonien  sind  uns  durch  Herrn  Barrande’s  Schriften  die  Colonien  „Motol“  und 
„Zippe“  bekannt  geworden.  Nur  die  „Colonie  Zippe“  hat  Herr  Bar  ra  n de  in 
seiner  neuesten  Abhandlung  über  die  Colonien  {Bull.  a.  a.  0.  Seite  609) 
einer  eingehenden  Erörterung  unterzogen. 

Die  „Colonie  Zippe“  bietet  nun  allerdings  im  Vergleiche  mit  den  Colo- 
nien an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  mehrere  höchst  wichtige 
Eigenthümlichkeiten  dar. 

Unter  diese  Eigenthümlichkeiten  gehört  vor  Allem  der  Umstand,  dass  sie  — 
nicht  sichtbar,  und  jeder  Untersuchung  unzugänglich  ist.  Ihre  Ent- 


9 Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  X.  Jahrgang,  Seite  481. 


56 


M.  V.  Lipoid. 


r««] 


deckung  datirt  aus  dem  Jahre  1830,  als  innerhalb  der  Mauern  Prag's,  und  zwar 
am  linken  Moldau-Ufer  zwischen  der  „Kleinseite“  und  dem  „Belvedere“  an  der 
sogenannten  „Bruska“  nach  einem  Hohlwege  eine  neue  Strasse  angelegt,  und 
hiebei  zwischen  Grauwackenschiefern  und  Grauwacken  eine  versteinerungsreiche 
Kalksteinschichte  entblösst  wurde.  Herr  Professor  Zippe,  damals  in  Prag,  hie- 
von in  Kenntniss  gesetzt,  verfügte  sich  an  Ort  und  Stelle,  und  veranlasste  eine 
Aufsammlung  der  Kalksteinstücke,  die  im  Museum  aufbewahrt  wurden,  und  spä- 
ter zum  Theil  in  Besitz  des  Herrn  Barrande  kamen.  Die  Stelle,  wo  diese 
Kalksteinschichte  aufgedeckt  worden  ist,  wurde  sodann  zugemacht,  durch  Scarp- 
mauern  verdeckt  und  auch  die  Gehänge  mit  Rasen  und  Gesträuchen  bekleidet, 
so  dass  seit  dem  Jahre  1830  die  Gesteinsschichten  an  der  bet  ref- 
fen den  Stelle  nicht  mehr  sichtbar  sind,  und  daher  auch  die  Lagerungs- 
verhältnisse nur  damals  von  Herrn  Professor  Zippe,  und  seit  der  Zeit  von 
Niemandem  untersucht  und  beobachtet  wurden. 

Herr  Professor  Zippe  erklärt  nun,  „dass  er  den  Durchschnitt  der 
erwähnten  Kalkstein  schichte  gesehen,  und  die  bestimmteUeber- 
zeugung  von  ihrer  Zwischen  lagerung  habe“,  — und  weiset  die  Idee 
zurück,  dass  „in  diese  Local  ität  Kalkstein  blocke  durch  eineDisIo- 
c ati  on  gelan  gt  seien“. 

Die  eben  erwähnte  Kalksteinschichte  wird  nun  als  „Colonie  Zippe“  bezeich- 
net, und  hierin  liegt  nach  Herrn  Barrande  eine  zweite  Eigenthümlich- 
keit  dieser  Colonie,  dass  sie  nämlich  nur  aus  einer  nach  der  Angabe  nicht 
einmal  einen  Fuss  mächtigen  Schichte  von  Kalkstein  besteht,  während  die 
Colonien  der  Südseite  des  Beckens  vorwaltend  aus  Grünsteinen  und  Graptolithen- 
schiefern,  zum  Tlieile  mit  Kalksphäroiden  zusammengesetzt  sind.  Ob  die  erwähnte 
Kalksteinschichte  unmittelbar  nicht  auch  von  „Graptolith e nschi efern“  um- 
gebenist, muss  ich  als  zweifelhaft  hinstellen.  Im  Jahre  1830,  als  Herr  Profes- 
sor Zippe  die  Localität  besichtigte,  unterschied  man  im  böhmischen  Silurbecken 
nur  „Grauwackenschiefer,“  „Grauwackensandsteine,“  „Grauwacken“  u.  s.  f.  Erst 
später,  als  die  Localität  nicht  mehr  zugänglich  war,  sonderte  Herr  Barrande 
die  „Grauwackenschiefer,“  „Grauwacken“  u.  s.  f.  nach  paläoutologischen  Merk- 
malen in  Etagen  und  Abtheilungen,  und  somit  konnte  Herr  Zippe  im  Jahre  1830 
auch  nicht  darauf  seine  Aufmerksamkeit  richten,  ob  die  die  Kalksteinschichte 
umgebenden  Schiefer  Herrn  Barrande’s  „sehr  glimmerreiche  Schiefer  ö?4,“ 
oder  „graugelbliche  Schiefer  rf5,“  oder  „Graptolithenschiefer  der  Etagel?“  seien; 
ihm  waren  alle  diese  Schiefer  dazumal  eben  nur  „Grauwackenschiefer“.  Man  wird 
mir  daher  mindestens  die  Möglichkeit  zugestehen,  dass  die  „Grauwacken- 
schiefer,“ welche  die  Kalksteinschichte  zunächst  begrenzen,  wohl  auch 
„Graptolithenschiefer“  sein  können. 

Herr  Barrande  gibt  auf  Grundlage  der  Aussagen  des  Herrn  Professors 
Zippe  seine,  wie  es  scheint  etwas  erweiterte,  nicht  auf  eigener  Anschauung 
beruhende  Beschreibung  der  Colonie  Zippe  dahin  ab,  „dass  eine  Kalksteinschichte 
von  ungefähr  25  Centimeter  von  Schiefern  und  Quarziten  in  concordanter 
Lagerung  eingeschlossen  ist,  und  mit  denselben  mit  einer  vollkommenen 
Regelmässigkeit  wechs  ellagert“.  Diese  Schiefer  und  Quarzite  gehören 
nach  Herrn  Barrande’s  Angaben  seinen  „sehr  glimmerreichen  Schiefern“  aus 
der  Abtheilung  d 4 seiner  untersilurischen  Etage  D , das  ist,  den  „Zahoraner 
Schichten“  an.  Ich  habe  oben  die  Möglichkeit  nachgewiesen,  dass  die  „Colonie“ 
selbst  nebst  Kalksteinen  auch  Graptolithenschiefer  führe,  daher  die  die  Kalk- 
steinschichten zunächst  umgebenden  Schiefer  nicht  gerade  nothwendig  „sehr 
glimmerreiche  Schiefer  dk “ sein  müssen.  Doch  stehen  in  der  Umgebung  der 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[57] 


57 


„Bruska44  mit  Sicherheit  die  Zahoraner  Schichten  an,  so  dass  es  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  angenommen  werden  kann,  — obwohl  auch  der  Beweis 
hiefür  nicht  vorliegt,  — dass  die  Gesteine,  welche  die  wie  immer  geartete 
„Colonie44  im  Weiteren  begrenzen,  den  „Zahoraner  Schichten44  angehören.  In 
dem  Umstande  nun,  dass  die  „Colonie  Zippe44  nicht  innerhalb  der  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  ( d 5),  wie  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens, 
sondern  höchst  wahrscheinlich  in  den  nächsttieferen  Zahoraner  Schichten  (ö?4) 
auftritt,  finden  wir  eine  dritte  Eigentümlichkeit  dieser  Colonie. 

Eine  vierte  und  wohl  die  wichtigste  Eigenthümlichkeit  der  „Colonie 
Zippe44  ist  es  endlich,  dass,  während  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens 
nur  Fossilien  der  dritten  Fauna  des  Herrn  Barrande  enthalten,  die  genannte 
Colonie  eine  Mengung  der  dritten  (obersilurischen)  mit  der  zweiten  (unter- 
silurischen)  Fauna  darbietet.  Herr  Barrande  belehrt  uns  nämlich,  dass  er  aus 
den  wenigen  Kalksteinstücken,  welche  ihm  von  der  „Colonie  Zippe44  zugekommen 
sind,  17  Species  von  Thieren  gewonnen  und  bestimmt  habe,  darunter  4 Spe- 
cies  Trilobiten,  welche  für  die  zweite  Fauna  charakteristisch  und  in  den 
obersilurischen  Ablagerungen  nie  beobachtet  worden  sind,  und  13  Species, 
theils  Trilobiten,  theils  Brachiopoden,  welche  für  die  dritte  Faun a 
charakteristisch  sind.  Ich  füge  nur  noch  bei,  dass  ebenfalls  Herr  Barrande 
uns  mittheilt,  dass  die  erwähnten  4 Trilobiten  der  zweiten  Fauna  zu  den  ver- 
breitetsten Formen  in  verschiedenen  Abtheilungen  der  Etage  D gehören,  und 
sämmtlich  nicht  nur  in  der  Abtheilung  d'*,  sondern  auch  in  d er  0 b er ste n 
Abtheilung  db  vorgefunden  werden;  — und  eben  so,  dass  auch  die  ober- 
wähnten 13  Species  der  dritten  Fauna,  mit  Ausnahme  von  zweien,  unter  die 
Zahl  derjenigen  gehören,  welche  sich  am  gewöhnlichsten  in  der  Etage  E 
vorfinden. 

Ungeachtet  nun  Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  631)  erklärt,  dass  „die 
Colonie  Zippe,  aus  einer  einzigen  Kaiklinse  von  23  Centimeter  Mächtigkeit  beste- 
hend, und  regelmässig  zwischen  Schiefer-  und  Quarzitschichten,  deren 
Lagerung  keine  Störung  erfahren  hat,  zwischengelagert,  siegreich 
den  Bemühungen  der  ganzen  wissenschaftlichen  Welt  Trotz  bietet,  die  es  ver- 
suchen würde,  die  Gegenwart  dieser  Kalksteinschichte  durch  eine  Dislocation 
* zu  erklären;44  — ungeachtet  ich  gewohnt  bin,  solchen  kategorischen  Aussprüchen 
berühmter  Autoy  täten,  in  deren  Reihe  sonder  Zweifel  auch  Herr  Barrande 
gehört,  Rechnung  zu  tragen;  — ungeachtet  dessen  scheue  ich  es  nicht,  meiner 
Ueberzeugung  einen  bescheidenen  Ausdruck  zu  geben  mit  der  Behauptung: 

a)  dass  der  erforderliche  überzeugen  de  Nachweis,  die  „Co- 
lonie Zippe44  seieeineurspriingliche  und  concordanteEinlagerung 
in  den  Zahoraner  Schichten,  nicht  vor  liege,  — und 

b ) dass  auch  bei  dieser  Colonie  nicht  nurdieVermuthung, 
sondern  sogar  die  Wahrscheinlichkeit  für  eine  blosse  Schichten- 
störung spricht. 

Ad  a.  Welcher  Beweis  über  die  concordante,  regelmässige  und  allseits 
ungestörte  Einlagerung  der  „Colonie  Zippe44  in  den  Zahoraner  Schichten  liegt 
uns  vor?  — - Es  ist  einzig  und  allein  die  Aussage  des  Herrn  Professors  Zippe, 
welcher  im  Jahre  1830  die  seitdem  unsichtbare  Colonie  gesehen  hatte,  und  nun 
erklärt,  dass  daselbst  „eine  Z wischenlagerung44  Statt  finde.  — Ist  diese 
Aussage  genügend,  um  die  beruhigende  Ueberzeugung  von  der  vollkom- 
men ungestörten  Einlagerung  der  Colonie  in  den  Zahoraner  Schichten  zu 
begründen?  — Ich  meinestheils  muss  diese  Frage  mit  „Nein44  beantworten. 
Ich  könnte  diese  Ueberzeugung  nur  dann  gewinnen,  und  den  erforderlichen 

8 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


58 


M.  V.  Lipoid. 


[58] 


Beweis  nur  dann  als  genügend  betrachten,  wenn  genau  und  verlässlich 
angeführt  und  constatirt  wäre,  welches  Streichen  die  coloniale  Kalkstein- 
schichte einerseits,  und  die  Lieg en dschichten  sowohl  als  die  Ha  ngend- 
sehichten  derselben  andererseits  besitzen,  so  wie  welches  die  Ri  cht  u n g und 
der  Winkel  des  Ein fal lens  jeder  dieser  drei  Schichtengruppen,  einzeln 
genommen,  sei,  — und  wenn  es  sich  hiebei  zeigen  würde,  dass  nicht 
nur  das  Streichen,  sondern  auch  die  Richturig  und  besonders  der 
Winkel  des  Einfalle  ns  der  Kalkstein  schichte  und  der  Liegend- 
und  Hangendschichten  vollkommen  identisch,  und  auch  nichtum 
einen  Grad  von  einander  abweichend  ist.  Diese  Forderung  zu  stellen 
halte  ich  für  vollkommen  berechtigt,  wenn  man  auf  concordante  Lage- 
rungsverhältnisse gestützt  eine  weitreichende  neue  Theorie  begründen 
will. 

Mir  ist  es  nun  durch  Herrn  Professor  Zippe  selbst  mündlich  bekannt  gewor- 
den, dass  derselbe  eine  solche  genaue  Erhebung  des  Streichens  und  Verflä- 
chens  sämmtlicher  drei  Schichtengruppen  nicht  vorgenommen  habe.  Ich  finde 
es  auch  natürlich,  dass  sich  der  gelehrte  Herr  Professor  im  Jahre  1830,  wo  er  noch 
keine  Ahnung  davon  haben  konnte,  von  welcher  Wichtigkeit  die  genaue  Erhebung 
der  Lagerungsverhältnisse  einstens  sein  würde,  nicht  in  jene  sub  ti  I e Un  ter- 
suchung  der  Lagerungsverhältnisse  einliess,  die  bei  so  wichtigen  Fragen,  wie 
jene  der  Colonien,  absolut  nothwendig  ist.  Ich  begreife  es  sehr  wohl,  dass 
Herr  Professor  Zippe  sich  damit  begnügte,  von  dem  Vorhandensein  der  petre- 
factenreichen  Kalksteinschichte  in  der  Bruska  an  Ort  und  Stelle  sich  persönlich 
zu  überzeugen,  und  hiebei  mit  dem  allgemeinen  Eindrücke,  dass  die  Kalkstein- 
schichte in  den  umgebenden  Schiefern  eine  „Ein-  oder  Z wischen! agerung“ 
bilde,  sich  zufrieden  stellte,  — ohne  sich  erst  mit  einer  minutiösen  detail- 
lirten  und  abgesonderten  Messung  des  Streichens  und  des  Einfallswinkels 
der  Kalksteinschichte  und  ihrer  Hangend-  und  Liegendschichten  zu  befassen, 
und  ohne  die  die  Kalksteinschichte  zunächst  begrenzenden  „Grauwackenschie- 
fer“, die  ihm  im  Vergleiche  zum  petrefactenreichen  Kalksteine  offenbar  wenig 
interessiren  mochten,  einer  eingehenden  Prüfung  und  Untersuchung  zu 
unterziehen,  — Beweis  dessen,  dass  von  diesen  „Grauwackenschiefern“  nichts 
gesammelt  wurde,  und  auch  nichts  in  den  Museen  vorfindig  ist. 

Nun  gebeich  recht  gerne  zu,  dass  die  ofterwähnte  Kalksteinschichte  in  derBruska 
nach  dem  gewöhnlichen  Sprachgebr auche  des  Wortes  eine  „Ein- 
oder Z wischenlagerung“  bilde,  denn  viele  Geologen  pflegen  dieses  Wort 
nicht  so  stricte  wie  die  Bergleute  anzuwenden  und  überhaupt  Gesteinsschichten, 
die  zwischen  anderen  liegen,  ohne  Rücksicht  darauf,  wie  sie  darin 
liegen,  selbst  dann,  wenn  sie  blos  als  „eingekeilt“  erscheinen,  als  „ein-  oder 
z wischengelagert“  zu  bezeichnen.  Bei  der  „Colonie  Zippe“  handelt  es  sich 
aber  nicht  blos  darum,  dass  daselbst  eine  „Ein-  oder  Zwischenlagerung“ 
im  Allgemeinen  Statt  habe,  sondern  es  handelt  sich  hauptsächlich  darum,  wie 
diese  Zwischenlagerung  beschaffen  sei?  ob  sie  in  der  That  eine  durch 
genaue  Messungen  als  vollkommen  concordant  bestimmte  sei  oder  nicht? 
Der  Begriff  einer  „Ein-  oder  Zwischenlagerung“  wird  von  manchen  Geo- 
logen etwas  zu  weit  ausgedehnt  und  hierauf  von  Anderen  falsch  interpretirt. 
Hat  doch  Herr  Barrande  selbst  die  „Colonie  Haidinger“,  welche  sehr  leicht 
zugänglich  und  prachtvoll  entblösst  ist,  und  welche  derselbe  gewiss  mit  dem 
vollen  Bewusstsein  der  Wichtigkeit  des  Zweckes,  den  er  dabei  verfolgte,  unter- 
sucht haben  wird,  als  eine  „concordante  Ein-  und  Zwischenlagerung“ 
zwischen  den  untersilurischen  Schichten  erklärt,  während  meine  mit  dem  Compass 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[39] 


59 


und  dem  Winkelmesser  vorgenommenen  Untersuchungen  nicht  nur  Abweichungen 
im  Streichen,  sondern  besonders  höchst  bedeutende  Abweichungen  im  Ein- 
fallen der  Hangend-  und  Liegendschichten  der  Colonie  nachwiesen  und  dadurch 
den  Beweis  lieferten,  dass  die  „Zwischenlagerung“,  wenn  man  sie  so  nennen 
will,  eine  „Einkeilung“  der  colonialen  Schichten  involvire.  Um  so  weniger  kann 
ich  in  der  Erklärung  des  Herrn  Professors  Zippe,  dass  die  nach  ihm  benannte 
„Colonie“  an  der  Bruska,  welche  derselbe  vor  30  Jahren  ohne  Ahnung  ihrer 
einstigen  Wichtigkeit  und  daher  ohne  Vornahme  detaillirter  Messungen 
besichtigte,  eine  „Zwischenlagerung“  bilde,  den  Beweis  finden,  dass  diese 
„Zwischenlagerung“  desshalb  auch  schon  eine  „regelmässige,  con- 
cordante“  und  „ursprüngliche“  sei;  der  gelehrte  Herr  Professor  selbst 
sprach  vielmehr  mündlich  gegen  mich  die  Ansicht  aus,  dass  sich  die  betreffende 
Kalksteinschichte  „aus keilen“  dürfte,  da  sie  an  dem  gegenüberliegenden  Ge- 
hänge des  Hohlweges  nicht  mehr  vorzufinden  war.  Ich  glaube  daher,  dass  die 
Herren  Barr  an  de  und  Suess  etwas  zu  weit  gehen,  wenn  sie  die  vom  Herrn 
Professor  Zippe  ausgesprochene  „Zwischenlagerung“ , ohne  weiteres  als 
„regelmässig“,  „concordant“und  „ursprünglich“  bezeichnen,  diese  Eigenschaften 
als  erwiesen  annehmen  und  darauf  Theorien  hauen.  Wenn  ich  m eines- 
teils nach  dem  Vorangeführten  den  überzeugenden  Beweis  davon,  dass 
die  „Colonie  Zippe“  eine  ursprüngliche  und  eine  concordante 
Einlagerung  in  den  Zahoraner  Schichten  bilde“,  nicht  vorliegend 
finde,  so  will  ich  dadurch  keineswegs  den  allbekannten  umfassenden  und  gedie- 
genen Forschungen  des  hochverdienten  Herrn  Professors  Zippe  im  Gebiete  der 
Geologie  Böhmens  nahe  treten.  Ich  war  bemüssigt,  um  die  Behauptung  von 
„Th  at Sachen“  auf  ihr  richtiges  Mass  zurückzuführen,  die  Resultate  seiner 
Erhebungen  in  der  Bruska  einer  Analyse  zu  unterziehen,  und  ich  bin  überzeugt, 
dass  der  hochgelehrte  Herr  Professor  mir  diese  Analyse  zu  Gute  halten  wird, 
sobald  er  die  Wichtigkeit  und  Tragweite  derselben  in  Berücksichtigung  zieht. 

ad  b).  Nicht  nur,  dass  die  Thatsache,  die  „Colonie  Zippe“  sei 
ursprünglich  und  concor dant  den  Zahoraner  Schichten  zwischengelagert, 
nicht  erwiesen  ist,  muss  ich  vielmehr  gegen  den  Bestand  derselben  gegründete 
Zweifel  erheben,  wozu  mich  die  nachstehenden  thatsächlichen  Umstände  bestim- 
men. 

Untersucht  man  die  Lagerungsverhältnisse  der  Gesteinsschichten,  in  so  weit 
sie  in  der  Umgebung  der  Bruska  an  Entblössungen  beobachtet  werden 
können,  so  zeigt  sich  nichts  weniger  als  eine  nur  einigermassen  anhaltende 
Regelmässigkeit  in  der  Lagerung,  vielmehr  bemerkt  man  allenthalben  mehr  oder 
minder  aufgerichtete  Schichten,  verschiedene  Streichungsrichtungen  und  Ein- 
fallswinkel und  Störungen  der  Schichten  jeder  Art.  Ich  berufe  mich  hier  auf 
das,  was  ich  bereits  im  zweiten  Abschnitte  über  die  Lagerungsverhältnisse  am 
Fusse  des  Belvederehügels,  an  dessen  Gehänge  die  Localität 
Bruska  liegt,  gesagt  habe,  wo  sich  Jedermann  von  den  gewaltigen  Störun- 
gen überzeugen  kann,  welche  die  untersilurischen  Schichten  daselbst  und  somit 
in  der  nächsten  Nähe  der  „Colonie  Zippe“  erlitten  haben.  Sollte  nun 
gerade  die  leider  nicht  sichtbare  Partie  der  untersilurischen  Schichten, 
welche  die  „Colonie  Zippe“  einschliesst,  sich  einer  vollkommen  ungestör- 
ten Lagerung  erfreuen?  Liegt  nicht  vielmehr  die  Vermuthung,  ja  die  grösste 
Wahrscheinlichkeit  sehr  nahe,  dass  auch  die  eben  genannten  Schichten  bei  der 
„Colonie  Zippe“  an  den  allgemeinen  Dislocationen  der  Schichten  in  der  näch- 
sten Umgebung  Antheil  genommen  haben  und  somit  auch  bei  der  „Colonie 
Zippe“  selbst  irgend  welche  Störungen  in  der  Lagerung  vorhanden  sind? 

8 * 


60 


M.  V.  Lipoid. 


[60] 


Gehen  wir  weiter  und  untersuchen  wir  im  Allgemeinen  an  der  Nord- 
seite des  böhmischen  Silurbeckens  die  Lagerungsverhältnisse  der  untersilu- 
rischen  Schichten,  so  belehrt  uns  ein  Blick  auf  die  geologische  Karte  dieses 
Terrains,  dass  sich  aus  der  Gegend  von  Beraun  über  Nueie  gegen  Motol  ein  Zug 
von  Brda-Schichten  (Bar.  d2)  mitten  zwischen  jüngeren  untersilurischen  Schich- 
ten kenntlich  macht.  Dieser  von  Südwest  nach  Nordost  streichende  Zug  von 
Brda-Schichten,  dessen  verlängerte  weitere  nordöstliche  Fort- 
setzung gerade  über  die  Stadt  Prag  läuft,  aber  wegen  der  zwischen 
Motol  und  Prag  befindlichen  Kreideablagerungen  daselbst  nicht  zu  Tag 
tritt,  deutet  auf  eine  grossartige  Hebungsspalte  hin,  in  Folge  welcher  die  tieferen 
untersilurischen  Schichten  zwischen  den  höheren  an  Tag  kamen.  Wir  finden 
daher  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  in  den  untersilurischen 
Schichten  ähnliche,  ja  sogar  nach  ihrem  Streichen  parallele  Hebungsspalten, 
wie  wir  solche  an  der  Südseite  desselben  Beckens  in  den  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  nachgewiesen  haben.  Dass  eine  solche  Hebungsspalte  von 
sehr  bedeutenden  Dislocationen  der  Schichten  umgeben  sein  müsse,  lässt  sich 
wohl  voraussetzen  und  Herr  Barrande  selbst  weiset  darauf  hin,  wenn  er  (a.  a. 
0.  Seite  610)  sagt:  „die  senkrechte  Entfernung,  welche  diese  Colonie“  d.  i.  die 
Colonie  Zippe“  von  der  Basis  unserer  oberen  Abtheilung  trennt,  kann  nicht 
genau  gemessen  werden,  aus  Ursache  von  Dislocationen,  welche  das 
Terrain  erlitten  hat“.  Ist  es  nun  nicht  möglich  oder  sogar  wahrscheinlich,  dass 
diese  ähnliche  und  parallele  Hebung  der  untersilurischen  Schichten  an  der  Nord- 
seite des  Beckens  ähnliche  coloniale  Erscheinungen  im  Gefolge  habe,  wie  sie 
die  Hebungslinien  an  der  Südseite  des  Beckens  begleiten?  Ist.es  nicht  möglich 
und  sogar  wahrscheinlich,  dass  die  „Colonie  Zippe“,  welche  sicherlich  in  der 
Nähe,  wo  nicht  inmitten  der  obberiihrten  nördlichen  Hebungsspalte  liegt,  am 
Nordrande  eine  ähnliche  Erscheinung  sei,  wie  es  die  bereits  beschriebenen 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  sind? 

Die  eben  ausgesprochene  Wahrscheinlichkeit  tritt  noch  mehr  und  besonders  ^ 
stark  hervor,  wenn  man  die  von  Herrn  Barrande  in  seinem  „ Systeme  silurien “ 
angeführte,  jedoch  in  seiner  neuesten  Schrift  über  die  „Colonien“  nicht  berück- 
sichtigte „Colonie  Motol“  in  Betrachtung  und  in  Berücksichtigung  zieht. 

Die  „Colonie  Motol“  befindet  sich  ebenfalls  an  der  Nordseite  des  böhmischen 
Silurbeckens,  ungefähr  i/2  Meile  südwestlich  von  Prag  nächst  des  Dorfes  Motol. 
Sie  besteht  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  mit  Kalksphäroiden  und 
Kalkzwischenlagerungen,  somit  aus  Littener  Schichten,  welche  einen 
ungefähr  2000  Klafter  langen  von  Süd  west  nach  Nordost  streichenden  isolirten 
Zug  mitten  zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden.  Ich  habe 
rücksichtlich  der  Lagerungsverhältnisse  der  „Colonie  Motol“  Folgendes  erhoben. 

Die  die  Colonie  bildenden  Grünsteine  sind  sehr  mächtig  entwickelt  und 
stehen  in  Motol  selbst  in  steilen  Felswänden  an.  An  deren  Nordseite  findet 
man  oberhalb  des  letzten  westlichen  Hauses  von  Motol  Graptolithenschiefer 
angelagert,  die  bis  oberhalb  des  Beranka-Wirthshauses  in  westlicher  Bichtung 
verfolgt  werden  können.  Die  unmittelbare  nördliche  Begrenzung  der  Grap- 
tolithenschiefer ist  nicht  sichtbar,  dagegen  findet  man  nördlich  von  dem  mit 
Graptolithenschiefern  überlagerten  Grünsteinfelsen  nächst  des  erwähnten  letzten 
Hauses  von  Motol  in  einem  kleinen  Wassereinrisse  ausserordentlich  zerklüftete, 
zum  Theil  steil  aufgerichtete,  meist  verworren  gelagerte  Schiefer  der  Zahoraner 
oder  vielleicht  Königshofer  Schichten,  die  sich  höher  und  nördlicher  flacher 
lagern  und  am  höchsten  Punkte  der  Entblössung  von  Grünsteinen  bedeckt  zu  sein 
scheinen.  Jedenfalls  deutet  die  Art  der  Lagerungsverhältnisse  dieser  Schiefer 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


61 


[61] 

auf  eine  gewaltsame  Hebung  und  Schichtenstörung  hin.  Nordöstlich  von  diesem 
Punkte,  und  nördlich  von  dem  Motoler  herrschaftlichen  Maierhofe  und 
somit  nördlich  von  der  Colonie  in  einer  Entfernung  von  ungefähr  200  Klaftern 
von  der  letztem  und  durch  bebaute  Felder  von  derselben  getrennt,  erhebt  sich  ein 
kleiner  Hügel,  an  dem  Brd  a -S  chichten  (Bar.  d2)  anstehen,  welche  einStreichen 
nach  Stunde  5 (0. 15°N.)  und  ein  Verflachen  mit  30  Graden  nach  Süden  besitzen. 
Eine  vollkommen  deutliche  Lagerung  der  Littener  Schichten  der  Colonie  zeigt 
sich  in  dem  Hohlwege,  der  ein  paar  hundert  Klafter  östlich  von  dem  erwähnten 
Maierhofe  in  nordöstlicher  Richtung  von  der  Poststrasse  ablenkt.  Man  sieht 
dsfselbst  unmittelbar  den  Grünsteinen  aufgelagert  die  Graptolithenschiefer  der 
Littener  Schichten  mit  Kalksphäroiden  und  Kalkzwischenlagen  nach  Stunde  3 
(N.  0.)  streichen,  und  unter  20  Graden  nach  Nordwesten  einfallen.  Nördlich 
davon  sind  Entblössungen  von  Quarziten  sichtbar,  die  flach  zu  liegen  scheinen. 
Endlich  stehen  östlich  von  der  bezeichneten  Stelle  und  östlich  vom  Dorfe  Motol 
an  der  Poststrasse  selbst  durch  grosse  Steinbrüche  entblösst  wieder  Quarzite  der 
Brda-Schichten  an,  welche  nach  Stunde  2 — 4 (N.  30°  0.  — 0.  30°  N.)  streichen 
und  mit  30  — 60  Grad,  überhaupt  sehr  steil,  nach  Südosten  einfallen.  Diese 
Quarzite  befinden  sich  bereits  südlich  von  dem  Zuge  der  Motoler  Colonie. 

Wir  finden  demnach  bei  Motol  die  colonialen  Schichten  nach  Nord- 
westen, und  — wenn  auch  nicht  in  unmittelbarer  Berührung  — sowohl  im 
Norden  als  im  Süden  von  der  Colonie  die  Brda-Schichten  nach  Südwesten,  respec- 
tive  nach  Süden,  einfallen,  und  überdies  zwischen  der  Colonie  und  den  nörd- 
lichen Brda-Schichten  die  Zahoraner  oder  Königshofer  Schichten  in  einer  offenbar 
gestörten  Lagerung.  Von  einer  concordanten  Zwischenlagerung,  über- 
haupt von  einer  regelmässigenEinlagerung  der  „Colonie  Motol“  zwischen 
den  untersilurischen  Schichten  kann  demnach  keine  Rede  sein,  diediscordante 
Lagerung  der  Littener  Schichten  der  Colonie  liefert  vielmehr  den  sicheren 
Beweis,  dass  dieselben  in  Folge  einer  Dislocation,  und  zwar  höchst  wahrschein- 
lich auch  in  F olge  einer  Faltung  der  untersilurischen  Schichten,  in  ihre  abnorme 
Lage  gelangt  sind  und  zwischen  die  letzteren  eingekeilt  wurden.  Die  „Colonie 
Motol“,  welche  Jedermann  zugänglich  ist  und  von  Jedermann  besichtiget 
werden  kann,  bietet  daher  dieselben  Erscheinungen  dar,  wie  die  „Colonien“  an 
der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  und  man  ist  desshalb  berechtiget,  auf 
die  „Colonie  Motol“  dieselbe  Erklärungsweise  wie  bei  den  südlichen  Colonien 
anzuwenden,  das  heisst,  dieselbe  als  eine  durch  Dislocationen  bewirkte 
Einkeilung  von  echten  Littener  Schichten  zwischen  untersilu- 
rische  Schichten  zu  betrachten. 

Zieht  man  nun  nach  dem  Streichen  der  „Colonie  Motol“  eine  Linie,  so  ist 
es,  wie  auch  Herr  Krejcf  in  seiner  obenangeführten  Abhandlung  erwähnt., 
gewiss  höchst  bedeutungsvoll,  dass  die  Verlängerung  dieser  Linie  in  nord- 
östlicher Richtung  genau  in  die  „Bruska“  in  Prag,  wo  die  „Colonie  Zippe“ 
verdeckt  ist,  fällt!!  Das  Terrain  zwischen  beiden  Colonien  ist  grösstentheils  von 
Kreidebildungen  überlagert  und  bebaut,  daher,  leider!  der  Verfolgung  der  Colonie 
Motol  in  nordöstlicher  Richtung  ungünstig.  Sollte  es  aber  wirklich  ein  blosser 
Zufall  sein,  dass  die  „Colonie  Zippe“  genau  in  der  nordöstlichen  Fortsetzung 
der  „Colonie  Motol“  liegt,  oder  darf  man  nicht  vielmehr  in  diesem  Umstande 
einen  causalen  Zusammenhang  beider  Colonien  erblicken?  Ist  es  nicht  mehr  als 
wahrscheinlich,  dass  — so  wie  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  die 
isolirten  Colonien  sich  als  Fortsetzungen  derselben  dislocirten  Littener  Schich- 
ten erwiesen  haben  — in  ähnlicher  Art  an  der  Nordseite  desselben  Beckens  die 
„Colonie  Zippe“  die  nordöstliche  Fortsetzung  der  „Colonie  Motol“  bilde? 


62 


M.  V.  Lipoid. 


[62] 


Fassen  wir  das  rücksichtlich  der  „Colonie  Zippe“  bisher  Gesagte  zusammen, 
nämlich,  dass  deren  „concordante  und  ursprüngliche  Einlagerung“  in  den 
Zahoraner  Schichten  nicht  erwiesen  ist,  dass  dieselbe  sich  in  einem  durch  Dis- 
locationen  der  Schichten  sehr  gestörten  Terrain  befindet,  dass  sie  in  der 
Nähe  oder  innerhalb  einer  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erkennt- 
lichen Hebungsspalte  auftritt,  und  dass  sie  endlich  genau  in  der  nordöstlichen  Fort- 
setzung der  „Colonie  Motol“  liegt,  an  deren  durch  Störungen  in  den  Gebirgs- 
schichten  bewirkten  abnormen  Lagerung  nicht  gezweifelt  werden  kann;  so  werden 
wir  wohl  nicht  nur  zu  der  Vermuthung,  sondern  zu  dem  Ausspruche  der 
grössten  Wahrscheinlichkeit  berechtiget,  dass  auch  bei  der  „Colonie 
Zippe“  eine  gestörte  Lagerung  Statt  finde  und  sich  daher  deren 
Erscheinung,  wie  die  Erscheinung  der  anderen  Colonie n,  als 
eine  blosse  Dislocation  der  Littener  Schichten  erklären  lassen 
dürfte. 

Ich  bin  zwar  den  letzteren  Ausspruch,  so  wie  Herr  Bar  ran  de  das  Gegen- 
theil  davon,  zu  beweisen  nicht  in  der  Lage,  da  die  „Colonie  Zippe“,  wie 
bemerkt,  einer  Untersuchung  nicht  zugänglich  ist,  und  weiss  sehr  wohl,  dass  man 
meiner  Anschauung  die  Eigentümlichkeiten,  welche  die  „Colonie  Zippe“ 
darbietet,  entgegen  stellen  wird.  Diese  Eigentümlichkeiten  muss  ich  desshalb 
einer  besonderen  Kritik  unterziehen. 

Was  nun  vorerst  die  Eigentümlichkeit  der  „Colonie  Zippe“  betrifft,  dass  sie 
nur  aus  einer  einzigen  einige  Zolle  mächtigen  Kalksteinlinse 
bestehe,  so  glaube  ich  mit  demselben  Rechte,  vermöge  welchem  Herr 
Barrande  obige  Behauptung  aufstellt,  die  Behauptung  aufstellen  zu  dürfen,  dass 
diese  Kalksteinlinse  von  Graptolithenschiefern  umgeben  und  daher  die  „Colonie 
Zippe“  aus  Graptolithenschiefern  mit  einer  Kalk^wischenlage,  das 
ist  aus  Bestandteilen  der  „Littener  Schichten“  zusammengesetzt  sei.  Wir 
haben  eben  beide  die  „Colonie  Zippe“  niemals  gesehen  und  die  „Grauwacken- 
schiefer“, welche  nach  Herrn  Professor  Zippe  die  Kalksteinschichte  begrenzen, 
können,  wie  ich  schon  oben  bemerkte,  eben  so  gut  „Graptolithenschiefer“,  als 
„graugelbliche  Schiefer*/5“,  oder  — wie  Herr  Barrande  meint  — „sehr  glim- 
merreiche Schiefer  </4“  sein.  Durch  die  obige  Behauptung  des  Herrn  Barrande 
allein,  ohne  deren  Beweis,  kann  daher  meiner  Anschauungsweise  über  die 
„Colonie  Zippe“  kein  Abbruch  geschehen,  vielmehr  gewinnt  letztere  wenigstens 
einigen  Anhaltspunkt  in  dem  Umstande,  dass  die  „Colonie  Motol“  ebenfalls  Kalk- 
steinschichten in  Zwischenlagerung  mit  Graptolithenschiefern  führt  und  die 
Wahrscheinlichkeit  dafür  spricht,  dass  die  „Colonie  Zippe“  nur  die  nord- 
östliche Fortsetzung  der  „Colonie  Motol“  sei. 

DieselbeBewandtniss  hat  es  mit  der  anderenEigenthümlichkeitder  „Colonie 
Zippe“,  dass  sie  nämlich  nicht  wie  die  Colonien  am  Südrande  des  Beckens  in  den 
Königshofer  und  Kossower  Schichten,  sondern  in  den  ZahofanerSchichten 
auftritt.  Sie  ist  eben  nicht  mit  voller  Sicherheit  erwiesen.  Uebrigens  enthielte 
diese  Eigenthümlichkeit,  auch  wenn  sie  erwiesen  wäre,  nichts  Ueberraschendes 
für  den  Fall,  dass  man  die  Lagerung  der  „Colonie  Zippe“  als  Folge  einer 
Schichtenstörung  betrachtet,  da  man  es  sich  ganz  wohl  vorstellen  kann,  dass  bei 
einer  gewaltsamen  Hebung  der  Schichten,  wodurch  die.  Littener  Schichten 
zerissen  und  die  tieferen  untersilurischen  Schichten  an  den  Tag  gebracht  wurden, 
ein  Theil  der  Littener  Schichten  auch  zwischen  Zahoraner  Schichten  eingekeilt 
worden  sei.  Hingegen  muss  ich  bemerken,  dass,  wenn  das  Auftreten  der 
„Colonie  Zippe“  in  den  Zahoraner  Schichten  als  festgestellt  angenommen 
wird,  und  man  zur  Erklärung  dieser  Erscheinung  die  Theorie  des  Herrn  Bar- 


Heber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


63 


[63] 

ran  de  in  Anwendung  bringt,  sich  dieser  Erklärungsart  der  „Colonie  Zippe“ 
sämmtliche  Bedenken,  welche  ich  gegen  diese  Theorie  bei  Beurtheilung  der 
Colonien  an  der  Südseite  des  Silurbeckens  namhaft  machte,  mit  verdoppelter 
Wucht  entgegenstellen;  um  so  mehr,  da  diese  Erscheinung,  nachdem  auch 
die  an  der  Nordseite  des  Beckens  befindliche  „Colonie  Motol“  sich , wie  die 
Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens,  einfach  als  blosse  Folge  einer  Dislocation 
erklären  lässt,  in  dem  ganzen  böhmischen  Silurbecken  als  vollkom- 
men vereinzelt  dastehen  würde.  Es  bedürfte  in  der  That  sehr  über- 
zeugender Beweismittel,  um  den  Glauben  zu  rechtfertigen,  dass  eine  Ein- 
wanderung einer  ob' ersilu rischen  Fauna  zu  einer  Zeit,  wo  die  Ablagerung 
der  untersilurischen  Schichten  noch  bei  weitem  nicht  abgeschlossen  war, 
nur  in  ein  so  beschränktes  Terrain,  wie  jenes  an  der  Bruska,  Statt  gefun- 
den habe. 

Auch  die  wichtigste  Eigentümlichkeit  der  „Colonie  Zippe“  endlich,  jene 
nämlich,  dass  in  ihr  eine  Mengung  der  obersilu rischen  mit  der  untersilu- 
rischen Fauna  vorgefunden  wird,  besitzt  eben  so  wenig  eine  Beweiskraft  für 
die  Theorie  des  Herrn  Barrande,  als  sie  der  gegenteiligen  Ansicht  entgegen- 
steht. 

Vor  Allem  muss  ich  wiederholen,  dass,  wie  uns  Herr  Barr  and  e belehrt, 
die  vier  Species  der  untersilurischen  Fauna,  welche  die  „Colonie 
Zippe“  lieferte,  zu  den  verbreitetsten  der  Etage  D gehören  und  sämmt- 
lich  auch  in  den  obersten  Lagen  db  dieser  Etage  Vorkommen,  somit  auch  am 
Schlüsse  der  untersilurischen  Ablagerungen  oder  unmittelbar  vor 
d em  Beginne  der  obersilurischen  Ablagerungen  gelebt  haben.  Folgen  wir 
nun  der  sehr  einleuchtend  mit  Thatsachen  begründeten  Ansicht  des  Herrn  Pro- 
fessors E.  Suess,  dass  die  untersilurischen  Schichten  in  einem  seichten, 
und  die  obersilurischen  in  einem  tiefen  Meere  abgelagert  wurden,  dass 
demnach  gegen  den  Schluss  der  untersilurischen  und  bei  Beginn  der  obersilu- 
rischen Ablagerungen  eine  Senkung  des  Meeresgrundes  gegen  die  Mitte  des 
Beckens  Statt  fand,  so  erscheint  es  gewiss  als  etwas  ganz  Natürliches,  wenn 
man  voraussetzt,  dass  einige  wenige  der  verbreitetsten  und  noch  lebenden 
Formen  der  untersilurischen  Fauna  sich  mit  den  gewöhnlichsten  und  zuerst 
aufgetretenen  Formen  der  obersilurischen  Fauna  vermengt  haben  und  eben 
an  den  Rändern  der  obersilurischen  Ablagerungen  vermischt  und  gemeinsam 
in  den  Niederschlägen  vergraben  wurden.  Braucht  man  also  zur  Erklärung  der 
Mengung  der  berührten  zwei  Faunen  der  Hypothese  einer  „Einwanderung  aus 
fremden  Meeren?“  Konnte  eine  solche  Mengung  gerade  nur  bei  einer  eingewan- 
derten „Colonie“  Statt  haben?  Keineswegs!  Diese  Mengung  der  beiden  Faunen 
erscheint  eben  so  einleuchtend  und  erklärlich  an  den  Rändern  der  untersilu- 
rischen und  obersilurischen  Ablagerungen  überhaupt.  Diese  ursprünglichen 
„Ränder“  der  obersilurischen  Schichten  sind  nun  freilich  im  böhmischen  Silur- 
becken theils  nicht  mehr  in  ihrer  ursprünglichen  Lage,  theils  zerstört  worden. 
Die  Ränder  der  obersilurischen  Schichten  wurden  nämlich,  wie  uns  die 
Erfahrung  lehrt,  durch  Hebungen  des  Terrains,  durch  Faltungen  der  Schichten, 
von  der  Hauptmasse  der  obersilurischen  Schichten  losgerissen  und  als  isolirte 
Partien  (Colonien)  zwischen  untersilurische  Schichten  eingekeilt.  Und  ein 
solcher  von  der  Hauptmasse  der  obersilurischen  Schichten  durch  Dislocationen 
losgerissener  und  zwischen  untersilurische  Schichten  eingekeilter  „Rand“  der 
obersilurischen  Schichten  ist  meines  Erachtens  — die  „Colonie  Zippe“.  — Bei 
dieser  wenigstens  sehr  wahrscheinlichen  und  ohne  einer  neuen  Theorie 
ganz  gut  erklärbaren  Annahme  lässt  sich  auch  die  höchst  auffallende  Erschei- 


64 


M.  V.  Lipoid. 


[64] 


nung,  dass  man  an  den  ohne  Berücksichtigung  der  „Colonien“  sichtbaren  gegen- 
wärtigen Rändern  der  obersilurischen  Ablagerungen,  in  deren  Schichten  bisher 
nirgends  eine  Mengung  der  ober-  mit  der  untersilurischen  Fauna  wahrgenommen 
hat,  sehr  wohl  begreifen,  denn  vermöge  obiger  Annahme  sind  die  gegenwär- 
tigen Ränder  der  obersilurischen  Ablagerung  nicht  mehr  die  ursprünglichen 
Ränder  derselben,  sondern  Ausgehende  von  Niederschlägen,  die  mehr  gegen  das 
Innere  des  Beckens  erfolgten,  wo  eine  Mengung  der  Faunen  nicht  mehr  Platz 
griff.  Dass  man  eine  Mengung  der  ober-  und  untersilurischen  Fauna  bisher  nur 
bei  der  „Colonie  Zippe“  und  nicht  auch  bei  den  anderen  Colonien  vorfand,  mag 
wohl  darin  seinen  Grund  haben,  dass  diese  Colonie  vermöge  ihrer  localen  Lage 
gegen  spätere  Zerstörung  am  meisten  geschützt  war  und  uns  noch  einen  Theil 
des  ehemaligen  äussersten  Randes  der  obersilurischen  Schichten  unversehrt  auf- 
bewahrt hat,  während  die  übrigen  offenliegenden  und  der  Verwitterung  und 
Zerstörung  preisgegebenen  „Colonien“  ihren  äussersten  Rand  schon  längst 
eingebüsst  haben  mögen.  Indessen  würde  es  nach  Obigem  Niemanden  Wunder 
nehmen  können,  wenn  auch  bei  den  übrigen  „Colonien“  solche  Mengungen  der 
ober-  und  untersilurischen  Fauna,  wie  bei  der  „Colonie  Zippe“,  yorgefunden 
würden,  und  nach  meiner  Ansicht  bietet  die  „Colonie  Motol“  die  grösste  Aussicht 
dar  zur  Auffindung  ähnlicher  Mengungen  der  Faunen  in  den  Kalksteinen  der- 
selben. Dass  Herr  Barrande  die  Fossilien  des  böhmischen  Silurbeckens  gewiss 
im  weitesten  Umfange  und  im  grössten  Maassstabe  ausgebeutet  hat,  schliesst  die 
Möglichkeit  einer  solchen  Auffindung  wohl  nicht  aus;  sind  ihm  doch  selbst  erst 
nach  Verlauf  von  16  Jahren  Fossilien,  die  er  als  „den  Colonien  eigenthümlich“ 
betrachten  musste,  auch  aus  den  normal  gelagerten  Littener  Schichten  bekannt 
geworden. 

Recapituliren  wir  nun  in  Kürze  dasjenige,  was  ich  im  Vorhergehenden  über 
die  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erörtert  habe,  so  ’ 
ergibt  sich  aus  den  vorliegenden  mitgetheilten  Thatsachen,  dass  von  den  an  der 
Nordseite  des  erwähnten  Beckens  bisher  bekannten  Colonien  „Motol“  und 
„Zippe“,  die  „Colonie  Motol“  ganz  bestimmt,  die  „Colonie  Zippe“  dagegen 
höchst  wahrscheinlich  dieselben  Erscheinungen  darbieten,  wie  die  Colonien  an 
der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens,  und  dass  daher  die  „Colonie 
Motol“  zweifellos,  die  „Colonie  Zippe“  dagegen  höchst  wahr- 
scheinlich bl  os  aus  „Littener  Schichten“  bestehe,  welche  durch 
Dislo cationen  aus  ihrer  ursprünglichen  Lagerung  gebracht 
wurden  und  dadurch  zwischen  untersilur ischeSchichten  gelangt 
sind. 


Schlusswort. 

Hiemit  habe  ich  mich  des  Auftrages  entlediget,  welcher  mir,  wie  ich  im 
„Vorworte“  angezeigt  habe,  von  meinem  hochverehrten  Herrn  Director  zu  Theil 
geworden  ist.  Ich  habe  hiebei  meine  Ansichten  über  die  „Colonien“  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  als  Resultate  dargestellt,  wie  sich  dieselben  aus  That- 
sachen, bezüglich  aus  Lagerungsverhältnissen,  ergeben  haben,  welche  ich  selbst 
beobachtete.  Ich  habe  diese  Th atsachen  genau  so  bekannt  gegeben,  wie  ich 
sie  erhoben  habe  und  wie  ich  sie  auffasste.  Ich  habe  endlich  die  Localitäten 
namhaft  gemacht  und  möglichst  genau  beschrieben,  wo  ich  die  erwähnten 


Ueber  Herrn  Barrande’s  , Kolonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


65 


[•*] 

Thatsachen  beobachtet  habe.  Weit  entfernt  davon,  für  meine  Person  eine  abso- 
lute Unfehlbarkeit  in  Anspruch  nehmen  zu  wollen,  darf  ich  dennoch  hoffen,  dass 
die  bezeichneten  Thatsachen  auch  von  anderen  Geologen  in  derselben  Weise, 
wie  von  mir,  werden  aufgefasst  werden.  Den  Schlüssen  und  Folgerungen,  welche 
ich  aus  den  erhobenen  Thatsachen  zog,  Anhang  und  Geltung  zu  verschaffen,  liegt 
weder  in  meiner  Gewalt  noch  in  dem  Zwecke,  den  ich  mit  dieser  Abhandlung 
verfolgte.  Es  wird  mich  sehr  erfreuen,  wenn  gewiegte  Geologen  sich  den  von 
mir  entwickelten  Ansichten  anschliessen , aber  ich  wünsche  und  erwarte  eine 
solche  Beistimmung  keineswegs  auf  meine  Autorität  hin,  sondern  auf  Grundlage 
der  von  mir  namhaft  gemachten  Thatsachen,  deren  Untersuchung  und  Beurtei- 
lung Jedermann  offen  steht. 

Wenn  ich  dem  noch  einige  Worte  beifüge , so  geschieht  es  , um  die 
eigentümliche  Stellung  zu  bezeichnen , in  welcher  ich  mich  in  der  Frage 
über  die  „Colonien“  Herrn  Barrande  gegenüber  befand.  Einerseits  zwar  kein 
Paläontologe  vom  Fach,  aber  fest  überzeugt  von  der  Wichtigkeit  der  paläonto- 
logischen  Forschungen  und  von  dem  unermesslichen  Nutzen,  den  dieselben  den 
geologischen  Untersuchungen  gewähren,  andererseits  jedoch  die  Zulässigkeit  der 
Bestimmung  des  Alters  einer  Gebirgsschichte  aus  den  blossen  Fossilresten,  die 
sie  enthält,  nur  dann  anerkennend,  wenn  die  Altersfolge  der  Fossilreste  selbst 
vorher  aus  klaren  Lagerungsverhältnissen  der  Schichten  festgestellt  wurde,  — 
war  es  mir  gelungen , schon  in  dem  ersten  Sommer  der  Aufnahmen  der  k.  k. 
geologischen  Beichsanstalt  im  Jahre  1850,  stratigraphisch  die  Auflagerung  der 
gegenwärtig  von  uns  so  genannten  Adnether  Schichten  (Lias),  auf  unsere  gegen- 
wärtigen KÖssener  Schichten  nachzuweisen  *),  während  mehrere  Localitäten  der 
letzteren,  noch  in  Herrn  Bergrath  von  Hauer’s  Berichte  „Ober  die  geognosti- 
schen  Verhältnisse  des  Nordabhanges  der  nordöstlichen  Alpen  zwischen  Wien 
und  Salzburg“  als  jünger,  als  unterer  Oolith , aus  paläontologischen  Gründen 
betrachtet  wurden  2).  Bei  der  Frage  über  die  „Colonien“  befand  ich  mich 
gerade  in  der  entgegengesetzten  Lage.  Bekanntlich  war  es  Herr  Barrande, 
welcher  die  Reihenfolge  der  Schichten  des  böhmischen  Silurbeekens  zuerst  genau 
eonstatirte,  und  uns  die  für  jedes  Terrain  charakteristischen  Fossilreste  kennen 
lehrte.  In  meinen  Erörterungen  über  die  „Colonien“  dieses  Beckens  war  ich  nun 
bemüssigt,  die  von  Herrn  Bar  rande  selbst  aufgestellte  auf  Lagerungsverhält- 
nisse und  auf  Fossilreste  basirte  Reihenfolge  der  Schichten  gegen  ihn  selbst 
in  so  fern  in  Schutz  zu  nehmen,  dass  ich  die  Unzulässigkeit  von  Ausnahmen 
von  dieser  Reihenfolge  und  zwar  wieder  aus  den  Lagerungsverhältnissen  darzu- 
thun  suchte.  Ist  es  mir  nun  gelungen,  die  Ueberzeugung  von  der  Richtigkeit  der 
Ansichten  über  die  Erscheinung  der  „Colonien“,  wie  solche  schon  von  E.  Forbes 
vermuthet,  von  Herrn  Bayle  ausgesprochen  3),  von  Herrn  Director  J.  Krejci 
zuerst  thatsächlich  nachgewiesen,  und  von  mir  erörtert  wurden,  anzubahnen  und 
vollends  zur  Geltung  zu  bringen,  so  haben  Herr  Krejci  und  ich  hiedurch  im 
Grunde  zu  dem  glänzendsten  Siege  beigetragen,  welchen  Herr  Barrande  gegen 
sich  selbst  und  die  Anhänger  seiner  Theorie  über  die  „Colonien“  erfochten  hat. 
Denn  ein  Sieg  ist  es  gewiss,  wenn  die  von  Herrn  Bar  rande  angegebene  Reihen- 
folge der  Schichten  und  die  für  jede  Schichtengruppe  bestimmte  Fauna  als  uner- 
schütterlich und  ausnahmslos  erkannt  wird,  und  die  durch  die  Theorie  des 
Herrn  Barrande  über  die  „Colonien“  jedenfalls  in  ihrer  Geltung  gefährdete 

!)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  ReichsanstaR.  I.  1850.  S.  661. 

2)  Jahrbuch  u.  s.  w.  I.  1850.  S.  39  u.  40. 

3)  Bull,  de  la  Soc.  Geol.  de  France.  A.  a.  0.  S.  603. 


K.  k.  geologische  Reichsaiistalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  1.  lieft. 


9 


66 


M.  V.  Lipoid.  Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[66] 


Fauna  wieder  in  ihre  vollen  Rechte  eintritt.  Dadurch  ist,  so  hofFe  ich,  die  Aner- 
kennung der  grossen  Ergebnisse  der  Barrande’schen  Forschungen  in  der 
paläontologischen  Charakterisirung  der  Schichten  für  immer  gewonnen. 

Die  „Colonien“  und  die  tiefsten  Schichten  der  Etage  E des  Herrn  Barrande 
stimmen  lithologisch  und  paläontologisch  vollkommen  mit  einander  überein. 
Man  würde  bei  Annahme  der  Theorie  des  Herrn  Barrande,  wenn  man  z.  B.  auf 
eine  Partie  von  Schiefern  mit  Graptolithen  träfe,  deren  umgebende  Gesteine 
nicht  sichtbar  sind,  nie  wissen,  ob  man  bereits  in  der  Etage  JE,  oder  noch  in  der 
Etage  D sei.  Ganz  anders  ist  es  nun  wo  der  Beweis  der  Schichtenstörungen 
durchgeführt  ist;  man  weiss  im  obigen  Falle  ganz  bestimmt,  dass  man  es  mit 
obersilurischen  Schichten  zu  thun  hat  und  weiss,  wenn  fremdartige  Schichten 
mit  denselben  auftreten,  dass  an  der  betreffenden  Stelle  Störungen  der  Schichten 
Statt  gehabt  haben. 

Im  Ganzen  darf  ich  wohl  die  vorhergehende  Auseinandersetzung,  wenn  ich 
mich  auch  in  der  Theorie  der  Colonien  ihm  nicht  anschliessen  konnte,  doch  in 
der  weit  wichtigeren  Charakterisirung  der  Aufeinanderfolge  der  silurischen 
Schichten  als  eine  wahre  Huldigung  dem  Forschungsgeiste  und  der  Beharrlich- 
keit des  grossen  Geologen  und  Paläontologen  Joachim  Barrande  dargebracht 
bezeichnen. 

Die  Aufeinanderfolge  der  Barrande’schen  Schichten-Systeme,  die  Auf- 
einanderfolge seiner  Faunen  hat  sich  glänzend  bewährt,  aber  ohne  Unterbre- 
chung durch  „Colonien“,  deren  Nichtexistenz  in  dem  böhmischen  Silurgebirge 
ich  in  den  wichtigsten  Beispielen  hinlänglich  nachgewiesen  zu  haben  glaube, 
und  wofür  die  zahlreichen  Beweise,  noch  fortwährend  der  Beobachtung  offen,  am 
Tage  liegen. 


Inhalt. 

Seite 


Vorwort 1 

Einleitung 4 

A.  Beschreibung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens 10 

Colonie  „Krejci“ 11 

„ „Haidinger“ 13 

„ „Radotin“ 16 

„ „Kosor 18 

Colonien  „Cernositz“  18 

Colonie  „Wonoklas“ 20 

Colonien  „Karlik“ 20 

„ „Treban“ 21 

„ „Bel  ec“ 24 

Colonie  „Korno“ 27 

B.  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens.  30 

a)  Aus  den  Lagerungsverhältnissen 30 

h)  Nach  Herrn  Barrande’s  Theorie 40 

C.  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens 33 

Schlusswort 64 


Tarn 


t’rofih» 


Co  lo  nie  //aif/inat 


Cofonte  J, Yrrjr 


" ' ü ^ 


Situationsplan  und  geologische  Karte 

über  dio  Barrandc  ’sclicn.  C olonirn 

'HAdrailCEIl.unrKREJCI „ 


Grofs  Kulirl 


/Irr  Silnrforniuüon  Böhmens . 


ml 


/fasm/tucr  Sr/i/r/ttm 


/fariit/s/iofrr 


. / //  fjr/mom  men 


Berffra/h 


(jrv/oy.  /irir/tsan  s/tif/  X //.  Beim/  ///<•/?  . 


I 


Karl  Ritter  von  flauer.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium. 


87 


II.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt. 

Von  Karl  Ritter  v.  Hauer. 


1)  Cokes  aus  der  hiesigen  Gasanstalt. 

Aschengehalt  in  100  Theilen 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 


7-3 


ll-lool  Mittel  29  85 

7*75 


2)  Kohlen  von  Wilkischen  im  Pilsner-Kreis.  Eingesendet  von  Herrn 
Obermayer. 

a.  bessere,  b.  mindere  Sorte. 

a.  b. 

Wasser  in  100  Theilen 4-9  6-5 

Asche  in  100  Theilen 13-0  21*8 

Cokes  in  100  Theilen 64-0  backt  schlecht 


Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

28-85 

21  60 

Wärme-Einheiten 

6520 

4881 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.. 

8-0 

10-7 

3)  Kohlenmuster.  Eingesendet  von 

Herrn  Obermay 

er. 

i. 

ii. 

hi. 

IV. 

Bfas. 

Littiz. 

Ober-Stupno. 

Wasser  in  100  Theilen 

14-4 

2-4 

5-5 

15-9 

Asche  in  100  Theilen 

5-6 

5-3 

2-3 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

22-20 

27-80 

25-00 

21-85 

Wärme-Einheiten 

5017 

6282 

5650 

4938 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner. . 10 -4 

8-3 

9-2 

10-6 

4)  Kalksteine  aus  der  Umgegend  von  Wien.  Uebergeben  von  Herrn  Bergrath 
Lipoid. 


/ 

In  Säuren 
unlöslich 

Kohlen- 
saurer Kalk 

Kohlensäure 

Magnesia 

/Waldmühle,  südliches  Gehänge,  unterste  Lage  . 

21 

83-2 

14-7 

" n n 2.  Lage 

2-6 

94-9 

2-5 

q 

i n » n w 

5-0 

94-0 

1-0 

* 1 

4 

1 » w w » 

25-2 

71-9 

2-9 

0) 

1 5 

1 w » n 

4-4 

95-7 

— 

CJ 

tp 
p / 

1 « » n 6.  „ 

2-0 

97-0 

1-0 

'nächst  der  Waldmühle 

1-5 

98-0 

0-5 

JV  \ 

V 9,  » „ 2.  Lage 

3-1 

95-9  ’ 

1-0 

a> 

1 » n n ^ » 

2-3 

98-2 

— 

"ö: 

1 » n n 4.  n 

8-3 

911 

0-6 

S4  J 

[im  Petersdorfer  Revier 

5-4 

91-5 

3-1 

' Kuppe  im  Petersdorfer  Revier 

5-3 

93-4 

1-3 

östlich  von  Stummer’s  Gasthaus 

0-7 

56-5 

42-8 

2-7 

53-4 
9 * 

43-9 

68 


Karl  Ritter  von  Haner. 


5)  Wasser  von  den  Quellen  bei  Mauer.  Eingesendet  von  der  Besitzerin, 
Frau  Giacomozzi.  (Vergl.  Verh.  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Sitzung 
vom  30.  April  1861,  S.  56.) 

I.  Quelle.  Es  ist  dies  jene  wasserreichere  Quelle,  welche  seitwärts  des 
grossen  Bassins  entspringt,  und  die  Hauptmenge  zur  Füllung  desselben  liefert. 
Ein  Pfund  Wasser  = 7680  Gran  ergab  folgenden  Inhalt: 

0*100  Gran  kohlens.  Eisenoxydul, 

2*657  „ „ Kalk, 

0*445  „ „ Magnesia, 

0*485  „ Schwefels.  Kalk, 

2*432  „ „ Magnesia, 

0.400  „ „ Natron, 

0*012  „ Chlornatrium, 

0*029  „ Kieselerde, 

6*560  Gran  Summe  der  fixen  Bestandteile, 

1*439  „ 2.  Aequivalent  Kohlensäure  der  kohlensauren  Salze, 

0*632  „ freie  Kohlensäure, 

8*631  Gran  Summe  aller  Bestandtheile. 

II.  Eisenquelle.  Ein  Pfund  = 7680  Gran  enthält: 

0*604  Gran  kohlens.  Eisenoxydul, 

2*328  „ „ Kalk, 

0*218  „ „ Magnesia, 

2-367  „ Schwefels.  Kalk, 

1*315  „ „ Magnesia, 

0*288  „ „ Natron  mit  einer  Spur  Kali. 

0*039  „ Chlornatrium, 

0.053  „ Kieselerde, 

7*212  Gran  Summe  der  fixen  Bestandtheile, 

1*367  „ 2.  Aequivalent  Kohlensäure, 

0*765  ,,  freie  Kohlensäure, 


9*344  Gran  Summe  aller  Bestandtheile. 

6)  Braunkohle  von  Viehdorf  im  Erzherzogthum  Oesterreich  u.  d.  Enns.  Ein- 
gesendet von  Meissei  und  Comp. 

Wasser  in  100  Theilen 7*6 

Asche  in  100  Theilen . 14*5 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*80 

Wärme-Einheiten 3770 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 14*7 

7)  Kohlenmuster.  Eingesendet  vom  hiesigen  k.  k.  Verpflegsmagazin. 

1.  von  Thallern,  2.  vonPodgorze,  3.  von  Jaworzno,  4.  von  eben  daher. 

1. 

Wasser  in  100  Theilen  18*6 

Asche  in  100  Theilen 16*2 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*52 

Wärme-Einheiten 3508 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.  . 14*9 

8)  Steinkohlen  von  Schwadowitz  in  Böhmen.  Zur  Untersuchung  übergeben 
von  Sr.  Durchlaucht  dem  Prinzen  zu  Schaum  bürg -Lippe. 


1. 

2. 

3. 

4. 

18*6 

14*3 

15*0 

15*6 

16*2 

7*3 

6*5 

3 5 

15*52 

20*55 

20*70 

20*50 

3508 

4644 

4678 

4633 

14*9 

11*3 

11*2 

11*3 

Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


69 


Benigneflötz,  am  Ausgehenden 
„ tiefere  Sohle  . . . 

Hauptflötz,  unterer  Lauf 

» oberer  „ 

Liegendes  Flötz 

4.  Aaveryflötz  

4.  „ 

7.  „ 

8.  „ 

9.  „ . 

2.  „ 

5.  „ 

4.  „ 

Lettenflötz,  6.  Lauf 

» 2.  „ 

Cokes  aus  Rohkohle  ] -kt  c>  a 
von  JNr.  b und 

13  gemischt 


Wasser  in  100 
Theilen 

Asche  in  100 
Theilen 

Reducirte  Ge- 
wichtstheile Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer 
Klafter  30"  wei- 
chen Holzes  sind 
Centner 

2*5 

24*9 

20*60 

4655 

11*2 

2*7 

10-7 

24*40 

5514 

9*5 

2*9 

16*7 

22*80 

5152 

10*2 

2*0 

19*8 

22*00 

4972 

10*5 

1*9 

10*9 

23*20 

5243 

10*0 

3*7 

4*2 

28*33 

6407 

8*2 

1*6 

16*6 

22*25 

5028 

10*4 

0*8 

4-8 

27*35 

6181 

8*4 

1*4 

2*7 

28*90 

6531 

8*0 

1*5 

3*9 

27*85 

6294 

8*3 

0*9 

7*7 

24*15 

5458 

9*6 

1*6 

2*7 

27*30 

6169 

8*5 

2*1 

3*4 

27*60 

6237 

8*4 

1*4 

7*2 

26*55 

6000 

8*7 

2*0 

12*3 

25*00 

5650 

9*2 

14*8 

24*40 

5514 

9*5 

7*0 

24*40 

5514 

9*5 

24*2 

21*90 

4949 

10*9 

9)  Wasser  des  Säuerlings  von  Suliguli  bei  Visso  in  der  Marmarosch.  Einge- 
sendet yon  der  k.  k.  Berg-Direction  in  Marmarosch-Szigeth. 

In  1 Pfund  = 7680  Gran  sind  enthalten: 


7*142 

Gran 

Chlornatrium, 

13*814 

V 

kohlens.  Natron, 

0*491 

99 

„ Eisenoxydul, 

7*495 

99 

„ Kalk, 

5*660 

99 

„ Magnesia, 

0*023 

99 

Thonerde, 

1*382 

99 

Kieselerde, 

25*704 

99 

halb  und  ganz  freie  Kohlensäure, 

Spuren  von  schwefelsaurem  und  Jod-Natrium, 


61  *721  Gran,  Summe  aller  Bestandtheile. 


10)  Glanzkohle.  Eingesendet  von  der  Gewerkschaft  Radimsky  in  Brunn  bei 
Gleinstetten  in  Steiermark. 


Wasser  in  100  Theilen •. , . , 9-0 

Asche  in  100  Theilen 5*1 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 22*00 

Wärme-Einheiten , 4972 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.  ..........  10*5 


11)  Graphit.  Eingesendet  von  Herrn  Anton  Merkel. 

Ungeschlämmter  74*2  Proeent  Asche. 

Geschlämmter 52*9  „ 

Ungeschlämmter ,80*3  „ „ 

12)  Roheisensorten.  Eingesendet  von  der  fürstlich  Schwarzen berg- 

schen  Werks-Direction  zu  Murau  in  Steiermark. 


Nr.  I enthielt 

„ II  „ 


{ 

{ 


3*32  Procent  Kohle, 
0*72  „ Kieselerde, 

3*89  „ Kohle, 

1*00  „ Kieselerde, 


70 


Karl  Ritter  von  Hauer. 


Nr.  III  enthielt 

(5*00  Procent 
\ 0-51  „ 

Kohle, 

Kieselerde, 

„ TV  w 

1 3-66  „ 

Kohle, 

} 0*41  „ 

Kieselerde. 

v 

f 3-94  „ 

Kohle, 

99  f 99 

\ 0*62 

Kieselerde. 

13)  Triaskohle  von  Cludinico  nächst  Ovaro  im  Canal  di  Comeglians,  nördlich 
von  Villa  bei  Tolmezzo.  Eingesendet  von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle. 


I. 

II. 

III. 

IV. 

Wasser  in  100  Theilen 

. 0*7 

0*4 

1*6 

0*7 

Asche  in  100  Theilen 

. 7*7 

19*6 

23-7 

15-6 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

28*50 

23-50 

23-35 

25-60 

Wärme-Einheiten 

6441 

5311 

5277 

5785 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner  . 

8*1 

9*8 

9-9 

90 

Eine  Durchschnittsprohe  auf  Cokes  gab  in  100  Theilen  = 80  Theile  gut 
gebackene  Cokes. 


14)  Braunkohlen  von  Ovar  im  Neograder  Comitate  bei  ßalassa-Gyarmäth. 
Eingesendet  von  der  Frau  Gräfin  Eleonora  Forgäch,  geb.  Gräfin  Gyarkv 
v.  Losonz. 


Wassergehalt  in  100  Theilen 20-1 

Asche  in  100  Theilen 1*8 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 20-00 

Wärme-Einheiten 4520 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 11 -6 

Die  Kohle  backt  ziemlich  gut,  da  sie  bituminös  ist,  ein  Umstand,  der  bei 
dieser  Kohle  als  Braunkohle  Beachtung  verdient. 

13)  Braunstein  von Mährisch-Trübau.  Eingesendet  von  Frau  Anna  Wenisch 
in  Mährisch-Trübau. 

100  Theile  enthielten: 

85-8  Procent  Mangan-Superoxyd. 

16)  Kalksteine  von  St.  Ivan  bei  Ofen.  Eingesendet  vom  Kohlenwerke  zu 
St.  Ivan. 

100  Theile  enthielten: 

Köhlens.  Kalk 99*9  97-9  96-8 

„ Magnesia 1*1  21  3-2 

17)  Erz  aus  Moldava.  Eingesendet  vom  Bergwerksbesitzer  Herrn  Karl  Klein. 

Dasselbe  besteht  aus  einem  Gemenge  von  Bleiglanz,  Kupferkies  und  Braun- 
eisenstein und  enthält : 

30-8  Procent  Blei, 

5-2  „ Kupfer. 


18)  Braunkohle  von  Berszaszka  in  der  Militärgrenze.  Eingesendet  von  Herrn 
Michael  Fuchs,  Schichtmeister  in  Berszaszka. 


Wasser  in  100  Theilen 16*6 

Asche  in  100  Theilen 2*8 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 20*05 

Wärme-Einheiten 4531 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 11*6 


19)  Briquette-Cylinder  erzeugt  aus  Fiinfkirehner  Kohle.  Eingesendet  von 
Herrn  Sauerländer  in  Wien. 


Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


71 


Wassergehalt  in  100  Theilen j • 1 

Asche  in  100  Theilen 10*4 

Schwefel  in  100  Theilen  . 0-4 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 28’10 

Wärme-Einheiten 6250 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 8*3 

20)  Braunkohlen  von  Scardona  (1.  2.),  Sebenico  (3.  4.),  und  Albona 
(3.  6.).  Eingesendet  von  k.  k.  Marine-Ober-Commando. 

1.  2.  3.  4.  5.  6. 

Wasser  in  100  Theilen 13*5  12*5  0*4  1*1  1-8  1-9 

Asche  in  100  Theilen 24*9  31*0  13-4  10-7  16*0  15*3 

Cokes  in  100  Theilen — — 49*7  50*0  52*5  52*0 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei  13*30  12*80  21*80  22*30  20*75  21*05 

Wärme-Einheiten 3005  2892  4926  5039  4689  4757 

Aequival.  einer  30"  Klft.  weichen  Holzes  sind  Ctr.  17*4  18*1  10*6  10*4  11*1  11*0 


21)  Erze  und  Kohlenproben  aus  der  Militärgrenze.  Eingesendet  von  Herrn 
Karl  Klein,  Bergwerksbesitzer  in  Wien. 

I.  Brauneisensteine.  100  Theile  enthielten  (ungeröstet) : 

66*2 
61*2 
62*6 
44*7 

Dies  entspricht  einem  Gehalte  an  metallischem  Eisen: 

1.  46*3  Procent  Eisen.  I 3.  43*8  Procent  Eisen. 

2.  42*18  „ I 4.  31*2  „ 


Procent  Eisenoxyd. 


Banat,  Neu-Moldava  aus  dem  Griechen-Male 


II.  Silberhaltige  Bleiglanze. 

1.  ( (0*10\ 

2.  \ \0*05/ 

3.  < Banat,  Neu-Moldava,  Freischurf,  Erzbach.  <0*16)  Procent  Silber. 

4.  i 0*15l 

5.  { V0*10) 


III.  Steinkohlen  von  der  Banater-Militärgrenze,  Berszaszka. 


1.  Grube  Kosla,  Barbarastollen 

2.  Mittellaufstollen,  oberster  Abbau, 

Horizont 

3.  Grube  Kamenitza,  aus  dem  2.  Lauf  des 

Wetterschachtes 

4.  Grube  Kosla,  Barbarastollen 

5.  Kohlenschiefer 

6.  


10.  1.  Lauf  des  Coronini -Schachtes, 

nördliches  Auslängen 

11.  Grube  Kamenitza,  Karl-Zubau  ........ 

12.  Hangend-Flötz 

13.  Grube  Kosla,  Coronini-Zubau 

14.  Grube  Kamenitza,  Karl-Zubau,  südliches 

Auslängen 

15.  Grube  Kosla,  1.  Lauf  des  Coronini  Wetter- 

schachtes   

16* Coronini-Zubau,  nördl.  Auslängen. 

17.  Grube  Kamenitza,  Magdalena-Stollen  . . 


Wasser  Asche  Reducirte 

in  100  in  100  Gewiehts- 
Theilen  Theilen  theile  Blei 

0*7  11  * 1 25*75 

0*6  11*0  26*15 

0*3  6*3  29*35 

0*4  6*9  25*65 

0*6  42*0  16*45 

0*8  41*1  16*40 

1*3  48*9  13*70 

0*9  43*8  16*10 

1*1  38*2  17*25 

0*6  14*7  24*95 

0*2  5*2  28*30 

0*1  9*5  29*75 

0*2  7*7  27*75 

0*2  16*5  25*60 

0*4  10*5  27*00 

1*6  13*8  25*40 

0*3  8*9  28*20 


Aequivalent  einer 
Wärme-  30"  Klafter  wei- 
Einheiten  chen  Holzes  sind 


5819 

Centner 

9*0 

5909 

8*8 

6633 

7*9 

5796 

9*0 

3717 

14*1 

3706 

14*1 

3116 

16*8 

3638 

14*4 

3898 

13*4 

5638 

9*3 

6723 

8*2 

6723 

7*8 

6271 

8*3 

5785 

9*0 

6102 

8*6 

5740 

91 

6373 

8*2 

72 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien.  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  «r. 


III.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
gelangten  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petre- 
facten u.  s.  w. 

Vom  1.  Jänner  bis  31.  December  1861. 

1)  4.  Jänner.  1 Kistchen,  15  Pfund.  Von  der  k.  k.  Gymnasial-Direction  in 
Troppau.  Gebirgsgesteinsarten. 

2)  1.  Februar.  1 Kiste,  600  Pfund.  Von  Herrn  Ed.  Kleszczynski,  Berg- 
ingenieur der  k.  k.  pr.  Nordbahngesellscliaft.  Cokes  von  Ostrau.  (Siehe  Verhand- 
lungen. Sitzung  am  26.  Februar  1861.  S.  19.) 

3)  18.  Februar.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  S.  Fichtner  in  Atzgers- 
dorf.  Fossile  Thierknochen.  (Verhandlung.  Sitzung  vom  26.  Februar  1861.  S.  22.) 

4)  8.  April.  1 Kistchen,  4 Pfund,  24  Loth.  Von  Herrn  Joseph  Leinmüller, 
k.  k.  Bauassistenten  in  Gurkfeld.  Mineralien  und  fossile  Fischreste.  (Verhand- 
lungen. Sitzung  am  16.  April.  S.  53.) 

5)  17.  April.  1 Kiste,  50!/2  Pfund.  Von  Herrn  Riesen  ha  mm  er,  Arsenik- 
und  Kupferwerksbesitzer  zu  Königinhof  in  Böhmen.  Mineralien  und  Erze. 

6)  24.  April.  2 Schachteln,  25  Pfund.  Von  Herrn  Letocha,  k.  k.  Kriegs- 
commissär.  Pflanzenabdrücke  und  Versteinerungen  von  Breitensee  und  Speising. 
(Verhandlungen.  Sitzung  am  30.  April.  S.  63.) 

7)  30.  April.  2 Kisten,  139,/2  Pfund.  Von  Herrn  Zu  lieh,  k.  k.  Bezirks- 
hauptmann in  Cattaro.  Versteinerungen. 

8)  2.  Mai.  1 Kiste,  166  Pfund.  Von  Herrn  Ritter  von  Schwabenau,  k.  k. 
Hofrath,  in  Oedenburg.  Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  28.  Mai. 
S.  67.) 

9)  2.  Mai.  1 Stück,  4 Loth.  Von  Herrn  Ingenieur  Quaglio,  durch  Herrn 
Karl  Ritter  von  Hauer.  Haüynfels  von  Ditro  in  Siebenbürgen.  (Verhandlungen. 
Sitzung  am  28.  Mai.  S.  64.) 

10)  15.  Mai.  1 Schachtel,  4 Pfund.  Von  Herrn  Vincenz  Forcher  in  Ain- 
bach  bei  Knittelfeld.  Foreherit.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  28.  Mai.  S.  65.) 

11)  14.  Juni.  1 Kistchen,  18  Pfund.  Von  Herrn  Ingenieur  August  v.  Makaj, 
in  Grosswardein.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung.  (Verhandlungen. 
Bericht  vom  30.  Juni.  S.  74.) 

12)  18.  Juni.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Sapetza  in  Neutitschein. 
Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  30.  Juni.  S.  74.) 

13)  18.  Juni.  1 Packet,  5 Pfund  10  Loth.  Vom  k.  k.  General-Commando  in 
Lemberg.  Braunkohlen  aus  der  Gottessegen-Grube  zu  Glinsko.  Zur  chemischen 
Untersuchung. 

14)  19.  Juni.  1 Kistchen,  19  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft  in 
Klagenfurt.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

15)  19.  Juni.  1 Kistchen,  2 Pfund  4 Loth.  Von  Herrn  Miorini  v.  Seben- 
tenberg,  in  Warasdin.  Bleiglanz  zur  chemischen  Untersuchung. 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  vv. 


73 


16)  10.  Juli.  1 Kiste,  73  Pfund.  Von  Herrn  Dr.  Ferd.  Müller  in  Melbourne, 
durch  den  k.  k.  Professor  Herrn  Dr.  v.  Hochstetter.  Versteinerungen.  (Verhand- 
lungen. Bericht  vom  31.  Juli.  S.  80.) 

17)  12.  Juli.  2 Kistchen,  62  Pfund.  Vom  k.  k.  Marine-Obercommando  in 
Triest.  Fossile  Kohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

18)  18.  Juli.  1 Kistchen,  18  Pfund.  Von  Herrn  Pfarrer  Marys  ka  in  Lieb- 
stadt. Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  Juli.  S.  80.) 

19)  27.  Juli.  1 Schachtel,  6 Loth.  Von  Herrn  M.  Po llak  in  Agram.  Zinno- 
bererze. 

20)  9.  August.  1 Kistchen,  28  Pfund  12  Loth.  Von  Herrn  F.  Schott,  k.  k. 
Bergmeister  in  Jaworzno.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August. 
S.  85.) 

21)  10.  August.  1 Kiste  und  1 Schachtel,  135  Pfund.  Von  Herrn  Sapetza 
in  Neutitschein.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August.  S.  86.) 

22)  16.  August.  1 Kistchen,  3 Pfund.  Von  Herrn  Professor  Dr.  A.  Breit- 
haupt zu  Freiberg  in  Sachsen.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom 
31.  August.  S.  86.) 

23)  23.  August.  1 Kistchen,  6 Pfund  2 Loth.  Von  Herrn  Baron  von  Merck 
in  Hamburg.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August.  S.  86.) 

24)  26.  September.  2 Kisten,  189  Pfund.  Von  Herrn  Dr.  Müller  zu  Mel- 
bourne in  Australien.  Mineralien. 

25)  1.  October.  1 Kiste,  165  Pfund.  Von  Herrn  K.  Feistmantel,  Hütten- 
meister zu  Bras  bei  Rokitzan.  Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Radnitzer  Steinkohlen- 
becken. 

26)  8.  October.  3 Packete,  30  Pfund.  Von  Herrn  Boucher  de  Perthes 
in  Abbeville.  Versteinerungen,  Antiquitäten  u.  s.  w.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom 
19.  November.  S.  103.) 

27)  8.  October.  2 Kisten,  181  Pfund.  Von  den  Herren  Director  J.  Krejcf 
und  Custos  Dr.  J.  Fritsch  in  Prag.  Versteinerungen  aus  der  böhmischen  Silur- 
formation. (Verhandlungen.  Sitzung  vom  17.  December.  S.  127.) 

28)  10.  October.  1 Kistchen,  36  Pfund.  Von  der  k.  k.  Schwefelwerks-Ver- 
waltung  in  Radoboj.  Mineralien  (Schwefelkugeln). 

29)  25.  October.  2 Kisten,  109  Pfund.  Vom  k.  k.  Bergamte  in  Auronzo. 
Mineralien. 

30)  25.  October.  1 Kiste,  32  Pfund.  Von  der  k.  k.  Verpflegsverwaltung  zu 
Theresienstadt  in  Böhmen.  Steinkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

31)  28.  October.  1 Schachtel,  l1/ 4 Pfund.  Von  Frau  Josephine  Kablik 
zu  Hohenelbe.  1 Stück  Versteinerungen.  (Verhandl.  Sitzung  vom  3.  Dec.  S.  118.) 

32)  28.  October.  1 Schachtel,  1 Pfund  9 Loth.  Von  der  k.  k.  Berghaupt- 
mannschaft in  Komotau.  Versteinerungen.  (Verhandl.  Sitzung  vom  3.  Dec.  S.  1 18.) 

33)  6.  November.  2 Kisten,  250  Pfund.  Vom  k.  k.  Bergoberamte  zu  Joa- 
chimsthal. Mineralien  und  Hüttenproducte  !). 

34)  6.  November.  3 Kisten,  1050  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berg-,  Forst-  und 
Güterdirection  in  Schemnitz.  Eisensorten  u.  s.  w.  *) 

35)  6.  November.  3 Kisten,  550  Pfund.  Von  Herrn  Kohlenagenten  Gier- 
sig  in  Wien.  Muster  sämmtlicher  in  Wien  verkäuflicher  Stein-  und  Braun- 
kohlen !). 


0 Für  die  Ausstellung  während  der  berg-  und  hüttenmännischen  Versammlung  in  Wien 
eingesendet  und  dann  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  freundlichst  als  Geschenk 
überlassen. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  186!  und  1862.  I.  Heft. 


10 


74 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w. 


36)  6.  November.  2 Kisten,  450  Pfund.  Von  Herrn  Bergdirector  Andree 
in  Witkowitz.  Steinkohlen  und  Cokes  *)• 

37)  6.  November.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  Riegel  in  Fünf- 
kirchen. Muster  von  gepressten  Steinkohlen  *). 

38)  6.  November.  1 Kiste,  50  Pfund.  Von  Herrn  k.  k.  Professor  A.  Miller 
von  Hauen fels  in  Leoben.  Chromeisensteine  *)• 

39)  6.  November.  1 Kiste  und  1 Fass,  40  Pfund.  Von  Herrn  Director  K.  A. 
Frey  in  Store.  Hydraulischer  Kalk  und  feuerfeste  Ziegel  1 ). 

40)  12.  November.  1 Kiste,  75  Pfund.  Von  Herrn  Bergverwalter  H.  Becker 
in  Komorau.  Stufen  von  den  Giftberger  Zinnobererzgängen  und  Versteinerungen. 

41)  20.  November.  1 Schachtel,  1 Pfund  10  Loth.  Von  Herrn  Sapetza  in 
Neutitschein.  Mineralien  und  Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom 
3.  December.  S.  118.) 

42)  20.  November.  1 Schachtel,  3 Pfund.  Von  Herrn  Bauingenieur  Bi e fei 
in  Kremsier,  durch  Herrn  Bergrath  Lipoid.  Fossile  Thierreste. 

43)  20.  November.  1 Packet,  \'/2  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  Foith  in  Anna- 
berg,  durch  Herrn  Bergrath  Lipoid.  Fossile  Knochen  und  Gypse,  letztere  zur 
chemischen  Untersuchung. 

44)  21.  November.  1 Packet,  2 Pfund.  Von  Herrn  Fortunat  Müllner,  Be- 
zirksarzt in  Radmannsdorf.  Mineralien  und  Versteinerungen.  (Verhandlungen. 
Sitzung  vom  3.  December.  S.  118.) 

45)  26.  November.  1 Kistchen,  34  Pfund.  Vom  k.  k.  Feldjäger-Bataillon 
Nr.  1 zu  Kaaden.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

46)  26.  November.  1 Kistchen,  22  Pfund.  Von  Herrn  Baron  von  Merck  in 
Hamburg.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom  3.  December.  S.  118.) 

47)  29.  November.  1 Kistchen,  6 Pfund.  Von  k.  k.  Hüttenchemiker  in 
Joachimsthal,  Herrn  A.  Patera.  Proben. 

48)  30.  November.  2 Kistchen,  56  Pfund.  Von  Herrn  Kornhuber,  k.  k. 
Professor,  aus  Pressburg.  Versteinerungen. 

49)  30.  November.  1 Schachtel,  4 Pfund.  Von  Herrn  Bergverwalter  Cajetan 
Mayer  in  Pilsen,  durch  die  k.  k.  Berghauptmannschaft  daselbst.  Eisensteine. 

50)  4.  December.  1 Kistchen,  10  Pfund  4 Loth.  Von  Herrn  Professor 
Dr.  Braun  in  Bayreuth.  Fossile  Pflanzenreste. 

51)  Einsendungen  aus  den  Aufnahmsstationen  der  Herren  Geologen,  und 
zwar  von  der 

I.  Section:  23  Kisten,  7 Packete,  zusammen  712  Pfund. 

II.  * 2 * 2 „ „ 423  „ 

III.  21  „ 14  „ „ 1122  „ 

IV.  „ 20  „ 17  „ „ 1712  * 

Noch  trafen  Einsendungen  von  Stein-  und  Braun-Kohlenmustern  für  die  von 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  angemeldete  Ausstellung  bei  der  Londoner 
Industrie-Ausstellung  im  Jahre  1862  ein.  Eine  Gesammt-Uebersicht  derselben 
wird  im  nächsten  Verzeichnisse  der  Einsendungen  mitgetheilt  werden. 


*)  Für  die  Ausstellung  während  der  berg-  und  hüttenmännischen  Versammlung  in  Wien 
eingesendet  und  dann  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  freundlichst  als  Geschenk 
überlassen. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  75 


IV.  Verzeichntes  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


Vom  1.  Jänner  bis  31.  Deeember  1861. 


Abbeville.  Societe  imp.  d’emulation.  Memoires  1836 — 1852. 

Agram.  Realschule.  Programm  für  1861. 

„ K.  k.  Ackerbaugesellschaft.  Gospodarski  List.  1861.  Nr.  1. 

Arkansas.  Staatsregierung.  Second Report  of  a geological  Reconnoissance  of  the  Sou- 
thern and  Middle  Counties  of  Arkansas,  made  during  the  year  1859  and  1860. 

Augsburg.  Naturhistorischer  Verein.  14.  Bericht.  1861. 

Balla,  Karl,  in  Pötharaszt.  Meteorologisches,  Stürme.  1861. 

Barnard,  F.  A.  P.,  Präsident  der  Universität  Oxford,  Mississippi.  Report  on  the  History  and 
Progress  of  the  American  Coast  Survey  up  to  the  year  1858. 

Barrande,  Joachim,  in  Prag.  Remarks  on  the  Fauna  of  the  Quebec  group  of  rocks  and  the 
Primordial  zone  of  Canada  by  Sir  W.  E.  Logan.  Montreal  1861.  — On  the  Primordial 
Fauna  and  the  Taconic  System.  With  additional  Notes  by  J.  Marco  u.  Boston  1861.  — 
Documents  anciens  et  nouveaux  sur  la  faune  primordiale  et  le  Systeme  Taconique  en 
Amerique.  Paris  1861.  — Defense  des  colonies  I.  groupe  probatoire  comprenant:  la 
colonie  Haidinger,  la  colonie  Kr ejci  et  la  coulee  K rej  ci.  Prague  1861. 

Batavia.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  Natuurkundig  Tijdschrift  XX — XXII. 
(4.  Ser.  VI.  4—6;  5.  Ser.  I,  II,  1,  2).  1860. 

Belgrad.  Serbischer  literarischer  Verein.  rJLACHMK.  XII.  XIII.  1860,  1861. 

Berlin.  Kön.  Handel  sministerium.  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinen- 
wesen in  dem  preuss.  Staate.  VIII.  4.  1860.  IX.  1 — 3,  1861.  — Die  baulichen  Anlagen 
auf  den  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwerken  in  Preussen.  Dargestellt  von  Schönfelder. 
1.  Jahrg.  1.  Lief.  Atlas  mit  4 Taf.  Berlin  1861. 

„ Deutsche  geologische  Gesellschaft.  Zeitschrift.  XII.  Band  2.-4.  Heft  1860; 
XIII.  1. 1860/61. 

„ Gesellschaft  für  Erdkunde.  Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde.  N.  F.  IX.  Bd. 
4.  Hft.  1861. 

Bern.  Allgemeine  schweizerische  Gesellschaft.  Neue  Denkschriften.  Band  XVII, 
XVIII.  1860/61.  — Mittheilungen,  43,  44.  Versammlung  in  den  Jahren  1858,  1860. 

„ Naturforschende  Gesellschaft.  Mittheilungen  aus  den  Jahren  1858 — 1860. 
Nr.  408-468. 

Biancont,  Joseph,  Professor  an  der  Universität  in  Bologna.  Nuovi  annali  di  scienze  na- 
turali.  Ser.  III.  T.  X.  Fase.  11  e 12. 

Binkhorst  van  den  Binkhorst,  Jonkh  J.  T.  in  Mastricht.  Monographie  des  gastero- 
podes  et  des  Cephalopodes  de  la  craie  superieure  du  Limbourg  etc.  Bruxelles  1861. 

Blum,  Georg,  Secretär  am  k.  k.  österreichischen  General-Consulate  zu  Hamburg.  Das  Welt- 
meer. No.  1-52,  1860/61 ; No.  1—2,  1861/62. 

Bogota,  Sociedad  des  Naturalistas  Neo  Granadinos.  Boletin.  F.  3 — 8,  p.  23—106. 

Bonn.  Naturhistorischer  Verein.  Verhandlungen.  XVII.  1,  2,  1860. 

Bosten.  O effentliehe  Bibliothek.  Eighth  Annual  Report  of  the  Trutees  of  the  public 
Library  of  the  city  of  Boston  pres.  Nov.  14.  1860. 

„ Society  of  natural  history.  Proceedings.  Vol.  VII,  Fol.  16.  to  end  1860;  Vol.  VIII, 
F.  1—4.,  1861. 

„ American  academy  of  arts  et  Sciences.  Proceedings.  Vol.  IV.  Fol.  32  to  end 
1857/60;  Vol.  V.,  F.  1—30,  1860/61. 

Botzen.  K.  k.  Gymnasium.  XI.  Programm  für  1861. 

Boucher  de  Perthes,  Präsident  der  Societe  imp.  d’emul.  in  Abbeville.  Antiquites  celtiques 
et  antediluviennes.  T.  II.  Paris  1857.  — De  la  creation.  Essai  sur  l’origine  et  la  progression 
des  etres.  T.I — V,  Paris  1841.  — Hommes  et  choses,  alphabet  des  passions  et  des  sensa- 
tions.  Esquisses  et  moeurs  faisant  suite  au  petit  glossaire.  I — IV,  Paris  1851.  — Les 

10* 


76  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

masques:  biographies  sans  nom.  Portraits  de  mes  connaissances  dedies  ä mes  amis.  Pro- 
spectus.  Paris  1862.  — Chants  armoricains  ou  Souvenirs  de  Basse  Bretagne.  2.  edit, 
Paris  1831.  — Antiquites  diluviennes.  Reponse  a MM.  les  antiquaires  et  geologues  pre- 
sents  aux  assises  archeologiques  de  Laon.  Amiens  1859.  — De  l’homme  antediluvien  et 
de  ses  oeuvres.  Paris  1860.  — De  la  femme  dans  l’etat  social;  de  son  travai!  et  de  sa 
remuneration.  Discours.  Abbeville  1860.  — Sur  les  silex  tailles  trouves  dans  le  diluvium 
du  Departement  de  la  Somme.  Remarques  etc.  — Reponse  aux  observations  faites  par 
M.  E.  Robert  sur  ie  diluvium  du  Departement  de  la  Somme.  — Voyage  en  Russie,  retour 
par  la  Lithuanie,  la  Pologne,  la  Silesie  etc.  en  1856.  Paris  1859.—  Voyage  en  Espagne  et 
en  Algerie  en  1855.  Paris  1859.  — Voyage  enDanernarck,  en  Suede,  en  Norwege  par  la 
Belgique  et  la  Hollande  etc.  Paris  1859.  —Voyage  ä Constantinople  parl’Italie,  laSicile  et 
laGrece  etc.  Paris  1855.  — Archeologie.  Hachettes  diluviennes  du  Bassin  de  la  Somme. 
Rapport  adresse  a M.  le  Senateur  Prefet  de  la  Seine-inferieure  par  M.  C.  Abb.  Cochet. 
Paris  1860.  — Notice  sur  les  objects  d’arts  trouves  dans  le  diluvium.  1860,  par  S.  Fer- 
guson fils.  Amiens  1860.  — Origine  du  libre  echange  par  S.  Ferguson  fils.  Amiens 
1861.  — Observations  sur  un  instrument  en  silex  recemment  decouvert  dans  un  banc  de 
gravier  ä St.  Acheul  pres  Amiens  par  M.  John  W.  Fl  o wer,  communiquees  par  Jos. 
Pr  estwi  ch.  1859.  — Antiquites  antediluviennes  par  J.  Ch  antrel.  1859.  — Antiquites 
antediluviennes  recemment  trouvees  en  France  et  en  Angleterre.  Par  E.  Pravond. 

1859.  — Antiquites  antediluviennes.  L’homme  fossile.  — L’homme  fossile.  — La  decou- 
verte  des  haches  celtiques,  par  F.  de  Saul  cy.  — Contemporaneite  du  l’espece  humainc 
et  les  diverses  especes  animales  aujourd’hui  eteintes.  1859. 

Donation  de  M.  Boucher  de  Crevecoeur  de  Perthes  ä la  ville  d’Abbeville.  — Fon- 
dation  de  M.  Boucher  de  Crevecoeur  de  Perthes.  1861. 

Bregenz.  Vorarlberger  Museums-Verein.  3.  Rechenschafts-Bericht.  1861. 
Breithaupt,  Aug.,  Professor  an  der  kön.  Bergakademie  in  Freiberg.  Merkwürdig  ähnliche 
Paragenesis  mehrerer  natronhaltigen  Mineralien  von  verschiedenen  Fundorten. 
Breslau.  Schlesischer  Verein  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Wochenschrift. 

1860.  Nr.  52.  1861,  Nr.  1-51. 

„ Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  38.  Jahresbericht  für 

1860.  Abhandlungen.  Abtheilung  für  Naturwissenschaften  und  Medicin.  1861.  Hft.  1,2; 
philosophisch-historische  Abtheilung.  1861,  1.  — Die  fossile  Fauna  der  sibirischen  Dilu- 
vialgebilde von  Sadewitz  bei  Oels  in  Niederschlesien.  Von  Dr.  Ferd.  Roemer.  Breslau 

1861. 

Brixen.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Brody.  Handels- und  Gewerbekammer.  Bericht  über  den  Zustand  des  Handels,  der 
Gewerbe  und  der  Verkehrsverhältnisse  in  den  Jahren  1857 — 1860. 

Bronn,  Dr.  H.  G.,  Professor  an  der  grossherz.  Universität  in  Heidelberg.  Essai  d’une  reponse  ä 
la  question  de  prix  proposee  en  1850  par  l’Academie  des  Sciences  pour  le  concours  de 
1853  et  puis  remise  pour  celui  de  1856  savoir:  Etudier  les  lois  de  la  distribution  des 
corps  organises  fossiles  dans  les  differents  terrains  sedimentaires  suivant  l’ordre  de  leur 
Superposition  etc.  etc.  Paris  1861. 

Brünn.  K.  k.  Mähr,  schles.  Gesellschaft  fü  r Ackerbau-,  Natur-  und  Landes- 
kunde. Mittheilungen.  1861.  No.  1 — 51.  — Historiseh-statistishe  Section. 
Schriften.  XIII.  Band.  1860. 

Brüssel.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Bulletins.  IX,  X,  1860.  — Memoires. 
B XXXII,  1861.  — Annuaire  1861. 

Brüx.  K.  k.  Ober-Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Büchner,  Dr.  Otto,  Professor  an  der  Universität  in  Giessen.  Versuch  eines  Quellen-Verzeich- 
nisses zur  Literatur  aller  Meteoriten,  Frankfurt  a.  M.  1861. 

Calcutta.  Geological  Survey  oflndia.  Memoirs.  Vol.  II,  Part.  2.  — Annual  Report 
for  the  year  1859/60. 

„ Asiatic  Society  of  Bengal.  Journal.  No.  1,  2 de  1861. 

Cambridge.  American  Association  for  the  advancement  of  Science.  Procee- 
dings.  Vol.  XIV,  1860. 

Cassel.  Verein  für  Naturkunde.  Bericht  über  die  Thätigkeit  vom  Jahre  1837  bis 
1860. 

Chemnitz.  K.  Gewerbeschule.  Programm  für  1861. 

Cherbourg.  Soeiete  imp.  des  Sciences  naturelles.  Memoires.  T.  VII,  1859. 
Chili.  Universität.  Anales.  Entr.  1 — 12  del  anno  de  1859.  — Noticia  sobre  el  terreno 
carbonifero  de  Coronel  J.  Lota,  i sobre  los  trabajos  de  l’esplitacion  en  el  emprendidos. 
Por  D.  Paul,  del  Barr  io.  Santiago  1857. 

Christiania.  Kön.  Universität.  Bemserkninger  angaaende  graptolitherne  af  Chr. B o e c k. 
Christiania  1861.  — Ueber  den  Erzdistrict  Kongsbergs  von  Th.  Kjerulf  u.  T.  Dali  11. 


Verzeichntes  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingclangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  77 


Deutsch  von  W.  Christoph  er  sen.  Christiania  1860.  — Ueber  die  Geologie  Tellemar- 
kens  von  T.  Dahl  1.  Deutsch  von  Christophersen.  Christiania  1860.  — Forscatte  • 
Jagttagelser  over  de  erratiske  Phaenomener.  Af  J.  C.  Hörby  e.  — Observations  sur  les 
phenomenes  d’erosion  en  Norwege,  recueillies  par  J.  C.  Hörbye.  Christiania  1857.  — 
Das  Christiania-Silurbecken  chemisch-geognostisch  untersucht  von  Th.  Kjerulf. 
Herausg.  von  A.  Strecker.  Christiania  1855.  — Jagttagelser  over  den  Postpliocene 
eller  glaciale  formation  en  del  af  det  Sydlige  norge.  Af  Prof.  Dr.  Sars  og  lector 
Th.  Kjerulf.  Christiania  1860.  — Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne.  XI.  Bd., 
2.  Hft.,  1860. 

Chur.  Naturforschende  Gesellschaft.  Jahresbericht.  N.  F.  VI.  Jahrg.,  1858/60. 

Clausthal.  K.  Berg-  und  Forstamt.  Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  1.,  2.  und  3. 
Burgstädter  Gruben-Reviere.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  4.  Burgstädter  Gru- 
ben-Reviere  und  vordem  Zellerfelder  Haupt-Zuge.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom 
hintern  Zellerfelder  Hauptzuge.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  Zellerfelder  Haupt- 
zuge und  Burgstädter  Gruben-Reviere.  — Graphische  Darstellung  des  Ganges  der  Wit- 
terung auf  dem  Harz  am  l.December  1854  bis  1.  December  1859.  Nach  den  zu  Clausthal 
angestellten  meteorologischen  Beobachtungen  entworfen  von  C.  L.  School. 

Columbia.  Theological  Seminary.  Catalogue  of  the  Officiers  and  Students  for  the 
year  1860 — 61. 

v.  Cotta.  B.,  Professor  an  der  k.  Bergakademie  in  Freiberg.  Die  Goldlagerstätten  von  Vörös- 
patak  in  Siebenbürgen.  — Die  Erzlagerstätten  von  Nagyäg  in  Siebenbürgen. 

Czernowitz.  K.  k.  Gymna  sium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Czoernig.  Freih.  v.,Dr.  Karl,  Exc.,  in  Wien.  Statistisches  Handbüchlein  für  die  österreichische 
Monarchie.  I.  Jahrg.  2.  Aufl.  Wien  1861. 

Danzig.  Naturforschende  Gesellschaft.  Neueste  Schriften.  VI.  Band,  2,  3.  Hft. 

1861. 

Darmstadt.  Verein  für  Erdkunde.  Notizblatt.  II.  Jahrg.  No.  32 — 40, 1859/60.  III.  Jahrg. 
1860/61. 

„ Mittelrheinischer  geologischer  Verein.  Geologische  Specialkarte  des  Gross- 
herzogthums Hessen  etc.  Section  Dieburg,  geolcg.  bearb.  von  F.  Becker  u.  R.  Lud- 
wig. 1861. 

Daubree,  Professor  in  Strassburg.  Experiences  sur  la  possibilite  d’une  infiltration  eapillaire 
au  travers  des  matieres  poreuses,  malgre  une  forte  contrepression  de  vapeur;  applica- 
tions  possibles  aux  phenomenes  geologiques.  Paris  1861. 

Dawson,  J.  W-,  in  Montreal.  On  the  Silurian  and  Devonian  Rocks  of  Nova  Scotia. 

Delesse,  Professor  der  Geologie  zu  Strassburg.  De  l’azote  et  des  matieres  organiques  dans 
l’ecorce  terrestre.  Paris  1861.  — Etudes  sur  le  mefamorphisme  des  roches.  Oeuvre  cou- 
ronne  par  l’Academie  des  Sciences.  Paris  1861.  — Rapport  des  MM.  D eiesse,  Beaulieu 
et  Yvert  nommes  experts  par  le  conseil  de  Prefecture  de  la  Seine  au  sujet  de l’inondation 
souterraine  qui  s’est  produite  dans  les  quartiersNord  de  Paris  en  1856.  Neuilly  1861.  — 
Carte  geologique  souterraine  de  la  ville  de  Paris  publiee  d’apres  les  ordres  de  M.  le  Bar. 
C.  E.  Haussmann  Senateur  etc.  et  executee  par  Mr.  Delesse  etc.  1858.  — Ville  de 
Paris.  Service  municipal.  Inspection  generale  des  earrieres.  — Carte  hydrologique  de 
la  ville  de  Paris  etc. 

Dijon.  Academie  imp.  des  scienees.  Memoires  Ser.  II.  T.  VIII.  Ann.  1860. 

Dorpat.  K.  Universität.  Index  scholarum  1859.  — De  Balsami  Copaivae  cubebarumque 
in  urinam  transitu.  Diss.  auct.  E.  Bergmann  1859.  — Disquisitiones  pharmacologicae 
de  Senna.  Diss.  auct.  A.  Fudakowski.  1859.  — Die  Lehre  von  der  Erpressung.  Abh. 
von  C.  Hartmann.  1859.  — Zur  Lehre  von  dem  Indicien-Beweise  nach  gemeinem 
u.  livländischem  Rechte.  Abh.  von  A.  P.  Grass.  1859.  — De  succi  pancreatici  ad 
adipes  et  albuminates  vi  atque  effectu.  Diss  auct.  A.  Skrebitzki.  1859.  — Disquisi- 
tiones pharmacologicae  de  aloe.  Diss.  auct.  M.  de  Cube,  1859.  — De  cornu  Ammonis 
textura  disquisitiones  praecipue  in  cuniculis  institutae.  Diss.  auct.  G.  Kupfer  1859. 
— De  A.  Cremutio  Cordo  commentatio  auct.  C.  Rathlef.  1859.  — Ergebnisse  der  oph- 
thalmoskopischen Untersuchung  des  menschlichen  Augenhintergrundes  im  physiologi- 
schen Zustande.  Abh.  von  Ed.  Schmidt  1859.  — Meletemata  de  Hydrargyri 
effectu.  Diss.  auct.  J.  J.  Seek.  1859.  — De  rationibus  compensantibus  in  cordeae 
groto.  Diss.  auct.  Dr.  G.  Reyher.  1859.  — Disquisitiones  pharmacologicae  de  asa 
foetida  et  Galbano.  Diss.  auct.  C.  Semmer.  1859.  — De  Scaphirhyncho  Rafinescii  dis- 
quisitiones anatomicae.  Diss.  auct.  G.  G.  Brutzer.  1859.  — Ein  Beitrag  zur  Histologie 
des  Rückenmarkes.  Diss.  v.  E.  v.  B ochmann.  1859.  — Ueber  die  unterhäutige  Tren- 
nung des  Kaumuskels.  Abh.  von  Dr.  H.  Kühne,  1860.  — Ein  Beitrag  zur  Blasenstein- 
krankheit und  zum  Seitenblasensehnitte  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  durch 
diese  Operation  erzeugten  Harn-Mastdarmfistel.  Diss.  von  Fr.  Hohlbeck.  1860,  — 


78  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  gedog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

Ueber  Verknöcherung  und  Verrindung  des  Muskel-  und  Sehnengewebes.  Diss.  von  E. 
Bushak.  1860.  — Die  Elephantiasis  graecorum  in  den  Ostseeprovinzen  Russlands. 
Abh.  von  C.  Rogenhagen  1860.  — Untersuchungen  über  die  Textur  der  Lymph- 
drüsen.  Diss.  von  P.  Walter.  1860.  — Die  väterliche  Gewalt  und  ihre  Beziehung 
zum  Vermögen  der  Kinder  nach  Rigaschem  Standrechte.  Abh.  von  W.  Kieseritzky. 

1860.  — Ueber  den  Begriff  des  Besitzes  nach  römischen  Rechte.  Abh.  von  0.  v. 
Schmidt.  1860.  — Der  Druckverband  bei  Ophthalmoblennorrheen  neonatorum.  Diss. 
von.  Seb.  Ritter.  1860.  — Ueber  den  Einfluss  der  Milchsäure  auf  das  Endocardium. 
Diss.  von  C.  Rauch  1860.  — Untersuchungen  über  das  Dünndarm-Epithelium  und 
dessen  Verhältniss  zum  Schleimhautstroma.  Diss.  von  Ad.  Wiegandt.  1860.  — 
Ueber  einige  scharfe  Stoffe  und  die  Einwirkung  derselben  auf  eiweissartige  Körper. 
Diss.  von  C.  Eberbach.  1860. — Untersuchungen  über  die  Entwickelung  der  quer- 
gestreiften Muskelfaser.  Abh.  v#n  E.  Moritz  1860.  — Ueber  die  mechanische  Dispo- 
sition zur  Varicocele.  Abh.  von  J.  Schulz.  1860.  — Die  fibrösen  Geschwülste  des 
Schädelgrundes.  Abh.  von  E.  B eggro  w.  1860.  — Ueber  den  vorzugsweise  wirksamen 
Bestandtheil  des  schwarzen  Pfeifers.  Abh.  von  J.  C.  Neumann  1860.  — Experimen- 
telle Untersuchungen  über  den  Lymphstrom.  Diss.  von  W.  Weiss.  1860.  — Experi- 
mentelle Untersuchungen  über  lie  Beziehung  des  Halsstranges  des  Sympathicus  zur 
Temperatur  des  Kaninchenohres.  Abh.  von  A.  Albanus.  1860.  — Ueber  Resectionen 
des  Oberkiefers,  ausgeführt  von  J.  F.  Heyfelder.  Diss.  von  P.  Seil  heim.  1860. 

— Ein  Beitrag  zur  Lehre  von  1er  Probabilität  der  Heilung  Geisteskranker,  zunächst 
nach  den  statistischen  Ergebnissen  der  Irren-,  Heil-  und  Pflegeanstalt  Preobrashensk  zu 
Moscau.  Diss.  von  E.  Fick.  186(1.  — Versuch  einer  Kritik  der  orthopaedischen  Heilme- 
thoden bei  Gelenkverkrümmungen  der  Extremitäten  mit  besonderer  Berücksichtigung 
der  Tenotomie.  Abh.  v.  J.  Plicatus.  1860.  — Ueber  den  Uebergang  von  Metall- 
salzen in  die  Galle.  Diss.  von  E.  Wiehert.  1860.  — Beiträge  zur  Histologie  der 
Binde  des  grossen  Gehirns.  Diss.  von  E.  Stephan y.  1860.  — Biostatik  der  Stadt 
Dorpat  und  ihrer  Landgemeinde  in  den  Jahren  1834 — 1859.  Abh.  von  F.  Huebner 

1861.  — Beiträge  zu  der  Frage  über  die  Glycosurie  der  Schwangeren,  Wöchnerinnen 
und  Säugenden.  Diss.  von  H.  «wanoff.  1861.  — Die  Knochenauswüchse  der  Augen- 
höhle. Diss.  von  E.  Grünhoff.  1861.  — Ueber  die  Wassersucht  der  Schleimbeutel 
und  Sehnenscheiden.  Abh.  voi  Fr.  Baumgardt.  1861.  — Pharmacologische  Unter- 
suchungen über  Ammoniacum,  Sagapenum  und  Opoponax.  Diss.  von  Fr.  Przecis- 
zewski.  1861.  — Allgemeine  Bemerkungen  zu  den  Hernien  und  Laparotomie  mit  Darm- 
implantation. Diss.  von  F.  A.  Haken  1861.  — Mittheilungen  aus  der  chirurgischen 
Klinik  der  kais.  Universität  zu  Dorpat  im  Jahre  1859.  Von  A.  Braun.  1861.  — Studien 
über  den  Einfluss  der  bedeutendsten  medicinischen  Systeme  älterer  und  neuerer  Zeit 
auf  die  Pharmacologie.  1.  Abfh.  Abh.  von  G.  F.  Poelchau.  1861. 

Dorpat*  Naturforscher  Veiein.  Archiv  für  die  Naturkunde  Liv-,  Esth-  und  Kur- 
lands. II.  Ser.  Biologische  Naturkunde.  Bd.  II.  III.  1860. 

Dresden*  K.  Polytechnische  Schule.  Programm  zu  den  am  18/20.  März  1861  zu 
haltenden  Prüfungen. 

Dublin*  Royal  Society.  Journal.  July — October  1860.  No.  XVIII.  et  XIX. 

„ Geological  Society.  Journal.  Vol.  III.  1857/60. 

„ Redaction  der  Natural  History  Review,  a quarterly  Journal  of  biological 
Science  1861.  N.  1. 

Dunkerque*  Societe  pour  l’encouragement  des  Sciences,  des  lettres  et  des  ! 
arts.  Memoires.  Vol.  VII.  1860/61. 

Eüdinburg*  Royal  Society.  Transaetions  XVIII — XIX.  1.  2.  1848/50.  (Makerston 
magnetical  and  meteorological  observations  for  1844/46.),  XX.  1 — 4 for.  1849 — 1853, 
XXI.  1—4  for  1853—1857,  XXII.  1—2  for  1858—1860,  Supplement.  (Appendix  to  the 
Makerston  magnet.  and  meteorol.  observations)  1860.  — Proceedings.  Sess.  1859/60.  ! 

Ellbogen*  0 berreal schule.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Emden,  Naturforschende  Gesellschaft.  46.  Jahresbericht.  1860.  — Kleine  Schrif- 
ten. VIII.  1861. 

Eürdmann,  0.  L.,  Professor,  in  Leipzig.  Journal  für  pVaktische  Chemie.  81.  Bd.  5 — 8.  Hft. 
1860;  82.  Bd.  und  83.  Bd.  Hft.  1—8;  1861.  Bd.  84.  Hft.  1-2. 

Elrlau*  K.  k.  Gymnasium.  Programm.  1860.  — Schematismus  sacri  et  exemti  ordinis 
Cisterciensis.  Abb.  B.  M.  V.  etc.  1861. 

St*  Eltievine*  Societe  de  l’industrie  minerale.  Bulletin.  I.  VI.  1 — 3.  Livr.  1860. 

Favre,  Alphons,  Professor  in  Genf.  Notice  sur  la  reunion  extraordinaire  de  la  societe 
geologique  de  France  ä St.  Jean  de  Maurienne  (Savoie)  le  1.  Septembre  1861.  — 1 
Note  sur  le  terrain  houiller  et  sur  le  terrain  nummulitique  de  la  Maurienne.  1861 

E'eldkirch*  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1860/61. 

* - •Mri  ; 

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Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geoiog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  79 


Feltre.  K.  k.  Lyce  al-Gymnasium.  Programma  per  l’anno  Scolastico  1861. 

Fiedler,  Leopold,  k.  k.  Bergrath,  Inspector  der  K.  F.  Nordbahn  in  Mähr.  Ostrau.  lieber- 
sichtskarte  des  Prziwoser  und  Hruschauer  Kohlenbergbaues  bei  Mähr.  Ostrau  (Man.). 

Florenz.  Aceademia  dei  Georgofili.  Rendiconti.  Tr.  IV.  Anno  II.  disp.  1 — 5. 
de  1861. 

Frankfurt  a.  M.  Senkenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  Abhand- 
lungen. III.  2.  1861. 

„ Phys  icalischer  Verein.  Jahresbericht  für  1859/60. 

Freiberg.  K.  Ober-Bergamt.  Jahrbuch  für  den  Berg-  und  Hüttenmann  auf  1861. 

Freiburg.  Naturforschende  Gesellsch  aft.  Berichte  über  die  Verhandlungen.  Bd.  II. 
Hft.  3.  1861. 

St.  Gallen.  Natu  rwissens  chaftliche  Gesellschaft.  Bericht  über  die  Thätigkeit 
während  der  Vereinsjahre  1858/61. 

Genf.  Societe  de  physique  et  d’histoire  naturelle.  Memoires  T..  XV.  2. 
XVI.  1.  1860—1661. 

Gotha.  J.  Perthes’  geographische  Anstalt.  Mittheilungen  über  wichtige  neue 
Erforschungen  auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Petermann. 
1860.  Nr.  11.  12;  1861.  Nr.  1 — 11.  Ergänzungshefte  Nr.  4—6.  — Die  geognosti- 
schen  Verhältnisse  der  Nordkarpathen  in  Schlesien  und  den  angrenzenden  Theilenvon 
Mähren  und  Galizien  als  Erläuterung  zu  der  geognostischen  Karte  der  Nordkarpathen, 
von  Ludwig  Hohenegger.  Gotha  1861. 

Göttingen.  K.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Abhandlungen  IX.  Bd.  vom 
Jahre  1860. 

Graham,  J.  D.  Lieut.  Colonel,  Chicago  Illinois.  Annual  Report  on  the  improvement  of  the 
Harbors  of  Lakes  Michigan,  St.  Clair,  Erie,  Ontario  and  Champlain,  for  the  year  1860. 

Graz.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ Steierm.  ständ.  Joanneum.  49.  Jahresbericht  über  das  Schuljahr  1860.  Personal- 
stand und  Vorleseordnung  im  Studienjahre  1862. 

„ — landsch.  Ober-Realschule.  10.  Jahresbericht  für  das  Studienjahr  1861. 

Personalstand  und  Vorleseordnung  an  der  commerziellen  Abtheilung  im  Studien- 
jahre 1861/62. 

„ Geognost.  montan.  Verein.  X.  Bericht.  1860. 

„ K.  k.  L and wirthsehafts- Ges  eil s chaft.  Wochenblatt:  X.  Jahrg. ; XI.  Jahrg. 
Nr.  1—4.  1860/61. 

Gümbel,  k.  Bergmeister,  München.  Verzeichniss  neuer  Arten  von  organischen  Ueberresten 
aus  verschiedenen  Schichten  der  bayerischen  Alpen.  1861.  — Ueber  das  Alter  der 
Münchberger  Gneissparthie  im  Fichtelgebirge  1861. 

Haag.  Kön.  Niederländ.  Regierung.  Section  Nr.  19.  Betuwe;  Sect.  20.  Munsterland 
der  geol.  Karte  des  Königreiches  der  Niederlande. 

Hall,  James,  Professor,  Albany.  Contributions  to  the  Palaeontology  of  New  York,  being  some 
of  the  Results  of  Investigations  made  during  the  years  1855/58. 

Halle,  Naturforschende  Gesellschaft.  Abhandlungen.  V.  Bd.  3.  4.  VI.  I.  1860/61. 

„ Naturwissenschaftlicher  Verein.  Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissen- 
schaften. Bd.  15  und  16,  Jahrg.  1860.  — Abhandlungen.  I.  2.  II.  1860/61. 

Hamburg.  Natu  r wissenschaftli  ch  er  V er  ein.  Abhandlungen.  III.  IV.  1, 2.  1858 — 60. 

Hanau.  Wetterauer  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde.  Jahres- 
bericht über  die  Gesellschaftsjahre  1858/60. 

Handl,  Dr.  A.,  Professor  in  Lemberg.  Ueber  die  Kry stallformen  der  ameisensauren  Salze. 
Wien  1861. 

Hannover.  Naturhistorische  Gesellschaft.  X.  Jahresbericht  von  Michaeli  1859 
bis  dahin  1860. 

» Polytechnische  S c hu  1 e.  Programm  für  das  Jahr  1861/62. 

„ Architekten-  und  Ingen  i eur-Verei n.  Zeitschrift  VI.  Bd.  Hft.  4.,  Jahrg.  1860. 
VII.  Jahrg.  1861.  Hft.  1—3. 

» Gewerbe-Verein.  Mittheilungen.  1860  Nr.  6;  1861  Nr.  1—8.  — Monatsblatt  1861. 
Nr.  2—4. 

Hartem.  Holl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Natuurkundige  Verhandelingen. 
XIV.  1 — 2.  XV.  1858.  1861.  — Extrait  du  programme  pour  l’annee  1861. 

Haughton,  Samuel  Rev.,  in  Dublin.  On  Cyclostigma,  a new  genus  of  fossil  plants  from  the 
old  red  Sandstone  of  Kiltorean  etc.  1859.  — On  the  fossils  brought  from  the  arctic 
regions  in  1859  by  Capt.  Sir.  F.  L.  M’Cli  ntock  1860. 

Haupt,  Theodor,  Toscanischer  Bergrath.  Chronologische  Uebersicht  der  wichtigsten  Ereig- 
nisse beim  Bergbau  seit  Wiederauffindung  der  Pandekten  Justinians  bis  zur  Einsetzung 
der  Erbschachte.  Braunschweig  1861. 


80  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  n.  s.  w. 


Haiirand,  C.  W.  Th.  in  Wien.  Karte  von  Deutschland  mit  Einschluss  von  ganz  Oesterreich, 
Belgien,  den  Niederlanden,  der  Schweiz  etc.  1861 . (Ethnograph.  K.)  — Geologische 
Gebirgskarte  von  Mittel-Europa. 

Heidelberg.  Universität.  Heidelberger  Jahrbücher  der  Literatur.  1860.  11—12.  Hft. ; 
^ 1861,  1—9.  Hft. 

Heine , Dr.  Jos.,  Medicinalrath  in  Speyer.  Festgabe  gewidmet  der  XXXVI.  Versammlung 
deutscher  Naturforscher  und  Aerzte.  1861. 

Heis,  Dr.  Prof.  Münster.  Bildliche  Darstellung  der  zu  Münster  vom  1.  December  1859  bis 
30.  Nov.  1860  angestellten  metereologischen  Beobachtungen. 

v.  Helmersen,  Gregor,  kais.  russ.  General-Major  in  St.  Petersburg.  Das  Olonezer  Berg- 
revier geologisch  untersucht  in  den  Jahren  1856/59.  — Die  in  Angriff  genommenen 
Steinkohlenlager  des  Gouvernements  Tula  1860.  — Vorschlag  zur  Anstellung  paläonto- 
logischer  Nachgrabungen  im  südl.  Russland.  1860.  — Die  geologische  Beschaffenheit 
des  unteren  Narovathals  und  die  Versandung  der  Narovamündung.  1860.  — Ueber  die 
von  der  kais.  russ.  geograph.  Gesellschaft  ausgerüstete  sibirische  Expedition  und  Nach- 
richten über  Mag.  F.  Schmidt’s  Reise  nach  dem  Amur-Gebiete.  1860. 

Herrn  annstadt.  K.  k.  Kathol.  Staats-Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr 
1860/61. 

„ Siebenbürg.  Verein  für  Naturkunde.  Verhandlungen  und  Mittheilungen  1860. 
Nr.  7-12. 

Hon,  Capitaine  in  Brüssel.  Periodieite  des  grands  deluges  resultant  du  mouvement  graduel 
de  la  ligne  des  apsides  de  la  terre.  Theorie  prouvee  par  les  faits  geologiques  2.  edit. 
Paris.  1861. 

Hörnes,  Dr.  Moriz,  DirectoF  des  kais.  Hof-Mineraliencabinets , Wien.  Abbildungen  des 
15  Pfund  schweren  Meteorsteines  von  Seres  in  Macedonien , gefallen  im  Juni  1818. 

Jena.  Kais.  Leopold.  Carol.  Akademie  der  Naturforscher.  Verhandlungen. 
XXVIII.  1861. 

Iglau.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  1861. 

Innsbruck.  K.  k.  Gymnasium.  XII.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Jokely,  Johann,  Sections-Geologe.  Der  Curort  Liebwerda  und  seine  Heilquellen  im  Sunz- 
lauer  Kreise  Böhmens  von  Jos.  Plumert.  Prag  1849.  — Johannesbad  im  böhm.  Riesen- 
gebirge als  Curort.  Vom  medicinischen  Standpunkte  geschildert  von  Prof.  Dr.  Loschner. 
Prag  1859. 

Kämtz,  Ludw.  Friedr.,  Dr.,  k.  russ.  Staatsrath  und  Prof,  in  Dorpat.  Repertorium  für  Me- 
teorologie. II.  1,  2.  1860/61. 

Kästner,  Leopold,  Expeditor  der  k.  k.  priv.  Credit-Anstalt  in  Wien.  Führer  für  Reisende  auf 
Eisenbahnen  und  Dampfschiffen  in  Oesterreich  nebst  den  Verbindungen  mit  dem  Aus- 
lande u.  s.  w.  Wien.  August — December  1860,  Jänner — October  1861.  — Telegraphen- 
Tarif  von  Wien  nach  allen  Stationen  in  Europa,  Asien  und  Africa.  Wien.  1861. 

Keller,  Dr.  Franz,  Professor  in  Speyer.  Beilage  zum  Tageblatt  der  XXXVI.  Versamm- 
lung deutscher  Aerzte  und  Naturforscher  in  Speyer  vom  17.  bis  24.  September  1861. 

Kiel.  Universität.  Schriften  aus  dem  Jahre  1860. 

„ Verein  nördl.  der  Elbe  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher 
Kenntnisse.  Mittheilungen.  2.  Hft.  1860. 

Klagenfurt.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ K.  k.  Ober-Realschule.  IX.  Jahresbericht  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1861. 

„ K.  k.  Landwirthschafts-Gesellschaft.  Mittheilungen  über  Gegenstände  der 
Industrie  und  Landwirthschaft.  1861.  Nr.  4. 

Köln.  Redaction  des  Berggeist.  Zeitung  für  Berg-,  Hüttenwesen  und  Industrie. 
1861.  Nr.  1 — 101. 

Königsberg.  K.  Universität.  Amtliches  Verzeichniss  des  Personals  und  der  Studi- 
renden  für  das  Sommersemester  1860/62,  und  für  das  Wintersemester  1860/61.  — Ver- 
zeichniss der  zu  haltenden  Vorlesungen  1860/61.  — De  ulcerationibus  recti.  Diss.  auct. 
H.  Anker  mann  1859.  — In  Fr.  XL1X.  Farn.  Ercisc.  Commentatio.  Diss.  auct.  Osc.  Th. 
Binseei  1860.  — De  pneumonia  intermittente ; diss.  auct.  Ed.  Grün.  — Henricus  de 
Bracten,  quo  tempore  et  qua  ratione  librum  de  jure  anglicano  composuerit;  diss. 
auct.  C.  Ed.  Gueterbock.  — De  atrophia  musculari  progressiva;  diss.  auct.  H.  G.  R. 
Heimlich.  — Recentiorum  de  epilepsia  doctrinarum  comparatio.  Diss.  auct.  Jo  an. 
Hertz.  — De  ileo,  diss.  auct.  C.  A.  M.  Jaquet.  — Dissertatio,  quam  pro  loco  in  ordine 
jure  consultorum  Regimontanorum  rite  obtinendo;  auct.  R.  C.  John.  — De  diphtheri- 
tidis  conjunctivae  epidemia;  diss.  auct.  Julius  Lewinski.  — De  principiis  oecono- 
micis,  quae  Max.  deBethune,  dux  de  Sully,  sub  Henrico  IV  in  publicis  Franciae  pecu- 
niis  administrandis  secutus  est;  diss.  auct.  H.  Sellniek.  — De  statu  quaestionis  sintne 
Einhardi  necne  sint  quos  ei  ascribunt  annales  Imperii  specimen;  diss.  auct.  Bernh.  Ed. 


Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  81 


Simson. — Nonnullae  laesae  eolumnae  vertebratis  casus;  diss.  auct.  Jul.  Stein.  — 
De  vena  portae  obstructione ; diss.  auct,  0.  H.  Ziegler.  — De  nonnullis  locis  Cicero- 
nianis,  in  quibus  verba  poetarum  latent;  — de  colonia  in  qua  Petronius  conam  Trimal- 
chionis  finxerit;  — dissertatio  qua  fabula  Apuljeana  de  Psyche  et  Cupidine  cum  fabulis 
cognatis  comparantur,  p.  1 et  2;  — de  propagatione  munerum  ac  venationum  per 
Graeciam  et  Orientem ; — vindiciae  Nicanoreae  quibus  orationes  ad  celebrandam  ine- 
moriam  virorum  illustrium  J.  F.  a.  Rhod.  Fr.  a Graeben.  Joh.  D i e t e r i c i T e 1 1 a u ; disser- 
tationes  auct.  Lud.  Friedländer.  — De  Pyaemia,  diss.  auct.  G.  A.  Groeck. — De 
thrombosi  et  embolia;  diss.  auct.  H.  H.  a.  Lipkau.  — De  mutua  duorum  fluidorum 
frictione;  diss.  auct.  Ott.  Aem.  Meyer.  — De  hepatis  abscoessibus;  diss.  auct.  Ad. 
Meyer.  Symbolae  ad  theoriam  rheumatismi  criticae  ct  experimentales;  diss. auct.  Dr.  Jul. 
M o eil  er. — Philippi  Melanthonis  de  legibus  oratio  denuo  edita  J.  G.  Th.  A.  A.  Muther. 
— De  sarcomate  tumoribusque  recidivis;  diss.  auct.  J.  Riemer.  — De  casibus  duobus 
fibroidis  et  cystofibroidis  mandibulae;  diss.  auct.  0.  Tribukait.  — De  Ottone  I Epis- 
copo  bambergense;  pars  prior;  diss.  auct.  Guil.  Volkmann. 

Königsberg.  Kön.  Physik.  Ökonom.  Gesellschaft.  Schriften.  I.  Jahrg.  1.  2. 
Abth.  1860/61.  — Die  Melamorphose  des  Caryoborus  (Bruchus)  gonagra  Fbr.  von 
H.  C.  Elditt.  Königsberg  1860. 

Kotz,  Baronin  Louise.  Was  ich  erlebte!  was  mir  auffiel.  II.  und  III.  Abth.  Prag  1861. 

Kraus,,  Joh.  Bapt.,  Rechnungsrath  der  k.k.  Mont.  Hofbuchhaltung  in  Wien.  Montan-Handbuch 
des  österr.  Kaiserstaates  für  1861.  — Sammlung  jener  Gesetze  und  Verordnungen, 
welche  im  k.  k.  österr.  Reichsgesetzblatte  und  im  Verordnungsblatte  des  k.  k.  Finanz- 
ministeriums von  1857  bis  1861  veröffentlicht  wurden  u.  s.  w.  Wien  1862. 

Kremsmiinster.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Kronstadt.  Evangelisches  Gymnasium.  Programm  zum  Schlüsse  des  Schuljahres 
1860/61. 

Lausanne.  Societe  vaudoise  des  Sciences  naturelles.  Bulletin.  T.  VI,  Nr.  48, 
1860. 

Lea,  Isaac,  Präsident  der  Naturforscher-Akademie  in  Philadelphia.  Observations  on  the 
genus  Unio.  Vol.  VIII,  6,  1,  1861.  — Publications  of  I.  Lea  on  recent  Conchology.  Jan. 
1861.  — Check  List  of  the  Shells  of  North  America.  By  W.  G.  Binney. 

Leipzig.  Kön.  sächs.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Berichte  über  die  Ver- 
handlungen, Mathem.  phys.  CI.  1860.  Nr.  1,  2,  3.  — W.  Hofmeister.  Neue  Beiträge 
zur  Kenntniss  der  Embryobildung  der  Phanerogamen.  II.  Monocotylideen.  Leipzig  1861. 
— W.  G.  Hanke  1.  Elektrische  Untersuchungen.  5.  Abh.  Maassbestimmungen  der  elektro- 
motorischen Kräfte.  1.  Th.  Leipzig  1861. 

Lemberg.  Verein  der  galizischen  Sparcasse.  Rechnungs-Abschluss  nach  dem 
17.  Jahre  ihres  Bestehens.  1860. 

Leonhard,  K.  C.,  Geheimrath  u.  Professor  in  Heidelberg.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie, 
Geognosie  u.  s.  w.  Jahrg.  1860.  Hft.  6,  7;  Jahrg.  1861,  Hft.  1 — 4 sammt  Beilagen- 
Heft:  über  die  Ursachen  der  in  den  Jahren  1850  bis  1857  stattgefundenen  Erderschütte- 
rungen u.  s.  w.  von  Dr.  K.  E.  Kluge.  1861. 

Leutschau.  Evang.  Ober-Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Linz.  K.  k.  Ober-Realschule.  X.  Jahresbericht  für  das  Studienjahr  1861. 

„ Museum  Francisco  Carolinum.  20.  Bericht  1860. 

Lioy,  Paolo.  La  vita  dell’Universo.  Venezia  1861. 

London.  Zoological  Society.  Proceedin  gs.  1860,  Part.  3.  1861,  Part.  1. 

„ Linnean  Society.  Transactions.  Vol.  XXIII.  1,  1860.  — Journal  of  the  Proceedings. 
Botany.  IV,  Nr.  16  u.  Suppl.  Hft.,  V,  Nr.  17—20  u.  2 Suppl.  Hefte  1860/6L  — Zoology. 
IV,  16;  V,  17— 20.  List  1860. 

„ Geological  Society.  The  quarterly  Journal.  Vol.  XVI,  P.  4,  Nov.  1860,  Nr.  64.  — 
Vol.  XVII,  P.  1 u.  2.  1861.  Nr.  65  1 — 67.  — List  September  1860. 

„ R.  Geographical  Society.  Proceedings.  Vol.  IV,  Nr.  4,  5.  1860;  Vol.  V,  Nr.  1 — 4. 
1861.  — Journal  1860. 

„ R.  Institution  of  Great  Britain.  Notices  of  the  Proceedings  at  the  Meetings  of 
the  members.  Part  XI.  1860/61.  — A List  of  the  members,  officers  etc.  1861. 

Loosey,  K.  k.  österr.  General-Consul  in  New-York.  Storm  and  Rain  Chart  of  the  North 
Pacific  Sheet  i by  M.  F.  Maury  etc.  Washington  1860.  — Bulletin  of  the  Americ. 
Ethnological  Society.  Vol.  I,  1860/61. 

St.  Louis.  Academy  of  Sciences.  Transactions.  Vol.  1,  Nr.  4,  1860. 

Ludwig,  Rudolph,  Directions-Mitglied  der  Bank  u.  s.  w.  in  Darmstadt.  Die  Lagerungsver- 
hältnisse der  productiven  Steinkohlenformation  im  Gouvernement  Perm.  Moskau  1860. 
— Die  Mineralquellen  zu  Homburg  vor  der  Höhe.  Darmstadt  1861.  — Bericht  über  die 
Berg-  und  Hüttenwerke  und  Ländereien  Sr.  Exc.  des  Herrn  Nikita  v.  Wsevolojsky,  RUSS- 
IN. k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft.  11 


82  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


land,  Gouv.  Perm.  — Fossile  Pflanzen  aus  dom  tertiären  Spatheisenstein  von  Monta- 
baur. — Süsswasserbivalven  aus  der  Wetterauer  Tertiärformation.  1 86 1 . 

Lüneburg.  Na  t ur  w i s s e ns chaftl  ich e r Verein.  10.  Jahresbericht.  1861. 

Lüttich.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  XV. 

Lyon*  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  Bd.  VIII — X.  1859 — 1861. 

„ Kais.  A ck  e r b a u - G e s e 1 1 s ch a f t.  Annales  des  Sciences  physiques  et  naturelles. 
II.  Ser.,  T.  VII,  2.  1855;  III,  T.  IV,  1860. 

Madras*  Literary  Society.  Journal  of  Literature  and  Science.  Mai  1861. 

Mailand.  Kön.  Institut  der  Wissenschaften.  Atti  Vol.  II,  Fase.  1 — 14,1860  61.  — 
Memorie.  Vol.  VIII,  Ser.  II,  Vol.  II,  Fase.  4,  5,  1861.  — Elenco  dei  giornali  e delle  opere 
periodiehe  esistenti  presso  publici  stabilimenti  a Milano  , compilato  da  L.  dell'Acqua. 
Milano  1861. 

„ Societä  italiana  di  scienze  naturali.  Atti  Vol.  II,  Fase.  2 — 4,  1860; 
Vol.  III,  Fase.  1—2,  1861. 

„ Ateneo.  Atti.  Vol.  I,  Anno  XV,  Disp.  2,  4,  1860.  Vol  II,  Anno  XVI,  Disp.  1,  2,  1801. 

Manger,  Rudolph,  Bergwerksbesitzer,  Prag.  Das  österreichische  Bergrecht  nach  dem  all- 
gemeinen Berggesetze  u.  s.  w.  Supplement-Band  im  Anhänge:  Aphorismen  über  die 
unmittelbare  Erwerbung  des  Bergwerks-Eigenthumes.  Prag  1861. 

Mannheim.  Verein  für  Naturkunde.  27.  Jahresbericht.  1861. 

lie  Mans.  So  cieted’agriculture,  Sciences  et  artsde  la  Sarthe.  Bulletin.  1859 
et  1860. 

Mantua*  K.  k.  Ly  ce al-G y m n a si u m.  Programms  per  l’anno  lascolastico  1861. 

Manz,  Friedrich,  Buchhändler,  Wien.  Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hütten- 
wesen. 1860,  Nr.  52;  1861,  Nr.  1—51.  — Erfahrungen  im  berg-  und  hüttenmännischen 
Maschinenbau-  und  Aufbereitungswesen  u.  s.  w.  von  P.  Rittinger.  Jahrg.  1860.  Mit 
Atlas.  Wien  1860. 

Marburg*  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Studienjahr  1861. 

Melbourne.  Redaction  des  Colonial  Mining  Journal,  Railway  and  Share  Ga- 
zette and  Illustrated  Record.  Vol.  111,  Nr.  3—12  de  1860/61 ; Vol.  IV,  Nr.  1—  de  1861/62. 

„ P h i I osop  h i ca  I Institute.  Transactions.  Vol.  IV,  Part.  1,  2.  1859/1860. 

Merrit,  I.  King,  in  New-York.  Report  on  the  Huacals,  or  ancient  Graveyards  of  Chiriqui. 
1860. 

Metz.  Societe  d’histoire  naturelle.  Bulletin.  IX.  Cahier.  1860. 

Moskau*  Kais,  naturforschende  Gesellschaft.  Bulletin.  Nr.  4 de  1860,  Nr.  1 , 2 
de  1861.  — Memoires.  XIII,  2. 

Mühlhausen*  Societe  industrielle.  Bulletin.  Jänner  bis  November  de  1861.  — 
Programm  des  prix  proposes  dans  l’assemblee  generale  du  29.  Mai  1861  pour  etre  de- 
eernes  dans  l’assemblee  generale  de  Mai  1862. 

München.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Grenzen  und  Grenzgebiete  der 
physiologischen  Forschung.  Festrede  von  Dr.  E.  Harless.  München  1860. — Rede  auf 
Sir  Thomas  Babington  Macaul ay,  den  Essaysten  und  Geschichtschreiber  Englands. 
Vorgetragen  von  Dr.  G.  Th.  Rudhart.  München  1860.  --  Einleitende  Worte  zur  Feier 
des  Allerh.  Geburtsfestes  Sr.  Maj.  des  Königs  Ma x i m i 1 i a n II.,  gesprochen  von  J.  Freih. 
v.  Lie  big.  München  1860.  — Verzeichniss  der  Mitglieder  der  k.  Akademie  der  Wissen- 
schaften. 1860.  — Sitzungsberichte,  1860,  Hft.  4,  5;  1861,  Hft.  1 — 4. 

„ Kön.  Sternwarte.  Annalen.  XII.  Bd.  1860. 

Murchison,  Sir  Rod.  and  Archibald  Geikie.  On  the  altered  Rocks  of  the  Western  islands 
of  Scotland  and  the  North  Western  and  Central  Highlands.  London  1861. 

Namias,  Hyacinth  Med.  Dr.,  Secretär  des  k.  k.  Instituts  der  Wissenschaften  in  Venedig. 
Sulla  tubercolosi  dell’utero  e degli  organi  attinenti.  Memoria  II.  Venezia  1861. 

Neuchatei.  Societe  des  Sciences  naturell  es.  Bulletin.  T.  V,  2,  1860. 

Neusohl.  K.  k.  Kath.  Staats-Gymnasium.  IX.  Programm  für  1861. 

Newberry,  John,  S.,  Professor  am  Columbian-Collegium  in  Washington.  Reports  on  the 
Geology,  Botany  and  Zoology  of  Northern  California  and  Oregon.  Washington  1857. 

New-York.  Deutsche  Gesellschaft.  Jahresbericht  1860. 

Norton,  Carl  B.,  Buchhändler,  New-York.  Nortons  Literary  Letter.  Nr.  4,  de  1859;  Nr.  2, 
de  1860. 

Ofen*  Kön.  Ober-Realschule.  VI.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Offenbach  a.  M.  Verein  für  Naturkunde.  2.  Bericht  1860/61. 

Olvnütz*  K.  k.  Ober-Realschulje.  VII.  Jahresbericht  für  1861. 

Omboni,  Johann,  Professor  in  Mailand.  II  congresso  dei  naturalisti  svizzeri  in  Lugano 
nel  Settembre  1860.  — Cenni  sulla  carta  geologica  della  Lombardia.  — Gila  geologica 
nei  d’intorni  dei  Lago  d’Iseo  etc. 


Verzeichn* ss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  83 

ördway,  Albert,  in  Boston.  On  the  supposed  identity  of  the  Paradoxides  Harlani,  Green 
with  the  Par.  spinosus  Boeck.  Boston  1861. 

Palermo.  Societä  d’acelimazione  e di  agricoltura  in  Sicilia.  Atti,  Vol.  I, 
Nr.  1—4,  1861. 

Paris.  Ecole  imp.  des  mines.  Annales  des  mines.  T.  XVII,  3.  Livr.,  T.  XVIII,  4. — 6.  Livr. 
de  1860;  T.  XIX,  1—4,  de  1861. 

„ Societe  geologique.  Bulletin.  T.  XVI,  F.  63—73;  T.  XVII,  F.  45— 59;  T.  XVII, 
F.  1—43,  de  1859—1861. 

Parker,  W.  K.,  London.  On  the  nomenelature  of  the  foraminifera.  1860.  — On  the  Rhizo- 
podal  fauna  of  the  mediterranean  compared  with  that  of  the  italian  ad  other  tertiary 
deposits.  1860.  — On  sorae  fossil  foraminifera  from  Chellaston,  near  Derby.  1860. 

Passau»  Naturhistori  sch  er  Verein.  IV.  Jahresbericht.  1861. 

Perrey,  Alexis.  Note  sur  les  tremblements  de  terre  en  1857  avec  Supplements  pour  les 
annees  anterieures.  Dijon  1861. 

St.  Petersburg'.  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  III,  No.  10, 
11.  — Bulletin.  T.  III,  No.  6—8;  T.  IV,  No.  1—2.  1861. 

Pfeiffer,  Franz,  Professor  an  der  k.  k.  Universität,  Wien.  Der  Scheich.  1861. 

Philadelphia.  Academy  of  natural  Sciences.  Journal.  N.  Ser.  VoL  IV,  P.  4,  1860. 
— Proceedings  Fol.  6 to  end  1860;  1861,  F.  1 — 4. 

„ Franklin-Institute.  Journal.  Vol.  39,  N.  4—6,  1860;  Vol.  40,  N.  1—6,  1860;  Vol. 
41,  N.  1-6,  1861. 

Pilsen.  K.  k.  Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Prag.  K.  k.  Sternwarte.  Magnetische  und  meteorologische  Beobachtungen  zu  Prag. 
XXI.  Jahrg.  Vom  1.  Jan.  bis  31.  Dec.  1860. 

„ Naturhistorischer  Verein  Lotos.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften.  X.  Jahrg. 
1860;  XI.  Jahrg.  1861,  Jänner  bis  August. 

„ Handelskammer.  Die  Erwerbsverhältnisse  im  hohen  Erzgebirge.  Bericht  an  das  Cen- 
tral-Comite  etc.  Prag  1862. 

„ K.  k.  Patriot.-ökonom.- Gesellschaft.  Centralblatt  für  die  gesammte  Landes- 
cultur  und  Wochenblatt  für  Land-,  Forst-  und  Hauswirthschaft.  1860,  N.  52 — 61;  1861, 
N.  1-51. 

Presfwich,  Joseph,  in  London.  On  the  occurence  of  flint-implements,  associated  with 
the  remains  of  animals  of  extinct  species  in  beds  of  a late  geological  period,  in  France  at 
Amiens  and  Abbeville,  and  in  England  at  Hoxne.  London  1861. 

Quaglio,  Julius,  Civil-Ingenieur,  in  Kronstadt.  Bericht  über  die  Verhältnisse  des  Kohlen- 
reviers im  Zillthal  an  den  Verwaltungsrath  des  Kronstädter  Bergbau-  und  Hüttenactien- 
Vereins.  Wien  1861.  — Verwaltungsbericht  der  k.  k.  Berghauptmannschaft  zu  Zalathna 
für  das  Grossfürstenthum  Siebenbürgen. 

Regensburg.  Kön.  botanische  Gesellschaft.  Denkschriften.  IV.  Bd.,  2.  Abth.,  1861. 

„ Zoologi  sch  mineralogi  scher  Verein.  Abhandlungen.  VII.  Heft,  1856.  — Corre- 
spondenzblatt.  XIV.  Jahrg.  1860. 

Roemer,  F.  A.,  Professor  an  der  k.  Bergschule  zu  Clausthal.  Geschichte  der  kön.  Berg- 
schule zu  Clausthal.  Goslar  1861. 

Rom«  Accademia  pontificia  de’ nuovi  Lincei.  Atti.  Anno  XIII,  Sess.  V — VII,  Aprile 
Giugno  1860;  Anno  XIV,  Sess.  I — IV,  Dicembre  1860  — Marzo  1861. 

Rossi,  Dr.  L.  M.,  Gymnasial-Direetor  in  Venedig.  Sul  battito  del  cuore  nel  vuoto  pneuma- 
tico,  studj  sperimentali  dei  Dott.  D.  Busoni  e L.  M.  Rossi.  Venezia  1861. 

Rostock.  Mecklenb.  patriotischer  Verein.  Landwirthschafliche  Annalen.  XV.  Bd., 
2.  Abth.;  XVI.  Bd.,  1.  Abth.,  Hft.  1,  2;  dann  2.  Abth.  N.  1-6,  1860/61. 

Rütimeyer,  Dr.  L.,  Professor  in  Basel.  Die  Fauna  der  Pfahlbauten  in  der  Schweiz.  Unter- 
suchungen über  die  Geschichte  der  wilden  und  der  Haussäugethiere  von  Mittel-Europa. 
Basel  1861. 

Saatfeld«  Realschule.  Programm.  1861.  — Zu  einer  Weihnachtsgabe  für  arme  Schulkinder 
unserer  Stadt.  1860. 

Salzburg«  K.  k.  Gymnasium.  XI.  Programm  für  1861. 

Scarpellini,  Catherina,  in  Rom.  Intorno  un  parelio  e intorno  una  modificazione  pro- 
posta  per  le  navi  da  vapore.  Lettera  del  Dr.  Socr.  Cadet  alla  chiar.  Sign.  Cat  Scar- 
pellini. 1861.  — Risultati  delle  osservazioni  delle  stelle  cadenti  nell’Agosto.  1861.  — 
La  grande  cometa del  30. Giugno  1861.  Roma  1861.  — Al  Commendatore  Ben. Trompeo, 
in  Torino,  onor.  correspondente  de’  vecchi  Lincei  questa  laudazione  di  Gioach.  Taddei, 
chemico  distintissimo  etc.  1861.  — 11  passaggio  di  Mercurio  avanti  il  sole  osservato  in 
Roma  li  12.  Nov.  1861. 

Seharff,  Dr.  Friedrich.  Ueber  die  Bauweise  der  walzenförmigen  Krystalle.  Stuttgart  1861. 
— Ueber  Bildungsweise  der  Arragonite. 

11* 


84  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  8.  w. 

Schässburg.  Evang.  Gymnasium.  Programm  zum  Schlüsse  des  Schuljahres  1860/61. 

Selwyn,  Alfred,  Government  Geologist  in  Melbourne,  Australien.  Geological  Survey  of 
Victoria.  Nr.  1,  2,  6,  8,  9,  13  und  Farbentabelle  (14  Bl.).  — General  map  of  Australia, 
shewing  the  Routes  of  the  Explorers.  1859.  (1  Bl.).  — Geological  survey  of  Victoria, 
Ballaarat.  (1  Bl.).  — Victoria.  Census  districts  and  distribution  of  the  population. 
1857/1858.  (8  Bl.).  — Geological  map.  (2  Bl.).  — Victoria.  Electoral  districts  and  sub- 
divisions.  1858. 

Silliman,  B.,  Professor,  New-Haven.  American  Journal  of  science  and  arts.  Nr.  82—90  de 
1860;  Nr.  91 — 94  de  1861.  — The  great  Comet  of  1861. 

Speyer,  Dr.  Oscar,  Lehrer  an  der  höheren  Gewerbeschule,  Cassel.  Ueber  Tertiär-Conchy- 
lien  von  Sollingen  bei  Jerxheim  im  Grossherzogthum  Braunschweig.  1860. 

8taring,  Dr.  W.  C.  H.,  Geologe,  in  Haarlem.  Toestand  van  het  geologisch  onderzoek  van 
Nederland.  1860.  — Carte  geologique  de  la  Neerlande.  Sect.  19.  Betuwe,  Nr.  20.  Mün- 
sterland. 

Stockholm,  K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Handlingar.  N.  F.  I,  1,  1858. — 
Ofversigt  af  forhandlingar.  XVI,  1859.  — K.  svenska  Fregatten-Eugenies  Resa  omkring 
Jorden  etc.  Zoologi.  IV. 

$toliczka,  Ferdinand,  Wien.  Ueber  die  Gastropoden  und  Acephalen  der  Hierlatz-Schich- 
ten.  Wien  1861. 

Stoppani,  Anton,  Bibliothek-Custos  an  der  Ambrosianischen  Bibliothek,  Mailand.  Essai  sur 
les  conditions  generales  des  couehes  a Avicula  contorta  et  sur  la  Constitution  geologique 
et  paleontologique  speciale  de  ces  meines  couehes  en  Lombardie.  1861. 

Studer,  B.,  Professor,  in  Bern.  Les  couehes  en  forme  de  C.  dans  les  alpes. 

Sturz,  Dr.  Jacob,  in  Berlin,  Brasilianische  Zustände  und  Aussichten  im  Jahre  1861.  Mit  Be- 
legen nebst  einem  Vorschlag  zur  Aufhebung  der  Sclaverei  und  Entfernung  der  Schwar- 
zen aus  Nord-America.  Berlin  1862. 

Stuttgardt*  Verein  für  vaterländische  Naturkunde.  Jahreshefte.  Jahrg.  XVII, 
1861,  Hft.  1—3. 

Szigeth«  Helv.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Teschen.  K.  k.  Kath.  Staats- Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ K.  k.  Evang.  Gymnasium.  Programm  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1861. 

Theobald,  Dr.  G.,  Professor,  in  Chur.  Naturbilder  aus  den  Rhätisehen  Alpen.  Chur  1861. 
— Unter-Engadin.  Geognostische  Skizze. 

Toulouse.  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  Ser.  V,  T.  V,  1861. 

Trautschold,  in  Moskau.  Bemerkungen  über  die  stratigraphischen  Verhältnisse  des  Gou- 
vernements Kaluga.  Moskau  1860.  — Uebergänge  und  Zwischenvarietäten.  Moskau  1861. 
— Recherches  geologiques  aux  environs  de  Moscou.  Couehe  jurassique  de  Galiowa. 
Moscou  1861.  — Recherches  geologiques  aux  environs  de  Moscou.  Couehe  jurassique  de 
Mmiovniki.  Moscou  1861. 

Trier.  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen.  Jahresbericht  über  die  Jahre 
1859  und  1860. 

Triest.  K.  k.  Marine-0 b er-C omma  ndo.  Reise  der  österreichischen  Fregatte  Novara  um 
die  Erde  in  den  Jahren  1857 — 1859  u.  s.  w.  Beschreibender  Theil.  1.  u.  2.  Bd.  Wien  1861. 

„ K.  k.  Gy mnasiu m.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Troppau.  K.  k.  Ob  er- Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Turieu  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memorie.  Vol.  XIX.  1861. 

Tyson,  Philipp  I.,  Staats-Chemiker,  Annapolis,  Maryland.  First  Report.  January  1860. 

Udine.  Ackerbau-Gesellschaft.  Bollettino.  1860,  Nr.  39 ; 1861,  Nr.  1 — 3.  — Annuario. 
Anno  IV.  1861. 

Unger,  Dr.  Franz,  K.  K.  Universitäts-Professor.  Wien.  Chloris  protogaea.  Beiträge  zur  Flora 
der  Vorwelt.  Leipzig  1841—1847. 

Upsala.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Nova  acta  Ser.  III.  Vol.  III.  1861.  — 
Arsskrift.  Andra  Arg.  1861. 

Venedig.  K.  k.  Institut  der  Wissenschaften.  Memorie.  Vol.  IX,  P.  2,  3,  1861. — 
Atti.  Tom.  VI,  disp.  1 — 10,  1860/61. 

Vicenza.  K.  k.  Lyceal-Gy  mnasium.  Programma  per  l’anno  1861. 

Villa,  Anton,  in  Mailand.  Osservazioni  zoologiche  eseguite  durante  l’ecclisse  parziale  di 
sole  del  18  Luglio  1860.  — Straordinaria  apparizione  di  insetti  carnivori. — Süll’ origine 
delle  perle  e sulla  possibilitä  di  produrle  artificialmente.  1860. 

Vinkovce.  K.  k.  Kath.  Obergymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Volpicelli,  Paul,  Professor  in  Rom.  Teorica  della  compensazione  dei  pendoli.  Roma  1860. 
— Formul  es  electrometriques. — Sulla  legge  diMariotte  sopra  un  congegno  nuovo  per 
dimostrarla  nelle  sperimentali  lezioni  e su  varie  applicazioni  d’essa.  Roma  1859.  — Di 
uno  stereoscopio  diaframatico,  nota.  Roma  1854.  — Sulla  elettricitä  dell’atmosfera. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  85 


2.  Nota.  Roma  1861.  — Descrizione  (Tun  nuovo  anemometrografo  e sua  teorica.  Roma 
1859. 

Washington«  Kriegsdepartement.  Reports  of  Explorations  and  Surveys  to  ascertain 
the  most  practicable  and  econoinical  Route  for  a Railroad  from  the  Mississippi  River 
to  the  Pacific  Ocean  etc.  Vol.  XII,  P.  1,  2,  1860. 

„ Observator y.  Maury’s  Nautical Monographs. Nr. 2.  The  Barometer at  Sea.  March  1861. 
„ Smithsonian  Institution.  Annual  Report  of  the  Board  of  Regents  for  the  year 

1859.  — Ichnographs  from  the  Sandstone  of  Connecticut  River  by  I.  Deane.  Boston 
1861.  — Smithsonian  Contributions  to  Knowledge.  Vol.  XII,  1861. 

Weeber.  Heinrich  C.,  Forst-Inspector,  Brünn.  Verhandlungen  der  Forst-Seclion  für  Mähren 
und  Schlesien.  Hft.  39 — 46,  1860/61. 

Weiss,  Adolph,  Docent  an  der  k.  k.  Universität  in  Wien.  Ueber  die  Abhängigkeit  der  Linien- 
distanzen im  Spectrum  des  Gases  der  Untersalpetersäure  von  der  Dichte  desselben. 
Wien  1861.  — Ueber  das  Verhalten  des  Kupferoxy-Admmoniaks  zur  Membran  der  Pflanzen- 
zelle, zum  Zellkerne  und  Primordialschlauche  von  Dr.  A.  W eiss  und  Dr.  J.  Wiesner. 
^ Wien  1861. 

Weiss,  Dr.  Edmund,  in  Wien.  Ueber  Meteoriten.  Ein  Vortrag  u.  s.  w.  Wien  1862. 
IVerschetz.  Oeff.  Unter-Realschule.  Jahresbericht,  4. — 7.1858 — 1861. 

Wien.  Dir  ection  der  k.  k.  ausschl.  priv.  Kaiser  Ferdinands  Nordbahn.  Proto- 
koll über  die  Verhandlungen  der  am  22.  Mai  1861  abgehaltenen  34.  General- Versamm- 
lung der  Actionäre  1861.  — Relation  über  die  zwischen  der  a.  pr.  K.  F.  Nordbahn  und 
der  k.  k.  pr.  öst.  Staats-Eisenbahngesellschaft  obwaltenden  Verhältnisse.  Wien  1861.  — 
Rechtsgutachten  von  7 Professoren  der  Wiener  Universität  über  Inhalt  und  Umfang  des 
Privilegiums  der  K.  F.  Nordbahn.  Wien  1861.  — Die  Bau-Projecte  der  öst.  Staats-Eisen- 
bahngesellschaft und  das  Privilegialrecht  der  K.  F.  Nordbahn.  Wien  1861.  — Berichtigung 
der  Bemerkungen  des  Herrn  I.  Maniel  über  eine  Relation  des  H.  Francesco ni. 
Wien  1861. 

„ K.  k.  Staats-Ministerium.  Reichsgesetzblatt.  Jahrg.  1860,  St.  LXXVII. — LXXX. ; 
Jahrg.  1861,  St.  XVII.— L.  — Austria.  1860,  Hft.  53;  1861,  Hft.  16-50.  — Berg-  und 
hüttenmännisches  Jahrbuch  der  k.  k.  Montan-Lehranstalten  u.  s.  w.  X.  Bd.  Wien  1861. 
„ K.  k.  Handels-Ministerium.  Uebersicht  der  Verhältnisse  und  Ergebnisse  der  österr. 
Bergbaues  im  Verw.-Jahre  1860.  Wien  1861. 

„ K.  k.  Direction  der  administrativen  Statistik.  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete 
der  Statistik.  IX.  Jahrg.,  Hft.  2,  3, 1861. 

„ Magistrat.  Statistik  der  Stadt  Wien.  Herausgeg.  von  dem  Präsidium  des  Gemeinde- 
rathes  und  Magistrats  der  k.  k.  Reichshaupt-  und  Residenzstadt.  Probeheft  zur  Vor- 
lage an  den  3.  internationalen  statist.  Congress.  Wien.  2 Hfte.  1857,  1861. 

„ Kais.  Akademie  derWissenschaften.  Denkschriften.  Mathem.-naturw.  Classe. 
XIX.  1861«  — Denkschriften.  Phil.-hist.  €1.  XI.  Bd.  1861.  — Sitzungsberichte.  Philos.- 
hist.  Ciasse.  XXXV.  Bd.,  Hft.  3—15,  1860;  XXXVI.  Bd.,  1.-3.  Hft.;  XXXVII.  Bd., 
1. — 4.  Hft.  1861.  — Sitzungsberichte.  Math.-naturw.  Classe.  XLII.  Bd.,  1860,  Nr.  22 — 29; 
XLIII.  Bd.,  1861,  Jänner.  2.  Abth.  Febr.  1.,  2.  Abth.;  März,  1.  u.  2.  Abth.;  April,  1.  u.  2. 
Abth.;  Mai,  1.  u.2.  Abth.;  XLIV.  Juni,  1.  u.  2.  Abth.;  Juli,  1.  u.  2.  Abth.  1861. 

„ K.  k.  Central-Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  Uebersichten 
der  Witterung.  Jänner  bisDecember  1859.  — Jahrbücher.  VII.  u.  VIII.  Bd.,  Jahrg.  1855/56. 
„ K.  k.  Akademisches  Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1860/61. 

„ K.  k.  Gymnasium  zu  den  Schotten.  Jahresbericht  am  Schlüsse  des  Schuljahres 
1861. 

„ K.  k.  Ober-Realschule  in  der  Vorstadt  Landstrasse.  10.  Jahresbericht  für  das 
Schuljahr  1861. 

„ Doctoren-Collegium  d er  m edicinis  chen  Facultät.  Oesterr.  Zeitschrift  für 
praktische  Heilkunde.  1861,  Nr.  1 — 51.  — XI.  Jahresbericht  für  1860/61. 

„ K.  k.  geographische  Gesellschaft.  Mittheilungen.  IV.  Jahrg.  1860. 

„ K.  k.  Gartenbau-Gesellschaft.  General-Versammlung  am  12.  Juni  1861. 

„ K.  k.  Lan  d wirth  Schafts -Gese  1 Is  chaft.  Allgem.  land-  und  forstwirtschaftliche 
Zeitung.  1861,  Nr.  10 — 36. 

„ K.  k zoolog.  botanische  Gesellschaft.  Verhandlungen.  Jahrg.  1860.  X.  Band. 

„ Oesterr.  Ingenieur-Verein.  Zeitschrift.  XII.  Jahrg.,  10. — 12.  Hft.,  October  bis 
December  1860;  XIII.  Jahrg.,  Nr.  1 — 9,  1861.  — Verzeichniss  der  Mitglieder.  1861. 

„ Handelskammer.  Bericht  über  den  Handel  u.  s.  w.,  während  der  Jahre  1857  bis 

1860.  Wien  1861. 

„ Redaction  der  österr.  militärischen  Zeitschrift.  I.  Jahrg.,  1860.  1.  Bd., 
(2.  Aufl.) , 2.  u.  3.  Bd.;  II.  Jahrg.  1861;  I.  Bd.,  1.-5.  Lief.;  II.  Bd. , 6.-I0.  Lief.; 
III.  Bd.,  1.—  6.  Lief.,  IV.  Bd.;  1.— 5.  Lief.;  V.  Bd.,  1.  u.  2.  Lief. 


86  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


Wien*  Oesterreichische  botanische  Zeitschrift.  1860,  Nr.  7 — 12;  1861,  Nr.  1 — 12. 

„ Redaction  des  Wanderer.  Blatt  Nr.  272  mit  Notiz  von  B a 1 la  über  Meteorologie. 

„ Gewerbe-Verein.  Verhandlungen  und  Mittheilungen.  Jahrg.  1860,  Hft.  9—12;  1861, 
Nr.  1—10. 

Wiesbaden.  Verein  für  Naturkunde.  Jahrbücher.  14.  Hft.,  1859;  15.  Hft.,  1860.  — 
Das  Festland  Australien.  Geographische,  naturwissenschaftliche  und  culturgeschichtliche 
Skizzen  von  Fr.  Odern  heim  er.  Wiesbaden  1861. 

Würzburg.  Landwirthschaftl.  Verein.  Gemeinnützige  Wochenschrift.  1860,  Nr.  36 
—52, 1861,  Nr.  1—39. 

„ Medici n.  Physic.  Gesellschaft.  Naturwissenschaftl.  Zeitschrift.  I,  3,  4,  1860;  II, 
1—4, 1861.  — Medicinische  Zeitschrift.  I,  5,  6,  1860;  II,  1 — 4,  1861. 

Zigno,  Freih.  v.  Achilles,  in  Padua.  Sulla  costituzione  geologica  dei  Monti  Euganei.  Me- 
moria. Padova  1861.  — Sopra  un  nuovo  genere  di  felce  fossile.  Memoria.  Venezia  1861. 

Knaim.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Studienjahr  1861. 

Zürich.  Naturforschende  Gesellschaft.  Vierteljahrschrift.  Jahrg.  III,  3,4,  IV,  V. 
1858—1860. 


Geschlossen  am  15.  December  1861. 


JAHRBUCH 

DER 

KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 

GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 

NR0  2.  JÄNNER.  F ER  RU  AR.  MÄRZ.  APRIL.  1862. 


BEI  WILHELM  BRAU  MÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


: v 


II.  lieft. 


12.  Band.  1861  u.  1862.  JAHRBUCH 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

Zweite  Abtheilung *). 

Von  Ferdinand  Freiherrn  v.  Rieht hofen. 

Mit  1 lithographirten  Tafel. 

B.  Lagerung  und  Gebirgsbau  in  der  Trias-Lias-Zone. 

(Fortsetzung.) 

II.  Trias-Lias-(rebiet  zwischen  Bludenz  und  dem  Arlberg. 

Von  dem  in  seinem  Gebirgsbau  so  complicirten  Rhätikon  wenden  wir 
uns  zur  östlichen  Fortsetzung  der  Trias-Lias-Zone  und  betreten  damit  ein  Gebiet, 
welches  durch  eine  überraschende  Harmonie  und  Gesetzmässigkeit  seines  Baues 
in  allen  Theilen  ausgezeichnet  ist.  In  steter  Gleichförmigkeit  ziehen  mächtige 
Hebungswellen,  einander  parallel  und  gleich  gebildet,  in  weiter  Erstreckung  von 
West  nach  Ost  und  erleiden  nur  selten  in  ihrer  Regelmässigkeit  eine  locale  Unter- 
brechung, wie  an  der  Alpilla-Spitz/am  Thannberg, bei  Re  litte  und  an  einigen 
anderen  Orten;  manche  von  ihnen  lässt  sich  leicht  10 — 12  Meilen  weit  ungestört 
verfolgen.  Die  Hebungswellen  sind  das  eigentlich  Typische  und  Formgebende  im 
Gebirgsbau  unseres  gesammten  Trias-Lias-Gebietes  bis  hin  nach  Salzburg  und 
Berchtesgaden  und  man  kann  denselben  in  seinen  allgemeinen  Verhältnissen 
nur  dann  verstehen,  wenn  man  die  elementaren  Hebungswellen  in  ihrer  Entwicke- 
lung verfolgt.  Es  schieben  sich  secundäre  Wellen  ein,  eine  Mulde  geht  im  wei- 
teren Verlauf  in  eine  Ueberschiebung  oder  eine  Ueberstürzung  über  und  so  gibt 
es  noch  unendlich  viele  Modificationen,  welche  eine  Hebungswelle  erleiden  kann. 
Um  sie  genauer  und  übersichtlicher  erörtern  zu  können,  scheint  es  zweckmässig 
diejenigen  welligen  Aufbiegungen,  welche  sich  auf  sehr  bedeutende  Erstreckung 
verfolgen  lassen,  mit  Bezeichnungen  zu  belegen  und  sie  als  Haupt-Hebungswellen 
gegenüber  den  accessorischen  zu  betrachten.  Nur  dadurch  dürfte  es  möglich  sein, 
bei  dem  schrittweisen  Vorgang  in  der  Betrachtung  den  Zusammenhang  des  Gan- 
zen nicht  zu  verlieren. 

Der  Ausdruck  „Hebungswelle“  ist  klar;  er  bezeichnet  die  geradlinig 
fortstreichende  wellige  Aufbiegung  eines  Schichtensystems *  2).  In  unserem  Gebiet 


4)  Siehe  die  erste  Abtheilung  in  diesem  Jahrbuche,  Band  X,  1859,  Seite  72—137,  mit 
XII  Profilen  und  2 Tafeln. 

2)  Der  Ausdruck  „Hebungswelle“  soll  in  keiner  Weise  eine  Theorie  über  die  Entstehung  in 
sich  schliessen.  Kaum  wird  jetzt,  nach  Besiegung  unserer  so  weit  verbreitet  gewesenen 
Theorien  über  die  Epochen  plötzlicher  Hebungen  und  die  zahllosen  Hebungssysteme 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft,  12 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


88 


[2] 


streichen  sie  ohne  Ausnahme  ungefähr  von  West  nach  Ost  (h.  4*/2 — l'/z),  daher 
man  einen  Nord-  und  einen  Süd-Schenkel  unterscheiden  kann  !). 

Folgende  können  in  dem  zunächst  zu  erörternden  Theile  des  Trias-Lias- 
Gebietes  als  die  Haupthebungswellen  angesehen  werden : 

I.  (Profile  VI  bis  XII)  2).  Von  Bludenz  durch  das  Klosterthal  überden 
Arlberg  und  im  Stanzer  Thal  abwärts  bis  Mils  (zwischen  Landeck  und 
Imst)  erstreckt  sich  in  einer  Länge  von  beinahe  10  Meilen  eine  ausgezeichnete 
Hebungswelle,  stets  unmittelbar  an  der  Grenze  mit  dem  Urgebirge  und  zwischen 
Bludenz  und  Pians  nur  mit  dem  gegen  Norden  fallenden  Theil  entwickelt.  In 
Westen  schiebt  sich  zwischen  dem  Klosterthal  und  dem  Bartholomäus-Berg  noch 
eine  Fortsetzung  der  Rhätikon-Gebirge  ein,  welche  wir  als  IS  und  II  (für  die 
Profile)  betrachten  werden.  Hiervon  abgesehen  fallen  alle  Schichten  dieses 
Systems  gegen  Norden,  bilden  eine  im  Westen  schmale,  im  Osten  (Meridian 
des  Mutterkopfes)  1 i/2  Meilen  breite,  flache  Mulde  und  erheben  sich  wieder  zu 

II  (Profile  V bis  XII),  der  ersten  jener  Wellen,  welche  nur  mit  dem  süd- 
lichen Theile  entwickelt  sind;  ihre  Nordgrenze  ist  durch  eine  Ueberschiebung 
ihrer  ältesten  Schichten  auf  die  jüngsten  der  Welle  III  bezeichnet;  sie  beginnt 
bei  Lude  sch,  zieht  am  Nord-Abhang  des  Hoch-Frassen  hin,  südlich  von 
Maroul  und  Garfüllen  vorüber  und  wird  in  der  sehr  verwickelten  Umgebung 
der  Rothwand  undeutlich.  Sie  geht  dann  weiter  über  Zug,  Am  Lech,  Grub- 
Spitz,  Kristali-Spitz  nach  Gramais  und  Pfaflar  und  wir  werden  sie 
später  durch  die  Einsattelungen  nördlich  von  der  Heiter  wand  und  vom  Wan- 
neck weiter  verfolgen. 

Die  Mulde  IN  — II  S gehört  wegen  ihrer  eigenthümlichen  Lagerungs- 
verhältnisse zu  den  wichtigsten  und  interessantesten  Theilen  unseres  gesammten 
Gebietes. 


noch  Jemand  daran  zweifeln,  dass  die  Zusammenschiebungen  der  Sedimentärgebirge 
an  den  Flanken  unserer  krystallinischen  Centralketten  zu  einem  Faltensysteme  von 
Gebirgszügen  ihre  Entstehung  einer  langen  Reihe  säcularer  Hebungen  und  Senkungen 
verdanken;  wer  aber  dürfte  mit  den  uns  jetzt  zur  Untersuchung  zu  Gebote  stehenden 
Mitteln  wagen  zu  bestimmen,  welche  Bewegung  die  Hauptrolle  gespielt  hat.  In  allen 
Fällen  aber  hat  eine  relative  wellige  Erhebung  über  die  Grundlage  stattgefunden  und 
dies  dürfte  die  Bezeichnung  rechtfertigen. 

0 Zur  Vereinfachung  der  Darstellung  wie  zu  der  besseren  Vergleichung  mit  den  Profilen 
scheint  es  geeignet,  gewisse  Bezeichnungen  anzuwenden: 

Die  Hauptwellen  tragen  römische  Ziffern.  Mit  I bezeichnen  wir  die  der  Grenze 
mit  den  krystallinischen  Schiefern  benachbarte  Welle,  mit  II,  III,  IV  u.  s.  f.  successiv  die 
weiter  gegen  Norden  folgenden  Hauptwellen.  Wenn  sich  die  krystallinischen  Schiefer 
so  weit  gegen  Norden  erstrecken,  dass  z.  ß.  I und  II  verschwinden,  s'o  werden  sie  bei 
dem  Zurücktreten  von  jenen  wieder  in  derselben  Bedeutung  aufgenommen. 

Die  untergeordneten  oder  accessorischen  Hebungswellen  werden 
mit  arabischen  Ziffern  bezeichnet,  welche  dem  Zeichen  der  zunächst  nördlich  angren- 
zenden Hauptwelle  beigesetzt  werden. 

Der  Nord-  oder  Süd-Schenkel  einer  Welle  werden  durch  ein  angehängtes 
N oder  S ausgedrückt.  HIN  bedeutet  daher  den  Nordabhang  einer  zwischen  der 
ersten  und  zweiten  Hauptwelle  auftretenden  accessorischen  Aufbiegung.  In  den  meisten 
Fällen  ist  nur  einer  der  beiden  Schenkel  ausgebildet  und  zwar  stets  der  südliche; 
der  Nordabhang  zeigt  alsdann  den  steilen  Durchschnitt  der  auf  die  nächste  Welle 
übergeschobenen  Schichten,  der  Nord-Schenkel  aber  fehlt.  Ein  Blick  auf  die  Profile 
lehrt,  wie  überaus  häufig  dieser  Fall  in  unserem  Gebiete  ist  und  wie  die  abnorme 
Erscheinung  zum  Gesetz  wird.  Sehr  selten  findet  eine  Muldenbildung  statt,  wie  sie  im 
Rhätikon  mehrfach  zu  beobachten  war.  Es  ist  klar,  dass  jede  Mulde  durch  I N 4*  II  S 
oder  II  S IHN  u.  s.  w.  gebildet  wird,  also  stets  zwei  Wellen  angehört,  während 
ein  Rücken  stets  nur  aus  einer  einzigen  besteht. 
a)  Bei  der  ersten  Abtheilung  dieser  Abhandlung. 


[3] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


89 


III  (Profile  VII  bis  XII).  Eine  dritte  schärfer  abgegrenzte  Hebungswelle  von 
geringer  Breite  erstreckt  sich  nördlich  von  der  vorigen;  auch  von  ihr  zeigen  die 
Profile  nur  südlich  fallende  Schichten.  Untersucht  man  die  Nordgrenze  des  Zuges 
von  Osten  her,  so  lässt  sie  sich  von  L er  mos  über  Na  ml  es  und  Bschlaps 
nach  dem  Lechthal  verfolgen,  setzt  im  schiefen  Winkel  zwischen  Griesau 
und  Ober-Giebler  über  dasselbe  hinweg,  nimmt  jenseits  einige  Vorsprünge 
mit  und  endigt  scheinbar  im  Lechthal  selbst  bei  Stög;  allein  mit  Berücksichti- 
gung der  sehr  gestörten  Verhältnisse  dieser  Gegend  lässt  sich  die  Welle  als 
solche  weiter  verfolgen  und  erscheint  in  ihrem  alten  Charakter  bald  wieder;  ihre 
Nordgrenze  zieht  durch  den  Gypsitobl  nach  dem  Gansboden,  Tisner 
Gschröf  und  der  Alpilla  im  grossen  Walser  Thal. 

IV  (Profile  VIII  bis  XII).  Unweit  nördlich  von  der  Alpilla  beginnt  ein  An- 
fangs sehr  schmaler  Zug,  dessen  Nordgrenze  an  der  südlichen  Thal  wand  des 
Walser  Thaies  hinzieht,  am  Juppenspitz  und  Warthhorn  fortsetzt,  bei 
Warth  in  kurzer  Erstreckung  verschwindet  und  dann  über  Mädele-Gabel 
und  die  Bretter-Spitz  nach  Vorder-Hornbaeh  im  Lechthal  zu  ver- 
folgen ist. 

V (Profile  VIII  bis  XII).  Eine  durch  ausgezeichnete  Schichtenentwickelung 
und  durch  die  Höne  ihrer  Dolomitgebirge  ausgezeichnete  Hebungswelle  ist: 
Zitterklapfen,  Widderstein,  Ochsen  joch,  Hochvogel.  Die  Grenze  ist 
am  Nordabfall  dieser  mächtigen  Gebirge;  der  Dolomit  überlagert  hier  die 
Algäu-Schichten  von 

VI  (Profile  IX  bis  XII),  einer  sehr  untergeordneten  Hebungswelle,  welche 
in  Vorarlberg  nur  die  nördlichen  Gehänge  des  Zitterklapfen-Zuges,  das  Zwölfer- 
Horn,  den  Hammer-Kopf  und  die  Kanzelwand  im  Mittelberg  bildet,  dann 
das  Algäu  durchsetzt  und  mit  dem  Hochwaldspitz  wieder  Tirol  betritt. 
Sie  zieht  von  hier  über  das  Kälbeles-Eck  und  den  Leitach-Spitz  gegen 
W eissenbach  hin. 

Wir  setzen  unsere  unterbrochene  Beschreibung  der  Lagerung  und  des  Ge- 
birgsbaues  in  der  Trias-Lias-Zone  bei  dem  zwischen  Bludenz  und  der  tirolischen 
Grenze  gelegenen  Theil  fort,  welcher  eine  durchschnittlich  21/a  Meilen  breite 
Zone  zwischen  krystallinischen  Schiefern  und  Flyseh  bildet. 

Umgeg  end  von  Bludenz,  Bratz,  Dalaas,  Barth  olomäusherg.  (Verhältniss  zum 

Rhätikon.)  Profile  V bis  IX. 

Bludenz  liegt  unweit  der  Vereinigung  des  vom  Arlberg  herabkommenden 
Klosterthaies  mit  dem  grösseren  Montavon  in  schöner  fruchtbarer  Gegend,  ein 
vortrefflicher  Ausgangspunkt  für  Excursionen  nach  allen  Theilen  der  weiteren 
Umgegend.  Ein  sehr  niederer,  nach  Süden  steiler,  nach  Norden  flacher  Bergvor- 
sprung zieht  sich  von  Osten  her  in  die  Stadt  hinein  und  trägt  das  Schloss  der- 
selben. Er  besteht  aus  nördlich  fallendem  Virgloria-Kalk , der  in  einigen  Stein- 
briichen  gewonnen  wird.  Mit  stets  gleichem  Fallen  streicht  der  mauerförmig  ab- 
gebrochene Kalk  nördlich  von  Rungelin  vorbei  quer  über  den  Grupser  Tobl  und 
über  Bratz  nach  Dalaas.  Die  Mauer  bildet  den  unteren  Theil  eines  hohen  steilen 
Abhanges,  mit  welchem  der  Geisspitz,  die  Gamsfreiheit,  die  Pitschi-Köpfe,  der 
Rogelskopf  u.  s.  w.  gegen  das  Ulthal  abstürzen,  und  wie  ihre  eigenen  Schichten 
flach  nördlich  fallen , so  thut  dies  auch  die  ganze  Folge , welche  sich  zu  dem 
hohen  Abhang  aufbaut.  Es  sind  dies  in  normaler  Reihenfolge  alle  Formationsglie- 
der, welche  ihre  Stellung  über  den  Virgloria-Kalken  bis  hinauf  zum  Dolomit 

12* 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


90 


w 


haben.  Das  ganze  nördlich  fallende  System  aber,  welches  die  Wand  durch- 
schneidet, ist  die  nördliche  Hälfte  unserer  Welle  I. 

Ehe  wir  in  dieser  Richtung  weiter  vorschreiten,  untersuchen  wir  den  Theil, 
welcher  südlich  von  der  Linie  BIudenz-Dalaas  liegt;  dazu  dient  am  zweckmässig- 
sten  ein 

Durchschnitt  von  Bludenz  nach  Sehr  uns  im  Montavon. 

In  dem  Profil  V ist  der  Abhang  vom  Katzenkopf  hinab  nach  Rungelin  ein 
Theil  der  eben  beschriebenen  Wand.  Während  aber  fast  in  der  ganzen  Erstrek- 
kung  bis  Dalaas  die  Thalsohle  an  diese  Wand  unmittelbar  herantritt,  legt  sich 
südöstlich  von  Bludenz  ein  niederer,  jener  Wand  vollkommen  paralleler  Berg- 
rücken vor,  um  dessen  Fuss  sich  die  Strasse  winden  muss.  Er  besteht  aus  zwei 
schmalen  Kalkriegeln,  welche  durch  eine  Mulde  getrennt  werden  und  sich  durch 

ihre  dunkle  Bewaldung  auch  landschaft- 
lich scharf  zeichnen.  Die  Schichten  fallen 
südlich  und  man  erkennt  deutlich  die 
Triaskalke  und  die  Partnachmergel.  In 
der  Tiefenlinie  der  Aufbiegung,  aber 
noch  über  dem  Niveau  des  Illthales,  liegt 
Rungelin  auf  sanften  von  Mergeln  gebil- 
deten Hügeln.  Ob  diese  Mergel  in  der 
That  in  der  im  Profil  angegebenen  Weise 
zwischen  Virgloria-Kalk  und  Verrucano 
liegen  und  also  den  im  Rellsthal  beob- 
achteten entsprechen,  oder  nicht  viel- 
mehr durch  eine  in  folgender  Weise  (Fig.  16)  stattfindende  Einbiegung  nochmals 
erscheinende  Partnachmergel  sind,  konnte  ich  nicht  entscheiden. 

Die  Arlbergkalke  fallen  in  das  Illthal  und  die  weitere  Folge  ist  von  Alluvio- 
nen  bedeckt.  Die  Breite  des  Thaies  beträgt  an  dieser  Stelle  ungefähr  2500  bis 
3000  Fuss;  es  können  also  sehr  wohl  2000  Fuss  mächtige  Schichten  hier  hinab 
fallen  und  mit  ihrem  Ausgehenden  die  Tbalgrundlage  bilden.  Geht  man  hiervon 
aus,  so  wird  man  an  der  jenseitigen  Thalwand  das  Hangende  de<f  Dolomits  zu 
suchen  haben.  Und  in  der  That,  wenn  man  über  Brunnenfeld  dem  Ausgange 
des  Montavon  zuwandert,  so  erreicht  man  dieses  unmittelbar  über  der  Illbrücke 
an  einem  Felsenvorsprung  mit  steil  (über  80°)  nördlich  fallenden,  h.  7 (0. 15°  S.) 
streichenden  Schichten,  welche  sich  durch  eine  Unzahl  von  Versteinerungen  als 
Küssen  er  Schichten  erweisen.  Sie  stehen  hier  in  einer  Mächtigkeit  an, 
welche  in  gar  keinem  Verhältniss  zu  dem  gewöhnlichen  Vorkommen  derselben 
steht.  Kalksteine,  z.  Th.  im  mächtigen  Bänken,  herrschen  vor;  sie  sind  rauchgrau, 
bläulich,  röthlich,  zum  Theil  kieselig,  zum  Theil  sehr  fein  krystallinisch;  die 
mergeligen  Schichten  bleiben  untergeordnet.  Alle  Gesteine  führen  einen  grossen 
Reichthum  an  thierisehen  Resten.  Durchschnitte  von  Zweischalern  von  8 — 9" 
Länge  sind  nicht  selten  und  sehr  viele  sonst  den  Kössener  Schichten  fehlende 
Versteinerungen;  besonders  ist  in  den  mergeligen  Schichten  der  breitrippige 
Pecten  lugdunensis  sehr  häufig. 

Die  Kössener  Schichten  halten  bis  zur  Brücke  von  Lorünz  an,  wo  sie  von 
Dolomit  unterteuft  werden.  Die  Streichungsrichtung  h.  7 bleibt  ebenso  wie  das 
steile  nördliche  Einfallen  auch  weiterhin  bestehen  und  da  das  Thal  der  111  in  die- 
sem Theil  eine  NNW.  Richtung  hat,  so  durchschneidet  es  die  Schichten  unter 
einem  schiefen  Winkel  und  entblösst  ihre  Reihenfolge  an  beiden  Thalwänden  in 
überaus  schöner  Weise.  Der  Dolomit  hält  wegen  seiner  bedeutenden  Mächtig- 
keit lange  an.  Vor  ihm  breitet  sich  eine  unendliche  kümmerlich  bewachsene 


Fig.  16. 


Rungelin. 


1.  Virgloria-Kalk.  2.  Partnachmergel.  3.  Arlberg-Kalk. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


91 


Schutthalde  aus,  die  dem  ohnehin  an  seinem  Eingang  wilden  Thal  einen  trauri- 
gen Charakter  gibt.  Dies  ist  die  Praza  lans,  das  historisch  merkwürdige  Denk- 
mal gewaltiger  Bergstürze  und  Ueberfluthungen,  welches  nach  Herrn  B e rg- 
mann’s  Entdeckung  die  Veranlassung  zu  dem  Namen  Montavon  gab.  Den  Grund 
dieser  auffallenden  Zerstörung  erkennt  man  leicht  in  den  hier  sehr  mächtigen 
gypsführenden  und  überdies  fast  senkrecht  stehenden  Schichten  der  gelben 
Rauchwacke  der  Arlberg-Schichten.  Der  Fallöer  Tobl  hat  sich  tief  hinein  ge- 
wühlt und  wenn  man  an  seinen  Ausgang  über  die  Trümmerberge  hinansteigt,  so 
sieht  man  eines  der  grossartigsten  Beispiele  des  Einflusses  der  Schichtenstellung 
auf  die  Physiognomik  einer  Gegend,  da  gerade  die  Rauchwacke  sich  wo  sie  söhlig 
liegt,  durch  ihre  fruchtbaren  Alpen  auszeichnet.  Der  Gyps  im  Fallöer  Tobl  ist 
theils  Alabaster,  theils  sandig  schieferig.  Es  kommen  auch  die  braunen  Keuper- 
sandsteine der  Raibler  Schichten  hier  vor. 

Bezeichnet  man  diese  Schichten  als  das  oberste  Triasglied  mit  1,  so  folgen 
nach  Süden  im  Liegenden: 

2.  Poröser  fester  schwarzer  Kalkstein,  wie  im  Galgentobl.  Eine  Sandstein- 
bank ist  ihm  eingelagert,  50  Fuss. 

3.  Weisslichgraue  bimssteinartige  Rauchwacke,  zu  Grus  zerfallend,  30  Fuss. 

4.  Grauer  Kalkstein  und  Dolomit,  stellenweise  mit  mergelig-schieferigen 
Einlagerungen. 

Die  Mächtigkeit  von  2 — 4 beträgt  5 — 600  Fuss,  man  erkennt  in  ihnen  leicht 
das  gewöhnliche  Vorarlbergische  Aequivalent  des  Hallstätter  Kalks,  die  Arlberg- 
Kalke.  Am  Nordabhang  des  Gravistobels  findet  in  sehr  ausgezeichneter  Weise 
die  stets  vorkommende  Wechsellagerung  der  tiefsten  porösen  Kalke  mit  Mergeln 
statt,  bis  diese  als 

5.  Partnachmergel  allein  herrschen.  Sie  führen  sehr  sparsam  Bactril- 
lium  Schmidti  Heer.  Dem  sanften  Gehänge  dieser  Mergel  folgt  bald  ein  langer, 
aus  dem  Abhang  heraus  quer  gegen  die  111  ziehender  Rücken  von 

6.  Virgloria-Kalk.  Er  ist  mächtig  entwickelt. 

7.  Mergel.  Dieses  selten  beobachtbare  Glied  steht  hier  mit  seinen  Schich- 
tenköpfen an,  ist  aber  fast  überall  mit  Rasen  bedeckt.  Man  sieht  sie  wie  über- 
haupt das  gesammte  Profil  am  deutlichsten,  wenn  man  den  Fussweg  von  Sanct 
Antoni  nach  Sanct  Bartholomäusberg  einschlägt,  da  er  über  alle  Schichtenköpfe 
quer  hinwegführt. 

8.  Verrucano.  Diese  Formation  ist  hier  ungemein  reichhaltig  entwickelt; 
die  Schichten  sind  die  unmittelbare  Fortsetzung  der  früher  aus  dem  Reilsthal 
beschriebenen  und  zeigen  dieselbe  Mannigfaltigkeit  wie  dort;  doch  hindert  die 
Rasendecke  die  Beobachtung  der  Aufeinanderfolge.  Die  ersten  unter  derselben 
zu  Tage  tretenden  Gesteine  sind  weisse  Quarzitschiefer;  ihnen  folgt  ein  rother 
grobkörniger  echter  Verrucano  mit  vielen  Quarzbrocken,  dann  ein  rother  Quarz- 
sandstein, grauer  schuppiger  Glimmerschiefer,  endlich  ein  sehr  glimmeriger 
rother  thoniger  Schiefer  mit  wulstigen  Schichtenflächen.  Weiterhin  ist  nur  noch 

Glimmerschiefer  zu  beobachten.  Anfangs  noch  schuppig  und  zuweilen 
röthiich  gefärbt,  später  mit  allen  Eigenschaften  des  Gesteins  der  Centralkette. 
Auf  ihm  liegt  die  Kirche  von  St.  Bartholomäusberg,  von  wo  aus  man  Schruns 
bald  erreicht. 

Das  Profil  Bludenz-Schruns  lässt  also  eine  doppelte  Faltung  des  gesammten 
Schichtensystems  erkennen,  eine  wellige  Aufbiegung  bei  Bludenz  und  eine  Erhe- 
bung desselben  gegen  die  krystallinischen  Schiefer. 

Der  Verfolg  des  Profils  nach  Westen  über  die  111  lehrt  ein  eigen- 
thümliches  Verhältniss  kennen.  Im  Allgemeinen  entspricht  sich  nämlich  die 


92 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[«] 

Schichtenstellung  an  beiden  Gehängen;  allein  die  einzelnen  Formationsglieder 
lassen  sich  nur  im  Süden  (bei  Vandans  und  St.  Antoni)  unmittelbar  über  dem 
Fluss  verfolgen;  weiter  gegen  Norden  trifft  man  am  Westabhang  ältere  For- 
mationen als  am  Ostabhang. 

So  z.  B.  sucht  man  die  Kössener  Schichten  von  Lorünz  und  Brunnenfeld 
jenseits  umsonst;  es  erscheinen  (s.  Prof.  VI)  nur  Dolornit  mit  seinem  Liegen- 
den und  erst  weiter  in  Westen  in  viel  grösserer  Höhe  lagern  ihm  die  Kössener 
Schichten  auf. 

Das  Illthai  von  Vandans  bis  Lud  esc  h bezeichnet  somit  eine 
Verwerfun  gsspalte,  welche  schiefwinklig  gegen  das  Streichen  der  Hebungs- 
wellen, rechtwinklig  zur  Höhenlinie  Gafalina-Gaffaljoch  gerichtet  ist.  Die  Ver- 
schiebung fand  in  senkrechter  Richtung  statt,  so  zwar,  dass  der  östliche  Theil 
gegen  den  westlichen  gesenkt  wurde  und  jüngere  Schichten  in  gleiches  Niveau 
mit  älteren  von  jenseits  brachte.  Bei  Schruns  war  wahrscheinlich  der  Betrag  der 
Verwerfung  Null,  vielleicht  auch  noch  bei  Vandans,  nach  Norden  nimmt  er  in  der 
Richtung  der  Spalte  mehr  und  mehr  zu. 

Dieser  Umstand  ist  es  vorzüglich,  welcher  dazu  berechtigt,  das  Rhätikon- 
gebiet  als  ein  selbstständiges  aufzufassen;  es  ist  nicht  nur  durch  die  complicirten 
Verhältnisse  in  seinem  Bau  ausgezeichnet  und  nicht  nur  durch  das  grösste  Quer- 
thal von  dem  übrigen  Trias-Lias-Gebiet  getrennt,  sondern  durch  die  einzige 
die  ganze  Zone  quer  durchsetzende  Verwerfungsspalte.  Alle  kleinen  Hebungen 
und  Aufbiegungen,  welche  aus  dem  Rhätikongebiet  bis  an  die  Verwerfungsspalte 
herantreten,  sind  in  dem  zuletzt  verfolgten  Profil  noch  zu  erkennen,  aber  in  ver- 
änderter Weise.  Interessant  ist  in  dieser  Beziehung  die  kleine  scharfe  wellige 
Aufbiegung  beiBürs  (1.  AbtheilungFig.  1 1 — 15)  welche  östlich  der  III  in  den  Sattel 
von  Rungelin  fortsetzt.  Da  aber  die  Antiklinallinie  bei  Bürs  nach  Osten  ansteigt, 
so  müsste  eigentlich  der  Sattel  von  Rungelin  in  weit  höherem  Niveau  erscheinen; 
die  Verwerfungsspalte  drückt  ihn  herab. 

Verfolg  des  Profils  Blud  enz-Schruns  nach  Osten.  Die  Grenze 
der  krystallinischen  Schiefer  zieht  sich  von  Gantschier  (zwischen  Schruns 
und  Vandans)  nördlich  von  Bartholomäusberg  und  Kristberg  vorüber 
nach  Wald  im  Klosterthal;  sie  streicht  Stunde  5 (0.  15°  N.).  Da  nun  die  Schich- 
ten des  Profils  Stunde  7 (0.  15°  S.)  streichen,  so  keilen  sie  sich,  eine  nach  der 
andern  an  den  Schiefern  aus  und  im  Klosterthal  ist  bereits  die  gesammte  Welle  1 1 
verschwunden.  Den  sichersten  Anhalt  zum  Verfolg  gibt  die  Rauchwacke  des  Fal- 
löer  Tobels,  welche  auf  der  Höhe  des  Gebirges  Alpen  trägt  und  durch  den  Tobl 
oberhalb  Dalaas  quer  hindurchzieht,  um  gleich  darauf  zu  verschwinden.  Die 
Höhe  des  Schwarzhorngebirges  scheint  von  Algäu-Schichten  gebildet  zu  werden, 
welche  den  Kössener  Schichten  von  Davenna  und  Lorünz  auflagern  und  wahr- 
scheinlich die  Latonser  Alp  tragen.  Zahlreiche  Bruchstücke  jener  höheren  Lias- 
Glieder,  welche  von  Bächen  herabgeführt  werden,  nöthigen  zu  dieser  Annahme. 

• Das  Klosterthal. 

Das  Thal  der  Aflenz  oder  das  Klosterthal  zieht  in  ostwestlicher  Richtung 
vom  Arlberg  herab  und  erreicht  die  111  nach  vier  Meilen  langer  Erstreckung,  in 
der  es  stets  unsere  Hebungswelle  I südlich  begrenzt  und  von  den  krystallinischen 
Schiefern  scheidet. 

Dieser  Umstand  bedingt  seinen  Charakter;  denn  da  von  der  genannten 
Hebungswelle,  wie  erwähnt,  meist  nur  der  nördliche  Theil  vorhanden  ist  und  dort 
wo  die  Antiklinallinie  die  höchste  Erhebung  bezeichnen  sollte,  ein  steiler  Absturz 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


93 


m 


das  gesammte  Schichtensystem  abschneidet,  so  tritt  das  Thal  unmittelbar  an  die- 
sen Absturz  heran,  der  sich  schroff  aus  seiner  Sohle  erhebt  und  die  Dolomitköpfe 
trägt.  Jeder  Aufsteig  an  irgend  einer  Stelle  dieser  Wände  entblösst  das  schönste 
Profil  der  Trias-Schichten  und  des  Dolomits  und  geht  man  noch  weiter  nach  Nor- 
den vor,  so  erreicht  man  fast  überall  auch  die  jüngeren  Lias-Glieder  in  mulden- 
förmiger Einlagerung.  Dieses  ausgezeichnete  Verhalten  findet  von  Bludenz  bis 
zum  Arlberg  statt  und  ist  nur  stellenweise  ein  wenig  modificirt,  indem  sich  auch 
der  Rücken  der  Hebungswelle  geltend  macht,  wie  die  Profile  VII  bis  XII  zeigen. 
In  allen  Theilen  des  Gebietes,  welches  wir  jetzt  betrachten,  steigen  wir  aus  dem 
Klosterthal  auf.  Wir  wenden  uns  daher  zunächst  zu  dessen  nördlicher  Vorlage, 
um  dann  allmälig  bis  zu  der  Grenze  des  Trias-Lias-Gebietes  gegen  den  Flysch 
vorzuschreiten  und  theilen  das  Ganze  in  folgende  Abschnitte: 

1.  Bludenz-Ludesch-Alpilla-Rothwand-Bratz. 

2.  Dalaas-Formarin-Schafberg-Spullers-Klösterle. 

3.  Stuben-Arlberg-Grabaeh-Zürss. 

4.  Oberstes  Lechgebiet  (Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grubspitz,  Gypsitpbl. 

5.  Walser  Thal,  südliches  Gebiet. 

6.  Walser  Thal,  nördliches  Gebiet  (Zitterldapfen,  Künzle-Spitz). 

7.  Thal  Mittelberg  und  Widderstein. 

8.  Gegend  von  Schröcken,  Hoch-Krumbach  und  Warth. 

Bludenz,  Ludesch,  Alpilla,  Rothwand,  Bratz. 

Auf  dem  Weg  von  Bludenz  in  den  Galgentobl  geht  man  bis  Ob do  rf 
an  einem  Abhang  hin,  der  das  nördlich  fallende  Triassystem  gegen  West 
abschneidet.  Hat  man  daher  die  kleine  Terrasse  von  Virgloria-Kalk  überschritten, 
welche  das  Schloss  von  Bludenz  trägt,  so  folgen  Partnach-Schichten,  Arlberg- 
Kalk  und  bei  Obdorf  Rauchwacke,  welche  den  Abhang  in  grosser  Ausdehnung 
bildet.  Die  Rauchwacke  biegt  aber  plötzlich  muldenförmig  um  und  mit  dem  Ein- 
tritt in  den  Galgentobl  erreicht  man  ihr  Liegendes,  die  Arlberg-Kalke,  abermals 
und  verfolgt  beim  weiteren  Anstieg  deren  südöstlich  fallende  Schichtenreihe 
nach  abwärts.  Steigt  man  dann  über  Bratz  hinauf  gegen  den  Hoch-Frassen, 
so  sieht  man  bald  das  System  zum  zweiten  Mal,  jetzt  zum  nordwestlichen  Falle, 
umbiegen,  es  folgt  noch  einmal  Rauchwacke,  welche  die  Häuser  „Muttersberg “ 
trägt,  und  darüber  nordwestlich  fallender  Dolomit.  Diese  gewölbartige  Biegung 
beobachtet  man  noch  besser  an  dem  Weg  von  Obdorf  nach  Nüziders 
und  um  den  hangenden  Stein  nach  Ludesch.  Es  folgt  hier  der  Reihe 
nach : Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  (Obdorf),  Arlberg-Kalk  (Galgentobl, 
Vorder-Latz,  Ofers,  Nüziders,  Schloss  Sonnenberg),  Partnachmergel,  Virgloria- 
Kalk  (nur  ein  kleines  aber  gut  aufgeschlossenes  Gewölbe  kommt  zum  Vorschein), 
Partnachmergel,  Arlberg-Kalk,  Rauchwacke  (trägt  in  der  Höhe  Hinter-Latz), 
Dolomit,  der  den  „hangenden  Stein“  bildet.  So  heisst  der  Vorsprung  eines  Armes 
des  Hoch-Frassen  gegen  die  111.  Am  Dolomit  hin  erreicht  man  Ludesch  und 
damit  Flysch,  welcher  den  Dolomit  unterteuft.  Weiter  hinauf  gegen  den  Ludescher 
Berg  schieben  sich  zwischen  Beide  noch  Algäu-Schichten  ein. 

Der  hohe  Frassen,  ein  vorzüglich  schöner  und  geognostisch  interes- 
santer Aussichtspunkt,  besteht  in  seinem  obersten  Theil  aus  Dolomit,  welcher 
jenes  tiefere  Gewölbe  bedeckt  und  daher  selbst  ein  mächtiges  Gewölbe  bildet. 

Er  hat  schroffe  Schluchten,  steile  Wände  und  sanfte  steinige  gerundete 
Gehänge,  die  mit  Knieholz  bewachsen  sind.  Mit  diesen  Formen  zieht  die  Berg- 
masse südwestlich  hinab  nach  dem  hangenden  Stein,  südöstlich  setzt  siefort 


94 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


r«] 

in  der  Heis spitz,  während  sie  nach  Norden  steil  auf  ein  sanfteres  Land  abfällt, 
das  eine  andere  Gebirgsart  andeutet.  Man  erreicht  sie  nach  kurzem  Abstieg  von 
der  Höhe  gegen  Raggall;  es  sind  Lias-Fleckenmergel  mit  Adnether  Kalk  und 
allem  Zugehörigen  und  dieser  Lias  ruht  seinerseits  wieder  auf  Flysch,  welcher 
das  Dorf  Raggall  trägt.  Dieses  abnorme  Lagerungsverhältniss  gleicht  dem, 
welches  wir  so  häufig  im  südwestlichen  Theil  des  Rhätikon  trafen.  Eine  Anla- 
gerung findet  durchaus  nicht  statt;  denn  die  Wand  des  Hoch-Frassen  besteht 
aus  steil  abgeschnittenen  horizontalen  Schichtenköpfen.  Diese  Grenze  zwischen 
Algäu-Schichten  und  Flysch  ist  bei  Raggall  durch  die  Wälder  der  ersteren  und 
die  Felder  und  Wiesen  des  Flysches  bezeichnet. 

Von  Raggall  über  Maroul  nach  Lagutz  geht  man  stets  unweit  der 
Auflagerungslinie  des  Dolomites  auf  den  Algäu-Schichten,  an  den  Abhängen  des 
Mar oul er  Thaies.  Letzteres  ist  in  seiner  oberen  Strecke  ein  Längsthal  zwi- 
schen Alpilla  (N)  und  Gamsfreiheit  (S)  und  wendet  sich  dann  zum  fast  rechtwink- 
ligen Durchbruch  des  nach  Stunde  5 streichenden,  £teil  südlich  fallenden  Flysches. 
Hier  bildet  es  als  Querthal  eine  tiefe  Schlucht  mit  steilen  buchenbewachsenen 
Wanden,  durch  welche  der  Weg  von  Raggall  nach  Maroul  führt.  Reide  Dörfer 
liegen  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  im  Gebiet  des  eocenen  Flysches,  der  hier  eine 
weite  Riegung  nach  Süden  macht  und  bis  zur  Wendung  des  Thaies  gegenüber 
der  Mündung  des  EU-Tobls  anhält.  Es  folgen  Algäu-Schichten,  wie  oberhalb  Rag- 
gall. Zwischen  Maro  ul  und  Garfüllen  treten  sie  Anfangs  als  flyschähnlicher 
Mergelschiefer  auf  mit  einzelnen  Fleckenmergel-Schichten;  dann  erscheinen  sie 
an  den  Abhängen  gegen  die  Alpilla  hinauf  plötzlich  in  ihrer  ganzen  Mannigfaltigkeit 
mit  den  Wänden  des  hornsteinführenden  Kalkes,  den  knolligen  rothen  Adnether 
Kalken,  dem  blutrothen  Hornstein  u.  s.  w. 

Um  den  Schichtenverband  zu  verstehen,  in  welchem  diese  jüngeren  Lias- 
glieder zu  den  das  Marouler  Thal  einschliessenden  Dolomiten  stehen,  verfolgen 
wir  das  Profil  aus  dem  Klosterthal  über  die  Gamsfreiheit  und  quer  über 
das  Maro  hier  Thal  nach  der  Alpilla.  Das  letzt  genannte  Thal  ist  wie  erwähnt 
ein  Längsthal,  parallel  dem  Klosterthale;  zwischen  beiden  zieht  ein  breites  Dolo- 
mitgebirge hin,  welches  in  das  Klosterthal  mit  den  vielgenannten  Triasschichten 
abstürzt  und  unserer  Hebungswelle  I angehört.  Dieser  Dolomit  überlagert  die 
Algäu-Schichten  des  Marouler  Thaies  ebenso  wie  er  es  weiter  westlich  am  Hoch- 
Frassen  thut;  in  der  Mitte  der  südlichen  Thalwand  verläuft  die  Auflagerungslinie. 
Man  könnte  versucht  sein  dies  durch  eine  überstürzte  Welle  zu  erklären;  allein 
es  schiebt  sich  zwischen  beiderlei  Schichten  noch  Rauchwacke  der  Raibler 
Schichten  und  somit  ist  nur  die  Annahme  einer  U eher  Schiebung  längs  der 
Linie  vonLudesch  bis  zum  oberen  Marouler  Thal  möglich,  eine  Ueber- 
schiebung  von  Dolomit,  zum  Theil  mit  seinem  Liegenden,  auf  die  jüngsten 
Liasglieder. 

So  klar  dieser  Schichtenverband  nach  Süden,  so  unklar  ist  das  Verhältnis 
zum  Dolomit  der  Alpilla.  Als  ein  kleiner  ostwestlich  streichender,  isolirter  Kamm 
mit  schroffen,  wilden  Formen  erhebt  er  sich  mitten  aus  den  umgebenden  Algäu- 
Schichten.  Resonders  aber  wird  die  Interpretation  durch  ein  mächtiges  Gypslager 
erschwert,  welches  auf  halbem  Wege  zwischen  Garfüllen  und  Lagutz  unter  den 
zerrissenen  Schutthalden  von  Dolomit  zu  Tage  kommt  und  wahrscheinlich  als 
Vertreter  der  Raibler  Schichten  den  Dolomit  der  Alpilla  unterteuft.  Der  Gyps 
bildet  dünne  Zwischenschichten  in  dunklen  dünnschiefrigen  Mergeln.  Raid  darauf 
führt  der  Weg  über  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  nach  Lagutz,  einer 
schönen  Alpe  von  11  Sennhütten.  Sie  liegt  in  einem  mit  fruchtbarem  Roden 
erfüllten  Kessel  in  Dachsteinkalk,  der  hier  von  bedeutender  Mächtigkeit  ist 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


95 


Sckichtenkriimmungen  des  Daclisteinkalkes  und  Adnether  Kalkes  am 
Os  (abhange  der  Rothwand. 

d Dachsteinkalk ; a Adnether  Kalk ; f Fieekenmergel  der  Algäu-Schichten. 


[9] 

unmittelbar  am  Fuss  des  Rothhorns,  hinter  welchem  sich  die  hohe  Gebirgs- 
masse  der  Rothwand  erhebt. 

Die  Rothe  Wand  ist  ein  mächtiger  Gebirgsstock,  der  aus  einem  vielfach 
gewundenen  Complexe  von  Algäu-Schichten , Adnether  und  Dachstein-Kalk 
besteht.  Besonders  erreichen  die  rothen  Adnether  Kalke  eine  bedeutende  Mäch- 
tigkeit; sie  geben  der  Gipfelmasse,  von  der  sich  nach  Osten  ein  Gletscher  hinab- 
zieht, eine  intensive  Färbung  und  der  gesammten  Gebirgsrnasse  den  Namen.  Der 
Hutler  Bach  und  der  Marouler 

Bach  trennen  mit  ihren  tiefen  Fig*  U- 

Thälern  die  Rothwand  von  den 
angrenzenden  Dolomitgebirgen. 

Die  Regelmässigkeit  der  letzte- 
ren steht  in  auffallendem  Con- 
trast  zu  der  chaotisch  in  sich 
zusammengewundenen  Masse 
der  Algäu-Schichten;  nur  das 
mächtige  Flöz  des  Dachstein- 
kalkes mit  den  stets  begleiten- 
den rothen  Adnether  Kalken  ver- 
mag einen  Anhalt  zur  Beur- 
teilung der  Art  dieser  Störun- 
gen zu  geben.  Die  beistehende 
Figur  stellt  den  Theil  einer 

Wand  am  östlichen  Abhang  gegen  den  Ursprung  des  Hutler  Baches  dar. 

Betrachten  wir  hier  nur  den  südwestlichen  Theil  unseres  Gebirges,  welchen 
man  am  Weg  von  Lagutz  nach  dem  Formarin-See  durchschneidet,  um  den 
nordwestlichen  im  Zusammenhang  mit  dem  Walser  Thal  zu  erörtern,  so  sieht 
man  die  grosse  Masse  der  oberen  Liasschichten  auf  einer  Dachsteinkalkbank 
aufliegen,  welche  von  Lagutz  nach  dem  Fo rma ri  n-See  und  an  dessen  nörd- 
lichem Ufer  vorüberzieht.  Dieser  Kalk  ist  hier  sehr  reich  an  Korallenstöcken  und 
bildet  mit  seinen  reichhaltigen  zerklüfteten  Massen  zuweilen  eine  kleine  Vor- 
stufe zu  dem  höheren  Gebirge  der  Fleckenmergel.  Sie  bleibt  längs  des  Weges 
zur  Linken;  dieser  selbst  aber  führt  am  Grunde  des  kleinen  Hochthaies  in  Kös- 
sener  Schichten,  welche  durch  ihre  nicht  unbedeutende  Mächtigkeit  für  den 
Alpnutzen  mitten  in  diesen  sterilen  Dolomitgebirgen  von  grosser  Wichtigkeit 
werden.  Sie  sind  hier  mergelig  und  ungemein  versteinerungsreich  und  bilden  die 
Einsattelung,  über  welche  der  Uebergang  von  Lagutz  nach  dem  Formarin- 
See  führt. 

Ueberblicken  wir  das  kleine  Gebiet  nochmals  in  seinem  allgemeinen  Bau, 
so  zeigt  es  eine  von  Bludenz  bis  Dalaas  sich  erstreckende  Mauer  von  nörd- 
lich fallenden  Triasgesteinen,  welche  das  Dolomitgebirge:  Hoch-Frassen, 
Gaisspitz,  Katzenkopf,  Stierkopf,  Gamsfreiheit,  P its  chi  kö  p fe, 
Rogelskopf,  tragen.  Vom  westlichen  Theil  (Ludesch  bis  Lagutz)  erhebt 
sich  der  Dolomit  muldenförmig  und  ist  auf  Algäu-Schichten  übergeschoben,  wo- 
gegen im  östlichen  Theil  der  Dolomit  sich  senkt  und  jüngere  Liasgesteine,  mit 
ihnen  die  ganze  Masse  der  Rothwand,  trägt. 


Dalaas,  Formarin,  Schafberg,  Spullers,  Klösterle.  (Profile  IX,  X.) 

Das  obere  Lechthal  von  seiner  Quelle  bis  Am  Lech  ist  dem  Klosterthal 
ungefähr  parallel.  Beide Thäler  sind  Aufbruchsspalten;  da  nun  beide  von  gleichen 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft.  13 


96 


Ferdicand  Freiherr  von  Richthofen. 


[10] 

Formationen  gebildet  werden,  so  muss  die  Lagerung  der  Gebirgsmasse  zwischen 
beiden  Thälern  muldenförmig  sein.  In  der  That  finden  wir  hier  eine  langgestreckte 
aus  I N und  II  S bestehende  Mulde,  welche  in  einzelnen  Theilen  überaus  deut- 
lich ist,  während  an  anderen  Stellen  schwierigere  Verhältnisse  auftreten,  welche 
sich  aber  durch  Modifieationen  der  muldenförmigen  Biegung  leicht  erklären; 
meist  bieten  ausgezeichnete  Querdurchschnitte  Gelegenheit,  dies  unmittelbar  zu 
beobachten.  Verfolgen  wir  die  einzelnen  Quer-Profiie: 

1.  Von  Dalaas  durch  den  Höllentobl  nach  dem  Saladina- 
Kopf  (Prof.  IX).  Dieses  Profil  ist  so  klar,  dass  es  kaum  einer  Erläuterung 
bedarf. 

Das  Thal  weicht  hier  ein  wenig  von  der  Antiklinallinie  am  Grunde  der 
Aufbruchsspalte  gegen  Süden  ab,  somit  wird  am  Fuss  der  Saladiner-Wand  ein 
grosser  Theil  der  Welle  entblösst  und  Verrucano  kommt  zum  Vorschein.  Ein 
wenig  weiter  östlich  hingegen  (bei  Wald)  tritt  die  Thalsohle  unmittelbar  an  die 
Arlberg-Schichten  heran;  die  Welle  ist  somit  verschwunden  und  erscheint  erst  wie- 
der bei  Klösterle,  während  sie  gegen  Westen  sehr  allmälig,  erst  bei  Bratz  voll- 
ständig, verschwindet,  um  bald  darauf  bei  Rungelin  wieder  zu  erscheinen.  Nur 
um  wenige  hundert  Schritt  westlich  von  dem  eben  betrachteten  ist  das  2.  Profil 
von  Dalaas  durch  den  Gantecker  Tobl  nach  den  Formarin-See, 
welches  zwar  im  Wesentlichen  dem  vorigen  gleich  ist,  aber  wegen  seines  vor- 
trefflichen Aufschlusses  an  den  Wänden  des  Tobls  besondere  Beachtung  verdient. 

Der  Gantecker  Tobl  mündet  in  die  Thalsohle  bei  Ganteck  unweit  Dalaas. 
Die  Strasse  tritt  unmittelbar  an  die  Oeffnung  der  Schlucht  heran,  wo  steil  südlich 
fallende  Platten  von  Virgloria-Kalk  entblösst  sind.  Der  Weg  von  Dalaas  nach  den 
höheren  Theilen  des  Tobls  trifft  diese  Schichten  in  weit  bedeutenderer  Höhe, 
nachdem  er  schon  Dolomit,  Raibler,  Arlberg-  und  Partnach-Schicbten  durchkreuzt 
hat.  Dann  folgt  das  Liegende  in  Gestalt  jener  Mergel,  welche  im  Höllentobl  die 
Virgloria-Schichten  vom  Verrucano  trennen.  Letzterer  wird  im  Gantecker  Tobl 
nicht  sichtbar,  sondern  man  sieht  nun  eine  deutliche  gewölbartige  Umbiegung, 
die  Fortsetzung  derjenigen  am  Ausgang  des  Höllentobls.  Auch  gegenüber  an  der 
westlichen  Thalwand  kann  man  diese  Umbiegung  beobachten;  von  nun  an  fallen 
alle  Schichten  nördlich  und  man  erreicht  mehr  und  mehr  die  höheren  Niveau’s. 
Auf  die  glatten  Virgloriakalke  folgen  Partnachmergel  mit  120  Fuss  und  Arlbergkalke 
mit  600  Fuss  Mächtigkeit.  Letztere  beginnen  mit  stark  porösen,  festen  Gesteinen, 
die  nach  oben  heller  (gelbgrau  und  rauchgrau),  stark  kieselig  und  splittrig,  dünn 
geschichtet,  zum  Theil  dolomitisch  werden.  Es  folgt  schwarzer  weissadriger  Kalk, 
endlich  jene  unvollkommen  schiefrigen,  mergeligen  schwarzen  Schichten,  welche 
auch  im  Galgentobl  auftreten.  — Die  Raibler  Schichten  beginnen  mit  dünn- 
geschichtetem dunkelbraunem  Sandstein  mit  Pflanzenspuren;  dann  folgt  gelbe 
Rauchwacke,  aber  kein  Gyps.  Wie  gewöhnlich  ist  jederseits  in  die  Rauchwacke 
ein  kleiner  Bach  eingeschnitten;  sie  bildet  Einsenkungen  und  trägt  schöne  Alpen, 
theils  im  Grunde  des  Thaies,  theils  über  den  Gehängen  (Heu-Alp).  Endlich  folgt 
der  Dolomit  und  man  geht  in  seinem  Gebiete  zwischen  Saladina-  und  Rogels- 
Kopf  fort  bis  zum  Formarin-See.  Dieser  einsame  Hochalpensee  liegt  in  einem 
Kessel  ohne  oberflächlichen  Abfluss  und  ist  durch  drei  Riegel  von  drei  Thälern 
getrennt,  dem  Marouler,  Gantecker  und  dem  oberen  Lech-Thal.  Der  Dolomit 
geht  fast  genau  bis  an  den  See.  Kössener  Schichten  und  Dachsteinkalk,  welche 
den  See  durchziehen,  sind  ihm  aufgelagert,  aber  machen  jenseits  sogleich  wieder 
dem  Dolomit  des  oberen  Lechgebietes  Platz.  Die  Mulde  trägt  daher  nur  diese  zwei 
untergeordneten  Liasglieder.  Erst  gegen  Osten  entwickelt  sich  die  Mulde  mehr 
und  mehr.  Der  Dolomit  steigt  am  Südgehänge  des  oberen  Lechthaies  mit  süd- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


97 


tu] 


liebem  Fallen  hoch  hinan  und  man  sieht  ihm  in  der  Höhe  einen  dunklen  Streifen 
von  Kössener  Schichten,  einen  hellgrauen  von  Dachsteinkalken  und  einen  intensiv 
rothen  von  Adnether  Kalken  aufgelagert.  Dann  folgen  die  Fleckenmergel,  welche 
einige  der  höchsten  Spitzen  (Obere  Schützberg  und  andere)  bilden  und  weiter 
südlich,  abermals  durch  Dachstein-  und  Kössener  Schichten  getrennt,  Dolomit, 
welcher  noch  immer  in  der  Massenbildung  vorherrscht.  So  zieht  das  ganze 
System  fort  und  trägt  den  Spiegel  des  Spullers-Sees. 

3.  Profil  von  Klösterle  über  den  Spullers-See  und  den 
Schafberg  nach  Aelpele  im  Lechthal.  — An  der  oft  erwähnten  Trias- 
wand der  Arlbergstrasse  waren  bei  Dalaas  die  Schichten  wenig  geneigt,  bei  Klö- 
sterle und  östlich  davon  stehen  sie  fast  senkrecht,  daher  jetzt  das  Thal  einen  weit 
anderen  Charakter  bat.  Zwei  enge  Spaltenthäler  durehschneiden  rechtwinklig 
(N-S)  die  steilen  Schichten,  biegen  aber  in  ihrem  oberen  Theil  in  der  weichen 
Rauchwacke  plötzlich  um  und  lösen  sich  in  tiefe  unzugängliche  ostwestliche 
Schluchten  auf,  welche  sich  von  beiden  Seiten  her  fast  vereinigen.  Es  wird  mit- 
hin eine  grosse  Bergmasse  aus  Arlbergkalken  von  den  Tobln  umfasst  und  isolirt. 
Durch  beide  Spalten,  den  Streu-Tobl  und  den  Welli-Tobl  kann  man  nach 
Spullers  aufsteigen;  durch  beide  gelangt  man  hinter  die  isolirte  Bergmasse  auf 
die  kleine  Wasserscheide  und  steigt  in  einer  mittleren  Spalte  im  Dolomit  nach 
dem  Spullers-See  auf.  Dies  kleine  Thalsystem  hat  die  Form  einer  Wage,  deren 
Wagebalken  in  der  ostwestlich  streichenden  Rauchwacke  liegt,  während  man  an 
der  mittleren  Axe  nach  Spullers  hinansteigt.  Der  Weg  ist  durch  beide  Tobl  gleich 
interessant.  In  beiden  beginnt  man  den  Aufstieg  in  Partnachmergeln,  welche  Yir- 
gloria-Kalk  überwölben,  also  an  der  h.  5ya  streichenden  Antiklinallinie  der  Hebungs- 
welle. Bei  beiden  folgt  nach  sanften  Gehängen  dieser  Schichten  die  schroffe 
Schlucht  in  den  senkrecht  stehenden  Kalken,  bei  beiden  endlich  die  Rauchwacke 
der  Raibler  Schichten  in  sehr  bedeutender  Mächtigkeit.  Hat  man  den  Dolomit 
überwunden,  so  folgt  ein  kleiner  sanfter  Thalkessel  von  Kössener  Schichten  und 
ein  quer  gegen  das  Thal  sich  ziehender  Riegel  von  Dachsteinkalk  und  Adnether 
Kalk;  starke  frische  Quellen,  welche  aus  seinen  Spalten  hervorsprudeln,  verkün- 
den den  nahen  See,  der  sich  jenseits  des  Rückens  ausbreitet.  Der  überaus  anmu- 
thige  und  liebliche  Thalkessel  verdankt  seinen  zauberischen  Reiz  der  Gross- 
artigkeit der  umgebenden  Gebirgsmassen.  Ehe  wir  diese  näher  betrachten,  über- 
schreiten wir  die  Niederung.  Alles  besteht  wesentlich  aus  Algäu-Schichten.  Ein 
Riegel  aus  Dachsteinkalk  verschliesst  wie  im  Süden,  so  auch  in  Norden  den 
Kessel;  hinter  ihm  öffnet  sich  das  Kälberthal,  in  welchem  nach  einigem  Wechsel 
nochmals  Dachsteinkalk  und  Kössener  Schichten,  beide  mit  südlichem  Fallen,  end- 
lich Dolomit  folgt,  der  bis  in  das  Lechthal  hinab  anhält. 

Diess  sind  die  einfachen  Verhältnisse  dieses  überaus  schönen  und  lehrrei- 
chen Profils.  Allein  in  den  Umgebungen  des  Spullers-Sees  sind  noch  einige 
schwierigere  Probleme  zu  lösen.  Es  fällt  bei  dem  See  sogleich  die  verschiedene 
Structur  der  östlich  von  den  westlich  begrenzenden  Gebirgen  auf,  um  so  mehr 
als  das  Hauptverhältniss  im  Grunde  des  Thaies  so  einfach  und  die  Gesteine  an 
beiden  Ufern  gleich  sind.  Kommt  man  von  Süden  so  sieht  man  rechts  die  ganze 
jüngere  Liasfolge  dem  Dolomit  normal  mit  nördlichem  Fallen  aufgelagert,  wäh- 
rend am  westlichen  Ufer  bei  gleicher  Streichrichtung  das  umgekehrte  Einfallen 
stattfindet  und  die  ganze  Schichtenfolge  verkehrt  ist.  Eine  einfache  Ansicht 
des  den  See  westlich  begrenzenden  Bergzuges  zeigt  das  beistehende  schöne 
Verhältniss  einer  Ueberwerfung  um  ungefähr  90°  -f-  70°.  Sie  erklärt  sich 
um  so  leichter,  wenn  man  die  senkrechte  Stellung  der  liegenden  Schichten  in 
Betracht  zieht.  Wie  hier  eine  Ueberstürzung  von  Süden  her  stattfand  und  im 

13  * 


98 


Kloster- 

Thal. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 
Fig.  18. 


[12] 


Streu-Bach. 


Freschen-Spitz.  Gold-Berg. 


Klösterlc. 


Ob.  Spullers-Alp.  Unt.  Spullers-Alp. 

Profil  von  Klösterlc  nach  der  westlichen  Thalwand  des  Spullerssee-Kesselg. 


1.  Virgloria-Kalk.  2.  Partnach-Schichten.  3.  Arlberg-Kalk.  4.  Raibler  Schichten.  3.  Unterer  Dachstein-Dolomit, 
ß.  Kössener  Schichten.  7.  Oberer  Dachstein-Kalk.  8.  Adnether  Kalk.  9.  Algäu-Schichten. 


Norden  die  Schichten  zwar  steil  aber  doch  ungestört  dem  Dolomit  auflagern,  so 
findet  am  östlichen  Ufer  des  Sees  das  entgegengesetzte  Verhalten  stott.  An  dem 
durch  seine  Höhe  ausgezeichneten,  leicht  besteigbaren  Schafherg  (8461  Fuss) 
sieht  man  schon  aus  der  Ferne  eine  bedeutende  Störung,  die  besonders  räthsel- 
haft  wird,  wenn  man  an  der  Spullers-Alp  am  See  Dachsteinkalk  anstehen  und 
denselben  sich  als  Riegel  vor  das  Kälberthal  legen  sieht,  während  in  diesem 
abwärts  nochmals  Al- 
gäu-Schichten folgen. 

Allein  das  Verhältniss 
löst  sich  auf  äusserst 
einfache  Weise  durch 
eine  Ansicht  des  Schaf- 
berges von  der  West- 
seite, also  in  der 
Streichrichtung. 

Es  zeigt  sich  hier- 
aus, dass  der  Schaf- 
berg seine  ausseror- 
dentliche Höhe  wesent- 
lich einer  grossarti- 
genUeberstürzungver- 
dankt.  Der  ungewöhn- 
lich mächtige  Dach- 
steinkalk schützt  ihn  dabei  vor  schneller  Zerstörung. 

Somit  behält  die  Mulde,  welche  unser  Profil  ergab,  ihren  Charakter  voll- 
ständig bei  und  alle  Anomalien  erklären  sich  leicht  durch  einfache  Ueberstürzun- 
gen  von  den  Rändern  her.  Jetzt  Stellen  sich  auch  die  Lagerungsverhältnisse  im 
Kälberthal  als  vollkommen  normal  heraus,  indem  die  untere  Dachsteinkalk- 
partie des  Schafberges  weit  unter  dem  oberen  Riegel  das  Thal  durchsetzen  muss. 
Die  Kössener  Schichten  sind  hier  sehr  mächtig  und  vorherrschend  durch  merg- 
lige Schichten  vertreten,  welche  zu  weichem  fruchtbaren  Roden  verwittern  und 
die  untere  Spullers-Alp  im  Kälberthal  tragen.  Westlich  ziehen  dann  die 
Kössener  Schichten  nach  der  Spitze  des  Goldberges  und  weiter  fort  gegen  den 
Formarin-See.  Ihr  Liegendes  ist  im  Kälberthal  Dolomit,  welcher  hier  äusserst 


Fig.  19. 

Schafberg.  Ob.  Spullers-Alp. 


Ansicht  des  Schafberges  ans  dem  Kälberthale  (von  West). 

a Unterer  Dachstein-Dolomit,  b Kössener  Schichten,  c Oberer  Dachstein-Kalk. 
d Algäu-Schichten. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


99 


[13] 


mächtig  ist  und  rechts  das  riesige  Gestell  des  Schafberges  bildet.  Erst  an  der 
Thannläger  Alp  folgt  Rauchwacke,  die  wir  später  im  oberen  Lechthal 
betrachten. 

In  ihrer  Fortsetzung  gegen  Osten  zeigt  die  Mulde  I N — II  S noch  mehrfach 
dergleichen  Verhältnisse,  wie  sie  bei  Spullers  Vorkommen. 

Stuben,  Arlberg,  Grabach,  Zürss. 

Wir  betreten  mit  dieser  Gegend  einen  der  interessantesten  Theile  unseres 
Gebietes,  einen  Theil,  in  welchem  alle  Formationen  in  vortrefflicher  Entwicke- 
lung, aber  scheinbar  unter  sehr  complicirten  Lagerungsverhältnissen  Vorkommen, 
welche  sich  aber  mit  Hilfe  der  eben  ausgefiihrten  Analysen  der  Umgebungen  der 
Spullersalp  leicht  erklären  lassen.  Das  gesammte  kleine  Gebiet  ist  ein  weiterer 
östlicherer  Theil  unserer  Mulde  IN  — II  S,  die  im  Norden  und  Süden  von  zwei 
Aufbruchsspalten  begrenzt  wird.  Wie  bisher  so  wird  auch  hier  der  Gebirgsbau 
am  klarsten,  wenn  man  aus  der  Tiefe  der  Spaltenthäler  nach  den  Rändern  der 
Mulde  hinaufsteigt.  Wir  beschränken  uns  daher  auf  die  Erörterung  einiger  Pro- 
file, erst  von  Süden  (Klosterthal),  dann  von  Norden  (Lechthal)  her  nach  der 
Höhe  zwischen  beiden  Thälern. 

Abhang  zwischen  Klösterle  und  Stuben.  Bei  Wald  erheben  sich 
die  steil  geneigten  Arlberg-Schichten  unmittelbar  aus  der  Thalsohle;  am  Ausgang 
des  Streubachs  und  von  hier  bis  weit  östlich  von  Stuben,  stehen  sie  senk- 
recht, aber  zwischen  ihnen  und  der  Thalsohle  ziehen  sich  sanftere  Gehänge  hinab, 
welche  zum  Theil  mit  Geröll  dicht  bedeckt  und  mit  Knieholzgestrüpp  bewachsen 
sind.  Wilde,  tiefe  Tobl  durchschneiden  sie  und  bringen  aus  dem  Innern  des 
Gebirges  stets  neue  Zufuhr  für  die  Geröll-Lehnen.  Nur  an  wenigen  Stellen 
kommt  das  bedeckte  Gestein  zu  Tage,  theils  an  vereinzelten  Punkten  an  der 
Strasse,  theils  in  verschiedenen  Höhen  am  Abhang  hinauf.  Von  Klösterle  bis 
oberhalb  Stuben  lässt  sich  mitten  am  Abhang  ein  Zug  von  Vir  gl  ori  a-Kalk 
beobachten,  dessen  Schichten  firstartig  nach  zwei  Seiten  abfallen;  darüber 
wölben  sich  Partnachmergel,  welche  oben  fortgewaschen  sind  und  nur  noch  die 
Flanken  des  Firstes  bedecken.  Als  drittes  Glied  folgen  zu  beiden  Seiten  Arlberg- 
kalke, im  Norden  zu  einer  hohen  Mauer  aufsteigend,  im  Süden  einen  wenig  zu 
Tage  kommenden  Zug  bildend,  der  sich  an  die  Mergel  lehnt  und  an  der  Strasse 
stellenweise  sichtbar  ist.  Mit  ihm  endigt  zwischen  Klösterle  und  Stuben  die 
Reihe  der  Sedimentärschichten  gegen  die  südlich  angrenzenden  krystallinischen 
Schiefer.  Das  Gewölbe  der  Triasgebilde  lässt  sich  an  dem  Abhang  nordwestlich 
von  Stuben  deutlich  verfolgen.  Weiter  hinan  folgt  der  Zug  der  gelben  Rauch- 
wacke (Raibler  Schichten)  und  darüber  der  Dolomit,  welcher  den  Arzberg  und 
Roggler  Spitz  bildet,  dann  aber  von  den  Algäu-Scbichten  des  Gfäll-Kopfes 
bedeckt  wird  (siehe  Profil  XI). 

Profil  von  Stuben  nach  Zürss.  — Herr  Escher  v.  d.  Linth  hat 
bereits  das  ausgezeichnete  Profil  zwischen  Stuben  und  Zürss  beschrieben  *)  und 
schloss  auf  das  Vorhandensein  einer  Wölbung.  Dieselbe  lässt  sich  in  der  That 
sowohl  durch  die  Wiederholung  der  gleichen  Schichten  als  auch  durch  unmittel- 
bare Beobachtung  an  den  Virgloria-Kalken  nachweisen  und  ist  die  Fortsetzung 
der  Welle  zwischen  Klösterle  und  Stuben,  wie  die  Parallelprofile  Fig.  23,  22 
erweisen.  Bei  Stuben  selbst  befindet  man  sich  in  den  dolomitischen  Arl b er g- 


*)  Vorarlberg.  Seite  76,  Beilage  S,  siehe  auch  Taf.  IX,  Prof.  III. 


100 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[14] 

Kalken  (2,  3,  4 z.  Th.  des  E sc  h e r’schen  Profiles),  darauf  wiederholen  sich 
zweimal  die  Partnac h mergel  (4  z.  Th.,  5),  welche  das  kleine  Gewölbe  der 
Vir gloria-Kalke  einschliessen.  Durch  Wechsellagerung  gehen  die  Partnach- 
mergel  in  den  nördlich  fallenden  Theil  der  Arlberg-Kalke  über.  Dieselben 
stehen  fast  senkrecht  und  bilden  sehr  eigentümlich  gestaltete  Berge  mit  Hahnen- 
kamm ähnlichem  Profil.  Wie  die  Blätter  eines  halbgeöffneten  Buches  ragen  die 
festeren  Kalkschichten  schneidig  in  die  Luft  und  sind  durch  tiefe  Auswitterungen 
der  mergeligen  Schichten  von  einander  getrennt.  Ein  neuer  in  den  Fels  gehaue- 
ner Saumweg  windet  sich  zur  Seite  des  wild  herabstürzeriden  Wassers  in  dem 
Kalk  hinan  und  erlaubt  dies  Gestein  hier  genau  zu  beobachten.  Es  ist  stellen- 
weise porös  wie  ein  Schwamm,  in  einem  so  hohen  Grade,  wie  ich  es  an  keinem  an- 
dern Ort  beobachtete,  äusserst  bituminös,  reich  an  mergeligen  Zwischenschichten 
und  grossentheils  stark  dolomitisch.  Herr  Es  eher  fand  in  einigen  Schichten 
gediegenen  Schwefel.  Erst  wenn  man  die  bedeutende  Höhe  des  steilen  Anstieges 
überwunden  hat,  gelangt  man  an  den  quer  durchsetzenden  Zug  von  gelber  Rauch- 
wacke  der  Raih ler  Schichten,  die  hier  mit  viel  braunem  Sandstein  wechsel- 
lagert. Der  Dolomit  ist  an  dieser  Stelle  nicht  sehr  mächtig.  Um  so  mehr  ist 
dies  mit  dem  durch  die  Kössener  Schichten  getrennten  Dachs teinka  1 k 
der  Fall,  welcher  sich  in  der  Tiefe  des  Passes  unmittelbar  mit  dem  von  jenseits 
herübergreifenden  verbindet  und  Zürss  allseitig  umgibt.  Die  Ad  net  her  Kalke 
lagern  rechts  und  links  auf  und  steigen  zum  Trittkopf  und  G fäll  köpf  an. 

Abhang  zwischen  Stuben  und  dem  Arlberg.  Die  Lagerungsver- 
hältnisse bleiben  im  Wesentlichen  dieselben  wie  zwischen  Klösterle  und 
Stuben;  doch  steigt  das  ganze  Triassystem  gegen  Süden  noch  einmal  an,  wie 
die  Parallelprofile  (20,  21,  22,  23)  zeigen: 

Diese  Profile  erklären  sich  selbst;  sie  zeigen  auch  den  Grund  der  ungewöhn- 
lichen Mächtigkeit  der  Arlbergkalke  am  Schindler-Spitz,  der  auch  zuweilen  den 
Namen  des  Arlbergspitzes  führt  und  die  Veranlassung  zur  Benennung  unserer  Arl- 
bergkalke gab.  Sie  erklären  zugleich  die  Vollständigkeit  der  Entwickelung  des 
Profils  längs  der  Höhenlinie  der  Wasserscheide  vom  Valluge r Spitz  nach  dem 
Berg  oberhalb  St.  Christoph,  wo  der  Verrucano  in  bedeutender  Entwickelung 
auftritt. 

Wir  schliessen  hiermit  die  Reihe  der  Profile  des  Klosterthaies,  welche  sich 
durch  ihre  Einfachheit  und  Regelmässigkeit  auszeichnen.  Wir  werden  sie  später 
östlich  vom  Arlberg  im  Thal  der  Rosanna  gegen  Landeck  fortsetzen.  Das  Arl- 
bergprofil ergibt  sich  als  vermittelndes  zwischen  den  Verhältnissen  beider 
Thäler. 

Omes-Horn,  Umgebung  von  Zürss.  — Jeder  Aufstieg  aus  der  Auf- 
bruchsspalte des  Klosterthales  führte  durch  das  gesammte  Triassystem  nach 
dem  Dolomit  und  den  höheren  Gliedern  des  Lias.  Jenseits  steigt  man  allenthalben 
über  die  umgekehrte  Schichtenfolge  nach  dem  Lechthal  hinab.  Es  genügt,  dieses 
Verhalten  im  Allgemeinen  zu  erwähnen,  da  die  Specialitäten  dort  wenig  Ab- 
wechslung bieten.  Das  Omes-Horn  und  der  Sch  wabbrunnen,  die  Erhebungen 
zu  beiden  Seiten  des  Zürsser  Baches  bestehen  in  ihrer  grossen  Masse  aus  dem  Do- 
lomit der  Mulde  und  spielen  für  deren  nördlichen  Theil  dieselbe  Rolle  wie  in 
Arzberg,  Roggler  Spitz  und  Valluger  Spitz  im  südlichen  Theil.  An  dem  Südabhang 
beider  Berge  ist  der  Dolomit  von  Kössener  Schichten  überlagert,  die  im  weiten 
südlichen  Bogen  sich  in  dem  fruchtbaren  Thalboden  von  Zürss  vereinigen,  der 
ganz  aus  Kössener  Schichten  besteht.  Die  darauf  lagernden  sehr  mächtigen 
Dachsteinkalke  umschliessen  mit  ihren  senkrecht  abgebrochenen  Mauern  den 
Thalboden  und  vereinigen  sich  südlich  von  demselben.  Westlich  von  Zürss 


[15] 


Valluger-Spitz. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 
OST 

Schindler-Spitz  (Arlberg). 


101 


Glimmer- 

schiefer. 


Fig.  20. 


Tritt-Kopf 


Pass  am  Arlberg. 


S.  Christoph. 


Fig.  21. 


Höhe  des  Passes 
gegen  Zürss. 


Arzberg. 


Kloster-Thal. 

Stuben. 


Glimmerschiefer. 


Post- 
strasse. Allenz. 


X 


Glimmerschiefer. 


Fig.  22, 


Fig.  23. 


Parallel-Profile  der  Trias-Schichten  am  Arlberg. 

i Verrucano.  2 Virgloria-Kalk.  3 Partnach-Mergel.  4 Arlberg-Kalk.  5 Raibler  Schichten.  6 Unterer  Dachstein- 
Dolomit.  7 Kössener  Schichten.  8 Oberer  Dachstein-Kalk.  9 Adnether  Kalk.  iO  Algäu-Schichten. 


102 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[16] 

gelangt  man  dann  bald  über  Adnether  Kalk  in  das  Gebiet  der  Algäu-Scbichten, 
ebenso  östlich;  allein  hier  beginnen  nun  höchst  eigenthümliche  complicirte  Ver- 
hältnisse; am  besten  lassen  sie  sich  verfolgen  an  dem 

Grat  zwischen  demPazielerBach  (westlich)  unddemBockbach, 
Grabach  und  Almej urbach  (östlich).  — Bei  Zurss  ist,  wie  aus  dem  Vorigen 
hervorgeht,  der  Bereich  der  supradolomitischen  Liasgesteine  der  Mulde  IN — IIS 
sehr  klein;  im  Thalgrund  ist  Dachsteinkalk  das  höchste  Gestein.  Übersteigt  man 
die  östliche  Mauer  desselben,  so  liegen  ihm  zunächst  Adnether  Kalke  auf,  dann 
folgen  Liasfleckenmergel.  Die  Bänder  der  Mulde  treten  plötzlich  weit  auseinander 
und  es  entwickeln  sich  die  Algäu-Schichten  in  ungewöhnlicher  Mächtigkeit.  Sie 
bilden  die  Masse  des  Trittkopfes  und  sind  in  vielen  Tobeln  entblösst.  Einzelne 
Schichten  sind  gypsführend.  Die  Lagerungsverhältnisse  scheinen  sehr  gestört. 
Diese  Schichten  werden  von  dem  kleinen  Thale  des  bei  Zürss  mündenden  Pazieler 
Baches  durchbrochen,  welcher  seine  Quellen  an  einem  ungefähr  nordsüdlichen 
Grat  sammelt.  Oestlich  entsendet  derselbe  Grat  den  Almejurbach,  Grabach,  und 
Bockbach.  Vom  Vallugerkopf  bis  zum  Sc h wa  b b r un n e n ist  der  Grat  in 
dem  Gebiet  der  Algäu-Schichten  unserer  Mulde,  dem  auch  jene  drei  östlichen 
Thäler  in  ihren  oberen  Thalstrecken  angehören.  Da  begegnet  man  mitten  auf 
dem  Grat  und  fast  in  seiner  ganzen  Erstreckung,  der  seltsamen  Erscheinung, 
dass  Algäu-Schichten  der  sonst  so  regelmässigen  Mulde  älterer  Schichten  aufge- 
lagert sind. 

Es  eher  und  Studer  fanden  bereits  vor  langer  Zeit  auf  dem  Grat  und  zwar 
an  seiner  Ostseite  am  Ursprung  des  Grabachthaies,  Triasversteinerungen,  welche 
auf  einige  Analogie  mit  Set.  Cassian  deuteten.  Herr  v.  Hauer  und  ich  besuchten 
von  Stög  im  Lechthal  ausgehend  dieselbe  Stelle  in  Begleitung  des  Herrn  Es  eher 
v.  d.  Linth  und  sammelten  eine  grosse  Menge  Petrefacten  der  Rai  bl  er 
Schichten;  doch  Hess  sich  unmöglich  etwas  über  die  Lagerungsverhältnisse 
ergründen.  Erst  eine  spätere  Untersuchung  von  Zürss  aus  zeigte  die  völlige 
Identität  mit  der  kurz  zuvor  am  Schafberg  (Fig.  19)  an  demselben  Nordrand 
der  Mulde  beobachteten  Ueberstürzung;  doch  ist  sie  hier  unendlich  grossartiger, 
da  das  gesammte  Lias-  und  das  Trias-System  bis  hinab  zu  den  Partnachmergeln 
daran  Theil  nehmen.  Das  auf  Tafel  II  der  ersten  Abtheilung  mitgetheilte  Profil 
(XII)  genügt,  um  die  grossartige  Ueberstürzung  des  so  mächtigen  Systems  voll- 
kommen zu  erläutern.  Steigt  man  nach  dem  Pass  hinauf,  so  überschreitet  man 
die  verkehrte  Schichtenfolge  und  erreicht  die  Einsattelung  in  Partnachschichten. 
Kommt  man  aber  von  jenseits  her  aus  dem  Grabachthai  so  wandert  man  von 
den  letzten  Sennhütten  her  lange  Zeit  in  Fleckenmergeln  und  erreicht  bei  steilerem 
Anstieg  rothen  ammonitenreichen  Adnether  Kalk  mit  Crinoidenbreccie  und 
darüber  eine  sehr  mächtige  Bank  von  Dachsteinkalk.  Kössener  Schichten  liegen 
ihr  auf  und  schaffen  eine  kleine  ebene  Fläche  über  der  plötzlichen  Stufe.  Der 
Dolomit,  welcher  am  Rauhenspitz  und  Grabacherspitz  sehr  mächtig  ist,  fehlt  hier 
in  dem  Profil  und  es  folgen  den  Kössener  unmittelbar  Raibler  Schichten  mit  viel 
gelber  Rauchwacke,  aber  ohne  Gyps,  darauf  eine  Wand  von  Arlbergkalk  und 
endlich  die  Partnaehmergel  des  Passes.  Nirgends  in  ganz  Vorarlberg  treten  die 
Raibler  Schichten  mit  demselben  Reichthum  an  Versteinerungen  auf,  als  hier  unter 
diesen  abnormen  Verhältnissen. 

Die  Ueberstürzung  am  Grabacher  Joch  lässt  sich  noch  weiter  östlich  verfol- 
gen, bis  später  wieder  die  einfache  Muldenform  erscheint.  Wir  werden  darauf  in 
einem  späteren  Abschnitte  zurückkommen  und  schliessen,  die  Betrachtung  des 
vorarlhergischen  Theils  der  Mulde  I N — II  S,  um  uns  zu  der  nördlich  begrenzen- 
den Aufbruchsspalte  zu  wenden. 


j 


[17] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


103 


Oberes  Lech-Gebiet  (Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grub-Spitz,  Gypsi- 

Tobl. 

Das  Lechthal  entspringt  am  Formarin-See;  der  Bach  aber  hat  seine  Quelle 
nicht  in  diesem  Wasserbecken,  sondern  in  einem  kleinen  südlichen  Querriss  des 
Gebirges,  dessen  Ursprung  in  den  Algäu-Schichten  der  eben  verlassenen  Mulde 
liegt.  Vom  Formarin-See  aus  bis  zu  dem  kleinen  Dorf  „Am  Lech“  oder 
Thannberg  hat  das  Thal  eine  Richtung  von  WSW.  nach  ONO.,  ist  also  dem 
Klosterthal  nicht  genau  parallel,  dennoch  hat  es  als  Aufbruchsspalte  die  gleiche 
geognostische  Bedeutung.  Bei  Thannberg  trennen  sich  die  Richtung  des  Flusses 
und  der  Hebung.  Jener  beschreibt  über  Stubenbach,  Warth,  Lechleiten, 
Ellenbogen  einen  grossen,  nach  Nord  gerichteten  Bogen,  um  dann  bei  Stög 
wieder  in  das  alte  Hebungssystem  und  in  die  genaue  Fortsetzung  der  früheren 
Richtung  einzuspringen.  Bei  Stög  beginnt  der  Theil,  welchen  man  gewöhnlich 
als  das  „obere  Lechthal“  bezeichnet,  während  die  Umgebungen  von  Warth  und 
Am  Lech  dem  allgemeinen  Begriff  des  „Thannberges“  anheim  fallen,  welcher 
das  Quellgebiet  der  Bregenzer  Ache  und  des  Lech  umfasst. 

Von  der  Quelle  bis  Stubenhach,  wo  der  Fluss  mit  seiner  Wendung  auch 
weit  andere  Formationen  betritt,  erhält  der  Lech  vier  Zuflüsse  von  Süden  her 
aus  dem  Gebiete  der  Algäu-Schichten  der  früher  betrachteten  Mulde;  sie  sind:  der 
Kälberbach,  welcher  vom  Spullers-See  herabkommt  und  mit  dem  Stier- 
locherbach den  Schafberg  umfasst.  Stierloch-  und  Zürsser  Bach  um- 
fassen das  Om  es -Horn.  Der  letztere  mündet  bei  der  Wendung  des  Thaies.  End- 
lich kommt  vom  Schwabbrunnen  der  Thalichbach  herab.  Alle  diese  Bäche 
bilden  wilde  enge  Thäler  mit  steilen  Wänden  in  dem  mächtigen  Dolomit,  in  dessen 
wenig  geneigte  Schichten  sie  senkrecht  eingesenkt  sind;  alle  erreichen  den 
Thalboden  in  Triasgesteinen. 

Wenn  man  von  den  höheren  Liasgesteinen  am  Formarin-See  herabkommt 
und  den  Dolomit  in  einem  langen  unfruchtbaren  Hochthal  überschritten  hat,  so 
stellt  sich  das  erste  Triasglied  bei  der  Thannlägeralp  ein,  gelbe  Bauchwacke 
der  Raibler  Schichten,  Sie  durchzieht  hier  den  Thalgrund  und  bildet  auch  den 
fruchtbaren  Boden  von  Aelpele;  zur  Rechten  zieht  sie  tief  am  Abhange  hin, 
durch  den  Zürsser  Bach  hindurch  nach  dem  Pass  zwischen  Lechthal  und  Bockbach- 
thal (am  Nordfuss  des  W estner  Ber ges  vorüber).  Bald  darauf  keilt  sie  sich 
aus.  Zur  Linken  dagegen  steigt  sie  hoch  an  und  bildet  eine  Zone  um  das  dolomi- 
tische Krieger horn,  hinter  dem  wir  sie  im  Gypsitobl  wiederfinden. 

Der  Arlbergkalk  bildet  seine  Wände  unter  der  Rauchwacke;  an  zwei  Stellen, 
unterhalb  A el  p e le  und  bei  Am  Lech  vereinigen  sich  die  Kalke  in  der  Thal- 
sohle und  schliessen  dazwischen  den  kleinen  Aufbruch  von  Zug  ein,  wo  Part- 
nachmergel  und  Virgloriakalk  anstehen.  Bei  den  Häusern  von  Am  Lech  kann 
man  an  mehreren  Stellen,  z.  B.  an  der  unteren  Brücke,  die  Arlbergkalke  anstehend 
beobachten.  Man  erhält  somit  folgende  Parallelprofile  des  Lechthaies,  Figuren  24 
bis  27. 

Geht  man  von  Am  Lech  abwärts,  so  gelangt  man  bald  nochmals  zu  dem 
Liegenden  der  Arlbergkalke,  zu  Partnachmergeln  und  Virgloriakalk,  welche  das 
nun  nach  Norden  gewendete  Thal  quer  durchziehen,  sich  im  Osten  sehr  bald  aus- 
keilen und  im  Westen  nach  dem  Gypsitobl  fortsetzen.  Anstatt  aber  auf  Verru- 
cano zu  kommen,  erreicht  man  unmittelbar  unter  dem  Virgloriakalk  mächtig 
entwickelte  Algäu-Schichten,  welche  die  Häuser  von  Stuben!)  ach  tragen  und 
östlich  über  die  Höhe  nach  dem  Bockbachthal  fortsetzen.  Es  ist  also  hier  ein  ähn- 


K.  k.  geologische  Reichsaostalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


14 


104 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


Kriegerhorn. 


Lech.  Am  Lech. 


Schwabbrnanen. 


Fig.  24 


Lech-Thal. 

Kriegerhorn.  Zug.  Gfill-Kopf. 


Lech-Thal. 

Hirschen-Spitz.  Thannläger-AIp.  Gold-Berg. 


Misthaufen.  Auf  dem  Gschrepp.  Oberstes  Lechthal.  Feier-Kopf. 


Parallel-Profile  aui  Ursprung  des  Lech-Thales. 

1 Virgloria-Kalk.  2 Partnach-Mergel.  3 Arlberg-Kalk.  4 Raibler  Schichten.  S Unterer  Dachstein-Dolomit. 
6 Kössener  Schichten.  7 Oberer  Dachstein-  und  Adnether  Kalk.  8 Algäu-Schichten. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


108 


[19] 


liches  abnormes  Auflagerungsverhältniss,  wie  es  im  Rhätikongebiete  so  überaus 
häufig  zu  beobachten  ist  und  wie  es  bei  Raggall  und  ÄJaroul  vorkornmt. 

Wenden  wir  uns  von  diesen  speciellen  Verhältnissen  des  Thalbodens  zu  dem 
allgemeinen  Gebirgsbau,  so  sehen  wir,  dass  das  Thal  die  An tiklinallinie  einer 
Welle  (If)  bezeichnet  (Profile  X,  XI,  XII),  welche  nach  dem  Westner  Rerg 
fortsetzt  und  dass  die  am  Südgehänge  südlich  fallenden  Schichten  (II  S)  sich  im 
Klosterthale  wieder  erheben.  Ebenso  bildet  der  nördlich  begleitende  Dolomitzug 
eine  flache  Mulde,  deren  Schichten  im  Misthaufen,  Tisner-Gsc  hrö  f und 
Gansboden  wieder  aufsteigen  und  auf  einen  parallelen  Zug  jüngerer  Lias» 
gesteine  hinaufgeschoben  sind.  Zum  Theile  liegt  unmittelbar  der  Dolomit  auf  den 
Eieckenmergeln,  zum  Theile  folgt  dazwischen  Rauchwacke  und  weitere  Glieder 
der  Trias,  wie  am  Kriegerhorn.  Das  Krieger  hör  n ist  eine  isolirte  Kuppe  von 
muldenförmig  gelagertem  Dolomit,  isolirt  durch  die  allseitige  Entblössung  der  lie- 
genden Rauchwacke;  im  Norden,  Osten  und  Süden  stehen  auch  tiefere  Lias- 
glieder an.  Die  Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  führt  hier  viel  Gyps,  daher 
„Gypsitobl“  und  „G  y psilochbaeh“.  In  letzterem  stehen  die  schwarzen 
schiefrigen  Partnachmergel  an.  Die  weiter  westlich  folgenden  Gebirge  betrachten 
wir  in  Verbindung  mit  dem  nächsten  Abschnitte. 


Walser  Thal  (südliches  Gebiet). 

Man  unterscheidet  zwei  Walser  Thäler;  das  sogenannte  kleine  oder  das  Thal 
Mittelberg  wird  von  der  Breitach  durchströmt,  ist  im  östlichen  Theile  des 
südlichen  Flyschzuges  eingesenkt  und  öffnet  sich  in  das  bayerische  Algäu.  Das 
grosse  oder  das  eigentliche  Walser  Thal,  dessen  Gebiet  hier  in  Betracht 
kommt,  wird  vom  Lutzbach  durchströmmt,  der  am  Kleinen  Spitz  entspringt, 
und  bei  Thüringen  in  das  Illlhal  mündet.  Der  obere  Lauf  ist  im  Trias-Lias  - 
gebiet,  der  Unterlauf  im  Flysch.  Der  erstere  durchschneidet  selbst  Algäu-Schichten, 
über  denen  im  Norden  ein  mächtiges  Gebirge,  der  Zitterklapfen,  aufsteigt, 
während  im  Süden  eine  weite  Dolomitwelt  sich  ausbreitet,  welche  dem  Lutzbach 
mehrere  Zuflüsse  zusendet.  Sie  ist  es,  welche  hier  in  Betracht  kommen  soll. 

Zwei  genau  ostwestlich  streichende  Dolomitzüge  setzen  dieses  wilde  Gebirge 
zusammen.  Zwischen  ihnen  zieht  sich  eine  lange  schmale  Mulde  jüngerer  Lias- 
gebilde hin.  Der  südliche  Dolomitzug  ist  derselbe,  welcher  den  Lech  nördlich 
begleitet  und  in  seinem  östlichen  Theil  selbst  eine  muldenförmige  Lagerung  besitzt. 
Steigt  man  daher  vom  Walserthal,  z.  B.  von  Rothenbrunn  aus,  in  einem  der  Quer- 
thäler  aufwärts,  so  sind  zunächst  in  der  Thalsohle  Algäu-Schichten,  in  denen  der 
Lutzbach  eingeschnitten  ist,  darüber  folgt  der  nördlichere  der  beiden  Dolomit- 
züge (Feuerstein,  Kleine  Spitz,  Mohnenfluh),  in  welchem  das  Bad 
Rothenbrunn  liegt;  weiter  hinauf  folgt  die  aus  Kössener,  Dachstein-,  Ad- 
nether  und  Algäu-Schichten  gebildete  Mulde,  welche  alle  Thäler  quer  durchsetzt, 
endlich  der  zweite  südlichere  Dolomitzug,  der  reich  ist  an  wilden  Steinfeldern, 
um  welche  die  höheren  gewaltigen  Gipfelmassen  amphitheatralisch  herumziehen. 
Andere  Felsrneere,  wie  sie  sonst  dem  Dolomit  wenig  eigen  sind,  bilden  den  kessel- 
förmigen Hintergrund,  aus  dem  unzugängliche  Pässe  in  das  oberste  Lechgebiet 
hinüberführen.  Diesen  Charakter  hat  vor  Allen  der  gegenüber  der  Alpe  Its c ti- 
gern ey  mündende  Tobl,  welcher  aus  dem  Tis n er  Gschröf  herabkommt, 
ebenso  das  obere  Rothenbrunner  Thal. 

Der  Hutler  Bach,  welcher  an  der  Rothwand,  nahe  am  Formarin-See  ent- 
springt, zeigt  sehr  abweichende  Verhältnisse  an  der  rechten  und  linken  Thal  wand. 
Die  rechte  entspricht  vollkommen  dem  benachbarten  Rothenbrunner  Thal.  Kommt 

14  * 


106 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[20] 

man  aus  dem  obersten  Lechthal  über  das  Gschrepp  herüber  nach  der  Alpe 
Glesenze  im  Thal  des  Hutler  Baches,  so  steigt  man  Anfangs  hoch  hinauf  auf 
die  Dolomitwand  jenes  Aufbruchthaies  und  gelangt  auf  der  Höhe  des  Passes  zu 
einem  furchtbaren  Chaos  der  verschiedensten  Schichten.  Eine  Schlucht  ist  hier 
fast  eine  Viertelstunde  lang  in  gleichbleibender  Höhe  zwischen  Dolomitwände  ein- 
gesenkt; Alles  von  der  Rauchwacke  an  bis  zu  den  Fleckenmergeln  ist  wirr  durch- 
einander geworfen  und  man  begegnet  bald  der  einen,  bald  der  anderen  Formation. 
DiehöehsteHöhedes  Baches  wird  von  den  Hornsteinen  der  Algäu-Schichten gebildet, 
mit  denen  hier  reiche  Eisen-  und  Manganerze  verbunden  sind.  Tritt  man  endlich 
aus  der  hohlen  Gasse  des  Passes  heraus,  so  steht  man  an  dem  Abgrund  einer  tiefen 
Spalte,  in  welcher  der  Hutler  Bach  Giesst  und  jenseits  der  Spalte  ist  der  Ost- 
hang der  Roth  wand  (Fig.  17)  prachtvoll  entblösst.  Die  Schichtensysteme  sind 
an  ihr  ungemein  stark  durcheinander  gewunden,  allein  man  kann  die  Störungen 
wegen  des  kolossalen  entblössten  Durchschnitts  an  ihr  genau  verfolgen  und  sich 
dadurch  auch  den  raschen  Wechsel  verschiedener  Formationen  in  dem  erwähnten 
Engpass  auf  dem  Gschrepp  erklären.  Wie  klein  der  Raum  ist.  auf  welchen  die 
Störungen  beschränkt  waren,  von  denen  die  ganze  Gebirgsmasse  der  Rothwand 
zeugt,  beweist  ebenso  dieUmgebung  des  Formarin-Sees,  als  hier  der  gleichförmige 
Schichtenbau  des  dolomitischen  „Misthaufen“,  der  sich  im  Osten  in  gross- 
artiger Erhabenheit  über  jenen  wirren  Complex  erhebt.  — Geht  man  abwärts 
nach  Glesenze,  so  gelangt  man  abwechselnd  über  Dolomit  und  Algäu-Schichten, 
endlich  kurz  vor  der  Alpe  über  eine  mächtige  Masse  von  Rauchwacke.  Erst  hei 
Glesenze  treten  die  Algäu-Schichen  herrschend  auf  die  rechte  Thalwand  herüber 
und  bilden  die  Abhänge  bis  zur  Hälfte  der  Höhe;  darüber  liegt  der  Dolomit. 
Es  findet  also  hier  dasselbe  abnorme  Lagerungsverhältniss  statt,  wie  in  der 
östlichen  Fortsetzung  des  Dolomitzuges  am  Kriegerhorn.  Endlich  bei  der  oberen 
Riederer  Alp  macht  der  Dolomit  den  Algäu-Schichten  ganz  Platz  und  diese  ziehen 
über  die  Höhe  hinüber  nach  dem  Rothenbrunner  Thal.  Weiter  abwärts  kommt  man 
dann  abermals  zum  Dolomit  durch  Vermittlung  von  Dachsteinkalk  und  Kössener 
Schichten  und  endlich  auf  die  Algäu-Schichten  am  Lutz-Bach.  Die  rechte  Thal- 
wand des  Hutler  Baches  *)  ist  also  genau  so  zusammengesetzt,  wie  beide  Abhänge 
des  Rothenbrunner  Thaies.  Um  so  auffallender  ist  es,  dass  über  den  Bach 
hinüber  die  Verhältnisse  nicht  in  gleicher  Weise  fortsetzen,  sondern  sich 
bedeutend  ändern;  es  scheint,  dass  der  Hutler  Bach  eine  nordsüdliche  Spalte 
mit  senkrechter  Verwerfung  andeutet.  Nur  dann  ist  es  möglich,  die  Alpilla  als 
Fortsetzung  der  Welle  III  zu  betrachten. 

Walser-Thal  (nördliches  Gebiet),  Z itte  rkl  apfe  n,  Künzle-Sp  itz,  Grenze 
mit  F ly  sch.  (Profile  VIII,  XI.) 

In  auffallendem  Coritrast  zu  den  massenhaften  Formen  der  Dolomitwelt,  aus 
welcher  der  Lutz-Bach  seinen  südlichen  Zufluss  erhält,  steht  der  letzte  nördliche 
Grenzpfeiler  des  Dolomites:  der  Grat  des  Zitterklapfens  und  der  Künzle-Spitz. 
Dort  ruhige  Erhabenheit,  weite,  amphitheatralische  Gebirgskessel,  welche  durch 
ihr  treppenförmiges  Ansteigen  oft  unzugänglich  gemacht  werden,  dazu  eine  fast 
horizontale  Lagerung;  hier  begegnen  wir  einem  schmalen  Grat  mit  luftigen, 
vielzackigen  Formen  und  steilerem  (südlichem)  Einfallen  der  Schichten.  Sie  sind 
hier  auf  dasFlyschgebirge  hinaufgeschoben  und  steigen  hoch  an.  Die  verschie- 


4)  Zum  Theil  sind  die  eben  dargestellten  Verhältnisse  aus  Profil  IX  ersichtlich. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


107 


[«] 


denen  Schichten  bilden  am  Abhange  mehrere  Zonen;  das  untere  Thalgehänge, 
so  weit  die  Wiesen  und  Alpen  reichen,  besteht  aus  Lias-Fleckenmergeln,  der 
hohe  Grat  aus  Dolomit;  dazwischen  ziehen  sich  Adnether,  Kössener  und  Dach- 
steinkalk-Schichten hin.  Alle  Zonen,  die  Durchschnitte  der  Fläche  des  Abhanges 
mit  den  Schichten  steigen  nach  Ost  an  und  ziehen  sich  westlich  so  weit  herab, 
dass  sie  endlich  die  Thalsohle  erreichen  und  über  das  Thal  hinwegsetzen. 
Am  besten  kann  man  dies  bei  den  rothen  Adnether  Kalken  beobachten , in 
welchen  der  hohe,  nach  Sehröcken  hinüberführende  Schadona-Pass  ein- 
geschnitten ist,  während  sie  oberhalb  Itschgerney  vorüber  sich  allmälig  an 
der  Thalwand  herabsenken  und  westlich  von  Buchboden  den  Lutz-Bach  über- 
setzen. Wendet  man  sich  daher  von  Rothenbrunn  über  Buchboden  thalabwärts, 
so  überschreitet  man  den  Riegel  von  Adnether  Kalk,  Kössener  Schichten  und 
Dolomit  und  befindet  sich  plötzlich  im Flyschgebiet.  Dieser  Riegel,  welcher  nichts 
als  der  so  tief  durchbrochene  Zug  des  Zitterklapfen  ist,  scheidet  das  Walser 
Thal  streng  in  ein  oberes  und  ein  unteres.  — Dasselbe  Profil,  welches  man  hier 
in  wenigen  tausend  Schritten  durchwandert,  sieht  man  allenthalben  aufgeschlos- 
sen, wenn  man  die  steilen  Nordgehänge  des  Walser  Thaies  erklimmt  und  über  den 
höchsten  Alpen  nach  den  tief  in  dem  Dolomit  des  Grates  eingeschnittenen 
Scharten  steigt,  durch  welche  unbequeme  Jochsteige  nach  Schopernau  führen. 
Der  Adnether  Kalk  und  die  Kössener  Schichten  sind  auf  diesen  Höhen  besonders 
versteinerungsreich,  der  Dachsteinkalk  besitzt  eine  bedeutende  Mächtigkeit. 
Ersterer  breitet  sich  mit  seiner  charakteristischen  rothen  Färbung  in  der  Einsatt- 
lung des  Schado  na -Passes  aus  (daher  die  Benennung  „d  er  rothe  Platz“) 
und  führt  hier  eine  Unzahl  von  Ammoniten.  Auch  die  unmittelbar  folgenden  grau 
gefärbten  Schichten  sind  noch  reich  daran.  Sie  fallen,  wie  Alles,  südlich  und 
tragen  die  steil  über  dem  Pass  zum  Rothhorn  und  Hochberg  sich  aufthür- 
menden  Algäu-Schichten,  die  sich  aus  der  Tiefe  von  Buchboden  und  Rothen- 
brunn heraufziehen  und  jenseits  des  Passes  nach  Schröcken  fortsetzen,  im 
Süden  aber  von  dem  Dolomitzug  der  Mohnenfl u h und  KJ  einen  Spi tz  über- 
lagert werden. 

Wenden  wir  uns  zu  dem  Dolomitgrat  selbst,  der  wegen  der  nahen  Flysch- 
grenze  viel  Interesse  bietet,  so  gehört  er  ganz  und  gar  der  Hebungswelle  V an 
und  setzt  östlich  im  Widd erstei n fort.  Der  Zitterklapfen  und  Künzle- 
Spitz  sind  zwei  sehr  ausgezeichnete  Dolomitberge,  deren  imposante  Form  charak- 
teristisch gegen  den  sich  unmittelbar  anlehnenden  Bregenzerwald  absticht  und 
sie  von  den  Höhen  des  letzteren  allenthalben  als  zwei  Hauptpunkte  der  Umgebung 
hervortreten  lässt.  Verfolgt  man  den  Dolomitzug  nach  Westen,  so  sieht  man  ihn, 
wie  erwähnt,  westlich  von  Buchboden  den  Lutz-Bach  übersetzen  und  jenseits 
als  den  unteren  Theil  der  Gehänge  fortziehen.  Wahrscheinlich  keilt  ers  ich  nörd- 
lich von  Maroul  aus.  Von  der  Alpilla  ist  er  durch  eine  flache  fruchtbare  Terrasse 
getrennt,  welche  anzudeuten  scheint,  dass  beide  Dolomite  nicht  zusammen- 
gehören, sondern  durch  die  Fortsetzung  der  Algäu-Schichten  von  Buchboden 
geschieden  sind.  Die  Alpilla  bleibt,  so  lange  man  sie  nicht  durch  ein  detaillirtes 
Profil  erläutert,  ein  räthselhaftes  Gebilde  in  dem  sonst  ziemlich  klaren  Gebiet; 
in  keine  Hebungswelle  passt  sie  ganz  hinein. 

WasnunendlichdieGrenzeder  Trias-Lias-Zone  gegen  denFlysch 
an  dieser  Stelle  betrifft,  so  ist  sie  analog  beschaffen  wie  an  anderen  Stellen. 
Zwischen  Buchboden  und  Fontanella  kommt  man  zur  Grenze  noch  ehe  man  den 
vom  Zafer-Horn  herabkommenden  tief  eingeschnittenen  Bach  erreicht.  Hier 
grenzt  Dolomit  unmittel b a r an  den  Flysch  und  dies  muss  östlich  hinauf 
wenigstens  so  weit  stattfinden,  als  die  Quellbäche  des  Lutz-Baches  die  Grenzgebilde 


108 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[22] 

durchströmen;  denn  man  findet  in  dem  Trümmermeer  dieser  Bäche  kein  Frag- 
ment von  Adnether  oder  Algäu-Schichten.  Oestlich  dagegen,  wo  das  Flusssystem 
der  Bregenzer  Ache  beginnt,  ändern  sich  nach  den  übereinstimmenden  Beobach- 
tungen der  Herren  Es  eher  und  Gümbel  diese  Verhältnisse,  indem  sich  allmälig 
Algäu-Schichten  zwischen  Dolomit  und  Flysch  einschieben,  also  wieder  das  alte 
Verhältnis,  wie  am  Hoch-Frassen  und  südöstlich  von  Triesen.  Wir  werden  im 
weiteren  Verlaufe  zeigen,  dass  diese  wiederum  südlich  fallenden  Algäu-Schichten 
gegen  Osten  an  Mächtigkeit  zunehmen  und  sich  allmälig,  indem  die  liegenden 
Schichten  bis  zum  Dolomit  hinzutreten,  zu  unserer  VI.  Hebungswelle  entwickeln, 
welche  im  Thale  Mittelberg  auftritt.  Zu  bemerken  ist  dabei  noch,  dass  auch  die 
V.  Hebungswelle  sich  im  Westen  unscheinbar  verlor,  nachdem  sie  eben  noch  im 
Zitterklapferi  so  grosse  Bedeutung  gehabt  hatte. 

Das  westlichste  bekannte  Auftreten  dieser  eingeschobenen  Algäu-Schichten 
ist  im  obersten  Theile  des  kleinen,  bei  Schopernau  in  die  Bregenzer  Ache  mün- 
denden Dürrenbach-Thales  *)  und  am  Toblermanns-Kopf.  Oestlich  nehmen  sie 
bald  an  Mächtigkeit  zu. 

Dur chbruch  der  Bregenzer  Ache.  — Der  Dolomit  der  Künzle-Spitz 
senkt  sich  östlich  tief  hinab  zur  Bregenzer  Ache,  welche  als  jugendlicher  Berg- 
strom die  mächtige  Gebirgskette  im  engen  Spaltenthal  durchbricht.  Die  gesammte 
Hebungswelle  wird  hier  querdurchschnitten  und  ihre  Structur  auf  das  Klarste  bloss- 
gelegt. Der  vielbesuchte  romantische  Weg  von  Schopernau  nach  Schröcken 
führt  am  Bache  hin  und  man  kann  an  ihm  bequem  den  Gebirgsbau  kennen  lernen. 
Bis  Hopf r eben  wandert  man  im  Flysch,  dessen  Schichten  steil  nach  Stunde  11 
(S.  15°  0.)  fallen.  Dann  folgen  Algäu-Schichten,  erst  durch  Gesteine  vertreten, 
welche  kaum  vom  Flysch  zu  unterscheiden  sind,  so  dass  man  bei  Hopfreben 
vollständig  im  Zweifel  ist,  mit  welcher  von  beiden  Formationen  man  es  zu  thun 
hat,  bald  aber  charakteristischer  ausgebildet.  Der  Weg  führt  am  rechten  Ufer 
des  Baches  aufwärts  und  gelangt  bald  in  den  Dolomit,  während  jenseits  noch 
lange  Algäu-Schichten  anstehen;  sie  fallen  flacher  südlich  als  der  Flysch.  Endlich 
herrscht  der  Dolomit  auf  beiden  Seiten  aber  mit  verhältnissmässig  wenig  bedeu- 
tender Mächtigkeit.  Bald  tritt  man  aus  der  engen  Schlucht  heraus,  das  Thal 
wendet  sich,  die  Abhänge  werden  flacher;  in  der  Tiefe  steht  eine  Sägemühle, 
an  der  der  Weg  vorüber  führt.  Hier  ist  es,  wo  die  jüngeren  Liasglieder  des 
Zuges  von  Buchboden  und  Sch  ad  o na  das  Thal  quer  durchziehen.  Doch  findet 
kein  einfaches  normales  Durchsetzen  statt,  sondern  die  Schichten  zeigen 
beträchtliche  Störungen,  und  nur  ihre  leichte  Erkennbarkeit  erlaubt  den  Faden 
des  Zusammenhanges  ohne  Schwierigkeit  zu  finden.  Unmittelbar  hinter  der  Säge- 
mühle nämlich  folgen  auf  den  Dolomit  Kössener  Schichten  und  eine  ungewöhnlich 
mächtige  Bank  von  Dachsteinkalk,  die  man  fast  bis  zur  Höhe  der  Künzle-Spitze 
verfolgen  kann.  Das  Gestein  ist  hier  weiss  und  feinkörnig.  Es  ist  unmittelbar 
überlagert  von  den  wohl  charakterisirten  hoehrothen  Adnether  Kalkschichten,  die 
sich  von  Schadona  herab  leicht  verfolgen  lassen.  Sie  kommen  nicht  bis  zur  Thal- 
sohle, sondern  ziehen  sich  plötzlich  wieder  mit  allen  liegenden  Schichten  aufwärts, 
so  dass  zum  zweiten  Male  eine  Dolomitwand  folgt.  Erst  in  einiger  Erstreckung 
senken  sie  sich  nochmals  herab  und  fallen  in  die  Thalsohle:  man  hat  nun  bis 
Schröcken  links  und  rechts  nur  noch  Algäu-Schichten.  An  der  rechten  Thalwand 
sind  die  Verhältnisse  ein  w^enig  verwickelter,  doch  lassen  auch  sie  sich  auf  die 
kleine  Störung  zurückführen  und  man  hat  es  nur  mit  den  genannten  Liasschichten 


t)  Gümbel,  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  VII,  1856,  Seite  8. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


109 


[23] 


zu  thun.  Die  Trias  kommt  in  der  ganzen  Erstreckung  nicht  einen  Schritt  breit  zu 
Tage.  Das  wichtigste  Moment  im  gegenseitigen  Verhältnisse  beider  Thalwände 
besteht  in  einer  sehr  mächtigen  Verschiebung  gegen  einander,  indem  die  Gesteine 
im  Osten  der  Ache  nicht  die  unmittelbare  Fortsetzung  der  westlichen,  sondern 
sämmtlich  nicht  ganz  unbeträchtlich  gegen  Norden  verrückt  sind.  Für  den  Dolo- 
mit ging  es  aus  dem  eben  Gesagten  hervor.  In  der  Gegend  der  Sägemühle  kann 
mau  das  gleiche  Verhalten  bei  allen  übrigen  Schichten  wahrnehmen.  Das  enge 
Thal  der  Bregenzer  Ache  oberhalb  Hopf r eben  bezeichnet  daher 
eine  Verwerfu  ngsspalte  unserer  fünften  Hebungswelle.  Das  Streichender 
Spalte  ist  Stunde  11,  also  senkrecht  gegen  das  der  Welle  und  bei  der  Verwer- 
fung ist  der  östliche  Theil  nach  Norden  verschoben. 

Ueberblicken  wir  noch  einmal  kurz  den  Nordabhang  des  Walser  Thaies  mit 
seiner  östlichen  Fortsetzung  bis  zur  Bregenzer  Ache,  so  besteht  dieser  Zug  aus 
dem  Schichtensystem  einer  einzigen  Hebungswelle,  und  zwar  einer  solchen,  welche 
gegen  Norden  abgebrochen  ist,  und  nur  an  der  Flyschgrenze  schiebt  sich  das 
Budiment  einer  erst  im  weiteren  Verlauf  sich  vollständig  entwickelnden  He- 
bungwelle in  Gestalt  von  Algäu-Schichten  ein.  Die  einseitige  Ausbildung  des  süd- 
lichen Schenkels  hat  die  in  unserem  Gebiet  so  häufige  Bergform  der  steilen 
Nord-  und  sanften  Südgehänge  zur  Folge.  Besonders  die  aus  Algäu-Schichten 
bestehenden  Höhen  des  Both-Horns  und  Hoch-Berges  besitzen  diese  Gestalt  in 
auffallendem  Grade. 


Widder  stein-Gebirge. 

Der  Zitterklapfen~Zug  geht  im  Osten  jenseits  der  Bregenzer  Ache  in  das 
südliche  Quellgebirge  des  Thaies  Mittelberg  über.  Der  höchste  Punkt  desselben, 
zugleich  auch  der  höchste  und  überall  sichtbare  Berg  des  Bregenzerwaldes,  ist 
der  Widder  st  ein  (8001  Fuss),  ein  ausgezeichneter,  leicht  ersteigbarer  Dolo- 
mitberg, der  sich  als  ein  isolirtes,  imposantes  Massiv  aus  dem  Gebirgszug  erhebt. 
Letzterer  ist  in  seiner  Erstreckung  von  der  Kuppe  „auf  dem  Lager“  bis  zum 
Gaishorn  an  der  bayerischen  Grenze  zugleich  die  dreifache  Wasserscheide  der 
Iller,  des  Lechs  und  der  Bregenzer  Ache,  entsendet  also  seine  Wasser  nach  dem 
schwarzen  Meer  und  der  Nordsee.  Den  Südabhang  des  Zuges  betrachten  wir 
von  Kruinbach  aus  und  wenden  uns  jetzt  zu  dem  nördlichen  Theil,  welcher  seine 
Gewässer  nach  der  Breitach  entsendet;  er  bestellt  aus  dem  der  Hebungswelle  V 
angehörigen  Dolomitzug  des  Widderstein,  aus  dem  vollständigen  System  der 
Hebungswelle  VI  undFlysch,  in  dessen  Zone  das  Thal  Mittelberg  bereits  ganz  und 
gar  liegt.  Die  kurzen  Querthäler,  welche  in  letzteres  münden,  durchschneiden 
jene  Zonen  rechtwinkelig;  sie  sind  von  Westen  nach  Osten:  der  Bergunter 
Tobl,  der  Gensch  el-Tob  1 und  das  Wilden  bachth  a 1.  Die  beiden  ersteren 
entspringen  zu  beiden  Seiten  des  Widdersteins  und  begrenzen  den  nördlichen 
Grat  desselben.  Kommt  man  von  Süden  her  über  einen  der  leichten  Pässe  in 
diese  Thäler,  so  durchwandert  man  daher  abwärts  die  Liasgebilde  in  der 
genannten  Ordnung. 

Der  Weg  von  Krumbach  über  das  Gensehel-Joch  in  den  Gen- 
sch  el-Tob  1 führt  über  südlich  fallende  Algäu-,  Dachsteinkalk-  und  Kössener 
Schichten  in  die  Zone  des  Widderstein-Dolomits,  welcher  den  gesammten  oberen 
Theil  des  kleinen  Thaies  bildet.  Eine  1500  bis  2000  Fuss  hohe,  fast  senkrechte 
Terrasse  trennt  diese  obere  Strecke  von  der  unteren.  Der  Fusssteig  windet  sich  an 
ihr  hinab.  Unten  wird  man  überrascht  durch  unzählige  Bruchstücke  von  Flecken - 
mergel,  später  auch  von  Adnether  Kalk  und  Kössener  Schichten,  welche  von 


110 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[24] 

beiden  Abhängen  durch  die  kleinen  Wildbäche  herabgeführt  werden.  Es  ist  die 
Zone,  deren  unscheinbarer  Anfang  zwischen  Flysch  und  Widderstein-  (Zitter- 
klapfen-)  Dolomit  wir  ein  wenig  weiter  westlich  kennen  lernten;  sie  setzt  parallel 
dem  Hauptgebirgsgrat,  aber  quer  über  alle  nördlichen  Abzweigungen  hinweg, 
nach  dem  Algäu  fort.  Im  Genschel-Tobl  sieht  man  die  sanfte,  durch  die  Zone  der 
weichen  Mergelgesteine  bedingte  Einsattelung  zu  beiden  Seiten,  besonders  rechts 
zwischen  Gais-Horn  (V)  und  Zwölfer  Horn  (VI).  Der  zugehörige  Dolomit  folgt 
nun  an  beiden  Gehängen,  stets  mit  südlichem  Fallen  und  seinen  charakteristischen 
Bergformen.  — Wo  der  Tobl  das  Hauptthal  erreicht,  hat  man  schon  zu  beiden 
Seiten  Flysch.  Die  Art  und  Weise  der  Lagerung  an  der  Grenze  habe  ich  hier  nicht 
beobachtet. 

Umgegend  von  Sch  rocken,  Hoch-Krumbach  und  Warth. 

Südlich  vom  Widderstein  breitet  sich  ein  selbstständig  abgeschlossenes 
Gebirgsland  aus,  dem  die  Bewohner  Vorarlbergs  die  Gesammtbenennung  „der 
Thannberg“  geben.  Sie  verstehen  darunter  das  Quellgebiet  der  Bregenzer 
Ache  oberhalb  der  eben  beschriebenen  Verwerfungsspalte  zwischen  Schopernau 
und  Schröcken  und  den  östlich  angrenzenden  Theil  vom  Quellgebiet  des  Lechs, 
so  weit  abwärts,  bis  auch  er,  gerade  an  der  Tiroler  Grenze,  in  eine  wilde  und 
enge  Dolomitspalte  tritt,  aus  der  er  bei  Stög  wieder  herauskommt,  aufwärts  am 
Lech  ebenfalls  so  weit,  als  sein  Thal  breit  ist,  das  heisst,  bis  zu  jener  Auf- 
bruchsspalte im  Dolomit,  welche  er  bei  „Am  Lech“  verlässt.  (S.  Profile  24,  25, 
26,  27.)  So  grenzt  sich  ein  freies  Alpenland  ab,  das  von  allen  Seiten  nur  durch 
wilde  Durchbrüche  des  Dolomitgebirges  zugänglich  ist  und  von  seinen  Matten 
die  Gewässer  nach  den  zwei  Systemen  der  Bregenzer  Ache  und  des  Lechs 
entsendet. 

Der  Thannberg  in  der  angeführten  Bedeutung  ist  im  Norden  sehr  bestimmt 
abgegrenzt  dui’ch  den  mächtigen  Dolomitzug:  Zitterklapfen- Widder  stein 
und  breitet  sich  über  die  sehr  entwickelten  Algäu-Schichten,  welche  zu  diesem 
Zug  gehören,  und  dann  noch  südlich  quer  über  die  vierte  und  dritte  Hebungs- 
welle bis  in  die  Mitte  der  zweiten  aus.  Alle  diese  Wellen,  welche  westlich  und 
östlich  leicht  zu  verfolgen  sind,  erleiden  am  Thannberg  eine  Unterbrechung  ihrer 
Stetigkeit,  besonders  verschwindet  der  Dolomit  und  macht  um  so  mehr  den  jün- 
gern  Liasgliedern  Platz,  welche  sich  in  ungewöhnlicher  Weise  ausbreiten  und 
den  eigenthümlichen  Charakter  des  Thannberges  bedingen.  Er  ist  dadurch  ein 
Gebiet  von  Algäu-Schichten  und  Dachsteinkalk,  aus  dessen  Mitte  der  Dolomit- 
koloss des  Warthhorns  als  Beherrscher  der  beiden  Flussgebiete  isolirt  hervorragt. 
Ringsherum  starren  die  Grenzpfeiler  des  Thannberges:  der  Widderstein, 
der  kl  eine  Spitz,  die  Mohnenfluh,  Höllspitz  und  die  Walsej*  Kerle 
empor.  Es  ist  klar,  dass  ein  so  selbstständiges  isolirtes  Gebiet  mitten  in  den 
stetig  fortstreichenden,  gleich  gebauten  Hebungswellen  nur  durch  besondere 
Hebungsverhältnisse  und  bedeutende  Störungen  entstehen  konnte.  Insbesondere 
muss  eine  Kraft,  welche  rechtwinkelig  zur  allgemeinen  Streichungsrichtung 
wirkte,  zur  Gestaltung  beigetragen  haben  und  dies  wird  noch  augenscheinlicher, 
wenn  wir  sehen,  dass  die  Verwerfungsspalte  zwischen  Künzlespitz  und  Widder- 
stein an  der  Grenze  des  Gebietes  liegt  und  dass  auch  die  früher  beschriebenen, 
eigenthümlichen  Ueberschiebungsverhältnisse  am  Kriegerhorn,  bei  dem  Dorf  Am 
Lech  und  am  Westner  Berg  hieher  gehören  und  in  der  Fortsetzung  jener  Verwer- 
fungsspalte liegen,  dass  ferner  in  einer  weiteren  südlichen  Fortsetzung,  wenn 
auch  schon  ausserhalb  des  Thannberggebietes,  jene  verwickelte  Ueberwerfung 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


111 


[23] 


am  Grat  zwischen  Zürss  und  Grabach  (Profil  XII)  auftritt,  dass  der  Pass  am 
Arlberg  auch  ziemlich  genau  in  derselben  Richtung  folgt  und  dass  endlich  die 
Streichungslinie  aller  dieser  Störungen  im  Gebirgsbau,  dieser  Ueberschiebungen 
und  Hebungen  mit  der  Richtung  des  Thaies  der  Bregenzer  Ache  in  ihrem  Ober- 
lauf zusammenfällt. 

Die  Lagerungsverhältnisse  am  Thannberg  werden  dadurch  so  schwierig  und 
verwirrt,  dass  man  oft  zweifelt,  das  wahre  Verhalten  entziffern  und  dem  Gang 
der  Störungen  auf  die  Spur  kommen  zu  können.  Ein  Detailstudium  des  Thann- 
berges wäre  für  die  Kenntniss  der  Moditicationen  im  Gebirgsbau  der  nördlichen 
Kalkalpen  von  wesentlichem  Interesse.  Ich  beschränke  mich  wegen  des  flüchtigen 
Besuches  auf  einige  wenige  Angaben  und  will  erst  kurz  die  einzelnen  Hebungs- 
wellen von  Norden  an  in  ihrem  Fortstreichen  über  das  Gebiet  des  Thannberges 
verfolgen,  um  daran  dann  einige  Specialitäten  über  die  Gesteinsfolge  anzu- 
knüpfen. 

1.  Wir  gehen  nochmals  von  dem  hervorragendsten  unserer  Dolomitzüge: 
Zitterklapfen-Widderstein  (V),  als  dem  festesten  Anhalt,  aus.  Erlässt 
sich  im  Osten  leicht  nach  dem  Gais-Horn  und  Ochsenlochberg  verfolgen 
und  bildet  in  den  beiden  letzteren  Bergen  die  Wasserscheide  zwischen  dem 
Mittelberg-  und  dem  Rappenalpenthal  des  bayerischen  Algäus,  er  durchsetzt 
letzteres  und  betritt  im  Hochvogel  wieder  unser  Gebiet. 

2.  Diesem  Dolomitzug  schliesst  sich  nach  Einschaltung  der  untergeordneten 
Zwischenglieder  (Kössener  Schichten,  oberer  Dachstein- und  Adnether  Kalk)  südlich 
eine  parallele  Zone  von  A lgä u-S chicht en  an,  die  wir  von  Buchboden  und 
Rothenbrunn  imWalserThal  her  als  Südabhang  des  Zitterklapfen  verfolgten;  sie 
bildete  weiterhin  den  Schadona-Pass,  das  Rothhorn  und  den  Hochberg  und 
zieht  sich  herab  nach  der  Bregenzer  Ache,  trägt  darauf  die  Häuser  des  Dorfes 
Schröcken  und  setzt  als  Nordgehänge  der  Ache  über  den  Pass  nach  Krum- 
bach  und  weiter  nach  dem  Rappenalpenthal  fort,  welches  ähnlich  dem 
grossen  Walser  Thal  in  jüngeren  Liasschichten  zwischen  zwei  überragenden  Dolo- 
mitzügen eingesenkt  ist.  Selten  sind  die  Algäu-Schichten  so  ausgezeichnet  ent- 
wickelt, wie  in  diesem  Zug.  Zugleich  wächst  die  durch  sie  gebildete  Zone  zu 
bedeutender  Breite  an  (zwischen  Juppen-Spitz  und  Höfer-Spitz)  und  die  tiefen 
Thäler  und  Tobl,  welche  allenthalben  in  dem  sanft  hügeligen  Land  schroff  einge- 
schnittensind, entblössen  die  Schichtenfolge  an  vielen  Stellen.  Dennoch  ist  es  auch 
hier  nicht  möglich  über  die  letztere  ein  klares  Bild  zu  erhalten.  Denn  wo  immer 
Algäu-Schichten  Vorkommen,  sind  sie  zusammengefaltet  und  vielfach  gewunden 
und  wiederholen  sich  im  steten  Wechsel.  Die  typischen  Fleckenmergel  herr- 
schen am  Rothhorn  und  bei  Schröcken,  sowie  an  dem  Weg  von  hier  nach  Krum- 
bach.  Ein  wenig  südlich  von  Schröcken  am  Weg  nach  Stubenbach  sind  sie  sehr 
reich  an  Versteinerungen,  besonders  Ammoniten,  Belemniten  und  lnoceramus 
Falgeri.  Allein  es  kommt  nun  noch  ein  mächtiges  System  schwärzlicher,  zerfal- 
lender, von  unzähligen  Kalkspathadern  und  Gypsschnüren  durchzogener,  dünn- 
schichtiger  und  in  unregelmässige  Stücke  zerfallender  Mergelgesteine  hinzu,  welche 
von  dem  gewöhnlichen  Typus  der  Fleckenmergel  weit  abweichen.  Sie  führen 
weder  Verteuerungen  noch  Zeichnungen  von  Fucoiden  und  man  könnte  über 
ihre  Stellung  um  so  mehr  in  Zweifel  sein , als  diese  Schichten  zwischen  Algäu- 
Schichten  und  dem  darauf  geschobenen  Dolomit  liegen.  So  bilden  sie  die  ganze 
Masse  des  Hochberges  und  man  lernt  die  unangenehmen  Eigenschaften  des  bröck- 
ligen und  leicht  in  lettigen , schlüpfrigen  Boden  sich  auflösenden  Gesteins  hin- 
reichend am  Wege  kennen,  der  vom  Schadona-Pass  am  Nordabhang  des  Hoch- 
berges hin  nach  Schröcken  zieht.  Steile  Runsen  entblössen  das  Gestein  von 

15 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


112 


Ferdinand  Freiherr  von  Richlhofen. 


[26] 

der  Höhe  des  Abhanges  bis  hinab  in  die  Tiefe  und  die  ungemein  üppige  Entwicke- 
lung von  Tussilago,  welches  grosse  Strecken  mit  seinen  riesigen  Blättern  bedeckt, 
bezeichnet  den  Charakter  seiner  Verwitterungsproducte.  Solche  Stellen  sind 
weder  im  Westen  noch  im  Osten  in  den  Algäu-Schiehten  bekannt;  daher  liess 
Herr  Es  eher  die  Stellung  des  Schichtensystems  problematisch,  um  so  mehr, 
als  sich  die  Aehnlichkeit  des  Gesteins  mit  dem  der  Partnach-Schichten  und  mit 
den  gypsführenden  des  Gypsitobls  nicht  verkennen  lässt.  Allein  ich  wies  bereits 
früher  darauf  hin,  dass  an  einigen  andern  Stellen  in  der  Nähe  des  Thannberges 
ein  gleiches  System  in  den  Algäu-Schichten  vorkommt.  Es  ist  dies  am  Pass 
zwischen  dem  Höllbocks-Tobl  und  Stubenbach  und  am  Trittkopf  östlich  von 
Zürss.  Auch  hier  treten  sie  in  einer  überraschenden  Mächtigkeit  entwickelt  auf, 
und  haben  zugleich  denselben  landschaftlichen  Charakter.  Es  kann  an  diesen 
Stellen,  insbesondere  am  Trittkopf,  kein  Zweifel  herrschen,  dass  sie  das 
oberste  Glied  der  Algäu-Schichten  bilden  und  es  ist  nur  zu  verwundern,  dass 
ein  so  überaus  mächtiges  und  charakterisches  Schichtensystem  vollkommen  local 
auftritt. 

Noch  ist  in  diesem  Zuge  der  mächtigen  Dachsteinkalke  zu  erwähnen,  welche 
oberhalb  Krumbach  gegen  die  Wasserscheide  der  Breitacb  auftreten  und  die 
Grundlage  der  Algäu-Schichten  bilden. 

Die  beschriebene  Zone  bedingt  ganz  besonders  den  Reichthum  und  die 
Fruchtbarkeit  der  Gegend  von  Sehr ö c ken.  Der  Ort  hat  eine  anmuthige  und 
schöne  Lage  auf  einem  kleinen  Bergvorsprung,  der  durch  den  Zusammenfluss 
der  tief  eingeschnittenen  Bregenzer  Ache  mit  dem  Aufeld-Tobl  gebildet  wird. 
Fruchtbare  kräftige  Wiesen  ziehen  sich  allenthalben  an  den  Abhängen  hinauf, 
nur  hier  und  da  unterbrochen  von  den  kahlen  abschüssigen  Wänden  des  leicht 
zerstörbaren  Gesteins.  Krumbach  ist  ein  hochgelegenes  Sennhüttendorf. 

3.  Zwischen  Krumbach,  Schrecken  und  dem  Aufeld-Tobl  erhebt  sich  mitten 
aus  den  Algäu-Schichten  eine  Insel  von  Dachsteinkalk,  welche  allseitig  mit 
steilen  Wänden  auf  die  sanfteren  welligen  Hügel  von  jenem  abfallt.  Sie  verdient 
in  hohem  Maasse  Beachtung.  Man  könnte  leicht  meinen,  eine  Bank  von  Dach- 
steinkalk sei  hier  den  Algäu-Schichten  aufgesetzt,  ähnlich  wie  am  Rhätikon,  wo 
dachsteinkalkähnliche  Bänke  noch  in  so  bedeutender  Mächtigkeit  über  ihrem 
eigentlichen  Niveau  Vorkommen,  allein  zweiThatsachen  beweisen,  dass  das  kleine 
Plateau  aus  der  Tiefe  durchgebrochen  ist.  Man  sieht  nämlich  die  söhligen  Bänke 
des  Dachsteinkalkes  am  Nordwestrand  plötzlich  umbiegen  und  steil  in  die  Tiefe 
unter  die  Algäu-Schichten  fallen,  so  dass  diese  nur  angelehnt  sind.  Der  zweite 
Beweis  liegt  in  einer  kleinen  Einsenkung  mitten  in  dem  Plateau.  Ein  grosser, 
gegen  Westen  geöffneter  Kessel  wird  von  den  steil  abgebrochenen  Wänden  der 
150  Fuss  mächtigen  Dachsteinkalkbank  amphitheatralisch  umgeben.  Der  Boden 
ist  flach  und  nach  der  Mitte  etwas  gesenkt.  Ein  grünes  Seebecken,  der  Körbe  n- 
See,  breitet  sich  dort  aus;  seine  Ufer  sind  mit  fruchtbaren  Weiden  bedeckt. 
Der  Grund  des  seltsamen  Contrastes  liegt  in  dem  Zutagekommen  der  Kössener 
Schichten,  welche  mitgehoben  wurden  und,  als  die  Kalkdecke  unterbrochen 
wurde,  mit  ihrem  selbstständigen  Charakter  auftreten  konnten.  Man  findet  in 
ihnen  am  Fuss  der  umgebenden  Felsmauern  zahlreiche  Versteinerungen. 

Der  Dachsteinkalk  dieses  Plateau  s ist  graulich-weiss  und  enthält  viel  Koral- 
lenstöcke und  einzelne  Bivalven.  Seine  Schichten  sind,  wie  in  der  ganzen  Ge- 
gend, mächtig  entwickelt  und  bilden  mauerförmig  abgesetzte  Wände,  ähnlich  wie 
bei  Zürss.  Die  Oberfläche  ist  vielfach  durch  Spalten  unterbrochen,  die  in  grosse 
Tiefe  hinabreichen.  Im  Nordost  reicht  ein  Ausläufer  des  Plateau’s  bis  zu  den 
Häusern  von  Hoch-Krumbach. 


[27] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


113 


Ein  Plateau,  welches  als  Oberfläche  eines  Gewölbes  so  schroff  und  inselför- 
mig aus  jüngeren  Schichten  hervortaucht,  kann  nur  durch  eine  vollkommen  cen- 
tralisirte  Kraft  gehoben  sein.  Da  aber  aus  früherer  Zeit  keine  Spuren  von  Stö- 
rungen, durch  welche  bereils  imLiasmeer  ein  solches  Piiff* hätte  entstehen  können, 
vorhanden  sind,  so  muss  dasselbe  in  späteren  Zeiten  gebildet  worden  sein,  als 
die  Gebirge  der  ganzen  Gegend  sich  gestalteten.  In  andern  Theilen  finden  sich 
keine  derartigen  centralisirten  Hebungen;  daher  zwingt  uns  auch  dieser  Umstand 
wieder  zu  der  Annahme,  dass  am  Thannberg  besondere  Hebungsverhältnisse 
stattfanden,  welche  durch  die  Combination  mit  einer  rechtwinkelig  gegen  die 
allgemein  wirkende  secundäre  Kraft  hervorgebracht  wurden. 

4.  Südlich  von  der  Zone  der  Algäu-Schichten  folgt  auf sNeue  einDolomit- 
zug,  der  bei  Rothenbrunn  beginnt  und  über  die  Kleine  Spitz  nach  der 
Mohnenfluh  fortsetzt,  dann  aber  sich  zu  einem  Passe  senkt,  um  als  Aarhorn 
wieder  aufzutauchen.  Der  Dolomit  dieses  Zuges  ruht  auf  den  nördlichen  Algäu- 
Schichten  und  zwar  confonn  aufgelagert.  Wenn  an  irgend  einer  Stelle,  so  könnte 
man  ganz  besonders  hier  geneigt  sein  einen  „oberen  Dolomit“  anzunehmen,  der 
jünger  sei  als  die  Fleckenmergel.  Am  Jup pen-Spitz  zum  Beispiel  sieht  man  die 
Wände  der  südlich  fallenden  abgebrochenen  Algäu-Schichten  sich  fast  senkrecht  zu 
einer  Höhe  von  2000  Fuss  erheben.  Wenig  unter  der  Spitze  beginnt  eine  mäch- 
tige Dolomithank,  welche  die  Höhe  bildet,  genau  an  der  Lagerungsweise  theil- 
nimmt  und  in  gleicher  Weise  wie  die  Algäu-Schichten  von  den  Wänden  durch- 
schnitten wird.  Sie  senkt  sich  südlich,  es  thürmen  sich  mehr  Dolomitbänke 
darauf,  die  oben  einen  Grat  bilden  und  sich  zur  Mohnenfluh  entwickeln.  Es  ge- 
lingt schwer  sich  zu  überzeugen,  dass  auch  an  dieser  Stelle  mit  dem  Dolomit 
ein  neues,  auf  das  jüngere  hinaufgeschobenes  System  beginnt.  Allein  einerseits 
lässt  sich  die  Auflagerungslinie  genau  über  den  Grat  zwischen  der  Kleinen  Spitz 
und  dem  Hochberg  und  dann  hinab  nach  Rothenbrunn  verfolgen;  andererseits 
zeigt  die  bis  jenseits  der  Mohnenfluh  fortgeführte  Durchschnittslinie  die  baldige 
Auflagerung  eines  neuen  Systems  von  Kössener,  Dachsteinkalk-  und  Algäu-Schich- 
ten, welchen  dann  in  ähnlicher  Weise  die  tiefen  Triasschichten  am  Gypsiloch- 
Bach  aufgeschoben  sind.  Dieses  Yerhältniss  wird  klar  am  Kleinen  Spitz  (ein  wenig 
westlich  vom  Juppen-Spitz)  im  Profil  X und  am  Verhältniss  des  Krieger-Horn  zum 
Gypsiloch-Bach  im  Profil  XI. 

Verfolgt  man  den  Dolomit  des  Juppen-Spitz  und  der  Mohnenfluh  nach  Osten, 
so  sieht  man  ihn  sich  zur  Tiefe  unter  dem  Pass  zwischen  Schröcken  und  Sluben- 
bach  hinabsenken,  es  erscheint  sein  Hangendes,  die  Kössener  Schichten, 
deren  unmittelbare  Berührung  mit  den  Algäu-Schichten  des  Aufeld-Tobls  sich 
hiedurch  leicht  erklärt.  Sie  bilden  die  ganze  Einsattelung  gegen  das  Aarhorn 
(Profil  XI).  In  diesem  sehen  wir  nichts  Anderes  als  die  Fortsetzung  des 
beschriebenen  Dolomitzuges,  in  seiner  plötzlichen,  steilwandigen  Erhebung  aber 
eine  nochmalige  Aeusserung  jener  centralisirten  Kraft,  auf  welche  bereits  das 
Plateau  um  dem  Körbensee  schliessen  liess.  Wie  im  Süd  west  das  Aarhorn  sich 
aus  Kössener  Schichten  heraushebt,  so  sinkt  es  nordöstlich  wieder  unter  solche 
hinab.  Der  Dolomit  des  Berges  fällt  sehr  steil  nach  Stunde  11,  seine  Schichten 
zeigen  aber  eine  gewölbartige  Biegung  in  der  Richtung  des  Streichens,  welche 
das  Einfallen  unter  viel  tiefer  gelegene  jüngere  Schichten  erklärt. 

Was  nun  die  weitere  östliche  Fortsetzung  betrifft,  so  haben  wir  bereits 
früher  bei  der  allgemeinen  Beschreibung  der  vierten  Hehungswelle  angegeben, 
dass  sie  als  ein  breiter  zusammenhängender  Zug  durch  den  nördlichen  Theil  des 
oberen  Lechgebiets  hindurchzieht  und  bei  Eimen  über  das  Lechthal  setzt.  Wir 
werden  später  diesen  Zug  als  eine  der  ausgezeichnetsten  und  deutlichsten  He- 

15* 


114 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[28] 

bungswellen  kennen  lernen.  Allein  wenn  er  sich  auch  ebensowohl  durch  das 
Genaue  Einhalten  der  Richtung  als  durch  seine  Lage  zwischen  den  benachbarten 
Hebungswellen  (III  und  V)  deutlich  als  Fortsetzung  des  Zuges  der  Mohnenfluh 
erweist,  so  ist  doch  die  Verbindung  über  den  Thannberg  ungemein  schwierig, 
da  hier  eine  Spaltung  des  Systernes  in  zwei  Theile  stattfindet  und  die  Ableitung 
derselben  bei  dem  Zusammenfluss  verschiedener  Thalsysteme  mit  Schwierigkeiten 
verbunden  ist. 

Gehen  wir  vom  Aarh o r n aus,  so  treffen  wir  zunächst  nordöstlich  davon 
nach  einer  kurzen  Unterbrechung  durch  jüngere  Liasschichten  den  Anfang  eines 
Dolomitzuges,  den  man  zwischen  Krumbach  und  Warth  durchwandert.  Er  ist 
gegen  das  Aarhorn  nördlich  verschoben , in  ähnlicher  Weise,  wie  die  beiden 
Wände  des  Thaies  der  Bregenzer  Ache  oberhalb  Hopfreben.  — Von  hier  zieht 
der  Dolomit,  indem  er  zu  den  nördlichen  Algäu-Schichten  in  das  gewöhnliche 
Verhältniss  der  Ueberlagerung  tritt,  nach  dem  Schroffen  an  der  bayerischen 
Grenze.  Ich  habe  ihn  nicht  weiter  verfolgt,  doch  scheinen  die  sonst  bekannten 
Verhältnisse  zu  ergeben,  dass  der  Dolomit  bald  unter  den  massenhaften  Algäu- 
Schichten  verschwindet,  welche  theils  seinem  eigenen  Systeme,  theils  dem  nördlich 
vorliegenden  angehören,  und  nachdem  sie  sich  über  dem  Dolomit  vereinigt  haben, 
als  breiter  Zug  zwischen  Hochvogel  und  Bretterspitz  fortsetzen. 
Ist  diese  Interpretation  richtig,  so  erklären  sich  auf  eine  leichte  Weise  die  iso- 
lirten  Dolomitinseln  in  diesem  Algäu-Schichtenzug,  wie  sie  am  Jochspitz 
und  weiter  gegen  Hinter  - H o rnbac  h auftreten.  Sie  sind  dann  nur  eine  Fort- 
setzung der  secundären  Hebungswelle  des  Schroffen.  — Uebrigens  ist  auch 
dieser  Zug  begleitet  von  den  zugehörigen  Kössener,  Dachsteinkalk-  und  Algäu- 
Schichten.  Die  Kössener  Schichten  tragen  das  Dorf  Warth  und  ziehen  hinüber 
nach  Lechleiten  und  von  dort  über  den  Pass  am  Schroffen  nach  dem  R a p- 
penalpenthal.  Die  Dachsteinkalke  des  zunächst  sich  anschliessenden  Zuges 
sind  überaus  mächtig;  sie  ziehen  von  Warth  nach  dem  Lech  hinab  und 
bilden  dessen  enges  felsiges  Bett  aufwärts  beinahe  bis  Stubenba  ch;  auch  der 
Weg  führt  in  einiger  Höhe  sehr  lange  Zeit  über  die  Bänke  des  Dachsteinkalkes. 
Darauf  folgt  ein  schmaler  Zug  von  Algäu-Schichten. 

Während  der  Anfang  des  beschriebenen  Zuges  gegen  das  Aarhorn  ein 
wenig  nach  Norden  verschoben  ist,  entwickelt  sich  der  zweite  ein  wenig  weiter 
südlich  allmälig  aus  den  Algäu-Schichten,  springt  aber  bald  in  die  Richtung: 
Mohnenfluh-Aarhorn  ein  und  setzt  in  dieser  als  einer  der  Hauptzüge  fort.  Sein 
Dolomit  taucht  am  Fusse  der  Höllspitz  gegen  den  Lech  hervor,  setzt  über 
diesen  und  erreicht  seine  erste  bedeutsame  Entwickelung  in  den  Walser 
Kerlen  an  der  Grenze  des  Algäus.  Die  Scharte  zwischen  diesem  Berg  und  dem 
Schroffen  gewährt  ein  deutliches  Bild  von  dem  Verhältniss  des  in  Betrachtung 
stehenden  Zuges  mit  dem  vorigen.  Herr  Escher  fand  (nach  mündlicher  Mit- 
theilung), dass  der  Dolomit  der  Höhe  der  Walser  Kerle  von  dem,  welcher  den 
Südabhang  bis  hinab  in  das  Lechthal  bildet,  durch  eine  schmale,  von  jüngeren 
Liasschichten  gebildete  Zone  getrennt  ist;  eine  Beobachtung,  welche  ich  durch 
den  Nachweis  des  östlichen  Fortstreichens  der  schmalen  Zone  in  geringer  Ent- 
fernung in  dem  kleinen  Schochathale  vervollständigen  konnte.  Den  weiteren 
Verlauf  der  Hebungswelle  (IV)  von  den  Walser  Kerlen  an  werden  wir  vom 
Lechthale  aus  verfolgen. 

5.  Der  der  Hebungswelle  IV  angehörige  Zug  jüngerer  Lias  schichten, 
welcher  sich  südlich  von  dem  Hutler  Bach  und  oberen  Rothenbrunner  Thal  an 
verfolgen  Hess,  wurde  bereits  in  seinem  allgemeinen  Verlauf  abgehandelt.  Es 
ergab  sich,  dass  jene  Schichten  bei  Rothenbrunn  muldenförmig  eingelagert  sind, 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


[29] 


US 


(Profil  IX),  gegen  Osten  aber  die  regelmässige  Mulde  in  eine  Ueberschiebung 
übergeht  (Profil  X,  XI),  so  dass  südlich  der  Mohnenfluh  auf  den  Algäu-Schichten 
unmittelbar  das  Triassystem  des  Krieger-Horns  auflagert.  Die  Auflagerungs- 
linie setzt  quer  über  den  Gypsitobl.  Zwischen  diesem  Bach  und  dem  Aarhorn 
bilden  die  Algäu-Schichten  ein  sanftes  Weideland,  auf  welchem  die  Häuser  von 
Bürslegg  zerstreut  liegen. 

Südöstlich  setzen  die  Schichten  über  den  Bach  fort  und  hängen  hier  mit 
denen  der  nächstfolgenden  Hebungswelle  zusammen. 

6.  Die  Hebungswelle  III  ist  diejenige,  welche  in  dem  an  Störungen  so 
reichen  Gebiete  die  bedeutendste  Unterbrechung  der  Stetigkeit  erlitten  hat.  Im 
Westen  ist  sie  nur  schwach  entwickelt  und  zwar  im  Tisner  Gschröf,  Gans- 
boden und  im  nördlichen  Theil  des  Krieger-Horns.  Hier  setzt  sie  plötzlich 
ab.  Verfolgt  man  ebenso  den  östlichen  Theil  entsprechend  gegen  Westen,  so 
erreicht  derselbe  ein  ebenso  plötzliches  Ende  im  Hö  11  spitz.  Der  Kaum  zwischen 
diesen  beiden  Bergen  ist  mit  Algäu-Schichten  ausgefüllt,  die  vom  Lech  durch- 
strömt werden  und  dem  Dolomit  der  Höllspitz  nebst  den  dazugehörigen 
Zwischengliedern  aufliegen,  die  Trias  des  Krieger-Horns  aber  unterteufen  oder 
gegen  dieselbe  abgesetzt  sind.  Kaum  könnte  der  Beweis  klarer  vorliegen,  dass 
hier  eine  Verwerfung  von  zwei  Theilen  derselben  Hebungswelle  gegen  einander 
stattgefunden  hat,  so  zwar,  dass  der  westliche  gegen  den  östlichen  gehoben, 
vielleicht  sogar  überschoben  wurde,  und  es  ist  gewiss  nicht  zufällig,  dass  diese 
Verwerfung  in  der  genauen  Fortsetzung  der  oben  beschriebenen  Spalte  der 
Bregenzen  Ache  oberhalb  Hopfreben,  der  westlichen  Grenze  der  Dachsteinkalk- 
insel bei  Schröcken  und  des  Passes  westlich  vom  Aarhorn  liegt. 

Die  Linie  Hopfreben -Stubenbach  (Stunde  22)  scheint  daher 
die  Hauptrichtung  der  Störungen  zu  bezeichnen,  welche  in  dem 
sonst  so  regelmässigen  Fortstreichen  der  Hebungswellen  am  Thannberg  statt- 
finden. Westlich  von  dieser  Linie,  und  zwar  genau  bis  zu  ihr,  ist  die  grösste 
Regelmässigkeit  im  Gebirgsbau;  östlich  breitet  sich  ein  schmales,  auf  das  Mannig- 
fachste zerstörte  Gebiet  aus,  und  erst  jenseits  desselben  beginnt  wieder  dieselbe 
* Regelmässigkeit,  die  Hebungswellen  setzen  in  der  früheren  Richtung  fort  und 
erleiden  erst  in  weiter  Entfernung  wieder  einige  kleinere  Unterbrechungen. 

Nachdem  wir  so  zu  zeigen  versucht  haben,  wie  die  einzelnen  Elementar- 
bestandtheile  im  Gebirgsbau  des  Trias-Liasgebietes  von  Vorarlberg  über  die 
Grenze  von  Tirol  fortsetzen,  überschreiten  wir  diese  und  wenden  uns  zum  Ge- 
birgsbau von  Nord-Tirol. 


III.  Der  westliche  Theil  von  Nord-Tirol  von  der  vorarlbergischen  Grenze  bis 

Seefeld. 

Wir  betreten  das  Flussgebiet  der  Donau  und  bewegen  uns  von  nun  an  bis 
zu  den  Grenzen  unseres  Gebietes  gegen  Bayern  ausschliesslich  in  der  Trias- 
Lias-Zone,  welcher  nur  parasitisch  und  sporadisch  Gebilde  jüngerer  Formationen 
auf-  und  eingelagert  sind.  Nirgends  Q greift  das  selbstständige  Gebiet  derselben 
über  die  Grenzen  von  Nord-Tirol.  Das  Thalsystem  des  Lechs  von  Stög  bis  Füssen, 
eines  der  interessantesten  und  charakteristischesten  in  den  gesammten  Kalk- 
alpen, das  Quellgebiet  der  Loisaeh  und  der  westlichen  Zuflüsse  der  oberen  Isar, 


!)  Mit  Ausnahme  der  vom  bayerischen  Gebiete  rings  umschlossenen  österreichischen  Be- 
sitzung Jungholz,  nördlich  von  Thannheim. 


116 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[30] 

endlich  die  Grenzeinsenkung  zwischen  Kalk-  und  Urgebirgsalpen  vom  Arlberg 
bis  Zirl,  welche  von  der  Rosanna  und  dem  Inn  durchströmt  wird,  sind  die  allge- 
meinsten formgebenden  Elemente  für  die  Gestaltung  der  Oberfläche.  Die  Rich- 
tung dieser  Thäler  wie  der  trennenden  Gebirgszüge  bietet  wenig  Regelmässig- 
keit; in  um  so  hervorragenderem  Maasse  finden  wir  sie  gerade  in  diesem  Theil 
der  Alpen  bei  jenen  Hebungswellen,  welche  wir  bereits  durch  Vorarlberg  ver- 
folgten. Unabhängig  von  Thälern  und  Höhenzügen  streichen  sie  in  stets  gleicher 
Richtung  und  mit  wenig  wechselndem  Schichtenbaue  weithin  fort,  setzen  in  ver- 
schiedenen Winkeln  über  die  Thäler  und  veranlassen  diese  nur  selten  zu  einer 
wesentlichen  Aenderung  ihres  Laufes.  Am  ausgezeichnetsten  ist  diese  Regel- 
mässigkeit und  Gleichförmigkeit  im  Lechgebiete,  nördlich  bis  zum  Thannheimer 
Thal  und  dem  Flysch  des  Algäus,  südlich  bis  zum  Innthal.  Weiter  im  Osten  stellen 
sich  nach  und  nach  bedeutendere  Abweichungen  ein.  Die  erste  derselben  ist  in 
der  Umgegend  von  Reutte.  Herr  Bergrath  Ritter  v.  Hauer  erkannte  in  dem  weiten 
Thal  dieses  Ortes  einen  Aufbruch,  in  welchem  die  tiefsten  Triasschichten  zu  Tage 
kommen. 

Solche  Aufbruchscentren  finden  sich  zwar  weiter  südöstlich  nicht  mehr,  im 
Gegentheil  sieht  man  noch  ununterbrochen  die  Hebungswellen  fortstreichen.  Allein 
es  stellt  sich  allmälig  ein  wesentlich  unterscheidendes  Merkmal  ein,  dass  östlich 
vom  Meridian  von  Reutte  zur  vollen  Geltung  kommt  und  von  nun  an  durch  die 
gesammte  Alpenkelte  bis  zur  ungarischen  Ebene  fortsetzt;  es  ist  das  Auftreten 
der  mächtigen  weissen  Hallstätter  Kalke  und  ihre  wichtige  Rolle  im  Gebirgsbau. 

Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Elbingen-Alp  und  dem 

Stanzer  Thale. 

Das  Stanzer  Thal,  von  der  Rosanna  durchströmt,  kommt  vom  Arlberg  und  ist 
östlich  gerichtet,  das  Lechthal  hat  bis  Eimen  eine  ostnordöstliche,  von  da  bis 
Reutte  eine  nordöstliche  Richtung.  Die  Gebirgsmasse  zwischen  beiden  Thälern 
nimmt  daher  nach  Osten  bedeutend  an  Breite  zu.  Die  Hebungswellen  sind  dem 
Stanzer  Thal  ungefähr  parallel  (mit  einem  kleinen  Ausschlag  nach  Nordost)  und 
durchschneiden  daher  das  Lechthal  unter  schiefem  Winkel.  Aus  Triasschichten 
und  Liasdolomit  baut  sich  das  Schichtensystem  unmittelbar  aus  dem  Grunde  des 
Stanzer  Thaies  zu  einem  Gebirgszug  mit  äusserst  kurzem  und  steilem  Südabfall  auf. 
Schon  auf  dieser  Höhenlinie  ist  die  Wasserscheide  zwischen  Rosanna  und  Lech; 
nach  Süden  stürzen  nur  einige  kurze  Wildbäche  herab,  nach  Norden  sind  lange 
Querthäler  gerichtet.  Wir  betrachten  erst  die  Profile  des  südlichen  Abhanges, 
ehe  wir  uns  über  die  Pässe  in  das  Lechthal  wenden. 

Triasformation  zwischen  dem  Arlberg  und  Landeck.  — 
Der  Nordabhang  des  Stanzer  Thaies  besteht  aus  der  unmittelbaren  Fort- 
setzung der  Schichtensysteme  des  Klosterthaies.  Wir  knüpfen  daher  an  unsere 
Profile  bei  Stuben  und  Arlberg  an,  mit  denen  wir  Vorarlberg  verliessen  (Fig.  20, 
21,  22,  23),  das  letzte  derselben  (Nr,  23)  zeigte  mächtig  entblössten  Verrucano 
und  zugleich  das  Verhältniss  der  schwach  geneigten  Schichten  desselben  zu  der 
senkrechten  Stellung  des  Dolomites.  Alles  dies  bleibt  östlich  vom  Arlberg  ebenso. 
Der  Verrucano  nimmt  an  Mächtigkeit  bedeutend  zu;  seine  Schichten  liegen 
meist  schwach  geneigt,  darüber  folgt  die  gesammte  Trias.  Nach  einer  oder  meh- 
reren Windungen,  welche  im  Fortstreichen  stets  wie  bei  den  Parallelprofilen  von 
Stuben  bedeutenden  Modificationen  unterworfen  sind,  folgt  der  Dolomit  mit  fast 
senkrechter  Schichtenstellung.  Im  weiteren  östlichen  Verlauf  keilen  sich  alle 
Triasschichten  unter  dem  Dolomit  aus,  der  sie  mächtig  überwölbt.  Im  Allgemeinen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord -Tirol. 


117 


[31] 


sind  die  Verhältnisse  auf  dieser  Seite  des  Arlberges  ungleich  schwieriger  aufzu- 
fassen, als  die  jenseitigen;  es  trägt  dazu  die  veränderte  Schichtenentwicklung  bei, 
indem  die  Partnachmergel  und  Raibler  Schichten  ungemein  an  Mächtigkeit  zu- 
nehmen und  die  letzteren  jetzt  besonders  durch  Schiefer  und  Sandsteine  ver- 
treten sind.  Die  Arlbergkalke  ändern  gleichfalls  ihre  Beschaffenheit  ein  wenig; 
es  ist  als  ob  sie  den  Hallstätter  Kalken  näher  träten;  auch  ihre  Mächtigkeit 
nimmt  zu. 

Von  St.  Jakob  nachdemAlmeju  r- J och.  Oberhalb  St.  A nton  und  St.  Jakob 
steht  Verrucano  in  bedeutender  Mächtigkeit  an;  einige  sanfte  Vorsprünge  in  dem 
Thal  scheinen  ebenfalls  daraus  zu  bestehen.  Die  ersten  anstehenden  Gesteine 
sind  ein  sehr  typischer  dunkelrother  Verrucano  mit  grossen  weissen  ahgeroll- 
ten  Quarzkörnern;  das  Bindemittel  ist  meist  verkieselt.  Es  folgen  dünnschiefrige 
glimmerreiche  Schichten,  darauf  ein  feinkörniger  rother  Sandstein  und  jene  an 
grossen  Quarzausscheidungen  reichen  regenerirten  Glimmerschiefer,  welche  durch 
ihren  schuppigen  Glimmer  sich  von  dem  Gestein  der  Centralkette  unterscheiden, 
endlich  noch  einmal  rothe  Sandsteine.  Dieses  gesammte  Schichtensystem  ist  in 
steilen  Wänden  hei  den  Hebungen  des  vom  Almejur-Jöeh  herabkommenden 
Baches  entblösst.  Die  Lagerung  zeigt  im  Allgemeinen  ein  nördliches  Fallen,  das 
aber  durch  mehrfache  wellige  Biegungen  verdeckt  wird.  Eine  gelbe  Rauchwacke, 
welche  das  Thal  durchzieht,  scheint  unmittelbar  über  dem  Verrucano  zu  liegen 
und  den  Guttenste  i n e r Kalk  zu  vertreten.  Die  nun  folgenden  Schichten  sind 
wenig  entblösst,  doch  treten  Partnachmergel  und  Arlbergkalke  sehr 
charakteristisch  auf.  Eine  breite  sanfte  Stufe  von  gelber  Rauchwacke,  braunen 
glimmerigen  Sandsteinen  u.  s.  w.  trennt  sie  vom  Dolomit;  unser  Profd  zeigt  den 
Grund  der  bedeutenden  Ausbreitung  dieser  Gesteine  der  Ra ib  1 er  Schichten. 
Der  Dolomit  fällt  steil  nördlich  und  hält  bis  zum  Joch  an,  jenseits  dessen  sogleich 
Kössener  Schichten  folgen;  sie  setzen  den  Abhang  gegen  das  Almejur-Thal  bis 
tief  hinab  zusammen  und  ziehen  östlich  über  den  Nordgrat  des  Stanskopfes  nach 
dem  Kaiser-Joch  fort,  westlich  am  Valluger  Kopf  vorüber. 

VonPetneu  nach  dem  Kaiser- Joch.  Dieser  Aufstieg  entblösst  das 
Triasprofil  noch  weit  unvollkommener  als  der  vorige;  nur  der  Verrucano  ist  in 
gleicher  Weise  wie  dort  an  den  Wänden  des  vom  Joch  herabkommenden  Thaies 
ausgezeichnet  aufgeschlossen.  Im  Allgemeinen  lässt  sich  eine  gewölbartige  Auf- 
biegung erkennen.  Die  Schichtenfolge  scheint  bis  zur  Höhe  eine  sehr  regelmäs- 
sige zu  sein;  nur  die  Raibler  Schichten  haben  auch  hier  eine  ungewöhnliche  Aus- 
breitung. Es  folgt  darauf  Dolomit  in  bedeutender  Mächtigkeit.  Die  Höhe  des  sehr 
ausgebreiteten  sanften  Joches  wird  von  den  dunklen  mergeligen  Kössener 
Schichten  gebildet,  welche  westlich  vom  Almejur  herüber  kommen  und  östlich 
nach  der  vorderen  See-Spitz  fortziehen.  Die  gesammte  Abtheilung  des  Lias  über 
dem  Dolomit  ist  nördlich  vom  Almejur,  wie  vom  Kaiser- Joch  in  einer  stark  gebo- 
genen, sehr  gestörten  Mulde  gelagert,  die  im  Almejur  breit,  im  Kaiserthal  sehr 
schmal  ist  und  sich  gegen  den  vorderen  See-Spitz  mit  einer  nördlicheren,  durch 
einen  Dolomitzug  getrennten  Liasmulde  vereinigt.  Sie  setzen  vereint,  aber  den- 
noch in  geringer  Breite  über  das  Alpe  r schon  nach  dem  Parseyer  Thal 
fort. 

DasProfil  von  Schnan  über  dasKühjoch  nach  dem  Alpe rschon- 
Thal  ist  durch  Escher  von  derLinth  bekannt  geworden,  welcher  es  genau 
beschrieb.  Kein  anderes  im  Stanzer  Thal  gewährt  einen  so  deutlichen  Aufschluss 
über  die  Schichtenfolge,  kein  anderes  aber  stellt  auch  die  gleichen  Räthsel. 
Es  scheint,  dass  die  auf  Profil  XIII  dargestellte  Lagerung  die  richtige  ist,  wie 
sich  aus  der  Erörterung  der  Aufeinanderfolge  der  Gesteine  leicht  ergibt.  Wir 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


118 


[32] 


bedienen  uns  dabei  der  von  Es  eher  angewendeten  treffenden  Bezeichnungen 
und  fügen  nur  wenige  Beobachtungen  hinzu : 

1.  Unmittelbar  bei  dem  Dorfe  Schnan  vor  dem  Eingänge  in  das  Thal  steht 
mit  steilem  südlichen  Fallen  ein  schwärzlichgrauer,  ebenflächiger,  mergeliger 
Thonschiefer  an.  Ueber  seinen  flachen  Hügeln  erhebt  sich  mit  steilen  Wänden 

2.  ( 'z ) *)  sehr  kie  selig  er,  spröder,  schwarzer  bis  dunkelgrauer  Kalk- 
stein, feinkrystallinisch  bis  dicht  und  300  Fuss  mächtig.  In  ihm  ist  eine  enge 
und  tiefe  Klamm  eingeschnitten. 

3.  (V)  ebenflächiger,  ausgezeichnet  spaltender,  mergeliger  Tho  ns chie- 
fer  wie  1.  Mehrere  einzelne  Schichten  von  knollig  zerklüftendem  Kalk  sind  ein- 
gelagert. Gesammtmächtigkeit  250  Fuss. 

Diese  drei  Schichtensysteme  deuten  entschieden  eine  wellige  Faltung  an 
und  bringen  sich  dadurch  leicht  in  Zusammenhang  mit  der  Aufbiegung  bei  Petneu. 
Ein  kieseliger  schwarzer  Kalkstein,  wie  er  die  Klamm  bildet,  ist  auser  den  Vi  r- 
gloria-Kalken  nicht  bekannt  und  die  den  Schiefern  eingelagerten  knollig  zerklüf- 
tenden  mergeligen  Kalke  deuten  mit  Entschiedenheit  auf  Partnachschiefer. 
Die  ebenflächige  tafelförmige  Structur  der  sonst  in  kleine  Täfelchen  zerfallenden 
Gesteine  ist  zwar  auffallend  und  es  lässt  sich  kaum  ein  Grund  für  diese  Aende- 
rung  aufstellen;  allein  dieser  geringe  Unterschied  muss  dem  Zeugniss  der  anderen 
Merkmale  weichen.  Es  folgen 

4.  (w,v,  u,  r,  s)  ein  Wechsel  von  schwarzen  porösen  mit 
grauen  und  weissen  krystallini sehen  Kalken;  einzelne  Schichten  sind 
vollkommen  schwammig  und  gehen  in  Bauchwacke  über.  Von  unten  her  entwickelt 
sich  das  System  durch  Wechsellagerung  aus  den  Schiefern.  Alle  Merkmale  dieses 
Compiexes  stimmen  genau  mit  denen  der  Arlbergkalke  überein,  wie  sie  z.  B. 
auf  dem  Wege  von  Stuben  nach  Zürss  auftreten.  Insbesondere  ist  auch  die 
Wechsellagerung  der  untersten  Schichten  mit  Schiefer  ein  stets  gleichbleibender 
Umstand. 

5.  (q)  Gelbliche  R auch  wacke,  dunkelgraue,  auf  den  Schichtflächen  gelb- 
liche, etwas  glimmerige,  schiefrige  Mergel,  dunkelgraue  und  braune 
glimmerige  feste  Sandsteine  u.  s.  w.  mit  Spuren  von  Versteinerungen  der 
Rai  hier  Schi  chten. 

6.  (r).  Hellgrauer,  feinkörniger  Dolomit,  wie  einzelne  Schichten  von  4. 

7.  (o  Gras)  Schichten  wie  die  Raibler  von  5.  Nur  die  Rauchwacke  ist  nicht 
sichtbar,  da  sie  am  Wege  von  Graswuchs  bedeckt  ist  Ihr  Vorhandensein  wird 
auch  durch  die  Tobl  angedeutet,  welche  in  ihrer  Streichrichtung  von  links  und 
rechts  herabkommen. 

Auffallend  ist  die  ungemein  grosse  Mächtigkeit  der  Raibler  Schichten,  welche, 
selbst  wenn  man  die  durch  das  Hervortreten  von  6 angedeutete,  im  Profil  ver- 
zeichnete  Aufbiegung  in  Betracht  zieht,  immerhin  beträchtlich  bleibt. 

8.  ( m , n)  Lias-Dolomit  mit  steilem  nördlichen  Fallen;  er  hält  bis  jenseits 
des  Baches  an  und  bildet  den  Vorderen  See- Spitz,  die  Knappenböden 
und  den  Stierkopf.  Es  folgt  ihm  jene  Mulde  jüngerer  Liasschichten,  deren 
wir  am  Kaiser-Joch  erwähnten  und  die  wir  von  der  Nordseite  her  genauer  ver- 
folgen werden. 

Das  schwierige  Profil  des  Kühjoclithales  findet  so  durch  die  beiden  Schich- 
tenaufbiegungen  eine  einigermassen  befriedigende  Erklärung.  Der  Verlauf  des 
Schichtenbaues  der  Trias  zwischen  Schnan  und  Landeck  scheint 
sich  nun  von  selbst  zu  ergeben.  Die  Trias  hält  sich  von  nun  an  nur  an  dem  tief- 


!)  Die  beigesetzten  Buchstaben  bezeichnen  die  Schichte  in  Herrn  Escher’s  Profil. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


119 


[33] 

sten  Südgehänge  der  Berge  und  zieht  so  am  Fusse  der  Eisenspitz  und 
des  Tawin  hin,  deren  Hauptmasse  von  Dolomit  und  deren  Gipfel  von  Kössener 
Schichten  gebildet  werden.  Die  Trias  scheint  südlich  vom  Eisenspitz  noch  einmal 
eine  bedeutendere  Ausdehnung  zu  gewinnen,  indem  sie  sich  mit  einem  breiten 
und  mächtigen  Verrucano- Slreif  auf  den  Glimmerschiefer-Vorsprung  lehnt. 
Allein  sie  verschwindet  bald  ganz,  indem  sich  der  Dolomit  von  Norden  her  mehr 
und  mehr  herüberwölbt  und  endlich  die  Trias  vollkommen  verhüllt. 

So  ist  das  Verhältnis  bei  Landeck.  Der  Dolomit  tritt  hier  in  imposanten 
Gebirgsmassen  bis  in  das  Innthal  herein  und  wenn  man  von  Za  ms  den  beschwer- 
lichen, steilen  Pfad  nach  dem  oberen  Theil  der  grauenhaften  Kluft  des  Letz- 
B ach  es  einschlägt,  so  sieht  man  deutlich  die  gewölbartige  Biegung  der  gesamm- 
ten  Dolomitmasse.  Bei  der  Alpe  im  mittleren  Theil  des  Thaies  stehen  dann  jün- 
gere Liasschichten  an,  welche  über  die  Silberspitze  ziehen  und  eine  allseitig 
isolirte,  muldenförmige  Einlagerung  bilden.  Weiter  thalaufwärts  gegen  den  ver- 
lassenen mühsamen  Uebergang  über  das  Pa sseyer- J och  erhebt  sich  wiederder 
Dolomit;  im  Matriol -Thal  klafft  er  auf  und  lässt  einen  Streifen  Rauchwacke  der 
Raibler  Schichten  hindurchschauen.  Dann  setzt  er  mit  umgekehrtem,  nördlichem 
Fallen  weiter  fort  und  bildet  die  Unterlage  einer  neuen  grösseren  Mulde  von 
jüngeren  Liasschichten,  welche  am  Schweinsrüssel  beginnt.  Es  ist  dieselbe 
Mulde,  welche  wir  bereits  im  Kaiser-  und  im  Alp  erschon-Thal  kennen 
lernten. 

Wo  südlich  von  dieser  Mulde  noch  andere  Schichten  neben  dem  Dolomit 
auftreten,  hat  man  es  mit  vollkommen  localen  Erscheinungen  zu  thun,  welche 
mit  ihrem  kurzen  Verlauf  oft  die  klare  Auffassung  des  Gesammtbaues  erschweren, 
aber  doch  die  hauptsächlichsten  Thatsachen  niemals  ganz  zu  verhüllen  vermögen. 

So  verlassen  wir  bei  Landeck  den  schmalen,  steilen  Südabhang  des  Al- 
mejur-Jochs  und  Kaiser-Jochs  als  ein  breites,  gestaltreiches  Gebirgsland.  Die 
Constanten  sind  die  nördliche  Liasmulde  und  die  südlichen  krystallinischen 
Schiefer.  Bei  Sanct  Jakob  fanden  wir  zwischen  diesen  beiden  Elementen  ein 
einfach  und  normal  aufgebautes  Schichtensystem,  es  nahm  an  Breite  gegen  Osten 
zu,  gleichzeitig  auch  an  Mannigfaltigkeit  im  Gebirgsbau,  und  bei  Landeck  sehen 
wir  es  als  ein  Dolomitgebirgsland,  dessen  gleichförmiges  Schichtensystem 
gewölbartig  eine  breite  Zone  bedeckt  und  durch  locale  Störungen  bald  einen 
isolirten  Streif  älterer  Schichten  hervortreten  lässt,  bald  eine  kleine  Auflagerung 
jüngerer  Liasglieder  trägt.  Wir  werden  später  den  weiteren  Verlauf  gegen 
Imst  kennen  lernen  und  wenden  uns  jetzt  zunächst  zur  Betrachtung  der  vom 
Lechthal  bis  in  die  vielgenannte  Liasmulde  hinaufreichenden  Thäler. 

Umgegend  von  Stög  im  Lechthal,  Bock  hach-,  Grabacb-,  A I- 
mejur-Thal.  — Bei  Stög  verlässt  der  Lech  die  Engen,  die  er  bei  Lechlei- 
then  am  Thannberg  betrat  und  fliesst  von  hier  an  in  einem  weiten,  reichbevöl- 
kerten Thal.  Ein  von  Osten  herkommender  breiter  Doiomitzug  erreicht  hier  sein 
westliches  Ende  und  bildet  die  Gehänge  rings  um  den  Ort;  zwischen  ihm  und 
dem  Almejur-Joch  ziehen  noch  zwei  Dolornitzüge  von  West  nach  Ost,  deren  nörd- 
licher unserer  Hebungswelle  II  aus  Vorarlberg  angehört,  während  der  südliche 
eine  kurze  Erhebung  aus  der  Tiefe  mitten  in  der  Mulde  I N — II  S bezeichnet  und 
diese  in  zwei  Mulden  theilt;  ihren  dolomitischen  Südrand  lernten  wir  vom  Stanzer 
Thal  her  kennen.  Almejur-  und  Kaiser-Thal  entspringen  an  diesem  Südrand  und 
münden  gemeinsam  bei  Stög;  sie  durchschneiden  daher  mehrere  Hebungswellen, 
während  das  Grabach-  und  Bockbach-Thal  mehr  westlich  aus  der  nördlichen 
Hälfte  der  zweigetheilten  Mulde  I N- — II  S entspringen,  daher  ein  weniger  com- 
plicirtes  System  an  ihren  Abhängen  entblössen. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Rand,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[34] 

Das  Bockbachthal  bildet  in  seinem  Ursprung  eine  Einsenkuug  zwischen 
den  älteren  und  jüngeren  Liasschichten.  Aus  jenen  besteht  der  Scheiderücken 
gegen  das  oberste  Lechgebiet,  der  Zug  vom  Schwabbrunnen  nach  dem  VVestner 
Berg.  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  sind  dem  Dolomit 
aufgelagert  und  bilden  den  Nordwestabhang.  Selten  ist  der  Dachsteinkalk  in  so 
bedeutender  Mächtigkeit  entblösst;  er  setzt  eine  isolirte  Bergmasse  zusammen 
und  trägt  im  Thalgrund  die  rothen  Adnether  Kalke.  Die  gesammte  südöstliche 
Thalwand  besteht  wie  der  ganze  Scheiderücken  gegen  das  Grabachthai  aus  Al- 
gäu-Schichten. So  bildet  das  obere  Bockbachthal  einen  fruchtbaren,  alpenreichen 
weiten  Kessel,  dessen  Schichten  über  den  Schwabbrunnen  und  die  Alpe  Monzabon 
nach  Zürss  hinübersetzen.  Er  wird  im  Hintergrund  überragt  von  dem  Dolomit 
des  Rauhen  Spitz  und  des  Gra  bacher  Spitz,  dessen  eigenthümliches  über- 
stürztes Lagerungsverhältniss  wir  von  Zürss  her  kennen  lernten  (s.  Prof.  XII).  — 
Dieser  obere  Thalkessel  wird  schroff  abgeschnitten,  indem  der  Dolomit  des 
Westner  Spitz  quer  über  das  Thal  hinwegsetzt,  den  Grubspitz  zwischen 
ßockbach  und  Grabach  bildet  und  dann  nach  Kaisers  hinüberzieht.  Man  gelangt 
daher  thalabwärts  von  den  fruchtbaren  Gehängen  der  Fleckenmergel  succes- 
sive  in  rothen  Adnether  Kalk,  Dachsteinkalk,  mächtige  Kössener 
Schichten,  und  dort  wo  der  Bach  vom  westlichen  Uehergang  gegen  Stubenbach 
in  einer  Spalte  herabkommt,  in  Dolomit.  Mit  ihm  verlässt  man  die  Hebungs- 
welle II  und  kommt  aufs  Neue  in  Flecken  me  rgel,  welche  scharf  gegen  den 
Dolomit  abgegrenzt  sind,  und  nach  dessen  Engen  eine  zweite  alpenreiche  Thal- 
strecke schaffen,  es  beginnt  damit  die  Hebungswelle  III,  deren  Dolomit  nörd- 
lich das  Thal  abschliesst,  im  Höllspitz  seinen  Höhepunkt  erreicht  und  über 
die  Einmündungsstelle  des  Bockbachs  in  den  Lech  nach  dem  Muttekopf  zieht. 
Die  Schichten  zwischen  ihm  und  den  Fleckenmergeln  sind  gut  entwickelt,  die 
Dachsteinkalke  erheben  sich  westlich  zur  Mittagspitz.  — Wendet  man  sich 
aus  dem  Boekhach  nach  Stög,  so  kann  man  nicht  in  die  furchtbare  Dolomit- 
schlucht hinab,  sondern  hält  sich  auf  den  Algäu-Schichten,  welche  den  Abhang 
unterhalb  des  Grubspitz  bis  fast  in  das  Lecbthal  hinab  bilden.  Die  überaus  reichen 
Alpen,  welche  für  den  Botaniker  ein  ungemein  dankbares  Gebiet  hinsichtlich  des 
Formenreichthums  der  Flora  der  Gegend  sind,  tragen  den  Namen  Birchesgunt. 
Ihre  Algäu-Scliiehten  ziehen  hinüber  nach  dem  Grabachthai  und  sind  durch  ihr 
Liegendes  (Adnether,  Dachslein-,  Kössener  Schichten)  von  dem  Dolomit  von 
Stög  getrennt. 

Das  Grabachthai  bietet  ungleich  schwierigere  Verhältnisse,  die  wir  in- 
dessen schon  früher  bei  Betrachtung  des  Grates  zwischen  Zürss  und  Grabach 
theilweise  zu  erklären  suchten.  Es  zeigte  sich,  dass  das  muldenförmig  gelagerte 
Schichtensystem  zwischen  Valluger  Spitz  und  Schwabbrunnen  im  Norden  eine 
grossartige  Umbiegung  erfahren  habe,  wodurch  alle  Schichten  von  den  Partnach- 
mergeln  bis  zu  den  jüngsten  Liasgliedern  an  jenem  Grat  in  umgekehrter  Reihen- 
folge  über  einander  liegen.  Man  gelangt  daher  aus  den  Algäu-Schichten  des 
Thalgrundes  von  Grabach  ansteigend  zu  einer  isolirten  Partie  rothen  Adnether 
Kalkes  mit  vielen  Ammoniten  und  Crinoiden-Breccie.  Darüber  liegt  mauerförmig 
abgebrochen  ein  mächtiges  Dachsteinkalkflöz  und  dieses  trägt  ein  kleines 
Plateau  von  Kössener  Schichten  in  fast  söhliger  Lagerung.  Amphitheatra- 
lisch steigen  Kalkgebirge  darüber  auf.  Von  rechts  her  kommt  der  Dolomit  des 
Grabacher  Spitz  und  keilt  sich  schnell  aus;  darauf  folgen  Rauclnvacke,  Sand- 
steine, kalkige  Schiefer  u.  s.  w.  der  Raibler  Schichten  und  mächtige  Arl- 
bergkalke, bis  endlich  Partnachmergel  als  das  höchste  den  Uebergang 
nach  Zürss  vermitteln.  Die  Arlbergkalke  scheinen  auch  den  Schmalzgrat  zu  bil- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[35] 


den,  welcher  Grabach  und  Almejur  scheidet;  denn  man  sieht  unter  diesem  Kalk- 
grat die  Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  herumziehen  und  es  ist  wahrschein- 
lich, dass  dieser  kleine  Bergzug  auch  dem  überstürzten  Schichtensystem  ange- 
hört. — Dass  jenseits  des  Passes  gegen  den  Pazieler  Bach  dieselbe  verkehrte 
Lagerung  sich  abwärts  verfolgen  lässt,  habe  ich  zu  zeigen  versucht.  Herr  Berg- 
rath Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Herr  Escher  v.  d.  Linth  fanden,  dass  auch 
gegen  das  oberste  Almejur-Thal  als  Liegendes  der  Trias  wider  die  Kössener 
Schichten  Vorkommen,  so  dass  von  allen  Seiten  her  die  Ueberstürzung  vollkom- 
men klar  erwiesen  ist.  Auch  von  der  letztgenannten  Seite  scheint  es  übrigens 
sicher  festzustehen,  dass  der  Schmalzgrat  auch  noch  dem  überstürzten  Schichten- 
systeme angehört. 

Wendet  man  sich  von  diesem  merkwürdigen  Knotenpunkt  im  Grabachthai 
abwärts,  so  bietet  es  dieselben  einfachen  Verhältnisse  wie  das  Bockbachthal. 
Man  gelangt  aus  den  Fleckenmergeln  durch  die  Zwischenschichten  in  den  Dolo- 
mit, der  westlich  von  der  Grubspitz  herabzieht,  und  in  die  Algäu-Schichten  der 
Hebungswelle  III,  welche  westlich  Birchesgunt  tragen  und  östlich  nach  dem  Kai- 
serthal ziehen.  Nirgends  ist  der  Schichtenbau  dieser  Formation  mit  solcher  Klar- 
heit zu  verfolgen  wie  hier.  In  einer  tiefen,  senkrecht  eingeschnittenen  Schlucht 
bricht  der  Grabach  quer  hindurch  und  zwingt  den  Weg  sich  hoch  am  östlichen 
Gehänge  zu  halten.  Bald  durchschneidet  er  die  Adnether  Kalke,  an  Korallen  und 
ßivalven  reiche  Dachsteinkalke  und  Kössener  Schichten  mit  vielen  Versteinerun- 
gen. Diese  drei  Schichtensysteme  setzen  oberhalb  Ellebogen  über  den  Lech  und 
bilden  den  Südabhang  des  jenseitigen  Ellebogen-Spitz.  Durch  eine  kleine 
Kluft,  in  welcher  dünnplattige  bituminöse  Kalke  in  Lias- Dolomit  anstehen,  er- 
reicht man  Stög. 

Das  Almejur-Thal  entspringt  am  Rogla-Spitz,  nimmt  einen  kleinen 
Zufluss  vom  Almejur- Joch  auf  und  mündet  bei  Kaisers  in  das  Kaiser-Thal.  Der 
obere  und  untere  Theil  des  Thaies  liegen  in  jüngeren  Liasgebilden,  der  mittlere 
durchbricht  jenen  Dolomitzug,  der  eine  kurze  Aufbiegung  zwischen  den  Hebungs- 
wellen I und  II  bildet.  Die  Liasschichten  des  oberen  Laufes  kommen  in  mulden- 
förmiger Lagerung  von  Zürss  über  den  Rogla-  und  Valluge r Spitz  herüber 
und  streichen  in  gleicher  Lagerung  nach  dem  K a i s e r-J och.  Der  Dolomit  durch- 
zieht das  Thal  an  der  Vereinigungsstelle  der  beiden  Quellbäche  und  verschwindet 
westlich  unter  dem  Schmalzgrat. 

Das  Kais  et* -Thal,  welches  in  einem  überaus  grossartigen  Gebirgskessel 
zwischen  Kaiser-Joch,  der  vorderen  See-Spitz,  dem  Kreuz-Joch  und  der  Tagwaid- 
Spitz  aus  einem  abgeschiedenen  See  entspringt,  durchschneidet  bis  zur  Vereini- 
gung mit  dem  Almejur-Thal  dieselben  Zonen  wie  dieses.  Der  Uehergang  am  Kaiser- 
Joch  nach  Petneu  im  Stanzer  Thal  liegt  in  Kössener  Schichten.  An  einem  steilen 
Gehänge  windet  sich  der  Weg  in  das  Thal  hinab;  er  durchschneidet  einen  mannig- 
fachen Wechsel  der  verschiedenen  Liasglieder,  welcher  von  den  bedeutenden 
Unregelmässigkeiten  in  der  Ausbildung  dieser  Mulde  zeugt.  Noch  ehe  man  die 
Jocher  Alp  erreicht,  gelangt  man  durch  den  kleinen  Dolomitzug,  der  auch  im  Al- 
mejur-Thal einen  Theil  der  Gehänge  bildet.  Er  ist  hier  nur  noch  schwach  ent- 
wickelt und  erreicht  schnell  sein  östliches  Ende.  Der  Hintergrund  des  Kessels, 
worin  der  Kaiserbach  entspringt,  gegen  Alperschon,  zeigt  nur  noch  eine  einfache 
Mulde  der  jüngern  Liasglieder  zwischen  der  vordem  See-Spitz  und  dem  Kreuz- 
Joch;  eine  kleine  Aufbiegung  in  der  Mitte  des  Sattels  deutet  die  Fortsetzung  des 
Dolomitzuges  an.  — Bei  der  Jocher  Alp  stehen  noch  ausser  dem  Dolomit  Kössener 
Schichten  und  Dschsteinkalk  an,  welche  einer  breiten,  bis  Kaisers  reichenden 
Zone  von  Algäu-Schichten  Platz  machen,  in  der  sich  der  Almejur-Bach  mit  dem 

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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[36] 

Kaiserbach  vereinigt,  um  diesem  den  Namen  des  weiteren  Thaies  zu  lassen.  Diese 
Algäu-Schichton  zwischen  der  Jocher  Alp  und  Kaisers  sind  die  östliche  Fort- 
setzung von  denen,  welche  Grabach  und  Bockbaeh  trennen;  sie  bilden  weiter  im 
Osten  die  Tagwaid-Spitze  und  ziehen  als  Mulde  fort  bis  zur  Lorinser  Spitze.  Der 
weitere  Verlauf  des  Thaies  bis  Stög  ist  sehr  einfach.  Bei  Kaisers  erreicht  man 
den  Dolomit  der  Grubspitz  (H),  welcher  östlich  die  Krvstallispitzen  und  die 
Wetlerspitze  am  Ursprung  des  Sulzel  - Thaies  bildet.  Wie  überall  liegt  er  un- 
mittelbar und  in  gleichförmiger  Lagerung  auf  Algäu-Schichten.  welchen  wiederum 
Adnether,  Daehstei  ikalk-,  Kössener  Schichten  und  der  Dolomit  von  Stög  folgen. 

Ein  Ueberhlick  des  eben  betrachteten  Gebietes  mit  Rücksicht  auf  die  west- 
lich angrenzenden  Theile  zeigt,  dass  der  Dolomit  des  Schafberges  bei  Spullers 
in  ununterbrochenem  Zug  über  die  Grubspitz,  Kaisers  nach  dem  Wetterspitz  den 
Nordrand  einer  Mulde  bildet,  deren  Südrand  aus  dem  Dolomitzug  im  Norden  des 
Kloster-  und  Stanzer  Thaies  besteht  (Arzberg,  Valluger  Kopf,  Stans-Kopf,  Vor- 
dere See-Spitz),  dass  diese  Mulde  am  Schafberg  wie  zwischen  Wetterspitz  und 
vorderem  See-Spitz  einfach  und  von  geringerBreite  ist,  dazwischen  aber  sich  ver- 
breitert und  durch  einen  mittleren  kleineren  Dolomitzug  auf  kurze  Erstreckung  in 
zwei  Mulden  getheilt  wil  d,  dass  endlich  in  der  gesummten  angegebenen  Ausdeh- 
nung die  Lagerung  eine  muldenförmige  bleibt  und  wo  Störungen  stattfinden,  die- 
selben in  einer  Umbiegung  des  gesammten  Schichtensystems  vom  Rande  der 
Mulde  her  bestehen.  Es  ergibt  sich  ferner,  dass  der  Dolomit  des  Nordrandes  der 
Mulde  vom  Lechthal  an  gegen  Osten  in  seiner  ganzen  Erstreckung  den  jüngsten 
Gebilden  eines  gleichfalls  südlich  fallenden  zweiten  Liassystems  aufgeschoben  ist 
und  somit  erst  mit  diesem  Nordrand  oder  der  Hebungswelle  II  die  Reihe  der 
regelmässigen  von  Sud  nach  Nord  gerichteten  Aufschiebungen  beginnt,  denen 
wir  weiter  nördlich  constant  begegnen. 

Lechthal  von  Stög  bis  Elb  i genalp;  Madau-Thal  (AI  perschon, 
Passeyer,  Reth).  — Das  Lechthal  liegt  von  Stög  fast  bis  Elbigenalp  in  der  Rich- 
tung des  Dolomitzugs  (der  Hebungswelle  III),  den  es  bei  dem  ersteren  Ort  betrat. 
Die  Schichten  des  Dolomits  fallen  südlich  und  sind  an  ihrer  Nordgrenze  einer 
Zone  von  eben  so  einfallenden  Algäu-Schichten  (der  Hebungswelle  IV)  aufgela- 
gert. Der  Fluss  hält  sich  stets  nahe  dieser  Grenze  und  überschreitet  sie  mehr- 
fach, so  dass  der  Dolomit  am  Not  drand  des  Thaies  nur  die  schrofferen  Vorsprünge 
bildet,  zwischen  denen  die  sanften  Gehänge  der  Algäu-Schichten  die  Thalsohle 
erreichen,  wie  bei  Holzgau  und  abwärts  von  Ober-Gieblen.  Bei  diesem  Ort  setzt 
die  Auflagerungslinie  über  das  Thal,  erreicht  bei  Griesau  den  Südahhang  und  in- 
dem sie  über  das  Gebirge  nach  Bschlaps  fortzieht,  bleibt  der  Dolomitzug  südlich 
vom  Thal  und  entfernt  sich  mehr  und  mehr  von  demselben. 

Am  Südahhang  zwischen  Stög  und  Elbigenalp  steigt  der  Dolomit  höher  an, 
erreicht  aber  nur  theilweise  die  ersten  Höhen,  sondern  überlässt  diese  bereits 
den  aufgelagerten  südlich  fallenden  Kössener,  Dachsteinkalk-,  Adnether  und  Al- 
gäu-Schichten, welche  als  eine  schmale  Zone  vom  Ausfluss  des  Grabachthaies  an 
den  Dolomit  von  Stög  begleiten  und,  wie  alle  Zonen  von  Algäu-Schichten  in  die- 
ser Gebirgswelt,  auf’s  Neue  von  Dolomit  überlagert  werden  (Hebungswelle  II). 
Letzterer  gabelt  sich  von  Osten  her,  indem  er  im  Madau-Thal  mit  einem  breiten 
aber  sich  schnell  auskeilenden  Zweig  in  die  Zone  der  Algäu-Schichten  hinein- 
greift. Diese  gabeln  sich  dadurch  ebenfalls  und  senden  einen  kurzen  Zweig  gegen 
Osten  in  den  Dolomit,  so  dass  beide  zackig  in  einander  eingreifen.  Erst  südlich 
von  diesem  Ineinandergreifen  zieht  der  Grubspitz-Kaisers-Wetterspitz-Dolomit- 
zug  ununterbrochen  fort.  Die  Folge  dieses  Verhaltens  ist,  dass  die  Zone  der  Al- 
gäu-Schichten, welche  von  Westen  her  bis  zum  Madau-Thal  eine  bedeutende 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[37] 


Breite  hat,  bei  der  Gabelungsstelle  ihre  grösste  Breite  erreicht,  und  indem  der 
südliche  Ast  sich  auskeilt,  nur  noch  in  den  nördlichen  mit  sehr  geringer  Breite 
fortsetzt,  der  Dolomit  aber  südlich  von  der  III.  Hebungswelle  in  der  Oberflächen- 
gestaltung eine  immer  wichtigere  Rolle  erhält  und  sich  zu  bedeutenden  Gebirgs- 
massen  ausdehnt. 

Dazu  kommt,  dass  so  fortlaufend  auch  der  Zug  des  Dolomits  II  ist,  dies  kei- 
neswegs für  die  südlich  anschliessende  Mulde  jüngerer  Liasglieder  gilt,  jene  viel- 
genannte Mulde  I N — II  S,  die  wir  von  jenseits  der  Spullers-Alpe  in  Vorarl- 
berg bereits  bis  zum  Alperschon  verfolgten.  Auch  sie  erreicht  im  Quellgebiet 
des  Madau-Thals  ihr  östliches  Ende,  nachdem  sie  im  Passeyer  noch  einmal  zu  be- 
deutender Breite  angewachsen  war. 

Rechnet  man  hierzu  das  oben  auseinandergesetzte  Verschwinden  aller  For- 
mationen zu  Gunsten  des  Dolomits  zwischen  den  Quellen  des  Madau-Thales  und 
dem  Inn-Thal,  so  ergibt  sich  ein  allgemeines,  plötzliches,  sehr  bedeutendes  An- 
wachsen des  Dolomits.  Zwischen  Elbigenalp  und  dem  Inn-Thal  ist  von  der  östlichen 
hohen  Wasserscheide  des  Madau-Thales  an,  mit  Ausnahme  einiger  kleinerer  Auf- 
lagerungen, nur  noch  ein  einziger,  der  III.  Hebungswelle  angehöriger,  schmaler 
Zug  von  Algäu-Schichten  entwickelt.  Alles  Gebirge  im  Süden  desselben  ist  Do- 
lomit. 

Das  Thalsystem  des  Lendbaches  oder  Madau-Thales.  — Wie 
alle  Nebenthäler  des  Lechs,  so  besteht  auch  das  vielverzweigte  Madau-Thal  aus 
einem  Wechsel  fruchtbarer  und  sanfter  Thalstrecken  mit  wilden  unzugänglichen 
Engen,  was  durch  das  Durchschneiden  der  vielgenannten  Zonen  von  Algäu- 
Schichten  und  Dolomit  bewirkt  wird.  Der  Eingang  der  meisten  von  diesen  Neben- 
thälern  ist  durch  Dolomit  versperrt  und  man  muss  zwei  Stunden  weit  an  der 
Höhe  der  Gehänge  hingehen  um  in  einem  fruchtbaren  Thalkessel  des  oberen 
Flusslaufes  ein  kleines  armes  Dorf  zu  finden.  Meist  liegt  dieses  an  der  Vereini- 
gungsstelle mehrerer  grösserer  Quellbäche,  an  denen  man  aufwärts  steigend  noch 
zu  Hochalpen  und  dann  zu  Bachübergängen  nach  den  benachbarten  Thälern 
gelangt. 

Das  vom  Lendbach  durchströmte  Madau-Thal  mündet  bei  L e n d in  das 
Lechthal.  Der  Dolomit  (III)  an  der  Mündung  ist  hier  sehr  schmal  und  man  er- 
reicht schnell  über  Kössener  Schichten  und  Dachsteinkalke  aufwärts  steigend  die 
Zone  der  Algäu-Schichten.  Es  tritt  nun  ein  eigenthümlicbes  Verhältniss  ein,  indem 
in  Westen  bis  jenseits  Madau  Algäu-Schichten  die  Gehänge  bilden,  Anfangs  bis 
zur  Höhe  der  Wasserscheide,  später  nur  im  unteren  Th  eil,  während  sie  östlich 
als  sehr  schmale  Zone  nördlich  von  Buttelspitz  nach  Gramais  hinüberziehen 
und  dann  sogleich  Dolomit  alle  Gebirge  bildet,  welcher  zwischen  dem  Grieselbach 
und  Madau  auch  an  den  Fuss  des  linken  Gehänges  herüber  zieht.  Es  ist  dies  die 
Stelle  der  zweifachen  Gabelung.  Madau,  ein  kleines  Sennhüttendorf,  liegt  in 
der  südlichen  , sich  bald  auskeilenden  Abzweigung  des  Zugs  der  Algäu-Schich- 
ten (III).  Sie  ziehen  hier  in  einem  weiten,  nur  gegen  Nordwest  geöffneten  Kessel 
von  Dolomitbergen.  Zwölferkopf,  Landschaftle-Kopf,  Hengst-Spitz, 
Laims  er  Spitz,  Saxer  Spitz,  Frei-Spitz  und  das  Kreuz -Joch  sind  von 
Norden  über  Ost  nach  Süd  die  Höhepunkte  in  der  weiten  Dolomit-Umwallung. 
Alle  Schichten  fallen  nach  dem  Innern  des  Kessels  und  allseitig  schmiegt  sich 
ihnen  ein  Band  von  Kössener  Schichten,  sehr  mächtigen  Dachsteinkalken  und 
rothen  Adnether  Kalk  an,  denen  endlich  die  Algäu-Schichten  als  Ausfüllung  des 
Kessels  mit  muldenförmiger  Einlagerung  folgen. 

Bei  Madau  münden  strahlenförmig  aus  den  südlichen  Gebirgen:  das  Al- 
perschon-, Passeyer-  und  Reth-Thal.  Das  Alperschon  mündet  in  Dach- 


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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


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steinkalk,  der  sich  der  nördlichen  Dolomitumwallung  (III)  anlehnt;  der  Eingang 
ist  eine  überaus  grossartige  wilde  Felsspalte,  aus  welcher  der  Wildbach  schäu- 
mend über  ein  Haufwerk  grosser,  mit  einzelnen  Tannen  bewachsener  Felsblöcke 
stürzt.  Es  ist  dies  eine  der  vielen  malerischen  Gebirgsscenen,  deren  diese  Quer- 
thäler  eine  überraschende  Fülle  bieten.  Die  breite,  dem  Dachsteinkalk  auflagernde 
Zone  der  Algäu-Schichten  (III)  wird  von  dem  Bach  in  einem  tiefen  Thal  quer 
durchschnitten  und  vermag  sich  erst  auf  den  Höhen  in  Osten  und  Westen  zu  einer 
fruchtbaren  Landschaft  zu  entwickeln,  insbesondere  gilt  die  Saxer  Alp  auf  der 
östlichen  Höhe  als  eine  der  reichsten  der  Gegend.  Sie  wird  in  Süden  von  dem 
aufgeschobenen  Dolomit  (II)  überragt.  Auch  die  mittlere  Thalstrecke  des  Alper- 
schon  liegt  in  diesen  und  ist  tief  eingesenkt  zwischen  Frei-Spitz  und  Kreuz-Joch, 
zweien  der  höchsten  Berge  der  Gegend.  Der  Durchbruch  der  Dolomitzonen  ist 
bei  allen  Querthälern  des  Lechthaies  sehr  einförmig;  sie  erhalten  in  denselben 
meist  von  keiner  Seite  einen  Zufluss;  die  Gehänge  sind  in  der  Tiefe  bewaldet, 
in  der  Höhe  steiler  und  werden  von  Tobln  und  tief  sich  herabziehendem  Stein- 
geröll unterbrochen.  Wo  man  den  Dolomit  verlässt,  eröffnet  sich  eine  freiere 
Hochgebirgslandschaft.  Von  allen  Seiten  kommen  radienförmig  die  Quellhäche 
herab  und  vereinigen  sich  an  der  Grenze  des  Dolomits.  Wir  befinden  uns  hier  in 

der  Mulde  I N — IIS 
am  Ursprung  des 
Alperschon,denwir 
bereits  von  Süden 
und  von  Westen  her 
erreichten.  Hier, 
zwischen  Kreuz- 
Joch  und  Vorde- 
rem See  - Spitz 
im  Westen,  zwi- 
schen F r ei-Spitz 
und  Griesel- 
Spitz  und  an  den 
Knapp  enböden 
im  Osten  ist  die 
Mulde  ungemein 
schön  entwickelt; 
doch  besitzt  sie 

nicht  eine  einförmige  Muldenlagerung,  sondern  ist  vielfach  gefaltet  und  getheilt, 
wie  beistehende  Ansicht  eines  Theiles  der  östlichen  Thalwand  zeigt. 

Die  Adnether  Kalke  mit  ihrer  grellen  hervorstechenden  Färbung  sind  stets 
das  leitende  Element  zur  leichten  Uebersicht  der  Lagerung.  Oestlich  sieht  man 
die  Mulde  nach  dem  Passeyer  fortzetzen,  von  Westen  her  haben  wir  sie  bereits 
aus  dem  Kaiser-Thal  verfolgt.  Gegen  Süden  erreicht  man  sogleich  wieder  den 
Dolomit,  über  welchen  der  Jochsteig  nach  Schnan  im  Stanzer  Thal  führt. 

Das  Passeyer-Thal  reicht  mit  seinen  Wurzeln  am  weitesten  unter  allen 
Zuflüssen  des  Lechs  gegen  Süden;  es  hat  seine  Quellen  am  Eisenspitz  und 
Ta  win.  Der  einfache  Dolomitzug  des  Vorderen  See-Spitz  und  der  Knappenböden 
(Prof.  XIII)  verbreitert  sich  gegen  Osten  und  nimmt  eine  locale  kleine  Mulde  von 
jüngeren  Liasschichten  auf,  wie  Profil  XIV  zeigt.  Aus  dieser  Mulde  entspringt 
der  Passeyer-Bach.  Bei  Madau  betritt  man  das  Thal  in  Algäu-Schichten  (III),  mit 
sehr  gestörter  Lagerung;  durch  sehr  mächtigen  überstürzten  Dachsteinkalk  und 
Kössener  Schichten  kommt  man  in  den  Dolomitzug  des  Fr  ei -Spitz  (II),  welcher 


Frei-Spitz. 


Fig.  28. 


N.  S. 

Schichtenstörungen  an  der  Wand  westlich  von  Knappenböden. 

1 Unterer  Dachstein-Dolomit.  2 Kössener  Schichten.  3 Oberer  Dachsteinkalk. 
4 Adnether  Kalk.  5 Algäu-Schichten. 


Die  Kalkaipen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


125 


[39] 


hier  sehr  schmal  ist,  und  dann  in  die  Mulde  I N — II  S,  welche  im  Passeyer  noch 
einmal  zu  sehr  bedeutender  Breite  anwächst  um  in  Osten  bald  ganz  zu  verschwin- 
den. Eine  armselige  Schafalp  in  diesem  einsamen  und  verlassenen  Hochthal  liegt 
auf  den  dunklen  Kössener  Schichten;  man  erreicht  sie  über  eine  ungemein  mäch- 
tige Stufe  von  parallelepipedisch  zerklüfteten  Dachsteinkalk.  Es  folgt  ein  zweiter 
Dolomitzug,  der  westlich  den  Stierkopf  bildet  und  gleich  dem  ersten  von  geringer 
Breite  ist.  Er  schliesst  einen  überaus  wilden,  ausgezackten  Gebirgskessel,  der  mit 
tief  ausgefressenen  Scharten  allseitig  in  die  Kämme  hineingreift  und  an  seinem 
Grunde  mit  kahlem  Steingeröll  bedeckt  ist.  Ueberall  sieht  man  scharfe  Gräte, 
schroffe  Tobl  und  steile  Wände  und  man  überzeugt  sich  nur  schwer,  dass  eine 
so  wilde  und  öde  Gebirgslandschaft  ganz  und  gar  aus  denselben  jüngern  Liasge- 
bilden besteht,  welche  sonst  ein  so  fruchtbares  Gebäude  zu  schaffen  pflegen.  Die 
hochrothen  Adnether  Kalke,  welche  in  Windungen  an  den  Abhängen  hervortreten, 
vermehren  den  wilden  Anblick  der  Thalwände.  Im  Süden  erheben  sich  der  Eisen- 
spitz und  der  Tawin,  deren  Liasgipfel  auf  den  Dolomitwänden  ihrer  südlichen 
Abhänge  ruhen.  Gegen  Osten  führt  aus  dieser  Wildniss  ein  sehr  hoher,  verlasse- 
ner Jochsteig  zwischen  Passeyer-Spitz  und  Schweinsrüssel  nach  dem  Matriol- 
Thal.  Er  liegt  selbst  noch  in  dem  nördlichen  Dolomit  der  kleinen  Mulde,  welche 
im  obern  Matriol-Thal  ihr  Ende  erreicht.  Weiter  abwärts  in  diesem  Thal  gelangt 
man  zu  einem  kleinen  Aufbruch  vom  Liegenden  des  Dolomits,  später  zu  einer 
kleinen  muldenförmigen  Einlagerung  jüngerer  Liasglieder  an  der  Silberspitz 
und  steigt  im  Dolomit  hinab  nach  Zams  im  Inn-Thal. 

Das  Reth-Thal  endlich  liegtselbst  in  den  Algäu-Schichten  vonMadau,  sam- 
melt aber  alle  Bäche,  welche  aus  dem  äussersten  Ende  der  Dolomitumwallung 
herabkommen.  Wenn  man  sich  daher  nach  Nord,  Ost  oder  Süd  wendet,  so  durch- 
schneidet man,  überall  wegen  des  allseitigen  gleichmässigenEinfallens  der  Schich- 
ten nach  dem  Innern  des  Kessels,  das  gewöhnliche  Liasprofil  und  gelangt  auf  die 
Dolomitschichten  als  das  Liegendste  des  Schichtensystems.  Uebersteigt  man  die 
südliche  Dolomitumwallung,  so  gelangt  man  in  einen  zweiten,  höher  gelegenen, 
ganz  analog  gebauten  Kessel,  welcher  das  östlichste  Ende  der  Mulde  IN — IIS  ist, 
die  bisher  im  Gebirgsbau  eine  so  wichtige  Rolle  spielte.  Laimser  Spitz, 
Hengst-Spitz,  Blanken-Spitz  und  Schweinsrüssel  bilden  seine  letzte 
östliche  Dolomitumwallung.  Auch  hier  fallen  von  Nord,  Ost  und  Süd  alle 
Schichten  dem  Innern  des  mit  Algäu-Schichten  erfüllten  Kessels  zu. 

Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Weissenbach  und  dem 
bayerischen  Algäu.  (Profile  XIII,  XIV.) 

Noch  einfacher  als  im  Süden  des  Lechthaies  ist  der  Gebirgsbau  im  Norden 
desselben  bis  in  die  Gegend  von  Forchach  und  Weissenbach,  da  hier  die  Höhen- 
züge und  selbst  die  Thäler  der  Bichtung  der  Hebungswellen  folgen.  Nur  der  Lech 
selbst  durchschneidet  diese  wie  die  Höhenzüge  unter  schiefen  Winkeln.  Selbst 
die  Senkungen,  welche  durch  die  Zonen  der  Algäu-Schichten  verursacht  werden 
und  meist  die  Thäler  aufnehmen,  lassen  sich  über  sein  breites  Thal  hinweg  ver- 
folgen. Bedeutende  Schwierigkeit  der  Interpretation  bietet  nur  der  westliche  in 
die  Gebirge  des  Thannberges  übergehende  Theil.  Doch  haben  wir  diesen  bereits 
früher  erörtert  und  gezeigt,  dass  die  Hebungswellen  Vorarlbergs  am  Thannberg 
nur  eine  Unterbrechung  erleiden,  aber  keineswegs  ein  verändertes  System  an 
ihre  Stelle  tritt. 

Die  Hebungswellen,  wie  sie  sich  dort  beim  Eintritt  nach  Tirol  darstellten 
und  wie  sie  das  Profil  XII  zeigt,  sind  durch  folgende  Dolomitzüge  bezeichnet: 


1 26  Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen.  [40] 

1.  Nordfuss  des  Kriegerhornes  — Höllspitz  — Stög  — Lend 

— Boden  (Hebungswelle  III); 

2.  Holl  spitz  — * Ellebogen-Spitz  — Muttekopf,  eine  kleine  nörd- 
liche Abzweigung  von  III; 

3.  Mohne  n fl  uh  — Wart  lihorn  — Walser  Kerle  — B rette  r- 
Spitz  — Eimen  im  Lechthal  (IV); 

4.  Auf  dem  Schroffen  — Dolomitinseln  in  den  Algäu-Schichten  von  Hin- 
ter-Hornbach;  diesen  sehr  untergeordneten  und  nur  stellenweise  entwickelten 
Zug  suchte  ich  als  zu  IV  gehörig  nachzuweisen ; 

3.  Widder  stein  — 0 chsenloch  — Spielmannsau  — Hochvogel 

— Schwarze  Han sl -Kar  jenseits  des  Lechthaies  (V). 

Wegen  der  Einheit  des  Schichtenbaues  mit  der  Anordnung  der  Höhen  knüpfen 
wir  die  Analyse  dieses  Gebirgslandes  am  geeignetsten  an  die  Hebungswellen  an 
und  zwar  zunächst  an  den  3.  und  5.  der  erwähnten  Züge,  da  wir  den  1.  bereits 
im  Vorigen  betrachteten,  der  2.  und  4.  aber  sehr  untergeordnet  sind. 

Dolomitzug  der  Walser  Kerle  und  des  Bretter-Spitz  — 
Mädel  e -Thal  — Bernhardsthal.  — Wenige  Dolomitzüge  unseres  Gebietes 
setzen  als  hohe  Gebirgsketten  so  weit  ohne  Unterbrechung  fort  als  dieser  un- 
serer IV.  Hebungswelle  angehörige.  Seine  tiefste  Einsenkung  am  Mädele-Joch 
besitzt  noch  über  6000  Fuss  Meereshöhe  und  der  Bretter-Spitz  überragt  den  Hochvo- 
gel, welcher  lange  als  die  höchste  Spitze  der  Gegend  galt:  seine  Schichten  streichen 
wie  der  Zug  selbst  nach  Stunde  o und  sind  an  der  Nordgrenze  in  ihrer  ganzen 
Erstreckung  auf  Algäu-Schichten  vollkommen  söhlig  und  mit  hohem,  mauerför- 
migem  Absturz  gelagert.  Mit  sehr  flacher  Krümmung  senken  sie  sich  allmälig 
gegen  Süd  und  fallen  im  Westen  (Walser  Kerle)  mit  bedeutender,  im  Osten  mit 
geringer  Neigung  nach  Stunde  1 1 ; es  folgt  ihnen  mit  gleicher  Lagerung  eine 
Zone  von  jüngeren  Liasschichten.  Kaum  gibt  es  in  dem  gesammten  westlichen 
Theile  unseres  Gebietes  eine  Gegend,  wo  diese  jüngeren  Liasglieder  ohne  Aus- 
nahme in  so  ausgezeichneter  Entwickelung  und  so  ausserordentlich  reich  an  Ver- 
steinerungen auftreten,  als  hier,  wo  zugleich  allenthalben  die  vortrefflichsten 
Aufschlüsse  gegeben  sind,  wo  ferner  die  werthvollsten  Untersuchungen  bereits 
durch  einen  Esche r von  der  Linth  ausgeführt  vorliegen.  Dazu  kommt, 
dass  ein  eifriger  Sammler  der  Gegend,  Herr  Falger  in  Elbigenalp,  dem  ich 
seiner  freundlichen  Mittheilungen  wegen  zu  besonderem  Dank  verpflichtet  bin, 
die  paläontologischen  Schätze  der  Gegend  leicht  zugänglich  macht. 

Die  Zone  besitzt  eine  bedeutende  Breite  und  wird  im  Süden  von  dem  Dolomit 
der  III.  Hebungswelle  überlagert,  dem  schon  die  kleinen  Vorsprünge  am  Nord- 
gehänge des  Lechthals  angehören.  Ihre  Schichtensysteme,  insbesondere  die  der 
Algäu-Schichten,  sind  auf  das  Mannigfaltigste  gewunden  und  gekrümmt  und  dies 
nimmt  nach  oben  mehr  und  mehr  zu;  hingegen  sind  die  dem  Dolomit  zunächst 
folgenden  Schichten  in  regelmässiger  ungestörter  Lagerung  und  lassen  sich  vor- 
trefflich analysiren.  Herr  Es  eher  hat  dies  bereits  in  so  vollständiger  und  ausge- 
zeichneter Weise  gethan,  dass  ich  auf  seine  Darstellung  der  Schichtfolge  im 
Bernhardsthal  verweise  *)  und  ohne  auf  diesen  Gegenstand  weiter  einzugehen,  nur 
noch  einige  Worte  über  das  Fortstreichen  der  einzelnen  Formationsglieder 
folgen  lasse. 


D Es  eher,  Vorarlberg,  Beilage  I.  — Nach  der  hier  gebrauchten  Bezeichnung  ist  1 Do- 
lomit, 2 — 4 Kössener  Schichten,  5 Dachsteinkalk,  6 A<jnether  Kalk,  7 — 24  Algäu- 
Schichten. 


[41] 


Din  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


127 


Die  Kössener  Schichten  ziehen  von  den  Walser  Kerlen  nach  der  Ein- 
sattelung zwischen  der  grossen  Steinschart-Spitz  und  der  Ellebogen-Spitz  und 
bilden  von  hier  ostwärts  den  Thalgrund  des  Sehocha-Baehes  und  weiterhin  die 
Einsattelung,  über  welche  der  Jochsteig  vom  Mädele-Thal  nach  dem  Bernhards- 
Thal  führt.  Allenthalben  bezeichnen  sie  die  Grenze  der  steilen  Abstürze  der  Do- 
lomitkette gegen  die  sanfteren  Gehänge  der  jüngeren  Liasglieder;  sie  erreichen 
endlich  das  Lechtbal  an  der  Mündung  des  kleinen  Wasserfall-Baches,  der  vom 
Urbs-Kor-Spitz  herabkommt,  und  gehen  südlich  von  Eimen  auf  die  östliche  Thal- 
wand über.  Die  Mächtigkeit  des  Sehichtensystemes  nimmt  nach  Osten  bedeutend 
zu;  überall  führt  dasselbe  Gervillia  inflata  Schafft.,  Cardium  austriacum  Hau., 
Avicula  contorta  Porti.,  Spirifer  uncinatus  und  andere  charakteristische  Verstei- 
nerungen; auch  das  Bactryllium  striolatum  Heer  kommt  hin  und  wieder  in  den 
mergeligen  schwarzen  Schichten  vor.  Der  Dachstein  kalk  tritt  kaum  irgendwo 
in  unserem  Gebiet  so  reich  an  Megalodon  triqueter  Wulf,  auf  als  hier,  wo  er 
neben  den  Kössener  Schichten  ein  schmales  Band  am  Südabhang  der  hohen  Do- 
lomitkette bildet.  Seine  ausgezeichnete  Entwickelung  wurde  zuerst  aus  dem  Bern- 
hards-Thal bekannt,  von  wo  die  besten  der  bisher  aufgefundenen  Exemplare  der 
Dachstein-Bivalve  stammen.  Allein  noch  ungleich  vorzüglicher  lässt  sich  das  Ge- 
bilde auf  dem  Weg  vonHolzgau  nach  dem  Mädele-Joch  beobachten,  der  überhaupt 
wegen  der  ungemeinen  Klarheit  seiner  geognostischen  Aufschlüsse  sehr  lehrreich 
ist.  Das  Thal  des  Hech-Bachs  (Mädele-Thal)  durchschneidet  die  gesammte  He- 
bungswelle IV,  an  deren  nördlichstem  Bande  er  entspringt,  unter  einem  rechten 
Winkel  und  entblösst  die  Lagerung  in  der  klarsten  Weise  an  den  senkrecht 
durchschnittenen  Wänden.  Abgesehen  von  der  grossen  Mächtigkeit,  welche  der 
Dachsteinkalk  an  dieser  Stelle  besitzt,  sind  ihm  auch  die  Lagerungsverhältnisse 
so  günstig,  dass  man  eine  halbe  Stunde  zwischen  seinen  Mauern  und  über  seine 
mit  Bivalven  und  Korallen  dicht  erfüllten  Blöcke  wandert.  Es  setzt  nämlich  hier 
jene  kleine  Aufbiegung  fort,  welche  ein  wenig  weiter  westlich  als  ein  kurzer  von 
der  III.  Hebungswelle  abgezweigter  Dolomitzug  erschien,  hier  aber  nur  noch  in 
einer  welligen  Biegung  des  gesammten  Schichtensystems  angedeutet  ist.  An 
einigen  Stellen,  so  insbesondere  am  Uebergang  zwischen  Mädele-Thal  und  Bern- 
hards-Thal bildet  der  Dachsteinkalk  besondere  Kuppen  und  diese  sind  dann  alle- 
mal von  rothemAdnetherKalk  überlagert,  daher  hier  die  so  häufig  angewen- 
deten Benennungen:  Rothhorn , Rothwand  u.  s.  w.,  sich  oft  wiederholen.  Die 
Adnether  Kalke  werden  stellenweise,  wie  an  dem  genannten  Uebergang,  bis  IfiOFuss 
mächtig,  erreichen  somit  einen  ihnen  sonst  nicht  eigenen  Grad  der  Entwickelung, 
und  sind  stets  reich  an  Ammoniten  aus  der  Familie  der  Arieten. 

Für  die  Algäu-S  chichten  endlich  ist  das  Bernhards-Thal,  insbesondere  in 
seinem  oberen  Theile,  am  reichsten  an  Aufschlüssen.  Doch  ist  die  Schichtenfolge 
wegen  der  vielfachen  Windungen  eben  so  schwer  durch  den  gesammten  Complex 
festzuselzen  als  anderswo.  Für  den  unteren  Theil  hat  dies  Herr  Escher  mit 
bewunderungswürdiger  Schärfe  erreicht.  Grosse  Trümmermassen  erfüllen  jene 
obere  Thalstrecke  und  enthalten  eine  überaus  grosse  Menge  von  Ammoniten, 
(Arieten  und  Falciferen),  Belemniten  und  Inoceramus  Falgeri.  Ein  Bild  der 
Schichtenkrümmungen,  welche  diesem  System  eigen  sind,  gibt  besonders  die 
enge,  spaltenartige  Schlucht,  aus  welcher  der  Bach  des  Bernhards-Thaies  bei 
Elbigenalp  hervorbricht.  — In  dieser  Zone  haben  wir  noch  die  Verschiedenheit 
der  Schichten  in  der  Nähe  des  Lechthaies,  alsotder  stratigraphisch  den  höch- 
sten Theilen  angehörigen,  von  den  nördlicheren,  tieferliegenden  zu  erwähnen. 
Jeder  der  das  Lechthal  durchwanderte,  kennt  die  mächtigen  Complexe  von  roth<  n 
und  grünen  dünnen  Hornsteinschichten,  wie  sie  z.  B.  an  der  Brücke  von  Holzgau 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Rand,  18G1  und  1862.  II.  Heft,  17 


128 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[42] 

nach  einer  isolirten  Partie  des  aufgeschobenen  Dolomites  anstehen.  Ich  wies 
bereits  früher  daraufhin,  dass,  wie  Giimbel  zuerst  gezeigt  hat,  wahrscheinlieh 
ein  Theil  dieser  höchsten  Schichten  schon  jurassisch  ist.  Ist  dies  auch  durch 
Versteinerungen  bis  jetzt  nicht  nachweisbar,  so  weist  doch  der  Charakter  der 
Schichten  darauf  hin.  Besondere  Beachtung  verdient  dabei  der  Umstand,  dass 
erst  in  dieser  vierten  Hebungswelle  die  juraartigen  Schichten  mit  Entschieden- 
heit auftreten;  südlich  derselben  sind  sie  weder  in  Vorarlberg  noch  im  westlichen 
Nordtirol  zu  beobachten.  Wir  werden  sie  im  weiteren  Verlauf  in  derselben  He- 
bungswelle weiter  östlich  verfolgen,  insbesondere  bei  Bschlaps. 

Hornthal  und  Kette  des  Hochvogels.  — Der  Dolomit  der  eben 
betrachteten  Hebungs welle  liegt,  wie  sich  aus  dem  Vorhergehenden  ergab,  längs 
seinem  Nordrand  söhlig  und  mit  mauerförmigem  Abfall  auf  Algäu-Schichten,  welche 
wieder  eine  breite  Zone  bilden,  in  der  das  Hornthal  parallel  dem  Streichen  der 
Schichten,  nach  Stunde  5,  eingeschnitten  ist.  Jenseits  erhebt  sich  darüber  mit 
gleichem  mauerförmigen  Abfall  und  gleichfalls  mit  söhlig  gelagerten  Schichten 
der  Dolomit  der  Hochvogel-Kette,  gleich  dem  südlichen  den  Algäu-Schichten  auf- 
gelagert, oder  vielmehr  aufgeschoben.  Endlich  erheben  sich  mitten  aus  der  Zone 
der  Algäu-Schichten  einzelne  isolirte  Inseln  eines  nach  Stunde  5 streichenden 
Dolomitzuges,  welche  durch  Kössener  und  Dachsteinkalk-Schichten  von  jenen 
getrennt  sind  und  deren  Einfallen  nach  Süd  und  Nord  unter  die  beiden  hohen 
Dolomitketten  bestimmen.  Dadurch  entsteht  das  sonderbare  Lagerungsverhält- 
niss,  wie  es  auf  Prof.  XIV  dargestellt  ist. 

Bei  V or d er-Hornbach  mündet  das  Hornthal  in  einer  der  genannten 
Dolomitinseln,  die  im  Bett  des  Baches  sehr  ausgedehnt  ist,  sonst  aber  wenig  zu 
Tage  tritt.  Wendet  man  sich  von  ihr  aus  im  Walde  an  den  Gehängen  aufwärts,  so 
überschreitet  man  nach  Süden  wie  nach  Norden  nacheinander:  Kössener  Schich- 
ten, Dachsteinkalk  und  eine  schmale  Zone  von  Algäu-Schichten,  denen  unmittel- 
bar die  hohen  Dolomitgebirge  folgen.  Hier  ist  die  Zone  schwer  zu  beobachten, 
aber  weiter  thalaufwärts  zieht  die  Auflagerungslinie  des  Dolomits  an  beiden 
Thalwänden  in  bedeutendere  Höhe,  während  die  Dolomitinsel  am  Bach  verschwin- 
det; der  ganze  Thalgrund  wird  weithin  nur  von  Algäu-Schichten  gebildet,  welche 
dachförmig  gelagert  sind  und  ihre  Antiklinallinie  in  der  Streichrichtung  des  Tha- 
ies in  der  Gegend  des  Baches  haben.  Die  Lagerung  ist  eine  für  Algäu-Schichten 
ungewöhnlich  einfache  und  ungestörte.  Der  Stitz-Bach  bringt  Bruchstücke  von 
diesen  letzteren  aus  grosser  Höhe  herab  und  es  scheint,  dass  hier  an  den  Ge- 
hängen des  Hochvogels  auch  die  vorerwähnten  juraähnlichen  Schichten  anstehen. 

Das  Dorf  Hinter -Ho  mb  ach  liegt  ganz  auf  Algäu-Schichten.  Doch  schon 
ein  wenig  weiter  westlich  folgt  eine  durch  einen  Ring  von  Dachsteinkalk  und 
Kössener  Schichten  getrennte  Dolomitinsel  und  unterhalb  der  Petersberger 
Alp  steht  nach  Herrn  Gümbel’s  Mittheilung  eine  bedeutende  Partie  von  rothem 
Adnether  Kalk  an,  also  wiederum  das  unmittelbar  Liegende  der  Algäu-Schichten. 
Auch  die  Joch-Spitz  im  Hintergrund  des  Thaies  ist  eine  isolirte  Dolomitkuppe. 
Noch  weiter  westlich  nehmen  diese  Dolimitinseln  ein  Ende  und  wenn  man  über 
den  Schafberg  nach  dem  Thal  des  Trett-Bachs  steigt,  so  hat  man  in  diesem  nur 
noch  Algäu-Schichten,  welche  auf  dem  Dolomit  von  Spielmannsau  vollkommen 
normal  gelagert  und  von  ihm  durch  Dachsteinkalk  und  Kössener  Schichten 
getrennt  sind.  Noch  weiter  westlich  in  unserer  Zone  von  Algäu-Schichten  gelangt 
man  endlich  zu  jenem  schon^  früher  bei  der  Darstellung  der  Umgegend  von 


!)  Die  von  dem  Profile  XIV  durchschnittene. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


129 


[43] 


Schröcken  besprochenen  isolirten  Dolomitzug  des  Schroffen,  welcher  allseitig 
von  jüngeren  Liasschichten  begrenzt  ist.  — Wenden  wir  uns  endlich,  um  die 
Zone  der  Algäu-Schichten  vollständig  zu  kennen,  noch  von  Vorder-Hornbach 
ostwärts,  so  begegnen  wir  östlich  vom  Lech  keiner  Spur  mehr  von  dieser  For- 
mation. Schon  am  Ausgang  des  Hornthals  verschwinden  sie  zwischen  den  beschrie- 
benen, von  unten  und  oben  näher  zusammenrückenden  Dolomiten  und  jenseits 
ist  nur  noch  Alles  eine  einzige  Dolomitwelt. 

Was  nun  die  beiden  im  Süden  und  Norden  begrenzenden  Dolomitzüge 
betrifft,  so  bildet  der  südliche  von  den  Walser  Kerlen  bis  Mortenau  eine  stetig 
fortlaufende  Mauer,  der  nördliche  ist  nicht  so  regelmässig.  Wir  rechneten  den 
Hoch  vogel  zu  unserer  Hebungswelle  V,  d.  h.  als  unmittelbare  Fortsetzung  des 
Zitterklapfen-Widderstein-Spielmannsau-Zuges.  Streng  genommen  ist  dies  nicht 
der  Fall;  denn  nach  den  einstimmigen  Darstellungen  der  Herren  Es  eher  und 
Gümbel  hängt  der  Dolomit  von  Spielmannsau  mit  dem  des  Hochvogels  nicht 
unmittelbar  zusammen,  sondern  es  ziehen  die  Algäu-Schichten  um  den  westlichen 
Fuss  des  Hinteren  Wilden  herum  nach  dem  Kessel-Spitz.  Doch  vermag  diese  Zer- 
reissung  des  Zusammenhanges  ihn  noch  nicht  aufzuheben  und  es  scheint  im 
Gegentheil,  dass  die  Unterbrechung  in  der  Stetigkeit  der  im  Uebrigen  so  einheit- 
lichen und  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  gleichgerichteten  Kette  einen  Anhalt  zur 
Erklärung  des  im  östlichen  Theil  so  verschiedenen  Gebirgsbaues  gibt. 

Einer  genügenden  Erklärung  der  angedeuteten  Lagerungsverhältnisse  der 
Algäu-Schichten -Zone  des  Hornthaies,  stellen  sich  bedeutende  Schwierigkeiten  ent- 
gegen. So  viel  ist  klar,  dass  der  durch  die  Dolomitinseln  angedeutete  centrale 
Zug  mit  der  dachförmigen  Lagerung  der  jüngeren  Liasgebilde,  wie  wir  sie  weiter 
im  Süden  nirgends  beobachteten,  so  wie  die  sonst  in  unserem  Gebiete  nirgends  in 
solchem  Maasse  vorkommende  Armuth  an  welligen  Faltungen  der  Algäu-Schichten 
auf  eine  ruhige  Hebung  von  unten  nach  oben  ohne  irgend  welche  seitliche  Ver- 
schiebung deuten,  während  der  südliche  Dolomitzug  eine  gegen  Norden  wirkende 
Kraft  andeutet,  eine  Verschiebung,  wie  wir  sie  in  den  Gebirgen  Vorarlbergs  und 
des  Lechthaies  fast  allgemein  beobachteten,  die  nördliche  Kette  aber  das  genau 
entgegengesetzte  Verhältniss  anzeigt,  eine  von  Nord  nach  Süd  wirkende  Kraft, 
deren  Spuren  im  nörd- 
lichen Theil  des  Trias- 
Lias-Gebietes  noch  häu- 
tiger wiederkehren.  Da- 
durch wird  die  gross- 
artige Zusammenschie- 
bung von  beiden  Seiten 
einigermassen  klar.  Be- 
sondere Wichtigkeit  er- 
halten die  Verhältnisse  im 
Hornthal  noch  dadurch, 
dass  sie  gewissermassen 
der  Vorläufer  des  Gebirgs- 
baues der  Gegend  von 
Reutte  sind , wo  wir 
gleichfalls  mächtigen  Sy- 
stemen älterer  Schichten 
begegnen,  welche  sich 
über  jüngere  gegeneinander  wölben;  doch  treten  dort  noch  die  ältesten  Lias- 
glieder mit  zu  Tage,  welche  im  Hornthal  fehlen.  Kaum  dürfte  nach  den  heschrie- 

17* 


Fig.  29. 

Hora-Thal. 


1 Raibler  Schichten.  2 Unterer  Dachstein-Dolomit.  3 Kössener  Schichten. 
Dachstein-  und  Adnether  Kalk.  4 Algäu-Schichten. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richlhofen. 


130 


r«] 


benen  Thatsachen  ein  anderes  Verhältniss  der  Lagerung  möglich  sein  als  das 
in  Figur  29  dargestellte. 

Hat  auch  somit  die  Analyse  der  Lagerung  für  den  östlichen  und  westlichen 
Theil  unserer  V.  Hebungswelle  keine  Schwierigkeiten,  so  bleibt  doch  noch  die 
Ungleichförmigkeit  der  Verhältnisse  im  Fortstreichen  ein  schwer  zu  erklärendes 
Problem. 

Schwarzwasserthal.  — Mit  der  Hochvogelkette  haben  wir  einen  breiten 
Dolomitzug  erreicht,  welcher  erst  an  der  südlichen  W asserscheide  des  Thann- 
heimer  Thals  seine  Nordgrenze  erreicht.  Das  Lechthal  durchschneidet  ihn  zwi- 
schen Vorder-Hornbach  und  Weissenbach  und  beide  Thalwände  zeigen  in  dieser 
Erstreckung  nur  Dolomit.  Der  Thalboden  ist  ein  ödes  Schuttland,  in  welchem  der 
Lech  sein  vielverzweigtes  Bett  gegraben  hat;  nur  selten,  wie  bei  Starzach  und 
Forchach,  erbebt  sich  darüber  eine  kleine  ebene  und  fruchtbare  Terrasse.  Die 
Schichten  des  Dolomits  zeigen  bis  Forchach  im  Allgemeinen  ein  nördliches  Fallen 
und  steigen  von  dort  bis  Wreissenbach  wieder  aus  der  Thalebene  allmftlig  mit 
südlichem  Fallen  auf,  so  dass  bei  letzterem  Orte  sich  nach  und  nach  auch  die  lie- 
genden Schichten  bis  zum  Virgloria-Kalk  heraufdrängen.  Die  Besprechung  der 
Gegend  von  Beutte  wird  uns  auf  dieses  Verhältnis  zurückführen.  — Bei  For- 
chach ist  mithin  die  tiefste  Senkung  des  Schichtensystems  und  in  der  Streich- 
richtung dieser  Senkung  kommt  von  Westen  das  Schwarzwasserthal  herab,  das 
im  Süden  durch  die  Hochvogelkette  vom  Hornthal,  im  Norden  durch  die  Leilach- 
Kette  vom  Thannheimer  Thal  geschieden  ist.  Der  gesammte  untere  Theil  des 
Schwarzwasserthaies  ist  in  Dolomit  eingesenkt,  der  hier  mit  dichtem  Nadelwald, 
von  dem  das  Thal  den  Namen  trägt,  bedeckt  ist.  Im  oberen  Theil  folgt  jedoch  eine 
muldenförmige  Einlagerung  von  jüngeren  Liasschichten,  welche  Alpen  tragen.  Der 
Hochwaldspitz  und  Kesselspitz  an  der  Grenze  gegen  das  Algäu  bezeichnen  die 
Mächtigkeit,  zu  welcher  jene  Schichten  hier  gelangen.  Unmittelbar  an  der  Was- 
serscheide gegen  das  Thannheimer  Thal  folgt  dann  eine  weitere  muldenförmige 
Einlagerung,  welche  aber  erst  jenseits  zu  bedeutender  Entwickelung  gelangt. 


Umgebung  von  Reutte,  Vils  und  Thann  heim. 

Das  weite,  in  vielen  Armen  vom  Lech  durchströmte  Thal  von  Reutte  durch- 
schneidet tief  einen  ostwestlich  streichenden  mächtigen  Schichtenaufbruch  und 
entblösst  daher  an  seinen  Wänden  in  klarer  Wreise  die  Lagerungsverhältnisse. 
Aus  den  Geröllmassen,  mit  welchen  der  Lech  in  der  Wreitung  eine  mehr  als 
eine  halbe  Meile  breite  Ebene  schuf,  ragen  einzelne  Inseln  von  älteren  Schichten 
hervor,  welche  die  Entblössungen  der  Thalwände  vervollständigen.  Der  Gebirgs- 
bau  ist  im  Allgemeinen  ganz  analog  dem  eben  beschriebenen  des  Hornbachthaies, 
dort  schliessen  zwei  ungefähr  ostwestlich  streichende  Züge  von  älteren  Gesteinen 
eine  breite  Einsenkung  von  jüngeren  Schichten  ein,  welche  beiderseits  unter 
jene  einfallen.  Es  zeigte  sich  dies  Verhältniss  im  WTesten  des  Hornthaies  sehr 
entwickelt,  da  mitten  aus  den  Algäu-Schichten  noch  ein  Dolomitzug  auftaucht, 
während  im  Osten  der  Lech  Alles  abschneidet  und  jenseits  des  Flusses  nur  in 
der  Schichtenstellung  des  allein  herrschenden  Dolomits  die  Spuren  zu  ver- 
folgen sind. 

Dasselbe  Verhältniss  findet  bei  Reutte  statt;  nur  ist  es  hier  ungleich  ver- 
wickelter. Auch  hier  lässt  sich  ein  nach  Westen  an  Breite  wachsen- 
der Zug  jüngerer  Lias-  und  Jurabildungen,  aus  dessen  Mitte 
Dolomite  hervortreten,  von  Reutte  gegen  Wresten  verfolgen  und 
von  beiden  Seiten  wölben  sich  ältere  Schichten  überdieseiben 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol 


131 


[«] 


hinweg;  aber  während  im  Horn h 
Lias  ruht,  sind  hier  die  tiefsten 
gelagert.  Wie  dort,  so  schneidet  auch 
hier  der  Lech  im  Osten  das  ganze  Lage- 
rungsverhältniss  ab,  und  jenseits  des 
Thaies  wird  es  nur  noch  durch  die  Lage- 
rung der  Triasschichten  und  des  Dolo- 
mites angedeutet.  — Der  mittlere  Zug 
der  jüngeren  Lias-  und  Juragebilde  be- 
ginnt an  den  Gehängen  über  Am -Lech 
und  Höfen  mit  geringer  Breite  und 
nimmt  im  Westen,  indem  seine  Ausdeh- 
nung bedeutend  wächst,  das  Birkthal, 
das  Thannheimer-  und  das  Vils- 
alpen-Thal  auf  Das  gesammte  von 
ihnen  eingenommene  Gebiet  ist  im  Allge- 
meinen ein  sanfteres  Gebirgsland , in 
welchem  nur  der  aus  der  Mitte  heraus- 
gehobene Dolomit  des  Gaishorns  sich  zu 
bedeutenderer  Höhe  erhebt  (6990  Fuss), 
während  die  beiden  begrenzenden  Ge- 
birgszüge sich  durch  eine  fortlaufende 
Kammhöhe  mit  einzelnen  Hochgipfeln  aus- 
zeichnen. • — Das  nebenstehende  Profil 
(Fig.  30)  dürfte  ein  richtiges  Bild  der 
Lagerungsverhältnisse  der  Gebirge  von 
Reutte  geben. 

Gegend  südlich  von  Reutte 
bis  Heiterwang  und  Weissen- 
bach.  — Reutte  liegt  ein  wenig  nörd- 
lich von  der  Antiklinallinie  der  von  Nord 
und  Süd  aufsteigenden  Triassysteme,  am 
Östlichen  Ende  des  von  ihnen  einge- 
schlossenen Gebietes  der  jüngeren 
Schichten.  In  diesem  schuf  der  Lech  die 
Thalweitung,  während  er  durch  jene 
hochaufragendenGebirgszüge  sich  schwe- 
rer Bahn  brach.  Wendet  man  sich  von 
Reutte  südlich  über  den  Pass  Ehrenberg 
nach  Heiterwang  oder  dem  Lech  entlang 
nach  Weissenbach,  so  gelangt  man  auf 
beiden  Wegen  durch  die  gesammte  Folge 
der  Trias  aufwärts  bis  in  den  Lias. 
Halten  wir  uns  zunächst  östlich  vom 
Lech,  so  ist  Verrucano  von  hier  noch 
nicht  bekannt  geworden,  das  tiefste  Glied 
sind  Virgloria-Kalke,  welche  den 
Ehrenbühel  und  einige  andere  aus  der 
Thalebene  inselförmig  hervorragende  Hü- 
gel zusammensetzen.  Herr  v.Hauer  fand 
darin  die  bei  der  stratigraphischen  Ueber- 


i c h t h a 1 unterer  Lias  auf  oberem 
friasglieder  auf  Juraschichten 


Fig.  30. 

Fire-Berg,  Weissenbach.  Gacht-Spitz.  Hannekamra.  Metzenarsch.  Sefer-Spitz,  Brenten-Joch.  Vils.  Vils-Thal.  Zirme- Berg. 


132 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[46] 

sicht  (Bd.  X dieses  Jahrbuches,  S.  94)  angeführten  Versteinerungen,  welche  dem 
Kalk  sein  bestimmtes  Niveau  anweisen.  Auch  das  Gestein  der  Handstücke  lässt 
unzweifelhaft  unsere  Virgloria-Kalke  erkennen.  Das  aus  der  Thalebene  weiter 
südlich  aufsteigende  Gebirge,  welches  die  Strasse  am  Pass  Ehrenberg  übersteigt, 
beginnt  mit  südlich  fallenden  Partnach mergeln.  Sie  treten  hier  ganz  wie  in 
Vorarlberg  auf,  als  schwärzliche  in  rhomboidische  Täfelchen  und  gritfei  förmige 
Stücke  zerfallende  schiefrige,  etwas  kalkige  Mergel  mit  sparsam  eingelagerten 
klotzigen,  knollig  zerklüftenden  Kalken.  Versteinerungen  fanden  sich  nicht  darin. 
Ihnen  folgt  Hai  Ist  ätt  er  Kalk,  welcher  den  gesammten  Schlossberg  zusammen- 
setzt und  an  der  Strasse  fast  bis  Heiterwang  anhält.  Kein  Gestein  erinnert  noch 
an  die  Arlbergkalke;  es  herrschen  nur  jene  weissen  feinkörnigen  Kalke,  welche 
mit  constantem  Charakter  durch  ganz  Nordtirol  fortsetzen.  Mit  Ausuahme  eines 
von  Herrn  Gümbel  neu  entdeckten,  wahrscheinlich  demselben  Zuge  angehörigen 
Vorkommens  im  Algäu  ist  die  Gegend  von  Reutte  der  westlichste  Punkt,  von  wo 
diese  Gebilde  bekannt  sind.  Allein  schon  mit  diesem  ersten  Erscheinen  treten  sie 
sogleich  massenhaft  und  gebirgsbildend  auf  und  bilden  westlich  von  Reutte  die 
höchste  Spitze  der  Gegend,  den  Metzenarsch  oder  Gimpelberg  (7062  Fuss).  Die 
Hallstätter  Kalke  des  Schlossberges  werden  von  den  südlich  folgenden  Dolomit- 
gebirgen durch  die  Einsenkung  des  Archbaches  geschieden , in  welcher  Herr 
v.  Hauer  die  Raibler  Schichten  von  Rieden  am  Lech  bis  zum  Heiterwanger  See 
nachwies. 

Weniger  klaren  Aufschluss  gewähren  die  Gehänge  im  Osten  von 
Reutte.  Das  gesammte  Gebirge  besteht  aus  Dolomit  und  nur  die  flachen,  mit 
Graswuchs  bedeckten  Hügel  zwischen  dem  steileren  Gebirgsabhang  und  der 
eigentlichen  Thalebene  sind  aus  dem  Liegenden  des  Dolomits  zusammengesetzt. 
Die  Raibler  Schichten  sind  hier  durch  mächtige  Massen  von  Rauchwacke 
und  Gyps  vertreten,  welche  besonders  das  hügelige  Gelände  um  das  kleine 
Bad  Krekelmoos  bilden  und  an  der  Mündung  des  Zwiefelbachs , südöstlich  vom 
Unrein-See  anstehen.  Ihnen  schliessen  sich  Hallstätter  Kalke  an,  welche  öst- 
lich von  Mühl  beide  Gehänge  des  vom  Plun-See  herabkommenden  Archbaches 
bilden  und  in  Reutte  selbst  die  Kirche  tragen. 

Der  Weg  am  linken  Lechufer  von  Reutte  über  Wengle  und  Höfen 
nach  Weissenbach  scheint  für  das  früher  angedeutete  Lagerungsverhältniss 
das  lehrreichste  Profil  zu  entblössen.  Bis  Höfen  herrschen  nur  Lias-Flecke  n- 
mergel  und  Juraschichten,  deren  allgemeines  Fallen  nach  der  Darstellung 
auf  der  vom  montanistischen  Verein  herausgegebenen  Karte  im  Allgemeinen 
dachförmig  nach  Nord  und  Süd  gerichtet  ist.  Doch  sind  nach  Herrn  v.  Hauer 
die  Schichten  so  vielfach  gebogen  und  gekrümmt,  dass  sich  dies  mit  Sicherheit 
nicht  feststellen  lässt.  Die  Juraschichten  sind  durch  ihren  Reichthum  an  Horn- 
stein und  ihre  rothe  Färbung  ausgezeichnet.  Herr  v.  Hauer  fand  einzelne  mäch- 
tige Complexe,  welche  nur  aus  rothen  geschichteten  Hornsteinen  bestehen,  also 
genau  so  ausgebildet  sind,  wie  bei  Holzgau.  Bei  Wengle  führen  diese  Schichten 
jurassische  Aptychen.  Am  Abhange  über  Höfen  beginnt  die  Entwickelung  der  Trias, 
deren  tiefste  Glieder  dem  Jura  aufgelagert  sind.  Es  scheint,  dass  hier  schon 
Verrucano  vorkommt.  Die  Herren  v.  Hauer  und  Freih.  v.  Andrian  fanden  im 
Bette  des  Hirschbaches  sehr  zahlreiche  Trümmer  eines  rothen  Quarzconglomerats 
und  eines  grauen  den  „doleritischen  Sandsteinen“  der  Südalpen  ähnlichen  Ge- 
steines. Thalaufwärts  nehmen  diese  Blöcke  ungemein  an  Menge  zu,  bis  die  enger 
zusammentretenden  Thalwände  ein  weiteres  Aufsteigen  verhindern.  Es  scheint 
indess  mit  Sicherheit  das  Vorkommen  von  Verrucano  auf  der  Höhe  der  Hanne- 
kamm- Alp  hieraus  hervorzugehen.  Am  tieferen  Abhange  bei  Höfen  und  Hornberg 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


J 33 


[47] 


folgt  den  Juraschicliten  unmittelbar  Vir  gl  ori  a-Ka  1 k,  der  schon  einen  kleinen 
isolirten  Hügel  unmittelbar  hinter  Höfen  bildet  und  sich  nach  dem  Gacht-Spitz 
hinaufzuziehen  scheint.  Es  folgen,  stets  mit  südlichem  Falle,  Partn  a ch  in  erg  el, 
die  Fortsetzung  derjenigen  vom  Pass  Ehrenberg,  endlich  Hallstätter  Kalk, 
in  welchem  der  Pass  Gacht  eingesenkt  ist.  Bei  Weissenbach  treten  Raibler 
Schichten  zwischen  jene  und  den  südlich  sich  anschliessenden  Dolomit.  Sie 
übersetzen  den  vom  Pass  Gacht  herabkommenden  Bach  und  sind  westlich  von 
demselben  als  Rauchwacke  und  Gyps,  in  welchem  Brüche  angelegt  sind,  östlich 
als  Mergel  und  Sandsteine  entwickelt.  Der  ihnen  auflagernde  Dolomit  setzt  bis 
Vorder-Hornbach  fort,  von  wo  wir  ihn  oben  beschrieben. 

Gegend  zwischen  Thannheim  und  dem  Dolomitzuge  des 
Leilach-Spitz  es.  — Wo  die  Auflagerungslinie  der  älteren  Formationen  auf 
die  Juraschichten  sich  aus  dem  Lechthal  westlich  gegen  die  Höhe  des  Gebirges 
hinanzieht,  verschwinden  die  tieferen  Triasglieder.  Am  Pass  Gacht  liegt  nur  noch 
ein  kleiner  Theil  des  Hallstätter  Kalkes  auf  Jura  und  am  Südgehänge  des 
Birkthaies  wie  an  der  Leilach-Spitz  bleibt  auch  dieser  in  der  Tiefe;  nur  Dolomit 
lagert  hier  noch  auf  Fleckenmergeln  und  fällt  mit  steilem  Absturze  auf  deren 
sanftere  Gehänge  ah.  Es  ist  wahrscheinlich  genau  dasselbe  Verhältniss,  wie  es 
das  Profil  XIV  am  Südabhange  des  Hornthaies  darstellt.  Noch  weiter  westlich 
endlich,  am  Luche-Spitz,  Kälbeles-Eck  und  La h ne r Spitz,  geht  die 
Ueberstürzung  allmälig  in  eine  regelmässige  Mulde  über:  Kös- 
sener  Schichten  folgen  dem  Dolomit  und  tragen  ihrerseits  Algäu-Schichten  und 
Jurabildungen,  welche  von  hier  bis  jenseits  des  Thannheimer  Thaies  die  Haupt- 
rolle in  der  Oberflächengestaltung  spielen.  Die  rothen  jurassischen  Hornsteine, 
welche  im  Osten  an  die  Auflagerungslinie  herantreten,  entfernen  sich  mit  dieser 
allmäligen  Aenderung  des  Lagerungsverhältnisses  mehr  und  mehr  von  den 
älteren  Schichten  und  bilden  nach  Herrn  v.  Hauer,  Gümbel  und  v.  Andrian 
einen  Zug  vom  Rothen-Spitz  über  den  Traualpen-See  nach  dem  Wanna-Spitz 
und  von  hier  östlich  über  den  Sitnischroffen  und  den  Pass  Gacht  nach  der 
Hannekamm-Alp,  um  dann  erst  jenseits  des  Thannheimer  Thaies  wieder  aufzu- 
treten. 

Die  Dolomite,  welche  aus  diesem  von  Algäu-  und  Jura-Schichten  gebildeten 
Gebiet  auftauchen,  scheinen  nach  den  Beobachtungen  genannter  Herren  zwei 
Züge  zusammenzusetzen,  welche  ihre  Höhepunkte  im  Gaishorn  und  Bescheis- 
ser  erreichen  und  durch  muldenförmige  Einlagerungen  jüngerer  Liasschichten 
von  einander  getrennt  sind. 

Gegend  nördlich  vonReutte  und  Thannheim  über  Vils  bis  zur 
Flyschgren ze.  — So  wie  wir  südlich  von  Reutte  das  überstürzte  Lagerungs- 
verhältniss  des  Aufbruches  in  seinem  westlichen  Fortstreichen  allmälig  in  ein 
muldenförmiges  übergehen  sahen,  so  findet  dies  auch  im  Norden  Statt.  Während 
aber  dort  der  Dolomit  des  Leilach-Zuges  der  Anfang  einer  breiten  Zone  war, 
aus  welcher  sich  erst  viel  weiter  südlich  allmälig  die  Lagerungsverhältnisse  des 
Hornthaies  entwickeln,  wird  im  Norden  der  Dolomit  bald  von  jüngeren  Schich- 
ten überlagert  und  es  stellen  sich  in  schneller  Folge  einige  kurze  Hebungswellen 
bis  zur  Grenze  der  Flyschzone  ein.  Der  vom  Thannheimer  Thal  durchschnittene 
Dolomitzug  vom  Wanna -Joch  über  den  Einstein  und  Sefer-Spitz  nach 
dem  Musauer  Berg  übernimmt  hier  die  Rolle  des  südlichen  Leilachzuges.  Auch 
diese  Hebungswelle  ist  im  Osten  einseitig  mit  ihrem  nördlich  fallenden  Theil  ent- 
wickelt und  liegt  mit  Zwischenlagerung  der  hochansteigenden  Triasschichten  auf 
den  Juragebilden  von  Wengie.  Bei  Kren  bleiben  die  Triasschichten  in  der  Tiefe, 
der  Dolomit  wölbt  sich  unmittelbar  über  den  Jura  hinweg  und  trägt;  selbst  wieder 


134 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


m 

jüngere  Schichten;  auch  hier  tritt  dann  bald  die  Hebungswelle  reiner  und  i.ormaler 
auf  und  bei  Schattwald  verlässt  sie  Tirol  am  Wanna-Joch  in  gleicher  Ausbildung 
wie  der  Leilachzug  am  Lahner  Spitz  zeigte.  Verfolgen  wir  den  Zug  in  seinen  ein- 
zelnen Theilen,  so  nimmt  wiederum  zunächst  der  Trias  aufbrach  von  Reutte 
besonderes  Interesse  in  Anspruch.  Diese  Formation  gelangt  hier  zu  weit  bedeuten- 
derer Entwickelung  als  im  Süden  gegen  Weissenbach  und  Heiter  wang.  Auf  den 
Juragehilden  von  Wengle  lagern  mit  nördlichem  Fallen  unmittelbar  Vir- 
gloria-Kalke  mit  denselben  Versteinerungen  wie  am  Ehrenbüchel;  sie  bilden 
einen  stetigen  Zug  mit  constanter  Lagerung  bis  jenseits  Nesselwang  und  werden 
begleitet  von  den  Partnachm  ergel  n,  welche  eine  Einsattelung  am  Fusse  der 
mächtigen  Gebirge  von  Hallstätter  Kalk  bilden.  Schafschroffen, 
Metze  na r sch  und  Gern-Spitz  bezeichnen  die  Höhenpunkte,  zu  welchen  diese 
Formation  über  alle  anderen  Gebirge  der  Gegend  ansteigt.  Bei  Ober-Lotze  erreicht 
sie  das  Thal  des  Lechs,  welcher  durch  dieselbe  zu  einein  weiten  östlichen  Bogen 
genöthigt  wird,  und  setzt  jenseits,  wie  es  scheint,  mit  veränderten  Lagerungs- 
verhältnissen, im  Säuling  (6611  Fuss)  und  dem  bayerischen  Hochplatt 
(6371  Fuss)  fort.  Im  Kalke  bei  Ober-Lotze  fand  Herr  v.  Hauer  Chemnitzia  scalata 
und  der  Nalliporu  annul ata  Schaf ft.  ähnliche  Gebilde.  Dem  Hallstätter  Kalk  dieses 
Zuges  ist  sehr  häufig  ocherige  Erde  in  Nestern  eingelagert.  Noch  jetzt  wird  am 
Säuling  Bergbau  darauf  getrieben  und  am  Seebach  nordwestlich  von  Reutte  sieht  man 
unzählige  kleine  ehemalige  Eisengruben  und  allenthalben  Schlacken , welche 
beweisen,  dass  die  Erze  an  Ort  und  Stelle  verschmolzen  wurden.  Aehnliche  Gruben 
und  Schlackenhalden  kennt  Herr  Gümbel  auf  bayerischem  Boden  an  der  Nord- 
seite des  Säuling.  DieRaibler  Schichten  begrenzen  auch  hier  den  Nord- 
abhang des  Gebirges  gegen  den  Dolomit.  Sie  sind  als  Schiefer  und  Sandsteine 
entwickelt  und  führen  am  Pilgersteig  nördlich  vom  Säuling  viel  Rauchwacke. 

Der  Dolomit  des  vorerwähnten  nördlichen  Zuges  vom  Wanna- Joch  nach 
Pinzwang  und  Pflach  am  Lech  tritt  nicht  in  seiner  ganzen  Erstreckung  so  gl«  ich- 
mässig  auf  als  der  südliche  Leilachzug.  Besonders  beachtenswert  für  die  Auf- 
fassung der  Lagerungsverhältnisse  ist  der  bereits  von  Herrn  Escher  von  der 
Linth  !)  beobachtete  und  von  Herrn  Fr.  Ritter  v.  Hauer  in  gleicher  Weise 
aufgefundene  Streif  von  Rauchwacke  und  Sandsteinen  der  Raibler  Schichten, 
welcher  nördlich  von  der  Seferspitze  in  westöstlicher  Richtung  vom  Scebachthal 
nach  den  westlichen  Zweig  des  Kue-Thales  streicht.  Ausserdem  finden  sich  häufige 
Auflagerungen  von  jüngeren  Schichten,  welche  theils  die  beiden  Ränder  begleiten, 
theils  sich  über  den  Rücken  selbst  hinwegwölben.  Es  gehören  hieher  die  Gesteine 
von  Kren,  von  Vils  und  der  Sefer-Spitz,  deren  gegenseitiges  Verhältnis  das 
schöne  von  Herrn  Gümbel  entworfene  Profil  3)  darstellt.  Über  Vils  hinaus 
scheinen  die  in  dem  genannten  Profil  mit  nördlichem  Fallen  eingelagerten  Schich- 
ten als  eine  muldenförmige  Einlagerung  fortzusetzeri,  welche  sich  jenseits  an  den 
Dolomit  des  Zirneberges  anlehnt,  der  westlich  nach  dem  Axele-Kopf,  östlich  nach 
Füssen  fortsetzt. 

Die  Schichtenentwicklung  des  oberen  Lias  weicht  von  den  südlicher  beobach- 
teten Verhältnissen  bedeutend  ab.  Wie  dort,  so  beginnt  er  auch  hier  mit  Kössener 
Schichten,  welche  dem  Dolomit  eonform  auflagern  und  nördlich  von  Schattwald 
zu  bedeutender  Mächtigkeit  gelangen;  sie  treten  bei  der  Pfronten-Alp  und  am 
Wislerberg  in  bedeutender  Erstreckung  als  Decke  des  Dolomitzuges  auf  und 
lassen  diesen  nur  stellenweise,  wie  nördlich  von  Steig,  zu  Tage  treten. 


*)  Vorarlberg.  S.  43  und  48. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Bd.  VII,  S,  31. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


133 


L49] 

An  der  Stelle  von  Megalodus  reichen  Dachstein-  und  Adnether  Kalk  erscheint 
Hierlatzkalk,  mächtige  weisse  Kalke,  welche,  wie  am  Dachstein,  zu  selbst- 
ständigen Berggipfeln  ansteigen;  sie  bilden  die  Höhe  des  Sefer-Spitz  und  sind 
im  Norden  dem  Dolomit  als  ein  stetiger  Zug  von  Ackerstein  über  Vils  und  Nieder- 
Pinzwang  angelagert.  Erst  weiter  westlich,  an  der  Grenze  der  Trias-Lias-  gegen 
die  Flyschzone  hei  Jungholz  fand  Herr  Baron  Andrian  die  typischen  Adnether 
Kalke.  Die  Algäu- S chichten  sind  an  den  Gehängen  des  Thannheimer  Thaies 
allenthalben  sehr  mächtig,  während  sie  bei  Vils  in  nur  unvollkommener  Ent- 
wickelung die  Hierlatzkalke  vom  Jura  trennen.  Die  stratigraphischen  und  geogno- 
stischen  Verhältnisse  der  letzteren  Formation  sollen  im  dritten  Theile  dieser  Ab- 
handlung ausführlicher  beschrieben  werden. 

Gegend  zwischen  dem  Lech-Thal  von  Elbigenalp  bis  Weissenbach,  dem 
Inn-Thale  von  Landeck  bis  Telfs  und  der  Landesgrenze  gegen  Bayern. 

Die  Gebirgswelt  zwischen  dem  oberen  Lechthal  und  der  Grenze  des  Urge- 
birges  verliessen  wir  an  der  östlichen  Wasserscheide  des  Madau-Thales  als  ein 
weites  Dolomitland,  in  welchem  sich  die  vielen  bisherigen  langgedehnten  und 
breiten  Zonen  von  jüngeren  Liasschichten  auf  eine  einzige  schmale,  der  III.  He- 
bungswelle angehörige  reducirt  haben  und  jene  Gebilde  nur  stellenweise  in 
kleinen  isolirten  muldenförmigen  Faltungen  auftreten,  wo  ferner  die  Triasschich- 
ten der  Arlbergstrasse  unter  dem  Alles  überwölbenden  und  bis  an  die  krystal- 
linischen  Schiefer  herantretenden  Dolomit  verschwunden  sind,  um  nur  hier  und 
da  unter  demselben  in  einem  zufälligen  Durchbruch  zum  Vorschein  zu  kommen. 
Eben  so  verliessen  wir  die  nördlich  sich  anschliessende,  vom  Lechthal  durch- 
brochene Gebirgswelt  bei  diesem  Thal  als  ein  einiges  Dolomitgebiet,  das  nur 
durch  eine  einzige  breite  Zone  von  Algäu-  (und  Jura?-)  Schichten,  die  Fort- 
setzung derjenigen  von  Elbigenalp  und  dem  Bernhardsthal,  unterbrochen  wird. 
Eine  Linie,  von  Reutte  über  Elbigenalp  nach  Landeck,  welche  unser  jetzt  zu 
betrachtendes  Gebiet  westlich  begrenzt,  ist  daher  zugleich  eine  bedeutsame 
Scheidelinie  für  den  Gebirgsbau.  Die  Hebungswellen  von  Vorarlberg  und  dem 
obersten  Lechthal  mit  ihrem  einfachen  und  doch  gliederreichen  Schichtenbau 
streichen  bis  hieher  stetig  fort  und  entwickeln  sich  zuletzt  noch  einmal  mit 
besonders  complicirter  Gestalt.  Plötzlich  ist  statt  der  reichgegliederten  Schichten- 
entwickelung nur  ein  einziges  Glied  in  ungemeiner  Mächtigkeit  vorhanden,  um 
allein  die  Hebungswellen  fortzusetzen.  Nur  in  der  III.  und  IV.  der  letzteren 
treten  noch  die  jüngeren  Liasglieder  als  wesentliche  Factoren  auf,  aber  um  eben- 
falls bald  dem  Dolomit  zu  weichen.  Ich  wies  bereits  früher  darauf  hin,  wie  das 
Zurücktreten  dieser  Formation  durch  das  Erscheinen  einer  anderen  gleichsam 
ersetzt  wird,  indem  die  Hallstätter  Kalke,  welche  sich  bereits  bei  Reutte  allmälig 
einschieben,  schnell  eine  ungemein  wichtige  Rolle  erlangen  und  in  ähnlicher 
Weise  mit  Dolomit  wechselnde  Zonen  bilden,  wie  früher  die  Algäu-Schichten ; nur 
gelangen  sie  zu  ungleich  bedeutenderer  Ausdehnung  und  wo  wir  bei  Seefeld  in 
ein  östlicheres  Gebiet  übergehen,  bestehen  die  Kalkalpen  bis  zur  bayerischen 
Grenze  aus  einer  Zone  von  Dachsteindolomit  und  einer  zweiten  von  Hallstätter 
Kalk.  Es  ist  daher  die  Hauptaufgabe  bei  der  Betrachtung  des  gesammten  vorlie- 
genden Gebirgslandes,  die  allmälige  Aenderung  der  Formationen  und  Hebungs- 
wellen in  ihrem  Fortstreichen  zu  verfolgen.  Wir  beginnen  im  Süden  und  Westen 
und  wenden  uns  gegen  Norden  und  Osten. 

Südgrenze  des  Kalkgebirges  zwischen  Landeck  und  Imst.  — 
Den  ausgezeichneten  Triasaufbruch  an  der  Arlberger  Strasse  hatten  wir  früher  bis 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  18§2.  II.  Reit,  18 


136 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


|50] 


auf  die  Berge  zwischen  Flirsch  und  Pi  ans  verfolgt  und  gezeigt,  wie  hier  der 
Dolomit  allmälig  die  Trias  überwölbt.  Dieser  nach  Osten  (Stunde  6)  fortstreichen- 
den Wölbung  entlang  führt  die  Strasse  zwischen  Landeck  und  Imst,  indem  sie  sich 
bald  mehr,  bald  weniger  der  Antiklinallinie  nähert.  In  der  ersten  (Landeck- 
Starkenbach)  und  letzten  (Mi ls-Gurggelsgrün)  Strecke  des  Weges  bleibt 
sie  südlich  von  derselben,  daher  hier  die  überaus  steilen  und  glatten  Wände,  mit 
denen  das  Gebirge  in  das  Thal  abfällt;  sie  werden  durch  die  fast  senkrecht  nach 
Süden  fallenden  Dolomitschichten  des  Gewölbes  gebildet;  daher  jene  stellenweise 
neben  der  Steilwand  aufragenden  schneidigen  Felskeile,  welche  im  Profil  als  hohe 
Obelisken  erscheinen  und  von  denen  einer  die  Burg  Schruffenslein  trägt.  Jenseits 
Mils  fällt  die  Wand  unmittelbar  in  den  See  und  die  Strasse  muss  sich  hoch  an  ihr 
hinaufziehen,  um  auf  den  Schichtenköpfen  hinführen  zu  können.  Nur  zwischen 
Starkenbach  und  Mils  öffnen  sich  die  Wände  und  bringen  die  mächtigen  Gebirge 
des  Senftespitz  zum  Vorschein.  Wilde,  fast  unzugängliche  Thüler,  welche  ein  Meer 
von  Dolomittrümmern  herabführen,  eröffnen  dem  Blick  die  grossartigen  Gebirge  des 
Scheiderückens  gegen  das  Lechgebiet  und  indem  sie  das  genannte  Gewölbe  als 
die  hemmende  Vormauer  durchbrechen,  haben  sie  dasselbe  bis  in  sein  Innerstes 
blossgelegt.  Die  Strasse  tritt  bis  an  dieses  heran.  Mächtige  Massen  von  gelber 
Bauch wacke,  in  Form  von  Obelisken  und  Ruinen  ausgewittert,  bilden  hier  die 
tiefsten  Theile  der  Gehänge  und  geben  sich,  indem  sie  den  Dolomit  unmittelbar 
unterteufen,  deutlich  als  Vertreter  der  Raihler  Schichten  zu  erkennen, 
welche  daher  hier  noch  in  derselben  Weise  ausgebildet  sind,  wie  in  Vorarlberg. 
Gegenüber  dem  Dorfe  Schönwies  sieht  man  die  Rauchwacke  deutlich  einen  Kalk- 
rücken überwölben,  welcher  in  kurzer  Erstreckung  und  in  unvollkommener  Ent- 
blössung  daraus  hervortritt.  Er  besitzt  vollkommen  die  Eigenschaften  der  Arl- 
bergkalke und  es  scheint,  dass  hier  der  östlichste  Punkt  ihres  Auftretens  ist. 
Im  Starkenbach  ist  der  Rauchwackezug  noch  auf  kurze  Erstreckung  entblösst,  es 
folgt  ihm  das  Dolomitgewölbe,  und  auf  der  Höhe  des  Silberspitz  sieht  man 
jüngere  Liasschichten  anstehen,  welche  wir  als  ein  isolirtes  Vorkommen  bereits 
im  Metriolbach  erwähnten.  Ob,  wie  wegen  der  allgemeinen  Streichrichtung 
(Stunde  5)  zu  erwarten  wäre,  oberhalb  Imst  noch  einmal  die  Rauchwacke  unter 
dem  Dolomit  erscheint,  vermochte  ich  nicht  zu  entscheiden. 

Südlich  vom  Inn  steigen  zwischen  Landeck  und  Imst  nicht  unmittelbar  die 
krystallinischen  Schiefer  aus  dem  Thal  auf,  sondern  es  tritt  ein  schmaler  Kalkzug 
dazwischen,  welcher  nördlich  vom  Thal,  südlich  von  einer  von  Zams  nach  der 

Mündung  des  Pizbaches  gezogenen  Linie  be- 
grenzt wird.  Der  Bau  desselben  ist  sehr  einfach, 
indem  hier  nur  eine  nochmalige  Aufbiegung  des 
Triasdolomit-Systems  stattfindet,  welches  nörd- 
lich vom  Inn  gewölbartig  gebogen  ist.  Das  Inn- 
Thal  stellt  daher  eine  Mulde  dar,  und  wie  jen- 
seits das  Einfallen  steil  südlich  (Stunde  11)  war, 
so  ist  es  hier  eben  so  steil  nördlich  (Stunde  23). 
Einige  Modificationen  finden  nur  hinsichtlich  der 
mehr  oder  weniger  vollständigen  Entwickelung 
der  Trias  statt.  Die  Mulde  des  Innthales  wird 
von  Dolomit  gebildet  und  dieser  steigt  längs 
des  Thalrandes  aus  demselben  auf.  Er  wird 
unterteuft  von  Rauchwacke  der  Raibler 
Schichten,  welche  eine  flache  Einsenkung  bildet;  sie  beginnt  bei  Zams,  wo 
sie  unmittelbar  dem  Thonglimmerschiefer  aufzulagern  scheint,  setzt  südlich  von 


Fig.  31. 


S. 


1 Glimmerschiefer.  2 Arlberg-Kalk.  3 Rauch- 
wacke der  Raibler  Schichten.  4 Unterer 
Dachstein-Dolomit. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


137 


[81] 


dem  Schloss  Krön  bürg  fort,  wo  diese  Einbuchtung  besonders  charakteristisch  ist, 
und  scheint  noch  weit  fortzuziehen;  zugleich  schieben  sich  gegen  Osten  wahr- 
scheinlich mehr  und  mehr  die  älteren  Triasglieder  ein,  da  die  vom  montanistischen 
Verein  herausgegebene  Karte  bei  Schönwies  und  Arzl  rothen  Sandstein  angibt. 

Der  T s chürgant,  ein  durch  drei  tiefe  Thaleinsenkungen  vollkommen  isolir- 
tes  Gebirge,  dessen  höchster  Gipfel  zu  7275  Fuss  (Sander  und  W a 1 1 h e r)  ansteigt, 
scheint  durchaus  aus  Dolomit  zu  bestehen  und  eine  Fortsetzung  der  erwähnten 
gewölbartigen  Lagerung  zu  bilden.  Auf  der  Höhe  bemerkte  Herr  Franz  Ritter  v. 
Hauer  hellere  Schichten,  die  vielleicht  einer  jüngeren  Formation  angehören. 

Dolomitgebirge  zwischen  demMadauthalundNassereith. — 
Die  Dolomite  des  Innthales  setzen  mit  mehrfachen,  den  westlichen  Hebungswellen 
entsprechenden  gewölbartigen  Biegungen  gegen  Norden  fort,  bis  sie  in  einer 
westöstlichen  (Stundet),  vom  Buttel  spitz  über  Gramais  und  Boden  nach  der 
Tegesalp  gerichteten  Linie  in  überstürzter  Lagerung  den  Algäu-Schichten  der 
Hebungswelle  III  aufliegen.  Im  westlichen  Theil  ist  die  Auflagerung  unmittelbar, 
im  östlichen  schieben  sich  mächtige  Triasschichten  ein.  Jenseits  Nassereith  setzt 
dieses  Verhältniss  fort  und  die  Trias  gewinnt  dort  in  den  Hallstätter  Kalken  die 
Oberhand  über  den  Dolomit. 

Die  östliche  Dolomitumwallung  des  Thalkessels  von  Madau  bildet  im  Hengst- 
spitz, Landschaftlekopf,  Zwölferkopf  und  Buttelspitz  die  Wasserscheide  gegen 
das  Gramaisthal,  welchem  weiterhin,  durch  Parzinkopf,  Gufelspitz  und  Partsaispitz 
getrennt,  das  complicirtere  T hal System  von  Boden  folgt.  Gramais  und  Boden, 
zwei  armselige  Hochgebirgsdörfer,  liegen  auf  einer  schmalen  Zone  von  Algäu- 
Schichten,  welche  quer  über  beide  Thäler  zieht.  Bei  den  letzten  Häusern  von 
Gramais  beginnt  die  südliche  Dolomitwelt,  in  deren  Oeden  ein  vielverzweigtes 
System  schroffer  Thäler  hinaufreicht.  Eine  kleine  Unterbrechung  der  Steinwüste 
soll  an  dem  See  stattfinden,  welcher  in  dem  Kessel  nördlich  von  der  Gufelspitze 
liegt.  Hier  bricht  rother  Marmor,  welcher  auf  eine  muldenförmige  Einlagerung 
von  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  schliessen  lässt.  In  der 
That  bringt  auch  der  Bach  des  östlich  angrenzenden  Parzinerthales,  welches  bei 
Boden  mündet,  Bruchstücke  aller  jüngeren  Liasgebilde  mit  herab. 

Bei  Boden  werden  die  Verhältnisse  ungleich  mannigfaltiger.  Den  klarsten 
Aufschluss  über  dieselben  gibt  der 

Joch  Übergang  von  Tarenz  über  das  Steinjöchl  Pfaflar  nach 
Boden.  — Man  kommt  hier  der  Reihe  nach  auf  folgende  Formationen : 1.  Dilu- 
vium, welches  das  Gurglthal  weithin  und  bis  zu  beträchtlicher  Höhe  ausfüllt;  eben 
so  mächtig  und  in  gleicher  Beschaffenheit  steht  es  bei  Darmenz,  Obsteig,  Miemin- 
gen  und  im  Luetasch  an.  Es  besteht  fast  ganz  und  gar  aus  Urgebirgsblöcken, 
welche  zum  Theil  eine  bedeutende  Grösse  erreichen.  2.  Dolomit  mit  stets  südli- 
chem Fallen  (Streichen:  Stunde  5 — 5y2).  Er  erscheint  zuerst  in  der  Tiefe  des  Sal- 
vesen-ßaches  und  bildet  bald  die  Gebirge  links  und  rechts,  den  Rauchberg,  Kehr- 
berg, Platteinkopf  und  die  Sparkenkopfe.  Er  hält  beinahe  bis  auf  das  Joch  an.  Kurz 
vor  demselben  erscheinen:  3.  R ai  bl  er  Schichten,  theils  als  gelbe  Rauchwacke 
ausgebildet,  theils  in  Gestalt  mergeliger  Kalke  und  Sandsteine.  Sie  bilden  östlich 
die  Einsattlung  zwischen  Kehreberg  und  Heiterwand,  während  sie  gegen  Westen 
nach  Pfaflar  hinabzuziehen  scheinen,  so  dass  der  Weg  und  Bach  in  ihnen  führen; 
zwar  sind  sie  bis  zu  diesem  Dorf  hinab  verdeckt,  aber  kurz  vor  demselben  beob- 
achtete sie  Herr  v.  Hauer  als  griffelartig  zerfallende  Schiefer,  welche  von  den 
charakteristischen  Sandsteinbänken  begleitet  sind.  4.  Hallstätter  Kalk  keilt 
als  letzter  Ausläufer  der  Heiterwand  bei  Boden  aus.  Herr  Gümbel  beobachtete 
ihn  noch  südwestlich  von  diesem  Ort;  mit  ihm  keilen  sich  auch  die  Raibler  Schich- 


te 


138 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[52] 

ten  aus;  denn  unmittelbar  westlich  vom  Parziner-Bach  ist  von  der  ganzen  Folge 
nur  noch  Dolomit  vorhanden.  5.  Partnachmergel  wurden  von  Herrn  Berg- 
rath v.  Hauer  noch  unmittelbar  vor  Boden  beobachtet.  Alle  Schichten  fallen  süd- 
lich; ihnen  folgen  6.  Algäu-Schichten,  unter  die  Trias  einfallend  und  im  Norden 
auf  Dachsteinkalk  u.  s.  w.  ruhend. 

Ehe  wir  die  mächtige  Entwickelung  dieser  bei  Boden  auf  kleinem  Raum 
zusammengedrängten  Formationen  gegen  Osten  verfolgen,  haben  wir  noch  ein 
sehr  merkwürdiges  Gebilde  zu  betrachten,  welches  wir  als  7.  Gosau-Con- 
glomerat  des  Muttekopfes  bezeichnen.  Man  findet  nämlich  bei  dem  Joch- 
iibergang  schon  oberhalb  Pfaflar,  am  meisten  aber  abwärts  gegen  Boden,  eine 
ungeheure  Menge  grosser  Blöcke  eines  sehr  festen  Conglomerates  von  eckigen 
Bruchstücken  der  Gesteine  aus  allen  Formationen  der  Gegend;  es  geht  über  in 
feine  Sandsteine  und  gelbe  Mergel.  Herr  Gümbel  entdeckte  den  merkwürdigen 
Ursprung  dieser  Blöcke  auf  der  Höhe  des  Muttekopfes,  welcher  8756  Fuss  hoch 
ansteigt.  Das  Gestein  bildet  nicht  nur  die  gesammte  Gipfelmasse  dieses  verzweig- 
ten Gebirges,  Herr  Gümbel  sah  dasselbe  auch  nach  dem  Platteinkopf  und 
gegen  den  Grossen  Hanlis  fortsetzen.  Derselbe  vermuthet  auch,  dass  es  noch 
am  Gufelspitz  auftrete  und  es  könnte  dann  vielleicht  mit  dem  erwähnten  rothen 
Marmor  von  dort  im  Zusammenhänge  stehen.  Welcher  Formation  dies  Conglomerat 
angehört,  lässt  sich  mit  Sicherheit  noch  nicht  entscheiden;  doch  fand  Herr  Güm- 
bel an  anderen  Orten  (Urschelau)  in  demselben  Gestein  Orbituliten  und  nimmt 
daher  auch  das  des  Muttekopfes  als  der  Gosauformation  zugehörig  an. 

Verfolgt  man  das  interessante  Schichtenprofil,  welches  der  Jochübergang 
von  Tarenz  nach  Boden  entblösst,  weiter  gegen  Osten,  so  sieht  man  die  Hall- 
stätter Kalke  schnell  an  Mächtigkeit  ungemein  zunehmen.  Schon  eine  Meile  östlich 
von  Boden  bilden  sie  das  Gebirge  der  Heit  er  wand,  dessen  weisse  Kalkgipfel 
die  Nachbarschaft  weit  überragen;  im  nordwestlichen  Theil  derselben  war  früher 
Bergbau  auf  Zink.  Zwischen  dem  Hallstätter  Kalk  dieses  Gebirgszuges  und  dem 
Dolomit  des  Kehrberges  und  des  Rauchberges  ziehen  die  Raibler  Schichten  nach 
dem  Galzeinthal  *),  das  in  ihnen  eingeschnitten  ist,  während  im  Norden  noch 
einmal  die  Partnachmergel  auftauchen.  Die  Herren  v.  Hauer  und  Gümbel 
fanden  sie  auf  einer  Anhöhe  westlich  von  der  Tegesalp,  wo  das  ganze  System, 
wie  bei  Boden,  auf  Liasfleckenmergeln  ruht.  Oestlich  dagegen  fanden  die  genann- 
ten Herren  am  Tessenbach  noch  eine  Dolomitpartie,  die  sich  zwischen  Hallstätter 
Kalk  und  jüngeren  Lias  einschiebt,  aber  ohne  Zwischenlagerung  von  Raibler 
Schichten. 

Das  Galzei nthal  bei  Nassereith  verdient  noch  einer  besonderen  Erwäh- 
nung. In  demselben  ziehen  südlich  fallende  Raibler  Schichten  herab,  welche  die 
Systeme  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachstein-Dolomit  trennen.  Auf  dem  Wege  von 
Nassereith  trifft  man  anfangs  unter  dem  Dolomit  Rauchwacke  an,  welche  einen 
kleinen  Kopf  vor  dem  Eingänge  in  das  Thal  zusammensetzt.  Ihr  folgen  die  ande- 
ren mergeligen  und  sandigen  Gesteine  der  Raibler  Schichten,  welche  hier  vortreff- 
lich entwickelt  sind,  ohne  indess  eine  Mächtigkeit  von  40 — 50  Fuss  zu  über- 
schreiten. Rein  schiefrige  Varietäten,  kalkige  Schichten  und  Sandsteine,  ins- 
besondere auch  die  weiter  im  Westen  fehlenden  Riesen-Oolithe,  wechseln 
ohne  Ordnung  mit  einander.  Petrefacten  sind  häufig  und  charakteristisch  vor- 
handen. Allein  anstatt  dass  unmittelbar  darunter  die  Hallstätter  Kalke  folgen 
sollten,  fand  Herr  v.  Hauer  einen  Kalkstein,  welcher  die  Dachsteinbivalve 


!)  Auf  den  Generalstabskarten  Gastein-Thal  genannt. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


139 


[83] 


in  zahlreichen,  gut  charakterisirfen  Exemplaren  enthält1).  Derselbe  ist  dünn 
geschichtet,  verwitterte  Flächen  erscheinen  gern  gelb  gefärbt,  der  Bruch  ist 
muschelig,  das  Gestein  springt  sehr  leicht,  beinahe  wie  Glas.  Man  hat  in  dem- 
selben an  vielen  Stellen  kleine  Versuchsbaue  angelegt,  deren  einer  Spuren  von 
Galmei  zeigt. 

Oestlich  von  Nassereith  setzen  die  beschriebenen  Lagerungsverhältnisse  in 
gleicher  Weise  fort. 

Gegend  von  Gramais,  Eimen,  Bschlaps,  Na  mies  bis  Pass 
Fern,  Lermoos  und  Plan-See.  — Wir  wenden  uns  zu  den  letzten  öst- 
lichen Ausläufern  der  regelmässigen  Hebungswellen,  zu  dem  Fortstreichen  der  III. 
und  IV.  des  Profils  XIV.  Die  III.  Hebungswelle  durchzieht  das  Gramais-Thal  fast 
in  seiner  ganzen  Erstreckung  vom  Ausflusse  bei  Unterhöfen  bis  aufwärts  nach 
Gramais.  Die  Schichten  des  Dolomits  fallen  mit  grosser  Regelmässigkeit  nach 
Süden  und  tragen  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Fleckenmergel  in 
nicht  bemerkenswerther  Entwickelung,  denen,  wie  erwähnt,  hei  Gramais 
wiederum  Dolomit  aufgelagert  ist.  DerUebergang  von  Gramais  nach  Boden  führt 
zwischen  diesem  und  dem  nördlichen  Dolomitzuge,  stets  in  der  schmalen  Zone 
der  Algäu-Schichten.  Bei  Boden  ist  die  Breite  der  letzteren  überaus  gering,  wäh- 
rend der  Dolomit  derselben  Hebungsweile  (III)  bis  nach  Bschlaps  reicht  und  eine 
wildromantische  Thalstrecke  mit  engen  und  tiefen  Schluchten  bildet.  Weiter 
gegen  Osten  zieht  er  nach  dem  Wetter-Spitz  und  senkt  sich  tief  hinab  in  das 
Namleser  Thal  und  zum  Namleser  Joch,  von  welchem,  wenn  man  den  Weg  von 
Boden  aus  einschlägt,  noch  einmal  unter  schwierigen  Lagerungsverhältnissen 
Rauehwacke  der  Raibler  Schichten  erscheint.  Jenseits  des  Joches  steigt  der 
Dolomit  zum  Rudeger  Spitz  an,  thalabwärts  zieht  er  sich  weit  an  den  Gehängen 
hinab,  fast  bis  Namles.  Im  Süden  liegen  zwischen  dem  Dolomit  des  Wetter-Spitz 
und  Rudeger  Spitz  und  dem  Hallstätter  Kalk  der  Heiterwand  Fleckenmergel  des 
Lias,  wie  es  scheint  ohne  Vermittelung  von  Kössener  Schichten  und  Dachstein- 
kalk. Erst  östlicher  vom  Kemple-Spitz  gibt  die  Karte  des  montanistischen  Vereines 
rothen  Adnether  Kalk  an.  Die  sanfte  Mulde,  welche  durch  diese  jüngeren 
Schichten  geschaffen  wird,  nimmt  nach  Osten  an  Breite  ab,  während  der  Dolomit 
der  Hebungswelle  sich  mehr  und  mehr  ausdehnt.  In  ihm  liegt  der  Pass  Auf  der 
Fern  und  das  überaus  romantische  Thal  von  Fernstein  mit  dem  malerischen 
Schlosse  Sigmundsberg,  welches  in  der  Tiefe  auf  einer  dunkelbewaldeten  Insel 
im  See  liegt.  Bei  Biberwier  endigt  der  Dolomitzug,  es  treten  östlich  ganz  andere 
Verhältnisse  ein. 

Die  Hebungswelle  IV  ist  bei  weitem  gleichförmiger  entwickelt  und  ver- 
läugnet  nirgends  den  ausgezeichneten  Schichtenbau,  der  ihr  im  Bernhardsthal 
eigen  ist.  Von  ihrem  Dolomit  ist  nichts  zu  sagen,  als  dass  er  sich  mit  nörd- 
licheren Dolomiten  verbindet  und  bis  zum  Triasaufbruch  von  Reutte  fortsetzt.  In 
ihm  liegt  das  Namleser  Thal  von  Namles  abwärts  und  das  Rothlechthal 
unterhalb  Berwang.  Er  bildet  das  Schwarze  Hanse-Kar,  den  Neualp-Spitz,  Tha- 
neller  Berg,  Axl-Joch  u.  s.  w.  und  zieht  über  Heiter wang  nach  dem  Plan- 
See  fort,  in  dessen  Umgebung  er  seine  grösste  Ausdehnung  erreicht.  Das 
gesammte  waldreiche  Jagdgebiet  ist  fast  ausschliesslich  auf  Dolomit  gelegen. 
Blattberg,  Brent-Joch,  Tauernberg,  Altenberg,  Ammerwald,  Geyer-Kopf  u.  s.  w. 
bezeichnen  die  hauptsächlichsten  Höhenpunkte  desselben. 


4) 


Nach  Herrn  Gümbel’s  neuesten  Untersuchungen  ist  es  eine  von  Meg.  triqueter  verschie- 
dene Art,  die  derselbe  Meg.  columbella  G.  nennt. 


140 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[84] 

Die  jü ngeren  Lias glied er  setzen  zwischen  Griesau  und  Eimen  auf 
das  östliche  Lechufer;  im  Norden  sind  sie  dem  Dolomit  aufgelagert,  im  Süden 
fallen  sie  unter  den  der  folgenden  Hebungswelle  ein.  Ihre  Gliederung  lässt  sieh 
am  besten  von  Eimen  gegen  den  Kessel-Spitz  verfolgen.  Auch  hier  hat  Herr 
Es  eher  sie  mit  bewundernswürdiger  Genauigkeit  beschrieben1);  doch  liess 
sich  dies  nur  für  die  unterste  Abtheilung  ausführen;  die  Algäu-Schichten  sind, 
wie  überall,  vielfach  gefaltet.  Auf  der  Höhe  des  Kessel-Spitz  werden  sie  von  jün- 
geren jurassischen  Schichten  überlagert,  welche  auch  hier  durch  rothe  Horn- 
steine charakterisirt  sind.  Weiterhin  bilden  diese  Formationen  die  Gipfelmassen 
und  südlichen  Gehänge  vom  Pleure-Kopf  und  Tauber-Spitz,  ferner  den  Kreuz- 
Spitz,  die  Nordgehänge  des  Kessel-Spitz  und  ziehen  mit  stets  südlichem  Fallen 
über  das  Namleser  Thal  hinweg.  Na  mies  selbst  liegt  auf  Kössener  Schichten. 
Gegen  Osten  scheint  das  Lagerungsverhältniss  allmälig  in  ein  muldenförmiges 
überzugehen.  Der  Zug  nimmt  hier  zwischen  dem  Kalten  Joch  und  Schlire-Kopf, 
so  wie  zwischen  Berwang  und  dem  Rothen  Stein  eine  bedeutende  Breite  ein  und 
es  erscheinen  hier  an  der  nördlichen  wie  an  der  südlichen  Dolomitgrenze  zuerst 
Kössener  Schichten  in  aussergewöhnlich  mächtiger  Entwickelung,  Dachsteinkalk 
und  Liasfleckenmergel,  wogegen  die  Adnether  Kalke  zurückzutreten  scheinen. 
Die  nördlichen  Kössener  Schichten  kommen  bei  Büchelbach  in  das  Thal  hinab, 
die  südlichen  bei  Lermoos.  Statt  aber  jenseits  in  gleicher  Weise  fortzusetzen, 
theilt  sich  hier  die  gesammte  Zone  mehrfach.  Ein  Zug  von  Kössener  Schichten, 
welcher  durch  die  grosse  Zahl  seiner  Versteinerungen  ausgezeichnet  ist,  zieht 
beiderseits  von  Dolomit  begrenzt  über  das  Heberthal-Joch  nach  dem  Vereini- 
gungspunkte des  Naderbaehes  mit  der  Loisach.  Ein  zweiter  Zug  erfüllt  das  breite 
Thal  von  Lahn  bis  Lermoos  bis  zu  den  steilen  Dolomitgebängen;  er  wird  von 
der  vollständigen  Folge  der  jüngeren  Liasschichten  gebildet;  bei  Lähn  steht  eine 
sehr  bedeutende  Masse  von  Adnether  Kalk  an.  Bei  Lermoos  zweigt  sich  von  der 
nach  Osten  hinübersetzenden  Zone  abermals  ein  schmaler  Zug  Kössener 
Schichten  ab,  der  zwischen  Dolomiten  nach  dem  Eibsee  fortzieht. 

Gegend  zwischen  Nassereith,  Lermoos,  Eibsee  und  dem 
Thale  Luetasch.  — Der  gesammte  nördliche  Theil  unseres  Trias-Lias- 
Gebietes  wendet  sich  in  seinem  östlichen  Fortstreichen  auf  bayerisches  Terrain, 
daher  wir  nur  die  südlichen  Zonen  zwischen  Nassereith  und  Lermoos  weiter  zu 
verfolgen  haben.  Wir  verliessen  dieselben  in  dem  Durchschnitte,  welchen  die 
beiden  vom  Pass  Fern  herabkommenden  Thäler  bilden,  mit  ziemlich  einfachen 
Verhältnissen:  Ein  Dolomitgewölbe  (zwischen  Lermoos  und  Sigmundsberg)  trägt 
im  Norden  und  Süden  jüngere  Schichten;  die  nördlichen  sind  muldenförmig 
gelagert,  die  südlichen  fallen  nach  Süden  unter  ein  mächtiges  Triassystem,  das 
wesentlich  aus  Hallstätter  Kalk  besteht  und  von  Dachsteindolomit  überlagert  wird. 
Die  ganze  letztere  Folge  fällt  südlich. 

Dieses  einfache  Verhältniss  ändert  sich  nach  Osten  bedeutend.  Das  südliche 
Triassystem  wölbt  sich  in  schneller  Zunahme  weiter  über  den  Dolomit,  die  nörd- 
lichen jüngeren  Liasschichten  von  Lermoos  hingegen  kommen  weiter  nach  Süden 
und  so  kommt  es,  dass  das  breite  Dolomitgewölbe  zwischen  beiden  bald  ver- 
schwindet und  der  Hallstätter  Kalk  unmittelbar  an  die  jüngeren  Schichten  heran- 
tritt. Jener  gewinnt  daher  ungeheuer  an  Ausdehnung  und  trägt  erst  im  Osten 
einen  schmalen  aufgeiagerten  Zug  von  Dolomit.  Dazu  kommt,  dass  im  Norden 
ein  zweiter  westöstlicher  Zug  von  Hallstätter  Kalk  auftritt,  welcher  halb  dem 
bayerischen,  halb  dem  tirolischen  Gebiete  angehört;  es  ist  der  Zug  der  Zug- 


0 Vorarlberg.  Beilage  3.  Seite  70. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


141 


[SS] 


Spitze,  der  später  ungemein  wichtig  im  Gebirgsbau  wird,  während  der  südliche 
Zug  im  Osten  bald  unter  Dolomit  verschwindet. 

Der  südliche  Zug  der  Hallstätter  Kalke  erreicht  seine  Höhenpunkte  im  Wan- 
neck (7868  Fuss  San  der  und  Walther),  Grünstein  (8677Fuss  S.  und  W.), 
MiemingerBerg  und  HohenMundi  und  bildet  mit  seinen  schroffen  weiss  leuch- 
tenden Abstürzen  eine  überaus  imposante  Kette.  Steigt  man  von  Süden  nach  einer 
der  Einsattelungen  hinan,  so  gelangt  man  über  steil  südlich  fallenden  Dolomit  und 
eine  Zone  von  Raibler  Schichten , welche  von  Nassereith  bis  zum  Kochenthal 
am  Südabhange  bleibt,  in  den  Hallstätter  Kalk,  welcher  die  südliche  Fallrichtung 
beibehält.  Herr  Fr.  R.  v.  Hauer  stieg  am  Strangbache,  in  der  Strassberger 
Klamm,  der  Erzberger  Klamm  und  dem  Kochenthal  nach  den  Abhängen  hinauf 
und  fand  allenthalben  dasselbe  Verhältniss.  DieRaibler  Schichten  sind  reich  an  Ver- 
steinerungen und  mit  Rauchwacke  verbunden.  Der  Nordabhang  ist  am  Wan  neck 
noch  genau  eben  so  wie  an  der  Heiterwand  und  im  Tessenbaehe.  Auch  hier  fällt 
unter  den  Hallstätter  Kalk  zunächst  Dolomit  ein  ohne  Zwischenlagerung  von 
Raibler  Schichten;  darunter  folgen  Lias-Fleckenmergel  und  der  Dolomit  von 
Fernstein.  Erst  mit  dem  tiefen  steilwandigen  Thale,  das  vom  Grünstein  nach 
Nordwest  hinabzieht,  wird  das  Verhältniss  ein  anderes,  indem  der  Hallstätter 
Kalk  gegen  Norden,  die  jüngeren  Schichten  von  Lermoos  gegen  Süden  vor- 
geschoben sind  und  an  einander  treten.  Ehe  wir  uns  zu  diesen  jüngeren  Schich- 
ten wenden,  betrachten  wir  den  nördlichen  Zug  von  Hallstätter  Kalk. 

Südlich  von  Garmisch,  Partenkirchen  und  Mittenwald  in  Bayern  erhebt  sich 
eine  der  grossartigsten  Bergketten  der  nördlichen  Kalkalpen.  Sie  wird  vom  Isar- 
thal in  das  westliche  Wetterstein-  und  das  östliche  Karbendel-Gebirge 
getheilt  und  besteht  fast  ausschliesslich  aus  Hallstätter  Kalk.  Die  Zug- 
Spitze  (9326  Fuss),  der  Wet terschro ffe n (9064  Fuss),  Kothbaeh- 
Spitz  (8126  Fuss),  Scharnitz-Spitz  (8463  Fuss),  Drei  Thörl-Spitz 
(8199  Fuss),  Karl-Spitz  (7763  Fuss),  Wetterstein  (7832  Fuss)  bezeich- 
nen die  Höhenpunkte  westlich  der  Isar,  das  Karbendel-Gebirge  erreicht  seine 
bedeutendste  Erhebung  im  Karbendel-Spitz  (7974  Fuss).  Ueber  den  Kamm 
des  Gebirges  und  alle  genannten  Höhen  verläuft  die  bayerische  Grenze,  so  dass  der 
Südabfall  ganz  und  gar  nach  Tirol  gehört.  Oestlich  vom  Karbendel-Spitz  liegt 
das  Gebirge  nur  noch  auf  tirolischem  Gebiet  und  lässt  sich  bis  gegen  Jenbach 
im  Innthal  verfolgen.  Besondere  Wichtigkeit  erhält  der  Zug  von  Hallstätter  Kalk 
dadurch,  dass  es  sich  am  Karl-Spitz  gabelt  und  dem  Karbendel-Gebirge  parallel 
ein  zweites,  ungleich  mächtigeres  und  selbstständigeres  Gebirge  entsendet.  Es 
bildet  die  Wasserscheide  zwischen  den  Thälern  Hinterriss  und  Hinterau  und  er- 
reicht das  Innthal  bei  Stans.  — Das  Streichen  der  Schichten  wie  der  Gebirgs- 
züge ist  meist  Stunde  7,  das  Fallen  ist  im  Allgemeinen  nach  Süden  gerichtet. 

Die  Zug-Spitze  mit  dem  Plattacher  Ferner  bildet  den  westlichsten 
Grenzpfeiler  des  mächtigen  Gebirgszuges  und  erregt  durch  ihre  imposante  Mas- 
senhaftigkeit  ein  um  so  höheres  Interesse,  als  sie  so  plötzlich  aus  dem  umgeben- 
den Gebirge  aufsteigt.  Nähert  man  sich  der  Zug-Spitze  von  Norden  oder  Westen, 
so  sieht  man  unter  den  überaus  steilen,  mehrere  tausend  Fuss  hohen  Wänden  des 
Hallstätter  Kalkes  eine  Zone  von  älteren  Gesteinen  den  Fuss  des  Massivs  bilden. 
Es  sind  dies  echte  Guttensteiner  Kalke  der  unteren  Trias  und  über  ihnen 
Pa rtn ach m ergeh  Unzweifelhaft  sind  auch  die  Virgloria-Kalke  zwischen  beiden 
vorhanden.  Die  ersten  Guttensteiner  Kalke  beobachtete  Herr  v.  Hauer  an  den 
Wänden  über  der  Ehrwalder  Alpe,  sie  ziehen  im  westlichen  Bogen  als  breite 
Zone  um  das  Gebirge  herum  bis  an  die  Abhänge  bei  Partenkirchen.  Die  Part- 
nachmergel  hat  Gümbel  hier  entdeckt  und  lehrte  die  Partnach-Klamm  als  ihren 


142 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[56] 

wichtigsten  Fundort  kennen,  wo  sie  zu  sehr  bedeutender  Mächtigkeit  an  wachsen. 
Der  Hallstätter  Kalk  erreicht  ebenfalls  eine  Mächtigkeit,  welche  wohl  3 — 4000  Fuss 
betragen  mag.  Herr  Conservator  Schafhäutl  wies  ihn  noch  auf  dem  höchsten 
Gipfel  der  Zug-Spitze  nach,  von  dem  jene  äusserst  charakteristischen  organischen 
Gebilde  stammen,  welche  er  als  Nullipora  annulata  bezeichnete;  sie  blieben 
überall  einer  der  sichersten  Anhaltspunkte  für  die  Erkennung  des  Hallstätter 
Kalkes,  wiewohl  der  stets  deutlich  ausgeprägte  petrographische  Charakter  ein 
solches  Merkmal  überflüssig  macht. 

Dieses  vortrefflich  entwickelte  Triassystem  der  Zug-Spitze  ruht  im  Norden 
und  Westen  auf  Dolomit,  während  es  im  Süden  in  eine  aus  Hallstätter  Kalk  gebil- 
dete Mulde  übergeht,  in  welcher  sich  Jura-  und  Kreide-Gebilde  abgelagert 
haben.  Diese  letztere  Mulde  scheint  von  überaus  grosser  Wichtigkeit  für  die 
Geschichte  der  Hebungen  des  Landes.  Sie  beginnt  bei  Biberwier  und  Ehrwald, 
wo  Jura  überaus  entwickelt  auftritt,  zieht  im  Gaisachthale  aufwärts,  bei  der  Pest- 
capelle und  unter  den  Rothmooswänden  nach  dem  Paitenthale;  wo  dieses  in  das 
Luetasch  mündet,  scheint  die  Einlagerung  zu  Ende  zu  sein.  Herr  Bergrath 
v.  Hauer  hat  die  muldenförmige  Einklemmung  der  Schichten  zwischen  die  Hall- 
stätter Kalke  deutlich  beobachtet,  insbesondere  zwischen  Scharnitz-Spitz  und 
Gehren-Berg.  Die  jurassischen  Glieder  treten  mit  denselben  petrog  raphischen 
Eigenschaften  wie  bei  Elbigenalp  und  Reutte  auf}  über  ihnen  liegen  lichtgraue 
fleckige  Mergel,  welche  sich  durch  Aptychus  Didayi  als  vom  Alter  der  Ross- 
felder Schichten  erweisen. 

Die  grosse,  muldenförmig  gelagerte  Masse  von  Hallstätter  Kalk  zwischen 
Zug-Spitz  und  Luetasch  steht  mit  dem  mächtigen  südlicheren  Zug  des  Hoch-Mundi 
nur  in  der  Gegend  der  Pestcapelle  am  Uebergange  von  Loisach  nach  dem  Isar- 
gebiete in  Zusammenhang.  Zwischen  beiden  und  ihrem  Streichen  parallel  ist  die 
tiefe  Einsenkung  des  Gaisthales,  welche  vom  Achen-Bach  durchflossen  wird.  Die 
Wände  dieser  Einsenkung  bestehen  aus  Dolomit,  der  in  schwer  zu  erklärendem 
Verhältnisse  zu  den  Hallstätter  Kalken  der  höheren  Gehänge  steht.  Doch  scheint 
es,  dass  die  Schichten  des  Hoch-Mundi  nach  Nord,  Ost  und  Süd  steil  unter  den 
Dolomit  und  mit  Vermittelung  der  Raibler  Schichten  einfallen. 

Die  von  Telfs  gegen  Nordost  gerichtete  Einsenkung  des  Luetasch- 
Thales  schliesst  den  südlichen  Zug  von  Hallstätter  Kalk  gegen  Ost  ab,  Dolomit 
überwölbt  ihn  und  behauptet  weiterhin  allein  den  Platz.  Das  Thal  ist  sehr  breit 
und  voll  Gerolle.  Die  Dolomite  und  Kalke  der  benachbarten  Gebirge  liefern  dazu 
fortwährend  unendliche  Massen  von  Material.  Ausserdem  sind  Urgebirgsblöcke 
in  grosser  Menge  zerstreut  und  aus  dem  Gaisthale  werden  sehr  zahlreiche  Bruch- 
stücke der  Jura-  und  Neocomien-Schichten  herabgeführt.  Dem  sehr  breiten 
Dolomit  folgt  im  Norden  Hallstätter  Kalk,  dessen  Zone  um  so  breiter  ist,  als  hier 
schon  die  Theilung  des  Wettersteinzuges  begonnen  hat,  beide  Gebirgszuge  aber 
noch  nicht  durch  eine  tiefere  Einsenkung  oder  durch  jüngere  Schichten  getrennt 
sind.  So  kommt  es,  dass  wir  östlich  vom  Lue tasch- Thal e nur 
noch  Eine  Dachstein-Dolomit-  und  Eine  Hallstätter - Kalk-Zone 
habe  n. 

Se  efeld. 

Seefeld  liegt  in  einem  ausgetrockneten  Seebecken  mitten  in  der  eben 
erwähnten  Dachstein-Dolomit-Zone,  welche  zwischen  Leibelfingen  und  Schar- 
nitz eine  Breite  von  mehr  als  anderthalb  Meilen  hat.  Die  plattigen  Kalke  mit 
Fischresten,  so  wie  die  bedeutende  Asphaltgewinnung  machten  den  Ort  schon 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


143 


[S7] 


früh  bekannt  und  haben  eine  ansehnliche  Literatur  über  ihn  hervorgerufen  *)• 
Man  hat  den  fischführenden  Schichten  eine  sehr  verschiedene  Stellung  ange- 
wiesen, je  nachdem  man  von  rein  petrographischem  Gesichtspunkte  das  Gestein 
verschiedenen  Formationen  einreihte  oder  die  Schlüsse  auf  paläontologische 
Untersuchungen  baute.  Dass  das  fischführende  Gestein  den  dunklen  Dolomiten 
eingelagert  sei,  wurde  mehrfach  erkannt  und  insbesondere  auch  von  Pich  ler  2) 
hervorgehoben.  Ich  wies  bereits  mehrfach  darauf  hin,  wie  die  dünnplattigen  und 
schiefrigen,  asphaltreichen  dolomitischen  Kalke  nicht  auf  Seefeld  beschränkt 
seien,  sondern  im  Westen  noch  häufig  Vorkommen.  Herr  Bergrath  v.  Hauer  fand 
sie  bei  Leibelfingen  am  Inn,  ferner  oberhalb  Aschbach  am  Südabhange  des 
Wa  n n e c k und  am  B i r g s e e in  der  Nähe  des  Passes  Auf  der  Fer  n , wo  zugleich 
grosse  Drusen  von  Bitterspathkrystallen  das  Gestein  durchsetzen.  Ich  fand  sie 
sehr  ausgezeichnet  und  mächtig  am  Wege  von  Reutte  nach  dem  Plan- See, 
wo  bei  warmem  Wetter  Asphalt  aus  den  Schichten  ausfliesst,  und  an  der  früher 
beschriebenen  Stelle  zwischen  Stög  und  Ellebogen  im  Lechthale,  wo  man 
auch  einen  fossilen  Fisch  gefunden  haben  soll.  An  allen  diesen  Orten  bildet  das 
Gestein  in  gleicher  Weise  Zwischenschichten  im  Dolomit  und  seitdem  es  gelun- 
gen ist,  das  Alter  des  letzteren  durch  den  Fund  des  Megcilodon  triqueter  als 
unterliassisch  nachzuweisen,  darf  die  stratigrajlhische  Stellung  der  Fischschiefer 
von  Seefeld  als  sicher  gelten.  Es  ist  bekannt,  dass  Heckei  den  allgemeinen 
Charakter  der  Fische  als  dem  Lias  entsprechend  betrachtete,  während  Agassiz 
sie  der  Trias  näher  glaubte.  Kann  man  auch  jetzt  die  Ansicht  von  He  ekel  als 
die  der  geognostischen  Stellung  entsprechendere  bezeichnen,  so  gibt  doch  die 
Geschichte  von  der  verschiedenen  Ansicht  zweier  so  vorzüglichen  Ichthyologen 
ein  deutliches  Zeugniss  mehr  zu  den  vielen  schon  vorhandenen  von  dem  überaus 
langsamen  und  alimäligen  Uebergang  der  Trias-  in  die  Lias-Formation  in  den 
Alpen. 


O Ueber  die  Special-Literatur  theilte  mir  Herr  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  gütigst 

folgende  Notizen  mit: 

Müller:  Beschreibung  der  in  Tirol  üblichen  Art  das  Steinöl  zu  bereiten.  Abhandlun- 
gen einer  Privatgesellschaft  in  Böhmen.  V,  Seite  333.  1782. 

Flurl:  Notizen  über  das  Vorkommen  des  Brandschiefers  und  die  Benützung  desselben 
zur  Gewinnung  von  Steinöl  zu  Seefeld.  — Moll’s  Jahrbuch.  III,  Seite  196 — 203. 
1813.  — Zeitschrift  des  Ferdinandeums.  V,  Seite  282. 

Murchison:  Ueber  die  bituminösen  Schiefer  und  fossilen  Fische  von  Seefeld.  Phil. 
Mag.  and  Ann.  of  Philos.  New  Ser.  Vol.  V,  Nr.  31 , Juli  1829,  Seite  19.  — 
v.  Leonh.  und  Bronn’s  Jahrbuch.  ^830,  Seite  123. 

Boue:  Ueber  Coprolithen  von  Seefeld.  Journ.de  Geologie.  1 p.  107. 

Münster:  Fische  und  Caulerpit  von  Seefeld.  v.  Leonh.  und  Bronn’s  Jahrbuch.  1836. 
Seite  381. 

Russegger:  Ueber  den  Asphalt  und  sein  Vorkommen  zu  Seefeld  in  Tirol.  — Bericht 
über  die  VII.  Generalversammlung  des  geogn.-mont.  Vereins  für  Tirol  und  Vor- 
arlberg. Seite  23 — 46. 

Hecke!:  Fische  von  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1830, 
I,  Seite  696. 

Foetterle:  Asphaltproduction  von  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. VII,  196. 

Kraynag:  Analyse  von  Asphaltgesteinen  aus  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt.  VII,  Seite  372. 

Ausserdem  wird  in  fast  allen  geognostischen  Beschreibungen  der  nordtirolischen  und 

südbayerischen  Alpen  der  Fischschiefer  von  Seefeld  Erwähnung  gethan. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  VII,  Seite  372. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  1?.  Band,  1S61  und  1S62.  II.  Heft,  19 


144 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[58] 


IV.  ftebirge  zwischen  Seefeld  und  den  Berchtesgadner  und  Salzburger  Alpen. 

Der  östliche  Theil  unseres  Trias-Lias-Gebietes  ist  ausgezeichnet  durch  das 
Vorwalten  des  Hallstätter  Kalkes  im  Gebirgsbau,  das  mächtige  Auftreten  des 
Guttensteiner  Kalkes,  durch  den  Versteinerungsreichthum  der  Raibler  und  Kös- 
sener  Schichten,  die  bedeutende  Abnahme  der  Liastleckenmergel  und  das  Zuneh- 
men local  aufgelagerter  Jura-  und  Neocomien-Gebilde,  endlich  durch  die  viel- 
fachen Ablagerungen  jüngerer  Schichten  in  tiefen  Buchten,  ln  der  Anordnung 
walten  zwar  immer  noch  die  früheren  Hebungswellen  mit  bewundernswürdiger 
Regelmässigkeit  vor;  doch  finden  häufiger  Unterbrechungen  und  Störungen  statt. 

Herr  Professor  Pichler  hat  vor  kurzer  Zeit  die  Resultate  seiner  überaus 
genauen  und  sorgfältigen  Untersuchungen  des  in  Rede  stehenden  Gebietes  mit- 
getheilt,  und  als  die  neuesten  Beobachtungen  eine  Aenderung  seiner  Deutungen 
nothwendig  machten,  das  ganze  Gebiet  während  unserer  Anwesenheit  einer 
genauen  Revision  unterworfen.  Die  Art  und  Weise  der  Vereinbarung  der  früher 
aufgestellten  mit  der  später  als  richtig  erkannten  Schichtenfolge  theilte  derselbe 
später  in  einem  besonderen  Nachtrage  mit,  so  dass  die  Arbeit  an  ihrem  grossen 
Werthe  und  ihrer  Brauchbarkeit  dadurch  nichts  verloren  hat.  Ich  verweise  daher 
auf  diese  Abhandlung  und  beschränke  mich  hier  darauf,  neben  der  allgemeinen 
Darstellung  der  Verhältnisse  manche  neue  Beobachtungen  nachzutragen;  sie 
betreffen  besonders  das  Gebiet  der  Riss  und  die  Gegenden  von  Brixlegg  und  Kuf- 
stein.— Herrn  Pic  h 1 er’s  Abhandlung  erstreckt  sich  überdas  gesammte  Gebiet  von 
Seefeld  bis  Kufstein.  Ueber  das  Kaisergebirge  gedenkt  derselbe  demnächst  seine 
Beobachtungen  zu  veröffentlichen  und  über  die  weiteren  Theile  gegen  Bayern  und 
das  Salzkammergut  liegen  die  werthvollsten  Arbeiten  von  Emm  rieh  vor,  so  dass 
wir  auch  hier  uns  darauf  beschränken  werden,  das  Neue  anzuführen  und  das 
schon  Bekannte  möglichst  übersichtlich  in  den  Rahmen  der  neuen  Anschauungen 
und  Resultate  zu  bringen. 

Gebirge  zwischen  Innsbruck  und  der  Riss. 

Der  südlichere  Zweig  des  Wette rsteingehirges  verläuft  vom  Schar- 
nitz-Spitz  mit  einem  Streichen  nach  Stunde  7 J/2  als  Wasserscheide  zwischen 
Hinterau-  und  Riss-Thal,  später  zwischen  Vomper-  und  Stallen-Thal  nach  Vomp 
im  Innthale,  eine  mächtige  Gebirgskette,  welche  nur  aus  Hallstätter  Kalk 
gebildet  und  im  Westen  vom  Isar-  und  Karbendel-Thale  in  ihrem  stetigen  Verlauf 
unterbrochen  wird.  Sie  bildet  eine  natürliche  Grenzscheide  für  den  Gebirgsbau 
der  Gegend  von  Innsbruck  und  Scharnitz,  indem  an  ihrem  steilen  Nordabfalle  die 
Hallstätter  und  Guttensteiner  Kalke  mit  senkrechtem  Abbruche  auf  jüngere  Schich- 
ten aufgeschoben  sind,  während  im  Süden  ein  System  sehr  eigenthümlich  ange- 
ordneter gewölbartiger  Aufbiegungen  folgt.  Die  letzteren  sind  sämmtlich  von 
Hallstätter  Kalk  gebildet  und  erheben  sich  zu  mächtigen  Gebirgsketten,  welche 
gegen  Osten  unter  sehr  spitzen  Winkeln  convergiren  und  sich  zu  einer  einzigen 
Gebirgswelt  von  Hallstätter  Kalk  vereinigen.  Gegen  Westen  nehmen  die  Berg- 
ketten allmälig  Mulden  von  Dolomit  zwischen  sich  auf  und  verschwinden  nach 
und  nach  unter  diesem;  endlich  herrscht  dieser  allein  und  bildet  das  Dolomit- 
gebirge von  Seefeld,  so  dass  bei  der  kartographischen  Darstellung  dieses  und  die 
östlichen  Hallstätter  Kalkgebirge  fingerförmig  in  einander  eingreifen  und  die 
versteinerungsreichen  Raibler  Schichten,  welche  an  der  Grenze  nirgends  zu  fehlen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


148 


[89] 


scheinen,  in  zickzackförmigem  Verlaufe  die  westlichen  Ausläufer  der  Hallstätter 
Kalkgebirge  umziehen.  Nördlich  vom  Scharnitz  spitz- Vomper  joch- Z uge 
ist  von  dieser  Anordnung  keine  Spur  mehr  vorhanden. 

Verfolgt  man  die  einzelnen  Aufbiegungen  näher,  so  findet  die  erste  Gabelung 
des  östlichen  Gewölbes  gegen  Westen  in  der  Gegend  des  Vomper  Joches 
statt,  wo  (1.)  der  Hauptzug  nordwestlich  (Stunde  lö1/^)  gegen  den  Schar- 
nitz-Spitz, ein  secundärer  Zug  (2.)  westlich  (Stunde  18y2)  überden 
Speck kor-Spitz,  Lavatscher  Spitz,  das  Gleir sch- Joch  nach  dem 
Hoc  h-G  1 e i r s c h verläuft.  In  der  langgezogenen  schmalen  Dolomitmulde  zwischen 
beiden,  welche  bis  östlich  vom  Haller  Anger  reicht,  ist  das  Hinterau-  und 
Lavatsch-Thal  und  das  Lavatsch-Joch  eingesenkt.  Vom  zweiten  Zuge 
zweigt  sich  am  Lavatscher  Spitz  ein  dritter  ab,  welcher,  durch  das  Stemper 
Joch  getrennt,  mit  westlichem  Streichen  (Stunde  17)  über  die  Frau  Hütt  nach 
dem  Grossen  Solstein  fortsetzt  und  mit  jenem  das  erst  unterhalb  des  Jäger- 
hauses dolomitische  Gleirschthal  einschliesst.  Auch  dieses  Gewölbe  spaltet  sich 
noch  einmal  in  zwei.  Der  Hallstätter  Kalk  des  südlicheren  bildet  die  Martins- 
wan d. 

Alle  diese  Bergketten  sind  in  ihrem  westlichen  Theile  als  einfache  regel- 
mässige Gewölbe  ausgebildet,  während  sie  im  Osten,  wo  sie  in  einander  übergehen 
und  gegen  das  Innthal  abfallen,  einen  etwas  verwickelteren  Bau  zeigen,  der  oft 
noch  durch  ungeheure  Diluvialanhäufungen  unkenntlich  gemacht  wird.  Ich  gehe 
daher  zunächst  zur  Darstellung  des  Abfalles  der  Gebirge  gegen  das  Innthal  von 
der  Martinswand  bis  Schwaz  über.  Ueberall  erreicht  man  bald  den  Hallstätter 
Kalk,  und  da  mit  ihm  stets  geregeltere  Verhältnisse  eintreten,  so  brauchen  wir 
allenthalben  nur  bis  zu  ihm  aufzusteigen. 

Abhang  zwischen  der  Martinswand  und  dem  Thau rer  Joch  am 
Haller  Salzberge.  — Bei  Innsbruck  sind  alle  Gehänge  bis  hoch  hinauf  mitDilu- 
vialconglomerat  bedeckt,  daher  die  Aufschlüsse  in  den  unteren  Theilen  selten  und 
fast  nur  in  tiefen  Rissen,  wie  in  dem  durch  Herrn  Pichler  bekannt  gewordenen 
Höttinger  Graben,  oder  an  steileren  Abstürzen,  wie  in  den  Umgebungen  der 
Martins  wand.  Besonders  klar  sollen  die  Verhältnisse  am  Thaurer  Joch  sein. 
Diese  drei  Punkte  genügen,  um  den  sehr  ausgezeichneten  Gebirgsbau  am  Gehänge 
aufzuklären.  Das  Thaurer  Joch  ist  eine  nach  Stundet  streichende  Einsatte- 
lung zwischen  zwei  Gebirgen  von  Hallstätter  Kalk.  In  ihrer  Tiefe  stehen  Werfe ner 
Schichten  und  zu  den  beiden  Seiten  derselben  Virgloria-Kalk  an,  so  dass  sie  sich 
mit  grosser  Klarheit  als  ein  gewölbartiger  Aufbruch  erweist.  Die  Schichtenfolge 
ist  nach  beiden  Seiten  normal  und  fällt  steil  ein;  wahrscheinlich  werden  auch 
die  Partnachmergel  unter  dem  Hallstätter  Kalk  nicht  fehlen.  Nördlich  gelangt 
man  in  den  Hallstätter  Kalk  des  dritten  unserer  vorgenannten  Züge;  südlich  ist 
die  Formation  wenig  entwickelt;  es  folgen  ihr  mächtige  Baibier  Schichten  und 
oberhalb  Thaur  taucht  noch  nach  Herrn  Pichl er’s  Beobachtung  Dolomit  in 
geringer  Entblössung  unter  dem  Diluvium  auf.  Es  kann  daher  hier  nur  eine  ein- 
zige gewölbartige  Aufbiegung  der  älteren  Schichten  vorhanden  sein.  Ein  west- 
licheres locales  Zutagetreten  von  rothem  Sandstein,  knolligem  Virgloria-Kalk  und 
Rauchwacke  bei  der  Vintl-Alp  ist  von  geringer  Bedeutung,  da  abwärts  der  ganze 
Abhang  verhüllt  ist. 

Eine  Meile  weiter  westlich,  im  Höttinger  Graben,  dessen  Schichten- 
profil Herr  Pichler  mit  äusserster  Genauigkeit  mitgetheilt  hat1)»  ändern  sich 
die  Verhältnisse,  indem  hier  zwei  gewölbartige  Aufbrüche  von  rothem  Sandstein 


19* 


O A.  a.  0.  Seite  721. 


146 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[60] 

deutlich  zu  Tage  kommen,  die  durch  eine  Mulde  von  knolligem  Virgloria-Kalk, 
Rauchwacke  und  Partnachmergeln  von  einander  getrennt  sind;  dieselben  Trias- 
glieder folgen  am  Abhange  unterhalb  der  unteren  Aufbiegung,  so  wie  über  der 
oberen  zwischen  rothem  Sandstein  und  Hallstätter  Kalk,  welcher  mit  söhliger 
Lagerung  bis  zum  höchsten  Kamm  des  Gebirges  ansteigt,  um  jenseits  mit  schnel- 
lem Wechsel  steil  gegen  Norden  unter  den  Dolomit  zu  fallen.  Versteinerungen 
fanden  wir  in  keiner  Schichte  des  Höttinger  Grabens.  Von  besonderer  Wichtig- 
keit wären  solche  für  die  dunklen  Mergel,  welche  zwar  dem  Partnachmergel  voll- 
kommen gleichen,  aber  zum  Theil  unter  Verhältnissen  auftreten,  welche  ver- 
muthen  lassen,  dass  sie  dem  rothen  Sandstein  näher  stehen  und  vielleicht  ein 
Aequivalent  der  in  Vorarlberg  zuweilen  über  den  rothen  Sandsteinen  lagernden 
Mergel  sein  könnten.  Eine  überaus  grosse  Mächtigkeit  erreicht  an  den  Gehängen 
oberhalb  Innsbruck  die  gelbe  Rauchwacke,  welche  ein  Vertreter  des  Guttensteiner 
Kalkes  sein  dürfte. 

Die  Martinswand  an  der  Strasse  von  Innsbruck  nach  Zirl  entblösst  die- 
selben Verhältnisse  noch  einmal  in  ausgezeichneter  Weise.  Unmittelbar  hinter 
dem  Dorfe  Kranabiten  durchschneidet  der  Weg  ein  sehr  spitzes  Dach  von  Vir- 
gloria-Kalk; der  südlich  fallende  Theil  desselben  steht  am  schönsten  in  den  Stein- 
brüchen bei  dem  Kerschbuchhof  ungefähr  200  Fuss  über  der  Strasse  mit 
80°  Neigung  an.  Der  vielen  von  Herrn  Pichler  aufgefundenen  Versteinerungen, 
welche  hier  in  dem  knolligen  Kalk  Vorkommen,  wurde  bereits  Erwähnung  gethan. 
Wendet  man  sich  von  den  Steinbrüchen  westlich  nach  der  Schlucht  über  den  Häu- 
sern von  Kranabiten,  so  gelangt  man  zu  den  inneren  Schichten  des  steilen  Gewölbes ; 
zuerst  erscheint  gelbe  Rauchwacke  in  bedeutender  Mächtigkeit  und  unmittelbar 
unter  ihr  ein  Ausbiss  von  rothem  Sandstein.  An  der  Strasse  endlich  erkennt  man 
beide  Theile  des  Gewölbes.  Das  erste  Anstehende  sind  wieder  Ränke  von  schwar- 
zem Virgloria-Kalk,  mit  50°  Neigung  nach  Norden  fallend;  er  enthält  Crinoiden- 
Stiele.  Weiterhin  stehen  noch  einige  Male  bald  die  südlich,  bald  die  nördlich 
geneigten  Schichten  des  Daches  an;  den  letzteren  liegen  die  Hallstätter  Kalke 
der  Martinswand  auf.  — Dieses  Gewölbe  scheint  die  Fortsetzung  des  unteren  im 
Höttinger  Graben  zu  sein,  die  des  nördlichen  dürfte  im  Zuge  des  Solstein  zu 
suchen  sein. 

Der  ganze  Abhang  zwischen  der  Martinswand  und  dem  Thaurer  Joch  durch- 
schneidet somit,  wenn  wir  von  den  tertiären  und  diluvialen  Ablagerungen  ab- 
sehen,  unter  schiefem  Winkel  zwei  gewölbartige  Aufbiegungen , welche  sich 
gegen  Osten  in  Eine  vereinigen.  Sie  schliessen  eine  mit  ihrer  eigenen  Divergenz 
nach  Westen  an  Breite  wachsende  Mulde  ein,  welche  im  Höttinger  Graben 
nur  aus  den  ältesten  Triasgliedern  gebildet  wird,  westlich  aber  die  ganze  Masse 
des  Hallstätter  Kalkes  der  Martinswand  und  des  Höheberges  in  sich  aufnimmt, 
die  sich  über  die  nördliche  Aufbiegung  hinwegwölbt  und  den  grossen  Solstein 
bildet. 

Hall  *).  — Die  geognostischen  Verhältnisse  des  Haller  Salzberges  sind 
bereits  so  vielfach  beschrieben  worden,  dass  ein  weiteres  Eingehen  auf  dieselben 


0 Special-Literatur : 

Ausweis  der  Salz-Erzeugung  in  den  Salinen  zu  Hall  in  den  Jahren  1793  — 1802. 

Sammler  für  Geschichte  und  Statistik  in  Tirol.  III,  221. 

Karg:  Nachricht  über  das  Salzbergwerk  in  Hall.  Moll’s  Ephemeriden.  1808,  IV, 
S.  199—244,  357—374. 

Boue:  Ueber  Lavatsch.  Journ.  de  Geologie.  /,  p.  190. 

Kopf:  Beschreibung  des  Salzbergbaues  zu  Hall.  Karsten’s  Archiv.  XV,  S.  425.  Auszug 
in  v.  Leonhard  und  Bronn’s  Jahrbuch.  1844,  S.  238. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


147 


[61] 


hier  überflüssig  erscheint.  Insbesondere  ist  auf  die  Arbeit  von  Herrn  Prinzin- 
ger  zu  verweisen.  Der  Verticaldurchschnitt  durch  das  Haller  Salzbergwerk,  so  wie 
das  Idealprofil  (Fig.  /*)  sind  überaus  instructiv;  sie  ergeben  mit  Entschiedenheit, 
dass  der  Salzstock  in  dem  rothen  Sandstein  der  Werfener  Schichten  auftritt,  und 
zwar  unmittelbar  östlich  vom  Thaurer  Joch,  in  der  Fortsetzung  der  gewölb- 
artigen  Aufbiegung,  welche  auch  dort  die  Werfener  Schichten  zu  Tage  brachte. 
Allein  während  dort  die  Lagerung  vollkommen  normal  war,  treten  am  Salzberg 
sehr  bedeutende  Störungen  ein , denn  fasst  man  den  ganzen,  die  Salzlagerstätte 
bildenden  Complex  von  rothem  Sandstein,  Gyps,  Anhydrit,  Haselgebirge,  von 
Rauchwacke,  schwarzen  Mergeln,  Virgloria-Kalk  und  den,  wie  es  scheint,  hier 
schon  auftretenden  Guttensteiner  Kalk  zusammen,  so  ist  dieser  Complex  im  west- 
lichsten Theile  zwischen  Hallstätter  Kalken  eingeklemmt,  wie  es  Fig.  f von 
Herrn  Prinzinger  darstellt;  ein  wenig  weiter  östlich  aber  kommen  die  Hall- 
stätter Kalke  nicht  mehr  zu  Tage,  die  Raibler  Schichten  und  selbst  der  Dolomit 
von  Sanct  Magdalena  und  dem  Zunderberg  treten  unmittelbar  an  die  älteste  Trias 
heran.  Endlich  verschwindet  die  Trias  und  es  herrscht  von  nun  an  östlich  nur 
noch  Dolomit  im  Süden  des  Hallstätter-Kalk-Gebirges. 

Zieht  man  die  überaus  grosse  Regelmässigkeit  in  Betracht,  welche  sonst 
den  Gebirgsbau  in  diesen  Gegenden  auszeichnet,  die  Anordnung  in  grossen  Zügen 
welche  rasch  wechselnde  Verhältnisse  ausschliesst  und  den  gänzlichen  Mangel 
localer  Störungen  und  Verwerfungen,  so  ergibt  sich  daraus  der  Schluss,  dass 
nur  dem  Vorhandensein  des  Salzstockes  selbst  und  des  Haselgebirges  eine  so 
mächtig  in  den  Gebirgsbau  eingreifende  Wirkung  zugeschrieben  werden  kann. 
Diese  Gebilde  haben  sich  durch  mächtige  Complexe  der  festesten  Alpenkalke 
emporgedrängt,  letztere  wurden  mit  gehoben  und  gekrümmt,  zum  Zeichen 
des  überaus  langsamen  Empordringens,  und  das  Salzgebirge  kommt  nach  Art 
eines  Eruptivgesteines  in  einem  Aufbruch  zu  Tage,  den  es  sich  selbst  gebildet 
hat.  Kaum  könnte  man  ein  deutlicheres  Beispiel  des  langsamen  und  den  ungeheu- 
ersten Widerstand  überwindenden  Aufquellens  einer  mächtigen  Gesteinsmasse 
finden.  Es  würde  sich  hier  schon  aus  rein  geognostischem  Gesichtspunkt  mit  Noth- 
wendigkeit  die  Annahme  aufdrängen , dass  so  überaus  mächtigen , örtlich 
beschränkten  Wirkungen  nur  chemische  Ursachen  zu  Grunde  liegen  konnten, 
dass  durch  das  Entstehen  neuer  Verbindungen  in  der  Tiefe  ein  grösserer  Raum 
erfordert  und  der  heftige  Widerstand  überwunden  wurde.  Berücksichtigt  man 
nun  die  grossen  Massen  von  Anhydrit,  welche  gerade  das  Haller  Salzlager  aus- 
zeichnen, und  von  Gyps,  welcher  sich  in  oberen  Teufen  in  grossen  Massen  findet, 
so  dürfte  der  Haller  Salzberg  einen  der  glänzendsten  Belege  für  die  häufig  auf- 
gestellte und  für  viele  Orte  erwiesene  Theorie  der  Entstehung  des  Gypses  aus 
Anhydrit  geben.  Auch  die  Fältelungen  und  Windungen,  welche  dem  Haselgebirge 
stets  in  so  hohem  Grade  eigen  sind,  lassen  sich  dadurch  auf  die  leichteste  und 
ungezwungenste  Weise  erklären. 

Abhang  zwischen  dem  Haller  Salzberg  und  dem  unteren 
Vomper  Thal.  — Unmittelbar  östlich  vom  Haller  Salzberge  verschwindet  das 
System  der  unteren  Triasglieder,  um  nicht  wieder  aufzutauchen;  es  tritt  nun  ein 
sehr  einfaches  Lagerungsverhältniss  ein,  indem  sich  an  den  südlich  fallenden 


Haidinger:  Ueber  Salz  mit  Kupferkies  von  Hall.  Haidinger’s  Berichte.  IV  (1848), 
Seite  415. 

Suess:  Ueber  den  Salzberg  zu  Hall.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
1854,  V,  Seite  881. 

Prinzinger:  Geologische  Bemerkungen  über  Hall.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt.  VI,  Seite  328 — 350. 


148 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[62] 

Hallstätter  Kalk  Raiblcr  Schichten  und  Dachstein-Dolomit  mit  gleicher  Lagerung 
anlehnen.  Sie  ziehen  fort  bis  an  den  Vomper  Bach,  wo  er  aus  einer  westöstlichen 
Richtung  in  die  nordsüdliche  übergeht.  Weiterhin  herrscht  nur  Hallstätter  Kalk 
und  Diluvium.  Die  Raibler  Schichten  sind  sehr  reich  an  Versteinerungen, 
insbesondere  am  Iss-Jöchl  zwischen  dem  Salzberge  und  dem  Iss-Thale,  ferner  an 
der  Wälder  Alp  und  vielen  anderen  Orten.  In  einem  Streif  von  der  Höhe  des 
Ostabhanges  des  Fallbachthaies  über  die  Sponer  Alp  nach  dem  Wälder  Joch  sind 
dem  Dolomit  Kössener  Schichten,  Dachstein  kalk,  Adnether  Kalk, 
Flecken  mergel  (Lias?)  und  Juraschi  eilte  n mit  Aptychen  in  einem  lang- 
gedehnten schmalen  Streif  aufgelagert.  Das  genaue  Profil,  welches  Herr  Pichler 
vom  westlichen  Theil  entworfen  hat1)»  zeigt  deutlich  die  vollkommen  synkline 
Lagerung  vom  Dolomit  bis  zu  den  Liasfleckenmergeln,  während  die  Jurabildungen 
zum  Theil  auf  den  Schichtenköpfen  von  jenen  ruhen. 

Zirl-Solstein-Gleirsc hthal. — Wir  wenden  uns  nun  noch  zu  einer 
flüchtigen  Darstellung  der  Grenze  zwischen  dem  Dolomitgebirge  von  Seefeld  und 
den  von  Osten  hineingreifenden  Zügen  von  Hallstätter  Kalken,  deren  Abfall  gegen 
das  Innthal  wir  eben  betrachteten.  Die  Grenze  ist  durch  den  Verlauf  der  Raibler 
Schichten  bezeichnet.  Letztere  bestehen  hier  aus  einem  Wechsel  von  gelbbraunen 
Mergeln  mit  mergeligen  Kalken  und  Rauchwacke.  Die  mergeligen  Kalke  nehmen 
ausgezeichnet  oolithische  Structur  an.  Alle  Gesteine  sind  weich  und  leicht  ver- 
witterbar und  da  sie  zwischen  zwei  Systemen  schwer  zerstörbarer  Kalkgesteine 
liegen,  so  bilden  sie  stets  sanfte  Einbuchtungen  an  den  Gehängen,  Einsattelungen, 
welche  zu  Jochübergängen  dienen  auf  den  Kämmen,  und  oft  sind  sie  von  Bächen 
zu  tiefen  Tobln  ausgenagt.  Allenthalben  führen  sie  viele  Versteinerungen;  doch 
sind  deren  wichtigste  Fundörter  die  Jochübergänge,  wo  sich  die  Gesteine  am 
meisten  ausbreiten. 

Bei  Zirl  beginnen  die  Raibler  Schichten  in  bedeutender  Mächtigkeit  mit 
östlichem  Streichen  (Stunde  5)  und  senkrechter  Stellung;  sie  tragen  die  Ruine 
Fragenstein  und  ziehen  sich  um  die  oberen  Gehänge  des  Ehebachthaies  nach 


Fig.  32. 

Solstein.  Innsbruck. 


1 Werfener  Schichten.  2 Rauchwacke  (Guttensteiner  Kalk?).  3 Virgloria-Kalk.  4 Partnach-Mergel.  5 Hallstatter 
Kalk.  6 Raibler  Schichten.  7 Unterer  Dachstein-Dolomit.  8 Tertiärconglomerate.  9 Diluvialterrasse. 

der  Zirler  Galtalp  und  dem  Joch  am  Zirler  Kristen,  wo  sie  viele  Verstei- 
nerungen führen.  Ihr  Streichen  wechselt  vielfach,  da  sie  stets  die  Abhänge  des 
Hallstätter  Kalkes  begleiten.  Das  Profil  ist  daher  mit  etwas  verändertem  Fall  winkel 


O A.  a.  0.  Seite  726;  der  untere  Theil  des  Dachstein-Dolomites  („unterer  Alpenkalk  und 
Dolomit“)  ist  durch  einen  Irrthum  mit  6 statt  mit  7 bezeichnet. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


149 


[63] 


senkrecht  auf  die  Formationsgrenze  stets  dasselbe.  Besonders  deutlich  aufge- 
schlossen sieht  man  es  zwischen  Solstein  und  Erlspitz. 

Der  Weg  vom  Pass  in  das  Gleirschthai  führt  nur  durch  Dolomit,  da  die 
Raibler  Schichten  in  weitem  östlichem  Bogen  die  muldenförmige  Einlagerung  des- 
selben umziehen.  Erst  mit  der  Annäherung  an  die  jenseits  mächtig  aufsteigenden 
Hallstätter  Kalke  trifft  man  wieder  die  mergeligen  Zwischenschichten.  Herr  Pich- 
ler beobachtete  sie  westlich  von  der  Amtssäge,  doch  bleiben  sie  fast  in  ihrem 
ganzen  Verlaufe  durch  Kalkschutt  verhüllt.  Das  Gleirschthai  entfaltet  oberhalb 
der  Amtssäge  den  wilden  Charakter  der  Hallstätter  Kalke  in  grossartigem  Maasse. 
Die  Schichten  des  Solstein,  welche  im  Höttinger  Graben  bei  Innsbruck  söhlig  die 
älteren  Triasglieder  überlagern,  wölben  sich  am  Nordabhange  gegen  das  Gleirsch- 
thal  und  fallen  steil  mit  kahlen,  glatten  Wänden  theils  auf  die  gerundeteren  Berge 
der  dolomitischen  Einlagerung,  theils  in  das  öde  Gleirschthai  selbst,  aus  dem 
sie  jenseits  mit  entgegengesetzter  Fallrichtung  eben  so  hoch  wieder  aufsteigen. 
Scharfkantige  Trümmer  erfüllen  in  unendlicher  Masse  den  Thalboden ; sie  ent- 
halten häufig  in  Hohlräumen  die  Formen  ausgewitterter  Chemnitzien  und  Korallen. 
Im  Hintergründe  erweitert  sich  das  Thal  zu  einem  überaus  wilden  und  öden 
Kessel,  aus  welchem  östlich  ein  Jochsteig  über  das  Stern  per  Joch  nach  dem 
Haller  Salzberge,  südlich  ein  anderer  durch  die  Arzler  Scharte  nach  Inns- 
bruck führt.  Wir  besuchten  beim  Abstieg  an  der  Südseite  mit  Herrn  Professor 
Pichler  den  Fundort  der  Halobia  Lommeli  im  Hallstätter  Kalk.  Derselbe  fand 
dort  auch  Chemnitzia  Rosthor ni , globose  Ammoniten  und  ein  Orthoceras ; 
andere  Chemnitzien  finden  sich  in  Menge,  sind  aber  nicht  bestimmbar. 

Hinterau- Lavatsch-Thal.  — Das  Gleirsch-Gebirge  trennt  das  gleich- 
namige Thal  von  dem  nördlich  angrenzenden  der  Isar.  Sie  entspringt  am  Haller 
Anger  und  ihr  Thal  führt  abwärts  bis  zur  Alp  Tiefenkasten  den  Namen  Lavatsch, 
von  dort  bis  Scharnitz  den  Namen  Hinterau-Thal.  Ein  muldenförmig  eingelager- 
ter Dolomitzug  lässt  sich  von  Scharnitz  längs  dem  ganzen  Thale  aufwärts  zwi- 
schen den  hohen  Gebirgen  von  Hallstätter  Kalk,  welche  es  zu  beiden  Seiten 
umstarren,  bis  jenseits  des  Haller  Angers  verfolgen.  Ihm  entsprechend  verlaufen 
die  beiden  Züge  von  Raibler  Schichten,  welche  Herr  Pichler  an  vielen  Orten  an 
der  Grenze  nachgewiesen  hat.  Bei  Schar nitz  durchziehen  sie  das  Thal  unmit- 
telbar vor  den  beiden  Felsvorsprüngen,  welche  den  weiten  Kessel  im  Norden 
verengen.  Im  Lavatsch-Thal  sind  sie  als  Muschelmarm or  bekannt  und 
führen  eben  so  wie  östlicher  am  Haller  Anger  viele  Versteinerungen.  Man  pflegte 
früher  den  Muschelmarmor  von  Lavatsch  als  ein  Aequivalent  des  gleichen  Gesteins 
von  Bleiberg,  somit  auch  der  St.  Cassian-Schichten,  anzusehen.  Mehrere  Verstei- 
nerungen scheinen  zwar  die  Annahme  zu  rechtfertigen;  allein  sowohl  das  Lage- 
rungsverhältniss  als  das  Vorkommen  einiger  echter  Raibler  Formen  weisen  ihm 
mit  Sicherheit  jenes  Niveau  zu,  welches  wir  für  die  Raibler  Schichten  von  Nord- 
tirol im  Allgemeinen  beanspruchten. 

Gebiet  der  Riss  und  Dürr  ach  bis  zur  Einsenkung  des  Achner  Thaies. 

Die  Riss  ist  ein  Nebenfluss  der  Isar.  Ihr  Gebiet  zerfällt  in  die  Hinter-Riss 
auf  tirolischem  und  die  Vorder-Riss  auf  bayerischem  Gebiete.  Der  mächtige  Zug 
von  Hallstätter  Kalk  vom  Scharnitzspitz  nach  Vomp  begrenzt  den  oberen  Theil 
des  Flussgebietes  gegen  Süden  und  sendet  ihm  bedeutende  Zuflüsse  im  Blaubach- 
Thal,  Laliderer  Thal  und  Johannes-Thal1)  zu.  Dann  rückt  die  Wasserscheide 


O Auf  der  Generalstabskarte  Karbendel-Thal  genannt;  das  Volk  kennt  diesen  Namen  nicht. 


150 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


r 64] 

plötzlich  auf  den  oben  erwähnten  nördlicheren  Hallstätter  Kalk-Zug,  der  sich 
vom  Scharnitz-Spitz  nachJenbach  undPertisau  erstreckt  und  von  den  drei  genann- 
ten Querthälern  durchbrochen  wird.  Das  Thor-Thal,  Ronn-Thal  und  Farmes-Thal, 
welches  die  bayerische  Grenze  bildet,  ziehen  von  ihm  herab.  Die  nördliche 
Wasserscheide  ist  ein  Gebirgszug,  der  sich  unmittelbar  aus  der  Riss  erhebt  und 
durch  Karbendel-Spitz,  Fleisch-Rank,  Hexenthal-Rerg  bezeichnet  ist.  Das  umfang- 
reiche Flussgebiet  ist  mit  Ausnahme  zweier  Häuser  bei  dem  Jagdschlösse  in 
Widum  unbewohnt  und  besitzt  einen  echten  Alpencharakter;  es  zeichnet  sich  durch 
seinen  grossen  Reichthum  an  schwarzem  Nadelwald  aus,  aus  welchem  die  weisseu 
Schroffen  des  Hallstätter  Kalkes  kahl  und  wild  hervorstarren.  Der  reiche  Wechsel 
an  Wald  und  Fels,  die  weite  Verzweigung  des  wasserreichen  Thalsystems  und 
seine  allseitige  Abgeschlossenheit  haben  die  Riss  zu  dem  reichsten  Jagdgebiete 
in  den  Alpen  gemacht,  was  nicht  wenig  zur  Erhöhung  ihrer  ungemein  grossen 
landschaftlichen  Reize  beiträgt.  Reitwege  und  Pirschsteige  machen  auch  die 
höchsten  Spitzen  leicht  zugänglich  und  eröffnen  allenthalben  die  lehrreichsten 
Durchschnitte. 

Der  Gebirgsbau  der  Riss  ist  in  seinen  Grundzügen  sehr  einfach  und  klar. 
Ich  schliesse  seine  Darstellung  an  die  folgenden  Parallelprofile  an,  welche  nach 
beiden  Seiten  in  der  Streichrichtung  über  das  Rissgebiet  hinaus  fortgeführt  sind. 

Es  ist  klar,  dass  hier  ein  ähnliches  Verhältniss  stattfindet,  wie  es  im  Rhäti- 
kon  in  den  Profilen  I,  II,  111  dargestellt  und  S.  132  der  ersten  Ahtheilung 
(1.  Rd.,  X)  beschrieben  ist.  Dort  war  eine  zusammenhängende  Dolomitdecke,  in 
der  sich  gegen  Westen  eine  Verwerfungsspalte  einstellte.  Dadurch  kamen  erst 
tiefere  Schichten  des  Dolomits  auf  die  höheren  und  am  Abhange  des  Rheinthaies 
die  tiefsten  Triasschichten  auf  die  höchsten  Schichten  des  Dolomits  zu  liegen. 
In  der  Riss  finden  wir  westlich  vom  Karbendelthale  noch  ein  zusammenhängendes 
ausgedehntes  Gewölbe  von  Hallstätter  Kalk,  in  dessen  Massen  aber  bereits  die 
Anordnung  in  zwei  getrennte  Züge  angedeutet  ist.  Der  südliche  erhebt  sich  gegen 
den  angrenzenden  Theil  des  nördlichen  Zuges  allmälig  so  weit,  dass  Virgloria- 
Kalke,  vielleicht  auch  Guttensteiner  Kalke  des  ersteren  in  ein  höheres  Niveau 
kommen,  als  die  Hallstätter  Kalke  des  letzteren,  und  indem  zugleich  eine  Ueber- 
schiebung  stattfindet,  ruhen  jene  tieferen  Schichten  zwischen  Hallstätter  Kalken. 
Der  südliche  Zug  bleibt  unverändert,  der  nördliche  entfernt  und  entfaltet  sich 
zugleich  mehr  und  mehr,  aber  mit  stetem  Einfallen  unter  die  Trias  von  jenem. 
So  kommt  es,  dass  weiter  gegen  Osten  die  Ueberschiebung  immer  ungleichallri- 
gere  Schichten  in  unmittelbare  Ueberlagerung  bringt. 

Der  nördliche  der  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  stellt,  wie  die  Profile 
zeigen,  ein  überstürztes  Gewölbe  dar,  unter  dem  man  in  allen  Thaleinsenkungen 
die  tieferen  Triasglieder  als  Rauchwacke  und  schwarze  Kalke  zu  Tage  kommen 
sieht.  Weiterhin  folgt  eine  Dolomitmulde,  welche  nach  Osten  sehr  bedeutend  an 
Rreite  zunimmt;  aus  ihr  steigt  östlich  vom  Achen-See  der  Hallstätter  Kalk  des 
Unnütz  auf. 

Dies  sind  die  allgemeinsten  Verhältnisse.  Werfen  wir  einen  Rlick  auf  die 
Gestaltung  derselben  im  Einzelnen. 

VonSchwaz  durch  das  Stalle r Thal,  über  das  Lai mser  Joch 
nach  Rins,  Eng,  Laliders  und  den  Uebergang  in  das  Karben- 
delthal.  — Von  Schwaz  führt  ein  bequemer  Jochsteig  über  das  Laimser  Joch 
nach  der  Riss,  stets  in  der  Streichrichtung  der  Ueberschiebung.  Wo  man  das 
Rissgebiet  betritt,  kann  man  dann  wegen  der  sanften  Einsenkungen  der  Liasberge 
längs  jener  Ueberschiebungslinie  durch  die  Quellgebiete  des  Rlaubaches,  Lali- 
derer  Baches  und  Johannesbaches  bis  zur  Vereinigung  der  beiden  Hallstätter 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


151 


[65] 


Kalkzüge  im  Karbendelthal  wandern.  Im  Innthale  steigt  die  Diluvialterrasse  über 
dem  Kloster  Viecht  wohl  bis  3000  Fuss  hoch  an.  Das  erste  Gestein,  welches 
man  nach  ihrer  Ueberschreitung  erreicht,  ist  schwärzlicher,  etwas  dolomitischer, 
weissadriger  bröckliger  Kalkstein,  der  zum  Tlieil  ganz  in  Dolomit  und  in  Rauch- 
wacke  übergeht,  zum  Theil  reiner  Kalkstein  ist.  Die  Waldbedeckung  lässt  das 
nähere  Verhältnis  schwer  erkennen.  Er  streicht  nach  Stunde  7 und  fällt  nach 
Süden.  Längere  Zeit  geht  man  über  eine  ausgezeichnete  Crinoidenbreccie  und 
links  über  dem  Wald  stehen  die  ersten  Wände  von  Hallstätter  Kalk  an.  Es  kann 
daher  kein  Zweifel  sein,  dass  die  Breccie  den  Virgloria-Kalken  angehört,  in  denen 
wir  ihr  so  häufig  begegneten,  während  die  ersten  Kalke  und  Rauchwacken  voll- 
kommen Guttensteiner  Kalke  sind.  Rechts  erheben  sich  jenseits  der  tiefen  Thal- 
schlucht das  Staner  Joch  und  der  Sau  köpf,  gleichfalls  Hallstätter  Kalk,  mit 
südlichem  Fallen.  Auf  einem  Vorsprung  desselben  steht  in  der  Tiefe  die  Wall- 
fahrtskirche von  St.  Georg  in  überaus  romantischer  Umgebung.  Die  Einsatte- 
lung, in  welcher  sie  liegt,  scheint  anzudeu- 
ten, dass  Raibler  Schichten  als  Hangendes 
der  Hallstätter  Kalke  dort  hindurchziehen. 

Bei  der  Staller  Alpe  sieht  man  dies  be- 
stätigt. In  mächtigen  glatten  Platten  ziehen 
sich  die  Schichten  des  weissen  Kalkes  vom 
Brenten-Kopf  herab  und  tragen  in  der 
Tiefe  des  Thaies  mergelige  Raibler  Schich- 
ten und  gelbe  Rauchwacke,  welche  den  Bo- 
den der  Staller  Alpe  bilden  und  über  das 
Stakener  Joch  nach  dem  Falzthurn-  Thal 
fortziehen.  Darauf  liegt  Dolomit,  welcher 
den  Rauhen  Knel  zusammensetzt,  bei  der 
Alpe  aber  wenig  sichtbar  ist.  Die  Hallstätter 
Kalke  zur  Linken  werden  von  Virgloria-  und  Guttensteiner  Kalk  getragen,  so  dass 
man  das  beistehende  Profil  entblösst  sieht,  welches  zugleich  die  Norm  für  die 
Profile  XV,  XVI,  XVII  ist. 

Die  Grenze  zwischen  Guttensteiner  Kalk  und  Dachsteindolomit  lässt  sich 
schwer  mit  Genauigkeit  ziehen.  Man  erkennt  charakteristische  Gesteine  aus  beiden 
Formationen;  allein  ein  grosser  Theil  derselben  lässt  kaum  eine  petrographische 
Trennung  zu. 

Dieses  Lagerungsverhältniss  hält  mit  grosser  Klarheit  längs  der  ganzen 
Nisselwand  von  der  Staller  Alp  bis  zum  Laimser  Joche  an.  Rechts  (N)  bleibt 
Dolomit,  links  Wände  von  Hallstätter  Kalk  und  darunter  schwarze  Kalke.  Das 
Trümmermeer,  worüber  der  Weg  führt,  zeigt  Bruchstücke  von  hornsteinreichen 
Virgloria-Kalken  und  von  Kössener Schichten.  Das  Laimser  Joch  ist  in  Kössener 
Schichten  eingesenkt,  welche  hier  eine  steile  Wand  bilden;  gerade  in  der  Ein- 
sattelung ist  eine  Austernbank  blossgelegt.  Darüber  folgt  die  Trias. 

Vom  Laimser  Joch  abwärts  gegen  die  Alpe  Eng  im  Blaubach-Thale  folgen 
Liasfleckenmergel,  echte  Algäu-Schiehten,  während  die  Kössener  Schichten  sich 
nördlicher  an  den  Gehängen  des  dolomitischen  Garmeyer  Kor’s  herum  und  jen- 
seits des  Blaubach-Thales  gegen  das  Hoch -Joch  hinanziehen.  Ob  auch  Jura- 
formation vertreten  ist,  konnte  ich  nicht  sicher  entscheiden,  doch  scheint  sie  an 
den  Abhängen  gegen  den  Hoch- Glück  hinan  vorzukommen.  Die  Alpe  Eng 
(3766  Fuss,  Lipoid)  liegt  auf  einem  weiten,  ebenen,  grasreichen  Thalboden,  der 
mit  einem  weitläufigen  Ahornwalde  bedeckt  ist.  Der  obere  Theil  breitet  sich  in 
den  jüngeren  Schichten  aus.  Ein  Jochsteig  führt  in  ihnen  nach  Laliders,  stets  in 

20 


Fig.  33. 


Hoch-Nissel.  Staller  Alp.  Brenten-Kopf. 


1 Guttensteiner  Kalk.  2 Virgloria-Kalk.  3 Part- 
nach-Mergel.  4 Hallstätter  Kalk.  5 Raibler  Schich- 
ten. 6 Unterer  Dachstein-Dolomit. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


152 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[66] 

der  Nähe  der  Ueberschiebungslinie  am  Fusse  der  steilen  Wände  des  Hallstätter 
Kalk-Gebirges;  in  gleicher  Weise  geht  es  wieder  über  eine  niedere  Einsattelung 
fort  nach  der  Alpe  Ladiz  (4612  Fuss,  geognost.  Karte)  im  Johaimes-Thal.  Hier 
siebt  man  unweit  des  Ueberganges  Adnether  Kalk  anstehen.  Einige  Gesteine  über 
den  Fleckenmergeln  erinnern  an  gewisse  Neocomiengesteine.  Westlich  von  Ladiz 
treten  unendliche  Schuttmassen  auf,  welche  Alles  verdecken  und  den  Filzwald 
tragen.  Indess  sieht  man  die  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  näher  zusammen- 
treten, die  Mulde  von  jüngeren  Schichten  zwischen  ihnen  keilt  sich  aus  und  am 
Joch  gegen  das  Karbendelthal  scheint  nur  noch  Dolomit  zwischen  dem  Hallstätter 
Kalk  des  nördlichen  und  dem  Guttensteiner  Kalk  des  südlichen  Zuges  zu  liegen. 
Der  Guttensteiner  Kalk  zieht,  wie  Herr  Fr.  R.  v.  Hauer  beobachtete,  im  Kar- 
bendelthal noch  bis  unterhalb  Larchet  hinab,  dann  vereinigen  sich  über  ihm  die 
Hallstätter  Kalke. 

Zug  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachstein dolomit  von  Jenbach 
und  Pertisau  nach  dem  Karbe  nd elgebirge. — Dieser  nördliche  Zweig 
des  Hallstätter  Kalk-Gebirges  bildet  in  seiner  ganzen  Erstreckung  ein  aus  der 
Tiefe  erhobenes,  zum  Theil  nach  Norden  überstürztes  Gewölbe,  wie  die  Pro- 
file XV,  XVI,  XVII  zeigen.  Die  jüngeren  Schichten,  welche  es  trägt,  fallen  südlich 
unter  den  eben  betrachteten  Zug  von  Hallstätter  Kalk  ein  und  deuten  darauf  hin, 
dass  auch  dieser  nur  eine  stark  überstürzte  Welle  sei.  Nördlich  hingegen  steigen 
die  liegenden  Rassischen  Gebilde  jenseits  wieder  muldenförmig  auf,  ohne  aber 
den  Hallstätter  Kalk  noch  einmal  hervortreten  zu  lassen.  Dies  ist  das  Lagerungs- 
verhältniss  im  Allgemeinen.  Verfolgen  wir  es  im  Einzelnen. 

Das  östlichste  Zutagetreten  von  dem  Hallstätter  Kalk  unseres  Zuges  ist  bei 
Jenbach  in  einer  Felsmasse,  welche  der  Inn  in  südlichem  Bogen  umspült.  Auf 
derselben  Formation  steht  das  Schloss  Trazberg,%wo  Herr  Pichler  Chem- 
nitzia  eximia  und  andere  wichtige  Versteinerungen  fand.  Der  Kalk  erhebt  sich 
hier  mit  südlichem  Fallen  und  bildet  das  S tan  er  Joch,  senkt  sich  dann  zu  der 
kleinen  beschränkten  Mulde  des  Weissenbaches,  in  welcher  er  von  Raibler 
Schichten  und  Dolomit  überlagert  ist,  erhebt  sich  noch  einmal  zum  Bärenkopf 
und  fällt  gegen  Pertisau,  wo  ihm  abermals  Dolomit  folgt. 

Unmittelbar  westlich  am  Kaiser-Joch,  dessen  Gipfel  von  einer  isolirten  Do- 
lomitauflagerung gebildet  zu  werden  scheint,  ändert  sich  das  Verhältniss;  der 
Hallstätter  Kalk  bildet  nur  noch  ein  einziges  Gewölbe  ohne  die  mittlere  Einsen- 
kung.  Das  auf  der  merkwürdigen  Wasserscheide  am  Laimser  Joch  entspringende 
Falzt  hurnthal  durchschneidet  das  Gewölbe  quer  und  trennt  den  Zug  des  Kaiser- 
Jochs  von  dem  des  Sonn-Jochs  (7758  Fuss)  und  des  Lochwaldspitz  (7297  Fuss). 
An  beiden  Thalwänden  ist  ein  überaus  deutliches  Schichtenprofil  entblösst ; das 
der  linken  ist  auf  Prof.  XVII  dargestellt.  Im  Centrum  des  Aufbruches  kommen 
die  Guttensteiner  Kalke  in  Gestalt  mächtiger  Rauchwacken  zu  Tage  , und  veran- 
lassen, wo  sie  bis  zur  Kammhöhe  gelangen,  tiefe  Einsattelungen,  während  zwi- 
schen Hallstätter  Kalk  und  Dolomit  die  Raibler  Schichten  stellenweise  entwickelt 
sind.  An  einigen  Orten,  wie  am  Uebergang  vom  Falzthurn  über  die  Alpe  Gra- 
may  nach  der  Bins -Alp  konnte  ich  dieselben  nicht  beobachten.  Das  Falzthuru- 
thal  ist  breit,  mit  Trümmermassen  ausgefüllt  und  mündet  im  Dolomit  in  den  Achen- 
See.  Die  westlich  folgenden  Querthäler  unseres  Hallstätter  Kalkzuges  sind  dem 
Falzthurnthale  analog.  Das  Blaubachthal,  Lalider erthal  und  Johannes- 
thal entblössen  an  beiden  Wänden  des  Durchbruchs  die  gleichen  Verhältnisse 
der  gewölbartigeu  Lagerung.  Die  mächtigen  Massen  von  Rauchwacke,  welche  die 
Erzklamm  im  Johannesthal  vom  grossen  Falken  herabbringt,  scheinen  den  Raibler 
Schichten  anzugehören.  Die  drei  Thäler  münden  im  Dolomit,  der  von  dem  Riss- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


153 


[6?] 

Bach  von  der  Hagelhütte  bis  Widum  in  schiefem  Winkel  gegen  die  Streichrich- 
tung  in  seiner  ganzen  Breite  durchströmt  wird.  Bei  dem  Jagdschlösse  verläuft 
die  Grenze  zwischen  Dolomit  und  jüngeren  Bildungen;  östlich  zieht  sie  am  Nord- 
abhang des  Holzthalkopfes  , der  Fleischbank  und  des  Knelberges  vorüber  nach 
den  Gebirgen  am  Achen-See,  westlich  über  den  Bonnkopf  durch  das  Farmesthal 
nach  dem  Hochreisen  - Spitz.  Parallel  dieser  westöstlichen  Grenze  streichen  die 
im  Norden  sich  anschliessenden  jüngeren  Schichten  und  die  dolomitische  Nord- 
grenze der  Mulde.  Ehe  wir  darauf  eingehen,  ist  noch  der  Grenze  zwischen  Do- 
lomit und  Hallstätter  Kalk  in  den  Profilen  XV,  XVI,  XVII  und  der  Verhältnisse 
am  Plumser  Joch  Erwähnung  zu  thun. 

Das  Bonnthal  und  Farmesthal  entspringen  im  Hallstätter  Kalk  und 
durchbrechen  die  ganze  Dolomit-Zone  nebst  einem  Theil  der  jüngeren  Glieder,  der 
Farmesbach  sogar  deren  ganze  Zone  und  ausserdem  noch  den  nördlich  vorlie- 
genden Dolomit.  Steigt  man  daher  von  Widum  den  Reitsteig  im  Ronnthale  auf- 
wärts, so  stehen  im  Anfänge  röthliche  und  weissliche  Kieselkalke  an,  denen  Do- 
lomit folgt.  Am  Wechsel,  einem  Pass  über  den  man  nach  dem  Farmesthale 
steigt,  ist  die  Grenze  gegen  den  Hallstätter  Kalk.  Hier  treten  die  Raibler  Schichten 
ungemein  versteinerungsreich  auf;  sie  führen  Pecten  filosus , Perna  Bouei,  Car- 
dita  crenatn  u.  s.  w.  in  ausgezeichneter  Erhaltung. 

Dem  Hallstätter  Kalk  ist  an  der  Rothen  Wand  und  weiter  nach  Ost  und 
West  ein  System  von  leberbraunen  stark  bituminösen  Kalkschichten  eingelagert. 
Das  obere  verzweigte  Gebiet  des  Farmesthales  ist  ein  einsames  , an  Wald  und 
Schuttanhäufungen  reiches  Dolomitland,  nur  belebt  durch  Schaaren  von  Gemsen 
und  Hirschen.  Anstehendes  Gestein  sieht  man  wenig;  nur  an  einer  Einsattelung 
ein  wenig  westlich  vom  Wechsel  erscheinen  sehr  versteinerungsreiche  und  aus- 
gezeichet  entwickelte  Kössener  Schichten.  Diese  ungemein  rasche  Aenderung 
in  den  zwischengelagerten  Schichten  ist  bei  dem  Mangel  an  Aufschlüssen  schwer 
zu  erklären.  Der  Hallstätter  Kalk  erhebt  sich  über  das  waldige  Dolomitgelände 
in  einer  kahlen  , fast  senkrechten  und  viel  zerborstenen  Mauer  zu  bedeutender 
Höhe.  An  den  buchenhewachsenen  Gehängen  des  gänzlich  unwegsamen  Farmes- 
thales abwärts  gelangt  man  bald  in  das  Gebiet  der  jüngeren  Schichten,  die  hier 
wenig  aufgeschlossen  sind,  und  dann  nochmals  in  eine  Dolomit-Zone  mit  schroffen 
Wasserrissen,  welche  allenthalben  das  Fortkommen  hemmen. 

Das  Plumser  Joch,  welches  von  Pertisau  nach  der  Hagelhütte  im  Riss- 
thal führt,  ist  im  Allgemeinen  in  den  Dolomit  eingesenkt,  der  sich  dem  Hallstätter 
Kalk  des  Kaiserjochs  und  Sonnjochs  nördlich  anschliesst , scheint  aber  nach  der 
Darstellung  von  Herrn  Prinzinger,  welcher  dasselbebesuchte1)  und  nach  Herrn 
Pichler  eigenthümliche  Verhältnisse  darzubieten.  Es  erscheinen  nämlich  mitten 
im  Dolomit  am  Joch  selbst  söhlig  gelagerte  „graue Kalke  in  Schichten  von  1 Fass 
Mächtigkeit , an  der  Schichtfläche  mit  kugelförmigen  Erhabenheiten  und  einem 
grünen  Ueberzuge,  wie  sie  auch  im  Hangenden  des  Haller  Salzberges  auftreten“. 
Dies  sind  offenbar  Virgloria-Kalke.  Unter  ihnen  tritt  gegen  die  Hagelhütte  hin  das 
Salzgebirge  hervor,  wie  es  scheint  in  ähnlicher  Weise  wie  am  Haller  Salzberge. 
Es  verdient  einige  Beachtung,  dass  die  Verbindungslinie  dieser  beiden  Stellen, 
an  denen  das  Salzgebirge  aus  der  Tiefe  empor  gequollen  ist,  senkrecht  zur  Streich- 
richtung der  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  gerichtet  ist,  und  dass  fast  genau 
in  derselben  Linie  die  östliche  Wasserscheide  des  Isargebietes  am  Haller  Anger, 
Laimser  Joch  und  Plumser  Joch  liegt.  — Herr  Pichler  gibt  auf  seiner  karto- 
graphischen Darstellung  noch  ein  räthselhaftes  Vorkommen  von  Kössener  Schichten 


20* 


o A.  a.  0.  Seite  334. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


1S4 


fC8] 


an  der  Ostseite  des  Plumser  Joches  im  oberen  Gernthal  an,  so  wie  Lias-Flecken- 
mergel  und  Juraschichten  auf  der  Höhe  vom  Letzten  Schneekopf. 

Jüngere  Formationen  unterhalb  Widum  in  der  Hinterriss.  — 
Bei  dem  Jagdschlösse  der  Hinterriss  verlässt  man  thalabwärts,  wie  erwähnt, 
den  Dolomit  und  betritt  jüngere  Schichten.  Der  Rissbach  wendet  sich  gegen 
Norden  und  durchschneidet  sie  rechtwinklig  zur  Streichrichtung;  schon  an 
einem  Kreuz  , 10  Minuten  hinter  der  Mündung  des  Leckthaies  , betritt  man 
wieder  Dolomit,  der  die  Mulde  nördlich  begrenzt  und  weit  nach  Bayern  hinein 
anhält.  In  der  Tiefe  des  Thaies  sind  die  Schichten  nur  stellenweise  deutlich  zu 
beobachten.  Es  sind  zuerst  röthliche  und  weisse  jurassische  Kieselkalke;  ihnen 
folgen  Liasfleckenmergel,  rothe  Adnether  Kalke  und  Kössener  Schichten,  beide 
in  bedeutender  Mächtigkeit.  Alle  diese  Schichten  streichen  rechts  und  links  nach 
den  Gehängen  hinauf.  Ihre  deutlichste  Folge  ist  im  Osten  zwischen  Scharf- 
reiterspitz und  Holzthalkopf  (Prof.  XVI),  wo  zugleich  die  muldenför- 
mige Lagerung  sehr  klar  ist.  Von  der  Mündung  des  Letzbaches,  der  aus  furcht- 
baren Tobln  mit  senkrechten  Wänden  herabkommt,  windet  sich  ein  Reitsteig  fast 
bis  auf  die  Höhe  des  Scharfreiterspitz.  Da  man  hier  schon  die  jüngeren  Gebilde 
des  Rissthals  durchschritten  hat , so  kommt  man  in  ihre  liegenden  Schichten ; 
die  Fleckenmergel  stehen  noch  vor  dem  Letzbach  an;  ihnen  folgen  an  der  Mün- 
dung des  Baches  rothe  Adnether  Kalke,  über  die  der  Reitsteig  zuerst  hinweg- 
führt, dann  kommt  man  mehr  und  mehr  über  deren  liegende  Glieder,  bis  man 
am  Scharfreiterspitz  den  Dolomit  mit  steilem  Südfallen  erreicht.  Sein  mauerför- 
miger schroffer  Absturz  gegen  Norden  umzieht  halbkreisförmig  einen  Felsenkessel, 
einen  Zufluchtsort  der  hier  sehr  häufigen  Gemsen.  Ein  zweiter  östlicher  Kessel, 
aus  dem  sich  das  ebenfalls  dolomitische  Telpser  Joch  erhebt , ist  der  Ursprung 
des  Krötenbachs.  Die  Neigung  der  Schichten  wird  hier  flacher  und  an  der  lang- 
gezogenen Mauer,  mit  der  das  Baumgarten-Joch  westlich  abfällt,  sieht  man 
den  Dolomit  mit  kaum  30°  Neigung  nach  Süden  hinabziehen  , und  über  ihm  in 
regelmässiger  Folge  die  jüngeren  Liasglieder  sich  aufbauen.  Zuerst  kommen  die 
Kössener  Schichten  in  bedeutender  Mächtigkeit.  Der  Megaloduskalk  geht  un- 
mittelbar in  rothen  Adnether  Kalk  über , den  man  von  dem  grossartigen  Ueber- 
sichtspunkt  des  Scharfreiterspitz  jenseits  an  dem  mauerförmigen  Nordabhange 
des  Vorderkopfes  fortziehen  sieht.  Die  Liasfleckenmergel  sind  charakteristisch, 
aber  in  geringer  Mächtigkeit  ausgebildet;  sie  ziehen  wie  die  vorigen  mit  ihren 
Schichtenköpfen  über  den  Rücken  des  Baumgartenjoches  fort.  Selten  dürfte  sich 
die  Grenze  zwischen  Lias  und  Jura  so  scharf  bestimmen  lassen,  wie  hier.  Denn 
es  treten  mit  einem  Male  jene  weisslichen  und  röthlichen  Kieselkalke  auf,  welche 
den  Jura  von  Kren  und  Vils  und  die  Ammergauer  Wetzsteinschichten  charakterisiren, 
so  wie  die  rothen  Hornsteinbänke,  welche  vom  Holzgau  im  Lechthal  über  Reutte  die 
stetigen  Begleiter  jurassischer  Schichten  sind.  Die  weisslichen  splittrigen  Kiesel- 
kalke führen  unbestimmbare  Aptychen  und  Belemniten.  In  diesen  jurassischen 
Gebilden  liegt  die  Einsattelung  zwischen  Baumgarten- Jo  ch  und  Schön- 
Albelkopf.  Es  folgen  ihnen  Fleckenmergel , welche  sich  durch  Analogie  mit 
östlicheren,  durch  Versteinerungen  charakterisirten  Vorkommnissen  mitBestimmt- 
heit  als  Rossfelder  Schichten  erweisen.  Auf  ihnen  liegt  das  Schön-Albel.  Wendet 
man  sich  von  hier  nach  der  Einsattelung  nördlich  vom  Holzthalkopf,  durch  welche 
ein  Pirsch-Steig  wieder  nach  dem  Rissthal  hinabführt,  so  gelangt  man  successiv 
wieder  in  die  umgekehrte  Schichtenfolge;  doch  fällt  sie  hier  steil  nördlich  ein 
und  man  durchschneidet  sie  in  sehr  kurzer  Zeit.  Die  Adnether  Kalke  sind  auch 
hier  ungemein  mächtig,  das  Joch  liegt  in  Kössener  Schichten.  Dieselbe  ausge- 
zeichnete Schichtenfolge  scheint  vom  Vorderkopf  gegen  den  Rohnkopf  und  west- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


[69] 


ISS 


lieh  zum  Farmesthal  zu  herrschen,  nur  geht  dort  das  regelmässige  muldenförmige 
in  ein  überstürztes  Lagerungsverhältniss  über. 

Dürrachthai  *).  — Die  Lias-Mulde  der  Hinterriss  setzt  östlich  über 
das  Schön-Albel  in  das  Dürrachthai  fort  und  breitet  sich  nach  Herrn  Pichler’s 
Untersuchungen  ungemein  aus.  Dieses  vielverzweigte  Thal  hat  seine  südlichen 
Quellen  in  dem  Dolomitzug  , worin  der  Oberlauf  der  Riss  und  das  Plumser  Joch 
eingesenkt  sind ; seine  östliche  Wasserscheide  ist  ein  Dolomitzug,  welcher,  recht- 
winklig gegen  den  vorigen,  dem  Achensee  westlich  entlang  zieht.  Die  grosse 
Bucht  zwischen  beiden  Gebirgszügen  ist  von  jüngeren  Formationen  ausgefüllt, 
die  zwischen  Rothwandkopf  und  Moosen -Berg  das  Thalsystem  der  Diirrach  in 
breitem  Zuge  verlassen  und  sich  über  das  Achenthal  nach  dem  Mamos-Hals  und 
ununterbrochen  bis  in  die  Gegend  von  Kufstein  erstrecken.  Längs  dieser  gan- 
zen Erstreckung  vom  Scharfreiterspitz  bis  zum  fernsten  Osten  lehnen  sich  die 
jüngeren  Formationen  im  Norden  an  eine  mehrfach  durch  Querthäler  unterbro- 
chene Dolomitkette,  welcher  entlang  die  Grenze  zwischen  Bayern  und  Tirol  ver- 
läuft. So  kommt  es,  dass  die  Quellen  der  Dürrach  strahlenförmig  in  den  Dolomit 
hineingreifen,  das  Thalsystem  selbst  in  jüngeren  Schichten  liegt  und  als  einiges 
Dürrachthai  die  nördliche  Dolomitkette  (Scharfreiter-Rothwand)  durchbricht.  — 
Alle  Formationen,  welche  an  der  Ausfüllung  dieses  weiten  nach  West  und  Ost 
geöffneten  dolomitischen  Kessels  theilnehmen  , gewinnen  darin  eine  bedeutende 
Ausdehnung.  Insbesondere  sind  nach  Herrn  Pichler  die  Kössenerund  die  juras- 
sischen Aptychen-Schichten  ungemein  entwickelt.  Letztere  bilden  das  Pfans- 
joch,  den  Schafspitz,  den  Sonntagkopf,  das  Retten  joch,  den  Juifen- 
berg  und  Falkenmoserkopf,  während  die  Kössener  Schichten  ihre  grösste 
Ausdehnung  am  Nisslhals  erreichen  und  viele  Versteinerungen  führen.  Die 
rothen  Adnether  Kalke  schieben  sich  allenthalben  in  langen,  leicht  erkennbaren 
Zügen  über  den  Kössener  Schichten  ein;  die  geognostische  Karte  des  montani 
stischen  Vereins  hat  ihre  Verbreitung  sehr  richtig  angegeben.  Die  Rossfelder 
Schichten  endlich  zeichnen  sich  durch  ihre  ungleichförmige  Auflagerung  aus. 
Indem  sie  bald  eine  Jurakuppe,  wie  am  Juifen,  krönen,  bald  sich  über  alle  älteren 
Gebilde  mit  übergreifender  Lagerung  ausbreiten.  Am  meisten  sind  sie  östlich 
von  Schön-Albel  entwickelt,  von  wo  sie  über  den  Kupel-Berg  nach  dem  Dürrach- 
thal  hinabziehen. 

Achenthal.  — Alle  Formationen  des  Dürrachthaies  setzen  östlich  über 
das  Achenthal  hinweg  fort.  Eine  senkrecht  zur  Streichrichtung  verlaufende 
Gebirgskette  vom  Hienerberg  über  den  Rothwandkopf,  Juifenberg,  das  Retten- 
joch, den  Sonntagkopf  nach  dem  Schafspitz,  Seekor-Spitz  und  Rabenspitz  trennt 
die  beiden  Thalsysteme.  Sie  besteht  im  Norden  aus  flach  südlich  fallendem,  im 
Süden  aus  steiler  nördlich  fallendem  Dolomit,  im  mittleren  Theile  aus  mulden- 
förmg  gelagerten  jüngeren  Schichten,  welche  nach  den  Angaben  der  Tiroler 
Karte  mit  jener  Fallrichtung  eine  zweite,  vom  Scheiderücken  abwärts,  verbinden. 
Das  vollständigste  Profil  von  Dolomit  durch  Kössener  Schichten  aufwärts  bis  zum 
Neocomien  scheint  der  Juifenberg  darzubieten.  Der  Achenbach  durchbricht 
successive  die  verschiedenen  Zonen.  Der  Achen-See  erfüllt  eine  Einsenkung  im 
Dolomit,  welche  durch  Seekor-Spitz  und  Rabenspitz  im  Westen , Spieljoch  und 
Kögljoch  im  Osten  bezeichnet  wird.  Die  schwarz  bewaldeten  Gehänge  ziehen,  von 
schuttreichen  Schluchten  unterbrochen,  zur  Tiefe  hinab  und  fallen  zum  Theile 
so  steil  in  den  See,  dass  die  Strasse  den  Wänden  abgerungen  werden  musste. 


,)  Wurde  von  uns  nicht  besucht;  die  Beschreibung  folgt  nach  Herrn  Pichler’s  karto- 
graphischer Aufnahme. 


156 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[70] 

Von  Achenkirch  bis  zur  Capelle  in  der  Kohlstatt  sind  die  Gehänge  sehr  sanft,  der 
Thalboden  weit,  fruchtbar  und  reich  bevölkert.  Es  ist  dies  die  Strecke  in  welcher 
der  Bach  die  Zone  jüngerer  Schichten  durchbricht.  Dann  b tritt  er  die  zweite 
nördliche  Dolomit-Zone;  wieder  sind  die  Berge  mit  dunklem  Forste  bedeckt,  das 
Thal  wird  enger  und  steiler  und  betritt  am  Bretterspitz  als  Walchenthal  das 
bayerische  Gebiet.  Die  Anordnung  der  jüngeren  Schichten  scheint  stets  mulden- 
förmig zu  bleiben,  jedoch  so,  dass  das  Südfallen  im  nördlichen  Theile  flacher  ist, 
als  das  Nordfallen  im  südlichen,  daher  dort  die  einzelnen  Formationsglieder 
eine  grössere  Ausdehnung  gewinnen. 

Herr  Prof.  Pichler  fand  an  den  Gehängen  des  Achenthaies  sehr  viele  Ver- 
steinerungen aus  allen  Schichten,  welche  in  der  Mulde  auftreten.  Die  Kössener 
Schichten  sind  besonders  an  der  Nordgrenze  sehr  entwickelt;  in  ihnen  fand 
Herr  Pichler  im  Klammbach:  Avicula  Portlocki , Natica  alpina , am  Juifen : 
Rhynchonella  subrimosa.  Weit  reicher  an  Versteinerungen  sind  sie  an  der  Süd- 
grenze der  Mulde  aufgeschlossen.  Am  S c h 1 e i m s j o c h e,  welches  bereits  jenseits 
der  Wasserscheide  des  Achenthaies  liegt  und  den  Uebergang  von  der  Pertisau 
nach  dem  Dürrachthaie  vermittelt,  fanden  sich : Knochenfragmente  von  Ichthyo- 
saurus tenuirostris , Modiolu  Schafhäuteli,  Avicula  intermedia , Arie.  Escheri , 
Lima  gigantea , Rhynchonella  subrimosa.  Unweit  östlich  davon,  an  der  Basili- 
Alm  (5047  Fuss),  welche  bereits  im  Gebiet  des  Achenthaies  liegt:  Avic.  Escheri , 
Modiola  Schaf häuteli,  Terebrat.  pyriformis , Rhynchonella  fissicostata,  Rhynch. 
subrimosa , Spirifer  Münsteri.  Noch  reicher  sind  die  Fundstellen  im  Osten  des 
Thaies,  insbesondere  der  Ampelspach.  Hier  fand  Herr  Pichler:  Cardium 
austriacum,  Lima  gigantea,  Aviv.  Escheri , Modiola  Schafhäuteli,  Rhynch. 
subrimosa,  Spirifer  Münsteri,  Spiriferina  oxycolpos,  Rhynch.  fissicostata , Tro- 
chus  sp.9  Natica  alpina  u.  a.  m.  Reich  an  Brachiopoden  sind  auch  die  Kössener 
Schichten  am  Mamoshals,  wo  ausser  den  genannten  Arten  noch  Tefebratula 
cornuta  vorkommt. 

Oberer  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  sind  fast  gar  nicht  entwickelt, 
während  sie  westlich  im  Dürrachthaie  selten  fehlen,  und  auch  im  Osten  noch 
häufig  auftreten.  Nur  an  der  Basili-Alm  und  im  Ampelsbach  fand  Herr  Pichler 
Versteinerungen  dieser  Schichten. 

Jura  und  Neocomien  nehmen  zwar  den  grössten  Raum  ein,  sind  aber  wie 
gewöhnlich  arm  an  Versteinerungen. 

Wir  verlassen  das  behandelte  Gebiet  der  grossen  Quereinsenkung  desAchen- 
thales  mit  sehr  einfachem  Gebirgsbaue.  Sie  durchbricht  in  ihrer  südlichen  Hälfte 
eine  breite  Dolomit-Zone,  darauf  eine  schmälere  Zone  von  muldenförmig  einge- 
lagerten jüngeren  Schichten  und  verlässt  Tirol  im  Anfänge  der  nördlich  folgen- 
den Dolomit-Zone.  Das  südliche  Dolomitgebiet  besteht  aus  ostwestlich  streichenden 
welligen  Aufbiegungen,  von  denen  eine  südlich  von  Pertisau  den  Hallstätter 
Kalk  zu  Tage  bringt. 


Gebiet  zwischen  dem  Achenthal  und  Kufstein. 

Der  Schichtenbau  des  westlichen  Ufers  der  Einsenkung  des  Achenthals 
setzt  auf  das  östliche  fort  und  bleibt  von  hier  bis  nach  Kufstein  überaus  einfach. 
Es  scheint  dass  wenige  Theile  des  Trias-Lias-Gebietes  eine  so  gleichmässige 
Anordnung  und  so  wenig  verwickelte  Verhältnisse  bieten  als  dieser.  Die  nördliche 
Zone  von' jüngeren  Lias-,  Jura-  und  Neocomien-Gesteinen  hat  eine  weit  gerin- 
gere Breite  als  im  Dürrach-  und  Acbenthal,  zieht  aber  stetig  und  ohne  eine  ein- 
zige Unterbrechung  fort.  Der  südliche  Dolomitzug  zwischen  Aqhenkireh  und  dem 


IST 


[71]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

Innthale  wächst  an  Breite,  nimmt  aber  ein  aus  der  Tiefe  heraufgewölbtes 
Gebirge  von  Hallstätter  Kalk  auf,  welches  durch  Grossartigkeit  der  Massen, 
Steilheit  der  Gehänge  und  Höhe  der  Berggipfel  alle  anderen  Gebirge  überragt 
und  das  wichtigste  Glied  für  den  physiognomischen  Charakter  der  Gegend  ist. 
Dieser  Zug  beginnt  unmittelbar  östlich  von  Achenkirch  am  Unütz,  setzt  mit 
östlichem  Streichen  bis  zum  Hundsal m- Joch  und  von  da  in  etwas  nördlicher 
Richtung  über  den  Pendling  und  quer  überdas  Innthal  nach  dem  Hinte  r- 
Kaiser  fort.  In  der  ganzen,  fast  sieben  Meilen  betragenden  Erstreckung  behält 
es  seine  wellig  aufgebogene  Gestalt,  mit  sanfterem  Süd-  und  steilerem  Nordabfall, 
bei  und  ist  durch  Raibler  Schichten  nach  beiden  Seiten  vom  Dolomit  getrennt. 
Jener  ge  wölbartig  erhobene  Hallstätter  Kalk,  den  wir  früher  südlich  von  Pertisau 
erwähnten,  verschwindet  bald  im  Osten,  taucht  dann  am  Südabhange  vom  Bran- 
denberger  Joche  noch  einmal  in  kurzer  Erstreckung  auf  und  scheint  seine 
weitere  östliche  Fortsetzung  im  Vorder  Kaiser-Gebirge  zu  haben.  Aeltere 
Triasglieder  sind  aus  diesem  ganzen  Theile  nicht  bekannt ; sie  erscheinen  erst 
südlich  vom  Inn  in  überaus  mächtiger  räthselhafter  Entwickelung.  Um  so  mehr 
beginnen  nun  die  localen  parasitischen  Einlagerungen  jüngerer  Formationen, 
welche  nach  Osten  mehr  und  mehr  zunehmen  und  den  sonst  so  einfachen  Glieder- 
bau etwas  verwickelter  machen.  Zuerst  treten  Gosaugebilde  auf,  weiter  östlich 
Oligoeenformation  und  noch  weiter  gegen  Nordost  miocene  Ablagerungen,  alle 
mit  dem  deutlichen  Charakter  des  Niederschlages  in  Meeresbuchten. 

Zwei  verzweigte  Thalsysteme  durchziehen  das  weite  Gebirgsland,  das  Bran- 
denburger und  das  Thier see-Thal. 

Sonnwend-Jo  ch — Koth-Alp.  — Zwischen  dem  Ausgange  desBranden- 
berger  Thaies  und  dem  Südende  des  Achen-See’s  erhebt  sich  das  Dolomitgebirge 
zu  bedeutender  Höhe  und  ist  von  einer  ausgedehnten,  aber  isolirten  Auflagerung 
jüngerer  Lias-  und  Jura-Schichten  bedeckt.  Kössener  Schichten  bilden  allent- 
halben die  erste  Decke  des  Dolomits  und  führen  an  manchen  Orten,  wie  an  der 
Koth-Alp  und  am  Irdeiner  Joch,  viele  Versteinerungen.  Sie  ziehen  von  derKoth-Alp 
über  das  Ir  deiner  Joch  und  den  Rosskopf  nach  dem  Lauer  Berg,  dann 
um  den  Südabhang  des  Sonn  wen  d-Joches  und  des  Kirc  henspitz  herum 
über  den  RothlahnerBerg  zurück  nach  der  Koth-Alp.  Innerhalb  dieses  Ringes 
lagern  die  jüngeren  Formationsglieder.  Auch  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk 
fand  Herr  Pichler  über  den  Kössener  Schichten  der  Koth-Alp.  Ihnen  folgt 
Hierlatz-K  alk,  welcher  in  mächtigen  Felsmassen  die  Höhe  des  Gebirges  zu- 
sammensetzt; er  bildet  die  Gipfelmassen  des  Sonnwend-Joches,  Heiler,  Stellkopfes 
und  Kirchenspitz.  Darauf  sind  in  muldenförmigen  Vertiefungen  rothe  hornstein- 
reiche Juraschichten  gelagert.  Herr  Pichler  hat  diese  Verhältnisse  ausführlicher 
beschrieben *), 

Unütz.  — Gafels-Joch.  — Schn  aite- Joch.  — Sehönleiten- 
Joch.  — Verfolgt  man  die  Wasserscheide  zwischen  Achenthal  und  Branden- 
bergerthal  weiter  nördlich , so  erhält  man  bis  zu  dem  Schönleiten-Joch  einen 
Durchschnitt,  der  die  früher  dargestellten  Verhältnisse  auf  das  Klarste  zeigt.  Der 
Dolomit  am  Kögl- Joch  fällt  flach  südlich  und  ist  durch  eine  Einsattelung,  welche 
die  Raibler  Schichten  andeutet,  von  dem  liegenden  und  gleich  einfallenden  Hall- 
stätter Kalk  getrennt.  Die  Raibler  Schichten  setzen  nach  Herrn  Pichler  östlich 
in  der  Steinberger  Ache  fort,  aus  der  die  Abhänge  des  Hallstätter  Kalkes  almä- 
lig  bis  zum  Gufels-Joch,  Luchseck  und  Rossberg  ansteigen,  um  nördlich 
steil  abzustürzen.  Am  Fusse  der  schroffen  Gehänge  folgt  zum  zweiten  Male  die 


0 A.  a.  0.  Seite  732,  733. 


1S8 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[72] 

Raibler  Schicht  und  Dolomit  in  überstürzter  Lagerung.  Die  Tiroler  Karte  gibt 
sein  Fallen  zu  65°  S.  an;  dies  ist  in  90°-j-25°  N.  zu  verwandeln.  Dieses  schöne 
Lagerungsverhältniss  hat  Herr  Pichler  in  einem  sehr  instructiven  Profile  dar- 
gestellt 1 ). 

Brandenberger  Thal.  — Dem  Gesagten  ist  kaum  noch  etwas  über  den 
Gebirgsbau  im  Brandenberger  Thal  hinzuzufügen.  Dolomit  aufwärts  bis  zur  Mün- 
dung der  Steinberger  Ache  , darauf  der  Zug  von  Hallstätter  Kalk  , dann  wieder 
Dolomit,  die  Zone  der  jüngeren  Schichten  im  oberen  Thal,  endlich  der  Grenzzug 
des  Dolomites  am  hinteren  Sonnwendjoch  und  alles  dies  in  regelmässig  ostwrestlich 
streichende  Zonen  angeordnet,  — dies  sind  die  allgemeinsten  Verhältnisse.  Das 
Thal  ist  reich  an  grossen  Schuttanhäufungen  und  Diluvialgeschieben.  Dichter 
Waldwuchs  bedeckt  fast  das  gesammte  vielverzweigte  Gebiet  und  macht  seine 
genaue  Erforschung  schwierig.  Das  Thal  hat  einigen  Ruf  erlangt  durch  seine 
versteinerungsreichen  Gosauge bilde.  Ihre  Hauptablagerung  ist  um  das  Dorf 
Brandenberg  selbst,  wo  sie  die  Weiler  Wibner,  Ascha,  Unterberg,  Oberberg  und 
Lehen  tragen  , indem  sie  allseitig  in  die  Dolomitbuchten  hineingreifen.  Eine 
zweite  Partie  lagert  in  einer  Bucht  von  Hallstätter  Kalk  am  Krumbacher  Joch 
und  der  Ascha -Alp.  Auch  an  der  Nordseite  des  Hallstätter  Kalkzuges  sind  noch 
kleine  Ablagerungen  an  der  Vereinigungsstelle  vom  Achen-Bach  , Wehm-Bach 
und  Weissen  Bach  aufgeschlossen. 

Nördliches  Gehänge  des  Innthales  zwischen  Battenberg  und 
Kufstein.  — Die  Sohle  des  Innthales  ist  breit  und  eben,  soweit  sie  von  Allu- 
vionen  erfüllt  ist.  Darüber  erhebt  sich  die  mächtige  Tertiärterrasse  des 
Angerberges,  welche  der  Inn  in  steilem  Abbruch  umspült.  Sie  beginnt  bei 
V ol  dö  pund  macht  jenseits  Maria -Stein  einer  niederen  diluvialen  Terrasse 
Platz.  Die  ganze  Ablagerung  setzt  östlich  über  den  Inn  fort  und  wurde  wegen 
der  bekannten  Verteinerungen  von  Häring  für  eocen  gehalten;  Heer’s  Forschun- 
gen haben  ein  unteroligocenes  Alter  w ahrscheinlicher  gemacht.  Ueber  dieser 
Terrasse  erheben  sich  sogleich  die  steilen  Abhänge  der  Kalkgebirge  unmittelbar 
bis  zur  Wasserscheide  gegen  das  Brandenberger  und  Thiersee-Thal.  Zwischen 
Voldöp  und  Breittenbach  wird  sie  durch  das  dolomitische  Brandenberger 
Joch  gebildet;  sein  Südabhang  besteht  aus  Hallstätter  Kalk  , über  welchen  die 
Raibler  Schichten  hinziehen.  Ihnen  gehört  wahrscheinlich  der  auf  der  Karte  des 
montanistischen  Vereins  verzeichnete  Gyps  von  Voldöp  an.  Der  überwölbende 
Dolomit  herrscht  weiterhin  allein,  bis  er  dort,  wo  der  Abhang  des  Innthales  die 
Hallstätter  Kalkzone  von  Unütz-Hundsalm-Joch  durchschneidet,  dieser 
Formation  Platz  macht,  welche  in  mächtigen  Gebirgsmassen  über  den  Pendling 
hinaus  bis  zum  T hi  erb  erg  bei  Kiefersfelden  fortsetzt. 

Nur  in  kurzer  Erstreckung  am  Kogl-Hörnle  bei  Unter-Langkampfen  lehnt 
sich  daran  ein  schmaler  Dolomitstreif.  Die  Raibler  Schichten  fanden  wir  in 
schwachen  Spuren  zwischen  beiden  entwickelt.  Dieser  Dolomit  setzt  über  Kuf- 
stein selbst  fort,  wo  er  die  vereinzelten  Felsinseln  im  Thale  bildet  und  die  Fe- 
stung trägt.  Weiterhin  trennt  er  die  beiden  Kaisergebirge. 

Thiersee-Thal.  — Der  Thiersee,  welche  an  das  Brandenberger  und  das 
Innthal  grenzt,  ist  in  jenem  ostwestlich  streichenden  Zug  von  oberen  Lias-,  Jura- 
und  Neocomien-Schichten  eingesenkt,  den  wir  bereits  von  der  Riss  her  stets  dem 
Dolomit  der  bayerischen  Landesgrenze  entlang  verfolgten,  erhält  jedoch  seine  be- 
deutendsten Zuflüsse  aus  dem  südlich  anschliessenden  Dolomitgebirge.  Letzteres 
und  der  Hallstätter  Kalk-Zug  hatten  bisher  ein  östliches  Streichen  , welches  mit 


i)  A.  a.  0.  Seite  730. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord -Tirol. 


159 


[73] 


der  Wasserscheide  des  Thiersee  in  ein  nordöstliches  übergeht.  Indem  nun  das 
Neocomien  seine  frühere  Richtung  beibehält , tritt  es  unter  spitzem  Winkel  an 
den  Hallstätter  Kalk  heran  und  lässt  den  Dolomit  in  der  Tiefe  verschwinden.  Da 
jener  jedoch  hohe  Gebirge  bildet,  so  zieht  das  Neocomien  sich  an  seinen 
Abhängen  herum  und  beweist  damit,  dass  im  Wesentlichen  die  jetzigen  Gebirgs- 
formen  bei  seiner  Ablagerung  schon  vorhanden  waren. 

Der  H alls  tätte r K a 1k  ändert  in  den  Umgebungen  von  Thierse  e und 
Kufstein  schon  bedeutend  seinen  Charakter.  Es  stellen  sich  mehr  und  mehr 
dichte  graue  und  braune  Kalke  ein  , wie  ich  sie  schon  am  Wechsel  in  der  Riss 
beobachtete,  ferner  erscheinen  jene  röthlichen  Ammonitenkalke,  welche  im  Osten 
so  häufig  die  Monotis  salinaria  und  Cephalopoden  führen.  So  beobachtet  man  sie 
nordwestlich  von  Kiefersfelden,  wo  wir  undeutliche  Terebrateln  darin  fanden.  Am 
Thierberg  enthält  der  Kalk  Hornsteinknollen  und  zeigt  theilweise  grünliche  Färbung. 
Es  sind  Steinbrüche  darin  angelegt.  Die  Raibler  Schichten  verringern  ihre 
Mächtigkeit  mehr  und  mehr;  sie  erscheinen  noch  als  braune  sandige  und  kalkige 
Mergel,  welche  tiefe  Einsenkungen  zwischen  den  Kalkgebirgen  veranlassen.  Die 
Dachstein  dolomite  werden  mehr  und  mehr  kalkig,  besonders  in  den  höheren 
Schichten.  Andererseits  nehmen  sie  Complexe  von  eigentümlich  dolomitischen, 
breccienartigen  versteinerungsleeren  leberbraunen  bis  schwärzlichgrauen  Ge- 
steinen auf,  welche  oft  die  Erkennung  erschweren.  Die  petrographischen  Merk- 
male der  beiden  mächtigen  Kalkformationen  nähern  sich  im  Allgemeinen  einander. 

Die  Thallandschaft  von  Landl,  Hinter-  und  Vorder-Thiersee  besteht  aus  den 
jüngeren  Schichten,  hauptsächlich  aus  Neocomien.  Die  Kössener  Schichten  lehnen 
sich  an  den  nördlichen  Dolomitzug  vom  Schönfelder  Joch  und  Ascher  Joch,  und 
werden  überlagert  von  Adnether  Kalk , Liasfleckenmergeln  und  Juraschichten. 
Am  Schmalecker  Joch  erscheint  dieselbeFolge  am  Südrand  der  Zone,  dochbreiten 
sich  die  Aptychenschiefer  des  Neocomien  mit  übergreifender  Lagerung 
allmälig  darüber  aus  und  bilden  die  hügelige  Landschaft  der  genannten  Dörfer 
fast  allein.  Der  Klausbach  entblösst  sie  allenthalben;  sie  fallen  südlich.  Im  All- 
gemeinen herrschen  die  gewöhnlichen  grauen  fleckigen  Mergel , doch  sind  auch 
einzelne  sandige  dunklere  Schichten  zwischengelagert.  Wo  das  Thal  das  bayerische 
Gebiet  betritt , befindet  sich  ein  bedeutender  Bruch,  wo  Cement  gebrannt  wird, 
der  jedoch  weniger  gut  sein  soll  als  der  Kufsteiner.  Das  Gestein  enthält  hier 
Aptychen,  Ammon . Astierianus  und  Herr  Gü  mbel  fand  auch  früher  Terehratula 
diphyoides.  Am  Klausbach  abwärts  gelangt  man  zu  einem  eigenthümlichen  Con- 
glomerat,  welches  am  rechten  Ufer  ansteht  und  in  dichten  Dolomit  übergeht. 
Die  gerundeten  Gerolle  desselben  stammen  nur  von  Kalk;  viele  von  ihnen  zeigen 
Verwerfungen.  Wir  besuchten  diese  Stelle  gemeinschaftlich  mit  Herrn  Cotta, 
Gümbel  und  Baron  Andria  n , konnnten  jedoch  zu  keinem  Resultat  über  die 
Formation  kommen,  welcher  das  Conglomerat  angehört. 

Noch  ist  einer  kleinen  wahrscheinlich  tertiären  Ablagerung  Erwähnung  zu 
thun,  welche  am  Schreckensee  im  Thierseethal  ansteht.  Sie  besteht  aus  Tegel, 
welcher  zum  Ziegelbrennen  dient.  Aus  dem  oberen  Thale  wurden  bei  unserer 
Anwesenheit  grosseMassen  von  Kalktuff  zum  Baue  des  Forts  bei  Zell  herabgeführt. 

Kalkgebirge  zwischen  dem  Inn  bei  Kufstein  und  der  bayerischen  und 
salzburgischenGrenze. 

Der  Inn  durchbricht  das  Kalkgebirge  von  Wörgl  bis  Kiefersfelden  unter 
einem  schiefen,  von  hier  an  unter  einem  rechten  Winkel.  Die  Landesgrenze  tritt 
bei  Kiefersfelden  von  Westen  an  den  Fluss  und  folgt  ihm  zwei  Meilen  weit,  um 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  i2.  Band,  J 861  und  1862.  II.  Heft.  21 


160 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[74] 

dann  einen  bedeutenderen  Theil  der  östlichen  Gebirge  noch  nach  Tirol  zu  ziehen. 
Unsere  bisher  bis  zum  Inn  verfolgten  Zonen  der  verschiedenen  Formationen  setzen 
zwischen  Wörgl  und  Kiefersfelden  über  den  Fluss;  jener  nördliche  Theil  bringt 
daher  in  tirolisches  Gebiet  ganz  neue  Züge  , welche  wesentlich  aus  jüngeren 
Formationen  bestehen,  während  das  eigentliche  Kaisergebirge  hauptsächlich  aus 
Werfener  Schichten,  Guttensteiner  Kalk,  Hallstätter  Kalk  und  Dachsteinkalk  zu- 
sammengesetzt ist. 

Die  Einsenkung  von  Wörgl  über  Söll,  Scheffau,  Elmau,  St.  Johann 
bis  Fieberbrunn  bezeichnet  die  Südgrenze  der  nachweisbaren  Trias -Forma- 
tionen gegen  jene  rothen  Sandsteine  und  schwarzen  Kalke,  deren  stratigraphische 
Stellung  noch  nicht  mit  Sicherheit  festgesetzt  werden  konnte.  Es  erhebt  sich 
aus  dieser  Einsenkung  nach  einem  Vorlande  von  rothem  Sandstein  und  Gutten- 
steiner Kalk  ein  mehrfach  und  tief  durchbrochener  Gebirgszug  von  Hallstätter 
Kalk,  dessen  westlicher  Theil  als  das  Vordere  Kaiser gebirge  bekannt  ist 
und  den  mächtigsten  selbstständigen  Gebirgsstock  der  Gegend  bildet  , während 
oberhalb  St.  Johann  und  Fieberbrunn  der  Hallstätter  Kalk  nur  an  den  tieferen 
Theilen  der  hohen  Gebirge  von  Dachsteinkalk  auftritt,  welche  die  Grenze  gegen 
das  Gebiet  der  salzburgischen  Saale  bezeichnen.  Der  Zug  der  genannten  For- 
mation bildet,  gleich  der  Thaleinsenkung,  einen  weiten  nach  Süden  geöffneten 
Bogen.  Alle  Schichten  fallen  senkrecht  zur  Streichrichtung  im  Allgemeinen  nach 
Norden  und  tragen  Dachstein-Dolomit,  der  sich  als  eine  weitere  Zone  anschliesst. 
Am  Kaisergebirge  ist  er  muldenförmig  gelagert  und  es  erhebt  sich  aus  ihm  der 
Hallstätter  Kalk  des  Hinteren  Kai  sergebirges,  der  am  Nordabhang  wieder 
unter  Dachstein-Dolomit  verschwindet.  Das  Hintere  Kaisergebirge  hat  eine  kurze 
Erstreckung,  indem  es  sich  schon  am  Ebersberg  unter  den  überwölbenden  Dach- 
stein-Dolomit senkt,  welcher  nun,  von  jüngeren  Formationen  mannigfach  bedeckt, 
im  Gebirgsbaue  herrscht. 

Ich  übergehe  die  ausführlichere  Beschreibung  des  Gebirgsbaues  in  diesem 
östlichsten  Theile  des  Trias-Lias-Gebietes  , da  Herr  Pichler  eine  solche  vor- 
bereitet hat  und  sie  auf  eine  ungleich  grössere  Anzahl  von  Detailbeobachtungen 
stützen  kann,  als  uns  bei  der  flüchtigen  Uebersichtsaufnahme  auszuführen  ge- 
stattet war. 


II.  Jnra  und  Kreide. 

Diese  beiden  Formationen  verhalten  sich  sowohl  in  ihrer  allgemeinen  Ver- 
breitung wie  in  der  Anordnung  ihrer  einzelnen  Glieder  überaus  verschieden 
von  den  Trias-Lias-Gebilden.  Während  diese  eine  breite,  der  Streichrichtung 
der  Centralalpen  parallele  Zone  längs  dem  Nordabfall  der  krystallinischen 
Schiefergebirge  bilden  und  sich  in  Hinsicht  auf  die  Entstehungsgeschichte  der 
Alpen  als  ein  selbstständiges  Ganzes  abgliedern,  haben  die  Schichten  der  Jura- 
und  Kreideformation  mehr  den  Charakter  örtlicher  parasitischer  Auflagerungen 
auf  älteren  Gebirgen  oder  aus  der  Tiefe  allfragender  Inseln  in  dem  Bereich 
jüngerer  Schichtgebilde.  Bei  den  bisher  betrachteten  Formationen  zeigte  sich 
von  den  tiefsten  Schichten  der  Trias  bis  zu  den  höchsten  des  Lias  nirgends  eine 
Unterbrechung  in  der  Schichtfolge;  jetzt  aber  ist  sie  in  vielen  Theilen  dieser 
Zone  abgebrochen;  in  Vorarlberg  bilden  die  Algäu-Schichten  des  Lias  allent- 
halben das  oberste  Glied  und  östlich  davon  lagerten  sich  die  Juragebilde  nur 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


161 


[75] 


noch  in  einzelnen  Zügen  ab,  welche  meist  zwischen  hohen  Kämmen  von  Hall- 
stätter Kalken  oder  Dachstein-Dolomiten  hinlaufen.  Wo  sie  den  Lias  zur  Unterlage 
haben,  liegen  sie  gleichmässig  darauf  und  der  Uebergang  der  beiden  Formationen 
ist  dann  so  allmälig,  dass  es  uns  nicht  gelang,  einen  bestimmten  Anhalt  zur 
Trennung  zu  finden;  auf  allen  älteren  Schichtgebilden  aber  ist  der  Jura  abnorm 
aufgelagert,  so  dass  man  deutlich  erkennen  kann,  dass  das  Lias-Trias-System  zur 
Zeit  der  ersten  Jura-Ablagerungen  schon  bedeutende  Hebungen  erfahren  hatte, 
aber  langsame  Hebungen,  welche  den  Parallelismus  benachbarter  Gebirgsglieder 
niemals  hindern  konnten.  Nur  so  konnte  es  kommen,  dass  die  Jura-  und  Kreide- 
Gebilde  trotz  der  conformen  Auflagerung  der  ersten  auf  den  Lias-Fleckenmergeln 
einen  beschränkteren  Verbreitungsbezirk  haben. 

Ein  anderes  wesentliches  Moment  im  Charakter  unserer  beiden  Formationen 
ist  die  gänzlich  verschiedene  Entwickelung  im  Osten  und  Westen.  Bereits  im 
ersten  Theile  dieser  Abhandlung  (dieses  Jahrbuch,  Band  X,  Seite  79,  80) 
suchte  ich  den  stetigen  Verlauf  von  Ost  nach  West  in  der  Entwickelung  der 
einzelnen  Formationen  von  den  ältesten  bis  zur  Kreide  im  Gebiet  der  nördlichen 
Kalkalpen  nachzuweisen.  Es  zeigte  sich,  dass  die  Trias  von  Osten  nach  Westen 
an  Mächtigkeit  ab-,  der  Lias  aber  zunimmt,  dass  jene  ihre  bedeutendste  Massen- 
entwickelung in  den  oberösterreichischen  und  salzburgischen  Alpen,  dieser  im 
nordwestlichen  Tirol  (Lechgebiet)  und  im  bayerischen  Algäu  erreicht,  während 
die  Juraformation,  wiewohl  von  den  östlichen  Theilen  der  Alpen  her  reich  geglie- 
dert, doch  an  Masse  untergeordnet  bleibt  und  erst  in  der  Schweiz  ihr  Maximum 
erreicht,  und  endlich  die  Kreideformation  ihre  bedeutendste  Entwickelung  im 
südlichen  Frankreich  und  von  dort  durch  die  Schweiz  bis  nach  Vorarlberg  hin 
hat,  dann  im  nördlichen  Tirol,  in  Oberbayern  und  weiter  östlich , nur  durch  die 
tiefsten  und  die  höchsten  Glieder  vertreten  ist  und  erst  in  den  östlichen  Alpen 
und  Karpathen  sich  ein  zweites  Gebiet  der  vollständig  entwickelten  Formation 
vorschiebt,  bis  mit  dem  Beginne  der  Nummulitenformation  das  Eocenmeer  sich 
wieder  um  das  gesammte  Alpengebirge  herum  erstreckt. 

Durch  diese  Eigenthümlichkeit  ist  in  der  Juraperiode  noch  einige  Einheit 
in  der  Ausbildung  der  Formationsglieder  durch  ganz  Vorarlberg  und  Nordtirol  zu 
erkennen,  aber  die  Kreidegebilde  sind  auf  das  Schärfste  in  zwei  Gebiete  geson- 
dert, deren  Trennung  ungefähr  mit  der  Wasserscheide  zwischen  Iller  und  Lech, 
der  auch  sonst  so  bekannt  gewordenen  Scheidelinie  des  bayerischen  Volks- 
stammes gegen  den  schwäbischen  und  alemannischen,  zusammenfällt.  Da  die 
Juraformation  in  Vorarlberg  an  das  Kreidegebiet  gebunden  ist,  in  diesem  aber 
nur  untergeordnet  auftritt,  so  trennen  wir  die  Betrachtung  des  Gesammt- 
complexes  unserer  beiden  Formationen  nach  den  angeführten  geographischen 
Gebieten. 

1.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Vorarlberg. 

Das  schweizerisch- vorarlbergische  Kreidegebiet  erstreckt  sich  aus  der 
Gegend  von  Marseille  dem  Rand  des  Zuges  der  Centralalpen  parallel  durch  das 
Gebiet  von  Savoyen,  über  Genf  und  fast  in  gerader  Richtung  durch  die  Schweiz 
hindurch  über  den  Rhein  nach  Vorarlberg  und  dem  bayerischen  Algäu,  wo  seine 
eigenthümliche  Entwickelung  sich  am  Grünten  noch  einmal  sehr  charakteristisch 
wiederholt;  in  der  östlichen  Fortsetzung  dieses  Berges  keilt  es  sich  bald  aus 
und  verschwindet  ganz.  In  dieser  ganzen  Erstreckung  bildet  das  Kreidegebiet 
eine  an  Breite  oftmals  wechselnde,  in  ihrem  landschaftlichen  Charakter  wie  in 
ihren  Gesteinen  sieh  ungemein  gleichbleibende  Zone,  die  in  der  Schweiz  häufig 

21  * 


162 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[76] 

durch  aufgelagerte  Molasseschichten,  selten  durch  ältere  Gebilde  in  ihrer  Stetig- 
keit unterbrochen  wird.  In  Vorarlberg  erreicht  die  Zone  die  ungewöhnliche 
Breite  von  zwei  Meilen  (in  dem  Durchschnitt  südlich  von  Dornbirn)  und  ist 
durch  keine  jüngeren  Gebilde,  wohl  aber  durch  ein  aus  der  Tiefe  aufragendes 
Juramassiv,  das  Gewölbe  der  Canisfluh,  unterbrochen. 

Der  landschaftliche  Charakter  des  Kreidegebietes  ist  überaus  reizvoll  und 
bedingt  die  Schönheit  des  Bregenzerwaldes.  Die  fruchtbaren  Verwitterungspro- 
ducte  der  herrschenden  Glieder  schufen  die  üppigen  Alpen  und  damit  den  Reich- 
thum der  intelligenten  Bewohner. 

Be^enzung.  — Das  vorarlber gische  Kreidegebiet  ist  zwi- 
schen zwei  nach  St.  5 streichenden  Flysch- Zügen  eingeschlossen 
und  gegen  beide  fast  g e radlinig  und  scharf  abgegrenzt.  Die  süd- 
liche Grenzlinie  beginnt  mit  den  ersten  östlichen  Uferhöhen  des  Rheinthaies  bei 
Feldkirch,  setzt  zwischen  Fr astanz  und  Satteins  über  das  Illthal  , zieht 
sich  nördlich  vom  Mut  tekopf  vorüber  , durch  das  Latternser  Thal  (bei  Bon- 
acker), verlässt  dieses  ein  wenig  oberhalb  des  Hinte rbades  und  erreicht  bei 
der  Alpe  Göfas  das  schöne  Amphitheater  , in  welchem  der  Mellenbach  aus  dem 
Sümser  See  entspringt,  und  damit  das  Thalsystem  der  Bregenzer  Ache;  den  Fluss 
selbst  erreicht  die  Formationsgrenze  südlich  von  Au,  um  dann  , stets  der  Rich- 
tung St.  5 folgend,  nach  der  Sub  e rs- Alp  und  südlich  vom  H oc  h-Ifer  vorbei 
nach  Rietz  len  im  Thale  Mittelberg  zu  ziehen  und  dann  im  Algäu  in  nordöst- 
licher Richtung  fortsetzend  zwischen  Tiefenbach  und  Fischen  an  der  Iller 
sich  mit  der  nördlichen  Grenze  der  beiden  Formationen  zu  vereinigen.  Diese, 
wrelche  als  Östliche  Fortsetzung  der  Nordgrenze  des  Säntis-und  H o he  kä- 
ste n - Gebirges  am  Rö thel s t ei n südlich  von  Dornbirn  aus  dem  Alluvium  des 
Rheinthaies  zum  Vorschein  kommt,  zieht  in  fast  geradliniger  Richtung  über  das 
Hochälpele,  Bersbuch  an  der  Bregenzer  Ache  und  Sibratsgföll  nach 
dem  F euer stätter  Berg,  auf  dessen  Höhe  die  Juraformation  aus  der  Tiefe 
aufragt.  Südlich  vom  Böigen  vorbei  erreicht  auch  diese  Grenze  bald  den  er- 
wähnten Vereinigungspunkt  an  der  Iller,  wo  sich  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs 
auskeilt.  Erst  zwei  Stunden  weiter  nördlich  erhebt  sich  die  isolirte,  5364  F.  hohe 
Bergmasse  des  Grünten,  um  noch  einmal  alle  Eigenthümlichkeiten  jenes  Ge- 
bietes auf  kleinem  Raume  zu  vereinigen. 

So  gleicht  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs  einem  langgestreckten  dreieckigen 
Zipfel,  dessen  scharfwinklichste  Spitze  im  Algäu  südlich  von  Fischen  an  der  Iller 
liegt,  dessen  längste,  nach  Stunde  41/a  streichende  Seite  von  der  Spitze  bis  zu 
dem  inselartig  aus  der  Rheinebene  sich  erhebenden  Schellenberg  12 y2  Meilen 
beträgt,  während  die  kürzere  ostwestliche  Seite  kaum  10  Meilen  Länge  erreicht. 
Gegen  die  Schweiz  hin  ist  das  Dreieck  mit  der  angeführten  Breite  von  2 Meilen 
geöffnet. 

Die  Gebirge  dieses  Gebietes  , welche  sich  bis  6600  Fuss  (in  der  Mittag- 
spitze) erheben,  bilden  in  dem  regelmässigsten  Theile,  der  Gegend  von  Bezau, 
Mellau,  Schnepfau  und  Sibratsgföll,  ein  sehr  einfaches  System  westöstlich  strei- 
chender Rücken  , welche  nach  Süden  sanft  und  allmälig , nach  Norden  schroff 
und  prallig  abfallen;  eben  so  gleichförmig  sind  die  vielen  parallelen  Thäler,  von 
denen  nur  das  der  Bregenzer  Ache  und  des  Subersbaches  mit  der  Längs-  die 
Querrichtung  verbinden.  Besonders  das  erstere  ist  durch  den  dadurch  bewirkten 
Zickzacklauf  und  den  häufig  wechselnden  Charakter  interessant.  Dort , wo  die 
Hebungen  nicht  so  einfach  waren,  sind  auch  die  Gebirgs-  und  Thalsysteme  ein 
wenig  complicirter;  aber  auch  wenn  die  westöstliche  Richtung  für  das  Streichen 
der  Schichtenfaltungen  und  Gebirgsstörungen  constant  bleibt,  bedingen  doch  die 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


163 


[77] 


häufigen  Erosionsthäler,  wie  das  Mellenthal,  einen  oft  complicirten  Bau.  Ehe  wir 
diesen  weiter  verfolgen  , wenden  wir  uns  zur  Betrachtung  der  Gliederung  der 
beiden  im  Kreidegebiet  auftretenden  Formationen.  Es  ist  durch  die  Arbeiten  der 
Herren  S tu  der  und  Esc  her  sowie  in  der  neuesten  Zeit  durch  Herrn  Desor 
für  die  Aufklärung  derselben  jenseits  und  diesseits  des  Rhein  bereits  so  viel  ge- 
schehen , dass  wir  nur  den  Spuren  dieser  bewährten  Forscher  zu  folgen  und 
dann  eigene  Beobachtungen  hinzuzufügen  haben. 

A.  Gliederung. 


a)  Juraformation. 

Die  Verbreitung  der  Juraformation  in  Vorarlberg  ist  äusserst  beschränkt; 
man  kennt  sie  bisher  an  drei  Stellen,  die  unter  einander  keinen  Zusammenhang 
haben,  und  es  ist  keine  Aussicht,  dass  man  je  eine  weitere  Verbreitung  nachweisen 
können  wird.  Die  westlichste  Stelle  ist  der  Fläscherberg  im  Fürstenthurne 
Liechtenstein,  dessen  Bau  wir  bereits  früher  (dieses  Jahrbuch  Bd.  X,  S.  129  und 
Fig.  6,  7,  8,  9)  erörtert  haben.  Es  ergab  sich  als  das  wahrscheinlichste  Resultat, 
dass  dort  die  Lias-Algäuschichten  durch  einen  nicht  zu  Tage  kommenden  braunen 
Jura  von  dickbankigen  dunklen  Kalken  getrennt  werden  , welche  sich  durch 
Ammonit  es  bi f lex  als  Oxford-Kalk  erweisen,  dass  diese  ferner  von  einem  Schich- 
tensystem überlagert  werden,  welches  dem  obersten  weissen  Jura  angehört,  und 
hierauf  unmittelbar  Flysch  folgt.  Die  ganze  Formationsentwickelung  reiht  den 
Fläscherberg  dem  schweizerischen  Juragebirge  zu,  in  Nordtirol  findet  sich  nichts 
Analoges.  Auch  der  geographischen  Lage  nach  erweist  er  sich  als  dorthin  ge- 
hörig und  als  letzter  Ausläufer  der  in  der  Schweiz  so  verbreiteten  Juragebilde. 

Die  zweite  Stelle,  wo  Juraformation  auftritt,  ist  eine  Insel  im  Kreidegebirge, 
an  der  Grenze  des  letzteren  mit  Flysch , das  Juragewölbe  der  Canisfluh  im 
Bregenzer  Walde.  Das  Schichtgebilde  erhielt  von  Herrn  Esch  er  die  Benennung 
„Jurakalk  von  Au“  nach  dem  Dorfe  Au,  in  dessen  Nähe  versteinerungsreiche 
Schichten  anstehen.  Das  grosse  Massiv  streicht  von  Ost  nach  West  und  wird 
senkrecht  gegen  diese  Richtung  von  einer  tiefen  Spalte  durchsetzt , in  welcher 
die  Bregenzer  Ache  ihren  Lauf  nimmt.  Dadurch  wird  der  innere  Bau  auf  das 
Trefflichste  entblösst;  es  zeigt  sich  eine  hochaufgetriebene  Wölbung  dickbankiger, 
dunkler,  zum  Theil  weissadriger  Kalke.  Nach  Süden  fallen  die  Schichten  sanft, 
nach  Norden  fast  senkrecht.  Dies  bestimmt  die  ganze  Gestalt  des  Berges  , der 
von  seinem  höchsten  Rücken  steil  nach  Norden  abstürzt , während  er  auf  dem 
sanftgewölbten  südlichen  Abhange  fruchtbare  Alpen  trägt.  Der  First  des  Ge- 
wölbes senkt  sich  ebenfalls  in  der  Streichrichtung , östlich  unter  die  Kreide- 
gebilde der  Mittagfluh , westlich  unter  die  des  Hohen  Koyen.  Dieses  allmälige 
Hinabsenken  der  Schichten  nach  drei  Richtungen  (West,  Süd,  Ost)  unter  jüngere 
erlaubt  bei  der  regelmässigen  Auflagerung  der  letzteren  die  ganze  Schichtfolge 
genauer  kennen  zu  lernen.  Sorgfältigere  Untersuchung  wird  vielleicht  eine  grös- 
sere Reihe  von  Formationsgliedern  des  Jura  zu  Tage  fördern;  mir  gelang  es 
unter  den  Spatangenkalken  nur  zwei  durch  Versteinerungen  charakterisirte, 
sicher  getrennte  Formationsglieder  nachzuweisen,  deren  eines  der  schon  von 
Herrn  Es  eher  beschriebene  Jurakalk  ist,  während  das  andere  dem  Neocom  an- 
gehört und  im  folgenden  Abschnitt  beschrieben  werden  soll. 

Dicht  bei  dem  Dorfe  Au  bildet  eine  entblösste  Schichtenfläche  des  dickban- 
kigen Jurakalkes  eine  steile  Wand  , welche  unmittelbar  in  die  Bregenzer  Ache 
abstürzt.  Hier  sind  ausserordentlich  zahlreiche  Ammoniten  im  Kalksteine  einge- 


164 


Ferdinand  Freiherr  von  Bichlhofen. 


[78] 

schlossen,  meist,  wie  schon  Herr  Es  eher  fand,  von  der  Form  des  Amm.  biplex 
später  fanden  die  Herren  Es  eher,  Merian  und  Suess  ausser  dieser  Art  noch: 
Amm.  Zignodianusd’ Orb.,  Amm.  Lamberti Sow.,  Amm.  convolutus Schl.,  Belemn. 
semihastatus,  Terebratula  globata  und  andere  Formen,  welche  das  Gebilde  an 
die  Grenze  von  braunem  und  weissem  Jura  stellen. 

E scher  stellte  es  in  das  Niveau  des  Oxfordien,  und  diese  Annahme  wird 
fast  zur  Gewissheit , wenn  man  den  Kalk  von  Au  mit  dem  dickbankigen  des 
Fläscher  Berges  vergleicht.  Beide  sind  einander  sehr  ähnlich,  während  der  Kalk 
von  Au  weiter  im  Osten  nirgends  mehr  ein  Analogon  findet.  Es  scheint  daher, 
dass  auch  die  Canisfluh  noch  ein  verlorener  Posten  der  schweizerischen  Jurafor- 
mation ist,  wohl  der  letzte  gegen  Osten. 

Ein  drittes  Mal  treten  jurassische  Gebilde  am  Feuer stätter  Berg  bei 
Sibratsgföll  an  der  Grenze  Vorarlbergs  gegen  das  Algäu  auf.  Herr  Giimbel  und 
ich  besuchten  diese  noch  unbekannt  gewesene  Stelle  auf  Anzeichen  hin,  welche 
derselbe  im  ßachgerölle  gefunden  hatte.  Die  steilwandige  Gipfelmasse  besteht 
aus  einem  vielfach  gewundenen  Complex  von  Kieselkalken,  sie  sind  hart,  spröde, 
gelb  , roth  , weiss  und  grau  gefärbt  und  führen  häufig  Feuersteinknolleu.  Von 
Versteinerungen  gelang  es  nur  Bruchstücke  von  Belemniten  und  Aptychen  zu 
finden,  doch  erkannte  Herr  Gümbel  mit  grosser  Sicherheit  in  den  Gesteinen  die 
Ammergaue r Wetzsteinschiefer,  ein  Formationsglied,  welches  von  hier 
an  östlich  sehr  verbreitet  ist.  Als  oberstes  Glied  fanden  wir  sandige,  etwas 
flyschähnliche  Kalkmergel,  welche  gleichfalls  noch  Belemniten  führen.  Das  ganze 
System  taucht  aus  der  Kreide  hervor,  dort  wo  diese  an  Flysch  grenzt,  so  dass 
schon  der  Nordabhang  der  Gipfelmasse  in  den  Flysch  hinabfällt. 

Die  Verschiedenheit  dieser  drei  Jura-Inseln  im  Sedimentgebirge  Vorarlbergs 
zeigt,  dass  hier  das  Gebiet  ist,  wo  sich  die  östliche  und  die  westliche  (schweize- 
rische) Entwickelungsform  dieser  Formation  begegnen.  Es  scheint  nur  der  oberste 
Theil  der  letzteren  vertreten  zu  sein  und  die  beiden  verschiedenen  Gebilde  dürften 
verschiedene  Niveau's  in  dieser  kleinen  Abtheilung  bezeichnen;  welches  aber  das 
höhere  ist,  ob  der  dunkle  Kalk  von  Au  und  dem  Fläscher  Berg  oder  die  Kiesel- 
kalke des  Feuerstätter  Berges,  dies  lässt  sich  vorläufig  noch  nicht  mit  Sicherheit 
entscheiden. 


b)  Kreideformation. 


Die  charakteristische  Gliederung  der  Kreideformatiou  im  proven^alisch- 
schweizerisch-vorarlbergischen  Becken  wird  seit  langer  Zeit  durch  die  Reihen- 
folge: Spatangenkalk,  Schratten-  oder  Caprotinen-Kalk,  Gault,  Seewerkalk  und 
Seewermergel  dargestellt.  Dazu  kommt  seit  einiger  Zeit  das  von  Herrn  Desor 
aufgestellte  Valanginien  und  in  Vorarlberg  haben  wir  noch  ein  weiter  ver- 
breitetes Glied  der  Kreideformation,  die  Rossfelder  Schichten,  hinzuzufügen.  Es 
scheint  sich  folgende  Reihenfolge  dem  Alter  nach  als  die  richtigste  zu  ergeben : 


1.  Rossfelder  Schichten. 

2.  Valanginien  (?), 

3.  Spatangenkalk, 


4.  Caprotinenkalk, 

5.  Gault, 

6.  Seewerkalk  und  Seewermergel. 


1.  Rossfelder  Schichten. 

Mit  diesem  Namen  wurde  bekanntlich  in  den  Arbeiten  der  geologischen 
Reichsanstalt  ein  dem  Neoeomien  angehöriges  Schichtensystem  eingeführt,  wel- 
ches auf  dem  petrefactenreichen  Rossfeld  bei  Hallein  auftritt  und  dort  in  bestimmt 


["79]  Pie  Kalkalpen  ?on  Vorarlberg  und  Nord-Tirol.  165 

geschiedene  Abtheilungen  weisser  Aptychenkalke , mergeliger  und  sandiger 
Schichten  zerfällt.  Es  führt  sehr  häufig  Aptychus  Didayi  Coqd.  und  zahlreiche 
Cephalopoden.  Man  fand  das  Schichtensystem  bald  darauf  sehr  verbreitet  am 
Nordrand  der  Alpen  und  wir  werden  vielfach  Gelegenheit  haben , es  in  Tirol 
zu  nennen. 

Fast  überall  lagern  die  Didayi-Schiehten  den  obersten  Gliedern  des  Jura 
parallel  und  sind  wegen  der  Aehnlichkeit  der  Gesteine  oft  schwer  zu  trennen;  fast 
immer  auch  sind  beide  gleichmässig  gehoben.  Jn  Vorarlberg  treten  die  Rossfelder 
Schichten  nur  sehr  isolirt  an  der  Canisfluh  auf,  wo  sie  neben  dem  Jurakalk 
von  Au  das  zweite  der  oben  angedeuteten  Glieder  unter  dem  Spatangenkalk 
sind.  Grosse  entblösste  Schichtenflächen  bilden  den  sanften  Südabhang  dieses 
Berges  von  seiner  ostwestlichen  Höhenlinie  bis  hinab  zur  Canisalp.  Von  hier 
abwärts  gegen  Au  kommt  man  sehr  allmälig  zu  den  terrassenförmig  hervortreten- 
den, sich  gleichfalls  nach  der  Bergfläche  ausdehnenden  älteren  Schichten,  bis 
man  in  Au  selbst  die  oben  erwähnten  versteinerungsreichen  Jurakalke  erreicht. 

Diese  obersten  Schichten  der  Canisfluh  führen  Apt.  Didayi  und  andere 
wenig  bestimmbare  Versteinerungen,  besonders  in  grosser  Zahl  Belemniten  und 
Ammoniten,  welche  letztere  auf  den  entblössten  Schichtflächen  sichtbar  werden. 
Der  Wechsel  des  Gesteines  ist  nicht  so  bedeutend  wie  in  den  Ostalpen;  es  treten 
fast  ausschliesslich  graue  mergelige  Kalke  auf,  mit  einer  Schichtungsmächtigkeifc 
von  Ys  bis  2 Fuss.  Die  Fläche  neigt  sich  von  der  Höhe  des  Berges  allmälig  in 
die  hochgelegene  Mulde  der  Canisalp  hinab,  bei  der  die  bedeckenden  schwarzen 
Spatangenkalk-Schichten  sichtbar  werden,  welche  sich  in  steilen  Wänden  zu  dem 
der  Canisfluh  parallelen,  die  Hochmulde  südlich  begrenzenden  Zug  des  Hoch- 
glockners  und  der  Mittagspitz  aufbauen  (s.  Profil  XXII,  XXIII).  Diese  klare 
Zwischenlagerung  ist  im  weiteren  Verlauf  zwischen  Jura  und  Spatangenkalk  nicht 
zu  beobachten,  da  die  Grenze  meist  verdeckt  ist;  nur  bei  der  Hochstetter  Alp 
an  dem  gegen  Mellau  gekehrten  Abhang  treten  dieselben  Schichten  noch  ein- 
mal versteinerungsreich  auf.  Ihre  Mächtigkeit  lässt  sich  nicht  angeben. 

So  wie  in  Vorarlberg  dieses  Vorkommen  der  Rossfelder  Schichten  vollkom- 
men isolirt  ist  und  sie  sich  hier  aufs  Engste  den  Juraschicbten  ansehliessen,  so  ist 
es  auch  wenn  wir  uns  nach  dem  weiteren  Verbreitungsbezirk  dieses  Formations- 
gliedes in  unserem  Kreidegebiet  umsehen.  Studer  führ!  *)  aus  der  Stockhorn- 
kette „Neocomien  mit  ganz  verändertem  petrographisehen  und  paläontologi- 
schem  Charakter“  an,  aus  dem  (wie  bei  der  Canisfluh)  der  höchste  Kamm  mit 
seinen  Felsstöcken  besteht.  „Die  Petrefacten  zeigen  die  merkwürdige  Fauna 
ungewöhnlicher  Cephalopoden,  Ammoniten,  Crioceras , Ancyloceras , breiter  Belem- 
niten, welche  den  Neocomien  der  Provence  bei  Bareme,  Castellane,  Eseragnolles 
auszeichnen  und  im  gewöhnlichen  Neocomien  der  Alpen  und  des  Jura  beinahe 
ganz  fehlen“.  Es  fanden  sich  u.  a.  Belemn.  bipartitus  d'Orb.,  dilatatus  BL,  latus 
Bl. , Amm.  sabfimbriatus  d’Orb .,  A.  infundibulum  d’Orb.,  elypeiformis  d'Orb., 
Crioceras  Duvalii  Leym.,  Cr.  Villiersianum  d’Orb.,  Ancyloceras  dilatatum 
d' Orb.,  Anc.  pul  eher  rimum  d’Orb.,  Aptychus  Didayi.  Westlich  setzen  die 
Gesteine  der  Stockhornkette  fort  bis  zum  Genfer-See;  darüber  hinaus  in  den 
Voirons *  3)  fand  sich  dieselbe  eigenthümliche  Facies  des  Neocomien,  dieselbe 
enge  Verbindung  mit  Oxfordkalk.  Auch  eine  Loealität  in  der  unmittelbaren  öst- 
lichen Fortsetzung  der  Stockhornkette,  bei  Merligen  und  am  Sulzi  jenseits 


9 Geologie  der  Alpen.  II,  Seite  71  ff. 

3)  A.  a.  0.  Seite  73. 


166 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[80] 

des  Thuner  Sees,  welche  Stu  d er  zum  Spatangenkalk  stellt  *)»  dürfte  mit  Sicher- 
heit hieher  zu  rechnen  sein.  Es  fanden  sich  dort:  Ptychoceras , Toxoceras , 
Baculites,  Hamites  (?),  ferner  Bel.  bipartitus,  B.  ditatatus , Ammon,  crypto- 
ceras,  A.  asperrimus , Aptychus  Didayi. 

So  füllen  die  Canisfluh  und  ihre  Analoga  in  der  Schweiz  die  grosse  Lücke 
aus,  welche  zwischen  den  paläontologisch  so  nahe  stehenden  Neocombildungen 
der  Provence,  des  Rossfeldes  und  den  fernen  Beskiden  zu  herrschen 
schien.  Die  Canisfluh  zeigt  ausserdem  mit  Bestimmtheit,  dass  das  Neocom  jener 
Länder  keine  blosse  Facies  des  schweizerischen,  sondern  als  ein  tieferes  dem 
Oxfordien  nahe  stehendes  Glied  davon  zu  trennen  ist. 

2.  Etage  Valanginien  (Desor). 

Diese  zuerst  von  Ca  m piche  als  unterstes  Glied  des  Neocom  beobachtete 
und  von  Desor *  2)  auf  Grund  der  von  Jenem  gesammelten  Versteinerungen  als 
mit  keinem  bekannten  Neocomgebilde  vereinbar  erwiesene  Abtheilung  erregte 
in  den  letzten  Jahren  so  sehr  das  Interesse,  dass  es  nahe  lag,  sie  auch  in  Vor- 
arlberg aufzusuchen.  Sie  wurde  in  den  oberen  Thälern  des  Neufchateler  und 
französischen  Jura  (La  Chaux-de-Fonds , Metabief  u.  s.  w.)  und  bei  Douane  am 
Bieler  See  entdeckt,  gleichzeitig  von  Esc  her  am  Säntis.  Im  Jahre  1867  theilte 
Herr  Desor  bei  Gelegenheit  der  Versammlung  der  schweizerischen  Natur- 
forscher in  Trogen  mit,  dass  sich  das  Valanginien  um  alle  aus  Jura  gebildeten 
Höhen  bei  Neufehatel  herumziehe  und  folgende  dreifache  Gliederung  erkennen 
lasse: 

a)  (zu  unterst)  blaue  Mergel, 

b ) quarzreicher  Kalkstein,  mehrere  hundert  Fuss  mächtig, 

c)  eisenstein-  (limonit-)  reiche  Schichten  von  Metabief,  hierüber  folgen  die 

„Mergel  von  Rodry“  und  dann  erst  das  eigentliche  Neocomien. 

Als  charakterische  Versteinerungen  wurden  angesehen : Pygurus  rostratus 
Ag .,  Nucleolites  Neocomiensis  Ag .,  Toxaster  Campichei  Des.  u.  A. 

Gleichzeitig  legteHerrEsc  h er  v.  d.Linth  der  Versammlung  eine  in  grossem 
Maassstabe  ausgeführte  Karte  des  Säntis-Gebirges  mit  mehreren  ungemein  lehr- 
reichen Durchschnitten  vor.  Es  ergab  sich  dort  folgende  Gliederung  der  tiefsten 
Kreideschichten : 

a ) Oolithischer  Kalkstein, 

h)  Kalkstein,  reich  an  Quarzkörnern,  ohne  Eisen,  führt  Pygurus  rostratus  Ag. 

und  ist  daher  das  typische  Glied  des  Valanginien, 

c)  kieseliger  Kalk,  Toxaster  Säntisianus , 

d)  knolliger  Kalk  mit  Mergel,  Toxaster  Brunneri. 

In  Vorarlberg  gelang  es  mir  nicht,  eine  einzige  der  das  Valanginien  charak- 
terisirenden  Versteinerungen  aufzufinden,  eben  so  wenig  werden  solche  in  früheren 
Arbeiten  erwähnt.  Es  fehlt  daher  an  paläontologischen  Beweisen  für  das  Vorkom- 
men des  interessanten  Formationsgliedes  und  es  bleiben  nur  Schichtenbau  und 
Gesteinscharakter  als  einzige  Anhaltspunkte,  um  wenigstens  mit  einiger  Wahr- 
scheinlichkeit das  Fortstreichen  des  Valanginien  vom  hohen  Säntis  bis  nach  Vor- 
arlberg darzuthun.  An  drei  Stellen  scheinen  die  Verhältnisse  die  Deutung  gewisser 
Schichten  als  mit  den  in  Rede  stehenden  von  Neufchachtel  identisch  zu  gestatten. 


1)  A.  a.  0.  Seite  68. 

2)  Desor:  Quelques  mots  sur  V etage  inferieur  du  groupe  neocomien  (etage  Valanginien ). 
Bull,  de  la  Soc.  des  Sciences  nat.  de  Neufehatel.  T.  ///,  1854. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


167 


[81] 


Die  erste  ist  wiederum  an  der  Canisfluh.  Die  Jurakalke  fallen  flach  südlich. 
Hoch  darüber  lagern  ganz  conform  Spatangenkalke,  welche  den  Hohen  Glöck- 
ner zusammensetzen  und  in  steilem  Abhang  gegen  die  Canisalp  abgebrochen 
sind.  Die  Schichten  zwischen  beiden  Systemen  sind  ebenfalls  vollkommen  gleich- 
massig  mit  dem  Hangenden  und  Liegenden  gelagert;  ihre  Analyse  ergibt  natür- 
lich die  Gliederung  zwischen  oberem  Jura  und  Spatangenkalk.  Unmittelbar  dem 
Jura  aufgelagert  sind  die  eben  beschriebenen  Rossfelder  Schichten,  welche  am 
Rücken  der  Canisfluh  unter  dem  Hohen  Glöckner  hinabziehen.  Wenn  man  den 
Weg  von  der  oberen  Oberalp  (in  der  mehrfach  erwähnten  Einsattelung,  welche 
auch  die  Canisalp  trägt)  am  Ostabhange  des  Korbspitz  und  Hohen  Glöckners 
vorüber  nach  der  Korbalp  einschlägt,  so  kreuzt  man  das  regelmässige  Schich- 
tenprofil von  den  Rossfelder  Schichten  aufwärts  bis  zum  Gault.  Das  unmittelbar 
Hangende  von  jenen  bildet  die  mit  Alpenwiesen  bedeckte  Einsattelung.  Es  folgen 
ausserordentlich  quarzreiche  dunkle  Kalke,  welche  dem  Spatangenkalk  fremd 
sind,  dann  erst  entwickelt  sich  der  letztere  mit  seinem  gewöhnlichen  Charakter. 
Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  dass  die  Kalksteine  mit  Quarzkörnern,  welche  eine 
bedeutende  Mächtigkeit  besitzen,  das  Aequivalent  von  Escher’s  zweitem  Gliede 
(6)  des  Valanginien  sind. 

Die  zweite  Stelle  ist  am  Hoch-Ifer;  hier  baut  sich  aus  dem  Grunde  des 
tiefen  Ifer-Tobls  aus  schwach  südlich  (Stunde  11)  geneigten,  sonst  aber  in  ihrer 
Lagerung  ungestörten  Schichten  die  1500  Fuss  hohe  Iferwand  auf.  Juraschichten 
treten  an  ihrem  Fuss,  wie  es  scheint,  nicht  auf.  Unmittelbar  über  mächtigen 
Massen  von  Steingeröll  folgt: 

a)  schwärzlichgrauer,  kieseliger  Kalkstein,  von  weissen  Kalkspathadern 
durchzogen.  Das  Gestein  unterscheidet  sich  von  vielen  in  höherem  Niveau 
auftretenden  nur  durch  seinen  bedeutenden  Kieselgehalt, 

b ) dunkler  Kalkstein  mit  vielen  Quarzkörnern ; auch  dieser  ist  kieselig  und  nach 
Gümbel  partienweise  krystallinisch, 

c)  Gümbel  fand  diese  Schichte  nach  oben  übergehend  in  „einen  sehr  diinn- 
bankigen,  ebengeschichteten  Sandstein  von  weisslichgrauer  Farbe,  welcher 
ausgewittert  fast  wie  die  obere  Lage  des  Gaultsandsteines  aussieht“. 

Hierüber  folgen  typische  schwarze  mergelige  Spatangen-Kalkschichten.  Die 
Schichte  c)  beobachtete  ich  nicht;  es  ist  zu  bemerken,  dass  in  dem  höheren 
Neocomien  derartige  Schichten  nicht  selten  Vorkommen,  daher  ihre  Stellung 
zweifelhaft  bleiben  muss.  Besonders  ist  es  das  gegen  40  Fuss  mächtige  System 
von  b),  welches  auf  Valanginien  zu  deuten  scheint,  da  quarzreiche  Schichten 
höher  hinauf  noch  nicht  beobachtet  wurden. 

Endlich  dürfte  des  Valanginien  noch  in  der  Umgebung  des  Hohen  Frese  hen 
vorhanden  sein.  Es  ist  hier  der  verworrenste  Theil  des  Kreidegebietes;  die  ent- 
blössten  Steilwände  zeigen  so  vielfache  Biegungen  und  Zusammenfaltungen,  dass 
die  Schichtenreihe  schwer  zu  entziffern  ist;  dennoch  lässt  sich  in  einem  Durch- 
schnitt vom  Nord  nach  Süd  die  allmälige  Aufeinanderfolge  der  Hauptglieder  klar 
erkennen.  Hat  man  von  der  hohen  Kugel  südwärts  über  die  Kugelalp  nach  Latora 
wandernd  den  Seewerkalk  überschritten,  so  gelangt  man  plötzlich  (am  Hörndl) 
zu  einer  weithin  zu  verfolgenden,  nach  Stunde  6 streichenden  scharfen  Grenz- 
linie, wo  den  jüngsten  Kreideschichten  abermals  die  ältesten  aufliegen,  von  denen 
man  über  den  Hohen  Freschen  fort  im  Hangenden  allmälig  wieder  die  jüngeren 
Glieder  bis  zu  regelmässig  aufgelagerten  Nummuliten-  und  Flyschschichten 
erreicht.  Auf  dem  bezeichneten  Wege  stösst  man  an  der  Ueberstürzungslinie  un- 
mittelbar auf  versteinerungsreiche  typische  Spatangenkalk-Schichten,  während 

22 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heit. 


168 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


rs2] 

weiter  westlich  dieselben  quarzreichen  Kalke  auftreten,  wie  am  Hohen  Glöckner  und 
Hohen  Ifer.  In  der  Umgebung  des  Hohen  Freschen  treten  sie  durch  die  gross- 
artigen Störungen  noch  hier  und  da  zu  Tage  und  scheinen  bis  gegen  St.  Victors- 
berg fortzusetzen. 

Das  Vorhandensein  des  Valanginien  im  Kreidegebiete  von  Vorarlberg  kann 
natürlich  nicht  als  erwiesen  gelten,  so  lange  nicht  durch  Versteinerungen  die 
Aequivalenz  der  Schichten  entschieden  ist.  Allein  so  unsicher  auch  oft  die  Schlüsse 
aus  dem  petrographischen  Charakter  bei  Sedimentgesteinen  sind,  kann  man  doch 
in  engbegrenzten  Gebieten  und  bei  gleichzeitiger  Berücksichtigung  der  Lage- 
rungsverhältnisse diesen  Weg  oft  mit  grosser  Sicherheit  einschlagen.  In  unserem 
Falle  überdies  wäre  es  in  der  That  auffallend,  wenn  ein  Formationsglied,  das  bei 
Neufchatel  und  am  Säntis  durch  gleiche  Gesteine  vertreten  ist  und  an  dem 
letzteren  Berge,  dem  Urbilde  des  Gebirgsbaues  in  unserem  ganzen  Kreidegebiet, 
noch  so  mächtig  auftritt,  jenseits  des  Rheinthaies,  das  auf  die  Schichtenentwicke- 
lung der  Kreide  gar  keinen  Einfluss  hat,  plötzlich  verschwinden  sollte;  in  solchem 
Falle,  da  man  das  Fortstreichen  nach  Vorarlberg  a priori  erwarten  müsste,  kann 
man  wohl,  wenn  man  dasselbe  Gestein  in  demselben  Niveau  vorlindet,  den  Schluss 
auf  Aequivalenz  mit  hinreichender  Sicherheit  ziehen. 

Es  bleibt  nun  noch  übrig,  das  Verhältnis  der  Rossfelder  Schichten  zum 
Valanginien  festzustellen.  Früher  hatte  man  den  Spatangenkalk  als  unterstes  Glied 
des  Neocomien,  somit  als  den  Eröffner  der  Kreideformation  angesehen.  Desor 
trennte  das  Valanginien  nicht  als  Glied  des  Neocomien,  sondern  als  besondere 
gleichberechtigte  Etage  unter  demselben;  es  schliesst  sich  demnach  dem  Jura  innig 
an  und  seine  unteren  Schichten  wurden  früher  für  jurassisch  gehalten;  erst  ein 
genaueres  Studium  erwies  die  engere  Verwandtschaft  mit  der  Kreide.  Anderer- 
seits hatten  wir  gesehen,  dass  die  Aptychus  Didayi  führenden  Schichten  der 
Canisfluh  ihres  geognostischen  und  paläontologischen  Verhaltens  wegen  von  dem 
Spatangus  retusus  führenden  schweizerischen  Neocomien  gleichfalls  scharf  zu 
trennen  seien  und  dass  sie  sich  geognostisch  auf  das  Engste  den  Oxford-Schichten 
anschliessen;  letzteres  ist  allenthalben,  wo  immer  sie  Vorkommen,  in  solchem 
Maasse  der  Fall,  dass  nur  eine  genaue  Speciesbestimmung  sie  davon  zu  trennen 
vermochte.  Das  östliche  Gebiet  wird  dafür  weitere  Belege  liefern.  Welches  Ge- 
bilde ist  nun  älter,  Valanginien  oder  Didayi-Kalk? 

Berücksichtiget  man  die  innige  geognostische  Vereinigung  von  Valan- 
ginien und  Neocomien,  die  erst  durch  die  Echinodermen-Studien  eines  Desor 
getrennt  werden  konnten  und  andererseits  die  Trennung  der  beiden  Gebilde  der 
Canisfluh,  wo  man  gänzlich  verschiedene  Formationen  zu  sehen  glaubt,  so  dürfte 
schon  hierin  ein  Grund  liegen,  die  Didayi-Schichten  für  älter,  dem  Spatangen- 
kalk ferner  stehend,  zu  betrachten.  Die  Lagerungsverhältnisse  an  der  Canisfluh 
würden  dies  mit  grosser  Bestimmtheit  erweisen,  wenn  in  jenen  quarzführenden 
Schichten  nur  eine  einzige  Versteinerung  des  Valanginien  vorhanden  wäre.  Was 
die  Fauna  betrifft,  so  ist  den  Arten  nach  die  der  Didayi-Schichten  eben  so  weit 
von  der  des  Valanginien  entfernt,  als  beide  von  der  Fauna  des  Spatangenkalkes; 
dem  allgemeinen  Charakter  nach  aber  steht  die  der  Didayi-Schichten  ungleich 
ferner,  da  sie  zugleich  eine  andere  Facies  darstellt.  An  allen  Orten,  wo  ihre 
Fauna  getrennt  untersucht  wurde,  hat  man  kaum  eine  Art  als  gemeinschaftlich 
mit  dem  Spatangenkalke  auffinden  können.  Das  Studer’sche  Verzeichniss  gibt, 
wie  gezeigt  wurde,  die  Arten  aus  beiden  Etagen  zusammen. 

Sind  auch  diese  Gründe  für  einen  Beweis  noch  zu  schwach,  so  glauben  wir 
doch  in  unserem  Kreide-Becken  die  Rossfelder  Schichten  mit  Ammon . Didayi 
als  unterstes  Glied  setzen  zu  müssen;  ihnen  folgt  das  Etage  Valanginien  und  dann 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


169 


[83] 


erst  das  Neocomien  mit  seiner  unteren  und  oberen  Abtheilung,  welche  als  Spatan- 
genkalk  und  Caprotinenkalk  bekannt  sind. 


3.  Spatangenkalk. 

Dieses  Glied  ist  durch  seine  Mächtigkeit  bei  weitem  das  herrschende  in  der 
Kreideformation  Vorarlbergs  und  nimmt  wohl  drei  Viertheile  der  Oberfläche  des 
ganzen  Gebietes  ein,  dessen  Charakter  dadurch  wesentlich  bestimmt  wird.  Der 
Name  stammt  von  dem  leitenden  Spatangus  retusus  Lam.\  in  Vorarlberg  kommt 
er  selten  vor,  während  manche  andere  Versteinerungen  durch  das  ganze  System 
verbreitet  sind.  Die  untere  Grenze  ist  meist  verhüllt  und  dort,  wo  sie  aufge- 
schlossen ist,  durch  den  Uebergang  in  das  Valanginien  unklar,  während  die  obere 
durch  die  Auflagerung  des  stets  charakteristisch  auftretenden  Caprotinenkalkes 
scharf  und  bestimmt  ausgesprochen  ist. 

Die  Gesteine  dieses  Formationsgliedes  zeichnen  sieb  im  Allgemeinen  durch 
das  Vorherrschen  und  stete  Wiederkehren  schwarzer  verhärteter  Mergel  aus,  die 
zum  Theil  an  der  Luft  aschblau  verwittern.  Ausserdem  kommen  dieselben  Gesteine 
vor,  welche  Studer  aus  der  Schweiz  anführt:  „innige  Gemenge  von  Kalk, 
Kieselsand  und  Thon,  die  zwischen  Kalkstein  und  Sandstein  schwanken“.  Ferner 
finden  sich  schwarzgraue,  mit  weissen  Kalkspath-  und  gelben  Bitterspath-Adern 
durchzogene  Kalke,  andere,  welche  dünnbankig  und  von  wulstig  herausgewitter- 
ten, kieseligen  Ausscheidungen  durchzogen  werden,  so  dass  sie  gewissen  Flysch- 
gesteinen  täuschend  ähnlich  sind.  Schwarze  mergelig  kalkige  Schiefer  sind 
allenthalben  zwischengelagert.  Drei  Merkmale  zeichnen  diese  Gesteine  aus,  so 
dass  man  sie  stets  leicht  wiedererkennt,  das  ist  zunächst  die  stets  dunkle,  schwärz- 
liche Färbung,  ferner  die  grünen  Eisenoxydulsilicat-  (Glaukonit-)  Körner,  welche 
besonders  die  festeren  Schichten  in  grosser  Menge  erfüllen  und  im  frischen  Ge- 
steindurchscheinend sind,  aber  durch  Verwitterung  leicht  braun  und  undurchsichtig 
werden.  In  den  parallelen  Gesteinen  der  Schweiz  sollen  diese  Körnchen  nach 
Esch  er  noch  ungleich  häufiger  Vorkommen  *).  In  den  weichen  mergeligen 
Schichten  beobachtete  ich  die  Glaukonitkörnchen  nicht,  dagegen  tritt  hier  ein 
feiner  Quarzsand  auf,  der  dem  Gestein  in  ungleichem  Verhältnisse  beigemengt  ist 
und  oft  so  vorherrscht,  dass  es  vom  Grünsand  des  Gault  nicht  zu  unterscheiden 
ist.  Das  dritte  für  die  vorarlbergischen  Kreidegesteine  überaus  charakteristische, 
für  diejenigen  der  Schweiz  nicht  angeführte  Merkmal  ist  die  oolithische  Structur 
fast  aller  festeren  Schichten.  Die  oolithischen  Körnchen  erreichen  selten 
über  i/2  Linie  im  Durchmesser  und  sind  von  unregelmässiger  Gestalt.  Meist 
sind  sie  dunkler  als  der  bindende  Kalk,  dem  die  Glaukonitkörnchen  beigemengt 
sind. 

Was  die  Aufeinanderfolge  dieser  petrographiseh  verschiedenen  Schichten 
betrifft,  so  besteht  stets  der  untere  Theil  aus  vorwiegend  mergeligen  Gesteinen, 
während  nach  oben  die  kalkigen  Schichten  häufiger  und  mächtiger  werden. 
Wiederum  dient  die  Wand  des  Hohen  Ifers  als  bestes  Beispiel.  Doch  auch  in 
allen  anderen  Theilen  des  Gebietes  findet  sich  dieselbe  Folge.  So  treten  in  der 
ganzen  Umgebung  von  Bezau  und  Bizau  nur  die  jüngeren  Schichten  zu  Tage  und 
zeichnen  sich  durch  ihre  feste  Gesteinsbeschaffenheit  mit  sparsamen  thonigen 
Zwischenlagen  aus.  Ganz  anders  im  Mellenthal,  wo  die  tieferen  Schichten  vor- 
herrschen. Steigt  man  aus  dem  Kessel  des  Siinser  See’s  herab,  so  durchschreitet 


*)  Vorarlberg.  Seite  10. 


22 


170 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[84] 

man,  nachdem  man  Flysch,  Nummulitenkalk  und  einige  Seewer- Schichten  verlassen 
hat,  das  ganze  umgekehrte  Kreidesystem;  zuerst  erscheinen  schwarze  Neocom- 
Mergel  mit  Spatangus  retusus,  über  deren  schlüpfrige  Abhänge  der  Weg 
steil  nach  der  obersten  Alpe  herabführt.  Erst  kurz  vor  derselben  folgt  eine  stei- 
lere Wand  von  festeren  Schichten.  Ueber  hohe  Terrassen  mit  prachtvollen 
Wasserfällen  steigt  man  von  Alpe  zu  Alpe  hinab.  Die  letzte  Terrasse  wird  von 
Caprotinenkalk  gebildet  und  darunter  treten  Gaultsandsteine  und  weisse  splittrige 
Seewerkalke  charakteristisch  auf.  Weiter  thalabwärts  hat  man  noch  vielfach 
Gelegenheit  den  Wechsel  der  Neocomschichten  kennen  zu  lernen.  Bei  Hohenems 
bildet  ein  weisser,  grobkörniger,  schwarzadriger  Marmor,  der  sich  zu  grösseren 
Sculpturarbeiten  eignen  würde,  in  nicht  unbedeutender  Mächtigkeit  die  höchsten 
Schichten  des  Spatangenkalkes.  Der  Weg  über  die  Alpe  Gsohl  nach  der  Hohen 
Kugel  führt  zweimal  über  dieses  Grenzgestein  hinweg.  Unmittelbar  darunter 
folgt  zwar  eine  mergelige  Schicht  welche  eine  Unzahl  von  Exogyra  Couloni  Df. 
umschliesst,  allein  nur  um  im  Liegenden  noch  sehr  mächtigen  Kalken  Platz  zu 
machen.  Weiterhin  gegen  Klien  umschliesst  dieselbe  mergelige  Schicht  eine  Bank 
der  Ostrea  macroptera , in  der  sich  eine  grosse  Menge  anderer  Thiere  festgesetzt 
haben.  In  dem  ganzen  Gebiete  finden  sich  die  Versteinerungen  in  grösster  Zahl 
in  den  weicheren  zwischengelagerten  Mergeln  der  oberen  kalkigen  Abtheilung. 
Einzelne  derselben  lassen  sich  in  grosser  Erstreckung  verfolgen,  so  besonders 
ein  Schichtensystem  von  geringer  Mächtigkeit,  welches  am  Bezeck  zwischen 
Bezau  und  Andelsbuch  ungemein  versteinerungsreich  auftritt  und  östlich  bei 
Schönebach,  so  wie  im  westlichen  Tlieile  des  Gebietes  unter  der  Burg  Hohenems 
mit  den  gleichen  Eigenschaften  wiederkehrt.  Die  beiden  Austernbänke  sind  nur 
locale  Facies  derselben  Schicht. 

Die  Mächtigkeit  des  Spatangenkalkes  lässt  sich  nur  am  Nordabsturz  des 
hohen  Ifer  schätzen,  wo  sie  über  den  als  Valanginien  gedeuteten  Schichten  noch 
900 — 1000  Fuss  betragen  mag;  sie  dürfte  der  in  der  Schweiz  beobachteten 
wenig  nachstehen,  da  Studer  sie  am  Faulhorn  zu  500  Meter  angibt  und  das 
Valanginien  nicht  ausgeschieden  hat. 

Die  Fauna  des  Spatangenkalkes  in  Vorarlberg  ist  überaus  reich,  aber  fast 
ausschliesslich  auf  die  eben  angeführten,  der  oberen  Abtheilung  eingelagerten 
Schichten  beschränkt,  in  denen  Petrefacten  oft  massenhaft  zusammengehäuft  sind. 
Den  in  der  Schweiz  so  häufigen  Spatangus  retusus  Lam.  fand  ich  nur  am  Ur- 
sprünge desMellenthales  in  den  tiefsten  Schichten  des  Formationsgliedes.  Toxaster 
complanatus  Ag.  kömmt  höher  hinauf  vor.  Ostrea  macroptera  d'Orb.  ist  überaus 
häufig  und  Exogyra  Couloni  erfüllt  südlich  von  Hohenems  ganze  Bänke  mit  ihren 
dicken  gekielten  Schalen.  Andere  Austern  kommen  in  Unzahl  und  in  grosser 
Mannigfaltigkeit  der  Arten  vor,  so  besonders  am  Bezeck  und  an  der  Austernbank 
bei  Klien.  An  beiden  Stellen  sind  Terebrateln  in  Menge  zwischen  den  Schalen 
zerstreut,  insbesondere  die  verbreiteten  Arten  Terebratula  praelonga  Sow., 
Ter.  depressa  d'  Orb.,  Ter.  tamarindus , Ter.  lata  d'  Orb.;  ferner  finden  sich 
Belemniten  {Bel.  bipartitus (?)  d’Orb.,  Bel.  subfusiformis  Basp.,  letzterer  von 
Gümbel  angeführt),  auch  unbestimmbare  Spuren  von  Ammoniten,  endlich  sehr 
häufig  Korallen  und  besonders  Bryozoen,  die  aber  weniger  an  den  Gesteins- 
charakter gebunden  sind. 

4.  Schrattenkalk  (oder  Caprotinenkalk). 

Das  oberste  Glied  des  im  schweizerisch-provensalischen  Kreidebecken  auf- 
tretenden Neocomien  hat  man  als  Schrattenkalk  (nach  dem  in  Entlibuch 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


171 


[88] 


„Schratten“  genannten  Karrenfeldern  des  Berges  Schratten1)»  Rudistenkalk 
(Stu der),  Hierogi} phenkalk,  Caprotinenkalk  u.  s.  w.  bezeichnet  und  als  Reprä- 
sentanten des  Neoeomien  B von  d'Orbigny  oder  Etage  ZJrgonien  d’Orb.  fest- 
gestellt. Es  zeichnet  sich  in  Vorarlberg  und  am  Grünten  durch  dieselben  Eigen- 
schaftenaus,  die  in  seinem  ganzen  Verbreitungsgebiete  angeführt  werden.  Ein  hell- 
grauer bis  weisser,  fester  und  spröder  Kalkstein  bildet  mit  wenig  wechselnden» 
Charakter  das  ausschliesslich  vorkommende  Gestein.  Seine  senkrecht  abgebro- 
chenen, der  Verwitterung  Trotz  bietenden  mauerartigen  Schichten  contrastiren 
durch  ihre  Schroffheit  auffallend  gegen  das  dunkle,  nur  an  den  Nordabhängen 
steil  abztürzende  Neoeomien,  so  wie  gegen  die  fruchtbareren  Schichten  des  Gault, 
von  denen  er  in  der  Regel  bedeckt  ist.  Meist  krönt  er  in  tafelartiger  Ausbreitung 
die  bewaldeten  und  mit  Alpen  bedeckten  Abhänge  der  Mergelgesteine  als  ein 
weithin  sichtbares,  landschaftlich  schöne  Abwechslung  bedingendes  Band,  oben 
aber  breitet  er  sich  zu  den  scharfkantig  ausgewitterten,  wild  zerrissenen  Karren- 
feldern aus,  „die  als  hellgraue  fast  weisse  Felsflächen,  wie  Gletscher  das  Grün 
der  Alpenweiden  und  Wälder  unterbrechen^.  Für  den  Geologen  ist  dieser  Gesteins- 
charakter ungemein  wohlthätig,  da  er  einen  leicht  erkennbaren  sicheren  Horizont 
in  dem  sonst  so  vielgestaltigen  Kreidegebiete  gewährt;  indem  das  Flötz  jeder 
Schichtenbiegung  folgt,  gibt  es  schon  aus  der  Ferne  ein  klares  Bild  des  geo- 
gnostischen  Baues  und  ist  allein  geeignet  in  den  vielen  Ueberstürzungen  das  nor- 
male Verhalten  herauserkennen  zu  lassen. 

Die  bereits  bei  einigen  Neocomiengesteinen  erwähnte  o o 1 i t h i s c h e S t r u c- 
tur  wird  bei  dem  Caprotinenkalk  fast  zur  Norm;  die  Körner  sind  heller  als  die 
Grundmasse  und  unregelmässig  gestaltet.  Auch  hier  kommen  Glaukonitkörnchen 
vor,  jedoch  sparsamer  als  im  Neoeomien.  Die  dichten  splittrigen  Gesteine  enthalten 
meist  mit  Ausnahme  einiger  Caprotinen  keine  deutlichen  Versteinerungen,  sondern 
nur  in  Kalkspath  verwandelte  unbestimmbare  Schalen;  je  vollkommener  aber  die 
oolithische  Structur,  desto  grösser  wird  der  Reichthum  an  Versteinerungen.  Oft 
sind  dieselben,  insbesondere  die  kleinen  Korallen,  Bryozoen  und  Foraminiferen, 
so  zahlreich  neben  den  oolithischen  Körnchen  zusammengehäuft,  dass  Gümbel 
das  Gestein  dem  sogenannten  Granitmarmor  aus  der  Nummulitenformation  von 
Neubeuern  vergleicht2).  Meist  sind  diese  Schichten  sehr  hell;  gegen  die  Grenze 
des  Neoeomien  werden  sie  gewöhnlich  dunkler,  zuweilen  auch,  wie  bei  Hohenems, 
gleichzeitig  durch  mergelige  Beimengungen  weich,  daher  die  zahlreichen  Capro- 
tinen sich  hier  mit  grosser  Leichtigkeit  aus  dem  Gesteine  herauslösen  lassen. 

Die  Mächtigkeit  schwankt  zwischen  50  und  150  Fuss,  in  der  Schweiz  gibt 
sie  Stu  der  bis  100  Meter  an. 

Von  der  durch  die  Schweizer  Geologen  bekannt  gewordenen  Fauna  des 
Schrattenkalkes  brauche  ich  hier  kaum  etwas  zu  erwähnen,  da  sie  dort  schon  mit 
grosser  Genauigkeit  studirt  wurde.  Die  beiden  charakteristischen  Formen  Capro- 
tina  ammonia  d'  Orb.  und  Caprotina  gryphaeoides  d’Orb.  kommen  allenthalben 
in  grosser  Menge  vor,  und  auch  die  sonstige  Fauna  ist,  besonders  in  den  niederen 
Thierclassen,  reich  vertreten. 


5.  flaalt. 

Petrographisch  scharf  getrennt  lagert  dem  Caprotinenkalke  eine  Reihe  von 
Schichten  auf,  die  sich  durch  das  Vorherrschen  von  Sandsteinen  und  durch  grüne 


D Studer,  a.  a.  0.  Seite  76. 

2)  Der  Grünten,  eine  geognostische  Skizze.  München  1856.  Seite  10. 


172 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[86] 

Färbung  auszeichnen.  Sie  wurden  in  der  Schweiz  längst  als  ein  fast  vollkommenes 
Aequivalent  des  Terrain  Albien  von  d’Orbigny  erwiesen  und  von  Studer  nach 
ihrem  geognostischen , von  Pictet  nach  ihrem  paläontologischen  Charakter  be- 
schrieben. Zuweilen  sieht  man  die  Schichten  in  braunroth  verwitterten  Mauern 
entblösst,  weit  häufiger  aber  bilden  sie  sanfte  heraste  Gehänge,  die  dort,  wo 
Sandstein  vorherrscht,  die  Vegetation  verlieren  und  die  Schichten  zu  Tage  treten 
lassen.  Die  Mannigfaltigkeit  des  petrographischen  Charakters  ist  bedeutend  grosser 
als  in  dem  gleichförmigen  Caprotinen-Flötze.  Folgende  von  Esc  her1)  gegebene 
Uebersicht  der  Gesteinsabänderungen  dürfte  erschöpfend  sein. 

a)  Dunkelgrüne  kalkige  Schiefer,  oft  sehr  verwitterbar , oft  von  bedeutender 
Festigkeit,  nicht  selten  übergehend  in 

ß)  knolligen  Kalkstein,  in  welchem  der  grüne  Schiefer  die  Zwischenräume 
zwischen  den  oft  sehr  langgezogenen,  unregelmässigen  Ausscheidungen  des 
meist  dunkelblaugrauen,  hier  und  da  grünlich  gesprenkelten  Kalksteins  ein- 
nimmt und  der  Auflösung  gewöhnlich  stärker  widersteht,  daher  in  1 — 3 Linien 
hohen  welligen  Grätchen  an  der  ausgewitterten  Oberfläche  hervorragt.  Mit 
diesem  Knollenkalk  nahe  verwandt  ist 

•y)  kieseliger,  meist  äusserst  feinkörniger  Kalkstein  mit  auf  der  verw  itterten 
Oberfläche  ausragenden  unrein  kieseligen  Knauern  und  oft  reich  an  grünen 
Körnchen,  daher  in  vielen  Fällen  petrographisch  nicht  zu  unterscheiden 
vom  Kieselkalk  des  Neocomien. 

0)  Quarziger  feinkörniger  Sandstein,  gewöhnlich  in  Folge  der  grossen  Zahl 
beigemengter  grüner  Körnchen  gelblich  und  grünlich  gesprenkelt,  im  Allge- 
meinen massig. 

s)  Pentacriniten-Breecie,  gewöhnlich  dunkelblaugrau,  mehr  oder  minder  grob, 
oder  feinspäthig-körnig,  mit  nicht  selten  deutlichen  ausgewitterten  Pentacri- 
nitengliedern. 

Der  Gault  ist  in  seiner  ganzen  Erstreckung  durch  die  Verschiedenartigkeit 
der  Schichtenfolge  und  der  Mächtigkeit  charakterisirt.  Doch  dürfte  die  erstere 
in  der  letzteren  ihre  Begründung  finden,  indem  bald  nur  die  obere,  bald  die  ganze 
Folge  entwickelt  ist.  In  der  Schweiz  erreicht  er  mehr  als  100  Fuss  Mächtigkeit, 
am  Grünten  nach  Gümbel  nur  an  30 — 40  Fuss;  in  Vorarlberg  wechselt  sie, 
nimmt  aber  im  Allgemeinen  nach  dom  Ostufer  des  Kreidebeckens  hin  ab.  Dem 
entsprechend  ist  die  petrographische  Beschaffenheit.  Denn  wie  am  Grünten 
nur  Sandsteine  entwickelt  sind,  so  ist  es  auch  in  dem  zunächst  gelegenen  Thale 
Mittelberg  und  an  der  Subersalp  (westlich  vom  Hoch-Ifer);  hier  aber  nimmt  die 
Mächtigkeit  bedeutend  zu  und  schon  ein  wenig  weiter  westlich,  im  Thale  von 
Bizau , treten  unter  den  sandigen  Schichten  die  unter  a,  ß und  y beschriebenen 
auf.  Eisenkiesreiche,  zähe,  grüne  Schiefer  mit  Hornstein-  und  Kalkknollen  sind 
besonders  am  Wege  von  Bezau  nach  Schönebach  als  das  unmittelbar  Hangende  des 
Caprotinenkalkes  aufgeschlossen,  also  entsprechend  der  Lagerung  in  der  Schweiz. 
Bei  dem  Badeorte  Beutte  nehmen  diese  Schiefer  Eisenerz  auf  und  scheinen,  nach 
losen  umherliegenden  Blöcken  zu  urtheilen , versteinerungsreich  zu  sein.  Es 
ergibt  sich  also  im  Allgemeinen  eine  untere  schieferige  und  eine  obere  sandige 
Abtheilung.  Die  Encrinitenschicht  (s)  gehört  der  letzteren  an  und  ist  daher  auch 
am  Grünten  entwickelt.  Das  in  anderen  Gegenden,  auch  noch  am  Säntis  unge- 
mein versteinerungsreiche  Schichtensystem  zeigt  in  Vorarlberg  nur  eine  sehr 
sparsame  Fauna  in  wenigen  undeutlichen  Formen.  Es  eher  erwähnt  Ammonites 


J)  Vorarlberg.  Seite  13. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


173 


[87] 


Milletianus  und  Discoidea  rotula  Ag.  \ om  Margarethen -Kapf1)  bei  Feldkirch, 
dem  Hauptfundorte  für  Vorarlberg.  Es  gelang  mir  nicht,  mehr  bestimmbare  For- 
men zu  entdecken.  Vom  Grünten  erwähnt  Gümbel  acht  Arten. 

6.  Seewerschichten. 

Dieses  Schichtensystem,  das  von  dem  Vorkommen  zu  Seewer  bei  Schwyz, 
wo  es  durch  grosse  Steinbrüche  entblösst  ist,  den  Namen  führt,  erfüllt  in  Vorarl- 
berg wie  in  der  Schweiz  die  Lücke  zwischen  Gault  und  Nummulitenbildung.  Seine 
genauere  Parallelisirurig  bleibt  aber  nach  den  bisherigen  geringen  Anhaltspunkten 
unsicher.  Es  eher  sucht  zu  zeigen  (Vorarlberg  p.  14),  dass  es  vielleicht  den 
ganzen  Complex  von  Cenoman,  Turon  und  Senon  repräsentirt,  auf  Grund  mehrerer 
Versteinerungen  aus  diesen  drei  Etagen,  welche  im  Seewer  der  Schweiz  gefunden 
wurden.  Es  sind  dies : Salenia  petalifera  Ag.  und  Holaster  suborbicularis  Ag. 
aus  dem  Cenoman,  Holaster  subglobosus  Ag.  aus  dem  Turon,  endlich  Anan- 
chytes  ovatas  Lam .,  Micraster  cor  anguinum  Ag.  (?),  Inoceramus  Cuvieri 
d'Orb.,  Ammonites  Gollevillensis  d Orb.  (?)  aus  dem  Senon.  Die  erste  und  dritte 
Species  des  letzteren  Etage  wurden  auch  in  Vorarlberg  gefunden.  Wenn  wir 
darum  schon  aus  paläontologischen  Gründen  nicht  mit  Herrn  Gümbel  ein  beson- 
deres Etage Seew er ien  unterscheiden  können,  das  seine  Stellung  zwischen  Albien 
und  Cenomanien  haben  soll  und  nach  dem  Vorkommen  eines  als  Exogyra  Columba 
bestimmten  Petrefactes  ausgeschieden  wurde,  so  scheinen  auch  die  Lagerungs- 
verhältnisse in  Vorarlberg  mehr  für  Herrn  Escher’s  Annahme  zu  sprechen,  da 
zwischen  Gault  und  Nummulitenschichten  eine  ununterbrochene  parallele  Abla- 
gerung stattfindet.  Nirgends  ist  dies  klarer  als  in  dem  später  näher  zu  beschrei- 
benden Profil  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel.  Ueberhaupt  ist  für  das  Stu- 
dium der  Seewer-Schichten  keinTheil  von  Vorarlberg  geeigneter  als  die  Umgegend 
von  Hohenems,  wo  man  allenthalben  die  ganze  Schichtenreihe  vom  Neoeom  bis 
zum  Nummulitenkalk  in  den  klarsten  Profilen  durchwandern  kann.  Die  auch  in 
der  Schweiz  nur  200  Fuss  betragende  Mächtigkeit  steigt  an  der  Hohen  Kugel, 
deren  ganzer  oberer  Theil  mit  Ausnahme  der  höchsten  Spitze  aus  Seewerbildun- 
gen  besteht,  zu  wenigstens  3 — 600  Fuss;  es  steht  aber  nicht  fest,  ob  die  Mäch- 
tigkeit durch  eine  Faltung  zu  diesem  Betrage  gesteigert  wird. 

Der  untere  Theil  der  Formation,  der  den  Gault  unmittelbar  überlagert,  ist 
ein  heller,  sehr  spröder  und  splittriger  kieseliger  Kalk  mit  vielen  schlecht  erhal- 
tenen Belemniten.  Er  ist  mit  keinen  anderen  Gesteinen  der  Kreideformation  zu 
verwechseln.  Die  einzelnen  Schichten  sind  sehr  mächtig  und  bilden  häufig  zackig 
ausgewitterte  Riffe  und  Karrenfelder,  ähnlich  dem  Caprotinenkalk.  Höher  hinauf 
verliert  sich  der  Kieselgehalt  und  ein  klein  wenig  Thonerde  tritt  an  seine  Stelle. 
Der  Gesteinscharakter  wird  nun  ein  wesentlich  verschiedener.  Die  mächtige 
Schichtung  löst  sich  in  ein  unvollkommen  schiefriges  Gefüge  auf.  Der  Kalk  zer- 
fällt in  dünne  unebene  Tafeln  und  ist  in  seiner  ganzen  Masse  von  dunkleren, 
vielfach  verästelten  Flecken  durchzogen,  welche  die  Gestalt  von  Algen  haben  und 
wohl  von  solchen  herrühren ; niemals  jedoch  kommen  die  für  die  Fleckenmergel 
des  Lias  charakteristischen  Formen  vor,  es  sind  mehr  langgezogene , gerade 
Stengel  von  geringer  Breite.  Ausserdem  kommen  in  den  unbestimmt  dünnschichtig 
abgesonderten  Kalken  viele  Inoceramen  vor,  die  als  Inoceramus  Cripsii  bestimmt 
wurden.  Sie  sind  charakteristisch  für  die  Schicht;  ihre  Durchschnitte  lassen  sich 


0 Der  Ardetzerberg  wird  in  einer  tiefen  senkrechten  Kluft  von  der  111  durchbrochen  und  in 
die  beiden  „Käpfe“  gespalten,  dies  ist  der  südliche. 


174 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[88] 

überall  leicht  erkennen,  wenn  es  gleich  fast  unmöglich  ist,  eine  Schale  bloss- 
zulegen.  Gümbel  fand  unweit  Dornbirn  Ananchytes  ovatus.  Auch  unbestimmte 
Belemniten  kommen  hin  und  wieder  vor. 

Ohne  scharfe  Abgrenzung  folgen  auf  diese  Schicht  dünnschieferige  weiche 
Mergel,  welche  mit  steilem  Einfallen  längs  des  ganzen  Weges  von  Hohenems 
nach  Reuttele  entblösst  sind.  Meist  dienen  sie  wegen  ihrer  weichen  Beschaffenheit 
zu  Thalauswaschungen  (bei  Hohenems  und  im  Imsgrund  östlich  von  Bezau),  und 
da  sie  überdies  häufig  bewachsen  sind,  so  lassen  sie  sich,  was  Vorarlberg 
betrifft,  sehr  selten  beobachten.  So  treten  sie  am  Südabhange  des  Hohen 
Freschen  mit  Bestimmtheit  nicht  auf ; hier  liegt  eine  Nummulitenschicht 
unmittelbar  auf  den  erwähnten  Inoceramen  führenden  Gesteinen.  Auch  Es  eher 
und  Gümbel  erwähnen  ihrer  nicht,  daher  sie  trotz  ihrer  nicht  unbedeutenden 
Mächtigkeit  vielleicht  nur  als  eine  der  Gegend  von  Hohenems  angehörende  Modi- 
fication  anzusehen  sind,  vielleicht  auch  schon  der  hier  eng  damit  verbundenen 
Nummulitenformation  angehören. 

Die  am  Säntis  und  am  Grünten  vorkommende,  mit  rothen  Hornsteinlagern 
verbundene  rothe  und  rothbraune  Färbung  einzelner  Schichtencomplexe  beobach- 
tete ich  in  Vorarlberg  nicht. 

Die  Fauna  beschränkt  sich  auf  das  Wenige,  das  wir  bereits  erwähnten. 

B.  Verbreitung  und  L a g e r u n g. 

Studer  sagt  *)  von  der  schweizerischen  Kreideformation : „Es  scheint  die 
Zeit,  während  welcher  diese  Bildungen  sich  ablagerten,  in  unseren  Alpen  eine 
sehr  bewegte  gew  esen  zu  sein.  Die  Formationsfolgehat  sich  nur  selten  vollständig 
ausgebildet;  bald  fehlt  dieses  Glied,  bald  jenes,  und  die  Lücke  deutet  auf  ein 
Trockenliegen  der  Unterlage  während  dieser  Epoche  der  Ablagerung,  auf  eine 
Hebung  vor  derselben;  bald  ist  eine  Formation  zu  ungewöhnlicher  Mächtigkeit 
angewachsen,  als  ob  in  einem  anhaltend  sich  tiefer  senkenden  Meeresgründe 
die  Ablagerungen  vorzugsweise  sich  angehäuft  hätten“. 

Diese  Worte  gelten  für  die  Verhältnisse  diesseits  des  Rheins  nicht  mehr; 
durch  ganz  Vorarlberg  bis  zum  Grünten  ist  die  Ablagerung  im  Allgemeinen  eine 
sehr  gleichmässige  und  ruhige  gewesen.  Ueberall  finden  wir  eine  sich  gleich- 
bleibende Ausbildung  und  wo  immer  ein  sicheres  Profil  aufgeschlossen  ist,  da 
zeigt  es  den  ebenmässigen  Bau  durch  das  ganze  Gebiet.  Der  Uebergang  von 
jenen  gestörten  Kreidebildungen  der  West-Schweiz  in  die  ruhig  abgelagerten  des 
östlichen  Rheingebietes  ist  allmälig  und  wurde  ebenfalls  schon  von  Studer 
angedeutet,  indem  er  im  Gegensätze  zu  jenen  Worten  hinzufügt:  „in  der  mittle- 
ren und  östlichen  Schweiz  sind,  wie  in  einem  Theile  von  Savoyen,  alle  Stufen  der 
Bildung  entwickelt“.  Ein  Blick  auf  die  von  demselben  Geologen  entworfene 
Karte  der  Schweiz  zeigt  dies  mit  grosser  Klarheit. 

Allein  so  ruhig  während  der  langen  Periode  die  Ablagerung  erfolgte,  so 
bedeutend  waren  die  späteren  Störungen  des  Gebirgsbaues.  Das  mächtige 
Kreidesystem  wurde  in  seinem  ganzen  Schichtencomplex  wellig  gebogen,  über- 
stürzt und  zu  einem  in  grossen  zusammenhängenden  Massen  aus  dem  eocenen 
Meere  herausragenden  Gebirgsland  umgewandelt,  um  gegen  Ende  der  eocenen 
Periode  noch  einmal  an  den  gewaltigen  Revolutionen  Theil  zu  nehmen,  welche, 
die  mächtigsten  in  der  Geschichte  der  Nordalpen,  den  Flysch,  zu  6000  Fuss 


U Geologie  der  Schweiz.  II,  Seite  65. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


175 


[89] 

hohen  Bergzügen  emporgehoben  und  es  vermochte,  in  weiter  Erstreckung  (von 
Mittelberg  bis  Vaduz)  den  Complex  der  Triasschichten  auf  den  Flysch  hinaufzu- 
schieben. So  kommt  es,  dass  das  Kreidegebirge  ein  völlig  selbstständiges 
Gebiet  einnimmt,  das  von  mehreren  Seiten  vom  Flysch  umschlossen  wird.  Inner- 
halb des  Gebietes  aber  findet  im  Gebirgsbau  eine  Regelmässigkeit  statt,  wie  sie 
selten  in  den  Alpen  anzutreffen  ist.  Langgestreckte  Rücken  ziehen  von  West 
nach  Ost  (Stunde  5)  und  wo  sie  im  Westen  von  Thälern  durchbrochen  werden, 
da  erkennt  man  in  der  Biegung  der  Schichten  an  den  Wänden  der  Durchbruchs- 
spalten die  deutliche  Fortsetzung  bis  in’s  Rheinthal,  während  sich  im  Osten  die 
Züge  unter  dem  bedeckenden  Flysch  verlieren.  Jeder  Rücken  entspricht  einer 
Wölbung  der  Schichten.  Diese  steigen  von  Süden  her  allmälig  an,  biegen  an 
einer  langgezogenen,  dem  Streichen  folgenden  Höhenlinie  plötzlich  um  und  fallen 
steil,  oft  senkrecht,  selbst  überstürzt,  gegen  Norden  ab.  Oft  wird  die  Höhenlinie 
durch  eine  scharfe  Kante  gebildet,  an  der  die  Abhänge  unter  einem  rechten 
Winkel  zusammenstossen.  So  entsteht  ein  System  von  parallelen  Sturzwellen, 
zwischen  denen  eben  so  viele  Thäler  von  ähnlicher,  aber  umgekehrter  Form  das 
vielverzweigte,  eigenthümliche  Thalsystem  der  Bregenzer  Ache  bilden. 

Der  Knotenpunkt  des  Kreidegebiets  ist  die  Canisfluh;  ihr  grossartiges 
Juragewölbe  gibt  den  Schlüssel  zum  Verständnisse  aller  Hebungsverhältnisse. 
Aus  den  umgebenden  Kreidebildungen  heraus  zu  mehr  als  6000  Fuss  Höhe  em- 
porgehoben und  nur  von  einem  einzigen  Neocomgipfel  der  nächsten  Umgebung 
(Mittagspitz)  überragt,  scheint  sie  zugleich  den  wahren  Hebungsmittelpunkt  zu 
bilden.  Wir  müssen  daher  ihren  Bau  betrachten , ehe  wir  uns  zu  dem  der 
Kreideberge  wenden. 

Kommt  man  von  Norden,  so  erscheint  die  Canisfluh  als  eine  wahre  Fluh, 
man  sieht  eine  kolossale,  fast  senkrechte  Felswand  von  4000  Fuss  Höhe  aus  dem 
Thalgrunde  aufsteigen;  ihr  oberer  Theil  ist  eine  aus  horizontal  scheinenden 
Schichten  aufgebaute  Mauer,  die  sich  in  einzelne  Gipfel  auflöst.  Ganz  anders 
von  Süden.  Wer  von  Hopfreben  nach  Schoppernau  abwärts  wandert  und  aus  der 
engen  Schlucht  tritt , in  welcher  die  Bregenzer  Ache  den  südlichen  Flyschzug 
durchbricht,  der  wird  überrascht  von  der  grossartigen  Massenentfaltung  in  der 
der  König  der  Berge  des  Bregenzer  Waldes  mit  seiner  östlichen  Fortsetzung,  der 
Hirschbergfluh  erscheint.  Beide  erweisen  sich  von  hier  aus  als  eine  Gebirgs- 
masse,  die  durch  eine  tiefe  und  schroffe  Querspalte  in  die  zwei  Fluhe  getrennt 
ist.  Mit  sanfter  Wölbung  ziehen  die  Schichten  herab , welche  die  besten  Alp- 
weiden des  Bregenzer  Waldes  tragen , und  contrastiren  malerisch  gegen  die 
schroffen  Wände  der  Spalte.  Steht  man  endlich  in  dieser,  so  hat  man  das  Profil, 
welches  jene  verschiedenen  Ansichten  veranlasst,  in  prachtvoller  Entblössung  vor 
Augen.  Man  sieht  klar  wie  von  der  Höhe  die  Schichten  gegen  Norden  steil  ab- 
stiirzen  , im  obersten  Theil  aber  abgebrochen  sind,  daher  jener  mauerartige 
Aufbau  !).  Ungleich  deutlicher  noch  sieht  man  das  steile  nördliche  Umbiegen  der 
Schichtenein  wenig  weiter  westlich  bei  der  Hochstetter  Alp  über  Mellau, 
wo  man  unmittelbar  vor  einer  Felswand  mit  ausgezeichneter  Entblössung  der 
Schichten  steht  (Fig.  34). 

Weniger  klar  sind  die  Verhältnisse  nach  Ost  und  West  aufgeschlossen. 
Nach  beiden  Seiten  setzt  der  Rücken  des  Gewölbes  fort,  nimmt  allmälig  an  Höhe 
ab  und  verschwind  et  westlich  am  Hohen  Koyen,  östlich  an  der  Hirschberg- 
fluh  unter  den  mächtig  sich  aufthürmenden  Schichten  des Spatangenkalkes.  Der 
Kern  des  Gewölbes  besteht  aus  dem  schon  beschriebenen  Jurakalk,  der  bei  Au 


0 Siehe  Profil  XXIII. 

Ii.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Baud,  1861  und  1862.  11.  Heft. 


17(5 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[90] 

allein  herrscht , da  hier 
die  Neocomienschichten  im 
Thalgrunde  verborgen  sind. 
Erst  wenn  man  beim  Auf- 
stieg allmälig  die  höheren 
Schalen  erreicht , kommt 
man  zu  den  Kalken  mit 
Aptychus  Didayi,  die  sich 
zur  Gipfelmasse  aufschich- 
ten. Der  Gipfel  ist  der  lehr- 
reichste, interessanteste  und 
landschaftlich  schönste  Aus- 
sichtspunkt des  Bregenzer 
Waldes.  Die  trigonometri- 
sche Pyramide  steht  unmit- 
telbar an  dem  4000  Fuss  senkrecht  abstürzenden  Abhang.  In  der  Tiefe  fliesst 
die  Bregenzer  Ache  dem  Rücken  parallel,  um  bei  Mellau  den  nördlich  vor- 
liegenden Rücken  rechtwinklig  zu  durchbrechen.  Jenseits  des  tiefen  Thaies 
breitet  sich  das  Kreidegebiet  aus,  das  sich  von  allen  Seiten  um  den  Aussichts- 
punkt herumzieht. 

Steigt  man  von  der  Höhe  herab,  so  kommt  man  fast  allseitig  auf  die  schwar- 
zen Schichten  des  Spatangenkalkes , welche  sich  mantelförmig  um  das  Jurage- 
wölbe lagern,  oder  vielmehr  der  Hebung  der  Centralmasse  folgen  mussten  und 
daher  stets  den  Abhängen  parallel  liegen.  Die  Aufschlüsse  sind  dadurch  hier  so 
klar,  dass  wir  zur  weiteren  Uebersicht  des  Kreidegebietes  am  zweckmässigsten 
von  dem  Knotenpunkt  der  Canisfluh  ausgehen.  Ein  nordsüdlicher  Durchschnitt 
über  die  Höhe  hinweg  zeigt  am  klarsten  in  seinen  allgemeinen  Grundzügen  den 
Gebirgsbau  der  vorarlbergischen  Kreide.  Dann  erst  werden  wir  die  von  dem 
Profil  durchschnittenen  Rücken  in  ihrer  ostwestlichen  (Stunde  5)  Streichungs- 
richtung nach  dem  Algäu  und  in  das  Rheinthal  verfolgen. 

I.  Nordsüdliches  Profil  von  Andelsbuch  über  Bezau  und  die  Canisfluh 
nach  Tamüls.  (Profil  XXIII.) 

Der  Sattel  zwischen  Canisfluh  und  Hoch- Glöckner  und  sein  Schichten- 
bau wurden  bereits  oben  bei  der  Frage  nach  dem  Vorkommen  des  Etage 
Valanginien  beschrieben.  Wendet  man  sich  vom  Sattel  südlich , so  kommt 
man  zunächst  an  die  Steilwände  des  Hohen  Glöckners,  in  deren 
unterem  Theile  wir  das  Valanginien  nachzuweisen  suchten,  während  sich 
darüber  die  Spatangenkalke  aufbauen.  Bald  hört  die  Regelmässigkeit  des 
Schichtenbaues  auf  und  wenn  man  den  Weg  nach  der  Korbalp  einschlägt, 
so  entblösst  jede  Felswand  einige  wellige  Biegungen  und  Zusammenfaltungen. 
Ueber  dem  Neocomien  folgen  Gault  und  Seewer  , welche  an  diesen  auffallenden 
Störungen  theilnehmen,  so  dass  der  Weg  längs  dem  Südabhange  des  Hoch-Glock- 
ners  über  die  Korbalp,  Sachalp,  Hinteralp  nach  der  Ugner  Alp  am 
Fusse  der  Mittag-Spitz  über  einen  ununterbrochenen  Wechsel  der  drei 
Kreideglieder  führt.  Endlich  erscheint  bei  den  Häusern  von  Ugen  noch  einmal 
Gault,  darauf  Seewer  und  hierauf  unmittelbar  der  eocene  Intricaten-Flysch  , auf 
welchem  Tamüls  liegt.  Seine  Schichten  nehmen  nicht  an  den  Störungen  der 
Kreide  Theil , niemals  ist  eine  einzige  von  ihnen  in  einer  Falte  des  Seewer  an- 
zutreffen; eine  scharfe,  wiewohl  schwer  zu  verfolgende  Grenzlinie  trennt  beide 


Fig.  34. 


Wand  am  Westabhang  der  Canisfluh  von  der  Hochstetter-Alp  gesehen. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


177 


[91] 


Formationen  und  dennoch  ist  derFlysch  in  seinem  ganzen Complex  noch  ungleich 
mehr  zusammengewunden  und  gefaltet  als  die  Kreide. 

Die  Erklärung  für  den  inneren  Bau  des  Hochglockner-Gebirges,  welcher  in 
gleicherweise  in  westlicher  Richtung  gegen  den  Hohen  Blanken  und  Hohen 
Fre  sehen  fortsetzt,  ist  in  der  Erhebung  der  Canisfluh  zu  suchen.  Mehr  als  eine 
Quadratmeile  nehmen  hier  die  Jura-  und  Rossfelder  Schichten  ein.  Von  diesem 
ganzen  Raume  hat  das  aus  der  Tiefe  sich  hebende  Gewölbe  die  Kreideschichten 
zur  Seite  geschoben,  so  dass  diese  nun  einen  in  sich  selbst  zusammengewundenen 
Complex  bilden  mussten.  Dies  fand  besonders  an  der  Südseite  statt,  da  hier  der 
in  der  Höhe  flache  Rücken  des  Berges  tiefer  hinab  gewölbter  und  steiler  ist,  da- 
her die  hangenden  Schichten  sehr  steil  aufgerichtet  wurden  und  ihrer  zähen  Be- 
schaffenheit wegen  in  sich  selbst  zusammensinken  mussten.  Dass  dergleichen 
Processe,  wo  immer  sie  Vorkommen,  unendliche  Perioden  in  Anspruch  genommen 
haben  und  niemals  plötzlich  von  Statten  gingen,  ist  wohl  entschieden  anzunehmen. 
Man  hat  die  Stetigkeit , mit  welcher  grosse  Schichtensysteme  allen  Biegungen 
folgen  ohne  einen  einzigen  Aufriss  zu  erleiden,  dadurch  zu  erklären  gesucht,  dass 
man  meinte , die  Schichten  seien  bei  der  Hebungskatastrophe  noch  in  weichem 
Zustande  gewesen.  Allein  abgesehen  davon,  dass  nach  der  Ablagerung  desSeewer 
die  Spatangenkalk-Schichten  kaum  mehr  insehr  weichem  Zustande  gewesen  sein 
dürften,  hätte  auch  durch  die  bedeutende  Kraft,  durch  welche  jene  Erscheinungen 
hervorgerufen  wurden  , die  ganze  Masse  der  Schichten  zu  einem  einzigen  Brei 
zusammengedrückt  werden  müssen , um  so  mehr , wenn  sie  in  fast  senkrechte 
Lage  kamen.  Waren  aber  die  Schichten  bereits  erhärtet,  so  hätte  ein  plötzliches 
Zusammenfalten  sie  zerreissen  und  zerbrechen  müssen  , es  würden  nur  aufge- 
häufte Trümmer  zu  sehen  sein. 

Noch  eine  Eigenthümlichkeit  zeigt  das  Kreidegebirge  südlich  der  Canisfluh. 
Es  fehlt  nämlich  hier  der  Caprotinenkalk  in  grosser  Erstreckung.  Irn  Fortstrei- 
chen tritt  er  erst  westlich  am  Hoch-Freschen  und  östlich  am  Hoch-Ifer  wieder 
charakteristisch  auf.  Dies  ist  eine  der  wenigen  Anomalien  im  Schichtenbaue  des 
Kreidegebirges. 

Wenden  wir  uns  von  der  Canisfluh  nach  Norden , so  überschreiten  wir  zu- 
nächst das  mit  Geröll  ausgefüllte  Thal  der  Bregenzer  Ache  bei  Hirschau.  Nach- 
dem sie  von  Süden  kommend  das  Juragewölbe  zwischen  Au  undSchnepfau 
durchbrochen  hat,  wendet  sie  sich  nach  West  und  fliesst  am  Fusse  des  Steilab- 
falles der  Canisfluh  hin,  bis  sich  ihr  das  Kreidegebirge  der  Mörzeispitz  entgegen- 
stellt und  sie  zu  abermaligem  nördlichem  Laufe  zwingt.  Das  Thal  ist  breit  und 
verbirgt  unter  seinen  Geröllmassen,  wie  aus  dem  Profile  hervorgeht,  wahrschein” 
lieh  die  Schichtenköpfe  des  Valanginien  und  der  unteren  mergeligen  Spatangen- 
Schichten.  Die  ersten  Gesteine  der  jenseitigen  Thalwand  gehören  den  oberen 
kalkigen  Neocomschichten  an,  denen  das  Caprotinenkalkflötz  mit  seiner  Gaultbe- 
deckung aufgelagert  ist;  das  ganze  System  biegt  sattelförmig  nach  Norden  um 
und  bedingt  hierdurch  die  schönen  Lagerungsverhältnisse  des  Gopfberges.  Diese 
sattelförmige  Lagerung  ist  die  einzige  Modification  , welche  das  Kreidegebirge 
nördlich  der  Canisfluh  durch  deren  Emporhebung  erlitten  hat.  Von  nun  an  durch- 
schneidet unser  Profil  nur  noch  eine  Reihe  paralleler  Kreiderücken,  welche  den 
normalen  Bau  des  ganzen  Gebiets  haben,  den  Bau  der  Canisfluh  mit  sanften  Süd- 
und  steilen  Nordabhängen.  Es  wiederholen  sich  in  diesem  Gebirge  dieselben 
Verhältnisse,  welche  sich  im  Trias-Lias-Gebiet  ergeben,  dieselben  nach  Norden 
überstürzten  Hebungswellen  , dieselben  steilen  Schichtenabbrüche  an  den  nach 
dieser  Himmelsrichtung  gekehrten  Abhängen,  dasselbe  Verschwinden  des  über- 
kippten Theils  der  Wellen  und  damit  dieselbe  regelmässig  wiederkehrende 

23* 


178 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[92] 

Auflagerung  älterer  Schichtensysteme  auf  jüngere.  Alle  diese  Eigenheiten  des 
Gebirgsbaues  der  nördlichen  Kalkalpen  sind  im  Kreidegebiete  regelmässiger  ent- 
wickelt als  in  dem  der  Trias-Lias-Gebilde,  wenngleich  die  Anomalien  nicht  in  so 
hohem  Grade  ausgebildet  sind  wie  dort.  Eigentlich  wellige  oder  muldenförmige 
Biegungen  gehören  zwar  auch  hier  zu  den  Ausnahmen  , aber  man  sieht  noch  oft 
den  nördlichen  Theil  der  Hebungswellen  schroff  abgebrochen  und  steil  aufge- 
richtet in  das  nördlich  anschliessende  Thal  hinabfallen.  Je  weiter  gegen  Norden, 
desto  stumpfer  wird  der  Neigungswinkel  und  endlich  folgen  die  deutlich- 
sten Ueberstürzungen,  welche  wir  im  Verlaufe  noch  mehrfach  nachweisen 
werden. 

Ehe  wir  in  eine  detaiilirtere  Beschreibung  der  Gegenden  eingehen , welche 
die  nördliche  Fortsetzung  des  Canisfluh-Profils  durchschneidet,  wenden  wrir  uns 
zur  Betrachtung  des  Gebirgsbaues  in  einem  westlicheren  Theile  des  Kreide- 
gebietes. 


2.  Umgegend  von  Hohenems. 

Nirgends  sind  die  Lagerungsverhältnisse  des  Kreidegebietes  mit  grösserer 
Klarheit  aufgeschlossen,  als  in  diesem  nordwestlichen  Theile,  der  sich  durch  die 
Vollständigkeit  der  Entwickelung  der  Schichten  eben  so  auszeichnet  wie  durch 
die  ungemeine  Einfachheit , in  der  die  grossartigsten  Störungen  mit  deutlichen 
Zügen  gezeichnet  und  in  zahlreichen  Profilen  auf  kleinem  Raume  entblösst  sind. 
Wir  beginnen  mit  dem 

Profil  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel,  welches  durch  die 
überaus  klare  Weise  , in  welcher  es  eine  vollkommen  überstürzte  Hebungswelle 
entblösst,  den  Schlüssel  zum  Gebirgsbaue  der  ganzen  Gegend  gibt.  Es  sind  in 
der  Zeichnung  (Prof.  XX  und  Fig.  36)  leicht  die  Durchschnitte  zweier  Haupt- 
wellen ersichtlich,  welche  nach  Osten  ein  wenig  divergiren,  indem  die  eine  nach 
Stunde  4,  die  andere  nach  Stunde  6 streicht;  die  erstere  zieht  von  Hohenems 
über  Klien  nach  dem  Röthelspitz  und  von  hier  in  östlicher  Richtung  (Stunde  6) 
weiter  nach  dem  Bezeck  und  Winterstauden.  In  ihrem  ganzen  Verlaufe  ist  sie 
nach  Norden  überstürzt  und  lagert  unmittelbar  dem  Flysch  auf;  sie  ist  daher  be- 
sonders wichtig  für  das  Verhalten  von  Kreide  und  Flysch.  Auf  den  Profilen  habe 
ich  sie  als  IV  bezeichnet.  Die  zweite  Welle  unseres  Profils  (mit  III  bezeichnet) 
beginnt,  gleichfalls  überstürzt , an  dem  isolirten  Kumer  Berg  im  Rheinthale  und 
streicht  nach  Stunde  5 über  den  Götzner  Berg,  die  Alpe  Gsohl  und  den  Schönen 
Mann  bei  Ebnit  nach  der  WeissenFluh  und  den  Bergen  westlich  von  Bezau,  von 
wo  sie  weiter  gegen  Osten  der  vorigen  parallel  verläuft.  Zwischen  beide  schieben 
sich  einige  kleinere,  aber  nicht  so  stark  überkippte  Aufbrüche  als  Kuhberg,  Stau- 
fenspitz u.  s.  w.  ein,  durch  die  sich  die  grosse  Mulde,  welche  eng  bei  Hohenems 
als  Tugsteinthal  beginnt  und  weiterhin  auf  hügeliger  Oberfläche  die  Häuser  von 
Emser  Reutte  und  Tugstein  trägt,  allmälig  in  ein  System  von  Mulden  und  Höhen 
verwandelt , das  aber  immer  den  beiden  Hauptwellen  , zwischen  die  es  einge- 
schlossen ist,  untergeordnet  bleibt. 

Der  Weg  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel  führt  nach  Ueberschreitung 
der  später  zu  beschreibenden 

i.  Numulitenschicht,  im  Anfänge  über  ein  vollständig  überstürztes  System  der 
Kreideschichten;  es  erscheinen  zunächst 
h.  graue  zerfallende  Mergel,  und 

g.  dünnschieferige,  fleckige  Kalke  und  Mergelkalke  der  Seewerbildung;  auf 
ihnen  liegt  die  Häusergruppe  von  St.  Anton.  Sie  fallen,  wie  alle  Schichten, 


[93] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


179 


nach  Stunde  11  mit  75°,  oder  vielmehr  wegen  der  Ueberstürzung  mit 
90°  -f-  15°.  Es  folgen 

f.  die  weisslichen  und  gelblichen,  sehr  splitterigen  Kieselkalke  des  Seewer, 

e.  der  Gault  scheint  überwachsen  zu  sein. 

Diese  oberen  Kreideschichten  verschwinden  im  Westen  schon  bei  dem  Bad 
Schwefel,  dessen  Schwefelwasserstoff  führende  Heilquellen  in  den  dem  Gault 
zunächst  liegenden  Seewerkalkschichten  entspringen , nachdem  sie  ihren 
Schwefelwasserstoffgehalt  wahrscheinlich  aus  jenem  aufgenommen  haben. 
Um  so  mehr  dehnen  sie  sich  nach  Osten  aus  , wo  sie  längs  dem  Nordfuss 
des  Tugsteines  und  des  Schönen  Mann  zu  grösserer  Meereshöhe  ansteigen, 
und  sich , die  beiden  Dornbirner  Achen  übersetzend  , in  mannigfaltigem 
Schichtenverband  bis  zur  Weissenfluh  hinziehen. 

d.  Der  Caprotinenkalk  bildet  weithin  eine  ununterbrochene  steile  Mauer  am 
Gehänge,  die  sich  ebenfalls  westlich  von  Schwefel  in  die  Rheinebene  hinab- 
senkt, nachdem  sie  noch  einmal,  reich  an  charakteristischen  Caprotinen  auf- 
getreten ist.  Nur  an  wenigen  Stellen  gestattet  die  Steilheit  der  Mauer  einen 
Anstieg  zu  den  höheren  Schichten; 

c.  das  Neocom  beginnt  mit  dem  schon  erwähnten  weissen  schwarzgeaderten 
Marmor;  es  folgt  eine 

b.  Bank  von  Exogyra  Couloni,  in  schwarzen  mergeligen  Schichten; 

a.  Wechsel  verschiedener , meist  kalkiger  Neocomschichten.  Auf  ihnen  liegt 
die  Alpe  Gsohl  genau  an  der  Stelle,  wo  die  Schichten  umbiegen  und  da- 
durch eine  kleine  Unterbrechung  in  dem  steilen  Gehänge  veranlassen.  Bald 
aber  folgt  wieder 

b.  die  Exogyrenbank  und  im  tiefen  Tobl  weiter 

c.  der  weisse  Marmor,  endlich 

d.  die  steile  Stufe  des  Caprotinenkalks,  über  die  der  Bach  neben  dem  Weg  in 
Cascaden  herabstürzt.  Hiermit  erreicht  man  eine  neue  Terrasse. 

So  klar  dies  Profil  bis  hierher  schon  an  und  für  sich  ist,  so  gewinnt  es 
daran  noch  durch  eine  Queransicht  des  Tugsteins  , die  y2  Stunde  östlich 
von  Gsohl  in  prachtvoller  Entblössung  erscheint. 

Fig.  35. 


Tug-stein. 


1 Spatangenkalk.  2 Schrattenkalk.  3 Gault.  4 Seewerkalk.  5 Seewermergel.  6 Nummulitenmergel.  7 Nunimu- 

litenkalk. 

Die  steileren  Formen  , welche  den  Neocomschichten  im  Gegensätze  zu 
der  Sanftheit  der  darunter  und  darüber  folgenden  oberen  Kreide  eigen  sind. 


180 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


insbesondere  der  scharfe  obere  Abschnitt  der  Terrasse  lässt  auch  dieses 
wichtigste  Glied  , welches  den  Rücken  der  langgezogenen  überstürzten 
Welle  bildet,  leicht  verfolgen.  Westlich  sinkt  es  ebenfalls  am  Götzner 
Berg  bei  Götzis  mit  schroffem  Abbruche  in  die  Rheinebene,  erhebt  sich  aber 
daraus  noch  einmal  in  der  isolirten  Insel  des  Kumer  Rerges.  Gegen 
Osten  wird  die  Welle  vielfach  von  Thälern  durchbrochen  und  lässt  sich 
schwer  verfolgen.  Nachdem  sie  hier  den  Schönen  Mann  und  den  Rocksberg 
gebildet  hat,  scheint  sie  noch  eine  Strecke  fortzusetzen,  um,  so  viel  ich  bei 
Nebelwetter  beurtheilen  konnte,  in  der  Gegend  der  Alpe  Sehren  sich  unter 
dem  Gault  und  Seewer  zu  verlieren  , welche  bei  dem  Ausgangsprofile  dar- 
unter und  darüber  auftraten  , dort  im  Osten  aber  Alles  zu  überwölben  und 
zu  bedecken  scheinen.  Doch  die  Welle  setzt  unter  dieser  Wölbung  fort 
und  wir  werden  jenseits  der  Bregenzer  Ache  ihreFortsetzung  in  dem  Kreide- 
rücken (II)  zwischen  Bizauer  Bach  und  Gruben-Tobl  betrachten. 

Uebrigens  ist  zu  bemerken,  dass  das  Verhältniss  der  Ueberstürzung,  wie 
es  auf  Profil  XX  und  Fig.  36  so  deutlich  ist,  weiter  östlich  sich  in  eine  ein- 
fache Welle  mit  steilem  Nordabhange  verwandelt,  und  zwar  von  da  an,  wo 
sich  parallele  Secundärwellen  zwischen  IV  und  III  einschieben  (s.  Prof.  XXI). 

e.  Gault  bildet  die  sanfte  Fläche  der  lang  sich  hinziehenden  Stufe,  die  zahl- 
reiche Alpen  trägt.  Das  Gestein,  meist  Sandstein,  kommt  wenig  zu  Tage. 
f,g>h.  Seewerbildung.  Die  ungeheure  Mächtigkeit,  in  welcher  hier  dieses 
Glied  auftritt , wurde  bereits  erwähnt.  Zwei  steile  Abstürze  über  einander, 
durch  eine  waldige  Terrasse  getrennt,  bringen  das  wohl  5 — 600Fuss  mäch- 
tige System  der  flach  südlich  fallenden  , keinen  Anschein  von  Störung  tra- 
genden Schichten  deutlich  zu  Tage.  Zum  grössten  Theile  sind  es  die  dünn- 
schieferigen fleckigen  Kalke  mit  einigen  Belemniten  und  Inoceramen,  w elche 
die  ganze  obere  Masse  des  Berges  in  einer  Breite  von  mehr  als  einer  Vier- 
telmeile und  bedeutender  Längenerstreckung  bilden.  Allein  dieses  abnorme 
Auftreten  der  sonst  meist  untergeordneten  Seewerbildung  dürfte  seine  Er- 
klärung finden  durch 

e.  einen  grünlichen,  braun  verwitternden  , etwas  glimmerhaltigen  Sandstein, 
der  zwar  mancher  Flyschschicht  täuschend  ähnlich  ist , aber  sicher  zum 
Gault  zu  rechnen  ist,  wie  sich  auch  aus  den  weiteren  Verhältnissen  ergibt. 
Er  bildet  die  Spitze  der  Hohen  Kugel  und  den  Rücken  nach  Süden  fast  bis 
zur  KuglerAlp.  Noch  w ichtiger  aber,  und  wohl  die  gänzliche  Ueberstürzung 
der  Kreideschichten  beweisend,  ist  die  Wiederkehr  desselben  Sandsteins  auf 
dem  Hörndl  zwischen  Seewer  und  Neocomien,  und  er  ergibt  sich  um  so 
sicherer  als  Gault,  als  durchweg  die  benachbarten  Seewerschichten  jene 
hellen  splittrigen  Kalke  sind,  welche  stets  den  untersten  Theil  bilden.  Sie 
führen  bei  der  Kugler  Alp  viele  Belemniten.  Somit  erreichen  wir  hier  eine 
dritte  Welle(II),  die  später  betrachtet  werden  soll. 

Das  Gault-Seewer-Gebiet  der  Hohen  Kugel  zieht  sich  mit  abnehmender 
Breite  gegen  Westen  hinab  in  das  Rheinthal  und  erreicht  dasselbe  bei 
Klaus,  nachdem  es  vielen  Alpen  und  den  Häusern  von  Meschach  und  Fra- 
xern  Raum  gegeben  hat.  Die  Grenze  gegen  das  südliche  Neocomien  streicht 
hinab  nach  den  Hügeln  zwischen  Klaus  und  Weiler.  — Oestlich  von  der 
Kugel  zieht  unsere  Gault-Seewer-Zone  in  ansehnlicher  Breite  noch  weit  hin. 
Sie  trägt  das  einsame  Dörfchen  Ebrit  und  bildet  eine  breite,  mit  üppigen 
Alpen  (Hasengera,  Gunzm  oos  u.  s.  w.)  bedeckte,  von  tiefen  Tobln 
durchrissene  Fläche  längs  dem  Nordabhange  der  Mörzelsp  itz  und  des 
Guntenhangberges,  um  sich  endlich  mit  dem  nördlichen  Zuge  zu  ver- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


181 


[95] 


binden  und  sich  zu  der  weiten  sumpfigen  und  torfigen  Fläche  der  Alpen : 


Untersehren,  Rohr  und  Sch 
Kreideschichten  verschwin- 
den unter  derselben , treten 
aber  östlich  wieder  hervor. 

Die  weitere  Entwickelung  die- 
se s Zuges  (II  und  III)  werden 
wir  später  betrachten. 
Nördlichster  Kreidezug 
(Nr. IV  der  Profile);  Lage rungs-  ~ 
verhältniss  gegen  den  1 
Fl y sch.  — Der  beschriebene  | 
charakteristisch  ausgebildete,  in  | 
allen  Theilen  klare  Kreidezug,  ist  r 
im  Norden  durch  das  Tugsteinthal  ~ 
von  einem  anderen  Kreidegewölbe  | 
getrennt,  welches  von  der  Burg  ~ 
Hohenems  nach  dem  Klaus-  » 
her  g und  dem  Winterstau  den 
zieht,  und  in  seinem  ganzen  Ver-  “ 
lauf  analog  dem  westlichen  Theile  | 
des  vorhergehenden  Zuges  gebaut 
ist;  es  ist  insofern  von  besonderer  » 
Wichtigkeit,  als  es  das  Verhältniss  % 
der  Kreide  zu  dem  nördlichen  E; 
Flyschzuge  darstellt.  Es  war  schon  Z 
Murchison  bekannt  und  wird 
genauer  von  Esch  er  und  Güm-  | 
bei  erörtert,  dass  der  Abhang  zwi-  g 
sehen  Dornbirn  und  Hohenems  die  I 

<T> 

umgekehrte  Kreidefolge  zu  Tage  “ 
bringt.  Auf  Flysch  liegt  Nummuli-  * 
tenkalk,  darauf  Seewer,  Gault,  in  I 
dessen  sandigen  feinkörnigen  e. 
Schichten  Schleifsteinbrüche  (bei  | 
Klien)  angelegt  sind  , ferner  Ca-  | 
protinenkalk  mit  vielen  Caprotinen  ^ 
und  Neocomien,  welches  mit  dick-  ° 
bankigen  Kalken  beginnt,  denen  g 
die  oben  erwähnte  mergelige  Bank  I 
von  Ostrea  macroptera  mit  unzäh-  | 
ligen  Versteinerungen  eingelagert  j? 
ist.  Indem  in  der  bezeichneten  „ 
Richtung  eine  Schicht  nach  der  2 
anderen  sich  allmälig  in  die  Thal-  | 
sohle  hinabsenkt,  wird  hier  eines 
der  schönsten  Kreideprofile  ent- 
blösst.  Bei  Unter-Klien  kommt  das 
Caprotinenflötz  herab;  von  da  an 
steht  bis  Hohenems  nur  noch  Neo- 
comien an,  das  die  weitläufigen 


ellenvorsüss  auszubreiten.  Die  älteren 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


182 


[96] 


Ruinen  der  Burg,  der  einstigen  Ritter  von  Hohenems  trägt.  Der  Abhang  gestaltet 
sich  dadurch  wie  Fig.  36  zeigt. 

Der  Grund  dieser  Lagerung  und  ihr  Zusammenhang  mit  dem  schon  be- 
schriebenen Kreiderücken  dürfte  aus  den  Parallelprofilen  XX,  XXI  klar  werden, 
eben  so  wie  die  Lagerung  der  eingeschobenen  kleinen  Erhebungen. 

Verfolgen  wir  die  Grenze  zwischen  Kreide  und  Flysch  weiter  nach  Osten, 
so  erhalten  wir  den  nächsten  deutlichen  Aufschluss  in  der  Enge  zwischen  Bezeck 
und  Vorder -Kl  ausberg,  durch  welche  die  Strasse  von  Schwarzenberg  nach 
Bezau  führt.  Hier  sind  die  folgenden  zwei  Parallelprofile  entblösst: 

In  den  beiden  Profi- 
len sind  die  oberen  Kreide- 
schichten verhüllt;  doch 
lässt  sich  auf  dem  Wege 
von  der  Alp  Vorder-Klaus- 
herg  durch  einen  tiefen 
Tobl  nach  der  Sägmühle 
hinab  Einiges  vervollstän- 
digen. Der  Caprotinen- 
kalk  tritt  hier  als  ein 
wahres  Conglomerat  klei- 
ner Korallen  und  Forami- 
niferen auf.  Zwischen  ihm 
und  dem  Flysch  sind  stel- 
lenweise die  fleckigen  See- 
wermergel  sichtbar.  — 
Uebrigens  ist  es  auffal- 
lend, dass  auch  bei  die- 
sen» Gewölbe  die  Ueber- 
stürzung  des  Schichten- 
systems im  Osten  aufhört,  wenngleich  dieses  selbst  nicht  so  sehr  verschwindet, 
wie  das  vorige  (III).  In  ähnlicher  Weise  scheint  die  weitere  Fortsetzung  gegen 
Osten  stattzufinden,  die  wir  später  im  Zusammenhänge  mit  jener  der  südlichen 
Züge  betrachten  werden. 


Fig.  37. 


Bregenzer  Ache.  Bezeck. 


Bregenzer  Ache. 


fireyenzer  Ach 


Fig.  38. 


Hoch-Aelpele. 


Vorder-Klausberg.  Brünneles-Eck. 

J i 4 3 


Profile  an  der  Flyschgrense  südlich  von  Schwargenberg. 
Spatangenkalk.  2 Schrattenkalk.  3 Gault,  Seewerkalk  und  Seewermergel. 
4 Flysch.  5 Schotterbänke. 


3.  Umgegend  von  Feldkirch,  Rank  weil  und  Hoch -Fr  eschen.  (Hebungswelle 

I und  II.) 

Nirgends  macht  sich  der  Einfluss  der  Centralhebung  der  Canistluh  auf  den  Ge- 
birgsbau  des  angrenzenden  Gebiets  auffallender  geltend  als  in  diesem  südwestlichen 
Theile  des  Kreidelandes.  In  wenig  ausgedehnten  Plateau’s,  deren  Schichten  nach 
Westen,  Norden  und  Osten  senkrecht  abgebrochen  sind  und  nur  nach  Süden  sich 
allmälig  senken,  erheben  sich  die  Kreideschichten  erst  inselförmig  (im  Schellen- 
berg undArdetz  enb  erg), dann  in  ausgedehnteren  Flächen  aus  der  Rheinebene. 
Kluftartige  Thäler  mit  senkrechten  Wänden  , ausgefüllt  mit  fruchtbarem  Boden, 
zerreissen  die  Hochfläche  in  einzelne  Schollen.  Feldkirch  liegt  an  der  Vereini- 
gungsstelle von  zwei  solchen  Klüften,  die  sich  rechtwinkelig  (NW.  — SO.  und 
SW — NO)  durchsetzen  und  ein  weites,  allmälig  nach  Süd  sich  senkendes  Pla- 
teau in  vier  Schollen  zertheilen,  daher  von  allen  Seiten  Engpässe  den  Zugang  zu 
der  malerisch  gelegenen  Stadt  vermitteln.  Die  vielen  senkrechten  Abstürze, 
welche  dadurch  entstehen  , entblössen  die  obersten  Schichten  des  Spatangeu- 
kalkes  und  das  Caprotinenflötz,  welches  stets  den  obersten  Rand  des  Steilabfalles 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


183 


[97] 


bildet.  Die  bedeckenden  Gaultgesteine  schaffen  das  Wein-  und  Getreideland  auf 
dem  Rücken  der  kleinen  Plateau’s.  Am  Margarethenkopf  tritt  diese  Schicht 
versteinerungsreich  auf.  Sie  wird  selten  von  Seewerbildungen  überlagert. 
Nach  einer  bedeckten  sattelförmigen  Biegung,  welche  die  zerstreuten  Gehöfte  von 
Gailmist  trägt,  folgt  im  Süden  der  mächtig  entwickelte  Flysch,  und  durch  die 
im  Allgemeinen  südöstliche  Senkung  entsteht  östlich  von  Feldkirch  eine  Niederung, 
in  welcher  sich  der  langgezogene  Spiegel  des  Walduna  - See's  ausbreitet,  wäh- 
rend sie  weiter  hin  gegen  Süd  die  Ortschaften  Tu  fers,  Runggels,  Pfitz, 
Dums,  Göfis  trägt.  Mit  steilem  Abbruch  erhebt  sich  noch  weiter  östlich  eine 
höhere  Terrasse,  auf  deren  von  Caprotinenkalk  gebildetem  Rande  die  Kirche  von 
Uebersachsen  steht.  Auch  hier  trägt  das  Flötz  eine  allmälig  nach  Südost  sich 
senkende  fruchtbare  Fläche,  die  bereits  mehr  wellig  ist  und  von  dem  tiefen  Lat- 
ternser-Thal  durchschnitten  wird. 

So  sind  hier  nur  die  überaus  flachen  Südabhänge  ähnlicher  Wellen  ausge- 
bildet, wie  sie  bei  Hohenems  mit  hoher  Wölbung  so  schön  entwickelt  auftreten, 
während  gegen  Nordwest  stets  nur  ein  schroffer  Schichtenabbruch  ohne  Spur 
einer  wahren  welligen  Biegung  das  System  abschneidet.  Wendet  man  sich  von 
Feldkirch  gegen  Norden  dem  Gehänge  des  Rheinthaies  entlang,  so  begegnet  man 
bei  dem  grossen  Dorfe  Rankweil,  wo  aus  enger  Neocom-Kluft  der  Latternser- 
bach  in  die  Ebene  hinaustritt , den  ersten  Spuren  wahrer  welliger  Biegungen. 
Sie  veranlassen  den  isolirten  Felsen , den  die  Kirche  von  Rankweil  malerisch 
krönt  und  das  plötzliche  Auftreten  von  muldenförmig  eingelagerten  Seewer- 
schichten,  welche  östlich  fortzustreichen  scheinen.  Eine  kleine  Aufbiegung  bringt 
Caprotinenkalk  und  Spatangenkalk  zu  Tage  und  dann  treffen  wir , am  Abhange 
des  Rheinthaies  weiter  hinwandernd,  eine  ausgebreitete  Gault-  und  Seewer-Ab- 
lagerung , die  den  ganzen  Raum  zwischen  der  Häusergruppe  Ratschunsund 
dem  kleinen  Bad  Röthis  einnimmt.  Sie  fallen  nach  SSO.  und  liegen  auf  jenem 
Neocomien,  den  wir  als  Südgrenze  des  Zuges  III  kennen  lernten  und  der  als  brei- 
ter Streifen  vom  Hörndl  über  St.  Victorsberg  nach  dem  Rheinthale  hinab- 
zieht; er  bildet  allein  dessen  Gehänge  von  Weiler  bis  Röthis. 

Das  Resultat  der  Betrachtung  dieses  einigermassen  schwierigen  Terrains 
ergibt  also  drei  Wellenbiegungen , die  sich  an  die  bei  Hohenems  beschriebenen 
und  mit  IV  und  III  bezeichneten  anschliessen: 

II.  Fraxern  — St.  Victorsberg  — Röthis  (Neocom) ; Ratschuns  (Gault  und 
Seewer). 

La.  Die  kleine  Aufbiegung  von  Neocomien  zwischen  den  beiden  Seewer- 
mulden. 

I.  Rankweil  — Frastanz;  die  Haupterhebung  und  Schichtenbiegung  ist  dicht 
bei  Rankweil. 

Wenn  man  das  an  den  Ufern  des  Rheinthaies  so  deutlich  aus  vier  Gebirgs- 
wellen  bestehende  Kreidegebiet  in  seinem  Fortstreichen  gegen  Osten  verfolgt, 
so  werden  die  Verhältnisse  unklarer , je  näher  man  der  Canisfluh  kommt.  Die 
flachen  Ausbreitungen  des  südlichen  Schenkels  der  Welle  I,  wie  sie  bei  Feld- 
kirch herrschen , lösen  sich  in  eine  Reihe  höher  ansteigender,  unregelmässiger 
und  vielfach  durchfurchter  Bergzüge  auf,  in  denen  nur  zuweilen  noch  das  süd- 
liche Einfallen  zu  beobachten  ist.  Ein  wichtiger  Anhaltspunkt  ist  der  Hoch- 
Fr  eschen,  von  dessen  Gipfel  die  Seewerbildungen  sich  allmälig  dem  flachen 
Südabhange  entlang  hinabziehen,  den  sie  fast  allein  bilden.  In  bedeutender  Mäch- 
tigkeit durchsetzen  sie , von  dem  liegenden  Caprotinenkalk  begleitet  und  von 
Flysch  überlagert,  das  Latternser  Thal  oberhalb  des  Hinterbades,  und  erweisen 
sich  so  als  Fortsetzung  der  flachen  Schichtenausbreitungen,  in  denen  die  Welle  I 

K.  k.  geologische  Reichsanstult.  12.  Baud,  1861  und  1862.  II.  Heft.  24 


Ferdinand  Freiherr  von  Richtholen. 


184 


1*8] 


bei  Feldkirch  und  Rankweil  erscheint.  Vom  Hohen  Freschen  setzt  dieselbe  Ge- 
birgswelle  östlich  nach  dem  Hohen  Koyen  und  der  Canisfluh  fort. 

Der  nördliche  Zug  II  zieht  von  St.  Victorsberg  aus  durch  Thäler  und 
über  Höhenzüge  hinweg  über  die  Alpen  L atora,  Jägerswald,  Alten  ho  f nach 
der  Mörzel-Spitz  und  dem  Guntenhang-Berg.  Sein  Verhalten  zu  den 
beiden  einschliessenden  Zügen  wird  durch  die  Profile  klar. 

Dies  sind  die  allgemeinen  Verhältnisse  im  südöstlichen  Theile  des  Kreide- 
gebietes; allein  so  einfach  auch  in  grossen  Zügen  der  geognostische  Bau  sich 
darstellt , so  verwickelt  erscheint  er  in  der  Natur,  und  man  irrt  oft  in  einem  La- 
byrinth herum.  Das  massenhafte,  durch  Schichtenbiegungen  unverhältnissmässig 
vermehrte  Auftreten  der  unteren  weichen  Neocomschichten,  hat  den  Gewässern 
überaus  grossen  Spielraum  zu  einer  ausgedehnten  Erosionsthätigkeit  gegeben; 
daher  die  Bildung  weiter  amphitheatralischer  Thalkessel  , in  welche  die  kleinen 
Bäche  von  allen  Seiten  aus  tiefen  Runsen  undTobln,  wie  in  einen  Trichter  hinab- 
stürzen und  bei  Regenwetter  bedeutende  Thonmassen  herabführen  , die  dann 
durch  den  Thalbach  in  den  Rhein  hinabgeschwemmt  werden;  daher  die  nackten 
schwarzen  Abhänge,  deren  aufgelöste  Neocommergel  fort  und  fort  hinweggespült 
werden  und  dem  fortgeführten  nachstürzen.  Das  Aufkommen  der  Vegetation 
wird  daher  trotz  des  fruchtbaren  Bodens  oft  auf  weite  Strecken  verhindert,  und 
wo  sie  Platz  gegriffen  hat , sind  es  meist  ausgedehnte  dunkle  Nadelwälder  , die 
sich  in  die  Thalgründe  hinabziehen;  nur  selten  umschliessen  sie  einsame  Alpen 
auf  stellenweise  hervortretenden  Schichten  von  Gault  oder  Seewer,  auch  wohl  auf 
den  festeren  des  Neocomien.  So  ist  der  Charakter  des  Thaies  von  St.  Victors- 
berg, der  obersten  Strecke  des  Thaies  der  unteren  Dornbirner  Ache,  zum  Theil 
auch  des  Mellenthaies,  also  der  ganzen  Umgebung  des  Hohen  Freschen. 

Allein  so  sehr  auch  diese  Auswaschungen  und  Durchbrüche  die  Anordnung 
des  Gebirgsbaues  verbergen,  tragen  dazu  doch  noch  vielmehr  die  Faltungen  und 
Ueberstürzungen  in  dem  Umkreise  bei,  welchen  Mörzel-Spitz,  Hoch -Fre- 
schen, der  Hohe  Blanken,  die  Mittagspitz  und  der  Hohe  Glöckner 
um  die  Canisfluh  bilden. 

Von  allen  Seiten  erweist  sich  das  Juragewölbe  als  das  Centrum  der  Hebungen 
im  Kreidegebiete  und  es  stört  daher  die  Hebungswellen  in  ihrem  Verlauf.  Ver- 
suchen wir  eine  Analyse  dieser  Störungen  rings  um  den  Berg,  so  sind  sie 
zunächst  an  der  Mittagspitz  und  am  Hohen  Glöckner  nach  unserer  obigen  Dar- 
stellung völlig  klar.  Ungleich  grössere  Schwierigkeiten  bietet  die  überstürzte 
Schichtenfolge  am  Abhang  vom  Sünser  See  gegen  das  Mellenthal.  Eben 
hat  man  noch  regelmässig  nach  Süden  fallende  Schichten  von  Flysch  , Num- 
mulitenkalk  und  Seewer  überschritten,  so  erscheinen  plötzlich  die  tiefsten  Spa- 
tangenschichten  und  darauf  in  der  oben  beschriebenen  Weise  das  ganze  umge- 
kehrte System  der  Kreide,  bis  man  bei  der  Alpe  Linden  die  splitterigen  Seewer- 
kalke  und  dann  die  Seewermergel  erreicht,  die  sich  am  rechten  Abhang  in  gleich- 
bleibender Höhe  unter  einem  Caprotinenkalkflötz  als  eine  fruchtbare  Weidefläche 
weit  fortziehen.  Die  Alpe  „zu  den  bleichen  Wänden“  hat  vom  Caprotinenflötz  den 
Namen.  Steigt  man  von  hier  abwärts  in  die  tiefe  Thalschlucht,  so  überschreitet 
man  die  normale  Reihenfolge,  deren  tiefste  mergelige  Neocomschichten  die 
schwarzen  schlüpferigen  Abhänge  zunächst  der  Thalsohle  bilden.  Eine  Faltung  in 
sehr  grossartigem  Maassstabe  ist  also  hier  auf  das  Klarste  vorhanden.  Fast  noch 
deutlicher  ist  dieselbe  am  linken  Gehänge  des  Thaies,  welches  in  vielfacher 
Beziehung  zu  den  interessantesten  Thälern  Vorarlbergs  gehört.  Jenes  Gehänge 
wird  von  dem  Bergzuge  des  Mörzel-Spitz  und  Guntenhang  gebildet.  Der 
unterste  Abhang  besteht  aus  Neocom,  ebenso  der  ganze,  in  viele  leicht  besteig- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


185 


[99] 


bare  Gipfel  aufgelöste  Kamm.  Dazwischen  treten  zwei  Caprotinenflötze  auf,  welche 
einander  parallel  in  horizontaler  Richtung  weit  hinziehen  und  eine  alpenreiche 
kleine  Terrasse  von  Gault- 

Fig.  39. 

Hohe  Koyen. 


Mellen-Thal. 


Guntenhang-Berg\ 


und  Seewer  - Schichten 
einschliessen,  und  zwar 
in  derselben  Höhe,  in  wel- 
cher am  jenseitigen(NW.) 

Abhang  der  beiden  Berge 
die  breite  Gault- Seewer- 
Terrasse  der  Alpen:  Ha- 
sengära,  Gunzmoos,  Un- 
terseiten u.s.w.  erscheint. 

Die  Ueberstürzung,  auf 
welche  das  Lagerungsver- 
hältniss  schliessen  lässt, 
wird  zur  Gewissheit,  wenn 
man  an  den  Ausgang  des 

Mellenthales  gelangt  und  auf  das  gegenüberliegende  Gehänge  jenseits  der  Bregen- 
zer Ache  steigt;  man  erhält  alsdann  die  beistehende  Profilansicht,  welche  zugleich 
den  Grund  der  Ueberstürzung  in  der  Emporhebung  des  Juragewölbes  der  Canis- 
fluh  und  seiner  östlichen  Fortsetzung,  des  Hohen  Koyen,  anzeigt.  Es  ist  hiermit 
der  Schlüssel  zur  Erklärung  der  Lagerungsverhältnisse  des  ganzen  Thaies  gegeben. 


Ansicht  am  Ausgang  des  Mellenthales. 
Rossfelder  Schichten.  2 Spatangenkalk.  3 Schrattenkalk. 

Seewer. 


4 Gault  und 


4 Umgebungen  von  Bezau,  Schnepfau,  Hoch-Ifer  und  Sibratsgföll  (öst- 
liches Kreidige  bi  et). 


Die  Bregenzer  Ache  scheidet  den  betrachteten  westlichen  Theil  des  Kreide- 
gebietes von  dem  östlichen.  Die  Lagerungsverhältnisse  bleiben  im  Wesentlichen 
dieselben;  aber  während  dort  unabhängig  von  ihnen  nach  allen  Richtungen  ver- 
zweigte Thalsysteme  verlaufen  und  durch  ihre  tiefen  Einschnitte  und  schroffen 
Durchbrüche  die  Profile  klar  zu  Tage  treten  lassen,  bedingt  hier  die  schon  im 
Canisfluhprofil  hervortretende  Uebereinstimmung  der  Oberflächengestaltung  mit 
dem  Schichtenbau  einen  sehr  verschiedenen  Charakter.  Dort  mussten  die  Hebungs- 
parallelen mühsam  durch  Verfolgung  der  einzelnen  Schichten  quer  über  die 
abnorm  verlaufenden  Gebirgszüge  hinweg  verfolgt  werden  und  traten  wohl  als 
ein  geognostisch  Ganzes  hervor,  das  aber  nur  zum  Theile  die  Oberflächengestal- 
tung zu  bestimmen  vermochte.  Oestlich  von  der  Bregenzer  Ache  tritt  jede 
Hebungsparallele,  in  sich  einfach  und  ungestört,  als  wirklicher  Parallelzug  im 
Gebirgsbau  auf,  parallel  der  Antiklinal-  und  Höhenlinie  der  Canisfluh  und  der 
tiefen  Einsenkung  an  ihrem  Nordahhang.  Die  Zahl  der  Hebungsparallelen  wird 
zuweilen  durch  kleine  Zwischenglieder  vermehrt,  welche  sich  allenthalben  ein- 
schieben  und  besonders  an  dem  Canisfluhprofile  (XXIII)  sich  geltend  machen. 
Noch  weiter  im  Osten  ändert  sich  der  Verlauf  der  parallelen  Hebungen  in  ihrem 
Einfluss  auf  die  Oberflächengestaltung.  Drei  Umstände  tragen  dazu  bei:  das 
grosse  Querthal  des  Subers-Baches  mit  seinen  vier  Quellbächen,  das  Hervortreten 
von  Juragesteinen  auf  der  Spitze  des  Feuerstätterberges  und  das  allmälige  Ver- 
flachen der  Höhenzüge,  wodurch  oft  mehrere  derselben  sich  zu  plateauförmigen 
Ausbreitungen  vereinigen;  also  hier  im  Osten  dasselbe  Verhältnis  wie  im  Westen 
gegen  das  Rheinthal.  Verfolgen  wir  nun  die  einzelnen  Züge: 

Bezeck- Winterstau  den  (IV).  (Fortsetzung  von  Hohenems-Bezeck). 
Aus  der  dichtbevölkerten,  aus  fruchtbaren  Molasse-  und  Flysehgesteinen  gebil- 

24  * 


186 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[100] 

deten  hügeligen  Fläche,  auf  der  sich  die  üppige  Cultur  der  weitzerstreuten 
Dörfer  des  vorderen  Bregenzer  Waldes  ausbreitet,  erhebt  sich  in  gerader  Linie 
von  Bersbuch  über  Andelsbuch  nach  Sibratsgföll  ein  langgezogener, 
aus  den  ersten  Kreideschichten  gebildeter  Wall,  als  die  Grenzscheide  des  land- 
schaftlich weit  verschiedenen,  in  Bevölkerung  und  Sitten  ursprünglicheren  hin- 
teren Bregenzer  Waldes.  Mit  geringerer  Höhe  als  Be  zeck  beginnend,  steigt  nach 
Osten  der  Zug  allmälig  zur  Lingenauer  Höhe  an  und  erreicht  in  dem  5918 
Fuss  hohen  Winterstauden  seine  grösste  Erhebung.  Weiterhin  senkt  er  sich 
wieder  hinab  und  verliert  jenseits  des  Subersbaches  vollständig  seinen  Charakter. 

Der  Schichtenbau  des  Zuges  ist  im  Allgemeinen  der  oben  (Fig.  37)  darge- 
stellte des  Bezecks;  doch  tritt  er  nicht  überall  mit  gleicher  Klarheit  hervor. 
Der  Winkel,  welchen  an  der  Antiklinallinie,  die  grösstentheils  zugleich  Höhenlinie 
ist,  die  beiden  Schenkel  bilden,  ist  am  Bezeck  noch  spitz,  so  dass  der  nördliche 
Theil  überstürzt  ist;  er  öffnet  sich  aber  gegen  Osten  mehr  und  mehr  und  bewirkt 
dadurch  eine  zunehmende  Verflachung  der  Schichten.  Dazu  kommt,  dass  die 
Höhenlinie  sich  allmälig  spaltet  und  eine  flache  Mulde  einschliesst,  welche  mit 
Gault  und  Seewer  ausgefüllt  ist.  Am  Subersbach  tritt  dies  ganze  System  in  die 
Thalsohle  hinab,  in  der  man  es  auf  dem  Weg  von  Schönebach  nach  Sibratsgföll 
überschreitet.  Bei  der  Alp  „auf  der  Aue“  am  Ausfluss  des  Höllbocks-Tobls  führt 
eine  Brücke  über  eine  tiefe,  vom  Subersbach  wild  durchbrauste  Spalte  des 
Caprotinenkalks,  der  sich  vom  Südabhang  des  Winterstauden  bis  hier  herab  zieht. 
Er  wird  von  wasserreichen  Gault-  und  Seewer-Schichten  bedeckt,  welche  nie- 
drige Hügel  bilden,  und  tritt  bei  der  Brücke  von  Schönebach  noch  einmal  hervor. 
Dieses  ganze  System  steigt  östlich  zum  Gadberg  an,  und  streicht  von  da  hinüber 
in  das  Algäu,  wo  es  sich  mit  der  Hochfläche  des  Gottesackers  vereint. 

Eine  sehr  bedeutende  Abweichung  im  Gebirgsbau  bedingt  der  Fe  u er- 
st» tter  Berg;  der  nordöstliche  Grenzpfeiler  des  Vorarlbergisehen  Kreide - 
gebietes  gegen  das  Algäu.  Indem  seine  mächtige  Masse  sich  nördlich  von  dem 
Zuge  des  Winterstauden  plötzlich  einschiebt,  rückt  sie  die  bisher  geradlinige 
Flysch-Kreidegrenze  bogenförmig  nach  Norden  hinaus.  Der  Schichtenbau  des 
Berges  ist  unklar,  da  die  langen  sanften  Südgehänge  keine  Gesteine  zu  Tage 
kommen  lassen.  Nur  unmittelbar  bei  Sibratsgföll  ist  ein  wenig  Seewer  entblösst 
und  im  Fugenbach  die  Schichtenköpfe  von  Gault-  und  Caprotinenkalk.  Auf  der 
Höhe  folgen  die  steilen  Biffe  des  vielfach  gewundenen  Systems  der  Juraschichten, 
denen  ein  Sandstein  folgt,  welcher  nach  seiner  petrographischen  Beschaffenheit 
eben  so  als  Gault  wie  als  Flysch  gedeutet  werden  kann,  aber  wohl  letzterem 
angehört.  — Obwohl  der  Feuerstätter  Berg  einen  gegen  Norden  gerichteten 
Vorsprung  aus  dem  Kreidegebiet  bildet,  so  zieht  doch  in  derBichtung  derFlysch- 
grenze  am  Winterstauden  weiter  östlich  eine  tiefe  Depression  fort  und  trennt  das 
Kreidegebiet  des  Algäu’s  in  zwei  Theile.  Sie  ist  ausgezeichnet  durch  ihren 
Reichthum  an  vortrefflichen  Alpen  (Wies-Alp,  Hirschgunt,  Mooser  Haag,  Rohr- 
moos u.  s.  w.)  und  entsendet  von  ihrer  ungemein  niedrigen  Wasserscheide 
nach  Westen  den  Schönebach,  nach  Osten  die  Starzl-Ache. 

Weissenfluh-Hirscheck  (III).  (Fortsetzung  von  Götzis-Weissenfluh). 
Eine  langgezogene  Depression  trennt  den  vorigen  Zug  von  diesem.  Unmittelbar 
südlich  von  der  Höhe  des  Winterstauden  erhebt  sie  sich  zu  einer  Wasserscheide, 
von  der  nach  Westen  der  Grebentobl  hinabzieht  und  den  schönen  Thalkessel  von 
Bezau  bildet,  während  östlich  im  Höllbockstobl,  der  kürzlich  durch  einen 
Bergsturz  fast  unzugänglich  geworden  ist,  jene  Depression  bis  zum  Subersbach 
fortsetzt.  Steil  erhebt  sich  aus  ihr  der  langgedehnte  Zug,  der  eine  einzige 
ununterbrochene  Welle  von  Ellebogen  an  der  Bregenzer  Ache  bis  zur  Alp  „auf 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


187 


[101] 


der  Aue“  am  Subersbach,  dem  Haupttheil  des  Zuges  Weissenfluh- Hirscheck 
bildet.  Die  Steilheit  der  Wände  veranlasste  den  verheerenden  Bergsturz  im  Höll- 
bocks-Tobl,  wo  das  steil  geneigte  Caprotinenflötz  von  der  aufgeweichten  merge- 
ligen Neocom-Unterlage  hinabgerutscht  ist.  An  der  scharfen  Antiklinal-  und 
Höhenlinie  beginnt  der  schwächer  geneigte  Südabfall,  der  hier  weniger  fruchtbar 
ist  als  am  Winterstauden,  da  der  Caprotinenkalk  nur  stellenweise  von  dem  frucht- 
baren Gault  überlagert  wird.  Zwischen  Bezau  und  Bizau  löst  sich  der  Zug  in 
drei  secundäre  auf,  die  sich  jenseits  der  Bregenzer  Ache  allmälig  zu  dem  Gault- 
Seewer-Plateau  der  Alpen:  Sehren,  Weissenfluh  u.  s.  w.  vereinigen,  auf  dem 
wir  früher  die  von  Westen  her  verfolgte  Welle  verliessen. 

Auch  dieser  Höhenzug  wird  im  Süden  von  einer  langgezogenen  Depression 
begleitet,  die  gleich  der  vorigen,  in  der  Mitte  zu  einer  niederen  Wasserscheide 
ansteigt  und  nach  Westen  in  den  Thalboden  von  Bizau,  nach  Osten  in  den  des 
Sennhüttendorfes  Schönebach  abfällt,  beides  überaus  fruchtbare  und  reiche 
Gelände,  welche  malerisch  zwischen  den  parallelen  buchenbewachsenen  Höhen - 
Zügen  eingeschlossen  sind.  — Oestlich  von  Schönebach  vereinigt  sich  Alles  zu 
dem  weiten  öden  Karrenfeld,  das  den  Namen  des  Gottesackers  führt  und  mit 
steilen  Wänden  nach  dem  Thal  des  Achenbaches  und  der  Starzlach  abfällt.  Der 
hervorragendste  Theil  des  Bandes  ist  das  Hirscheck. 

Gopfberg- Hirschb  ergfluh- Gottesacke  r (II)  und  Mittagfluh- 
Didamskopf-Hoch-Ifer  (I).  — Der  Gopfberg  scheidet  das  Thal  von 
Beutte  und  Bizau  von  dem  südlichen  von  Mellau,  Hirchau  und  Schnepfau. 
Sein  Bau  wurde  oben  beschrieben  und  ist  aus  dem  Canisfluhprofil  klar.  Ihm 
analog  ist  sein  östlicher  Anschluss,  die  Hirschbergfluh,  gebaut,  ein  gross- 
artiges Gewölbe,  das  durch  eine  flache  Einsattelung  in  das  Juramassiv  der  Mittag- 
fluh übergeht.  Westlich  von  der  Einsattelung  zieht  sich  eine  tiefere,  mit  jüngerer 
Kreide  erfüllte  Depression  nach  Schnepfau  hinab.  Oestlich  indess  beginnt  ein 
eigenthümliches  System  von  vier  Thälern , welche  radienförmig  in  den  Zug  (I) 
eingreifen  und  sich  bei  Schönehach  vereinigen.  Dadurch  werden  hier  mächtige 
Schichtensysteme  blossgelegt.  Der  nördlichere  Zug  lässt  sich  über  drei  isolirte, 
aus  Caprotinenkalk  und  Gault-Seewer  gebaute  Spitzen  zwischen  den  vier  Thälern 
hinweg  nach  dem  Söfenschroffen  verfolgen,  mit  dem  er  in  das  Plateau  des 
Gottesackers  übergeht.  Ungleich  klarer  ist  der  südliche  Zug,  der  in  der  Strei- 
chungsrichtung der  Canisfluh  bis  zum  Hohen  Ifer  fortsetzt  und  in  mehreren 
amphitheatralischen  Thalkesseln  den  grossartigen  Schichtenaufbau  in  senkrechten 
Mauern  von  Tausend  Fuss  Höhe  entblösst.  Dies  findet  besonders  ausgezeichnet 
am  Didamskopf  statt,  der  ganz  aus  Neocom  besteht  und  am  Hohen  Ifer, 
dessen  kleines,  südlich  geneigtes  Plateau  von  einer  nach  drei  Seiten  steil  abge- 
brochenen, daher  schwer  zugänglichen,  unbedeckten  Scholle  von  Caprotinenkalk 
besteht.  Nur  nach  Nordost  geht  sie  in  den  Gottesacker  über.  Steile  Pfade , oft 
auf  roh  ausgehauenen  Stufen,  führen  aus  dem  tiefen  Grunde  der  romantischen 
wilden  Thäler  an  dem  Gehänge  hinauf  auf  alle  diese  sanft  geneigten  Hochflächen, 
welche  eine  grossartige  Fortsetzung  der  Alpenfläche  der  Canisfluh  bilden,  sowie 
jene  Steilwände  durch  das  Fortstreichen  ihrer  Höhenlinie  veranlasst  sind , und 
auf  das  Klarste  die  grossartige  Gesetzmässigkeit  im  Gebirgsbau  darthun. 

Es  bleiben  zur  Betrachtung  nur  noch  die  Gehänge  übrig,  welche  von  den 
Höhen  des  Didamskopfes  und  des  Hohen  Ifer  nach  der  Flyschgrenze  ziehen.  Der 
Didamskopf  besteht  seiner  Masse  nach  aus  Neocomgebilden  und  da  diese  con- 
stant  nach  Stunde  11  fallen,  so  bestehen  zwei  Gräte,  die  er  nördlich  gegen 
Schönebach  gabelförmig  entsendet,  auch  daraus.  Gegen  Süden  gabelt  sich  der 
Berg  gleichfalls.  Ein  Arm  zieht  südwestlich  zwischen  Stockach-Bach  und 


188 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[102] 

Schranbach  nach  Remen  bei  Au  hinab,  der  andere  ist  nach  Südosten  gerichtet 
und  theilt  sich  abermals,  indem  ein  Theil,  welcher  die  steile  Wand  bildet,  in 
grossem  Bogen  nach  dem  Hohen  Ifer  hinzieht,  während  der  andere  seiner  Rich- 
tung treu  in  den  Ochsenhofer  Kopf  übergeht.  Zwischen  beiden  Armen,  die  nach 
Aussen  steil  abstürzen,  zieht  sich  eine  flache  Mulde  hinab,  welche  die  Didams- 
Alp  trägt  und  aus  Gault  und  Seewer  besteht.  Aus  dieser  Mulde  erhebt  sich  der 
Flysch  als  neuer  südlicher  Höhenzug.  Von  Schopernau  steigt  die  Grenze  über 
die  Breitalp  hinauf  nach  dem  Pass  „auf  dem  Kreuz“  und  in  den  Kessel  der 
Subersalpe,  wo  Gümhel  *)  die  Auflagerung  des  Flysches  auf  Seewer  genau  beob- 
achtete. Diese  Grenze  und  diese  Auflagerung  lässt  sich  noch  weithin  verfolgen. 
Ueberall  ist  die  ganze  Kreidefolge  in  bedeutender  Vollständigkeit  ausgebildet, 
überall  bildet  Neocom  die  nördlichen  Wände,  Caprotinenkalk  die  zu  wüsten  Kar- 
renfeldern ausgewitterten,  südlich  geneigten  Hochflächen,  denen  weiter  am  Abhang 
hinab  allmälig  Gault-  und  Seewer-Schichten  mit  reichen  Alpen  (Subers.  Grabath, 
Mölkböden,  Auer  u.  s.  w.)  folgen,  bis  endlich  der  Flysch  zu  einem  neuen 
Gebirgszuge  ansteigt.  Der  Thalbach,  welcher  beide  Höhenzüge  trennt  und  bei 
Rietzlen  im  Thal  Mittelberg  in  die  Breitach  mündet,  ist  noch  in  die  obersten 
Kreideschichten  eingeschnitten,  welche  man  hier  mit  ungewöhlicher  Klarheit 
beobachten  kann. 

Interessant  sind  einige  Bergstürze,  welche  dieses  Thal  verheert  haben. 
Von  der  geneigten  mächtigen  Scholle  von  Caprotinenkalk,  welche  den  Hohen 
Ifer  bildet,  brechen  zu  Zeiten  mächtige  Massen  los  und  stürzen  hinab  in  die 
Tiefe.  Man  sieht,  dass  in  früherer  Zeit  das  Kalkflötz  bis  zu  den  in  der  Thalsohle 
gelegenen  Mölkböden  hinabreichte;  eine  sehr  bedeutende  Masse  hat  sich  los- 
getrennt, beim  Hinabrutschen  in  weiter  Erstreckung  das  liegende  Neocomien 
entblösst  und  mit  ihren  Trümmern  unterhalb  jener  Alpe  eine  kleine  Ebene 
geschaffen,  welche  in  ihrem  oberen  Theil  Sumpfland  ist,  im  unteren  ein  von 
einzelnen  Bäumen  bewachsenes  kolossales  Trümmermeer,  unter  dem  der  Thal- 
bach in  der  Tiefe  hindurchströmt. 

5.  Ergebnisse. 

So  ergibt  sich  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs  als  ein  in  seiner  Schichten- 
entwickelung, wie  in  seinem  ursprünglichen  Gebirgshau  überaus  gleichförmig 
und  nach  klaren  Gesetzen  entwickeltes  Ganzes.  Vier  ostwestlich  streichende, 
nach  Norden  steil  einfallende,  zum  Theil  überstürzte  Wellen  sind  es,  auf  welche 
sich  Alles  zurückführen  lässt.  Allein  es  schieben  sich  zwischen  Hauptwellen  andere 
secundäre  ein.  (Staufen-Spitz,  Kuhberg,  Tugstein  bei  Hohenems  u.  s.  w.)  Eine 
Welle  spaltet  sich  in  zwei,  welche  eine  Mulde  einschliessen  (Winterstauden, 
Bizauer  Berg)  und  durch  das  Auseinandertreten  der  beiden  Schenkel  verflacht 
sich  zuweilen  eine  Welle  und  breitet  sich  plateauförmig  aus  (Berge  bei  Feld- 
kirch, zwischen  Götzis  und  Klaus,  Weissenfluh,  Gottesacker);  endlich  senken 
sich  Wellen  unter  andere  Formationen  hinab  und  verlieren  damit  ihren  Cha- 
rakter oder  sie  erheben  sich  auch  wieder  im  weiteren  Verlaufe.  Alle  diese  Fälle 
finden  im  Vorarlbergischen  Kreidegebiet  in  grosser  Mannigfaltigkeit  statt  und 
bedingen  zum  Theil  seinen  vielgestaltigen  Charakter. 

Querverwerfungen  sind  nirgends  in  solchem  Maassstabe  zu  beobachten, 
dass  sie  auf  den  Gliederbau  des  Landes  Einfluss  hätten.  Eine  kleine  derartige 
Verwerfung  ist  am  Tugstein  bei  Hohenems,  wo  die  Kreideschichten  um  wenige 


1)  A.  a.  0.  Seite  6. 


Die  Kalkalpen  \on  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[103] 


Hundert  Fuss  gegen  einander  verschoben  sind.  Auch  bei  Klaus,  zwischen  Reutte 
und  Mellau  scheinen  beide  Thalwände  ein  wenig  gegen  einander  verworfen  zu 
sein.  Doch  bleibt  dies  allemal  höchst  unbedeutend.  Noch  weniger  sind  seitliche 
Verwerfungen  in  der  Richtung  des  Streichens  von  Ost  nach  West  oder  umgekehrt 
zu  beobachten.  Um  so  häufiger  sind  die  Fälle,  wo  das  Kreidesystem  in  der 
Streichrichtung  seiner  Wellen  geborsten  ist  und  die  beiden  Theile  nach  auf- 
wärts oder  abwärts  gegen  einander  verworfen  sind.  Nicht  selten  findet  dann, 
ähnlich  wie  im  Lias-Trias-Gebiet,  eine  Ueberschiebung  Statt.  (Gopfberg  gegen 
Reutte.) 

Am  mächtigsten  sind  die  Störungen,  welche  die  Centralhebung  der  Canis- 
fluh  verursachte.  Zwar  ist  keineswegs  anzunehmen,  dass  die  hebende  Kraft  sich 
an  diesem  Punkte  centralisirte,  sonst  müssten  sich  die  Wellen  concentrisch  um 
die  Canisfluh  ziehen;  allein  dass  die  Hebung  hier  am  stärksten  war,  beweist  die 
bedeutende  Höhe,  bis  zu  der  die  Juraschichten  aus  einer  grösseren  Tiefe  heraus- 
gehoben wurden,  als  die  ältesten  Kreideschichten  einnahmen;  man  könnte  ein- 
wenden, der  Rerg  sei  schon  vor  der  Kreideperiode  vorhanden  gewesen  und  nun 
in  gleichem  Maasse  mit  der  Umgebung  gehoben  worden.  Allein  dem  widerspricht 
die  regelmässige  und  vollständige  Ausbildung  der  Kreide  gerade  an  diesem  Berge 
eine  Ausbildung,  welche  auf  ein  gleich  tiefes  Meer  schliessen  lässt,  als  im  ganzen 
übrigen  Gebiet  verbreitet  war.  Wenn  somit  die  Canisfluh  zwar  weder  auf  eine 
centralisirte  Hebungskraft  noch  auf  ein  vollständig  gleichmässiges  Erheben  im 
ganzen  Gebiet  hindeutet,  so  ist  es  doch  augenscheinlich,  dass  die  Kraft,  welche 
die  ganze  Welle:  Ardetzenberg  — Hoch-Fresehen  — Canisfluh  — Mittagsfluh  — 
Didamskopf  — Hoch-Ifer,  die  mächtigste  von  allen,  hervorbrachte,  sich  am 
stärksten  an  dem  einen  Punkt  äusserte,  während  sie  bei  Feldkirch  sehr  gering 
gewesen  sein  muss.  Dem  entsprechend  finden  in  den  Umgebungen  der  Canisfluh 
jene  bedeutenden  Störungen  im  Gebirgsbau  statt,  welche  wir  eben  erörterten 
und  welche  das  regelmässige  Fortstreichen  der  Wellen  so  unklar  machen,  ohne 
es  aber  zu  vernichten.  Ein  Umstand  ist  es,  welcher  beweiset,  dass  das  Maximum 
der  Kraft  auch  ein  klein  wenig  centralisirend  wirkte,  das  ist  die  Aenderung  in 
der  Richtung  der  Wellen  von  West  nach  Ost,  so  zwar,  dass  sie  einen  Bogen  mit 
allerdings  sehr  grossem  Radius  um  die  Canisfluh  beschreiben.  Bei  Hohenems 
streichen  dieWellen  Stunde  41/a,  selbst  Stunde  4,  weiter  östlich  nur  Stundet  und  6. 

Geringeren  Einfluss  auf  das  Kreidegebiet  scheint  die  Juramasse  gehabt  zu 
haben,  welche  im  Feuerstätter  Berg  zu  5194  Fuss  Höhe  gehoben  wurde.  Wie 
das  Aufsteigen  des  zusammengefalteten  und  gepressten  Schichtensystemes  eine 
ganz  locale  Erscheinung  von  geringer  Ausdehnung  ist,  so  ist  es  auch  mit  der 
Einwirkung  auf  den  Gebirgsbau  der  Umgebung. 

Den  grössten  Einfluss  auf  die  Oberflächengestaltung  des  Kreidegebietes  hat 
das  von  dem  Verlauf  der  Hebungswellen  so  abweichende  System  der  Thäler. 
Nur  nördlich  und  nordöstlich  von  der  Canisfluh,  zwischen  den  Orten  Bezau, 
Bizau,  Mellau,  Schnepfau  und  Schönebach  sind  sämmtliche  Haupt-  und  secundäre 
Wellen  durch  parallele  Thäler  getrennt;  ihre  Bäche  fliessen  durch  eine  nach 
Stunde  11  verlaufende  Wasserscheide  getrennt  nach  verschiedenen  Seiten  ab. 
Aehnlich  ist  es  mit  den  kurzen  Thälern,  welche  zwischen  Götzis  und  Röthis  in  die 
Rheinebene  hinabkommen.  Allein  schon  die  Bregenzer  Ache  und  der  Subersbach 
folgen  diesem  Gesetze  nicht  mehr.  Beide  durchbrechen  die  Wellen  rechtwinkelig 
und  weiter  im  Westen  wird  die  grösste  Unregelmässigkeit  zur  Regel.  Wir  werden 
hier  darauf  hingeführt,  quere  Berstungen  der  Kreidewellen  anzunehmen,  ent- 
sprechend der  grossen  Zerspaltung  der  Canisfluh  zwischen  Au  und  Schnepfau. 
Solche  Berstungen  sind  zwischen  Mellau  und  Reutte,  ferner  südlich  von  Bersbuch, 


190 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[104] 

zwischen  Ebnit  und  Beckenmann,  zwischen  Götzis  und  Klaus,  am  Walduna-See, 
am  Ardetzenberg  hei  Feldkirch  u.  s.  w.  Die  Wasser  haben  diese  Spalten  aus- 
gewaschen und  verbreitert , über  ihnen  sanftere  Abhänge  geschaffen  und  so 
hauptsächlich  dazu  beigetragen,  dass  häufig  Höhenlinien  und  Senkungen  quer 
gegen  die  Hebungswellen  gerichtet  sind. 

Der  gesarnmte  Gliederbau  weist  scheinbar  darauf  hin,  dass  in  früherer  Zeit 
die  Kreideschichten  ein  weit  grösseres  Areal  einnahmen,  denn  das  ganze  Gebiet 
besteht  ausschliesslich  aus  der  einen  Formation,  deren  vielfach  gewundene 
Schichten  früher  eine  ebene  Ausbreitung  gehabt  haben  müssen.  Es  müssen  daher 
entweder  die  auf  eine  grössere  Fläche  verbreiteten  Schichten  auf  einen  kleineren 
Raum  zusammengeschoben  worden  sein  oder  die  Masse  der  Schichten  muss  sich 
so  ausgedehnt  haben,  dass  sie  sich  krümmen  musste,  wo  sie  vorher  horizontal  war. 
Das  Erstere  scheint  in  geringem,  das  Letztere  in  sehr  bedeutendem  Maasse  statt- 
gefunden zu  haben  und  die  Strecku  ng  eine  nicht  unbedeutende  Rolle  zu  spielen. 
Das  gewöhnliche  Merkmal  für  dieselbe,  die  Zerreissung  der  Versteinerungen  in 
mehrere  durch  Klüfte  getrennte  Stücke,  lässt  sich  zwar  wenig  beobachten,  dies 
rührt  aber  daher,  dass  diejenigen  organischen  Reste,  an  denen  jene  Erscheinung 
am  öftesten  stattfindet,  hier  nicht  Vorkommen;  nur  die  Belemniten  in  den  Seewer- 
Schichten  gehören  dazu,  und  in  der  That  sind  sie  sehr  häufig  in  einzelne  Stücke 
mit  Zwischenräumen  getrennt;  ebenso  ist  es  mit  einzelnen  Inoceramen  der  Fall. 
Hier  ist  also  die  Streckung  nachweisbar.  Der  weitere  Verlauf  der  Geschichte 
Vorarlbergs  beweist  auch,  dass  ein  solcher  Process  stattfinden  konnte,  wohl  auch 
stattfinden  musste.  Die  Art  der  Verbreitung  desFlysches  deutet  daraufhin,  dass  das 
Land  zu  Ende  der  Kreideperiode  in  einer  säcularen  Hebung  begriffen  war,  welche 
das  jetzige  Kreidegebiet  als  schmale  Zone  trocken  legte,  die  sich  unmittelbar  südlich 
und  nördlich  in  das  eocene  Flyschmeer  hinabsenkte.  Ein  solcher  Abfall  aber  nach 
beiden  Seiten  musste  bei  einer  auch  nur  äusserst  geringen  Verschiebbarkeit  der 
Theile  die  Schichten  bedeutend  ausdehnen.  Das  Quantum  der  Streckung  lässt  sich  nur 
annähernd  schätzen;  nur  in  wenigen  Fällen  vollkommener  Ueberstürzung  kann  man 
annehmen,  dass  die  Horizontulentfernung  («)  zweier  Wellenberge  sich  zur 
Schichtenentwickelung  (6)  des  Wellenthales  wie  1 : 2 verhalte.  Dagegen  ist  das 
Verhältnis  1 : 1 4/4  häufig;  nirgends  dürfte  1 : 1 Vorkommen,  da  eine  vollkom- 
men horizontale  Lagerung  nicht  stattfindet.  In  allen  Fällen  hat  die  Streckung 
nur  senkrecht  gegen  die  Streichungsrichtung  stattgefunden , nirgends  parallel  zu 
ihr.  Sehr  verschieden  scheint  aber  der  Grad  zu  sein,  in  welchem  die  einzelnen 
Schichten  gedehnt  wurden.  So  scheint  das  Caprotinenkalkflöz  fast  gar  nicht  davon 
betroffen  worden  zu  sein,  es  nimmt  nicht  an  den  Biegungen  Theil  und  verschwin- 
det hier  und  da  unter  der  Masse  der  anderen  Schichten,  während  die  Spatangen- 
kalke  im  äussersten  Maasse  davon  betroffen  worden  zu  sein  scheinen. 

Es  scheint,  dass  die  Schichtenstreckung  in  den  Alpen  überhaupt  eine  sehr 
bedeutende  Rolle  gespielt  habe.  Welch  unendliche  Fläche  müssten  die  Gesteine 
der  Alpen  einnehmen,  wenn  man  alle  Wellen  und  Faltungen  auf  die  Horizontal- 
ebene zurückführen  wollte;  wie  hätte  eine  Reduction  auf  einen  so  kleinen  Raum 
stattfinden  können?  Ueberall  aber,  mit  Ausnahme  einiger  centralisirter  Gegenden 
der  Südalpen,  scheint  die  Streckung  senkrecht  zur  Streichungsrichtung  des 
gesammten  Gebirges  geschehen  zu  sein. 

Werfen  wir  zum  Schlüsse  noch  einen  Blick  auf  die  östliche  und  westliche 
Fortsetzung  des  vorarlbergischen  Kreidegebietes,  so  wie  auf  die  Grenzen  gegen 
Nord  und  Süd,  so  ergeben  sich  auch  hier  einige  sehr  beachtenswerthe  Thatsachen. 
Das  Thal  des  Rheins  ist  für  die  älteren  Formationen  eine  der  grossartigsten 
Verwerfungsspalten  in  den  Nordalpen,  nur  noch  vergleichbar  mit  derjenigen  bei 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


191 


[105] 


Wien;  für  die  Kreideformation  gilt  dies  aber  in  weit  geringerem  Grade.  Die 
Trennung  des  Säntisgebirges  vom  vorarlbergischen  Kreidegebiet  ist  eine  allmälig 
erweiterte  Berstung,  die  nur  in  geringem  Grade  mit  Verwerfungen  verbunden  zu 
sein  scheint.  Ja  das  Säntisgebirge  dürfte  sich  im  Schichtenbau  wie  in  den  Lage- 
rungsformen dem  vorarlbergischen  Kreidegebiete  inniger  anschliessen  als  dem 
schweizerischen  westlich  von  der  Linth.  Ist  auch  das  ganze  Kreidegebirge  bis 
hinab  nach  Savoyen  und  der  Provence  seiner  Ablagerung  nach  ein  einziges,  so 
scheint  doch  die  Art  und  Weise  der  Hebungen  eine  Trennung  in  mehrere  einzelne 
Gebiete  veranlasst  zu  haben.  Eines  derselben  ist  durch  den  Knotenpunkt  der 
Canisfluh  bezeichnet;  es  gehören  ihm  die  Kreidegebilde  im  Algäu,  in  Vorarlberg 
und  am  Säntis  an.  Die  Zusammengehörigkeit  dieser  Gebiete  zeigt  sich  in  der  Art 
und  Weise  wie  sie  sich  um  jenen  Knotenpunkt  schaaren.  Wie  in  einem  grossen 
Bogen  ziehen  die  Hebungswellen  herum  und  es  ist  gewiss  keine  zufällige  Erschei- 
nung, dass  die  Richtung  derselben  nördlich  der  Canisfluh  Stunde  5,  bei  Hohenems 
Stunde  4 und  im  Säntisgebirge  Stunde  ^ i//2>  selbst  3 ist. 

Der  Uebergang  in  die  Kreide  des  Algäus  wurde  bereits  mehrfach  im  Vorigen 
berührt  Die  Züge  setzen  mit  einigen  Aenderungen  fort  und  senken  sich  im  Iller- 
Thal  unter  den  Flysch.  Ueberaus  merkwürdig  ist  das  plötzliche  Wiederauftauchen 
am  Grünten,  da  das  Thal  der  Iller  nicht  wie  das  des  Rheins  eine  Verwerfungs- 
spalte bezeichnet.  Das  plötzliche  und  schroffe  Emporsteigen  zu  3000  Fuss  Höhe, 
die  Gleichartigkeit  des  Einfallens  gegen  Norden  und  Süden,  so  wie  alle  die  inte- 
ressanten Verhältnisse,  welche  in  der  trefflichen  Schilderung  von  Gümbel  *) 
beschrieben  sind,  weisen  auf  ein  schnelles  Emporsteigen  hin,  welchem  andere 
Ursachen  zu  Grunde  lagen,  als  der  Erhebung  des  Winterstauden  oder  der  Canis- 
fluh. Vielleicht  könnte  das  Eruptivgestein,  welches  an  mehreren  Stellen  des 
Algäus  hervorbricht  und  noch  die  Eocenschichten  durchsetzt  hat  und  welches 
nach  Gümbel  ein  melaphyrartiges  Ansehen  haben  soll,  zur  Erklärung  der  eigen- 
thümlichen  Bildung  des  Grünten  beitragen. 

Was  endlich  das  Verhalten  der  Kreide  gegen  den  Flysch  an  ihrer  Nord- 
urid  Südgrenze  betrifft,  so  ist  zunächst  das  Einfallen  des  Flysches  längs  dem 
Nordrand  unter  die  ältesten  Kreideschichten  illusorisch ; es  findet  vielmehr,  wie 
aus  zahlreichen  Profilen  hervorgeht,  eine  Ueberstürzung  des  gesammten  Kreide- 
systemes  mit  Vermittelung  aller  jüngeren  Glieder  desselben  und  des  Flysches  mit 
regelmässiger  Schichtungsfolge  auf  die  Seewerbildungen  am  ganzen  Nordrand 
statt;  am  Winterstauden  verwandelt  sie  sich  sogar  in  eine  einfache  senkrechte 
Schichtenstellung.  Dieses  Verhältniss  dürfte  wohl  auch  in  der  Schweiz  in  gleicher 
Weise  fortsetzen.  — An  der  Südgrenze  sind  die  Eocenschichten  der  Kreide 
regelmässig  aufgelagert. 


2.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Nord-Tirol. 

Die  Art  und  Weise  der  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreideformation  in  dem 
gesammten  östlich  von  Vorarlberg  gelegenen  Theil  der  Nordalpen  ist  durch  die 
Arbeiten  der  geologischen  Reichsanstalt  in  den  östlichen  Gebieten,  insbesondere 
durch  Herrn  v.  Hauer’s  „Gliederung“,  so  wie  durch  die  Abhandlungen  von 
Emm  rieh,  Schafhäutl,  Gümbel  in  den  bayerischen  Alpen,  so  bekannt 
geworden,  dass  ich  mich  in  diesem  Abschnitte  kurz  fassen  kann.  Die  beiden  For- 
mationen sind  zwar  in  ihrem  Auftreten  im  nördlichen  Tirol  niemals  genauer 


*)  Gümbel,  der  Grünten , eine  geognostische  Skizze.  München  1856. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


25 


192 


Ferdinand  Freiherr  von  Hichthofen. 


[•06] 

beschrieben  worden,  allein  ihre  Gliederung  und  petrographische  Entwickelung 
weicht  nur  unbedeutend  von  den  östlichen  Gegenden  ab  und  gleicht  fast  genau 
der  in  den  vorliegenden  bayerischen  Alpen.  Zudem  sind  diejenigen  Schichten, 
deren  stratigraphische  Stellung  noch  nicht  mit  voller  Sicherheit  festgestellt  ist, 
auch  hier  so  arm  an  Versteinerungen,  dass  sie  zu  einer  genaueren  Bestimmung 
nichts  beitragen  können.  Wir  beschränken  uns  daher  auf  eine  allgemeine  Ueber- 
sicht  der  Gliederung  und  werden  dann  kurz  die  Züge  beschreiben,  welche  die 
beiden  Formationen  im  Bereiche  des  Trias-Lias-Gebietes  von  Nordtirol  bilden. 


A.  Gliederung. 

In  dem  ersten  Theile  dieser  Abhandlung  (Bd.  X dieses  Jahrbuches,  S.  111) 
erwähnte  ich  bereits,  wie  unbestimmt  die  Grenze  der  Algäu-Schichten  nach 
oben  sei.  Besonders  im  Lechthal,  wo  der  Gesteinswechsel  des  mächtigen  Lias- 
complexes  so  überaus  reich  ist,  wo  die  in  den  untersten  Theilen  an  Masse  vor- 
herrschenden Fleckenmergel  sich  doch  nach  oben  fort  und  fort  wiederholen,  aber 
nicht  mehr  mit  den  zahlreichen  charakteristischen  Versteinerungen  wie  unten, 
wo  endlich  hoch  oben  mit  ganz  gleicher  Lagerung  Schichten  auftreten,  welche 
den  jurassischen  Ammergauer  Wetzstein-Schichten  entsprechen,  da  hat  man  wohl 
einen  bestimmten  Anhalt  für  die  höchsten  und  die  tiefsten  Schichten,  aber  der 
dazwischenliegende  ungeheure  Complex  bleibt  ungelöst.  So  weit  Fleckenmergel 
reichen,  dürfte  er  wohl  entschieden  dem  Lias  angehören,  aber  der  Uebergang  ist 
dann  weiter  hinauf  so  unkenntlich  , dass  hier  in  der  That  eine  fortdauernde 
ungestörte  Ablagerung  durch  die  Lias-  und  Jura-Periode  hindurch  angenommen 
werden  muss.  Weiteren  Untersuchungen  muss  es  Vorbehalten  bleiben,  die  Tren- 
nungsstelle der  Faunen  aufzufinden. 

Im  Gebiete  des  Lechthaies,  so  wie  in  der  Gegend  von  Beutte  scheint  die 
Reihe  der  regelmässig  über  einander  abgelagerten  Sedimente  mit  dem  Jura  zu 
schliessen,  wenigstens  lässt  sich  hier,  mit  Ausnahme  der  unsicheren  Gosaugebilde 
auf  dem  Muttekopf,  kein  Glied  der  Kreide  nachweisen.  Aber  schon  südlich  von 
den  mächtigen  Hallstätter  Kalkmassen  des  Zugspitz-Wetterstein-Zuges  zeigen 
sich  über  dem  Jura  noch  weitere  Schichten  und  gegen  Osten  nimmt  dieses  höhere 
System  an  Entwickelung  zu.  Wir  werden  es  im  weiteren  Verlaufe  als  Neocomien 
vom  Alter  der  Rossfelder  Schichten  nachweisen.  Dieses  Formationsglied  ist  in 
seiner  typischen  Entwickelung  leicht  von  charakteristischen  Juraschichten  zu 
unterscheiden;  allein  es  gibt  Stellen,  wo  die  Trennung  ungemein  schwierig  ist; 
denn  zuweilen  findet  ein  ebenso  allmäliger  Uebergang  durch  den  Gesteinswechsel 
der  Schichten  statt,  wie  im  Gebiete  des  Lechthaies  vom  Lias  in  den  Jura.  Zudem 
sind,  wie  dort,  beide  Formationen  gleichförmig  gelagert  wo  sie  unmittelbar 
über  einander  liegen  und  auch  hier  muss  man  nothwendig  einen  fortdauernden 
Niederschlag  annehmen.  Er  schliesst  mit  mergeligen  Schichten  voll  charakteristi- 
scher Neocomien-Versteinerungen.  Von  nun  an  ist  eine  grosse  Lücke  in  der  For- 
mationsfolge ; der  nächste  Niederschlag  gehört  der  Gosauformation  an,  mit  der 
überhaupt  die  Kreide  in  unserem  Gebiete  schliesst. 

Es  scheint  aus  diesen  wenigen  Thatsachen  hervorzugehen,  dass  der  regel- 
mässige und  ununterbrochene  Niederschlag  in  unserem  Gebiete,  der  schon  mit 
der  Triasperiode  begonnen  hatte,  durch  die  ganze  Lias-  und  Jura-Periode  hin- 
durchreichte und  erst  mitten  in  der  Periode  der  Neocomienbildungen  gänzlich 
abgeschlossen  wurde.  Nur  secundäre  Hebungen  können  in  dieser  Zeit  stattge- 
funden haben,  sonst  müsste  wenigstens  Einmal  eine  antikline  Schichtenstellung 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


193 


[107] 


zweier  auf  einander  folgender  Glieder  oder  ein  plötzlicher,  der  Niveauverände- 
rung entsprechender  Wechsel  des  Niederschlages  und  der  Facies  seiner  Fauna 
zu  beobachten  sein.  Nur  der  Wechsel  der  Intensität  der  langsamen  Hebungen 
kann  es  veranlasst  haben,  dass  mit  den  Liasablagerungen  eine  für  den  Gebirgs- 
bau  der  nördlichen  Kalkalpen  wichtige  Periode  abgeschlossen  wird  und  die 
nächsten  Formationen  trotz  des  Parallelismus  in  der  Ablagerung  einer  jeden  mit 
der  unmittelbar  darunter  folgenden  in  ihrer  Verbreitung  von  den  schon  vorhan- 
denen Ablagerungen  beschränkt  und  bestimmt  werden.  — Hat  aber  ein  fortdauernder 
Niederschlag  stattgefunden,  so  muss  die  ganze  Reihenfolge  der  Formationsglieder 
vom  Lias  bis  zum  Neocomien,  wie  sie  in  anderen  Ländern  Vorkommen,  in  unserem 
Gebiete  durch  Niederschläge  vertreten  sein;  jedoch  auch  nur  durch  solche,  denn 
die  Thierwelt  der  Jura-  und  Neocomien-Bildungen  von  Tirol  ist  äusserst 
beschränkt  und  ganze  Schichtenreihen  enthalten  kaum  Spuren  von  organischen 
Resten;  es  kann  daher  hier  nur  die  Aufgabe  sein,  die  wenigen  vorhandenen 
Faunen  in  ihrer  Aufeinanderfolge,  oder  auch  die  gleichartigen  Gesteinscomplexe, 
so  weit  dies  thunlich  ist,  gegen  einander  abzugrenzen  oder  einzelne  Schichten- 
complexe,  welche  durch  ihre  Versteinerungen  besonders  charakterisirt  sind,  aus 
der  ganzen  Reihe  als  selbstständige  Glieder  hervorzuheben.  Letzteres  ist  bei 
der  Beschränktheit  der  Versteinerungen  auf  einzelne  Schichtengruppen  das 


Sicherere.  Wir  unterscheiden  danach  fo 

1.  Vilser  Kalk, 

2.  Ammergauer  Schichten 


gende  Glieder: 

3.  Rossfelder  Schichten, 

4.  Gosaugebilde. 


1.  Vilser  Kalk. 

Der  terebratelreiche  Kalkstein  von  Vils  ist  wohl  eines  der  merkwürdigsten 
Gebilde  in  den  Nordalpen;  denn  wo  die  Niederschläge  in  weiter  Erstreckung 
ohne  Unterbrechung  durch  lange  Perioden  fortdauern , da  sollte  man  auch 
erwarten,  weithin  die  Schichten  gleichförmig  in  ihrer  Versteinerungsführung  und 
in  ihrer  petrographischen  Entwickelung  zu  finden.  In  der  That  gibt  auch  gerade 
der  alpine  Jura  sonst  ein  ausgezeichnetes  Beispiel  für  diese  Gleichförmigkeit  und 
wenn  im  Osten  seine  unteren  Schichten  als  Klausschichten  entwickelt  sind  und 
eine  massenhafte  Anhäufung  von  Versteinerungen  an  einzelnen  Orten  zeigen,  so 
hat  doch  einerseits  der  petrographische  Charakter  immer  noch  Aehnlichkeit  mit 
dem  der  anderen  jurassischen  Gesteine,  andererseits  ist  die  Erscheinung  nicht 
local  und  wiederholt  sich,  wie  Herr  v.  Hauer  nach  wies,  in  den  Ablagerungen 
von  Swinitza  im  Banate  und  in  der  Krim.  Der  Vilser  Kalk  hingegen  ist  eine  ganz 
und  gar  isolirte  Bildung  mitten  im  Bereiche  der  fortdauernden  Jura-Ablagerun- 
gen, beschränkt  auf  die  nächste  Umgebung  des  Ortes  Vils  *),  petrographiseh 
weit  verschieden  von  allen  gleichaltrigen  Schichten,  eben  so  in  der  Facies  der 
Fauna,  und  die  letztere  hat  nur  Analoga  bei  Windischgarsten  und,  wie  Herr  von 
Hauer  zeigte,  wahrscheinlich  auch  in  den  Südalpen.  Das  Alter  des  Vilser  Kalkes 


0 Gümbel  führt  (Band  VII  dieses  Jahrbuches,  Seite  30)  an,  dass  der  Vilser  Kalk  von 
Hindelang  in  flachem  Bogen  nach  Vils  zieht,  und  von  hier  über  den  Säuling,  Hochplatt, 
Hennerspitz,  Brunnenkopf,  Kogel,  Laberberg,  Ettoler-Mandl,  Benedictenwand,  u.  s.  w. 
immer  weiter  östlich  fortstreicht.  Allein  wie  sich  aus  dieser  Zusammenstellung  und 
aus  dem  Profil  Figur  17  (Seite  32)  ergibt,  wurde  in  jener  Abhandlung  der  gesammte 
Hallstätter  Kalk  und  nach  Fig.  16  (Seite  32)  auch  der  Hierlatz-Kalk  zum  Vilser  Kalk 
gerechnet,  da  die  drei  in  der  That  petrographiseh  nahe  verwandt  sind.  Das  östliche 
Fortstreichen  bezieht  sich  auf  den  Hallstätter  Kalk.  In  allen  späteren  Arbeiten  bat 
Herr  Gümbel  die  Trennung  durchgeführt. 


194 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[108] 

als  parallel  dem  Etage  Bathonien  und  Aequivalent  der  östlichen  Klaus-Schichten 
unterliegt  wohl  kaum  mehr  einem  Zweifel,  eben  so  wenig  aber  seine  Vertretung 
in  nächster  Nachbarschaft  durch  die  gewöhnlichen  Juragesteine  der  Nordalpen. 
Das  Gestein,  ein  weisser,  dichter,  nicht  sehr  harter  Kalkstein,  ist  bekannt,  eben  so 
die  Versteinerungen,  unter  denen  Terebratula  pala,  antiplecta  und  concinna 
die  häufigsten  sind.  Das  Lagerungsverhältniss  ist  aus  dem  in  der  zweiten  Abthei- 
lung dieser  Abhandlung  gegebenen  Profil  zwischen  Weissenbach  und  Vils  voll- 
kommen klar  und  es  bleibt  somit  nur  noch  die  Frage  zu  erörtern,  welche  Um- 
stände eine  solche  örtliche  Abweichung  des  Niederschlages  hervorrufen  konnten. 

Es  steht  unzweifelhaft  fest,  dass  die  nördlichen  Kalkalpen  trotz  der  ununter- 
brochen fortdauernden  parallelen  Niederschläge  doch  bereits  ain  Anfänge  der 
Jura-Periode  durch  langsame  Hebungen  allmälig  eine  ihrer  heutigen  ähnliche 
Gestalt  erlangt  hatten.  Die  Lagerstätte  der  Vilser  Kalke  aber  ist  jetzt  umstarrt 
von  mächtigen  Kolossen  von  Hallstätter  Kalk  und  wenn  man  sie  vom  Gernspitz 
über  den  in  einer  späteren  Zeit  entstandenen  Durchbruch  des  Lechs  nach  dem 
Säuling  fortsetzend  denkt,  so  hat  man  hier  einen  Kessel  von  älteren  Kalken,  wie 
er  in  Nordtirol  kaum  bei  einer  anderen  Jura-Ablagerung  Vorkommen  dürfte.  Solche 
Verhältnisse  konnten  wohl  hier  eine  besondere,  individualisirte  Art  des  Nieder- 
schlages und  eine  entsprechend  individualisirte  Fauna  schaffen.  Ganz  besonders 
dürfte  dafür  der  den  Vilser  Schichten  sehr  ähnliche  Charakter  der  Hierlatz-Kalke 
sprechen,  welche  auch  ausschliesslich  diesem  Kessel  angehören  und  erst  in  weiter 
Entfernung,  östlich  von  Innsbruck  ihre  nächste  Lagerstätte  haben. 

2.  Ammergauer  Schichten. 

(Oberer  rother  Annnonitenkalk,  Oxford  Emmrieh.) 

Mit  dem  Namen  der  „Ammergauer  Wetzsteinschichten“  bezeichnete  man 
wohl  zuerst  ein  charakteristisches  Gestein  der  Juragebilde  der  Nordalpen.  Da 
dasselbe  überall  in  gleicherweise  wiederkehrt  und  zugleich  im  Ammergau  neben 
den  Wetzsteinen  die  vollständige  Schichtenfblge  aufzutreten  scheint,  wie  sie  an 
anderen  Orten  bekannt  ist,  so  dürfte  es  wohl  am  geeignetsten  sein,  die  alte  Be- 
nennung für  den  ganzen  Complex  der  Juragebilde  beizubehalten.  „Oberer  Jura“ 
passt  darum  nicht,  weil  nach  den  obigen  Auseinandersetzungen  wahrscheinlich 
die  ganze  Folge  des  braunen  und  weissen  Jura  in  dem  in  Rede  stehenden 
Schichtensysteme  vertreten  ist.  Man  kann,  wie  gesagt,  weder  eine  untere  Grenze 
gegen  den  Lias  noch  eine  obere  gegen  das  Neocomien  festsetzen;  es  ist  eine 
ununterbrocheneAblagerung,  deren  Gliederung  überdies  durch  die  geringe  petrogra- 
phische  Verschiedenheit  grosser  Complexe  erschwert  wird.  Nach  unten  stellen 
sich  allmälig  die  Fleckenmergel  ein,  welche  mit  ihren  bestimmten  Fucoiden- 
formen  für  den  Lias  ganz  charakteristisch  sind.  Nach  oben  erscheinen  ebenfalls 
Fleckenmergel,  welche  aber  durch  die  Form  ihrer  Pflanzen  wie  durch  die  petro- 
graphisehe  Beschaffenheit  von  denen  des  Lias  verschieden  sind,  und  sich  durch 
den  begleitenden  Aptychus  Didayi  und  viele  andere  Versteinerungen  als  zum 
Neocomien  gehörig  erweisen.  Die  ganze  zwischenlagernde  Schichtenreihe  besteht 
wesentlich  aus  grauen,  gelben,  weissen,  röthlichen  und  dunkelbraunrothen  Kiesel- 
kalken, mit  denen  hier  und  da  ein  rothes  oder  grünes  Hornsteinlager  verbunden 
ist,  ähnlich  demjenigen,  welches  im  Lechgebiete  schon  den  Liasfleckenmergeln 
eigenthümlidh  ist.  Hoher  aber  nimmt,  besonders  in  den  östlicheren  Gebieten,  der 
Kieselgehalt  ab  und  es  treten  jene  rothen,  immer  noch  etwas  verkieselten  Kalke 
auf,  welche  Emm  rieh  „oberen  rothen  Ammonitenkalk“  nannte  und  die  als  Marmor 
technische  Verwendung  finden,  während  die  unteren  Kieselkalke  zur  Verfertigung 


195 


[109]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

von  Wetzsteinen  dienen.  Die  reineren  Kalke  sind  gewöhnlich  von  Hornstein-Aus- 
scheidungen erfüllt. 

In  Tirol  gelang  es  uns  in  diesen  Schichten,  deren  Stellung  anderwärts 
bereits  mit  einiger  Sicherheit  festgestellt  werden  konnte,  nicht,  bestimmtere 
Anhaltspunkte  zu  gewinnen.  Aptychus  latus  und  unbestimmbare  Belemniten 
blieben  die  einzigen  organischen  Reste,  welche  wir  fanden. 

3.  Rossfelder  Schichten. 

Das  vorherrschende  Gestein  der  Rossfelder  Schichten  besteht  in  Nordtirol 
aus  grauen  fleckigen  Kalkmergeln,  welche  stellenweise  eine  ausserordentliche 
Mächtigkeit  erreichen  und  viele  charakteristische  Versteinerungen  des  untersten 
Neocomien  der  Provence  führen,  so  besonders  häufig  Aptychus  Didayi,  Am - 
monites  Astierianus,  Ammonit  es  Gr  asianus,  Crioceras-  Arten  u.  s.  w.  Nach  unten 
werden  die  Schichten  kalkiger  und  nehmen  einzelne  Kieselknollen  auf,  durch 
welche  ein  allmäliger  Uebergang  in  die  jurassischen  Bildungen  herbeigeführt 
wird.  So  dickbankige  Kalke,  wie  an  der  Canisfluh,  sind  in  Nordtirol  nicht  bekannt, 
dort  aber  fehlen  wiederum  die  Fleckenmergel.  Am  Rossfeld  ist  die  Entwickelung 
ebenfalls  abweichend,  da  dort  drei  Niveaux  , die  weissen  Aptychenkalke , eine 
darüber  folgende  mergelige  und  eine  höhere  sandige  Abtheilung  bestimmt  unter- 
schieden sind,  während  in  Nordtirol  die  Mergel  fast  allein  herrschen  und  nach 
oben  nur  ein  wenig  sandiger  werden. 

4.  Crosau-Formation. 

Während  die  bisher  betrachteten  Formationsglieder  eine  stetige  Reihe 
bilden,  sind  nun  die  Ablagerungen  in  unserem  Gebiet  plötzlich  für  lange  Zeit 
abgeschnitten.  Nirgends  ist  ein  Gestein,  welches  auf  eine  Zwischenstellung  hin- 
deutete und  erst  aus  dem  späteren  Theil  der  Kreideperiode  treten  wieder  eigen- 
tümliche Gebilde  auf,  welche  sich  durch  ihre  Versteinerungsführimg  der 
Gosauformation  äquivalent  erweisen.  Auch  in  den  räumlichen  Verhältnissen  der 
Verbreitung  und  Lagerung  stellt  sich  die  lange  Periode  der  Ruhe  gewisser- 
maassen  plastisch  dar.  Bisher  war  jedes  Glied  dem  vorhergehenden  parallel  auf- 
gelagert und  zeigte  in  seiner  Verbreitung  nur  geringe  Abweichungen , deren 
Gesammtbetrag  erst  so  erheblich  ist,  dass  zum  Beispiel  die  Neocomienmergel 
und  die  Hallstätter  Kalke  kaum  mehr  eine  Beziehung  zu  einander  erkennen  lassen. 
Die  Gosaugebilde  aber  weichen  von  dem  Neocomien  sehr  weit  ab;  ihre  Verbrei- 
tung und  Lagerung  sind  anderen,  neuen  Gesetzen  unterworfen,  ihre  Gesteine 
sind  ganz  und  gar  verschieden  und  ihre  Fauna  hat  keine  Analogie  mehr  mit  der 
früheren. 

Ueber  das  Hauptvorkommen  der  Gosaugebilde  im  BrandenbergerThal 
liegt  bereits  ein  vortrefflicher  Bericht  von  Herrn  Professor  Pichler  *)  vor,  auf 
den  ich  hier  verweisen  kann. 

Ein  zweites,  wohl  noch  nicht  ganz  sicheres  Vorkommen  ist  auf  dem  Mutte- 
köpf,  einem  der  bedeutendsten  Hochgipfel  zwischen  Lechthal  und  Innthal. 
Wenn  man  von  Tarenz  bei  Imst  den  Jochsteig  nach  Eimen  im  Lechthal  ein- 
schlägt, so  geht  man  am  Steinjöchl  unter  den  Wänden  dieses  Berges  hin.  Bei 


*)  »Zur  Geognosie  der  nordöstlichen  Kalkalpen  Tirols“.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  Band  VII,  1856,  Seite  735  ff.  Daselbst  auch  ausführlichere  Mittheilungen 
über  die  Jura-  und  Neocomgebilde. 


196 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[110] 

dem  jenseitigen  Abstieg  findet  man  schon  oberhalb  Pfaflar,  am  meisten  aber 
abwärts  von  diesem  Ort  gegen  Boden,  in  ungeheuerer  Menge  und  Grosse  Blöcke 
eines  sehr  festen  Conglomerates  mit  grossen  Einschlüssen,  das  in  feineren  Sand- 
stein übergeht,  ferner  gelbe  sandige  Mergel  und  ähnliche  Gesteine,  welche,  wie 
Herr  Giimbel  sich  bei  einer  Besteigung  des  Muttekopfes  überzeugte,  von  der 
Höhe  dieses  Berges  stammen  und  seine  ganze  Gipfelmasse  bilden.  Aus  der  Aehn- 
lichkeit  mit  Gesteinen  der  Urschelau  im  südöstlichen  Bayern,  welche  durch  Orbi- 
tuliten  als  untere  Gosaugebilde  charakterisirt  sind,  schliesst  Herr  Gümbel,  dass 
auch  die  Gesteine  des  Muttekopfes  dieser  Formation  angehören.  Versteinerungen 
konnten  wir  nicht  finden. 

Ein  drittes  Vorkommen  der  Gosauformation,  das  gleichfalls  noch  nicht  sicher 
erwiesen  ist,  ist  in  dem  Becken  von  Häring  und  wie  das  vorige  von  Herrn 
Gümbel  entdeckt. 

B.  Verbreitung  und  Lagerung  der  Jura-  und  Neocomgebilde. 

Fasst  man  Jura-  und  Neocomgebilde  als  einen  Complex  zusammen , so 
beginnt  er  im  Westen  mit  den  tiefsten  Schichten  in  geringer  Mächtigheit;  nach 
Osten  treten  immer  höhere  Schichten  hinzu  und  die  Mächtigkeit  wächst  mehr 
und  mehr  an.  Wo  das  Trias-Lias-Gebiet  Vorarlberg  verlässt,  scheinen  diese 
beiden  Formationen  in  ihrer  Zone  noch  allein  zu  herrschen;  es  gibt  hier  nichts, 
was  mit  Bestimmtheit  auf  das  Vorkommen  jurassischer  Schichten  über  den 
Fleckenmergeln  schliessen  Hesse,  wenn  auch  der  unbestimmte  Gesteinscharakter 
es  nicht  unmöglich  macht,  dass  schon  in  Vorarlberg  die  höchsten  unserer  Algäu - 
Schichten  dem  Jura  angehören.  Die  ersten  Spuren,  welche  aber  doch  noch  nicht 
mit  Sicherheit  als  Jura  nachgewiesen  sind,  finden  sich  in  dem  System  derAlgäu- 
Schichten  unserer  vierten  Hebungswelle,  wie  wir  bereits  bei  der  Beschreibung  des 
Lechgebietes  andeuteten.  Vom  Holzgau  bis  zum  Kessel-Spitz  bei  El  men 
erstreckt  sich  als  oberste  Decke  der  Algäu-Schichten  ein  System  von  rothen  Horn- 
steinen und  röthlichen  und  weissen  Kieselkalken,  wie  sie  weiterhin  die  Jurafor- 
mation charakterisiren. 

Sehr  entschieden  und  mit  Versteinerungen  tritt  der  Jura  in  der  Umgebung 
von  Reutte  auf,  wo  Herr  v.  Hauer  zwei  Züge  nachwies.  Der  eine  steigt  bei 
Wengle  und  Holz  aus  dem  Lechthal  auf  und  erstreckt  sich,  stets  unter  die  Trias- 
Schichten  fallend,  mit  kurzer  Unterbrechung  bis  Kren;  der  andere  zieht  von 
Gacht  über  den  Sitnisschrolfen  und  den  Traualpen-See  nach  dem  Rothen  Spitz. 
Bei  Vils  treten  nur  die  Vilser  Schichten  auf. 

Bis  hieher  ist  mit  dem  Jura  noch  kein  Neocomien  verbunden;  es  folgt  nun 
eine  grössere  Unterbrechung,  nach  welcher  beide  Formationen  vereinigt  wieder 
erscheinen.  Dies  ist  bei  Bieber wier  und  Ehrwald  im  Loisachthal.  In  stetem 
westöstlichem  Zug  sind  sie  zwischen  zwei  kolossale  Massengebirge  von  Hall- 
stätter Kalk  in  der  Tiefe  eingelagert.  Der  südliche  wird  durch  Sonn-Spitz,  Grün- 
stein, Mieminger  Berg  und  den  Hohen  Mundi  gebildet,  der  nördliche  von  der 
Zug-Spitz,  Kothbach-Spitz  und  Scharnitz-Spitz.  Nur  längs  dem  nördlichen  Theil 
des  tiefen  Canals  sind  die  Jura-  und  Neoeomien-Ablagerungen  sichtbar;  im  süd- 
lichen fehlen  sie,  vielleicht  wurden  sie  hier,  wo  sich  das  Gaisthal  eingegraben 
hat  , zerstört  und  fortgeführt.  Zwischen  Gehren-Berg  und  Ofele-Berg  erreicht 
der  Zug  am  Luetasch-Thal  sein  Ende. 

Abermals  verschwinden  unsere  beiden  Formationen  auf  einige  Erstreckung. 
Im  Fortstreichen  des  vorigen  Zuges  treten  sie  gar  nicht  mehr  auf,  nur  etwas 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


197 


[ui] 


weiter  südlich  und  etwas  weiter  nördlich.  Das  südliche  Vorkommen  ist  an  deti 
Wänden  des  Innthales,  auf  der  Bogner-Alm  und  Wälder  Alm  oberhalb 
St.  Michael  und  St.  Martin,  wiederum  unter  den  Wänden  hoher  Hallstätter  Kalk- 
gebirge. Herr  Pichler,  der  das  Vorkommen  entdeckte,  glaubt,  dass  die  Schichten 
nur  der  Juraformation  angehören. 

Problematisch  ist  das  Vorkommen  von  Jura  und  Neocomien  in  dem  alpen- 
reichen Quellgebiet  des  Blaubachs,  Laliderer  Bachs  und  Ka  r bend  el- 
Bachs  unter  den  Steilwänden  des  imposanten  Hallstätter  Kalkgebirges,  welches 
das  Thalgebiet  der  Riss  südlich  begleitet. 

Weiter  abwärts  in  der  Biss  aber  beginnt  ein  Zug  von  unzweifelhaften  Jura- 
und  Neocomien-Schichten,  der  Hauptzug  derselben  im  ganzen  nördlichen  Tirol. 
Erbeginnt  bei  Mi  tten  w ald  in  Bayern,  betritt  am  Hoehreisen-Spitz  und 
Simes-Berg  die  österreichische  Grenze  und  das  Thalgebiet  der  Riss,  über- 
setzt das  Farmes-Thal  und  bildet  die  Wände  des  Riss-Thales  in  der  Breite 
einer  halben  Stunde,  von  Widum  bis  beinahe  zur  Einmündung  des  Leckthaies. 
Oestlich  setzen  dieselben  Formationen  den  Schön-Albel-Kopf  zusammen 
und  ziehen  hinüber  in  das  Gebiet  der  Dürr  ach,  wo  sie  sich  ausserordentlich 
ausbreiten.  An  der  Wasserscheide  der  Dürrach  gegen  das  Achenthal  erreicht 
nach  Herrn  Pichler's  Untersuchungen  die  Zone  ihre  bedeutendste  Breite  von 
beinahe  anderthalb  Meilen,  indem  nach  demselben  das  Pfans  - Joch,  der  Schaf- 
Spitz,  Sonntag-Kopf,  Retten-Joch  und  Juifen  aus  Juraformation 
bestehen,  der  am  letzteren  Berge  Neocomien  aufgesetzt  ist,  während  im  Uebrigen 
diese  Formation  zu  beiden  Seiten  in  der  Tiefe  bleibt.  Auch  im  Achenthal  ist 
die  Breite  der  Zone  noch  bedeutend;  der  untere  Theil  der  Thalwände  besteht 
von  dem  Dorf  Achenthal  bis  zur  Kohlstatt  fast  ausschliesslich  aus  den  in  Rede 
stehenden  Formationen.  Von  hier  aus  nimmt  die  Breite  ab,  aber  mit  um  so 
grösserer  Regelmässigkeit  und  ohne  Unterbrechung  streicht  der  Zug  gegen  das 
Thiersee-Thal  fort,  welches  noch  ganz  in  ihn  eingesenkt  ist,  und  lässt  sich 
noch  weiter  über  das  Innthal  gegen  Niederndorf  und  Walchsee  verfolgen. 
— In  dieser  ganzen  Erstreckung  von  beinahe  zehn  Meilen  folgt  der  Zug  einer 
Einsenkung  zwischen  hohen  Kalk-  und  Dolomitgebirgen,  besonders  deutlich  in 
seinem  östlichen  Theil  vom  Achenthal  bis  zum  Innthal.  Die  einzelnen  Theile  des 
Zuges  und  ihr  Verhalten  gegen  die  benachbarten  Gebirge  haben  wir  bereits  bei 
der  Beschreibung  des  Lias-Trias-Gebiets  erörtert  !)• 

Vergleicht  man  diese  fünf  Zonen  (von  Holzgau,  von  Reutte,  Bieberwier,  die 
der  Walder-Alm  und  die  von  der  Riss  nach  Thiersee),  so  haben  sie  das  Gemein- 
same, dass  sie  sämmtlich  gleichsam  tiefere  Canäle  zwischen  den  mächtigen 
Zügen  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachsteindolomit  erfüllen.  Ferner  nimmt  ihre 
Mächtigkeit  und  Schichten-Entwickelung , so  wie  das  Hinzutreten  jüngerer 
Schichten,  zu  mit  der  Entfernung  von  der  Grenze  des  Urgebirges  gegen  Norden 
und  mit  dem  Fortstreichen  von  West  nach  Ost.  So  ist  bei  Holzgau  und  Eimen 
im  Lechthal  nur  die  Juraformation  vertreten,  in  der  Thiersee  tritt  sie  gegen  die 
mächtigen  Massen  des  Neocomien  fast  ganz  zurück;  dasselbe  Verhältniss  findet 
zwischen  der  Ablagerung  der  Walder-Alm  und  der  der  Thiersee  statt.  Endlich 
haben  die  Schichten  beider  Formationen  nur  geringe  und  beide  beinahe  vollkom- 
men gleiche  Störungen  erlitten.  — Alle  diese  Erscheinungen  geben  die  werth- 
vollsten Fingerzeige  zur  Erklärung  des  Gebirgsbaues  in  den  nördlichen  Kalk- 
alpen. 


O Siehe  2.  Abtheilung,  Gebiet  der  Riss  und  Dürrach,  Achenthal,  Tbiersee. 


198 


Ferdinand  Freiherr  von  Richtholen. 


[112] 


III.  Eocenformation. 

Auch  die  Eocenformation  erreicht  bei  weitem  ihre  grösste  Entwickelung  in 
Vorarlberg,  wo  sie  die  beiden  breiten  Flysch-Zonen  bildet,  welche  das  Kreide- 
gebiet umfassen.  Von  hier  zieht  sie,  stets  unmittelbar  die  Trias-Lias-Zone  nörd- 
lich begrenzend,  durch  das  Algäu  fort  und  lehnt  sich  als  ein  sanfteres  Mittel- 
gebirge an  die  schroffen  Abfälle  der  bayerischen  Hochalpen.  Auf  der  von  Herrn 
Gümbel  in  neuester  Zeit  veröffentlichten  geognostischen  Karte  von  Bayern  ist 
die  Zone  mit  mehrfachen  Unterbrechungen  bis  zur  salzburgischen  Grenze  ange- 
geben. Das  nördliche  Tirol  hat  daher  gar  keinen  Antheil  an  derselben,  wenn 
man  die  kleine,  rings  von  bayerischem  Gebiet  umschlossene  aber  zu  Tirol  ge- 
hörige Enclave  Jungholz  ausnimmt,  welches  gerade  am  Anfang  der  Flysch-Zone 
liegt.  Auch  andere  Eocengebilde  hat  Nordtirol  bis  zum  fernen  Osten  nicht  nach- 
zuweisen. Hier  erst  treten  nördlich  von  Kufstein  einige  Eocengesteine  der  Abla- 
gerung von  Reut  im  Winkel  auf  tirolisches  Gebiet  herüber.  Das  Becken  von 
Häring  aber,  welches  bisher  für  eocen  galt,  ist  durch  Heer's  neuere  Forschungen 
ziemlich  sicher  als  oligocen  festgestellt. 


A.  Nummulitenführende  Gebilde  in  Vorarlberg. 

In  Vorarlberg  folgen  auf  die  Seewerrnergel  Numulitengesteine  in  unerheb- 
licher Mächtigkeit.  Ausser  ihrem  schon  durch  Murchison  bekannt  gewordenen 
Vorkommen  bei  Dornbirn  gelang  es  mir  sie  noch  an  einigen  anderen  Orten,  überall 
unter  den  deutlichsten  Verhältnissen,  aufzufinden.  Folgendes  sind  ihre  Fundstätten  : 
1.  Becken  des  Sünser  See’s  (Profile  V,  VI)  am  Ursprünge  des  Mellen  - 
Thaies  (Nordabhang  des  Gerer  Falben).  Wenn  man  im  Latternser-Thal  aufwärts 
wandert,  so  erreicht  man  am  Hinterbad  vorüber  die  Alpe  Göfas.  Hier  zieht  die 
Grenze  der  Kreide  gegen  das  Eocen  durch.  Der  Hohe  Freschen  im  Norden  be- 
steht aus  allen  Gliedern  der  vorarlbergischen  Kreide  und  an  seinem  langgedehnten 
flachen  Südabhang  zieht  sich  das  oberste  Glied,  die  Seewerrnergel,  mit  flachem 
südlichem  Fallen  heran.  Ueber  diesen  dünnschichtigen,  fleckigen,  an  die  Pläner- 
mergel erinnernden  Gesteinen  folgt  im  Becken  des  Sünser  See’s  mit  gleicher 
Fallrichtung  und  parallel  aufgelagert: 

a)  Eine  wenig  mächtige  Schicht  von  ausserordentlich  nummulitenreichem  Kalk, 
der  sich  an  der  genannten  Formationsgrenze  weithin  zu  ziehen  scheint. 

b)  Ein  den  Seewerkalkmergeln  sehr  ähnliches  Gestein,  aber  voll  von  Fucoiden. 

c)  Dünnplattige  Kalke  am  Sünser  See,  wie  an  der  Alpe  Göfas  mauerförmig 
anstehend.  Auch  sie  enthalten  zahlreiche  Fucoiden. 

d)  Braune  Sandsteine;  schon  an  und  für  sich  sehr  mächtig,  werden  sie  es  noch 
viel  mehr  durch  die  bedeutenden  Schichtenbiegungen,  welche  mit  diesem 
Glied  beginnen;  sie  halten  fast  eine  halbe  Stunde  breit  von  der  Alpe  Göfas 
über  den  Gerer  Falben  bis  zum  Pass  in  der  Furchen  an. 

e)  Die  gewöhnlichen  Flyschgesteine. 

Wo  in  dieser,  regelmässigen  Schichtenfolge  die  Grenze  der  Nummulitenfor- 
mation  ist,  lässt  sich  kaum  sicher  bestimmen;  aber  die  parallele  Aufeinanderlage- 
rung lässt  vermuthen,  dass  der  gesammte  Flysch  dieser  Formation  angehört  und 
nur  durch  den  Charakter  der  Niederschläge,  gleich  dem  istrischen  Tassello,  dem 
Leben  der  Numrnuliten  ungünstig  war.  Trennt  man  aber  die  Nummulitengesteine 


f 99 


[113]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

von  denjenigen  mit  denFlysch-Fucoiden,  so  muss  man  den  Flyseh  schon  mit  b)  an- 
fangen  lassen. 

2.  Gegend  von  Feldkirch  (Prodi  I).  Herr  Stöcker  in  Feldkirch  fand 
Nummulitenkalk  südlich  von  dieser  Stadt,  wie  es  scheint  ebenfalls  an  der  Grenze 
von  Kreide  und  Flyseh.  Combinirt  man  dieses  Vorkommen  mit  dem  am  Sünser 
See,  so  lässt  sich  wohl  erwarten,  dass  man  die  Formation  auch  weiterhin  an  der 
Grenze  von  Seewermergeln  und  Flyseh  auffinden  wird. 

3.  Gegend  von  Hohenems.  Das  ausgezeichnete  Vorkommen  von  Num- 
mulitenformationen  östlich  von  diesem  Ort  ist  auf  Profil  XX.  dargestellt.  Wendet 
man  sich  von  den  südlichsten  Häusern  des  Ortes  an  dem  von  Emser  Reutte  herab- 
kommenden Bach  aufwärts,  so  stehen  bei  den  ersten  Mühlen  die  Caprotinen- 
reichen  Schrattenkalke,  weiche  wir  bereits  oben  erwähnten,  mit  steilem  südöst- 
lichen Fallen  an  (Stunde  10).  Weiter  aufwärts  erscheinen  mit  gleichem  Fallen 
thonige,  schieferige  Mergel,  und  unterhalb  eines  neugebauten  Fabriksgebäudes 
Nummulitenkalk,  beide  im  Hangenden  der  Schrattenkalkbank  und,  bei  Be- 
rücksichtigung der  auf  dem  Profil  dargestellten  überstürzten  Lagerung,  auch  im 
Hangenden  der  südlich  am  Abhang  in  umgekehrter  Folge  sich  aufhauenden 
hreideformation.  Das  an  grossen  Nummuliten  sehr  reiche  Gestein  besteht  aus 
einer  eigenthümlich  chloritischen  Grundmasse  mit  zahlreichen  Fragmenten  eines 
hellröthlichen  Kalkes;  die  Nummuliten  liegen  in  der  Grundmasse.  Bei  der  Fabrik 
ist  eine  Austernbank  eingelagert,  wie  auch  sonst  neben  den  Nummuliten  noch 
viele,  grösstentheils  undeutliche  Versteinerungen  Vorkommen.  Etwas  weiterhin 
fallen  unter  den  Nummulitenkalk,  also  bei  der  verkehrten  Lagerung  eigentlich 
im  Hangenden  liegend,  gelbliche  und  dunkelgraue  flachsehalige  Mergel  mit 
glimmerigem  Schimmer  ein.  Während  die  zuerst  angeführten  Mergel  doch  viel- 
leicht noch  dem  Seewer  angehören,  sind  diese  wohl  sicher  der  Nummulitenfor- 
mation  zuzurechnen;  der  Glimmergehalt  unterscheidet  sie  auf  den  ersten  Blick 
von  allen  Seewermergeln;  vielleicht  entsprechen  sie  der  Schicht  b)  am  Sünser 
See,  wiewohl  ich  keine  Fucoiden  darin  fand  und  die  Mächtigkeit  eine  ausser- 
ordentlich bedeutende  ist. 

Verfolgt  man  die  Nummulitengebilde  weiter,  so  sieht  man  klar  dass  sie  mulden- 
förmig aber  ein  wenig  discordant,  der  Kreide  eingelagert  sind,  und  die  ganze 
zusammengeklappte  Mulde  sich  mit  südöstlichem  Fallen  in  das  Kreidegebirge 
hineinzieht.  In  südlicher  Richtung  übersteigt  man  daher  von  den  glimmerigen 
Mergeln  aus  über  den  Nummulitenkalk  und  die  Seewerbildungen  die  ganze 
Schichtenfolge  in  umgekehrter  Reihenfolge,  während  nach  Norden  zunächst 
bei  Hohenems  die  Glieder  zwischen  Nummulitenformation  und  Schrattenkalk 
verschwinden  und  erst  allmälig  gegen  Osten  sich  einstellen.  Am  Deutlich- 
liebsten  ist  die  südliche  umgekehrte  Schichtenfolge  auf  dem  Wege  von  den 
Häusern  Tugstein  nach  dem  Berg  Tugstein.  Der  Bach  stürzt  in  einer  engen 
Klamm  hoch  herab  über  die  Felsen  des  hier  mächtiger  gewordenen  Nummuliten- 
gesteins;  es  tritt  hier  nur  der  röthliche  schwach  krystallinisehe  Kalk  mit  sehr 
sparsamen  Nummuliten  auf.  Dann  folgen  graue  glimmerige  Mergel,  und  erst  über 
diesen  die  charakteristischen  fleckigen  Seewermergel. 

4.  Dornbirn.  Das  mehrfach  (von  Murchis  on,  Studer,  Eseher,  Güm- 
bel)  beschriebene  Vorkommen  von  Nummulitenformation  am  Röthelstein,  beim 
Mühlbach  südlich  von  Dornbirn  ist  dem  von  Hohenems  ähnlich.  Auch  hier  gehören 
sie  einem  überstürzten  Schichtensystem  vom  Neocomien  bis  zum  Nummuliten- 
kalk an,  aber  statt  sich  jenseits  wieder  muldenförmig  herauszuheben,  fällt  Flyseh 
darunter  ein  und  herrscht  weiterhin  allein.  Das  Nummulitengebilde  erstreckt  sich 
zwischen  Seewermergeln  und  Flyseh  mit  stetem  südlichen  Fallen  vom  Röthel- 

26 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


200 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[H4] 

stein  bis  an  den  südlichen  Abhang  des  Berges  von  Kehlegg,  ist  aber  an  dieser 
nördlichen  Grenze  des  Kreidegebietes  gegen  die  Flysch-Zone  nicht  weiter  nach- 
gewiesen. Die  Gesteine  gleichen  denen  von  Hohenems,  sind  aber  ungleich  mäch- 
tiger, und  neben  der  chloritischen  Bindemasse  des  Conglomerats  treten  Holh- 
eisensteine in  bedeutender  Entwickelung  auf.  Die  grauen,  schwach  glimmerigen 
Mergel  sind  wie  dort  entwickelt.  Eine  Wanderung  im  Mühlbachthal  aufwärts 
gehört  zu  den  lehrreichsten  für  das  geognostische  Verhalten  verschiedener 
Formationen  gegeneinander  in  den  Alpen. 

B.  F 1 y s c h in  Vorarlberg. 

Wie  in  der  Schweiz  so  ist  auch  in  Vorarlberg  der  eocene  F ly  sch  durch 
seine  Verbreitung  und  Mächtigkeit  eines  der  wichtigsten  Glieder  im  Gebirgsbau. 
aber  wie  dort,  so  auch  hier  ein  einziger  Complex  von  nicht  weiter  gegliederten 
und  nur  durch  AJgenreste  eharakterisirten  Schichten.  Was  die  petrographische 
Beschaffenheit  anbelangt,  so  fehlen  reine  Kalke,  reine  Sandsteine,  charakteristi- 
sche Mergel  und  dergleichen,  alle  diese  verschiedenen  Elemente  vereinigen  sich 
in  den  Niederschlägen  und  häufen  Tausende  auf  Tausende  von  beinahe  gleich 
mächtigen  Schichten  aufeinander,  welche  hauptsächlich  durch  die  Unbestimmt- 
heit ihrer  petrographischen  Beschaffenheit  charakterisirt  sind.  Eben  so  wenig  ist 
irgend  eine  Gliederung  des  Complexes  zu  bemerken,  ein  Vorherrschen  gewisser 
Gesteine  oder  Pflanzenformen  in  verschiedenen  Niveau  s,  und  wenn  sie  vorhanden 
sein  sollte,  so  entzieht  sie  sich  der  Beobachtung  durch  die  ausserordentliche 
Zusammenfaltung  und  Krümmung  der  Schichten,  welche  nur  noch  bei  den  Algäu- 
Schichten  im  gleichen  Maasse  wiederkehrt.  Den  Anfang  einer  Gesteinsfolge 
führten  wir  so  eben  bei  dem  Nummulitenkalk  vom  Sünser  See  an,  sie  lässt  sich 
dort  nicht  weiter  verfolgen.  Anderwärts  aber  ist  kaum  dieser  Anfang  deutlich 
und  wir  beschränken  uns  daher  auf  eine  allgemeine  Angabe  der  Gesteine,  welche 
sich  zu  dem  mächtigen  Complex  aufbauen.  Eine  sehr  vollständige  Entblössung 
findet  sich  an  den  Wänden  des  Durchbruches  der  Bregenzer  Ache  durch  den 
südlichen  Flyschzug  zwischen  Schröcken  und  Schopernau.  Ich  notirte  dort  in 
meinem  Tagebuche  folgende  Gesteinsabänderungen: 

1.  Hellrauchgrauer  mergeliger  Kalk  in  1 Zoll  bis  1 Fuss  dicken  Schichten, 
zuweilen  ins  Bläuliche  und  Leberbraune  übergehend;  hart,  spröde,  aber 
nicht  splittrig. 

2.  Derselbe  splittrig  und  reich  an  Helminthoidea. 

3.  Schieferiger  etwas  mergeliger  schwärzlichgrauer  Kalk. 

4.  Sandiger  Kalk  mit  Glimmerblättchen. 

5.  Graue,  kalkig-sandige  Mergelschiefer,  zum  Theji  mit  überwiegendem 
Kalkgehalt;  sie  führen  häufig  Fucus  intricatus  und  haben  meist  glänzende, 
von  Pflanzenresten  schwarz  gefärbte  Schichtungsfläehen. 

6.  Dasselbe  Gestein  mit  festeren,  unrein  kieselig-kalkigen  Einschlüssen,  die 
durch  Verwitterung  als  unregelmässige  Knollen  hervorragen. 

1.  Sehr  fester  grauer,  an  der  Luft  brauner  Quarzsandstein  mit  vielem  Glimmer. 

8.  Kieseliger  Kalkschiefer  mit  schwarzen  Hornsteinknauern,  die  den  Schichten- 
flächen parallel  liegen. 

Während  alle  diese  Schichten  stetig  und  eben  fortziehen,  treten 

9.  Sandigkalkige  braungraue  Schichten  auf,  mit  einer  Mächtigkeit  vom  Schiefe- 
rigen bis  zu  einem  Fuss  und  darüber,  mit  w elliger  wulstiger  Oberfläche  und 
von  Kaikspathadern  durchzogen , welche  die  rhomboedrische  Zerklüftung 
deutlich  hervortreten  lassen.  Sie  sind  stets  überaus  uneben  gebogen,  keilen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


201 


[115] 


sich  gegen  einander  aus  und  bedingen  die  grosse  Aehnlichkeit  des  Flysches 
mit  den  Algäu-Schichten,  besonders  wenn  sie  überdies  hornsteinrührend  sind. 
10.  Weiche,  schwarze  Flyschthonschiefer,  sehr  häufig  den  vorigen  Schichten 
zwischengelagert. 

Oie  petrographische  Verschiedenheit  dieser  Schichten  ist  unbedeutend,  ihr 
Charakter  schwankt  im  Allgemeinen  um  den  von  graubraunen  kalkigmergeligen 
Sandsteinen.  Ein  bestimmtes  Gesetz  in  der  Aufeinanderfolge  aber  lässt  sich,  wie 
gesagt,  noch  nicht  feststellen. 

Es  wurden  zuweilen  Bedenken  gegen  das  eocene  Alter  unserer  Flysch- 
gesteine  erhoben,  allein  zu  den  vielen  Beweisen,  welche  die  Geologen  der 
Schweiz  für  dasselbe  aufgestellt  haben,  kommt  die  unverkennbar  deutliche  Lage- 
rung in  Vorarlberg.  Mit  der  grössten  Regelmässigkeit  sieht  man  den  Flysch  hin 
und  wieder  durch  Vermittelung  nummulitenführender  Gesteine,  oft  aber  auch 
unmittelbar  den  jüngsten  Gliedern  der  Kreide  aufgelagert,  so  am  Südrande  des 
Kreidegebietes  allenthalben  wo  ein  deutlicher  Aufschluss  beobachtbar  ist;  hier 
sind  die  Schichten  normal  auf  einander  gelagert  und  aus  ihrer  ursprünglichen  Lage 
nur  unbedeutend  gehoben.  Der  Nordrand  verlangt,  um  dasselbe  Verhältnis 
nachzuweisen,  subtilere  Beobachtung,  allein  auch  hier  fehlt  es  bei  den  über- 
stürzten Kreidegebilden  nicht  an  untrüglichen  Aufschlüssen,  so  in  unseren  Profilen 
insbesondere  bei  Dornbirn,  wo  der  Nummulitenkalk  dazwischenlagert.  Weit 
schwieriger  dürfte  eine  obere  Grenze  für  den  Flysch  nachzuweisen  sein,  da  er 
durch  keine  Gesteine  irgendwo  unmittelbar  überlagert  wird;  nur  wo  das  Flysch- 
System  auf  die  Molasse  überstürzt  ist,  also  in  einer  Linie  von  Dornbirn  über  Egg 
nach  Balderschwang,  ist  wohl  zu  erwarten,  dass,  wie  bei  der  Ueberstürzung  der 
Kreide  auf  den  Flysch,  die  höchsten  Schichten  zunächst  auf  der  Molasse«  lagern 
werden.  In  der  Schlucht  der  Bregenzer  Ache  hei  Egg  wird  sich  dies  Verhältnis 
gewiss  erörtern  lassen. 

Was  die  sonstigen  Lagerungsverhältnisse  des  eocenen  Flysches  betrifft,  so 
ist  er,  wie  gesagt,  im  höchsten  Grade  zusammengefaltet  und  gewunden.  Die 
Mächtigkeit  muss  ausserordentlich  bedeutend  sein,  aber  sie  wird  noch  weit  ver- 
mehrt durch  diese  Faltungen  und  es  thürmen  sich  dadurch  hohe  Gebirge  auf, 
so  der  Zug  des  Hoch-Gerrach,  Löffel-Spitz  und  Tiirtsch-Horn,  das  Vintscher  Joch 
und  zahlreiche  andere  Kuppen.  Die  Streichrichtung  der  einzelnen  welligen  Auf- 
biegungen ist  ungefähr  den  Rändern  des  Kreidegebietes  parallel;  aber  an  den 
Durchschnitten  der  Abhänge  mit  ausgebildeteren  Systemen  von  derartigen  Auf- 
biegungen lässt  sie  sich  meist  nicht  mehr  erkennen;  es  entstehen  Zeichnungen 
der  ausgehenden  Schichtenköpfe,  die  man  nur  mit  dem  Damasciren  von  Gewehren 
durch  scheinbar  paralleles  Nebeneinanderlegen  von  dünnen  Schichten  und  Durch- 
schneiden mittelst  einer  gekrümmten  Fläche  vergleichen  kann.  Jede  der  zahl- 
reichen Schluchten  entblösst  derartige  Damastzeichnungen. 

Die  Formen  der  Flyschberge  sind  sowohl  in  der  südlichen  Zone  zwischen 
Trias-Lias-  und  Kreide-,  wie  in  der  nördlichen  zwischen  Kreide-  und  Molasse- 
gebiet durch  den  Contrast  leicht  erkennbar.  Es  fehlt  ihnen  die  Wildheit  und 
Zerrissenheit  der  Trias-Lias-Zone  wie  die  von  steilen  Einrissen  unterbrochene 
sanfte  Oberfläche  der  Molasse  und  der  landschaftliche  Formen  Wechsel  des  Kreide- 
gebietes. Die  Thäler  sind  eng  und  tief,  aber  keine  schroffen  Risse.  Steil  und 
selten  von  sanfteren  Wölbungen  unterbrochen,  steigen  die  Gehänge  zu  den  hohen 
Rücken  auf  und  endigen  in  Reihen  hoher  und  kühner  Gipfel,  denen  aber,  um  wild 
zu  sein,  das  Zackige  fehlt.  Daher  sind  nur  wenige  Dörfer  im  Bereiche  des 
Flysches  und  die  meisten  haben  eine  höchst  unbequeme  Lage,  wie  Fontanefla, 
Sontag,  Blons  im  grossen  Walserthaie,  Tamüls  und  andere,  Seiten  sind  grössere 

26  * 


202 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


["61 

Weitungen  wie  diejenigen,  in  welchen  die  Dörfer  Schwarzenberg,  Andelsbuch, 
Sibratsgföll,  Mittelberg  liegen.  Hingegen  trägt  der  Flysch  treffliche  Alpen, 
besonders  an  den  Südabhängen,  welche  auch  hier,  wie  im  Kreidegebhte,  sanfter 
sind,  während  die  Nordgehänge  oft  steile,  unzugängliche  Wände  bilden. 

Wenden  wir  uns  endlich  zur  Verbreitung  des  Flysches,  so  begegnen  wir 
einer  Reihe  sehr  eigenthiimlicher  und  wohl  noch  nicht  hinreichend  erklärbarer 
Erscheinungen.  Schon  mehrfach  erwähnten  wir  der  Theilung  des  Flysches, 
welcher  zwischen  Sonthofen  und  Obersdorf  von  Osten  her  an  das  Thal  der  Iller 
tritt  und  sich  hier  bei  Fischen  durch  das  aus  der  Tiefe  heraufgewölbte  Kreide- 
gebiet in  zwei  Arme  theilt,  welche  das  letztere  zu  beiden  Seiten  durch  Vorarl- 
berg begleiten.  Sie  bilden  die  Hauptmasse  des  Flysches  in  Vorarlberg;  ein  dritter 
Zug  ist  am  Rhätikon. 

1.  Nördlicher  Flyschzug. 

Dieser  Zug  trennt  das  Kreide-  vom  Molassegebiet,  unter  jenes  fällt  er  ein, 
diesem  ist  er  aufgelagert,  beiderseits  durch  überstürzte  Lagerung,  wie  es  aus  den 
Profilen  hervorgeht.  Die  Grenze  gegen  die  Kreide  wird  ungefähr  durch  eine 
Linie  von  Mühlbach  über  Bühel  bei  Andelsbuch  nach  Sibratsgföll,  diejenige  gegen 
die  Molasse  durch  eine  Linie  von  Dornbirn  über  Egg  nach  Balderschwang 
bezeichnet.  Es  gehören  der  Zone  somit  das  Hochälpele  mit  dem  Dorfe  Schwar- 
zenberg, die  Berge  östlich  von  Andelsbuch  und  die  nördlichen  Vorberge  des 
Winterstauden  an.  Die  Breite  dieser  nördlichen  Zone  beträgt  nirgends  mehr  als 
eine  halbe  Meile,  die  Formen  in  derselben  sind  sehr  sanft,  die  Höhe  bis  zu  der 
die  Berge  aufsteigen,  ist  nur  gering,  die  Aufschlüsse  und  Entblössungen  überaus 
sparsam,  so  dass  sich  die  Grenze  gegen  die  Molasse  schwer  mit  Genauigkeit  fest- 
setzen lässt. 

2.  Südlicher  Flyschzug. 

Der  andere  Arm  der  Flysch-Zone  betritt  von  Osten  her  bei  Rietzlen  das  vor- 
arlbergische  Gebiet  und  zieht  als  Grenzscheide  der  Trias-Lias-Zone  und  des 
Kreidegebietes  bis  zum  Rheinthal  fort.  Der  Flysch  ist  der  Kreide  meist  mit  flachem 
südlichen  Fallen  aufgelagert,  die  Schichten  sind  auch  weiterhin  trotz  der  zahl- 
reichen Faltungen  und  Windungen  vorherrschend  nach  Südsüdost  geneigt  und 
fallen  endlich  unter  die  Gesteine  der  Trias-Lias-Zone  ein,  wie  die  Profile  I bis 
XII  zeigen.  Die  Grenze  gegen  das  Kreidegebiet  ist  eben  so  scharf  wie  im  Norden, 
indem  weder  im  Kreidegebiet  eine  Spur  von  Flysch  noch  in  den  Flysch-Zonen 
eine  Spur  Von  Kreide  zu  finden  ist.  Von  den  Fällegatter  Häusern  bei  Feldkirch 
zieht  die  Auflagerungslinie  über  Frastanz,  Satteins  und  den  nördlichen  Rücken 
des  Muttekopfes  nach  dem  Hintertobl  im  Latternser-Thal,  von  hier  weiter  über 
das  Hinterbad  und  die  Alpe  Göfas  nach  dem  Kessel  des  Sünser  Sees  und  über 
das  hochgelegene  Dorf  Ugen  nach  Argenau  an  der  Bregenzer  Ache.  Am  rechten 
Ufer  tritt  die  Auflagerung  bei  Remen  wieder  hervor  und  zieht  am  Schnan-Baeh 
hinauf  nach  dem  Kessel  der  Subersalp.  wo  die  Lagerung  besonders  klar  ist;  von 
hier  an  hält  sie  sich  in  der  Mitte  des  Nordabhanges  vom  Zuge  des  Ochsenhofer 
Kopfes,  Geisberges  und  Heuberg-Kopfes,  bis  sie  bei  Rietzlen  das  Thal  Mittelberg 
erreicht,  an  dessen  flachem  Nordgehänge  sie  das  Algäu  betritt.  Noch  weit  deut- 
licher ist  die  südliche  Grenze  der  Flysch-Zone  gegen  das  Trias-Lias-Gebiet,  dessen 
schroffe  und  nackte  Dolomitgebirge  steil  auf  das  beraste  Mittelgebirgsland 
abfallen.  Die  Linie,  welcher  entlang  die  Flyschgebilde  unter  das  ältere  Gebirge 
einfallen,  ergibt  sich  mit  einiger  Klarheit  aus  den  Profilen  von  Vorarlberg 
(I  bis  XII),  Sie  beginnt  zwischen  Vaduz  und  Schaan  im  Fürstenthume  Liechten- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


203 


[117] 


stein,  wo  sie  sich  aus  der  Ebene  des  Rheinthaies  hebt  und  allrnälig*  am  Gehänge 
aufsteigt,  bis  sie  zwischen  Gerrella-Kopf  und  Rovia-Berg  den  ersten  Rücken 
erreicht;  so  umsäumt  sie  den  Nordabhang  des  Gebirges  der  Drei  Schwestern, 
des  Alpilla-Berges,  Guntis-Spitz  und  Gamp-Berges,  zieht  dann  weit  hinein  nach 
der  tiefen  Thalsohle  des  Gamp-Baches  und  erreicht,  nachdem  sie  noch  einen 
Rücken  übersetzt  hat,  am  Nordabhange  des  Klamper  Schroffen  allrnälig  hinab- 
ziehend das  Illthal  östlich  von  Nenzing.  Bei  Ludesch  taucht  sie  aus  der  Thalsohle 
wieder  auf,  umzieht  in  weitem  Bogen  das  Gebirge  des  Hoch-Frassen  und  greift 
tief  hinein  an  den  untersten  Gehängen  des  Marouler-Thales.  Von  Maroul  aus 
setzt  die  Ueberstürzungslinie  an  der  Südseite  des  Walser  Thaies  fort,  übersetzt 
dasselbe  unterhalb  Fontanella  und  zieht  dann  hoch  hinauf  nach  dem  Nordabhange 
des  Zitterklapfen-Künzlespitz-Gebirges,  ist  im  Durchbruch  der  Bregenzer  Ache 
als  Liegendes  des  Lias-Trias-Gebirges  in  Form  einer  tief  eingreifenden  Zunge 
entblösst,  übersetzt  den  Rücken  des  Vintscher  Joches  und  erreicht  das  Thal 
Mittelberg  bei  Baad,  aber  nur  um  bald  wieder  nach  den  Höhen  zu  steigen,  welche 
vom  Widderstein-Gebirge  sich  in  dieses  Thal  erstrecken.  Am  Nordabhange  der 
Kanzlwarid  tritt  sie  ins  Algäu. 

In  dieser  Begrenzung  stellt  sich  das  südliche  Flyschgebiet  als  eine  im 
Westen  breitere,  im  Osten  mehr  und  mehr  an  Breite  abnehmende  Zone  eines 
einheitlichen,  stets  nach  Südsüdost  fallenden  Gesteines  mit  im  Allgemeinen 
gleichbleibenden  Oberflächenformen  dar.  Die  grösste  Breite  von  anderthalb 
Meilen  ist  zwischen  Nenzing  und  Satteins  und  zwischen  Maroul  und  dem  Gerer 
Falben,  die  geringste  von  kaum  einer  halben  Meile  bei  Baad  und  Mittelberg  an 
der  Breitach.  Dem  Trias-Lias-Gebiete  bleibt  die  Flysch-Zone  in  der  Höhe  wie  in 
der  Entwickelung  der  Formen  stets  untergeordnet,  dem  Kreidegebiete  kommt  sie  in 
der  Höhe  der  Gipfel  beinahe  gleich,  aber  in  den  äusseren  Formen  ist  weit  mehr 
Einförmigkeit.  Die  Höhen  sind  alle  mit  trefflichen  Alpen  bedeckt,  Wälder  ziehen 
sich  nur  an  den  steileren  Gehängen  hinab.  Sehr  klar  ist  der  Zusammenhang  der 
Oberflächengestaltung  mit  dem  Streichen  der  Schichten.  Die  grösseren  Thäler 
sind  dem  letzteren  parallel,  so  die  Thäler  der  Breitach  und  des  Lutzbaches  oder 
das  kleine  und  grosse  Walser  Thal,  das  Thal  des  Latternser  Baches,  des  Argen- 
baches  und  andere.  Von  den  hohen  Gebirgskämmen,  welche  sich  zwischen  diesen 
Einsenkungen  erheben,  ziehen  Querthäler  in  grosser  Zahl  herab,  die  meisten  von 
ihnen  eng  und  unbewohnbar.  Auch  die  beiden  grossen  Durchbrüche  des  Illthales 
und  der  Bregenzer  Ache  gehören  der  Querrichtung  an.  Ihre  Vereinigung  mit  den 
Längsthälern  schafft  grosse  Weitungen,  die  bewohntesten  Gegenden  des  Flyseh- 
Gebietes. 

3.  Flysch  am  Rhätikon. 

Schon  bei  der  Beschreibung  der  Lagerung  und  des  Gebirgsbaues  im  Trias- 
Lias-Gebiete  des  Rhätikon  *)  bot  sich  mehrfach  Gelegenheit,  das  auffallende  Ver- 
hältniss  anzudeuten,  in  welchem  der  eocene  Flysch  als  einziges  jüngeres  Gebilde 
dort  in  den  Gebirgsbau  eingreift  (Profile  I,  V,  VI).  Im  vorarlbergischen  Theil 
des  Rhätikon  tritt  der  Flysch  in  zwei  getrennten  Partien  auf.  Die  eine  derselben 
gehört  ganz  und  gar  dem  Fiirstenthume  Liechtenstein  an,  bildet  dort  das  Würzner 
Horn  bei  Balzers,  den  Boden  der  Elavena-Alpe  und  fällt  von  Balzers  bis  jenseits 
Triesen  unmittelbar  in  das  Rheinthal  ab.  Wahrscheinlich  gehört  dieser  Flysch 
der  im  Vorigen  beschriebenen  südlichen  Zone  an.  Ist  schon  das  Vorkommen  der 
Formation  an  diesem  westlichen  Abbruch  der  Trias-Lias-Kalkalpen  von  beson- 


D 1.  Abtheilung  (Band  X dieses  Jahrbuches),  Seite  114 — 13?  und  Fig,  1 und  10 


204 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[118] 

derem  Interesse,  so  wird  es  noch  durch  die  höchst  merkwürdigen  und  bis  jetzt 
wohl  nicht  hinreichend  erklärbaren  Lagerungsverhältnisse  erhöht.  Nicht  allein 
dass  (nach  Fig.  1)  der  Flysch  steil  unter  Algäu-Schichten  einfällt,  werden  diese 
wieder  von  einem  wenig  geneigten  Trias-Systeme  überlagert,  also  eine  zwei- 
fache Ueberstürzung.  Die  Trennung  von  den  Algäu-Schichten  ist  ungemein 
schwierig  und  nur  durch  den  Unterschied  der  Fleckenmergel-Fucoiden  von  dem 
Fucus  intricatus  möglich.  Wenn  man  im  Wildhaus-Tobl  aufwärts  steigt,  so 
erscheinen  viele  Schichten,  welche  gewissen  Algäu-Schichten  ähnlich  sind,  aber 
immer  führen  sie  wieder  Fucus  intricatus  und  Targionii.  Hoch  oben  werden 
jene  braunen  Sandsteine  herrschend,  welche  sich  am  Siinser  See  als  das  tiefste 
Glied  des  Flysches  erwiesen,  und  da  sie  unmittelbar  von  Fleckenmergeln  über- 
lagert sind,-  die  ihrerseits  in  grosser  Höhe  Adnether  Kalk  tragen,  so  scheint  sich 
die  ganze  Erscheinung  als  eine  überstürzte  Lagerung  eines  Systemes  herauszu- 
stellen, welches  aus  einer  Grundlage  von  Lias  und  einer  anomalen  Auflagerung 
von  eocenem  Flysch  bestand. 

Die  zweite  Partie  bildet  einen  schmalen  Zug  vom  Gaffal-Joch  längs  dem 
Nordabfall  der  Kalke  des  Schweizer  Thors,  Fornele- Jochs,  Sporer  Gletschers  und 
der  Weissplatten  (Profil  V und  VI,  Fig.  10).  Ich  suchte  bereits  in  der  ersten 
Ahtheilung  dieser  Arbeit  zu  beweisen,  dass  sie  dem  Gebirgsbau  des  Prättigau 
angehören. 


C.  Eocengestein  von  Niederndorf. 

Das  einzige  sichere  Vorkommen  von  Eoeenformation  im  ganzen  Gebiet  von 
Nordtirol  wurde  von  Herrn  Gümbel  bei  Niederndorf  am  Inn,  nördlich  von  Kuf- 
stein, entdeckt.  Wir  fanden  einen  graulich-weissen  sandigen  Kalk  mit  zahl- 
reichen Exemplaren  der  Gryphaea  Archiacina , ausserdem  zahlreiche  Austern 
und  andere  eocene  Versteinerungen.  Das  Gebilde  scheint  in  der  näheren  Umge- 
bung keine  weitere  Verbreitung  zu  haben:  es  steigt  aus  der  Thalsohle  auf  und 
lehnt  sich  an  Neocomien-Mergel. 


IV.  Oligoceii-  und  Mioceuformation. 

Auch  die  mittleren  Tertiärgebilde  spielen  nur  in  Vorarlberg  eine  einiger- 
maassen  wichtige  Rolle  im  Gebirgsbau,  indem  sie  hier  ein  Gebiet  selbstständig 
zusammensetzen,  während  sie  im  nördlichen  Tiro!  nur  untergeordnet  auftreten. 
Alle  diese  Gebilde  sind  theils  an  Ort  und  Stelle  in  unserem  Gebiet,  theils  in 
nächster  Nachbarschaft  so  häufig  und  so  genau  beschrieben  worden,  dass  es 
überflüssig  scheint,  hier  näher  auf  dieselben  einzugehen. 

Die  Mola  ss  e von  Vorarlberg,  welche  den  ganzen  Theil  dieses  Landes 
nördlich  von  der  Flyschgrenze  einnimmt,  entspricht  so  genau  derjenigen  in  den 
angrenzenden  Theilen  der  Schweiz  und  des  südlichen  Bayern,  dass  ich  auf  die 
zahlreichen  ausgezeichneten  Arbeiten  über  diesen  Gegenstand  verweisen  kann. 
Dieselben  Conglomerate  mit  Eindrücken  der  aufeinanderliegenden  Gerolle,  die- 
selben zu  Schleifsteinen  verarbeiteten  feinkörnigen  Sandsteine,  dieselben  kohlen- 
führenden Schichten,  wie  sie  allenthalben  bekannt  sind,  finden  sich  auch  hier: 
eben  so  gleicht  auch  der  Gebirgsbau  mit  sanften,  nach  Norden  steiler  gebogenen 
Gewölben  und  Faltungen  auf  das  Genaueste  dem  der  benachbarten  Gebiete,  Die 
Versteinerungsführung  aber  ist  dort  ungleich  bedeutender  und  erlaubte  besonders 


Die  Kalkdlpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


205 


[119] 


bei  Sauet  Gallen  und  weiter  gegen  Westen  so  tief  eingehende  Studien,  dass  sie 
in  Vorarlberg  kaum  vervollständigt,  wohl  aber  in  hohem  Grade  bestätigt  werden 
können.  Besonderes  Interesse  bietet  nur  die  Grenze  gegen  den  eocenen  Flysch. 
Wie  die  Trias-Lias-Gebilde  auf  den  südlichen  Flysehzug  und  die  Kreidegebilde 
auf  den  nördlichen  überstürzt  sind,  so  ist  es  auch  der  Flysch  auf  die  Molasse, 
aber  bei  weitem  nicht  in  demselben  Maasse.  Nach  Westen  fällt  das  Molasse- 
gebirge in  das  Rheinthal,  den  Bodensee  und  das  Leiblachthal  ab,  nach  Osten 
setzt  es  durch  das  Gebiet  von  Staufen  und  Immenstadt  nach  Bayern  fort. 

Ausserhalb  des  Molassegebirges  sind  mittlere  Tertiärablagerungen  in  Vorarl- 
berg nur  im  Montavon  bekannt.  Heer  hat  sie  als  unterohgoeen  nachgewiesen. 

Im  westlichen  Nordtirol  bis  Innsbruck  dürften  tertiäre  Ablagerungen 
überhaupt  nicht  bekannt  sein.  Von  hier  an  aber  beginnen  auf  ebenen  Terrassen 
an  den  Thalwänden,  in  kesselförmigen  Erweiterungen  und  an  anderen  günstigen 
Orten  sporadische  Auflagerungen,  deren  Zahl,  wie  es  scheint,  noch  bedeutend 
vermehrt  werden  wird  *).  Hier  und  da  vereinigen  sich  die  Ablagerungen  zu  Zusam- 
menhängen Zügen,  welche  die  höheren  Abhänge  des  Gebirges  begleiten. 

Da  Herr  Gümbel  (nach  brieflicher  Mittheilung)  die  Tertiärgebilde  im  süd- 
lichen Bayern  ausführlicher  zu  bearbeiten  gedenkt  und  wohl  zu  erwarten  ist,  dass 
dieser  gründliche  Kenner  dieses  Theiles  der  nördlichen  Kalkalpen  auch  die  von 
ihm  so  genau  studirten  Tertiärablagerungen  des  benachbarten  Theiles  von  Tirol 
mit  in  den  Bereich  der  Bearbeitung  ziehen  wird,  so  übergehe  ich  hier  diesen 
Gegenstand  ganz  und  gar. 


V.  Dihmnm  nud  Alluvium, 

Wie  überall,  wo  seit  der  Tertiärperiode  keine  Meeresbedeckung  mehr  stattfand, 
sondern  nur  noch  das  Süsswasser  gestaltend  einwirkte,  die  diluvialen  und  allu- 
vialen Ablagerungen  allmälig  in  einander  übergehen  und  nur  einzelne  Schichten 
durch  sporadische  Versteinerungen  das  Merkmal  ihres  Alters  an  sich  tragen,  so 
auch  in  unserem  Gebiete.  Die  sogenannten  diluvialen  Schotterterrassen  treten 
in  einer  ausserordentlichen  Mächtigkeit  auf,  so  besonders  bei  Innsbruck,  wo  sie 
ein  hohes  Plateau  bilden,  in  welches  das  Innthal  eingeschnitten  ist  und  sich  mit 
seinen  Alluvionen  ausbreitet.  Auch  diese  Gebilde  sind  bereits  aus  vielen  Theilen 
der  Alpen  auf  das  Genaueste  beschrieben  und  treten  in  Tirol  eben  so  auf,  wie  in 
allen  anderen  Thälern.  Ein  besonders  hohes  Interesse  bietet  das  Rheinthal  mit 
seinen  ausgedehnten  Terrassen-Bildungen,  seiner  breiten  Alluvialebene,  in  die 
der  Strom  stets  neue  Arme  gräbt,  mit  seinen  Torfablagerungen  und  den  unend- 
lichen Geröllmassen,  welche  der  Rhein  fortwährend  aus  dem  Gebirge  herab  dem 
Bodensee  zuführt.  Ueber  alle  diese  Erscheinungen  liegen  die  vortrefflichsten 
Untersuchungen  von  den  unermüdlichen  Geologen  der  Schweiz  vor,  daher  ich 
auch  in  dieser  Beziehung  auf  die  schon  vorhandene  Literatur  verweisen  kann. 


D So  traf  ich  im  Jahre  18S7  südlich  von  Haslau  am  Ausgang  des  Windau-Thaies  ein  eben 
erschürftes  Braunkohlenflötz  und  es  wurde  mir  versichert,  dass  in  der  Gegend  noch 
viele  solche  Schichten  Vorkommen  wie  diejenigen,  welche  das  Flötz  einschliessen.  ln 
dieser  dem  llrgebirge  angehörigen  Gegend  kannte  man  bisher  noch  keine  Tertiär- 
ablagerung; die  Thatsache  lässt  schliessen,  dass  man  sie  noch  in  weiterer  Verbreitung 
im  Bereiche  des  Urgebirges  finden  wird. 


206  Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen.  L'ie  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


Inhalt. 


B.  Lagerung  und  Gebirgsbau  in  der  Trias-LiasrZone  (Fortsetzung) 

II.  Trias-Lias-Gebiet  zwischen  Bludenz  und  dem  Arlberg 

Umgegend  von  Bludenz,  Bratz,  Dalaas,  Bartholomäusberg 

Das  Klosterthal  [6]  92.  — Bludenz,  Ludesch,  Alpilla,  Bothwand.  Bratz 

Dalaas,  Formarin,  Schafberg,  Spullers,  Klösterle 

Stuben,  Arlberg,  Grabach,  Zürss  [13]  99.  — Oberes  Lech-Gebiet 

(Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grub-Spitz,  Gypsi-Tobl 

Walserthal  (südl.  Gebiet)  [19]  103.  — Walserthal  (nördl.  Gebiet), 

Zitterklapfen,  Künzle-Spitz,  Grenze  mit  Flysch 

Widderstein-Gebirge 

Umgegend  von  Schröcken,  Hoch-Krumbach  und  Warth 

III.  Der  westl.  Theil  von  Nord-Tirol  von  der  Vorarlberg.  Grenze  bis  Seefeld 
Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Elbigen-AIp  und 
dem  Stanzer  Thale  [30]  116.  — Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale 

von  Stög  bis  Weissenbaeh  und  dem  bayerischen  Algiiu  

Umgebung  von  Reutte,  Vils,  und  Thannheim 

Gegend  zwischen  dem  Lech-Thal  von  Elbigenalp  bis  Weissenbaeh,  dem 
Inn-Thale  von  Landeck  bis  Telfs  und  der  Landesgrenze  gegen  Bayern. 
Seefeld  

IV.  Gebirge  zwischen  Secf'eld  und  den  Berchtesgadner  und  Salzburger 

Alpen - 

Gegend  zwischen  Innsbruck  und  der  Riss 

Gebiet  der  Riss  und  Dürrach  bis  zur  Einsenkung  des  Achen-Thales . 
Gebiet  zwischen  dem  Achenthal  und  Kufstein  [70]  156.  — Kalkgebirge 
zwischen  dem  Inn  bei  Kufstein  und  der  bayer.  und  Salzburg.  Grenze  . 

II.  Jura  und  Kreide 

1.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Vorarlberg 

A.  Gliederung  

a)  Juraformation 

b)  Kreideformation 

1.  Rossfelder  Schichten  [78]  164.  — 2.  Etage  Valanginien  (Desor) 

3.  Spatangenkalk  [83]  169.  — 4.  Schrattenkalk  (oder  Caprotinen- 
kalk)  [84]  170.  — 5.  Gault  [85]  171.  — 6.  Seewerschichten 

B.  Verbreitung  und  Lagerung 

1.  Nordsüdliches  Profil  von  Andelsbuch  über  Bezau  und  die  Canisfluh 

nach  Tamüls  [90]  176.  — 2.  Umgegend  von  Hohenems 

3.  Umgegend  von  Feldkirch,  Rankweil  und  Hoch-Freschen 

4.  Umgebungen  von  Bezau,  Schnepfau,  Hoch-Ifer  und  Sibratsgföll  .... 

5.  Ergebnisse  

2,  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Nord-Tirol 

A.  Gliederung.  

1.  Vilser  Kalk  [107]  193.  — 2.  Ammergauer  Schichten 

3.  Rossfelder  Schichten  [109]  195.  — 4.  Gosau-Schichten  

B.  Verbreitung  und  Lagerung 

III.  Eocenformation 

A.  Nummulitenführende  Gebilde  in  Vorarlberg 

B.  Flysch  in  Vorarlberg 

1.  Nördlicher  Flysehzug  [116]  202.  — 2.  Südlicher  Flyschzug 

3.  Flysch  am  Rhätikon 

C.  Eocengesteine  von  Niederndorf 

IV.  Oligocen*  und  Mio cen  f o rmati o n 

V.  Diluvium  und  Alluvium 


[<20] 


Sritr 

M]~ 
MJ  87 
[3]  89 

1 7 1 93 
[9|  95 

| 17J  103 

[20]  106 
[23]  109 
[24(  110 
[29]  115 


[39]  125 
| 44]  130 

[49J  135 
[56]  142 

[58]  144 
[58  144 
[63]  149 

[73]  159 

74]  160 

75]  161 
77]  163 

77]  163 

78]  164 
80]  166 

[87]  173 

[88]  174 

| 92]  178 
[96]  182 
[99]  185 
102]  188 

105]  191 

106]  192 
l108]  194 
109]  195 
HO]  196 
112]  198 
112]  198 
114]  200 
116]  202 

117]  203 

118]  204 
Ti 8]  204 

119]  205 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift:  „Defense  des  Colonies.  I.  firoupe  probatoire“  u.  s.  w.  207 


II.  Aus  Herrn  Joachim  Barrande’s  Schrift:  „Defense  des 
Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w.  25.  November  1861, 
Seite  17  bis  Ende  Seite  34. 

Uebersetzt  von  A.  Fr.  Grafen  Marsehall. 


Vorbemerkungen  von  Wilhelm  Haidinger. 

In  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  (dieses  Jahrbuch,  Verhandlungen  S.  1) 
habe  ich  das  Verlangen  des  Herrn  Joachim  Barrande  mitgetheilt,  den  Ab- 
schnitt seiner  oben  genannten  Schrift  von  Seite  17  bis  zum  Schlüsse  (S.  34) 
in  unser  Jahrbuch  aufzunehmen. 

„Ich  erwarte  von  Ihrer  Gerechtigkeit  und  Unparteilichkeit,  dass  Sie  gerne 
in  Ihrem  Jahrbuche  die  wichtigsten  Stellen  der  gegenwärtigen  Schrift  aufnehmen 
werden  und  vorzüglich  den  Abschnitt  von  Seite  17  bis  zum  Ende.  Sie  werden 
mir  nicht  dieselbe  Oeffentlichkeit  für  meine  Vertheidigung  verweigern,  welche 
es  Ihnen  dem  Angriffe  zu  geben  zweckmässig  geschienen  hat“  *). 

Herr  Barrande  besitzt  seit  langen  Jahren  ein  so  hohes  Anrecht  auf  die 
Verehrung  aller  Freunde  geologischer  Forschung,  dass  ich  nicht  Anstand  nehmen 
durfte,  seinem  an  mich  gestellten  Verlangen  zu  entsprechen,  wenn  ich  auch 
allerdings  hätte  wünschen  können,  dass  bei  dem  Umstande,  wo  abweichende 
Ansichten  wissenschaftlicher  Gegenstände  entstanden,  doch  die  Erörterungen  in 
mehr  objectiver  Weise,  die  Gegenstände  selbst  betreffend,  mehr  das  Wissen- 
schaftliche in  das  Auge  fassend,  geführt  worden  wären,  als  dass  nun  gewisse  per- 
sönliche Beziehungen  in  den  Vorgrund  gestellt  sind. 

Wer  ein  unabhängiges  Werk  im  Drucke  herausgibt,  wie  Herr  Barrande 
seine  „ Defense  des  Colonies“,  gleicht  einem  Hausbesitzer,  der  das  theilnehmende 
Publicum  in  sein  eigenes  Haus  einladet  und  dem  er  hier  seine  Ansichten  eröffnet, 
In  den  verschiedenen  Schriften  neutraler  periodischer  Presse  nimmt  sich  je  nach 
der  Art  derselben  eine  Mittheilung  aus  wie  in  einem  wissenschaftlichen  Sprech- 
saale, auf  dem  Markte,  auf  der  Strasse.  Durch  sein  Verlangen,  dass  seine  Erörte- 
rungen in  unserem  Jahrbuche  erscheinen  sollen,  stellt  sich  aber  Herr  Barrande 
dem  Manne  gleich,  der  Einlass  in  ein  fremdes  Haus  begehrt,  um  dort  den  Bewoh- 
nern „seine  Meinung  zu  sagen“.  So  wenig  es  nun  meiner  Neigung  ent- 
spricht, so  kann  ich  es  doch  nicht  vermeiden,  auch  wenigstens  über  einige 


*)  „J’attends  de  votre  justice  et  de  votre  impartialite , que  vous  voudrez  bien  reproduire 
dans  votre  Jahrbuch  les  parties  les  plus  importantes  de  cet  ecrit  et  notamment  ä partir 
de  la  page  17  jusqu  ä la  fin.“  „ Vous  ne  me  refuserez  pas  p mir  ma  defense , lameme 
publicite , que  vous  avez  juge  convenable  de  donner  ä V attaque“ 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  II.  Heft. 


27 


208 


Ahr  Herrn  J.  Barramle’s  Schrift: 


[2] 

Aeusserungen  meine  eigene  Ansicht  nicht  zurückzuhalten.  Ich  fühle  mich  ungefähr 
in  der  Stellung  eines  Hausinspectors,  dem  vorübergehend,  — vielleicht  — in 
meinen  Lebensbeziehungen  — nicht  mehr  auf  lange  Zeit,  — die  Sorge  für 
dieses  Hauswesen  anverlraut  ist,  und  der  in  tiefster  Ehrfurcht  für  die  Quelle 
seiner  Stellung,  und  als  Vorgang  für  seine  Amtsnachfolger  Manches  nicht  mit 
Stillschweigen  hinnehmen  darf,  was  in  dem  Hause  nicht  hätte  gesprochen  werden 
sollen,  so  peinlich  als  solche  Erörterungen  immer  ausfallen  mögen.  Eine  Anzahl 
Noten  wird  daher  den  übersetzten  Text  begleiten,  nicht  jede  Stelle  kann  dabei 
in  dasjenige  Licht  gesetzt  werden,  welches  uns  das  richtige  erscheint,  aber  doch 
wünsche  ich  weuigslens  die  leitenden  Stellen  abweichender  Ansicht  zu  be- 
zeichnen. 

Es  war  mir  sehr  angenehm,  dass  Herr  Barrande  nicht  die  Aufnahme  der 
ganzen  Schrift  verlangt  hatte,  so  dass  ich  über  Mehreres  leichter  hinweggehen 
kann,  wenn  auch  das  Wichtigste  nicht  fehlt.  Er  gibt  einen  Bericht  über  die 
Geschichte  der  allmäligen  Entwickelung  der  einander  entgegenstehenden 
Ansichten,  wie  sie  aus  Herrn  Professor  KrejcTs  erstem  Berichte  an  die  k.  k. 
geologische  Reichsanstalt  (Jahrbuch  1859,  S.  112),  seiner  eigenen  Protestation 
(Jahrbuch  1859,  S.  479)  und  Herrn  Suess  Bemerkungen  (S.  481),  endlich 
meiner  Ansprache  am  30.  October  1860  (Jahrbuch  1862,  S.  115),  den  hoch- 
verehrten Lesern  zu  freundlicher  Erinnerung  gebracht  werden  sollen.  Dazu  kommt 
seitdem  noch  als  Erläuterung  Herrn  Lipold's  Abhandlung  selbst  (Jahrbuch 
1861,  S.  1),  und  meine  Anzeige  von  Herrn  Barrande’s  „ Defense  des  Colo - 
nies“  in  den  Verhandlungen  (Jahrbuch  1861  und  1862,  Verhandlungen  S.  14). 
Durch  diese  Schriftstücke  ist  die  Uebersicht  vollständig  gewonnen  und  Jeder- 
mann ist  im  Stande,  sich  selbst  die  Discussionen  zu  bilden,  je  nachdem  ihm  die 
Gründe  mehr  für  diese  oder  jene  Seite  zu  sprechen  scheinen.  In  dem  Abschnitte 
von  Herrn  Bar  ran  de’s  Schrift  Seite  17  analysirt  derselbe  zuvörderst  den  in 
französischer  Uebersetzung  gegebenen  Abschnitt  meiner  Ansprache  am  30.  Octo- 
ber 1861,  wie  folgt. 


Das  Studium  des  vorhergegangenen  Actenstückes  lässt  leicht  erkennen, 
dass  die  Definition  der  Colonien , wie  sie  Herr  Haidinger  gibt,  an  Klarheit 
Vieles  zu  wünschen  übrig  lässt- 

Ferner  sind  die  Nachweisungen  über  die  Colonie  Zippe  so  unvollständig, 
dass  es  nicht  scheint,  als  wären  sie  eine  logische  Rechtfertigung  der  sie  beglei- 
tenden Schlussfolgerung,  die  wir  im  Texte  unterstrichen  haben1). 

Dennoch  müssen  wir  diese  Schlussfolgerung  als  eine  Anerkennung  der 
Wichtigkeit  unserer  Lehre  von  den  Colonien  überhaupt  und  von  der  Existenz  der 
Colonie  Zippe  insbesondere,  betrachten.  In  der  That  ist  die  oben  unterstrichene 
Stelle  durch  folgende  Stellen  eines  Schreibens  deutlich  bestätigt,  mit  welchem 
uns  Herr  Director  Haidinger  am  31.  October — mithin  am  Tage  nach  der 
Sitzung,  in  der  er  vorhergehenden  Bericht  vorgetragen  hatte  — beehrt  hat: 

„Ich  hatte  es  für  meine  Pflicht  gehalten,  Herrn  Lipoid  recht  dringende 
Fragen  in  Betreff  des  gründlichen  Studiums  einer  oder  der  andern  Ihrer  Colonien 
Krejci  und  Haidinger  zu  stellen.  In  seinem  Berichte  gibt  er  die  Gründe  an. 


0 Die  Thatsache  der  Natur  der  nach  dem  Ausdrucke  von  Agassiz  (Barrande  S.  640) 
„prophetischen“  Fossilien-Faunen  selbst,  ist  also  wohl  vollkommen  sichergestellt.  (Jahrb. 
1860,  S.  117,  Z.  14.)  W.  H. 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


209 


[3] 


die  er  hat,  um  diese  beiden  Colonien  als  dem  Begriffe  der  Colonien  nicht  ent- 
sprechend zu  betrachten,  wie  dieser  Begriff  von  den  Thatsachen  bei  der  ersten 
echten  Colonie  Zippe  hergenommen  ist.  ......  Ich  habe  erachtet,  Herrn 

Lipold’s  Schlussfolgerungen  aiinehmen  zu  sollen,  nach  welchen  die  Colonien 
Krejci  und  Haidinger  ihre  Erklärung  in  Faltungen  — wie  man  solchen  so 
zahlreich  in  Schichten  jeden  Alters  begegnet  — finden  würden.  Wiewohl  in 
dieser  Weise  die  obbenannten  Oertlichkeiten  nicht  mehr  in  den  Begriff  von  Colo- 
nien hineinpassen  würden,  bleibt  doch  dieser  Begriff  selbst  unberührt,  wie  Sie  ihn 
nach  den  Daten  der  Colonie  Zippe  abgeleitet  haben  und  wie  er  auch  in  vielen 
anderen  Ländern  erwiesen  worden  ist.  Herr  Suess  sagt  mir,  dass  er,  bei  seinen 
neueren  Studien  über  das  Tertiäre  um  Horn,  Colonien  von  littoralen  und  sub- 
littoralen  Faunen  bis  in  sehr  neue  Ablagerungen  hinein  gefunden  habe.  Wenn 
auch  der  Hauptpunkt:  die  Natur  der  echten  Colonien,  zu  fest  aufgestellt  bleibt, 
um  ferner  angegriffen  zu  werden,  so  ist  es  dennoch  sehr  wichtig,  Alles  zu  stu- 
diren,  was  sich  unter  der  scheinbaren  Form  der  Colonien  zeigt.44 

Diese  Stellen  rechtfertigen  demnach  vollkommen  die  von  uns  unterstrichene 
Schlussfolgerung  in  Herrn  Haidinger’s  Bericht. 

Indem  wir  deren  Klarheit  anerkennen,  müssen  wir  vcnimthen,  die  Nachläs- 
sigkeit irgend  eines  Abschreibers  oder  Setzers  habe  den. Theil  dieses  Berichtes, 
der  sich  auf  die  Definition  der  Colonien  und  auf  die  Colonie  Zippe  bezieht, 
verundeutlicht  oder  verstümmelt1).  Diese  Auslegung  erscheint  uns  um  so  natür- 
licher, als  der  zweite  Theil  desselben  Berichtes  — der  nämlich,  welcher  die 
Ergebnisse  aus  Herrn  Lipoid ’s  Studien  über  die  Colonien  Haidinger  und 
Krejci  darstellt  — in  dem  gewohnten  klaren  Styl  des  Herrn  Directors  Hai- 
dinger geschrieben  ist. 

Dieser  zweite  Theil  beansprucht  unsere  vollste  Aufmerksamkeit.  In  der 
That  sind  die  zu  so  vielen  Malen  und  in  so  bestimmter  und  umfassender  Gestalt 
der  Genauigkeit  der  von  Herrn  Lipoid  ausgeführten  Forschungen  ertheilten 
Lobsprüche  ein  neuer  Beweis,  wie  leicht  es  ist,  Herrn  Haidinger’s  Vertrauen 
zu  überraschen  und  seinen  Eifer  für  die  Wissenschaft  irre  zu  leiten,  zumal  wenn 
es  sich  darum  handelt,  nach  den  vielen  Verdiensten,  die  sich  die  unter  seiner 
väterlichen  Leitung  stehenden  Geologen  bereits  erworben,  ein  neues  Verdienst 
zu  verkünden.  Wir  sind  indess  überzeugt,  der  ehrwürdige  Director  der  Reichs- 
anstalt werde,  durch  unsere  Stimme  gemahnt,  nicht  säumen,  von  seinen  Täu- 


!)  Herr  Barrande  lässt  mir  geneigtest  noch  ein  Hinterpförtchen  offen,  um  mich  selbst 
jetzt  noch  seiner  Ansicht  anzuschliessen,  aber  um  den  Preis,  dass  ich  eingestehe,  ich 
habe  entweder  meine  Ansprache  am  30.  October  1860  nicht  selbst  verfasst,  oder  ich 
habe  nicht  bemerkt,  wie  ein  Abschreiber  oder  Setzer  mir  übel  mitgespielt!  Aber  seine 
Divinationsgabe  hat  ihn  doch  getäuscht.  Ja  ich  habe  selbst  meine  Ansprache  geschrieben, — 
und  unter  welchen  Gefühlen,  dürften  wahre  theilnehmende  Freunde  wohl  ermessen,  wo 
es  sich  um  Sein  oder  Nichtsein  unserer  lc.  k.  geologischen  Reichsanstalt  handelte,  und 
nur  Pflichterfüllung  uns  aufrecht  erhielt — , ich  habe  sie  persönlich  in  der  Sitzung-  vorge- 
tragen, ich  habe  die  Presse  selbst  corrigirt,  und  darf  mir  in  dieser  Beziehung  keine  Vor- 
würfe von  Nachlässigkeit  machen.  Aber  Herr  Barrande  nimmt  nicht  Rücksicht  auf 
unsere  Zustände,  auch  nicht  auf  meine  Stellung.  Meine  Aufgabe  war  nur,  einen  kurzen, 
möglichst  klaren  Bericht  über  Herrn  Lipold’s  Darstellungen  zu  geben,  nicht  aber  eine 
Abhandlung  über  die  Colonien  zu  schreiben.  Doch  wünschte  ich  auch  den  Standpunkt  der 
Frage  nicht  ganz  unberücksichtigt  zu  lassen,  als  Einleitung  zu  diesem  Bericht.  Wo  der 
Kürze  der  Darstellung  der  Verhältnisse  der  Colonie  „Zippe“  wegen  Herr  Barrande 
einen  Schatten  auf  meine  Logik  wirft,  hatte  ich  gerade  gewünscht,  seiner  Ansicht  mög- 
lichst mich  anzuschliessen.  Als  Gegensatz  zu  einer  so  empfindlichen  Verdächtigung  darf 
ich  wohl  das  Lob  der  Klarheit  für  die  nachfolgende  Stelle,  eben  nur  als  Gegensatz  auf- 
nehmen. W.  H. 


27 


210 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


W 

schungen  zurückzukommen  und  einen  jener  edlen  und  beherzten  Entschlüsse  fassen, 
von  denen  er  uns  bereits  mehrfache  Beispiele  gegeben,  wie  sie  allein  seinem 
angeborenen  Rechtssinn  und  der  Würde  seiner  hohen  Stellung  angemessen  sind. 

Wir  seihst,  die  wir  die  unerbittliche  Pflicht  zu  erfüllen  haben , die  uns 
unsere  aufrichtige  Ueberzeugung  und  die  Verfechtung  der  Wahrheit  auferlegt, 
bedauern  lebhaft,  in  die  harte  Nothwendigkeit  versetzt  zu  sein,  der  wissenschaft- 
lichen Welt  erklären  zu  müssen,  dass  Herrn  Lipold’s  Arbeit,  weit  entfernt  Herrn 
Haidinger’s  Lob  und  Bewunderung  zu  verdienen,  mit  unglaublichen  Nachläs- 
sigkeiten, schweren  Irrthümern  und  unerhörten  Willkürlichkeiten  behaftet  sei, 
welche  alle  ihren  wesentlichen  Antheil  zu  den  vermeintlichen  Faltungen  dieses 
Geologen  geliefert  haben. 

Demgemäss  können  die  Ergebnisse  einer  solchen  Durchforschung  — mögen 
sie  auch  unter  der  doppelten  Gewähr  eines,  die  Markscheidekunst  anwen- 
denden Bergrathes  und  eines  stratigraphisch  verfahrenden  Chef- Geologen  1 ) 
angekündet  werden  — von  keinerlei  Gewicht  in  der  Frage  über  die  Colonien 
sein,  bei  der  eine  wirkliche  Genauigkeit  zu  fordern  ist. 

Die  von  uns  angedeuteten  Nachlässigkeiten,  Irrthümer  und  Willkürlichkeiten 
haben  unsere  Aufmerksamkeit  erregt,  sobald  nur  Herrn  Lipold's  Karten  und 
Durchschnitte  vor  unsere  Augen  gekommen  sind.  Wir  werden  jeden  unserer 
Leser  mit  Fingern  daraufhinweisen,  wenn  sie  nur  einmal  jene  selben  Grundlagen 
der  Erörterung  in  Händen  haben  werden.  Ohne  diese  Belegstücke  wäre  es  uns 
durchaus  unmöglich,  weder  die  Einzelheiten  noch  die  Gesammtheit  der  von  uns 
zu  erörternden  materiellen  Thatsachen  zum  Verständnis  zu  bringen. 

Wir  ersuchen  daher  dringend  Herrn  Director  Hai  ding  er,  im  Namen  des 
hohen  Interesses,  das  diese  Frage  erregt  (wie  er  sich  selbst  ausdrückt) 
und  im  Namen  der  uns  schuldigen  Gerechtigkeit,  Herrn  Lipold's  vollständigen 
Text,  seine  Specialkarten  und  seine  Durchschnitte  — kurz:  die  Gesammtergeb- 
nisse  seiner  Untersuchungen  über  die  Colonien  Haidinger  und  Krejci,  baldmög- 
lichst veröffentlichen  zu  wollen2). 


4)  Ein  hoher  Ton  und  Drohungen,  Hohn  und  Spott  verbessern  auch  eine  vollkommen  und 
unbezweifelt  siegreiche  Sache  nicht,  ja  sie  sind  deren  ganz  unwürdig.  In  dem  gegenwär- 
tigen Falle,  wo  eigentlich  doch  nur  einfache  wissenschaftliche  Erörterungen  vorliegen, 
sind  sie  wohl  noch  weniger  an  ihrem  Platze,  und  stören  auf  jedem  Schritte,  selbstgefällig 
wie  sie  durch  die  ganze  Schrift  hindurchgeführt  und  wiederholt  erscheinen.  W.  H. 

2)  Diese  Beschwörung  erscheint  mir  sehr  überflüssig.  Herr  Barrande,  von  dem  ich  noch 
nicht  die  Rückkehr  nach  Prag,  nach  achtzehnmonatlicher  Abwesenheit  ( Defense  S.  14) 
erfahren  hatte,  sandte  die  Exemplare  der  „ Defense “ zu  meiner  grossen  Ueberraschung, 
und  ich  erhielt  das  Anzeigeschreiben  am  19.  December  1861,  die  Brochüren  selbst  am 
22.  December.  An  demselben  Tage  konnte  ich  ihm  schon  die  Aushängebögen  von  Herrn 
Lipold’s  Abhandlung  von  Seite  1 bis  Seite  56  überschicken — die  Seiten  57  bis  66,  so 
wie  ein  Exemplar  der  Karte  wurden  vor  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  1862  abgesandt. 
Man  sieht  wohl,  dass  nicht  sein  Drängen  das  Fertigwerden  beschleunigte,  so  dass  sie  in 
dieser  Weise,  mit  umgehender  Post  gesandt  werden  konnten.  Sie  waren  bereits  gedruckt. 
Aber  es  war  uns  erst  spät  möglich  gewesen  den  Druck  wieder  zu  beginnen,  und  er  wurde 
wahrlich  sorgsamst  beschleunigt.  Die  Karten  selbst  waren  das  Letzte.  Sucht  doch  ein 
wahrer  Mann  der  Wissenschaft  bis  zuletzt  noch  zu  bessern  und  deutlicher  die  Gegen- 
stände darzustellen.  Die  Karte,  von  welcher  Herr  Lipoid  in  zuvorkommendster  WTeise 
eine  Durchzeichnung  durch  Strohpapier  an  Herrn  Barrande  gesandt,  war  das  erste 
Manuscript.  Man  weiss  wohl,  wie  in  einem  solchen  Manches  übrig  bleiben  kann,  das  in 
der  Ausführung  verbessert  wird.  Wenn  nun  anstatt  der  Ausführung,  wie  sie  am  7.  Jänner 
vorgelegt  wird,  Herr  Barrande  den  Zustand  der  Strohpapierskizze  vor  dem  30.  October 
1860  als  Basis  von  Discussionen  verlangt,  so  erscheint  uns  das  mehr  in  dem  Verfahren 
eines  Mannes  zu  liegen,  der  den  Wunsch  Recht  zu  behalten  höher  schätzt,  als  wahre, 
redliche  Naturforschung.  Was  uns  betrifft,  so  werden  wir  nicht  aufhören  Verbesserungen 
anzubringen,  so  lange  es  uns  nur  immer  möglich  sein  wird.  W.  H. 


[S] 


, Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


211 


Die  hohe  Ehrenhaftigkeit  des  Vorstandes  der  geologischen  Reichsanstalt 
lässt  uns  hoffen,  dass  unsere  Wünsche  erfüllt  und  die  Karte  und  Durchschnitte 
völlig  unverändert,  nach  den  Original-Zeichnungen , von  denen  lins  (wie  Herrn 
Haiding er’s  Bericht  bestätigt)  eine  Durchzeichnung  ärntlich  mitgetheilt  wurde, 
werden  veröffentlicht  werden.  Wir  bestehen  lebhaft  auf  diesem  Punkt,  weil  jene 
Zeichnungen  die  Original-Acten  darstellen,  auf  deren  Grund  unsere  Colonien 
Haidinger  und  Krejcf  so  summarisch  gerichtet  und  verurtheilt  wurden.  Es  ist 
daher  vollkommen  gerecht,  diese  Beweisstücke  in  ihrer  ursprünglichen  Gesamint- 
fassung  dem  wissenschaftlichen  Publicum,  als  der  einzigen  competenten  Behörde, 
der  wir  uns  in  dieser  Streitsache  unterwerfen,  vorzulegen. 

Zum  bessern  Beweis,  dass  wir  uns,  in  Erwartung  der  eben  verlangten  Ver- 
öffentlichungen, nicht  auf  eine  blosse  Protestation  zu  beschränken  die  Absicht 
haben,  beginnen  wir  hier  eine  Reihe  von  Mittheilungen  mit  dem  Zwecke,  einzelne, 
auch  ohne  Karte  oder  Durchschnitte  leicht  verständliche  Thatsachen  festzustellen. 
Diese  Thatsachen,  welche  Jedermann  unmittelbar  an  der  angegebenen  Stelle 
prüfen  kann,  werden  den  rechten  Maassstab  für  die  so  gepriesene  Genauigkeit 
von  Herrn  Lipoid’s  Forschungen  abgeben.  Es  werden  eben  so  viele  in  Voraus 
aufgestellte  Fixpunkte  sein,  die  uns  dienen  sollen,  den  Gang  der  Erörterung  vor- 
zuzeichnen und  sie  auf  die  einfachsten  Ausdrücke  zurückzuführen.  Das  ist  für 
jetzt  das  einzige  uns  zu  Gebot  stehende  Mittel,  den  Schluss  dieses  peinlichen 
Streites,  bei  dem  wir  eine  rein  passive  *)  Stellung  einnehmen,  zu  beschleunigen. 
Wir  wollen  nun  denn  sogleich  Hand  an’s  Werk  legen. 

Viertes  Capitel. 

Beweisgruppe  (groupe  probatoire) , die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“  und  den  Erguss 

( coulee ) „Krejcf“  umfassend. 

Der  Probirstein  dient  dazu,  die  Reinheit  des  Goldes  zu  versuchen  und 
seinen  Handelswerth  festzustellen. 

Auf  gleiche  Weise  soll  die  coloniale  Gruppe,  die  wir  „Be  weis -Gr  upp  e“ 
nennen,  noch  einmal  dazu  dienen,  den  wissenschaftlichen  Werth,  d.  h.  die  wahre 
Tragweite  und  die  Genauigkeit  der  Forschungen  unserer  Gegner  und  die  Wirk- 
samkeit ihrer  Beweisgründe  gegen  unsere  Colonien  Haidinger  und  Krejcf 
abzuschätzen. 

Diese  Gruppe  liegt  bei  Gross-Kuchel,  7 — 8 Kilometer  südlich  von  Prag; 
also  nicht  entfernter  als  das  gewöhnliche  Maass  eines  geologischen  Spazierganges. 
Die  Oberfläche  ist  an  dieser  Stelle  unbebaut,  grossentheils  offen  und  jederzeit 
zugänglich;  die  Beweis-Gruppe  kann  mithin  an  jedem  Tage  besucht  und  studirt 
werden. 

Diesen- — selten  so  vereinten — Umständen  verdankt  diese  Gruppe  das  ganz 
besondere  Vorrecht,  nach  einander  und  nach  Verlauf  mehrerer  Jahre  zwei  Mal  ein 
Gegenstand  der  Berufung  zu  werden,  an  dem  die  Studien  der  vermeintlichen  Berich- 
tiger unserer  stratigraphischen  Bestimmungen  interessante  Proben  ablegen  sollen. 

Die  erste  dieser  Proben  reicht  bis  an  das  Jahr  1859  hinauf,  und  fällt  in  die 
Zeit,  da  Herr  Krejcf  zum  erstenmal  verkündete,  dass  sich  unsere  Colonien 
einfach  durch  Dislocationen  erklären  Hessen. 


1)  So  sind  die  Ansichten  verschieden.  Mir  selbst  und  auch  vielen  andern  hochverehrten 
Freunden  erscheint  Herrn  Barrand  e’s  Rolle  in  der  That  sehr  activ  zu  sein.  W.  H. 


212 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


[«] 

Erinnern  wir  uns,  dass  Herr  Hofrath  Haidinger  in  seinem  amtlichen 
Bericht  vom  31.  August  1859,  bei  Veröffentlichung  der  vermeintlichen  Ent- 
deckung des  Herrn  Krejcf,  nicht  ermangelt  hatte  festzustellen:  dass  dieser 
Forscher,  der  sich  den  Arbeiten  der  geologischen  Reichsanslalt  freiwillig  bei- 
gesellt hatte , den  Verlauf  der  Schichten  dem  Streichen  nach  mit  der 
höchsten  Aufmerksamkeit  verfolgt  habe.  Man  musste  nun  meinen, 
Herrn  Krejcf’s  Entdeckung  sei  das  natürliche  Ergebniss  jenes  so  gründlichen 
und  bis  dahin  im  Silurbecken  Böhmens  gewiss  beispiellosen  stratigraphischen 
Studiums. 

Durch  unsere  am  17.  October  1859  an  Herrn  Haidinger  gerichtete  Ver- 
wahrung wurde  sogleich  der  Beweis  hergestellt,  dass  Herr  Krejcf,  ungeachtet 
seiner  höchsten  Aufmerksamkeit,  nicht  so  glücklich  gewesen  war,  auf 
eine  sehr  mächtige  Colonie  zu  stossen,  nämlich  auf  die  Colonie  Haidinger  bei 
Gross-Kuchel,  ganz  nahe  der  Colonie,  die  wir  im  Jahre  1850  Herrn  Krejcf 
gezeigt  und  nach  der  Entstehung  dieser  Debatten  „Colonie  Krejcf“  genannt 
hatten  ( Colonies . Bullet.  Soc.  gäol.  de  France , XVII,  p.  604,  1860).  Unsere 
Bekanntgebung  der  Colonie  Haidinger  im  Jahre  1859  gibt  demnach  den  ge- 
nauen Maassstab  der  höchsten  Aufmerksamkeit,  die  Herr  Director  H a i- 
dinger  Herrn  Krejci’s  Forschungen  zuschreibt  *)• 

Dieser  bereits  bekannten  Thatsache müssen  wir  einige  Einzelheiten  beifügen, 
die  bei  den  gegenwärtigen  Umständen  zum  Verständnis  des  Nachfolgenden 
wesentlich  sind. 

Als  Herr  Krejcf  am  4.  November  1859  unsere  vertrauliche  Mittheilung 
über  die  Colonie  Haidinger  empfing,  schien  er  davon  sichtlich  sehr  unangenehm 
berührt;  dennoch  suchte  er  nicht  sich  wegen  des  Uebersehens  einer  so  augen- 
fälligen Ericlave  zu  entschuldigen.  Sein  Schweigen  erschien  uns  sehr  tactvoll, 
berührte  uns  angenehm  und  verleitete  uns,  ihm  einen  ferneren  Beweis  unseres 
Wohlwollens  zu  geben.  Wir  sagten  ihm  also : „Nehmen  sie  sich  in  Acht,  Herr 
Krejcf,  die  Colonie  Haidinger  ist  wahrscheinlich  nicht  die  einzige  Enclave, 
die  Sie  übersehen  haben.  Es  gibt  deren  noch  andere,  die  Ihnen  möglicher  Weise 
entgangen  sind,  und  darunter  kennen  wir  einige  sehr  kleine,  nur  auf  einige 
Meter  der  Länge  nach  sichtbare.“ 


4)  Allerdings  konnte  ich  damals  nicht  so  tief  in  die  Sache  eindringen.  Ich  musste  mich  auf 
den  Eindruck  verlassen,  welchen  auf  mich  die  erhaltenen  Berichte  hervorbrachten.  Aber 
selbst  wenn  ich  alle  B arr  and  e’schen  Hinterhalte  gekannt  hätte,  so  wäre  es  meine 
Pflicht  gewesen  durch  ein  aufmunterndes  Wort  die  Forschung  zu  fördern.  Diese  meine 
Pflicht  habe  ich  auch  erfüllt.  Wie  es  aber  Herrn  Ba  rrande  möglich  gewesen  wäre,  im 
Jahre  1850  ( Defense  S.  22)  aus  dieser  jetzt  „Haidinger“  genannten  Colonie,  wenn  er  sie 
damals  schon  gekannt  hätte,  gegenübervonHerrn  Krejcf  ein  Geheimniss  zu  machen,  als  er 
ihm  die,  seitdem  so  genannte,  Colonie  „Krejci“  mittheilte,  das — ich  muss  es  gestehen  — 
ist  mir,  nach  meinen  Ansichten  des  Ernstes  der  Naturforschung,  rein  unbegreiflich,  eben 
so  wie  dass  er  ihm  noch  1859  und  uns  und  dem  gesammten  geologischen  Publicum  noch 
am  25.  November  1861,  ja  bis  zu  dieser  Stunde  selbst  die  Zahl  der  „Colonien“  verheim- 
licht, welche  er  als  solche  betrachtet.  Freilich  bemerkt  mir  aus  dieser  Veranlassung  mein 
hochverehrter  Freund  Lipoid,  dass  in  dem  Systeme  Silurien  1852  (Seite  69,  Zeile25) 
ausser  den  Colonien  in  der  Bruska,  nur  zweier  Colonien  Erwähnung  geschieht,  einer  bei 
Motol  und  einer  bei  Gross-Kuchel.  Herrn  Barrande  war  also  wohl  damals  keine 
andere  Colonie  bekannt,  und  seine  Kenntniss  war  fortschreitend,  so  wie  er  auch  an  ande- 
ren Orten  frühere  Angaben  zurückgenommen  und  frühere  Irrthümer  als  solche  benannt 
und  verbessert  hat  (vergl.  M.  V.  Lipoid.  Ueber  die  B ar  r a n d e’schen  Colonien  u.  s.  w. 
S.  65).  Wenn  aber  Herr  Barrande  schon  mit  so  grossem  Nachdrucke  kämpft,  so  sollte 
doch  von  seiner  Seite  die  bekannt  gemachte  wissenschaftliche  Grundlage  nicht  fehlen. 
W.  H. 


m 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


213 


Herr  Krejcf  beharrte  in  seinem  Stillschweigen,  während  wir  für  ihn  eine 
Skizze  der  Colonie  Haidinger  zeichneten;  indess  dachten  wir,  unser  freund- 
schaftlicher Rath  werde  bei  der  Fortsetzung  seiner  Forschungen  nicht  ohne 
Früchte  bleiben.  Wie  die  Darstellung  der  Thatsachen  in  ihrer  Reihenfolge  be- 
weisen wird,  waren  wir  indess  damit  im  Irrthum.  Für  diesmal  beginnen  wir 
damit , eine  solche , auf  die  Reweis  - Gruppe  bezügliche  Thatsache  aufzu- 
führen. 

Diese  Thatsache  ist  sehr  einfach  und  besteht  darin,  dass  die  Beweis-Gruppe 
nicht  nur  die  Colonie  Krejcf  (die  wir  im  Jahre  1850  Herrn  Krejcf  gezeigt 
haben)  und  die  Colonie  Haidinger  (die  wir  ihm  im  Jahre  1859  bekannt  gemacht 
haben)  umfasst,  sondern  auch  noch  eine  dritte  Enclave,  die,  gleich  jenen  beiden 
Colonien,  zwischen  die  Gebilde  der  Schichten  db  regelmässig  eingelagert  ist. 

Diese  Enclave,  welche  bisher  nur  aus  einem  Erguss  von  Trapp1)  zu  bestehen 
scheint,  ist  von  den  beiden  benachbarten  Colonien  vollständig  unterschieden; 
schon  aus  dem  einfachen  Grunde,  weil  sie  in  einem  dritten  Horizont,  merklich 
höher  als  jede  der  beiden  Colonien,  gelegen  ist. 

Dieser  Erguss  von  Trapp  nun,  dessen  wir  heute  zum  erstenmal  erwähnen, 
ist  weder  von  Herrn  Krejcf  — ungeachtet  des  freundschaftlichen  Rathes,  den 
wir  ihm  am  4.  November  1859  ertheilt — noch  von  Herrn  Lipoid  — unge- 
achtet seiner  zu  den  kleinsten  Einzelheiten  her  absteigenden  Studien, 
gesehen  worden.  Die  zwei  amtlichen  Karten , in  welche  die  auf  einander 
folgenden  Beobachtungen  dieser  beider  Geologen  eingetragen  sind,  liegen  uns 
vor  und  bestätigen,  dass  der  von  uns  angedeutete  Erguss  dem  einen  wie  dem 
andern  unserer  Widersprecher  entgangen  ist. 

Dies  ist  nun  die  zweite  Probe,  die  die  Benennung  unserer  „Beweis-Gruppe44 
rechtfertigt. 

Wäre  Herr  Lipoid,  jede  vorgefasste  Meinung  bei  Seite  setzend,  wirklich 
Willens  gewesen  die  Frage  über  die  beiden  Colonien  Haidinger  und  Krejcf 
zu  studiren,  so  hätte  er  begriffen,  dass  ihm  zunächst  oblag,  einen  vollkommenen 
Durchschnitt  jeder  derselben  ( au  droit  de  cliacune  d'elles),  nach  der  ganzen 
zur  Darlegung  ihrer  stratigraphischen  Verhältnisse  zu  den  Etagen  D und  E un- 
entbehrlichen wagrechten  und  senkrechten  Erstreckung,  aufzunehmen.  Anstatt 
weit  angelegter  und  deutlich  gezeichneter  Durchschnitte  finden  wir  aber  aut 
seiner  ämtlichen  Durchzeichnung  nur  zwei  kleine  unverständliche  und  verstüm- 
melte Skizzen,  welche  die  Colonien  undeutlich  darsteilen,  ohne  dass  die  Reihe 
der  oberen  und  unteren  Gebilde,  zwischen  denen  sie  eingeschaltet  sind,  und 
deren  Vergleichung  zum  Studium  des  wahren  Ursprunges  dieser  Enclaven  unent- 
behrlich ist,  daraus  ersichtlich  würde.  Sind  das  jene  merkwürdig  schönen 
und  instructiven  Durchschnitte,  die  den  hochachtbaren  Director  Hai- 
dinger bestochen  haben? 

Wir  wollen  noch  bemerken,  dass  wenn  Herr  Lipoid  auf  dem  Terrain  jene 
zwei  Durchschnitte,  die  wir  eben  als  unentbehrlich  bezeichnet  haben,  hätte  machen 
wollen,  er  nicht  fehlen  konnte,  den  Erguss  zu  durchschneiden  und  zu  sehen, 
dessen  Existenz  wir  ihm  heute  bekannt  geben. 


4)  Ist  denn  der  unorganische  „Trapp“  auch  in  dem  Begriff  einer  Colonie  enthalten?  Bezie- 
hen sich  die  Colonien  nicht  auf  Organisches,  auf  Faunen — angeblich  früher  ein- 
gevvandert,  und  dann  wieder  von  Schichten  mit  Formen  älterer  Faunen  überdeckt,  bis 
endlich  die  neue,  erst  als  Colonie  erschienene  Fauna  die  herrschende  wurde?  Wie  soll 
man  sich  denn  eine  Wanderung  von  „Trapp“  vorstellen.  Man  hat  in  Wien  diese  Stelle 
in  Herrn  Barrand  e’s  „ Defense “ mit  Erstaunen  und  Befremden  wahrgenommen.  W.  H. 


214 


Aus  Herrn  J.  Barrande's  Schrift: 


[8] 

Ist  die  Lage  dieses  Ergusses  so,  dass  topographische  Umstände  die  An- 
näherung den  Forschern  beschwerlich  oder  gefahrvoll  machen  würden?  Keines- 
weges.  Dieser  Erguss  liegt  ganz  einfach  auf  der  Fahrstrasse  von  Gross-Kuehel 
nach  Lochkow.  Sein  östliches  Ende  liegt  kaum  über  400  — 500  Meter  von 
Gross-Kuchel,  und  von  da  an  kann  man  die  Trappe  in  den  kleinen  Rissen  längs 
der  Strasse  in  einer  Länge  von  etwa  150  Meter  und  in  einer  Breite  von  6 — 8 Me- 
ter stetig  verfolgen.  Die  jenseits  dieser  Grenze  bedeckte  Oberfläche  hat  uns 
nicht  erkennen  lassen,  ob  diese  Trappe  — gleich  jenen  der  benachbarten 
Colonien  — von  Graptolithen-Schiefern  — begleitet  sind. 

Der  Erguss  — so  weit  er  sichtbar  ist  — hält  eine  mit  der  Colonie  Krejci 
parallele  Richtung  ein  und  ist  von  dieser  durch  einen  horizontalen  Abstand  ge- 
trennt, den  wir  auf  150  Meter  schätzen,  was  ungefähr  100  Metern  senkrechten 
Abstandes  in  der  Reihe  der  Gebilde  der  Schichten  d 5 gleichkömmt.  In  Anbe- 
tracht dieser  guten  Nachbarschaft  und  des  thätigen  Aritheils,  den  Herr  Krejci 
an  der  Beleuchtung  („Illustration“)  unserer  Colonien  nimmt,  werden  wir  diese 
neue  Enclave  als  „Erguss  Krejci“  bezeichnen. 

Nach  der  Nähe,  die  wir  früher  (Bullet.  XVII , p.  606 , i860)  zwischen 
den  Colonien  Haidinger  und  Krejci  festgestellt  haben , ist  es  nicht  mehr 
nöthig,  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  der  Erguss  Krejci  gleichfalls  in 
geringer  Entfernung  von  der  Colonie  Haidinger  liegt.  Der  Abstand  zwischen 
beiden  mag  auf  300  — 400  Meter  geschätzt  werden.  So  bilden  denn  jene  drei, 
in  wagrechter  wie  in  senkrechter  Richtung  einander  verhältnissmässig  so  nahe 
liegenden  Enclaven  eine  naturgemässe  Gruppe,  die  eben  unsere  Beweis- 
Gruppe  ist. 


Fünftes  Capitel. 

Folgerungen  aus  der  Erscheinung  des  Ergusses  „Krejci“. 

Aus  der  unverwarteten  Erscheinung  des  Ergusses  Krejci  fliessen  wichtige 
Folgerungen,  deren  Betrachtung  uns  noch  obliegt,  und  zwar  zuerst  in  strati- 
graphischer, dann  in  moralischer  Hinsicht. 

1.  In  stratigraphischer  Hinsicht. 

Wir  bringen  in  Erinnerung,  dass  beim  Beginn  dieser  Debatte  im  Jahre  1859 
Herr  Krejci,  der  von  der  Beweis-Gruppe  nur  die  nunmehr  nach  ihm  benannte 
Colonie  kannte,  diese  Enclave  als  die  Wirkung  einer  Dislocation  zu  erklären 
vermeinte.  Diese  Auffassungsweise  findet  noch  ihren  Ausdruck  auf  dem  Theil 
der  General-Karte  unseres  Beckens,  die  nach  Herrn  Krejci’ s Arbeiten  colorirt 
und  unterm  10.  September  1860  von  Herrn  Director  Haidinger  von  Amts- 
wegen als  authentisch  unterzeichnet  worden.  Wir  sehen  auf  dieser  Karte,  parallel 
der  SO.-Begrenzung  unseres  grossen  Kalkstockes,  einen  Streif  Quarzite  colorirt 
als  Schichten  des  Berges  Brda  oder  Brdiwald,  d.  h.  als  gehörten  sie  zu 
unserer  Quarzitstufe  d1 *  3.  Diese  Stufe  wäre  also  durch  eine  Kluft  („ faille u) 
gehoben  und  zu  Tag  gebracht,  und  zwar  in  einer  stetigen  Längenerstreckung 
von  23.000  Meter  von  der  Umgebung  von  Mnienan  bis  nahe  an  Gross-Kuchel, 
d.  h,  bis  zu  den  beiden  Colonien  Haidinger  und  Krejci. 

Mit  grossem  Erstaunen  finden  wir  auf  der  ämtlichen  Karte  jene  An- 
gabe, die  mit  Herrn  Lipoid  s Special-Karte  im  offensten  Widerspruche  steht. 
In  der  That  hat  dieser  Chef-Geologe  ganz  richtig  erkannt,  dass  die  fraglichen 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


215 


[9] 


Quarzite  ein  Gebilde  unserer  Stufe  dh  darstellen,  und  hat  er  ihnen  die  Benennung 
„Kosso  wer  S ch  i chte n“  gegeben,  während  er  die  schiefrige  Ablagerung 
dieser  Stufe  „Königshofer  Schichten“  nennt. 

Nachdem  Herr  Lipoid  das  Gebiet  durchgangen  hatte,  fand  er  sich  ge- 
nöthigt  die  erste  Idee  von  Dislocationen,  die  nach  Herrn  Krejci  die  Scheinbilder 
(simulacres ) unserer  Colonien  hervorgebracht  haben  sollten,  wieder  aufzugeben. 
Gedrängt  wurde  er  zu  dieser  Aufgeburig  durch  die  Nothwendigkeit  zugleich 
zwei  Colonien,  jede  auf  einen  andern  gesonderten  Horizont  gelegen,  zu  erklären, 
ansatt  der  einzigen,  welche  Herr  Krejci  vor  sich  hatte. 

Herr  Lipoid  erwähnt  also  weiter  nichts  mehr  von  Herrn  Krejci’ s Dis- 
locationen  und  substituirt  ihnen  einfach  die  beiden  oben  erwähnten  synklinischen 
Falten. 

Herrn  Lipold’s  Arbeiten  haben  mithin  zugleich  ein  doppeltes  und  beson- 
deres Verdienst.  Einerseits  stellen  sie  fest,  dass  Herrn  Krejcfs  stratigraphische 
Auffassungen  auf  keinen  wirklichen  Grund  beruhen  und  sich  vollständig 
illusorisch  gezeigt  haben,  wie  es  Herr  Haidinger  mit  Strenge  aus- 
spricht. Andererseits  bestätigen  sie  vollständig  Herrn  Krejcfs  schliessliche 
Ansichten,  nämlich:  dass  unsere  beiden  Colonien  nichts  sind,  als  von  uns  ver- 
kannte abgerissene  Theile  unterer  Etage  E. 

Für  wie  viel  Tage  hat  Herrn  Lipold’s  Auffassung  der  beiden  synklini- 
schen Falten  Herrn  Krejcfs  schliessliche  Ansichten  bestätigt? 

Ohne  für  jetzt  — aus  den  bereits  angegebenen  Gründen  — auf  die  eigent- 
liche Basis  dieser  Frage  einzugehen,  wollen  wir  nur  bemerken,  dass  Herr 
Lipoid,  der  in  unserer  Beweis-Gruppe  nur  die  beiden  fraglichen  Colonien 
kannte,  nur  daran  gedacht  hat,  zwei  synklinische  Faltungen  anzunehmen,  deren 
jede  Einer  dieser  Enelaven  entspricht.  Die  Colonie  Krejci,  in  einem  dritten 
Horizont  oberhalb  jenes  jeder  dieser  beiden  Colonien  liegend,  bleibt  eben  so 
ausser  dem  Bereich  der  beiden  Falten  des  Herrn  Lipoid,  wie  ausser  dem  der 
Verwerfung  („faille“)  des  Herrn  Krejci. 

Wenn  indess  unsere  Gegner  das  System  der  Faltungen  ernsthaft  aufrecht 
erhalten  wollen,  so  ist  offenbar  zur  Erklärung  des  Ergusses  Krejci  die  Annahme 
einer  dritten  Falte  unentbehrlich. 

In  der  That  muss  man  beachten,  dass  Herr  Lipoid,  behufs  der  Feststellung 
einer  vermeintlichen  Verbindung  zwischen  seinen  Falten  und  den  Colonien 
Haidinger  und  Krejci,  den  Trapp-Ergüssen  eine  sehr  wichtige  Rolle  zu- 
weist. Wir  wollen  hier  die  auf  seiner  Karte,  rechts  von  Wonoklas  und  Czerno- 
schitz  angegebenen  anführen.  Der  Erguss  zunächst  Wonoklas  zeigt  uns  übrigens 
ein  Beispiel  der  Willkürlichkeiten  4)  dieses  Geologen,  der,  ein  sehr  winziges 
Vorkommen  von  Trapp  nach  Belieben  vergrössernd , ihm  eine  Länge  von  1.200 
Meter  und  eine  Breite  von  150  Meter  gibt,  von  welchen  beiden  an  Ort  und  Stelle 
nichts  zu  sehen  ist.  Wenn  aber  in  derümgebung  von  Czernoschitz  und  Wonoklas 
die  Trapp-Ergüsse  den  Faltungen  entsprechen  representent“),  warum  sollte 
der  Erguss  Krejci  in  der  Nähe  von  Gross- Küchel  nicht  auch  dies  Vorrecht 
theilen?  Die  dritte  synklinische  Faltung  ist  mithin  unentbehrlich.  Wenn  Herr 
Lipoid  im  Jahre  1860,  zur  Zeit  da  er  seine  Durchforschung  vornahm,  den 


0 Während  Herr  Barrande  die  Coulee  Krejci  mit  Ostentation  einführt,  läugnet  er  bis 
auf  ein  Minimum,  ein  element  exigu  de  trap  die  Colonie  Wonoklas,  welche  allerdings  nach 
Herrn  Lipoid’ s Mittheilung  sichtbar  genug  ist,  wenn  auch  auf  der  Karte  etwas  grösser 
dargestellt.  Aber  aueb  dafür  wird  man  billig  den  Inhalt  der  Anmerkung  auf  Seite  23 
beherzigen,  die  freilichHerr  Barrande  für  sein  vorschnelles  Urtheil  zu  späterhielt.  W.  H. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft.  28 


216 


Aus  Herrn  .1.  Barrande’s  Schrill: 


[10] 

Erguss  Krejcf  gekannt  hätte,  kann  man  wohl  annehmen,  dass  er,  um  ihn  zu 
erreichen  („ pour  V atteindre“)  eine  dritte  synklinische  Faltung  entdeckt  hätte, 
oder  auch  irgend  eine  andere,  auf  die  drei  über  einander  liegenden  Horizonte 
unserer  Beweis-Gruppe  gleich  anwendbare  Combination. 

Heute  noch  die  so  unvorhergesehene  Ungenügendheit  des  Systems  der 
zwei  Falten  gut  machen  zu  wollen,  wäre  ein  sehr  heikliches  Unternehmen. 
Man  begreift  in  der  That,  dass,  wenn  Herrn  Lipold's  Forschungen,  mit  An- 
wendung der  geometrischen  Behelfe  der  Markscheidekunst  in  ihrer  gröss- 
ten Genauigkeit  und  mit  der  gründlichen  Erfahrung  eines  Bergrathes,  ihm  auf 
dem  durchforschten  Gebiet  nur  zwei  synklinische  Faltungen — und  nicht  mehr — 
haben  finden  lassen,  er  in  seinen  Erinnerungen  wohl  kaum  eine  dritte  wieder- 
finden würde.  Wären  auch  die  Aufzeichnungen  über  seine  Beobachtungen 
elastisch  genug,  um  sich  dieser  nachträglichen  und  verspäteten  Entdeckung 
anzupassen,  würde  er  sich  nicht  bedenken,  im  Angesicht  der  wissenschaftlichen 
Welt  das  zu  Gunsten  seiner  ersten  Aussprüche  durch  die  vielfachen  Zeugnisse 
des  hochachtbaren  Directors  Haidinger  so  laut  geforderte  Vertrauen  selbst 
zu  schwächen? 

So  bringt  eine  scheinbar  unbedeutende  Thatsache,  das  unvorhergesehene 
Auftreten  des  Ergusses  Krejcf,  Störung  in  das  neue  Angriffs-System  unserer 
Gegner.  Bevor  noch  die  regelmässige  Darstellung  dieser  Auffassung  uns  vor- 
liegt, erheben  sich  schon  Zweifel  über  die  Frage:  ob  diese  Auffassung  durch 
eine  dritte  Falte  vervollständigt  werden  könne,  oder  ob  sie  — gleich  dem 
System  der  Dislocationen  — wieder  aufgegeben  werden  soll,  um  einem  dritten 
System  das  Feld  zu  räumen  ? 

Ist  dies  wohl  die  Weise,  in  der  sich  das  Kriterium  der  Wahrheit  kund 
gibt?  ') 


2.  ln  moralischer  Hinsicht. 

Der  Erguss  Krejcf  zeigt  das  erste  Glied  („ terme “)  der  Reihe  von  unbe- 
greiflichen Nachlässigkeiten,  schweren  Irrthiimern  und  unerhörten  Willkürlich- 
keiten,  die  wir  oben  an  Herrn  Lipo I d’s  Arbeiten  hervorgehoben  haben.  Die 
folgenden  Glieder  dieser  Reihe  sollen  sich  nun  allmälig  vor  den  Augen  unserer 
Leser  entwickeln. 

Dass  die  Herren  Krejcf  und  Lipoid,  einer  nach  dem  andern,  bei  dem 
Erguss  Krejcf  wiederhohlt  vorbeigegangen  sind,  ohne  ihn  wahrzunehmen,  ist 
eine  Thatsache,  die  — wenn  sie  verein«elt  dastände  — für  zufällig  gelten 
könnte,  — und  wir  würden  der  Erste  sein,  unsere  Gegner  zu  entschuldigen  und 
sie  über  ihr  Missgeschick  zu  trösten. 

Nun  aber  verhält  sich  die  Sache  ganz  anders. 

Der  Erguss  Krejcf  ist  in  der  That  nicht  die  einzige  Enclave,  die  Herrn 
Lipold’s  Entdeckungen  entgangen  wäre. 


ln  Bezug  auf  diese  Erörterungen  sei  es  gestattet  zu  bemerken , worauf  mich  Herr 
Lipoid  besonders  aufmerksam  macht,  dass  Herr  Barrande  sich  des  Ausdruckes 
bedient  uniquement  deux  plis,  während  Lipoid  selbst  in  seiner  Abhandlung,  welche 
freilich  Herrn  Bar  ran  de,  als  er  seinen  Angriff  schrieb,  noch  nicht  vorlag,  sich  Seite  34, 
Zeile  2 des  Ausdruckes  bedient:  „hauptsächlich  zwei  grosse  Faltungen  und 
U eb  er  sc  hi  ebungen“,  und  Seite  37,  Zeile  12  „h  au  p t sächlich  zwei  Züge“  u.  s.  w. 
Die  Möglichkeit  mehrerer  Falten  und  mehrerer  Züge  bleibt  da  noch  immer  offen,  ln  dem 
Profile  P Q,  Tafel  I sind  auch  in  der  That  drei,  in  dem  Profile  RST  Tafel  I sogar  vier 
Falten  angedeutet.  Und  Alles  dies  ganz  unabhängig  und  lange  bevor  uns  Herrn  B a l— 
rande’s  Ausstellungen  zukamen. 


[11] 


, Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


217 


Wir  verkünden  von  heute  an,  dass  deren  noch  sieben  andere  existiren, 
welche  innerhalb  des  Gebietes,  das  dieser  Geologe  bis  in  die  kleinsten 
Einzelheiten  studirt  haben  soll,  seiner  Aufmerksamkeit  entgangen  sind; 
mithin  im  Ganzen  acht  Enclaven,  die  Herr  Lipoid  nicht  wahrgenommen  hat. 
Dies  bestätigt  uns  seine  vor  uns  liegende  detaillirte  Karte. 

Diese  acht  Enclaven  sollen,  eine  nach  der  andern,  in  unseren  nächsten 
Publicationen  beschrieben  werden.  Bei  dieser  Gelegenheit  bitten  wir  die  Gelehr- 
ten, nicht  ausser  Acht  zu  lassen,  dass  wir  keineswegs  behaupten,  mit  dieser 
Ziffer  8 unser  letztes  Wort  ausgesprochen  zu  haben.  Wir  wollen  ihnen  vielmehr 
anvertrauen,  dass  uns  noch  ein  kleiner  Rückhalt  bleibt,  welcher  im  Nothfall  der 
Genauigkeit  künftiger  Forschungen  zur  Probe  dienen  soll  — Reserven  haben 
Schlachten  gewonnen  *). 

Wir  wollen  nun  bemerken,  dass  Herr  Lipoid,  um  die  Verbindungen  zwischen 
dem  Ende  seiner  synklinischen  Falten  und  unseren  beiden  Colonien  Hai- 
dinger  und  Krejcf  herzustellen,  auf  seiner  Karte  sieben  Enclaven  angegeben 
hat.  Nimmt  man  aber  von  dieser  Zahl  vorerst  jene  dieser  Enclaven  weg,  die  in 
Wirklichkeit  gar  nicht  bestehen,  dann  jene,  die  Herrn  Lipoid  durch  Herrn 
Krejcf  bezeichnet  worden  sind,  so  könnte  man  wohl  fragen  : worin  denn  eigent- 
lich die  Entdeckungen  bestehen,  die  aus  einer  amtlichen  Durchforschung, 
welche  als  so  bewunderungswürdig  angekündiget  wurde,  hervorgegangen  sind* 2 3). 

Endlich  haben  wir  noch  zu  bemerken,  dass  unter  den  acht  Enclaven, 
welche  dieser  Muster-Durchforschung  entgangen  sind,  sich  einige  befinden,  die 
in  der  verticalen  Reihenfolge  der  Formationen  eine  — wir  möchten  gerne 
sagen:  providentielle  — Stellung  einnehmen,  so  viel  Licht  verbreitet  sie  über 
die  wirkliche  Beschaffenheit  der  Colonien  Haidinger  und  Krejcf.  Wir  könnten 
demnach  sagen,  Herr  Lipoid  habe,  indem  er  die  Entdeckung  dieser  Enclaven 
verfehlte,  in  der  That  zugleich  die  Heerstrasse  des  Lichtes  und  der  Wahrheit 
verfehlt 3). 

Kurz  zusammengefasst : Die  Zahl  der  acht  Enclaven,  deren  Existenz  wir 
gegenwärtig  ankünden  und  von  denen  Herr  Lipoid  nichts  wusste,  und  die  hohe 


*)  Wohl  darf  ich  gestehen,  dass  meinen  Ansichten  und  Neigungen  Herrn  Barrand  e’s 
System  der  Naturf  or  schun  g mit  Reserven  durchaus  widerstrebt,  nach  Grund- 
satz und  Ausführung.  Unsere  Arbeit,  durch  die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt,  geschieht  offen  am  Tage  und  ehrlich,  was  wir  gefunden  wird  mitgetheilt,  und 
jeden  Tag  sind  wir  bereit  Besseres  an  die  Stelle  des  Guten  zu  setzen  — Le  mieux  est 
Vennemi  du  bien  — so  bald  es  uns  bekannt  wird.  Wo  bleibt  aber  bei  der  Methode  der 
Hinterhalte  oder  Rückhalte  — des  re'serves  — in  dem  gegenwärtigen , von  Herrn  B ar- 
rande  dem  Gesichtspunkte  der  Moral  gewidmeten  Abschnitte  — die  Moral?  W.  H. 

2)  Ich  muss  hier  wohl  in  das  Gedächtniss  rufen,  dass  Herrn  Lipoid,  nebst  der  allgemeinen 
Aufgabe  der  geologischen  Aufnahme  nur  die  Aufgabe  vorlag,  „an  Einer  der  „Colonien“ 
wo  Herr  Professor  Krejcf  eine  von  der  des  Herrn  Barrande  verschiedene  Ansicht  sich 
gebildet  hat,  alle  Verhältnisse  so  genau  zu  untersuchen  und  hinlängliche  Aufsammlungen 
von  Fossilresten  einzuleiten,  um  zu  einem  sicheren  Schlüsse  zu  gelangen,  so  dass  kein 
Zweifel  übrig  bleibt.“  (Jahrb.  1861  und  1862  I.  S.  2.  Siehe  auch  Defense  pag.  18,  oben 
Seite.)  Mit  einem  einzigen  Punkt,  aber  der  über  jeden  Zweifel  gewonnen  sein  sollte, 
konnten  wir  uns  begnügen,  um  auf  Anderes  zu  schliessen.  Ich  hätte  nicht  verlangen 
können,  Herr  Lip o 1 d solle  Alles  genau  studiren,  am  wenigsten  aber  alle  Barrande- 
schen Hinterhalte  auffinden.  Uebrigens  enthält  ja  auch  Herrn  Lipold’s  Abhandlung 
bereits  eine  Stelle(Seitelö)  worin  er  ausdrücklich  der  Möglichkeit  gedenkt,  er  habe  nicht 
alle  zwischen  Küchel  und  Litten  den  Colonien  ähnliche  Erscheinungen  in  seiner  Aufzählung 
erschöpft.  Herrn  Barr  and  e’s  Beschuldigung  war  also  doch  etwas  zu  schnell  abgefasst. 

3)  Ich  sehe  auch  hier  wieder  die  Moral  nicht  ein,  mit  welcher  Herr  Barrande  uns  und 
dem  gesammten  geologischen  Publicum  „Licht  und  Wahrheit“  vorenthält.  W.  H. 

28  * 


218 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


[12] 


Wichtigkeit  einiger  derselben,  genügen  wohl  zur  Charakterisirung  dessen,  was 
wir  oben  die  unbegreiflichen  Nachlässigkeiten1)  dieses  Reichs-Geo- 
logen bezeichnet  haben. 

Nachdem  wir  so  durch  Thatsachen  die  Anwendnng  dieser  Ausdrücke 
gerechtfertigt  haben,  sind  wir  der  Mühe  enthoben,  das  Maass  des  Vertrauens  zu 
würdigen,  welche  die,  durch  Herrn  Director  Haidinger  den  Forschungen  des 
Herrn  Lipoid  so  bestimmt  zugeschriebene  Genauigkeit  einzuflössen  vermag. 

Im  Laufe  der  demnächst  folgenden,  zur  Verteidigung  unserer  Colonien 
dienenden  Publicationen  werden  wir  eben  so  durch  unbestreitbare  Thatsachen 
erweisen,  dass  wenn  wir  in  der  Arbeit  dieses  Grosswürdeträgers  der  Geologie 
schwere  Irrthümer  und  unerhörte  Wil  1k  ür  I ich  ke  i te  n bezeichneten 
wir  damit  weder  die  Grenzen  der  Gerechtigkeit,  noch  jene  der  Mässigung  über- 
schritten haben. 

Sechstes  Capitel. 

Zusammenfassung.  — Stand  der  Frage. 

Es  ist  von  Wichtigkeit,  gegenwärtig  den  Gegenstand  dieser  Debatte  in 
klaren  und  bestimmten,  keiner  Zweideutigkeit  Raum  gebenden  Worten  festzu- 
stellen : 

Wir  unterscheiden  zwei  Fragen: 


I.  Hauptfrage:  Gibt  es  Colonien? 

In  unserer  Denkschrift  vom  1860,  betitelt:  Colonies  etc.  haben  wir  unsere 
Lehre  über  diese  Erscheinungen  vor  allem  auf  die  Thatsachen  gegründet,  die 
uns  die  Colonie  Zippe  geliefert  hat,  und  diese  Thatsachen  betrachten  wir  als 
unbestreitbar.  (Bull.  Soc.  ge'ol.  de  France.  XVII , p.  615.) 

Nun  sind,  bis  an  den  heutigen  Tag,  diese  Thatsachen  von  Niemanden  be- 
stritten worden.  Wir  haben  selbst  oben  die  deutlichen  Worte  angeführt,  mit 
denen  sie  Herr  Hofrath  Haidinger  als  vollkommen  festgestellt  anerkennt. 

Mithin  ist  unsere  Lehre  von  den  Colonien  — sollte  sie  sich  auch  nur  allein 
auf  die  Betrachtung  der  Colonie  Zippe  stützen  — fest  begründet. 

Die  Hauptfrage:  Gibt  es  Colonien?  ist  mithin  bejahend  gelöst  und 
steht  ausserhalb  jeder  Erörterung  2). 

II.  Nebenfrage:  Verdienen  die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“  diese  Benennung. 

In  derselben  Denkschrift  haben  wir  auch  die  beiden  Colonien  Haidinger 
und  Krejci,  als  könnten  sie  gleichfalls  unsere  Lehre  begründen, 
beschrieben. 


*)  Da  die  ursprüngliche  Aufgabe  nicht  mehr  als  Eine  der  bisher  bezeichneten  Colonien  um- 
fasste, so  entfällt  wohl  für  meinen  hochverehrten  Freund  Lipoid  der  Vorwurf  dieser 
Ausdrücke,  welche  ich  in  der  Note  nicht  wiederhole,  so  wenig  als  ich  überhaupt  Herrn 
ßarrande’ s doch  gar  zu  salbungsvollen  Auseinandersetzungen  nachzuahmen  wünsche. 
W.  H. 

2)  Sätze,  noch  so  fest  begründet,  sind  in  den  Naturwissenschaften  doch  noch  nicht  der 
ferneren  Beurtheilung  gänzlich  entrückt.  Es  besteht  doch  noch  ein  Unterschied  zwischen 
dem  Ergebnisse  naturwissenschaftlicher  Forschung  und  einem  „Glaubensartikel“.  W.  H. 


[13] 


.Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w- 


219 


lieber  diese  Nebenfrage  haben  sich  die  gegenwärtigen  Debatten  erhoben,  wie 
es  der  Wortlaut  des  oben  angeführten  Berichtes  Herrn  Haidinger’s  bezeugt. 

Nach  Durchforschung  der  Zone,  in  der  unsere  Colonien  Haidinger  und 
Krejcf  liegen,  erklärt  nun  Herr  Chef-Geologe  Lipoid,  dass  die  zwei  Enclaven 
nur  abgerissene  Stücke  unserer  untern  Kalk-Etage  E darstellen,  die  zufällig  in 
die  Falten  der  Gebilde  der  Stufe  db  (welche  unsere  Quarzit-Etage  D nach 
oben  abschliesst)  eingeschlossen  sind.  Nach  dem  Bericht  dieses  Forschers  vorn 
11.  December  1860  können  die  Gründe,  die  er  gegen  unsere  Colonien  vorbringt, 
in  Folgendes  zusammengefasst  werden: 

1.  In  der  Gegend  von  Litten  und  Mnienian,  nicht  weit  von  Karlstein,  sieht 
man  den  Ursprung  zweier  synklinischer  Falten,  von  den  ihnen  entsprechenden 
antiklinischen  Falten  begleitet. 

Jede  dieser  synklinischen  Faltungen  besteht  aus  zwei  parallelen  Zügen 
von  Trapp,  die  zwischen  einander  einen  Mittelzug  von  Graptolithen-Schiefern 
einschliessen. 

Wir  setzen  noch  hinzu,  dass  in  der  vor  uns  liegenden  Karte  HerrnLipol  d’s 
diese  drei  in  der  Etage  E entspringenden  Züge  für  jede  dieser  Falten  auf  einer 
Längenstrecke  von  etwa  11.000  Meter  gegen  NO. — d.  i.  von  der  Umgebung 
von  Litten  an  bis  nahe  an  das  Dorf  Wonoklas,  wo  sie  sich  in  eine  Spitze  aus- 
zuschneiden scheinen  — in  grosser  Regelmässigkeit  und  ununterbrochenem  Ver- 
lauf angegeben  sind. 

2.  Wenn  man  aber  von  Wonoklas  aus  weiter  nach  NO.  fortschreitet, 
bleiben  diese  beiden  synklinischen  Falten  noch  erkennbar  an  ihren  Spuren,, 
nämlich  an  einer  Reihe  vereinzelter  Enclaven,  die  in  Allem  den  Colonien  analog 
und  auf  eine  Längsstrecke  von  etwa  11.000  Meter  — d.  h.  bis  nahe  an  Gross- 
Kuchel  — vertheilt  sind. 

3.  Die  Reihe  dieser  Enclaven,  bald  einfach,  bald  doppelt,  führt  genau 
zu  den  beiden  Colonien  Haidinger  und  Krejcf.  Diese  Colonien  sind  also  nur 
abgerissene  Stücke  der  Etage  E. 

Diesen  Behauptungen  stellen  wir  folgende,  diametral  widersprechende  Be- 
hauptungen entgegen: 

1.  Die  vermeintlichen  synklinischen  und  antiklinischen  Falten,  wie  sie 
Herr  Lipoid  auffasst,  existiren  nicht. 

2.  Will  man  auch  ohne  Grund  die  Existenz  dieser  Falten,  unter  irgend 
einer  Gestalt  oder  Entwicklung,  annehmen,  so  stehen  sie  weder  in  Hinsicht  auf 
ihren  Ursprung  noch  in  ihrer  Beschaffenheit  in  irgend  welcher  Verbindung,  sei 
es  nun  mit  den  Enclaven,  die  Herr  Lipoid  als  deren  NO.  Verlängerung  ansieht, 
sei  es  mit  unseren  Colonien  Haidinger  und  Krejcf. 

3.  Mit  einem  Worte:  Diese  Colonien  sind  weder  aus  Faltungen,  noch  aus 
Dislocationen,  noch  aus  irgend  einem  andern  natürlichen  Vorfall  accident “) 
erklärlich.  Sie  repräsentiren  in  Wirklichkeit  die  theilweise  und  anticipirte 
Coexistenz  unserer  dritten  Fauna  mit  unserer  zweiten,  eben  so  wie  wir  es  in  der 
Colonie  Zippe  finden. 

Die  Erörterung  dieser  einander  so  schroff  entgegenstehenden  Behauptungen 
werden  wir  erst  dann  beginnen  können,  wenn  Herr  Lipoid  seine  Karte,  seine 
Profile  und  seine  Denkschrift  in  extenso  veröffentlicht  haben  wird;  denn  die 
speciellen  Einzelheiten,  in  die  wir  dabei  eingehen  müssen,  werden  nur  ver- 
ständlich, wenn  diese  Behelfe  den  Lesern  sichtbar  vorliegen. 

Wir  beschwören  demnach  Herrn  Director  Ha i dinge r und  Herrn  Chef- 
Geologen  Lipoid,  sobald  als  möglich  diese  ämtlichen  Documente  in  ihrer 
ursprünglichen  Inte  grit  ät  zu  veröffentlichen. 


220 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


[14j 

Sollten  diese  Documente  nicht  in  kurzer  Frist  und  in  der  ganzen  von  uns 
erheischten  Integrität  veröffentlicht  werden,  so  wäre  diese  Thatsache  an  und  für 
sich  jedem  Einsichtigen  ein  Beweis,  dass  Herrn  Lipoid’ s Behauptungen 
illusorisch  und  nicht  aufThatsachen  begründet  sind  ‘)- 

Inzwischen  werden  wir,  um  die  Elemente  der  Erörterung  vorzubereiten, 
einige  vereinzelte  Thatsachen  darstellen,  wie  jene,  welche  wir  eben  bezüglich 
der  Beweis-Gruppe  namhaft  gemacht  haben  und  die  für  sich  allein  genügen 
würde,  das  System  der  zwei  synklinischen  Falten  umzustossen. 

Unserer  Gepflogenheit  gemäss  und  um  die  Erinnerung  unserer  Dankbarkeit 
gegen  Herrn  Lipoid  für  seine  — wo  nicht  freiwillige,  doch  sehr  wirksame  — 
Mitarbeit  an  dem  mühsamen  Werke  der  Erläuterung  („Illustration“)  unserer 
Colonien  im  Gedächtniss  zu  erhalten,  wollen  wir  diesen  Umstand  benützen,  um 
seinen  Namen  unauslöschlich  auf  zwei  Enclaven  der  von  ihm  durchforschten  Zone 
einzuschreiben.  Wir  werden  also  diese  Enclaven  zu  gelegener  Zeit  unter  den 
Benennungen:  Colonie  Lipoid  und  Erguss  Lipoid  beschreiben. 

Nemo  indonatus  abibit.  Virg. 

Prag  am  25.  November  1861.  J.  Barrande. 


Schliissbemerkungen  von  W.  Haidinger. 

Wenn  wir  den  Kern  des  hier  in  der  Uebersetzung  gegebenen  Abschnittes 
von  Herrn  Barrand  e's  Brochüre  „ Defense  des  Colonies“  herauszuziehen 
suchen,  so  besteht  er  eigentlich  aus  zwei  Theilen. 

Der  erste  Theil  enthält  die  Bekanntmachung  eines  „Trapp-Ergusses,  couUe 
Krejci“  in  der  Nähe  der  „Colonie  Krejci“  — mit  allen  Ansprüchen  umgeben, 
welche  von  organischen  Formen  herrühren  könnten.  Da  er  ganz  unorganischer 
Natur  ist,  so  bezieht  er  sich  eigentlich  gar  nicht  auf  die  in  Bede  stehende 
Frage.  Der  zweite  Theil  läugnet  geradezu  Herrn  Lipold’s  synklinische  und 
antiklinische  Faltungen;  da  dies  aber  gerade  nur  eine  einfache  Verneinung  ist,  so 
erscheint  dadurch  die  Frage  auch  nicht  weiter  gefördert.  Dazu  kommt  aber  eine 
grosse  Reihe  von  Darstellungen  der  Sachlage,  welche  wenig  der  Ruhe  des 
wahren  Naturforschers,  dem  nicht  seine  eigene  Meinung,  sondern  der  Zweck 
der  Erkenntniss  der  Natur  das  Höchste  ist,  entspricht.  Von  Achtung  der  Männer, 
welche  eine  von  Herrn  Barrande  abweichende  Meinung  gefasst,  findet  sich 
nicht  einmal  eine  Andeutung,  wohl  aber  augenscheinlich  vom  Gegentheil. 

Dennoch  schliesst  Herr  Barrande  seine  Schrift  mit  dem  Versprechen  — 
aber  man  sollte  es  besser  eine  Drohung  nennen — er  werde,  wie  er  bereits  eine 
„Colonie“  und  eine  „ Coidee  Krejci“  hat,  gewisse  Enclaven  demnächst  unter  den 
Namen  „ Colonie  Lipoid “ und  „Coidee  Lipoid “ bekannt  machen. 


*)  Ich  bemerke  nichts  weiter  zu  dieser  wiederholten  Beschwörung,  als  dass  Alles,  was 
Herr  Barrande  verlangt,  so  gut  es  uns  möglich  war  dem  wissenschaftlichen  Publicum 
vorgelegt  worden  ist.  Wir  erwarten  auch  seine  eigenen  ferneren  Vorlagen,  und  er  wird 
es  uns  wohl  nicht  übel  deuten,  wenn  auch  wir  uns  selbst  zu  dem  wissenschaftlichen 
Publicum  zählen,  welchem  sie  zur  Beurtheilung  vor  liegen  werden.  W.  H. 


[IS] 


.Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


221 


Auch  hier  sehe  ich  mich  veranlasst,  noch  ein  Wort  meiner  eigenen  Ansicht 
hinzuzufügen.  Diese  Ansicht  geht  dahin,  dass  Herr  Lipoid  eine  viel  sprechen- 
dere und  wissenschaftliche  Art  der  Bezeichnung  nach  Localitäten  gewählt  hat, 
indem  er  von  Colonien  „Radotin“,  „Kosor“,  „Cernositz“,  „Wonoklas“  u.  s.  w. 
spricht.  Diese  erinnern  uns  an  einfache,  redliche,  wissenschaftliche  Forschung. 
Die  von  Herrn  Barrande  gewählten  Namen  nach  Personen  sind  nicht  nach  den 
Grundsätzen  gewählt,  welche  uns  als  Beispiele  in  der  Geschichte  der  Entwicke- 
lung der  Wissenschaften  nach  allen  Richtungen  vorliegen.  Ich  habe  selbst  seit 
früher  Zeit  Veranlassung  gefunden  und  sie  ich  darf  wohl  sagen,  mit  frohem,  dank- 
baren Herzen  geübt,  für  verschiedene  Mineralspecies  Namen  in  Beziehung  auf  hoch- 
verehrte Gönner,  Lehrer  und  Freunde  vorzuschlagen,  so Ankerit,  Berthierit , Bornit , 
Braunit , Breithauit,  Breunnerit , Dopplerit , Edingtonit , Fergusonit , Hauerit , 
Hausmannit , Herderit , Hörnesit  und  andere.  So  sehen  wir  die  Gepflogenheit 
auch  in  anderen  naturwissenschaftlichen  Zweigen.  Hätte  sich  Herr  Barrande 
diesem  Verfahren  bequemt,  wir  hätten  jetzt  eine  „Colonie  Verneuil“,  „Colonie 
Murchison“,  „Colonie  Lyell“,  „Colonie  Bronn“,  „Colonie  Agassiz“  u.  s.  w.,  und 
jede  weitere  Namengebung  würde  als  Zeichen  der  Hochachtung  gelten.  Allein 
er  verfolgt  einen  ihm  ganz  eigenthümlichen  Weg,  analog  einem  Verfahren  etwa, 
wie  das,  wovon  der  Bericht  uns  übrig  blieb,  von  dem  Carcer  in  Altorf,  und  wie 
dieser  genannt  werden  sollte,  für  dessen  ersten  Bewohner  im  Studentenkragen 
Wallenstein  seiner  Zeit  bestimmt  war.  Herr  Barr  and  e sucht  die  Zweifel 
an  seiner  Unfehlbarkeit  durch  Spott-  oder  Straf-Colonienin  Erinnerung 
zu  erhalten.  So  kommt  Herr  Professor  Krejcf,  der  erste  Zweifler,  zuerst 
daran,  und  das  doppelt,  ich  selbst  erhalte  eine  „Colonie“,  weil  ich  es  gewagt, 
dessen  ersten  Mittheilungen  einige  Aufmerksamkeit  zuzuwenden,  Herr  Lipoid 
hat  wieder  die  doppelte  Aussicht.  In  unserer  Gesellschaft  hat  der  Ausdruck 
„Colonie  Zippe“  wohl  auch  nur  eine  sehr  zweifelhafte  Bedeutung,  als  Ausdruck 
der  Gefühle  des  Namengebers  bei  ihrer  Wahl. 

Wie  immer  Herr  Barran  de  solche  Namen  als  Geschenke  (dona)  be- 
zeichnen mag,  noch  dazu  aus  Da  nkbark  eit  (gratitude)  gegeben,  die  wir  wohl 
gar  laeta  mente  Virg.  I.  c . aufnehmen  sollen,  ich  kann  sie  nicht  aus  diesem  Ge- 
sichtspunkte betrachten,  und  wünschte  recht  sehr  einen  Uebergang  oder  bezie- 
hungsweise die  Rückkehr  zu  geographischen  Bezeichnungen,  welche  den  Erör- 
terungen einen  bei  weitem  milderen  Charakter  beilegen  würde.  Die  in  der  Auf- 
regung des  Augenblickes  gegebenen  Namen  nach  Personen  geben  dem  Forscher 
künftiger  Jahre,  der  die  Gegenden  besuchen  will,  gar  keinen  Anhaltspunkt, 
während  die  Namen  Bruska,  Gross-Kuchel  Süd,  Gross-Kuchel-Schäferei  Südwest 
seinen  Schritt  bis  auf  den  wirklichen  Punkt,  der  bezeichnet  werden  soll,  leiten 
würden. 

In  Zeiten  freundlicherer  Gefühle  war  es,  dass  Herr  Bar  ran  de  auch  mir 
eine  Terebratula  Haidingeri  (Naturwissenschaftliche  Abhandlungen  u.  s.  w. 
Band  I,  Seite  41 5,  Tafel  VIII,  Fig.  8 und  9)  widmete,  dass  er  in  hohem 
Wohlwollen,  noch  über  mein  Verdienst  hinaus,  in  dem  Vorworte  des  ersten 
Bandes  seines  grossen  Systeme  Sibirien  de  la  Boheme  mich  erhob,  in  dem 
wieder  durch  sein  Wohlwollen  ein  Dindymene  Haidingeri  (Seite  819,  Taf.  43, 
Fig.  25),  und  ein  Bronteus  Haidingeri  (Seite  875,  Tafel  46,  Fig.  32)  mein 
Andenken  bewahrt. 

Mein  inniges  Dankgefühl  wird  auch  durch  die  gegenwärtige  stürmische 
Phase  der  Verhandlungen  nicht  gestört  werden,  wenn  ich  auch  jetzt  in  einigen 
Punkten  abweichende  Meinungen  von  jenen  des  Herrn  Barrande  mir  zu  bilden 
gezwungen  war. 


liurchsrhnitl  2. 


Durchschnitt  8. 
JJiydi  hrndy  lUubocnpy 


Durchschnitt  iZ. 

tV.lP.  Vys oky  Ujcad  Uubovic  KurJsteiiier  Berge 


JahrWcli  der  kk.gpologisi'lteu  Rcicll«a  ns  fcaU,  XIT.Bd . Gegenüber  Seite  223. 


Iit-'i  ’f  pLi  dkk.Hofst Staat; Irucksrei 


[1]  J.  Krejöi.  Bericht  über  die  i.  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  u.  Beraun.  223 


III.  Bericht  über  die  im  Jahre  1859  ausgeführten  geologi- 
schen Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun. 

Von  Johann  K r e j c i , 

Lehrer  an  der  k.  k.  böhmischen  Ober-Realschule  in  Prag. 

Mit  1 Tafel. 

Die  geologischen  Aufnahmen  in  Böhmen  erstreckten  sich  im  Sommer  1839 
in  die  Umgehungen  von  Prfbram,  Jinec,  Skrej,  Beraun  und  Prag  und  umfassten 
demnach  das  durch  die  Arbeiten  Barrande’s  classisch  gewordene  Terrain  des 
böhmischen  Silursystemes. 

Seit  dem  Jahre  1832  beschäftigt  sich  dieser  grosse  Forscher  mit  den 
Untersuchungen  dieses  Systemes  und  Jedermann,  dem  es  vergönnt  war,  die  gross- 
artigen Sammlungen  silurischer  Petrefacten  und  die  bewunderungswerthen  Vor- 
arbeiten desselben  zu  sehen,  wird  mir  beistimmen,  dass  keine  Gegend  eines  ande- 
ren Landes  bisher  einer  genaueren  geologischen  Erforschung  unterzogen  wurde. 

Die  Resultate  dieser  das  gesammte  paläontologische  Detail  erschöpfenden 
Studien  sind  bekanntlich  in  dem  Prachtwerke  „ Systeme  silurien  du  centre  de 
la  Boheme “ niedergelegt,  von  dem  der  1.  Theil  bereits  1852  erschienen  ist. 
Die  nachfolgenden  drei  Theile  mit  hunderten  meisterhaft  ausgeführten  Tafeln 
werden  eben  zur  Herausgabe  vorbereitet. 

Die  Aufgabe  der  geologischen  Untersuchung  des  böhmischen  Silurbeckens 
ist  demnach  von  Herrn  Barrande  glänzend  gelöst,  und  wenn  nun  in  diesem 
Becken  dennoch  geologische  Anfnahmen  vorgenommen  werden,  so  geschieht  es 
nur,  um  die  systematische  Reihenfolge  der  von  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in 
Böhmen  vorgenommenen  Arbeiten  nicht  zu  unterbrechen,  sondern  die  Aufnahme 
in  dem  grossen  Maassstabe  der  Generalstabskarten  baldigst  zu  vollenden. 

Eines  der  Hauptresultate  von  Barrande’s  geologischen  Untersuchungen 
im  böhmischen  Silurbecken  ist  die  Aufstellung  von  acht  Etagen,  nach  denen  sich 
das  ganze  Schichtensystem  gliedert.  Diese  Etagen  werden  in  dem  schönen 
idealen  Durchschnitte  dargestellt,  welchen  Barrande  seiner  kleinen  geologi- 
schen Uebersichtskarte  beigefügt  hat.  Obwohl  nun  die  Schichtenfolge  des  böh- 
mischen Silursystemes  diesem  idealen  Durchschnitte  vollkommen  entspricht,  so 
konnten  in  demselben  die  vielfachen  Unregelmässigkeiten  der  Lagerung  doch 
nicht  berücksichtigt  werden,  welche  dem  Gebirgsbau  des  böhmischen  Silurter- 
rains eigenthümlich  sind,  auch  konnten  die  Umgrenzungen  der  einzelnen  Etagen 
auf  der  kleineren  Karte  Barrande’s  nicht  in  dem  Detail  ausgeführt  werden, 
als  es  die  grossen  Karten  der  Reichsanstalt  erlauben.  Es  ergab  sich  daher  als 
Aufgabe  der  Aufnahmen,  sowohl  die  Umgrenzungen  der  Etagen  im  Detail  auf  die 
Karten  aufzutragen,  als  auch  die  speciellen  Fälle  der  Lagerungsverhältnisse  zu 
berücksichtigen;  und  diese  Aufgabe  war  es  demnach  allein,  die  ich  mir  stellte, 
als  mein  hochverehrter  Freund  Herr  Bergrath  Lipoid  meine  ihm  angebotene 
Betheiligung  an  den  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun  freundlichst  annahm.  Das 
von  nur  untersuchte  Terrain  umfasst  die  aus  obersilurischen  Kalkbänken  zusam- 


I£.  k.  geologische  Reichsaustalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


29 


224 


Johann  Krejii. 


[2] 


mengesetze  Hügellandschaft  zwischen  Zdic  und  Prag,  dann  vom  untersilurischen 
Terrain  die  Thäler  bei  Hostomnic,  Vosov,  Revm'c,  die  Quarzitrücken  des  Brda- 
waldes  von  Kylin  bis  Königsaal,  das  Moldauthal  von  Slap  bis  Kraiup  und  endlich 
das  Plateau  südlich  vom  Steinkohlengebiete  bei  Kladno  und  Minie  bis  Prag.  Das 
nordöstliche  Viertel  der  Karte  XIX,  dann  die  Östliche  Hälfte  der  Karte  Nr.  XIII 
des  Generalstabes  enthält  das  genannte  Terrain. 

Alle  Etagen  der  böhmischen  Silurformation  mit  Ausnahme  der  C Etage  sind 
in  diesem  Gebiete  vertreten.  Das  Studium  dieser  von  B arr a n d e constatirten 
Glieder  desSilursystemes  wird  durch  die  tiefen  Thaleinschnitte  des  Moldau-  und 
Beraunflusses  sehr  erleichtert,  aber  auch  schon  die  äusseren  Terrainformen 
deuten  auffallend  auf  den  Unterschied  der  verschiedenen  Schichtenstufen  hin. 

Am  auffallendsten  zeigt  sich  der  Unterschied  in  den  Terrainformen  des 
obersilurischen  und  untersilurischen  Schichtensystemes. 

Das  obersilurische,  grösstentheils  aus  Kalksteinbänken  zusammengesetzte 
Terrain  bildet  eine  plateauartige  Hügellandschaft  von  5 Meilen  Länge  und 
y2  — 1 Meile  Breite.  Die  Längenaxe  dieser  Landschaft  fällt  mit  der  Längen- 
axe  des  ganzen  Silursystemes  zusammen,  die,  wie  aus  der  Barra  n d e’schen 
Uebersichtskarte  zu  ersehen  ist,  von  Süd  west  gegen  Nordost  streicht.  Der 
äusserste  Punkt  der  genannten  Hügellandschaft  gegen  Nordost  ist  das  Dorf 
Michle,  1 Stunde  südsüdöstlich  von  Prag;  gegen  Südwest  das  Dorf  Libomysl  an 
der  Litava,  1 Stunde  südlich  von  Zdic. 

Die  Unterlage  der  Kalksteinbänke  bildet  nebst  Grünstein  ein  mächtig  ent- 
wickelter, leicht  verwitterbarer  Grauwackenschiefer,  dessen  Verbreitung  rings 
um  das  Plateau  durch  tiefe  Thalfurchen  angezeigt  wird.  Die  Litava,  von  Libomysl 
und  Zdic  bis  Beraun,  der  Chumavabach  von  Libomysl  bis  Hlazovic,  der  Bach 
Velice  von  Vseradic  bis  Treban,  der  Beraunfluss  von  Revnic  bis  Königsaal,  der 
Bach  bei  Krc  und  der  Boticbach  bei  Michle  und  Nusle  bewässern  diese  Thäler 
auf  der  Südwest-,  Südost-  und  Nordostseite,  während  die  Terrainfurche  an  der 
nördlichen  und  nordwestlichen  Seite  des  Hügelplateaus  nur  durch  eine  sanfte 
Bodendepression  dargestellt  wird,  welche  aus  dem  Thälcheu  hei  Radh'c  über 
Reporyje,  Miresic  gegen  Nucic  und  Lodenic  verläuft,  von  wo  sie  über  Kraz  bei 
Beraun  gegenüber  demLitavathale  mit  der  vorerwähnten  Thalfurche  sich  als  eine 
ringförmige  Umsäumung  abschliesst. 

Dadurch  erhält  das  kalkige  Hügel plateau  eine  scharf  individualisirte  Ge- 
staltung und  stellt  sich  gleichsam  als  der  Kern  der  ganzen  silurischen  Gegend 
dar,  zu  dem  alle  dasselbe  umgebenden  Höhenzüge  in  einem  bestimmten  Verhält- 
nisse stehen. 

Die  Grauwackenschiefer,  in  denen  das  erwähnte  Thalsystem  eingefurcht  ist, 
gehören  zur  untersilurischen  Abtheilung  und  liegen  überall  auf  gleichfalls  mäch- 
tigen Quarzitlagern,  deren  Schichtenköpfe  auf  der  jenseitigen  Thallehne  rings 
um  das  Kalkplateau  wallartig  hoch  emporragen. 

Besonders  auf  der  Südostseite  des  Kalkplateaus  erheht  sich  swisehen  Hosto- 
mmc  und  Königsaal  ein  scharfer  langgedehnter  über  1600  Fuss  hoher  Rücken, 
der  Brdawald  genannt ; ihm  gegenüber  jenseits  der  Nordwestseite  des  Kalk- 
plateaus zwischen  Zdic  und  Beraun  streicht  ein  paralleler  Quarzitrücken,  im 
Durchschnitte  1400  Fuss  hoch  mit  den  Bergen  Ded,  Lisek  und  Brdatka.  Dieser 
Rücken  setzt  auch  jenseits  des  Beraunflusses  forf  und  enthält  die  Berge  Plesivee, 
Kamenina,  Blejskovä  und  verliert  sich  im  Plateau  bei  Horelic. 

Jenseits  dieser  Quarzrücken,  und  zwar  sowohl  jenseits  des  Berauner  Wald- 
rückens, als  jenseits  des  Brdawaldes  dehnt  sich  ein  mehr  einförmiges,  nur 
von  kleinen  Felsenrücken  unterbrochenes  Plateau  aus  (1200  Fuss),  nördlich  bis 


[3]  Bericht  über  die  im  J.  1859  allsgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  225 

zur  Grenze  der  Steinkohlenformation  bei  Kiadno,  Bustehrad,  Minie;  südlich  bis 
zur  Granitgrenze  bei  Km'n,  Slap  undTeletin.  Die  hier  herrschenden  Thonschiefer, 
Kieselschiefer  und  Felsitgesteine  gehören  sämmtlich  zur  Basis  des  Silursystemes, 
nämlich  zur  azoischen  Zone  desselben.  Erwähnen  wir  endlich  noch  das  Moldau- 
thal,  welches  das  gesammte  Berg-  und  Hügelland  von  Nord  nach  Süd  durch- 
spaltet, und  das  Beraunthal,  welches  dasselbe  von  Beraun  bis  Karlstein  beinahe 
senkrecht  zu  seiner  Längenaxe  durchbricht,  so  wie  die  zahlreichen  Bachthäler 
und  Schluchten,  welche  entweder  parallel  zur  Streichung  gegen  Nordost,  oder 
parallel  zu  der  mächtigen  Moldauspalte,  oder  parallel  zum  Beraunflusse  die 
Gegend  durchsetzen,  so  haben  wir  alle  Elemente  ihrer  Terrainbildung  angeführt 
und  die  allgemeinste  Uebersicht  ihrer  Gestaltung  gewonnen.  Man  ersieht  aus 
diesem,  dass  das  untersuchte  Gebiet  schon  den  Terrainformen  nach  naturgemäss 
in  drei  Gruppen  zerfällt,  welche  mit  den  Etagen  Barr  and  e’s  vollkommen 
übereinstimmen. 

Die  erste  Gruppe  enthält  die  aus  azoischen  (petrefactenleeren) 
Schichten  zusammengesetzten  Plateaux,  nämlich  die  Etagen  A,  B Barr  and  e’s. 

Die  zweite  Gruppe  enthält  die  Quarzitrücken  des  Brdawaldes  und  des 
Dedbergs  bei  Beraun;  es  sind  die  tieferen  Schichten  der  petrefactenführenden 
Etage  D Barr  an  de’s;  dann  die  weicheren  Grauwackenschiefer  des  Litava-  und 
Beraunthales,  nämlich  die  höheren  Schichten  derselben  Etage  D.  Beide  diese 
Gruppen  gehören  zur  untersilurischen  Abtheilung. 

Die  dritte  Gruppe  endlich  enthält  das  kalkige  Centralplateau  und  besteht 
aus  den  obersilu rischen  Etagen  E , F,  G und  H B a r r a n d e’s. 

Ich  will  nun  im  Folgenden  über  jede  dieser  Gruppen  einige  Bemerkungen 
hinsichtlich  ihrer  Verbreitung  und  Lagerung  im  Aufnahmsgebiete  anführen,  um 
damit  das  Verständniss  der  von  mir  aufgenommenen  geologischen  Karte  zu 
erleichtern.  Es  schliessen  sich  diese  Bemerkungen  unmittelbar  an  die  Skizze  der 
geologischen  Verhältnisse  im  böhmischen  Silurbecken  an,  welche  Barrande  in 
seinem  grossen  Werke  veröffentlichte  und  geben  für  einzelne  Fälle  nur  specielle 
Belege  für  die  allgemeine,  von  ihm  trefflich  entwickelte  Auffassung  des  böhmischen 
Silursystemes.  Eine  das  ganze  Detail  erschöpfende  Arbeit  wird  der  4.  Band  von 
Barrande’s  Werken  enthalten. 

Vor  Allem  weise  ich  demnach  den  Leser  auf  das  genannte  grosse  Werk 
Barrand  e’s  hin,  indem  die  in  demselben  niedergelegten  Resultate  die  Basis 
aller  Untersuchungen  bilden,  die  jetzt  oder  künftighin  im  böhmischen  Silurterrain 
unternommen  werden.  Demgemäss  wäre  es  überflüssig,  die  von  Barrande  con- 
statirten  paläontologischen  Charaktere  der  einzelnen  Etagen  hier  anzuführen;  aber 
indem  ich  mich  auf  die  Beschreibung  der  Lagerungsverhältnisse  beschränke, 
behalte  ich  mir  eine  ausführlichere  Discussion  über  die  verschiedenen  Schiefer, 
Grünsteine  und  Felsitporphyre  für  eine  spätere  Abhandlung  vor,  da  ein  ein- 
gehendes Studium  dieser  Gesteine  eine  längere  Zeit  in  Anspruch  nimmt.  Werth- 
volle Bemerkungen  sind  schon  Vorjahren  darüber  von  Professor  F.  X.M.  Zippe, 
meinem  hochverehrten  Lehrer,  in  Sommer’s  Topographie  Böhmen’s  (der  Kaufi- 
mer,  Rakonicer  und  Berauner  Kreis)  veröffentlicht  worden,  und  dankbar  gestehe 
ich,  dass  dieselben  ehedem  für  mich  und  viele  Andere  der  einzige  Leitfaden 
waren,  nach  dem  wir  uns  in  dieser  Gegend  orientirten. 

1.  Das  untersilurische  azoische  Schieferplateau. 

Das  azoische  Plateau  wird  im  Aufnahmsgebiete,  entsprechend  den  beiden 
Flügeln  einer  in  der  Mitte  von  neueren  Gebilden  bedeckten  Mulde,  von  der 

29  * 


226 


Johann  Krejöi. 


w 


Moldau  zweimal  durchschnitten;  das  eine  Mal  südlich  von  Prag  zwischen Slap  und 
Königsaal,  das  zweite  Mal  nördlich  von  Prag  zwischen  Podbaha  und  Kralup, 
indem  es  von  dem  obersilurischen  Kalkplateau  und  den  dasselbe  umlagernden 
Grauwacken  und  Quarzitschichten  in  zwei  Partien  getrennt  wird. 

Die  südliche  Partie,  ein  sanftgewelltes,  1100 — 1200  Fuss  hohes  Plateau, 
bildet  die  Umgebungen  von  Mnisek,  Davle  und  Stechovic.  Nur  zwei  grössten- 
theils  bewaldete,  von  Südwest  nach  Nordost  streichende  Rücken  erheben  sich 
als  grössere  Terrainwellen  noch  um  200 — 300  Fuss  höher.  Der  eine  dieser 
Rücken  beginnt  südlich  von  Mnisek  mit  dem  Berge  Pies  (1540*74  Fuss  A)  bei 
Nova  ves  (Neudorf)  und  streicht  von  da  mit  unbedeutenden  Einsattelungen  über 
Bojanovic  und  St.  Kilian  gegen  Zahoran  (Bezirk  Eule),  wo  der  Berg  Vlipäch 
(1440  Fuss  A)  in  unserem  Aufnahmsgebiete  denselben  absehliesst. 

Er  zieht  sich  dann  weiter  noch  nördlich  gegen  Rican  und  Tehov  und  ist 
auch  da  von  den  Höhen  bei  Prag  am  Saume  des  östlichen  Horizontes  sichtbar. 

Ein  zweiter,  eben  so  hoher  Waldrücken  erhebt  sich  am  Südostsaume  des 
azoischen  Terrains,  unmittelbar  an  der  Granitgrenze;  er  streicht  ebenfalls  nord- 
östlich von  Slap  überTrebsfn,  Studene  (Kaltengrund)  bis  Eule  (Jilove);  der 
südwestliche  Theil  zwischen  Slap  und  der  Moldau  heisst  Cervenä  hora  (rother 
Berg  1531*5  Fuss  A) , die  Waldkuppe  bei  Trebsin  zwischen  der  Moldau  und 
Sazava  heisst  Clilum  (1404  96  Fuss  A).  Längs  der  Granitgrenze  selbst  zieht 
sich  von  Slap  gegen  Teletin,  Krnan  und  Hosteradic  eine  deutliche  Bodendepres- 
sion, jenseits  welcher  erst  das  kuppige  Granitterrain  sich  über  das  Schiefer- 
plateau erhebt.  In  einer  tiefen,  von  Süd  nach  Nord  gerichteten  Felsenschlucht, 
welche  zwischen  Tfebenic  und  Stechovic  einige  scharfe  Windungen  macht, 
fliesst  die  Moldau  von  Slap  nach  Königsaal.  Rechts  und  links  ziehen  sich  zu 
derselben  vom  Plateau  herab  ebenfalls  felsige  enge  Schluchten , von  denen  die 
zwei  grössten  an  der  linken  Flussseite  vom  Kocaba-  und  dem  Mmseker  Bache, 
die  grösste  an  der  rechten  Flussseite  von  der  Säzawa  bewässert  werden. 

Im  Felsenthal  der  Moldau,  so  wie  in  diesen  Schluchten  hat  die  Gegend  einen 
wahren  Gebirgscharakter ; man  sieht  sich  umgeben  von  steilen,  ja  senkrechten, 
einige  Hundert  Fuss  hohen  Felsenwänden,  wie  sie  sonst  nur  höheren  Gebirgen 
eigenthümlich  sind;  aber  einförmig,  als  niedrige  Hügellandschaft  erscheint  das 
Gebiet,  sobald  man  die  Höhe  des  Plateaus  gewinnt;  die  Thäler  und  Schluchten 
verschwinden  und  man  erblickt  jenseits  der  sanften  Bodenansctwellungen  nur 
den  einförmigen  Kamm  des  Brdawaldes  am  nordwestlichen  Horizonte. 

Im  südlichsten  Theile  des  Aufnahmsgebietes  stossen,  wie  schon  erwähnt 
wurde,  die  schiefrigen  Gesteine  an  Granit  an.  Es  gehört  dieser  Granit  zu  dem 
merkwürdigen  15  Meilen  langen  granitischen Landrücken,  welcher  zwischen  dem 
Gneissterrain  des  südöstlichen  Böhmens  und  dem  silurischen  Gebiete  sich  von 
Bohmischbrod  bis  Klatau  ausdehnt. 

Seine  Begrenzung  mit  den  schiefrigen  Gesteinen  geht  in  meinem  Aufnahms- 
gebiete von  Slap,  welches  schon  auf  Granit  steht,  östlich  zu  der  Einschichte 
Lahoz  am  linken  Moldau-Ufer. 

Am  rechten  Ufer  bildet  der  Granit  nur  die  steilen  Felsen  gegenüber  von 
Lahoz  bis  zur  Einschichte  Obora,  also  nur  einen  nordöstlichen  Ausläufer  der 
zusammenhängenden  Granitmasse  von  Prestavlk,  Buse,  Korkyne  u.  s.  w.  Auf  drei 
Seiten  ist  dieser  von  der  Moldau  durchbrochene  Granitausläufer  von  schiefrigen 
Gesteinen  umgeben,  aber  wenn  man  die  Höhe  des  Plateau  am  rechten  Ufer  der 
Moldau  ersteigt,  so  gelangt  man  bei  dem  Dörfchen  Stromec  abermals  auf  Granit, 
der  von  da  bei  Vysoky  Ujezd  vorbei  über  Teletin,  Krnan,  Hosteradic  und  Zampaeh 
westlich  von  schiefrigen  Gesteinen  begrenzt  wird.  Diese  Gesteine  verbreiten 


[5]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  227 

sich  zu  beiden  Seiten  der  Moldau  gegen  Moran  und  Zivhost,  und  hängen  mit  der 
grossen  Schiefermasse  zusammen,  welche  von  da  bis  Hnmezdie , gewöhnlich 
Vermeric  genannt,  mitten  im  Granitterrain  sich  ausdehnt  und  schon  von  Professor 
Zippe  beschrieben  wurde. 

Nach  meiner  Beobachtung  an  dieser  Grenze  bildet  aber  diese  Schiefermasse 
keine  isolirte  Insel  im  Granit,  sondern  eine  langgedehnte  Bucht,  welche  eben 
durch  die  Schieferberge  bei  Stromec  und  Babin  mit  den  übrigen  schiefrigen 
Gebilden  der  azoischen  Zone  zusammenhängt. 

Wie  überall  in  dem  mittelböhmischen  Granitzuge  trifft  man  hier  allsogleich 
eine  Unzahl  von  rundlichen  Granitblöcken  an,  sobald  man  dieses  Terrain  betritt; 
die  ganze  niedrige  Fläche  südlich  von  Slap,  die  Moldaugehänge  bei  Lahoz,  sowie 
der  über  das  Schieferterrain  sich  hoch  erhebende  Waldrücken  bei  Vysoky  Üjezd 
und  Teletfn  sind  mit  diesen  Blöcken  wie  besäet. 

Man  gewinnt  eine  vollkommene  Uebersicht  nicht  blos  dieses  angrenzenden 
Granitgebietes,  sondern  auch  des  azoischen  Schieferplateaus,  wenn  man  den 
1627  Fuss  hohen  Granitberg  Holy  Vrch  bei  Vysoky  Üjezd  besteigt. 

Der  Granit  ist  eine  grobkörnige  Varietät,  wie  im  grössten  Theile  des  an 
das  Schiefergebiet  angrenzenden  Zuges.  Der  in  grossen  Krystallen  ausgeschiedene 
weissgraue  oder  röthliche  Orthoklas  gibt  demselben  eine  porphyrartige  Structur. 
Überall  ist  aber  demselben  in  grösserer  oder  kleinerer  Menge  schwarzer  Amphi- 
bol eingemengt,  und  es  ist  zu  beobachten , dass  das  Gestein  desto  kleinkörniger 
wird,  je  mehr  der  Amphibol  vorherrscht. 

Die  Felsen  bestehen  aus  polyedrischen  Massen,  eine  oder  mehrere  Kubik- 
klafter  gross,  und  nehmen  durch  Verwitterung  rundliche  Formen  an.  Häufig 
bemerkt  man  im  grobkörnigen  Granit  einige  Zoll  bis  einige  Fuss  mächtige  Gänge 
eines  röthlichen,  fast  nur  aus  dichtem  Feldspath  und  Quarz  bestehenden  Gesteins. 
Am  rechten  Moldauufer,  gegenüber  von  Lahoz  an  der  unmittelbaren  Begrenzung 
mit  den  Schiefergesteinen  geht  der  Granit  in  wahren  Diorit  über,  der  aus  deutlich 
unterscheidbarem,  schwärzlich-grünem  Amphibol  und  aus  weissem  Albit  besteht. 
Dieser  Diorit  hat  wie  der  Granit  eine  massige  Structur,  aber  gegen  die  Schiefer 
zu  wird  die  Structur  flaserig,  das  Gestein  dichter  und  geht  endlich  in  grünliche 
Schiefer  über,  welche  die  unmittelbarste  Begrenzung  des  krystallinisch-körnigen 
Massengesteins  bilden. 

Das  vorherrschende  Gestein  der  azoischen  Zone  in  diesem  Theile  des 
Aufnahmsgebietes  sind  Thonschiefer.  Sie  wurden  von  Herrn  Bergrath 
Lipoid  nach  der  wichtigsten  Localität,  in  welcher  sie  auftreten,  mit  dem 
Namen  „Prfbramer  Schiefer“  belegt.  Die  südliche  und  südöstliche  Begren- 
zung der  Prfbramer  Schiefer  durch  den  Granit  haben  wir  eben  kennen  gelernt; 
ihre  nordöstliche  Begrenzung  bilden  die  „Krusnahora“  und  die  „Komorauer“ 
Schichten  am  Fusse  des  Brdywaldes  zwischen  Mnfsek  und  Cernotic , vwelche 
selbst  wieder  von  den  „Brda-Sehichten“  bedeckt  werden;  dann  von  Cernotic 
an  in  nordöstlicher  Dichtung  der  Quarzitrücken  der  Brda-Schichten  selbst, 
welcher  bei  Jiloviste  vorbei  gegen  das  Dorf  Bane  und  Zäbehlic  an  der  Moldau 
streicht 1). 


O Nach  den  geologischen  Aufnahmen  des  Herrn  Bergrathes  Lipoid  in  dem  süd-  und  nord- 
westlichen Gebiete  der  böhmischen  Silurformation  folgen  auf  die  Pn'bramer  Schiefer  in 
abweichender  Lagerung  von  unten  nach  oben:  1.  Sandsteine  und  Conglomerate ; 
2.  Schiefer  mit  Barrande’s  Primordialfauna;  3.  Sandsteine  und  Conglomerate  mit 
Lingula  Feistmanteli  Barr.;  4.  Grauwackenschiefer  mit  Schalstein-,  Diabas-  und 
Mandelstein-Bildungen  und  Eisenerzlagerstätten;  5.  Quarzite;  6.  Grauwacken- 


228 


Johann  Krejöi. 


[6] 


Bei  Zabehlic  setzt  die  Begrenzungslinie  auf  das  rechte  Moldauufer  über. 
Die  Quarzite  der  Brda-Schichten  sind  hier  durch  Grauwacken-Schiefer  mit  klei- 
neren Quarzitlagern  ersetzt, v und  bilden  die  niedrigeren  Uferterrasen  am  nord- 
westlichen Fusse  des  Hradist  und  Cibadlobergs  bei  Kümorau  und  Modran;  die 
Grenzlinie  beider  Zonen  geht  dann  zwischen  Komorau  und  Cbolupic  quer  durch 
die  Schlucht  zwischen  Modran  und  Libus,  dann  zwischen  Jalove  dvory  (Galden- 
hof)  und  Libus  gegen  Kunratic,  welches  Dorf  schon  ausserhalb  meines  Auf- 
nahmsgebietes liegt. 

In  dem  so  umgrenzten  Gebiete  sind  vor  allem  zwei  merkwürdige  geologische 
Erscheinungen  zu  erwähnen,  nämlich  erst ens,  der  all mSlige  Uebergang 
derPribramer  Schiefer  in  felsitarti ge  Gesteine  in  der  Richtung 
gegen  die  Granitgrenze,  dann  zweitens  die  im  Vergleiche  mit  den  hö- 
heren Etagen  herrschende  abweichende  Lagerung  der  Pribramer  Schiefer, 
welche  hier  allgemein  unter  die  Granite  einfallen. 

Die  eigentlichen  Pribramer  Schiefer  herrschen  zu  beiden  Seiten  der  Moldau 
von  Königsaal  bis  Stechovic,  namentlich  aber  in  den  Umgebungen  von  Pisnic, 
Cbolupic,  Unter-Brezan  und  Zahofan. 

Das  Gestein  ist  vorherrschend  ein  in  dünne  Blätter  spaltbarer  schwärzlich- 
grauer, auch  dunkel  grünlichgrauer  Thonschiefer,  der  an  einigen  Orten,  z.  B.  bei 
Unter-Brezan  und  Zahoran  so  zähe  und  unverwitterbar  ist,  dass  er  als  Dach- 
schiefer verwendet  werden  könnte.  Am  nordwestlichen  Saume  der  azoischen 
Zone  in  den  kleinen  Steinbrüchen  zwischen  Libus,  Pisnic  und  Cholupic,  so  wie 
in  der  öden  Felsenschlucht,  welche  von  Pisnic  bis  Modran  zur  Moldau  sich  zieht, 
sind  die  Schiefer  weniger  dicht,  sondern  werden  feinkörnig  und  ähneln  auffallend 
den  schwärzlichgrünen  Schiefern  von  Jinec,  in  denen  die  älteste  Fauna  des 
böhmischen  Silursystemes  begraben  ist,  obwohl  hier  bisher  keine  Spur  von 
irgend  einem  Petrefacte  vorgekommen  ist.  Andere  grünlichgraue  Thonschiefer 
bilden  das  sanft  gewellte  Plateau  am  linken  Moldauufer  zwischen  Jiloviste, 
Mnfsek,  Lecic  und  Hvozdnic;  sie  sind  grösstentheils  von  Acker-  und  Walderde 
bedeckt  und  treten  nur  vereinzelt  in  kleinen  Schluchten  oder  Hügelabhängen 
auf;  häufig  sind  dieselben  gewissen  Chloritschiefern  ähnlich,  gewöhnlich  bilden 
sie  aber  eine  feinkörnige  grünlichgraue  Schiefermasse,  in  welcher  streifenweise 
der  chloritartige  Bestandteil  vorherrscht. 

Uebergänge  in  den  angrenzenden  Grauwackenschiefer  der  Etage  D Bar- 
rande s sind  nirgends  zu  bemerken,  sondern  die  Pribramer  Schiefer  stellen 
sich  sowohl  hinsichtlich  der  Lagerung,  wie  ich  zeigen  werde,  als  hinsichtlich  des 
Gesteinhabitus  als  eine  eigenthümliche  von  den  höheren  Etagen  gänzlich  ver- 
schiedene Bildung  dar.  Die  ebenen  und  glatten  Spaltungsflächen,  welche  durch 
die  Schieferung  bedingt  sind,  gehen  durchgehends  parallel  zu  den  Schichtungs- 
flächen, welche  in  Abständen  von  einigen  Fuss  bis  zu  zwei  Klaftern  das  Gestein 
durchsetzen.  Eigentliche  transversale  Schieferung  bemerkte  ich  nirgends,  wohl 
aber  überall  Systeme  von  Klüften,  welche  theilweise  senkrecht  zum  Streichen, 


schiefer,  siimmtlich  in  eoncordanter  Lagerung.  Herr  Lipoid  benannte  diese  verschie- 
denen Bildungen  nach  den  wichtigsten  Localitäten  ihres  Vorkommens  und  zwar:  1.  Pri- 
bramer Grauwacke,  2.  Jinecer  (Ginetzer)  Schiefer,  3.  Krusnahora-Schiehten,  4.  Komo- 
rauer  Schichten,  5.  Brda-Schichten,  6.  Hostomnicer  Schichten.  Die  Pribramer  „Grau- 
wacke“ gehört  noch  zur  azoischen  Etage  B Barrand e’s,  die  „Jinecer  Schiefer“ 
bilden  Barrande’s  Etage  C und  die  „Krusnahora-,  Komorauer,  Brda-  und  Hostomnicer“ 
Schichten  fallen  in  Barrande’s  Etage  D,  und  zwar;  die  Krusnahora-  und  Komorauer 
Schichten  in  Barrande’s  dl , die  Brda-Schichten  in  d 2 und  die  Hostomnicer  Schichten 
in  ds,  di  und  d5. 


m Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  229 

theilweise  unter  einem  scharfen  Winkel  die  Schieferflächen  durchsehneiden. 
Häufig  setzen  durch  die  Schiefer  parallel  zur  Streichung  senkrechte  Kluftflächen 
oder  dringen  durch  die  Schieferlagen  in  schiefer  Richtung,  wodurch  hei  der 
Verwitterung  des  Gesteines  stänglige  oder  prismatische  Bruchstücke  mit  rhom- 
bischen Durchschnitten  entstehen.  Nicht  selten  ist  eine  oder  die  andere  dieser 
Kluftrichtungen  so  ausgebildet  und  die  eigentliche  Schieferung  wird  so  undeut- 
lich, dass  die  Kluftflächen  den  Schichtungsflächen  ganz  ähnlich  werden.  An  den 
steilen  Gehängen  des  Moldauthales  bei  Vran,  Skochovic  und  Davle  wiederholen 
sich  ähnliche  Fälle  in  mannigfacher  Weise.  Die  stänglige  Zerbröckelung  des 
Schiefers  ist  besonders  bei  Pfsnic  und  Cholupic,  so  wie  an  vielen  Orten  zwischen 
Jiloviste  und  Mnfsek  zu  sehen. 

Die  Einförmigkeit  des  Schiefergesteines,  welche  sich  auch  in  den  flachen 
Terrainformen  ausdrückt,  wird  zuerst  durch  die  waldigen  Kuppen  Cihadlo  und 
Hradiste,  gegenüber  von  Königsaal  unterbrochen.  Wenig  über  das  gegen  Süden 
allmälig  ansteigende  Schieferplateau,  aber  steil  und  mit  mächtigen  Felsen- 
wänden an  der  Moldau  (über  deren  Niveau  sie  600  Fuss  aufsteigen),  erheben 
sich  diese  Bergkuppen  am  südlichen  Horizonte  des  Prager  Weichbildes  und  sind 
wegen  ihren  schattigen  Waldwegen  und  den  reizenden  Fernsichten  ein  den 
Pragern  wohlbekannter  Zielpunkt  bei  sommerlichen  Ausflügen.  Die  ganze  Partie 
wird  nach  dem  Jägerhause  am  Fusse  des  Hradiste  gewöhnlich  Zävist  genannt. 
Die  Gipfel  der  Kuppen  sind  kleine  ebene  Flächen  mit  niedrigen  Felsenkämmen 
am  Rande,  die  in  alten  Zeiten  als  wallartige  Befestigungen  benützt  wurden, 
worauf  sowohl  der  Name  Hradiste  (Burgstätte),  als  die  Spuren  von  künstlichen 
Gräben  hinweisen. 

Beide  Berge,  der  Cihadlo  (1201*74Fuss  A)>  so  wie  seine  waldige  Fortsetzung 
Vsancich  (1198*18  Fuss,  Koristka)  zwischen  Tocna  und  Zaluzanka,  dann  der 
Berg  Hradiste  (1199*4  Fuss,  Koristka)  enthalten  auf  den  Kuppen  Felsitporphyr, 
dessen  Festigkeit  eben  die  Ursache  der  Emporragungen  an  diesen  Kuppen  ist. 

Dieser  Felsitporphyr  bildet  einen  gegen  400  Klafter  langen,  aber 
höchstens  100 — 150  Klafter  mächtigen  Streifen  in  den  Pribramer  Schiefern,  der 
im  Streichen  derselben  (Stunde  3)  liegt  und  genau  wie  dieselben  nach  Südost 
einfällt.  An  seinen  beiden  Enden  wird  dieser  Streifen  dünner  und  geht  allmälig 
in  die  Schiefer  über,  eben  so  hat  er  in  seinen  Mittelpartien  Stellen,  wo  das 
Gestein  dem  Thonschiefer  ähnlich  wird. 

Ein  eigentliches  Lager  bildet  dieser  Felsitporphyr  daher  nicht,  viel  weniger 
einen  Gang,  sondern  das  Vorkommen  desselben  wird  am  besten  charakterisirt, 
indem  man  denselben  als  eine  Zone  von  Thonschiefer  bezeichnet,  welche  stellen- 
weise mehr,  stellenweise  weniger  in  Felsitporphyr  übergeht.  Man  verfolgt  diesen 
Felsitporphyr  vom  Cihadlo  bei  Tocna  quer  durch  die  Schlucht,  welche  von  Unter- 
Bfezan  gegen  Zävist  eingefurcht  ist  und  den  Cihadloberg  vom  Hradiste  trennt, 
dann  über  die  höchste  Kuppe  des  Hradiste  bis  zur  Mündung  der  Felsenschlucht, 
welche  von  Lhota  zur  Moldau  herab  zieht.  Von  da  setzt  derselbe  in  süd- 
westlicher Richtung  quer  über  die  Moldau  und  bildet  die  Felsen  in  den  Stein- 
brüchen unterhalb  der  Ziegel-  und  Thonwaarenfabrik  zu  Strnad,  dann  die  Wald- 
lehne oberhalb  diesem  Etablissement  (der  Felsenvorsprung  bei  der  Ueberfuhr 
von  Vran  ist  dünnblätteriger  Thonschiefer),  so  wie  endlich  die  steilen  Felsen  am 
linken  Moldauufer  gegenüber  von  Vran  am  östlichen  Abhange  des  Schieferberges 
Kopanina  (1287*96  Fuss  A)-  In  der  Richtung  gegen  Jiloviste  keilt  sich  der 
Porphyr  im  Schiefer  aus. 

Hinsichtlich  ihrer  Beschaffenheit  sind  die  hiesigen  Porphyrvarietäten  den 
von  meinem  Freunde  Herrn  Karl  Feistmantel  (in  den  Abhandlungen  der 


230 


Johann  Krejfii. 


[8] 


k.  böhm.  gelehrten  Gesellschaft  V.  Folge,  10.  Band  1859)  beschriebenen  Felsit- 
porphyren  im  nordwestlichen  Theile  des  böhmischen  Silurbeckens  vollkommen 
ähnlich.  Sie  enthalten  in  einer  dichten  Feldspathmasse  Körner  von  Quarz  und 
kleine  Feldspathkrystalle,  in  diesem  Zuge  speciell  aber  häufig  kleine  Partien 
von  dunklem  Thonschiefer,  welcher  mit  der  dichten  Grundmasse  zusammen- 
fliesst.  Auf  der  Kuppe  Vsancfch  ist  das  Gestein  gelblich,  in  dem  weiteren  Ver- 
laufe gegen  Südwesten  grünlichgrau  und  namentlich  durch  die  Einschlüsse  von 
Thonschieferstückchen  ausgezeichnet. 

Ein  zweiter  ähnlicher  Streifen  von  Felsitporphyr  in  den  Pribramer  Schich- 
ten wird  südlich  von  Skochovic  hei  der  Mühle  Holnbov  von  der  Moldau  durch- 
schnitten; er  ist  nur  etwa  1500  Klafter  lang  und  50 — 80  Klafter  breit  und  ist 
ebenfalls  reich  an  Thonschiefereinschlüssen. 

Ein  dritter  Streifen  zieht  sich  aus  der  Gegend  von  Sloup  nördlich  bei 
Hradcan  vorüber  zur  Moldau  südlich  von  Mechenic,  wo  er  von  diesem  Flusse 
durchbrochen  wird;  er  ist  bei  50  Klafter  Breite  etwa  2000  Klafter  lang.  Der 
Felsitporphyr  bei  Sloup  ist  weiss  mit  deutlich  eingewachsenen  Quarzkörnern, 
sonst  herrscht  die  grünlichgraue  Varietät  vor. 

Ein  vierter  Streifen  kommt  in  dem  anfangs  erwähnten  Waldrücken  ober- 
halb St.  Kilian  vor;  er  bildet  die  steilen  Felsen  gegenüber  der  Säzavamündung 
und  zieht  sich  von  dem  Berge  Oplotiska  am  rechten  Moldauufer  über  Davle  und 
die  Felsenzunge  Sekanka  zwischen  der  Säzava  und  Moldau  nach  St.  Kilian  und 
aufwärts  auf  das  Plateau  bis  gegen  Masecin.  Felsitporphyre  mit  grünlicher 
Grundmasse  und  eingewachsenen  lichten  Feldspathkrystallen  stehen  namentlich 
an  den  Felsen  oberhalb  St.  Kilian  an.  Die  Länge  dieses  Streifens  beträgt  auch 
2000  Klafter,  die  Breite  50  Klafter. 

Ein  fünfter  Streifen,  nur  1000  Klafter  lang  und  20 — 30  Klafter  breit,  be- 
ginnt in  den  steilen  Felsabhängen  zwischen  St.  Kilian  und  Stechovic  und  zieht 
sich  südwestlich  bis  in  das  Felsenthal  der  Kocaba  oberhalb  der  Pulvermühlen. 

Alle  diese  Streifen  dehnen  sich  genau  nach  dem  Streichen  der  Pribramer 
Schiefer  in  nordöstlicher  Richtung  aus,  und  die  mehr  oder  weniger  deutliche 
Schieferstructur  ihrer  Felsitgesteine  hat  dasselbe  Einfallen  gegen  Süd  west,  wie 
der  Schiefer  selbst.  Nebstdem  kommen  aber  noch  an  sehr  vielen  Orten  in  den 
Pribramer  Schiefern  kleinere  Partien  vor,  in  denen  eine  dichte  Feldspathmasse 
entwickelt  ist  und  die  daher  den  Uebergang  zu  wahren  Felsitporphyren  bilden. 

Diese  Uebergangsgesteine,  die  so  zu  sagen  halb  Felsitporphyr,  halb  Thon- 
schiefer sind,  werden  an  der  felsigen  Verengung  des  Moldauthales  südwestlich 
von  Stechovic  an  beiden  Ufern  des  Flusses  herrschend  und  erstrecken  sich  von 
da  bis  zu  der  Granitgrenze  bei  Slap.  Das  Gestein  ist  stellenweise  wahrer  Felsit- 
porphyr, mit  den  in  dichter  Grundmasse  charakteristischen  Quarzkörnern  und 
Feldspathkrystallen;  namentlich  sind  die  steilsten  und  schroffsten  Felsen  aus 
diesem  Gesteine  gebildet;  aber  stellenweise  streichen  durch  den  grauen  Felsit- 
porphyr schwärzlichgraue  thonschieferähnliche  Gesteine,  welche  durch  allmä- 
ligen  Uebergang  mit  den  Felsitporphyren  verbunden  sind. 

Der  ganze  breite  Waldberg  Cervenä  hora  zwischen  der  Moldau  und  den 
Orten  Slap  und  Stechovic,  so  wie  die  Thallehnen  der  Moldau  und  die  Waldberge 
südlich  von  Trebsfn  und  westlich  von  Krnan  und  Teletin,  in  einer  Breite  von 
2400  Klafter  und  einer  Länge  von  4000  Klafter  bestehen  aus  diesen  Gesteinen. 
Mit  scharfen  Krümmungen  windet  sich  die  Moldau  durch  ein  enges  von  hohen 
Felsen  eingesäumtes  Thal  und  brausend  bricht  sich  ihr  Wasser  an  den  natür- 
lichen Felsenwehren,  welche  namentlich  unter-  und  oberhalb  Trebenic  den  Fluss 
in  nordöstlicher  Richtung  durchsetzen.  Diese  Stellen  sind  bei  den  Moldauschiffern 


[9]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  231 

und  Flössern  als  die  gefährlichsten  im  Flusse  verrufen,  obwohl  durch  Spren- 
gungen die  Haupthindernisse  entfernt  wurden. 

Aehnliche  Verhältnisse  herrschen  im  Säzavathale,  welches,  so  weit  es 
in  mein  Aufnahmsgebiet  gehört,  ebenfalls  durch  hohe  und  steile  Felsen 
verengt  wird.  Die  niedrige  schon  erwähnte  Felsenzunge  Sekanka  zwischen 
der  Moldau  und  Säzava,  an  der  Mündung  des  letzteren  Flusses,  besteht  aus 
Pribramer  Schiefer  mit  eingelagertem  Felsitporphyr  und  Diorit.  Uralte  Wälle 
und  Gräben  trennen  diesen  isolirten  Felsenausläufer  von  dem  Plateau  bei 
Hradistko  und  erheben  sich  unmittelbar  über  der  in  der  Landesgeschichte 
bekannten  Moldauinsel  bei  St.  Kilian,  auf  der  man  die  sparsamen  Ueberreste  des 
im  Jahre  1000  gegründeten  Benedictinerklosters  sieht.  Von  da  bis  oberhalb 
Pikovic  ist  das  Säzavathal  von  Thonschieferfelsen  umsäumt,  hat  aber  doch  noch 
Raum  für  einige  Feld-  und  Wiesengründe;  weiter  hinauf  bis  unter  die  Dörfer 
Luk,  Podlonci  und  Rakonsy  wird  aber  das  Thal  schluchtförmig  und  die  wild- 
zerklüfteten  Felsen,  welche  in  klippigen  Kämmen  dem  Nordoststreichen  nach  sich 
an  beiden  Ufern  unmittelbar  vom  Flusse  aus  erheben,  versperren  das  Thal  für 
den  Fussgänger  vollkommen.  Die  Holzflösser  bezeichnen  diese  Stellen  mit  den 
charakteristischen  Namen  „ve  vlnavci“  (im  Wellenwirbel)  und  „u  trestiboku44 
(bei  der  tobenden  Lehne). 

Der  Thonschiefer,  der  bis  oberhalb  Pikovic  die  Thalgehänge  bildet,  geht 
weiter  hinauf  in  chlorit-  und  talkartigen  Schiefer  über,  enthält  aber  auch  hier 
neben  den  deutlichen  Chlorit-  und  Talkblättchen  eine  dichte  Feldspathmasse; 
stellenweise  entwickeln  sich  Lager  von  wahrem  Felsitporphyr  und  diese  eben 
bilden  die  kammartigen  Felsenmauern  an  den  Gehängen.  Unter  dem  Dorfe  Pod- 
louci  herrscht  dann  schöner  grünlicher  Felsitporphyr,  welcher  einerseits  gegen 
Studene  (Kaltengrund)  in  das  Gebiet  der  alten  Goldbergbaue  herüberstreicht, 
andererseits  mit  der  grossen  Masse  des  Felsitporpbyrs  an  der  Moldau  bei  Tre- 
benic  zusammenhängt.  Ruinen  von  Pochwerken  sieht  man  übrigens  auch  unter- 
halb Luk  und  Podloucf  in  der  Schlucht,  welche  sich  gegen  Boholik  hinaufzieht; 
diese  weisen  nebst  einigen  Halden  und  verfallenen  Stollenmündungen  darauf  hin, 
dass  der  Goldbergbau  von  Eule  bis  in  diese  Gegend  sich  erstreckte.  Doch  da 
diese  Localitäten  des  alten  Bergbaues  schon  ausserhalb  des  Aufnahmsgebietes 
sich  befinden,  so  werden  sie  erst  bei  den  späteren  Aufnahmen  der  Umgebungen 
von  Eule  im  Zusammenhänge  beschrieben  werden  können. 

Nebst  den  genannten  Schiefergesteinen  und  Felsitporphyren  kommt  in 
diesem  Theile  des  Aufnahmsgebietes  auch  Diorit  vor  und  zwar  ebenfalls  in 
eigentlichen,  den  Pribramer  Schiefern  sich  anschliessenden  Lagerungsverhält- 
nissen. 

Eben  so  wie  sich  der  Felsitporphyr  aus  dem  Thonschiefer  durch  das 
Hervortreten  der  dichten  Feldspathmasse  entwickelt,  eben  so  geht  aus  diesem 
Gesteine  durch  allmäliges  Erscheinen  von  Amphibol  und  Albit  der  Diorit 
hervor., 

Die  Verbindungsglieder  beider  Gesteine  bilden  gewöhnlich  schwärzlich- 
grüne aphanitartige  Gesteine  von  fast  dichter  Masse.  Man  sieht  die  Diorite  an 
vielen  Orten  des  Moldauthales  anstehen.  Sie  bilden  den  Fuss  des  Hradisteberges 
gegenüber  von  Königsaal,  vorzüglich  aber  treten  sie  als  Lagen  im  Thonschiefer 
der  steilen  Felsen  zwischen  Zäbehlie  und  Strad  auf.  Man  erblickt  da  im  Wechsel 
mit  den  Thonschiefern  einige  kleinere  Lager  eines  kleinkörnigen  Diorites,  in 
welchem  man  den  schwärzlichen  Amphibol,  den  weissen  Albit  und  graue  Quarz- 
körner deutlich  unterscheidet.  Der  Diorit  geht  allmälig  in  die  schieferigen 
Gesteine  über  und  das  aphanitische  Zwischenglied  hat  selbst  eine  so  ausgeprägte 


K.  k.  geologische  Reichsaostalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


232 


Johann  Krejdi. 


[IO] 


Schieferstructur,  dass  man  dasselbe  nur  schwer  von  dem  eigentlichen  Schiefer 
unterscheiden  kann.  Aehnliche  Diorite  begleiten  alle  Felsitporphyrziige  bei  Yran, 
Skochovic,  St.  Kilian,  an  der  Sekanka,  und  steigen  auf  beiden  Ufern  der  Moldau 
auf  die  Höhe  des  Plateaus,  wo  sie  namentlich  bei  Sloup,  Hvoznic,  Bojanovic, 
Hradistko  und  Trebsin  in  Bruchstücken  häutig  auf  den  Feldern  gefunden  werden. 

Eine  einzige  Localität  ist  mir  bekannt,  wo  der  Diorit  gangartig  auftritt,  und 
zwar  bei  der  Einschichte  Jarov  an  der  Mündung  der  Schlucht,  welche  von 
Ohrobec  zur  Moldau  sich  zieht.  Der  steile  Felsen  am  linken  Moldauufer,  der  an 
seinem  Gipfel  einen  alten  kreisförmigen  Wall  trägt  und  Homole  genannt  wird, 
besteht  aus  dünnblättrigem  Thonschiefer,  der  nordöstlich  (Stunde  4)  streicht  und 
südöstlich  (40  Grad)  einfallt.  Senkrecht  zum  Streichen  durchsetzt  den  Schiefer 
ein  beinahe  saigerer  Gang  von  3 Klafter  Mächtigkeit,  der  aus  schönen  körnigem 
Diorit  besteht.  Man  kann  ihn  eine  Strecke  weit  gegen  Zvole  in  südöstlicher 
Richtung  verfolgen;  er  verliert  sich  aber  bald  unter  dem  die  Lehnen  bedecken- 
den Gestrippe. 

Der  Schichtenbau  ist  im  beschriebenen  Terrain  anscheinend  ungemein 
einfach.  In  dem  von  mir  untersuchten  Gebiete  fällt  längs  der  ganzen  Granit- 
grenze bei  Slap,  Vysoky  Ujezd,  Teletin,  Trebsfn,  Rakousy  und  PodloucT  das 
schieferige  Gestein,  mag  es  nun  den  Habitus  vonFelsitporphyr  oder  Chloritschiefer 
tragen,  unter  den  Granit  ein. 

Das  Streichen  dieser  Gesteine  richtet  sich  nahe  am  Granit  beinahe  nach 
der  Grenzlinie  beider  Gesteine  und  ist  demzufolge  nordnordöstlich  (Stunde  2 bis 
Stundei),  dabei  ist  das  Einfallen  sehr  steil  (70 — 80  Grad)  gegen  Ostsüdost, 
d.  h.  gegen  den  Granit  gerichtet.  Man  sieht  diese  steile  Aufstellung  der  Felsen- 
schichten auch  überall  an  den  Felsen  des  Moldauthales;  stellenweise,  z.  B. 
zwischen  der  Moldau  und  Teletin,  dann  im  Säzavathal  oberhalb  Pikovic,  stehen 
die  Schichten  beinahe  senkrecht  (85  Grad).  Dasselbe  steile  Einfallen  sieht 
man  an  den  Pribramer  Schiefern  bei  Okrouhlo  und  Zahofan  (Bezirk  Eule),  Lieben; 
erst  gegen  den  nordwestlichen  Saum  des  azoischen  Terrains  wird  das  Einfällen 
weniger  steil  (Jarov  40  Grad,  Ohrobec  50  Grad,  Cholupic  30  Grad  Zäbehlic 
bei  Königsaal  45  — 50  Grad). 

Die  Pribramer  Schiefer  am  Plateau  zwischen  Mnisek  und  Slap  fallen  aber 
gleichfalls  steil  gegen  Südost  ein  v(KräIovka  bei  Slap  70  Grad,  Male  Lecice 
70  Grad,  zwischen  Bratrinov  und  Cisovic  60  Grad).  Das  Streichen  der  Pribramer 
Schiefer  ist  mehr  nordöstlich  (Stunde  3 — Stunde  4),  so  dass  zwischen  dem 
Granit  und  denselben  die  felsitartigen  Gesteine  sich  auskeilen.  Man  sieht  auch 
wirklich  in  der  weiteren  Verbreitung  des  Thonschiefers  bei  Rican  und  Skvorec 
(nordöstlich  vom  diesjährigen  Aufnahmsgebiete)  denselben  unmittelbar  an  den 
Granit  anstossen  und  gegen  denselben  einfallen.  Das  entgegengesetzte  Einfallen 
gegen  Nordwest  bemerkte  ich  blos  an  den  Pribramer  Schiefern  zwischen  Liber 
und  Zahofan  (50  Grad)  und  es  mag  sich  von  da  in  der  Terrainwelle  gegen 
Bojanovic  und  den  Plesberg  fortsetzen  und  einer  sattelartigen  Erhebung  der 
Schichten  angehören.  DieLagerungsverhältnisse  an  der  unmittelbaren  Begrenzung 
des  Granits  mit  dem  Schiefer  sind  im  Aufnahmsgebiet  weniger  deutlich  aufge- 
schlossen, wohl  aber  ausserhalb  desselben  in  ausgezeichneter  Weise  beiZampach 
an  der  Säzava  südlich  von  Eule.  Man  sieht  da  an  der  senkrechten  Felsenwand 
bei  dem  gemauerten  Pochwerksgraben  nicht  blos  den  Schiefer  unter  den  Granit 
einfallen,  sondern  auch  beide  Gesteine  lagerartig  abwechseln.  Dieses  Vorkommen, 
welches  von  Barrande,  Zippe  und  Gumpreeht  schon  erwähnt  worden 
ist,  gehört  zu  den  interessantesten  geologischen  Erscheinungen  in  dieser 
Gegend. 


[11]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  233 

An  der  nordwestlichen  Begrenzungslinie  der  Pnbramer  Schiefer  fallen  die- 
selben gegen  Südostvund  sowohl  die  Krusnahora-  und  Komorauer  Schichten 
zwischen  Mnfsek  und  Cernolic  als  auch  die  Quarzite  der  Brdaschichten  zwischen 
Cernolic  und  Bane  sind  auf  den  Schichtenköpfen  derselben  abweichend  gegen 
Nordwest  aufgelagert.  Die  Eisensteinlager  bei  Mnfsek,  die  Herr  Bergrath 
Lipoid  beschreibt,  fallen  nordwestlich  (35  Grad)  unter  den  Quarzit  der 
Skalka  ein;  bei  Cernolic  streichen  die  unmittelbar  aus  dem  Pnbramer  Schiefern 
klippig  aufragendenQuarzitfelsen  der Brda-Schichten  nachNordost(Stunde4) und 
sind  steil  gegen  Nordnord  west  (80  Grad)  aufgerichtet.  Dieses  Streichen  und 
Einfallen  behalten  sie  bis  Bane  oberhalb  Königsaal;  in  den  Schottergruben  da- 
selbst wendet  sich  aber  das  Einfallen  der  Schichten  gegen  Südost  (50  Grad), 
so  dass  an  der  Begrenzungslinie  die  Pnbramer  Schiefer  hier  auf  den  Brda-Schich- 
ten aufgelagert  zu  sein  scheinen.  Doch  wenden  sich  die  dem  Quarzit  aufgela- 
gerten Schichten  der  Grauwackenschiefer  bei  Lipenec  wieder  gegen  Nordwest 
und  bilden  demnach  im  Königsaaler  Berg  einen  Sattel  (siehe  Tafel,  Durch- 
schnitt 1).  Complicirter  sind  diese  Verhältnisse  an  der  Begrenzungslinie  zwi- 
schen Zävist  gegenüber  von  Königsaal,  und  zwischen  Komorau.  Die  Brda- 
Schichten  keilen  sich  bei  Bane  aus,  und  auf  das  rechte  Moldauufer  setzen  hier 
nur  die  Hostomnicer  Schiefer  mit  Quarziteinlagerungen  herüber  und  bilden,  wie 
schonverwähnt  wurde,  die  Uferterrassen  am  nordwestlichen  Fusse  des  Hradiste 
und  Cihadloberges.  An  den  niedrigen  Felsenwänden  zwischen  Zävist  und 
Komorau  sieht  man  die  Hostomnicer  Schichten  in  scharfen  Biegungen  bald  nach 
Nordwest,  bald  nach  Südost  einfallen,  bis  sie  endlich  am  Fusse  des  Hradiste  bei 
Zävist,  ähnlich  wie  der  Quarzit  bei  Bäne,  unter  die  Pnbramer  Schiefer  und 
Grünsteine  dieses  Berges  einfallen.  Das  Streichen  der  Hostomnicer  Schichten  ist 
hier  beinahe  nach  Osten  (Stunde  5*5),  das  Einfallen  südsüdöstlich  (20  Grad) 


1"  = 400°.  1 Hostomnicer  Schichten.  2 Pnbramer  Schiefer.  3 Felsitporphyr.  4 Diorit, 


In  dem  weiteren  Verlaufe  gegen  Kunratic  ist  die  Grenzlinie  zwischen  den 
Pnbramer  Schiefern  und  den  Gebilden  der  Barrande’ sehen  Eta  ge  D durch 
Ackerboden  verdeckt. 

Aus  den  dargelegten  Verhältnissen  ergibt  sich  von  selbst,  dass  die  Hebun- 
gen, denen  zu  Folge  die  Pnbramer  Schiefer  und  die  Brda-Schichten,  so  wie  die 
Hostomnicer  Schiefer  ihre  jetzige  Lage  einnehmen,  in  zwei  verschiedenen 
Epochen  stattfinden  mussten;  denn  erst  am  Saume  der  schon  gehobenen  Pn- 
bramer Schiefer  konnten  die  jüngeren  Quarzite  und  Grauwackenschiefer  empor- 
geschoben oder  angedrückt  werden.  Die  Knickungen  und  steilen  Aufstellungen 
dieser  Schichten  an  der  Begrenzung  mit  der  azoischen  Zone  machen  den  Ein- 
druck, als  ob  sie  mit  unwiderstehlicher  Kraft  an  diese  Zone  angedrückt,  und 
je  nach  ihrer  Festigkeit  entweder  steil  aufgestaut  oder  faltenartig  zusammerr- 

30  * 


234 


Johann  Krejßi. 


[12] 


gepresst  worden  wären.  Aehnliche  Knickungen  und  Faltungen,  die  in  den  höheren 
silurischen  Schichten  ziemlich  häufig  sind,  habe  ich  in  der  azoischen  Zone  mei- 
nes Aufnahmsgebietes  nirgends  gesehen ; aber  die  unzähligen  Klüfte  und  Spalten, 
von  welchen  die  Schichten  derselben  scheinbar  regellos  nach  allen  Richtungen 
durchsetzt  werden,  mögen  doch  mit  Störungen  des  Schichtenbaues  im  Zusammen- 
hänge stehen.  Drei  Systeme  von  Klüften  und  Spalten  findet  man  in  diesem  Ge- 
biete überall,  und  da  sie  zugleich  mit  den  Richtungen  der  engen  Felsenthäler 
übereinstimmen,  so  können  sie  mit  denselben  allerdings  eine  Entstehungsbedin- 
gung haben. 

Das  eine  dieser  Kluftsysteme,  gewöhnlich  das  am  deutlichsten  entwickelte, 
streicht  gegen  Nordnord  west  (Stunde  1 1),  sein  Einfallen  ist  gewöhnlich  sehr  steil 
gegen  Westsüdwest.  Genau  dasselbe  Streichen  hat  das  Moldauthal  vom  Vir  ober- 
halb Vran  bis  Davle,  dann  von  St.  Kilian  bis  Stechovic,  und  an  den  Felswän- 
den dieses  Thaies  sieht  man  diese  Klüfte  deutlich  entwickelt,  ja  sie  verdecken 
häufig  die  eigentliche  Schichtenrichtung;  auch  der  erwähnte  Dioritgang  bei 
Jarov  hat  dieses  Streichen. 

Ein  zweites  ebenfalls  sehr  entwickeltes  Kluftsystem  streicht  senkrecht  zur 
Schichtenrichtung  der  Schiefer,  nämlich  nach  Nord  west  (Stunde  9),  und  fällt  an  den 
meisten  Stellen  nach  Südwest  steil  ein.  An  den  anstehenden  Felsen  des  Moldau- 
thaies, so  wie  in  den  Steinbrüchen  bei  Cholupic,  in  den  Schiefern  bei  Okrouhlo, 
an  der  Sazava,  bei  Lecic  u.  s.  w.  sind  die  glatten  Kluftwände  dieses  Systems  zu 
sehen.  Der  untere  Theil  des  Säzavathales,  die  Schluchten  bei  Vran,  Jarov,  Zävist, 
Partien  des  Moldauthales  in  den  Krümmungen  bei  Trebenic  haben  dasselbe 
Streichen. 

Das  dritte  Kluftsystem  stimmt  in  seinem  Streichen  mit  den  Schieferschich- 
ten überein;  es  geht  nämlich  nach  Nordost  (Stunde  3),  das  Einfallen  ist  sehr  häufig 
nordwestlich,  nicht  selten  schneidet  es  aber  die  Fallrichtung  der  Schiefer- 
schichten unter  einem  spitzen  Winkel,  indem  es  von  demselben  nur  um  einige 
Grade  abweicht.  Manchmal  sind  an  demselben  Felsen  beide  Kluftflächen  vorhan- 
den und  dieses  gibt  dann  Veranlassung  zur  stängligen  Zerbröcklung  des  Gestei- 
nes. An  dem  Pribramer  Schiefer  von  Lecic  und  Cfsovic,  im  Moldauthal,  dann  bei 
Unter-Brzan  und  Cholupic  sieht  man  diese  Klüfte  sehr  auffallend  entwickelt.  Mit 
diesem  Kluftsysteme  hängen  vielleicht  auch  die  beiden  schon  am  Eingänge  er- 
wähnten Thäler  zusammen,  von  denen  das  eine  von  Cfsovic  gegen  Mechenic, 
das  andere  (das  Kocabathal)  von  Lecic  nach  Stechovic  in  nördlicher  Richtung 
verläuft.  Auch  gerade  nach  Nord  gehen  einige  Kluftrichtungen  (das  Moldauthal 
zwischen  Vran  und  Kuhelbad  hat  auch  diese  Richtung) , so  wie  gerade  nach 
Osten  (hieher  gehört  auch  die  Thalrichtung  gleich  oberhalb  Stechovic,  dann  der 
untere  Theil  des  Kocabathales),  aber  beide  sind  den  früher  erwähnten  blos  unter- 
geordnet. 

Die  genannten  verschiedenen  Kluftsysteme  sind  von  verschiedenem  Alter. 
Der  Beweis  dafür  liegt  darin,  dass  sich  die  einen  bis  in  die  angrenzenden  neue- 
ren Formationen  fortsetzen,  während  die  anderen  blos  auf  die  silurisehe  For- 
mation und  das  Urgebirge  beschränkt  bleiben.  Das  älteste  Kluftsystem  scheint 
das  nordöstliche,  mit  dem  Streichen  der  silurischen  Schichten  übereinstimmende 
zu  sein.  Es  ist  nicht  blos  in  der  azoischen  Zone,  sondern  noch  viel  deutlicher 
in  der  obersilurischen  Abtheilung  entwickelt  und  setzt  sich  bis  in  das  Urgebirge 
des  Böhmerwaldes  fort.  Jünger  erscheint  das  zum  Streichen  der  silurischen 
Schichten  senkrechte  Kluftsystem;  die  zu  demselben  gehörenden  Schluchten  und 
Felsenthäler  durchsetzen  das  erstere  mit  prallen  Wänden,  streichen  aber  eben- 
falls bis  ins  angrenzende  Urgebirge.  Am  jüngsten  sind  die  nordnordwestlichen 


[13]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  235 

und  nördlichen  Klüfte,  denn  sie  durchbrechen  nicht  blos  das  ganze  silurisehe 
Becken  und  die  Urgebirge,  sondern  gehen  bis  ins  Terrain  der  Steinkohlen-  und 
Kreideformation  nördlich  von  Prag  hinüber.  Die  grosse  Moldauspalte,  welche 
Böhmen  von  Süd  nach  Nord  in  zwei  beinahe  gleiche  Hälften  theilt,  gehört 
grösstentheils  hieher. 

Die  Mächtigkeit  der  Prfbramer  Schiefer  in  dem  Gebiete  lässt  sich  sehr 
schwer  bestimmen,  ist  aber  jedenfalls  sehr  bedeutend. 

Die  horizontale  Distanz  von  der  Granitgrenze  bis  zu  den  Krusnohora-  und 
Brda-Schiehten  beträgt  senkrecht  zur  Schichtenrichtung  gemessen  zwischen 
Teletin  und  Bidkä  etwa  8000  Klafter;  zwischen  dem  Granitterrain  bei  Eule  und 
Zävist  etwa  6000  Klafter,  im  Durchschnitte  also  7000  Klafter. 

Der  Einfallswinkel  beträgt  im  Durchschnitte  etwa  60  Grad.  Würde  man 
demnach  den  ganzen  Schichtencomplex  von  der  Granitgrenze  bis  zu  den  Quarzi- 
ten des  Brdawaldes  als  eine  continuirliche  Masse  annehmen,  so  würde  (da 
7000  sin  60°  = 6062)  die  Mächtigkeit  der  Zone  die  enorme  Grösse  von 
36000  Fuss  erreichen. 

Indessen  ist  nach  der  Analogie  ähnlicher  Fälle  im  obersilurischen  Terrain 
die  Annahme  erlaubt,  dass  das  Schichtensystem  dem  Streichen  nach  mehrfach 
gebrochen  und  demnach  dieselbe  Schichtenfolge  mehrfach  wiederholt  ist. 
Namentlich  scheinen  die  felsigen  Längenthäler  zwischen  Cisovic  und  Mechenic, 
dann  zwischen  Lecie  und  Stechovic  solchen  Bruchstellen  ihren  Ursprung  zu 
verdanken. 

Die  Entfernung  dieser Thäler  unter  einander,  so  wie  des  Mechenicer  Thaies 
von  den  Quarziten  des  Brdawaldes  beträgt  etwa  2000  Klafter.  Würden  wir 
diese  Entfernung  für  die  an  der  Oberfläche  anstehende  Mächtigkeit  des  Schichten- 
systemes  annehmen,  so  würde  sich  als  durchschnittliche  Mächtigkeit  der 
Schichtenmassen  bei  60  Grad  Einfallen  (2000  sin  60  Grad  = 1632),  die 
Grösse  von  9600  Fuss  ergeben. 

Allerdings  sind  dies  keine  begründeten  Angaben,  sondern  nur  beiläufige 
Annahmen,  da  bei  der  Gleichartigkeit  des  Gebirgsbaues  zu  wenig  Anhaltspunkte 
geboten  werden,  um  diese  Bestimmungen  mit  einiger  Sicherheit  durchzuführen; 
doch  haben  aber  diese  Annahmen  mehr  Gründe  der  Wahrscheinlichkeit  für  sich, 
als  die  Annahme  einer  die  höchsten  Berge  des  Ilimalaya  in  der  Mächtigkeit  über- 
treffenden Schichtenmasse. 

Der  Durchschnitt  der  azoischen  Zone  von  Ridkä  bis  Vysoky-Ujezd  stellt 
sich  nach  den  angeführten  Daten  in  folgender  Weise  dar  (siehe  Tafel,  Durch- 
schnitt 2).  Die  nördliche  Partie  der  azoischen  Zone  des  Silursystemes,  der 
Pzfbramer  Schiefer  (I?  Barr.),  beginnt  bei  Podbaba  unterhalb  Prag  und  verbreitet 
sich  zu  beiden  Seiten  des  Flusses  bis  an  die  Grenze  des  Steinkohlen-Terrains 
bei  Bustehrad  und  Kralup  und  das  Alluvium  bei  Chvaterub  und  Klomfn.  Sobald 
der  Fluss  die  breitere  Thalfurche  im  untersilurischen  Gebiete  verlassen  hat,  tritt 
er  im  Gebiete  der  Prfbramer  Schiefer  abermals  in  ein  enges  Felsenthal,  welches 
er  erst  bei  Chvaterub  und  Kralup  verlässt,  da  wo  die  beginnende  Steinkohlen- 
und  Kreideformation  auch  ganz  andere  Terrainformen  bedingt.  Das  azoische 
Gebiet,  welches  der  Fluss  hier  seiner  ganzen  Breite  nach  durchbricht,  und  zwar 
anfangs  bis  Klecan  mit  nördlichem  und  dann  nach  einem  westlichen  Umbug  mit 
nordnordwestlichem  Laufe,  ist  ein  von  Osten  gegen  Westen  allmälig  ansteigen- 
des Plateau,  aus  dem  nur  einzelne  isolirte  Felsenklippen  emporragen. 

Die  wellenförmigen  Höhen  sind  mit  den  fruchtbarsten  Feldern  bedeckt,  aber 
enge  felsige  Schluchten,  die  zur  Moldau  sich  herabziehen,  unterbrechen  die  Ein- 
förmigkeit des  Plateaus  auf  eine  mannigfache  Weise. 


236 


Johann  Krejöf. 


[14] 


Der  Plateaurand  am  rechten  Moldauufer  hat  die  absolute  Höhe  von  900  Fuss, 
am  linken  Ufer  erhebt  sich  das  Plateau  allmälig  zur  Höhe  von  1000  Fuss,  bis 
es  in  die  1200  Fuss  hohe  Plänerfläche  übergeht,  welche  zwischen  Bustehrad  und 
Unhost  sich  ausdehnt.  Da  ich  bei  den  vorjährigen  Excursionen  nicht  hinlängliche 
Zeit  fand,  um  dieses  Terrain  im  Detail  zu  untersuchen,  so  kann  ich  hier  vorläufig 
dasselbe  nur  in  allgemeinen  Umrissen  schildern. 

Das  mir  zugewiesene  Terrain  erstreckt  sich  vom  Moldaufluss  östlich  bis 
Unhost.  Die  südliche  Begrenzung  der  dasselbe  zusammensetzenden  Pribramer 
Schiefer  bilden  die  Hostomnicer  Schichten  (/>).  Die  Jinecer  Schichten  (C) 
und  die  Krusriahora  und  Komorauer  Schichten  (Barrande  dl)  fehlen  hier 
gänzlich.  Doch  ist  die  unmittelbare  Begrenzung  der  azoischen  mit  den  Petre- 
facten  führenden  Schichten  zwischen  Svärov  und  Yokovic  durch  Quadersand- 
steine und  Plänermergel  verdeckt.  Nach  den  anstehenden  Quarziten  und 
Kieselschiefern,  welche  an  einigen  Punkten  der  seichten  Thäler  unter  den 
Quadersandsteinen  zu  Tage  gehen,  zieht  sich  die  Grenzscheide  vom  Karabinsky 
vrch  (1380  Fuss)  bei  Svärov  gegen  Cerveny-Ujezd  und  «Jenecek  (an  beiden 
Orten  ist  der  Quarzit  durch  Steinbrüche  aufgeschlossen),  dann  über  den 
Malinsky  vrch  (1188  Fuss)  zum  nördlichen  Eingänge  des  Särkathales  hei 
Vokovic,  durch  das  Särkathal  selbst  bei  der  Jeneralka,  dann  über  die  südlichen 
Gehänge  desselben  bis  nach  Podbaba.  Hier  übersetzt  die  Grenzlinie  die  Moldau 
und  geht  bei  Troja  vorüber  nach  Kobilis,  wo  sie  sich  abermals  unter  Quader- 
sandstein verbirgt.  An  der  südlichen  Seite  dieser  Linie  herrschen  die  Brda-  und 
Hostomnicer  Schichten,  unter  denen  bei  der  «Jeneralka  und  bei  Troja  die  Ko- 
morauer Schichten  auftreten ; an  der  nördlichen  Seite  derselben  beginnen  die  für 
diesen  Theil  des  Gebietes  der  Pribramer  Schiefer  (/?)  so  charakteristischen 
Klippen  der  Kieselschiefer. 

Es  ist  bemerkenswert!!,  dass  die  Kieselschiefer  in  der  nördlichen  Zone  der 
Pribramer  Schiefer  vorwalten,  während  sie  in  der  südlichen  Zone  derselben 
zwischen  Königsaal  und  Stechovic  fast  gänzlich  fehlen,  und  nur  bei  Mnisek  und 
weiter  südwestlich  bei  Picin,  Pribram,  Padri  u.  s.  w.  auftreten.  Auf  dem  von 
Quadersandstein  und  Plänermergel  nicht  bedeckten  Plateau  zwischen  Nebusic, 
Stredokluk,  Bustehrad,  Tursko  undOunetic  bilden  sie  fast  das  einzige  anstehende 
feste  Gestein,  indem  die  weicheren  Schiefer  mit  aufgelöstem  Erdreich  und 
einer  mächtigen  Humusdecke  ganz  bedeckt  sind  und  nur  in  den  tiefen  Felsen- 
schluchten auftreten. 

Unter  den  Pribramer  Schiefern  ist  am  meisten  ein  grünlich-grauer,  in  zoll- 
dicken Tafeln  brechender  Thonschiefer  verbreitet,  der  in  einer  felsitartigen 
Grundmasse  fein  eingemengten  Quarz  und  braune  oder  grünlich-graue  Glimmer- 
blättchen enthält.  In  der  Gegend  von  Zäjezd,  Stelcoves  und  Kretovic  ist  dieser 
Schiefer  sehr  glimmerreich  und  ähnelt  stellenweise  dem  Chloritschiefer ; imSärka- 
thale  wird  er  grauwackenartig  und  eine  Partie  desselben  hat  das  Ansehen  eines 
aus  scharfkantigen  kleinen  Schieferbrocken  bestehenden  Conglomerates.  Kleine 
Jjager  von  Brauneisensteinen  sah  ich  in  demselben  bei  Kovar. 

Aus  diesem  Schiefer  nun  entwickeln  sich  wie  aus  einer  Matrix  die  Kiesel- 
schiefer, Felsitporphyre,  Grünsteine  und  Aphanite,  welche  man  in  chaotischem 
Wechsel  antrifft,  sobald  man  eine  der  Felsenschluchten,  namentlich  aber  das 
Moldauthal  besucht. 

Am  mächtigsten  sind  die  Kieselschiefer  ausgebildet.  Ihr  Gestein,  eine  schwarz- 
graue häufig  roth  gefleckte,  von  weissen  Quarzadern  durchschwärmte  Kiesel- 
masse, hat  eine  sehr  grobe  undeutliche  Schieferung  und  zerfällt  an  den  Felsen- 
wänden in  mächtige  unregelmässige  Blöcke. 


[IS]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  237 

Der  Kieselsehiefer  bildet  in  den  weicheren  Pnbramer  Schichten  läng- 
liche Lagermassen,  welche  sich  aus  dem  verwitterten  Gestein  in  reihenförmig 
geordneten  Klippen  oder  in  scharfen  Rücken  erheben  und  durch  ihre  steilen, 
wild  zerrissenen  Felsen  schon  von  fern  kenntlich  sind. 

Die  südlichste  Reihe  unmittelbar  an  der  Grenzscheide  der  Pnbramer 
Schiefer  und  der  Brda-Schichten  beginnt  mit  den  malerischen  Felsen  der  soge- 
nannten „wilden  Särka“,  dem  oberen  Theile  eines  engen  Thaies,  welches  die 
azoische  Zone  zwischen  Vokovic  und  Podbaba  durchfurcht.  Die  Kieselschiefer- 
felsen erheben  sich  in  der  Felsenschlucht  bis  zu  300  Fuss  Höhe  und  bilden 

______  v 

ungemein  barocke  Gruppen.  Der  höchste  Punkt  derselben,  Zban  genannt,  erreicht 
1140  Fuss  Höhe.  In  der  nordöstlichen  Streichungslinie  der  Pnbramer  Schiefer 
treten  die  Kieselschiefer  wieder  am  rechten  Moldauufer  auf;  sie  bilden  hier  den 
Kamm  des  Cimieer  Plateaurandesv  die  Velkä  und  Mala  Skala  zwischen  Bohnic 
und  Troja,  den  Berg  Tenetiste  bei  Cimic  und  als  seine  Fortsetzung  den  1128  Fuss 
hohen  Ladviberg  bei  Dablic.  Gegen  Süd  westen  und  Norden  ist  der  Kieselschiefer 
der  Särka  von  den  Quadersandsteinen  und  Plänermergeln  des  Malinsky  vrch 
bedeckt  und  erst  bei  Jenec  treten  aus  demselben  wieder  kleine  Klippen  desselben 
zum  Vorschein,  und  zwar  abermals  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Brda-Schichten. 

Einen  isolirten  Kamm  bildet  der  Kozi  hrbety  (Ziegenrücken  1020  Fuss), 
der  bis  gegen  Levy  Hradec  fortsetzt  und  von  dem  Thälchen  bei  Ounetic 
quer  durchbrochen  wird.  Jenseits  der  Moldau  am  rechten  Ufer  derselben  bildet 
er  den  Rücken  Holosmetka  bei  Brnky. 

Eine  dritte  Reihe  von  mächtigen  Kieselschieferklippen  beginnt  bei  Knezeves 
und  Tuchomeric,  wo  sie  theilweise  von  Quadersandstein  und  Plänerinergel 
bedeckt  sind,  enthält  die  weithin  sichtbaren  Felsenrücken  bei  Kamyk  (den  Haj- 
niceber  1053  Fuss),  vdie  Felsengehänge  der  Schlucht  bei  Ühoh'cky,  den  Berg 
Rivnäc  und  setzt  bei  Rezf  quer  über  die  Moldau. 

Eine  vierte  Reihe  beginnt  bei  Hostome,  bildet  die  isolirten  Klippen  bei 
Stredokluk,  Pazderna  und  Svrkyne. 

Die  letzte  Reihe  endlich  zieht  sich  längs  der  Grenze  des  Steinkohlen - 
Terrains,  von  Bustehrad  bis  Kralup,  greift  zwischen  Zakolan,  Votvovic  und  Minie 
einigemale  ins  Steinkohlengebiet  und  enthält  die  Felsenkuppen  bei  Hole,  Kozinec 
(1050  Fuss)  und  Debrno,  ohne  sich  aber  auf  das  rechte  Moldauufer  zu  ver- 
breiten. 

Der  Felsitporphyr  hat  in  diesem  Gebiete  zwar  nicht  die  weite  Verbrei- 
tung wie  im  südwestlichen  Theile  desselben  bei  Pürglitz,  doch  bildet  er  einige 
ansehnliche  Felsenpartien  im  Moldauthale.  Man  sieht  ihn  hier  in  zwei  Varietäten 
auftreten,  einer  röthlichen  oder  grünlich-grauen  mit  dichter  Feldsteinmasse  und 
eingemengten  Quarzkörnern  und  einer  ebenfalls  röthlichen  oder  grünlichen  Varietät 
mit  ausgeschiedenen  Feldspath-Krystallen.  Beide  entwickeln  sich  durch  allmä- 
lige  Uebergänge  aus  den  Pnbramer  Schichten,  ja  eine  grosse  Partie  derselben, 
namentlich  zwischen  Letky  und  Chvaterub  ist  so  zu  sagen  geschieferte  Felsit- 
masse. 

Die  ersteren  Varietäten  sieht  man  im  Särkathale  bei  der  Jeneralka  und 
unterhalb  der  Mathiaskirche,  am  Podbabafelsen,  zwischen  Podbaba  und  Selce, 
auf  den  Felsengehängen  des  rechten  Moldauufers  bei  Klecan,  am  linken  und 
rechten  Moldauufer  bei  Libcic,  wo  der  Felsitporphyr,  namentlich  die  mächtige, 
von  der  Eisenbahn  durchschnittene  Felsenwand  bildet.  Die  Varietät  mit  ausge- 
schiedenen Feldspath-Krystallen  sieht  man  am  linken  Moldauufer  gegenüber  von 
Chvaterub ; am  meisten  ist  sie  aber  entwickelt  in  den  klippigen  Felsen  bei  Pos- 
trizm,  Vodolka  und  Velkä  Ves. 


238 


Johann  Krejöf. 


[16] 


An  den  meisten  der  genannten  Orte  kann  man  sich  leicht  überzeugen,  dass 
die  Lagerungsverhältnisse  des  Felsitporphyrs  im  Grunde  dieselben  sind,  wie  die 
des  Kieselschiefers,  indem  wie  hier  die  kieseligen  Bestandtheile  der  Schiefer,  so 
dort  die  feldspathartigen  sich  in  mehr  oder  weniger  regelmässigen  Lagern  con- 
centrirten.  Am  Felsen  bei  Podbaba,  so  wie  in  den  steilen  Felsenwänden  zwischen 
Selce  und  Roztok,  dann  zwischen  Morän  und  Letkv  durchsetzt  der  Felsitporphyr 
die  aphanitischen  Schiefer  scheinbar  in  der  Form  von  Gängen,  weil  hier  die  eigent- 
liche Schichtung  des  Schiefergesteines  durch  die  vorherrschende  transversale 
Durchklüftung  fast  gänzlich  verdeckt  ist.  Untersucht  man  aber  die  Gesteine 
genauer,  so  findet  man,  dass  die  Schichtung  derselben  den  gangartigen  Lagern 
des  Felsitporphyrs  vollkommen  parallel  ist  und  die  scheinbaren  Schichtentlächen, 
welche  der  Porphyr  senkrecht  durchbricht,  eigentlich  nur  Kluftflächen  sind, 
welche  auf  eine  Strecke  das  Gestein  in  parallelen  Richtungen  durchsetzen. 

Man  ersieht  daraus,  dass  von  einem  eruptiven  Ursprung  des  Felsitporphyres 
hier  eben  so  wenig  die  Rede  sein  kann,  als  bei  seinem  Vorkommen  in  der  süd- 
lichen Zone  der  Prfbramer  Schiefer  im  Moldauthale  zwischen  Königsaal  und 
Stechovic. 

Der  Grünstein  ist  hier  weniger  mächtig  entwickelt,  als  der  Felsitporphyr. 
Man  findet  ihn  namentlich  am  rechten  Moldauufer  oberhalb  Klecan,  bei  Chabry 
und  Vodolka,  dann  an  einigen  Punkten  des  linken  Moldauufers  zwischen  Morän 
und  Dolan  in  sehr  untergeordneter  Stellung.  Er  ist  hier  ein  krystallinisch-kör- 
niges,  deutlich  aus  Amphibol  und  Feldspath  zusammengesetztes  Gestein,  welches 
durch  allmäliges  Verdichten  des  Kornes  in  massige  oder  geschieferte  Aphanite 
übergeht.  Auch  in  den  Aphaniten  kommen  Streifen  vor,  welche  in  einer  felsit- 
artigen  Grundmasse  sehr  deutlich  kenntliche  Amphibolkrystalle  enthalten  und  dem 
Grünstein  ähnlich  werden,  so  namentlich  an  den  Felsen  bei  Podbaba  und  Selce. 

Der  Aphanit  ist  neben  den  Thonschiefern  am  meisten  verbreitet.  Er  bildet 
einen  grossen  Theil  der  mächtigen  Felsenwände  im  Moldauthale  zwischen  Pod- 
baba und  Kralup,  in  der  Särka,  bei  Üholfcky,  Vodochad  und  Chabry.  Er  wechselt 
mit  eigentlichen  Thonschiefern  ab,  unterscheidet  sich  aber  von  denselben  schon 
durch  seine  schwärzlich-grüne  Farbe  und  die  auffallend  grössere  Schwere.  Das 
Gestein  ist  gewöhnlich  dicht  oder  feinkörnig,  enthält  in  einer  Feldsteinmasse 
Kryställchen  von  Amphibol,  dann  Quarzkörner  und  Chloritschuppen  und  geht  einer- 
seits durch  vorwaltende  Entwickelung  der  feldsteinartigen  Grundmasse  in  Felsit- 
porphyr, andererseits  durch  Vorwalten  der  Amphibolkrystalle  in  Grünstein,  und 
durch  häufigeres  Auftreten  von  Glimmerblättchen  in  Thonschiefer  über. 

Obwohl  die  Schieferung  durch  eine  sehr  regelmässige  Kluftbildung  gewöhn- 
lich maskirt  ist,  so  tritt  sie  stellenweise  sehr  deutlich  zum  Vorschein,  so  dass  die 
Aphanitgesteine  im  Ganzen  schon  beim  ersten  Anblick  den  Eindruck  von  meta- 
morphosirten  Thonschiefern  machen. 

Das  Streichen  der  Schichten  in  diesem  Gebiete  ist  auffallend  verschieden 
von  dem  Streichen  der  höheren  Petrefacten  führenden  Etagen;  im  Allgemeinen 
ist  es  nämlich  mehr  nordnordöstlich  (Stunde  3 — 2),  obwohl  stellenweise  Abweichun- 
gen gegen  Osten  und  Norden  und  sogar  Nordost  Vorkommen.  Namentlich  sind  die 
Schiefer  um  die  Kieselschiefer-Gruppen  unregelmässig  gewunden  und  wechseln 
in  ihren  Richtungen  sehr  mannigfach,  obwohl  sie  im  Allgemeinen  ihr  nordöst- 
liches Streichen  behalten.  Das  Einfallen  der  Schichten  ist  eben  so  wechselnd; 
längs  dem  Steinkohlenterrain  geht  es  gegen  Nord  west  (mit  45 — 60  Grad), 
wendet  sich  in  der  Richtung  gegen  Prag  einigemale  gegen  Südost,  so  dass  sattel- 
förmige Falten  entstehen,  gerade  wie  in  der  später  zu  beschreibenden  Abthei- 
lung der  höheren  Etagen. 


[17]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  239 

Die  Klüfte,  welche  das  Gestein  scheinbar  nach  allen  Richtungen  durch- 
setzen, lassen  sich  eben  so  wie  in  der  südlichen  Zone  der  Pnbramer  Schiefer  nach 
drei  Systemen  ordnen,  einem  nördlichen,  einem  nordöstlichen  und  einem  nord- 
westlichen. Am  mächtigsten  sind  namentlich  im  Moldauthale  die  nördlich  strei- 
chenden Klüfte  entwickelt;  sie  bilden,  da  wo  sich  das  Gestein  abgelöst  hat,  senk- 
rechte Wände,  welche  mit  der  Thalrichtung  parallel  laufen. 

Die  nordwestlichen  Klüfte  haben  häufig  das  Ansehen  von  glatten  Schiefer- 
flächen, lassen  sich  aber  dennoch  leicht  erkennen,  indem  sie  die  wechselnden 
Gesteinsvarietäten  gleichförmig  durchsetzen.  Die  nordöstlichen  Klüfte  endlich 
gehen  parallel  zur  eigentlichen  Schichtung,  ihr  Einfallen  bildet  aber  mit  den 
Schichtungsflächen  immer  einen  mehr  oder  weniger  spitzen  Winkel. 

Es  lässt  sich  beobachten,  dass  die  Fallrichtung  dieser  Klüfte  mit  den  sattel- 
förmigen Falten  in  einer  gewissen  Beziehung  steht,  indem  sie  von  dem  Krüm- 
mungsmittelpunkt der  Schichten  radial  aus  einander  laufen  und  dadurch  also  alle 
Neigungen  vom  Senkrechten  bis  zum  Horizontalen  erhalten. 

Die  Richtung  der  kleinen  Thälchen,  die  das  Plateau  durchfurchen  und  zum 
Moldauthal  einmünden,  so  wie  die  Richtung  dieses  Thaies  selbst,  stimmt  mit  den 
Kluftsystemen  überein.  Die  nördliche  Richtung  haben  das  Moldauthal  zwischen 
Podhaba  und  Klecan,  das  Thälchen  zwischen  Cicovic  und  Zakolan,  unterhalb 
Vorder-Kopanina  und  Suchdol,  zwischen  Tursko  und  Minie;  die  nordwestliche 
Richtung  hat  ein  Theil  des  Moldauthales  zwischen  Letky  und  Kralup;  die  nord- 
östliche das  Thal  von  Zakolan  und  Kralup,  von  Tuchonferie  nach  Roztok,  und 
das  Särkathal. 

2.  Das  untersilurische  Petrefacten  führende  Terrain  zwischen  Hostomnic 

und  Prag. 

Wie  schon  früher  erwähnt  wurde,  liegen  in  dem  diesjährigen  Aufnahms- 
gebiete überall  auf  den  azoischen  Pnbramer  Schiefern  unmittelbar  Gestein- 
schichten auf,  welche  der  Etage  D Barr  and  e’s  angehören.  Die  hervorragend- 
sten unter  diesen  Schichten  bilden  die  Brda-Schichten,  indem  der  Quarzit  der- 
selben als  ein  festes,  schwer  verwitterbares  Gestein  mit  seinen  zu  Tage  ausge- 
henden Schichtenköpfen  langgestreckte  nach  Südwest  streichende  Rücken  und 
Hügelreihen  bildet,  zwischen  denen  das  niedrigere  hügelige  Kalksteinplateau  als 
ein  kleines  in  die  Länge  gestrecktes  Becken  sich  ausbreitet. 

Durch  diese  Rücken  wird  der  landschaftliche  Charakter  der  Umgebungen 
Prags  am  meisten  bestimmt.  Der  höchste  dieser  Rücken  bildet  das  nordöstliche 
Ende  des  waldigen  Brd  a- Gebirges,  welches  weithin  in  das  waldige  Bergland 
zwischen  Rokycan  und  Nepomuk  greift  und  die  höchsten  Erhebungen  des  böh- 
mischen silurischen  Systemes  enthält.  Der  südwestliche  Theil  dieses  waldigen 
Rückens  besteht  aus  der  Prfbramer  Grauwacke  ( B ),  die  sich  gegen  Skalka 
bei  Mnisek  allmälig  ausbreitet  und  von  den  eigentlichen  Brda-Schichten  durch 
die  Komorauer  und  Krusnahora-Schichten  getrennt  wird.  Zwischen  Chlumec 
bei  Hostomnic  und  dem  Jägerhause  Rochoty  lehnen  sich  die  Brda-Schichten  an 
die  Nordwestseite  des  Brda-Rückens  an,  und  erst  von  Rochoty  und  Skalka  an 
bilden  sie,  nachdem  die  Pnbramer  Grauwacken  sich  ausgekeilt  haben,  die  Fort- 
setzung des  Hauptkammes  bis  gegen  Königsaal. 

Den  nordwestlichen  Fuss  dieses  Rückens  umsäumt  zwischen  Vosco  und 
Königsaal  ein  schönes  und  breites,  in  die  weichen  Grauwackenschiefer  der 
Hostomnicer  Schichten  eingefurchtes  Thal,  in  welches  hei  Revnic  der  Beraunfluss 
aus  einer  das  Kalkplateau  quer  durchbrechenden  Gebirgsspalte  eintritt. 

31 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


240 


Johann  Krejöi. 


[18] 


Der  südöstliche  Fuss  ruht  auf  dem  azoischen  Schieferpiateau  bei  Mnisek 
und  Jiloviste.  Ueppiger  Waldwuchs  bedeckt  beide  Flanken,  so  wie  den  Kamm 
des  Rückens,  so  dass  wenig  anstehendes  Gestein  zu  sehen  ist;  nur  die  tiefe 
zwischen  Cernolic  und  Vsenor,  senkrecht  zum  Streichen  eingerissene  Schlucht 
deckt  den  einfachen  Bau  dieses  Rückens  auf.  Die  Höhe  des  Kammes  nimmt  von 
Südwest  gegen  Nordost  allmälig  ab.  Zwischen  Hostomnic  und  Dobffs  erreicht  er 
am  Brda-  und  Jistehny-Berg  die  Höhe  von  1800  Fuss;  die  Skalka  bei  Mnisek 
hat  die  Höhe  von  1687*8  Fuss,  der  Kamm  zwischen  Ridka  und  Revnic  am  Bez- 
hlavyberge  1605  Fuss,  an  der  Cervenäklina  1472*4  Fuss,  die  Kopanina  bei  Jilo- 
viste 1288  Fuss,  und  endlich  die  St.  Galluskirche  bei  Königsaal  4139*24  Fuss 
über  dem  Meere  und  300  Fuss  über  der  Moldau. 

Bei  dem  Dorfe  Bane  oberhalb  Königsaal  in  dem  kleinen  Dreiecke  zwischen 
dem  Zusammenflüsse  des  Moldau-  und  Beraunflusses  keilen  sich  die  Brda-Schich- 
ten,  wie  schon  früher  erwähnt  wurde,  aus,  und  zu  beiden  Seiten  der  Moldau,  die 
hier  das  silurische  Schichtensystem  von  Süd  nach  Nord  durchbricht,  stehen  die 
Hostomnicer  Schichten  mit  kleinen  Quarzitlagern  an.  Erst  bei  Modran  (am  Wein- 
garten bis  Kupska  vinice)  beginnt  wieder  ein  Quarzitzug,  der  Hügel  bildend  über 
Lhotka  in  den  Kunraticer  Wald  hinüberstreicht,  und  dann  gegen  Mecholup  und 
Dubec  fortsetzt.  Die  Höhen  dieses  Zuges  erreichen  800  — 900  Fuss. 

Die  Fortsetzung  und  Abgrenzung  dieser  Schichten  im  östlichen  Gebiete  bei 
Prag  wird  im  künftigen  Jahre  aufgenommen  werden. 

Ein  ähnlicher  Zug  von  Brda-Schichten,  der  in  Gestalt  von  zwei  länglichen 
Rücken  aus  den  Hostomnicer  Schichten  aufragt,  wird  in  Prag  selbst  von  der 
Moldau  durchbrochen,  und  -gibt  den  nächsten  Umgebungen  der  Hauptstadt  ihre 
reizende  hügelige  Gestaltung. 

Der  eine  dieser  Rücken  enthält  den  Kreuzberg,  (Krlzeu  864*72  Fuss)  bei 
Volsan  und  endet  mit  der  Skalka  in  Prag;  der  nördlichere  enthält  den  berühmten 
Ziskaberg  (846*42  Fuss)  beim  Prager  Invalidenhause,  den  Kampfplatz  der  bluti- 
gen Hussitenschlacht  im  Jahre  1420.  Seine  Fortsetzung  am  jenseitigen  Ufer  der 
Moldau  bilden  klippenförmig  emporragende  Felsengruppen  im  Thale  von  Kosir, 
welche  im  Plateau  oberhalb  Motol  sich  verlieren. 

Ein  niedriger  Quarzitrücken,  der  zwischen  Trebonic  und  Dusnik  auf 
dem  Plateau  kaum  bemerkbar  sich  hinzieht,  liegt  in  der  Fortsetzung  dieser 
Klippen. 

Unmittelbar  an  das  azoische  Plateau  des  nördlichen  Flügels  grenzt  der 
andere  Zug  der  Brda-Schichten,  der  stellenweise  in  bedeutenden  Felsenmassen 
auftritt  und  vonKomorauer  Schichten  begleitet  wird.  Eine  mächtige  Felsenpartie 
bildet  derselbe  am  nördlichen  Saume  des  Prager  Thaies  unter  dem  Rande  des 
Prosiker  Plänerplateaus;  die  Villen  „u  ztracene  varty“  (bei  der  verlorenen 
Schildwache)  und  Krälovka  stehen  auf  den  steil  aufgerichteten  Quarzitschichten 
derselben,  welche  mit  einer  grossen  und  glatten,  von  der  Ferne  sichtbaren  Wand 
zum  Moldauflusse  bei  Klein-Holesovfc  abfallen.  Weiche  Grauwackenschiefer  um- 
säumen dieses  Quarzitlager  von  beiden  Seiten. 

In  der  südwestlichen  Fortsetzung  dieses  Zuges  der  Brda-Schichten  treten 
nur  kleinere,  durch  Schottersteinbrüche  aufgeschlossene  Quarzitfelsen  auf;  so 
am  östlichen  Ende  des  Bubenecer  Baumgartens,  bei  dem  Artillerielaboratorium 
Orechovka,  bei  Dehnic  (Dejvic)  und  an  den  südlichen  Kämmen  der  sogenannten 
wilden  Särka  (einer  Felsenschlucht  im  Kieselschiefer).  Von  hier  aus  majcht  das 
Terrain  der  Brda-Schichten  eine  nördliche  Ablenkung  gegen  Jenec  und  Cerveny 
Ujezd,  doch  lässt  sich  die  genauere  Abgrenzung  desselben  gegen  das  azoische 
Kieselschieferterrain  wegen  der  Bedeckung  mit  Quadersandstein  und  Quader- 


[19] 


Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  241 


mergel  nicht  bestimmen.  Lager  von  Quarziten  treten  noch  bei  Hostivic,  Jenec, 
Häjek,  Cerveny  LJjezd  und  Svärov  auf. 

Das  ganze  Terrain  der  Hostomnicer  und  Brda-Schichten  zwischen  der  Särka 
und  dem  Thale  des  Lodenicer  Baches  (Kacäk)  ist  im  Gegensätze  zu  dem  anderen 
von  Längenthälchen  durchfurchten  Hügeilande  ein  einförmiges  Plateau.  Erst  im 
Thal  des  Lodenicer  Baches  tritt  der  Charakter  des  Terrains  der  Brda-Schichten 
wieder  in  seiner  eigentlichen  Gestaltung  auf. 

Dieses  Thal,  dessen  interessantesten  Theile  bei  St.  Ivan  wir  später  kennen 
lernen  werden,  durchbricht  das  Schichtensystem  von  Nord  nach  Süd  und  enthüllt 
den  Bau  desselben  auf  eine  sehr  belehrende  Weise.  Zwischen  Podkozi  und 
Chrustenic  treten  nun  hier  die  Quarzitlager,  die  im  vorerwähnten  Plateau  unter 
der  Ackerkrume  und  dem  Quadersandstein  verschwanden,  wieder  in  mächtigen 
Massen  auf,  und  bilden  bedeutende  Waldberge,  welche  in  zwei  parallelen  Beihen 
zum  Beraunflusse,  zwischen  Althütten  und  Beraun,  streichen.  Die  kleine  Stein- 
kohlenmulde von  Klein-Pfilep  ist  zwischen  diese  Bergrücken  eingekeilt.  Der 
Berauner  Plesivec(wohl  zu  unterscheiden  vom  Karlsteiner  und  Hostomnicer  Berge 
gleichen  Namens)  erreicht  hier  die  Höhe  von  1384*62  Fuss.  So  wie  der  Lode- 
nicer Bach,  so  durchbricht  auch  derBeraunfluss  zwischen  Althütten  und  Beraun 
diese  Quarzitnicken  der  Brda-Schichten  von  Nord  nach  Süd  mit  einer  kleinen 
Ablenkung  gegen  Osten  und  bildet  hier  ein  von  mächtigen  Felsenwänden  und 
steilen  Waldlehnen  umsäumtes  Thal. 

Am  rechten  Flussufer  setzen  die  Brda-Schichten  ebenfalls  in  zwei  parallelen 
Zügen  gegen  Südwest  fort;  die  nördliche  Partie  enthält  den  klippigen  WTald- 
kamm  Brdatka,  dann  den  Berg  Lfsek  (1602  Fuss),  an  dessen  Gipfel  und  nord- 
westlichen Gehängen  die  Steinkohlenmulde  von  Kdycina  ruht;  die  südliche 
Partie  enthält  denOstryvrch  bei  Beraun,  den  Bücken  Pruhony  und  den  Dedberg 
(1543*98  Fuss)  mit  dem  Hofe  Drabov,  nach  welchem  Barrande  diesen  Berg 
benennt.  Der  kleine  Zahoraner  Bach  durchbricht  zwischen  der  Mühle  Dybri  und 
zwischen  Kralüv  dvur  (Königshof)  diese  Partien,  welche  jenseits  des  Baches 
über  Trubsko  gegen  Svatä,  Hredl  und  Zebräk  fortsetzen. 

Die  genannten  Höhenzüge  sind,  wie  schon  bemerkt  wurde,  die  zu  Tage  aus- 
gehenden Schichtenköpfe  der  silurischen  Quarzitlager  und  bilden  mit  ihrer  weite- 
ren Fortsetzung  gegen  Hocovie  und  Hostomnic  einen  elliptischen  Bergkranz,  in 
dessen  Mitte  die  weicheren  Grauwackenschiefer  und  die  obersilurischen  Kalk- 
bänke muldenförmig  aufgelagert  sind. 

Die  Grauwackenschiefer  der  Hostomnicer  Schichten  sind  ihrer  Weich- 
heit und  leichten  Verwitterbarkeit  wegen  zum  grossen  Theile  abgeschwemmt 
und  in  ihnen  ist  namentlich  die  gleich  Anfangs  besprochene  Thallinie  eingefurcht, 
die  von  Zdic  über  Beraun  und  Lodenic  bis  Zlfchov  und  Michle,  und  von  da  über 
Branfk,  Königsaal,  Bevnic,  Vosov  und  Libomysl  ringsum  das  centrale  Kalkstein- 
plateau umsäumt. 

Nur  kleinere  Hügel  erheben  sich  aus  dieser  Thalfurche  und  erst  unmittelbar 
am  Bande  des  Kalksteinplateaus  entwickeln  sich  die  Bergformen  zu  höheren  und 
längeren  Bücken,  indem  hier  abermals  Lager  von  Quarzitsandsteinen  auftreten, 
welche  gewöhnlich  unmittelbar  von  den  Grünsteinen  der  obersilurischen  Abthei- 
lung bedeckt  sind.  Zu  diesen  Quarzitsandsteinrücken  gehören  die  Housing 
(1439*58  Fuss),  ein  scharfer  mit  Wald  bedeckter  Kamm  zwischen  Libomysl  und 
Vseradic,  der  Berg  Voskov  (1151*82  Fuss)  bei  Klucic  gegenüber  von  Karl- 
stein, so  wie  als  seine  Fortsetzung  die  Waldrücken  zwischen  Karlik,  Cernosic  und 
Badotfn,  der  Plateaurand  Lahovka  bei  Lochkov  und  der  Bohdalec  (858*78  Fuss) 
bei  Michle;  dann  der  Berg  Kolo  zwischen  Mezoun  und  Lodenic,  der  Berg  Herynek 

31  * 


242 


Johann  Krcjci. 


[20] 


zwischen  Vraz  und  Beraun,  der  Kosov  und  der  nordwestliche  Theil  der  Kouko 
lovä  hora  hei  Karlshütten  und  Popovic,  so  wie  der  Berg  Vysebohy  bei  Libomysl. 

Wie  bekannt,  theilt  Barrande  die  Etage  D in  fünf  Zonen  ab,  die  so- 
wohl ihrem  Gesteine  als  ihren  Petrefacten  nach  von  einander  unterschieden 
werden. 

Die  tiefste,  mit  d 1 bezeichnete  Zone,  welche  durch  die  merkwürdigen  bei 
Uval  und  Rokycan  vorkommenden  Petrefacten  charakterisirt  wird,  konnte  ich  in 
meinem  Aufnahmsgehiete  nicht  constatiren.  Indessen  ist  nach  den  von  Herrn 
Bergrath  Lipoid  erhobenen  Lagerungsverhältnissen  nicht  zu  zweifeln,  dass  die 
Sandsteine  und  Conglomerate  mit Lingula Feistmanteli Bar.,  d.i.  die  Krusnahora- 
Schichten,  und  die  darauf  folgenden  K o m o r au  e r S c h i ch  te  n dem  Rokycaner 
Vorkommen  äquivalent  sind,  und  Barrande’ s Zone  dl  der  Etage  D ange- 
hören. 

Unmittelbar  auf  den  Kieselschiefern  des  azoischen  Plateaus  liegen  schwarz- 
graue und  grünlichgraue  Thonschiefer  von  homogener  dichter  Masse,  welche 
leicht  verwittern  und  daher  mit  einer  mächtigen  Schichte  einer  lehmigen  Erde 
bedeckt  sind. 

An  den  steilen  Felsenhängen  des  rechten  Moldauufers  zwischen  Klein- 
Holesovic  und  Troja  stehen  diese  Schiefer  an,  dessgleichen  bei  der  Kaisermühle 
in  Bubenec.  Der  Schiefer  spaltet  sich  in  Tafeln  von  y4  — i/2  Zoll  Dicke  und  ist 
von  Querklüften  vielfach  durchsetzt,  die  stellenweise  eine  stänglige  Zertheilung 
des  Gesteines  zur  Folge  haben. 

An  den  Berglehnen  zwischen  dem  Hofe  Jeneralka  im  Särkathale  und  zwi- 
schen Dehnic  kommen  in  den  Schiefern  kugelige  Concretionen,  welche  an  .ganz 
ähnliche  an  Versteinerungen  reiche  Knollen  in  den  Schiefern  zwischen  Rokycan 
und  Volduch  und  zwischen  Uval  und  dem  Fiederholzwald  erinnern;  doch  habe 
ich  hier  bei  Dehnic  weder  in  den  Knollen  noch  in  den  Schiefern  irgend  welche 
Petrefacten  gefunden,  dieselben  scheinen  vielmehr  der  ganzen  Schieferzone, 
welche  unmittelbar  unter  den  Brda-Schichten  liegt,  zu  fehlen. 

Bei  Troja,  dann  an  den  Kämmen  der  südlichen  Gehänge  des  Särkathales 
bei  der  Andelka  und  Jeneralka  kommen  Lager  von  Schalstein  vor,  welche 
wahrscheinlich  weiter  gegen  Südwest  fortsetzen,  aber  von  Quadersandstein 
und  Plänermergel  bedeckt  sind;  denn  in  derselben  Linie  treten  dann  ähnliche 
Gebilde  bei  Svarov  und  Libecov  auf.  Sie  sind  vollkommen  analog  den  Ge- 
steinen der  Komo rauer  Schichten.  Der  Schalstein  besteht  aus  einer 
grünlichgrauen,  feinkörnigen  mandelsteinartigen  Masse  mit  zahlreichen  runden 
Kalkspathkörnern,  hie  und  da  auch  mit  Kalkspathadern.  In  Folge  der  Verwitte- 
rung verschwinden  an  den  zu  Tage  ausgehenden  Felsen  die  Kalkspathkörner  und 
das  Gestein  erscheint  blasig  oder  porös. 

Ein  steter  Begleiter  der  Schalsteine  ist  ein  linsenförmiger  Thon- 
eisenstein, der  immer  mit  einem  ebenfalls  linsenförmigen  dunkelgrünen 
chamoisitähnlichen  Gesteine  durch  Uebergänge  verbunden  ist  und  jedenfalls  durch 
Oxydation  desselben  entsteht. 

Im  Sarkathale  bei  dem  Hofe  Jeneralka  ist  zur  Gewinnung  dieses  Eisen- 
erzes vor  einiger  Zeit  ein  Versuchsbau  begonnen  aber  bald  wieder  aufgegeben 
worden.  Die  Eisenerzlager  sind  in  dem  Schalsteine  eingeschlossen,  unter  diesem 
erscheint  dann  ein  anderes,  ebenfalls  merkwürdiges  Gestein,  nämlich  ein  wahrer 
Schalsteinporphyr.  In  einer  grünlichgrauen,  feinkörnigen  erdigen  Masse 
sind  schöne  scharfkantige,  gelblichweisse  Orthoklaskrystalle  von  y4  bis  1 Zoll 
Grösse  ausgeschieden,  während  die  Kalkspathkörner  ganz  fehlen.  Das  Gestein 
ist  stark  verwittert  und  dieFeldspathkrystalle  zum  grössten  Theile  in  Kaolin  umge- 


[21]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  243 

wandelt,  doch  mit  Beibehaltung  der  Krystallform.  Eben  so  wie  die  anderen  Ge- 
steine ist  auch  dieses  schichtenförmig  abgelagert  und  es  lässt  sich  quer  durch 
das  Särkathal  zu  beiden  Seiten  der  Gehänge  eine  Strecke  weit  verfolgen. 

Aehnliche  Schalsteingebilde  mit  Eisenerzlagern  kommen  im  Liegenden  der 
Schiefer  bei  Uval  vor,  deren  kugelige  Concretionen  ausgezeichnete  Petrefacten 
der  dx  Zone  enthalten;  desswegen  betrachte  ich  auch  für  dieses  Terrain  die 
eisensteinführende  Zone  des  Särkathales,  welche,  wie  bemerkt,  den  Komorauer 
Schichten  entspricht,  als  die  Basis  der  Barr a n de’ sehen  Etage  D. 

Dieses  wird  noch  evidenter  durch  die  Lagerung  der  Komorauer  Schichten 
beiMm'sek,  welche  nebst  den  Krusnahora-Schichten  zwischen  den  Brda-Schichten 
des  Brda-Rückens  und  den  Jinecer- Schiefer  (C)  eingeschaltet  sind.  Diese  Zone, 
welche  Herr  Bergrath  Lipoid  untersucht  hat,  erstreckt  sich  als  ein  schmaler 
Streifen  am  Kamme  und  den  nordwestlichen  Gehängen  des  Brda-Rückens  von 
Jinec  an  gegen  Nordost,  übersetzt  zwischen  Drahlovic  und  Kytfn  den  Bergkamm 
und  tritt  dann  am  südöstlichen  Fusse  desselben  zwischen  Lhota,  Skalka  und 
Cernolic  zu  Tage. 

Da  die  Zone  der  Komorauer  Schichten  und  der  sie  fast  stets  begleitenden 
tiefer  liegenden  Krusnahora-Schichten  fast  überall  eisensteinführend  ist,  so  ist 
sie  an  vielen  Orten  durch  Bergbau  aufgeschlossen  und  überall  ist  ihre  Einlage- 
rung zwischen  die  Jinecer  Schiefer  (C)  und  die  Brda-Schichte  (D-Quarzite)  er- 
sichtlich. Ich  sah  am  Berge  Roudny  bei  Vizina  alte  verfallene  Schachte  und 
Stollen,  die  genau  in  der  Streichungslinie  der  Zone  liegen  und  verfolgte  die- 
selben in  meinem  Aufnahmsgebiete  trotz  des  mächtigen  Gebirgsschuttes  und 
üppigen  Waldwuchses  nach  den  Ausbissen  der  schalsteinartigen  Schiefer  quer 
über  den  Brda-Rücken  (Jistebny-Berg,  Bozi  Vräzka)  bis  zum  Fuss  der  mit  der 
weithin  sichtbarer  St.  Magdalenakirche  gezierten  Skalka,  wo  ein  mächtiges 
Eisensteinlager  durch  Tagebau  aufgeschlossen  ist.  Bei  Cernolic  keilt  sich  diese 
Zone  aus  und  tritt  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  erst  wieder  bei  Uval  auf. 

Da  Herr  Bergrath  Lipoid  das  Vorkommen  des  Eisensteines  im  böhmischen 
Silursysteme  im  Zusammenhänge  beschreibt,  so  beschränke  ich  mich  hier  blos 
auf  diese  Bemerkungen,  welche  die  Verbreitung  der  Komorauer  Schichten  in 
meinem  Aufnahmsgebiete  andeuten.  Auf  der  geologischen  Karte  stellt  sich  diese 
Zone  als  ein  etwas  unterbrochener,  elliptischer  Ring  dar,  welcher  die  Basis  der 
Barr  a nd  e’ sehen  Etage  D bezeichnet.  — 

Auf  den  Komorauer  Schichten  liegt  fast  ununterbrochen  die  Quarzitzone 
der  „Brda- S chichten“,  welche  Barrande  als  „Bande  des  quartzit es  des 
Mts.  Draboiv“  mit  d2  bezeichnet. 

Der  hier  vorherrschende  Quarzit  ist  eigentlich  ein  fester,  schwer  verwitter- 
barer Sandstein,  aus  kleinen  Quarzkörnchen  und  sehr  wenig  thoniger  Masse  mit 
eingestreuten  weissen  Glimmerblättchen  bestehend.  Stellenweise  ist  das  Gestein 
von  einem  kieseligen  Cement  durchdrungen  und  äusserst  fest  und  zähe;  stellen- 
weise ist  es  fast  krystallinisch  und  dem  eigentlichen  Quarzit  der  krystallinischen 
Gebirge  ähnlich,  auch  kommen  in  Höhlungen  und  Klüften  häufig  Quarzdrusen  vor. 
Die  Farbe  ist  gewöhnlich  gelblichweiss  oder  grau,  doch  sind  manche  Partien 
von  Eisenoxyd  roth  gefärbt,  namentlich  kommen  auch  concentrische  Zeichnungen 
und  rothe  Eisenerzknollen  im  lichteren  Gesteine  vor. 

Dieses  Gestein  bildet  regelmässig  geschichtete  Bänke  von  1 — 3 Fuss 
Mächtigkeit,  welche  mit  Lagen  eines  feinkörnigen  glimmerreichen  Grauwacken- 
schiefers abwechseln,  die  gegen  das  Hangende  zu  immer  mächtiger  werden,  bis 
sie  endlich  ganz  vorherrschen.  Auch  in  den  Grauwackenschiefern  treten  sehr 
häufig  Lager  von  Quarziten  auf;  dieselben  sind  y2  — 1 Fuss  mächtig  und 


244 


Johann  Krejöi. 


[22j 


immer  an  beigemengtem  Thon  und  Glimmer  reicher  als  die  tieferen  Quarzite. 
Die  Schichten  sind  durch  Querkliifte  durchsetzt  und  bedingen  eine  würfelförmige 
oder  rhombische  Absonderung,  welche  die  Gewinnung  des  Steines  zur  Strassen- 
schotterung  oder  Stadtpflasterung  sehr  erleichtert.  Prag,  Beraun  und  andere 
Städte  im  Bereiche  des  sibirischen  Terrains  sind  mit  solchen  Quarzitquadern 
gepflastert  und  der  grösste  Theil  der  Aerarialstrassen  mit  zerkleinerten  Bruch- 
stücken geschottert.  Pflastersteine  werden  besonders  in  den  Steinbrüchen  bei 
Vsenor,  dann  bei  Vakovic  gebrochen;  Steinbrüche  für  Strassenschotter  sind  an 
sehr  vielen  Orten  in  der  ganzen  Zone  eröffnet. 

Petrefacten  sind  in  dieser  Zone,  so  weit  sie  in  mein  Aufnahmsgebiet  gehört, 
sehr  selten.  Mit  Ausnahme  von  röhrenförmigen  Höhlungen  und  stängeligen  Ge- 
bilden, welche  senkrecht  die  Schichten  durchbohren  (vielleicht  von  Anneliden 
herrührend)  und  wulstförmigen  Erhabenheiten  auf  den  Schichtenflächen,  welche 
vielleicht  als  Fucoiden  zu  deuten  und  häufig  am  nordwestlichen  Abfall  des  Brda- 
rückens  zwischen  Königsaal,  Vsenor  und  Revnic  anzutreflen  sind  (auch  im 
Quarzite  unterhalb  Kobytis  fand  ich  dieselben),  ist  es  mir  nicht  gelungen  auch 
nur  eine  Spur  von  thierischen  Resten  in  den  Quarziten  der  Umgebung  Prags 
aufzufinden.  Die  zahlreichen  Petrefacten  der  Quarzitzone  welche  Bar  rande 
in  seinem  grossen  Werke  aufführt,  stammen  alle  aus  der  Umgebung  von  Beraun 
(ausserhalb  meines  Aufnahmsgebietes),  nämlich  von  dem  Hofe  Veselä  am  linken 
Beraunufer,  vom  Dedberge  (Drabov),  vom  Dorfe  Trubsko  und  Cernin  her. 

Nebstdem  ist  mir  nur  noch  der  Quarzit  bei  Zebräk  als  Fundort  von  Petre- 
facten (Ort his  reclux)  in  dieser  Zone  bekannt.  Veselä,  Drabov  und  Trubsko  sind  die 
Hauptfundorte;  sie  liegen  im  nördlichen  Flügel  der  sibirischen  Mulde  nahe  bei- 
sammen auf  dem  Quarzitrücken,  der  von  Beraun  südwestlich  gegen  Zebräk  streicht 
und  in  seiner  nordöstlichen  Fortsetzung  die  Felsenhügel  bei  Prag  bildet,  so  dass 
bei  vollkommener  Uebereinstimmung  der  Gesteine  kein  Zweifel  entstehen  kann, 
dass  die  Quarzite  bei  Prag  derselben  Zone  angeboren,  obwohl  in  denselben  keine 
Petrefacten  Vorkommen.  Merkwürdig  ist  es,  dass  in  dem  südlichen  Flügel  der 
silurischen  Mulde,  nämlich  in  den  Quarziten  des  Brda-Waldes  die  Drabover 
Petrefacten  gänzlich  zu  fehlen  scheinen.  Wir  behalten  für  diese  Zone  ungeachtet 
dessen  den  Namen  „B  rda -Schichten“  bei,  weil  in  dem  Brda-Gebirge  die 
normale  Lagerung  derselben  am  deutlichsten  ersichtlich  ist.  Die  auf  die  Brda- 
Schichten  folgenden  „Hostomnicer  Schichten“  umfassen  die  oberen  drei  Zonen, 
nämlich  die  Zone  ds,  dk  und  d 5 der  Barran  de’  sehen  Etage  D.  Für  die  dritte 
Zone  ( d 3 der  Etage/))  haben  Herrn  Bar  rande  die  Schiefer  von  Ptäk, 
Vinice,  Trub  in,  Cernin  und  Hredl,  sämmtlich  bei  Beraun,  dann  die 
Schiefer  zwischen  Chrustenie  und  Lodenic  die  von  ihm  beschriebenen 
charakteristischen  Petrefacten  geliefert.  Das  Gestein  dieser  Zone  (schistes 
noires  feuilletes),  die  wir  als  Vinicer-S  chichten  bezeichnen  wollen,  ist  ein 
fast  schwarzer  dünnblätteriger  Schiefer  mit  feinen  weissen  Glimmerblättchen, 
der  sehr  leicht  verwittert  und  daher  gewöhnlich  mit  lockerem  Erdreich  bedeckt 
ist.  Diese  Schiefer  bilden  einen  schmalen  Streifen  längs  des  Fusses  des  Quar- 
zitrückens von  Hredl  über  Trubfn  und  die  ehemaligen  Berauner  Weinberge 
(Vinice)  bis  zum  Hofe  Ptäk  am  Beraunflusse,  man  sieht  sie  dann  jenseits  des 
Flusses  ebenfalls  längs  des  höheren  Quarzitrückens  zwischen  Veselä  und 
Chrustenie,  wo  sie  endlich  unter  dem  waldbedeckten  Boden  der  Thallehnen  ver- 
schwinden. 

Ganz  ähnliche  dünnblätterige  dunkle  Schiefer  erscheinen  dann  wieder  in 
der  Fortsetzung  derselben  Linie  am  nördlichen  Fusse  des  weissen  Berges  unter 
dem  Quadersandstein  zwischen  Ruzyne,  Liboc  und  Vokovic,  und  endlich  bei 


[23]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  245 

dem  Hofe  Bulovka  unweit  Liben,  wo  sie  an  den  steilen  Uferfelsen  erscheinen. 
In  der  südlichen  Hälfte  des  Beckens  traf  ich  ähnliche  Schiefer  am  Fusse  des 
Brda-Rückens  von  Mokropes  über  Vsenor  bis  Holoun  an,  von  wo  an  der  weitver- 
breitete Gebirgsschutt  alles  anstehende  Gestein  bedeckt. 

Den  grössten  Theil  der  breiten  Thalfurchen  rings  um  das  centrale  Kalk- 
steinplateau nimmt  der  Grauwackenschiefer  ( schistes  tres  micacees)  der 
Zahofaner  Schichten  ein,  den  Barrande  mit  d 4 bezeichnet.  Derselbe 
ist  ein  dunkler,  schwarzgrauer  oder  schwarzbrauner  thoniger  Schiefer,  im 
Querbruche  erdig  oder  feinkörnig,  gewöhnlich  mit  vorherrschender  thoniger 
Grundmasse,  in  der  zahlreiche  Glimmerblättchen  in  parallelen  Lagen  vertheilt 
sind.  Er  ist  in  regelmässigen  Schichten  abgelagert,  welche  sehr  häufig  mit 
dünnen  Quarzitlagern  abwechseln.  Einzelne  Partien  enthalten  fein  eingespreng- 
ten Eisenkies  und  sind  dann  eine  Art  von  Alaunschiefer;  häufig  bemerkt  man 
auch  an  den  anstehenden  Felsen  auswitternde  Salze:  Bittersalz,  Kalksalpeter, 
so  wie  Anflüge  von  krystallisirtem  Gyps.  Das  in  der  Bruska  aus  den  Grau- 
wackenschiefer ausblühende  Bittersalz  wurde  ehemals  unter  dem  Namen  Brüsker 
Windsalz  zum  medieinisehen  Gebrauche  gesammelt. 

Der  Grauwackenschiefer  der  Zahofaner  Schichten  ist  ungemein  reich  an 
Petrefacten  und  man  findet  Spuren  derselben  (namentlich  Dalmanites  socialis 
und  Trinuncleus  ornatus)  fast  überall  im  ganzen  Verbreitungsbezirke  derselben. 
Die  Aufzählung  der  Fundorte  gibt  uns  zugleich  Anhaltspunkte  für  die  Ausdehnung 
dieser  Zone;  die  hervorgehobenen  Namen  sind  in  Barrande’s  grossem  Werke 
angeführt.  Im  östlichen  Theile  meines  Aufnahmsgebietes  sind  diese  Fundorte: 
Die  Felsen  des  Libner  Schlossberges  und  der  Libusin  vrch  in  Liben,  die  Villa 
Balabenka,  die  Einschichte  Brouckovä  am  Durchschnittspunkte  der  Eisenbahn 
mit  der  Strasse  (weiter  östlich  ausserhalb  meines  Aufnahmsgebietes  die  Lehnen 
in  den  Felseneinschnitten  der  Eisenbahn  in  der  Richtung  gegen  Vysocan,  dann 
die  Gehänge  bei  Vysocan,  die  Schiefer  bei  SterbohoJ,  Prace  und 
Zäbehlic);  am  rechten  Moldauufer  nebsldem  die  Gehänge  des  Zizkaberges,  die 
Lehnen  in  und  bei  Vrsovic  und  dem  Hofe  Strom  ky,  das  Gehänge  des 
Rohda  lecberges  zwischen  Michle  und  Zäbehlic,  die  Lehnen  bei  Roztyly, 
dann  zwischen  Nu  ste  und  Vysehrad,  in  Prag  selbst  der  Windberg,  Emaus 
und  andere  Localitäten  der  oberen  Neustadt;  dann  südlich  von  Prag  der  Plateau- 
rand oberhalb  Branik,  die  Felsen  bei  Hodkovicky  und  zwischen  Komofan  und 
Zävist  gegenüber  von  Königsaal.  Am  linken  Moldauufer  sind  Petrefacten  häufig 
an  den  Felsengehängen  des  Belvederes,  namentlich  zwischen  Bubny  und 
der  letzten  Wehre;  andere  Fundorte  sind  in  der  Bruska  und  im  Hirschgraben 
in  Prag,  der  Hof  Kesnerka  bei  Radlic,  in  Radlic  selbst,  dann  am  rechten  Ufer  des 
Beraunflusses  an  dem  Wege  von  Revnic  nach  Svinas,  bei  Lee,  Hazovic, 
Neumetely,  Radous,  Otmiky,  Praskoles,  Levfn,  Zahofan  (nach 
welchem  Orte  die  Schichten  benannt  sind),  am  Berauner  Stadtberge  und  in 
dem  Einschnitte  zwischen  Beraun,  Vraz  und  Lode  nie.  Die  meisten  Versteine- 
rungen sowohl  der  Individuen-  als  Artenzahl  nach  findet  man  in  den  letzt- 
genannten Localitäten  der  Umgebung  von  Beraun,  Ja  eine  3 Fuss  mächtige 
Schichte  von  Grauwackenschiefer  bei  Vraz  besteht  beinahe  ausschliesslich  aus 
plattgedrückten  Cystideen. 

Nebst  den  Grauwackenschiefern  und  Quarziten  kommen  in  dieser  Zone 
noch  Grünsteine  vor.  Dieselben  bilden  zwischen  den  Thälern  von  Lochovic 
und  Praskoles  die  höchsten  bewaldeten  Erhebungen  des  Schieferplateaus, 
namentlich  treten  sie  in  mächtigen  Lagern  im  Grauwackenschiefer  des  Berges 
Koncipüdy  bei  Lochovic  auf,  und  sind  daselbst  durch  Steinbrüche  aufgeschlossen; 


246 


.Johann  Krejöf. 


[24] 


ein  anderes  Lager  wird  am  Östlichen  Kusse  des  genannten  Berges  in  Lochovic 
selbst  vom  Litavaflusse  durchbrochen;  ein  anderes  endlich  bildet  die  waldige 
Höhe  westlich  vom  genannten  Berge  bei  Otmiky. 

Der  Grünstein  hat  eine  kleinkörnige  bräunlichgrüne  oder  braune  Grund- 
masse, ohne  unterscheidbare  Gemengtheile,  nur  stellenweise  sind  kleine  Körner 
von  Feldspath,  Kalkspath  und  Glimmerblättchen  eingestreut. 

Das  Gestein  hat  eine  massige  Structur,  bildet  aber  ein  wahres  Lager  in  den 
Grauwackenschiefern. 

Ein  kleines  Grünsteinlager  kömmt  auch  in  den  Grauwackenschiefern  bei 
Branik  vor. 

Ein  anderer  Grünstein  in  Begleitung  von  Graptolithenschiefern,  vollkommen 
ähnlich  dem  an  der  Basis  der  obersilurischen  Kalketagen  vorkommenden,  tritt 
mitten  im  Grauwackenschiefer  bei  Motol  auf  und  bildet  eine  der  Colonien  Bar- 
rand e's,  von  denen  weiter  unten  gesprochen  wird. 

Die  fünfte  und  höchste  Zone  der  jD-Etage  Barra  nde’s  bilden  die  „K  ön  igs- 
hofer  Schichten“  (scliistes  gris  jaundtres ) , welche  B a r r a n d e mit  d 5 
bezeichnet *). 

Sie  bestehen  im  Liegenden  aus  gelblichen,  auch  gelblichgrünen,  thonigen, 
leicht  verwitterbaren  Schiefern  mit  wenigen  Glimmerblättchen,  im  Hangenden 
aus  mächtigen  Lagern  von  Quarzit  oder  eigentlich  Sandstein,  der  von  den  Land- 
leuten nach  dem  Berge  Kosov  gewöhnlich  Kosoväk  genannt  und  als  Baustein 
verwendet  wird* 2 *).  Dieser  Sandstein  besteht  aus  kleinen  Quarzkörnern  mit  einem 
thonigen  Cement  und  weissen  Glimmerblättchen.  Von  dem  Quarzite  der  Brda 
(ö?2)  und  den  Quarzitsandsteinen  der  Zahoraner  (//*)  Schichten  unterscheidet 
sich  dieser  Sandstein  durch  eine  viel  geringere  Festigkeit,  welche  eine  Folge 
des  grösseren  Thongehaltes  ist. 

Auch  in  dieser  Zone  sind  die  Petrefacten  in  der  nördlichen  Muldenhälfte 
am  häufigsten  und  zwar  namentlich  am  Fusse  des  Kosover  Berges  und  der  Kon- 
kolova  hora  bei  Karlshütten  (Karlova  hut)  und  Popovic,  dann  am  Fusse  des 
Berges  Lejskov  bei  Libomysl;  sonst  kommen  in  dieser  Zone  Petrefacten  noch 
bei  Vseradic,  Ober-Cernosic,  an  der  Lehne  zwischen  Radotin  und  Gross-Kuhel 
und  bei  Nusle  vor. 

Grünsteine  treten  in  der  Zone  der  Königshofer  Schichten  (rf5)  eben  so  lager- 
förmig auf,  wie  in  den  Zahoraner  (rf4)  Grauwackenschiefern.  Ein  solches  Grün- 
steinlager, vollkommen  übereinstimmend  mit  den  obersilurischen  Grünsteinen, 
bildet  den  westlichen  Fuss  des  Kosovberges  bei  Königshof  und  der  Koukolovä 
hora  bei  Popovic,  so  wie  den  östlichen  Theil  des  Lutzberges  bei  Levfn.  Der 
Litavafluss  durchbricht  dieses  Lager  zwischen  Levfn  und  Popovic,  wo  es  gerade 
zwischen  den  beiden  Zonen  der  Zahoraner  (</4)  und  Königshofer  Schichten  (</5) 
eingeschaltet  erscheint.  Hierher  ist  auch  zu  rechnen  das  eigenthüml iche  Grün- 
stein-Conglomerat,  welches  die  steilen  Lehnen  südwestlich  von  Zdic  längs  der 
Aerarialstrasse  bildet  und  aus  eckigen  Bruchstücken  eines  festen  körnigen  Grün- 
steines besteht,  die  mit  Grünsteintuff  verkittet  sind.  Ein  ähnliches  Conglomerat 
bildet  ein  kleineres  Lager  bei  Baboryne,  nur  sind  die  Stücke  mehr  verwittert 
und  kalkhaltig  und  den  Grünsteinen  von  Lochovic  ähnlich.  Kleine  Grünsteinlager 
sieht  man  auch  an  der  Bahka  südlich  bei  Liten  im  Kosover  Sandsteine  anstehen. 


Die  Vinicer,  Zahoraner  und  Königshofer  Schichten , welche  in  der  geologischen  Karte 
vorläufig  nicht  ausgeschieden  wurden,  erhielten  für  dieselbe,  wie  eben  bemerkt,  den 
Collectivnamen  „Hostomnicer  Schichten“. 

2)  Die  Sandsteine  wurden  später  als  „Kosover  Schichten“  in  der  geologischen  Karte 

besonders  bezeichnet.  M.  V.  L. 


[23] 


Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun. 


247 


Da,  wo  diese  Grünsteine  unmittelbar  von  Quarzitsandsteinen  bedeckt  werden, 
entwickelt  sich  ein  merkwürdiges  Zwischenglied  zwischen  diesen  beiden  Gestei- 
nen. Die  Grundmasse  der  Grünsteine  wird  nämlich  sandiger  oder  tritt  nur  in  ein- 
zelnen Concretionen  im  Sandsteine  auf,  bis  sich  aus  dem  Grünstein  der  deutlich 
geschichtete  Quarzitsandstein  entwickelt  hat.  Diese  Uebergänge  sind  namentlich 
bei  Baboryne,  am  Kosov  bei  Karlshütten  und  an  der  Babka  bei  Litten  zu  sehen. 

Ganz  eigenthümlich  den  Königshofer  Schichten  ist  ein  massiges,  glimmer- 
reiches Gestein,  welches  an  zwei  Orten  vorkömmt,  nämlich  am  rechten  Ufer  des 
Chumava-Baches  zwischen  Libomysl  und  Hlazovic,  dann  am  Bohdalec  und  dem  den- 
selben fortsetzenden  Hügelzug  zwischen  Michle  und  Strasnic  bei  Prag. 

Am  erstgenannten  Orte  bildet  das  Gestein  eine  Reihe  von  kahlen  Hügeln, 
gerade  am  Fusse  des  Housina-Rückens , welche  durch  ihre  kuppige  Gestalt  von 
den  nachbarlichen  Quarzitrücken  auffallend  sich  unterscheiden.  Am  Bohdalec  bei 
Michle  bildet  dieses  Gestein  anfangs  blos  ein  kleines  Lager  im  Quarzitsandsteine, 
entwickelt  sich  aber  in  seinem  nordöstlichen  Verlaufe  gegen  Strasnic  viel  mäch- 
tiger und  bildet  ebenfalls  eine  Reihe  von  kleinen  kuppigen  Hügeln,  welche  schon 
ausserhalb  meines  Aufnahmsgebietes  liegen.  Die  Grundmasse  des  Gesteines  ist 
sehr  wenig  entwickelt  und  besteht  aus  feinkörnigem  Feldspath;  graue  und  tom- 
bakbraune Glimmerblätter  ohne  alle  Parallelstructur  bilden  die  Hauptmasse  des 
Gesteins.  Darnach  entspricht  es  also  vollkommen  gewissen  Schieferporphyren 
der  Vogesen,  welche  Voltz  mit  dem  Namen  Minette  belegt  hat.  Das  unverwit- 
terte Gestein,  namentlich  am  Fusse  des  Housinaberges,  wo  das  feldspathartige 
Cement  mehr  entwickelt  ist,  hat  ungemeine  Festigkeit  und  Zähigkeit,  am 
Bohdalec  ist  es  aber  grösstentheils  verwittert  und  daher  viel  weicher.  Es  wird 
an  beiden  Orten  als  Baustein  gebrochen. 

Die  merkwürdigsten  Einlagerungen  in  den  Königshofer  Schichten  sind 
Grünsteine  in  Begleitung  von  Graptolithenschiefern,  welche  in  der  gegen  das 
Moldauthal  abfallenden  Lehne  zwischen  Radotfn  und  Gross-Kuhel  Vorkommen 
und  jene  zwei  „Colonien“  bilden,  welche  Barrande  mit  dem  Namen 
„Co  loni  e H ai  dinger“  und  „Colo nie  Kr  ejcf“  bezeichnet  hat. 

Ich  werde  weiter  unten  ausführlicher  über  dieses  Vorkommen  berichten.  — 
Dies  sind  in  Kürze  die  in  der  B a rra  nde ’schen  Etage  D auftretenden  Gesteine, 
deren  nähere  Bestimmung  und  Beschreibung  mich  später  beschäftigen  wird. 

Ich  wende  mich  nun  zur  Lagerung  dieser  Gesteine,  welche  trotz  der  im 
Allgemeinen  herrschenden  Einförmigkeit  doch  einige  interessante  Eigenthümlich- 
keiten  darbietet. 

Indem  wir  dabei  im  östlichen  Theile  des  Aufnahmsgebietes  in  der  unmittel- 
baren Nähe  Prags  beginnen  und  gegen  Beraun  fortschreiten , wird  uns  die 
Besprechung  der  beigefügten  Profile  zugleich  Gelegenheit  geben,  das  früher  nur 
in  den  allgemeinsten  Umrissen  skizzirte  Terrain  der  verschiedenen  Quarzitgesteine 
und  Grauwackenschiefer  näher  kennen  zu  lernen. 

Prag  liegt  zu  beiden  Seiten  des  Moldauflusses,  da  wo  er  nach  einem  nord- 
wärts gerichteten  Lauf  plötzlich  einen  Ausbug  gegen  Osten  macht  und  dann 
wieder  gegen  Norden  sich  wendet.  Die  Thallehnen  bestehen  durchgehends  aus 
Grauwackenschiefern  und  Quarziten  (Zahoraner  und  Brda-Schiehten) , deren 
Schichten  bis  zum  Belvedere  vom  Flusse  quer  durchbrochen  werden;  von  da  bis 
Liben  folgt  aber  der  Fluss  der  Streichungsrichtung  der  Schichten.  Besteigt  man 
vom  Neuthore  Prag’s  ausgehend,  den  Kreuzberg  bei  Volsan  östlich  von  Prag,  so 
steht  man  auf  einem  der  von  Nordost  nach  Südwest  (Stunde  4 — 5)  streichenden 
Quarzitrücken,  welche  parallel  zu  einander  die  unbedeutenden  wellenförmigen 
Erhebungen  (im  Durchschnitte  850  Fuss  hoch)  eines  Plateau’s  bilden.  Der 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft.  32 


248 


Johann  Krejcf.  [26] 

nächste  nördlich  gelegene  Rücken,  der  Zizkaberg,  fällt  steil  gegen  das  Moldau- 
thal ab,  jenseits  der  Moldau  bei  Kobylis  erhebt  sich  eine  eben  so  steile  Quarzit- 
felsenwand , und  südlich  von  unserem  Standpunkte  der  kable  Quarzitrücken  des 
Bohdalec  und  die  waldigen  Erhebungen  der  Kunraticer  Höhen.  Die  flachen 
Furchen  zwischen  diesen  beinahe  gleich  hohen  Höhenzügen  der  Brda-Schichten 
sind  durchwegs  mit  weicheren  Grauwackenschiefern  der  Zahoraner  Schichten 
ausgefüllt. 

Obwohl  das  obersilurische  Schichtensystem  nicht  bis  hierher  reicht,  da  es 
seinen  östlichsten  Punkt  bei  dem  Dorfe  Michle  erreicht,  so  stellt  der  nach- 
folgende Durchschnitt  Fig.  2 durch  das  beschriebene  Terrain  doch  den  concen- 


Fig.  2. 


NW. 


Moldauthal  bei  Liben. 


Zizkaberg. 


Bohdalec. 


SW. 


1"  = 2000°.  Höhe  4=1.  Al  Alluvium.  Q Quadersandstein.  P Glimmerporphyr.  B Pribramer  Schiefer. 
cP  Brda-Schichten.  d 4 Zahoraner  Schichten.  db  Königshofer  Schichten. 


trisch-schalenförmigen  Bau,  wie  ihn  Barrande  in  seinem  idealen  Querprofile 
des  böhmischen  Silursystems  entworfen  hat,  vollkommen  dar.  Das  voranstehende 
Profil  stellt  die  Schichtenlage  zwischen  Kobylis  und  den  Kunraticer  Höhen  dar. 
Man  ersieht  daraus,  dass  die  Brda-Schichten  am  Kreuzberge  bei  Volsan  sattel- 
förmig aufgerichtet  sind  und  die  ganze  Partie  in  zwei  Mulden  theilen;  die  eine 
enthält  das  Moldauthal  zwischen  Prag  und  Liben,  die  andere  das  flache  Hügel- 
land zwischen  Volsan  und  Litochleb. 

In  der  ersteren  Mulde,  von  steilen  Abstürzen  der  Brda-Schichten  umsäumt 
und  vom  Moldauflusse  bogenförmig  durchströmt,  finden  sich  nebst  den  Brda- 
Schichten  auch  Zahoraner  Schichten,  sonst  aber  nur  Sand  und  Gerolle  im  Thal- 
grunde vor. 

Die  Brda-Schichten  bei  der  Bulovka,  gegenüber  von  Holesovic,  welche  eine 
mächtige  im  ganzen  Thale  sichtbare  Felsenwand  bilden,  streichen  gegen  Ost- 
nordost (Stunde  5),  und  fallen  unter  50  Grad  gegen  Südost.  Dasselbe  Streichen 
und  Fallen  haben  auch  die  Zahoraner  Schichten  längs  der  Moldau,  welche  auf 
den  Quarziten  der  Brda-Schichten  lagern.  Auch  am  Zizkaberge,  gerade  gegen- 
über den  Quarzitwänden  der  Brda-Schichten  bei  der  Bulovka , fallen  die 
Zahoraner  Schiefer  südöstlich  ein  (30 — 40  Grad). 

Am  Kamme  des  Kreuzberges  bei  Volsan,  wo  die  Brda-Schichten  aus  der 
Tiefe  wieder  emporsteigen,  sieht  man  deutlich,  wie  sie  daselbst  eine  Wellenfalte 
bilden,  welche  durch  die  Schottersteinbrüche  vollkommen  aufgeschlossen  ist.  Der 
eine  Flügel  dieser  Falle  fällt  nordwestlich  unter  40  Grad,  der  andere  südlich 
unter  60  Grad  ein  und  man  kann  dieselbe  gegen  Nordost  über  den  Galgenberg 
und  Hrdlorez  weiter  verfolgen,  indem  sie  überall  einen  hervorragenden  Kamm 
bildet.  Die  Mulde  zwischen  dem  Kreuzberge  und  den  Kunraticer  Höhen  enthält 
eine  mächtige  Zone  von  Grauwackenschiefern  der  Zahoraner  Schich- 
ten in  mannigfachen  Windungen  und  Biegungen.  Die  auffallendsten  Disiocationen 
derselben  sieht  man  im  Dorfe  Vrsovic,  wo  an  den  Lehnen  rechts  vom  Boticbach 
wellenförmige  Faltungen  und  kleine  Verwerfungen  in  mannigfachem  Wechsel 


[27]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  ßeraun.  249 

auftreten.  Eine  grössere  Faltung  der  Zahoraner  Schiefer,  aber  durch  Abwaschung 
grösstentheils  zerstört,  zieht  sich  von  da  in  südwestlicher  Richtung  gegen  den 
Vysehrad  (Fig.  3).  Der  Moldaufluss  durchbricht  in  schiefer  Richtung  die  Felsen- 

Fi«.  3. 


1"  = 400°.  Zahoraner  Schichten.  Gr  Littener  Schichten.  E Kuhelbader  Schichten.  F Koneprnser  Schichten. 

G Braniker  Schichten. 


schichten  der  Faltung;  dieselben  fallen  am  Flusse  und  am  nördlichen  Gehänge 
nordwestlich  ein  unter  60  Grad,  an  den  südlichen  Gehängen  aber  gegen  Südost, 
näher  gegen  die  Faltenaxe  mit  kleinerer  (20  Grad),  weiter  von  derselben  mit 
grösserer  Neigung  (60  Grad).  Auch  jenseits  des  Flusses  zwischen  Smichov  und 
Radlic  setzt  sich  die  Faltung  weiter  gegen  Südwest  fort,  bis  sie  von  den  Quader- 
sandsteinen des  Vidovle-Berges  bedeckt  wird. 

Die  Mitte  der  Mulde  nehmen  so  zu  sagen  stellvertretend  für  die  obersiluri- 
schen  Kalkbänke  die  Schichten  des  Bohdalec-Berges  bei  Michle  ein  (siehe  vorne 
Fig.  2).  Dieser  Berg,  ein  kahler  Rücken,  besteht  am  Kamme  aus  Quarzitsand- 
steinen, die  ein  Lager  von  Glimmerporphyr  einschliessen  und  auf  Zahoraner 
Schiefern  liegen.  In  Analogie  mit  den  Quarzitsandsteinen  und  Glimmerporphyren 
bei  Hlazovic  am  südlichen  Ende  der  obersilurischen  Mulde  zähle  ich  dieselben 
zu  den  Königshofer  Schichten  (d5  Barra  nde).  Der  Quarzitsandstein  streicht 
gegen  Nordost  (Stunde  6);  im  niedrigeren  westlichen  Theile  des  Berges  fällt  er 
gegen  Nordwest  (30  Grad),  weiter  östlich  am  Kamme  bei  mehr  nördlichem 
Streichen  (Stunde  3)  gegen  Südost  (20  Grad).  Ein  kleines  Lager  von  Glimmer- 
porphyr trifft  man  auch  am  südlichen  Fusse  des  Bohdalec  unmittelbar  am  Bache 
anstehend  an;  es  fällt  hier  begleitet  von  Grauwackenschiefer  widersinnig  gegen 
Südwest  (30  Grad)  ein,  so  dass,  wenn  man  sich  die  Glimmerporphyre  des 
Bohdalec  ursprünglich  in  Verbindung  denkt,  dieselben  nun  in  zwei  Theile 
gebrochen  erscheinen,  wie  das  Profil  (Fig.  2)  zeigt. 

Eine  sattelförmige  Faltung  der  Zahoraner  Schiefer  zeigt  sich  auch  an  den 
Lehnen  von  Michle  hinauf  gegen  die  waldigen  Höhen  bei  Kunratic,  die  theilweise 
wieder  aus  den  Brda-Schichten  bestehen  und  auch  an  der  Begrenzung  mit  den 
Pribramer  Schiefern  eine  grosse  aufgestaute  Faltenwelle  der  Schichten  zeigen. 
Die  Aufnahmen  im  östlichen  Gebiete  bei  Prag  werden  den  Verlauf  dieser  Schich- 
tenwellen zeigen. 

Wir  wenden  uns  nun  zurück  zum  Moldaufhale  , wo  das  sogenannte  Belve- 
dere in  Prag,  eine  mit  Weinreben  bepflanzte  Lehne,  die  unmittelbare  Fort- 
setzung des  Hradsiner  Schlossberges  bildet  und  einer  Terrasse  angehört,  die 
allmälig  zum  Moldauflusse  zwischen  Bubny  und  Bubenec  abfällt.  Die  steile 
Lehne  liegt  in  der  Fortsetzung  des  Libner  Zuges  der  Zahoraner  Schichten 
(Barrande  t?4),  und  besteht  ebenfalls  aus  diesen  Schiefern,  welche  hier  durch 
zahlreiche  Petrefacten  ausgezeichnet  sind.  Die  Lagerung  ist  chaotisch,  die 
Schichten  fallen  nicht  blos  in  einigen  scharfen  Biegungen  bald  nach  Nord- 
west, bald  nach  Südost,  sondern  sie  sind  auch  von  Süd  nach  Nord  durch 


32* 


250 


Johann  Krejii. 


[28] 


zahlreiche  Klüfte  durchsetzt,  nach  welchen  die  Schichtenreihen  verworfen  wer- 
den. Es  scheint  als  habe  die  Kraft,  welche  das  grosse  Spaltenthal  der  Moldau 
bildete,  hier  ihre  Macht  vergebens  versucht,  so  dass  der  Fluss  zu  dem  Umwege 
über  Lieben  genöthigt  wurde.  Auch  durch  Unterwaschungen  am  Fusse  des 
Belvederes  sind  viele  Abrutschungen  entstanden  und  mächtige  Felsenpartien 
erscheinen  dem  zu  Folge  in  regelloser  Verwirrung.  Das  beigefügte  Profil 
(Fig.  4)  gibt  nur  eine  Andeutung  der  Unregelmässigkeiten  in  der  Lagerung 
dieser  Felsenschichten. 


Fig.  4. 


Belvedere  in  Prag. 

Diluvium.  Alluvium. 


1"  = 4000.  Zahoraner  Schichten  (Barr.  rf*). 


Der  interessanteste  Punkt  ist  in  derBruska,  schon  innerhalb  der  Stadtmauern 
Prags.  Es  ist  Barrande’ s „Colonie  Zippe“.  Durch  den  felsigen  Rand  des 
Belvederes  ist  ein  uralter  Hohlweg  eingesprengt,  über  den  eine  leichte  hölzerne 
Brücke  sich  spannt,  während  am  Abhange  eine  schöne  Kunststrasse  sich  zum 
Hradsiner  Plateau  hinaufwindet.  An  dieser  Strasse , namentlich  aber  im  Hohl- 
wege der  Bruska  sieht  man  anstehenden  Grauwackenschiefer  mit  kleinen  Lagern 
eines  unreinen  Quarzites. 

So  weit  man  die  Lagerung  an  den  anstehenden  Felsen  übersieht,  ist  sie 
sehr  einfach;  alle  Schichten  sind  unter  einander  parallel  und  streichen  gegen 
. Nordost  (Stunde  5)  mit  südöstlichem  Einfallen  (40  Grad).  Unmittelbar  an  der 
Strasse  gegenüber  der  Bruska-Brücke  ist  der  merkwürdige  Fundort  der 
Petr efacten  der  zweiten  und  dritten  Fauna  ( Dalmanites  socialis , 
Trinucleus  Goldfussi , Arethusina  Koningckii , Cheimrus  insignis , Terebratula 
reticularis , Leptaena  euglypha),  welche  hier  in  einer  einzigen  Schicht  beisam- 
men Vorkommen.  Diese  Petrefacten  wurden  hier  im  Jahre  1831  — 1832  bei  dem 
Baue  der  Strasse  von  Herrn  Professor  Zippe  entdeckt;  leider  ist  aber  dieser 
Punkt  seit  dieser  Zeit  mit  Rasen  und  Gestripp  bedeckt,  so  dass  nun  auch  keine 
Spur  von  den  genannten  Petrefacten  hier  entdeckt,  viel  weniger  die  Lagerungs- 
verhältnisse dieser  Localität  untersucht  werden  konnten. 

Mein  hochverehrter  Lehrer  Herr  Professor  Zippe,  den  ich  um  Aufschluss 
über  diesen  merkwürdigen  Fund  bat,  theilte  mir  Folgendes  mit:  „Als  die  neue 
Fahrstrasse  statt  des  alten  Hohlweges  der  Bruska  eröffnet  wurde,  musste  ein 
gutes  Stück  anstehender  Felsmasse,  in  der  Gegend,  wo  sich  diese  Strasse  gegen 
ihren  oberen  Ausgang  wendet  und  wo  jetzt  die  Brücke  über  den  Hohlweg  geht, 
abgebrochen  werden,  nämlich  so  viel,  als  die  Breite  der  Strasse  selbst  beträgt, 
da  sich  die  Schichten  der  Felsmassen  bis  an  das  Gehänge  des  Hohlweges  selbst 
erstreckten  und  mit  denen  hier  anstehenden  in  ununterbrochenem  Zusammenhänge 
standen.  Unter  diesen  abgebrochenen  Schichten  nun  fand  sich  eine  Kalkstein- 
schichte zwischen  denen  des  Grauwackenschiefers  gleichförmig  eingelagert  mit 
zahlreichen  kleinen  Trilobiten.  Ich  fand  nicht  nur  die  durch  das  Abbrechen  ent- 
standenen Bruchstücke  des  Kalksteines  unter  dem  Haufwerke  der  Bruchsteine 
und  sammelte  (lavon  eine  beträchtliche  Partie  für  das  Museum,  ich  sah  auch 


[29]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  251 

das  Ausgehende  dieser  Schicht  und  habe  hiemit  die  gewisse  Ueberzeugung  von 
ihrer  Einlagerung.“ 

Herr  ßarrande  bewahrt  einen  Theil  der  hier  gefundenen  Petrefacten  in 
seiner  Sammlung;  auch  im  böhmischen  Museum  in  Prag  befinden  sich  zwei  Stücke 
Kalkstein  von  dieser  Localität,  die  nicht  blos  den  für  die  Zahoraner  Schichten 
so  charakteristischen  Trinucleus  Goldfussi,  sondern  auch  obersilurische  Cepha- 
lopoden  enthalten;  es  ist  demnach  gar  kein  Zweifel  über  die  Richtigkeit  der 
Angaben,  die  Barrand  e’s  Colonientheorie  zu  Grunde  liegen,  möglich. 

Die  Wichtigkeit  dieser  Localität  erscheint  um  so  grösser,  wenn  man  bedenkt, 
dass  an  keinem  anderen  Orte,  weder  in  den  Colonien  bei  Gross-Kuhel  noch  bei 
Moto!  Repräsentanten  der  zweiten  und  dritten  Fauna  gemischt  erscheinen,  son- 
dern an  diesen  Orten  die  Schichten  der  Colonien  nur  durch  Petrefacten  der 
dritten  Fauna  charakterisirt  werden. 

Da  ich  weder  in  der  Bruska  selbst,  noch  in  den  Umgebungen  derselben 
am  Belvedere  und  im  Fischgraben,  wegen  dem  die  Felsen  bedeckenden  Erdreich 
einen  Anhaltspunkt  zu  irgend  einer  anderen  Erklärungsweise  über  die  Ent- 
stehung dieser  Colonie  auffand,  so  steht  es  mir  nicht  zu,  eine  eigene  Meinung 
darüber  aufzustellen,  nur  darauf  will  ich  aufmerksam  machen,  dass  in  einer  Ent- 
fernung von  beiläufig  2000  Klaftern  am  südlichen  Fusse  des  weissen  Berges 
genau  in  der  Streichungslinie  der  Brüsker  Grauwackenschiefer 
eine  zweite,  viel  mächtigere  Colonie  auftritt,  deren  Lagerungsweise  vollkommen 
aufgeschlossen  ist  *). 

Der  grösste  Theil  des  Raumes  zwischen  beiden  Colonien  ist  von  Quader- 
sandstein und  Plänermergel  bedeckt  und  daher  der  Beobachtung  entrückt;  die 
bei  denselben  anstehenden  Grauwackenschiefer  gehören  aber  den  Zahoraner 
Schichten  (Barrande  c?4)  an.  Die  kürzeste  Entfernung  der  die  beiden  Colonien 
verbindenden  Linie  vom  obersilurischen  Terrain  beträgt  etwa  1400  Klafter,  und 
auch  dieser  Zwischenraum  enthält  durchgehends  Schiefer  der  Zahoraner  Schich- 
ten, aus  denen  auf  den  Höhen  des  hügeligen  Terrains  Quarzitlager  emporragen, 
namentlich  längs  der  Strasse  in  Kosir  am  Fusse  des  weissen  Berges.  Die  Lage- 
rung dieser  Zahoraner  Schichten  ist  sehr  einfach,  das  Streichen  ist  nordöstlich 
(Stunde  5),  das  Einfallen  südöstlich,  nur  an  den  Hügeln  zwischen  Smichov  und 
Radlic  ist  eine  sattelförmige  Faltung  derselben  zu  bemerken;  sie  ist  eine  Fort- 
setzung der  Schichtenfalte  des  Vysehrad.  Doch  ist  der  Neigungswinkel  der 
Schichten  zu  beiden  Seiten  des  Kosirer  Thaies  nicht  gleich,  auf  der  nördlichen 
Seite,  wo  die  Quarzitschichten  anstehen,  beträgt  derselbe  50  — 60  Grad,  an 
der  entgegengesetzten  Lehne,  wo  die  Zahoraner  Grauwackenschiefer  herrschen, 
nur  30  — 40  Grad.  Das  Thal  folgt  dem  Streichen  der  Schichten,  doch  scheint 
es  der  Schichtenstellung  zu  Folge  keineswegs  durch  blosse  Erosion,  sondern 
vielmehr  durch  Zerreissung  und  Dislocirung  der  Schichten  entstanden  zu  sein. 
Nahe  am  oberen  Ende  dieses  Thaies  bei  Motol  befindet  sich  die  zweite,  oben 
erwähnte  Colonie,  nämlich  „die  Colonie  Motol“.  Dieselbe  ist  schon  von 
weitem  kenntlich  durch  einen  konischen  bekreuzten  Hügel,  der  bei  dem  Dorfe 
Motol  zwischen  den  aus  Quadersandsteinen  und  Plänermergel  gebildeten  Höhen 
des  weissen  Berges  und  des  Vidovle  sich  erhebt. 

Dieser  Hügel  besteht  ans  körnigem  Grünstein  von  massiger  Structur,  der 
vollkommen  mit  dem  Grünstein  an  der  Basis  der  obersilurischen  Kalkbänke  über- 


*)  In  dem  Hohlwege,  der  von  dem  pomologischen  Garten  herab  zu  dem  Dorfe  Vrsovic  führt, 
sieht  man  in  den  Zahoraner  Grauwackenschiefern  ebenfalls  kleine  linsenförmige  Kalkstein- 
lager, man  findet  aber  daselbst  keine  Spur  von  Petrefacten. 


252 


Johann  KrejM. 


[30] 


einstimmt  und  mit  Grünsteinlagern  zusammenhängt,  die  in  der  nordöstlichen 
Streichungslinie  der  Zahoraner  Schiefer  einerseits  bis  unter  die  Quadersand- 
steine des  weissen  Berges  zwischen  Motol  und  Kosir  anderseits  bis  zur  Strasse 
bei  dem  Lammwirthshause  (u  bildlio  beranka)  sich  ausdehnen.  Diese  Lager 
bilden  kleine  hügelige  Erhöhungen  vor  und  hinter  dem  Dorfe  Motol,  welche 
wegen  dem  anstehenden  Grünsteine  schon  von  weitem  leicht  zu  erkennen  sind. 
Die  ganze  nördliche  Seite  des  Grünsteinlagers  vom  Lammwirthshause  bis  in  die 
Nähe  des  Wirthshauses  Postovä,  in  einer  Länge  von  etwa  1000  Klafter,  wird 
von  dünnblättrigen  schwarzen  Graptolithenschiefern  umsäumt,  in  denen  kugel- 
runde oder  plattgedrückte  Kalkconcretionen  Vorkommen,  gerade  wie  in  den 
Graptolithenschiefern  an  der  Basis  der  obersilurischen  Etagen.  In  diesen  Con- 
cretionen  kommen  hauptsächlich  die  diese  Colonie  charakterisirenden  Petrefacten 
vor  ( Cyphaspis  Burmeisteri , Lichas  scabra , Sphaerexochus  mirus,  Orthoceras 
originale , 0.  subannulare , Terebratula  reticularis , Leptaena  cuglypha,  Car- 
dita  fibrosa , C.  gibbosa , während  Graptolithus  boliemicus , colonus , priodon , 
Roemeri  in  den  schwarzen  Schiefern  häufig),  welche  sämmtlich  der  dritten,  d.  h. 
der  obersilurischen  Fauna  Barr  anders  angehören. 

Zu  beiden  Seiten  des  Lagers  stehen  untersilurische  Grauwackenschiefer 
u.  z.  Zahoraner  Schichten  (*/4Barr.)  mit  Quarziten  (der  Brda-Schichten)  an,  so 
dass  wir  hier  mitten  im  untersilurischen  Gebiete  eine  Schichtenpartie  vor  uns 
haben,  welche  sowohl  dem  Gesteine  als  den  Petrefacten  nach  vollkommen  mit  der 
Groptolithenzone  der  obersilurischen  Abtheilung  (die  wir  als  Li  tte  n er  Schich- 
ten bezeichnen  werden)  übereinstimmt  (siehe  Tafel,  Durchschnitt  3). 

Die  Lagerung  der  Colonie  zwischen  den  Zahoraner  Schiefern  ist  in  ihrer 
ganzen  oben  angeführten  Ausdehnung  sehr  gut  aufgeschlossen  und  man  über- 
zeugt sich  in  dieser  Hinsicht  bald,  dass  dieselbe  von  der  Lagerung  der  be- 
nannten Schiefer  ganz  abweicht.  Während  nämlich  dieselben  bei  nordöstlichem 
Streichern  sämmtlich  gegen  das  obersilurische  Terrain,  also  gegen  Südost 
einfallen,  ist  die  Neigung  der  Graptolitbenschiefer  bei  demselben  Streichen 
widersinnig  gegen  Nord  west  gerichtet.  So  haben  die  hei  dem  Wirthshause 
Postovä  am  südlichen  Bande  der  Colonie  anstehenden  Quarzitlager  Streichen 
Stunde  5,  Einfallen  40  Grad  gegen  Südost ; die  Graptolitbenschiefer  im  Hohlwege 
hinter  dem  Grünsteinhügel  nordwestlich  davon:  Streichen  Stunde  5,  Einfallen 
30  Grad  gegen  Nordwest;  die  Zahoraner  Schiefer  nördlich  an  der  Colonie 
Streichen  Stunde  5,  Einfallen  25  Grad  gegen  Südost.  Eben  denselben  Wechsel 
des  Einfallens  trifft  man  an,  wenn  man  die  Colonie  unmittelbar  vor  Motol  am 
Wege  nach  dem  weissen  Berge  durchkreuzt.  Eine  Acacienalloe  führt  uns  bald 
auf  den  Kamm  eines  Quarzithügels,  der  von  Norden  her  gegen  die  Colonie 
(gegen  Siidost)  einfäilt,  während  die  Zahoraner  Schiefer  an  der  anderen  Seite 
der  Colonie  bei  der  Strasse  gleichfalls  gegen  Südost  abfallen. 

Den  vollkommsten  Durchschnitt  der  Colonie  sieht  man  westlich  von  dem 
bekreuzten  Grünsteinhügel  oberhalb  Motol.  Südlich  von  der  Strasse  erhebt  sich 
hier  ein  kleiner  Quarzitrücken  mit  südöstlich  einfallenden  Schichten,  nördlich 
von  der  Strasse  zieht  sich  aber  zum  weissen  Berg  herauf  ein  kleiner  Einriss,  der 
die  ganze  Colonie  quer  durchschneidet.  Zuerst  an  der  Strasse  steht  Grünstein 
an,  dann  folgt  Graptolitbenschiefer  mit  Kalkconcretionen,  der  nordwestlich 
einfällt  (45  Grad),  endlich  gelangt  man  am  oberen  Ende  des  Einrisses  aber- 
mals auf  Zahoraner  Schichten  und  Quarzit,  die  wieder  sü döstli ch  (20  Grad) 
einfallen.  Die  Graptolithenschiefer  lehnen  sich  hier  an  diese  Schichte  in  regel- 
loser Weise  an,  als  ob  sie  zermalmt  worden  wären.  Einen  kleinen  Durchschnitt 
sehen  wir  endlich  an  der  Strasse  zwischen  dem  Lammwirthshause  und  dem 


[31]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  ßeraun.  253 

weissen  Berg.  Die  Strasse  durchsetzt  hier  einen  kleinen  Hügel,  der  aus  Grünstein 
besteht,  auf  welchem  Graptolithenschiefer  mit  Kalkconcretionen  liegen  und 
gegen  Nordwest  einfallen.  Weiter  an  der  Strasse  ist  kein  anstehendes  Gestein, 
ausser  dem  Quadersandstein  des  weissen  Berges  zu  sehen. 

Gegen  Zlejcfn  scheint  sich  dieColonie  auszukeilen,  doch  ist  wegen  dem  tiefen 
Ackerboden  kein  anstehendes  Gestein  mehr  in  dieser  Richtung  zu  sehen. 

Der  dargelegte  Thatbestand  und  der  genau  nach  den  Beobachtungen  in  der 
Natur  entworfene  Durchschnitt  3 in  der  beigefügten  Tafel  scheinen  mir  die  An- 
nahme auszuschliessen,  dass  die  Colonie  Motol  eine  Einlagerung  der  Grapto- 
lithenschiefer in  den  Zahofaner  Schichten  (d4)  sei;  vielmehr  gewinnt  es  den 
Anschein,  dass  bei  der  Colonie  Motol  die  Graptolithenschiefer  eine  An-  und 
Auflagerung  bilden,  welche  ein  kleines  längliches  Becken  ausfüllend,  dis- 
cordant  die  Zahofaner  Schichten  überdeckt.  Spätere  Zerreissungen,  welche 
mit  der  Entstehung  des  Kosirer  Thaies  in  Verbindung  stehen,  dürften  wohl 
die  jetzigen  Lagerungsverhältnisse  veranlasst  haben. 

Das  isolirte  Vorkommen  von  einzelnen  jüngeren  Schichtenpartien  mitten 
zwischen  älteren  Gebilden  ist  im  böhmischen  silurischen  Gebiete  keineswegs  auf 
diesen  Punkt  beschränkt,  wir  treffen  ähnliche  Verhältnisse  auf  der  Krusnahora 
und  den  mit  derselben  zusammenhängenden  Bergrücken  von  Velis  und  dem 
Busohrader  Revier,  wo  die  Krusnahora-,  Komorauer-  und  Brda- Schichten 
(Barr,  d 1 und  d 2)  ein  isolirtes  Becken  auf  den  Pribramer  Schiefern  (Bar.  B) 
bilden,  dann  bei  Karlstein  und  Hlubocep,  wo  der  Hluboceper  Schiefer  (Bar.  H) 
zwischen  den  Kalkbänken  der  Braniker  Schichten  (Bar.  G ) eingeklemmt  ist,  so 
wie  zwischen  Klucic  und  Revnic,  wo  die  Littener  Graptolithenschiefer  (Bar.  E ) 
zwischen  den  Königshofer  Schiefern  auftreten. 

Auf  diese  mir  schon  früher  bekannten  Vorkommnisse  bezog  sich  meine  kurze 
Notiz  über  die  Colonien,  die  ich  von  Tetfn  aus  dem  Herrn  Bergrath  Lipoid  mit- 
theilte und  die  in  den  Sitzungsberichten  veröffentlicht  ist.  Ich  will  hier  aufrichtig 
gestehen,  dass  mir  damals  die  Verhältnisse  von  zwei  wichtigen  Localitäten  un- 
bekannt waren,  nämlich  die  von  der  Colonie  Zippe  in  der  Bruska  und  die  von 
der  Colonie  Haidinger  bei  Gross-Kuhel.  Ich  verdanke  die  nähere  Aufklärung 
über  dieselben  der  unvergleichlichen  Freundlichkeit  Herrn  Barrande’s  und 
meines  theuren  Lehrers  Herrn  Prof.  Zippe,  und  da  ich  nun  erfahren  habe, 
dass  ersterer  eine  ausführliche  Abhandlung  über  die  Colonien  veröffentlichen 
werde,  so  kann  ich  für  meine  Erklärungsweise  derselben  durch  Dislocationen  um 
so  weniger  das  Recht  einer  entscheidenden  Beweisführung  beanspruchen,  da  mir 
möglicher  Weise  noch  manche  wichtige  Thatsachen  unbekannt  geblieben  sind. 

Was  ich  früher  mittheilte  und  nun  mittheile,  sind  die  unmittelbaren  Ein- 
drücke, die  ich  bei  der  Untersuchung  des  Terrains  erhalten  habe. 

In  dieser  Hinsicht  sei  es  erlaubt,  auf  einen  mir  wichtig  scheinenden  Um- 
stand schon  hier  aufmerksam  zu  machen. 

Die  Colonie  Zippe  ist  nach  dem  Zeugnisse  von  Herrn  Prof.  Zippe  zwischen 
die  Zahofaner  Schichten  der  Bruska  (d 4)  eingelagert ; eben  so  gehören  die  Grau- 
wackenschiefer von  Motol  diesen  Schichten  an,  während  die  Colonien  bei  Gross- 
Kuhel  (von  denen  weiter  unten  die  Rede  sein  wird)  in  der  Zone  der  Königs- 
hofer Schichten  ( [d5 ) auftreten.  Sind  nun  die  Colonien  in  diesen  untersilurischen 
Schichtenzonen  wirklich  concor dant  eingelagert,  so  haben  wir  es  nicht  mit 
einem  zweimaligen,  sondern  mit  einem  dreimaligen  Auftreten  der  obersilurischen 
Fauna  zu  thun,  so  dass  die  Colonientheorie  um  so  verwickelter  wird.  Ich 
getraue  mir  nicht  in  der  Lösung  dieser  hochinteressanten  Fragen  vorzugreifen 
und  will  mich  im  Folgenden  gern  blos  auf  das  Thatsächliche  beschränken.  — 


254 


Johann  Krejci. 


[32] 


Der  weitere  Gürtel  der  Grauwackenschiefer  und  Quarzite  zwischen  Motol 
und  Beraun  hat  nichts  eigentümliches  in  seiner  Lagerung,  indem  derselbe  mit 
der  bei  -Prajg  beschriebenen  und  mit  der  bei  Beraun  zu  beschreibenden  Zone 
vollkommen  übereinstimmt. 

Die  Quarzitbänke  der  Brda-Schichten  fallen  bei  nordöstlichem  Streichen 
durchgehends  gegen  die  Axe  der  obersilurischen  Plateau’s  ein  und  nur  stellen- 
weise, z.  B.  im  Thale  bei  Chrustenic,  so  wie  bei  Lodenic  sind  in  den  Grau- 
wackenschiefern sattelförmige  Faltungen,  oder  auch  dem  Streichen  folgende  Zer- 
reissungen  zu  sehen,  welche  darauf  hindeuten,  dass  die  grössten  Dislocationen  im 
böhmischen  silurischen  System  in  der  nordöstlichen  Streichungslinie  stattfanden. 

Der  Durchschnitt  4 in  der  beigefügten  Tafel,  welcher  von  der  Krusna- 
hora  bei  Hudlic  bis  zum  Kalkplateau  bei  Königshof  gezogen  ist,  stellt  die  Lage- 
rung der  Schichten  in  den  Umgebungen  Berauns  vor. 

Dieser  Gegend  namentlich  hat  Barrande  die  Eintheilung  seiner  Etage  D 
in  fünf  Unterabtheilungen  entnommen  und  man  findet  dieselben  in  der  That 
nirgends  so  deutlich  entwickelt,  wie  auf  den  Gehängen  des  schönen  Litavathales 
zwischen  Beraun  und  Zdic.  Die  Rokycan -Uvaler  Schichten  (Barrande's  dx) 
sind  durch  die  Krusnahora-  und  Komorauer  Schichten,  die  unmittelbar  auf  Pri- 
bramer  Schiefern  oder  Grauwacken  (Bar.  B)  aufruhen  und  von  den  Brda- 
Schichten  (Bar.  ß?2)  bedeckt  werden,  repräsentirt  *). 

Die  tiefsten,  Versteinerungen  führenden  Schichten  sind  hier  die  Krusnahora- 
Schichten,  bestehend  aus  Sandsteinen  und  Conglomeraten  mit  Lingulasehalen, 
die  Herr  Barrande  als  Lingula  Feistmanteli  bestimmte,  auf  welche  sodann 
die  Komorauer  Schichten  und  die  Quarzite  der  Brda-Schichten  folgen.  Letztere 
bilden  hier  zwei  Becken,  welche  durch  Pribramer  Schiefer,  namentlich  durch  die 
mächtigen  Kieselschieferfelsen  bei  Hudlic  und  Svatä  von  einander  getrennt  sind. 

Das  eine  dieser  Becken  und  zwar  das  kleinere  bildet  den  Gipfel  der  Krusna- 
hora und  den  mit  demselben  zusammenhängenden  Höhenzug  von  Velis  und  dem 
Busohrader  Wald.  Die  Basis  desselben  bilden  nebst  den  Krusnahora-Schichten, 
die  Komorauer  Schichten,  nämlich  jene  Zone  von  Grauwackenschiefern  mit 
Grünstein-,  Schalstein-  und  Mandelsteinbildungen,  welche . die  mächtigsten 
Eisenerzlager  von  Mittelböhmen  enthält. 

Der  östliche  und  südliche  Fuss  der  Krusnahora  bei  Hudlic,  so  wie  das  ganze 
Plateau  rings  um  diesen  Berg  besteht  aus  Pribramer  Schiefern,  aus  denen  bei 
Hudlic  und  Svatä  mächtige  weithin  sichtbare  Kieselschiefer-Klippen  emporragen. 

Oestlich  bei  Hudlic  beginnt  das  zweite  weit  grössere  Becken  der  Brda- 
Schichten,  welches  zum  zusammenhängenden  petrefactenführenden  untersiluri- 
schen  Terrain  gehört.  Es  bildet  hier,  wie  schon  in  der  orographischen  Uebersicht 
angeführt  wurde,  zwei  deutlich  getrennte  Rücken,  zwischen  denen  die  kleine 
Kodyciner  Steinkohlenmulde  eingelagert  ist,  welche  der  Berg  Lisek  bedeckt. 

Die  liegendsten  Schichten  bilden  auch  hier,  wie  auf  der  Krusnahora,  die 
Krusnahora-  und  Komorauer  Schichten.  Der  westliche  Rücken  bildet  einen  Theil 
des  Hradistberges  bei  Neuhütten  und  den  Höhenzug,  der  bei  Hudlic,  Svatä  und 
Hredl  vorbei  gegen  Südost  streicht  und  bei  Zebräk  mit  der  Ruine  Tocnfk  gekrönt 
ist.  Der  zweite  mehr  östliche  Rücken  enthält  den  Dedberg,  so  wie  den  scharfen 
Kamm,  der  über  Cernin,  Kmzkovic  ebenfalls  gegen  Zebräk  zieht;  er  entsteht 
durch  eine  mächtige  sattelförmige  Faltung  der  Krusnahora-Schichten,  von  welcher 


*)  Herr  Bergrath  Lipoid  hat  die  petrefactenreichen  „Rokycaner  Schichten“  in  Folge 
späterer  Revisionsarbeiter  als  über  den  Komorauer  Schichten  gelagert  erkannt,  und  in 
der  geologischen  Karten  ausgeschieden.  Anm.  der  Redaction 


[33]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  ßeraun.  235 

die  wieder  zu  Tage  ausgehenden  Komorauer  Schichten  in  zwei  parallele  Züge 
zerrissen  werden. 

Die  Partie  zwischen  diesen  beiden  Rücken  besteht  aus  Brda-Schichten 
und  quarzreichen  Grauwackenschiefern,  und  ist  der  Hauptfundort  der  Petrefacten 
der  Barr  an  de’schen  Quarzitzone  d 3.  Oestlich  lehnen  sich  an  den  letztgenannten 
Rücken  die  dünnblätterigen  Schiefer  von  Vinice  und  Pläk,  die  Vinicer  Schich- 
ten (ö?3),  dann  folgen  die  Grauwackenschiefer  von  Zohoran  (a?4)  mit  einer 
Unzahl  von  Petrefacten.  Die  kleinere  Hügelreihe  , welche  mit  dem  Berauner 
Stadtberge  beginnt  und  über  Zahoran  und  Zdic  sich  fortsetzt,  gehört  sämmtlich 
den  Zahoraner  Schiefern  an  und  zeigt  ebenfalls  eine  sattelförmige  Wölbung  der- 
selben. Der  Fuss  dieser  letzten  Hügel  ist  vom  Alluvium  des  Litavathales  bedeckt, 
jenseits  dessen  das  obersilurische  Kalksteinplateau  mit  steilen  Abfällen  beginnt. 
Wie  schon  früher  erwähnt  wurde,  besteht  der  äussere  Rand  dieses  Plateaus  aus 
Quarzitsandsteinen  und  gelblichen  Schiefern  der  Königshofer  Schichten 
(Barr.  a?5).  Der  Sandstein  dieser  Schichten  bildet  aber  nicht  blos  die  Rücken 
am  Rande  des  Plateaus,  sondern  dringt  zungenförmig  auch  in  das  obersilurische 
aus  Graptolithen-Schiefern,  Grünsteinen  und  Kalkbänken  bestehende  Plateau  ein; 
so  zwischen  Chodoun  und  Lounin,  zwischen  Libomysl  und  Bykos  und  zwischen 
Mnenan  und  Klucic.  Ich  werde  auf  diese  Verhältnisse  noch  zurückkommen. 

Die  ganze  Thalweitung  am  südwestlichen  Ende  des  obersilurischen  Terrains 
zwischen  den  Brda-Schichten  in  der  Fortsetzung  des  Ded  und  dem  Plesivec  bei 
Hostomnic,  so  wie  dem  Brda-Rücken,  besteht  aus  Zahoraner  Schichten  (a?4J  Diese 
Weitung  ist  keine  ebene  Fläche,  sondern  ein  flachhügeliges  Land,  welches  von 
dem  rothen  Bache  in  einer  nordöstlichen  Furche,  vom  Litavaflüsse  aber  von  Süd 
nach  Nord  in  einem  Spaltenthälchen  bewässert  wird.  Beide  Gew  ässer  vereinigen 
sich  bei  Zdic.  Mitten  im  Thale  zwischen  Vseradic  und  Vizina  ist  eine  kleine 
Anschwellung,  welche  den  zur  Litava  abfliessenden  Chumavabacb  von  der  zur 
Beraun  eilenden  Velice  trennt. 

Der  grösste  Theil  des  weiten  Thalgrundes  (mit  den  Städtchen  Lochovic 
und  Hostomnic,  und  den  ansehnlichen  Dörfern  Rezdedic,  Neumetely,  Vosov,  Vsera- 
dir)  ist  mit  wohlbebauten  Feldern  bedeckt  und  nur  selten  ist  anstehendes  Gestein 
zu  bemerken;  nur  in  dem  mehr  coupirten  Terrain  zwischen  Lochovic  und  Pras- 
koles  ist  durch  tiefere  Schluchten  der  Schichtenbau  aufgeschlossen. 

Auch  hier  sind  die  Zahoraner  Schichten  (*/4)  muldenförmig  abgelagert.  Die 
waldige  Höhe  bei  Praskoles,  so  wie  den  Koncipudy  bei  Lochovic  bilden  die  zu 
Tage  ausgehenden  Schichtenköpfe  dieser  Mulde  (s.  Durchschnitt  5 in  der  Tafel). 

Die  Lager  von  Grünstein,  welche  an  diesen  Bergen  zu  Tage  treten,  fallen 
ganz  analog  den  Schiefern  ebenfalls  antiklinal  gegen  einander  und  sind  daher 
keineswegs  erruptive  Gänge. 


i'  = 400°.  d4  Zahoraner,  d5  Königshofer,  Gr  Littencr,  E Kuheihader  Schichten.  P Gliinmerporphyr. 


Ebenfalls  als  Lager  tritt  der  Glimmerporphyr  bei  Hlazovic  am  südlichen 
Fusse  des  Housinaherges  auf  (Fig.  5).  Dieser  Rücken,  welcher  den  südlichsten 
Theil  des  obersilurischen  Plateaus  umsäumt,  hat  abweichend  von  den  andern 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


33 


256 


Johann  Krcjci. 


34 


Höhenzügen  des  silurischen  Terrains  ein  östliches  Streichen  und  besteht  am 
Kamme  aus  Quarzitsandsteinen  der  Königshofer  Schichten,  wie  der  Kosov,  unter 
denselben  sind  die  Königshofer  gelblichen  weichen  Schiefer  (</5)  mit  Quarzit- 
bänken abwechselnd,  und  in  diesen  endlich  ist  das  erwähnte  Lager  von  Glimmer- 
porphyr eingeschlossen,  welches  so  wie  alle  anderen  Schichten  östlich  (Stunde 
£•5 — 6)  streicht  und  gegen  Norden  einfällt.  Das  Ausgehende  des  Lagers  bildet 
eine  Reihe  von  kahlen  klippigen  Hügeln. 

Ein  ganz  ähnliches  Streichen  hat  ein  niedriger,  aus  Königshofer  Schichten 
bestehender  Rücken,  welcher  mitten  im  obersilurischen  Terrain  des  rechten 
Beraunufers  bei  Mnenan  auftritt,  und  dasselbe  in  zwei  Theile  trennt.  Eine  tiefe 
Thalfurche  begleitet  diesen  Rücken  und  durchsetzt  auch  die  Littener  Graptolithen- 
schiefer  bis  ins  Litavathal.  Sie  beginnt  bei  Karlshütten  und  zieht  sich  über  ßitov 
und  Koneprus  gegen  den  Sattel,  welcher  das  Mnehancr  Thal  von  Koneprus 
scheidet,  und  setzt  dann  über  Mnenan,  Vlenec,  Belec  gegen  Hinter-Trebah  fort. 

Rechts  und  links  erheben  sich  1200 — 1400  Fuss  hohe  Kalkberge,  während 
der  Rücken  der  Königshofer  Schichten  nur  die  Höhe  von  800  Fuss  hält  und  erst 
am  Voskov  bei  Klucic  die  Höhe  von  1152  Fuss  erreicht.  Jenseits  des  Beraun- 
flusses,  der  diesen  Rücken  bei  Klucic  quer  durchbricht,  setzt  er  in  nordöstlicher 
Richtung  fort;  er  bildet  den  waldigen  Kamm  hei  Morinky,  Karlik,  Ober-Cemosic 
und  Radotin  und  begleitet  dann  den  Saum  des  obersilurischen  Plateaus  bis  nach 
Gross-Fjöhel. 

Auf  eine  weite  Strecke,  nämlich  von  Mnenan  bis  Cernosic  ist  der  genannte 
Zug  von  Quarzitsandsteinen  der  Königshofer  Schichten  beiderseits  von  Littener 
Schichten  (Graptolithenschiefern)  umgeben,  indem  er  dieselben,  die  an  der  Basis 
der  obersilurischen  Etagen  auftreten,  in  zwei  getrennte  Zonen  scheidet,  von 
denen  die  nördliche  von  Mnenan  über  Vlenec,  Morinky,  Solopisk  und  Radotin 
mit  dem  Kalkplateau  unmittelbar  zusammen  hängt;  die  südliche  aber,  die  am 
Fusse  des  Kalkberges  Mramor  bei  Liteh  beginnt,  bis  zu  ihrer  Auskeilung  zwischen 
Karlik  und  Cernosic  mitten  zwischen  untersilurischen  Grauwackenschiefern  er- 
scheint. ln  dem  Thaldurchschnitte  zwischen  Klucic  und  Treban  erinnert  diese 
abgetrennte  Zone  der  Littener  Schichten  aulfallend  an  die  Colonie  von  Motol ; 
doch  können  wir  hier  ihren  Zusammenhang  mit  dem  obersilurischen  Kalkplateau 
naehweisen,  indem  sie  nichts  als  ein  zungenförmiger  Ausläufer  der  Graptolithen- 
schiefer  des  Mramorberges  bei  Liteh  ist. 

Der  Durchschnitt  6 in  der  beigefügten  Tafel,  von  Korno  über  Vlenec, 
Liten,  Lee;  Rochoty,  bis  zum  Kamme  des  Brdawaldes,  zeigt  die  Lagerungsver- 
hältnisse der  besprochenen  Schichten.  Das  ßeraunthal  zwischen  Karlstein  und 
Srbsko,  von  welchem  der  Durchschnitt  beginnt,  besteht  zu  beiden  Seiten  aus 
Kuhelbader  Kalkschichten  (Barrande’s  Etage  E).  Aus  denselben  bestehen 
auch  die  Kuppen  „na  stfevici^  genannt  bei  Korno;  dann  folgen  die  noch  zu 
Barrande’s  Etage  E gehörigen  Littener  Schichten,  aus  denen  sich  die  sattel- 
förmig gefalteten,  aus  Quarzitsandsteinen  und  Grauwackenschiefer  bestehenden 
Königshofer  Schichten  am  Voskov  erheben.  Vom  Voskovberge  bis  zu  den  Hügeln 
„na  babce“  genannt,  unweit  Liteh  herrschen  abermals  Graptolithenschiefer  mit 
mächtigen  Grünsteinlagern  der  Littener  Schichten  in  muldenförmiger  Lagerung. 
Am  Fusse  der  Babkahügel,  welche  zwischen  Schichten  des  Quarzitsandsteines 
ebenfalls  Grünsteinlager  enthalten,  besteht  das  ganze  Thal  bei  Lee  bis  über 
Svinar  aus  Zahoraner  Schiefern  (Barrande  d 4),  welche  einförmig  gegen 
Nordwest,  d.  h.  gegen  die  Axe  des  obersilurischen  Plateaus  einfallen,  und  erst 
am  Fusse  des  Brdarückens  beginnen  die  eigentlichen  Quarzite  der  Brda-Schichten 
(Barrande  d 2).  Mächtige  Ablagerungen  von  Schutt  und  Gesteinstrümmern 


[35]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  257 

verdecken  an  den  Gehängen  der  waldigen  Brda  das  feste  Gestein  fast  überall, 
nur  an  den  anstehenden  Felsen  bei  dem  Jägerhause  Skalka,  dann  auf  dem 
Waldhiigel  südlich  von  Hate  sieht  man  Quarzit,  und  zwar  in  sattelförmig  gewun- 
denen Schichten. 

Die  Grenzscheide  der  Barrande’ sehen  Eta  ge  D,  d.  i.  der  petrefacten- 
führenden  gegen  die  petrefactenleeren  (azoischen)  untersilurischen  Schichten 
befindet  sich  am  südlichen  Gehänge  der  Brda;  sie  ist  charakterisirt  durch  die 
Komorauer  Schichten,  welche  den  Kamm  zwischen  dem  Jägerhause  Rochoty 
und  dem  Dorfe  Lhotka  quer  übersetzen  und  bei  Skalka  durch  Eisensteinbaue 
aufgeschlossen  sind.  Die  Sandsteine  und  Conglomerate  unter  den  Komorauer 
Schichten  gehören  theils  den  Krusnähora-Sehichten , die  sich  aber  noch  vor 
Lhotka  auskeilen,  theils  zu  den  mächtigen  Prfbrarner  Grauwacken,  welche  einem 
grossen  Theil  des  Brda-Gebirges  zwischen  Mnisek  und  Hlubos  zusammensetzen. 

Einen  ähnlichen  Durchschnitt  gibt  das  Terrain  zwischen  Karlik  und  Ritdka. 
In  dem  Thälchen,  welches  von  Roblfn  gegen  Karlik  verläuft,  sieht  man  ebenfalls 
die  Graptolithenschiefer  der  Littener  Schichten  durch  Quarzitsandsteine  der 
Königshofer  Schichten  in  zwei  Zonen  getrennt,  und  am  linken  Beraunufer  gelangt 
man  über  Grauwackenschiefer  der  Zahoraner  Schichten  ebenfalls  auf  Quarzite  der 
Brda-Schichten,  welche  hier  den  Kamm  des  Brda-Waldesvausschliesslich  zusammen- 
setzen und  als  steil  aufgerichtete  Schichtenköpfe  bei  Cernolic  unmittelbar  an  das 
azoische  Plateau  der  Pnbramer  Schiefer  anstossen. 

Eine  der  merkwürdigsten  Localitäten  ist  die  steile  Lehne  des  obersiluri- 
schen  Plateaus  zwischen  Radotin  und  Gross-Kuhel.  Diese  Lehne  gehört  zu  der 
Fortsetzung  des  Zuges  der  Schiefer  und  Quarzitsandsteine,  der  mitten  im  Kalk- 
steingebiet bei  Mnenan  beginnt  und  wie  oben  angeführt  wurde  bis  Gross-Kuhel 
streicht.  Den  oberen  Rand  der  Lehne  bildet  ein  kleiner  Kamm  von  Quarzitsand- 
steinen, der  nordöstlich  (Stunde  4*5)  verläuft  und  dessen  Schichten  nordwestlich 
unter  die  Graptolithenschiefer  und  Kalkbänke  von  Lochkov  einfallen,  aber 
grösstentheils  von  Diluvialschotter  bedeckt  sind.  Als  seine  Fortsetzung  kann  ein 
Hügelzug  betrachtet  werden,  der  am  rechten  Moldauufer  bei  Hodkovicky  beginnt 
und  gegen  Kre  sich  fortsetzt. 

Die  Quarzitsandsteine  der  Lehne  wechseln  mit  weichen  gelblichen  Schiefern 
ab  und  gehören,  so  wie  der  ganze  Zug  von  Mnenan  bis  Gross-Kuhel,  den  Königs- 
hofer Schichten  (<£5)  an. 

Mitten  zwischen  diesen  Schichten  tritt  am  Wege  von  Radotin  nach  Lahovka 
ein  Grünsteinlager  auf.  Geht  man  längs  des  Abhanges  weiter  gegen  Gross-Kuhel, 
so  trifft  man  den  Grünstein  abermals  bei  der  Schäferei  an,  die  etwa  eine  viertel 
Stunde  von  Gross-Kuhel  am  Fusse  der  Lehne  liegt. 

Dieser  Grünstein  bildet  hier  etwa  in  der  Mitte  der  Lehne  ein  kleines,  etwa 
300  Klafter  langes  und  2 — 3 Klafter  mächtiges  Lager,  welches  von  Grapto- 
lithenschiefern  begleitet  wird. 

Ich  kannte  die  Grünsteine  wohl  schon  von  früheren  Jahren,  auf  die  Grapto- 
lithenschiefer machte  mich  aber  Herr  Barrande  aufmerksam,  nachdem  ich  schon 
von  meiner  vorjährigen  Exeursion  zurückgekehrt  war. 

Es  ist  dies  „die  Colo  nie  Haidinger44,  gewiss  nebst  der  Colonie  Zippe 
in  der  Bruska  die  interessanteste  unter  den  paradoxen  Ablagerungen  des  böhmi- 
schen Silursystemes. 

Im  Querprofile  Fig.  6 zeigt  die  Lehne  von  oben  nach  unten  Folgendes : 
Oben  auf  der  Lehne  liegt  Quarzitsandstein  und  darunter  der  gelbliche  Schiefer 
der  Königshofer  Schichten,  beide  gegen  Nordwest,  also  gegen  die  Axe  des 
Silursystemes  mit  etwa  30  Grad  einfallend.  In  der  Mitte  der  Lehne  tritt  dann 

33* 


258 


Johann  Krejci. 


1 36] 

Graptolithenschiefer  auf,  der  auf  Grün- 
stein liegt  (Littener  Schichten.  Bar.  E), 
ebenfalls  mit  nordwestlichem  Ginfallen, 
aber  in  einer  steilen  Stellung  von  60 — 
70  Grad.  Eben  so  steil  sind  dann  die 
tieferen,  die  Littener  Schichten  unter- 
teufenden Quarzitsandsteine  und  Schie- 
ferschichten,welche  in  ihrer  Beschaffen- 
heit mit  den  oberen  Königshofer  Schich- 
ten übereinstimmen.  Eine  Kluft,  welche 
dem  Streichen  der  Schichten  folgt,  begleitet  nahe  am  Kusse  der  Lehne  eine 
starke  Verwerfung  der  Schichten. 

An  derselben  Lehne,  aber  näher  gegen  Gross-Kuhel,  tritt  eine  zweite 
Colo  nie  zum  Vorschein,  die  Barrande  mit  meinem  Namen  bezeichnet,  für 
welche  Bezeichnung  ich  hier  meinen  Dank  ausspreche.  Diese  Colonie,  zu 
der  mich  Herr  Barrande  schon  vor  elf  Jahren  bei  einem  Ausfluge  führte  und 
die  ich  seitdem  viele  Mal  besuchthabe,  ist  durch  einen  kleinen  Wasserriss  kennt- 
lich, in  welchem  Littener  Schiefer  mit  sehr  grossen  Kalkconcretionen,  die  bis 
2 Fuss  im  Durchmesser  haben,  anstehen.  Auch  hier  sieht  man  Quarzitsandsteine 
und  Grauwackenschiefer  der  Königshofer  Schichten  abwechseln  und  mitten 
zwischen  ihnen  den  Graptolithenschiefer  und  Grünstein  der  Littener  Schichten 
eingelagert,  und  diese  zeigen  mit  der  darunter  liegenden  Partie  der  Grau- 
wackenschiefer, wie  in  der  Colonie  Haidinger,  eine  abweichende  Lagerung  im 
Vergleiche  mit  den  Quarzitsandsteinen  des  oberen  Randes,  indem  sie  viel  steiler 
einfallen,  als  diese.  An  der  Begrenzung  der  Littener  mit  den  Königshofer  Schichten 
nahe  am  Fusse  der  Lehne  zeigt  sich  eine  deutliche  Abstossung  der  steileren 
Littener  von  den  weniger  steilen  Königshofer  Schichten,  während  nahe  am  oberen 
Rande  an  einer  Stelle  die  dunklen  Littener  mit  den  gelblichen  Königshofer 
Schiefern  abzuwechseln  scheinen. 

Bar  ran  de  nimmt  bekanntlich  die  gleichzeitige  Bildung  der  Colonien  mit 
den  sie  umgehenden  untersilurisehen  Schichten  an,  und  die  von  der  Colonie 
Zippe  in  der  Bruska  bekannten  Thatsachen  sprechen  für  diese  Annahme. 
Meine  Bedenken  gegen  diese  Annahme  beziehen  sich  natürlich  nur  auf 
die  zugänglichen  und  mir  bekannten  Localitäten  der  Colonien  von  Motol  und 
Gross-Kuhel. 

Dass  dieselben  in  zwei  Schichtenzonen  der  Barra  nd  e' sehen  Etage  D auf- 
treten,  nämlich  in  der  Zone  d*  und  db  (Zahoraner  und  Königshofer  Schichten), 
habe  ich  schon  früher  erwähnt,  so  wie  auch  den  Umstand  hervorgehoben,  dass 
die  Graptolithenschiefer  bei  Motol  auf  den  untersilurisehen  Schichten  inab- 
weichender  L a g e r u n g liegen. 

Für  die  zwei  Colonien  bei  Gross-Kuhel  scheint  mir  der  Umstand  sehr  be- 
achtenswerth  zu  sein,  dass  dieselben  genau  in  der  Fortsetzung  jener  ebenfalls 
zwischen  den  Königshofer  Schichten  eingeschlossenen  Littener  Schichten  zwischen 
Cernosic  und  Liten  liegen,  deren  Zusammenhang  mit  der  obersilurischen  Etage  E 
des  Mramorberges  zu  Tage  tritt;  eben  so  scheint  mir  die  gestörte  Lagerung 
derselben  von  grosser  Wichtigkeit  zu  sein.  Könnten  nicht  diese  Umstände  zur 
Erklärung  der  Colonien  benützt  werden  ? In  diesem  Falle  würde  die  erwähnte 
Littener  Graptolithenz  one  sich  noch  viel  weiter  erstreckt  haben,  aber 
durch  eine  im  Streichen  derselben  erfolgte  Verwerfung  und  Ueberschiebung 
mitten  zwischen  die  Quarzitsandsteine  und  gelblichen  Schiefer  der  Königshofer 
Schichten  gelangt  sein. 


Fig.  6. 


Diluvium.  Col.  Haid. 


da  Gr  da 

Gr  Littener,  d 5 König-shofer  Schichten, 


|“37]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun,  259 

AehnlicheLagerungsverhältnisse  der  Hluboceper  Schichten  (Barr.  Etage  H ), 
die  bei  Hlubocep  und  Karlstein  zwischen  den  Kalkbänken  der  Braniker  Schichten 
(Barr.  Etage  G)  eingelagert  ist,  zeigen  einen  vollkommen  analogen  Fall  und 
weisen  mit  grösster  Deutlichkeit  auf  die  grossartigen  Verwerfungen  hin,  welche 
das  silurische  Schichtengebäude  in  der  nordöstlichen  Streichungslinie  zerrüt- 
teten. — 

Am  rechten  Moldauufer  bei  dem  Dorfe  Hodkovicky  treten  gerade  gegen- 
über von  Kuhelbad  auch  die  Littener  Schichten  auf.  Diese  letzteren  liegen  zwi- 
schen Quarzitsandsteinen  der  Königshofer  Schichten  und  Grünsteinen  und  fallen 
eben  so  wie  an  anderen  Orten  gegen  Nordwest  und  zwar  hier  unter  die  Grün- 
steine ein.  Da  gerade  gegenüber  am  jenseitigen  Ufer  am  Felsen  bei  Kuhelbad 
ebenfalls  Grünstein  mit  Littener  Schiefern  unter  den  Kalketagen  ansteht,  so  kann 
die  Hodkovicker  Partie  mit  der  Kuhelbader  in  Verbindung  stehen.  Indessen  ist 
sie  an  diesem  Ufer  von  den  Braniker  Kalkfelsen  und  den  dieselben  unterteufen- 
den Littener  Schiefern  durch  Grauwackenschiefer  der  Königshofer  Schichten 
getrennt  und  in  diesem  trifft  man  noch  ein  zweites  Lager  von  Grünstein  an,  das 
mitten  im  Braniker  Thälchen  einen  isolirten  Felsenhügel  bildet  und  dann  noch 
höher  an  dem  südlichsten  Bergabhange  bei  Branik  mitten  zwischen  Königshofer 
Schiefern  zu  Tage  tritt. 

Bei  der  Bedeckung  der  Felsenschichten  dieser  Gegend  mit  lockerem  Erd- 
reich ist  es  vor  der  Hand  nicht  möglich  zu  entscheiden,  ob  diese  Grünsteinmassen 
zwischen  die  Grauwackenschiefer  wirklich  eingelagert  sind,  oder  ob  hier  eben- 
falls Dislocationen  statt  fanden.  — 

Fassen  wir  in  Kürze  die  Besultate  zusammen,  welche  sich  aus  der  Lage- 
rung der  Quarzite  und  verschiedener  Grauwadkenschiefer  der  untersilurischen 
Schichten  ergeben,  so  erkennen  wir,  dass  die  Schichten  in  ihrem  ganzen  Ver- 
laufe dem  nordöstlichen  Streichen  (nach  Stunde  4 — 5)  folgen  und  in  ihrem  Ein- 
fallen eine  langgedehnte  Mulde  darstellen,  deren  Bänder  durch  die  festen  Krusna- 
hora-  und  Brda-Schichten  gebildet  werden. 

Sowohl  die  tieferen  Quarzite  der  Brda-Schiehten,  als  die  höheren  Grau- 
wackenschiefer der  Vinicer,  Zahoraner  und  Königshofer  Schichten  sind  nach 
dem  Streichen  sattelförmig  gefaltet,  namentlich  gilt  dies  von  den  letzteren,  und 
nach  demselben  Streichen  fanden  auch  Zerreissungen  und  Dislocationen  der 
Schichten  statt. 

Diese  nun  unter  den  mannigfachsten  Einfallswinkeln  aufgerichteten  Schichten 
konnten  den  unabänderlichen  mechanischen  Gesetzen  zu  Folge  nur  in  horizontaler 
Lage  abgesetzt  werden.  Könnte  man  die  Schichten  neuerdings  auf  einer  hori- 
zontalen Ebene  ausbreiten,  so  hätten  sie  offenbar  innerhalb  ihrer  jetzigen  Grenzen 
nicht  Raum  genug.  Trotz  dem  weist  nichts  darauf  hin,  dass  diese  Schichten 
ursprünglich  in  der  horizontalen  Richtung  einen  grösseren  Raum  einnahmen,  als 
jetzt;  auch  ist  nirgends  in  der  Nähe  ein  eruptives  Gestein  in  dem  Maasse  ent- 
wickelt, dass  es  eine  derartige  Faltung  hätte  bewirken  können. 

Wir  werden  daher  unabweisbar  zu  dem  Schlüsse  geleitet,  dass  die  Schichten 
durch  irgend  eine  andere  Ursache  sich  strecken  und  da  sie  den  Widerstand  an 
ihren  äusseren  Rändern  nicht  überwältigen  konnten,  faltenartig  sich  Zusammen- 
legen mussten.  Die  Auflagerung  der  Krusnahora-  und  Brda-Schichten  aufPnbramer 
Schiefern  zwischen  Skalka  bei  Mnfsek  und  Königsaal  zeigt  überall  deutlich  eine 
Emporschiebung  der  ersteren,  und  eben  so  lassen  sich  einzelne  locale  Faltungen, 
welche  nur  auf  eine  Schichtenmasse  sich  beschränken,  während  die  höheren  und 
tieferen  Schichten  ebene  Flächen  behalten,  nur  durch  die  Volumvergrösserung 
gewisser  Schichten  erklären. 


260  Johann  Kn*jn.  [38J 

Ganz  ähnliche  Verhältnisse  sind  noch  deutlicher  in  den  obersilurischen 
Kalkbänken  zu  sehen. 

Die  Mächtigkeit  der  drei  oberen  Zonen  der  Barr  and  e’schen  Etage  D,  näm- 
lich der  Königshofer,  Zahofaner  und  Vinicer  Schichten,  beträgt  nach  Barrande 
gegen  1000  Meter;  nicht  viel  geringer  mag  die  Mächtigkeit  der  tieferen  Zonen, 
nämlich  der  Brda-,  Komorauer  und  Krusnahora-Schichten  sein;  ich  konnte 
bei  den  vielfachen  Faltungen  und  Verwerfungen  ein  genaues  Besultat  nicht 
erzielen. 

Die  Breite  des  Beckens  beträgt  zwischen  dem  Rucken  des  Ded  bei  Beraun 
und  der  Brda  bei  Mnfsek  etwa  8500  Klafter;  beinahe  die  Hälfte  davon  nimmt 
in  der  Mitte  das  obersilurische  Gebiet  ein. 

3.  Das  obersilurische  Terrain. 

Sowohl  in  Hinsicht  der  Terrainformen,  als  in  Hinsicht  der  Gesteine  und 
ihrer  Lagerung  ist  das  obersilurische  Terrain  der  interessanteste  Tlieil  des 
böhmischen  silurischen  Systems. 

Einen  vorzüglichen  Ueberblick  desselben  gewinnt  man  von  den  Höhen  der 
Quarzitkämme  oder  Kieselschiefer-Felsen  am  linken  Ufer  der  Litava  bei  Beraun. 

Einen  solchen  Standpunkt  gewährt  der  Hadlicer  Kieselschieferfels,  von 
welchem  aus  man  das  südwestliche  Ende  der  obersilurischen  Abtheilung  mit  den 
im  Hinter-  und  Vordergründe  dasselbe  umgebenden  Quarzitrücken  und  in  den 
Grauwackenschiefer  eingefurchten  Thälern  übersieht.  Der  daselbst  gewonnene 
Ueberblik  zeigt  ein  isolirtes,  mit  runden  Bergkuppen  und  Rücken  bedecktes 
Plateau,  dessen  scharf  individualisirte  Gestaltung  sich  auffallend  von  den  lang- 
gezogenen untersilurischen  Bergrücken  unterscheidet. 

In  ähnlicher  Form  dehnt  sich  das  obersilurische  Plateau  gegen  Nordost  von 
Libomysl  bei  Zdic  bis  nach  Michle  bei  Prag  aus.  Durch  die  tiefen  Thalpartien 
der  Beraun  zwischen  Tetfn  und  Karlstein,  dann  der  Waldau  bei  Kuhelbad  und 
Branfk  wird  dasselbe  in  drei  Theile  gesondert,  und  nebstdem  durch  felsige 
schluchtenartige  Querthälchen  durchfurcht,  so  dass  die  Gegend,  obwohl  sie  keine 
geringe  absolute  Höhe  hat,  einen  wahren  Gebirgscharakter  annimmt. 

Die  nördlichste  Partie,  das  äusserste  Ende  des  obersilurischen  Plateaus 
zwischen  Michle,  Dvorec  und  Branfk  bildet  eine  200  — 300  Fuss  über  den 
Flussspiegel  erhabene  Terrasse,  welche  sich  mit  rasch  abfallenden  Lehnen  gegen 
den  Batichach  bei  Nusle  und  Michle  und  den  Kiinraticer  Bach  bei  Branik  und  Kre 
absenkt,  gegen  die  Moldau  aber  mit  den  malerischen  Felsen  bei  Dvorec  und 
Branfk  abstürzt. 

Der  Moldaufluss,  der  hier  von  Süden  gegen  Norden  fliesst,  trennt  diese 
Partie  von  der  westlichen  viel  grösseren  Partie  zwischen  demselben  und  dem 
Beraunflusse.  Dieselbe  steigt  von  den  steilen  Felsen  bei  Zlfchov  und  Kuhelbad 
plötzlich  zur  Höhe  hinauf  und  bildet  ein  im  Durchschnitte  1000  — 1100  Fuss 
hohes  einförmiges  Plateau,  welches  durch  die  erwähnten  Querthälchen  in  mehrere 
isolirte  Hochflächen  getrennt  wird. 

Die  an  Prag  nächste  dieser  Flächen  zwischen  dem  Radlicer  und  St.  Prokop- 
thale  heisst:  „na  dfvcfch  hradech“  (auf  der  Mädchenburg),  welcher  Name  mit 
der  romantischen  Sage  des  Mädchenkrieges  zusammenhängt.  Auf  dem  steilen 
Rande  des  Plateaus  zwischen  Hlubocep  und  Zlfchov  stehen  noch  Spuren  der  Burg 
Devin  (956-76  Fuss).  Die  zweite  Fläche  liegt  zwischen  dem  St.  Prokop-  und  dem 
Radotfner  Thale  und  bildet  den  fruchtbaren  Ackerboden  der  Dörfer  Slivenec,  Orech 
(1140  Fuss)  und  Lochkov. 


Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geoiog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun. 


261 


Die  dritte  Partie,  zwischen  dem  Radotiner  und  St.  Ivanthale  gelegen,  ist 
keine  ebene  Fläche  mehr,  sondern  ein  in  der  Streichungsrichtung  gefurchtes 
Plateau,  dessen  tiefere  Stellen  die  Hluboeeper  Schiefer,  die  höchste  sibirische 
Etage  (H)  Barrand e’s,  einnehmen,  während  die  Höhenzüge  aus  Kalkbänken  be- 
stehen. Der  nördlichere  dieser  Höhenzüge  trägt  auf  seinem  Rücken  das  weithin 
sichtbare  Dorf  Vysoky  Üjezd  (1320  Fuss)  und  nahe  an  St.  Ivan  die  Waldkuppe 
„Sty  die  Vady“  (geronnene  Wässer,  1375  14  Fuss);  der  mittlere  bildet  die 
theilweise  bewaldeten  breiten  Rücken  südlich  von  Bubovic,  wo  der  Boubinecberg 
die  Höhe  von  1352*52  Fuss  erreicht;  den  südlichsten  Höhenzug  bildet  ein 
waldiger  Rücken,  der  die  Koliva  hora  (1223*7  Fuss)  bei  Trebotov,  die  Zaboriny 
(1278  Fuss)  bei  Koblin,  dann  die  Knezf  hora  (132Ö  Fuss),  den  Javorkaberg  und 
die  Cihovä  bei  Karlstein  enthält. 

Die  schluchtähnlichen  waldigen  Thälchen  bei  Radotin,  Koblin,  Karlstein, 
Rubovic  und  St.  Ivan,  welche  dieses  Terrain  quer  durchbrechen,  enthalten  schöne 
Landschaftspartien  und  zugleich  den  besten  Aufschluss  über  den  Gebirgsbau. 

Die  letze  Partie  des  obersilurischen  Plateaus  am  rechten  Moldauufer  bilden 
die  Waldkuppen  zwischen  dem  St.  Ivanthale  und  dem  Sattel  bei  Vraz.  Sie  ent- 
hält die  Fortsetzung  des  Höhenzuges  vou  Vysoky  Üjezd  und  Stydle  Vody  und 
führt  nach  den  zerstreuten  Häuschen  am  südwestlichen  Abfall  den  Namen 
Listice.  Die  Höhe  beträgt  an  1220  Fuss.  Am  linken  Beraunufer  enthält  das 
obersilurische  Plateau  ebenfalls  keine  ebenen  Flächen,  sondern  besteht  aus 
einigen  theils  kahlen,  theils  bewaldeten  Bergen,  die  sich  über  das  breite 
Litavka-  und  Vosover  Thal  in  ansehnlichen  Formen  erheben.  Die  dem  Beraun- 
flusse  nächste  Partie  enthält  das  Plateau  von  Kolednik , welches  durch  das  von 
Tetm  nach  Kolednik  führende  Thälchen,  so  wie  von  der  Schlucht  bei  Koda  durch- 
furcht wird. 

Die  erste  Stufe  des  Plateaus,  unmittelbar  am  Beraunflusse  ist  eine  900  Fuss 
hohe  Felsenterrasse,  welche,  dem  südwestlichen  Laufe  des  Flusses  folgend, 
eine  auffallende  Bodendepression  quer  durch  das  obersilurische  Terrain  bildet. 
Auf  dieser  Terrasse  erhebt  sich  oberhalb  Tetin  und  Jarov  der  kahle  Berg  Damil 
(1250  Fuss),  der  als  ein  langer,  gegen  das  Litavathal  steil  abfallender  Rücken 
mit  der  Dlouhä  hora  (über  1300  Fuss)  zwischen  Kolednik  und  Bitov  zusammen- 
hängt; auf  derselben  Terrasse  erhebt  sich  östlich  vom  Damil  der  breite  Rücken 
des  Koder  Waldes  mit  dem  Berge  Tobolka  (1462  08  Fuss)  bei  dem  Dorfe 
gleichen  Namens;  östlich  von  diesem  Berge  läuft  noch  ein  niedriger  Rücken  mit 
dem  Berge  Straziste,  na  Strevici,  in  der  Richtung  gegen  Karlstein. 

Das  Thal  von  Mnenan  trennt  diese  Partie  von  der  zweiten,  die  sich  zwischen 
Koneprus,  Suchomast,  Mnenan  und  Liten  ausdehnt.  Sie  enthält  zwischen  den 
ersten  zwei  Orten  den  kahlen  Felsenrücken  Zlaty  Kün,  der  dann  in  südöstlicher 
Richtung  mit  den  bewaldeten  Bergen  Kobyla  und  Plesivec,  dann  mit  dem  Telin 
und  Bacin  (1563*72  Fuss),  dem  höchsten  Berge  des  obersilurischen  Terrains, 
so  wie  mit  dem  Samor  und  Mramor  bei  Liten  zusammenhängt  und  mit  diesen 
gemeinschaftlich  einen  Höhenzug  bildet. 

Die  südwestlichste  Einsäumung  des  obersilurischen  Plateaus  enthält,  wie 
schon  früher  erwähnt  wurde,  den  Quarzitrücken  der  Housiny.  Zwischen  diesem 
Rücken  und  dem  Zlaty  Kün  erheben  sich  noch  auf  dem  obersilurischen  Plateau 
drei  isolirte,  gegenNordost  verlängerte  waldige  Rücken,  derLejskov(1520*7Fuss) 
bei  Tmän,  der  Waldberg  zwischen  Lounfn  und  Sloviky,  und  endlich  die  vom 
Litavathale  aus  weithin  sichtbare  Koukolovä  hora  (1499*89  Fuss).  Wir  werden 
sehen,  wie  die  Terraingestaltung  mit  dem  Gebirgsbaue  innig  zusammen- 
hängt. 


2G2 


•Johann  Krejöi. 


Den  äusseren  Hand  fast  des  ganzen  obersilurischeu  Plateaus  nehmen  die 
Quarzitsandsteine  und  gelblicher  Schiefer  der  Königshofer  Schichten  (rf5)  ein, 
welche,  wie  schon  erwähnt  wurde,  hei  Bozek,  Lounin  und  Mnehan  ins  Plateau 
selbst  eingreifen  und  überall  die  Basis  desselben  bilden.  Erst  jenseits  der  Quarzit- 
sandsteine der  Königshofer  Schichten  dehnen  sich  die  das  Plateau  umgebenden, 
in  die  weichen  Grauwackenschiefer  der  Zahoraner  und  Vinicer  Schichten  ein- 
gefurchten Thäler  aus.  Aber  auch  das  Plateau  selbst  wird  von  Thälern  und 
Schluchten  durchsetzt. 

Die  dem  nordöstlichen  Streichen  folgenden  Furchen  sind  nur  seichte  Bodeu- 
depressionen,  die  in  ihrer  Höhe  sich  wenig  von  den  Bücken  unterscheiden. 
Bei  weitem  auffallender  sind  die  Querthäler,  welche  in  zwei  Hauptrichtungen, 
nämlich  in  einer  nördlichen  und  einer  südwestlichen,  die  Felseuschichten  des 
Plateaus  tief  aufreissen  und  den  Felsenbau  am  deutlichsten  aufdecken.  Das  eine 
dieser  von  Süd  nach  Nord  streichenden  Thälchen  beginnt  am  Nordabhange  der 
Housiny  bei  Bykos  und  geht  als  eine  enge  Schlucht  westlich  bei  dem  Berge 
Zlaty  Kuh  vorbei  gegen  Königshof;  ein  zweites  derselben  Bichtung  ist  das  tiefe 
Felsenthal  von  St.  Ivan,  welches  von  Lodenic  über  St.  Ivan,  Hostin  bis  zum 
Beraunflusse  alle  obersilurischen  Etagen  durchbricht  und  an  malerischen  Felsen- 
gruppen und  an  lohnenden  Punkten  für  den  Geognosten  und  Botaniker  alle 
anderen  Thäler  übertrifft.  Das  Beraunthul  von  der  Ausmündung  des  Lodenicer 
Baches  bis  Srbsko  ist  nur  eine  Fortsetzung  desselben. 

Andere  Thälchen  dieser  Bichtung  sind  die  von  Bubovic  und  Srbsko;  das 
bei  Karlstein,  an  dessen  Mündung  auf  einem  isolirteu  Felsen  gerade  bei  der 
Vereinigung  zweier  Felsenschluchten  die  altberühmte  Königsburg  steht;  dieselbe 
Bichtung  hat  endlich  auch  das  Moldauthal  zwischen  Kuhelbad  und  Dvoree,  dessen 
steile  Felsen  zu  beiden  Seiten  des  Flusses  nicht  blos  zur  schönsten  Landschafts- 
zierde der  Umgebung  Prags  gehören,  sondern  auch  einen  der  interessantesten 
Schichtendurchschnitte  bilden,  wie  ein  solcher  kaum  in  der  Nähe  einer  anderen 
Hauptstadt  sich  findet. 

Unter  den  Thälern,  welche  von  Nordwest  nach  Südost,  also  senkrecht  zum 
nordöstlichen  Hauptstreichen  des  sibirischen  Schichtensystemes  verlaufen,  ist  das 
wichtigste  das  Beraun-Thal  zwischen  Tetfn  und  Budnan,  indem  es  das  obersilu- 
rische  Terrain  durchbricht;  dann  das  Thal  zwischen  Luzec  und  Karlik;  das 
Thal  des  Badotfner  Baches  zwischen  Tachlovic  und  Kadotin,  in  welchem  die 
mannigfachsten  Störungen  des  Schichtenbaues  besonders  deutlich  hervortreten. 
Das  Prokopithal  (im  mittleren  Theile  v dalejfch  genannt),  als  einer  der  belieb- 
testen Zielpunkte  von  den  Prager  Naturfreunden  häufig  besucht,  streicht  analog 
dem  nordöstlichen  Streichen  nach  Nordost  und  wäre  demnach  das  einzige  eigent- 
liche Längenthal  im  obersilurischen  Gebiete. 

Herr  Barrande  theilt  das  obersilurische  Schichtensystern  in  die  vier  Etagen 
E , F , G und  H ein. 

Die  tiefste,  unmittelbar  auf  den  oben  erw  ähnten  Königshofer  Schichten  (</5) 
aufgelagerte  Etage  E besteht  aus  Graptolithenschiefern,  Grünsteinen  und  bitu- 
minösen Kalksteinen;  die  Etage  F enthält  grösstentheils  röthliche,  auch  weisse 
und  lichtgraue  Marmorkalke;  die  Etage  G enthält  gewöhnlich  graue  Knollen- 
kalke; die  Etage  H endlich  besteht  aus  Grauwackenschiefern  und  Quarzitlagern, 
welche  den  Gesteinen  der  Zahoraner  Schichten  (</4)  ähnlich  sind.  Nach  den 
Localitäten,  wo  diese  verschiedenen  Abtheilungen  des  obersilurischen  Systems 
am  meisten  charakterisirt  sind,  können  dieselben  mit  den  Namen  „Littener 
Schichten“  (Barrande’s  Graptolithenschiefer  und  Grünsteine  der  Etage  E), 
„ Kuhelbader  Schichten44  (Barr.  Kalke  der  Etage  E),  — „Konepruser  Sehich- 


[41]  Bericht  über  die  im  J,  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  263 

ten“  (Barr.  F ),  „Braniker  Schichten“  (Barr.  G ),  und  „Hluboceper Schichten“ 
(Barr.  H j bezeichnet  werden. 

Alle  diese  Abtheilungen  unterscheiden  sich,  wie  Herr  Barrande  erwiesen 
hat,  durch  ihre  Petrefacten  von  einander;  aber  auch  das  Gestein  gibt  häufig 
schon  hinreichende  Mittel  zur  Unterscheidung  derselben. 

Die  Grap  tollt heuschiefer  der  Littener  Schichten,  durch  eine 
zahllose  Menge  von  Graptolithen  ausgezeichnet,  sind  dünnblätterige,  etwas  kal- 
kige, von  Bitumen  schwarz  gefärbte  Schiefer,  welche  neben  der  kalkig-thonigen 
Grundinasse  auch  feine  Glimmerblättchen  führen.  Die  Graptolithen  selbst  sind 
fast  immer  mit  einem  feinen  Sehwefelkies-Ueberzug  bedeckt  und  ähneln  auffallend 
Bleistiftzeichnungen,  manchmal  sind  auch  feine  Körner  oder  Plättchen  von 
Schwefelkies  eingemengt. 

In  den  höheren,  den  Kalksteinen  näheren  Schichten  treten  überall  in  den 
Graptolithenschiefern  Kalkconcretionen  von  einigen  Zoll  bis  zwei  Fuss  Durch- 
messer auf,  welche  sehr  häufig  irgend  ein  Petrefact  oder  einen  Eisenkiesknollen 
als  Kern  enthalten,  und  überdies  nicht  selten  in  ihrer  Masse  ausgezeichnete 
Petrefacten  führen.  Diese  Knollen  sind  gewöhnlich  länglichriund  und  nach  ihrer 
längeren  Axe  parallel  den  Schieferflächen  geordnet;  je  näher  an  die  eigentlichen 
Kalkbänke,  desto  häufiger  werden  sie  und  vereinigen  sich  endlich  zu  consistenten 
Kalksteinlagern,  die  allenfalls  noch  mit  Graptolithenschiefern  abwechseln.  Auch 
grössere  oder  kleinere  linsenförmige  Kalksteinlager  sieht  man  stellenweise  den 
Graptolithenschiefern  eingefügt.  Die  Graptolithenschiefer  der  Colonien  bei 
Kuhelbad  und  Motol  stimmen  vollkommen  mit  den  Graptolithenschiefern  an  der 
Basis  der  Kalkbänke  überein. 

ln  ihrem  ganzen  Verbreitungsbezirke  werden  diese  Schiefer  von  Grün- 
steinen begleitet,  welche  vor  der  Hand  nur  ihrer  Aehnlichkeit  wegen  mit  den 
Grünsteinen  der  Uebergangsgebirge  Deutschlands  als  Diabasgrünsteine  bezeichnet 
werden  können.  Eine  chemisch-mineralogische  Untersuchung  derselben  fehlt 
noch  gänzlich. 

Der  Grünstein  kömmt  hier  in  zwei  Hauptvarietäten  vor,  einer  krystallinisch- 
körnigen,  massigen,  und  einer  mehr  thonigen,  geschichteten  Varietät.  Die  kry- 
stallinisch-körnige  Varietät  ist  dunkelgrün,  häufig  fast  schwarz  und  besteht  aus 
einem  fest  verwachsenen  Gemenge  von  Pyroxen,  dessen  Spaltungsflächen  beim 
Zerschlagen  manchmal  ersichtlich  werden,  und  aus  einer  dichten  Feldspathspecies. 
An  den  Gehängen  des  St.  Ivan-Thales,  zwischen  Lodenic  und  Sedlec  sieht  man 
eine  Varietät  mit  deutlichen,  bis  */a  Zoll  grossen  Feldspathkrystallen  in  einer 
dichten  dunkelgrünen  Masse,  stellenweise  hat  das  Gestein  an  anderen  Orten 
Aehnlichkeit  mit  Serpentin,  und  sehr  häufig  lässt  sich  Chlorit  in  schuppigen  oder 
dichten  Anhäufungen  unterscheiden.  UeberaSI  ist  der  Grünstein  von  kohlensaurem 
Kalk  imprägnirt;  dieser  bildet  entweder  spaltbare  Körner,  welche  dem  Gestein 
nicht  selten  ein  porphyrartiges  Ansehen  ertheilen  und  durch  ihre  weisse  Farbe 
auffallend  von  der  dunklen  Grundmasse  abstechen,  oder  er  durchsetzt  das  Gestein 
in  Kalkspathadern  nach  allen  Bichtungen. 

Die  äusseren  Flächen  der  Grünsteinblöcke,  so  wie  die  das  Gestein  durch- 
setzenden Klüfte  sind  mit  einer  Rinde  von  Eisenoxydhydrat  bedeckt. 

Von  accessorisehen  Bestandtheilen  ist  am  häufigsten  Eisenkies  in  Körnern, 
Knollen  und  Adern;  manche  Klüfte  sind  mit  Analcim  und  Laumonitdrusen 
bedeckt  (bei  Kuhelbad,  Karlstein,  Königshof);  als  Seltenheit  kam  einmal  bei 
Kuhelbad  Prehnit  und  Datolith  vor.  Auch  Quarzitdrusen  trifft  man  in  Höhlungen 
und  Klüften  an,  obwohl  selten.  In  einer  Grünsteinvarietät  an  der  Listice  bei 
Beraun  ist  festes  anthrazitartiges  Bitumen  sehr  häufig  eingesprengt. 

34 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  II.  Heft. 


264  Johann  Krejöi.  [4?] 

Die  Struetur  der  Grünsteiufelsen  ist  massig,  vielfache  Klüfte  durchselzen 
dieselben  nach  allen  Richtungen.  Die  Felsmassen  sind  unregelmässige  polyedrische 
Blöcke,  welche  ähnlich  wie  der  Granit  gegen  die  Mitte  zu  einen  Kern  von 
festerer  Struetur  zeigen.  Nicht  selten  ist  die  Struetur  aber  kugelig  und  die 
Kugeln  bestehen  dann  aus  concentrischen  Schalen,  welche  zu  rosettenförmigen 
Partien  verwittern.  Man  sieht  solche  Kugelgrünsteine  bei  Hodkovickv,  Kuhelbad, 
Repozyje,  Sedlec,  Tetin,  Bftov,  Vlenec,  Radotfu  und  an  anderen  Orten. 

Die  andere  Hauptvarietät  ist  so  zu  sagen  der  geschichtete  Detritus  der  kör- 
nigen Grünsteine  und  bedeckt  denselben  gewöhnlich  zugleich  mit  den  Grapto- 
lithenschiefern.  Er  hat  ebenfalls  eine  grünliche  oder  grünlich-graue  Farbe, 
besteht  aus  einer  thonigen,  von  Chlorit  durchdrungenen  Grundmasse,  die  einzeln 
mit  derselben  verschwimmende  Partien  von  körnigem  Grünstein  enthält.  Sehr 
häutig  ist  diese  Varietät  gänzlich  mit  kohlensaurem  Kalk  imprägnirt  und  geht 
dann  allmälig  in  kalkige  Schiefer  über.  Im  St.  ivan-Thale  bei  Sedlec  steht  ein 
geschichteter  Grünstein  an,  der  in  einer  bräunlich-grünen  thonigen  Grundmasse 
deutliche,  bis  1 Zoll  grosse  Feldspathkrystalle  enthält  und  an  den  Feldspath 
führenden  Mandelstein  der  Särka  erinnert. 

Die  erdigen  Grünsteine  sind  immer  in  mehr  oder  weniger  deutliche  Schich- 
ten gesondert  und  führen  nicht  selten  auch  Petrefacten,  während  in  den  krystal- 
linisch-körnigen  Varietäten  keine  Spur  von  denselben  vorhanden  ist. 

Trotzdem  der  Grünstein  in  der  Beschaffenheit  seiner  Masse  und  seiner 
Struetur  mit  eruptiven  Gesteinen  vollkommen  übereinstimmt , so  tritt  er  doch 
überall  in  einem  merkwürdigen  Zusammenhänge  mit  Graptolithenschiefern  auf, 
dessen  genauere  Untersuchung  ich  bisher  nicht  unternehmen  konnte,  aber  der 
eine  der  vorzüglichsten  Aufgaben  meiner  weiteren  Studien  in  den  Umgebungen 
Prags  bilden  wird. 

Nirgends  nämlich  trifft  man  einen  eigentlichen  Gang  von  Grünstein  an, 
sondern  überall  nur  unregelmässige  Lagermassen  oder  Stöcke,  welche  den  Grap- 
tolithenschiefern eingefügt  sind.  An  den  Berührungsgrenzen  ist  zwar  der  Grapto- 
lithenschiefer  fast  immer  verändert,  mehr  fest  und  kieselig,  auch  sind  die 
Schichten  desselben,  so  wie  des  ihn  bedeckenden  bituminösen  Kalksteines  in  der 
Nähe  des  Grünsteines  sehr  häufig  steil  aufgerichtet  und  zerbrochen,  aber  ein 
Durchsetzen  dieser  Schichten  von  Grünstein,  wie  das  der  Sandsteine  und  Braun- 
kohlenflötze  im  Mittelgebirge  von  Basalt,  sah  ich  nirgends.  Auch  ist  der  Umstand 
hervorzuheben,  dass  der  Grünstein,  der  trotz  seiner  mächtigen  Entwicklung  an 
der  Basis  die  obersilurische  Abtheilung  der  Kalkbänke  nirgends  durchbricht,  doch 
in  den  Hluboceper  Schichten  (//)  zwischen  Tachlovic  und  Chotec  wieder  auftritt. 

Wir  haben  demnach  im  obersilurischen  Gebiete  zwei  von  einander  durch 
die  Kalketagen  der  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten  getrennte 
Gniiisteinzonen;  eine  an  der  Basis  derselben,  die  andere  in  der  obersten  Ablage- 
rung. 

Die  Grünsteinlager  wechseln  übrigens  einige  Male  mit  den  Graptolithenschie- 
fern ab,  uud  keilen  sich  häufig  in  linsenförmigen  Massen  aus;  manchmal  ent- 
halten sie  auch  Schollen  von  Graptolithenschiefern,  die  auf  dieselbe  Art  ver- 
ändert sind,  wie  die  Schieferpartien  in  der  Nähe  des  Grünsteines.  Diese  eigent- 
lichen Lagerungsverhältnisse  lassen  sich  kaum  durch  eine  eruptive  und  eben  so 
wenig  durch  eine  sedimentäre  Bildung  erklären.  Meiner  Meinung  nach,  die  ich 
aber  für  jetzt  blos  durch  die  Lagerungsverhältnisse  unterstütze,  ist  der  Grünstein 
ein  rnetamorphisches  Gestein. 

Wegen  der  vielfachen  Wechselbeziehungen  des  Grünsteines  und  der  Grap- 
tolithenschiefer  konnte  ich  alle  Grünsteinlager  auf  der  geologischen  Karte  im 


[43]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  263 

Detail  nicht  bezeichnen;  ich  schied  desshalb  die  ganze  Graptolithenzone  sammt 
den  Grünsteinen  unter  der  Bezeichnung  „Littener  Schichten44  aus;  denn  obwohl 
sie  ihren  Petrefactenn  ach  mit  der  Kalkstufe  der  B a r r a n d e'  sehen  Etage  E 
d.  i.  mit  den  Kuhelbader  Schichten  übereinstimmt,  so  zeichnet  sich  diese 
Zone  doch  durch  den  Habitus  ihrer  Gesteine  und  schon  durch  ihre  Terrain- 
formen vor  allen  andern  Etagen  aus.  Der  Grünstein  der  Littener  Schichten  bildet, 
wo  er  in  mächtigen  Massen  zu  Tage  tritt,  gewöhnlich  steile  und  sterile  Felsen, 
während  der  leicht  verwitterbare  Graptolithensehiefer  derselben  gewöhnlich  mit 
Pflanzenwuchs  bedeckt  oder  nur  in  einzelnen  Schluchten  aufgeschlossen  ist. 

DieUebersicht  der  Littener  Schichten  gibt  uns  zugleich  die  äusseren  Grenzen 
der  obersilurischen  Abtheilung  an.  Bevor  ich  jedoch  die  Verbreitung  der  Littener 
Schichten  andeute,  will  ich  vorher  noch  die  zwei  merkwürdigen  Basaltvor- 
kommnisse anführen,  welche  mitten  in  dieser  Zone  erscheinen. 

Das  eine  Mal  tritt  der  Basalt  auf  derKuppe  des  Berges  auf,  der  westlich  vom 
Wege  von  Lodenic  nach  Bubovic  mit  steilen  Abhängen  gegen  das  Lodenicer  Thal 
einfällt.  Auf  demselben  Berge  ist  in  den  kalkigen  Schiefern  der  Fundort  der 
schönen  Lodenicer  Trilobiten  ( Arethusina - und  Acidaspis- Arten).  Der  grösste 
Theil  des  Berges  ist  mit  Rasen,  Gestrüpp  und  Ackerfeldern  bedeckt,  und  es 
können  demnach  die  Verhältnisse  des  Basaltes  zu  den  ihn  umgebenden  Littener 
Schichten  nicht  beobachtet  werden.  Der  Basalt,  durch  zahlreiche  Olivinkörner 
ausgezeichnet,  ist  auf  der  Kuppe  nur  in  einzelnen  aus  dem  Rasen  aufragenden 
Blöcken  und  in  losen  Stücken  sichtbar;  an  der  nördlichen  Seite  scheint  er  die 
zwischen  den  Grünsteinen  eingelagerten  kalkigen  Schiefer  zu  durchbrechen,  an 
der  südlichen  Seite  ist  er  von  Grünstein  unmittelbar  begrenzt. 

Das  andere  Vorkommniss  des  Basaltes  ist  auf  der  waldigen  Höhe  des  Listice- 
berges  bei  der  mit  einem  Heiligenbild  geschmückten  Eiche  am  Wege  von 
St.  Ivan  nach  Beraun.  An  beiden  Orten  ist  die  Ausdehnung  des  Basaltes  nur  sehr 
beschränkt  und  grösstentheils  durch  Vegetation  verborgen,  woher  es  kam,  dass 
derselbe  in  den  Notizen  früherer  Forscher  nicht  erwähnt  wurde. 

Die  Verbreitung  der  Littener  Schichten  ist  folgende: 

Indem  wir  am  nordöstlichen  Ende  der  obersilurischen  Abtheilung  bei  dem 
Dorfe  Michle  beginnen,  treffen  wir  den  Grünstein  der  Littener  Schichten 
zuerst  an  den  Thallehnen  des  Boticbaches  zwischen  dem  Hofe  Reitknechtka  und 
Michle  an;  der  Graptolithensehiefer  ist  selbst  sehr  untergeordnet  und  die  Fort- 
setzung der  Zone  von  Diluvialschotter  auf  der  Pankrozer  Höhe  und  von  Rasen 
und  Feldern  an  den  Lehnen  zwischen  Podol  und  Dvorec  bedeckt,  so  dass  die 
Kalkbänke  des  Dvorecer  Felsens  an  ihrer  nördlichen  Seite  unmittelbar  aus  den 
Zähoraner  Grauwackenschiefern  emporzusteigen  scheinen.  An  der  südlichen 
Seite  dieses  Felsens,  so  wie  an  den  Gehängen  gegen  das  Dorf  Dvorec  stehen 
aber  die  Littener  Schichten  wieder  an,  indem  sie  daselbst  durch  die  grosse  Dis- 
locationsspalte, welche  von  da  in  südwestlicher  Richtung  durch  das  obersiluri- 
sche  Plateau  sich  zieht,  blossgelegt  werden. 

In  dem  schönen  Kalkfelsen  von  Bramk  tritt  der  Graptolithensehiefer  der  Littener 
Schichten  ebenfalls  blos  an  der  südlichen  Seite  auf,  und  zwar  nicht  nur  am  öst- 
lichen Ende  des  Dorfes  , sondern  auch  an  der  Südseite  des  Grünsteinfelsens  bei 
Hodkovicky,  dessen  ich  schon  früher  erwähnte. 

Am  rechten  Moldauufer  beginnen  die  Littener  Schichten  unterhalb  Zlichov 
an  der  nördlichen  Seite  des  Kalkplateaus  der  Divci  Hrady;  sie  sind  grösstentheils 
von  Ackerfeldern  bedeckt  und  nur  in  einigen  Einrissen  zu  sehen;  an  den  Lehnen 
des  kleinen  Thälchens  zwishen  Butovic  und  Nova  ves,  da  wo  der  Butovicer  Bach 
zum  Prokopithale  einlenkt,  treten  aber  die  Littener  Schichten  u.  z.  der  Grünstein 

34* 


266 


Johann  Krejöf. 


f44] 


derselben  in  mächtigen  Felsenklippen  auf,  beiderseits  von  Graptolithenschiefern 
begleitet,  verlieren  sich  dann  abermals  im  Plateau  von  Ohrada  und  treten  neuer- 
dings zwischen  diesem  Dorfe  und  Reporyje  an  den  Gehängen  des  Thälchens  auf, 
welches  von  da  angefangen  gegen  St.  Prokop  und  Hlubocep  in  die  oberen  Kalk- 
schichten sich  tief  einwühlt. 

In  der  seichten  Depression,  welche  sich  zwischen  dem  obersilurischen 
Plateau  von  Orech  und  den  Grauwackenschiefern  und  Quarziten  von  Trebonic 
und  Chrästan  gegen  Tachlovic  hinzieht,  sind  die  Littener  Schichten  abermals  von 
Ackererde  bedeckt  und  sie  treten  erst  wieder  bei  Tachlovic  zu  Tage;  sie  steigen 
von  da  auf  den  Nordrand  des  Plateaus  von  Vysoky-Ujezd  und  streichen  als  ein  nicht 
breiter  Streifen  über  Mezoun  und  den  Kamm  des  Berges  Kolo  ins  Thal  von 
Sedlec,  welches  sie  zwischen  St.  Ivan  und  diesem  Dorfe  quer  übersetzen  und 
dann  einen  Theil  der  Waldkuppen  zwischen  St.  Ivan  und  Vraz  zusammensetzen. 
Mitten  in  den  Littener  Schichten  zieht  sich  vom  Koloberge  bis  auf  die  Höhe  der 
Vrazer  Waldkuppen  ein  Streifen  von  Kalkschiefer,  der  an  ausgezeichneten  Pelre- 
facten  der  Kuhelbader  Schichten  besonders  reich  ist;  eben  daselbst  treten  auch 
die  früher  erwähnten  Basalte  auf.  Weiter  treffen  wir  die  Littener  Schichten  an 
der  südlichen  Seite  des  Berges  Listice  gegenüber  von  Tetiu  bis  zum  Ufer  des 
Beraunflusses  an,  dann  am  Bande  des  Tetfner  Plateaus,  Ratinka  genannt,  von 
Tetfn  angefangen  bis  Jarov. 

Auch  hier  sieht  man  mitten  in  den  Littener  Schichten  einen  an  Petrefacten 
(vorzüglich  Crinoidenstielen)  ungemein  reichen  Kalkstreifen  der  Kuhelbader 
Schichten;  der  grösste  Theil  der  Zone  ist  aber  mit  Diluvialschotter  bedeckt. 

Am  westlichen  Fusse  des  Berges  Damil,  von  den  Tetfner  Feldern  angefan- 
gen  über  dieEinschnitte  Hvizdalke  und  dasDorfJarov  treten  die  Littener  Scbich- 
ten  zwischen  den  Kalkbänken  und  dem  Quarzitsandstein  der  Königshofer  Schich- 
ten an  einigen  Orten  auf,  und  umgeben  auch  den  südlichen  Fuss  der  Dlouhä  hora 
bei  Bitov,  senden  von  da  einen  Ast  bis  in  die  Tetfner  Schlucht  am  Westfusse 
des  Berges  Tobolka  und  füllen  die  ganze  thalartige  Lücke  zwischen  den  Kall:- 
bergen  von  Tobolka  und  Koneprus,  von  Karlshütten  über  Bftov  und  Koneprus  bis 
Mnenan  aus. 

Die  grösste  Verbreitung  haben  die  Littener  Schichten  auf  dem  Plateau  zwi- 
schen der  Koukolovä  hora  und  dem  Housinaberge  bei  Tmän,  Suchomast  und 
Bykos,  indem  sie  alle  tiefen  Stellen  zwischen  den  höheren  Kalkbergen  und  den 
ins  obersilurische  Plateau  hineinragenden  Quarzitrücken  ausfüllen.  Der  Fuss 
dieser  Berge,  die  ehedem  vielleicht  eine  zusammenhängende  Kalkdecke  bildeten, 
nämlich  der  Koukolovä  hora,  des  Berges  bei  Slovfky,  des  Lejskov  bei  Tmän,  des 
Zlaty  Kün,  des  Bacfn  undMramor,  ist  rings  um  hervon  Littener  Schichten  gebildet. 

Von  Mnenan  und  Liten  angefangen  ist  die  Zone  der  Littener  Schichten, 
wie  schon  früher  erwähnt  wurde,  durch  die  Königshofer  Schichten  des 
Voskovberges  in  zwei  Partien  getrennt.  Die  eine  setzt  sich  von  Bftov  aus  am 
Südrande  des  Tobolker  Höhenzuges  und  längs  des  grossen  zusammenhängenden 
Kalkplateaus  über  Korno  und  Poucnfk  gegen  Morinky,  Vonoklas  und  Radotfn 
über  Lochkov  bis  Kuhelbad  fort  und  enthält  überall  mächtige  Grünsteinmassen; 
die  andere  geht  südlich  vom  Fusse  der  Kalkberge  Mramor  und  Samor  bei  Liten, 
die  sie  umsäumt,  überVlenec,  Be.lec,  Vorder-  und  Hinter-Tfebän,  Karlfk  bis  fast 
nach  Ober-Cernosic ; von  beiden  Seiten  ist  selbe  von  Königshofer  Schichten 
umsäumt. 

In  der  Fortsetzung  des  Mnenaner  Quarzitsandsteines  folgt  der  aus  demsel- 
ben Gesteine  bestehende  Bergrücken  zwischen  Suchomast  und  Libomysl,  so  dass, 
wenn  beide  Rücken  ununterbrochen  Zusammenhängen  würden,  das  obersilurische 


[45]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  267 

Terrain  am  rechten  Beraunufer  in  zwei  Partien  getrennt  sein  würde.  Zwischen 
beiden  Rücken  der  Königshofer  Schichten  erheben  sich  die  Kalkberge  Kobylo 
und  Telfn. 

Die  Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  ist  wechselnd.  Barrande  gibt  sie 
im  Mittel  auf  100  Meter  an. 

Auf  den  Littener  Schichten  liegen  die  Kalkbänke  der  Kuhelbader,  Kone- 
pruser  und  Braniker  Schichten  ( E , F,  G Barr.).  Dieselben  bilden  die  Haupt- 
masse des  obersilurischen  Plateaus;  aus  denselben  bestehen  die  steilen  mit 
Gestrüpp  oder  Steingerölle  bedeckten  Lehnen,  die  senkrechten  malerisch  aufge- 
thürmten  Felsen  in  den  Querthälern,  so  wie  die  höchsten  Kuppen  des  Terrains. 

Die  tiefsten  im  Durchschnitte  auch  gegen  100  Meter  mächtigen  Kalkbänke 
der  Kuhelbader  Schichten  enthalten  bituminöse  Kalksteine,  welche  mit  den 
Littener  Schichten  zusammen  die  Etage  E Barrande’ s bilden. 

An  der  unmittelbaren  Grenze  mit  den  Littener  Schichten  wechseln  kleinere 
Schichten  eines  fast  schwarzen  Marmors  mit  den  Schiefern  ab;  dann  folgen 
dunkelgraue  allmälig  lichter  werdende  Kalkschichten.  Der  Kalkstein  gibt  beim 
Zerschlagen  oder  Reiben  einen  bituminösen  Geruch,  er  ist  durchgehends  wahrer 
Stinkkalk.  Stellenweise  findet  man  zwischen  den  Kalkschichten  eine  noch  knet- 
bare bituminöse  schwarze  Masse  oder  asphaltartige  Streifen,  auch  die  Kammern 
der  Cephalopoden,  namentlich  der  Orthoceren,  sind  manchmal  mit  festem  Bitumen 
ausgefüllt. 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  der  ganze  bituminöse  Gehalt  von  den 
weichen  Theilen  der  zahllosen  versteinerten  Thiere  herrührt,  deren  Schalen  nun 
stellenweise  ganze  Schichten  bilden.  Der  Kalkstein  der  Kuhelbader  Schichten 
ist  feinkörnig,  von  Kalkspathadern  durchschwärmt,  stellenweise  mit  sparsamen 
thonigem  Cement  und  gibt  einen  guten  Mörtelkalk.  Der  schwarze  Marmorkalk 
(von  dem  ein  Theil  aber  zu  den  Konepruser  Schichten  gehört)  wird  zu  Inschrifts- 
tafeln verarbeitet  und  vorzüglich  bei  Karlik  gebrochen. 

Obwohl  man  überall  in  den  bituminösen  Kalksteinen  Petrefacten  findet,  so 
sind  doch  einige  Localitäten  durch  die  Menge  der  Species  und  die  unzähligen 
Individuen  derselben  ausgezeichnet,  so  namentlich  die  Dlouhä  hora  zwischen  Bftov 
und  Kolednfk,  die  Felsen  bei  Tetfn,  der  Felsen  Kozel,  der  Berg  Listice,  die 
Felsen  bei  Sedlec,  Karlstein,  Lochkov,  Slivenec,  Kuhelbad,  (Vyskocilka) , bei 
Tachlovie,  Butovic,  Ohrädka,  Dvorec,  Branfk  und  Michle. 

Auf  den  bituminösen  Kalksteinen  der  Kuhelbader  Schichten  liegt  eine  Zone 
von  grösstentheils  röthlichen  Marmorkalken,  welche  am  Süd west-Ende  des  Pla- 
teaus entwickelt  sind  (etwa  50  Meter),  gegen  das  Nordost-Ende  aber  bis  auf 
einige  Klafter  zusammenschrumpfen.  Dieser  Kalkstein  bildet  die  „Konepruser 
Schichten44  (Barr.  F).  Vor  allem  ist  derselbe  ausgezeichnet  durch  das  Fehlen 
von  Bitumen,  die  Farbe  ist  aber  eben  so  wenig  constant  rölhlich,  als  auch  die 
Structur  mannigfach  abwechselt.  Bei  Dvorec  ist  die  Farbe  des  Kalksteines  der 
Konepruser  Schichten  lichtgrau  oder  röthlichgrau,  bei  Lochkov  in  den  Slivenecer 
Steinbrüchen,  auf  dem  Plateau  zwischen  Tfebotov,  Bubovic  und  Hostfn,  bei  Srbsko, 
Tetfn  und  im  Suchomaster  Walde  röthlichgrau  mit  weissen  Kalkspathadern  und 
stellenweise  mit  grünlichen  und  grauen  Flecken;  ein  Theil  dieses  Kalksteines  bei 
Dvorec,  Slivenec,  Lochkov,  Tfebotov  und  Vonoklas  ist  dunkel  oder  selbst  schwarz; 
bei  Koneprus  und  Mnenan  ist  die  Farbe  desselben  weiss. 

Die  röthlichen  Kalksteine  der  Konepruser  Schichten  haben  gewöhnlich  eine 
dichte  Structur  und  nehmen  eine  schöne  Politur  an;  sie  werden  zu  Thürpfosten, 
Wasserbehältern,  Säulen  u.  s.  w.  verarbeitet,  auch  ein  grosser  Theil  der  Trottoir- 
steine Prags  ist  denselben  entnommen. 


268  Johann  Krejci.  [4G] 

Stellenweise  hat  das  Gestein  eine  krystallinisch  - körnige  Structur,  was 
namentlich  von  den  meisten  Kalksteinen  bei  Koneprus  und  Mrtenan  gilt,  oder  es 
besteht  aus  unregelmässigen  bis  faustgrossen  Knollen  von  röthlicher  und  grün- 
licher, häufig  gefleckter  Farbe,  welche  das  Ansehen  haben,  als  oh  sie  im  weichen 
Zustande  zu  einer  consistenten  Masse  geknetet  worden  wären. 

Das  Cement  zwischen  den  einzelnen  Knollen  bildet  eine  dünne  Lage  von 
thonig-kalkiger  Masse.  In  diesen  knolligen  Kalksteinen  findet  man  überall  einge- 
streute Knollen  von  grauem  Hornstein,  die  an  den  verwitterten  Schichtenflächen 
mit  ihrer  rauhen  Oberfläche  zum  Vorschein  kommen. 

Petrefacten  sind  durch  die  ganze  Ablagerung  der  Konepruser  Schichten 
vertheilt,  am  häufigsten  kommen  sie  aber  in  der  isolirten  Bergmasse  des  Zlaty 
Kuh,  Kobyla  und  Plesivec  bei  Koneprus  und  Mnehan  vor;  einige  Kalkbänke 
bestehen  hier  fast  ganz  aus  Korallenstöcken;  nebstdem  sind  ausgezeichnete 
Fundorte  die  Kalksteinhügel  nördlich  von  Bubovic,  das  Thal  unterhalb  Lochkov 
und  die  Felsen  bei  Dvorec.  Nach  dem  Orte  Koneprus,  in  dessen  Nähe  beide  Typen 
der  Kalksteine  dieser  Etagen  Vorkommen,  der  röthliche  Marmorkalk  und  der 
petrefactenreiche  weisse  Kalkstein,  haben  die  Schichten  dieser  Etagen  den  Namen 
„Konepruser  Schichten“  erhalten. 

Die  oberste  Kalketage,  von  welcher  die  vorhergehende  bedeckt  ist,  nämlich 
die  B r an iker  Schichten  (Barrande'sEtage  G ),  hat  eine  grössere  Mächtigkeit 
(200  — 300  Fuss).  Sie  bildet  namentlich  die  steilen  Felsen  des  obersilurischen 
Terrains,  z.  B.  den  Felsen  bei  Branfk,  welcher  von  den  Prager  Brücken  aus 
gesehen,  eine  der  schönsten  Zierden  des  Moldauthales  bildet,  und  nach  welchem 
diese  Kalksteinablagerung  „Braniker  Schichten“  benannt  wurde;  aus  denselben 
bestehen  auch  die  malerischen  Felsengruppen  im  St.  Prokopi-  und  St.  Ivantliale. 
die  kahlen  Kuppen  des  Damilberges  bei  Tetfn  so  wie  der  bewaldete  Tobolkaberg 
und  nimmt  überhaupt  die  höchsten  Punkte  des  obersilurischen  Plateaus  ein.  Der 
Kalkstein  der  Braniker  Schichten  ist  durchgehends  ein  charakteristischer  licht- 
grauer Knollenkalk  mit  einzelnen  Hornsteinconcretionen.  Er  ist  den  Knollenkalken 
der  Konepruser  Schichten  sehr  ähnlich,  doch  unterscheidet  er  sich  von  denselben 
durch  die  mehr  constante  lichtgraue  oder  bläulichgraue  Farbe,  nur  einzelne 
Partien  sind  auch  röthlich  gefärbt. 

Die  einzelnen  Knollen  dieses  Kalksteines  sind  etwas  längliche,  unregelmässige 
Stücke  von  2 — 6 Zoll  Durchmesser,  die  Stücke  greifen  häufig  gliederförmig 
in  einander  und  scheinen  nichts  anderes,  als  Concretionen  zu  sein,  welche  bei  der 
Bildung  der  Kalkschichten  aus  der  Schichtenmasse  sich  ausschieden.  Das  Cement 
der  Knollen  ist  einethonig-kalkige  Masse,  welche  dieselben  mit  einer  Kruste  be- 
deckt. Einzelne  Schichtenbänke  bestehen  aus  dichtem  Kalkstein,  doch  bilden  sie 
blos  untergeordnete  Partien  in  den  Knollenkalken.  Die  Klüfte,  welche  das 
Schichtensystem  durchsetzen,  sind  mit  starken  Kalkspathadern  angefüllt,  in  denen 
häufig  ausgezeichnete  Krystallformen  Vorkommen. 

Von  beigemengten  Mineralien  ist  licht  weingelber  Baryt  zu  erwähnen, 
welcher — obwohl  sehr  sparsam — hie  und  da  in  den  Klüften  nebst  Braunspath 
vorkömmt,  so  z.  B.  bei  Branfk. 

In  den  obersten  Bänken  der  Braniker  Schichten  wechseln  die  Kalkschichten 
mit  dünnblättrigen  schwarzgrauen  Schiefern  ab  und  endlich  lösen  sich  die  zu- 
sammenhängenden Kalkmassen  in  einzelne,  den  aufgelagerten  Grauwacken- 
schiefern eingestreute  Kalkknollen  auf,  so  dass  das  erste  Auftreten  des  Kalkes 
an  der  Basis  der  Kuhelbader  Schichten  und  das  letzte  in  den  obersten  Lagen 
der  Braniker  Schichten  einander  vollkommen  analog  ist.  Mau  sieht  diese  Ver- 
hältnisse sehr  deutlich  im  St.  Prokopithale  bei  Hlubocep,  namentlich  in  der 


[47 j Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  269 

Schlucht,  welche  von  den  Divcihrady  gegen  das  Dorf  sich  herahzieht  und  die 
steil  aufgerichteten  Schiefer  durchfurcht;  eben  so  im  Thale  unterhalb  Trebotov, 
bei  Karlstein  und  Srbsko.  Was  die  Fundorte  der  Petrefaeten  in  den  Braniker 
Schichten  anbelangt,  so  gilt  das  schon  bei  den  Kuhelbader  und  Konepruser 
Schichten  Erwähnte;  sie  kommen  nämlich  sporadisch  in  dem  ganzen  Gebiete  vor, 
an  einzelnen  Orten  sind  sie  aber  häufiger.  Als  solche  ausgezeichnetere  Fundorte 
sind  zu  bezeichnen,  der  Damilberg  bei  Tetin,  das  Thal  bei  Hostin  und  die  Ab- 
hänge des  Berges  Listice,  die  Hügel  zwischen  Lodenic,  Bubovic,  Luzec  und 
Kuchar,  die  Felsen  bei  Srbsko,  Karlstein,  Chotec,  Boblfn,  Kosor,  Hinter-Kopania, 
Lochkov  und  Slivenec,  die  Abhänge  des  Berges  Divcfhrady  bei  lllubocep,  die 
Felsen  bei  der  Vyskocilka  bei  Branik  und  Dvorec. 

Die  Kalkbänke  der  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten  haben 
einzeln  für  sich  eine  zu  geringe  Mächtigkeit  und  sind  überdies  grösstentheils  so 
innig  verbunden,  dass  man  bei  der  Beschreibung  ihres  Verbreitungsbezirkes  sie 
füglich  nicht  von  einander  trennen  kann. 

Alle  zusammen  bilden  aber  ein  ausgezeichnetes  Glied  des  böhmischen 
Silursystems  und  geben  dem  Terrain,  das  sie  zusammensetzen,  einen  bestimmten 
Charakter. 

Betrachtet  man  die  Kalkbänke  für  sich  allein,  so  bilden  sie  keineswegs  eine 
zusammenhängende  Decke  der  untersilurischen  Schichten,  sondern  dies  gilt  blos 
von  den  Littener  Schichten. 

Die  Kalkschichten  seihst  sind  in  zwei  sehr  ungleiche  grössere  Partien  ge- 
trennt, nämlich  in  die  etwa  5 Meilen  lange  und  3/3  Meilen  breite  Partie  zwischen 
Michle  bei  Prag,  Bitov  und  Mnenan  bei  Beraun,  dann  in  die  blos  */4  Meile  breite 
und  1 Meile  lange  Partie  zwischen  Koneprus,  Suchomast,  Mnenan  und  Liteh. 

Nehstdem  sind  noch  die  Kuppen  der  schon  früher  erwähnten  Berge  zwischen 
Suchomast,  Libomysl  und  Popovic  aus  Kalksteinen  gebildet.  Auf  der  geologischen 
Karte  stellt  sich  demnach  das  eigentliche  Kalkterrain  an  seinem  südwestlichen 
Ende  am  rechten  Bet  aunufer  vielfach  zerrissen  dar,  während  es  am  linken  Beraun- 
ufer  ein  zusammenhängendes,  nur  theilweise  von  den  Grauwackenschiefern  der 
Hluboceper  Schichten  oder  von  Diluvialschotter  und  Lehm  bedecktes  Plateau  bildet. 

Die  vier  südwestlichsten  Kalkberge,  der  Lejskov,  der  Berg  bei  Lounin, 
bei  Chodoun  und  die  Koukolovä  hora  bestehen  blos  aus  Littener  Schichten  und 
den  bituminösen  Kalkbänken  der  Kuhelbader  Schichten. 

Der  erstere,  der  Lejskov,  bildet  einen  etwa  y3  Stunde  langen,  theils 
bewaldeten,  theils  kahlen  Rücken  zwischen  Tmän  und  Malkov,  der  südwestlich 
streicht  und  gegen  Nordwest  ziemlich  steil  abfällt;  an  den  Felsenkämmen  ober- 
halb Tmän  erreicht  er  die  Höhe  von  1520*70  Fuss.  Beiderseits  ist  er  von  Thäl- 
chen  umsäumt,  welche  die  Littener  Schichten  durchfurchen,  während  diese  selbst 
auf  Königshofer  Schichten  ruhen.  Diese  letzteren  greifen  von  Chodoun  bis  über 
Lounin,  dann  von  Libomysl  bis  über  Suchomast  als  kleine  Rücken  ins  obersilu- 
risehe  Terrain  ein. 

Der  zweite  Berg  dehnt  sich  ebenfalls  rückenförmig,  aber  niedriger  zwischen 
Lounin  und  dem  Hofe  Slaviky  gegen  Südwest  aus,  und  besteht  ebenfalls  aus 
bituminösen  Kuhelbader  Kalksteinen,  am  Fusse  aus  Littener  Schichten. 

Ein  kleiner  Sattel,  über  den  der  Weg  von  der  Zdicer  Sägemühle  nach 
Lounin  führt,  trennt  diesen  Kalkrücken  von  der  kahlen  Kalkkuppe  (ebenfalls  den 
Kuhelbader  Schichten  angehörend)  oberhalb  Chodoun,  welche  so  wie  die 
bewaldete  Koukolovä  hora  weithin  im  Litavathale  zu  sehen  ist. 

Die  Koukolovä  hora  wird  von  den  vorigen  Bergen  durch  ein  kleines 
Thal  getrennt;  sie  erhebt  sich  aus  den  Littener  Schichten  desselben  als  ein 


270 


Johann  Krejöi. 


[48] 

isolirter  kegelförmiger,  mit  einer  Kapelle  gezierter  Berg,  der  gegen  das  Litava- 
thal  bei  Popovic  steil  abfällt.  Sein  Fuss  besteht  auf  dieser  Seite  aus  Königshofer 
Schichten,  auf  denen  die  Littener  Schichten  liegen,  während  die  höchste  Kuppe 
(1499  88  Fuss),  wo  grosse  Steinbrüche  angelegt  sind,  aus  Kalksteinen  der 
Kuhelbader  Schichten  besteht. 

Der  D urch schnitt  7 in  der  beigefügten  Tafel  durch  diese  Bergpartie 
zeigt  die  Lagerung  der  obersilurischen  Schichten  auf  den  ins  Plateau  eindringen- 
den Quarzitrücken. 

Einen  viel  grösseren  Raum,  als  in  den  genannten  Kuppen  nehmen  die  Kalk- 
steinbänke auf  dem  Bergrücken  zwischen  Suchomast,  Koneprus  und  Liteii  ein. 
Sie  gehören  hier  nicht  blos  zu  der  Zone  der  bituminösen  Kuhelbader  Schichten 
(E),  sondern  auch  zu  der  Zone  der  Konepruser  Schichten  (F),  die  hier  vorzüg- 
lich entwickelt  ist;  doch  fehlen  die  Schichten  der  höheren  Etagen,  nämlich  die 
Braniker  Kalksteine  (£)  und  die  Hluboceper  Schichten  (//)  hier  gänzlich. 

Der  Bergrücken  selbst  liegt  nicht  im  nordöstlichen  Streichen,  wie  die  vor- 
genannten Berge,  sondern  er  erstreckt  sich  senkrecht  zu  demselben  von  Nord- 
west nach  Südost.  Er  bildet  einen  eminenten,  am  südöstlichen  breiteren  Ende 
grösstentheils  bewaldeten  Kamm,  dessen  Fuss  rings  umher  von  Littener  Schichten 
umsäumt  wird. 

Die  ganze  breitere  Partie  zwischen  dem  Thale  von  Mnenan  und  dem 
Dorfe  Nesvacil  bei  Vserdic  besteht  aus  bituminösen  Kuhelbader  Schichten.  Sie 
enthält  den  schön  bewaldeten  Berg  Mramor,  auf  dessen  Gipfel  (etwa  1560 Fuss) 
sich  eine  kleine  Höhle  befindet,  dann  den  Berg  Samor  südlich  vom  vorigen,  die 
Berge  Telin  und  ßaci'n  (15G3  72  Fuss)  westlich  von  den  vorigen;  zwischen 
beiden  liegt  das  Dorf  Vinaric  noch  auf  Kuhelbader  Kalksteinen;  nördlich  von 
diesem  Dorfe  erhebt  sich  der  kahle  Felsenkamm  Oujezdec  mit  Steinbrüchen,  als 
westliche  Fortsetzung  des  Bacfn,  ebenfalls  aus  bituminösen  Kuhelbader  Schich- 
ten bestehend.  Dieser  Kalkstein  zieht  sich  dann  weiter  gegen  Suchomast  und 
bildet  daselbst  den  äusseren  Rand  des  hohen  Bergrückens,  so  wie  die  Felsen  zu 
beiden  Seiten  des  Suchomaster  Baches  bis  zur  äussersten  Westspitze  des  Berges 
Zlaty  Kun  bei  Koneprus,  dann  geht  er  auf  der  nördlichen  Seite  dieses  Berges 
als  ein  schmaler  Streifen  zum  Nordfusse  des  Mramorberges  zurück.  Der  nord- 
westliche Kamm  dieser  Bergpartie  besteht  aus  weissen  und  röthlichen  Konepru- 
ser Kalksteinen  (F),  in  denen  ausgezeichneter  Weisskalk  und  schöne  Marmor- 
platten gebrochen  werden.  Er  enthält  den  nur  auf  der  Nordlehne  bewaldeten 
Berg  Zlaty  Kun,  auch  Svaty  Kun  (das  goldene  oder  heilige  Pferd)  mit  einer  Höhle 
nahe  am  Gipfel  (1450  Fuss),  dann  die  bewaldeten  Berge  Kobyla  (die  Stutte) 
und  den  Plesivec.  Auf  diesen  Bergen  sind  die  ausgezeichnetsten  Fundorte  für 
die  Petrefacten  der  Konepruser  Schichten  (F). 

Ueber  das  Mnenaner Thal,  so  wie  den  Sattel  zwischen  Mnenan  undKoneprus, 
dessen  Boden  und  nördlichen  Abhänge  von  Littener  Schichten  und  den  früher  be- 
schriebenen Quarzitsandsteinen  der  KönigshoferSchichten  gebildet  werden,  erhebt 
sich  das  Plateau  von  Tobolka,  welches  mit  dem  Walde  von  Koda  und  dem  Berge 
Damil  bei  Teiin  schon  zu  dem  grossen  bis  Prag  ausgedehnten  Kalkterrain 
gehört. 

Durch  das  Beraunthal  zwischen  Tetfn  und  Karlstein  wird  dasselbe  von  der 
St.  Ivaner  und  Karlsteiner  Bergkuppe  geschieden,  und  durch  die  Schlucht 
zwischen  dem  Damil  und  dem  Koder  Walde  in  zwei  Theile  getrennt.  Der  nord- 
westliche kahle  Theil  mit  dem  Berge  Damil  bei  Tetin  enthält  alle  drei  Kalk- 
etagen; die  Dlouhä  hora  so  wie  der  Bergrücken  zwischen  Kolednik  und  Jarov 
bestehen  aus  den  bituminösen  Kuhelbader  Schichten  (F),  der  Gipfel  des  Damil 


[49]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraum  271 

aber  aus  Konepruser  ( F ) und  Braniker  ( G ) Kalksteinen,  während  daselbst  die 
Kuhelbader  Kalke  nur  seinen  Fuss  umsäumen  und  die  senkrechten  Felsen  an 
der  Beraun  bei  Tetin  bilden.  Die  südwestliche  Partie  mit  dem  Plateau  von  To- 
bolka  und  Koda  besteht  ebenfalls  aus  Kalkbänken  aller  drei  Etagen;  der  südliche 
etwas  aufgestülpte  Rand  mit  den  Bergen  Straziste  und  „na  Strevfci“  bei  Korno 
enthält  die  Kuhelbader  Schichten,  auf  denselben  ruhen  bei  Tobolka  röthliche 
Konepruser  Kalksteine,  während  die  Kuppe  des  Tobolkaberges  (1462*08  Fuss), 
dann  der  Rücken  zwischen  Tobolka  und  Koda,  so  wie  das  Plateau  des  Koda- 
waldes aus  knolligen  Braniker  Kalken  bestehen.  In  der  tiefen  Schlucht,  welche 
sich  von  Tobolka  über  Koda  gegen  den  Beraunfluss  zieht,  liegen  auf  den  Knollen- 
kalken kleine  Partien  der  Hluboceper  Schichten  (ZZ);  e^n  Theil  des  Plateaus 
und  die  hohe  Uferterrasse  bei  Tetin  ist  mit  Diluvialschotter  bedeckt. 

Höhlen  befinden  sich  bei  Tetin  in  den  Kuhelbader  Schichten,  dann  am 
Fusse  des  Koder  Waldes  unmittelbar  amBeraunflusse  und  bei  Koda  im  sogenann- 
ten Capouch  in  den  Braniker  Knollenkalken.  — 

Das  Kalksteinterrain  am  linken  Beraunufer  in  der  früher  angedeuteten  Um- 
grenzung vom  Listiceberge  und  Karlstein  bis  Michle  und  Branik  bei  Prag  ent- 
hält durchgehends  alle  drei  Etagen.  Sowohl  in  dem  Querthale  der  Beraun  von 
Tetin  bis  Karlstein,  Karlik  und  Roblin,  Solopisk,  Radotin  und  Tachlovic,  Slivenec 
und  St.  Prokop,  dann  namentlich  im  Moldauthale  zu  beiden  Seiten  des  Flusses 
zwischen  Zlichov  und  Kuhelbad  sieht  man  die  regelmässige  Folge  der  Kalk- 
bänke überall  aufgeschlossen. 

Die  Kuhelbader  bituminösen  Kalksteine  bilden  auch  hier  überall  den 
äussersten  Saum  des  Kalkplateaus,  während  auf  der  Höhe  desselben,  so  weit  sie 
nicht  von  jüngeren  Schichten  oder  von  Diluvialschichten  und  Lehm  bedeckt  sind, 
die  röthlichen  Konepruser  Marmore  mit  den  charakteristischen  grauen  Braniker 
Knollenkalken  abwechseln.  Die  letzteren  Schichten,  längs  dem  nordöstlichen 
Streichen  mannigfach  gebrochen,  bilden  hier  überall  die  höchsten  Rücken;  am 
Fusse  derselben  treten  gewöhnlich  die  Konepruser  Kalksteine  auf. 

Auf  diese  Art  bilden  die  Konepruser  und  Braniker  Schichten  auf  der  geolo- 
gischen Karte  längliche,  von  Südwest  nach  Nordost  laufende  Streifen,  welche  den 
höheren  Rücken  des  Kalkplateaus  entsprechen,  während  zwischen  denselben  die 
Schiefer  der  Hluboceper  Schichten  liegen. 

Ich  habe  schon  in  der  Skizzirung  der  orographischen  Verhältnisse  drei 
Rücken  unterschieden;  auf  allen  diesen  sind  die  erwähnten  Schichten  sehr  deutlich 
zu  sehen.  Auf  einer  Kuppe  des  nördlichsten  Rückens,  „u  stydle  vody“  genannt 
(bei  St.  Ivan) , öffnet  sich  der  Eingang  zu  einer  geräumigen  Höhle  in  den  Kone- 
pruser Kalken. 

Das  St.  Prokopithal  bei  Prag  geht  grösstentheils  durch  die  Braniker  Schichten 
parallel  zu  ihrem  Streichen , und  nur  am  Beginne  dieses  Thaies  bei  Reporyje 
durchbricht  es  auch  die  Littener,  so  wie  die  Kuhelbader  und  Konepruser  Schichten, 
und  endlich  an  seinem  untern  Ende  bei  Hlubocep  die  Hluboceper  Schiefer.  Die 
Höhen  zu  beiden  Seiten  des  Thaies,  die  Lada  bei  Kuhelbad  und  die  Dfvcfhrad}% 
so  wie  die  Zlichover  Felsen  bestehen  aus  Braniker  Knollenkalken.  Unter  der 
Kirche  von  St.  Prokop,  die  auf  einem  steilen  Felsenvorsprung  der  Braniker 
Schichten  steht,  befindet  sich  die  bekannte  St.  Prokopihöhle  zwischen  den  Falten 
der  gewundenen  Schichten.  Am  rechten  Moldauufer  bei  Dvorec  und  Branik  ist 
das  Kalkterrain  in  zwei  Partien  getrennt.  Die  kleinere  südliche  Partie  enthält 
die  Kalkfelsen  bei  Branik,  die  sich  auf  einen  kleinen  Raum  beschränken  und  nur 
die  steilen  Abfälle  zweier  durch  eine  Schlucht  getrennten  Berge  enthalten;  der 
südliche  davon  besteht  aus  bituminösen  Kuhelbader  Schichten,  der  nördliche, 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


35 


272 


Johann  KiejCf. 


[SO] 


wo  der  berühmte  Prager  Mörtelkalk  gebrochen  wird,  aus  den  Knollenkalken  (G), 
welche  wir  nach  dieser  Localität  mit  dem  Namen  „Braniker  Schichten“  bezeich- 
neten.  Die  Konepruser  Schichten  sind  hier  sehr  untergeordnet  und  durch  Schutt 
bedeckt,  so  dass  sie  nicht  zum  Vorschein  kommen. 

Die  grössere  nördliche  Partie  enthält  den  Dvorecer  Felsen,  dessen  Fuss 
und  die  anstossenden  Lehnen  bei  dem  Dorfe  Dvorec  aus  schwarzen  Kuhelbader 
Kalksteinen  und  Littener  Schiefern  bestehen,  während  der  steileFelsen  am  Plateau- 
rande, der  durch  Steinbrüche  schon  zur  Hälfte  abgetragen  ist,  Konepruser  und 
Braniker  Kalksteine  enthält.  In  der  weiteren  Ausdehnung  des  Kalkterrains  gegen 
Michle  trifft  man  nur  bituminöse  Kuhelbader  Kalke  an;  sie  sind  durch  einige 
Steinbrüche  zwischen  St.  Pankrac  und  Michle  aufgeschlossen;  einige  alte  Stein- 
brüche in  der  Richtung  gegen  Nusle  sind  aber  schon  längst  verschüttet  und 
geebnet,  auch  ist  das  ganze  Plateau  von  Diluvialschotter  und  Ackerland  bedeckt, 
so  dass  sich  die  Ausdehnung  der  Kalkschichten  genau  nicht  bestimmen  lässt.  In 
der  Thalschlucht  zwischen  den  Braniker  und  Dvorecer  Felsen  treten  die  unter- 
silurischen  Zahoraner  (oder  Königshofer)  Schichten  zu  Tage;  sie  trennen  beide 
Kalkfelsen  von  einander. 

Die  letzte  und  höchste  Schichtenstufe  des  böhmischen  Silursystems,  die 
Hluboceper  Schichten  (Barr.  Etage//),  lässt  sich  von  den  kalkigen  Schichten- 
zonen sehr  leicht  unterscheiden,  indem  sie  aus  Grauwackenschiefern  und  sand- 
steinartigen Quarziten  besteht.  Die  Grauwackenschiefer  der  Hluboceper  Schichten 
sind  einigermassen  den  Schiefern  der  Zahoraner  Schichte  (^/4)  ähnlich,  indem  sie 
aus  einer  thonigen  Grundmasse  mit  sichtbar  eingemengten  Quarzkörnchen  und 
Glimmerblättchen  bestehen;  die  Farbe  ist  gelblichbraun  bis  schwarzbraun;  die 
tieferen  Lagen  nahe  am  Kalksteine  der  Braniker  Schichten  enthalten  überhaupt 
dünnblätterigere  Schiefer  als  die  oberen  Lagen,  in  denen  gerade  so  wie  in  den 
Zahoraner  Schiefern  auch  kleine  Lagen  des  erwähnten  sandsteinartigen  Quarzites 
eingeschlossen  sind.  Da,  wo  die  Hluboceper  Schiefer  unmittelbar  auf  den  Knollen- 
kalken der  Braniker  Schichten  liegen,  sind  in  jenen  häufige  Kalkkmdlen  einge- 
streut, welche  gegen  das  Hangende  zu  allmälig  sparsamer  werden,  bis  sie  sich 
verlieren. 

Vorzüglich  charakteristisch,  sowohl  den  Gesteinen  als  den  Petrefacten 
nach,  kommen  diese  Schieferbei  Hlubocep  vor,  wonach  wir  sie  als  „Hluboceper 
Schichten“  bezeichnet  hatten. 

Diese  Schichten  bildeten  in  früheren  Zeiten  ohne  Zweifel  eine  zusammen- 
hängende Decke  auf  den  Kalkbänken  der  Braniker  Schichten,  nun  sind  sie  aber 
in  einzelne  längliche,  von  einander  getrennte  Partien  geschieden,  welche  ent- 
weder zwischen  die  Kalkschichten  der  Braniker  Knollenkalke  eingekeilt  sind  oder 
die  thalartigen  Terrainfurchen  zwischen  den  niedrigen  Kalksteinrücken  des  ober- 
silurischen  Plateaus  erfüllen. 

Petrefacten  sind  im  Allgemeinen  seltener,  als  in  den  anderen  Schichtonstufen, 
namentlich  gilt  dies  von  den  höheren  Schiefern,  wo  man  ausser  kleinen  Resten 
von  Fucoiden  gar  keine  Spur  von  organischen  Wesen  findet.  Barrande  sah  in  der 
Schlucht,  welche  von  Hostin  nach  Bubovic  führt,  ein  kleines  Kohlenflötz,  welches 
aber  jetzt  nicht  mehr  sichtbar  ist. 

In  den  tieferen  dünnblättrigen  Schichten  der  Hluboceper  Schichten  dagegen 
sind  die  Petrefacten  an  einzelnen  Punkten  sehr  zahlreich.  Eine  Zone  dieser 
Schichten  ist  von  kleinen  Tentaculiten  ganz  angefüllt;  nebstdem  findet  man  in 
denselben  ziemlich  häufig  kleine  Orthoceren,  Gasteropoden,  Brachiopoden  und 
Avieula-Schalen;  bei  Hlubocep  auch  Trilobiten.  Ich  fand  diese  Tentaculitenschiefer 
in  dem  engen  Streifen  der  Hluboceper  Schichten  am  Fusse  der  Divci- 


[Sl]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  273 

hrady  bei  Hlubocep,  dann  in  der  Fortsetzung  dieses  Streifens  bei  Klukovic  und 
Opatfilka;  dessgleichen  in  der  Partie,  welche  vom  Slivenecer  Plateau  sich  gegen 
Hlubocep  herabzieht;  dann  im  Rudotiner  Tha!  unterhalb  Hinter-Kopania,  an  drei 
Orten  zwischen  Chotec  und  Chejnic,  im  Thale  unterhalb  Trebotov  und  in  der 
Fortsetzung  der  hier  beginnenden  Schieferpartie  bei  Gross-Morin;  dann  in  einem 
kleinen  isolirten  Streifen  im  Tliale  nordöstlich  bei  Karlstein;  in  der  Schiefer- 
partie, die  bei  Gross-Kucha?  beginnt,  bei  diesem  Orte  selbst,  dann  nahe  an  der 
Mündung  des  Lodenicer  Baches  unterhalb  Hostin,  an  der  Mündung  des  Bubovicer 
Baches  bei  Srbsko  und  endlich  an  der  Mündung  der  Ko  1 er  Schlucht  am  rechten 
Beraunufer. 

Sehr  merkwürdig  ist  das  Auftreten  von  Grünsteinen  in  Begleitung 
der  Tentaculitenschiefer  der  Hluboceper  Schichten.  Es  ist  meines  Wissens  nur 
auf  einige  Localitäten  zwischen  Chejnic  und  Chotec  und  im  Thale  unterhalb 
Hinter-Kopanina  beschränkt,  und  zwar  liegt  er  lagerförmig  gerade  zwischen  den 
Braniker  Knollenkalken  und  den  Tentaculitenschiefern. 

Das  eine  Vorkommen  ist  bei  der  Mühle  Dubecky  mlyn,  das  andere  bei 
Chotec  an  der  Strasse  von  diesem  Orte  nach  Orech,  das  dritte  unterhalb  Kopa- 
nina  nahe  der  Orecher  Mühle. 

Die  Grünsteine  sind  den  an  der  Basis  der  obersilurischen  Abtheilung  in  den 
Littener  Schichten  abgelagerten  vollkommen  ähnlich  und  da  man  sie  nirgends  die 
Kalkbänke  durchbrechen  sieht,  so  sind  sie  offenbar  eines  ganz  anderen  als 
eruptiven  Ursprungs.  Man  findet  Schieferpartien,  den  Hluboceper  Schichten  an- 
gehörend,  in  einzelnen  isolirten  Streifen  auf  dem  ganzen  Verbreitungsbezirke  der 
Braniker  Knollenkalke  zu  beiden  Seiten  der  Moldau  und  Beraun.  Abschwem- 
mungen, theilweise  auch  mannigfache  Dislocationen  sind  die  Ursache  ihres  jetzi- 
gen beschränkten  Vorkommens,  was  aus  den  später  beigefügten  Profilen  deut- 
lich ersichtlich  wird. 

Angefangen  von  dem  Nordostende  des  obersilurischen  Plateaus  findet  man 
die  Hluboceper  Schiefer  zuerst  am  Nordabhange  des  Braniker  Felsens,  wo  sie 
namentlich  beim  Baue  der  kleinen  Reihe  neuer  Häuschen  zum  Vorschein  kommen, 
nun  aber  von  Schutt  und  aufgelöstem  Erdreich  grösstentheils  bedeckt  sind. 

Eine  viel  grössere  Ausdehnung  nehmen  sie  längs  dem  Verlaufe  des  St. 
Prokopithales  von  Hlubocep  bis  zu  den  Gehängen  des  Kalksteinplateaus  zwischen 
Orech  und  Reporyje.  Sie  treten  da  in  zwei  länglichen  von  Nordost  nach  Südwest 
gestreckten  Streifen  auf,  von  denen  der  nördliche  und  engere  zwischen  die 
Klippen  desBranilter  Knollenkalkes  eingekeilt  ist  und  vom  St.  Prokopithale  ober- 
halb Hlubocep  durchbrochen  wird;  der  zweite  breitere  Streifen  aber  die  nörd- 
lichen Gehänge  des  Slivenecer  Plateaus  vom  Dorfe  Hlubocep  über  Holm  bis  nahe 
an  Orech  einnimmt. 

Das  Slivenecer  Plateau  selbst  ist  mit  Diluvialschotter  bedeckt  und  das  feste 
Gestein  also  nicht  sichtbar;  es  lässt  sich  demnach  nicht  bestimmen,  wie  weit 
die  Schiefer  dasselbe  bedecken.  Eine  zweite  Partie  der  Hluboceper  Schiefer 
findet  man  in  dem  Thälchen  zwischen  den  Dörfern  Chejnice  und  Chotec.  Der  eine 
enge  Streifen  geht  von  Kopanina  bis  nach  Chotec,  drei  andere  viel  kürzere 
Streifen  treten  zwischen  den  Braniker  Schichten  des  nördlichen  Thalgehänges 
zwischen  Chotec  und  Chejnic  auf.  Sie  scheinen  die  Ueberreste  einer  grösseren 
Schieferdecke  zu  sein,  welche  die  Bodendepression  zwischen  dem  Slivenecer 
und  Kucharer  Plateau  ausfüllte. 

Eine  dritte  Partie  beginnt  bei  Trebotov  und  dehnt  sich  südwestlich  durch 
die  Bodenfurchen  unterhalb  Trebotov  gegen  Robli'n  und  von  da  längs  den  höhe- 
ren Kalksteinrücken,  welche  sich  bei  Karlstein  erheben,  über  Gross-Morin  bis 

35  * 


274 


Johann  Krejßi'. 


[32] 

in  den  Sattel  zwischen  dem  Berge  Javorka  und  den  Bubovicer  Waldhöhen  aus. 
Eine  kleine  isolirte  Partie  ist  nahe  am  südlichen  Ende  dieses  Streifens  am  Fusse 
des  Javorkaberges  bei  Karlstein  zwischen  den  Braniker  Schichten  eingekeilt  und 
vom  Karlsteiner  Bache  durehrissen.  In  der  Fortsetzung  dieses  Streifens  liegen 
auch  die  kleinen  isolirten  Schieferpartien  der  Hluboceper  Schichten  bei  Srbsko, 
von  denen  sich  die  eine  von  dem  genannten  Dorfe  bis  in  die  Nähe  der  Quelle 
„Krälovskä  studänka“  erstreckt,  eine  zweite  nahe  am  Flusse  hei  dem  Wege  von 
Srbsko  nach  Karlstein,  und  eine  dritte  nahe  an  der  Mündung  des  Lodenicer  Baches 
an  den  Gehängen  der  aus  Braniker  Schichten  bestehenden  Berge  auftritt. 

Eine  vierte  Partie  von  Hluboceper  Schichten  beginnt  am  Plateau  zwischen 
Gross-LJjezd  und  Gross-Kuchaf  und  gebt  ebenfalls  durch  eine  Bodenfurche  über 
Luzec,  Kozolup  und  ßubovic  herab  gegen  Hostin  in’s  St.  Ivansthal,  welches  die 
Auflagerung  derselben  auf  den  Kalkbänken  der  Braniker  Schichten  auf  eine  sehr 
belehrende  Art  aufschliesst;  von  da  steigt  sie  auf  die  Terrasse  hinauf,  die  gegen- 
über von  Tetin  den  Beraunfluss  umsäumt. 

Am  rechten  Beraunufer  sind  die  Hluboceper  Schiefer  nur  in  kleinen  Partien 
anzutreffen,  und  zwar  am  Ausgange  der  Koder  Schlucht  gegenüber  von  Srbsko 
am  Wege  nach  Tetin,  dann  im  Wege  von  der  Ueberfuhr  nach  Koda  und  endlich 
in  der  Schlucht  zwischen  Koda  und  Toholka.  — 

Das  Studium  des  Schichtenbaues  im  obersilurischen  Terrain  wird  durch  die 
tief  eingefurchten  Thäler,  so  wie  durch  den  auffallend  verschiedenen  Habitus 
der  einzelnen  Etagen  sehr  erleichtert. 

Man  könnte  auf  hinreichend  grossen  Karten,  z.  B.  den  Katastralkarten,  das 
interessanteste  Detail  eintragen  und  ein  bis  in  die  kleinsten  Abweichungen  ein- 
gehendes Bild  des  obersilurischen  Schichtensystemes  darstellen , so  deutlich  und 
an  so  vielen  Orten  ist  dasselbe  aufgeschlossen.  Da  ich  aber  nur  eine  allgemeine 
übersichtliche  Darstellung  der  Aufnahmsarbeiten  vorlege,  so  kann  ich  mich  hier 
nur  auf  die  Beschreibung  der  allgemeinen  Lagerungsverhältnisse  beschränken. 

Bei  der  Beschreibung  des  Schichtenbaues  lassen  sich  die  einzelnen  ober- 
silurischen Schichtenstufen  von  einander  nicht  trennen,  da  sie  einen  einheitlichen 
Schichtencomplex  bilden,  wohl  aber  unterscheiden  sie  sich  schon  durch  ihre 
Lagerung  auffallend  von  den  Schichten  der  untersilurischen  Ablagerungen,  indem 
sie  trotz  dem  im  Allgemeinen  gleichen  nordöstlichen  Streichen  doch  eine  viel 
grössere  Unregelmässigkeit  im  Einfallen  zeigen  und  offenbar  für  sich  allein 
grossen  Veränderungen  in  der  ursprünglichen  Lagerung  unterworfen  waren. 

Im  kleineren  Maasse  wiederholt  sich  diese  von  den  anliegenden  Schichten 
unabhängige  Unregelmässigkeit  in  den  höheren  Lagen  der  bituminösen  Kuhel- 
bader Kalksteine.  Eine  Zone  dieser  Kalksteine,  obwohl  sie  zwischen  ebenen 
Flächen  der  Konepruser  Marmore  und  den  tieferen  thonigen  Kuhelbader 
Kalkschichten  liegt,  ist  doch  in  so  vielfach  in  einander  verschlungene  Falten 
und  Knickungen  gelegt,  dass  sie  ein  vollkommenes  Bild  einer  von  allen  Seiten 
zusammengepressten  plastischen  Schichte  gibt. 

Man  sieht  diese  merkwürdige  Lagerung  fast  überall,  wo  die  Kalksteine  der 
Kuhelbader  Schichten  zu  Tage  treten,  doch  am  deutlichsten  auf  dem  Durch- 
schnitte der  von  den  Franzosen  im  Jahre  1740  in  die  Felsen  bei  Kuhelbad  ein- 
gesprengten Strasse  zwischen  Königsaal  und  Prag.  Die  nachfolgende  Skizze 
Fig.  7 stellt  eine  Partie  dieses  Felsens  dar. 

Aehnliche  Windungen  der  Kuhelbader  Schichten  sieht  man  bei  Radotin, 
am  Beraunflusse  bei  Karlstein,  bei  Korno  und  an  vielen  anderen  Orten. 

Die  Faltenbildung  dieser  Kalkzone  lässt  sich  weder  durch  Eruption  des 
Grünsteines  erklären,  da  dieser  älter  ist,  als  der  bituminöse  Kalkstein,  noch  durch 


Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  275 


Bituminöse  Kalkschichtcn  bei  Kulielhad. 


Compression  derselben  im  noch  weichen  Zustande,  da  eben  nur  diese  Zone  die 
Faltenbildung  zeigt,  die  nächst  tieferen  und  höheren  Kalkschichten  aber  ebene 
Flächen  haben , sondern  nur  durch  Massenzunahme  einer  ursprünglich  thonigen 
Schichtenzone,  die  allmälig  durch  Infiltration  mit  kohlensaurem,  Kalk  impräg- 
nirt  wurde  und  unter  dem  gewaltigen  Drucke  der  höheren  Kalkbänke  sich 
strecken  und  falten  musste.  In  einem  grösseren  Maassstabe  als  in  den  Kuhel- 
bader Kalkschichten  sieht  man  faltenartige  Windungen  an  vielen  Orten  des 
Braniker  Knollenkalkes,  z.  B.  an  den  Felsen  der  Zlichover  Kirche  und  der  St. 
Prokopikirche,  bei  Karlstein,  Srbsko,  Teti'n  u.  s.  w. 

Auch  hier  ist,  die  Faltung  nur  auf  eine  bestimmte  Zone  beschränkt,  da 
sowohl  die  tieferen,  als  die  höheren  Bänke  ebene  Flächen  behalten. 

Das  Streichen  der  Kalkschichten  geht  im  Allgemeinen  nach  Stunde  5 — 5*5 
mit  kleinen  localen  Abweichungen  gegen  Norden  und  sogar  Nordwest.  Ein 
solches  abweichendes  Streichen  bemerkt  man  z.  B.  am  Nordostende  des  ober- 
silurischen  Plateaus  bei  Michle , wo  die  Kuhelbader  Schichten  sich  muldenartig 
gegen  Nordwest  drehen.  Eben  so  ist  das  Streichen  der  Kuhelbader  und  Kone- 
pruser  Schichten  am  Zlaty  Kün  westlich,  ja  theilweise  nordwestlich.  Die  kleinen 
isolirten  Kalkmulden  am  äussersten  Südwestsaume  des  obersilurischen  Plateaus 
haben  aber  keine  kesselförmige  Concavität,  sondern  bleiben  an  allen  Rändern 
im  herrschenden  Nordoststreichen. 

Dasselbe  bemerkt  man  übrigens  auch  an  den  petrefactenführenden  Schichten 
des  südwestlichen  und  nordöstlichen  Endes  der  uutersilurischen  Abtheilung,  so 
dass  die  obersilurischen  Schichtenzonen  mit  Einschluss  der  erwähnten  unter- 
silurischen  Ablagerungen  (die  B arr  a n d e'schen  Etagen  D , E , F,  G und  ff) 
keineswegs  eine  von  allen  Seiten  gegen  den  Mittelpunkt  einfallende  Mulde,  son- 
dern vielmehr  einen  langgestreckten  Trog  vorstellen,  dessen  Süd  westende  aller- 
dings höher  gelegen  ist,  als  das  Nord  ostende. 

Wenn  man  das  böhmische  mittlere  und  obere  Silurbecken  mit  einem  Troge 
vergleicht,  so  gilt  das  nur  für  die  allgemeinsten  Formverhältnisse.  Dieselbe  Ur- 
sache, welche  die  ursprünglich  vielleicht  reine  Muldenform  des  Beckens  in  eine 
mit  parallelen  Rändern  versehene  Trogform  veränderte,  gab  auch  Veranlassung 
zur  Bildung  mehrerer  unter  einander  paralleler  Faltungen,  die  das  Silurbecken 
ganz  genau  im  Nordoststreichen  der  Formation  durchsetzen.  Diese  Faltungen 


276 


Johann  Krejöf. 


[54] 

haben  den  entschiedensten  Einfluss  auf  die  äussere  Gestaltung  des  obersilurischen 
Terrains  und  bedingen  offenbar  die  zu  parallelen  Rücken  aufsleigenden  Wellen 
desselben.  Die  Faltungen  der  Gesteinschichten  mussten  offenbar  erst  nach  der 
Bildung  der  ganzen  obersilurischen  Abtheilung  sich  entwickelt  haben , da  sie 
das  ganze  obersilurische  Schichtensystem  betreffen,  und  man  muss  in  dieser 
Hinsicht  denselben  im  Grossen  einen  gewissen  Grad  von  Biegsamkeit  oder  so  zu 
sagen  von  teigartiger  Consistenz  zuschreiben. 

Parallel  zu  den  Faltungen,  d.  h.  ebenfalls  von  Nordost  nach  Südwest  setzen 
durch  das  obersilurische  System  auch  langgedehnte  Klüfte,  längs  denen  die 
Schichtenfolge  gewöhnlich  verworfen  ist  und  welche  die  grössten  Dislocationen 
zur  Folge  haben. 

Wenn  man  diese  Lagerungsverhältnisse  in  ihrem  mannigfachen  Wechsel 
verfolgt,  so  erkennt  man  in  ihnen  augenscheinlich  das  Resultat  von  unwider- 
stehlich wirkenden  Kräften,  welche  die  obersilurischen  Schichtenreihen  von  beiden 
Seiten  ihrer  Muldenaxe  theils  zusammenfalteten,  theis  neben  und  über  einander 
schoben.  Doch  vergeblich  sieht  man  sich  nach  einem  ausser  der  obersilurischen 
Schichtengruppe  befindlichen  Sitze  dieser  Kräfte  um.  Die  Grünsteine  können  es 
nicht  sein,  da  sie,  wie  schon  erwähnt  wurde,  in  ihrer  Hauptmasse  unter  den  Kalk- 
bänken liegen  und  älter  als  diese  sind,  in  den  Hluboceper  Schichten  aber  einen 
zu  kleinen  und  untergeordneten  Raum  einnehmen. 

Auch  die  Granite,  welche  das  Silursystem  östlich  und  südöstlich  begrenzen, 
können  aus  den  schon  früher  angeführten  Gründen  die  Ursache  der  Dislocationen 
nicht  sein;  überhaupt  gelingt  es  nicht  in  irgend  einer  eruptiven  Felsenbildung 
des  mittleren  Böhmens  die  wirkende  Kraft  der  angedeuteten  Dislocationen  zu 
entdecken,  und  es  bleibt  also  nichts  anderes  übrig,  als  in  dem  Gesteine  selbst 
die  Ursache  seiner  jetzigen  Lagerung  zu  suchen. 

Am  einfachsten  scheinen  sich  diese  Verhältnisse  durch  allmälige  Verän- 
derungen erklären  zu  lassen,  welche  die  Schichten  sowohl  in  ihrer  Qualität  als 
Quantität  modificirten  und  zum  Theil  das  ganze  Schichtensystem,  zum  Theil 
blos  einzelne  Schichtenzonen  betrafen. 

Die  Lagerungsverhältnisse  der  obersilurischen  Abtheilung  lassen  sich  am 
besten  durch  eine  Reihe  von  Querprofilen  darstellen,  von  denen  hier  einige  der 
interessanteren  mitgetheilt  werden.  Dabei  muss  ich  aber  bemerken,  dass  sie  die 
Faltungen  und  Verwerfungen  nur  im  Allgemeinen  darstellen,  indem  der  Maassstab 
der  geologischen  Aufnahmskarten  doch  viel  zu  klein  ist,  um  das  Detail,  so  inter- 
essant es  auch  ist,  berücksichtigen  zu  können. 

Eine  der  auffallendsten  und  lehrreichsten  Dislocationen  findet  man  am  rechten 
Moldauufer  oberhalb  Prag  bei  den  Dörfern  Podol,  Dvorec  und  Branfk.  Herr 
Barrande,  der  sie  schon  längst  erkannt  und  untersucht  hat,  erklärte  mir 
dieselbe  vor  etwa  zehn  Jahren,  und  sie  bildete  hauptsächlich  den  Ausgangspunkt, 

von  dem  aus  ich  die  weiteren  Dis- 
locationen des  obersilurischen  Ter- 
rains aufzusuchen  mich  bestrebte. 
Der  Dvorecer,  so  wie  der  Braniker 
Felsen,  in  der  nebenstehenden 
Fig.  8 dargestellt,  bilden,  wie 
schon  früher  beschrieben  wurde, 
zwei  durch  ein  kleines  Thälchen 
gesonderte  Felsenpartien.  In  dem 
Thälchen  stehen  untersilurische  Grauwackenschiefer  der  Zahofaner  Schichten  an, 
an  den  steilen  Felsenwänden  von  Dvorec  und  Branfk  findet  man  aber  die  Kalk- 


N. 


Fig.  8. 


Dvorec. 


Branik. 


d*  Zahoraner,  Gr  Littener,  E Kuhelbailer,  F Konepruser, 
G Braniker  Schichten. 


[55]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Bcraun.  277 

bänke  der  Kuhelbader,  Konepruser  und  Bram'ker  Schichten  vertreten;  am  Bra- 
nfker  Felsen  nebstdem  die  Schiefer  der  Hluboceper  Schichten. 

Geht  man  am  Fusse  dieser  Felsen  am  rechten  Moldauufer  von  Dvorec  nach 
Branik,  so  passirt  man  die  obersilurischen  Etagen  zweimal,  aber  keineswegs  in 
einer  Synklinalen  Muldenstellung,  sondern  die  Schichten  sind  sowohl  bei  Dvorec 
als  bei  Branik  gegen  Nordwest  geneigt  und  in  dem  genannten  Thälehen  durch 
untersilurische  Zahoraner  Schichten  unterbrochen. 

Die,  Folge  der  Schichten  ist  demnach  von  Nord  nach  Süd  folgende:  Bei 
Dvorec:  Kalke  der  Braniker,  Konepruser,  Kuhelbader  Schichten  und  Littener 
Schichten,  dann  folgen  Zahoraner  Schiefer  und  auf  diese  bei  Branik  unmittelbar  die 
Schiefer  der  Hluboceper  Schichten;  dann  wieder  die  Kalkbänke  der  Braniker, 
Konepruser  und  Kuhelbader  Schichten  und  endlich  abermals  die  Littener  und  die 
darunter  liegenden  Zahoraner  Schichten.  Offenbar  haben  wir  eine  grosse  Ver- 
werfungvor  uns,  deren  Verlauf durch  das  kleine  Dvorecer  Thälehen  angedeutet  ist. 

Die  Fortsetzung  der  Verwerfungskluft  folgt  am  linken  Moldauufer  auf  eine 
längere  Strecke  dem  St.  Prokopithale;  längs  des  linken  Moldauufers  sieht  man 
aber  die  Synklinale  Schichtenstellung  auf  eine  sehr  deutliche  Weise  (siehe  Durch- 
schnitt 8 in  der  Tafel).  Wenn  man  an  diesem  Ufer  von  Smichov  gegen  Kuhei  - 
bad  schreitet  (von  Nord  nach  Süd),  so  sieht  man  an  den  steilen  Gehängen  rechts 
zuerst  eine  Partie  sattelförmig  gebogener  Zahoraner  Schiefer  gegenüber  dem 
Vysehrad,  dann  folgen  bei  Zlichov  die  Littener  Schichten,  auf  diese  die  Kalkbänke 
der  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten,  von  denen  die  letzten 
am  Felsen  der  Zlfchover  Kirche,  so  wie  am  Fusse  der  Divci  hrady  am  Eingänge 
in’s  St.  Prokopithal  ebenfalls  sattelförmig  gebogen,  im  Ganzen  aber,  so  wie  die 
anderen  Schichten  gegen  Südost  geneigt  sind.  Auf  der  Südseite  des  St.  Pro- 
kopithales  folgen  dann  in  verkehrter  Ordnung  und  mit  nordwestlichem  Einfallen 
derselben  Braniker  und  Konepruser  Schichten,  darauf  die  vielfach  gewundenen 
bituminösen  Kuhelbader  Kalksteine  und  endlich  die  Littener  Schichten. 

Die  Gehänge  der  beiden  Moldauufer  geben  uns  also  ein  deutliches  Bild  der 
obersilurischen  Formation. 

Zieht  man  ein  Profil  senkrecht  zu  dem  Streichen  der  Schichten  mitten  durch 
das  Dorf  Hlubocep,  so  zeigt  sich  hier  die  Fortsetzung  der  Braniker  Verwerfung 
auf  eine  sehr  interessante  Weise,  indem  hier  eine  von  Nordost  nach  Südwest 
streichende  Kluft  in  den  Braniker  Schichten  mit  Hluboceper  Tentaculitenschiefer 
ausgefüllt  ist.  Zu  beiden  Seiten  des  Hluboceper  Thaies  bestehen  die  Gehänge  näm- 
lich aus  Bänken  des  Braniker  Knollenkalkes,  welche  auf  beiden  Seiten  des  Thaies, 
sowohl  gegen  Slivenec,  als  gegen  Divcihrady  mit  den  Schiefern  der  Hluboceper 
Schichten  bedeckt  sind  und  gegen  die  Thalsohle  von  beiden  Seiten  synklinal  ein- 
fallen. Im  Thalgrunde  selbst  stehen  aber  mitten  in  diesen  Schichten  klippige 
Felsenpartien  der  Braniker  Kalke  an,  welche  von  Hlubocep  an  quer  durch  das 
Thal  bis  gegen  Orech  verfolgt  werden  können.  Man  erkennt  an  den  eingeschnit- 
tenen Terrainfurchen  schon  von  Weitem  die  Zone  der  weichenTentaculitenschiefer 
der  Hluboceper  Schichten,  so  wie  an  den  scharfen  Umrissen  der  Kalkklippen  die 
isolirte  Zone  der  Braniker  Knollenkalke. 

Der  Durchschnitt  9 in  der  beigefügten  Tafel  zeigt  uns,  dass  hier  nicht  blos 
eine  grossartige  Verwerfung,  sondern  auch  eine  Umbiegung  eines  Theiles  der 
Braniker  Schichten  stattfand,  welche  eine  scheinbare  Einlagerung  der  jüngeren 
Hluboceper  Schichten  zwischen  den  älteren  Braniker  Schichten  zur  Folge  hatte. 
Die  Verwerfnngskluft  befindet  sich  an  der  nördlichen  Seite  der  Kalkklippen  und 
die  Lagerungsverhältnisse  erinnern  daselbst  an  die  Colonien  von  Gross-Kuhel. 
Die  Braniker  Knollenkalke  am  Bande  der  Divcihrady,  welche  oben  mit  sanftem 


278 


Johann  Krejöi. 


[86] 


allmälig  sich  vergrösserndem  Neigungswinkel  gegen  die  Thalzone  einfallen, 
werden  gegen  die  Tentaculitenschiefer  der  Hluboceper  Schichten  immer  steiler, 
und  diese  selbst  stehen  endlich  senkrecht  an. 

Eine  mächtige  Partie  von  Bruchstücken  der  Kalksteine,  ein  wahres  Kalk- 
steinconglomerat,  füllt  eine  Lücke  im  Gehänge  der  Dfvci'hrady  aus. 

Dann  folgen  die  ebenfalls  steil  aufgerichteten  Schichten  der  Kalkklippen,  und 
jenseits  derselben  am  gegenseitigen  Abhange  abermals  die  Hluboceper  Schichten 
auf  den  Braniker  Knollenkalken  liegend. 

Das  Slivenecer  und  Orecher  Plateau  ist  grösstentheils  von  Diluvialschotter 
und  Lehm  bedeckt  und  man  kann  also  nur  am  Bande  dieses  Plateaus  gegen  Gross- 
Kuhel,  Chejnic  und  Radotin  anstehendes  Gestein  der  obersilurischen  Formation 
antreffen. 

An  diesen  Orten  sieht  man  wieder  sehr  interessante  Dislocationen.  Geht 
man  vom  Dorfe  Slivenec,  das  auf  der  Höhe  des  Plateaus  steht,  durch  die  Schlucht 
(Predoll)  herab,  welche  gegen  das  Dorf  Gross-Kuhel  führt,  so  findet  man 
(siehe  Fig.  9)  in  dem  Wechsel  der  obersilurischen  Schichtenstufen  denselben 


Fig.  9. 


Slivenec.  Grofs-Kuhel. 


d4  Zahorancr,  Gr  Littener,  E Kuhelbader,  F Konepruser,  G Braniker  Schichten. 


Fall,  wie  in  den  Felsen  bei  Dvorec  und  Branik,  nämlich  einen  zweifachen  Wech- 
sel der  Kalkbänke,  welche  hier  durch  Littener  Schichten  geschieden  sind. 

Diese  Verwerfung  erstreckt  sich  am  Südrande  des  obersilurischen  Plateaus 
noch  weiter  gegen  Südwesten,  denn  in  ganz  derselben  Weise  sind  die  Kalk- 
schichten im  Thale  von  Radotin  unterhalb  Lochkov  geordnet,  und  die  Lagerung 
ist  hier  dem  Vorkommen  von  Branik  noch  viel  ähnlicher,  als  bei  Slivenec,  indem 
hier  die  zwischen  den  Kalkbänken  auftretenden  Littener  Schichten  gerade  so  wie 
bei  Branik  die  Kalkfelsen  unterbrechen. 

Das  Thal  von  Radotin,  welches  sich  quer  durch  das  ganze  obersilurische 
Plateau  von  Radotin  bis  Tachlovic  zieht,  gibt  überhaupt  den  umfassendsten 
Aufschluss  über  den  Bau  des  obersilurischen  Terrains.  Verfolgt  man  den  Verlauf 
des  Thälchens  von  Radotin  aufwärts,  so  findet  man  an  den  steilen,  in  malerischen 
Gruppen  aufgethürmten  Felsenwänden  den  mannigfach  durch  Faltenbildung  und 
Verwerfung  unterbrochenen  regelmässigen  Schichtenwechsel  auf  die  belehrend- 
ste Weise  blossgelegt.  (Siehe  Durchschnitte  10  und  11  in  der  Tafel.) 

Die  grössten  Unregelmässigkeiten  herrschen  in  der  Folge  der  Konepruser, 
Braniker  und  Hluboceper  Schichten.  Die  letzteren,  sehr  leicht  erkennbar  durch 
ihre  zahllosen  Tentaculiten,  passirt  man  auf  diesem  Wege  nicht  weniger  als 
fünfmal,  und  zwar  immer,  wie  die  Profile  zeigen,  zwischen  die  Braniker  Knollen- 
kalke eingelagert,  scheinbar  so,  als  ob  sie  ein  Glied  der  Braniker  Schichten  wären. 
Am  interessantesten  ist  hier  zwischen  Chotec  und  Chejnice  das  schon  früher  er- 
wähnte Auftreten  der  Grünsteine  zwischen  den  Braniker  Schichten  und  Tenta- 
culitenschiefern  der  Hluboceper  Schichten.  Bei  Tachlovic  treten  endlich  wieder 
die  bituminösen  Kuhelbader  Kalke  und  die  Littener  Schichten  vor,  welche  sich 
endlich  an  die  untersilurischen  Grauwackenschiefer  anlehnen. 

Eine  gute  Uebersicht  von  der  Verbreitung  und  Lagerung  der  Hluboceper 
Schichten  gibt  der  Durchschnitt  durch  das  Plateau  von  Bubovic,  vom  Berge  Kolo 


[57]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  279 

bei  Lodenic  angefangen  über  Bubovic  bis  in  die  Gegend  von  Reynic  (siehe  Durch- 
schnitt 12  in  derTafel).  Man  trifft  am  Koloberge  zuerst  die  Grauwackenschichten 
und  sandsteinartige  Quarzite  der  Königshofer  Schichten  an,  dann  folgen  die 
Littener  Schichten  mit  einer  Partie  von  Kuhelbader  Kalkschiefern,  die  ungemein 
reich  an  Petrefacten  der  Bar  ran  de’schen  Etage  E ist,  dann  folgen  abermals 
Littener  Schichten  mit  dem  merkwürdigen  Basalte,  dessen  ich  schon  früher  er- 
wähnte. Am  Rande  des  Plateaus  ober  Bubovic  beginnen  endlich  die  Kalkbänke 
der  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten,  welche  sämmtlich  so  wie 
die  Littener  Schichten  gegen  Südost  einfallen  und  erst  jenseits  der  Bodendepres- 
sion von  Bubovic  mit  entgegengesetztem  Einfallen  sich  wieder  aufrichten.  Die 
Lücke  dazwischen  ist  muldenförmig  von  Hluboceper  Schiefern  ausgefüllt.  Der 
Rücken  zwischen  Luzec  und  Roblin  besteht  aus  Konepruser  und  Braniker  Kalk- 
steinen, die  zwei  sattelförmige  Falten  bilden  und  endlich  bei  Roblin  abermals 
gegen  Südost  einfallen,  um  auf  den  höheren  Karlsteiner  Bergen  mit  entgegen- 
gesetztem Fallen  wieder  zu  Tage  zu  treten.  Die  so  gebildete  zweite  Mulde  ist 
abermals  mit  Hluboceper  Schiefern  ausgefüllt. 

Die  Karlsteiner  Berge  bestehen  aus  Kalkbänken  der  Braniker,  Konepruser 
und  Kuhelbader  Schichten  und  ruhen  auf  Littener  Schichten,  welche  durch  den 
sattelförmigen  Rücken  bei  Klein -Morin  in  die  schon  früher  besprochenen  zwei 
Zonen  getrennt  sind.  Das  Thälchen , welches  von  Luzec  über  Roblin  bis  Karlik 
sich  quer  durch  das  Plateau  zieht,  gab  die  meisten  Anhaltspunkte  für  die  Con- 
struirung  des  vorgelegten  Profiles. 

Die  Schichtenfolge  in  den  Karlsteiner  Bergen  ist  nebstdem  sehr  deutlich  in 
der  Felsenschlucht  aufgeschlossen,  welche  von  Morin  gegen  die  Karlsteiner 
Burg  sich  windet  (siehe  Durchschnitt  13  in  der  Tafel).  Man  sieht  daselbst,  dass 
auch  die  Schichten  dieser  Berge  vielfach  zerrissen  sind  und  namentlich  tritt 
hier  mitten  zwischen  den  Braniker  Knollenkalken  abermals  eine  kleine  Partie 
der  Hluboceper  Tentaculitenschiefer  zu  Tage , während  an  den  Felsen, 
welche  die  Burg  Karlstein  tragen,  eine  antiklinale  Schichtenstellung  bemerkt 
wird. 

Der  Durchschnitt,  den  das  romantische  Felsenthal  von  St.  Ivan  blosslegt, 
ist  dem  Durchschnitte  am  linken  Moldauufer  zwischen  Zlichov  und  Kuhelbad 
sehr  ähnlich,  indem  er  die  regelmässige  Folge  aller  obersilurischen  Schiehten- 
stufen  von  den  Kulielbader  bituminösen  Kalken  bis  zu  den  Hluboceper  Schiefern 
so  wie  ihre  Synklinale  Zusammenneigung  sehr  deutlich  aufschliesst. 

Der  in  der  beigefügten  Tafel  befindliche  Durchschnitt  14  zeigt  die  Lage- 
rung der  obersilurischen  Abtheilung  auf  der  westlichen  Seite  des  St.  Ivans- 
thaies in  senkrechter  Richtung  zum  Streichen  der  Schichten. 

Er  beginnt  auf  dem  Quarzitkamme  bei  Veselä,  durchschneidet  die  Berge 
Herynek  und  Listice  und  endet  nahe  am  südlichen  Ausgange  des  St.  Ivansthaies. 
Auf  den  Quarziten  und  Grauwackenschiefern  von  Veselä,  Vraz  und  des  Berges 
Herynek,  welche  den  Brda-  (*/3),  Zahoraner  (öf4)  und  Königshofer  (cf5)  Schichten 
angehören,  folgen  Littener  Schichten,  die  hier  wie  zwischen  Lodenic  und  Bubovic 
durch  einen  an  Petrefacten  reichen  Kalkschiefer  in  zwei  Zonen  getheilt  und  auf 
der  Höhe  des  Listiceberges  von  Basalt  durchbrochen  werden,  dann  folgen  im 
regelmässigen  Wechsel  die  Kalke  der  Kuheihader,  Konepruser  und  Braniker 
Schichten;  diese  sind  dann  weiter  durch  eine  Spalte  verworfen  und  endlich  zu 
einer  Mulde  ausgebildet,  in  der  das  südlichste  Ende  der  Hluboceper  Schiefer 
von  Hostin  aus  hineinreicht.  Das  Thal  von  St.  Ivan  verdankt  seinen  Ursprung 
ebenfalls  einer  grossen  Verwerfung,  und  es  sind  dadurch  die  Kalke  der  Braniker 
Schichten,  welche  sein  südliches  Ende  bilden,  zu  beiden  Seiten  des  Thaies  ab- 


K.  k.  geologische  Reichsanstait.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


36 


Johann  Krejci. 


280 


[58] 


Gr  Littener,  E Kulielbader  Schichten. 


weichend  gelagert.  Am  östlichen  Gehänge  desselben  liegt  hier  auf  den  Braniker 
Kalken  noch  eine  isolirte  Partie  der  Hluboceper  Schiefer. 

Das  Berauntbal  zwischen  Tetin  und  Srbsko  ist  zu  einer  engen  Felsen- 
kluft verengt,  welche  die  ganze  obersilurische  Formation  senkrecht  zu  ihrem 
Streichen  durchbricht.  Man  kann  in  denselben  demnach,  so  wie  in  den  anderen 
Querthälern  die  ganze  Schichtenfolge  mit  allen  ihren  Unregelmässigkeiten  ver- 
folgen. Doch  ist  es  viel  weniger  zugänglich  als  die  anderen,  da  die  Felsen  steil 
zum  Flusse  abstürzen,  so  dass  man  dasselbe  nur  auf  einem  Kahn  besuchen  kann. 

Folgt  man  dem  Laufe  des  Beraunflusses  von  Beraun  bis  Karlstein,  so  trifft 
man  zuerst  an  den  Gehängen  der  Flussterrasse  bei  Tetin  (Ratinka)  die  Littener 
Schichten,  in  welchen  hier  bei  der  Quelle  „Srkavka“  dieselbe  petrefaetenreiche 
Kalkzone  auftritt,  die  wir  schon  bei  Lodenic  und  auf  dem  Listiceberge  kennen 
lernten.  Dann  folgen  bei  Tetin  zu  beiden  Seiten  des  Flusses  die  verschiedenen 
obersilurischen  Kalkablagerungen  in  mannigfachen  Verwerfungen  und  steilen 

Schichtenstellungen.  Eines  der 
Fig.  10.  schönsten  Querprofile  zeigen  uns 

die  Felsen  der  Kuhelbader  Schich- 
ten^) gegenüber  von  Tetin  in  der 
Thalstrecke  „o  Recine“  genannt 
(Fig.  10).  Die  Littener  Schichten 
treten  unter  diesen  Kalksteinen, 
die  durch  Längenklüfte  im  Strei- 
chen der  Schichten  zerrissen  sind, 
zu  Tage  und  drängen  sich  sogar  zwischen  dem  Felsen  Kozel  und  der  nördlich 
anstossenden  Felsenpartie  zwischen  die  Schichten  hinein,  was  aber  otTenbar  nur 
die  Folge  einer  Verwerfung  ist.  Tiefer  im  Thale  folgen  dann  vom  Kozel  ange- 
fangen die  Kalkbänke  der  Konepruser  und  Braniker  Schichten,  durch  Ver- 
werfungen ebenfalls  einige  Male  mit  einander  abwechselnd;  endlich  bei  Srbsko, 
wo  die  Braniker  Knollenkalke  einen  Sattel  bilden,  erscheinen  auch  kleine 
isolirte  Partien  vom  Hluboceper  Tentaculitenschiefer,  bis  endlich  nach  einer 
abermaligen  Faltung  der  Braniker  Schichten  die  Bänke  der  Konepruser  und 
Kuhelbader  Schichten  (letztere  mit  ähnlichen  Knickungen  wie  bei  Kuhelbad) 
und  darunter  die  Littener  Schichten  folgen. 

Die  linke  Uferseite  der  Beraun  entspricht  der  rechten  Seite  nicht  vollkom- 
men; die  letztere  ist  nämlich  überall  mehr  gehoben,  indem  daselbst  theil weise 
Kuhelbader  Schichten  anstehen,  während  an  der  entgegengesetzten  Seite 
Konepruser  rothe  Marmore  und  Braniker  Knollenkalke  herrschen.  Ein  Durch- 
schnitt durch  die  Gegend  am  rechten  Beraunufer  gibt  ein  Bild  der  Lagerungs- 
verhältnisse der  obersilurischen  Schichten  in  diesem  Terrain  (siehe  Durch- 
schnitt 15  in  der  Tafel).  Er  enthält  den  Damilberg  bei  Tetin,  das  Plateau  des 
Koder  Waldes,  die  Höhen  bei  Korno  und  endet  mit  dem  Mramorberge  bei 
Liteh. 

Man  sieht  daran  deutlich  die  wiederholten  Zerreissungen  der  Schichten, 
welche  namentlich  durch  die  Schluchten  bei  Tetin  und  Koda  unterbrochen  wer- 
den. Der  Damil,  dessen  westlicher  Fuss  von  Quarzitsandsteinen  der  Königshofer 
Schichten  (d5)  umsäumt  ist,  bildet  mit  seinen  dreierlei  Schichtengruppen:  den 
Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten,  eine  kleine  Mulde;  auf  ähn- 
liche Weise  ist  das  Plateau  von  Koda  zusammengesetzt. 

In  der  Koder  Schlucht  kömmt  nebstdem  eine  kleine  Partie  von  Hluboceper 
Schiefern  vor,  unter  denen  die  Braniker  Knollenkalke  und  die  Konepruser  röth- 
lichen  Marmore  in  einigen  Faltungen  sich  winden,  bis  endlich  die  stark  geknick- 


[59]  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun.  281 

ten  Kuhelbader  Schichten  zu  Tage  treten.  Der  merkwürdige,  aus  sattelförmig 
gebogenen  Königshofer  Schichten  gebildete  Rücken  zwischen  Korno  und  Vien  ec 
trennt  diese  grössere  Kalkpartie  von  der  kleineren  des  Mramorberges  bei 
Liten,  welche  blos  aus  bituminösen  Kuhelbader  Kalksteinen  besteht,  und  dessen 
Fuss  von  Littener  Schichten  umsäumt  ist. 

In  der  Fortsetzung  des  Mramorberges  liegt,  wie  schon  erwähnt  wurde,  der 
Berg  Zlaty  Kuh  bei  Koneprus.  Den  Schichtenbau  dieses  Berges  so  wie  der  an- 
grenzenden Höhen  von  Tobolka  stellt  das  nachfolgende  Profil  vor  (Fig.  11). 

Fig.  11. 


Zlaty  Kün.  Koneprus.  Tobolka. 


Gr  Littener,  E Kuhelbader,  F Konepruser,  G Braniker  Schichten. 


Man  sieht,  dass  der  Zlaty  Kuh  von  den  Tobolker  Höhen  ebenfalls  durch 
eine  Zone  von  Littener  Schichten  getrennt  und  nebstdem  durch  eine  Verwerfung 
in  seinem  Schichtenbau  so  gestört  ist,  dass  es  den  Anschein  hat,  als  ob  die  zwei 
Schichtenstufen,  nämlich  der  Kuhelbader  (E)  und  Konepruser  Kalke  (F)  unter 
die  Littener  Schiefer  einfallen  würden.  — 

Mit  dem  Schichtenbau  hängt  auch  die  Thalbildung  innig  zusammen,  die 
Klüfte,  welche  das  Schichtensystem  durchsetzen,  geben  nämlich  nicht  blos  zu 
den  mannigfachen  Verwerfungen  den  Anlass,  sondern  sie  erweiterten  sich  theil- 
weise  auch  zu  tief  klaffenden  Schluchten  und  Felsenthälchen.  Gerade  so  wie  in 
der  untersilurischen  Abtheilung  und  in  den  azoischen  Schichten  durchsetzen 
sich  die  Kluftsysteme  nach  drei  Richtungen.  Das  eine  System  streicht  nämlich 
nach  Norden,  mit  einer  kleinen  Ablenkung  gegen  Westen,  das  andere  gegen 
Nordost,  das  dritte  gegen  Nordwest.  Schematisch  lassen  sich  demnach  diese 
Richtungen  durch  drei  Linien  bezeichnen,  welche  sich  unter  dem  Winkel  von 
60  Grad  schneiden. 

Das  nordöstliche  Kluftsystem  hat  genau  das  Streichen  dersilurischen  Schich- 
ten, aber  trotzdem  es  die  mächtigsten  Disloeationen  im  Schichtenbau  verursachte, 
so  sind  die  durch  dasselbe  bewirkten  Thalfurchen  im  obersilurischen  Gebiet 
doch  am  wenigsten  entwickelt. 

Von  den  tieferen  Thälern  gehört  hieher  nämlich  blos  ein  Theil  des  St. 
Prokopithales  zwischen  Hlubocep  und  Ohrada,  sonst  aber  nur  die  seichten 
Terrainfurchen  bei  Luzec  und  Morin,  dann  die  Felsenschlucht  bei  Koda  und  die 
kleinen  Thälchen  zwischen  den  isolirten  Kalkkuppen  bei  Lounfn,  Tmän  und  Borek. 

Im  untersilurischen  Gebiete  gehören  zu  dieser  Richtung  aber  die  grossen 
Thalrinnen,  welche  zu  beiden  Seiten  das  obersilurische  Plateau  umgeben,  näm- 
lich das  breite  Thal  zwischen  Hostomic,  Revnic  und  Königsaal,  dann  zwischen 
Zdic,  Beraun,  Lodenic  und  Nucic,  so  wie  das  Thal  von  Kosfr. 

Das  nordwestliche  Kluftsystem,  das  senkrecht  zum  vorigen  streicht,  ent- 
hält vor  Allem  das  enge  Felsenthal  der  Beraun  zwischen  Tetfn  und  Revnic,  so 
wie  einige  schluchtartige  Thälchen,  welche  das  Kalkplateau  quer  durehschneiden, 
als  das  Thälchen  zwischen  Lucec  und  Karlfk,  zwischen  Tachlovic  und  Chotec, 
Kopania  und  Radotin,  zwischen  Slivenec  und  Gross-Kuhel.  Auch  die  in  den 
Littener  Schichten  eingefurchte  Linie  zwischen  der  Kalksteinpartie  des  Zlaty 
Kün  und  dem  Plateau  von  Tobolka,  dann  die  am  Fusse  der  Housina  sich  ziehende 
Rinne  des  Chumavabaches  zwischen  Hlazovic  und  Libomysl  gehört  hieher. 

36  * 


282 


Johann  Krejßf. 


m 


Das  dritte  Kluftsystem  streicht  gegen  Norden.  Zu  demselben  gehören  die 
zwei  mächtigen  Thalspalten,  welche  das  obersilurische  Schichtensystem  auf  eine 
so  interessante  Weise  aufschliessen,  nämlich  die  der  Moldau  zwischen  Königsaal 
und  Prag,  und  die  des  Lodenicer  Baches  zwischen  Lodenic  und  Srbsko.  Nebst- 
dem  ist  aber  gerade  dieses  System  an  allen  Kalkfelsen  am  auffallendsten  zu  sehen. 

Es  wurde  schon  früher  erwähnt,  dass  die  Klüfte  dieser  Richtung  auch  im 
untersilurischen  Gebiete  weit  verbreitet  sind  und  sogar  in  die  Steinkohlen-  und 
Kreideformation  hinübergreifen,  während  die  zwei  anderen  sich  blos  auf  das 
silurische  System  beschränken. 


Anhang.  Nebst  der  sibirischen  Formation  kommen  in  dem  Aufnahms- 
gebiete auch  Schichten  der  Kreideformation,  dann  Diluvial-  und  Alluvialgebilde 
und  an  den  zwei  schon  beschriebenen  Localitäten  auch  Basalte  vor.  Alle  anderen 
Formationen  fehlen  gänzlich  und  auch  die  erwähnten  nehmen  im  Vergleiche 
mit  dem  Silurischen  nur  eine  verhältnissmässig  untergeordnete  Stellung  ein. 

Da  Professor  Reuss,  der  gründlichste  Kenner  der  böhmischen  Kreidefor- 
mationen, über  ihr  Auftreten  in  den  Umgebungen  Prags  seiner  Zeit  Ausführ- 
licheres mittheilen  wird  und  die  Diluvial-  und  Alluvial  gebilde  erst  dann  mit 
grösserem  Interesse  werden  besprochen  werden  können,  bis  ihre  Verbreitung  in 
ganz  Böhmen  bekannt  sein  wird,  so  will  ich  mich  hier  zum  Schlüsse  meines  Be- 
richtes nur  auf  einige  allgemeine  Notizen  über  die  Verbreitung  dieser  Formationen 
beschränken,  um  die  Darstellung  der  geologischen  Verhältnisse  der  Umgehun- 
gen von  Prag  und  Beraun  wenigstens  einigermassen  abzuschliessen. 

Die  Kreideformation  in  den  Umgebungen  Prags  gehört  zu  dem  süd- 
lichsten Saume  des  im  nördlichen  und  nordöstlichen  Böhmen  weit  verbreiteten 
Quadersandsteines  und  Quadermergels  (Plänersandsteins  nach  Reuss). 

Sie  bilden  hier  namentlich  die  höchsten  Flächen  auf  dem  Plateau  zwischen 
Prag  und  dem  Steinkohlenterrain  bei  Kladno,  wo  sie  die  azoischen  Schiefer,  zum 
Theil  auch  die  Grauwackenschiefer  und  Quarzitsandsteine  der  Zahoraner  Schich- 
ten bedecken,  aber  keineswegs  eine  zusammenhängende  Decke,  sondern  einzelne 
inselartige  Partien  bilden. 

Die  grösste  Partie  verbreitet  sich  von  Krocihlav  und  Pntocno  von  dem 
Kladnoer  Plateau  invder  flachen,  nur  von  seichten  Thälchen  durchfurchten  Gegend 
zwischen  Unhost,  Cerveny,  Ujezd,  Jenec  und  Letovic,  und  setzt  von  da  über  den 
Malinsky  vrch  (1188  Fuss)  auf  dem  Plateau  zwischen  Stredokluk  und  Rusin  bis 
gegen  Tuchomeric,  Horomeric  und  Lysolaje  fort,  während  sie  in  zungenartigen 
Ausläufern  die  hohen  Flächen  bei  Bustehrad  und  Lidic  bedeckt.  Die  Thälchen, 
welche  von  Westen  in  dieses  Quadersandsteinplateau  eindringen,  durchfurchen 
dasselbe  bis  zu  den  tiefer  liegenden  Schiefern,  indem  die  Kreideformation  hier 
nur  die  geringe  Mächtigkeit  von  20  Klaftern  hat. 

Die  zweite  Partie  des  Quadersandsteines  und  Quadermergels  bildet  die  Höhen 
des  weissen  Berges  (1194  Fuss)  und  dehnt  sich  zwischen  Repy  bis  innerhalb 
der  Stadtmauer  Prags  am  Laurenziberge,  dann  zwischen  dem  Thal  von  Kosir 
und  von  Rusin  und  Veleslavln  aus. 

Eine  dritte  noch  südlichere  Partiebildetdenflachen  Vidovleberg  (1158Fuss) 
zwischen  Kosir  und  Jinonic  und  die  damit  zusammenhängenden  Höhen  bei 
Stodülky  (na  Piskäch  1228  38  Fuss). 

Eine  sehr  kleine  Partie  von  Quadersandstein  steht  auch  auf  den  Höhen 
ober  dem  Särkathale  nördlich  von  Dehnic  an. 

Am  rechten  Moldauufer,  das  aber  nur  zum  kleinen  Theile  zum  diesjährigen 
Aufnahmsgebiete  gehört,  beginnt  die  Kreideformation  auf  dem  Plateau  bei  Kobylis 


[61] 


Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  bei  Prag  und  Beraun. 


283 


zwischen  Bohnic,  Ober-Chaber,  dann  bei  Neu-Liben  und  Kobylis  und  verbreitet 
sich  von  da  weit  gegen  Osten  in  die  Elbegegenden.  Ein  kleiner  isolirter  Berg  bei 
Zlosejn,der  sich  aus  dem  Alluvium  erhebt,  besteht  ebenfalls  aus  Quadersandstein. 

Zu  den  interessantesten  Vorkommen  der  Kreideformation  gehört  jedenfalls 
eine  Zone  von  kalkigen  Schichten,  welche  bei  Lobkovic  an  der  Elbe  beginnen, 
über  Velkä  Ves,  Korycan,  Kopec,  Netreby,  Zloncic,  Debrno,  Holubic,  Hole,  Okor, 
Cicovic  bis  gegen  Tuchomeric  längs  demRandeder  zusammenhängenden  Quader- 
sandsteine und  Quadermergel  sich  ausdehnen  und  dieProfessor Re u ss  schon  früher 
in  seinen  Kreidegebilden  des  westlichen  Böhmens  (Prag  1844)  als  Exogyren- 
schichten  beschrieben  hat.  Aehnliche  Gebilde  trifft  man  auch  bei  Zdiby,  Veltez. 
Klecan  und  Premysleru,  dann  neben  dem  Kieselschieferkamm  Holosmetky  bei 
Branky  an.  Die  Schichten  dieser  isolirten  Kreidegebilde  bestehen  aus  dichten  oder 
krystallinisch  körnigen  Kalksteinen,  welche  kleinere  und  grössere  Brocken  und 
Geschiebe  von  Kieselschiefer  enthalten.  Sie  haben  nur  einige  Ellen  Mächtigkeit, 
sind  mit  Diluvialschichten  (Schotter  und  Lehm)  bedeckt  und  nur  stellenweise 
durch  Steinbrüche  aufgeschlossen.  Bei  Veltez,  an  der  Holosmetka  und  bei  Tucho- 
meric liegen  unter  den  Kalkschichten  auch  Sandsteinschichten,  bei  Klecan  sieht 
man  nur  Sandsteine  mit  sphärischen  Kalkconcretionen;  sonst  liegen  die  Kalksteine 
unmittelbar  in  der  Form  von  kleinen  isolirten  Mulden  auf  den  Gesteinen  der 
Pri'bramer  Schiefer.  Eine  zahllose  Menge  von  Kreidepetrefacten  zeichnet  diese 
Schichten  der  Kreideformation  aus;  der  Kalkstein  derselben  wird  in  einigen 
Steinbrüchen  als  Mörtelkalk  gewonnen. 

Das  Diluvium  enthält  Schotter  und  Lehmablagerungen,  welche  in  ein- 
zelnen isolirten  Strecken  die  Plateaus  des  silurischen  Terrains  bedecken. 

Der  Schotter  enthält  nebst  feinem  Sand  und  Grus,  abgerundete  Geschiebe 
von  Quarzit,  Kieselschiefer  und  kieseligen  harten  Schiefergesteinen,  welche 
sämmtlich  auf  die  Felsen  hinweisen,  die  in  dem  südwestlichen  Theile  der  Silur- 
formation anstehen.  Namentlich  erkennt  man  in  den  Schotterschichten  bei 
Beraun  und  Tetin  sehr  häufig  die  quarzigen  Conglomerate  des  Brda-Ri'ickens. 

Häufig  gehen  die  Sand-  und  Schotterschichten  in  Lehm  über  und  in  diesem 
kommen  Knochenreste  von  Elephas  und  Rhinoceros  vor,  welche  diese  Ablage- 
rungen als  wahre  Diluvialgebilde  charakterisiren.  Nebstdem  verbreiten  sich  die 
Lehmablagerungen  auch  häufig  auf  den  Böschungen  der  Thallehnen,  wo  sie  all- 
mälig  mit  dem  Alluvium  sich  vereinigen.  Knochenreste  von  Elephas  primi - 
genius  fand  man  in  den  Lehmgruben  der  Ziegeleien  am  Stadtberge  bei  Beraun 
(einen  Backenzahn),  am  Fusse  des  Lorenziberges  bei  Prag  (einen  Stosszahn), 
hei  Vysocan  (ebenfalls  Fragmente  von  Stosszähnen);  Rhinocerosknochen  kamen 
vor  auf  der  Villa  Panenskä  bei  Tresovic,  bei  dem  Hofe  Jeneralka  im  Särkathale, 
bei  Hloupetfn  und  wahrscheinlich  noch  an  mehreren  anderen  Orten.  Es  ist  Vor- 
sorge getroffen  worden,  dass  die  vorkommenden  Knochenreste  gesammelt  und  an 
das  Museum  in  Prag  abgeliefert  werden. 

Der  Lehm  dieser  Ablagerungen  wird  in  zahlreichen  Ziegeleien  benützt,  an 
einigen  Orten,  z.  B.  bei  Kuhelbad,  St.  Kilian  und  Mechenic  enthält  er  Lager 
von  gutem  plastischen  Thon,  der  von  Töpfern  verarbeitet  wird. 

Die  Verbreitung  der  Diluvialschichten  ist  besonders  in  so  fern  interessant, 
als  sie  an  zwei  constante  Höhenstufen  gebunden  ist. 

Die  höhere  Stufe  (1100 — 1150  Fuss)  enthält  die  Schotterablagerungen  auf 
der  Höhe  des  Damil  und  des  Koder  Waldes  bei  Tetin,  auf  dem  Plateau  bei  Vysoky 
Ujezd  und  Kuchar,  bei  Orech  und  Slivenec,  dann  die  Lehmablagerungen  bei  Brev- 
nov  am  weissen  Berge  und  am  Plänerplateau  bei  Häjek  unweit  Unhost,  zwischen 
Pavlov  und  Hostoun,  am  Malinsky  vreh  bei  Hostivic,  bei  Horomeric  und  Lysolaje. 


284  Johann  Krejci.  Bericht  über  die  im  J.  1859  ausgeführten  geolog.  Aufnahmen  etc.  [62] 

Zu  dem  merkwürdigsten  Vorkommen  in  dieser  Höhe  gehören  die  grossen 
Kalksteinblöcke  (aus  den  Konepruser  und  Branfker  Schichten),  welche  in  einem 
röthlichen  Lehm  auf  dem  westlichen  Abfall  des  Plesivec  bei  Zeleznä  in  einer 
Höhe  von  1120  Fuss  eingebettet  sind.  Die  Blöcke  haben  zum  Theil  mehrere 
Kubikklafter  Masse  und  es  wird  aus  denselben  wie  in  einem  Steinbruche  Kalk- 
stein gewonnen.  Diese  interessante  secundäre  Lagerstätte  befindet  sich  auf  den 
Quarziten  der  Brda-Schichten  (rf2)  und  ist  von  den  fest  anstehenden  Kalksteinen 
gegen  2000  Käfter  entfernt.  Aehnliche  Kalksteinblöcke  sollen  auch  an  einigen 
Punkten  im  Walde  bei  Chynava  zerstreut  liegen. 

Erwähnung  verdienen  noch  die  zahlreichen  Blöcke  eines  eisenschüssigen 
sehr  festen  Sandsteines  und  kieseligen  Conglomerates,  welche  auf  dem  ganzen 
obersilurischen  Plateau  vonBeraun  bis  nach  Prag  verbreitet  sind,  und  stellenweise 
auch  bis  in  die  Thäler  herabgerollt  sind. 

Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  stammen  diese  Blöcke  von  der  Basis  des  zer- 
störten und  abgeschwemmten  Quadersandsteines,  der  früher  eine  viel  grössere 
Verbreitung  hatte,  als  jetzt.  Eine  kleine  Partie  von  anstehendem  Sandstein 
zwischen  Tachlovic  und  Kopanina  hat  dieselbe  Beschaffenheit. 

Die  niedrigere  Stufe  (850  — 900  Fuss)  enthält  die  Gerolle-,  Sand-  und 
Lehmschichten  zu  beiden  Seiten  der  Litava,  Beraun  und  Moldau.  Sie  verbreitet 
sich  auf  den  Terrassen  zwischen  Kocvar  und  Stasov  bei  Lochovic,  bei  Tetln  und 
Srbsko,  Klein-Morin , Rovina,  Revnic,  Vraz  und  Jioviste,  bei  Lipenec  unweit 
Königsaal  und  Komoran,  am  Plateaurande  bei  Lahovsko,  bei  Lhotka  oberhalb 
Hodkovicky,  bei  St.  Pankraz  und  Nusle,  auf  den  Wimmer’schen  Anlagen  und 
am  Belvedere  bei  Prag,  bei  Volsan,  Lysolaje,  Sukdol,  Bohnic,  Zdiby,  Vetrusic 
und  Klican  bis  gegen  Vodolka. 

Die  Gerolle  dieser  beiden  Höhenstufen  stimmen  fast  ganz  überein  mit  den 
jetzigen  Flussgeröllen,  und  da  in  denselben  keine  Spur  von  marinen  Wesen  auf- 
zufinden ist,  so  rühren  sie  offenbar  von  vorhistorischen  Ueberschwemmungen 
her,  deren  Gewaltigkeit  allerdings  alle  Vorstellungen  übertrifft. 

Das  Alluvium  beschränkt  sich  auf  die  engen  Felsenthäler  der  Moldau 
und  Beraun  und  die  zahlreichen  Bachthäler.  Nur  am  nördlichen  Saume  der 
Silurformation,  da  wo  die  Moldau  unterhalb  Kraiup  in  die  flache  Gegend  bei 
Melnik  eintritt,  nimmt  es  das  ganze  Delta  zwischen  der  Moldau  und  der  Elbe  ein. 

Nebst  Sand-  und  Lehmschichten,  welche  sich  in  den  breiteren  Thalstrecken 
anhäufen,  findet  man  in  den  Flussgeschieben  bei  Prag,  z.  B.  der  Hetzinsel,  und 
unterhalb  Bubna  eine  Sammlung  von  allen  Gesteinsvarietäten  der  Felsen,  die 
der  Fluss  auf  seinem  Laufe  von  Vorlfk  bis  Prag  berührt. 

Zu  den  neuesten  Bildungen  gehören  endlich  die  Kal  k tuffa  bla  gerun- 
gen, welche  man  an  vielen  Punkten  des  obersilurischen  Plateaus  antrifft.  Sie 
enthalten  einen  leichten  porösen  kalkigen  weissenTuff  häufig  mit  schönen  Blatter- 
Abdrücken  der  in  der  Nähe  wachsenden  Bäume.  An  einigen  Orten  erreichen  sie 
die  Mächtigkeit  von  einigen  Klaftern  und  werden  daselbst  als  Bausteine  nament- 
lich zu  leichten  Gewölben  in  tafelförmige  Stücke  geschnitten.  Das  Landvolk  be- 
zeichnet diesen  Kalktuff  mit  dem  Namen  väpennä  pena  (Kalkschaum). 

Grössere  Anhäufungen  desselben  sieht  man  bei  Koda,  namentlich  unter  der 
oberen  Mühle,  in  der  Schlucht  „cfsarskä  rokle“  ebenfalls  bei  Koda,  bei  Sucho- 
mast.  St.  Ivan,  im  Radotiner  Thale  und  bei  Kuhelbad. 


[1] 


Dionys  Stur.  Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  Wcst-Slavonien. 


285 


IV.  Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 

Von  Dionys  Stur. 

(Die  gegenwärtige  Mittheilung  reiht  sich  an  zwei  frühere  in  den  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
1861  und  1862  in  den  Sitzungen  vom  3.  December  1861  und  vom  18.  März  1862.) 


Mitgetheilt  in  der  Sitzung  am  i.  April  1862. 

Bevor  ich  an  die  ausführlichere  Auseinandersetzung  über  die  neogen-tertiären 
Ablagerungen  West-SIavoniens  übergehe,  muss  ich  noch  einen  Augenblick  bei 
der  Betrachtung  des  Kernes  des  Pozeganer  Gebirges  verweilen.  Ausser 
den  im  vorangehenden  Berichte  angeführten  krystallinischen  Gesteinarten,  den 
Thonschiefern  die  am  wahrscheinlichsten  der  Steinkohlenformation  einzureihen 
sein  dürften,  und  den  darauf  lagernden  Felsitporphyren  und  deren  Tuffen  mit 
ihren  Melaphyr-Gängen  und  Lagermassen,  findet  sich  noch  in  diesem  Kerne  des 
Pozeganer  Gebirges  ein  zumeist  aus  groben  Co ng lomeraten  bestehendes 
Gebilde,  das  die  grösste  Masse  des  erwähnten  Gebirges  zusammensetzt. 

Zuerst  hatte  ich  diese  Ablagerung  kennen  zu  lernen  Gelegenheit,  bei  der 
Untersuchung  der  südlichen  Gehänge  des  Pozeganer  Gebirges  im  Tisovacer  und 
Verbover  Gebirge  in  der  Umgebung  des  Maksimov  hrast.  Sobald  man  in  dieser 
Gegend  den  nördlichen  Rand  der  weiter  unten  ausführlicher  besprochenen  weissen 
Mergel  nördlich  von  Petrovoselo  erreicht,  sieht  man  im  Walde  Gerolle  der  ver- 
schiedensten Gesteinsarten  herumliegen.  Erst  von  Maksimov  hrast  nach  West  in 
den  Zuflüssen  des  Tissovacer  Thaies,  in  welchem  die  Pokotina  ihren  Ursprung 
nimmt,  wurden  grössere  Entbl össungen  an  den  Gehängen  des  Gebirges  sichtbar, 
an  denen  man  erkennen  kann,  dass  man  es  in  dieser  ganzen  Gegend  mit  einem 
Conglomerate,  das  nur  sehr  schwach  durch  ein  thoniges  Bindemittel  cementirt, 
aus  Gerollen  der  verschiedenartigsten  Gesteine  besteht,  zu  thun  hat.  Unter  den 
Gerollen  will  ich  ausser  jenen  aus  dem  krystallinischen  Gebirge  erwähnen,  die 
eines  weissen  sehr  feinkörnigen,  feinsplittrigmuschligen  Kalkes,  eines  rothen 
Kalkes,  dem  Triaskalk  von  Markovac,  östlich  von  Daruvar  ähnlich,  ferner  die  Ge- 
rolle eines  dunkelgrauen  Thonschiefers,  und  vor  allem  Gerolle  der  aus  einem 
feinkörnigen  Sandstein,  manchem  Wiener  Sandstein  oder  Lias-Sandstein  aus  den 
Alpen  oder  dem  Fünfkirchner  Gebirge  ähnlich,  bestehen.  Die  Erscheinung  dieser 
so  eigentümlich  zusammengesetzten  Ablagerung  war  eine  ganz  neue,  und  das 
Fehlen  von  Versteinerungen  in  denselben  hat  die  Altersbestimmung  derselben 
nicht  erleichtert. 

Zunächst  fand  ich  Gelegenheit  auf  dem  Wege  von  Neu-Gradiska  nach  Pozeg 
in  der  Gegend  nördlich  und  östlich  bei  Bacindol,  dieses  Conglomerat  zu  unter- 
suchen. Hier  lagern:  östlich  von  Bacindol  der  Leithakalk,  nördlich  von  Bacindol 
der  weisse  Mergel,  also  die  neogenen  Ablagerungen  auf  diesem  Conglomerate. 

Die  weiteren  Untersuchungen  wurden  von  Pozeg  aus  fortgeführt.  In  der 
Umgegend  von  Pozeg  südlich  lagert  das  Pozeganer  Conglomerat  auf  dem  Felsit- 
porphyr  und  dessen  Tuffen  und  auch  auf  den  darunter  liegenden  Schiefern  In  der 


286 


Dionys  Stur. 


[2] 


Gegend  zwischen  Maticevic  und  Pavlovce  nördlich  von  Neu-Kapela  lagert  auf 
dem  Pozeganer  Conglomerate  zunächst  ein  Leilhakalk  aus  Nulliporen-Kugeln  be- 
stehend, dann  Kalkschichten  mit  Massen  von  Cerithium  rubiginosum  Eich,  und 
Cerithium  pictum  Bast .,  auf  welchen  die  weissen  Mergel  folgen. 

Das  Alter  dieses  Conglomerates  ist  somit  zwischen  sehr  weiten  Grenzen 
hier  gefasst,  zwischen  der  Ablagerung  des  Leithakalkes  und  der  der  Felsittuffe. 

Nach  diesen  Untersuchungen  blieb  nur  noch  die  Hoffnung,  dass  inv  der  Nähe 
der  Kohlenflötze,  die  das  Conglomerat  von  Pozeg,  südöstlich  von  Sevci  ein- 
sehliesst,  wenigstens  Pflanzenieste  zu  finden  sein  dürften,  die  die  Altersbe.stim- 
niung  dieser  Ablagerung  ermöglichen  würden.  Der  Weg  zu  dem  Kohlenvorkommen 
führt  von  Pozeg  südlich  durch  das  Thal  von  Vuciak,  dann  steil  aufwärts  bis  Sevci, 
von  wo  man  östlich,  und  später  in  südlicher  Richtung  den  Wald  verquert,  und 
nordwestlich  von  dem  dreifachen  Grenzpunkt,  zw  ischen  der  k.  k.  Militär-Grenze, 
der  Pleternicaer  und  Pozegauer  Herrschaft,  auf  den  südlichen,  dem  Wasser- 
gebiete der  Save  gehörigen  Gehängen,  den  Punkt  erreicht,  au  welchem  man 
mittelst  eines  Schachtes  ein  Kohlenflötz  erreicht  hat.  Der  Flötz  streicht  nach 
Bericht  des  Eigentümers  Herrn  Jos.  Dem.  Popovic  zu  Pozeg  h.  18  und  fällt 
nach  SO.  Die  Mächtigkeit  des  Flötzes  w urde  vormals  auf  zwei  Klafter  bestimmt. 
Während  meiner  Anwesenheit  waren  die  älteren  Baue,  Schacht  und  Stollen  un- 
zugänglich und  eben  ein  neuer  Hauptschacht  im  Abteufen  begriffen.  Mit  diesem 
hat  man,  nach  brieflichen  Mittheilungen,  „in  den  17  Klafter  das  Flötz  erreicht, 
in  welchem  leider  eine  Verdrückung  vorkam,  wo  das  Flötz  nur  7 Fuss  Mäch- 
tigkeit zeigt,  was  sich  aber  beim  Auslenken  besser  gestallten  dürfte“.  Die  An- 
nahme einer  Verdrückung  des  Flötzes  in  der  Teufe  des  Stollens  ist  in  der  That 
wahrscheinlich,  da  der  Hauptschacht  nahe  an  der  Sohle  einer  tiefen  Einthalung 
angelegt  wurde. 

Die  Kohle  ist  eine  sehr  gute  Braunkohle  (s.  Jahrb.  d.  k-  k.  geol.  Reichs- 
anstalt 1861-62,  Verh.  p.  117). 

Auf  den  Halden  fand  sich  hier  überall  Sand  und  ein  feinkörniges  Conglomerat. 
Am  Mundloch  des  Stollens,  der  einzigen  Entblössung  der  ganzen  dichtbewaldeten 
Gegend  sieht  man  sowohl  den  groben  Sand  als  auch  das  Conglomerat  anstehend. 
Die  Schichten  liegen  hier  flach-horizontal  und  fallen  sehr  flach  nach  NW.  Weder 
in  der  Kohle,  noch  in  den  Kohlenschiefern,  die  freilich  schon  ganz  verwittert  da 
lagen,  noch  im  Sande  und  Conglomerate  fand  sich  irgend  welche  Spur  von  Ver- 
steinerungen ein.  Der  einzige  erwähnungswerthe  Anhaltspunkt  zur  Altersbe- 
stimmung der  hier  gewonnen  werde  konnte,  ist  der,  dass  das  Conglomerat  auf- 
fallend ähnliche  petrographische  Beschaffenheit  zeigt  mit  den  gleichen  Gesteinen 
bei  Orlowe  im  Waagthale,  wo  Exogyra  columba  darin  häufig  vorkommt.  Bei  der 
weiteren  Begehung  der  Gegend  wurden  auch  in  der  That  in  den  obersten  Schich- 
ten des  Conglomerates  bei  Lazi  südlich,  in  der  Vertiefung  eines  Waldweges, 
braungelbe  Mergelschichten  beobachtet,  in  welchen  ein  Zweischaler  in  einigen 
Exemplaren  vorgefunden  wurde,  aber  so  zerdrückt,  und  nur  in  Steinkernen  vor- 
handen ist,  dass,  wenn  man  einige  Exemplare  einer  Exogyra  vergleichen  könnte, 
andere  ebenso  gut  für  Dreissena  gehalten  werden  dürften.  Alle  Anstrengungen 
diese  Ablagerung  in  Bezug  auf  ihr  Alter  näher  zu  bestimmen,  blieben  somit 
fruchtlos.  Es  soll  somit  gar  nichts  Bestimmtes  damit  ausgesprochen  werden, 
wenn  ich  diese  Ablagerung  vorläufig  als  der  Kreide  angehörig  betrachte. 

Die  bisher  abgehandelten  älteren  Formationen:  die  krystallinischen  Ge- 
steine, die  Gebilde  der  Triasformation,  ferner  die  Schiefer  des  Vuciak-Thales 
bei  Pozeg  mit  den  darauf  folgenden  Felsitporphyren  und  Tuffen,  und  das  Pozeganer 
Conglomerat  treten  aus  dem  Hügellande  West-Slavoniens  empor,  die  Orljava« 


Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


287 


[3] 


und  Pozeganer  Gebirge  zu  bilden.  Rund  um  diese  Kerne  lagern  nun  die  neogen- 
tertiären Ablagerungen,  bis  an  die  Diluvial- Ebenen  der  Drave  und  Save 
ausgebreitet. 

Mit  nicht  geringer  ßesorgniss,  ob  der  Art  und  Weise  des  Auftretens  der 
neogenen  Schichten  in  Croatien  und  Slavonien,  ging  ich  an  meine  Aufgabe.  Ich 
hoffte  die  Fortsetzungen  jener  merkwürdigen  Schichten  von  Sotzka,  Prasberg, 
Schönstein  und  Oberburg,  oder  auch  ganz  neue  Schichten  finden  zu  müssen,  die 
mit  den  genannten  nicht  vollständig  identisch,  zwischen  die  ersteren  eingeschaltet 
zu  werden  verlangten,  die  schon  Dr.  Rolle1 *)  so  viel  Schwierigkeiten  vorbe- 
reitet. Doch  schon  bei  Agram  sah  ich  normal  entwickelten  Relvedere-Schotter, 
und  unter  demselben  den  Congerientegel  mit  einer  Menge  von  Congerien  und 
Cardien,  ferner  als  tiefste  Schichte  am  älteren  Gebirge  erscheinenden  normal 
(ganz  Nussdorf)  entwickelten  Leithakalk.  Die  zwischen  diesen  beiden,  genau 
den  gleichen  Ablagerungen  des  Wienerbeckens  identischen  Schichtenfolgen  ein- 
geschlossene Ablagerung  von  weissen  und  grauen  Mergeln,  Sandsteinen  und 
Schiefern,  hatte  ich  nach  den  Sammlungen  von  Podsused  des  Agramer  National- 
Museums  vorzüglich  mit  dem  Cystoscirites  Partschii  Sternb .,  als  den  Schichten 
von  Radoboj  vollkommen  gleich  erkannt.  Dass  die  Schichten  von  Radoboj  und  Pod- 
sused in  der  That  ihre  Stellung  zwischen  den  oberwähnten,  Congerien-Tegel  und 
Leithakalk  einnehmen,  somit  den  Cerithienschichten  des  Wienerbeckens  entspre- 
chen, darin  hat  mich  noch  eine  Entblössung  bei  Podsused,  in  einem  der  Eisen- 
bahnbauten  wegen  angelegten  Steinbruche,  bestärkt.  Man  sieht  da  einen  haus- 
grossen Rlock  von  Leithakalk  zwischen  den  Mergelschichten  von  Podsused  einge- 
schlossen, der  jedoch  hier  umgestürzt  und  so  gestellt  erscheint,  dass  seine  gut 
sichtbaren  Schichten  senkrecht  stehen,  während  die  der  Mergel  nahezu  hori- 
zontal liegen. 

Auch  weiter  nach  Ost  in  West-Slavonien,  obwohl  ich  jedes  dem  Leithakalke 
gleiches  oder  ähnliches  Gestein  mit  Misstrauen  anklopfte,  konnte  ich  keine 
Schichten  entdecken,  die,  wie  die  Folge  zeigen  wird,  einem  oder  dem  anderen 
der  drei  Horizonte  im  Wienerbecken  nicht  vollkommen  entsprochen  hätten. 

Befremdend  ist  für  den  ersten  Anblick  die  Form,  in  welcher  hier  die  Ceri- 
thien- Schichten  auftreten.  Während  im  Wienerbecken  eine  als  brakisch  be- 
trachtete Fauna  lebte  und  im  ungarischen  Becken  die  Meeres -Fauna  lebend  an- 
genommen wird  3),  sind  die  Ablagerungen  dieser  Epoche  in  Slavonien  und  Croa- 
tien Absätze  aus  süssen  Gewässern,  wenigstens  zum  allergrössten  Theile.  Wenn 
auch  in  Slavonien  zu  Anfang  dieser  Ablagerung  noch  Cerithium  pictiim  Bast. 
und  C.  rubiginosum  Eichw.  vorhanden  gewesen,  so  findet  man  doch  in  den  dar- 
auf folgenden  Mergel-  und  Kalkmergelschichten  keine  Spur  von  diesen  beiden 
Arten  mehr,  und  man  sieht  nur  noch  äusserst  selten  Reste  von  Thieren,  am  häu- 
figsten noch  eine  unbestimmte  Planorbis. 

Noch  eine  Eigentümlichkeit  der  Ablagerungen  West-Slavoniens  vom  Hori- 
zonte der  Cerithien-Schichten  ist  die,  dass  diese  letzteren  alle  Störungen  der 
Schichten,  die  in  marinen  Ablagerungen  beobachtet  werden,  mitmachen,  und  dort 
wo  die  ersteren  ungestört  erscheinen,  conform  auf  denselhen  lagern,  so  dass 
man  keine  auffallende  Trennung  zwischen  den  marinen  und  Cerithien-Schichten 
wahrnehmen  kann.  Die  weissen  Mergel  oder  Kalkmergel  begleiten  überall 


*)  Über  die  geologische  Stellung  der  Sotzka-Schichten.  Sitzungsberichte  der  kais.  Akademie 

der  Wissenschaften,  XXX.  Bd.,  Seite  3.  1858. 

3)  Karl  F.  Peters  : Hidas.  Sitzungsberichte  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften,  XLIV, 
1862,  Seite  584. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  II.  Heft. 


37 


288  Dionys  Stur.  M 

regelmässig  die  mm  ine  Ablagerung  des  Leithakalkes.  Ich  werde  daher  auch  im 
Folgenden  diese  beiden  Schichtenfolgen  gleichzeitig  behandeln. 

In  der  Gegend  nördlich  von  Okucane,  westlich  bei  Neu  - Gradisca,  wurden 
zuerst  marine  und  darauf  lagernde  weisse  Mergel  beobachtet.  Geht 
man  von  Okucane,  der  DiluviaU  Ebene  der  Save,  nördlich  in  das  Slobostina-Thal 
hinein,  so  erreicht  man  hei  Cage  die  weissen  Kalkmergel  und  grauen  Mergel. 
Unter  diesen  kommt  hei  Benkovac  auf  westlichen  Gehängen  zuerst  Leithakalk  zum 
Vorschein,  der  in  der  Mitte  des  Ortes  Benkovac  beiläufig  gegraben  und  zu  Bau- 
steinen in  der  ganzen  Umgegend  verwendet  wird.  Unter  dem  Leithakalk  tritt  am 
nördlichen  Ende  des  Ortes  Benkovac,  Tegel  zum  Vorschein.  In  den  härteren 
Knollen  derselben  findet  sich  Vaginella  depressa  Daud.  häufig.  Ausserdem  finden 
sich  folgende  Foraminiferen  in  diesem  Tegel: 


Glandulina  laevigata  0.  — s.  B.  N. 
Denlalina  inornata  0.  — s.  B. 

„ elegans  0.  — n.  s.  B.  N. 
„ pauperata  0.  — ss.  B. 
Vaginidina  badenensis  0.  — h B. 
Marginulina  sp.  ? 

Cristellaria  cassis  0.  — s.  B. 

» sp.? 

Robidina  austriaca  0.  — h.  B.  N. 

„ cultrata  0.  — h.  B.  N. 

„ sp.? 


Nonionina  bulloides  0.  — s.  s.  N. 

Hot  (di  na  Boucana  0.  — ? schlecht  erhalten. 
Giobigcrina  triloba  Rss.  — h.  B.  N. 

„ bulloides  0.  — hh.  B.  N. 
Truncatulina  lobatula  0.  — ss.  N. 

Bulimia  pupoides  0.  — s.  N. 

„ pyrula  0.  — ss.  N.  B. 

Textularia  Mayer iana  0.  — ss.  AT.  B. 

„ arficulata  0.  — ss.  B. 
Sphaeroidina  austriaca  0.  — ss.  N.  B. 
Biloculina  lunula  0.  — Steinkerne  — s.  B. 


Dieses  Verzeichniss  der  Foraminiferen  verdanke  ich  Herrn  F.  Karrer. 
Derselbe  stellt  diesen  Tegel  dem  Tegel  von  Baden  im  Wienerbecken  gleich. 
(Die  dem  Autor  beigesetzten  Buchstaben  bedeuten:  JV=Nussdorf,  l?=Baden). 

Von  Gasteropoden  und  Bivalven  fand  sich  keine  Spur.  Ebenso  fehlen  die 
Bryozoen.  Cypridinen  sind  selten. 

Näher  am  krystallinischen  Gebirge  des  Rogoljer  Psunj,  in  der  Umgegend  von 
Rogolje,  ist  derselbe  Durchschnitt  aufgeschlossen,  wenn  auch  die  Gesteinbeschaf- 
fenheit der  Schichten  zum  Theil  etwas  verändert  auftrilt.  Das  tiefste  Glied  der 
neogenen  Ablagerung  ist  hier  ein  tegeliger  Sand,  grau  und  von  Kalktlieilen  weiss- 
gefleckt, in  dem  ebenfalls  keine  Spur  von  Mollusken  vorkommt,  der  aber  eine 
reichhaltige  Fauna  von  Bryozoen  und  Foraminiferen  beherbergt. 

Herrn  Stoliczka  verdanke  ich  folgendes  Verzeichniss  der  Bryozoen  aus  der 
Localität  Rogolje : 

Crisia  Edwardsi  Rss. 

Filisparsa  biloba  Rss. 

Idmonea  foraminosa  Rss. 

„ tenuisulca  Rss. 

Herr  F.  Karrer  war  so  gütig  die  Foraminiferen  dieser  Localität  zu  be- 
stimmen, und  folgen  das  Verzeichniss  als  auch  seine  Bemerkungen  dazu. 

Diese  Localität  Rogolje  enthält  nebst  vielen  Bryozoen,  wenig  Cypridinen, 
von  Foraminiferen  mehrere  Arten  aber  sämmtlich  selten.  Von  den  17  Species 
kommen  15  in  Nussdorf  (grünes  Kreuz)  vor  und  charakterisiren  diese  Schicht 
als  jedenfalls  höher,  wie  die  vorangehende  von  B en  ko  v ac,  liegend.  Da  aber 
11  Species  davon  auch  in  Baden  Vorkommen,  so  glaube  ich  dass  die  Schicht 
doch  etwas  tiefer  liegend  als  Nussdorf,  etwa  wie  Ehrenhausen,  Porz- 
teich und  Grinzing  im  Wienerbecken  gedacht  werden  muss.  Foraminiferen 
fand  ich  folgende: 


Scrupocellana  clliptica  Rss. 

Salieornia  marginata  Goldf.  ( crassa  Bush.). 
Eschara  polystomella  Rss. 


Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


289 


[S] 

Vaginulina  badensis  0.  — ss.  B. 
Polystomella  Fiehtelliana  0.  — ss.  N. 

„ crispa  0.  — s.  N.  B. 
Nonionina  granosa  0.  — ss.  N. 
Rotalina  Boneana  0.  — s.  N.  B. 

„ Partschiana  0.  — ss.  N.  B. 
„ Akneriana  0.  — ss.  N. 

„ Soldanii  0.  — ss.  N. 
Globigerina  bvlloides  0.  — s.  N.  B. 


Globigerina  triloba  0.  — s.  N.  B. 
Uvigerina  pygmaea  0.  — ss.  N.  B. 
Globulina  gibba  0.  — ss.  N.  B. 

„ tubercidata  0.  ? — ss.  B. 
Textularia  Mayeriana  0.  — s.  N.  B. 
„ abbreviata  0.  — s.  B. 

„ deperdita  0.  — ss.  N. 

„ laevigata  0.  — ss.  N. 


Wenn  man  von  Rogolje  den  Weg  nach  Gorni  Caglic  in  nordwestlicher 
Richtung  verfolgt,  so  sieht  man  beim  Uebersehreiten  des  Raches,  und  am  rechten 
Gehänge  des  Thaies  unter  oberflächlichem  Gerolle  aus  krystallinischen  Gesteins- 
arten, überall  das  tegelig-sandige  Gebilde,  das  nördlich  bei  Rogolje,  an  bis 
20  Klafter  hohen  senkrechten  Wänden  entblösst  erscheint,  zu  Tage  treten.  Nahe 
auf  der  Höhe  des  Rückens  tritt  ein  Gesteinswechsel  ein.  Weisse,  sandig -tegelige 
und  kalkig-tegelige  Lagen  mit  Amphistegma  Haueri  Orb.  und  A.  mctmillata  Orb. 
wechseln  mit  einem  Leithakalke  der  voll  ist  von  kleinen  Nulliporen,  in  einer 
Mächtigkeit  von  mehreren  Klaftern.  Kaum  hat  man  jedoch  den  Sattel  erreicht, 
so  befindet  man  sich  schon  im  Gebiete  der  weissen  Kalkmergel,  die  von  da  bis  in 
die  Gegend  von  Vocarica  nördlich,  herrschen  und  hier  alles  höhere  Hügelland 
bilden.  Die  tieferen  Lagen  der  marinen  Ablagerung  unter  dem  Leithakalk  gele- 
gen, finden  somit  nur  im  Gebiete  des  Slobostina-Baches  ihre  Verbreitung;  sind 
nach  aussen  erst  von  Leithakalk,  der  wohl  nicht  an  allen  Punkten  nachgewiesen 
ist,  dann  aber  von  den  weissen  Kalkmergeln  umgeben. 

In  den  vom  Slobostina-Thale  nach  West  bis  zum  Vocarica-Thale  herrschen- 
den Ausbreitung,  muss  ich  einer  localen  eigenthümlichen  Entwickelung  der 
Schichten  vom  Horizonte  der  Cerithien-Schichten  Erwähnung  thun. 

Wenn  man  von  Raic  nördlich  das  dortige  Thal  verfolgt,  sieht  man  oben  auf 
den  Gehängen  des  Thaies  überall  die  weissen  Kalkmergel,  in  der  Thalsohle  da- 
gegen graue  Mergel  wechsellagernd  mit  Sandstein  und  Schieferschichten.  Auf 
den  Schichtflächen  der  letzteren  fanden  sich  Flügel  von  Insecten , genau  so  wie 
sie  auf  den  Schiefern  von  Radoboj  bekannt  sind,  ein.  Auch  Reste  von  Pflanzen 
sind  da  nicht  selten. 

Von  Rogolje  aus  lassen  sich  die  in  Rede  stehenden  beiden  neogenen  Abla- 
gerungen an  den  westlichen  Gehängen  des  Orljavaer  Gebirges  bis  Pakrac  ver- 
folgen. Der  Leithakalk  ist  unmittelbar  am  Gebirge  angelehnt,  die  Mergel  über- 
lagern und  begleiten  ihn,  eine  bis  an  die  Pakra  reichende  Zone  bildend.  In  Pakrac 
selbst,  hinter  der  Kirche  und  von  da  nördlich  noch  eine  kurze  Strecke  fort, 
kommt  unter  den  Mergeln  auch  Leithakalk  zum  Vorschein  und  wird  hier  in  vielen 
Steinbrüchen  zu  Raumateriale  gewonnen.  Er  ist  hier  durch  die  ausgewitterten 
Hohlräume  von  Versteinerungen  porös  und  sehr  leicht,  stellenweise  ein  Conglo- 
merat  aus  Nulliporen  und  Rruehstücken  von  Pecten  latissimus  Brocc,  und  andern 
Zweischalern.  Die  Hohlräume  gehören  an: 

Cerithium  rubiginosum  Eichw. 

„ plicatum  Brug. 

Von  Pakrac  nach  Ost  lassen  sich  dieselben  Ablagerungen  über  den  Pass,  der 
von  Pakrac  nach  Pozeg  führt,  bis  in  das  Gebiet  der  Orljava  ununterbrochen  ver- 
folgen. Hier  ist  besonders  der  Thalkessel  von  Rrussovac  zu  erwähnen.  Die  tiefste 
Schichte  hier  über  dem  krystallinischen  Gebirge  ist  ein  weissgrauer,  sehr  leicht 
zerfallender  Mergel,  ein  Aequivalent  des  tegeligen  Sandsteines  von  Rogolje, 
überlagert  von  Leithakalk,  der  dem  von  Pakrac  ähnlich  ist.  Der  letztere  enthält 

37  * 


290 


Dionys  Stur. 


f6] 


grosse  Bruchstücke  von  Pecten  latissimus  Brocc.,  Gryphaea  Coclilenr  Po/i  und 
andern  Bivalven,  ferner:  Clypeaster  grandiflorus  Bronn. 

Die  Gegend  zwischen  Brussovac  und  Pakrac  zeigt  überall  gelbliche  Kalk- 
mergel (Cerithien-Horizont),  die  den  Leithakalk  bedecken  und  an  vielen  Punkten 
Knochenreste  von  Fischen,  ferner  hier  und  da  sehr  selten  Cardium  plicatum 
Eichw.,  ferner  eine  Planorbis  sp.  und  Callitrites  Brongniarti  Endl.  führen. 

Vom  erwähnten  Pass  kann  man  weiter  am  rechten  Gehänge  der  Bucht  der 
Pakra,  über  Ozegovac  und  Branezac,  bei  Sirac  vorüber  bis  Daruvar,  dieselben 
Ablagerungen  auf  den  Gehängen  des  Orljavaer  Gebirges  überall  anstehend  finden, 
und  sie  auch  die  Bucht  der  Biela  über  Zaile  bis  in  die  Gegend  von  Zvecovo  aus- 
füllend beobachten.  Merkwürdig  ist  die  Thatsache,  dass  während  am  Eingänge 
in  letztere  Bucht,  namentlich  um  Markovac  der  Leithakalk  normal  entwickelt  er- 
scheint, man  bei  Zvecovo  am  östlichen  Ende  der  Bucht,  nur  mehr  schwach  ein- 
glutinirte,  aus  Gerollen  der  krystallinischen  Gesteine  bestehende  grobe  Conglo- 
merate,  überall  das  krystallinische  Gebirge  überdecken,  findet.  In  der  Umgegend 
von  Daruvar  östlich,  verquert  man  aus  dem  Gebiete  der  Congerienschichten 
gegen  das  Triasgebirge  fortschreitend  zuerst  die  Mergel  und  Kalkmergel,  dann 
den  Leithakalk.  Einen  Punkt  des  Auftretens  des  Leithakalks  Östlich  von  Daruvar, 
nördlich  von  Vrbovac  muss  ich  des  Vorkommens  der  „hohlen  Geschiebe“  in  den- 
selben näher  anführen.  So  wie  an  vielen  anderen  Punkten  wird  auch  hier  der 
Leithakalk  mittelst  kleiner  Steinbrüche  und  vertiefter  Gruben  als  Baumateriale 
gebrochen.  Hier  gewinnt  man  aber  einen  Leithakalk,  in  dem  stellenweise  sehr 
häufige  Gerolle  des  nahen  Triaskalkes  eingeschlossen  und  dieselben  jene  von 
Herrn  Hofrath  und  Director  W.  Haidinger  (Sitzungsb.  der  kais.  Akademie  der 
Wissenschaft.  XXI.  Bd.,  1856)  angeführten  Eigenthümlichkeiten  zeigen.  Es  sind 
hier  vollkommen  abgerundete  Gerölle,  weniger  runde  und  eckige  Stücke  des 
Triaskalkes  und  Dolomits  von  der  Nuliiporenmasse  des  Leithakalkes  rundumge- 
ben, einige  noch  ganz  frisch,  die  meisten  im  innersten  Kern  mehr  oder  minder 
weit  nach  aussen  angegriffen , halb  oder  ganz  hohl  zu  finden,  so  dass  auch  die 
letzte  Spur  des  Gerölles  verschwunden  (was  namentlich  bei  kleinen  i/2  Zoll  im 
Durchmesser  oder  weniger  messenden  Gerollen  häufig,  aber  nicht  ausschliesslich) 
und  nur  mehr  der  Hohldruck  des  Gerölles  vorhanden  ist.  Ein  Gerölle  eines 
dichten  oder  sehr  feinkörnigen  Dolomites  zeigt  einen  Kern  der  grobkörnig  ist, 
und  bei  Anwendung  eines  mässigen  Druckes  in  Körner  zerfällt.  Kalkspath  als 
Ausfüllung  der  Hohlräume  kommt  ebenfalls  vor. 

Auf  allen  bisher  berührten  Punkten  wie  auch  in  der  Folge,  wo  es  nicht  näher 
angegeben  ist,  finden  sich  die  tieferen  Schichten  unter  dem  Leithakalk  nicht  auf- 
geschlossen und  der  Leithakalk  ist  da  immer  das  tiefste  sichtbare  neogene  Glied. 

Nordöstlich  von  Daruvar  und  nördlich  vom  Vorkommen  der  bohlen  Geschiebe 
im  Leithakalke  bei  Vrbovac,  folgt  die  tief  in  das  Triasgebirge  eingreifende  Bucht 
von  Dobrakuca.  Wenn  auch  bessere  Aufschlüsse  mangeln,  so  findet  man  doch  hie 
und  da  eine  eigenthümliche  und  abweichende  Entwicklung  der  Mergel  und  Kalk- 
mergel vom  Horizonte  der  Cerithien- Schichten  in  der  bezeichneten  Gegend  auf- 
gedeckt. Es  sind  hier,  ebenso  wie  ich  es  bei  Raic  erwähnt  habe,  zwischen  den 
Kalkmergelschichten  eingelagerte  schiefrige  Gesteine  und  Sandsteine  nebst  Koh- 
lenletten herrschend  vorhanden.  In  den  letzteren  sind  Pflanzenreste,  Knochen 
von  Fischen  und  Süsswasser-Mollusken  nicht  selten.  In  den  Gräben  nördlich  von 
Banjani  kommen  schmale  Einlagerungen  von  Braunkohle  vor.  Kurz  eine  Entwick- 
lung der  Mergel  und  Kalkmergelschichten , die  sich  einerseits  an  die  Insecten 
führenden  Schiefer  von  Raic,  andererseits  an  die  weiter  unten  folgende  Ablage- 
rung bei  Kntjevo  und  Gredistje  zunächst  anschliesst. 


Die  neogen-terliärcn  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


291 


[7] 

Am  nördlichen  Gehänge  des  Orljava-Gebirges  findet  man  bessere  Aufschlüsse 
erst  in  der  Umgebung  von  Vucin.  Vom  Norden  her  nach  Vucin  kommend,  muss 
man  zwei  bedeutende  Rücken,  über  welche  die  Strasse  steil  aufwärts  und  abwärts 
führt,  übersteigen.  Bis  unter  den  ersten  Rücken  dauern  von  der  Diluvial  - Ebene 
angefangen  die  Congerien- Schichten.  Der  Rücken  selbst  ist  weisser  Kalkmergel 
(Cerithien-Horizont),  der  in  Ermangelung  eines  besseren  Materials  hier  zu  Kalk 
gebrannt  wird.  Der  südliche  Abhang  des  ersten,  und  der  zweite  Rücken  unter 
welchem  unmittelbar  Vucin  liegt,  bestehen  aus  denselben  Kalkmergeln.  Am  obe- 
ren westlichen  Ende  des  Ortes  Vucin,  gegenüber  dem  Zusammenflüsse  der  vom 
Süden  aus  dem  Gebirge  herkommenden  beiden  Bäche  der  östlicheren  Rupnica 
und  der  westlicheren  Jovanovica,  erhebt  sich  der  Schlossberg  Vucin  mit  einer 
verfallenen  Ruine  gekrönt.  Die  südlichen  Gehänge  nahe  an  der  Thalsohle  beste- 
hen aus  Trachyt,  an  welchen  steil  aufgerichtete  Schichten  von  Leithakalk  ange- 
lehnt sind,  über  welchen  die  Kalkmergel,  die  Spitze  und  nördlichen  Gehänge  des 
Schlossberges  bildend,  folgen.  Der  unmittelbare  Contact  des  Leithakalkes  mit 
dem  Trachyt  ist  leider  nicht  aufgeschlossen , da  reicher  Schutt  die  Gehänge 
bedeckt.  Die  tiefsten  sichtbaren  Schichten  des  Leithakalkes  erscheinen  kreide- 
weiss,  porös,  die  Poren  mit  feinem  Kalkpulver  erfüllt,  der  beim  Schlagen  auf 
das  Gestein  herausfällt,  und  das  Gestein  überhaupt  sehr  leicht  in  Stücke  zerfällt. 
Erst  mehrere  Klafter  vom  Trachyt  entfernt,  zeigt  der  Leithakalk  seine  gewöhn- 
liche gelbliche  Färbung  und  eigentümliche  Beschaffenheit. 

Verfolgt  man  von  Vucin  südlich  das  Rupnica-Thal,  so  tritt  nahe  hinter  den 
letzten  Häusern  am  südlichen  Ende  des  Ortes  unter  weissem  Mergel,  der  also 
auch  südlich  vom  Schlossberge  wieder  erscheint,  Leithakalk  (in  der  Nussdorfer 
Form),  meist  aus  lose  zusammenhängenden  kleinen  Nulliporen,  Amphistegina 
Haueri,  Bryozoen:  Hornera  hippolyta  Defr.,  Myriozoum  geminiporum  Rss ., 
Cellepora  globulciris  Bronn , und  einer  Menge  von  zerbrochenen  Schalen  von 
Ostrea  digitalina  Eich,  und  anderen  Arten,  die  mit  Sicherheit  nicht  bestimmbar 
sind,  bestehend.  Die  deutlichen  Schichten  sind  steil,  45 — 60  Grad  aufgerichtet 
und  fallen  nach  Nord.  Unter  dem  Leithakalk,  wie  am  Schlossberge,  tritt  der 
Trachyt  zum  Vorscheine  und  bildet  hier  ein  bedeutendes  Gebirge,  das  sich  an 
das  weiter  südlich  ausgebreitete  Granitgebirge  anlehnt.  Man  steigt  nahezu  eine 
Stunde  hindurch  das  Thal  Rupnica  aufwärts  im  Trachyt,  bis  man  endlich  von  der 
dortigen  Sägemühle  die  südliche  Grenze  des  Trachyts  erreicht.  Das  zunächst 
am  Trachyt  folgende  Granitgebirge  ist  vielfach  von  mehr  oder  minder  mächtigen 
Gängen  vom  Trachyt  durchzogen. 

Wenn  man  in  das  westlichere  Jovanovica-Thal  von  Vucin  aus  fortschreitet, 
so  geht  man  erst  vielfach  an  der  Grenze  des  Kalkmergels,  Leithakalkes  und 
Trachyts,  bis  endlich  der  Trachyt  herrschend  wird  und  auch  in  diesem  Thale 
bis  vor  die  dortige  zweite  Sägemühle  anhält,  worauf  das  Granitgebirge  folgt. 
Merkwürdig  ist  im  Jovanovica-Thale,  das  sich  im  unteren  Theile  vielfach  windet, 
eine  Stelle,  und  zwar  dort,  wo  das  Thal  endlich  die  südwestliche  Richtung 
einschlägt,  zu  sehen,  wie  hier  der  Trachyt  über  horizontal  liegenden  Leitha- 
kalkschichten aufliegend  erscheint,  und  hoch  über  dem  letzteren  sich  zu  einem 
bedeutenden  Berge  aufthürmt. 

Der  Trachyt  vonVucin  gehört  zum  grauen  Trachyt  v.  Ri chthofen’s.  Er  ist 
meist  sehr  tief  verwittert,  bräunlichgrau  mit  gelblichen,  dem  verwitterten 
zweiten  Feldspath  angehörigen  Flecken , nur  wenigem  Sanidin,  der  auch  meist 
angegriffen  erscheint.  Näher  zum  Gianitgebirge  wird  die  Grundmasse  grünlich- 
grau und  dunkelgrün,  dies  gilt  namentlich  von  dem  in  Gängen  im  Granit  auf- 
tretenden Trachyt.  An  einer  Stelle  nur  im  Ruprica-Thale  wurde  in  diesem 


292 


Dionys  btur. 


[8] 


Trachyt  säulenförmige  Absonderung  beobachtet.  Die  Säulen  sind  4 — 3eckig, 
mit  etwas  spiral  gedrehten  Kanten,  2 — 3 Fuss  lang,  1 Fuss  im  Durchmesser. 
Da  der  Trachyt  von  Vucin,  dem  weiter  unten  besprochenen  Rhyolith  von  Gradac 
dem  Ansehen  nach  sehr  ähnlich  ist  und  in  diesem  auch  nicht  überall  Quarz  aus- 
geschieden  erscheint,  so  war  es  von  Interesse  den  Gehalt  an  Kieselsäure  im 
Vuciner  Trachyt  zu  bestimmen.  Herr  Dr.  F.  Zirkel  hat  sich  dieser  Mühe  unter- 
zogen und  fand,  dass  der  Kieselsäuregehalt  dieses  Trachyts  50  — 39  Procent 
beträgt  und  das  Gestein  also  vollkommen  basisch  sei.  Ferner  bestimmte  er  das 
specifische  Gewicht  des  in  Gängen  im  Granitgebirge  vorkommenden  Trachyts 
= 2 89,  und  schloss  daraus  auf  eine  ebenfalls  basische  Mischung  desselben. 

In  der  ganzen  Umgegend  von  Vucin  findet  sich  nirgends  auch  nur  die  Spur 
von  Trachyttuff. 

Aus  der  Gegend  von  Vucin  zieht  der  Leithakalk  bis  in  die  Gegend  von 
Drenovacz,  wo  er  sowohl  in  der  Thalsohle  als  auch  an  den  Gehängen,  nament- 
lich am  Wege  von  Drenovar  nach  Velika,  hoch  hinauf  reicht.  Die  jüngeren  Kalk- 
mergel wurden  hier  nicht  beobachtet,  indem  die  Congeriensande  unmittelbar 
den  Leithakalk  bedecken,  und  unter  diesen  die  Mergel  tiefer  und  entfernt  vom 
Gebirge,  nicht  mehr  sichtbar  werden.  Dagegen  herrschen  hei  Orahovica  östlich 
vom  letzten  Vorkommen  die  weissen  Mergel,  und  nur  an  einer  Stelle  beobachtete 
ich  unter  den  genannten  zum  Vorschein  tretende  Leithakalk  - Conglomerate, 
namentlich  am  Wege  von  Duzluk  nach  Sumedje. 

Nun  folgt  die  Betrachtung  des  östlichen  Endes  des  Orljava-Gebirges  in  der 
Umgegend  von  Gradac  nördlich  von  Gredistje  auf  der  Strasse  zwischen  Bektes 
und  Nasic. 

Das  krystallinische  Gebirge  dieser  Gegend  ist  rundherum  von  Congerien- 
Scbichten  eingefasst.  An  der  Grenze  gegen  das  tertiäre  Land  kommen  sowohl 
auf  der  nördlichen,  Nasicer  Seite  als  auch  auf  der  Südseite  östlich  von  Gredistje 
Leithakalke  vor.  Die  der  Nordseite  bestehen  aus  festen  Leithakalken,  die  nur 
auf  den  Gehängen  der  hier  tief  eingeschnittenen  Thäler  unter  den  sehr  mächtigen 
Congerien-Sehichten  stellenweise  sichtbar  und  in  Zoljan  fleissig  zu  Bausteinen 
aufgesucht  und  verwendet  werden.  Auf  der  Bekteser  Seite  bei  Gredistje  zieht 
die  dortige  Strasse  eine  Strecke  hindurch  über  dem  genau  so  wie  in  Vucin  ent- 
wickelten lose  zusammenhängenden  Nulliporenkalk  mit 

Ostrea  digitalina  Eiehw.  Amphisteginn  mammillata  Orb. 

Pecten  latissimus  Brocc.,  ferner  Heterostegina  costata  Orb. 

Amphistegina  Haueri  Orb. 

und  nach  der  freundlichen  Bestimmung  des  Herrn  Dr.  Stoliczka  die  Bryozoen: 


Horner a hippolita  Defr. 
Idmonea  foraminosa  Rss. 
„ tenuisulca  Rss. 

„ Giebeli  Stol- 

Myriozoum  truncatum  Lk. 


Salicornia  marginata  Goldf.  ( crassa  Busk.J. 
Retepora  eelhdosa  Lk. 

Cellepora  globularis  Bronn. 

Esehara  bipunctata  Rss. 

„ monilifera  Edw. 


Dieses  Gebilde  ist  nur  im  Gebiete  der  Strassengräben  aufgeschlossen  und 
verliert  sich  in  südlicher  Richtung,  also  gleich  unter  die  hochheraufgreifenden 
Congerien-Sehichten. 

Innerhalb  des  krystallinischen  Gebirges,  und  mit  den  dasselbe  Gebirge 
umgebenden  eben  abgehandelten  neogenen  Ablagerung  beinahe  ohne  allem  Zu- 
sammenhänge stehend,  befindet  sich  theils  auf  den  Höhen  um  Gradac  und  westlich 
davon,  theils  aber  in  einer  kleinen,  nördlich  von  Gredistje  liegenden  Mulde 
abgelagert,  eine  Schichtenreibe  von  besonderem  Interesse.  Am  südwestlichen 
Rande  der  kleinen  Mulde  beginnend,  sieht  man  hier  Schiefersandsteine  und  vor- 


Die  neogen=teitiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


293 


[»] 


herrschend  Letten  abgelagert.  Der  Letten  enthält  viele  Reste  von  Fischen,  die 
jedoch  alle  wegen  der  Verwitterbarkeit  des  Lettens  sehr  zertrümmert  und 
gebrechlich,  schwer  einzusammeln  sind.  Im  Liegenden  finden  sich  im  Letten  drei 
Flötze  einer  recht  guten  Braunkohle  abgelagert  ();  sie  streichen  beiläufig 
Stunde  6 und  fallen  steil  nach  Süd.  Alle  drei  Flötze  zusammen  nur  von  geringen 
Zwischenmitteln,  die  Planorbis- Arten  enthalten  und  sich  auf  der  Halde  von 
selbst  entzünden,  gesondert,  besitzen  ly3  — 2 Klafter  Mächtigkeit.  Die  Aus- 
dehnung im  Streichen  nach  Ost  kann  nicht  bedeutend  sein,  da  sehr  bald  schon 
das  krystallinisehe  Gebirge  sichtbar  wird,  nach  West  ist  die  Ausdehnung  nicht 
weiter  bekannt,  da  bald  diese  die  Kohlenflötze  führende  Ablagerung  unter  den 
Congerienschichten  verschwindet.  Im  Liegenden  der  Kohle  erscheinen  Tuffe  und 
Conglomerate  die  theils  Trachyt,  theils  aber  seltener,  Basalt  in  Gerollen  enthal- 
ten. Diese  Tuffe  und  Conglomerate  füllen  den  übrigen  Theil  der  Mulde  aus  und 
ziehen  sich  dann  auf  dem  Rücken  des  krystallinischen  Gebirges  bis  auf  die  Höhe 
des  Ueberganges  bei  Gradac,  und  erscheinen  nach  einer  kleinen  Unterbrechung, 
wo  krystallinisehe  Gesteine  zu  Tage  treten,  auch  noch  im  Orte  Gradac  und  der 
nächsten  Umgebung  desselben. 

Hinter  den  Kohlenflötzen  nach  Norden  über  die  steil  aufgerichteten  Tuff- 
und  Conglomerat- Schichten  fortschreitend,  erreicht  man  einen  scharfen  Rücken, 
der  die  Grenze  zwischen  den  Tuffen  und  dem  krystallinischen  Gebirge  ein- 
nimmt, und  Stunde  5y3,  6 und  9 streicht. 

Dieser  Rücken  besteht  aus  Rhyolith,  dessen  Grundmasse  dunkelgrau  oder 
schwärzlichgrau  ist,  und  in  welcher  sehr  sparsam  Quarzkörner,  noch  sparsamer 
Sanidinkrystalle  vertheilt  erscheinen.  Der  Quarz  ist  so  selten,  dass  man  auf 
manchem  Handstücke  gar  keinen  Quarz  bemerken  kann.  Noch  ein  zweiter  Feld- 
spath  wahrscheinlich  Oligoklas  ist  zum  grössten  Theil  ganz  verwittert  und  ver- 
schwunden, zum  Theil  so  dass  blos  die  Hohlräume  der  kleinen  Krystalle  zurück- 
geblieben sind.  Das  dunkelgraue  Gestein  erscheint  von  diesem  verwitterten 
Feldspath  gelbgetleckt.  Ausser  diesen  Einschlüssen  sind  keine  weiteren  vorhanden. 

Die  kohlenführenden  Letten,  Schiefer  und  Sandsteine,  die  genau  den 
Radobojer  Schichten  entsprechen,  erheben  sich  weiter  im  Westen  noch  einmal 
zu  einer  bedeutenden  Anhöhe,  aus  den  sie  umgebenden  Congerienschichten,  in 
der  nächsten  Umgegend  von  Kutjevo.  Am  besten  findet  man  diese  Ablagerung 
östlich  oberhalb  den  Häusern  in  Kutjevo  entblösst.  Dieselbe  besteht  aus  lehmigen, 
zerfallenden  Mergelschiefern  und  Sandsteinen,  die  mit  einander  wechseln  und 
von  welchen  die  letzteren  Fisch-  und  Pflanzenreste  häufig  führen.  In  derselben 
Schichte  wurde  leider  nur  ein  Exemplar  der  MelaniaEscheri  Brong.  beobachtet, 
die  im  Wienerbecken  in  den  Cerithienschichten  (Gaunersdorf)  häufig  ist.  Die 
schiefrigen  Mergel  enthalten  nicht  selten  grosse  Gerolle  von  Quarzit  und  krystal- 
linischen Gesteinen.  Die  Schichten  stehen  auf  dem  Kopfe  und  streichen  von  Ost 
nach  West.  Im  Gebiete  dieser  Schiefer  wurde  mir  ein  Kohlenausbiss  nordwest- 
lich bei  Kutjevo  angegeben. 

Von  Kuljevo  in  West  findet  man  längs  dem  südlichen  Gehänge  des  Orljava- 
Gebirges  erst  wieder  bei  Velika  die  älteren  neogenen  Ablagerungen  unter  den 
Congerienschichten  an  den  Tag  treten.  Hier  sind  aber  nur  die  Leithakalke  und 
die  darunter  lagernden  Schichten  entwickelt  und  zwar  längs  dem  Gebirge  von 
Velika  an,  westlich  bis  Orljavac.  Die  jüngeren  Mergel  vom  Horizonte  der  Ceri- 
thienschichten wurden  auf  dieser  Strecke  nicht  beobachtet,  noch  auch  die 
Schichten  von  Kutjevo  irgendwo  aufgefunden. 


9 Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt  1861  und  1862.  Verhandlungen,  Seite  17. 


294 


Dionys  Stur. 


rio] 


Der  Leithakalk  von  Velika,  ebenso  als  der  von  Orljnvac  und  der  dazwischen 
liegenden  Punkte,  ist  genau  von  der  Form,  wie  der  bei  Gredistje  oder  Vucin. 
Bei  Velika  wurde  auch  das  tiefere,  dem  Tegel  von  Baden  oder  den  Schichten 
von  Rogolje  und  Benkovac  (siehe  oben)  entsprechende  Glied  der  marinen  neo- 
genen  Ablagerung  beobachtet.  Die  tiefste  Lage  besteht  aus  groben  Sauden,  die 
stellenweise  ziegelroth  gefärbt  erscheinen,  auf  welchen  ein  weisser  leicht  zer- 
fallender Mergel,  genau  jenem  im  Kessel  von  Brussovac  gleich  lagert  und  vom 
Leithakalke  bedeckt  wird.  Der  Meeresgrund  der  älteren  Neogenzeit  musste  bei 
Velika  von  sehr  verschiedener  Tiefe  und  von  Ort  zu  Ort  sehr  seicht  gewesen 
sein,  da  stellenweise  aus  dem  weissen  Mergel  (Baden)  die  triasischen  Schiefer 
inselförmig  emporragen  und  unmittelbar  von  den  oberen  Lagen  des  Leithakalkes 
bedeckt  sind.  Im  Leithakalke  von  Orljavac  ist  Pecten  latissimus  Brocc.  besonders 
häufig. 

Von  Orljavac  bis  in  die  Gegend  von  Podversko  und  von  da  bis  an  das 
Pozeganer  Gebirge  ist  die  Ablagerung  der  weissen  Mergel  und  Kalkmergel 
(Cerithienhorizont)  ausgedehnt.  Von  Podversko  endlich  bis  in  die  Gegend  von 
Rogolje,  von  wo  wir  ausgegangen  sind,  die  das  Orljava-Gebirge  umlagernden 
älteren  neogenen  Ablagerungen  zu  betrachten , findet  man  längs  dem  Bande  des 
Orljava-Gebirges  nur  das  jüngste  Glied  der  neogen-tertiären  Formation  aufge- 
schlossen. 

Im  Folgenden  sollen  die  das  Pozeganer  Gebirge  umgebenden  älteren  neo- 
genen Ablagerungen,  Berücksichtigung  finden.  Wenn  wir  von  Pozeg  ausgehend 
über  Brestovac,  Ivandol,  Opatovacz,  bis  Bacindol,  nach  West  fortschreiten,  so 
haben  wir  nur  die  jüngeren  Kalkmergel  vor  uns,  die  hier  überall  das  ältere  Ge- 
birge überlagern.  Bei  Bacindol  selbst  im  Thale  östlich  tritt  auch  Leithakalk  zum 
Vorschein,  in  dessen  Liegendem  ein  gelber  Sand  mit  Sandstein-Concretionen  am 
südlichen  Fuss  der  dortigen  Ruine  erscheint,  ohne  Versteinerungen.  Der  Leitha- 
kalk wird  von  weissen  Mergeln  (Cerithienhorizont)  überlagert,  die  über  Dres- 
nik,  Lipovac,  Bresnica  bis  Pleternica  das  ganze  südliche  Gehänge  des  Pozeganer 
Gebirges  umgeben.  Erst  in  der  Gegend  von  Ober-Lipovac,  nördlich  von  Kapela- 
nova  und  zwar  zwischen  Maticevic  und  Pavlovce  kommt  auch  der  Leithakalk  am 
Gebirge  zum  Vorschein,  hier  aber  unter  sehr  interessanten  Verhältnissen.  Auf 
dem  Pozeganer  Conglomerat  liegt  eine  Schichte  von  weissem  Kalkstaub,  in 
welchem  sich  Kugeln  von  Nulliporen,  in  der  Grösse  einer  Faust  und  grösser,  ein- 
gebettet finden.  Auf  diesem  Nulliporenkalk  lagert  eine  3 — 4 Fuss  mächtige  po- 
röse Kalkschichte,  die  aus  lauter  Schalen  von: 

Cerithium  pictum  Bast.  j Ervilia  podolica  Eichw . und 

rubiginosum  Eichw.  Cardium  vindobonense  Partsch. 

Mactra  podolica  Eichtu.  * 

die  lose  mit  einander  conglutinirt  erscheinen,  besteht.  Diese  poröse  Schichte  wird 
von  compactem  Cerithienkalk  überlagert,  der  dann  bald  in  Kalkmergel  und  weisse 
Mergel  übergeht,  die  dann  eine  bedeutende  Mächtigkeit  erlangen,  und  bis  nach 
Resetare,  Petrovoselo  und  Unter-Lipovae  reichen.  Diese  Ablagerung  der  weissen 
Mergel  in  dieser  Gegend  ist  dadurch  von  Interesse,  dass  im  Gebiete  derselben 
auf  zwei  verschiedenen  Stellen  Quellen  von  Naphtha  bekannt  sind.  Das  erste 
hieher  gehörige  Vorkommen  findet  sich  im  Thale  östlich  bei  Bacindol,  wo  am 
Ausgange  des  Thaies  ein  Diluvial-Schotter  mit  Naphtha  imprägnirt  ist,  die  wahr- 
scheinlich im  daselbst  anstossenden  weissen  Mergel  ihre  Quelle  fand. 

vNordost  von  Petrovoselo  und  im  Ost  von  Ostriverh  befindet  sich  im  Gebiete 
des  Curak-ßaches  jene  Stelle,  an  welcher  die  Naphtha  von  Petrovoselo  hervor- 
quillt. Man  geht  dahin  von  Ostriverh  erst  über  Diluvium , dann  über  Congerien- 


Die  neogen-lertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


295 


[H] 

Tegel  und  nach  dem  man  immer  aufwärts  gestiegen,  gelangt  man  in  das  Gebiet 
der  weissen  Kalkmergel.  Im  Gebiet  der  letzteren  geht  man  Anfangs  neben  einem 
unbedeutendem  Bächlein  nach  Nord,  verlässt  dasselbe  indem  man  das  westliche 
steile  Gehänge  ersteigen  muss,  um  an  die  Naphlha- Quellen  zu  gelangen.  Hier 
findet  man  im  Gehänge  auf  einem  Raume  von  beiläufig  15  Quadrat- Klaftern 
etliche  15 — 20  kleine  Vertiefungen  von  zwei  bis  drei  Fuss  tiefe  Löcher,  bald 
nahe,  bald  entfernter  von  einander  stehend,  in  denen  die  flüssige  Naphtha  hervor- 
quillt und  gesammelt  wird.  Die  grösste  schachtartige  Vertiefung  zu  oberst  am 
Gehänge  daselbst,  zeigt  deutlich  entblösstes  Grundgestein,  den  gelblichweissen 
Kalkmergel  aus  dessen  Schichtungsflächen  und  Spalten  die  Naphtha  herausfliesst. 
In  den  kleineren  Löchern  ist  das  Gestein  nicht  deutlich  zu  entnehmen,  es  scheint 
aber  ein  bituminöser  Mergelschiefer,  der  stark  imprägnirt  ist,  das  Grundgestein 
in  dem  tieferen  Theile  des  Gehänges  zu  bilden. 

Von  Pleternica  westlich  bis  nach  Pozeg  auf  den  nordöstlichen  Gehängen 
des  Pozeganer  Gebirges,  sind  nur  noch  einzelne,  hie  und  da  stehen  gebliebene 
Reste  der  ehemals  ausgebreiteteren  älteren  neogenen  Ablagerungen.  Die  wich- 
tigste hierher  gehörige  Stelle  findet  sich  östlich  bei  Pozeg,  bei  einer  kleinen 
Capelle  , im  Einschnitte  der  Poststrasse.  Man  findet  daselbst  einen  eigenthümlich 
entwickelten  Leithakalk  in  dem  Nulliporen  selten , dagegen  Bryozoen  sehr  häufig 
sind.  Folgendes  Verzeichniss  der  letzteren  verdanke  ich  Herrn  Dr.  Stoliczka 
aus  dieser  Localität  (Pozeg) : 


Crista  Edwardsi  Rss. 
Pastulopora  anomala  Rss. 

„ pulchella  Bss. 
Filisparsa  biloba  Rss. 

Hornera  hippolyta  Defr. 
Idmonea  foraminosa  Bss. 

„ pertusa  Bss. 

„ tenuisulca  Rss. 
Pavotubigera  dimidiata  Rss. 
Defrancia  deformis  Bss. 
Domopora  prolifera  Rss. 

„ stellata  Goldf. 
Ceriopora  anomalopora  Goldf. 
Myriozoum  geminiporum  Rss. 
Scrupocellaria  elliptica  Rss. 


Salicornaria  marginata  Goldf . (crassa Bush.). 
Retepora  cellulosa  Lam . 

„ Rubeschi  Rss. 

Membranipora  angulata  Rss. 

Lepraria  monoceras  Rss. 

„ stenostoma  Rss. 

Cellepora  globularis  Bronn. 

Biflustra  bipunctata  Rss. 

Eschara  polystomella  Rss. 

„ macrocheila  Rss. 

„ Reussi  Stol. 

„ cervicornis  Lam. 

„ undulata  Rss. 

„ monilifera  Milne  Edw. 


Die  nachfolgend  angeführten  Foraminiferen  bestimmte  Herr  F.  Karrer  aus 
dieser  Localität  (Pozeg): 


Rotulina  cidtrata  0.  — s.  B.  N. 
Polystomella  crispa  0.  — hh.  N.  B. 
Rotalina  Boueana  0.  — h.  N.  B. 

„ Dutemplei  0.  — h.  N. 


Amphistegina  Hatten  0.  — h.  N. 
Heterostegina  cristata  0.  — N. 

Textularia  sp.  n. der  laevigata  0.  ähnlich, 
aber  viel  grösser. 


Ausser  diesen  findet  man  noch  Krebsscheren,  Balanen,  Terebrateln,  Argiope 
decollata  Gm.  und  A.  pusilla  Eichw. , Fibularia  und  Echinusstacheln  in  diesem 
Gebilde. 

Zwischen  Dervisaga  und  Vidovci  finden  sich  Kalkmergel  (Cerithien- Hori- 
zont) am  Gebirge  angelehnt.  Endlich  auch  noch  südlich  von  Pozeg  auf  den  An- 
höhen des  Gebirges  bei  Sevci,  liegen  wenig  mächtige  Lagen  älterer  neogenen 
Schichten,  oberflächlich  auf  den  älteren  Gesteinen  dieser  Gegend. 

Die  älteren  neogenen  Ablagerungen  bilden  endlich  für  sich  allein  das  Brooder 
Gebirge.  Und  zwar  erscheint  Leithakalk  nur  am  südlichen  Gehänge  bei  Grabarje 
und  Umgegend , während  die  weissen  Kalkrnergel  den  ganzen  übrigen  höheren 
Theil  dieses  Gebirges  zusammensetzen.  So  in  der  Gegend  von  Paka,  Russevo 


38 


K.  k.  geologische  Reichsaastalt.  12.  Band.  1861  und  1862.  II.  Heft. 


296 


Dionys  Stur. 


[12] 

und  von  da  östlich  bis  Varos  und  Majar,  westlich  bis  an  die  Pleternica  und  süd- 
lich bis  an  die  Linie  Odvorze -Zdence,  findet  man  nur  die  Kalkmergel  vom  Hori- 
zonte der  Cerithienschichten  anstehend. 

In  der  Fortsetzung  des  Orljava-Gebirges  hat  man  tief  unter  den  Congerien- 
Schichten  in  einer  Thalvertiefung  bei  Pridvorje  nordwestlich  von  Diakovar  einen 
Leithakalk  entdeckt,  der  in  einem  Steinbruche  theils  zu  Werksteinen  theils  zu 
Kalk  gebrannt,  Verwendung  findet. 

Den  übrigen  grösseren  Theil  des  tertiären  Hügellandes  bilden  die  Conge- 
rien-Schichten. 

Wenn  auch  diese  Ablagerung  in  der  Umgegend  von  Agram  eine  genau 
solche  Entwicklung  zeigte,  wie  wir  sie  im  Wienerhecken  kennen,  so  bietet  sie 
weiter  östlich  auf  den  südlichen  Gehängen  der  älteren  Inselberge  Croatiens  und 
Slavoniens  doch  eine  Eigenthümlichkeit.  Diese  beruht  in  der  oigenthiimlichen 
Entwicklung  der  Fauna  dieser  Schichten,  die  zuerst  von  Hrn.  Ludwig  v.  Farkas- 
Vukotinovic  im  Moslavina- Gebirge ‘)  beobachtet  werden  und  die  ich  noch 
östlicher  in  West- Slavonien  an  den  südlichen  Gehängen  des  Orljava-Gebirges, 
des  Pozeganer  und  Brooder  Gebirges,  überall  in  ganz  gleicher  Zusammensetzung 
fand.  Um  über  die  eigenthiimlicho  Facies  der  Fauna  des  bezeichneten  Striches 
kurz  eine  Andeutung  zu  geben,  erwähne  ich  bloss,  dass  die  im  Wienerbecken 
bei  Moosbrunn,  dann  in  den  Congerien- Schichten  Ungarns  vorkommende  Palu - 
dina  Sadleriana  auch  an  allen  den  weiter  unten  angerührten  Localitäten  genau 
in  der  bekannten  Form  auftritt,  aber  die  Erscheinung  derselben  in  diesen»  Kleide 
hier  nur  eine  Seltenheit  ist.  Die  Umgänge  zeigen  auf  den  bei  weitem  häufigeren 
Exemplaren  ausser  der  hart  an  der  Nath  gewöhnlich  vorkommenden  wulstartigen 
Auftreibung,  auf  welche  eine  deutliche  Einschnürung  folgt,  unter  der  letzteren 
einen  mehr  oder  minder  scharf  ausgesprochenen  Kiel.  Bei  den  allerhäufigsten 
Exemplaren  jedoch  ist  gewöhnlich  auf  dem  Kiele,  seltener  auf  der  Nathwulst, 
noch  eine  Beihe  grosser  mehr  oder  minder  erhabener,  näher  oder  entfernter 
aneinander  gerückter,  bald  auf  den  Embryonal-Windungen  beginnender  und  auf 
den  letzten  Umgängen  verschwindender,  bald  nur  auf  dem  letzten  Umgänge 
hervortretender  Höcker  vorhanden.  So  dass  einem  hier  eine  scheinbar  grenzen- 
lose Vielgestaltigkeit  und  beinahe  unfassbare  Veränderlichkeit  dieser  Art  ent- 
gegen tritt.  Ganz  dieselbe  Erscheinung  wiederhohlt  sich  im  Genus  Melanopsis 
und  insbesondere  Unio,  deren  Arten  leider  vorläufig  unbestimmt  bleiben  müssen. 

Diese  eigentlnimliche  formenreiche  Entwicklung  der  Fauna  ausgenommen, 
zeigen  sich  in  der  Beihe  der  Ablagerung  der  Congerien -Schichten  in  West-Sla- 
vonien  imWesentlichen  genau  dieselben  Abschnitte,  wie  sie  mir  im  Wienerbecken 
bekannt  sind.  Die  Belvedere-Schichten,  Schotter  und  Sand  wurden  genau  in  der 
Entwicklung  gefunden,  in  welcher  sie  im  Wienerbecken  entfernter  von  den  Alpen 
und  näher  gegen  das  ungarische  Becken  sich  darbieten.  Der  Belvedere-Schotter 
findet  sich  in  West-Slavonien  nur  ganz  local  abgelagert,  am  deutlichsten  und 
mächtigsten  am  südlichen  Gehänge  des  Brooder  Gebirges  nördlich  von  Gromac- 
nik,  und  bei  Kinderovo  unweit  Graborje.  Dagegen  ist  der  Belvedere-Sand  in  jener 
Form  wie  er  bei  Moosbrunn  und  Reissenberg  im  Wienerbecken  unter  dem  Bel- 
vedere-Schotter als  ein  sandiger  lössartiger  Lehm  entwickelt,  in  West- 
Slavonien  das  herrschendste  neogen-tertiäre  Gebilde.  Denn  er  überdeckt  das 
ganze  Gebiet  der  Congerien  - Schichten  mit  einer  4 — 10  Klafter  mächtigen  Lage, 
unter  welcher  nur  an  vertieften  Stellen  die  älteren  hieher  gehörigen  Schichten 


D Das  Moslaviner  Gebirge,  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1852.  Heft  2, 
Seite  95. 


Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-SJavonien. 


297 


[13] 


zum  Vorschein  treten.  Dieser  Lehm  unterscheidet  sich  dadurch  vom  Löss,  dass 
er  in  Folge  von  Verwitterung  äusserlich  bräunlich  - gelb , in  frischen  Rissen  und 
im  inneren  bläulich-grau  gefärbt  erscheint. 

Die  nächst  ältere  Schichte  der  Süss  w asser kalke  des  Wienerbeckens 
findet  sich  genau  in  derselben  Form  wie  zu  Moosbrunn,  in  West-Slavonien  bei 
der  St.  Leonhard-Kirche,  im  Nordwesten  von  Cernik  bei  Neu-Gradiska  entwickelt. 

Unter  der  allgemeinen  Decke  von  lössartigem  Belvedere-Sand,  tritt  zuerst  ein 
sandiger  grünlicher  Tegel  in  dem  Valvata  piscinalis  Lam.  häufig  hervor.  Dar- 
unter folgt  eine  Lage  von  Süsswasserkalk.  Dieser  ist  gelblieh-weiss,  gelbge- 
fleckt, in  dünnen  3 — 4 Zoll  mächtigen  Schichten  und  enthält  ausser  Congerien 
(kleine  Exemplare)  Helix,  Planorbis  und  Melanopsis-Arten,  die  nur  in  Steinkernen 
und  Hohlräumen  vorhanden  sind.  Noch  tiefer  folgen  mächtige  Lagen  mürben, 
beinahe  alm -artigen  Süsswasserkalkes,  wechselnd  mit  gelbem  lehmigen  Sand 
und  dunkelblauem  schiefrigen  Tegel,  sehr  häufig  Versteinerungen  führend. 
Diese  sind  nach  den  Bestimmungen  von  Herrn  Ritter  v.  Frauenfeld: 


Valvata  piscinalis  Lam. 
Melanopsis  Esperi  Fer. 
Paludina  tentaculata  L. 


Paludina  concinna  Sow. 

„ Sadleriana  Part  sch. 

Neritina  trasversalisMhlf.,  gerippt eAnodonta. 


Nach  unten  wird  der  Tegel  herrschend  und  enthält  ein  Lignitflötz,  dessen 
Abbau  eben  wieder  in  Angriff  genommen  wurde.  (Siehe  Jahrbuch  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  Seite  117.)  Die  Lage- 
rung dieser  tiefsten  Schichten  ist  vielfach  gestört,  längs  dem  Bache  daselbst  viel- 
fach aufgeschlossen.  Die  Mächtigkeit  des  unter  dem  Lignitflötze  folgenden 
Tegels  ist  unbekannt  und  gewiss  sehr  bedeutend. 

Die  bisher  angegebene  Lagerung  der  Congerien-Schichlen  dürfte  für  ganz 
West-Slavonien  die  normale  sein,  wenn  aucli  an  den  meisten  Stellen  ausser  dem 
Aequivalente  des  Belvederesandes,  nur  eine  und  zwar  die  tiefste  Schichte  ent- 
blösst  erscheint,  und  namentlich  der  Süsswasserkalk  nur  local  und  selten,  so  wie 
im  Wienerbecken,  entwickelt  sein  dürfte. 

Im  Folgenden  sollen  nur  noch  die  Fundorte  von  Versteinerungen  mit  einigen 
Worten  erwähnt  werden. 

Die  Localität,  von  welcher  Herr  L.  v.  Farkas-Vukotin  ovic  (Jahrbuch 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  1862,  Heft  2,  Seite  96)  im  Moslavina- 
Gebirge  spricht,  „es  komme  hier  auch  ein  zweiter  Grobkalk  vor,  der  einer  Süss- 
wasserbilduug  angehört,  Melanopsiden  und  andere  Süsswassermollusken  in 
grosser  Zahl  enthalte",  ist  mir  ebenfalls  bekannt  geworden. 

Im  Drinoostathaie  nordwestlich  von  Kutina,  am  Ursprünge  im  Walde,  wurden 
darin : 


Paludina  Sadleriana  Partsch. 
„ concinna  Sow. 


Im  benachbarten  Repusnicathal  fanden  sich  ein : 


Paludina  Vukotinovici  Frnfld.  (ein  einziges 
Exemplar). 

Paludina  Sadleriana  Partsch. 

„ concinna  Sow. 

„ naticoides  Ziegl. 


Melanopsis  Dufourei  Fer. 

„ Esperi  Fer. 

„ acicularis  Fer. 

„ huccinoidea  Fer. 

„ costata  Fer. 


Die  erste  ausgezeichnete  Paludina  Vukotinovici  hat  Herr  Ritter  v.  Frauen- 
feld, Herr  L.  v.  Farkas-Vukotinovic  zu  Ehren,  so  benannt.  Sie  kommt 
besonders  schön  erhalten  im  Bukovica-Thale  bei  Novska  vor.  Sie  ist  einer  gegen- 
wärtig in  China  lebenden  Art  Paludina  ecarinata  Frnfld.  in  litt,  am  nächsten 
verwandt.  Die  zweite  Art  Paludina  Sadleriana  Partsch  ist,  wie  weiter  oben 


38* 


298 


Dionvs  Stur. 


fl4] 

angedeutet  worden,  ganz  glatt,  gekielt,  und  mit  Höckern  verschon  und  steht 
der  noch  jetzt  in  Nord-Amerika  lebenden  Pal.  magnifica  Conr.  am  nächsten 
Beide  croatisch-slavonischen  Arten  wird  Herr  Ritter  v.  Frauen  fei d in  seiner 
Monographie  über  Paludinen  demnächst  abbilden  und  beschreiben. 

In  West-Slavonien  finden  sich  zunächst  der  westlichen  Grenze  in  der  näch- 
sten Umgegend  von  Novska  einige  interessante  Aufschlüsse  im  Congerientegel. 
Die  interessanteste  Fundstätte  ist  südlich  von  dem  Lignitbaue  im  Bukovicathale 
östlich  bei  Novska.  Im  hintersten  Theile  des  Thaies  steht  im  lehmigen,  gelblich- 
okerigen  Sande,  dessen  Schichten  nach  Süden  flach  fallen,  das  Lignitlager  an 
(siehe  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1861 — 1862.  Verhand- 
lungen, Seite  117)  mit  einer  über  1 Klafter  sichtbarer  Mächtigkeit.  Südlich  da- 
von, also  im  Hangenden,  trifft  man  in  einiger  Entfernung  versteinerungsreiche 
Lager  im  Tegel.  Es  finden  sich  ausser  einigen  sehr  schönen  bisher  nicht  be- 
schriebenen Arten  von  Unio,  grosse  Massen  der  vielgestaltigen 
Paludina  Sadleriana  Part  sch. 

in  allen  möglichen  Varietäten.  Dieses  Lager  muss  gegen  den  Ausgang  des  Thaies 
lange  in  der  Thalsohle  vorhanden  sein.  Am  Ausgange  dieses  Thaies  am  linken 
* Gehänge  findet  sich  mit  denselben  Unicoarten  wie  in  obiger  Lage,  die  neue 

Paludina  Vukotinovici  Frnfld. 

in  sehr  gut  erhaltenen  grossen  und  kleinen  Exemplaren. 

Im  Thale  von  Novska  unweit  vom  Eingänge  wurden  in  derselben  Schichte 
wie  oben  nebst 

Paludina  Sadleriana  Parlsch.  und 
Melanopsis  buceinoidea  Per. 

eine  Paludina ? hoch  und  schlank  vom  Habitus  der  Paludina  Sadleriana  nur 
mit  dem  Unterschiede,  dass  statt  den  Höckern  der  letzteren,  diese  Art  scharfe 
Querfalten  zeigt,  gefunden.  Sie  muss  vorläufig,  da  das  Genus,  in  welches  sie 
einzureihen  sei,  nicht  ganz  evident  zu  sein  scheint,  unbestimmt  verbleiben. 

Verquert  man  von  Novska  auf  dem  Wege  nach  Jagma  das  Brestaca-  und 
Subotska-Thal , so  trifft  man  noch  drei  andere  Fundstätten  von  Versteinerungen 
der  Congerien-Schichten. 

Zunächst  kann  man  in  der  Thalsohle  am  oberen  Ende  des  Brestaja-Thales : 

Paludina  Sadleriana  Partsch.  I Melanopsis  acicularis  Fer. 

„ tentaculala  L.  und 

sammeln. 

Dieselbe  Fauna  findet  man  auch  im  Orte  Subotski  Gradac. 

Oberhalb  Jagma  südlich  findet  man  folgenden  Durchschnitt  entblösst.  Jagma 
selbst  liegt  auf  Congerientegel,  der  auf  den  Gehängen  hoch  hinauf  reicht.  Auf 
dem  Tegel  lagert  ein  gelber  Sand,  auf  welchem  ein  kleines  einige  Zoll  mäch- 
tiges Lignitflötzchen  folgt.  Das  Hangende  des  Lignits  bildet  eine  an  zerdrückten 
Mollusken  reiche  Süsswasser-Kalkschichte  mit : 

Paludina  Sadleriana  Partsch. 

Melanopsis  Esperi  Fer. 

und  Cardien  nebst  kleinen  Congerien. 

Noch  soll  die  östlichste  bekannt  gewordene  Localität,  an  welcher  die  Fauna 
der  obigen  Fundorte  auftritt  und  beobachtet  wurde,  Erwähnung  finden.  Diese 
Fundstätte  liegt  am  linken  Ufer  der  Orljava  nordost  von  Oriovac  bfei  Cigelnik. 
Wenn  man  von  Pleternica  nach  Süd  am  linken  Ufer  der  Orljava  fortschreitet, 
sieht  man  bei  Becic  die  weissen  Mergel  (Horizont  der  Cerithienschichten)  von 
einem  lose  zusammgekitteten  Sandstein  überlagert.  Auf  diesen  folgen  Sande,  in 
welchen  man  unfern  der  Mühle  bei  Cigelnik,  eine  von  Eisenoxydhydrat  gefärbte 


Die  neogen-tertiärei)  Ablagerungen  von  West-Slavonien. 


299 


[IS] 


feste  Kalkschichte  mit  vielen  Mollusken  bemerkt.  Die  Schichten  fallen  steil  nach 
Süd.  Im  Liegenden  dieser  gelbrothen  Schichte  findet  man  eine  Sandschichte 
voll  von  : 

Paludina  Sadleriana  Part  sch, 

von  allen  bisherigen  am  besten,  noch  perlmutterglänzend,  erhalten.  Die  ob- 
erwähnten Unio- Arten  sind  auch  hier  vorhanden.  Alle  diese  erwähnten  Schichten 
müssen  sich  am  Fusse  des  Brooder  Gebirges  weit  nach  Ost  fortziehen,  denn  man 
sieht  die  Versteinerungen  derselben  in  allen  die  Strasse  daselbst  verquerenden 
Bächen  herabgeschwemmt. 

Im  Norden  der  westslavonischen  Gebirge  im  Wassergebiete  der  Drau,  wo 
überhaupt  Aufschlüsse  im  Gebiete  der  Congerien-Schichten,  des  sich  ganz  lang- 
sam verflachenden  Terrains  wegen  äusserst  selten  sind,  ist  mir  nur  eine  Stelle 
bekannt  geworden,  an  welcher  Versteinerungen  gefunden  wurden.  Es  ist  dies 
in  der  Gegend  südlich  von  Torczovac,  bei  Borova  südlich  im  Walde.  Von  Borova, 
das  am  Rande  der  Diluvialebene  der  Drau  liegt,  nach  Süd  erhebt  sich  das 
Hügelland  zu  ansehnlicher  Höhe.  Die  in  Hohlwegen  aufgedeckten  Sandschichten 
fallen  schwach  nach  Süd.  Auf  der  Höhe  des  Hügellandes  findet  man  in  den  Sand- 
schichten verhärtete  Sandstein-Concretionen,  die  wohl  dem  Kalkgehalte  der  in 
diesem  Horizonte  häufig  vorkommenden  Cardien  ihren  Ursprung  zu  danken 
haben.  Man  findet  gewöhnlich  mehrere  Cardien  in  eine  jede  solche  Concretion 
eingeschlossen,  die  selten  den  Durchmesser  von  1 Fuss  erreichen.  Diesen  die 
Concretion  enthaltenen  Schichten  zu  lieb,  die  kauin  die  Mächtigkeit  von  2 bis 
3 Fuss  einnehmen , wird  in  dieser  Gegend  von  Zeit  zu  Zeit  eine  Unzahl  von 
Steinbrüchen  betrieben,  indem  diese  Concretionen  das  einzige  Strassen- 
Beschotterungsmateriale  abgeben  für  die  in  bedeutender  Entfernung,  in  der 
Diluvialebene  vorbeiziehenden  Verovitic-Essegger  Poststrasse.  Die  am  häufigsten 
hier  vorkommende  Art  ist:  Cardium  Haueri  Hörnes.  Nebst  dieser  erscheint 
Cardium  hungaricum  Hörnes  und  noch  ein  Cardium  nur  in  Steinkernen,  die 
keine  Bestimmung  zulassen;  ferner  wurden  Congerien  meist  nur  kleine 
Exemplare  und : 

Paludina  tentaculata  L. 

gesammelt. 

Der  Löss  des  älteren  Diluviums  wurde  eine  nur  an  einigen  Punkten  längs 
der  Save,  an  der  Grenze  der  Ebene  gegen  das  tertiäre  Hügelland  bekannt. 

Die  Ebenen  der  Save  und  Drave  gehören  dem  Terrassen-Diluvium  an. 


300  Verzeichnis  der  Einsendungen  von  Mineralien.  Gebirgsarten,  Eetrefacten  u.  8.  w. 


V.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Heichsanslalt 
gelangten  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petre- 

faeten  u.  s.  w. 

Vom  10.  December  1861  bis  15.  April  1862. 

1)  11.  December.  2 Kisten,  320  Pfund.  Vom  k.  k.  Militär-Verpflegsamt  in 
Pesth,  Steinkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

2)  11.  December.  1 Kiste,  42  Pfund.  Vom  k.  k.  Badhauscommando  in  Karls- 
bad. Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

3)  14.  December.  2 Kisten,  184  Pfund.  Von  Herrn  k.  k.  Hauptmann  Job. 
Hei ch ard t in  Weisskirchen.  Versteinerungen  aus  dem  Steinkohlengebirge  von 
Ostrau.  Drei  grosse  Stücke  von  Sigillarien. 

4)  21.  December.  1 Kiste,  72  Pfund.  Vom  Herrn  Job.  Flor.  Kutschker, 
k.  k.  Zollamts-Official  zu  Vils  in  Tirol.  Liasversteinerungen  aus  dem  Engethal. 
(Verhandlungen.  Sitzung  am  29.  April  1862.  Seite  225.) 

5)  21.  December.  2 Kisten,  180  Pfund.  Von  Herrn  v.  Leuzendorf  in 
Daruvar.  Mineralwasser  zur  Untersuchung. 

6)  31.  December.  3 Kisten,  46  Pfund.  Vom  k.  k.  Militär-Verpflegsamt  in 
Pesth.  Stein-  und  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

7)  31.  December.  1 Kiste,  60  Pfund.  Von  Herrn  Heinrich  B ec  k er,  kur- 
fürstlich Hessen’schen  Bergvervvalter  zu  Komorau  in  Böhmen.  GangstufFen  vom 
Giftberge.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  18.  März.  Seite  225.) 

8)  8.  Jänner.  1 Kiste.  Von  Herrn  Prof.  Fr.  Unger,  von  Gratz  übersandt. 
Pflanzenfossilien,  deren  wissenschaftliche  Bearbeitung  wir  dem  Herrn  Professor 
während  seines  Aufenthaltes  daselbst  verdanken.  Er  hat  auch  bereits  mehrere 
der  Ergebnisse  in  der  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  am 
27.  Februar  vorgelegt,  namentlich  in  Bezug  auf  die  Frangulaceen  und  Legumi- 
nosen, welche  in  den  Denkschriften  derselben  erscheinen  werden. 

9)  8.  Jänner.  1 Packet,  10  Pfund.  Von  der  k.  k.  Verpflegsverwaltung  in 
Wien.  Steinkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

10)  20.  Jänner.  1 Kiste,  13  Pfund.  Von  Herrn  k.  k.  Professor  Kornhuber. 
Petrefacten  aus  dem  Museum  der  Oberrealschule  von  Pressburg.  Grösstentheils 
aus  den  Localitäten  von  Penzesküt  und  Bakonybel  im  Veszprimer  Comitat  und 
von  Herrn  Korn  hu  b er  freundlichst  zur  Vergleichung  bei  der  Bearbeitung  der 
von  der  Section  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  gesammelten  Exemplare 
dargeliehen. 

11)  28  Jänner.  1 Kiste,  4 yg  Pfund.  Von  Herrn  Alois  Seifert,  Berghau- 
unternehmer zu  Hohenelbe  in  Böhmen.  1 Stück  Saurierfährten. 

12)  3.  März.  1 Packet,  iys  Pfund.  Von  der  fürstlich  Schwarzenberg'schen 
Eisenwerks-Direction  in  Murau.  Roheisen  zur  chemischen  Untersuchung. 

13)  4.  März.  2 Kisten,  160  Pfund.  Von  Herrn  Professor  Römer  in  Breslau. 
Der  k.k.  geologischen  Reichsanstalt  angehörige  Versteinerungen  mit  Bestimmungen 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  vv. 


301 


Die  silurischen  Fossilien,  zahlreich  von  Herrn  D.  Stur  im  östlichen  Galizien 
aufgesammelt,  entbehren  noch  der  Bearbeitung.  Herr  Barrande,  der  durch 
seine  Studien  einen  so  grossen  Vorsprung  hat,  lehnte  die  Bearbeitung  ab,  Herr 
Professor  Römer  erklärt  viele  derselben  für  neu,  tlieilt  aber  gleichzeitig  mit, 
dass  Herr  Dr.  A.  v.  Alth  in  Krakau  eine  reiche  Sammlung  derselben  besitzt, 
deren  Bearbeitung  demnächst  erwartet  werden  kann. 

14)  8.  März.  1 Packet,  2 Pfund.  Von  der  III.  Section  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt.  Versteinerungen  aus  Croatien. 

13)  18.  März.  1 Kiste,  2 Pfund.  Von  Herrn  Baron  Karl  v.  Seyffertitz  in 
Bregenz.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  29.  April.  Seite  222.) 

16)  28.  März.  1 Packet,  3s/4  Pfund.  Vom  k.  k.  Verpflegsmagazin  in  Pod- 
gorze.  Steinkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

1 7)  28.  März.  1 Schachtel,  3y3  Pfund.  Von  Frau  Josephine  Kablik  in 
Hohenelbe.  1 Stück  Saurierfährten  und  Iserin.  (Verhandlungen.  Sitzung  am 
29.  April.  Seite  223.) 

18)  1.  April.  1 Kiste,24  Pfund.  VonHerrn  K.  Feistmantel, Hüttenmeister 
in  Bras  bei  Rokiczan.  Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Bfaser  Steinkohlenbecken. 

19)  8.  April.  1 Kiste,  17  Pfund.  Von  Herrn  Franz  Posepny,  k.  k.  Kohlen- 
schurfleiter  zu  Koväcs  in  Siebenbürgen.  Tertiäre  Versteinerungen.  (Verhand- 
lungen, Sitzung  am  29.  April.  Seite  226.) 

20)  12.  April.  1 Kiste,  13  Pfund.  Von  Herrn  Eduard  Pauli,  k.  k.  Revier- 
förster zu  Hryniawa,  nächst  Kutty,  Galizien.  Mineralwasser  zur  chemischen  Un- 
tersuchung. (Verhandlungen.  Sitzung  am  29.  April  1862.) 


Nachtrag  za  den  Verzeichnissen  der  Einsendungen  vom  31.  December  1861  und 

vom  15.  April  1862  fossiler  Brennstoffe  für  die  Londoner  Ausstellung, 

1)  20.  November.  1 Kiste,  33  Pfund.  Von  Herrn  Rudolph  Kolisch.  Gö- 
ding,  Mähren.  Braunkohle. 

2)  23.  November.  1 Kiste,  43  Pfund.  Von  der  Reichsgräfl.-Westphalen- 
Fürstenberg’schen  Bergverwaltung  Kulm.  Wiklitz,  Karbitz,  Böhmen.  Braunkohle. 

3)  23.  November.  1 Kiste,  100  Pfund.  Von  Herrn  A.  Rahn.  Zbeschau, 
Mähren.  Steinkohle. 

4)  26.  November.  1 Kiste,  17  Pfund.  Von  Herrn  Karl  Kahler,  Leiter  des 
Mitsch  und  Stüdl’schen  Bergbaues  zu  Jemnik,  Böhmen.  Steinkohle. 

3)  27.  November.  1 Kiste,  46  Pfund,  Petrovagorahütte.  Topuszko,  Militär- 
grenze. Braunkohle. 

6)  27.  November.  1 Kiste,  39  Pfund.  Von  Herrn  Albin  v.  Kiepach,  Bre- 
gana,  Croatien.  Braunkohle. 

7)  27.  November.  1 Kiste,  63  Pfund.  Von  der  Gewerkschaft  für  Steinkohlen- 
bergbau und  Zinkfabrication  zu  Ivanec  in  Croatien,  durch  den  Bevollmächtigten 
Herrn  Klemann.  Braunkohle. 

8)  28.  November.  1 Kiste,  86  Pfund.  Von  der  Gewerkschaft  Saxonia, 
Herren  August  Klaus  und  Theodor  Held.  Karbitz,  Böhmen.  Braunkohle. 

9)  28.  November.  1 Kiste,  35  Pfund.  Gewerkschaft  am  Savestrom,  Sagor, 
Krain.  Braunkohle. 

10)  28.  November.  1 Kiste,  51  Pfund.  Von  Herrn  Paul  Freiherrn  v.  Herbert, 
Wolfsberg,  Kärnthen.  Braunkohle. 


302  Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w. 


11)  28.  November.  1 Kiste,  80  Pfund.  Von  Herrn  F.  S.  Steinbrecher, 
Trübau,  Mähren.  Braunkohle. 

12)  29.  November.  1 Kiste,  60  Pfund.  Von  der  H.  D r as  c h e’schen  Berg- 
verwaltung, Brennberg,  Oedenburg,  Ungarn.  Braunkohle. 

13)  20.  November.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Johann  Bi  ege r,  H. 
Dra  sch  e’sehen  Schichtmeister  in  Höllenstein,  Waidhofen,  Oesterreich. 
Steinkohle. 

14)  29.  November.  1 Kiste,  152  Pfund.  Von  der  E.  und  A.  v.  Lin  ri- 
ll ei  m’schen  Bergbau-Verwaltung  in  Mantau,  Passau,  Pilsen,  Böhmen.  Steinkohle. 

15)  30.  November.  4 Kisten,  520  Pfund.  Von  dem  fürstl.  Schaumburg- 
L ipp e’schen  Bergamte  in  Schwadowitz,  Böhmen.  Steinkohle. 

16)  30.  November.  1 Kiste,  37  Pfund.  Von  Herrn  Wenzel  Ehlig.  Hostu- 
rnitz  bei  Teplitz,  Böhmen.  Braunkohle. 

17)  30.  November.  1 Kiste,  107  Pfund.  Von  der  gräfl.  Larisch-Mön- 
nich’schen  Bergdirection,  Dir.  Karl  Kach  le  r,  Karwin.  Steinkohle. 

18)  30.  November.  1 Kiste,  55  Pfund.  Von  Herrn  Franz  Kleindienst, 
Eibiswald,  Steiermark.  Braunkohle. 

19)  2.  December.  1 Kiste,  71  Pfund.  Von  der  k.  k.  Eisenverschleiss- 
Factorei  in  Prag.  Steinkohlen. 

20)  2.  December.  1 Kiste,  53  Pfund.  Von  dem  k.  k.  Bergamt  in  Cilli. 
Steiermark.  Braunkohle. 

21)  2.  December.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  der  Graz  - Köflacher  Eisenbahn- 
und  Bergbau-Gesellschaft.  Voitsberg,  Steiermark.  Braunkohle. 

22)  3.  December.  2 Kisten,  365  Pfund.  Von  dem  Berg-Inspectorate  der 
ausschl.  pr.  Kaiser  Ferdinands-Nordbahn.  Mährisch-Ostrau,  Mähren.  Steinkohle. 

23)  3.  December.  1 Kiste,  165  Pfund.  Von  der  Freiherr  v.  Silbersteiirschen 
Bergdirection  in  Schatzlar,  Böhmen.  Steinkohle. 

24)  3.  December.  1 Kiste,  151  Pfund.  Von  der  gräflich  Albert  v.  Nostiz- 
schen  Bergdirection.  Aussig,  Böhmen.  Braunkohle. 

25)  3.  December.  2 Kisten,  103  Pfund.  Von  Herrn  Gustav  Alexander 
v.  Elterlein.  Aussig,  Böhmen.  Braunkohle. 

26)  3.  December.  2 Kisten,  103  Pfund.  Von  der  gräflich  v.  Mensdorff- 
Po  uil  1 y’schen  Bergwerkverwaltung  in  Boskowitz,  Brünn,  Mähren.  Braunkohle. 

27)  3 December.  1 Kiste,  48  Pfund.  Von  dem  fürstl.  Hugo  zu  Salm'schen 
Werke  zu  Gaya,  Mähren.  Braunkohle. 

28)  3.  December.  1 Kiste,  165  Pfund.  Von  der  gräflich  Sä  n d o r'schen 
Bergverwaltung,  Annathal,  Sarisap,  Ungarn.  Braunkohle. 

29)  5.  December.  1 Kiste,  149  Pfund.  Von  der  St.  Pankraz  - Zeche,  Nür- 
schau,  Staab,  Böhmen.  Steinkohle. 

30)  6.  December.  1 Kiste,  51  Pfund.  Von  Herrn  Gustav  Gollitsch,  Cilli, 
Steiermark.  Steinkohle. 

31)  6.  December.  1 Kiste,  64  Pfund.  Von  Herrn  Mathias  Ivac sk  ovics, 
k.  k.  Bergbau-Leiter,  Diosgyör,  Miskolcz,  Ungarn.  Braunkohle. 

32)  6.  December.  1 Kiste,  249  Pfund.  Von  der  Freiherr  v.  Ro th sch il ri- 
schen Central-Direction  in  Witkowitz,  Mähren.  Steinkohle. 

33)  6.  December.  1 Kiste,  160  Pfund.  Von  der  Francisca-Steinkohlen- 
gewerkschaft  in  Padochau,  Mähren.  (Leiter  Johann  Fitz.)  Steinkohle. 

34)  6.  December.  1 Kiste,  50  Pfund.  Von  der  kurfürstl.  von  Hessen’schen 
Horowitzer  Eisenwerks-Direction  in  Komorau,  Böhmen.  Steinkohle. 

35)  6.  December.  1 Kiste,  108  Pfund.  Von  der  gräflich  Meran’schen 
Eisenwerks-Direction  zu  Krems  bei  Gratz,  Steiermark.  Braunkohlen. 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gcbirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w. 


303 


36)  6.  December.  1 Kiste,  78  Pfund.  Von  Herrn  Andreas  Topper  in 
Scheibbs,  Oesterreich.  Steinkohlen. 

37)  7.  December.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Paul  Freih.  v.  Herbert 
in  Klagenfurt,  Kärnten.  Braunkohlen. 

38)  9.  December.  1 Kiste,  128  Pfund.  Herren  v.  Rosthorn  und  Freiherr 
v.  Diekmann’sche  Eisenwerk-Direction  in  Prävali,  Kärnthen.  Braunkohle. 

39)  9.  December.  4 Kisten,  460  Pfund.  Von  Herrn  Johann  Pen  dl,  Braun- 
kohlen von  Laukowitz,  Steiermark. 

40)  11.  December.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  F.  Urfuss  in  Dallwitz, 
Böhmen.  Braunkohle. 

41)  11.  December.  1 Kiste,  70  Pfund.  Von  Lippitzbach  (Gräfin  Nothburga 
v.  Egger)  in  Kärntben.  Braunkohle. 

42)  11.  December.  1 Kiste,  42  Pfund.  Von  Zierawitz.  Freih.  v.  Sina’schem 
Braunkohlenwerk  bei  Gaya. 

43)  11.  December.  1 Kiste,  113  Pfund.  Von  der  Graf  v.  Waldstein- 
schen  Bergverwaltung  in  Dux,  Böhmen.  Braunkohle. 

44)  11.  December.  1 Kiste,  60  Pfund.  Von  Herrn  Michael  Fuchs  in 
Bersaszka,  Militärgrenze.  Braunkohle. 

46)  11.  December.  1 Kiste,  33  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft 
zu  Leoben,  Steiermark.  Braunkohle. 

46)  12.  December.  1 Kiste,  126  Pfund.  Von  Herrn  Johann  Jereb,  für 
die  Gewerkschaft  Schönegg  in  Steiermark.  Braunkohle. 

47)  12.  December.  1 Kiste,  176  Pfund.  Vom  k.  k.  Ober-Verwesamt  zu 
Eibiswald,  Steiermark.  Braunkohle. 

48)  12.  December.  1 Kiste,  46  Pfund.  Von  Herrn  Rudolph  Sprung  zu 
Voitsberg,  Steiermark.  Braunkohle. 

49)  12.  December.  1 Kiste,  66  Pfund.  Von  Herrn  Moriz  Ritter  v.  Horstig, 
Voitsberg,  Steiermark.  Braunkohle. 

60)  13.  December.  4 Kisten,  280  Pfund.  Von  Herrn  L.  Littke  in  Fünf- 
kirchen, Ungarn.  Steinkohle. 

61)  14.  December.  1 Kiste,  36  Pfund.  Von  Herrn  H.  Thies  in  Vassas  bei 
Fünfkirchen,  Ungarn.  Steinkohle. 

62)  14.  December.  1 Kiste,  86  Pfund.  Von  der  Prager  Eisen-Industrie- 
Gesellschaft  für  Kladno  und  Rappitz,  Böhmen.  Steinkohle. 

63)  14.  December.  2 Kisten,  287  Pfund.  Von  der  fürstl.  J.  A.  Schwar- 
ze nberg’schen  Bergverwaltung  in  Posteiberg,  Böhmen.  Braunkohle  und  Stein- 
kohle. 

64)  16.  December.  1 Kiste,  34  Pfund.  Von  Herrn  Julian  Hecker, 
Myszyn,  Kolomea,  Galizien.  Braunkohle. 

66)  16.  December.  1 Kiste,  110  Pfund.  Von  Herrn  Georg  Grafen  v.  Thum 
Valsassina,  Streiteben,  Kärnthen.  Braunkohle. 

66)  17.  December.  1 Kiste,  66  Pfund.  Von  Herrn  Anton  Riegel,  Fünf- 
kirchen, Ungarn.  Presskohle. 

67)  19.  December.  1 Kiste,  60  Pfund.  Vom  Herrn  Franz  Schuscha 
Buchberg  hei  Cilli,  Steiermark.  Braunkohle. 

68)  19.  December.  1 Kiste,  88  Pfund.  Vom  k.  k.  Bergamte  in  Bruck, 
Steiermark. 

69)  19.  December.  1 Kiste,  ös/4  Pfund.  Von  Herrn  Georg  Grafen 
v.  Buquoi,  Gratzen,  Böhmen.  Torf. 

60)  20.  December.  1 Kiste,  2 Pfund.  Von  Herrn  Al  brecht  und  Seifert 
in  Wilkischen,  Böhmen.  Steinkohle. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band.  1861  und  1862.  II.  Heft. 


39 


304  Verzeichntes  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w 


61)  20.  December.  1 Kiste,  96  Pfund.  Von  der  Gewerkschaft  zu  Sales!, 
Böhmen.  Braunkohle. 

62)  20.  December.  1 Kiste,  162  Pfund.  Von  der  Adam  Graf  P otocki’schen 
Berginspection  zu  Krzeszowice,  Krakau.  Steinkohle. 

63)  20.  December.  1 Kiste,  39  Pfund.  Von  dem  Bitter  v.  W a ehtler'schen 
Eisenwerke  in  Fröschnitz,  Steiermark.  Braunkohle. 

64)  20.  December.  1 Kiste,  15  Pfund.  Von  der  erzherzoglich  technischen 
Gewerks-Verwaltung  in  Ungarisch-Altenburg,  Ungarn.  Torf. 

65)  20.  December.  1 Kiste,  30  Pfund.  Von  der  Graf  Blae as  d'Aulps- 
schen  Gutsverwaltung  zu  Kirchberg  am  Wald,  Österreich.  Torf. 

66)  20.  December.  1 Kiste,  54  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  X.  Satter,  Voits- 
berg,  Steiermark.  Braunkohle. 

67)  21.  December.  1 Kiste,  76  Pfund.  Von  Herrn  Heinrich  Dräsche, 
Reichenburg,  Steiermark.  Braunkohle. 

68)  21.  December.  1 Kiste,  57  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berg-  und  Hütten- 
verwaltung, Kastengstatt,  Tirol.  Braunkohle  (Häring). 

69)  21.  December.  1 Kiste,  48  Pfund.  Von  Herrn  Karl  Schwengel-  in 
Bregenz,  Lindau,  Vorarlberg.  Braunkohle. 

70)  23.  December.  2 Kisten,  347  Pfund.  Von  dem  F.  Jahn  Eschen  Berg- 
werke in  Miröschau,  Böhmen.  Steinkohle. 

71)  23.  December.  1 Kiste,  470  Pfund.  Von  den  Werken  Seiner 
Majestät  des  Kaisers  Ferdinand  durch  Herrn  K.  Har  tisch  in  Bustiehrad, 
Rappitz.  Böhmen.  Steinkohle. 

72)  24.  December.  2 Kisten,  221  Pfund.  Von  der  Graf  Henkel  v.  Don- 
ners m a rk’schen  Bergverwaltung  in  Sillweg,  Steiermark.  Braunkohle. 

73)  24.  December.  1 Kiste,  96  Pfund.  Von  Herrn  Anton  Fischer  in 
St.  Aegyd,  Österreich.  Steinkohle  (Loich,  Tradigist  u.  s.  w.). 

74)  24.  December.  1 Kiste,  77  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  Güdl  in  Schauer- 
leiten, Wiener -Neustadt,  Österreich.  Braunkohle. 

75)  28.  December.  1 Kiste,  90  Pfund.  Von  der  Wolffsegg-Traunthaler 
Actiengesellsehaft,  Österreich.  Braunkohle. 

76)  31.  December.  1 Kiste,  28  Pfund.  Von  Herrn  Alexius  Han,  Ökonomie- 
Beamten,  Pusta-Banhäza,  Szabolcs,  Ungarn.  Torf. 

77)  31.  December.  1 Kiste,  66  Pfund.  Von  Polnisch-Ostrau  (Jos.  Zwier- 
zina’s  Erben),  Mähren.  Steinkohle. 

1862.  1)  3.  Jänner.  1 Kiste,  290  Pfund.  Von  Herren  Reyer  und 
Schlick.  Steinkohle  (Grünbach  u.  s.  w.  Wiener-Neustadt,  Oesterreich). 

2)  3.  Jänner.  1 Kiste,  80  Pfund.  Von  dem  k.  k.  Bergamte  in  Fohnsdorf, 
Steiermark.  Braunkohle. 

3)  4.  Jänner.  1 Kiste,  50  Pfund.  Von  Frau  Anna  Oesterlein,  Lilienfeld, 
Oesterreich.  Steinkohle. 

4)  6.  Jänner.  1 Packet,  5 Pfund.  Von  Herrn  Ritter  v.  Mertens,  Salzburg. 

Torf. 

5)  7.  Jänner.  4 Kisten,  305  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft, 
Laibach.  Braunkohle. 

6)  7.  Jänner.  1 Kiste,  41/a  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft, 
Laibach.  Torf. 

7)  8.  Jänner.  2 Kisten,  245  Pfund.  Von  dem  k.  k.  Bergamt  Jaworzno, 
Krakau.  Steinkohle. 

8)  9.  Jänner.  1 Kiste,  350  Pfund.  Von  Herrn  J.  D.  Popovic  in  Pozega. 
Braunkohle. 


Verzeichnis  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  305 


9)  9.  Jänner.  1 Kiste,  285  Pfund.  Von  Herrn  Adalbert  Schupansky, 
Rakonitz,  Böhmen.  Steinkohle. 

10)  10.  Jänner.  4 Kisten,  250  Pfund.  Von  der  k.  k.  pr.  österreichischen 
Staatsbahn-Gesellschaft,  Steierdorf,  Banat.  Steinkohle. 

11)  13.  Jänner.  1 Kiste,  48  Pfund.  Von  Herrn  Ludwig  Mieg  in  Pirken- 
hammer  bei  Karlsbad,  Böhmen.  Braunkohle  von  Ottowitz  des  Herrn  K.  Kn  oll. 

12)  13.  Jänner.  1 Kiste,  80  Pfund.  Von  der  fürstl.  Schwarzenberg- 
schen  Werksdirection.  Murau,  Steiermark.  Anthraeit. 

13)  15.  Jänner.  1 Kiste,  58  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft, 
Lemberg.  Galizien. 

14)  17.  Jänner.  1 Kiste,  68  Pfund.  Von  dem  Werke  bei  Siverich  am 
Monte  Promina,  Dalmatien.  Braunkohle. 

15)  23.  Jänner.  1 Kiste,  260  Pfund.  Von  der  Bergdirection  zu  Kladno, 
Böhmen,  Steinkohle. 

16)  31.  Jänner.  1 Kiste,  207  Pfund.  Von  der  Bergverwaltung  der  k.  k. 
pr.  Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft  in  Fünfkirchen.  Ungarn.  Steinkohle. 

17)  5.  März.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  G.  Mayerhofer  in  Gratz, 
Steiermark.  Braunkohlen  (von  Tregist  bei  Voitsberg). 

18)  11.  März.  1 Kiste,  123  Pfund.  Von  der  k.  k.  priv.  österreichischen 
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft.  Oravitza,  Banat.  Steinkohle. 

19)  12.  März.  Ohne  Verpackung  abgeliefert,  etwa  120  Pfund.  Von  Herrn 
Heinrich  Dräsche.  Braunkohle  von  Gloggnitz,  Leoben,  Steinkohle  von  Szasz 
u.  s.  w. 

20)  1.  April.  1 Kiste,  84  Pfund.  Von  Herrn  Anaklet  Ritter  v.  Oroscheny- 
Bohdanowicz,  Czernowitz,  Bukowina.  Braunkohle. 

Mehrere  der  in  dem  Verzeichnisse  für  die  Londoner  Ausstellung  selbst  auf- 
geführten Bergwerksunternehmungen  erscheinen  hier  nicht  namentlich,  da  sie 
zum  Theil  mit  anderen  unter  einer  gemeinschaftlichen  Sendung  ankamen. 


39 


306  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstait  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


VI.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

Vom  1.  Jänner  bis  15.  April  1862. 

Agram.  K.  k.  Ackerbau-Gesellschaft.  Gospodarski  List.  Jahrg.  1 861 . 

Amsterdam.  K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Verhandelingen  IX,  1861.  — 
Verslagen  en  Mededeelingen  XI,  XII,  1861.  — Jaarboek  1860. 

Bamberg.  Naturforschende  Gesellschaft.  Fünfter  Bericht  für  das  Jahr  1860  61. 

Barrande , Joachim,  in  Prag.  Defense  des  Colonies.  II.  Incompatibilite  entre  le  Systeme 
des  Plis  et  la  realite  des  faits  materiels.  Prague  1862. 

Basel.  Naturforschende  Gesellschaft.  Verhandlungen  III,  1,  2,  1861. 

Batavia.  Naturforschende  Gesellschaft.  Natuurkundige  Tijdschrift  voor  Neder- 
landesch  Indie.  XXII.  und  XXIII.  Theil  (V.  Ser.  T.  II,  3-6;  III,  1 3),  1860,  1861. 

Berlin.  K.  Handelsministerium.  Zeitschrift  für  das  Berg-  und  Salinenwesen  in  dem 
preussischen  Staate.  IX.  Bd.,  4.  Lief.  1861.  — Die  hauliehen  Anlagen  auf  den  Berg-, 
Hütten-  und  Salinenwerken  in  Preussen.  I.  Jahrg.,  2.  Lief.  Berlin  1861. 

„ K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Monatsberichte  1860,  1861. — Register  für 
die  Monatsberichte  vom  Jahre  1836  — 1838.  Berlin  1860. 

„ Deutsche  geologische  Gesellschaft.  Zeitschrift.  XIII.  Bd.,  2. — 3.  Heft,  1861. 

„ Gesellschaft  für  Erdkunde.  Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde  IX,  5 — 6 de 
1860;  X de  1861;  XI,  1—6  de  1861. 

„ Physikalische  Gesellschaft.  Die  Fortschritte  der  Physik  im  Jahre  1859.  Berlin 
1861. 

Bologna.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memorie  VIII ; IX;  X,  1,  1858/60.  — 
Rendiconto  delle  sessioni  1857/58,  1858/59. 

Bonn.  Naturhistori scher  Verein.  Verhandlungen.  XVIII.  Jahrg.,  1.,  2.  Hälfte,  1861. 

Boston.  Public  Library.  Index  to  the  catalogue  of  Books  in  the  upper  Hall.  1861. 

Breslau.  Schles.  Verein  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Wochenschrift  1861, 
Nr.  52  und  Schluss. 

Bronn,  Dr.  H.  G.,  Hofrath,  Professor  in  Heidelberg.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  u.  s.  w. 
m Jahrg.  1861,  Heft  VI;  1862,  Nr.  1. 

Brünn.  K.  k.  m ä hr. -schles.  Gesellschaft  für  Ackerbau  u.  s.  w.  Mittheilungen 
1861,  Nr.  52;  1862,  Nr.  1—14. 

v.  Cotta,  B.,  Professor  an  der  k.  Bergakademie  in  Freiberg.  Gangstudien  oder  Beiträge  zur 
Kenntniss  der  Erzgänge.  IV,  1.  Freiberg  1862.  — Die  Erzlagerstätten  Ungarns  und 
Siebenbürgens.  Beschrieben  von  B.  v.  Cotta  und  Ed.  v.  Feilenberg.  Freiberg  1862. 

Danzig.  Naturforschende  Gesellschaft.  Neueste  Schriften.  VI.  Bd.,  4.  Heft,  1862. 
— Clavis  dilleniana  ad  hortum  Elthamensem  von  E.  F.  Kl  insmann.  Danzig  1856. 

Dresden.  K.  polytechnische  Schule.  Programm  zu  den  am  7. — 9.  April  1862  zu 
haltenden  Prüfungen. 

„ Naturwissenschaftliche  G esel  lschaft  „Isis“.  Sitzungsberichte.  Jahrg.  1861. 

Dublin.  Geologieal  Society.  Journal.  Vol.  9,  Parti,  1860/61.  — On  the  natural 
constants  of  the  healthy  Urine  of  Man  and  a theory  of  Work  founded  thereon.  By  Rev. 
Sam.  Haughton.  Dublin  1860.  — Short  account  of  experiments  made  at  Dublin  to 
determine  the  azimuthal  motion  of  the  Plane  of  Vibration  of  a freely  suspended  pen- 
dulum.  By  Rev. Sam.  Haughton.  Dublin  1851.  — On  the  Reflexion  of  the  polarized  light, 
from  the  surface  of  transparent  bodies.  By  Rev.  Sam.  Haughton.  Dublin  1853.  — On 
some  new  Laws  of  reflexion  of  polarized  light.  By  R.  Sam.  Haughton.  Dublin  1854.  — 
On  the  solar  and  lunal  diurnal  tides  of  the  coast  of  Ireland.  By  Rev.  Sam.  Haughton. 
Dublin  1854.  — The  tides  of  Dublin  Bay  and  the  buttle  of  Clontarf.  23.  Apr.  1014.  By 
Rev.  Sam.  Haughton.  Dublin  1861. 

Edinburgh.  Royal  Society.  Transactions.  Vol.  22,  Part  3,  Sess.  1860  61.  — Procee- 
dings.  Sess.  1860/61. 

Erdmann,  O.  L.,  Professor  in  Leipzig.  Journal  für  praktische  Chemie.  84.  Bd.,  3. — 6.  Heft, 
1861,  Nr.  19—22;  Bd.  85,  Heft  1—2,  Nr.  1-2. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  307 


St*  Etienne.  Societe  de  l’industrie  minerale.  Bulletin.  T.  VI,  Livr.  4,  Avril  — 
Juin,  1861. 

Ettingshausen,  Dr.  Const.  Ritter  v.  Ueber  die  Entdeckung  des  neuholländischen  Charak- 
ters der  Eocenflora  Europa’ s und  über  die  Anwendung  des  Naturselbstdruckes  u.  s.  w. 
Wien  1862. 

Frankfurt  a.  M.  Senkenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  Abhand- 
lung. IV.  Bd.,  1.  Lief.,  1862. 

„ Physikalischer  Verein.  Jahresbericht  für  das  Rechnungsjahr  1860/61. 

Freiberg.  K.  Bergoberamt.  Jahrbuch  für  den  Berg-  und  Hüttenmann  auf  1862. 

„ Bergmännischer  Verein.  Verhandlungen.  Nr.  1,  8,  11,  von  1862. 

Gotha*  J.  Perthes’  geographische  Anstalt.  Mittheilungen  über  wichtige  neue  Er- 
forschungen auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Petermann.  1861, 
Heft  12;  1862,  Nr.  1 — 2;  Ergänzungsheft  Nr.  7. 

Göttingen.  K.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Nachrichten  von  der  Georg 
August  Universität  und  der  k.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Vom  Jahre  1861. 

Gratz*  K.  k.  steierm.  Lan  d w irt  h s c haft  s-Ge  s eil  sch  aft.  Wochenblatt.  XI.  Jahrg., 
1861/62,  Nr.  5—12. 

„ G eo  gn  os  tisch -mont  anis  ti  s ch  e r Verein.  11.  Bericht  für  1861. 

Haag*  K.  niederländische  Regierung.  Geologische  Karte  des  Königreiches  der 
Niederlande.  Section  15.  Veluwe. 

Hannover*  Architekten-  und  Ingenieur-Verein.  Zeitschrift.  Bd.  VII,  Heft  4,  1861. 

„ Gewerbe  verei  n.  Mittheilungen  1861,  Hefte  5,  6.  — Monatsblatt  1861,  Nr.  9 — 12; 

^ 1862,  Nr.  1. 

Heidelberg.  Grossherz.  Universität.  Heidelberger  Jahrbücher  der  Literatur. 
XI.  Heft,  1861. 

Karrer,  Felix,  in  Wien.  Ueber  das  Auftreten  der  Foraminiferen  in  dem  marinen  Tegel  des 
Wiener  Beckens  Wien  1861. 

Kästner,  Leopold,  Expeditor  der  Creditanstalt  in  Wien.  Führer  für  Reisende  auf  Eisen- 
bahnen und  Dampfschiffen  in  Oesterreich  u.  s.  w.  Juli,  November  und  December  1861; 
Jänner  bis  März  1862. 

Kerl,  Bruno,  k.  hannoverischer  Bergamts-Assessor,  Lehrer  u.  s.  w.  Clausthal.  Leitfaden  bei 
qualitativen  und  quantitativen  Löthrohr-Untersuchungen  u.  s.  w.  2.  umgearbeitete  Auf- 
lage. Clausthal  1862. 

Köln.  Red  action  der  Zeitung  für  Berg-,  Hüttenwesen  und  Industrie.  Der 
„Berggeist«.  18hl,  Nr.  102— 1Ö4;  1862,  Nr.  1—29. 

Königsberg.  K.  Universität.  Amtliches  Verzeichniss  des  Personals  und  der  Studiren- 
den  für  den  Sommersemester  1861  und  den  Wintersemester  1861/62.  — Verzeichniss 
der  in  den  Jahren  1861/62  zu  haltenden  Vorlesungen.  — De  non  periodica  mutatione 
caloris  terrae.  Diss.  auct.  Lud.  Saalschuetz.  — Quaestionum  epigraphicarum  de  Pro- 
curatoribus  Imperatorum  romanorum  specimen.  Diss.  auct.  0.  Eichhorst.  — De 
Arthroxerosi  coxae.  Diss.  auct.  0.  J.  Schwanbeck.  — Qui  sint  ingenuitate  sibi  com- 
pares  jure  speculi  saxonici?  Diss.  auct.  F.  de  Martitz.  — Quaestiones  Sallustianae. 
Diss.  auct.  Fr.  Gruendel.  — De  disciplinae  speculativae  initio.  Diss.  auct.  C.  Rothe. 
— De  abietinarum  Carr.  floris  feminei  structura  morphologica.  Diss.  auct.  Dr.  Rob. 
Caspary.  — Experimenta  et  disquisitiones  anatomicae  de  artificiosa  formatione  tex- 
turae  osseae,  transplantatione  periostei  effecta.  Diss.  auct.  Rud.  Schneider.  — 
Disquisitiones  histologicae  de  evolutione  cartilaginis.  Diss.  auct.  Jos.  Krieger.  — 
De  stoicismo  Marci  Antonini.  Diss.  auct.  M.  Koenigsbeck.  — De  hypertrophia 
cerebri.  Diss.  auct.  J.  Ant.  Ski  er  lo.  — De  echinococco  hominum  in  hepate.  Diss.  auct. 
,1.  Hirsch.  — De  morbo  malleari  hominum.  Diss.  auct.  J.  Laudon.  — De  periostei 
transplantationibus.  Diss.  auct.  Rein.  Buchholz.  — De  resectionis  cubiti  casibus  sex. 
Diss.  auct.  J.  Bludau.  — De  bellis  Francorum  cum  Arabibus  gestis  usque  ad  obitum 
Karoli  M.  Diss.  auct.  R.  Dorr.  — De  carcinomate  pulmonis.  Diss.  auct.  Gust. 
Crueger.  — De  generatione  ossium  novorum  ex  periosteo  in  operationibus  ehirurgorum 
adhibita.  Diss.  auct.  C.  Johann.  Seydel.  — De  polypis  narium  fauciumque  et  antri 
Higmori  eorumque  exstirpatione,  resecto  processu  nasali  maxillae  superioris.  Diss.  auct. 
J.  Ah  Huethe.  — De  hydrocephalo  acuto  sanando.  Diss.  auct.  S.  Blumenthal.  — 
De  charactere  "indelebili , qui  ex  Romano-catholica  ecclesiae  doctrina  in  ordinis  sacra- 
mento  in  anima  imprimitur.  Diss.  auct.  L.  Thiele.  — De  anecdoctis  Procopii  caesari- 
ensis.  Diss.  auct.  H.  Eckardt.  — De  carcinomate  bulbi.  Diss.  auct.  Ad  E.  0.  Weise. 
— De  Arminii  Reimari  philosophumenis  specimen  Diss.  auct.  Gaedecke.  — De 
Wolframiatibus.  Diss.  auct.  C.  R.  G.  Scheibler.  — De  Enterobreosi.  Diss.  auct. 
E.  Katerbau. 

Königsberg.  K.  phys. -Ökonom.  Gesellschaft.  Schriften.  II.  Jahrg.,  1861,  1.  Abth. 

Kopenhagen.  K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Oversigt.  1860. 


308  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Luten  u.  s.  w. 


Kronstadt,  Handelskammer.  Protokoll  der  ersten  Sitzung  am  9.  und  19.  Jänner  1862 

London«  R.  Geographical  Society.  Proceedings.  Vol.  V,  P.  5,  1861. 

„ Geological  Society.  The  Quarterlv  Journal.  Vol.  XVII,  P.  4,  Nr.  68,  Nov.  1861. 

„ Zoological  Society.  The  Proceedings  of  the  scientific  Meetings  1861.  P.  2, 
March  — June. 

Loosey,  Karl,  k.  k.  Generalconsul  in  New-York.  Bulletin  of  the  Americ.  Ethnological 
Society.  Vol.  I,  New-York  1861.  — The  amer.  Journal  of  Science  and  arts.  Nr.  95 — 97, 
New-Haven  1861.  — Journal  of  the  Franklin  Institute.  July  — December  1861. 

Ludwig,  Rudolph,  Director  in  Darmstadt.  Geogenische  und  geognostische  Studien  auf 
einer  Reise  durch  Russland  und  den  Ural.  Darmstadt  1862.  — Calamitenfrüchte  aus  dem 
Spatheisensteine  bei  Hattingen  an  der  Ruhr  (1862).  — Zur  Paläontologie  des  Urals  (1862). 

Lüttich«  Kön.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  XVI,  1861. 

Mailand«  Kön.  Institut  der  Wissenschaften.  Memorie.  VIII  (II.  Ser.  II),  f.  6,  1861. 

„ Societä  italiana  di  scienze  naturali.  Atti.  Vol.  III,  f.  3 — 4,  Nr.  10 — 11,  1861. 

Manz,  Friedrich,  Buchhändler  in  Wien.  Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hütten- 
wesen. 1861,  Nr.  52;  1862,  Nr.  1-15. 

Melbourne«  Redaction  des  Colonial  Mining  Journal.  1861,  Vol.  IV,  Nr.  2,  3. 

Moskau«  Kais,  naturforschende  Gesellschaft.  Bulletin.  Nr.  3,  1861. 

Mühlhausen«  Societe  industrielle.  Bulletin.  1861,  December;  1862,  Jänner  bis 
März. 

München.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Sitzungsberichte.  1861,  I,  5: 
II,  1.  — Moleculäre  Vorgänge  in  der  Nervensubstanz.  IV.  Abh.  Von  Prof.  Dr.  Emil 
Harless.  München  1860.  — Maassbestimmung  der  Polarisation  durch  das  physiolo- 
gische Rheoskop  von  Prof.  Dr.  E.  Harless.  München  1861.  — Untersuchungen  über 
die  Arterien  der  Verdauungswerkzeuge  der  Saurier.  Von  Dr.  Heinr.  Rathke.  München 

1861.  — Neue  Beiträge  zur  Kenntniss  der  urweltlichen  Fauna  des  lithographischen 
Schiefers.  Von  Dr.  A.  Wagner.  II.  Abth.,  München  1861.  — Denkrede  auf  G.  H. 
v.  Schubert.  — Rede  zur  Vorfeier  des  102.  Stiftungstages  u.  s.  w.  — Verzeichniss 
der  Mitglieder.  1860. 

Mancy«  Academie  de  Stanislas.  Memoires.  1860,  T.  I,  II. 

Nürnberg.  Naturhistorische  Gesellschaft.  Abhandlungen.  II.  Bd.,  1861. 

Omboni,  Dr.  Johann,  Professor  in  Mailand.  I ghiacciaj  antichi  e il  terreno  erratico  di  Lom- 
bardia.  1861.  — Bibliografia.  Gastaldi:  epoca  glaciale  miocenica.  1861. 

Palermo«  Societä  d’acclimazione.  Atti.  1861/62.  Vol.  I,  No.  6 — 8;  Vol.  II,  No.  1. 

Paris«  Ecole  imp.  des  mines.  Annales  des  mines.  Ser.  V,  T.  XX,  Livr.  5 de  1861. 

„ Societe  geologique  de  France.  Bulletin.  T.  XIX,  f.  1 — 13.  (4.  Nov. — 16.  Dec. 
1861.) 

Pest«  Kön.  ung.  Akademie  derWiss ensch aft en.  A Magy.  Tudöni.  Tärsagag  Erköny- 
vei.  I — X,  1833/61.  — Utasitäs  meteorologiai  eszleletekre.  Kidolgozta  Sztoczek  Jos. 
Pest  1861.  — Mathematica  Pälyamunkäk.  I Köt.  Budan  1844.  — Törtenettudomänyi 
Pälyamunkäk.  II  Köt.  1842.  — Magyar  Leveies  Tär.  A regibb  magyar  közelet,  erköl- 
csök,  törtenet  es  nyelv  ismeretenek  elömozdiläsäva  kiadja  a mag.  tudom.  akad.  törtenelmi 
bizottmänya.  I Köt.  Pest  1861.  — Magyar  Törtenelmi  Tav.  I — VIII,  1856/61.  — Monu- 
menta  Hungariae  historica.  Mag.  törtenelmi  emlekek.  Elsö  osztäly:  okmanytarak  I — VII, 
1857/61;  — Mäsodik  osztäly:  irok  I — VI,  1857/60;  IX,  1861.  — Ä Moldvai  magyar 
Telepekvöl  P.  Gegö  Elek.  Budan  1838.  — Magy.  Akademiai  ertesetö.  A nyelv  — es 
szeptudomänyi  — osztäly  közlönye  I,  1860;  — a philosophical  törveny  — es  törtenet- 
tudomänyi  osztälyok  közlönye  I — IV,  1860;  — uj  folyam  a mathematikai  es  termeszettu- 
domanyi  osztäyok  közlönye  I,  1859.  — Mathematikai  s termeszettudomänyi  közlemenyek 
vonatkozolag  a hazac  viszonyokra.  I,  1861.  — Az  orszägos  tanäcs  es  orszäggyülesek 
törtenete  1445 — 1452.  A.M.  Akad.  szekfoglalölag  elvadt  a Knauz  Nändor. Pest  1859.  — 
De  tabulis  ceratis  in  Transsilvania  repertis.  Erdelyben  talalt  viaszos  lapok.  A magy. 
Aead.  Ebbe  terjesztette  Dr.  Erdy  Jänos.  1856.  — Magyar  Läszlö  Delafrikai  levelei  es 
naplökivonatai.  Kiadta  H unfal  vy  J.  1857.  — Ma  gy  ar  Läszlö  Delafrikai  utazäsai  1849 
— 1857  evekben.  Ellätta  Hunfalvy  J.  I.  Köt.  1859.  — A magyar  nyel  vendszerre. 
Budan  1847.  — Hunyadi  Jänos  Utolsö  hadjärata  bolgär  — es  szerborszägban  1454  — 
ben,  es  nandorfejervar  fölmentese  a török  taboritästöl  1456  etc.  Pest  1857.  — Archaeo- 
logiai  közlemenyek.  1,  1859.  — Statistikai  köszlemenyek.  I,  1,  2;  II,  1861. 

Prag.  K.  k.  Sternwarte.  Magnetische  und  meteorologische  Beobachtungen  zu  Prag. 
XXII.  Jahrg.,  vom  1.  Jänner  bis  31.  December  1861.  Prag  1862. 

„ Naturhistorischer  Verein  „Lotos“,  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften.  Sep- 
tember bis  December  1861;  Jänner  bis  März  1862. 

„ K.  k.  patriot.  Ökonom.  Gesellschaft.  Centralblatt  für  die  gesammte  Landes- 
cultur  und  — Wochenblatt  der  Land-,  Forst-  und  Hauswirthschaft.  1861 , Nr.  51 — 52; 

1862,  Nr.  1—14. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  309 


Prag’.  Central-Comite  für  die  land-  und  forstwirthschaftliehe  Statistik 
Böhmens.  Tafeln  zur  Statistik  der  Land-  und  Forstwirtschaft  des  Königreiches 
Böhmen.  I.  Bd.,  1.  Heft,  Prag  1861. 

St.  Quentin.  Societe  academique.  Travaux  de  1858  a 1859.  T.  II,  Ser,  III,  1860,  — 
Fahles  et  poesies  par  J.  Here.  Paris  1860. 

Ravenstein.  August,  Besitzer  der  geographischen  Anstalt  in  Frankfurt  a.  M.  Plan  von 
Frankfurt  am  Main  in  9 Blättern. 

Regensburg.  Zoologisch-mineralogischerVerein.  Correspondenzblatt.  15.  Jahrg., 
1861. 

Rostock.  Mecklenb.  patriot.  Verein.  Landwirthsehaftliche  Annalen.  1862,  Nr.  1 — 8. 

Saalfeld.  Realschule.  Programm  für  1862.  — Zu  einer  Weihnachtsgabe  für  arme 
Schulkinder  unserer  Stadt.  (Die  nutzbaren  Mineralien  Saalfelds.)  Saalfeld  1861. 

Staring.  Dr.  W.  C.  H.,  Secretär  der  Commission  zur  geologischen  Durchforschung  der 
Niederlande,  in  Haarlem.  Geologische  Karte  der  Niederlande.  Section  Veluwe.  — 
Notice  sur  les  restes  du  Mosasaurus  et  de  la  Tortue  de  Maastricht  etc.  Amsterdam 
1862.  — Bekroonde  Antwoorden  op  de  Namens  den  Koning  uitgeschreven  prijsvraag, 
betreffende  den  Aanleg  van  vlugtheuvels.  ’s  Gravenhagen  1862. 

Stockholm.  K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Ofversigt.  17.  Jahrg.,  1860.  — 
Handlingar.  III.  ßd.,  1.  Heft,  1859.  — K.  Sv.  Fregatten  Eugenies  Resa  Omkring  Jorden 
u.  s.  w.  Heft.  8 — 11. 

Trautschold , H.,  in  Moskau.  Der  Moskauer  Jura,  verglichen  mit  dem  Westeuropäischen. 
Berlin  1861. 

Triest.  K.  k.  hydrographische  Anstalt.  Almanach  der  österreichischen  Kriegsmarine 
für  das  Jahr  1862.  Wien. 

Utrecht.  K ö n.  meteorologisches  Institut.  Meteorologische  Waarnemingen  in 
Nederland  en  zijne  Bezittingen  etc.  1859.  — Sur  la  march'e  annuelle  du  thermometre 
et  du  barometre  en  Nierlande  et  en  divers  lieux  de  l’Europe,  deduite  d’observations 
simultanees  de  1849  a 1859  par  C.  H.  D.  Buys-Ballot.  Amsterdam  1861. 

Venedig.  K.  k.  Institut  der  Wissenschaften.  Atti.  Ser.  III,  T.  VII,  1861/62,  disp. 
1—14.  — Memorie.  X,  1,  1861. 

Villa 4 Anton  und  Johann  Baptist,  in  Mailand.  Sülle  conchiglie  terrestri  e fluviali  raccolte 
dal  Prof.  Bellardi  nell’  Oriente  e su  quelle  raccolte  dal  Prof.  Roth  in  Palestina, 
illustrate  dal  Prof.  Mousson.  Milano  1862. 

Vogel,  Joseph,  Med.  Dr.,  k.  k.  Badearzt,  in  Vöslau.  Das  Sophienbad  des  Franz  Mora  wetz 
in  Wien.  1849.  — Die  trockenen,  kohlensauren  Gasbäder  zu  Kaiser  Franzensbad.  Wien 
1847.  — Die  Heilquellen  von  Vöslau.  Wien  1854.  — Constitutio  epidemica  morborum 
anni  1834  in  C.  R.  nosocomio  universali  viennensi.  Vindobona  1860. 

Wien.  Hohes  k.  k.  Staats-Ministerium.  Reichsgesetzblatt.  1861,  St.  51 — 52,  Titel 
und  Index;  1862,  St.  1 — 11.  — Austria,  Wochenschrift  für  Volkswirthschaft  etc.  1861, 
Heft  51-52;  1862,  Nr.  1—15. 

„ K.  k.  Central-Anstalt  fürMeteorologie  und  Erdmagnetismus.  Uebersichten 
der  Witterung  in  Oesterreich  und  einigen  auswärtigen  Stationen  im  Jahre  1860.  Wien 
1861. 

„ K ais.  A ka de mi e der  Wissenschaften.  Denkschriften.  Mathem.-naturw.  Classe. 
XX,  1862.  — Sitzungsberichte,  math.-naturw.  Classe.  1861,  XLIV.  Bd. , 3. — 5.  Heft, 
1.  und  2.  Abth.  — Sitzungsberichte,  philos. -hist.  Classe.  XXXVIII.  Bd.,  Hft.  1 — 2 von  1861. 
— Register  zu  den  Bänden  31 — 42  der  Sitzungsberichte  der  math.-naturw.  CI.  IV,  1862. 

„ Do  ctor  en -Co  II  egium  d er  m edicinis  chen  Facultät.  Oesterr.  Zeitschrift  für 
praktische  Heilkunde.  1861,  Nr.  52;  1862,  1 — 15. 

„ Direction  der  k.  k.  pr.  österr.  Staat  s -Eis  en  b a hn- Ge  s e 1 1 s c h aft.  Geogno- 
stische  Karte  der  Banater  Domäne  enthaltend  den  vormaligen  k.  k.  ärar.  Montancomplex, 
nebst  den  Staatsherrschaften  Oravicza  und  Begschau.  1860.  9 Blätter. 

„ K.  k.  Lan  d wi  rth  Schafts -Gese  1 1s  chaft.  AUgem.  land-  und  forstwirthschaftliehe 
Zeitung.  1862,  Nr.  1—11. 

„ Oesterr.  Ingenieur -Verein.  Zeitschrift.  1861,  XIII.  Jahrg.,  Hft.  11, 12;  XIV.  Jahrg., 
1862,  Heft  1,  2. 

„ Gewerbe- Verein.  Verhandlungen  und  Mittheilungen.  1861,  Heft  11  und  12;  1862, 
Heft  1—3. 

„ Redaction  der  österr.  militärischen  Zeitschrift.  II.  Jahrg.,  2.  Bd.,  3.  Lief. 
1861;  III.  Jahrg.,  1862,  I.  Bd.,  1.— 2.,  4.-7.  Lief. 

Wiirzburg.  Medicin.  Phy sic.  Gesellschaft.  Naturwissenschaft!.  Zeitschrift.  II,  2, 
1861.  — Medicinische  Zeitschrift.  II,  5,  6,  1861. 

„ Landwirtschaftlicher  Verein.  Gemeinnützige  Wochenschrift.  Nr.  40  — 52 
von  1861. 


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JAHRBUCH 

DER 

KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 

GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 

NR0  3.  MAI.  JUNI.  JULI.  AUGUST.  1862. 


WIEN. 

AUS  DER  K.  K.  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREU 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


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III.  Heft. 


12.  Band.  1861  u.1862.  JAHRBUCH 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von 

Unter-Steiermark. 

Von  Theobald  v.  Zollikofer. 

Mit  1 lithographirten  Tafel. 

Zur  Veröffentlichung  mitgetheilt  von  der  Direction  des  geognostisch-montanistischen  Vereines  für  Steiermark. 


Einleitung. 

Die  im  Sommer  1859  ausgeführten  geologischen  Untersuchungen  der 
Steiermark  schliessen  sich  den  früher  gemachten  im  Süden  und  Osten  an  und 
umfassen  die  südliche  Hälfte  der  Section  XXIII  der  General-Quartierrneister- 
stabs-Karte,  so  wie  den  auf  Steiermark  entfallenden  Theil  der  Sectionen  XXVI 
und  XXVII.  Dadurch  ist  nicht  nur  die  Aufnahme  des  Savegebietes,  so  weit  es 
hieher  gehört,  zum  Abschluss  gekommen,  sondern  auch  diejenige  der  südlichen 
Nebenzone  der  Ostalpen  überhaupt,  indem  nur  noch  die  Südostspitze  Steiermarks 
zum  Ganzen  fehlte. 

Das  näher  zu  betrachtende  Begehungsgebiet  ist  folgendermaassen  abge- 
grenzt: im  Norden  durch  den  Drau-Save-Zug  von  der  Gonobitzer  Gora  bis  zum 
Matzeigebirge  an  der  croatischen  Grenze,  im  Osten  durch  den  8 Meilen  langen 
Sottlafluss , der  zugleich  die  Landesgrenze  gegen  Croatien  hin  bildet,  im 
Süden  durch  die  Save  von  Steinbrück  bis  Rann,  endlich  im  Westen,  wenn  man 
einen  kleinen  Theil  der  Section  XXII  mit  hineinzieht,  durch  die  von  NNO.  nach 
SSW.  verlaufende  Querspalte,  in  welcher  der  Engbach  in  die  Kötting,  diese  in 
die  Sann,  und  diese  endlich  in  die  Save  fliesst.  Es  ist  ein  Viereck,  dessen  Ecken 
durch  die  Ortschaften  Sternstein,  Rohitsch,  Rann  und  Steinbrück  annähernd 
bezeichnet  werden,  rnit  einem  Flächeninhalt  von  22 ya  Quadratmeilen.  Davon 
kommen: 

auf  das  Flussgebiet  der  Sann  (östlich  der  Linie  Sternberg- 

Steinbrück) S1/^  Quadratmeilen. 

„ „ „ „ Sottla  (steierischer  Antheil)  . . . 81/*  „ 

„ „ unmittelbare  Flussgebiet  der  Save  zwischen  Stein- 
brück und  Rann 6 „ 

Diese  Landesparcelle  war  bisher  in  geologischer  Beziehung  noch  so  gut 
wie  unbekannt.  Ausser  den  kurzen  Angaben,  die  v.  Morlot  über  seine  Streif- 
züge in  dieser  Gegend  in  dem  zweiten  Jahresberichte  des  steiermärkischen 
geognostisch-montanistischen  Vereines  und  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  (1850,  Heft  II,  Seite  347)  niedergelegt  hat,  und  einigen  Mit- 
theilungen Prof.  Unger’s  aus  den  Umgebungen  von  Rohitsch  standen  uns  keine 
Quellen  zu  Gebote.  Ferner  ist  die  Gegend  nur  spärlich  durch  Bergbau  auf- 
geschlossen, welche  die  Einsicht  in  ihre  geognostischen  Verhältnisse  erleichtern 
könnten,  da  von  vielen  Versuchsbauen  nur  wenige  mehr  bestehen.  Der  Auf- 

K.  k.  geolog-iaehe  Reieksanstafl.  i2.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft.  40 


312 


Theobald  v.  Zoliikofer. 


PJ 

Zahlung  werth  sind  eigentlich  nur  die  Ziukbaue  von  Petzei,  der  Eisensteinbau  von 
Olimie  und  die  Kohlenbaue  oberhalb  Reiclienburg  und  bei  Trobenthal.  Um  so 
schätzenswerther  waren  desshalb  die  Aufschlüsse,  die  wir  von  den  Herren  Berg- 
beamten dieser  Werke  erhalten  konnten;  namentlich  haben  die  Herren  Berg- 
verwalter Holler,  Hartmann  und  Mulej  den  Verfasser  dieser  Zeilen  durch 
die  zuvorkommende  Unterstützung  mit  Rath  und  That  zu  grossem  Dank  ver- 
pflichtet. 

Die  Detailaufnahme  des  Landes  bot  sehr  viel  Interessantes,  aber  gerade 
auch  desshalb  viele  Schwierigkeiten  und  erforderte  eine  sehr  sorgfältige  Be- 
gehung, wobei  manche  Localitäten  zu  wiederholten  Malen  besucht  werden 
mussten.  Im  gebirgigen  Theile  waren  es  die  grosse  Mannigfaltigkeit  der  Forma- 
tionsglieder, die  grossartigen  Schichtenstörungen,  welche  häufige  Wechsel 
und  Wiederholungen  der  Formationsreihen  hervorriefen,  die  Undeutlichkeit  der 
Lagerungsverhältnisse  der  dolomitisirten  Gesteine,  die  Abwesenheit  der  Petre- 
facten  und  das  vielfache  Auftreten  von  plutonischen  und  semiplutonischen  Ge- 
steinen, welche  die  Aufgabe  sehr  erschwerten.  In  dieser  Hinsicht  zeichnen  sich 
die  Region  südlich  von  der  Eisenbahnstrecke  Cilli-St. -Georgen  und  das  massen- 
hafte Wachergebirge  besonders  aus.  Im  Hügelland,  welches  mehr  als  zwei 
Drittel  des  ganzen  Gebietes  einnimmt  und  fast  ausschliesslich  aus  Tertiärschich- 
ten besteht,  trat  die  reichliche  Vegetationsdecke  und  die  überall  sich  geltend 
machende  Bodencultur  der  Untersuchung  hemmend  in  den  Weg,  indem  sich  nur 
selten  deutliche  Entblössungen  darboten  und  nur  eine  genaue,  wenn  auch  selten 
lohnende  Begehung  die  Zahl  der  Anhaltspunkte  vermehren  konnte,  um  ein  hin- 
reichend genaues  Bild  der  Verhältnisse  zu  erzielen.  Auf  die  gewöhnlichen 
Landstrassen  des  Geologen,  die  Gräben,  musste  fast  ganz  Verzicht  geleistet 
werden,  denn  sie  waren  gewöhnlich  zu  sehr  erweitert,  ausgerundet  und  von 
Alluvialablagerungen  eingenommen.  Weit  eher  Hessen  sich  auf  den  Kämmen  der 
Hügelzüge  Aufschlüsse  gewinnen,  wo  zuweilen  Wind  und  Regen  die  Verwitte- 
rungsproducte  der  zu  Tage  ausgehenden  Schichten  wegfegten  und  diese  selbst 
blosslegten.  An  solchen  Stellen  kamen  dann  oft  Petrefacten  zur  leichtern  Orien- 
tirung  zu  Hülfe  und  wir  hatten  das  Glück,  mehrere  kleine  aber  charakteristische 
Reihen  davon  zu  sammeln,  deren  genaue  Bestimmung  durch  die  Herren  Director 
Hörnes  und  Dr.  Ro  1 1 e schöne,  zum  Theil  überraschende,  Resultate  lieferten. 

Im  Uebrigen  ist  begreiflich,  dass  bei  der  Mannigfaltigkeit  der  geologischen 
Erscheinungen  und  bei  der  Neuheit  so  vieler  derselben  die  Altersbestimmung  ja 
oft  sogar  die  Rangordnung  gewisser  Formationen,  so  wie  das  Ziehen  genauer 
Grenzen  oft  eine  missliche  Sache  war,  und  dass  manchmal  der  Combination  ein 
ziemlich  weites  Feld  offen  blieb , auf  dem  sie  sich  mit  mehr  oder  weniger  Glück 
und  Geschick  bewegen  musste.  Jedenfalls  aber  wagen  wir  zu  behaupten,  dass 
diese  Gegend  zu  den  interessantesten  Steiermarks  und  den  Ostalpen  überhaupt 
gehöre. 


Allgemeine  topographisch-geologische  Verhältnisse. 

Die  grosse  Mannigfaltigkeit  der  hier  auftretenden  Formationen  muss  in 
einem  besondern  Umstande  gesucht  werden,  der  das  geologische  Interesse  der 
Gegend  nicht  wenig  erhöht,  nämlich  in  dem  Ineinandergreifen  zweier  verschie- 
dener Systeme,  demjenigen  der  Alpen  und  demjenigen  der  croatischen 
Tertiärniederung.  Dazu  gesellt  sich  noch  die  wellenförmige  Hebung, 


[3]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  313 

welche  nicht  nur  der  Structur  der  südlichen  Nebenzone  der  Alpen  als  Grundlage 
dient,  sondern  auch  die  Tertiärschichten  aus  ihrer  ursprünglichen  Lage  gebracht 
hat.  Beide  Umstände  zusammen  haben  die  starke  Gliederung  des  Gebietes 
bedingt. 

Als  grosse  Wellenberge  durchziehen  mehrere  Gebirgszüge,  die  letzten 
Ausläufer  der  Alpen,  vorherrschend  aus  secundären  Kalken  und  Dolomiten 
bestehend,  das  Land  von  West  nach  Ost,  um  sich  endlich  «unter  der  immer 
allgemeiner  werdenden  Tertiärdecke  zu  verlieren.  Zwischen  diese  hat  das  irn 
Osten  gelegene  offene  Tertiärmeer  seine  Arme  tief  hinein  gesandt,  mächtige 
Bänke  von  Sand,  Mergel  und  Kalk  abgelagert  und  so  den  Grund  zu  einer  Reihe 
von  Tertiärbecken*  gelegt,  die  alle  mit  der  grossen  Niederung  im  Zusammen- 
hänge stehen.  — Ein  Blick  auf  die  Uebersichtskarte,  welche  diesen  Aufsatz 
begleitet,  genügt,  um  die  Sache  klar  zu  machen.  Dort  sind  die  alpinen  Bildun- 
gen in  braunem  Tone  angelegt,  während  das  Tertiärgebiet  einfach  schraffirt 
ist.  — Daher  kommt  es  denn  auch,  dass  die  gleichnamigen  Bildungen  meist 
weit  aus  einander  liegen  und  Behufs  ihrer  Zusammenstellung  aus  zahlreichen 
Orten  herbeigeholt  werden  müssen.  Es  wird  somit  zur  leichten  Orientirung  nöthig, 
eine  etwas  einlässlichere  topographisch-geologische  Skizze  vorauszuschicken. 

Im  Norden  unseres  Gebietes  treffen  wir  vorerst  den  Drau-Save-Zug,  der  in 
geographischer  und  geologischer  Beziehung  zu  einer  Hauptgrenze  wird  : in 
geographischer  Beziehung  als  Wasserscheide  zwischen  Drau  und  Save,  in  geo- 
logischer Beziehung  als  Demarcationslinie  zwischen  der  südlichen  Nebenzone 
der  Alpen  und  dem  Gratzer  Becken.  Seine  ganze  Länge  von  einer  Landesgrenze 
zur  andern  beträgt  fast  10  Meilen;  davon  kommt  aber  nur  die  östliche  Hälfte 
auf  unser  Gebiet.  Die  Streichungsrichtung  des  Zuges  geht  von  WNW.  nach 
OSO.  oder  genauer  nach  Stunde  1 bis  iy8.  Im  Westen  sowohl  wie  im  Osten 
bildet  er  streng  die  Wasserscheide  zwischen  der  Drau  und  der  Save,  im  mittlern 
Theile  hingegen  ist  er  mehrfach  von  Bächen  durchbrochen.  Von  diesen  Bächen 
fliessen  die  drei  westlichen:  die  Paak,  die  Hudina  und  der  Engbach,  von  Nord 
nach  Süd  durch  die  Sann  in  die  Save,  die  drei  östlichen  aber:  der  Seizbach, 
der  Plankensteinerbach  und  der  Völlabach,  umgekehrt  von  Süd  nach  Nord  durch 
die  Drann  in  die  Drau.  In  der  Westhälfte  dieses  mittlern  Theiles  des  Drau-Save- 
Zuges  wird  somit  die  eigentliche  Wasserscheide  plötzlich  nach  Nord  an  den 
Südabhang  des  Bachers  gerückt,  um  gleich  darauf  in  der  Osthälfte  eben  so  plötz- 
lich nach  Süd  auf  die  südliche  Vorlage  des  Zuges  überzuspringen.  Hier  tritt 
dann  der  eigenthümliche  Fall  ein,  dass  statt  des  hohen  und  breiten,  aus  festem 
Kalk  und  Dolomit  bestehenden  Gebirges  ein  niedriger  und  schmaler,  mit  jenem 
parallel  gehender  Hügelzug,  welcher  vorherrschend  aus  leicht  zerstörbaren 
Tertiärgebilden  besteht,  die  Wasser  scheidet:  ein  Beweis,  dass  die  tiefen  und 
engen  Durchbrüche  der  Drau-Save-Kette  nicht  durch  Erosion,  sondern  durch 
Berstung  derselben  bei  ihrer  Hebung  entstanden  sein  müssen.  Dieser  die  Wasser- 
scheide vermittelnde  Hügelzug  beginnt  bei  Steinberg  auf  der  Südseite  der 
Gonobitzer  Gora,  geht  über  Neubruck,  Tischova  zum  Tunnel  von  Lippoglav  und 
von  dort  über  St.  Michael  zum  Gabernigberg  am  Südabhang  des  Wotsch. 

In  demjenigen  Theil  des  Drau-Save-Zuges,  der  in  unserem  Gebiete  liegt, 
gehören  die  Landthurmspitze  mit  der  Gora  (3200  Fuss)  und  dem  Golo- 
revaberg,  dann,  östlich  vom  Durchbruch  des  Seizbaches,  die  Höhen  von 
Suchodoll,  die  Ruine  Plankenstein  und  der  kleine  Zug  von  Maria 
Lubitschna.  Hierauf  folgt  die  letzte  Gebirgsspalte,  durch  welche  die  Völla 
nach  Pöltschach  fliesst  und  dann  kommen  ohne  weitere  Unterbrechung  der 
Wotsch  (3100  Fuss),  der  Plessiwetz,  der  Donatiberg  (2800  Fuss),  die 

40  * 


314 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[4] 

Nivizza  und  das  Matzeigebirge,  welch'  letzteres  die  Grenze  zwischen 
Steiermark  und  Croatien  vermittelt.  Zu  beiden  Seiten  des  steilen  Donatiberges 
haben  zwei  starke  Depressionen  des  Zuges  die  Anlegung  der  Strassen  Pettau- 
Rohitsch  und  Sauritsch-Rohitsch  ermöglicht. 

Dieser  Zug  besteht  der  Hauptsache  nach,  wie  wir  übrigens  schon  in 
unserer  Abhandlung  über  das  Drannthal  gezeigt  (Jahrbuch  1839,  Seite  201, 
Separatabdruck  Seite  45)  aus  einem  Kern  von  Kalk  und  Dolomit  der  obern  Trias, 
an  welchen  sich  zu  beiden  Seiten  kohlenführende  eocene  Schiefer  mantelförmig 
anlehnen.  Oestlich  vom  Wotsch  senkt  sich  das  Gebirge  und  zu  gleicher  Zeit 
scheint  sich  der  Kalkkern  in  der  Tiefe  zu  verlieren,  denn  er  tritt  nirgends  mehr 
zu  Tage.  Wohl  drängt  sich  dem  Fremdling  die  Vermuthung  fast  gewaltsam  auf, 
dass  derselbe  in  dem  kühn  sich  erhebenden,  scharfen  Kamm  des  Donatiberges, 
dessen  prachtvolle  Rundschau  wohl  bekannt  ist,  nochmals  zur  Geltung  gelange, 
allein  bei  dessen  Ersteigung  zeigt  sich,  dass  er  aus  einem  Aufsatz  von  festem 
Leithasandstein  besteht,  der  in  steil  aufgerichteten  Ränken  auf  einem  Sockel 
von  eocenen  Schiefern  ruht.  In  der  Höhe  stehen  die  Schichten  sogar  ganz  seiger 
und  der  scharfe  Kamm  besteht  nur  aus  wenigen  treppenartig  abgebrochenen 
Schichtenköpfchen  mit  senkrechtem  Absturz  nach  Norden  zu  von  100  bis  200  Fuss 
Tiefe,  wie  derjenige  recht  gut  weiss,  der  den  etwas  schwierigen  Versuch 
macht,  den  Kamm  in  seiner  ganzen  Länge  zu  verfolgen.  Figur  1 soll  die  Form 
des  Kammes  veranschaulichen. 

Fig.  1. 


Donatiberg  (3800  Fuss).  Oberdorf.  St.  Georgen.  Nivitta. 


Profil  durch  die  mittlere  Kuppe  des  Donatiberges. 

a eocene  Schiefer,  b eocener  Sandstein,  c Leitha-Conglomerat. 

Dies  ist  jedenfalls  die  bedeutendste  absolute  Erhebung,  zu  welcher  ober- 
tertiäre Rildungen  hier  zu  Lande  gelangt  sind  und  wahrscheinlich  ist  es  auch 
die  grösste  relative  Höhe,  zu  welcher  solche  Schichten  in  den  Ostalpen  über- 
haupt aus  ihrer  primitiven  Lage  emporgehoben  wurden,  da  sie  mindestens 
2000  Fuss  beträgt. 

Der  zweite  Hauptzug,  der  unser  Gebiet  durchsetzt,  liegt  in  der  südlichen 
Hälfte  desselben;  wir  wollen  ihn  nach  seiner  wichtigsten  Masse  und  höchsten 
Spitze,  dem  3050  Fuss  hohen  Wachb erg,  den  Wacherzug  nennen.  Er  kann 
gewissermaassen  als  der  südöstliche,  nach  Osten  umbiegende  Ausläufer  der 
Kotschna  (Sammelname  der  Vellacher,  Steiner  und  Sulzbacher  Alpen)  betrachtet 
werden.  Wir  lassen  ihn  bei  Steinbrück  mit  dem  zerrissenen  Felsen  des  Kosid 
(3117  Fuss)  beginnen;  von  dort  erstreckt  er  sich  in  Westostrichtung  (genauer 
Stunde  62/3)  bis  in  die  Gegend  nördlich  von  Hörberg,  wo  er  sich  mit  dem 
niedrigen  Guliverh  unter  Tertiärgebilden  verliert.  Neben  den  schon  angeführ- 
ten Höhen  dieses  Zuges  müssen  noch  erwähnt  werden:  der  seiner  Aussicht 


£5]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theilcs  von  Unter-Steiermark.  31 5 

halber  oft  besuchte  Leissberg  (3000  Fuss)  nördlich  von  Lichtenwald,  die 
„na  Sterza“  in  der  Hauptmasse  des  Wacher  Waldes,  und  der  Vetternig 
(2250  Fuss)  oberhalb  Drachenburg,  dann  ausserhalb  des  Hauptkammes:  der 
Dreifaltigkeitsberg  (nordöstlich  von  Leissberg),  der  Vollusch  mit  der 
2440  Fuss  hohen  Olusnagora  bei  Gairach,  der  Kammberg  bei  Edelsbaeh 
und  der  Breditschberg  südlich  von  Peilenstein. 

Der  Wacherzug  bildet  eine  secundäre  Scheide  zwischen  dem  unmittel- 
baren Flussgebiet  der  Save  und  denjenigen  seiner  bedeutendsten  Nebenflüssen, 
der  Sann  und  der  Sottla , doch  auch  nicht  vollkommen,  denn  die  Sotschna 
(auf  der  Karte  Seuntschna)  und  die  Feistritz  durchbrechen  ihn,  obwohl  ihr 
Quellbezirk  nicht  ausserhalb  des  Zuges  liegt.  Beide  zeigen  in  ihrem  Laufe  Eigen- 
thümlichkeiten.  Die  Sotschna  entspringt  am  Nordabhange  des  Wachberges, 
während  sie  doch  dem  Südabhang  desselben  angehört.  Sie  liefert  in  so  fern 
ein  Miniaturbild  der  Elbe.  Wie  diese,  kehrt  sie  in  raschem  Bogen  wieder  dem 
Gebirge  zu  und  durchbricht  es,  um  den  entgegengesetzten  Abhang  zu  gewinnen. 
Die  Feistritz  entspringt  ebenfalls  am  Nordabhang  des  Wachberges  und  fliesst 
dann  von  Edelsbaeh  bis  Drachenburg  längs  dem  Rande  desselben  weiter. 
Zwischen  Drachenburg  und  Hörberg  aber  zwängt  sie  sich  gewaltsam  durch  eine 
Spalte  im  Dolomit  des  Wacherzuges , um  auf  die  Südseite  desselben  zu  gelan- 
gen. Hier  tritt  sie  nun  in  ein  neues  Tertiärbecken  hinein;  allein,  statt  in  dem- 
selben den  durch  eine  Vertiefung  angedeuteten  natürlichen  Weg  über  Trebscha 
(nicht  Trebsach,  wie  auf  der  Stabskarte  steht)  und  Sagai  einzuschlagen,  dringt  sie 
neuerdings  in  eine  enge  und  tiefe  Spalte  im  Dolomit  des  Orliza-Zuges,  von  dem 
weiter  unten  die  Rede  sein  wird,  um  erst  bei  St.  Peter  wieder  in’s  Tertiärgebiet 
zurückzukehren. 

Neben  diesen  beiden  Bächen  können  wir  noch  einen  dritten  anführen,  dessen 
Lauf  auch  aussergewöhnlich  ist,  nämlich  Gratschnitzabach. 

Sein  sehr  ausgedehnter  Quellbezirk  liegt  in  der  Gegend  zwischen  St.  Ru- 
perti  und  Maria  Dobic,  mitten  im  grossen  Tertiärgolf  von  Tüffer.  Von  da  fliessen 
die  zwei  oder  drei  Bäche,  die  ihn  bilden,  gegen  Süden,  dem  Wacherzuge 
entgegen,  um  dann  vereint  durch  eine  plötzliche  Wendung  nach  West  bei  Gairach 
in  dessen  Gebiet  einzutreten,  und  es  bis  zur  Mündung  in  die  Sann  nicht  mehr 
zu  verlassen.  Auch  hier  wurde  dem  Bach  ein  enger  und  tiefer,  zum  Theil  selbst 
unwegsamer  Längenriss  im  Triasdolomit  angewiesen.  Dass  diese  Rinnsale  nicht 
durch  Erosion  entstanden  sein  können,  liegt,  auf  der  Hand;  sie  liefern  im  Gegen- 
theil  neue  Belege  zu  der  Behauptung,  dass  die  letzte  Bewegung  dieses  Theiles 
der  Alpen  erst  nach  der  Ablagerung  der  obertertiären  Schichten  stattgefunden 
habe,  und  dass  sie  ziemlich  energisch  gewesen  sein  müsse,  um  die  Gebirge  der 
Art  zu  zerklüften. 

Eine  Erscheinung  südwestlich  von  Montpreis,  trennt  den  Wacherzug  in 
zwei  Massen,  in  diejenige  des  Leissbergs  und  in  die  des  eigentlichen 
Wachergebirges.  Beide  Massen  haben  ungefähr  zwei  Meilen  Länge  auf  eine 
Meile  in  die  Breite,  zeichnen  sich  somit  durch  eine  grössere  Entfaltung  vor  den 
übrigen  Gebirgen  des  Gebietes  aus.  In  beiden  bilden  Kalke  und  Dolomite  der 
obern  Trias  das  vorherrschende  Gestein,  doch  mit  dem  Unterschiede,  dass  in 
der  Leissberg-Masse  auch  die  Schichten  der  untern  Trias  und  selbst  diejenigen 
des  Steinkohlensystems  (Gailthaler  Schichten)  in  grosser  Ausdehnung  zum  Vor- 
schein kommen,  während  sie  in  der  Wacher-Masse  nur  ganz  ausnahmsweise 
gefunden  werden,  und  dass  umgekehrt  letztere  noch  über  den  gewöhnlichen 
Triasdolomiten  mächtige  Bildungen  von  hornsteinreichen  Kalken,  Fucoiden 
führenden  Schiefern  (Gurkfelder  und  Grossdorner  Schichten,  Lipoid)  und 


Theobald  v.  Zollikofer. 


316 


[6] 


Dachsteindolomiten  aufzuweisen  hat,  während  sie  in  jener  nur  spärlich  und 
vereinzelt  Vorkommen. 

Die  starke  Entblössung  der  tiefem  Schichten  in  der  Leissbergmasse  rührt 
von  einer  grossartigen  Aufbruchsspalte  her,  welche  die  beiden  Flügel  des 
ursprünglichen  Gewölbes  weit  auseinander  gerissen  hat,  so  dass  diese  nun 
selbstständig  dastehen.  Der  nördliche  Flügel  bildet  die  Leissbergmasse  selbst, 
der  südliche  das  Savegebirge  bei  Lichtenwald  mit  seiner  westlichen  Fort- 
setzung nach  Krain.  Figur  2 stellt  einen  Querschnitt  durch  die  Leissbergmasse 
dar,  welcher  als  Beleg  zum  Gesagten  dienen  kann. 


Fig.  2. 

Savegebirg.  Lahon- 

St.  Marein.  Leissberg  (3000  Fuss).  graben.  H.  Dreifaltigkeit.  Gratachnitza. 


a Gailthaler  Schichten,  b Werfner  Schichten,  c dunkle  Kalke  (Guttensteiner  Kalk),  d Hallstätter  Dolomit, 
e Grossdorner  Schiefer,  f Tertiärformation. 


Diese  Aufbruchsspalte  beginnt  schon  in  Krain,  tritt,  von  West  nach  Ost 
gehend,  bei  Laak  in  unser  Gebiet  und  endigt  in  der  Nähe  von  St.  Leonhard  ob 
Lichtenwald.  In  ihr  fliessen  theilweise  der  Sopotkabach  (Krain),  die  Save  von 
Ratschach  bis  Unter-Erkenstein,  und  die  Sotschna  von  Srohotno  bis  Petzei.  Ihre 
Wirkung  macht  sich  aber  auch  noch  weiter  östlich  in  der  Wacher-Masse  fühlbar, 
woselbst  die  Decke  des  Gebirges,  aus  Gurkfelder  Kalken  und  Grossdorner 
Schiefern  bestehend,  geborsten  ist  und  der  Hallstätter  Dolomit  blossgelegt 
wurde,  doch  ist  der  Riss  nicht  tief  gegangen  und  im  Relief  des  Gebirges  nicht 
einmal  bemerkbar.  Siehe  Figur  3. 

Fig.  3. 


Wachberg  (3050  Fuss).  Edelsbach. 


Obere  Trias  : a Hallstätter  Dolomit,  b Gurkfelder  Plattenkalke,  c Grossdorner  Fucoidenscbiefer.  d Grüustein 

mit  eisenschüssigem  Jaspis,  e Tertiärformation. 


Ehe  wir  diesen  Zug  verlassen,  sei  noch  die  Bemerkung  beigefügt,  dass  auf 
beiden  Flanken  der  Wacher-Masse  plutonische  Gesteine,  die  am  meisten  dem 
Diorit  entsprechen,  zum  Durchbruch  gelangt  sind.  Sie  haben  aber  keinen  merk- 


£7]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  317 

liehen  Einfluss  auf  die  Structur  des  Gebirges  gehabt,  indem  sie  mehr  oder 
weniger  zwischen  die  Sedimentschichten  eingedrungen  zu  sein  scheinen 
(Figur  3),  ohne  wesentliche  Störungen  hervorzubringen.  Uebrigens  ist  das 
Gestein  weit  älter  als  das  Gebirge,  dessen  letzte  Hebung  und  definitive  Jetzt- 
gestaltung in  die  Zeit  nach  Ablagerung  der  neogenen  Schichten  fallen  muss,  wie 
auch  die  der  übrigen  Züge. 

Der  dritte  Hauptzug  unseres  Gebietes  soll  nach  einer  seiner  wichtigeren 
Spitzen  Orlizazug  genannt  werden.  Er  bildet  die  östliche  Fortsetzung  des  Save- 
gebirges, welches  die  Save  zwischen  Lichtenwald  und  Gurkfeld  zu  beiden 
Seiten  begleitet  und  somit  seinen  Namen  mit  Recht  verdient.  Während  aber  die 
Richtung  dieser  letzteren  eine  vorherrschend  westöstliche  ist,  streicht  derOrliza- 
zug  von  SW.  nach  NO.  (genauer  Stunde  43/3);  überdies  stimmt  die  Richtung 
der  Hauptkette  des  Zuges  nicht  ganz  mit  derjenigen  seiner  Axe  zusammen:  jene 
ist  Stunde  43/3,  diese  Stunde  4;  sie  bilden  also  einen  kleinen  Winkel  mit  ein- 
ander. Desshalb  kommt  es  auch  etwa  vor,  dass  die  Grenzlinie  zweier  Forma- 
tionen schief  über  die  Kante  einer  Kette  setzt. 

Die  wichtigsten  Höhen  des  Zuges  sind  der  Sremitschberg  (nicht 
Schremitsch,  wie  auf  der  Karte  steht)  bei  Reichenburg,  die  Orliza,  der 
Sillowetz  (2790?  Fuss)  und  die  Preskagora  (2200  Fuss)  (also  alle  drei  süd- 
lich von  Hörberg),  die  Roschza  mit  dem  heiligen  Rerg  von  St.  Peter,  endlich 
die  mit  Ruinen  geschmückten  Königsberg  und  Kaisersberg,  zwischen 
welchen  hindurch  die  Sottla  einen  engen  Weg  gefunden  hat.  Mit  dem  letztem, 
der  schon  auf  croatischer  Seite  steht,  endet  der  Zug.  Ausser  der  Schlucht  der 
Sottla  und  dem  früher  erwähnten  Längenriss,  in  welchem  die  untere  Feistritz 
fliesst,  ist  noch  der  Querriss  des  Motschniggrab ens  bei  Sdolle  zu  bemerken. 
Das  Gebirge  besteht  ebenfalls  der  Hauptsache  nach  aus  Dolomit  der  oberen 
Trias,  an  welchen  sich  Gurkfelder  und  Grossdorn- Schichten  mantelförmig 
anlehnen.  Letztere  erlangen  im  Westen  eine  bedeutende  Ausdehnung  und  werden 
dann  im  Savegebirg  das  vorwaltende  Gestein. 

Um  das  Gerippe,  welches  der  Oberflächengestaltung  dieses  Landes  zu 
Grunde  liegt,  zu  vervollständigen,  müssen  wir  noch  zwei  Züge  von  mehr  unter- 
geordneter Bedeutung  hereinziehen,  die  beide  zwischen  dem  ersten  und  zweiten 
Hauptzug  liegen.  Sie  greifen  nur  theilweise  in  unser  Gebiet  ein,  bringen  dess- 
halb auch  keine  vollständige  Trennung  desselben  in  gesonderte  Zonen  hervor, 
sondern  tragen  nur  dazu  bei,  das  grosse  Becken  zwischen  dem  ersten  und 
zweiten  Hauptzug  zu  gliedern  und  dessen  Lagerungsverhältnisse  complicirter  zu 
machen. 

Der  erste  dieser  Züge  ist  ebenfalls  ein  Ausläufer  der  Alpen,  tritt  somit  von 
Westen  her  in  unser  Gebiet,  und  zwar  als  Fortsetzung  der  drei  Parallelketten, 
die  zwischen  Cilli  und  Tüfler  von  West  nach  Ost  streichen  und  sich  nun  hier 
der  Art  nahe  rücken , dass  sie  nicht  mehr  leicht  geschieden  werden  können. 
Diese  drei  Ketten  sind  durch  Berstung  und  Verwerfung  der  den  Gailthater 
Schichten  aufgesetzten  Kalkdecke  entstanden  (siehe  Jahrbuch  1839,  Seite  163, 
Separatabdruck  Seite  7,  Figur  2).  Auf  unserm  Gebiet  lässt  sich  zwar  diese 
Dislocation  der  Schichten  noch  erkennen,  wie  Figur  4 zeigt,  allein  sie  hat  keinen 
Einfluss  mehr  auf  das  Relief  des  Gebirges,  indem  der  Kalk,  dessen  Schichten- 
köpfe in  Section  XXII  noch  die  Kämme  der  Ketten  bilden,  hier  immer  mehr 
zurücktritt,  und  sich  nur  im  Reicheneggberg,  südlich  von  St.  Georgen, 
noch  einmal  zu  einer  selbstständigen  Kuppe  von  1730  Fuss  Höhe  erhebt.  Statt 
seiner  nehmen  ältere,  zum  Theil  durch  plutonische  Einflüsse  umgewandelte 
Thonschiefer  den  Rücken  des  Zuges  ein. 


318 


Theobald  v.  Zollikofer. 


Fig.  4. 


St.  Ruperti. 


Vodruschgraben. 


Kosena. 


St.  Johann. 


S.  N. 

Querschnitt  durch  den  Rosenazug. 

a Gailthaler  Schiefer,  b Felsitporphyr,  c Contactgesteine  (uragewandelte  Gailthaler  und  Werfener  Schiefer, 
d Eisensteinlager,  e Hallstätter  Kalk?  f eocene  Porphyrtuffe,  g Braunkohlensystem,  h Leithaschichten. 


Ausser  dem  Reicheneggberg  sind  nur  noch  der  Babinverh  südlich  von 
Store  und  die  Rosena  südwestlich  von  St.  Georgen  zu  bemerken.  Nach  dieser 
werden  wir  den  Zug  der  Kürze  halber  den  Rosenazug  heissen.  In  der  engen 
Längenspalte  des  auseinander  gerissenen  Gewölbes  fliesst  der  Vodruschbach, 
der  sich  später  nach  Norden  wendet,  und  durch  einen  Querriss  der  Vogleina  zueilt. 

Der  zweite  Zug  tritt  von  Osten  her  in  unser  Gebiet  herein  und  steht  somit 
in  keinem  sichtbaren  Zusammenhang  mit  den  Alpen,  sondern  erhebt  sich  selbst- 
ständig als  langgestreckte  Insel  mitten  aus  der  Tertiärregion,  Zusammensetzung 
und  Alter  aber  stempeln  ihn  zu  einem  alpinen  Gebirgszug.  Er  dürfte  etwa 
südlich  von  Warasdin  beginnen,  von  wo  er  bei  Krapina  und  Pregrada  vorbei- 
zieht, um  bei  Windisch-Landsberg,  wo  ihn  die  Sottla  durchbricht,  auf  steieri- 
schen Boden  überzusetzen  und  sich  bei  Süssenheim  unter  Tertiärgebilden  zu 
verlieren.  Er  findet  auf  steierischer  Seite  seine  grösste  Erhebung  in  der 
Rudenza  (2167  Fuss),  desshalb  möge  er  auch  Rudenzazug  genannt  werden. 
In  seinem  Bereich  findet  sich  der  Tinskobach,  der  ebenfalls  Zeugniss  ablegt, 
dass  das  Gebiet  der  südöstlichen  Alpen  noch  in  jüngster  Zeit  bedeutenden 
Störungen  ausgesetzt  gewesen,  denn  sonst  hätte  er,  der  auf  der  Südseite  des 
Gebirges  in  obertertiärem  Land  entspringt,  nicht  auf  dessen  Nordseite  gelangen 
können.  Auch  hier  sind,  wie  am  Wachergebirge,  dioritähnliche  Eruptivgesteine 
zwischen  dem  Hallstätter  Dolomit  und  den  Grossdorner  Schichten  zu  Tage 
getreten  (siehe  Hauptprofil  II). 

Nachdem  wir  nun  den  Antheil  der  Alpen  an  der  geologischen  Zusammen- 
setzung und  der  Oberflächengestaltung  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter- 
Steiermark  auseinander  gesetzt,  bleibt  uns  noch  zu  betrachten  übrig,  in  welcher 
Weise  die  croatische  Tertiärniederung  dabei  betheiligt  ist.  Diese  greift 
weit  in  die  Alpen  hinein  und  hat  sich  zwischen  die  eben  genannten  Gebirgszüge, 
zu  welchen  noch  ein  anderer,  ausserhalb  Steiermark  liegender,  das  Uskoken- 
gebirge  (Krain)  mit  seiner  östlichen  Verlängerung,  dem  Agramer  Gebirge, 
hinzugezogen  werden  muss,  hineingedrängt  und  so  zur  Bildung  von  drei  Becken 
Veranlassung  gegeben,  die  unter  sich  getrennt  sind  und  nur  im  Osten  mit  dem 
offenen  Tertiärmeer  Zusammenhängen.  Es  sind  dies  die  Tertiärbecken  von  Cilli, 
Reichenburg  und  Rann. 

Das  Cillier  Becken  liegt  zwischen  dem  Drau -Save-  und  dem  Wacher-Zuge 
und  ist  das  grösste  und  wichtigste  von  allen.  Es  bildet  gleichsam  eine  Wieder- 
holung der  croatischen  Niederung  im  Kleinen,  indem  es  selbst  wieder  mehrere 
Golfe  nach  Westen  sendet,  wie  das  Schallthal,  das  Sannthal  und  den  Golf  von 
Tüffer,  die  alle  in  der  Section  XXII  liegen  und  schon  früher  beschrieben  wur- 
den (Jahrbuch  1857,  Seite  403,  und  1859,  Seite  157).  Sie  sind  zum  grossem 


[9] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Iheiles  von  Unter-Steiermark.  319 


Theil  mit  in  die  beiliegende  Karte  aufgenommen  worden,  um  die  Einsicht  in  den 
Zusammenhang  des  jetzt  zu  untersuchenden  Gebietes  mit  den  anstossenden  zu 
erleichtern.  In  den  vorliegenden  Untersuchungskreis  gehört  also  nun  der  Rumpf 
des  Cillier  Beckens,  und  diesen  wollen  wir  nun  näher  betrachten. 

Er  umfasst  eine  zusammenhängende  Oberfläche  von  beiläufig  10  Quadrat- 
meilen, ist  aber  selbst  wieder  durch  das  Eingreifen  des  Rosena-  und  Rudenza- 
zuges  gegliedert.  Mit  diesen  Gebirgen  sind  aber  auch  die  Tertiärschichten 
gehoben  worden  und  zwTar  nicht  nur  zu  beiden  Seiten  derselben,  sondern  auch 
in  ihrer  Verlängerung  selbst,  welche  sofort  durch  eine  antiklinale  Axe  ange- 
deutet wird.  So  geht  in  der  östlichen  Fortsetzung  des  Rosenazuges  eine  solche 
Axe  zwischen  St.  Marein  und  Süssenheim  durch,  und  in  der  westlichen  Ver- 
längerung des  Zuges  eine  ähnliche  durch  das  Kohlenrevier  von  Trobenthal. 
Figur  fi. 

Fig.  5. 


Gliederung  des  Cillier  Beckens,  Scction  XXIII. 

M St.  Marein,  5 Süssenheim,  T Trobenthal,  ab  antiklinale  Axe. 

Wir  haben  somit,  von  Nord  nach  Süd  gehend,  in  der  Westhälfte  (Figur  6): 
1 Separatmulde,  1 Trennungszug  und  2 zusammenhängende  Mulden;  in  der 
Osthälfte  (Figur  7):  2 zusammenhängende  Mulden,  1 Trennungszug  und  1 Se- 
paratmulde. 


Fig.  6. 

Wacherzug.  Rosenazug.  Drau-Savc-Zug. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  1?.  Band,  1SG1  und  1S62.  111.  lieft.  41 


320 


Thj&'/jald  v.  Zollikofcr. 


[ioj 


Fig.  7. 

Wacheraug.  Riuleuzazug.  Uria-Sire-Zig. 


Das  Cillier  Becken  enthält  die  ganze  Reihe  der  Tertiärformation  mit  einer 
Mannigfaltigkeit  von  Bildungen,  wie  sie  nicht  oft  getroffen  wird.  Die  eocenen 
Glieder  zeigen  sich  jedoch  nur  einseitig  am  Nordflügel  des  Beckens,  und  nur 
wenige  vereinzelte  Erscheinungen  am  Rande  des  Rosena-  und  Rudenzazuges 
beweisen,  dass  sie  in  der  Tiefe  das  Becken  theil weise  durchsetzen  (Figur  15). 
Wir  können  somit  im  Allgemeinen  eine  nördliche  oder  eine  eocene  und  eine 
südliche  oder  neogene  Zone  unterscheiden.  Die  Grenze  zwischen  beiden  ist 
durch  eine  Reihe  merkwürdiger  plutonischer  und  semiplutonischer  Gebilde 
bezeichnet,  die  mit  Unterbrechungen  von  Hohenegg  bis  St.  Rochus  östlich  von 
Rohitsch  und  noch  weiter  nach  Croatien  hinein  verfolgt  werden  können.  Einige 
derselben  gehören  entschieden  zu  den  neuern  vulcanischen  Gesteinen  und  können 
zum  Theile  als  Dolerite  bezeichnet  werden.  Um  so  mehr  muss  es  daher  aufTallen, 
dass  sie  keine  bestimmt  hervortretende  Kegel  bilden,  überhaupt  sogar  nicht 
störend  auf  das  Relief  der  Umgegend  gewirkt  haben,  so  dass  man  ihr  Dasein 
durchaus  nicht  vermuthen  würde  und  man  sie  oft  nur  mit  Mühe  ausfindig  machen 
kann,  wenn  die  Natur  der  Feldsteine  und  des  Strassenscholters  ihre  Nähe  verräth. 

Was  sonst  die  Oberflächenform  des  Beckens  betrifft,  so  geht  sie  aus  der 
Natur  der  Tertiärschichten  leicht  hervor:  sie  ist  eine  wellenförmig  hügelige, 
nur  sind  die  Hügel  dichter  an  einander  gedrängt  und  ist  ihre  Erhebung  über  die 
Thalflächen  oft  eine  grössere,  als  dies  gewöhnlich  im  Tertiärland  der  Fall  ist, 
was  beides  den  bedeutenden  Hebungswellen  zuzuschreiben  ist.  Höhen  zwischen 
1500  und  2000  Fuss  sind  nicht  selten  (Kalobic  1962  Fuss,  Puchberg  1957  Fuss, 
St.  Helena  1650  Fuss,  Ursulaberg  1570  Fuss),  während  die  Thalflächen  meist 
zwischen  700  und  800  Fuss  liegen. 

Eine  deutlich  markirte  Terrainzeichnung  wird  nur  durch  die  Leithakalkzüge 
bewirkt,  da  ihr  festes  Gestein  der  Zerstörung  länger  widersteht,  als  das  der 
übrigen  Schichten,  und  so,  wenn  es  ausserdem  noch  die  Stellung  der  Schichten 
mit  sich  bringt,  in  scharf  gezeichneten  Rücken  mit  steilen  Abstürzen  hervor- 
tritt. Den  Donatiberg,  seiner  Ausnahmsstellung  halber  nicht  hieher  rechnend, 
finden  wir  das  schönste  Beispiel  dieser  Art  in  dem  Leithakalkzug,  der  von 
Gairaeh  über  Montpreis,  H.  Kreuz,  den  Artitschberg  zum  Silberberg  streicht. 
Ein  anderer  Zug,  weniger  hervorragend,  aber  immer  noch  deutlich  genug 
gezeichnet,  geht  von  St.  Hema  bei  Windisch  - Landsberg  über  St.  Urban, 
St.  Johann,  St.  Helena  und  Kalobic  bis  jenseits  St.  Ruperti.  Er  kann  von  der 
Rudenza  aus  besonders  gut  verfolgt  werden,  wobei  die  12  Kirchen,  die  sich 
auf  ihn  erheben , als  Leiter  dienen.  Auch  der  breite  Leithakalkrücken  zwischen 
Ponigel  und  Sauerbrunn  Rohitsch  tritt  noch  ziemlich  deutlich  hervor. 

In  Beziehung  auf  die  Hydrographie  des  Cillier  Beckens  mag  Folgendes 
genügen r^Es  theilen  sich  die  Sann  (in  Section  XXIII  durch  den  bedeutenden 
Zufluss  der  Vo’gleina  vertreten)  und  die  Sottla  in  dasselbe.  Die  Scheide  der 
beiden  Flussgebiete  ist  keine  durch  geologische  Verhältnisse  sichtbar  bedingte, 
sondern  mehr  eine  zufällige,  da  sie  von  Nord  nach  Süd  durch  eine  Reihe  von 
niedrigen  Querriegeln  vermittelt  wird,  während  das  ganze  System  der  Tertiär- 


321 


[11]  Hie  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter -Steiermark. 

schichten  ungestört  von  West  nach  Ost  von  einem  Gebiet  ins  andere  übergeht. 
Die  Wasserscheide  beginnt  bei  St.  Michael  ob  Süssenberg,  berührt  das  West- 
ende des  Rudenzazuges  und  endigt  bei  Montpreis  im  Wacherzug. 

Das  Reichenburger  Becken  bildet  ein  wahres  Binnenmeer,  denn  es  steht  mit 
der  croatischen  Tertiärregion  nur  durch  den  schmalen  Canal  von  Hörberg 
(i/4  Meile  breit  und  1 Meile  lang)  in  Verbindung.  Es  wird  im  Norden  durch  den 
Wacherzug,  im  Osten  und  Südosten  durch  den  Orlizazug,  auf  den  übrigen 
Seiten  durch  das  Savegebirg  abgeschlossen,  und  nimmt  mit  sammt  dem  Canal 
eine  Oberfläche  von  2 Quadratmeilen  ein. 

Nur  die  neogenen  Glieder  sind  hier  vorhanden;  diese  aber  entwickeln  bei 
der  kleinen  Ausdehnung  des  Beckens  eine  ansehnliche  Mächtigkeit.  Besonders 
ist  der  Leithakalk  reichlich  vertreten,  um  so  mehr,  da  er  theils  durch  die  geringe 
Neigung  seiner  Bänke,  theils  durch  Verwerfungen  an  oberflächlicher  Ausdehnung 
gewinnt.  Vermöge  seiner  Widerstandsfähigkeit  gegen  die  zerstörenden  Einflüsse  der 
Atmosphärilien  spielt  er  auch  die  wichtigste  Rolle  in  der  Anlage  des  Reliefs.  Vor 
Allem  tritt  im  Norden  ein  langer  Leithakalkzug  sehr  entschieden  hervor.  Er  geht 
aus  der  Gegend  oberhalb  Lichtenwald  in  genau  westöstlicher  Richtung  und  in  ganz 
geringer  Entfernung  vom  Beckenrand  bis  zum  Heiligenberg  von  Hörberg,  wo  er 
sich  mit  dem  aus  Südwesten  kommenden  Zug  vereinigt.  Ein  kleinerer  Leitha- 
kalkzug, mit  dem  ersten  parallel  laufend  und  durch  Verwerfung  entstanden 
(siehe  Hauptprofil  I und  Fig.  19),  trägt  die  Kirchen  von  Leskoutz  (Allerheiligen), 
St.  Paul  und  Dousko.  Ein  dritter,  durch  Breite  und  Höhe  ausgezeichnet,  erhebt 
sich  mitten  im  Becken  und  bildet  den  Kosenverh,  den  Hügel  von  Senovo  und  den 
Tscherenzberg  bei  Armesko.  Endlich  besteht  der  ganze  Ostrand  aus  Leithakalk, 
und  der  Brestanzabach  muss  sich  beständig  zwischen  steilen  Felsenwänden 
dieser  Formation  hindurchwinden. 

Zahlreiche  Bäche,  am  Wachergebirge  entspringend , durchfurchen  das 
Reichenburger  Becken.  Sie  alle  durchqueren  dessen  Schichtensystem  und 
durchbrechen  vielfach  das  Savegebirg,  um  zur  Save  zu  gelangen.  Keiner  fliesst 
in  einem  Längenthal,  keiner  geht  durch  den  Canal  von  Hörberg  der  Sottla  zu, 
obwohl  dieser  einst  der  natürliche  Abflussweg  des  Beckens  gewesen  sein  muss. 

Das  dritte  Becken,  mit  welchem  unsere  geologisch-topographische  Skizze 
geschlossen  wird,  ist  dasjenige  von  Rann.  Dahin  gehören  ausser  dem  steieri- 
schen Antheil  noch  die  Gurk-Ebene  in  Krain  und  ein  ziemlich  grosses  Stück  der 
croatischen  Niederung.  Es  ist  im  Norden  durch  den  Orlizazug  und  das  Save- 
gebirg, im  Süden  durch  das  Uskokengebirge  und  im  Osten  durch  das  Agramer 
Gebirge  begrenzt,  somit  ebenfalls  gut  abgeschlossen,  wenn  auch  weniger  voll- 
kommen, als  das  vorige  Becken. 

Ausser  der  Tertäärformation  vom  Leithakalk  aufwärts  haben  wir  hier  auch 
Diluvial-  und  Alluvialbildungen,  die  einzigen  von  einiger  Ausdehnung  im  ganzen 
Gebiet.  Sie  bilden  eine  grosse  Ebene  mit  .Terrassenbildung,  die  gegen  den 
Rand  hin  nicht  selten  von  niedrigen  Hügeln  aus  Diluviallehm  begrenzt  wird  (der 
flache,  langgestreckte  Hügel  von  Kapellen  dürfte  auch  hieher  gehören)  und 
wovon  iy8  Quadratmeile  auf  Steiermark  entfallen. 

Der  steierische  Antheil  an  der  Tertiärzone  besteht  fast  nur  aus  Sand,  der 
den  obersten  Neogenschichten  angehört.  Nur  längs  dem  Orlizazug  findet  sich 
Leithakalk  als  schmale  Umsäumung;  ebenso  besteht  der  600  Fuss  über  die  Save 
sich  erhebende  Loibenberg  bei  Altendorf  (absolute  Höhe  1130  Fuss)  zum 
grösseren  Theile  aus  Leithakalk.  Das  Tertiärland  ist  von  vielen  Bächen  ausge- 
waschen, die  alle  von  Nord  nach  Süd  der  Save  und  Sottla  zufliessen.  Es  stellt 
sich  somit  als  eine  Reihe  gleichlaufender  sanfter  Hügelrücken  dar. 

4t  * 


322  Theobald  v.  Zollikofer.  [12] 

Ein  Einschnitt  des  Gebirges  hat  endlich  die  kleine  Tertiärbucht  von 
Wisell  hervorgerufen. 

Bevor  wir  dieses  Capitel  schliessen,  erlauben  wir  uns  noch  eine  Bemerkung 
theoretischer  Natur.  Es  muss  auffallen,  dass  die  verschiedenen  Gebirgszüge, 
die  wir  betrachtet  haben,  mehr  oder  weniger  unter  sich  convergiren,  obwohl 
sie  gleichen  Alters  sind,  wie  dies  unzweifelhaft  aus  ihrer  gleichmässigen  Ein- 
wirkung auf  die  Tertiärschichten  hervorgeht.  Diese  sind  überall  mitgehohen 
worden  und  selbst  die  obersten  Schichten,  die,  wie  wir  später  sehen  werden, 
schon  zur  Pliocenformation  gerechnet  werden  können,  sind  nicht  auszunehmen. 
Am  deutlichsten  geht  dies  aus  der  Richtung  der  Leithakalkzüge  hervor,  die  stets 
mit  dem  respectiven  Gebirge  parallel  streichen,  gleichviel,  ob  sie  unmittelbar 
denselben  aufgesetzt  sind,  oder  ob  sie  in  grösserer  Entfernung  davon  auftreten. 
Die  Leithakalkzüge  von  Ponigl  und  vom  Ranner  Becken  machen  z.  B.  unter  sich 
einen  Winkel  von  nahe  40  Klafter,  gerade  so  wie  der  Drau-Save-Zug  mit  dem 
Orlizazug.  Daraus  gehen  zwei  Dinge  hervor:  1.  dass  die  Theorie  des  Parallelis- 
mus gleichalter  Gebirge  selbst  bei  benachbarten  Zügen  nicht  immer  Geltung 
hat;  2.  dass  die  Südostalpen  ihre  jetzige  Gestaltung  nicht  schon  nach 
Abschluss  der  Eocenperiode  erlangt  haben,  sondern  erst  nach  Ablagerung  der 
obersten  Tertiärschichten,  dass  sie  somit  zum  mindestens  ebenso  jung  sind, 
wie  die  W estalpen. 

Beschreibung  der  einzelnen  Formationen. 

In  dem  bunten  Gemisch  der  verschiedenartigsten  Formationen,  welchen 
wir  in  diesem  Landestheile  begegnen,  kommen  viele  Bildungen  vor,  deren 
Charakter  entweder  auf  einen  rein  plutonischen  Ursprung  oder  wenigstens  auf 
irgend  eine  Beziehung  zu  plutonischen  Einflüssen  hindeutet.  Da  nun  bei  diesen 
die  Altersbestimmung  häufig  mehr  oder  weniger  misslich  bleibt,  so  wollen  wir 
sie  nicht  in  die  Reihe  der  regelmässigen  Bildungen  einschalten,  sondern  ziehen 
vor,  sie  auszusondern  und  getrennt  zu  behandeln.  Wir  erhalten  somit  zwei 
Gruppen  von  Bildungen,  normale  und  anormale  (in  welch1  letztere  wir 
auch  die  Quellen  aufnehmen  werden)  mit  folgenden  Capiteln : 

A.  Gruppe  der  normalen  Bildungen. 

I.  Gailthaler  Schichten,  Aequivalent unteres  Steinkohlensystem. 

II.  Werfener  Schichten  u.  Guttensteiner Kalke  untere  Trias. 

III.  Hallstätter  Kalke  und  Dolomite 

IV.  Gurkfelder  und  Grossdorner  Schichten.  . 

V.  Dachsteindolomite unterer  Lias. 

VI.  Eocenformation Eocen  bis  Oligocen. 

VII.  Neogenformation Miocen  bis  Pliocen. 

VIII.  Neuere  Bildungen  (Diluvium,  Alluvium,  Kalktuff). 

B.  Gruppe  der  anormalen  Bildungen. 

IX.  Felsitporphyr,  Breccien  u.Contactgesteine  untere  Trias. 

X.  Grünsteine  (Diorit) obere  Trias. 

XI.  Jüngere  plutonische  Bildungen Eocen. 

XII.  Erzlagerstätten Steinkohlensystem  bis  Eocen. 

XIII.  Quellen. 


obere  Trias. 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


323 


A.  Gruppe  der  normalen  Bildungen. 

1.  Gailthaler  Schichten. 

Hier,  wie  im  Savegebiet  überhaupt,  sind  diese  Schichten  die  untersten,  die 
zu  Tage  ausgehen,  was  aber  nicht  hindert,  dass  sie  in  Folge  gewaltsamer  Be- 
wegungen der  Gebirge  häufig  sichtbar  werden  und  oft  ziemlich  hoch  ansteigen. 
Indessen  sind  sie  in  unserem  Gebiete  weniger  gut  vertreten , als  im  westlich 
anliegenden.  Von  den  drei  Zügen,  welche  die  untere  Sann  übersetzen  (Jahrbuch 
1839,  Seite  163,  Separatabdruck  Seite  6),  reicht  keiner  weit  in  die  Section 
XXIII  herein:  der  erste  verliert  sich  schon  bei  Tüchern,  wo  ein  Eisenbahn- 
durchschnitt die  Bildung  zum  letzten  Male  deutlich  aufgedeckt  hat,  und  die 
andern  beiden,  die  im  Bosenazuge  sich  auf  wenige  Klafter  nähern,  müssen  bald 
den  Contactgesteinen  des  Porphyrs  weichen.  Von  diesen  besteht  zwar  wahr- 
scheinlich selbst  wieder  ein  grosser  Theil  aus  veränderten  Gailthaler  Schiefern, 
während  ein  anderer  Theil  vielleicht  durch  Umwandlung  von  Werfener  Schich- 
ten entstanden  ist,  allein  es  ist  schwer,  eine  sichere  Grenze  zu  ziehen.  Hin- 
gegen liegt  in  der  Aufbruchsspalte  der  Leissbergmasse  (Figur  2)  eine  beträcht- 
liche Zone  (die  einzige  von  Belang)  von  Gailthaler  Schichten  aufgedeckt,  welche 
von  St.  Leonhard  bis  Siebenegg  (Krain)  eine  Länge  von  21/3  und  eine  Breite 
von  i/2  Meile  einnimmt  und  am  Gelände  des  Leissberges  bis  zu  einer  absoluten 
Höhe  von  200  Fuss  ansteigt.  Sonst  zeigt  sich  die  Formation  nur  noch  vereinzelt 
am  Südfluss  der  Bedenza  und  im  Orlizazug,  südlich  von  St.  Peter. 

Die  Gailthaler  Schichten  bestehen  bekanntlich  aus  schwarzen  bis  grauen 
grauwackeähnlichen  Thonschiefern,  grauen  glimmerigen,  festen  Quarzsand- 
steinen und  sporadisch  auftretenden  dunkeln  Kalken.  In  ihrem  Gefolge  finden 
sich  zuweilen  Lager  und  Gänge  von  Eisensteinen,  Bleiganz  und  Zinkblende. 

Die  Thonschiefer  sind  gewöhnlich  am  meisten  verbreitet,  so  auch  hier. 
Sie  sind  dünnschieferig  bis  schuppig  und  zerfallen  sehr  leicht.  Dieser  Umstand 
hat  auch  der  Anlegung  der  Agramer  Bahn  zwischen  Steinbrück  und  Lichtenwald, 
woselbst  sie  sich  2 Stunden  in  diesen  Schiefern  bewegt  und  die  besten  Auf- 
schlüsse gewährt,  grosse  Schwierigkeiten  in  den  Weg  gelegt  und  Verstärkung 
der  Scarpen  durch  Faschinenwerk  erfordert.  Ferner  sind  die  Schiefer  ausser- 
ordentlich stark  gewunden,  im  Kleinen  sowohl,  wie  im  Grossen,  so  dass  ihre 
Fallrichtung  jeden  Augenblick  wechselt  und  nur  das  Streichen  von  Ost  nach  West 
mehr  oder  weniger  constant  bleibt.  Figur  8 stellt  eine  Entblossung  der  Schie- 
fer an  der  Strasse  nach  Laak, 
nur  wenige  Schritte  nörd- 
lich vom  Dorfe  dar  und  kann 
als  Beispiel  ihrer  Windungen 
im  kleinen  dienen,  während 
Fig.  2 sie  im  Grossen  zeigt. 

Die  Sandsteine  neh- 
men den  oberen  Horizont 
ein  und  umsäumen  die  so 
eben  genannte  Thonschiefer-  Schichten« indung  der  Gailthaler  Schiefer  hei  Laak, 

zone.  Sie  finden  sich  ferner 

bei  Windisch-Landsberg  als  Liegendes  der  dort  vorkommenden  Eisensteine, 
sowohl  bei  Olimie  (II.  Hauptprofil) , als  an  der  Sottla  auf  eroatischer  Seite. 


Fig.  8. 


324 


Theobald  v.  Zollikofrr. 


[<*] 

Hieher  gehören  auch  die  Q uarzc  on  glomera  te,  die  mit  der  Spatheisenstein- 
formation des  Drau-Save-Zuges  auftreten,  da  sie  jedoch  ihre  Erledigung  schon 
in  einer  früheren  Abhandlung  (Jahrbuch  1859,  Seite  206,  Separatabdruck 
Seite  50)  gefunden  haben,  so  können  sie  hier  füglich  übergangen  werden.  Nur 
möge  noch  nachgetragen  werden,  dass  sie,  wie  wir  seither  erfahren,  am  Wotsch 
nicht  nur  in  der  Schlucht,  die  von  Gabernigg  nach  St.  Niklaus  führt,  gefunden 
werden,  sondern  auch,  und  zwar  in  grossen  Massen,  unweit  der  Fürst  Windisch- 
grätz'schen  Dampfsäge.  Sie  haben  früher  die  alte  Glashütte  unterhalb  der  Säge 
mit  Kies  versorgt  und  dienen  noch  jetzt  derjenigen  von  Loog  (östlich  von  Ro- 
hitseh,  an  der  Sottla)  zur  Erzeugung  von  Sauerbrunn-Flaschen. 

Die  Gailthaler  Kalke  sind  in  Steiermark  eine  seltene  Erscheinung. 
Ausser  dem  Schniirlkalke,  dem  Träger  der  Spatheisensteine  des  Drau-Save- 
Zuges,  wagten  wir  bisher  blos  drei  ganz  kleine  Massen  bei  Cilli  und  Franz  dazu 
zu  rechnen  (Jahrbuch  1859,  Seite  162,  Separatabdruck  Seite  6)  und  auch  dort 
geschah  es  nicht  ohne  Fragezeichen.  Um  so  mehr  musste  es  uns  auffallen,  gleich- 
sam mitten  im  Hallstätter  Dolomit  des  Orlizazuges,  südlich  von  St.  Peter  an  der 
Strasse  (genau  beim  g des  Wortes  H.  Berg  der  Stabskarte)  einen  schwarzen 
Kalk  mit  splitterigem  Bruch  und  feinen  Kalkspathadern  zu  treffen,  der  ganz  an 
Gailthaler  Kalk  erinnerte.  Das  gleichzeitige  Auftreten  von  Schiefern  und  Sand- 
steinen derselben  Formation  liess  auch  sonst  kaum  mehr  einem  Zweifel  Raum, 
um  so  weniger,  als  in  dessen  östlicher  Fortsetzung,  am  Weg  vom  Königs- 
berg nach  Wisell,  wieder  eine  winzige  Partie  von  Gailthaler  Sandsteinen  unter 
dem  Dolomit  zu  Tage  tritt  und  in  dessen  westlicher  Fortsetzung,  auf  der  Strasse 
von  Hörherg  nach  Pischätz,  in  einer  Höhe  von  fast  2000  Fuss,  in  der  Axe  des 
Gebirges,  Werfener  Schiefer  anstehen,  die  noch  weiter  westlich  im  oberen 
Motsehniggraben  wieder  gefunden  werden.  Offenbar  ist  hier  die  Dolomitdecke 
des  Gewölbes  schon  so  weit  abgetragen,  dass  es  nur  geringer  Einschnitte,  wie 
die  genannten,  bedurfte,  um  die  unteren  Schichten  in  der  Axe  desselben  zu  ent- 
blössen,  wie  es  auch  aus  Figur  9 hervorgeht. 

Fig.  9. 


H.  Berg-  Schloss  Meier-  Orliza  Motschnig- 

v.  Hörherg’.  Feistritz.  Hörherg.  hof.  (2000  Fuss).  graben.  St.  Gertraud. 


a Gailthaler  Schiefer,  b Werfener  Schiefer  und  Sandsteine,  c Hallstätter  Dolomit,  d Grossdorner  Schiefer, 

e Leithakalk. 

II.  Werfener  und  fiuttensteiner  Schichten. 

Diese  beiden  Bildungen  der  unteren  Trias  kommen  meist  zusammen  vor 
oder  ergänzen  sich  gegenseitig.  In  der  Regel  bilden  die  Werfener  Schichten  das 
untere  und  die  Guttensteiner  Schichten  das  obere  Glied , doch  ist  diese  Folge 
nicht  immer  streng  zu  nehmen,  da  sie  zuweilen  Wechsel  lagern. 

Die  Werfener  Schichten  mit  ihren  überall  sich  gleich  bleibenden,  leicht 
erkennbaren,  glimmerreichen,  rothen  und  grünen  Schiefern  und  Sandsteinen 
bilden  einen  trefflichen  Horizont  und  kommen  da  oft  gut  zu  Statten,  wo  die  Kalke 


323 


[13] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark» 


und  Dolomite  einen  unsichern  Charakter  zeigen,  oder  wo  Alles  wie  durchein- 
ander geworfen  erscheint,  oder  endlich,  wo  ältere  Gesteine  in  sehr  kleinen 
Partien  mitten  aus  dem  Tertiärgebiet  hervorragen.  Der  letze  Fall  ergibt  sich 
unter  andern  bei  Hohenegg,  wo  zu  beiden  Seiten  der  Kötting  rauchgrauer  ge- 
schichteter Kalk  ansteht,  welcher  auf  grünlichen,  gelblichen  bis  röthlichen,  matt 
aussehenden  Thonschiefern  ruht  oder  mit  denselben  wechselt.  Schon  Dr. 
Rolle  hat  diesen  Kalk  untersucht  und  sagt  davon  (Jahrbuch  1837,  Seite  433, 
Separatabdruck  Seite  33):  „Ich  hätte  ihn  dem  äussern  Ansehen  nach  für  Gutten- 
„steiner  Kalk  gehalten,  indessen  die  zwischengelagerten  Schieferschichten  sind 
„so  schimmernd,  dass  ich  nach  wiederholter  Untersuchung  mich  nur  für  Gail- 
„thaler  Kalk  erklären  kann,  zumal,  da  die  directe  Auflagerung  auf  semikrystal- 
„linischen  Schiefern  ausser  Zweifel  steht.“  Hätte  jedoch  der  Zufall  unsern  Vor- 
gänger, so  wie  uns,  in  den  oberen  Dischenzagraben  (östlich  von  Hohenegg) 
geführt,  so  würde  er  dort  auf  der  rechten  Seite  des  Baches,  da  wo  er  plötzlich 
nach  Süden  umbiegt , eine  wenige  Klafter  weit  entblösste  Partie  von  rothen  und 
grünen  Werfener  Schiefern  gefunden  haben,  die  erst  nach  NO.  fallen  und  dann 
nach  SW.  umbiegen,  und  auf  welche  jener  rauchgraue  Kalk  sammt  den  Zwischen- 
lagen von  schimmernden  Thonschiefern  regelmässig  aufgelagert  ist  (Figur  10). 


Fig.  10. 


P Porphyr,  a Werfener  Schiefer,  b rauchgrauer  Kalk  (Guttensteiner  Kalk),  c inattschimuienule  Thonsehiefer 
(Contactgesteine),  d Hallstätter  (?)  Dolomit  und  Kalk,  e eocene  Porphyrluffe. 


Dr.  Rolle  wäre  dann  wahrscheinlich  nicht  nur  zu  dem  einen  Schluss  ge- 
kommen, dass  jene  rauchgrauen  Kalke  wirklich  Guttensteiner  Kalke  sind,  sondern 
noch  zu  dem  andern  weit  wichtigem,  dass  nämlich  seine  semikrystallinisehen 
Uebergangsthonschiefer  ein  Aequivalent  der  Werfener  Schichten,  vielleicht  gar 
nur,  durch  die  Nähe  des  Porphyrs  veränderte  Werfener  Schiefer  sein  dürften. 
Dadurch  wäre  auch  das  Erscheinen  des  Porphyrs  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit 
als  in  die  Triasperiode  fallend  bestimmt  worden.  Da  wir  übrigens  diese  Ansicht, 
auf  andere  Thatsachen  gestützt,  schon  früher  ausgesprochen,  so  lieferte  uns 
diese  Localität  nur  eine  neue  Bestätigung  dafür.  Wir  werden  übrigens  im  Capi- 
tol IX  darauf  zurückkommen  und  einstweilen  wieder  zu  unserem  Gegenstand 
übergehen. 

Die  Werfener  Schichten  sind  nirgends  sehr  mächtig,  bedecken  auch  keine 
grösseren  zusammenhängenden  Flächen.  Nur  um  die  grosse  Ellipse  der  Gailthaler 
Schichten  am  Fusse  des  Leissberges  können  sie  lange  Strecken  weit  als  schmales 
Band  verfolgt  werden;  sonst  treten  sie  sehr  vereinzelt  in  Partien  auf,  die  kaum 
auf  der  Karte  verzeichnet  werden  können,  so  bei  Windisch-Landsberg  (oberhalb 
Olimie  und  an  der  Sottla),  im  oberen  Motschniggraben  (Figur  9),  im  oberen 
Douskograben  (Figur  19)  u.  s.  w. 

Die  Guttensteiner  Schichten  beslehen  aus  rauchgrauem  bis  schwarzem 
Kalke,  zuweilen  auch  aus  Dolomit  von  ähnlicher  Färbung.  Indessen  haben  sie 
selten  einen  hinreichend  ausgesprochenen  petrographischen  Charakter,  der  bei 
Abwesenheit  von  Petrefacten  und  von  deutlichen  Lagerungsverhältnissen  zu  ihrer 


326 


Theobald  v.  Zollikoi'er. 


rie] 

Bestimmung  genügen  könnte,  denn  es  gibt  auch  Kalke  und  Dolomite  der  oberen 
Trias,  die  damit  leicht  verwechselt  werden  können.  Somit  muss  meist  ihre  Be- 
ziehung zu  den  Werfener  Schichten  entscheiden.  Aber  auch  dann  erheben  sich 
zuweilen  noch  Zweifel.  So  z.  B.  haben  wir  den  schwarzen  dünngeschichteten 
Kalk  des  steilen  Weinberges  Velki  Verh,  nordöstlich  von  Lichtenwald  als  Gutten- 
steiner  Kalk  eingetragen,  weil  er,  wenn  auch  in  undeutlicher  und  gestörter 
Lagerung  (Figur  11),  auf  die  Werfener  Schichten  von  Perkuni-Verh  folgt  und 
weil  er  in  der  Fortsetzung  der  Guttensteiner  Schichten  von  Lichtenwald  liegt; 
allein  auf  der  anderen  Seite  nähert  er  sich  durch  seine  ausgezeichnete  Schichtung 
und  seine  häufigen  regelmässigen  Zwischenlagen  von  Hornstein  gar  sehr  gewissen 
Schichten  der  Grossdorner  Schiefer,  welche  überdies  auch  in  der  Nähe  Vor- 
kommen und  somit  zur  Vermehrung  der  Zweifel  beitragen. 


Fig.  11. 

Podverh.  Velki  Verh.  Sauersche.  St.  Leouliard.  Solsclina. 


Profil  des  Velki  Verb,  nördlich  von  Lichtenwald. 

n Oailthaler  Schiefer,  b 'Werfener  Schiefer,  c schwarzer,  diinngesrhichteter  Kalk  mit  Hornsleiulagen  (Guttensteiner 
Kalk  ?),  d Leithakalk  und  Leithasandstein,  e Leithamergel,  f obertertiärer  Sand. 


Ebenso  lassen  die  Dolomite  zwischen  Lichtenwald  und  Ober-Frisach  einige 
Zweifel  bezüglich  ihres  Alters.  Herr  Bergrath  Lipoid  führt  am  gegenüber- 
liegenden krainerischen  Save-Ufer  Guttensteiner  Dolomite  an,  unter  denen  bei 
Auen  Werfener  Schiefer  hervorschauen.  Man  sollte  nun  daraus  entnehmen  können, 
dass  die  fraglichen  Dolomite  ebenfalls  dazu  gehören , besonders  da  auch  die 
Werfener  Schiefer  an  einer  Stelle  (bei  U von  Uranjebach  der  Stabskarte),  wenn 
auch  kaum  bemerkbar,  herübersetzen.  Wir  glauben  aber  doch  nicht  geirrt  zu 
haben,  wenn  wir  sie  zu  den  Hallstätter  Schichten  zählen,  denn  erstens  liegen 
gerade  bei  dem  besagten  U,  unmittelbar  über  den  Werfener  Schiefern  deutliche 
St.  Cassianer  Schichten,  zweitens  lagern  auf  den  Dolomiten  Grossdorner  Schie- 
fer (Figur  12),  die  wir  nirgends  ohne  Hallstätter  Schichten  auftreten  gesehen, 
und  drittens  ist  nicht  leicht  anzunehmen,  dass  ein  so  allgemein  verbreitetes 

Fig.  12. 


Lichtenwald.  Savefluss. 


a grauer  Dolomit  (Hallstätter  Schichten),  b gelbe  und  rothe  hornsteinreiche  Plattenkalke  (Gurkfelder  Schichten), 
c röthliche  und  grün  und  weiss  melirte  Sandsteine,  zum  Theile  zerfallen;  dunkle  kurzklüftige  Schiefer  (Grossdorner 
Schichten)  , d Mergelkalk  mit  unregelmässig  knolligem  Aussehen  (Leithakalk)  , e sandiger  Mergelkalk  in  Platten 

brechend  (Leithakalk),  f tertiäre  Mergel. 


[17]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  327 

Gestein,  wie  der  Hallstätter  Dolomit,  der  rechts  und  links  in  ansehnlicher  Mäch- 
tigkeit ansteht,  gerade  auf  dieser  kurzen  Strecke  fehlen  sollte. 

Mit  einiger  Sicherheit  kann  somit  in  unserm  Gebiet  ausser  den  oben  er- 
wähnten Hügeln  von  Hohenegg  nur  ein  schmaler  Streifen  von  schwarzem  zum 
Theile  schieferigem  Kalke  oberhalb  Olimie  am  Südabhang  der  Rudenza  zu  den 
Guttensteiner  Schichten  gezählt  werden.  Er  bildet  daselbst  das  Hangende  der 
Eisenerzstöcke. 

111.  Hallstätter  Schichten. 

Die  Hallstätter  Schichten  prädominiren  in  allen  Gebirgszügen  Unter-Steier- 
marks,  sowohl  durch  ihre  Mächtigkeit,  als  durch  ihre  geographische  Verbrei- 
tung. In  der  Wachermasse  allein  werden  sie  von  den  sie  begleitenden  Gurkfelder 
und  Grossdorner  Schichten  in  Beziehung  auf  den  zweiten  Punkt  erreicht  oder 
gar  überholt.  Sie  bilden  auch  gewöhnlich  den  Kamm  der  Gebirge,  da  die  älteren 
Schichten  nur  in  tiefen  Einschnitten  zum  Vorschein  zu  kommen  pflegen,  die 
jüngeren  aber  sich  an  den  Seiten  anlehnen. 

Das  weitaus  vorwaltende  Gestein  sind  Dolomite  von  hellgrauer  Farbe, 
körniger  Structur  und  eckigem,  kurzklüftigem  Bruch.  Die  Kurzklüftigkeit  ist 
ein  ziemlich  constantes  Merkmal,  weniger  die  Farbe,  denn  es  gibt  auch  rauch- 
graue Dolomite  die  hierher  zählen.  Ein  anderes,  doch  seltener  auftretendes  Merk- 
mal sind  die  Rutschflächen,  die,  wenn  sie  nicht  zu  lange  der  Unbill  der 
Witterung  ausgesetzt  gewesen,  fein  geschliffenem  Marmor  gleichkommen.  Dabei 
hat  das  Gestein  das  Eigentümliche,  dass  es  auf  den  Rutschflächen  und  selbst 
noch  mehrere  Zoll  tiefer  hinein  eine  deutlich  ausgeprägte  Breccienstructur 
annimmt,  indem  es  aus  hellen  und  dunkeln,  kleinen,  eckigen  Brocken  besteht, 
die  unter  dem  Hammer  leicht  zerfahren , so  dass  es  kaum  gelingt,  ein  grösseres 
Belegstück  davon  zu  erhalten.  Solche  Erscheinungen  zeigen  sich  wohl  erhalten 
in  der  Sannschlucht  zwischen  Römerbad  und  Steinbrück,  im  Gratsehnitzagraben 
an  der  Strasse  von  Gairach  nach  Tüffer,  nördlich  von  Krapina  (Croatien),  end- 
lich weniger  ausgezeichnet  an  manchen  anderen  Stellen.  Bei  Steinbrück  enthält 
der  Dolomit  dünne  Lagen  von  lichtem  Hornstein  und  oberhalb  Opischotz,  auf  dem 
Kamm  des  Leissbergzuges  (genau  in  der  Nordostecke  der  Section  XXVI)  ist 
demselben  ein  Quarzlager  von  9 Fuss  Mächtigkeit  regelmässig  eingelagert.  Der 
Quarz  ist  dicht,  hellgrau  bis  ganz  weiss,  von  splitterigem  Bruch,  und  dürfte 
wohl  auch  etwas  feldspathhältig  sein.  Er  wird  für  die  Glashütte  in  Hrastnig,  ehe- 
mals in  Gairach,  ausgebeutet. 

Der  Dolomit  eignet  sich  trefflich  zur  Beschotterung.  Nirgends  sind  die 
Strassen  so  leicht  zu  unterhalten  und  dabei  so  gut  im  Stande,  als  gerade  in 
seinem  Bereiche.  Dabei  lässt  er  sich.  Dank  seiner  Kurzklüftigkeit,  sehr  leicht 
gewinnen,  aber  aus  eb^n  dem  Grunde  taugt  er  selten  als  Baustein.  Ein  anderer 
Vorzug  desselben  liegt  in  seinem  Quellenreichthum,  auf  den  wir  an  geeignetem 
Platze  zurückkommen  werden. 

Die  grösste  Verbreitung  besitzt  der  Dolomit  in  der  Leissbergmasse,  wo  er 
vom  Kamm  des  Gebirges  bis  über  die  Gratschnitza  hinaus  eine  Breite  von 
3/t  Meilen  einnimmt  und  pittoresk  zerrissene  Partien  bildet.  In  der  Wachermasse 
beschränkt  er  sich  auf  den  Südabhang,  dessen  obere  Hälfte  er  einnimmt;  er 
reicht  aber  gegen  Osten  nur  bis  Mörtschnasella  (südwestlich  von  Drachenburg) 
und  verschwindet  weiterhin  ganz  unter  der  Decke  der  jüngeren  Triasgesteine. 
Sehr  ausgedehnt  tritt  er  wieder  im  Qrlizazug  auf,  dessen  ganze  Breite  er  bis 
an  die  Ränder  einnimmt,  eine  Ellipse  von  2 Meilen  Länge  und  i/2  Meile  Breite 

K.  h.  geologische  Reichsaiistalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft.  42 


328 


Theobald  v.  Zollikofcr. 


[ISJ 

bildend.  Auch  im  Rudenzazuge  ist  seine  Bedeutung  keine  geringe,  da  er  in 
seinem  westlichen  Theil,  dem  Süssenheimerberg,  alle  anderen  Gesteine  ver- 
drängt, und  im  östlichen  neben  den  anderen  Bildungen  immer  noch  die  Oberhand 
behält.  Im  Drau-Save-Zuge  endlich  spielt  er  ebenfalls  die  Hauptrolle,  obwohl 
der  Kalk,  in  den  er  häufig  übergeht,  ihm  dieselbe  streitig  zu  machen  sucht. 
Somit  ist  also  der  Rosenazug  der  einzige,  in  welchem  der  Dolomit  nicht  zur 
Geltung  gelangt. 

Die  Kalke  der  Hallstätter  Schichten  haben  hier  zu  Lande  eine  untergeord- 
nete Bedeutung,  da  sie  seltener  Vorkommen.  Sie  sind  gewöhnlich  hellgrau  bis 
ganz  weiss,  compact  und  undeutlich  geschichtet,  oder  aber  schwarz  und  von 
deutlicher  Schichtung.  Sie  nähern  sich  somit  dem  petrographischen  Charakter 
nach  wie  der  Dolomit  bald  den  Dachstein-  und  Guttcnsteiner  Schichten.  Leider 
war  es  uns  nie  möglich,  Petrefacten  darin  aufzufinden,  welche  das  Alter  so 
mancher  isolirt  vorkommender  Kalke,  wie  im  Rosenazug,  unzweifelhaft  fest- 
setzen könnten.  Im  Rosenazug,  um  dabei  stehen  zu  bleiben,  tritt  der  weisse 
Kalk  mehrmals  auf,  so  dass  man  fast  an  einen  Wechsel  desselben  mit  den  meta- 
morphen  Thonschiefern,  dem  herrschenden  Gestein  dieses  Gebirges,  glauben 
möchte,  wenn  ein  solcher  überhaupt  möglich  Märe.  Wir  wissen  übrigens  aus 
den  Lagerungsverhältnissen,  wie  sie  sich  zwischen  Cilli  und  TütTer  gestalten, 
dass  dieser  Wechsel  von  Verwerfungen  und  w ellenförmiger  Hebung  herrührt 
(Figur  4).  Wenn  man  von  Store  aus  quer  über  den  Rosenazug  nach  St.  Ruperti 
gelangen  will,  so  trifft  man  den  Kalk  zuerst  bei  der  Kirche  St.  Johann  (Rifin- 
scheg),  die  sich  mit  ihrem  getrennt  stehenden  Thurme  auf  einem  steilen  Felsen 
erhebt.  Es  ist  dies  die  Fortsetzung  des  Petschounig  bei  Cilli,  allein  die  Breite 
des  Zuges  hat  sich  hier  schon  auf  wenige  Klafler  reducirt,  so  dass  sein  Dasein  beim 
weiteren  Verfolgen  oft  nur  mühsam  nachgewiesen  werden  kann.  Erst  östlich 
vom  Defile  von  St.  Jakob  (Vodrusehgraben)  wird  er  im  Reicheneggberg  noch 
einmal  deutlich  sichtbar.  St.  Johann  verlassend,  findet  man  alsbald  grauwacken- 
ähnliche Thonschiefer,  die  bald  nach  Nord,  bald  nach  Süd,  aber  immer  steil 
einfallen,  dann  wieder  Kalk,  nur  einige  Klafter  breit,  so  dass  man  sich 
noch  fragen  könnte,  oh  er  wirklich  anstehend  sei,  wenn  er  nicht  im  nächst- 
liegenden  Graben  ebenfalls  zu  finden  wäre.  Folgen  wieder  eine  breite  Schiefer- 
zone und  ein  schmaler  Kalkstreifen,  und  so  fort,  bis  man  in  den  tiefen  oberen 
Vodrusehgraben  gelangt,  wo  der  Kalk  zu  beiden  Seiten  in  grösseren  Massen 
auftritt  und  deutlich  auf  Gailthaler  Schiefer  und  metamorphe  Schiefer  mit  Eisen- 
erzstöcken aufgelagert  ist.  Dies  ist  einerseits  (linke  Grabenseite)  die  Fortsetzung 
der  Dostkette,  andererseits  diejenige  des  Humberges  bei  Tüffer  über  den  Sclii- 
kouzberg  hieher.  Unterhalb  der  Platzmühle  kommen  beide  zusammen  und  der 
Graben  wird  zur  unwegsamen  Schlucht,  bis  gegen  Raune,  w?o  der  eben  erst 
vereinigte  Kalkzug  ganz  aufhört. 

Wahrscheinlich  gehört  der  helle  spathreiche  Kalk  des  Guekenbergos , der 
mit  lichtem  Dolomit  den  Guttensteiner  Schichten  aufliegt,  auch  hieher.  In  diesem 
Falle  muss  eine  muldenförmige  Einlagerung  vorausgesetzt  werden , wie  wir  sie 
in  Figur  10  angedeutet  haben.  Bei  der  unsicheren  Sehichtenstellung  der  Con- 
tactgesteine  lässt  sich  aber  die  Vermuthung  nicht  zur  Gewissheit  erheben.  Am 
häufigsten  finden  sich  die  lichten  Kalke  im  Drau-Save-Zuge,  gewöhnlich  im  Kern 
des  Gebirges,  da  sie  nach  aussen  hin  gern  in  Dolomit  übergehen,  jedoch  so, 
dass  eine  Trennung  beider  nicht  leicht  möglich  wird.  Endlich  bemerken  wir 
noch  im  Süden  des  Gebietes  die  hellen  Kalke  von  St.  Maria  bei  Tscheine,  nörd- 
lich von  Blanza  (Hauptprofil  I),  vom  Bache  gleichen  Namens  tief  durch- 
rissen. 


329 


[19] 


Die  Geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


Die  schwarzen  Hallstätter  Kalke  sind  weit  seltener.  Unseres  Wissens  gibt 
es  solche  nur  an  der  Strasse  von  Hörberg  nach  Pischätz  und  an  der  Mündung  des 
Lahonbaches  in  die  Gratschnitza.  Letztere  könnten  auch  wohl  schon  den  tiefem 
Guttensteiner  Schichten  angeboren,  da  ihr  Südfallen  auf  eine  Mulde  schliessen 
lässt,  wodurch  die  Möglichkeit  gegeben  ist,  sie  mit  den  schwarzen  Kalken  des 
Südabhanges  des  Leissberges  in  Verbindung  zu  bringen  (siehe  Figur  3). 


IV.  ffurkfelder  und  Grossdorner  Schichten. 

Wir  kommen  nun  zu  zwei  alpinen  Bildungen,  die  durch  ihre  grosse  Ver- 
breitung im  unteren  Savegebiet,  mehr  aber  noch  durch  die  Neuheit  ihrer  Er- 
scheinung unsere  besondere  Aufmerksamkeit  in  Anspruch  zu  nehmen  berechtigt 
sind.  In  der  That  haben  wir  sie  in  den  anderen  Landesparcellen  nirgends  ge- 
troffen und  ihr  Vorfinden  würde  uns  sicher  sehr  überrascht  haben , wenn  wir 
nicht  durch  die  Untersuchungen  des  Herrn  Bergrathes  Lipoid  in  Unter-Krain 
zum  Voraus  darauf  aufmerksam  geworden  wären.  Da  sie  aber  am  rechten  Ufer 
der  Save  vom  Neuringbach  bis  Gurkfeld  und  weiter  südlich  von  Landstrass  bis 
Bann  so  mächtig  entwickelt  anstehen,  so  war  jedenfalls  zu  vermuthen,  dass  sie 
auch  auf  dem  linken  Ufer  nicht  fehlen  würden. 

Die  Beobachtungen  auf  steierischer  Seite  haben  fast  durchwegs  zu  den- 
selben Resultaten  geführt,  die  Herr  Lipoid  für  die  Krainer  Seite  in  seiner  Be- 
schreibung von  Unter-Krain  (Jahrbuch  1838,  Seite  270)  ausführlich  nieder- 
gelegt hat.  Ausserdem  sind  aber  noch  verschiedene  Anhaltspunkte  gefunden 
worden,  die  geeignet  erscheinen,  das  bisher  sehr  zweifelhafte  Alter  dieser  For- 
mationen festzustellen.  Zwar  haben  sich  auch  hier  keine  anderen  organischen 
Reste  als  Fucoiden  vorgefunden,  aber  die  innige  Beziehung  beider  Bildungen  zu 
den  Hallstätter  Schichten  und  besonders  ihre  Ueberlagerung  durch  Dachstein- 
dolomite bezeichnen  sie  als  neue  Glieder  der  oberen  Trias.  Immerhin  finden  wir 
aber  für  zweckmässig,  die  von  Herrn  Lipoid  eingeführten  Localbenennungen 
Gurkfelder  und  Grossdorn  er  Schichten  beizubehalten,  da  sie  sich  wenig- 
stens in  petrographischer  Beziehung  von  parallelen  Bildungen  deutlich  unter- 
scheiden. Wir  wollen  nun  näher  in  ihre  Natur  und  Verbreitung  eingehen  und 
dann  die  Altersfrage  discutiren. 

a)  Gurk  fei  der  Schichten.  Gutgeschichtete,  sehr  compacte  Kalke  von 
muscheligem  Bruche,  welche  viel  Hornstein  in  Knollen  und  dünnen  Lagen  führen. 
Schichtung  und  Korn  machen  sie  zu  Bau-  und  Ziersteinen  sehr  geeignet,  denn 
sie  brechen  leicht  in  Platten  und  nehmen  eine  feine  Politur  an.  In  Dulle  (Krain), 
St.  Canzian  gegenüber,  ist  ein  grosser  Steinbruch  darin  eröffnet,  der  die  Um- 
gegend mit  Tischplatten,  Treppenstufen,  Grabsteinen  u.  s.  w.  versorgt  9-  Ein 
anderer  Steinbruch  findet  sich  hei  Drenowetz  an  der  Strasse  von  Rann  nach  St. 
Peter.  Hier  steht  ein  mehr  massiger  rauchgrauer  Kalk  an,  der  zwar  nur  als 
Baustein  gewonnen  wird,  der  aber  auch  für  künstlerische  Zwecke  zu  empfehlen 
wäre,  da  seine  vielen  Kalkspathadern,  die  bald  concentrisehe,  bald  verschlungene 
Figuren  bilden,  durch  Politur  vorteilhaft  hervortreten. 

Gewöhnlich  sind  diese  Kalke  dünngeschichtet  und  liefern  Platten  von  y2  l)ls 
f»  Zoll,  so  namentlich  zwischen  Fichtenwald  und  Reichenburg  bei  Unter-Frisach, 
wo  sie  selbst  schieferig  werden , bei  St.  Canzian  und  im  Blanzagraben , dann 
oberhalb  Videm  gegen  Sremitseh  zu,  endlich  im  oberen  Douskograhen.  Seltener 


*)  Vor  dem  Gasthaus  zu  Blanza  sieht  man  eine  solche  polirte  Tischplatte  von  ungefähr 
10  Fuss  Länge  auf  4 Fuss  Breite. 


42  * 


330 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[20] 

haben  die  Platten  mehr  als  1 Fuss  Mächtigkeit,  wie  bei  Drenowetz  (wo  übrigens 
zugleich  auch  nur  zolldicke  Vorkommen)  und  am  Nordabhang  des  Wachberges. 

Die  dünngeschichteten  Kalke  sind  meist  von  bunter  aber  lichter  Färbung. 
Grau  und  roth  herrschen  vor,  zuweilen  in  ein  und  demselben  Gestein,  welches 
dann  ein  geflecktes  oder  geflammtes  Aussehen  erhält;  daneben  sind  auch  weiss, 
gelb  und  violett  oft  vertreten.  Ausnahmsweise  haben  wir  im  Blanzagraben , un- 
mittelbar auf  dem  Hallstätter  Kalk,  schwarze  Kalke  gefunden,  die  hierher  zu 
rechnen  sind.  Der  darin  vorkommende  Hornstein  war  pechschwarz,  während  er 
sonst  grau  oder  röthlich  ist.  Die  dickgeschichteten  Kalke  von  Drenowetz  und 
dem  Wachberge  sind  durchgängig  rauchgrau. 

An  Petrefacten  war  nichts  zu  finden  als  Fucoiden,  die  übrigens  in  der  fol- 
genden Formation  viel  häufiger  sind. 

b)  Grossdorner  Schichten.  Gewöhnlich  kommen  feste  aber  sehr  kurz- 
klüftige Mergel-  oder  Kalkschiefer  vor.  Ihre  Farbe  ist  schmutzig  grau  mit  einem 
Stiche  in’s  grünliche  oder  braune,  seltener  schwarz.  Am  Vetternig,  unter  den 
Häusern  von  Perkrisch  sind  sie  ausnahmsweise  grün  und  violett  gebändert.  Diese 
Färbung  dürfte  aber  nachträglich  entstanden  sein,  denn  während  die  Schichten 
(auf  deren  Ablösungsflächen  sich  Fucoiden  finden,  so  dass  keine  Verwechslung 
zwischen  Schichtung  und  Schieferung  möglich  ist)  schwach  nach  NO.  fallen, 
sind  die  regelmässigen  Farbenbänder  steil  nach  West  geneigt. 

Die  Schiefer  werden  zuweilen  sandig  und  nehmen  feine  Glimmerblättchen 
auf,  so  längs  der  Save.  Diese  Varietät  führt  am  häufigsten  Fucoiden,  die  über- 
dies deutlicher  gezeichnet  sind,  als  diejenigen  der  anderen  Schiefer. 

Ausser  den  Schiefern  gehören  zu  den  Grossdorner  Schichten  noch  dünn- 
geschichtete dunkle  Kalke  mit  regelmässigen  Lagen  von  grauem  Hornsteine,  die 
mit  jenen  wechsellagern.  Dies  zeigt  sich  am  deutlichsten,  wenn  man  von 
Kopreinitz  aus  den  Vetternig  besteigt,  da  auf  dieser  Seite  die  Formalion  eine 
Mächtigkeit  von  mindestens  600  Fuss  entfaltet  und  von  unten  nach  oben  aus 
Schiefern,  hornsteinreichen  dichten  Kalken  und  wieder  aus  Schiefern  besteht, 
die  alle  fast  söhlig  gelagert  sind.  Manchmal  ist  der  Kalk  auch  dolomitisch,  wie 
z.  B.  bei  Toplize  (südwestlich  von  Drachenburg),  wo  Dolomit  und  Hornstein  in 
halbzölligen  Streifen  abwechseln  und  der  Felsentblössung  ein  eigenthümliches 
Aussehen  verleihen.  Oberhalb  Edelsbach,  an  der  Strasse  nach  Montpreis,  scheint 
er  hingegen  kieselerdehältig  zu  sein;  auch  da  wechselt  er  in  dünnen  Lagen  mit 
Hornstein  und  erscheint  dadurch  schön  gebändert. 

Ausser  den  schon  erwähnten  Fucoiden,  die  mit  Chondrites  Targionii  und 
Ch.  aeqaalis  Sternberg  einige  Aehnlichkeit  haben,  fanden  wir  nur  bei  St.  Marein 
in  einem  röthlichen  Sandstein  eine  unbestimmbare  Bivalve. 

ln  Beziehung  auf  Verbreitung  und  Mächtigkeit  wetteifern  die  Gurkfelder 
und  Grossdorner  Schiefer  im  südlichsten  Theil  der  Steiermark  mit  den  Hallstät- 
ter Schichten.  Am  stärksten  sind  sie  in  der  Wachermasse  vertreten , wo  sie  an 
horizontaler  Verbreitung  die  andern  Gesteine  übertreffen.  Am  Nordabhang  treten 
sie  sehr  regelmässig  auf,  am  Südabhang  aber  sind  sie  mehrfach  gewunden  und 
zerrissen,  was  die  Bestimmung  der  Grenzen  etwas  unsicher  macht.  In  der  Leiss- 
bergmasse  sind  sie  nur  an  den  beiden  Gehängen  des  Lahongrabens  zu  sehen  und 
würden  kaum  die  Aufmerksamkeit  des  Beobachters  erregen,  wenn  diese  nicht 
schon  anderswo  darauf  hingelenkt  worden  wäre.  Von  grosser  Bedeutung 
ist  diese  Formation  wieder  im  Orlizazuge.  Sie  bildet  im  Osten  zu  beiden 
Seiten  desselben  einen  schmalen  Saum  von  steil  aufgerichteten  Schichten, 
der  gegen  Westen  immer  breiter  wird,  indem  die  Bildung  an  Mächtigkeit  zu- 
nimmt und  sich  zugleich  weniger  steil  an  den  Dolomitkern  anlehnt.  Im  steieri- 


[21]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


33t 


sehen  Antheil  des  Savegebirges  nehmen  sie  ebenfalls  eine  wichtige  Stelle  ein, 
da  sie  dessen  ganze  südliche  Hälfte  occupiren  und  sehr  regelmässig  gelagert 
sind. 

An  all’  diesen  Orten  spielen  die  Grossdorner  Schichten  die  Hauptrolle,  denn 
die  Gurkfelder  Plattenkalke  kommen  mehr  vereinzelt  vor  und  sind  selten  mächtig. 
Uebergänge  der  einen  Bildung  in  die  andere  lassen  übrigens  nicht  immer  eine 
entschiedene  Trennung  zu. 

Noch  müssen  wir  der  dunkeln  geschichteten  bis  schieferigen  Kalke  erwäh- 
nen, die  am  Nordabhange  der  Rudenza  auftreten,  sich  von  Schöpfendorf  bis 
Ober-Tinsko  erstrecken  und  bis  auf  die  Kammhöhe  des  Gebirges  hinaufreichen 
(die  höchste  Kuppe  der  Rudenza  besteht  ganz  daraus).  Wir  haben  sie  in  unserem 
vorläufigen  Berichte  (neunter  Bericht  des  geogn.-mont.  Vereines  für  Steiermark, 
Seite  8)  zu  den  Guttensteiner  Schichten  gezählt,  wozu  uns  die  petrographische 
Aehnlichkeit  der  dichten  Kalke  mit  solchen,  die  Nähe  von  unzweifelhaften  Gutten- 
steiner Schichten  an  der  Sottla  und  die  Annahme  einer  Mulde  nach  dem  Miniatur- 
bilde der  Schichten  an  der  Sottla,  die  wirklich  Muldenbildung  zeigen,  Veran- 
lassung geben.  Allein  seither  sind  wir  nach  reiferer  Ueberlegung  davon  abge- 
kommen und  glauben  sie  nun  vielmehr  mit  Bestimmtheit  für  Grossdorner  Schich- 
ten erklären  zu  müssen.  Einmal  ist  es  unwahrscheinlich , dass  in  einem  isolirten 
Gebirge  die  Muldenbildung  bis  zu  förmlicher  Faltung  vorgeschritten  sei,  so  dass 
die  jüngeren  Schichten  (hier  Hallstätter  Dolomit)  zwischen  die  älteren  gleich- 
sam eingekeilt  würden,  wie  in  diesem  Falle  vorausgesetzt  werden  müsste, 
während  sich  durch  die  Annahme  von  Grossdorner  Schichten  ganz  ungekünstelte 
Lagerungsverhältnisse  ergeben,  wie  im  zweiten  Hauptprofil  zu  sehen  ist.  Dazu 
kommt  noch  das  Vorwiegen  der  schieferigen  Kalke  und  das  Auftreten  von  Horn- 
stein , wodurch  diese  Schichten  der  Grossdorner  Formation  auch  petrographisch 
näher  rücken.  Vor  Allem  aber  bestimmt  uns  ihre  innige  Beziehung  zu  den  Grün- 
steinen zur  jetzigen  Annahme.  Wir  werden  nämlich  später  sehen,  dass  diese 
Eruptivgesteine  sich  immer  zwischen  dem  Hallstätter  Dolomit  und  die  Grossdor- 
ner Schichten  oder  zwischen  diese  und  die  Gurkfelder  Kalke  eingedrängt  haben, 
überhaupt  nur  mit  den  obersten  Bildungen  der  Triasformation  Vorkommen,  wobei 
diese  häufig  bedeutende  Veränderungen  erlitten,  und  das  ist  gerade  an  der 
Rudenza  ganz  vorzüglich  der  Fall.  Wir  berichtigen  somit  unsere  erste  Angabe, 
und  bezeichnen  diese 

Schichten  als  das  nörd-  Fig.  13. 

liebste  Vorkommen  der 
Grossdorner  Schichten. 

Aus  der  Schichtung 
dieser  Gesteine  war  kein 
sicherer  Schluss  zu  zie- 
hen, da  sie  sehr  gestört 
erscheint.  Einen  kleinen 
Beleg  dazu  liefert  die 
Entblössung,  welche  bei 
Schöpfendorf,  da  wo  die 
neue  Strasse  von  Laak  in 
die  Hauptstrasse  mündet, 
zu  beobachten  ist(Fig.  1 3). 

Es  bleibt  uns  nun  noch  übrig,  die  oben  aufgestellte  Behauptung  zu  ver- 
theidigen,  dass  diese  Bildungen  noch  als  Glieder  der  Triasformation  angesehen 
werden  müssen.  Festgestellt  ist  vor  Allem,  dass  die  Gurkfelder  Kalke  stets  den 


Grossdorner  Schickten  bei  Schöpfendorf,  nördl.  von  W.  Landsberg. 

a dunkelgrauer  Kalkschiefer  mit  halbzolldiinnen  Schichten,  b dunkler,  dich- 
ter Kalk  in  Schichten  von  1 Fuss  bis  1 Zoll  Mächtigkeit  mit  Nieren  von 
schwarzem  Hornstein,  c Trümmergestein. 


332 


Theobald  v.  Zoll  i ko  lei. 


[2 


>9 


Hallstätter  Schichten  aufliegen  und  ihrerseits  wieder  von  Grossdorner  Schichten 
überlagert  werden;  davon  kann  man  sich  leicht  in  dem  Querriss  des  unteren 
Blanzagraben  überzeugen  (siehe  erstes  Hauptprofil).  Oft  folgen  zwar  die  Gross- 
dorner Schichten  unmittelbar  auf  den  Hallstätter  Dolomit  und  vertreten  dann 
zugleich  auch  die  Gurkfelder  Kalke,  eine  umgekehrte  Vertretung  findet  aber 
nicht  Statt,  denn  die  letzteren  zeigen  sich  nie  ohne  jene.  Festgestellt  ist  ferner 
durch  die  Untersuchungen  des  Herrn  Bergrathes  Lipoid,  dass  sie  in  Unter- 
Krain  von  den  oberen  Kreideschichten  bedeckt  werden,  somit  jedenfalls  älter 
als  diese  sein  müssen.  So  wäre  wohl  eine  obere  und  untere  Grenze  gegeben, 
zwischen  welche  sie  zu  liegen  kommen,  allein  innerhalb  derselben  ist  noch  ein 
weiter  Spielraum.  Herr  Lipoid  war  geneigt,  die  Gurkfelder  Kalke  als  Jura, 
die  Grossdorner  Schiefer  aber  als  untere  Krei  de  anzusehen.  Dies  ist  auch 
sehr  leicht  begreiflich,  denn  bei  der  ohnehin  schon  so  grossartigen  Entwickelung 
der  oberen  Trias  lag  die  Vermuthung  näher,  dass  diese  neuen  Glieder  die  weite 
Lücke  zwischen  Dachsteinkalk  und  oberer  Kreide  theilweise  ausfüllen  werden, 
als  die  andere,  nach  welcher  sie  die  Zahl  der  Triasglieder  noch  um  zwei  ver- 
mehren soll  J).  Indess  bemerkt  obiger  Geologe  schon  sehr  richtig,  dass  der  petro- 
graphische  Charakter  der  fraglichen  Gesteine  eine  Parallelisirung  mit  den  Schich- 
ten der  oberen  Trias  gar  wohl  zulasse,  ferner,  dass  auch  anderwärts  in  den 
Südalpen  die  Gruppe  der  oberen  Trias  zwei  Schiefer-  und  Sandsteinablagerungen, 
die  durch  Kalke  und  Dolomite  getrennt  sind,  aufweise,  deren  untere  den 
eigentlichen  St.  C as si a n er  Schichten , die  obere  den  Hai  bl  er  Schichten 
entspreche  (Jahrbuch  1858,  Seite  272).  Daraus  würde  sich  also  folgende 
Schichtenreihe  ergeben : 


1.  Untere  Ablagerung  von  Schiefern  und  Sandsteinen 
(auf  steierischer  Seite  nur  isolirt  auftretend)  .... 

2.  Dolomite  und  Kalke ) 

3.  Gurkfelder  Plattenkalke  mit  Hornstein  ( 

4.  Obere  Ablagerung  von  Schiefern  und  Sandsteinen 

(Grossdorner  Schichten) 

5.  Dolomit 


St.  Cassianer  Schichten. 
Hallstätter  Schichten. 

Raibler  Schichten. 
Dachstein-Schichten. 


Damit  aber  diese  Reihe  Gültigkeit  habe,  muss  vor  Allem  nachgewiesen 
werden,  dass  die  Grossdorner  Schichten  wirklich  von  Dachsteindolomit  über- 
lagert werden.  Dies  war  auf  der  Krainer  Seite  nicht  möglich,  da  sie  bald  gegen 
diese  einzufallen,  bald  von  ihnen  abzufallen  schienen.  Dafür  aber  kann  dieser 
Nachweis  auf  steierischer  Seite  an  mehreren  Punkten  mit  ziemlicher  Sicherheit 
geliefert  werden.  Es  lässt  sich  nämlich  zeigen,  dass  den  Grossdorner  Schiefern 
wirklich  Dolomite  aufruhen,  die  sicher  nicht  zur  Kreideformation  gehören,  und 
kaum  anders  denn  als  Dachsteindolomite  gedeutet  werden  könnten,  wenn  auch 
die  wenigen  und  nicht  immer  sehr  deutlichen  herzförmigen  Durchschnitte  der 
Dachsteinbivalve  übersehen  worden  wären.  Umgekehrt  werden  nun  auch  die 
Grossdorner  Schichten  dazu  dienen,  die  Dachstein-Schichten  von  den  Hallstätter 
Schichten  zu  unterscheiden,  da  ihre  petrographische  Verschiedenheit  oft  zu 
geringe  ist,  um  als  Anhaltspunkt  dienen  zu  können. 

Am  Augenscheinlichsten  zeigt  sich  die  Ueberlagerung  der  in  Frage  stehen- 
den Bildungen  durch  Dolomit  im  Bistrizagraben  bei  Drachenburg,  wie  aus 


D Wir  selbst  waren  Anfangs  ähnlicher  Meinung,  um  so  mehr  als  die  Gurkfelder  Kalke 
uns  oft  lebhaft  an  den  Biancone,  die  Grossdorner  Schiefer  aber  an  die  Scaglia  der 
Lombardie  erinnerten. 


[23]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


333 


Perkriscli.  Bistrizagraben. 


Dracheiiburg. 
Ruine.  Feistritz. 


S.  N. 

Profil  durch  den  Bistrizagrabcn  bei  Drachenburg, 

a Grossdorner  Schichten,  b Dachsteindolomit. 


Figur  14  hervorgeht.  Zwar  fällt  Fig.  14. 

der  Dolomit  am  Eingang  in  die 
Schlucht  steil  südlich  ein,  so- 
mit gegen  die  schwach  nach 
Nord  fallenden  Schiefer  abstos- 
send;  allein  weiter  hinein  lässt 
die  Lagerung  keine  Zweifel 
mehr,  man  wollte  denn  eine  be- 
deutende Verwerfung  oder  eine 
grossartige  Ueberkippung  der 
Schichten  annehmen,  wozu  aber 
kein  vernünftiger  Grund  vor- 
handen ist. 

Ein  zweites  Beispiel  der  Art  findet  man  an  der  Strasse  von  St.  Peter  nach 
Rann:  Nachdem  man  den  höchsten  Punkt  der  Strasse  überschritten,  gelangt  man 
in  wenigen  Minuten  an  eine  Stelle,  wo  schöne,  dichte,  rauchgrau  geflammte, 
spathreiche  Kalke  der  Gurkfelder  Formation  gleichsam  mitten  im  Dolomite  darin 
liegen,  so  dass  man  sich  von  ihrer  Erscheinung  nicht  genau  Rechenschaft  geben 
kann.  Später,  gegen  das  Ende  des  Defile,  folgen  concordant  auf  dem  Dolomite 
aufruhend,  grünliche  und  rothe  dünngeschichtete  Plattenkalke,  die  zum  Theile  in 
Grossdorner  Schiefer  überzugehen  scheinen , hierauf  (bei  den  ersten  Häusern 
vonOber-Suschitz)  wieder  rauchgraue  Kalke  mit  Grossdorner  Schiefern  und  end- 
lich auf  diesen  aufsitzend,  eine  ganz  unbedeutende  Masse  von  Dolomit,  welcher 
sich  von  demjenigen  im  Kern  des  Gebirges  petrographisch  nicht  wohl  unter- 
scheiden lässt,  der  sich  aber  durch  das  Dazwischentreten  der  Gurkfelder  und 
Grossdorner  Schichten  als  Dachsteinbildung  erweist. 

Ein  drittes  Beispiel  der  Ueberlagerung  der  fraglichen  Schichten  durch 
Dachsteindolomit  kann  gegenüber  von  Gurkfeld  beobachtet  werden.  Man  verlässt 
beim  letzten  Hause  von  Videm  die  grosse  Strasse,  um  gegen  Sremitsch  hinauf- 
zusteigen. Da  gewahrt  man  bald  schöne  helle  Plattenkalke,  weiter  hinauf  auch 
Grossdorner  Schiefer,  die  sehr  regelmässig  mit  einer  Neigung  von  60  Grad 
gegen  SW.  (hora  magn.  1 52/3)  einfallen,  somit  den  Dolomit  von  Gurkfeld,  den 
auch  Herr  Bergrath  Lipoid  als  Dachsteinbildung  erkannt  hat,  unterteufen. 
Weniger  deutlich  ist  das  Verhalten  dieser  Formationen  zum  Dachsteindolomit 
zwischen  Reichenburg  und  St.  Canzian,  immerhin  lässt  es  sich  aber  ohne  beson- 
dere Schwierigkeit  im  obigem  Sinne  erklären. 

Obwohl  diese  Beispiele  zur  Herstellung  des  Nachweises  genügen  dürften, 
so  wollen  wir  doch  noch  einiger  anderer  Umstände  gedenken,  die  auch  darauf 
hindeuten,  dass  die  Gurkfelder  und  Grossdorner  Schichten  noch  als  Glieder  der 
Trias  anzusehen  sind.  Dahin  gehört  einmal  der  Fall,  dass  der  Hallstätter  Dolomit 
zuweilen  in  Grossdorner  Schichten  übergeht.  So  findet  man  z.  B.  im  Reichen- 
burger Becken  einen  schmalen  Zug  seeundärer  Gesteine,  die  mitten  aus  den 
stark  gestörten  Tertiärschichten  hervorschauen.  Er  beginnt  unterhalb  Dousko, 
woselbst  er  aus  sehr  klüftigem  Hallstätter  Dolomit  besteht,  dessen  Schichten 
sich  beinahe  seiger  erheben  und  von  Ost  nach  West  streichen.  Aber  schon  bei 
Kalischoutz  tritt  an  dessen  Stelle  schwarzer  Kalk  mit  vielen  Adern  von  Kalkspath, 
und  zwischen  Loschze  und  Leskoutz  echte  Grossdorner  Formation  (siehe  Haupt- 
profil I).  Alle  diese  Gesteine  stehen  somit  in  innigem  Zusammenhänge  zu  ein- 
ander. Etwas  ähnliches  ist  bei  St.  Marein  bei  Lichtenwald  zu  bemerken,  wo 
ebenfalls  Hallstätter  und  Grossdorner  Schichten  in  einander  überzugehen 
scheinen. 


334 


Theobald  v.  Zollikofer. 


T24] 

Endlich  weisen  auch  die  Grünsteine  mehr  oder  weniger  darauf  hin,  dass 
wir  Triasglieder  vor  uns  haben,  denn  sie  stehen  häufig  in  ebenso  enger  Bezie- 
hung zum  Dolomite  der  Hallstätter  Schichten,  als  zu  den  in  Frage  stehenden 
Bildungen.  Dies  geschieht  namentlich  im  croatischen  Theil  des  Budenzazuges, 
wo  letztere  ganz  fehlen.  Umgekehrt  sind  dadurch  die  Grünsteine  als  ober- 
triassische  Bildung  charakterisirt. 

V.  Dachsteindolomit. 

Wir  haben  oben  bemerkt,  dass,  wenn  der  Dachsteindolomit  uns  in  den 
Stand  gesetzt  hat,  den  Gurkfelder  und  Grossdorner  Schichten  ihren  richtigen 
Platz  in  der  Formationsreihe  anzuweisen,  umgekehrt  auch  diese  zuweilen  dazu 
dienen  müssen,  ihn  von  dem  älteren  Hallstätter  Dolomit  zu  trennen,  da  die  ent- 
scheidende Dachsteinbivalve  sich  nur  sehr  selten  zeigt  (wir  kennen  sie  nur  aus 
dem  Dolomitzuge  von  Drachenburg)  und  die  petrographischen  Unterscheidungs- 
merkmale mehr  negativer  Natur  sind,  als:  Abwesenheit  der  Rutschflächen,  gänz- 
licher Mangel  an  Hornstein  und  weniger  ausgesprochene  Kurzklüftigkeit.  Sonst 
sind  Farbe,  Gefüge  und  Structur  so  ziemlich  dieselben,  höchstens  dürfte  der 
Dachsteindolomit  etwas  körniger  sein  und  mehr  kleine  Zellenräume  enthalten, 
als  der  Hallstätter  Dolomit. 

Jn  diese  Formation  gehören  übrigens  nur  der  Zug  von  Peilenstein  bis  Hör- 
berg und  die  Masse  von  Reichenburg  mit  genügender  Sicherheit.  Jm  ersten  Zuge 
zeigt  das  Gestein  wenige  Schritte  vorder  Vereinigung  der  Strassen  von  Hörberg 
und  Drachenburg  nach  Fautsch  Eigenthümlichkeiten,  die  übrigens  rein  localer 
Natur  zu  sein  scheinen.  Es  ist  von  grossen  Klüften  durchzogen,  die  gangförmig 
mit  einer  erdigen  bis  sandigen  Masse  erfüllt  sind.  Zugleich  zeigen  sich  die 
Wände  der  Klüfte  so  angegriffen,  dass  der  Dolomit  sich  zwischen  den  Fingern 
zerreiben  lässt.  Ausserdem  enthält  er  an  den  angegriffenen  Stellen  zahllose  kleine 
metallische  Punkte,  auch  kleine  Anflüge  von  Eisenoxyd.  Ohne  Zweifel  haben 
Quellen  diese  Zersetzung  hervorgerufen.  Nebenbei  geht  hier  der  Dolomit  aus- 
nahmsweise in  röthlich-weissen  Kalk  über.  Auch  weiter  südlich,  gegen  Sotzka 
hin,  findet  sich  darin  eine  kleine  Zwischenschichte  von  weiss  und  schwarz  ge- 
bändertem oder  geflammten  Kalk. 

VI.  Eocenformation. 

Mit  dem  vorigen  Capitel  schliesst  die  Reihe  der  normalen  alpinen  Bildun- 
gen, die  in  ganz  Unter-Steiermark  nicht  weiter  hinaufzureichen  scheinen,  als 
bis  zur  obersten  Trias,  denn  der  Dachsteinkalk  tritt  nur  vereinzelt  auf  und  auch 
er  wird  von  manchen  Geologen  ebenfalls  noch  der  Trias  zugeschlagen  *)•  Wir 
kommen  nun  zu  denjenigen  Formationen,  welche  dem  System  der  ungarisch- 
croatischen  Tertiärniederung  angehören  und  die  sich  in  den  Vertiefungen  der 
alpinen  Gebilde  abgelagert  haben.  Dazu  können  wir  auch  die  eocenen  Schichten 
rechnen,  wenn  sie  gleich  keine  allgemeine  Verbreitung  besitzen,  denn  da  wo 
sie  auftreten,  sehliessen  sie  sich  enge  an  die  obertertiären  Glieder  an,  während 
eine  bedeutende  Lücke  in  der  Formationsreihe  sie  von  den  eigenlichen  Alpen- 
gebilden trennt.  Anders  ist  es  freilich  am  Nord-  und  Südrand  der  Alpen,  wo 
die  eocenen  Schichten  das  oberste  Glied  einer  ununterbrochenen  Reihe  von 


*)  Neuerdings  auch  von  Winkler;  siehe  dessen  „Schichten  der  Avicula  contorta *, 
München  1859. 


335 


£25]  bie  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

Formationen  bilden,  die  nicht  nur  durch  gleichmässige  Lagerung  zusamrnen- 
gehören,  sondern  auch  durch  die  indessen  erfolgte  Hebung  des  Systems  ent- 
schieden von  den  später  abgesetzten  obertertiären  Bildungen  geschieden  werden. 

Die  eocenen  Bildungen  beschränken  sich,  wie  wir  schon  im  topographi- 
schen Theile  dieser  Arbeit  bemerkt  haben,  auf  den  Nordrand  des  Cillier  Beckens, 
wo  sie  eine  J/3  bis  höchstens  1 Meile  breite  Zone  bilden.  Trotz  der  nicht  unbe- 
deutenden Mächtigkeit  derselben,  die  sich  auch  nach  Abzug  der  vielfachen  Faltun- 
gen der  Schichten  noch  ergibt,  setzen  sie  in  der  Tiefe  doch  nicht  weit  fort,  denn 
am  Südrande  des  Beckens  kommen  sie  nicht  mehr  zum  Vorschein,  obwohl  die 
Art  der  Hebung  der  darüberliegenden  Schichten  sie  hätte  hervortreten  lassen 
müssen,  wenn  sie  wirklich  so  weit  reichten.  Schon  am  Saume  des  Bosenazuges 
bilden  sie  nur  mehr  einen  schmalen  Streifen  und  weiter  südlich  zeigen  sich  die 
letzten  schwachen  Spuren  am  Westrande  des  Süssenheimerberges  (Rudenza- 
zug).  Die  Sachlage  mag  etwa  durch  folgendes  ideales  Profil  versinnlicht  wer- 
den (Figur  15). 

Fig.  15. 


Wacherzug  Rudeuzazug.  Rosenazug.  Drau-Save-Zug. 


a Grundgebiig  (secundär),  b eoceue  Schichten,  c »eogene  Schichte». 


In  den  anderen  beiden  Tertiärbecken  sind  die  eocenen  Schichten  ganz 
abwesend,  können  auch  nicht  in  der  Tiefe  vermuthet  werden,  denn  die  anderen 
Tertiärglieder  haben  solche  Störungen  erlitten,  dass  sogar  Triasbildungen 
mitten  darin  auftauchen,  so  dass  allfällig  vorhandene  Eocengesteine  unmöglich 
verborgen  bleiben  konnten. 

Die  eocenen  Schichten  können  petrographisch  in  drei  Gruppen  gebracht 
werden,  in:  Schiefer,  Sandsteine  und  Tuffgesteine.  Eine  andere  Einteilung, 
namentlich  eine  paläontologische , ist  dermalen  nicht  möglich. 

a ) Eocene  Schiefer.  Schieferthone  von  dunkler  bis  ganz  schwarzer 
Farbe  und  graue  sandige  Mergelschiefer  mit  feinen  Glimmerschüppchen  bilden 
diese  Gruppe,  welche  zugleich  die  unterste  ist  und  dem  Dolomite  unmittelbar 
aufliegt.  Noch  ist  sie  charakterisirt  durch  das  Vorkommen  von  cokesbarer  Kohle 
(sogenannte  Glanzkohle),  auf  welche  vor  Zeiten  vielfach  geschürft  wurde, 
allein  ohne  Erfolg,  da  die  Flötze  nirgends  mächtig  sind,  und  die  Kohle  meist 
durch  innig  verwachsene  Schiefer  verunreinigt  ist.  Die  verschiedenen  Schürfe 
am  Südabhange  des  Drau-Save-Zuges  wurden  in  einem  früheren  Aufsatze  schon 
angeführt  (Jahrbuch  1859,  Seite  214,  Separatabdruck  Seite  58);  wir  erwähnen 
desshalb  nur  den  aufrecht  erhaltenen  Kohlenbau  von  Trattna  (Gewerkschaft 
Schmied),  südöstlich  von  St.  Georgen,  am  östlichen  Ende  des  Bosenazuges, 
also  am  südlichen  Gegenflügel  der  eocenen  Mulde.  Die  Kohle  ist  daselbst  4 bis 
5 Fuss  mächtig,  was  bei  der  günstigen  Lage  des  Baues  lohnend  wäre,  wenn 
nicht  häufige  Verdrücke  und  Vermengungen  mit  bituminösen  Schiefern  nach- 
theilig auf  Quantität  und  Qualität  einwirkten.  Sie  streicht  erst  nach  magn. 
Stunde  6,  dann  8,  dann  12,  so  dass  es  den  Anschein  hat,  als  legte  sich  das 

K.  k.  geologische  Reichs  aus  lalt.  12.  Band,  1801  und  18ü2.  111.  Heft.  43 


Theobald  v.  Zollikofer. 


33fi 


[20] 


Flötz  ringsum  das  Grundgebirge  (Porphyrbreccie)  an.  Allerdings  finden  sich 
auch  am  Südrande  des  Rosenazuges,  namentlich  bei  Voglaj,  mehrfach  Spuren 
von  Kohle  und  Kohlenschiefern. 

Noch  mag  die  Bemerkung  am  Platze  sein,  dass  der  Gegenflügel  der  eoce- 
nen  Schiefer,  ebenfalls  mit  Kohle,  nach  langer  Unterbrechung  nördlich  von 
Krapina  in  Croatien  (im  Matzel,  Gemeinde  Cjurmanic)  wieder  zum  Vorscheine 
kommt.  Die  Kohle  ist  dort  3 Fuss  mächtig,  streicht  nach  magn.  Stunde  8,  fällt 
steil  nördlich  und  lehnt  sich,  um  die  Analogie  vollständig  zu  machen,  ebenfalls 
an  porphyrartige  Gesteine  an,  welche  mit  denjenigen  des  Rosenazuges  übereiu- 
stimmen. 

Die  Begrenzung  der  eocenen  Schiefer  ist  nur  nach  unten  ganz  sicher,  wo 
stets  Kalk  und  Dolomit,  ausnahmsweise  auch  Porphyr,  die  Grundlage  bilden; 
nach  oben  aber  gehen  sie  durch  Aufnahme  von  sandigen  Theilen  oft  unvermerkt 
in  Sandstein  über.  Desshalb  ist  ihre  geographische  Verbreitung  nicht  überall 
mit  der  wünschenswerthen  Bestimmtheit  anzugeben,  um  so  weniger,  als  die 
Sandsteine  selbst  wieder  Schiefer  einschliessen.  Dies  scheint  namentlich  in  der 
Umgebung  von  Sauerbrunn  Rohitsch  der  Fall  zu  sei,  denn  nach  den  Beobach- 
tungen, die  im  Osten  und  Westen  dieser  Region  gemacht  werden  können,  sollte 
man  sich  hier  ganz  in  der  Zone  der  Sandsteine  glauben  und  zwar  von  Sauer- 
brunn weg  bis  auf  die  Höhe  des  Plessiwetz,  und  doch  sieht  man  an  den  wenigen 
Punkten,  wo  überhaupt  das  Gestein  auf  kurze  Strecken  entblösst  daliegt,  ge- 
wöhnlich mehr  oder  weniger  feste  sandige  Mergelschiefer,  die  sich  durch 
Scheideblätter  von  Kalkspath  von  ähnlichen  Gesteinen  der  nahe  liegenden  neo- 
genen  Schichten  unterscheiden.  Beim  Jakelwirth  fallen  sie  steil  nach  SSW. 
(magn.  Stunde  l^/g),  nordöstlich  von  Sauerbrunn  schwach  nach  WSW.  (magn. 
Stunde  17),  bei  St.  Florian  endlich  gegen  Nord.  Diese  wellenförmige,  noch 
dazu  unregelmässige  Bewegung  der  Schichten  in  einer  Gegend,  wo  ohnedies 
keine  genügenden  Aufschlüsse  vorhanden  sind,  erschwert  die  Aufgabe  der 
Trennung  der  einzelnen  Bildungen  ganz  besonders. 

Die  Unsicherheit  der  Detailaufnahmen  ausser  Auge  lassend,  kann  immerhin 
behauptet  werden,  dass  die  eocenen  Schiefer  im  Westen  prädoininiren,  während 
sie  im  Osten  durch  die  Sandsteine  fast  ganz  verdrängt  werden.  Im  Westen 
nehmen  sie  beinahe  die  ganze  Breite  zwischen  Kirchstätten  und  Hohenegg  ein, 
im  Osten  ziehen  sie  sich  auf  die  Vorhöhen  der  Wotschkette  zurück,  und  gegen 
den  Donatiberg  zu  sind  sie  nicht  mehr  mit  Bestimmtheit  nachzuweisen.  Es  ist 
übrigens  anzunehmen,  dass  sich  Schiefer  und  Sandsteine  gegenseitig  vertreten, 
so  dass  die  obersten  Schichten  des  westlichen  der  Schieferzone  gleichen  Alters 
sein  werden  mit  den  unteren  Schichten  des  östlichen  Theiles  der  Sandsteinzone, 
wesshalb  denn  auch  die  von  uns  vorgenommene  Trennung  in  Schiefer  und  Sand- 
steine eine  rein  petrographische  ist. 

Von  grosser  Wichtigkeit  ist  nun  die  nähere  Bestimmung  des  Alters  der 
eocenen  Schiefer,  da  sie  zugleich  maassgebend  für  die  anderen  Bildungen  wird, 
die  keine  Anhaltspunkte  liefern.  Von  den  Sandsteinen  kann  nur  gesagt  werden, 
dass  sie  den  Schiefern  aufliegen,  somit  jünger  sind,  ferner,  dass  sie  von  dem 
Braunkohlensystem,  das  den  untersten  Wiener  Schichten  entspricht,  überlagert 
werden,  also  etwas  älter  sein  müssen.  Die  Tuffsandsteine  geben  noch  weniger 
Aufschluss,  da  sie  keinem  bestimmten  Horizont  anzugehören  scheinen. 

Die  interessanten  Untersuchungen  des  Herrn  Dr.  Stäche  in  Unter-Krain 
und  Istrien  haben  zur  genauen  Unterscheidung  einer  Menge  von  Schichten  und 
Schichtengruppen  der  Eocenformation  geführt  und  es  wäre  wünschenswert!),  eine 
wenn  auch  nur  theilweise  Parallelisirung  unserer  Schichten  mit  jenen  vornehmen 


337 


[27]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

zu  können.  Leider  aber  sind  die  gegebenen  Aufschlüsse  nicht  genügend  zu 
diesem  Zwecke,  da  wir  ausser  einigen  nicht  bestimmbaren  Resten  von  Zwei- 
scbalern  nur  hie  und  da  Repräsentanten  der  Flora  von  Sotzka  aufweisen  können 
und  diese,  trotz  all'  ihrem  Reichthume  an  Arten  noch  immer  Veranlassung  zu 
Controversen  gibt.  Zwar  hat  Herr  Dr.  Rolle  durch  seine  stratigraphischen  und 
paläontologischen  Beobachtungen  in  der  westlichen  Fortsetzung  unseres  Gebietes 
den  Sotzka-Schichten  schon  sehr  enge  Grenzen  gezogen,  indem  er  nachweist, 
dass  entweder,  wie  die  Schichten  von  Oberburg,  dem  Pariser  Grobkalk  (etwa 
Parisien  inferiew:)< oder  dem  Mittelglied  angehören,  welches  Herr  Professor 
Beyrich  unter  dem  Namen  Oligocenfor mation  zwischen  die  eigentlichen 
Eocen-  und  Neogengebilde  eingeschaltet  hat  *);  allein  zwischen  beiden  kann 
noch  gewählt  werden.  Wenn  wir  uns  nun  für  die  eine  oder  die  andere  dieser 
Formationen  entscheiden  müssten,  so  wäre  es  für  letztere  und  zwar  vorzüglich 
desshalb,  um  die  Schichten  von  Sotzka  denjenigen  von  Sagor  und  Trifail  näher 
zu  bringen,  denn  da  ihre  beiderseitigen  Floren  mit  einander  sehr  nahe  verwandt 
sind,  so  ist  es  auch  natürlich,  sie  in  Beziehung  auf  ihr  Alter  ebenfalls  so  nahe 
zusammenzustellen,  als  anderwärtige  Thatsachen  es  nur  immer  gestatten.  Nun 
entsprechen  aber  die  Schichten  von  Sagor  und  Trifail  den  untersten  Ablagerun- 
gen des  Wiener  Beckens  (Horner  Schichter);  es  liegt  also  im  gegebenen  Falle, 
so  lange  keine  anderen  Gründe  entgegentreten,  in  der  Natur  der  Sache,  sich  bei 
der  in  Untersuchung  stehenden  Bildung  eher  für  oligocen,  denn  für  rein  eocen 
auszusprechen,  um  so  mehr  als  dadurch  auch  die  Ansicht  des  Herrn  Heer, 
der  die  Sotzka-Schichten  mit  der  unteren  Süsswassermolasse  der  Schweiz  paral- 
lelisirt,  mehr  in  Einklang  mit  der  unserigen  gebracht  würde.  Indessen,  so 
lange  keine  positiven  Thatsachen  vorliegen,  welche  die  Frage  in  entscheidender 
Weise  lösen,  haben  wir  keinen  hinlänglichen  Grund,  um  mit  der  Tradition  zu 
brechen.  Wir  behalten  desshalb  die  althergebrachte  Bezeichnung  der  Bildungen 
dieses  Capitels  als  eocen e einstweilen  bei,  um  nicht  vorzeitige  Neuerungen  und 
unnütze  Verwirrung  zu  schaffen. 

b)  Eocene  Sandsteine.  Da  die  Tuffgesteine,  wie  oben  bemerkt,  keinem 
bestimmten  Horizont  anzugehören  scheinen,  so  können  die  Sandsteine  als  das 
obere  Glied  der  Eocenformation  gelten,  wie  dies  aus  den  beiden  Hauptprofilen 
hervorgeht.  Sie  sind  stets  feinkörnig,  mehr  oder  weniger  glimmerreich,  mit 
thonigem  Cement,  daher  nicht  sehr  fest  und  an  der  Luft  zerfallend ; kurz,  ihr 
äusserer  Habitus  ist  der  von  Molassensandsteinen.  Die  graue  Farbe  geht 
durch  Oxydirung  an  der  Oberfläche  in  schmutziggelb  über;  meistens  haben  sie 
aber  auch  einen  Stich  in’s  grünliche,  der  von  glauconitischer  Erde  herzurühren 
scheint.  Ganz  im  Osten  unserer  eocenen  Zone,  längs  der  Sottla,  ist  der  Sand- 
stein häufig  intensiv  grün  mit  violetten  stark  glimmerigen  Ablösungsflächen,  auf 
welchen  zuweilen  kleine  Wülste  und  Knollen  sichtbar  werden.  Am  auffallendsten 
zeigt  sich  diese  Varietät  bei  der  Glasfabrik  in  Loog  (östlich  von  Rohitsch).  Ob 
die  in  der  Nähe  auftretenden  Dolerite  mit  dieser  besonderen  Färbung  in  Zusam- 
menhang zu  bringen  sind,  ist  wohl  nicht  mit  Bestimmtheit  zu  ermitteln. 

Nördlich  von  Loog  zeichnen  sich  die  Sandsteine  durch  Absonderung  in 
Bänke  und  durch  feines  gleichmässiges  Korn  aus,  wesshalb  sie  eine  vortheilhafte 
Verwendung  zu  Schleifsteinen  finden.  Das  Brechen  und  Behauen  derselben 
ist  mit  der  Zeit  zu  einem  förmlichen  Industriezweig  gediehen,  der  bei  hundert 


')  Rolle:  Ueber  die  geologische  Stellung  der  Sotzka-Schichten  in  Unter-Steiermark, 
Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Classe  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften. 
Bd.  XXX,  1858,  Seite  3. 


338 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[28J 

Menschen  das  ganze  Jahr  hindurch  beschäftigt.  Vom  Siidahhange  der  Niviza  bis 
zum  Dopolimaberg  oberhalb  St.  Rochus  sind  wohl  ein  Dutzend  Steinbrüche 
geöffnet,  noch  mehr  aber  wieder  aufgelassen,  weil  immer  nur  die  tauglichsten 
Schichten  in  Angriff  genommen  werden  und  auch  nur  so  weit,  als  es  ohne  gros- 
sen Aufwand  von  Arbeit  geschehen  kann.  Der  beste  Bruch  befindet  sich  gegen- 
wärtig in  der  Nähe  des  Pototschnigbaues,  woselbst  Schleifsteine  von  1 Klafter 
Durchmesser  und  10  Zoll  Dicke  im  Gewichte  von  40  Centner  gebrochen  werden. 
Sie  sind  sehr  gesucht  und  werden  bis  Agram,  Triest  und  Wien  versendet. 

c)  E o c e n e Tu f fges te i n e.  Die  eocene  Region  destillier  Beckens  kann 
wohl  zu  den  geologischen  Merkwürdigkeiten  gezählt  werden,  wenn  man  all1  die 
mannigfaltigen,  aussergewöhnlichen  und  zum  Theile  höchst  räthselhaften  und 
wunderlichen  Bildungen  und  Erscheinungen  in  Betracht  zieht,  die  in  ihr  auf- 
treten.  Von  diesen  gehört  ihr  ein  Tlieil  nur  geographisch  an,  z.  B.  die  Spath- 
eisensteinformation am  Südabhange  der  Gonobitza  Gora , die  Felsitporphyre 
und  Contactgesteine  aus  der  Triasperiode ^ endlich  der  Hallstätter  Dolomit,  der 
von  Tischova  gegen  Sternstein  hin  als  schmales  oft  unterbrochenes  Band,  bald 
in  Gesellschaft  mit  porphyrartigem  Gestein,  bald  allein,  mitten  in  den  eocenen 
Schichten  erscheint.  Ein  anderer  Tlieil  lässt  ungewiss,  was  man  daraus  machen 
soll,  da  nicht  nur  ihr  Alter,  sondern  selbst  ihre  Entstehungsweise  sehr  ver- 
schieden gedeutet  werden  kann,  als  eruptive,  metamorphe  oder  Tuffbildungen. 
(Wir  werden  unten  zeigen,  dass  sie  am  wahrscheinlichsten  als  Porphyrbreceien 
untermischt  mit  Contactgesteinen  betrachtet  werden  dürfen.)  Ein  dritter  Tlieil 
derselben  kann  mit  hinreichender  Entschiedenheit  als  anormale  eocene  Bildungen 
hingestellt  werden.  Es  sind  jüngere  Eruptivgesteine  wie  Dolerite,  grüne  Por- 
phyre und  Melaphyre  mit  Tuffen.  Ein  vierter  Theil  endlich  frappirt  zwar  eben- 
falls durch  das  Ungewöhnliche  und  Abnorme  seiner  petrographischen  Natur  und 
lässt  wenigstens  indirecte  plutonische  Einflüsse  vermuthen,  allein  er  tritt  mit 
den  normalen  Bildungen  in  unverkennbare  Wechsellagerung  und  wird  somit 
selbst  ein  Glied  derselben.  Dieser  Theil  allein  soll  hier  in  Betracht  kommen, 
während  wir  alles,  was  mit  den  eocenen  Schiefern  und  Sandsteinen  nicht  in  be- 
stimmter Normalbeziehung  steht,  ausscheiden,  um  es  später  unter  den  anorma- 
len Bildungen  zu  behandeln. 

Wir  bezeichnen  die  Bildungen,  deren  hier  gedacht  werden  soll,  in  Erman- 
gelung eines  bessern  Namens  als  Tuffgesteine,  beeilen  uns  aber  zu  bemer- 
ken, dass  diese  Bezeichnung  nur  in  sofern  gerechtfertigt  ist,  als  die  hier  häufig 
auftauchenden  Felsitporphyre  das  Material  zu  den  genannten  Gesteinen  geliefert 
zu  haben  scheinen,  dass  aber  sonst  keine  directe  Beziehung  zwischen  ihnen  und 
den  Porphyren  besteht,  wie  sie  bei  eigentlichen  Tuffen  vorausgesetzt  wird, 
denn  zwischen  dem  Erscheinen  jener  und  der  Ablagerung  dieser  liegt  ein  sehr 
beträchtlicher  Zeitraum. 

Die  eocenen  Tuffgesteine  (Porphyrtuffe  Rolle)  haben  einen  sehr  wandel- 
baren Charakter.  In  der  Hügelkette  südlich  von  der  Gonobitzer  Gora,  wo  sie 
eine  ansehnliche  Verbreitung  besitzen,  sind  sie  bald  massig  und  felsitähnlich, 
bald  geschichtet  und  schieferig  und  thonsteinähnlich.  Eben  so  verschieden  ist  ihre 
Färbung,  doch  herrschen  weiss,  roth  und  grün  vor.  Zwischen  Hohenegg  und 
Trennenberg,  wo  wieder  ein  grösserer  Streifen  dieser  Gesteine  sich  befindet, 
sind  sie  licht,  thonsteinartig  und  schieferig  bis  schuppig.  Am  Rosenazuge,  den 
sie  als  schmales  Band  umsäumen,  erinnern  sie  häufig  an  die  Erscheinungen  bei 
Tüffer,  indem  sie  mehr  weniger  hornsteinähnlich  auftreten,  ausgezeichnete 
Schichtung  zeigen  und  durch  die  verschiedene  Färbung  der  kaum  zolldicken 
Lagen  ein  eigenthiimlich  gebändertes  Aussehen  erlangen,  gerade  wie  die  Gesteine 


339 


[29]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

im  Reasgraben  bei  Tüffer  (siehe  Jahrbuch  1859,  Seite  196,  Separatabdruck 
Seite  40);  man  könnte  sie  füglich  Felsitschiefer  nennen,  und  der  Gedanke, 
dass  sie  durch  Umwandlung  von  Schieferthon  entstanden,  liegt  sehr  nahe, 
obwohl  das  metamorphosirende  Agens  noch  ein  Räthsel  bleibt.  Solche  Felsit- 
schiefer sind  bei  Tsehernelitza  südöstlich  von  St.  Georgen  (im  ersten  e vorn 
Worte  Tsehernelitza  auf  der  Stabskarte),  dann  hei  Koinitze,  am  Fusspfad  von 
St.  Ruperti  nach  Store,  zum  Theile  auch  bei  St.  Johann  im  Vodruschgraben,  da 
wo  die  tieferen  Schichten  sichtbar  werden.  Die  höheren  sind  nämlich  schon 
verändert,  sehen  mehr  tnffartig  aus,  sind  licht  von  Grundfarbe  und  dunkelgrün 
gesprenkelt,  gerade  wie  manche  Tuffe  am  St.  Michaelsberg  bei  Tüffer.  Diese 
Varietät  ist  am  besten  an  der  Strasse  von  St.  Georgen  nach  Montpreis,  etwa 
eine  Viertelstunde  südlich  von  Tsehernelitza,  entblösst,  woselbst  sie  in  den 
oberen  Schichten  sogar  Kohlenschnüre  mit  1 Fuss  mächtigem  Kohlenschiefer 
einschliesst. 

Die  letzten  Spuren  von  eocenen  Tuffgesteinen  finden  sich  am  Westende  des 
Rudenzazuges  bei  Baudnitza  (südwestlich  von  Süssenheim)  und  im  Schöger- 
graben.  Dort  sind  sie  mehr  sandsteinartig,  schmutzigwreiss  mit  grünen  Flecken, 
ähnlich  wie  manche  Arten  der  Diorittuffe  des  Herrn  Rolle,  zum  Theile  auch 
mit  schaliger  Absonderung,  wie  die  Schallsteine  bei  Tüffer  (Jahrbuch  1859, 
Seite  196,  Separatabdruck  Seite  40). 

Dass  die  Tuffgesteine  keinem  bestimmten  Horizont  angehören,  sondern  bald 
an  die  Stelle  der  Schiefer,  bald  an  diejenige  der  Sandsteine  treten,  geht  schon 
aus  Figur  16  hervor,  wo  sie  sowohl  in  den  untersten,  wie  in  den  obersten 
Schichten  der  ganzen  Reihe  der  Eocenbildungen  auftreten. 

Fig.  16. 


Trennenberg'.  Gora.  Seitzkloster. 


Querschnitt  durch  die  eocene  Zone  zwischen  Trennenberg  und  Seitzkloster. 


P Felsitporphyr,  C Contactgesteine,  H Hallstätter  Kalk,  D Dolerit,  ft  eocene  Schiefer,  b eocene  TulTgostoino, 

c Neogenforraation. 

Am  Rosenazuge  repräsentiren  sie  fast  allein  die  ganze  Eocenformation , da 
ausser  bei  Trattna  weder  Schiefer  noch  Sandsteine  dieser  Schichtengruppe 
Vorkommen. 

VH.  Neogene  Bildungen. 

Die  ncogenen  Bildungen  haben  den  grössten  Anspruch  auf  unsere  Aufmerk- 
samkeit und  werden  uns  auch  länger  beschäftigen.  Sie  bedecken  etw  a die  Hälfte 
des  ganzen  zu  beschreibenden  Gebietes;  dabei  ist  ihre  Mächtigkeit  bedeutend, 
und  kann,  wenn  auch  nur  annähernd,  da  die  wellenförmige  Bewegung  der 
Schichten  eine  genaue  Bestimmung  erschwert,  wohl  auf  350  bis  400  Klafter 
geschätzt  werden.  Freilich  ist  sie  nicht  mehr  überall  vorhanden,  da  die  obersten 
Schichten  nicht  selten  zum  grossen  Theile  weggeschwemmt  worden  sind.  End- 
lich bieten  diese  Schichten  nicht  wenig  Interesse  in  wissenschaftlicher  und  tech- 
nischer Hinsicht:  in  wissenschaftlicher,  weil  sie  durch  bestimmte  petrographische 


340 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[3«] 

Charaktere  meist  eine  sichere  Trennung  und  durch  die  darin  enthaltenen  Fossil- 
reste eine  Paralleiisirung  derselben  mit  analogen  aus  dem  Wiener  Becken  ge- 
statten; in  technischer,  weil  sie  Braunkohlenflötze  führen,  die  an  mehreren 
Stellen  abbauwürdig  sind,  und  weil'  die  darin  auftretenden  Leithabildungen  ein 
geschätztes  Baumaterial  liefern,  was  um  so  mehr  Beachtung  verdient,  als  es  bei- 
nahe das  einzige  taugliche  der  ganzen  Gegend  ist. 

Die  Untersuchungen  der  Neogenformation  haben  zu  dem  Besultate  geführt, 
dass  die  drei  Becken  von  Cilli,  Reichenburg  und  Bann  auf  gleiche  Weise  aufge- 
baut sind,  indem  mit  Weglassung  der  eocenen  Bildungen,  die  den  zwei  letzteren 
fehlen,  überall  dieselbe  Schichtenreibe  mit  denselben  petrographischen  und 
paläontologischen  Charakteren  auftritt.  Nur  selten  kommen  parallele  Bildungen 
von  verschiedener  Entstehungsart  vor  und  auch  dann  nur  unter  Verhältnissen, 
die  ihre  gleichzeitige  Ablagerung  ausser  allen  Zweifel  setzen.  Wir  können  somit, 
um  zu  häufige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  der  Einzelnbeschreibung  der 
Tertiärbecken  eine  allgemeine  Schilderung  der  Formationsreihe  vorausschicken. 

Es  lassen  sich  ohne  Schwierigkeit  vier  grössere  Schichtencoinplexe  unter- 
scheiden, die  drei  verschiedenen  geologischen  Horizonten  angehören.  Diese 
sind  von  unten  nach  oben : 

1.  Braunkohlensystem.  . Horner  Schichten 

2.  Leithakalkbildungen  . / T c i • u* 

0 T .Al  , ® > Leitha-Schichten 

3.  Leithamergel J 

4.  Sandsteingruppe  *)  . . Congerien-  und  Melanopsenschichten 

1.  Braunkohlensystem.  Vorherrschend  sandig-mergelige  Schichten, 
die  vom  eigentlichen  Letten,  der  zuweilen  das  Liegende  bildet,  durch  Aufnahme 
von  Sand  gegen  oben  nach  und  nach  in  Molassensandsteine  übergehen.  Petro- 
graphisch  unterschieden  sie  sich  nicht  immer  von  der  dritten  Gruppe , allein 
trotzdem  können  sie  nicht  leicht  verkannt  werden,  auch  da  nicht,  wo  keine  Petre- 
facten  vorgefunden  worden,  denn  erstens  bilden  sie  stets  das  unterste  Glied  der 
neogenen  Reihe,  liegen  also,  wo  keine  eocenen  Schichten  als  Grundlage  vor- 
handen sind,  unmittelbar  den  Alpenkalken  auf,  zweitens  werden  sie  stets  von 
Leithasehichten  überlagert,' die  durch  ihre  unverkennbare  Natur  einen  sicheren 
Horizont  bilden  und  endlich  sind  sie  durch  Braunkohlenflötze  charakterisirt , die 
so  zu  sagen  nie  fehlen,  wenn  sie  auch  zuweilen  zu  unbedeutenden  Kohlen- 
schnüren zusammenschrumpfen.  Gewöhnlich  ist  nur  ein  Flötz  da,  welches 
zuweilen  durch  dünne  Zwischenmittel  in  mehrere  getheilt  ist.  Wohl  treten  hie 
und  da  auch  zwei  und  selbst  vier  Flötze  auf,  die  durch  mehrere  Klafter  mächtige 


*)  Das  Studium  der  Neogenformation  dieser  Landesparcelle  musste  nothwendiger  Weise 
erläuternd  und  berichtigend  auf  die  im  Sommer  1858  gemachten  Untersuchungen  in  der 
westlichen  Fortsetzung,  namentlich  im  Golf  von  Tüffer  (mittlerer  Braunkohlenzug:  Jahr- 
buch 1859,  Seite  174,  Separatabdruck  Seite  12  ff.),  zurückwirken.  Die  hier  angeführte 
Formationsreihe  muss  sich  auch  dort  nachweisen  lassen,  was  denn  auch  in  der  That  der 
Fall  ist  und  aus  den  verschiedenen  beigefügten  Profilen  (besonders  aus  Figur  13)  hervor- 
geht. Es  ist  aber  eine  Berichtigung  bezüglich  der  dort  angegebenen  Leithabänke  nöthig. 
Es  ist  möglich,  dass  wirklich  mehrere  durch  Mergel  getrennte  Bänke  existiren,  da  diese 
Mergel  doch  nur  eine  andere  Facies  der  Leitha-Schichten  sind;  es  ist  aber  auch  möglich, 
wenn  gleich  schwer  bestimmt  nachzuweisen,  dass  sie  nur  eine  Folge  von  Verwerfungen 
einer  einzigen  Bank  darstellen,  ohne  dass  die  tiefer  liegenden  Kohlenschichten  sichtlich 
davon  berührt  worden  wären.  Was  die  Leithakalkbank  im  Liegenden  der  Kohle  betrifft, 
so  ist  sie  sicher  nicht  an  ihrem  Platz.  Wie  sie  aber  in  diese  anomale  Lage  kommen 
konnte,  ist  uns  noch  nicht  klar  geworden,  seihst  nicht  nach  Befahrung  des  D u 1 1 n i g’schcn 
Unterhaustollen  hei  Gouze  (August  1859),  welcher  die  Flötze  vom  Uetschitzgraben  aus 
anfahren  soll. 


des  Wiener 
Beckens. 


[ 31 J Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  341 

Mittel  von  einander  getrennt  sind;  es  ist  aber  bei  den  meist  dürftigen  Auf- 
schlüssen nicht  vorauszusehen,  wie  viel  auf  Rechnung  von  Verwerfungen  gesetzt 
werden  muss,  die  in  den  Kohlenrevieren  nur  allzu  häufig  sind.  Die  Mächtigkeit 
der  Flötze  ist  sehr  verschieden  und  fällt  von  einigen  Klaftern  auf  wenige  Fuss 
hinunter.  Im  Allgemeinen  kann  jedoch  behauptet  werden,  dass  sie  von  West 
nach  Ost,  das  heisst:  nach  der  offenen  Seite  hin,  abnimmt,  was  auch  in  der 
Natur  der  Sache  liegt,  denn  ein  enger  Golf,  wie  derjenige  von  Tüffer,  oder  ein 
Binnensee,  wie  das  Reichenburger  Becken,  musste  die  Anhäufung  von  Material 
zur  Kohlenbildung  mehr  begünstigen,  als  ein  offenes  Meer. 

Die  Kohle  ist  schwarz,  compact,  seltener  schieferig  (gewöhnlich  nur  da, 
wo  die  Flötze  verdrückt  sind),  ohne  die  leiseste  Andeutung  von  Holzstructur, 
von  mattem  Glanz  (daher  auch  Glanzkohle  genannt)  und  scharfkantigem,  leicht 
muscheligem  Bruche.  Eine  geringe  Menge  von  Schwefel  und  fein  vertheiltem 
Schwefelkies  verunreinigt  sie  etwas;  im  übrigen  aber  liefert  sie  ein  treffliches 
Brennmaterial,  backt  aber  nicht. 

Das  ganze  Schichtensystem  ist  meist  stark  gehoben  und  steht  zuweilen 
beinahe  ganz  aufgerichtet;  die  Streichungsrichtung  ist  derjenigen  des  Grund- 
gebirges conform,  somit  ziemlich  genau  eine  westöstliche.  Das  Liegende  enthält 
gewöhnlich  keine  Versteinerungen,  um  so  häufiger  dafür  die  Hangendschichten. 
Wir  können  folgende  Arten  mit  Bestimmtheit  anführen  ): 

1.  Cerithium  margaritaceum  Brg. : Hörberg,  Drachenburg,  St.  Hema  bei 
Windisch-Landsberg,  Trobenthal.  Ueberall  häufig. 

2.  Cerithium  plicatum  Lmk.:  Hörberg,  Drachenburg  (scheffelweise), 
Trobenthal. 

3.  Py r ula  Lainei  Bast.:  Hörberg. 

4.  Mytilus  Faujasi  Brg.  (M.  Haiding eri  Hörnes) : Hörberg. 

5.  Cardium  echinatum  Lin.  (C.  Deshayesi  Payr.):  Drachenburg. 

6.  Venus  incrassata , varietas  stiriaca  Bolle  (?) : Trobenthal. 

Ebenfalls  diesen  Schichten  scheinen  die  grossen  und  kleinen  Haifischzähne 

anzugehören,  die  zuweilen  in  der  Gegend  von  Gairach  gefunden  werden , und 
von  den  Landleuten  die  Benennung  „Teufelskramperln“  erhalten  haben.  Herr 
v.  Morlot  hat  daselbst  ein  grösseres  Fragment  von  einem  Haifischgebiss  ent- 
deckt, dessen  zahlreiche  Zähne  oft  noch  in  Kieferresten  stecken.  Der  grösste 
Zahn  misst  3 Zoll  und  lässt  auf  ein  Thier  von  wenigstens  30  Fuss  Länge 
schliessen.  Herr  Heckei  hat  sie  bestimmt  und  gefunden,  dass  sie  je  nach  dem 
Platze  verschieden  sind  und  zugleich  Carcliarodon  rectidens,  C.  polygyrus  und 
C.  subauriculatus  entsprechen;  ein  kleiner  Eckzahn  stimmt  sogar  mit  der 
Gattung  Corax  zusammen.  Alle  diese  Arten  müssen  somit  vereiniget  werden 
(Jahrbuch  1831,  Heft  I,  Seite  149).  Die  kleinen  Zähne,  die  in  Felder  zerstreut 
herumliegen , werden  der  Gattung  Lamna  angehören. 

Diese  Fauna  trägt  somit  ganz  den  Charakter  derjenigen  der  Horner 
Schichten  oder  der  untersten  Bildungen  des  Wiener  Beckens  an  sich  2).  Be- 
sonders sprechen  die  beiden  Cerithien-Arten  dafür , welche  in  unserer  Gegend 
an  verschiedenen  Orten  massenhaft  auftreten , während  sie  in  den  höheren  Hori- 
zonten der  Wiener  Schichten  nicht  gefunden  werden.  Die  Pyrula  Lainei  Bast. 


0 Die  Bestimmung  dieser  und  nachfolgender  Petrefaeten  verdanken  wir  der  zuvorkom- 
menden Güte  der  Herren  Director  Hörnes  und  Dr.  Rolle. 

3)  Rolle:  Geologische  Stellung  der  Horner  Schichten  in  Nieder-Oesterreich.  Sitzungs- 
berichte der  mathem.-natwnv.  Classe  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften,  ßd.  XXXIV, 
Seite  37. 


342 


Theobald  v.  Zollikofer. 


m 

ist  aus  der  Umgehung  von  Bordeaux  (Merignac,  Dax,  Saucats)  bekannt,  wo  sie 
sieh  ebenfalls  zu  den  beiden  Cerithien  gesellt.  Diese  Schichten  stehen  somit  hart 
an  der  unteren  Grenze  der  Neogenformation,  wenn  sie  nicht  etwa  schon  in  die 
Oligo c en  form ation  hineinreichen.  Auf  das  letztere  deuten  zwei  Erscheinun- 
gen im  Westefi  des  Cillier  Beckens:  Erstens  zeigt  sich  bei  Buchherg,  westlich 
von  Cilli,  mit  dem  Cerithium  margaritaceam  eine  Varietät  der  oligocenen  Venus 
incrassata  Soiv.,  welche  Herr  Rolle  näher  beschrieben  hat  <).  Zweitens  führen 
die  Braunkohlenschichten  hei  Tüffer  und  noch  häutiger  hei  Trifail  und  Sagor 
(wo  sie  als  Uferbildungen  erscheinen,  sonst  aber  vollkommen  mit  den  östlich 
liegenden  zusammenstimmen).  Blätterabdrücke,  die  sämmtlich  der  Flora  von 
Sotzka  angehören  (Jahrbuch  1859,  Seite  177,  Separatabdruck  Seite  2t).  Damit 
soll  zwar  nicht  gesagt  sein,  dass  sie  mit  den  Sotzka-Schichten  gleichen  Alters 
seien;  nein,  sie  sind  jedenfalls  jünger , weil  jenen  aufgelagert,  aber  immerhin 
dürften  sie  jenen  ziemlich  nahe  stehen,  wie  sowohl  die  Lagerungsverhältnisse  als 
die  Uehereinstimmung  der  Floren  beweisen. 

2.  Leithakalke  und  Sandsteine.  Dazu  gehören  die  unter  den  Namen 
Korallenkalk,  Grobkalk  und  Nulliporenkalk  häufig  angeführten  Gesteine  mit  ihren 
mergeligen  und  sandigen  Facies,  ferner  eine  Reihe  von  feinen  und  groben  Sand- 
steinen mit  kalkigem  Bindemittel,  welche  sich  von  anderen  leicht  unterscheiden 
lassen  und  unten  näher  besprochen  werden  sollen.  Sie  alle  treten  wegen  ihrer 
Widerstandsfähigkeit  gegen  Zerstörung  stets  deutlich  hervor,  wie  schon  im  topo- 
graphischen Tlieil  des  Aufsatzes  bemerkt  worden,  und  bilden  Bänke  und  Riffe 
von  20  bis  30  Klafter  Mächtigkeit.  Man  hat  bisher  oft  gezaudert,  sie  trotz  der 
petrographischen  Aehnüchkeit  mit  dem  eigentlichen  Leithakalk  des  Wiener 
Beckens  zu  identifieiren,  allein  nach  den  daraus  gesammelten  Petrefacten  er- 
weisen sie  sich  bestimmt  als  solche. 

Echte  Nulli  porenri  ffe  kommen  seltener  vor  und  erstrecken  sich  gewöhn- 
lich nicht  sehr  weit.  Solche  finden  sich  bei  Tüffer  und  Steinbrück,  dann  im  Zuge 
von  Montpreis  und  im  nördlichen  Theile  des  Reichenburger  Beckens.  Zuweilen 
erscheint  der  Kalk  echt  oolithisch  (St.  Maria,  oberhalb  Blanza)  bis  travertin- 
artig mit  an  der  Oberfläche  ausgewaschenen  Hohlräumen  zwischen  den  Körnern 
(Doboize,  nördlich  von  Reichenburg).  In  der  südlichen  Hälfte  des  Cillier  Beckens, 
so  wie  in  den  beiden  anderen  finden  sich  am  häufigsten  gelbliche,  theils  reine, 
theils  sandige  Kalke  mit  zerstreuten  Nulliporenknollen  und  zahlreichen  Ostraco- 
den  und  Pectiniten,  bald  in  ganzen  oft  riesigen  Exemplaren,  bald  in  Fragmenten. 
Diese  Zweischaler  bilden  zuweilen  ganze  Bänke  für  sich  allein,  wie  z.  B.  am 
Heiligenberg  von  Hörberg,  wo  wir  unter  anderen  die  untere  Schale  einer  Auster 
fanden,  die  V/z  Fuss  lang  und  mehrere  Zoll  dick  war.  Diese  Facies  der  Leitha- 
kalke lässt  sich  schon  aus  einiger  Entfernung  leicht  erkennen,  da  die  Oberfläche 
des  Gesteines  eigenthümlich  zerklüftet  ist,  indem  zwei  Systeme  von  parallelen, 
wenig  auseinander  stehenden  Spalten  sich  kreuzen.  Diese  Zerklüftung  erschwert 
zuweilen  die  Erkennung  der  Fallrichtung  der  Schichten. 

Die  festen  Kalke  gehen  nicht  selten  in  mergelige  über  und  zwar  nicht  blos 
von  unten  nach  oben,  sondern  auch  in  seitlicher  Richtung.  Sie  haben  dann  einen 
unebenen,  erdigen  Bruch  und  nehmen  das  Aussehen  von  grober,  unreiner  Kreide 
oder  von  feinem,  compactem  Kalktuffe  an.  In  jedem  Falle  sind  sie  aber,  selbst 
ausser  allem  Verbände  mit  anderen  Leithakalken,  leicht  als  solche  zu  erkennen. 


*)  Rolle:  Neue  Acephalen-Arten  aus  den  unteren  Tertiärschichten  Oesterreichs  und  Steier- 
marks.  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Classe  der  kais.  Akademie  der  Wissen- 
schaften, Bd.  XXXV,  Seite  198. 


[33]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  343 

Beispiele  davon  finden  sieb  bei  Markt  Leinberg,  im  Hafnerthal  bei  Licbtenwald, 
bei  Lovke  (nördlich  von  Reichenburg)  u.  s.  w. 

Eine  dritte  Facies  der  Leithakalke  sind  die  Kalksandsteine,  die  beson- 
ders in  der  nördlichen  Hälfte  des  Cillier  Beckens  prädominiren.  Sie  sind  bald 
feinkörnig,  bald  grobkörnig  und  gehen  selbst  in  eigentliche  Conglomerate  über, 
die  als  Mühlsteine  verwendet  werden  können,  wie  am  Donatiberg  und  südlich 
von  St.  Georgen.  Die  Bestandtheile  sind  abgerundete  Fragmente  von  Quarz, 
grünen  Porpbyrtuffen , Dolomit  und  Kalk.  Mitunter  finden  sich  auch  hohle  Ge- 
schiebe darin.  Das  Cement  ist  Kalk  und  meist  in  reichlicher  Menge  vorhanden. 
Nulliporen  sind  in  den  feineren  Sorten  sehr  häufig,  in  den  gröbern  seltener,  oder 
fehlen  auch  ganz;  dagegen  enthalten  sie  alle  viele  Bryozoen,  so  dass  man  sie 
auch  die  „Bryozoenfacies“  nennen  könnte.  Wenn  auch  manchmal  Bryozoen 
und  Nulliporen  ganz  fehlen,  so  unterscheiden  sich  die  Leithasandsteine  immer 
noch  leicht  von  den  Sandsteinen  und  Conglomeraten  der  höheren  Schichten, 
indem  sie  wenigstens  kleine,  weisse  Kalkpunkte  erhalten,  die  ihnen  ein  mehr 
weniger  oolithisches  Aussehen  verleihen.  Ausserdem  charakterisirt  sie  das  Cement, 
das  nie  thonig  ist,  wie  bei  den  anderen,  und  die  Abwesenheit  von  Glimmer- 
schüppchen. 

Zwischen  Leithakalk  und  Leithasandstein  können  alle  möglichen  Uebergänge 
beobachtet  werden,  oft  in  sehr  kurzer  Distanz  in  ein  und  derselben  Schichte,  so 
dass  die  nahe  Verwandtschaft  und  die  Gleichzeitigkeit  ihrer  Bildung  nicht  dem 
leisesten  Zweifel  unterliegt. 

Alle  Gesteine  dieser  Gruppe  sind  als  Baumaterial  ausgezeichnet  und  sehr 
gesucht,  selbst  die  Mergelkalke  nicht  ausgenommen.  Es  sind  desshalb  auch 
überall  Steinbrüche  darein  eröffnet.  Wir  nennen  beispielsweise  nur  diejenigen 
bei  St.  Georgen,  St.  Marein , Sauerbrunn  Rohitsch,  Lovke  und  Lichtenwald. 
Auch  zum  Kalkbrennen  werden  die  reineren  Sorten  vielfältig  verwendet.  Endlich 
dienen  sie  auch  als  Unterbau  für  Strassen  und  als  Strassenschotter,  da  wo  keine 
Dolomite  oder  porphyrartige  Gesteine  in  der  Nähe  sind. 

Folgende  ist  die  Liste  der  von  uns  darin  gesammelten  Petrefacten : 

1.  Pecten  latissimus  Defr.:  Hörberg,  Lovke,  Tütfer,  Hrastnig. 

2.  Pecten  spec.,  vielleicht  nur  eine  Varietät  von  P.  latissimus , aber  mit 
10  (statt  7)  gleichmässigen  Rippen  auf  dem  Rücken  der  gewölbten  Unterschale: 
Hörberg. 

3.  Pecten  Malvinae  Bub.  (P.  opercularis  Goldf.J : Hörberg. 

4.  Peden  sarmenticius  Goldf : Drachenburg. 

5.  Peden  pusio  Penn.:  Store. 

6.  Venus  spec .,  der  Venus  Haueri  sehr  ähnlich:  Drachenburg. 

7.  Ostrea  cochlear  Poli:  Drachenburg,  Tüffer. 

8.  Cardium  vindobonense  Partsch: 

9.  Modiola  volhynica  Eichw.: 

10.  Modiola  marginata  Eichw . : 

11.  Trochus  spec.,  an  Tr.  pidus  erinnernd: 

Endlich  Austern,  Pecten,  Cidariten,  Clypeaster,  Bryozoen  u.  s.  w.,  die  nicht 

näher  hestimmbar  waren. 

Wie  man  sieht,  haben  die  Schichten  im  Hafnerthal,  die  aus  einem  sehr 
mergeligen  muschelreichen  Kalk  bestehen,  ihre  eigene  Fauna  und  zwar  eine 
brackische.  Auch  der  feste  gelbliche  Kalk  von  Lichtenwald  und  St.  Marein 
weicht  vom  gewöhnlichen  Leithakalke  ab,  da  er  ausser  Schalen  von  Austern  und 
Pectiniten  viele  Sternkerne  von  Gasteropoden  enthält  ( Natica , Trochus , Conus 
mit  C.  Brochii  verwandt),  während  sie  im  übrigen  Leithakalke  Uuter-Steier- 

44 


Hafnerthal  bei  Lichtenwald. 


K.  k.  geologische  Reichsanslalt.  12.  Baml.  1861  und  1862.  III.  Heft. 


344 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[341 

rnarks  zu  fehlen  scheinen.  Herr  v.  Morlot  führt  ausserdem  noch  ein  Ceii- 
thium  rubiginosum  aus  diesen  Schichten  an.  Paläontologisch  scheint  diese 
Facies  nach  der  Ansicht  des  Herrn  Dr.  Rolle  einem  höheren  Horizonte  anzuge- 
hören; petrographiseh  und  stratigraphisch  aber  entsprechen  sie  dem  Leithakalk. 

3.  Leithamergel.  So  nennen  wir  einen  grossen  Complex  von  Kalk-  und 
Sandmergelschichten,  die  unmittelbar  auf  dem  Leithakalke  liegen  und  ihm 
paläontologisch  zu  nahe  stehen,  um  nicht  trotz  der  grossen  äusserlichen  Ver- 
schiedenheit mit  ihm  in  eine  Altersgruppe  gesetzt  zu  werden. 

Die  Kalkmergel  sind  fest,  von  lichter  Farbe,  dünngeschichtet  bis  schieferig. 
Man  trifft  sie  am  häufigsten  in  der  westlichen  Hälfte  des  Cillier  Beckens.  Die 
Sandmergel  sind  dunkel,  weich,  selten  schieferig,  oft  nicht  einmal  deutlich 
geschichtet;  Letten  und  Sand  wechseln  damit  ab.  Sie  finden  sich  im  östlichen 
Theile  des  Cillier  Beckens;  in  den  beiden  anderen  Becken  treten  sie  nur  selten 
unter  den  Schichten  der  vierten  Gruppe  zu  Tage. 

Petrefacten  kommen  hie  und  da  seltener  vor,  doch  hat  nur  eine  Localität 
eine  kleine  Reihe  bestimmbarer  Arten  geliefert.  Es  ist  dies  ein  Hohlweg  in  der 
kleinen  Anhöhe  nördlich  von  Bresie,  fast  in  der  Mitte  zwischen  St.  Marein  und 
Süssenheim  (genauer  3 Millimeter  über  dem  5 von  Stermiitze  auf  der  Stabs- 
karte). Daselbst  finden  sich: 

1.  Tliracia  ventricosa  Phil.  (Lntraria  convexa  Soic.) 

2.  Corbula  carbmta  Duj, 

3.  Cytherea  spec. 

4.  Pholadomya  alpma  Math. 

3.  Rostellaria  spec.,  ähnlich  R.  pes  pelecani. 

6.  Ceritliium  spec. 

Ausserdem  fanden  wir  noch  hei  Ponigel  eine  Lucina , dieselbe,  welche  hei 
St.  Nikolai  ob  Römerbad  so  häufig  vorkömmt  *)  (Jahrbuch  1839,  Seite  178, 
Separatabdruck  Seite  22),  dann  nördlich  von  Peilenstein  eine  Menge  schöner 
Exemplare  von  Ostrea  cochlear  Poli,  endlich  bei  St.  Lorenz,  unweit  Store  und 
am  Nordabhange  des  Schibeneggberges  (südlich  von  St.  Georgen)  Fisch- 
schuppen. 

4.  Sandsteingrupe  (Congerien-  und  Mel  an  opsen  sch  ich  len). 
Wir  haben  diesen  Schichtencomplex  im  vorläufigen  Berichte  des  steiermär- 
kischen geognost.-montanistischen  Vereines  „Lignitsystem“  genannt,  da 
aber  nur  im  Reichenburger  Becken  „Lignit“  darin  vorkommt  (damit  bezeichnen 
die  Bergleute  jüngere  Braunkohle  mit  deutlicher  Holzstructur)  und  noch  dazu 
nur  mit  1 bis  2 Fuss  Mächtigkeit,  so  schien  uns  die  Bezeichnung  nicht  allge- 
mein genug  und  wir  ziehen  vor,  obige  Namen  zu  wählen,  von  welchen  der  erste 
den  vorwaltenden  petrographischen,  der  zweite  den  paläontologischen  Charakter 
ausdrückt. 

Molassensandsteine  und  lockerer  Sand  kommen  in  dieser  Gruppe 
fast  ausschliesslich  zur  Geltung;  Conglomerate,  Lehm  mit  Gerollen  und  Mergel 
sind  mehr  vereinzelte  Erscheinungen.  Der  Sandstein  gehört  dem  Cillier  Becken 
an,  der  lockere  Sand  den  beiden  anderen.  Sie  unterscheiden  sich  eigentlich 
nur  durch  den  Grad  der  Cohäsion  von  einander.  Beide  sind  grau  bis  röthlich- 
gelb,  glimmerführend,  thonig  und  von  feinem  gleichmässigem  Korn,  und  der 
Sand  ist  am  Ende  nichts  anderes  als  ein  aufgelöster  Sandstein,  der  in  den  tief- 


*)  Von  den  daselbst  vorkommenden  Petrefacten  hat  Dr.  Rolle  seither  eine  neue  Species 
als  Nucula  Zollikoferi  Rolle  beschrieben.  Sitzungsberichte  der  kais.  Akademie  der 
Wissenschaften,  mathem.-naturw.  Classe,  Bd.  XXXV,  Seite  104. 


[35]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  345 

ausgewaschenen  Gräben  des  Reichenburger  Beckens  auch  wirklich  zum  Vor- 
schein kommt.  Der  Sandstein  eignet  sich  wegen  seines  thonigen  Cementes  nicht 
zu  äusseren  Bauten,  wohl  aber  zu  inneren,  besonders  zu  Kaminen,  Herden, 
Feueressen  und  dergleichen,  da  er  bis  zu  einem  gewissen  Grade  feuerbeständig 
ist.  Die  Conglomerate,  theilweise  mit  hohlen  Geschieben,  liegen  unter  dem 
Sandsteine.  Wir  kennen  sie  blos  bei  Bresie  und  bei  Maria  Dobie  (nördlich  von 
Montpreis).  Zuweilen  trifft  man  auch  einen  thonigen  oder  sandigen  Lehm,  von 
zahlreichen  Gerollen  durchsetzt,  als  ganz  oberflächliches  Gebilde,  welches 
wahrscheinlich,  wie  sein  Analogon  im  Drannthal,  durch  die  Auflockerung  und 
theilweise  Zersetzung  von  Conglomeraten  entstanden  ist,  die  möglicher  Weise 
in  der  Tiefe  noch  unversehrt  zu  finden  sein  möchten.  Zwischen  dem  Fautschberg 
und  Vierstein  (Cillier  Becken)  besteht  das  Gerolle  aus  weissem  Quarze  in  hasel- 
nuss-  bis  kirschgrossen  runden  Stücken,  nordwestlich  von  Reichenburg  aber 
und  zwischen  dem  Loibersberg  und  Sdolle  (Ranner  Becken)  aus  Quarz,  bunt- 
farbenem  Jaspis,  Gailthaler  Sandstein,  vorzüglich  aber  aus  rothem  Werfener 
Sandstein  in  faustgrossen  Stücken. 

Die  wenigen  organischen  Ueberreste,  die  wir  in  der  Sandsteingruppe  zu 
beobachten  Gelegenheit  hatten,  differiren  zwar  von  einem  Becken  zum  anderen, 
sind  aber  nirgends  mit  der  aus  den  geologischen  Verhältnissen  hervorgehenden 
Ansicht  der  gleichzeitigen  Ablagerung  im  Widerspruche,  sondern  bestätigen  sie 
vielmehr.  Im  Cillier  Becken  trifft  man  Blätterabdrücke  von  Cinnamomum  bei 
Sucho  (zwischen  St.  Georgen  und  Montpreis)  und  eine  Cypris-Art,  wahrschein- 
lich Cypris  faba  Desm.  im  Mergel  von  Satteldorf.  Im  Ranner  Becken  kommen 
oberhalb  Birkdorf  (südlich  von  St.  Lorenzen)  zwei  Cardien-Arten  und  eine  Con- 
geria-Art  vor,  die  sämmtlich  neu  sind,  von  denen  aber  vorläufig  gesagt  werden 
kann,  dass  sie  sich  ebenfalls  in  den  obersten  Schichten  der  ungarischen  Tertiär- 
niederung finden.  Das  Reichenburger  Becken  endlich  bietet  eine  kleine  Reihe 
charakteristischer  Fossilien  , welche  die  Sandsteingruppe  Unter-Steiermarks  mit 
den  Congerien-  und  Melanopsenschic hten  oder  mit  den  obersten 
Brack-  und  Süsswasserablagerungen  des  Wiener  Beckens  in  eine 
Linie  bringt.  Wenige  Minuten  unterhalb  Kumreuz,  genauer  2 Millimeter  unter 
dem  K von  Kumreuz  der  Stabskarte,  findet  man  nämlich  in  dem  Sand,  der  den 
hohen  Uferabsturz  des  Baches  bildet: 

1.  Congeria  Partschii  Czjzek , 

2.  Congeria  spec., 

dann,  einige  hundert  Schritte  weiter  oben  am  Bache  ein  seiger  aufgerichtetes 
Flötz  von  Lignit  1 Fuss  mächtig  mit  vollkommen  erhaltener  Holzstructur  und 
über  diesem  eine  Sandschichte  mit 

3.  Melanopsis  pygmaea  Part  sch, 

4.  Melanopsis  Aquensis  Gratei ., 

5.  Paludina  stagnalis  Bast., 

6.  Nerita  ( Neritina ) spec.,  sehr  ähnlich  mit  N.  Grateloupana  Fer.,  aber 
mit  auffallend  stark  verdickter  Spindelschwiele. 

Noch  sei  bemerkt,  dass  wir  oberhalb  St.  Canzian  ein  grösseres  Fragment 
von  einem  verkieselten  Baumstamm  getroffen  haben , der  einer  Peuce-Art  anzu- 
gehören scheint. 

Nach  diesen  allgemeinen  Betrachtungen  über  die  Neogenformation,  welche 
selbst  schon  manche  Detailangaben  einschliessen,  haben  wir  nur  noch  einige 
specielle  Daten  über  Lagerungsverhältnisse  und  technisch  wichtige  Punkte  der 
einzelnen  Becken  nachzutragen. 

44  * 


346 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[30] 

a)  Cillier  Becken.  Das  Eingreifen  zweier  Gebirgszüge  zweiten  Ranges 
in  dieses  Becken  hat,  wie  schon  oben  gezeigt  wurde,  eine  wellenförmige 
Hebung  des  ganzen  Tertiärsystems  zur  Folge  gehabt.  Statt  einer  grossen  Mulde 
sind  deren  mehrere  entstanden,  die  jedoch  im  Westen  eine  andere  Anordnung 
haben  als  im  Osten  (Fig.  6 und  7),  so  dass  sie  gegen  die  Mitte  zu,  etwa  im 
Meridian  von  Ponigel,  auseinander Giessen.  Es  geht  daraus  hervor,  dasss  die 
verschiedenen  Schichtengruppen  nicht  blos  zwei  Mal,  wie  dies  zu  beiden  Seiten 
einer  einzigen  Mulde  geschehen  müsste,  sondern  weit  öfter  zu  Tage  treten 
werden. 

Das  Braunk  o hlen  sy  stem  zeigt  sich  überall  an  den  Rändern  der  Ge- 
birge: zu  beiden  Seiten  des  Rosenazuges,  zu  beiden  Seiten  des  Rudenzazuges 
und  am  Nordrande  des  Wacherzuges , also  fünfmal.  Es  sollte  aber  der  Voraus- 
setzung nach  ein  sechstes  Mal  auftreten  und  zwar  an  der  Grenze  zwischen  der 
neogenen  und  eocenen  Zone,  also  längs  der  Linie  Hohenegg-Rohitsch.  Dem  ist 
aber  nicht  so.  Zwischen  Hohenegg  und  Ponigel  ist  überhaupt  nichts  zu  sehen  und 
von  Ponigel  bis  Sauerbrunn  Rohitsch  liegt  der  Leithakalk,  wie  es  scheint,  unmittel- 
bar auf  den  Eocengebilden.  Unweit  Sauerbrunn,  nahe  bei  der  Kirche  von  Heiligen- 
kreuz, kommt  nun  allerdings  ein  Flötz  vor,  allein  die  Lagerungsverhältnisse , so 
undeutlich  sie  auch  im  Ganzen  sind,  machen  es  wahrscheinlich,  dass  es  zur 
Sandsteingruppe  gehöre  t)-  Figur  17. 

Fig.  17. 


H.  Dreifaltigkeit. 

Sottla.  Heiligenkreuz.  Sauerbrann. 


Lagerungsverliältnlsse  des  Flötzes  von  Hciligenkreuz. 

a Eocenformation,  b Leithakalk,  c tertiärer  Sand  mit  einem  Braunkuhlenftötz,  d Alluvium. 

Ein  Schürfstollen  hat  es  gegen  80  Klafter  weit  aufgeschlossen;  es  ist 
3 Fuss  mächtig,  steil  aufgerichtet  und  streicht  ziemlich  genau  von  Ost  nach  West. 
Eine  westliche  Fortsetzung  davon  ist  uns  nicht  bekannt. 

Abgesehen  von  diesem  Flötze  treffen  wir  den  ersten  Braunkohlenzug  am 
Nordabhange  des  Rosenazuges  in  der  Fortsetzung  der  Beckenreihe  Ostrowitz- 
Petschounig  (Jahrbuch  1859,  Seite  182,  Separatabdruck  Seite  2G).  Er  beginnt 
für  uns  mit  dem  v.  Putzer’schen  Kohlenbau  von  Petschoje  oberhalb  Store,  der 
noch  auf  oben  citirter  Seite  beschrieben  wird,  kann  aber  blos  bis  gegen  Kraint- 
schitza  verfolgt  werden.  Bei  Laskowetz  und  beim  Bauer  Komposcheg  sind  Schürfe 
darauf,  die  aber  wenig  versprechen.  Die  Lagerungsverhältnisse  bieten  nichts 
besonderes. 

Der  zweite  Kohlenzug  begleitet  das  Rosenagebirg  im  Süden;  es  ist  die 
östliche  Fortsetzung  desjenigen  von  Hrastnig-Tüffer.  Zwischen  Tiiffer  (Reyer- 
scher  Bau)  und  St.  Ruperti  ist  das  Flötz,  so  viel  wir  wissen,  bis  jetzt  noch  nicht 


Ob  dieses  Flötz  mit  den  östlich  davon  auf  croatischer  Seite  gelegenen  von  Tabor,  Prizlin, 
Klenoves  und  Lupinjak  in  Verbindung  gebracht  werden  müsse,  bleibt  erst  noch  durch 
genaue  topographische  und  geologische  Aufnahmen  nachzuweisen.  Leider  fehlt  dort  der 
sicherste  Horizont,  der  Leithakalk. 


[37]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  347 

nachgewiesen  worden  und  bei  St.  Ruperti  wird  erst  darnach  gesucht.  Wir  haben 
aber  Grund  zu  vermuthen,  dass  es  da  sei,  weil  nur  800  Klafter  weiter  gegen 
Süden  ein  Gegenflügel  des  Braunkohlensystems  sichtbar  wird,  in  dem  zwei  Flölze 
aufgeschlossen  wurden  (Figur  18).  Ob  es  mächtig  sein  werde,  ist  eine  andere 
Frage. 

Fig.  18. 


Koinize.  St.  Ruperti.  Horiac.  Trobenthal.  Hügelzug  von  St.  Leonhard. 


G Gailthaler  Schichten  mit  Eisensteinlager,  H Hallstätter  Kalk,  F eocener  Felsitschiefer,  a Braunkohlensystem 
mit  Flötzen,  b Leithakalk  und  Leithasandstein,  c Leithamergel,  hell,  schieferig. 

Weiter  östlich  ist  es  aus  einigen  Schürfen  am  Nordabhange  des  Kalobie- 
berges  bekannt  (Hauptprofil  I).  Bei  Schleinitz  und  St.  Stephan  ist  ebenfalls  Kohle 
aufgefunden  worden,  da  wir  aber  nicht  an  Ort  und  Stelle  waren,  so  können  wir 
nicht  entscheiden,  ob  sie  noch  diesem  oder  dem  naheliegenden  folgenden  Zug 
angehört.  Fallen  die  Schichten  gegen  Süden  ein,  so  gehört  sie  noch  hieher,  im 
entgegengesetzten  Falle  nicht  mehr. 

Die  beiden  folgenden  Züge  müssen  in  umgekehrter  Richtung  von  Ost  nach 
West  verfolgt  werden,  da  sie  dem  Rudenzagebirge  aufliegen  und  somit  gegen 
Westen  auskeilen.  Beide  sind  schon  in  der  Gegend  von  Krapina  in  Croatien 
durch  mehrere  belehnte  Baue  des  Montan-Aerares  und  des  Grafen  Festetits 
de  Toi  na  bekannt;  der  Flötzzug  des  Nordabhanges  des  Gebirges  bei  Cjurmanic 
und  Zutnica,  derjenige  des  Südabhanges  bei  Radoboj,  Krapina,  Ocericek  und 
Brezoves.  Auf  steierischer  Seite  müssen  wir  das  eine  längs  dem  Tinskobach 
(Nordseite  der  Rudenza)  wieder  aufsuchen.  Hier  finden  wir  denn  auch  am  Süd- 
abhange  des  Hügelzuges,  auf  welchem  die  Kirchen  St.  Urban,  St.  Anna,  St.  Maria 
und  St.  Johann  stehen,  öfter  kleine  Flötze  von  einigen  Zoll  bis  zu  2 Zoll  Mäch- 
tigkeit, die  aber  gewöhnlich  keine  Ausdauer  zeigen,  wie  mehrere  Schurfversuche 
dargethan  haben.  Es  besteht  aber  daselbst  noch  ein  belehnter  Bau  (Gewerkschaft 
Rem  schmidt),  der  einige  Zeit  Kohle  an  die  Südbahn  geliefert  hat,  was  aber 
bei  der  geringen  Mächtigkeit  des  Flötzes  und  der  grossen  Entfernung  der  Eisen- 
bahnstation Pöltschach  nicht  lohnend  sein  konnte.  Die  Vorkommen  von  St.  Ste- 
phan und  Schleinitz  als  schon  genannt  übergehend,  gelangen  wir  an  den  Süd- 
abhang des  Kalobieberges,  wo  der  Gegenflügel  des  vorigen  Flötzes  auftroten 
soll  und  endlich  zum  Horiakbau  (Figur  18),  wo  zwei  Flötze  von  3 bis  4 Fuss 
Mächtigkeit  ausbeissen  und  nun  durch  einer  Unterbau -Stollen  angefahren 
werden  sollen.  Sie  fallen  mit  50  Grad  gegen  Nord  und  haben  zum  Liegen- 
den und  Hangenden  Molassenstandsteine  mit  Zwischenschichten  von  Mergel. 
Zweifelsohne  correspondiren  sie  mit  den  nur  einige  hundert  Klafter  weiter  süd- 
lich gelegenen  Flötzen  von  Trobenthal,  die  derselben  Gewerkschaft  (Burowitsch) 
angehören  und  alsobald  zur  Sprache  kommen  sollen.  Eine  weitere  westliche  Fort- 
setzung des  Zuges  ist  uns  nicht  bekannt;  ebenso  wenig  kann  der  südliche  Zug 
weit  über  Trobenthal  hinausgehen,  weil  sich  die  hebende  Wirkung  des  Rudenza- 
gebirges,  welche  Wirkung  sich  in  der  antiklinalen  Axe  zwischen  den  beiden 
Flötzzügen  kundgibt,  nicht  weiter  westlich  erstreckt  hat. 


348 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[38] 

Am  Südabhange  der  Rudenza  fehlen  zwar  die  Schichten  des  Braunkohlen- 
systemes  keineswegs,  aber  von  einem  Flötze  ist  bisher  nichts  entdeckt  worden  *) 
und  nur  der  Endpunkt  dieses  Zuges  weist  die  bereits  angeführten  von  Trobenthal 
auf.  Der  daselbst  bestehende  Bau  ist  schon  mehrere  Jahre  alt,  wurde  aber  erst 
im  vorigen  Sommer  (1859)  neuerdigs  wieder  aufgemacht.  ZurZeit  des  Besuches 
von  Seiten  des  Verfassers  konnte  die  Grube  noch  nicht  befahren  werden;  es 
sollen  aber  zwei  Flötze  mit  einer  Mächtigkeit  von  je  3 bis  4 Fuss  da  sein.  Sie 
liefern  eine  vortreffliche  Stückkohle,  deren  Analyse,  von  Karl  Ritter  v.  Hauer 
ausgeführt,  folgende  Resultate  ergab  : 


Wassergehalt  in  100  Theilen 5*5 

Asche  in  100  Theilen 5*3 

Reducirte  Gewichtstheüe  Blei 21*93 

Daraus  berechnete  Wärme-Einheiten 49GO 


so  dass  nur  10  Centner  Kohle  nöthig  sind,  um  den  Wärmeeffect  von  einer  Klafter 
30zölligen  weichen  Holzes  zu  erreichen.  Sie  übertrifft  somit  noch  die  übrigen 
Braunkohlen  des  Cillier  Beckens  an  Güte. 

Der  letzte  Kohlenzug  dieses  Beckens  zieht  sich  am  Nordrande  des  Wacher- 
zuges hin.  Das  Dasein  eines  Flötzes  ist  an  vielen  Stellen  nachgewiesen  worden, 
wie  bei  Gorelza,  Pojerje,  St.  Yeith,  Sagorje,  Peilenstein  und  Drachenburg,  aber 
nirgends  ist  die  Mächtigkeit  gross  genug,  um  etwas  unternehmen  zu  können. 
Bei  Pojerje  soll  sie  3 Fuss  betragen,  was  bei  der  grossen  Entfernung  von  jedem 
Absatzort  immer  noch  zu  wenig  ist. 

Die  Ausdehnung  des  Leit  ha  kalk  es  wird  aus  der  Karte  leicht  ersichtlich. 
Das  Vorherrschen  der  Sandstein-  (Bryozoen-)  Facies  nördlich  vom  Rudenzazuge 
und  der  Grobkalkfacies  südlich  davon,  so  wie  die  zahlreichen  Uebergänge  der 
einen  in  die  andere,  sind  schon  im  allgemeinen  Theile  des  Capitels  erwähnt 
worden.  Es  bleibt  somit  wenig  nachzutragen. 

Der  nördliche  Leithakalkzug  erstreckt  sich  von  Ponigel  bis  Sauerbrunn 
Rohitsch;  dort  bricht  er  plötzlich  ab,  denn  der  Hügel  von  Tersische,  von  dem 
rnan  a priori  vermuthen  sollte,  dass  er  noch  dazu  gehöre,  besteht  aus  sandigen 
Eocenschiefern.  Erst  weit  im  Osten  und  zugleich  stark  nach  Norden  gerückt, 
finden  wir  wieder  den  Donatiberg  aus  grobkörnigem  Leithasandstein  zusammen- 
gesetzt (Figur  1).  Da  seine  Schichten  scheinbar  dem  eocenen  Sandstein  der 
Niviza  unterteufen,  so  muss  zwischen  beiden  eine  grosse  Verwerfungslinie  ange- 
nommen werden.  Das  Eintreten  andauernd  schlechter  Witterung  in  vorgerückter 
Jahreszeit  hat  uns  leider  verhindert,  diese  Erscheinung  weiter  zu  verfolgen;  wir 
werden  aber  dieses  Jahr  Gelegenheit  dazu  finden. 

Betrachten  wir  nun  die  westliche  Fortsetzung  dieses  Zuges.  Zwischen 
Ponigel  und  Hohenegg  war  nichts  zu  sehen,  das  an  Leithakalk  erinnert  hätte:  im 
Gegentheile  die  Verlängerung  der  Axe  des  Zuges  nach  dieser  Seite  hin  tritt  bald 
in  die  eocene  Zone  über.  Noch  weiter  westlich  aber,  zwischen  Hohenegg  und 
Schönstein  findet  man  wieder  einen  Leithakalkzug,  der  schon  von  Herrn  v.  Mor- 
lot  angeführt  wird.  Herr  Rolle  glaubte  ihn  nicht  als  solchen  anerkennen  zu 
dürfen,  sondern  hielt  das  Gestein  für  einen  älteren  Nulliporenkalk  (Jahrbuch 
1857,  Seite  446,  Separatabdruck  Seite  44);  allein  die  Analogie  der  Verhältnisse 


0 Andeutungen  eines  solchen  finden  sich  nur  bei  der  Trottermühle  an  der  Sottla  südlich 
von  Windisch-Landsberg,  wo  eine  stark  mergelige  Molasse  mit  Kohlenschnüren  durch- 
zogen ist  und  von  echten  bituminösen  Hangendschiefern  mit  Zweischalern  überlagert  wird, 
worauf  endlich  eine  Leithakalkbank  mit  Ostracodcn  und  Pectiniten  folgt. 


349 


[39] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


bezeichnet  ihn  hinreichend  sicher  als  neogen.  Die  Richtung  beider  Züge  ist  zwar 
nicht  vollkommen  übereinstimmend,  ihre  Axen  kreuzen  sich  unter  einem  Winkel 
von  5 Grad;  wenn  man  aber  die  Entfernung  beider  betrachtet,  so  kann  diese 
kleine  Unregelmässigkeit  nicht  in  Anschlag  gebracht  werden.  Sie  ist  oft  grösser 
in  zusammenhängenden  Zügen.  Wir  werden  also  immerhin  den  Leithakalkzug 
zwischen  Schönstein  und  Hohenegg  als  die  Fortsetzung  desjenigen  zwischen 
Ponigel  und  Sauerbrunn  ansehen. 

Bei  Ponigel  zeigt  der  Leithakalk  im  Kleinen  Erscheinungen  aus  dem  Karst- 
gebirge. Beim  Graben  eines  Brunnens  durch  den  Herrn  Bürgermeister  Korze 
stiess  man  nämlich  in  6 Klafter  Tiefe  auf  eine  Tropfsteinhöhle,  die  wie  die 
Schichten  selbst,  schwach  gegen  Süden  geneigt  ist  und  eine  Länge  von  3 bis 
6 Klafter  bei  einer  Breite  von  1 J/2  und  einer  Höhe  von  2 Klafter  besitzt.  An 
ihrem  unterem  Ende  verengt  sie  sich  und  dort  war  zur  Zeit  unserer  Anwesenheit 
deutlich  das  Rieseln  eines  kleinen  unterirdischen  Baches  zu  vernehmen.  Verfolgt 
man  über  Tag  die  Richtung,  die  das  Bächlein  zu  haben  scheint,  so  gelangt 
man  bald  zu  einem  Trichter  (Dolline),  der  sich  neben  dem  Hause  des  Bürger- 
meisters befindet  und  erst  vor  Kurzem  wieder  an  Tiefe  zugenommen  hat.  Man 
sieht  also,  wie  die  Auswaschung  des  Gesteines  durch  unterirdische  Wasser- 
adern im  Fortschreiten  begriffen  ist. 

Zwischen  der  Strasse  von  Cilli  nach  Ponigel  und  der  Eisenbahn  dehnt  sich 
eine  Hügelregion  aus,  die,  nach  Abzug  einer  Zone  von  Porphyrbreccien , fast 
ganz  aus  Sandsteinen  zusammengesetzt  ist.  Diese  gehören  jedenfalls  zu  den  Leitha- 
schichten, wie  ihre  häufigen  Muschelreste,  unter  anderen  Pectcn  pusio,  bewei- 
sen. Sie  treten  aber  nicht  bestimmt  genug  hervor,  um  in  die  eigentlichen  Leitha- 
kalkzüge eingereiht  zu  werden  und  können  eher  als  Uebergangsglied  zwischen 
Leithasandstein  und  Leithamergel  gelten.  Wir  hätten  diese  Schichten  vielleicht 
hier  ganz  übergangen,  wenn  sie  nicht  durch  zwei  Vorkommen  von  Walker- 
erde einige  Aufmerksamkeit  verdienten.  Das  eine  Vorkommen  findet  sich  circa 
1 00  Klafter  südlich  vom  Schlosse  Reifenstein  am  Rande  eines  Waldes,  das  andere 
bei  Podgorje,  südlich  von  St.  Georgen.  Die  Mächtigkeit  der  Walkererde  beträgt 
an  beiden  Orten  ungefähr  eine  Klafter.  Am  letzteren  Orte  ist  sie  etwas  reiner 
als  bei  Reifenstein;  zwar  noch  nicht  rein  genug,  um  direct  zur  Verwendung 
kommen  zu  können,  doch  hinreichend,  um  als  Seife  recht  brauchbar  zu  sein. 
Herr  Anton  Bergmann  von  Puschenschlag  (Gemeinde  Tüchern)  hat  an  beiden 
Punkten  gegen  1000  Centner  herausgenommen  und  verseift,  doch  fehlten  ihm 
die  Mittel,  um  die  Sache  energisch  zu  betreiben  und  jetzt  ist  der  Betrieb  ganz 
eingestellt. 

Die  übrigen  Leithakalkzüge  geben  uns  zu  keiner  besonderen  Bemerkung 
Anlass ; eben  so  wenig  die  oberen  Schichtengruppen.  Höchstens  Hesse  sich  von 
diesen  sagen,  dass  ihre  gegenseitige  Begrenzung  oft  eine  undeutliche  ist  und 
nicht  immer  mit  wünschenswerther  Genauigkeit  eingezeichnet  werden  konnte. 

b)  Reichenburger  Becken.  Auch  hier  verdient  das  Braunkohlensystem 
unsere  besondere  Aufmerksamkeit,  da  es  abbauwürdige  Flötze  enthält,  die  nun 
durch  die  Erstellung  der  Agramer  Bahn  sehr  an  Bedeutung  gewinnen  werden. 
Diese  Formation  tritt  nur  am  Nordrand  des  Beckens  auf;  am  Südrand  legt  sich 
entweder  der  Leithakalk  unmittelbar  an  die  secundären  Bildungen  an  oder  Sand 
und  Gerolle  der  Sandsteingruppe  verbirgt  alles  Tieferliegende. 

Der  erste  Kohlenzug  beginnt  beim  Kinkbauer,  zwei  Wegstunden  nördlich 
von  Reichenburg,  und  erstreckt  sich  genau  in  östlicher  Richtung  über  Reichen- 
stein, Velki-Kamen,  Kutschianski  nach  Trebscha  am  Nordfusse  des  Heiligen- 
berges bei  Hörberg.  Er  wird  auf  der  ganzen  Strecke  von  einem  gut  markirten 


350 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[40] 

Leithakalkzug  begleitet.  Die  Mächtigkeit  des  nach  Süd  verflachenden  Flötzes 
nimmt  nach  Osten  rasch  ab:  bis  zur  Ruine  Reichenstein  beträgt  sie  im  Mittel 
3 bis  4 Klafter,  hinter  Veli-Kamm  nur  noch  1 Klafter  und  gegen  Hörberg  zu 
noch  weniger,  so  dass  die  dortigen  Versuchsbaue  bald  eingestellt  werden  mussten. 
Zwischen  dem  Kinkbauer  und  Reichenstein  wurden  früher  sehr  ausgedehnte  und 
ergiebige  Tagbaue  geführt  (Gewerkschaft  Dräsche,  vormals  Mi  es  b ach); 
später  aber  wurde  der  weitere  Abbau  sistirt,  weil  der  zweite,  ergiebige  Kohlen- 
zug den  Bedarf  der  Sissegger  Dampfschifffahrts-Gesellschaft,  der  einzigen  bis- 
herigen Absatzquelle,  mit  jährlichen  30.000  Centnern  vollkommen  deckte.  Die 
Eröffnung  der  Agramer  Bahn  wird  nun  aber  bald  der  hiesigen  Kohlenproduction 
einen  erhöhten  Aufschwung  geben  und  den  ersten  Kohlenzug  wieder  zu  Ehren 
bringen.  Es  soll  dann  regelmässiger  Stollenbau  betrieben  werden. 

Bei  Schedun,  380  Klafter  südlich  vom  ersten,  liegt  der  zweite  Kohlenzug, 
dessen  Schichten  gleichfalls  nach  Süden  einfallen.  Wir  halten  ihn  aber  keines- 
wegs für  selbstständig,  sondern  als  ein  durch  Verwerfung  losgetrenntes  Stück 
des  ersten.  Figur  19. 

Fig.  19. 


Barbarastollen. 

Douskograben.  Kink.  Soliedun.  Dousko.  Douskograben.  Preissenthal. 


a Gailtliaier  Schiefer,  am  Eingang  des  Barbarastollens  ausgehend,  b bis  tO  Klafter  mächtig,  b rothe  Werfener 
Schiefer  und  Sandsteine  im  Barbarastollen,  3 Klafter  mächtig,  h‘  grüne,  stark  glimmerige  Werfener  Schiefer,  auf 
kurze  Erstreckung  im  Douskograben  sichtbar,  c Hallstätter  Dolomit,  <1  Gurk  fehler  Plattenkalke,  e Grossdorner 
Schiefer,  f Braunkohleuformation,  </  Leithakalk,  h Leithamergel,  scheinen  nur  schwach  vertreten  zu  sein,  i Saud 
der  Sandsteingruppe,  im  Westen  kleine  Lignitflötze  enthaltend. 


Wie  weit  sich  dieser  Kohlenzug  nach  Osten  erstreckt,  ist  nicht  genau 
bekannt;  doch  kann  er  nicht  weiter  gehen,  als  bis  Verh,  das  heisst  so  weit  als 
der  darüber  liegende  kleine  Leithakalkzug  von  Dousko  reicht,  denn  nachher 
treten  ganz  andere  Verhältnisse  ein. 

Der  Zug  enthält,  so  weit  er  aufgeschlossen  ist,  vier  Flötze.  Eine  Ver- 
querung  von  der  Sohle  zum  Dach  ergibt  nach  den  gütigen  Mittheilungen  des 
Herrn  Bergverwalters  Hart  mann: 


Hallstätter  Kalk  und  Dolomit. 

Liegendletten  mit  zertrümmert. Muschelresten,  Flötz  I,  Mächtigkeit  3 — 4 Klftr. 
20  Klftr.  weiter  südl.,  horizontal  gemessen:  „ II,  „ 21/a  „ 

B »»  n » » n ?»  Hh  Y>  1 j» 

10  „ „ „ „ n ,,  IV,  „ 2—20  „ 

Bituminöse  Hangendmergel,  helle  Mergel,  Leithakalk. 


Das  Flötz  IV  ist  in  der  Tiefe  geringmächtig  und  stark  zerrieben,  während 
es  im  oberen  Horizonte  eine  horizontale  Breite  von  34  Klafter  zeigt,  was  bei 
einem  Verflachen  von  75  bis  30  Grad  die  ausserordentliche  Mächtigkeit  von 
15  bis  20  Klafter  ergibt.  Indess  dürfte  sie  nur  das  Resultat  einer  localen  Auf- 
stauung der  Kohle  sein,  indem  nachträgliche  Schichtenstörungen  ein  Abrutschen 


[41]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  351 

und  Zusammenstürzen  des  Flötzes  in  sich  selbst  zur  Folge  gehabt  haben  können. 
Darauf  scheint  auch  die  sonderbare  Thatsache  hinzuweisen,  dass  die  Kohlen- 
blätter mit  dem  Hangenden  und  Liegenden  nicht  parallel  laufen,  sondern  gegen 
dieselben  in  allen  möglichen  Richtungen  abstossen,  etwa  wie  Figur  20  es  zeigt. 

Es  fragt  sich  auch,  ob  wirklich 
vier  selbstständige  Flötze,  wie  sie 
aus  der  Yerquerung  der  Formation 
hervorzugehen  scheinen,  da  sind,  oder 
ob  nicht  vielmehr  auch  in  dieser  Hin- 
sicht Schichtenstörungen  mit  im  Spiele 
gewesen,  denn  im  ersten  Kohlenzuge 
ist  bis  jetzt  nur  eines  bekannt  ge- 
worden. Ueberhaupt  kommen  in  die- 
ser Region  wunderliche  Dinge  vor, 
die  auf  grosse  Umwälzungen  schlies- 
sen  lassen  und  nur  durch  die  Annahme 
von  mehreren  Verwerfungsspalten  er- 
klärt werden  können,  wie  dies  aus 
Figur  19  hervorgeht;  aber  selbst  damit  ist  noch  nicht  Alles  in's  Reine  gebracht. 

Wenn  man  vom  hinteren  Douskograben  gegen  den  Kinkbauer  hinansteigt,  so 
folgen  erst  regelmässig  auf  einander  Werfener  Schiefer,  Hallstätter  Schichten, 
Gurkfelder  Plattenkalke  und  Grossdorner  Schiefer.  An  der  Grenze  der  letzteren 
gegen  das  Tertiärgebiet  trifft  man  nun  den  Rarbarastollen  und  ist  nicht  wenig 
erstaunt,  auf  der  Halde  desselben  schwarze  Gailthaler  Schiefer  und  rothe  Wer- 
fener Schiefer  und  Sandsteine  zu  finden,  um  so  mehr,  da  über  Tag  nichts  davon 
zu  sehen  ist.  Da  indess  diese  Gesteine  im  Stollen  nur  12  Klafter  weit  anhielten, 
so  lässt  sich  am  Ende  noch  annehmen,  dass  sie  ausserhalb  desselben  nur  zufällig 
nirgend  blossgelegt  seien  und  eine  Verwerfungsspalte,  durch  das  Mundloch  des 
Stollens  gelegt,  würde  somit  diese  Erscheinung  erklären.  Aber  wo  sind  dann 
die  Schichten  der  oberen  Trias  geblieben,  die  doch  auf  die  Werfener  Schichten 
folgen  sollten?  — Eine  weitere  Unregelmässigkeit  ist  folgende:  das  Flötz, 
welches  im  Rarbarastollen  angefahren  wurde,  war  nur  1 A/z  Fuss  mächtig, 
während  etwas  weiter  oben  ein  Schacht  von  6 Klafter  Tiefe  eine  Mächtigkeit 
von  4 Klafter  aufschloss,  was  der  mittleren  Mächtigkeit  des  ganzen  Zuges  ent- 
spricht. Sollte  jenes  am  Ende  ein  unteres  zweites  Flötz  gewesen  sein?  — Eine 
dritte  anomale  Erscheinung  endlich  ist  der  äusserst  klüftige  Hallstätter  Dolomit, 
der  unterhalb  der  Kirche  von  Dousko  an  der  Strasse  mitten  im  Leithakalke 
ansteht  und  das  Ostende  des  schmalen  Zuges  von  Triasgesteinen  bildet,  der 
gelegentlich  der  Altersfrage  der  Gurkfelder  und  Grossdorner  Schichten  angeführt 
wurde.  Während  alle  übrigen  Schichten  nach  Süd  verflächen,  fällt  er  allein  mit 
80  Grad  gegen  Nord  (magn.  Stunde  1 */,).  Wir  haben  ihn  nicht  in  obiges  Profil 
(Figur  19)  hineingebracht,  weil  uns  sein  Zusammenhang  mit  den  übrigen  Ver- 
hältnissen nicht  klar  war. 

In  Retreff  der  Leithakalke  haben  wir  dem  früher  Gesagten  nur  noch 
beizufügen,  dass  einzelne  Fetzen  davon  weit  am  Wachergebirge  hinaufreichen. 
Der  letzte  befindet  sich  oberhalb  Plessioutz  in  einer  Höhe  von  nahe  2500  Fuss. 
Die  Leithamergel  werden  nur  wenig  sichtbar  und  haben  demnach  auch 
weiter  keine  Bedeutung.  Um  so  grösser  ist  aber  die  Entfaltung  der  Sa  nd  stein- 
gruppe, die  mehr  als  die  Hälfte  des  Beckens  einnimmt  und  eine  grosse  Mäch- 
tigkeit besitzt,  indem  enge  Auswaschungsthäler  von  beiläufig  400  Fuss  Tiefe 
sich  ganz  in  dieser  Bildung  befinden.  Darin  vorkommende  Lignitflötze  sind  bei 

45 


Fig.  20. 


Anordnung  der  Kohlenblätter  im  HaupttlÖtze  des 
Reichenburger  Rohlearevieres. 


a Liegendes,  b Flötz,  c Hangendes. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Gand.  1861  und  1862,  III.  lieft. 


Theobald  v.  Zollikofer. 


352 


[42] 


Seuze,  Poklek,  Kumreuz  und  im  Hafnerthal  aufgedeckt,  aber  nirgends  bauwürdig 
befunden  worden. 

c)  Rann  er  Becken.  Ob  hier  das  Braunkohlensystem  ganz  fehlt  oder  nur 
in  der  Tiefe  zurückgeblieben  ist,  bleibt  ungewiss.  Das  letztere  ist  in  so  fern 
möglich,  als  die  Leithakalke  mit  den  darauf  liegenden  Schichten  nur  sehr 
schwach  geneigt  sind  und  mit  dem  Grundgebirge  in  discordanter  Lagerung 
stehen  (Figur  21). 


Fig.  21. 


Sromle. 


C 

Profil  des  Ranner  Beckens. 


Artisch. 


G Grossdorner  Schiefer,  a Leithakalk,  b Leithamergel,  c Sand  (Congeriensehichten),  d Diluvialschotter, 

e Diluviallehm,  f Alluvium. 


Die  Sandsteingruppe  spielt  hier  die  wichtigste  Rolle,  da  sie  wenigstens 
5/6  des  Tertiärgebietes  bedeckt,  während  die  Leithamergel  nur  im  östlichen 
Theile  zu  Tage  ausgehen.  Die  überall  herrschende  Weincultur  erschwert  übri- 
gens jede  weitere  Untersuchung  sehr  und  macht  auch  die  Trennung  zwischen 
Tertiärsand  und  dem  darauf  ruhenden  Diluviallehm  unsicher. 

Da  das  Becken  von  Rann  mit  demjenigen  der  Gurk  unmittelbar  zusammen- 
hängt, so  ist  eine  Vergleichung  der  beiderseitigen  Verhältnisse  wohl  am  Platze. 
Um  dies  aber  leichter  thun  zu  können,  so  ziehen  wir  die  Neogenformation  des 
Reichenburger  und  Cillier  Beckens  mit  hinein,  weil  sie  reichhaltiger  an  Petre- 
facten  sind.  Das  weite  Thal  der  Gurk  ist  von  Herrn  Dr.  Stäche  untersucht  und 
beschrieben  worden  (Jahrbuch  1858,  Seite  366),  wodurch  dann  die  Vergleichung 
möglich  wird.  Zwischen  beiden  Theilen  herrscht  manche  Analogie,  wie  voraus- 
zusehen war,  aber  auch  manche  Verschiedenheiten,  die  auffallen  müssen.  Auch 
jenseits  der  Save  finden  wir  Leithakalke , Leithasandsteine  und  Leithamergel 
(Acephalenschicht  Stäche),  die  ebenfalls  fast  ganz  auf  die  Ränder  des  Beckens 
beschränkt  sind  und  sich  mehr  weniger  als  Uferbildungen  erweisen.  Allein  ihre 
Anordnung  ist  keine  so  regelmässige  wie  auf  steierischer  Seite,  wenigstens  geht  aus 
der  Aufnahmskarte  jener  Parcelle  vonUnter-Krain  kein  Parallelismus  der  einzelnen 
Gesteinszüge  unter  sich  und  mit  dem  Grundgebirge  hervor,  wie  dies  auf  unserer 
Seite  der  Fall  ist.  Von  den  34  Petrefacten-Arten,  die  Herr  Dr.  Stäche  dort 
gesammelt  hat,  stimmen  nur  3 ganz  sicher  mit  den  steierischen  Arten  überein, 
nämlich  Pecten  latissimus  Defr .,  Pecten  sarmenticius  Goldf.  und  Lutraria  con- 
veooa  Sow.  Die  Turritellenschichten  mit  15  Arten  scheinen  merkwürdiger  Weise 
in  Unter- Steiermark  gar  nicht  vorzukommen;  auch  stimmt  keine  ihrer  Arten  mit 
irgend  einer  aus  unseren  vier  Hauptgruppen  zusammen.  Auf  der  anderen  Seite 
hat  es  den  Anschein,  als  ob  die  im  Ranner  Becken  so  mächtig  entwickelten 
Congerienschichten  im  Thale  der  Gnrk  gar  nicht  oder  wenigstens  nur  sehr  spär- 
lich vertreten  seien. 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


353 


VIII.  Neuere  Bildungen  (Diluvium.  Alluvium,  Balktuff). 

Sie  sind  sammt  und  sonders  von  geringer  Bedeutung.  Das  Land  ist  zu 
hügelig,  um  grössere  Thalausfüllungen  zu  gestatten  und  die  kleineren  Bach- 
ebenen der  Tertiärregion  haben  zu  wenig  Ausdehnung,  um  namentlich  ange- 
führt zu  werden.  Eine  Ausnahme  davon  macht  nur  die  Südspitze  der  Steiermark, 
wo  die  Save  von  einer  Seite  die  Gurk,  von  der  anderen  die  Sottla  aufnimrnt. 
Dort  war  Baum  genug  zur  Entfaltung  quarternärer  Ablagerungen,  zu  welchen 
die  Flüsse  das  Material  in  reichlichem  Maasse  herbeischafften,  wobei  die  leichte 
Zerstörbarkeit  der  obertertiären  Schichten  wesentlich  beigetragen  haben  wird. 

Von  den  l*/a  Quadratmeilen,  welche  die  neuere  Bildung  zwischen  der  Save,  der 
Sottla  und  der  Strasse  von  Videm  nach  Schupeleuz  occupiren,  kommen  mehr  als 
zwei  Drittel  auf  Diluvialablagerungen,  während  das  Alluvialgebiet  auf  die  Ufer 
der  beiden  Flüsse  beschränkt  bleibt.  Die  Scheidelinie  zwischen  beiden  ist  durch 
steile  Terrassenabstürze  angedeutet  (Figur  21),  die  im  Maximum  eine  Höhe  von 
40  Fuss  erreichen.  Nur  selten  sind  zwei  deutliche  Terrassen  erkennbar. 

Die  Begelmässigkeit  der  Diluvialebene,  die  wie  gewöhnlich  aus  Schotter 
und  Sand  zusammengesetzt  ist,  wird  hie  und  da,  besonders  gegen  den  Rand  zu, 
durch  Auflagerungen  von  Diluviallehm  gestört.  Hieher  gehören  allem  An- 
scheine nach  die  kleine  Anhöhe  von  Artitsch  (Meereshöhe  717  Fuss,  Erhebung 
über  die  Ebene  etwa  150  Fuss)  und  der  langgedehnte  Hügel  von  Kapellen.  An 
der  Strasse  von  Dobova  nach  Kapellen  sieht  man  zuweilen  lehmigen  Sand  ent- 
hlösst,  in  dem  rostbraune  Lehmknollen  fast  wie  feiner  Schotter  vertheilt  sind ; 
etwas  Aehnliches  findet  sich  auch  auf  dem  Sremitschberg  bei  Reichenburg.  Es 
scheinen  dies  die  letzten  Spuren  der  eisenschüssigen  Diluviallehme  Unter-Krains 
zu  sein,  die  Herr  Bergrath  Lipoid  zum  Gegenstand  einer  Special-Abhandlung 
gemacht  hat  (Jahrbuch  1858,  Seite  246). 

Eine  zweite  aber  bedeutend  kleinere  Diluvialebene  mit  zwei  deutlichen 
Terrassen  zeigt  sich  weiter  oben  an  der  Save  zwischen  Laak  und  Wregg. 
Eben  so  treten  auch  unterhalb  Wisell  an  der  Sottla  auf  eine  kurze  Strecke  zwei 
Terrassen  auf. 

Kalktuffe  werden  in  der  Region  der  Alpenkalke  ziemlich  häufig  ange- 
troffen, so  im  Gratschnitzagraben  zwischen  Gairach  und  Meierhof,  bei  Pollane 
(westlich  von  Gairach),  wo  er  3 Klafter  mächtig  aufsitzt,  bei  Unter-Tinsko 
zwischen  Süssenheim  und  Windisch-Landsberg  u.  s.  w.  Bis  jetzt  wurden  sie  nur 
gelegentlich  von  den  benachbarten  Bauern  zu  ihren  Bauten  benützt;  das  Vor- 
kommen bei  Unter-Tinsko  verdient  aber  auch  in  weiteren  Kreisen  bekannt  zu 
werden,  da  dieser  Tuffsteinbruch  nicht  nur  ein  vorzügliches  Baumaterial  liefert, 
sondern  noch  ausserdem  seine  günstige  Lage  in  der  Nähe  einer  bequemen  und 
gut  unterhaltenen  Bezirksstrasse  mit  Vortheil  ausgebeutet  werden  könnte. 

B.  Gruppe  der  anormalen  Bildungen. 

IX.  Felsitporphyre,  Breccien  und  Contactgesteine. 

In  der  Beschreibung  der  Umgegend  von  Cilli  haben  wir  unter  dem  Titel: 
„Porphyre  und  Porphyrtuffe“  (Jahrbuch  1859,  Seite  192,  Separatabdruck 
Seite  36)  eine  Reihe  der  verschiedenartigsten  Gesteine  umfasst,  die  stets 
zusammen  Vorkommen  und  zu  einander  in  inniger  Beziehung  stehen.  Wir  fänden 

45* 


354 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[44] 

damals  viel  Rätselhaftes  und  Dunkles  in  den  hieher  gehörigen  Erscheinungen 
und  gaben  uns  der  Hoffnung  hin,  dass  fernere  Aufschlüsse  in  der  östlichen 
Partie  mehr  Licht  bringen  würden.  Der  Osten  hat  auch  neue  Aufschlüsse  ge- 
bracht, indem  die  auf  die  Frage  bezüglichen  Phänomene  bis  nach  Croatien 
hinein  verfolgt* werden  konnten,  aber  doch  nicht  mehr  Licht  Im  Verlaufe  der 
Untersuchungen  wurde  die  Reihe  der  unter  sich  verwandten  Gesteine,  und  die 
Beziehungen  derselben  zu  einander  wohl  mannigfaltiger  aber  nicht  deutlicher. 
Zwar  lässt  sich  die  früher  aufgestellte  Einteilung  in  Felsitporphyre,  ältere  TufTe 
(Werfener  Bildungen)  und  jüngere  Tuffe  (eocene  Bildungen)  immer  noch  fest- 
halten,  aber  es  wird  oft  schwer,  dieses  oder  jenes  Geslein  mit  Sicherheit  in 
diese  oder  jene  Classe  zu  setzen  und,  was  wichtiger  ist,  das  Räthsel  des 
Causalverbandes  der  einzelnen  Erscheinungen  ist  noch  immer  nicht  genügend 
gelöst. 

Wir  haben  diesmal  diejenigen  semiplutonischen  Bildungen,  die  sich  durch 
deutliche  Auflagerung  auf  die  Alpenkalke  oder  durch  Wechsellagerung  mit  unter- 
tertiären Schichten  als  eocene  Gesteine  erweisen  lassen,  in  die  Reihe  der  nor- 
malen Bildungen  aufgenommen;  es  bleiben  uns  somit  nur  die  unter  sich  zusammen- 
hängenden anormalen  Bildungen  aus  der  Zeit  der  unteren  Trias  zu  untersuchen. 
Dies  sind  erstens  die  eigentlichen  Felsitporphyre,  zweitens  neu  auftretende, 
den  Porphyren  sehr  verwandte  Gesteine,  die  wir  als  Fe Isitb  r ecci e n zu- 
sammenfassen wollen,  und  drittens  Co  n t actgeste ine.  Hinsichtlich  der 
letzteren  fanden  wir  für  gut,  die  frühere  Bezeichnung  „ältere  Tuffe“  aufzu- 
geben, um  nicht  etwa  zu  irrigen  Anschauungen  Veranlassung  zu  geben,  und 
dafür  die  richtigere  Benennung  „Contactgesteine“  einzuführen,  da  es  sich  ledig- 
lich um  sedimentäre  Schichten  handelt,  die  durch  Berührung  mit  Porphyren  eine 
Umwandlung  erlitten  haben. 

a)  Felsitporphyr.  Ganz  im  Norden  unseres  Gebietes  zeigen  sich  schon 
Andeutungen  davon  bei  Tischova  (südwestlich  von  Heiligengeist)  und  oberhalb 
Seizkloster  an  der  Strasse  nach  St.  Georgen  (Figur  16).  Es  sind  dieselben 
festen,  hornsteinähnlichen,  klüftigen  Felsitgesteine  von  heller,  in’s  Gelbliche 
oder  Grünliche  gehender  Farbe,  wie  sie  in  der  Umgegend  von  Cilli  getroffen 
werden.  Sie  fallen  unter  dem  schmalen  Dolomitstreifen  ein,  der  sich  gleichsam 
mitten  aus  den  eocenen  Schichten  erhebt,  und  können  nur  durch  eine  nachträg- 
liche Verwerfung  in  ihre  jetzige  Lage  gebracht  worden  sein.  Man  könnte  freilich 
hier  auch  geneigt  sein  zu  glauben , sie  wären  erst  nach  Ablagerung  der  Eocen- 
formation  hervorgedrungen , allein  eine  solche  Annahme  würde  mit  anderen 
Thatsachen  in  offenem  Widerspruch  gerathen. 

Ein  fernerer  Porphyrdurchbruch  ist  östlich  von  Hohenegg  bei  der  Mündung 
des  Bovebaches  erfolgt.  Er  erklärt  die  Nähe  einer  grösseren  Zone  von  Contact- 
gesteinen  (Figur  10)  und  tritt  mit  den  Porphyrmassen  westlich  von  Hohenegg  in 
einen  natürlichen  Verband. 

In  der  Fortsetzung  des  Porphyrzuges  von  Cilli  kennen  wir  wohl  auch  Ge- 
steine, die  mit  den  Porphyren  in  Zusammenhang  gebracht  werden  müssen,  aber 
sie  sind  keine  echten  Eruptivmassen  und  finden  eher  unter  den  Breccien  ihren 
Platz;  hingegen  zeigen  sich  wieder  solche  in  der  östlichen  Fortsetzung  des 
Tremersfelder Zuges.  An  derRosena  ist  zwar  wenig  davon  zu  sehen,  da  die  ganze 
Kuppe  dicht  bewachsen  ist,  aber  das  Wenige  lässt  doch  vermuthen,  dass  sie 
wenigstens  zum  Theile  aus  Porphyr  besteht.  Um  so  deutlicher  sind  die  Auf- 
schlüsse am  Ostfusse  des  Reicheneggberges : Dort  besteht  gleich  hinter  dem 
Dorfe  Tscherneliza  an  der  Strasse  von  St.  Georgen  nach  Montpreis  eine  grosse 
Entblössung  des  Gesteines,  das  als  Strassenschotter  gebrochen  wird.  Die  lichte 


[45]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  3S& 

in’s  Grünliche  oder  Röthliche  gehende  Grundmasse  ist  nicht  hornsteinartig,  wie 
hei  Cilli;  sie  hat  im  Gegentheil  einen  körnigen,  fast  erdigen  Bruch  und  lässt 
sich  leicht  mit  dem  Messer  ritzen.  Die  zahlreichen  kleinen  eckigen  Einschlüsse 
von  weisser  Farbe  bestehen  aus  weicher  Masse , aber  ihre  regelmässige  Form 
berechtigt  sie  für  zersetzte  Feldspathkrystalle  zu  halten.  Ausserdem  sind  noch 
hie  und  da  Quarzkörner  eingesprengt.  Im  grossen  Ganzen  aufgefasst,  trägt  das 
Gestein  jedenfalls  unzweifelhaft  den  Stempel  plutonischen  Ursprunges  an  sich. 
Es  findet  sich  wieder  in  gleicher  Weise  in  Croatien  an  der  Strasse  von  Krapina 
nach  Pettau,  etwas  nördlich  von  dem  Punkte,  wo  sie  die  Heerstrasse  nach 
Rohitsch  verlässt. 

Der  Porphyrzug  von  Tüffer  setzt  ebenfalls  noch  in  die  Section  XXIII  her- 
über, indem  am  Scheidepunkte  der  Wege  von  St.  Ruperti  nach  Suetina  und 
St.  Peter  noch  eine  kleine  Masse  von  grünem  und  rothem  hornstein-ähnlichem 
Porphyr  auftaucht. 

b ) Porphyrb reccien.  Dieser  Name  bezeichnet  die  hier  folgenden  Ge- 
steine keineswegs  vollständig,  denn  sie  sind  zu  wandelbarer  Art,  als  dass  eine 
umfassende  Benennung  derselben  möglich  wäre.  Da  aber  die  Breccienstructur 
ein  häufig  auftretendes  Merkmal  derselben  ist,  so  mag  obige  Bezeichnung  im 
Allgemeinen  dienen. 

Der  nördlichste  Punkt,  wo  solche  Gesteine  auftreten,  liegt  bei  Rasgor, 
nordwestlich  von  St.  Georgen  (auf  der  Stabskarte  im  D von  Maria  Dobie).  Es 
ist  eine  weisse  Felsitbreccie  mit  lichtgrünen  erdigen  Einschlüssen,  die  unweit 
einer  kleinen  Doleritmasse  ansteht  und  nur  an  einem  einzigen  Punkte  sichtbar 
wird. 

Von  mehr  Bedeutung  ist  ein  ganzer  Zug  hieher  gehöriger  Gesteine  zwischen 
Store  und  St.  Rosalia  bei  St.  Georgen.  Eine  schöne  Entblössung  längs  der 
Strasse  zeigt  sie  in  ihrer  ganzen  Mannigfaltigkeit.  Sie  erscheinen  bald  massig, 
bald  schieferig,  bald  klüftig,  bald  breccienartig  mit  Einschlüssen  von  Felsit  und 
mit  Kalkspathadern.  Festigkeit  und  Farbe  wechseln  eben  so  sehr.  Die  schieferi- 
gen Partien  sind  melirt,  wie  die  Contactgesteine,  und  schliessen  zuweilen 
kleinere  Massen  von  schwarzen  Schiefern  ein,  die  ganz  an  Gailthaler  Schiefer 
erinnern  (solche  finden  sich  auch  wirklich  etwas  weiter  westlich  im  Eisenbahn- 
durchschnitt von  Tüchern).  Gegen  St.  Rosalia  hin  befindet  sich  auch  unter  ganz 
verwitterten  schieferigen  Contactgesteinen  eine  äusserst  harte  Felsitbreccie, 
auf  die  wir  noch  zurückkommen  werden,  da  sie  einen  Schwefelkiesgang  ein- 
schliesst,  der  edle  Metalle  enthalten  soll.  Dieser  Zug  schliesst  sich  im  Westen 
an  die  Contactgesteine  von  Cilli  an,  wodurch  es  leichter  begreiflich  wird,  dass, 
er  selbst  kleinere  Partien  derselben  einschliesst.  Stellenweise  legt  sich  eine 
schmale  Zone  von  eocenen  Tuffgesteinen  daran  herum. 

Im  Süden  und  mehr  noch  im  Osten  der  Porphyrmasse  von  Tscherneliza 
sind  ebenfalls  Breccien  anstehend,  die  sich  eng  an  das  Eruptivgestein  anschlies- 
sen.  Es  sind  hier  yor  Allem  zwei  Entblössungen  bemerkbar.  Die  eine  findet  sich 
unweit  St.  Jakob,  da  wo  der  Vodruschbach  in  das  Defile  zwischen  dem  Reichen- 
egg- und  Schibeneggberg  eintritt.  Daselbst  setzt  eine  nur  wenige  Klafter 
mächtige  Bank  von  hellem  Kalk  quer  über  den  Graben.  Da  sie  steil  aufgerichtet 
ist,  hält  es  schwer,  ihr  Yerflächen  zu  bestimmen;  indess  muss  Nordfallen  ange- 
nommen werden,  weniger  noch,  weil  die  darauf  ruhenden  Tertiärschichten 
sämmtlich  ein  nördliches  Yerflächen  haben,  als  weil  die  Bank  dem  Kalkzug 
angehört,  der  vom  Petschounig  zum  Reicheneggberg  streicht.  Die  Gesteine  also, 
die  sich  unmittelbar  im  Süden  daran  anlehnen,  fallen  unter  den  Kalk  ein, 
obwohl  dies  bei  der  stattgehabten  Abrutschung  der  Schichten  nicht  direct  nach- 


356 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[46] 

gewiesen  werden  kann.  Das  nächste  daran  ist  thonsteinartig  mit  erdigem  Bruch, 
von  lichtgrüner  Farbe  mit  vielen  blaugrünen  Einschlüssen,  Nach  und  nach  geht 
es  in  eine  feste  okergelbe  Breccie  mit  Mosaikstructur  über;  dann  folgen  Con- 
tactgesteine , die  weiter  unten  zur  Sprache  kommen  werden  und  die  aufgelagert 
erscheinen,  und  endlich,  fünf  Minuten  weiter  südlich  gegen  die  Kirche  zu 
(Figur  22)  eocene  Tuffe. 


Fig.  22. 


Podgorje.  Reichenegg.  Reicheneggberg  (1750  Fuss).  St.  Jakob 


a Porphyrbreccien  , b Contactgesteine , c Hallstätter  Kalk,  d eocene  Schiefer,  e eocene  Taffgesteine,  f eocene 
Felsitschiefer,  g grober  Sandstein  aus  Tuffgeröllen,  h Braunkohlensystem,  « Leitha-Conglomerat  (Mühlsteinbruch), 
k Bryozoensandstein  mit  Walkererde  (Uebergangsglied  zum  Leithaniergel),  / Alluvium. 

Bemerkenswerth  bleibt,  dass  die  Klüfte  des  Kalkes  selbst  ebenfalls  mit  der 
anliegenden  lichten  dunkelgrün  gesprenkelten  Masse  erfüllt  sind.  Daraus  könnte 
man  schliessen,  dass  diese  letztere  sammt  den  darauf  folgenden  Breccien  am 
Ende  auch  aus  Porphyr  besteht,  dessen  Charakter  aber  durch  Verwitterung  ver- 
wischt worden,  eine  Ansicht,  die  sich  uns  auch  anderwärts  so  oft  aufgedrängt 
hat,  dass  wir  sie  endlich  als  die  wahrscheinlichste  angenommen  haben.  Dabei 
stossen  wir  aber  für  diese  Localität  auf  einen  Widerspruch,  denn  die  Durch- 
dringung des  Kalkes  durch  Porphyrmasse  setzt  voraus,  dass  diese  jünger  sei  als 
jener,  was  mit  der  Annahme,  dass  der  Porphyr  der  unteren  Trias  angehöre, 
nicht  in  Einklang  gebracht  werden  könnte.  Dieser  interessante  Durchschnitt  hat 
uns  oft  beschäftigt;  es  war  uns  aber  unmöglich,  ganz  damit  in’s  Klare  zu 
kommen,  obwohl  wir  alle  möglichen  Voraussetzungen  zu  Hilfe  genommen 
haben. 

Die  zweite  Entblössung  von  Breccien  zeigt  sich  im  Lassnitzgraben  zwischen 
Trattna  und  Lipowetz  (südöstlich  von  St.  Georgen).  Daselbst  steht  ein  Gestein 
von  ausgezeichneter  Mosaikstructur  an,  das  in  grösseren  Stücken  einen  über- 
raschenden Eindruck  macht.  Die  eckigen,  oft  ziemlich  grossen  Brocken  sind 
entweder  lichtrostgelb  oder  violett  und  gewöhnlich  von  einem  mehrere  Linien 
breiten  braunen  Bande  umgeben,  wodurch  das  Mosaikartige  erst  recht  hervor- 
gehoben wird.  Daneben  ist  die  Masse  von  Adern  eines  weissen  emailartigen 
Minerals  und  von  kleinen  Partien  von  Blauspath  durchzogen.  Gewisse  Partien 
des  Gesteines  sind  stark  eisenhältig. 

Ein  grösserer  und  sehr  interessanter  Zug  solcher  Breccien  erhebt  sich  end- 
lich im  Osten  unseres  Gebietes.  Wir  haben  ihn  von  Ogriseg,  westlich  von 
Rohitsch,  wo  er  beginnt,  bis  St.  Rochus  verfolgt;  er  setzt  aber  ohne  Zweifel 
weiter  fort,  denn  seine  Verlängerung  trifft  die  oben  erwähnten  Porphyre  an  der 
Strasse  Krapina-Pettau.  — Bei  St.  Rochus  grenzt  das  Gestein  an  eine  kleine 
Doleritmasse.  Ausser  den  eigentlichen  Breccien , die  mit  den  bisher  beschrie- 
benen so  ziemlich  übereinstimmen,  kommen  dort  auch  schieferige  Varietäten 
vor,  die  den  Contaetgesteinen  von  Cilli  und  Hohenegg  gleichen  und  wahr- 


357 


[47] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


scheinlich  auch  als  solche  zu  betrachten  sind  und  mit  den  Breccien  aus  der 
Tiefe  heraufgerissen  wurden. 

Eine  schöne  Entblössung  dieses  Zuges  zeigt  sich  am  Fusse  von  Tabor 
(Croatien)  an  der  Strasse  von  Rohitsch  nach  Krapina-Töplitz,  nur  fünf  Minuten 
von  der  Sottlabrücke  entfernt,  wo  das  Gestein  als  Bau-  und  noch  mehr  als 
Beschotterungsmaterial  gebrochen  wird.  Auch  hier  sind  wieder  die  Varietäten 
von  Store,  St.  Jakob  und  aus  dem  Lassnitzgraben  zu  finden;  daneben  auch 
weisse  Felsit-  und  Thonsteinbreccien,  so  wie  grüne  und  schwarze  Schiefer: 
Alles  bunt  durcheinander.  Die  Felswand,  aus  geringer  Entfernung  betrachtet, 
macht  aber  geradezu  den  Eindruck  einer  Eruptivmasse. 

In  Ogriseg  endlich  verleihen  die  mehrere  Linien  dicken  braunen  Adern, 
die  sich  in  allen  Richtungen  kreuzen,  dem  weissen  bis  ziegelgelben  Gestein 
ebenfalls  Breccienstructur.  Die  mehr  weiche  bis  sandige  und  zum  Theile  poröse 
Grundmasse  erinnert  aber  mehr  an  gebrannten  Thon  oder  in  der  Hitze  zusammen- 
gebackenen Sand,  als  an  eine  plutonische  Masse.  In  dieser  Meinung  wird  man 
noch  befestigt  durch  die  Nähe  von  gewöhnlichem  tertiären  Sande,  der  in  der 
direeten  Fortsetzung  des  Zuges  ansteht. 

Wenn  wir  nun  gedrängt  würden,  uns  über  die  Natur  und  den  Ursprung 
all’  dieser  Gesteine  auszusprechen,  so  müssten  wir  sie  nach  dem  Gesagten  in 
enge  Beziehung  zu  den  Porphyren  bringen.  Wir  würden  sie  als  die  durch  rasche 
Abkühlung  entstandene  Kruste  der  eigentlichen  Porphyrmassen  betrachten  und 
sie  als  Porphy rbreccien  und  Porphyrschlacken  bezeichnen.  Dass  sie, 
in  Berührung  mit  Sedimentschichten  kommend,  manche  Trümmer  von  solchen 
eingeschlossen  und  mit  in  die  Höhe  gerissen,  könnte  alsdann  nur  ganz  natürlich 
erscheinen.  Es  bleibt  aber  immerhin  noch  viel  Räthselhaftes  dabei,  das  seiner 
Lösung  entgegenharrt.  Ist  es  z.  B.  Zufall  oder  liegt  eine  Bedeutung  darin,  dass 
der  letztgenannte  Zug  die  geographische  Scheide  zwischen  ober-  und  unter- 
tertiären Schichten  bildet?  Ist  es  auch  nur  zufällig,  dass  die  Breccien  zuweilen 
mit  Doleriten  in  Berührung  kommen?  — Wir  sehen  sie  oft  den  Gailthaler 
Schiefern  aufgelagert,  oder  doch  wenigstens  Trümmer  von  solchen  einschliessen; 
wir  finden  sie  einmal  von  Alpenkalk  überlagert;  sie,  scheinen  also,  wie  die 
Porphyre  der  unteren  Trias  anzugehören , und  doch  sehen  wir  sie  wieder  bei 
Ogriseg  in  irgend  eine  Causalverhindung  mit  dem  obertertiären  Sand  treten, 
ungefähr  wie  die  Porphyre  mit  den  Felsitschiefern.  Kurz,  es  ist  nicht  Alles,  wie 
es  sein  sollte. 

cj  Contactgesteine.  Die  nördlichste  Partie  zeigt  sich  zwischen 
Hohenegg  und  St.  Egidi  als  östliche  Fortsetzung  einer  grösseren  Zone,  die  im 
Westen  von  Hohenegg  liegt.  Herr  Rolle  hat  sie  ebenfalls  in  enge  Beziehung 
zu  den  Porphyren  gebracht,  hielt  sie  jedoch  für  Uebergangsgebilde  (semi- 
krystallinische  Thonschiefer),  weil  er  den  Porphyr  in  jene  Zeit  versetzen  zu 
müssen  glaubte.  Wir  haben  übrigens  diesen  Gegenstand  bereits  im  Capitel  II 
dieses  Aufsatzes  erörtert.  Es  sind  durchgehends  Schiefer  von  röthlieher,  grün- 
licher oder  weisslicher,  aber  stets  matter  Farbe.  Zwischen  Wousche  und  Schischeg 
oberhalb  Maria  Dobie,  finden  sich  Gänge  von  weiss-  und  lauchgrüngeflecktem  Talk, 
so  wie  von  Quarz  darin.  Da  die  Kalke,  welche  bei  Hohenegg  die  Schiefer  be- 
gleiten, gegen  Osten  nicht  mehr  zu  Tage  treten,  so  sieht  es  aus,  als  ob  diese 
Schieferpartie  ein  Glied  der  sie  umgebenden  eocenen  Schichten  bildete 
(Figur  16). 

Die  grösste  Zone  von  Contactgesteinen  zeigt  sich  im  Rosenazuge. 

Sie  erscheinen  hier  gewöhnlich  als  graue  oder  grüne,  mit  Weiss  melirte 
Schiefer,  die  mehr  weniger  noch  das  Gepräge  von  Werfener  oder  häufiger  von 


388 


Theobald  v.  Zollikofer. 


m 

Gailthaler  Schiefern  an  sich  tragen,  in  die  sie  auch  nicht  selten  allmählich  über- 
gehen, allein  ihre  vielen  weissen  Punkte,  die  von  Feldspath  herzurühren 
scheinen,  deuten  auf  die  Einwirkung  des  nahe  liegenden  Porphyres  (Figur  4) 
hin.  Bei  St.  Jakob  im  Vodruschgraben  lagern  auf  den  Breccien  dunkle  Schiefer, 
die  ganz  talkig  anzufühlen  sind,  ferner  schwarze  atlasglänzende  feingefältete, 
endlich  grüne  und  rothe  melirte  Schiefer,  die  alle  hieher  gehören  (Figur  22). 
Diejenigen  Contactgesteine , die  in  den  Breccien  selbst  Vorkommen,  sind  oben 
angeführt  worden. 


I.  (iransteine. 

Zwischen  den  obersten  Schichten  der  Trias,  namentlich  zwischen  dem 
Hallstätter  Dolomite  und  den  Grossdorner  Schiefern  erscheinen  nicht  selten 
grüne  Gesteine  von  echt  plutonischem  Aussehen.  Am  ehesten  dürften  sie  dem 
Diorit  entsprechen;  allein  ihre  Bestandtheile  sind  zu  innig  gemengt,  um 
bestimmt  erkannt  zu  werden,  desshalb  bleiben  wir  vorläufig  bei  der  allgemeine- 
ren von  den  Bergleuten  eingeführten  Bezeichnung  „Gr  ii n st  e ine“.  Sie  sind 
gewöhnlich  feinkörnig  bis  compact  (Aphanit)  und  sehr  zäh,  wie  alle  Grünsteine, 
so  dass  die  Formatisirung  grösserer  Belegstücke  selten  glückt.  Zuweilen  finden 
sich  auch  mandelsteinartige  Varietäten  dabei,  jedoch  nicht  häufig.  Als  steter 
Begleiter  der  Grünsteine  tritt  rother  Jaspis  auf,  der  streckenweise  eisenhältig 
genug  ist,  um  als  kieselreicher  Botheisenstein  zu  gelten.  (Bei  Edelsbach  wurde 
selbst  darauf  gebaut,  siehe  unten.)  Dass  es  sich  hier  um  eine  echt  plutonische 
Erscheinung  handelt,  beweist  schon  ihre  m etam  o r pho  si  r end  e Einwir- 
kung auf  die  anliegenden  Gesteine.  Die  Dolomite  gehen  in  ihrer  Nähe  ins 
Grünlichgraue  über,  zeigen  kleine  grüne  Einschlüsse  und  werden  selbst  ganz 
unkenntlich.  Kalke  werden  zu  Breccien,  die  roth,  grün  und  weiss  geflammt 
sind,  und  die  Grossdorner  Schichten  nehmen  das  Ansehen  von  grün  und  violett 
gefleckten  Uebergangsschiefern  an.  Die  letzteren  sind  oft  auf  weite  Strecken 
umgewandelt  und  der  Uebergang  von  rein  plutonischen  zu  rein  sedimentären 
Gesteinen  zeigt  alle  möglichen 
Nüancen.  Alle  diese  Erschei- 
nungen lassen  sich  am  besten 
an  der  Budenza  oberhalb  Win- 
disch -Landsberg  beobachten. 

Man  findet  übrigens  schon  auf 
halbem  Wege  zur  Höhe  eine 
recht  belehrende  Entblössung 
an  der  Krümmung  der  Strasse, 
die  vom  Marktflecken  zum 
Schlosse  hinauf  führt;  wir 
geben  sie  in  nebenstehender 
Figur  23. 

Die  Grünsteinmasse  von 
Windisch  - Landsberg  beginnt 
bei  Schopfendorf,  wo  dicht  an 
der  Landstrasse  ein  kleiner 
Ausbiss  zu  sehen  ist,  den  schon 
Herr  v.  Morlot  bemerkt  und 
als  Diorit  gedeutet,  aber  nicht  weiter  verfolgt  hat.  Sie  erstreckt  sich  in  süd- 
westlicher Dichtung  bis  in  die  Nähe  der  Olimskagorza.  Ihre  Länge  beträgt  gegen 


Fig.  23. 

Krümmung  der  Schlossstrasse. 


Profil  an  der  Schlossstrasse  von  Windisch-Landsberg. 

a Grünsteine,  zum  Theil  grau , wie  umgewandelter  Dolomit , b ver- 
änderte Grossdorner  Schiefer,  grün  und  violett  gefleckt,  c unver- 
änderte schwarze  Grossdorner  Schiefer,  d heller  Hallstätter  Do- 
lomit, e ein  sehr  schwacher  Grünsteingang  im  Dolomit. 


359 


[49]  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

eine  halbe  Meile,  die  Breite  dürfte  500  Klafter  nicht  übersteigen.  Im  croatischen 
Theil  des  Rudenzazuges  zeigen  sich  ebenfalls  ähnliche  Massen  bei  Kostei  und 
bei  Krapina  mit  Breccienstructur,  fast  wie  verde  und  rosso  antico. 

Ungefähr  von  gleicher  Ausdehnung  ist  der  Zug,  der  sich  am  Nordabhange 
des  Wachergebirges  von  Edelsbach  gegen  den  Okrusberg  erstreckt.  Das  Gestein 
ist  sowohl  an  der  Strasse  als  im  Teufelsgraben  gut  entblosst.  Am  Südabhange 
des  Gebirges  zeigt  es  sich  wieder  an  mehreren  Stellen , kann  aber  nicht  leicht 
verfolgt  werden. 

Auch  der  Orlizazug  hat  an  der  Grenze  zwischen  Dolomit  und  Grossdorner 
Schiefern  Grünsteine  aufzuweisen.  Im  Motschniggraben  können  wir  sie  zwar  nur 
vermuthen,  weil  Gerolle  von  rothem  Jaspis  mit  Uebergängen  in  Carniol  daselbst 
Vorkommen,  bei  Leskowetz  aber  (nicht  „ Jeskowetz“,  wie  auf  der  Stabskarte 
geschrieben  steht)  sind  sie  anstehend  zu  finden  und  können  am  Wege  gegen 
Dobrowa  eine  kurze  Strecke  weit  verfolgt  werden.  Herr  v.  Morlot,  der  diese 
Localität  ebenfalls  erwähnt  (zweiter  Bericht  des  geognost.-montan.  Vereines  für 
Steiermark,  Seite  6),  hielt  das  Gestein  für  Basalt,  gesteht  aber  das  Unsichere 
der  Beobachtung  zu,  da  sie  nur  an  lose  herumliegenden  Stücken  und  noch  dazu 
bei  heftigem  Regen  gemacht  wurde.  Das  frische  Gestein  ist  entschieden  Grünstein, 
sein  Auftreten  zwischen  Dolomit  und  Grossdorner  Schichten  erheben  es  über 
allen  Zweifel  und  zum  Ueberflusse  liegen  am  Rande  des  Baches  mehrere  Blöcke 
von  rothem  eisenschüssigen  Jaspis,  deren  einer  bei  80  Kubikfuss  misst. 

II.  Jüngere  vulcanische  Bildungen. 

Herr  v.  Morlot  gedenkt  im  obigen  Berichte  noch  zweier  kleineren  Vor- 
kommen von  plutonischen  Gesteinen,  oberhalb  Trennenberg  und  Maria  Dobie 
(nordöstlich  von  Cilli),  die  er  als  Trachyt  bezeichnet.  Dadurch  aufmerksam 
gemacht,  suchten  wir  sie  auf,  was  nicht  ohne  einige  Mühe  gelang,  da  sie  nur 
wenige  Klafter  Ausdehnung  haben  und  nicht  nach  Art  jüngerer  vulcaniseher 
Durchbrüche  kegelförmig  hervortreten.  Bei  dieser  Gelegenheit  fanden  wir  noch 
zwei  andere  Vorkommen,  eines  westlich  von  Maria  Dobie,  am  Nordende  der 
Häusergruppe  von  Rasgor,  das  andere  unweit  von  Trennenberg,  etwa 
200  Schritte  nördlich  von  der  Kirche  von  St.  Egidi,  wo  ein  kleiner  Steinbruch 
darin  eröffnet  ist.  Im  Laufe  der  weiteren  Begebungen  zeigten  sich  aber  auch 
Spuren  von  diesem  Gesteine  bei  Ponigel,  dann  einige  hundert  Klafter  nord- 
östlich vom  Kurort  Sauerbrunn,  so  wie  zwischen  diesem  Punkt  und  St.  Flo- 
rian. Ferner  fanden  wir  es  nochmals  anstehend  an  der  Strasse  von  Rohitseh 
nach  Krapina,  3/8  Meilen  von  ersterem  Orte  entfernt,  und  unterhalb  der  Kirche 
von  St.  Rochus.  Endlich  sind  noch  weiter  im  Osten,  in  Croatien,  auf  der  Süd- 
seite des  Matzel,  bei  Podgorje  und  Raunagora  basaltähnliche  Gesteine  gefunden 
worden,  die  der  Beschreibung  nach  vollkommen  hieher  passen.  Alle  diese  Vor- 
kommen liegen  nahezu  in  einer  Linie,  die  von  West  nach  Ost  mit  geringer 
Abweichung  nach  Süd  streicht  und  sehr  annähernd  die  Grenze  der  eocenen  Zone 
gegen  das  neogene  Gebiet  bezeichnet.  Man  hat  desshalb  auch  Grund  anzunehmen, 
dass  sie  in  der  Tertiärzeit  entstanden  sind , wahrscheinlich  kurz  vor  der  Ab- 
lagerung der  jüngeren  Tertiärgebilde , da  sie  in  denselben  nirgends  sichtbar 
werden.  Zwar  haben  wir  in  den  obertertiären  Conglomeraten  keine  Fragmente 
dieser  Gesteine  finden  können,  das  berechtigt  uns  aber  doch  nicht,  sie  für 
jünger  als  diese  zu  halten,  denn  sie  scheinen  erst  durch  nachträgliche  Zer- 
störung der  sie  bedeckenden  Schichten  auf  wenigen  Punkten  blossgelegt  worden 
zu  sein  und  konnten  somit  zur  Bildung  der  Conglomerate  nicht  beitragen. 

Das  fragliche  Gestein  hat  überall  denselben  petrographischen  Charakter, 
nur  zeigt  es  sich  oft  im  Zustande  stark  vorgeschrittener  Verwitterung  und  bildet 

46 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  18G1  und  1862.  III.  Heft. 


360 


Theobald  v,  Zollikoler. 


[80] 

dann  eine  dunkle,  schmutziggiüne,  erdige  Masse  mit  weissen  Punkten,  die  von 
noch  nicht  ganz  zersetzten  Feldspathkrystallen  herrühren.  Im  frischen  Zustande 
aber  besteht  es  aus  sehr  fester  schwarzer  Grundmasse  von  körnig-krystallinischer 
Textur  und  splitterigem  Bruche,  so  dass  man  es  für  Basalt  halten  könnte,  wenn 
es  nicht  zahlreiehe  gut  ausgeprägte  Feldspathkrystalle  einsehlösse.  Herr  v.  Mor- 
lot  nennt  es  Trachyt,  allein  der  Feldspath  ist  nicht  glasig  und  scheint  eher 
Labrador  als  Sanidin  zu  sein;  auch  hat  das  Gestein  keineswegs  das  charakteri- 
stische trachytische  Aussehen.  Wir  glauben  daher,  es  eher  als  Dolerit  be- 
zeichnen zu  müssen.  Der  Augit  tritt  zwar  auf  frischer  Bruchfläche  nicht  deutlich 
hervor,  wohl  aber  an  der  Aussenseite  des  Gesteines,  wenn  diese  durch  den 
Einfluss  der  Atmosphärilien  fast  weiss  gebleicht  ist.  Leicht  angewitterte  Flächen 
zeigen  viele  kleine  Krystalle  von  grünlicher  Farbe,  die  man  bei  oberflächlicher 
Betrachtung  für  Olivin  halten  könnte,  da  sie  aber  nie  auf  frischem  Bruch  Vor- 
kommen, so  muss  ihre  Färbung  auf  Rechnung  des  Oxydationsprocesses  gesetzt 
werden.  Nicht  selten  schliesst  die  Doleritmasse  H a 1 b o p a I oder  Chalcedon  ein. 
Oberhalb  Trennenberg  finden  sich  selbst  gut  ausgebildete  Geoden  von  Amethyst 
darin.  In  gleicher  Linie  mit  den  Doleriten  trifft  man  am  Südfusse  des  Hügels,  auf 
welchem  die  Kirche  St.  Ursula  steht  (nördlich  von  St.  Georgen),  an  mehreren 
Punkten  noch  Spuren  von  anderen  plutonischen  Gesteinen.  Die  einen  erinnern 
an  Trachyt,  während  andere  trotz  vorgeschrittener  Verwitterung  noch  entschie- 
dene Phorphyrstructur  erkennen  lassen.  Endlich  findet  sich  noch  (ausserhalb 
besagter  Linie , aber  in  enger  Beziehung  zu  den  eocenen  Schichten  stehend)  ein 
zweiter  Zug  von  ähnlichen  Gesteinen  am  Südabhange  der  Wotschkette,  wo  sie 
in  allen  Gräben  zwischen  St.  Leonhard  und  St.  Florian  mehr  oder  weniger  zum 
Vorscheine  kommen.  Sie  sind  gut  erhalten,  so  dass  ihre  nähere  Beschreibung 
(weniger  leicht  ihre  nähere  Bezeichnung)  möglich  ist.  Die  grüne  bis  schwarze 
Grundrnasse  ist  sehr  fest,  von  eckigem  Bruch  und  körnigem  Gefüge.  Sie  enthält 
deutlich  ausgeprägte  Krystalle  von  Feldspath  und  Augit,  zuweilen  auch  noch 
von  sechsseitigem  Glimmer.  In  einigen  Gräben  ist  das  Gestein  ausserdem  sehr 
quarzreich.  Es  kann  bald  als  Grünsteinporphyr,  bald  als  Melaphyr 
gedeutet  werden.  Seine  Einwirkung  auf  die  zunächst  liegenden  e^eenen  Schiefer 
durch  Hebung  und  Metamorphose  lässt  sich  an  der  Strasse,  die  zur  Fürst  W in- 
disch grätz’schen  Dampfsäge  hinaufführt,  leicht  beobachten  und  soll  durch  die 
Figuren  24  und  25  versinnlicht  werden.  Wir  sind  somit  berechtigt,  sie  als 
jüngere  vulcanische  Gebilde  mit  den  Doleriten  in  eine  Linie  zu  setzen  *). 

Fig.  24. 


Sagai.  . Alte  Glashütte.  Dampfsäge.  Wotsch. 


a Dolomit  und  Kalk  der  oberen  Trias,  b dunkle  eoeene  Schiefer,  c Flötz  von  unreiner  nicht  bauwürdiger  Kohle, 
d eoeene  Sandsteine,  e grüner,  massiger  Porphyr,  f Contactschichten  desselben. 


!)  v.  Morlot  scheint  diesen  Punkt  nicht  gekannt  zu  haben,  sonst  hätte  er  wahrscheinlich 
den  plutonischen  Ursprung  dieser  Gesteine  nicht  in  Abrede  gestellt.  (Aus  den  Berichten 
über  Mittheilungen  von  Freunden  der  Naturwissenschaften.  Bd.  V,  Seite  180.) 


[51] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  361 


Fig.  25. 


S-  i h cf  f e d c 1}  cu  1 ? 

Detailprofil  der  Contactschichten  aus  obiger  Figur. 


P Grünsteinporphyr. 

Mächtigkeit : 


a grünes  bis  violettes  Feldspathgestein  mit  sma- 
ragdgrünen Flecken 6 Fuss. 

b feinkörniges,  halbverwittertes  Conglomerat  . 4 „ 

c wie  « 5 „ 

d sehmutziggrüner  klüftiger  Schiefer  mit  weissen 

Punkten 7 „ 

e wie  a 3 „ 


Mächtigkeit: 

zerriebenes  verkittetes  Gestein  , fast  wie  Rei- 


bungsbreeeie 10  Fuss. 

g zum  Theil  wie  d,  undeutlich 5 „ 

h dunkles  Gestein  mit  Breecienstruetur , Spalt- 
flächen rostfarbig 8 „ 

i feinkörniges  Conglomerat  5 „ 


Gesammtmächtigkeit  der  Contactschichten  . 53  Fuss. 
E schmutziggrüne  klüftige  Eocenschiefer. 


Fallwinkel  des  ganzen  Schichtencomplexes : 70°  gegen  SSW. 

Die  Verwandtschaft  dieser  Gesteine  mit  den  Doleriten  geht  noch  überdies  aus 
der  Gleichartigkeit  ihrer  Tuffe  hervor.  Diese  bestehen  aus  einer  ziemlich  festen 
Breccie,  aus  dunkelgrünen,  dunkelrothen  und  schwarzen  Brocken  zusammengesetzt, 
die  oft  so  eng  verbunden  sind,  dass  das  Gestein  massig  und  wie  Basalt  oder  Grün- 
stein aussieht,  wofür  man  es  halten  könnte  (auch  schon  gehalten  hat),  wenn 
nicht  deutliche  Muschelreste  darin  vorkämen.  Ein  schönes  derartiges  Tuff- 
vorkommen findet  sich  in  einem  Steinbruche  an  der  Strasse  von  Pöltschach  nach 
Sauerbrunn,  da  wo  sie  die  Kalkzone  verlässt. 

Aus  der  Nähe  der  eigentlichen  Dolerite  kennen  wir  den  Tuff  nur  durch  lose 
Stücke  aus  der  Gegend  von  Trennenberg;  sie  stimmen  indess  nicht  nur  äusser- 
lich  ganz  mit  den  eben  beschriebenen  überein , sondern  enthalten  auch  die 
nämlichen  Muschelreste  (Cardien). 

XII.  Erzlagerstätten. 

Das  Gebiet,  welches  wir  zum  Gegenstände  dieser  Arbeit  gemacht,  ist  im 
Ganzen  genommen  arm  an  Metallschätzen.  Es  kommen  wohl  manche  Erzlager- 
stätten darin  vor  und  es  sind  zahlreiche  Versuche  gemacht  worden,  dieselben  zu 
Nutze  zu  bringen,  aber  selten  mit  Glück.  Im  gegenwärtigen  Augenblicke  gibt 
es  nur  zwei  Metallbaue,  die  einen  mässigen  Ertrag  sichern,  somit  auch  mit 
Erfolg  fortbetrieben  werden  können,  nämlich  der  Eisensteinbau  von  Olimie  und 
der  Zinkbau  bei  Petzei  oberhalb  Lichtenwald.  Alle  anderen  Erzvorkommen  haben 
nur  ein  wissenschaftliches  Interesse.  Fast  alle  liegen  in  den  Gailthaler 
Schichten,  vorzüglich  an  deren  Grenze  gegen  die  Schichten  der  unteren  Trias. 
Die  übrigen  Formationen  enthalten  nur  ausnahmsweise  Spuren  von  Eisenerzen. 

1.  Zinkblende  wurde  bis  jetzt  nur  in  Petzei  gefunden  und  zwar  in  den 
tieferen  Schichten  der  Gailthaler  Formation.  Sie  tritt  in  drei  Quarzlagern  von 
1 Fuss  bis  1 Klafter  Mächtigkeit  auf  und  ist  darin  in  Nestern,  Schnüren  und  Ein- 
sprengungen vertheilt.  Das  zweite  Lager  verspricht  am  meisten,  indem  Nester 
von  1 bis  2 Fuss  Mächtigkeit  nicht  selten  sind  und  viel  Stuferz  liefern.  Als 
Begleiter  der  Blende  zeigen  sich  Spatheisenstein  und  im  Ausgehenden  auch  Blei- 
glanz. Die  beiden  bisher  betriebenen  Baue,  Alexanderbau  (Etzeit)  und  Francisci- 
hau  (Kuschel)  sollen  nun  vereinigt  werden,  was  nur  von  Vortheil  sein  kann.  Ein 

46* 


362 


Theobald  v.  Zollikofer. 


[52] 


wohl  eingerichtetes  Poch-  und  Schlemrnwerk  ist  schon  seit  einiger  Zeit  aufge- 
stellt und  dürfte  nun  wohl  wieder  in  Thätigkeit  gesetzt  werden. 

Die  von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  an  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
ausgeführten  Analysen  dieser  Erze  haben  folgende  Resultate  geliefert: 


1.  Stuferz  vom  Alexanderbau  .... 

2.  „ „ Franciscibau 

3.  Kernschlich  vom  Haarsiebe  .... 

4.  Schmundschlich  vom  Stossherde 


In  Procenten 


Blende 

Metall.  Zink 

Metall.  Eisen 

76-5 

510 

— 

71  1 

47-7 

— 

— 

630 

t *4 

— 

58*1 

1-7 

— 

470 

4-9 

Im  Jahre  1837  wurden  von  der  Gewerkschaft  Kuschel  3590  Centner  Blende 
gewonnen,  und  in  der  Zinkhütte  von  Sagor  vererzt. 

2.  Bleiglanz  findet  sich  ebenfalls  in  den  Gailthaler  Schichten,  aber  in 
einem  hohem  Horizont,  als  die  Zinkblende,  nämlich  nahe  an  der  Grenze  gegen 
die  Werfener  Schichten,  wo  gewöhnlich  feinkörnige  Sandsteine  auftreten,  die 
für  die  Bleivorkommen  der  Gegend  charakteristisch  sind.  Bei  Ledein,  nördlich 
von  Lichtenwald  wurde  ein  Erzgang  gegen  100  Klafter  weit  verfolgt;  du  sich 
aber  die  Stuferze  nur  i/a  Zoll  und  die  Pochgänge  höchstens  3 Zoll  mächtig 
erwiesen,  so  musste  der  Bau  wieder  aufgelassen  werden.  Ausserdem  sind  in  der 
Nähe  noch  sieben  Freischürfe  auf  Bleiglanz,  so  unterhalb  Podgorize  (auf  der 
Karte  stebt  „Podoriza“),  in  der  Nähe  von  Ruth  (Rud  = Erz),  bei  Podgorje 
und  unweit  von  Petzei;  sie  versprechen  aber  alle  eben  so  wenig,  wie  das  Vor- 
kommen von  Ledein.  Was  die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Erzgänge  anbelangt, 
so  gehören  sie  mit  zu  dem  grossen  Linsensystem,  dessen  in  unserer  früheren 
Abhandlung  (Jahrbuch  1859,  Separatabdruck  Seite  8)  gedacht  wurde. 

3.  Mangan reicher  Brauneisenstein  zeigt  sich  bei  Ruth  in  denselben 
Schichten,  wie  der  Bleiglanz.  Die  Analyse  ergab  59  Procent  Mangan.  Das 
Vorkommen  ist  jedoch  zu  unbedeutend,  um  eine  weitere  Beachtung  zu  verdienen. 

4.  Eisensteine.  Sie  kommen  sowohl  im  Hangenden  der  Gailthaler  Schich- 
ten, als  in  den  oberen  Triasformationen  vor.  Die  ersteren  sind  Brauneisen- 
steine, die  durch  anogene  Umwandlung  aus  Spatheisenstein  entstanden  sein 
mögen,  denn  dieser  findet  sich  zuweilen  noch  in  der  Tiefe  unverändert;  die 
anderen  sind  Rot  heisensteine  nebst  einigen  Braunerzen  von  weniger  Belang. 

Die  Eisensteine  der  Gailthaler  Formation  treten  längs  des  Ru- 
denzazuges  bis  in  die  Nähe  von  Krapina  häufig  auf.  Auf  der  steierischen  Seite 
zeigen  sie  sich  am  Südfusse  des  Gebirges,  auf  der  croatischen  hingegen  am 
Nordfusse.  Sie  sind  regelmässig  zwischen  Gailthaler  Sandsteine  oder  Schiefer 
und  schieferigen  Kalk,  den  wir  den  Guttensteiner  Schichten  beizählen  zu 
müssen  glauben,  eingelagert  (Hauptprofil  II),  so  zwar,  dass  es  fast  zweifelhaft 
bleibt,  welcher  von  beiden  Formationen  sie  angehören,  um  so  mehr,  da  sie  oft 
nach  beiden  Seiten  hin  allmählich  in  Roh  wand  und  endlich  in  taubes  Gestein 
übergehen.  Man  kann  somit  diese  Erzvorkommen  auch  als  eine  Reihe  von  regel- 
mässig eingelagerten  Roh wandstöcken  betrachten,  die  sich  streckenweise  ver- 
edeln und  reiche  Erze  liefern.  Fremde  Mineralien  treten  mit  den  Eisensteinen 
nicht  auf,  wenn  man  einige  seltene  Bekleidungen  von  Hohlräumen  durch  Arra- 
gonit  ausnimmt. 

Es  ist  an  vielen  Stellen  auf  diese  Erze  geschürft  worden,  da  sie  aber  selten 
lange  anhalten  und  noch  seltener  sich  auf  längere  Strecken  genügend  veredeln, 
so  waren  die  meisten  Bemühungen  fruchtlos  und  nur  der  Stock  von  Olimie 


[53] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark.  363 


machte  hievon  eine  beachtenswerthe  Ausnahme.  Er  scheint  sehr  früh  bekannt 
gewesen  zu  sein,  denn  Spuren  von  Pingen  und  Schlacken  machen  wahrschein- 
lich , dass  schon  die  Paulinermönehe  von  Olimie  die  Eisensteine  gewonnen  und 
an  Ort  und  Stelle  verschmolzen  haben.  Der  gegenwärtige  Bau  (Josephimassen) 
wurden  indess  erst  im  Jahre  1826  durch  den  Gewerken  Steinau  er  eröffnet  und 
befindet  sich  nebst  einem  zweiten  etwas  mehr  östlich  gelegenen  (Ferdinands- 
massen) noch  in  dessen  Besitz.  Durch  30  Jahre  bestand  hier  ein  Tagbau  auf  einen 
20  bis  30  Klafter  mächtigen  Stock;  seit  etwa  drei  Jahren  aber  wird  das  Erz 
regelmässig  durch  Stollenbau  aufgeschlossen  und  durch  Pfeilerbau  gewonnen 
(Figur  26).  Die  Mächtigkeit  der  edlern  Partien  mit  40  bis  50  Procent  Roheisen- 
gehalt sammt  den  weniger  reichen,  aber  als  Zusatz  noch  recht  brauchbaren 
Zwischenmitteln  beträgt  ungefähr  17  Klafter.  Weiter  gegen  das  Hangende  hin 
wird  die  Rohwand  immer  ärmer,  aber  erst  in  der  vierzigsten  Klafter  gelangt  die 
Verquerung  in  ganz  taubes 
Gestein.  Verfolgt  man  den 
Stock  von  der  Verquerung 
aus  nach  seinem  Streichen 
westwärts,  so  hat  man  etwa 
15  Klafter  weit  edle  Erze, 
andere  15  Klafter  weit  arme 
Erze  und  von  der  dreissig- 
sten  Klafter  an  taubes  Ge- 
stein, obwohl  nur  wenig 
weiter  westlich  (am  anderen 
Gehänge  des  Rückens,  an 
welchem  der  Bau  angelegt 
ist)  wieder  schöne  Erze  aus- 
beissen.  Figur  26  liefert  eine 
Skizze  dieses  Baues,  die 
zwar  nicht  auf  volle  Genauig- 
keit Anspruch  machen  kann, 
aber  doch  zur  Veranschau- 
lichung desselben  genügend 
ausreicht.  Die  Reichhaltig- 
keit der  Erze  ist  durch  den 
Grad  der  Schraffirung  an- 
gedeutet. 

In  den  Ferdinandsmas- 
sen wurde  das  Eisenstein- 


Fig.  26. 

Hangendes. 

taub. 


Grundriss  des  Eiseusteinbaues  von  Olimie  bei  Windiscb- 
Landsberg. 


lager  durch  einen  senkrecht  darauf  geführten  Stollen  in  der  vierundzwanzigsten 
Klafter  angefahren.  Es  zeigte  sich  auf  eine  Erstreckung  von  14  Klafter  bis  5 Fuss 
mächtig  und  lieferte  die  schönsten  Erze  mit  circa  50  Procent  Roheisengehalt. 
Jetzt  ist  es  verhaut;  doch  dürfte  es  in  der  Tiefe  noch  anhalten. 

Die  Eisensteine  Yon  Olimie  werden  mit  Rohwand  versetzt,  um  eine  Be- 
schickung von  30  Procent  zu  erzielen  und  nach  dem  der  Gewerkschaft  gehörigen 
drei  Meilen  entfernten  Hochofen  von  Edelsbach  geführt.  Nach  dem  amtlichen 
Ausweis  über  die  steierischen  Bergwerkspröducte  vom  Jahre  1858  wurden 
daraus  5094  Centner  Roheisen  gewonnen. 

Ein  anderes  Vorkommen  von  Eisensteinen  der  Gailthaler  Formation  findet 
sich  im  Rosenazuge  nördlich  von  St.  Ruperti  im  oberen  Vodrusehgraben.  Die 
Lagerungsverhältnisse  sind  so  ziemlich  dieselben,  wie  bei  Olimie  (siehe  Figur  4) 
und  die  daselbst  auftretenden  Erze  scheinen  ebenfalls  aus  Spatheisenstein  ent- 


364 


Theobald  v.  Zol Itkofer. 


[54j 

standen  zu  sein.  Am  rechten  Thalgehänge  findet  sich  ein  alter  Bau,  ebenfalls  der 
Gewerkschaft  Steinauer  gehörig,  auf  ein  unregelmässiges  Stockwerk,  ohne 
sicheres  Streichen  und  Verflächen.  Es  scheint  jedoch  mächtig  gewesen  zu  sein, 
denn  es  beschickte  den  Hochofen  von  Edelsbach  früher  als  Olimie  und  wurde 
noch  bis  in  die  letzte  Zeit  ausgebeutet.  Jetzt  aber  ist  es  nahezu  abgebaut.  Die 
reichen  Erze  mit  40  Procent  Roheisengehalt  sollen  vorzüglich  in  den  oberen 
Partien  des  Stockes  vorgekommen  sein.  Unten  am  Bache , nur  wenige  Schritte 
unterhalb  der  Platzmühle,  zeigen  sich  die  Erze  wieder,  und  es  besteht 
daselbst  ein  Freischurf  des  Gewerken  Büro  witsch  darauf.  Zur  Zeit  unseres 
Besuches  waren  aber  die  Arbeiten  noch  wenig  vorgeschritten,  so  dass  wir 
über  deren  Erfolg  nicht  urtheilen  können.  Die  zu  Tage  ausgehende  Rohwand 
(von  edlen  Erzpartien  ist  nicht  viel  zu  sehen)  tritt  in  einem  zerklüfteten  Gestein 
von  tiefgrüner  Farbe  auf,  welches  sehr  an  die  Nähe  der  Porphyre  erinnert. 

Die  Eisensteine  der  oberen  Trias  gehören  dem  Nordabhange  des 
YVachergebirges  an.  Hier  zeigt  sich  vor  allem  der  oben  erwähnte  kieselerde- 
reiche Rotheisenstein,  in  welchen  der  die  Grünsteine  begleitende  eisen- 
schüssige Jaspis  zuweilen  übergeht.  Er  findet  sich  besonders  im  Teufelsgraben 
hinter  Edelsbach  und  dieses  Vorkommen  nebst  einem  anderen  naheliegenden 
von  Braunerzen  hat  Veranlassung  zur  Erbauung  des  Hochofens  gegeben  ‘).  Allein 
die  Unbeständigkeit  des  ohnehin  nicht  allzu  grossen  Gehaltes  an  reinem  Erze 
und  vor  Allem  die  Strengflüssigkeit  des  Gesteines,  führten  bald  das  Auflassen  des 
Baues  herbei.  Ebenso  wurde  auch  der  andere  Bau  eingestellt,  da  die  Erze  zu 
unrein  waren  und  der  Hochofen  war  nunmehr  ganz  auf  die  entfernt  liegender) 
Eisensteinlager  von  St.  Ruperti  und  Olimie  angewiesen. 

Es  kommen  übrigens  am  Nordabhange  des  Wachergebirges  noch  an  einigen 
Stellen  Spuren  von  Eisenerzen  vor.  So  ist  neuerdings  oberhalb  Peilenstein  ein 
Ausbiss  von  Eisensteinen  gefunden  worden,  die  zwischen  Grossdorner  Schiefer 
und  Dachsteindolomit  eingelagert  sind  und  wie  diese  steil  nach  Nord  fallen. 
Ueber  Tag  sind  sie  unrein  und  stark  verwittert;  ob  sie  sich  in  der  Tiefe  besser 
anlassen,  muss  erst  ermittelt  werden. 

Oestlich  von  Hörberg  im  Feistrizgraben  (beim  a vom  Wort  Navideschie  der 
Stabskarte)  findet  sich  endlich  ein  Lager  von  Bolus  mit  spärlichen  Spuren  von 
Bohnerz  im  Dolomite.  Mächtigkeit  6 bis  9 Fuss. 

5.  Schwefelkies.  Bei  Kraintschitza,  südwestlich  von  St.  Georgen,  zeigt 
sich  ein  Schwefelkieslager  von  2 Fuss  Mächtigkeit  in  einem  grauen  Tuflgestein, 
welches  dem  Kalke  aufliegt  und  somit  zu  den  eocenen  Bildungen  zu  gehören 
scheint.  Das  Lager  fällt  wie  das  Nebengestein  steil  nach  Nord  ein.  Es  enthält 
mehr  oder  weniger  grosse  Stücke  reinen  Erzes  in  einer  lockeren  schwarzen 
Masse,  die  selbst  wieder  reichlich  von  Schwefelkies  durchzogen  ist  und  als 
Zersetzungsproduct  gelten  kann.  Da  es  nur  auf  wenige  Klafter  aufgedeckt  wurde, 
so  lässt  sich  eintweilen  nicht  mehr  darüber  mittheilen. 

3/s  Meilen  nördlich  von  diesem  Punkte  liegt  ein  alter  verlassener  Bau, 
angeblich  auf  Silber,  in  der  Ortschaft  Slattetsche  (zu  deutsch:  „Gold  rinnt“). 
Am  Mundloche  des  gegenwärtig  unbefahrbaren  Stollens  zeigt  sich  unter  Contact- 
gesteinen  eine  äusserst  harte  Felsitbreccie,  die  ebenfalls  Schwefelkies  einge- 
sprengt enthält.  Wahrscheinlich  wurde  diesem  Erze  nachgegangen,  wobei 
allerdings  die  Möglichkeit  vorhanden  ist,  dass  es  edle  Metalle  enthielt.  Vor 


*)  Nähere  Details  darüber,  so  wie  über  die  Baue  von  Olimie  und  St.  Ruperti  finden  sieh  in 
dem  von  der  Landwirthschafts-Gesellschaft  Steiermarks  herausgegebenen  Werke:  „Ein 
treues  Bild  des  Herzogthumes  Steiermark“,  im  Abschnitt,  welcher  den  Bergbau  des 
Landes  behandelt  und  von  Professor  A.  v.  Miller  bearbeitet  wurde.  §.  266. 


365 


P*] 


Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 


ungefähr  30  Jahren  sollen  von  Herrn  v.  Gadolla,  dem  damaligen  Besitzer  dieses 
Baues,  Stufen  zur  Untersuchung  nach  Vordernberg  gesandt  worden  sein,  die 
8 Loth  Silber  per  Centner  ergaben.  Für  die  Bichtigkeit  dieser  Angabe,  die  wir 
auf  Priyatweg  erhalten,  können  wir  natürlich  nicht  einstehen. 

Dieses  Vorkommen  hat  übrigens  viel  Aehnliehkeit  mit  demjenigen  von 
Kraintschitza , und  wir  sind  nicht  ungeneigt  zu  glauben,  dass  es  sich  hier  um 
dessen  Gegenflügel  handle,  wofür  zum  Theil  auch  die  Lagerungsverhältnisse 
der  höher  liegenden  Schichten  sprechen,  die  auf  eine  Mulde  schliessen  lassen. 
In  diesem  Falle  müssten  aber  entweder  die  Gesteine  von  Slattetsche  zu  den 
eocenen  Tuffen  oder  diejenigen  von  Krainschifza  zu  den  Breccien  gezählt  werden, 
Voraussetzungen,  die  in  beiden  Fällen  auf  Schwierigkeiten  stossen. 


XIII.  Quellen. 

Der  grössere  Theil  unseres  Gebietes  ist  reich  an  Quellen,  die  meistens  viel 
und  gutes  Trinkwasser  liefern.  Wie  gewöhnlich,  stellt  der  Dolomit  das  grösste 
Contingent;  drei  Viertel  der  von  uns  untersuchten  Quellen  liegen  in  dessen 
Bereich.  Am  Fusse  der  Leithakalkbänke  sind  sie  auch  nicht  selten,  da  dieses 
Gestein  häufig  entweder  klüftig  oder  zerrissen  ist  und  so  das  Durchsickern 
der  Tagwasser  erleichtert.  Einige  Quellen  des  Leithakalkes  liefern  sogar  ansehn- 
liche Wassermengen,  wie  z.  B.  diejenige  von  Pischätz  im  Ranner  Becken,  die  aus 
einer  kleinen  Grotte  hervorquillt  und  sogleich  eine  Mühle  treibt.  Man  will  übrigens 
ein  allmähliches  Abnehmen  derselben  bemerkt  haben,  was  die  Anwohner  sehr 
besorgt  macht.  Der  Grund  davon  kann  jedenfalls  nur  in  der  immer  mehr  über- 
hand nehmenden  Abstockung  der  Gebirgswaldungen  liegen,  wodurch  leider  so 
manche  Quelle  zum  Versiegen  gebracht  wird. 

Fast  alle  Quellen  zeigen  eine  Temperatur,  die  zwischen  9 und  10  Grad  R. 
liegt,  was  so  ziemlich  der  mittleren  Temperatur  Unter-Steiermarks  entspricht. 
Einige  wenige  ergeben  jedoch  einen  geringeren  Wärmegrad,  sei  es,  dass  sie  in 
bedeutender  absoluter  Höhe  entspringen,  oder  dass  ihre  Wasseradern  im  zerklüf- 
teten Gesteine  stark  vertheilt  sind  und  durch  Verdunstung  von  ihrer  ursprüng- 
lichen Wärme  viel  verlieren.  So  zeigt  die  Quelle  unweit  dem  Schlosse  Hörberg 
nur  7'5  Grad  R. , eine  andere  an  der  Strasse  von  Gairach  nach  Meierhof 
nur  7’4  Grad  R.  und  eine  dritte,  die  etwa  eine  Stunde  südwestlich  von  Montpreis 
aus  dem  Leithakalke  hervorkommt,  gar  nur  6*7  Grad  R. 

Eigentliche  Warmquellen  kommen  in  unserem  Gebiete  nicht  vor.  Die  Namen 
der  Ortschaften  Toplize  (Südwestfuss  des  Vetternig)  und  Tepelza  (Südfuss  des 
Süssenheimerberges)  deuten  zwar  auf  solche  hin,  doch  konnten  wir  nur  in 
letzterer  eine  Quelle  finden,  die  bei  einer  Temperatur  von  13  Grad  R.  den  Orts- 
namen einigermaassen  rechtfertigt. 

Von  Mineralwässern  sind  ausser  einer  Sch  wefel quelle  in  der  Ort- 
schaft Hainsko,  Gemeinde  Pristova,  an  der  Strasse  von  Windisch-Landsberg 
nach  Pöltschach  *),  nur  die  Säuerlinge  am  Südfusse  der  Wotschkette  zu 
nennen.  Diese  sind  aber  um  so  beachtensvverther,  als  sie  nicht  blos  in  namhafter 
Zahl  auftreten,  sondern  sich  auch  durch  grossen  Gehalt  an  freier  Kohlensäure 
und  fixen  Bestandtheilen  auszeichnen,  und  dem  auch  in  der  Ferne  wohlbekann- 
ten Curort  Sauerbrunn  seinen  alten  Ruf  erworben  haben.  Von  den  20  oder  21 
bisher  entdeckten  Brunnen  liegt  der  östlichste  bei  Bresowetz  unweit  Rohitsch, 


0 Die  von  Dr.  Macher  in  seiner  Schrift:  „Die  Heilwässer  des  Herzogthums  Steiermark”, 
Gratz  1838,  unter  Lit.  C,  Nr.  6 angeführte  Schwefelquelle  von  Hainsko  ist  keine  andere 
als  die  gleich  darauf  unter  Nr.  7 beschriebene  von  Pristova. 


366  Th.  v.  Zollikofer.  Die  geolog.  Verhältnisse  des  südöstl.  Theiles  von  Unter-Steiermark.  [56] 

der  westlichste  bei  Dolle,  südlich  von  der  Wallfahrtskirche  Maria  Luhitschna 
bei  Pöltschach,  also  nahezu  2 Meilen  von  ersterem  entfernt  ‘).  Sie  können  nach 
ihrer  chemischen  Beschaffenheit  in  zwei  Gruppen  gebracht  werden,  in  alka- 
lisch-erdige Säuerlinge  und  in  Natron-Säuerlinge,  je  nachdem  unter  den 
fixen  Bestandtheilen  Kalk  und  Magnesia  oder  aber  Natron  vorherrscht.  Als  Rc- 
präsentant  der  ersten  Gruppe  kann  der  Tempelbrunnen  des  Curortes  Sauerbrunn, 
als  Repräsentant  der  zweiten  der  Ignazbrunn  in  Unter-Kostreinitz  gelten. 

Der  Tempelbrunnen  hat  eine  Temperatur  von  8*2  Grad  R.  und  enthält 
in  10.000  Gewichtstheilen  22-4  freie  Kohlensäure,  16*5  gebundene  und  57*5  fixe 
Bestandtheile,  worunter  15-4  kohlensauren  Kalk,  12*9  kohlensaure  Magnesie, 
20  schwefelsaures  Natron  und  7 kohlensaures  Natron.  Der  Ignazbrunnen  hat 
eine  Temperatur  von  10*4  Grad  R.  und  enthält  in  10.000  Gewichtstheilen 
8*2  freie  Kohlensäure,  27*5  gebundene  Kohlensäure  und  69  fixe  Bestandtheile, 
worunter  61  kohlensaures  Natron  und  Spuren  von  Jod. 

Im  Uebrigen  verweisen  wir  auf  die  Monographie  von  Dr.  Fröhlich: 
„Die  Sauerbrunnen  von  Rohitsch,  IV.  Auflage,  Wien  1867“,  so  wie  auf  die 
beiden  Werke  von  Dr.  Macher:  „Die  Heilwässer  des  Herzogthums  Steiermark“ 
und  „Die  medicinisch-statistische  Topographie  von  Steiermark“  (gekrönte  Preis- 
schrift) und  wollen  nur  noch  kurz  der  Beziehungen  dieser  Quellen  zu  geologi- 
schen Verhältnissen  der  Gegend  gedenken.  Die  Brunnen  entspringen  entweder 
in  einem  hellen,  festen,  zuweilen  dolomitischen  Kalke,  der  namentlich  in  der 
Nähe  des  Curortes  in  geringer  Tiefe  auftreten  soll  und  zweifelsohne  dem  Trias- 
kalke der  Wotschkette  angehört,  oder  in  dem  unmittelbar  darauf  liegenden, 
glimmerigen,  mit  Kalkspathadern  durchzogenen  Sandmergelschiefer,  der  hier 
als  unteres  eocenes  Glied  auftritt.  Die  Temperatur  der  Quellen  der  ersten 
Gruppe  bewegt  sich  durchgängig  zwischen  8 und  9 Grad  R.;  sie  erhebt  sich 
aber  für  die  Quellen  der  zweiten  Gruppe  um  2 bis  3 Grade.  Die  letzteren  mögen 
somit  aus  etwas  grösserer  Tiefe  kommen,  wodurch  denn  auch  zum  Theile  ihr 
grösserer  Gehalt  an  fixen  Bestandtheilen  erklärt  wird.  Bedeutend  ist  aber  die 
Tiefe  weder  für  die  einen,  noch  für  die  anderen.  Wenn  aber  alle  diese  Quellen 
gleichwohl  eine  grosse  Menge  mineralischer  Bestandtheile  aufgelöst  enthalten, 
so  muss  dies  ihrer  Uebersättigung  mit  Kohlensäure  zugeschrieben  werden, 
welche  dem  Wasser  die  Eigenschaft  verleiht,  auch  auf  verhältnissmässig  kurzem 
Wege  und  bei  geringem  Wärmegrade  die  zu  durchlaufenden  Gesteine  in 
erhöhtem  Maasse  aufzulösen.  Der  ansehnliche  Gehalt  an  freier  Kohlensäure,  der 
dieses  Wasser  auch  als  erfrischendes  Getränk  so  beliebt  macht,  lässt  auf  einen 
nicht  ganz  erloschenen  vulcanischen  Herd  schliessen,  der  sich  in  der  Tiefe  vor- 
finden muss.  Dieser  ist  denn  auch  durch  das  Auftreten  von  jüngeren  plutonischen 
Gesteinen,  wie  Dolerite,  Melaphyre  und  Grünsteinporphyre,  die  sich  in  der 
Nähe  zeigen,  hinlänglich  wahrscheinlich  gemacht.  Ein  kleiner  Durchbruch  von 
solchen  jüngeren  Eruptivmassen  muss  sich  unter  anderen  ganz  nahe  beim  Tempel- 
brunnen ereignet  haben;  wenigstens  weisen  die  losen  eckigen  Stücke  von 
Dolerit,  die  man  etwa  6 Minuten  nordöstlich  davon  trifft,  daraufhin. 

Näher  wagen  wir  uns  nicht  in  diese  Frage  einzulassen,  um  uns  nicht  in 
Hypothesen  zu  verlieren,  wozu  namentlich  die  Erklärung  des  grossen  Natron- 
gehaltes eines  Theiles  dieser  Säuerlinge  führen  müsste. 


0 Nach  den  Aussagen  des  Herrn  Bürgermeisters  Korze  in  Ponigel  bestand  noch  ein  Sauer- 
brunn in  der  Ortschaft  Slattina,  nördlich  von  Ponigel,  dem  Bauer  Gallo v gehörig. 
Später  kam  Süsswasser  dazu  und  jetzt  liegt  er  verschüttet.  Dies  wäre  demnach  der 
westlichste  Brunnen  der  Rohitscher  Gruppe. 


:> 


[1]  J.  Jokely.  Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen.  367 


II.  Die  Quader-  und  Pläner  - Ablagerungen  des  Bunzlauer 

Kreises  in  Böhmen. 

Von  Johann  Jokely. 

Mit  zwei  Profilen. 

Mitgetheilt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  25.  Juli  1860. 


¥ o r w o r t. 

Böhmen,  ein  Land,  wie  kaum  ein  zweites  der  Monarchie,  welches  so 
zahlreiche  Spuren  vorübergegangener  Katastrophen  von  den  ältesten  bis  zu  den 
neuesten  geologischen  Epochen  aufzuweisen  hat,  bietet  nun  auch  in  dieser  Rich- 
tung so  manche  räthselhafte  Erscheinungen,  die  nur  durch  wiederholtes  Studium 
und  Beobachten  entwirrt  worden,  und  fortwährend  noch  zu  entwirren  sind. 

Eine  nicht  unwesentliche  Rolle  spielen  dabei  auch  die  bisher  unter  den 
Colleetivnamen  „Kreidebildungen44  zusammengefassten  Quader-  und  Pläner- 
Ablagerungen.  Reuss,  Geinitz,  Naumann,  Cotta  waren  es  vor  Allen, 
die  deren  Kenntniss,  mit  Einschluss  der  sächsischen  Bildungen,  interpretirten, 
sie  gliederten  und  ihnen  die  Parallele  stellten  der  bereits  gegliederten  deutschen 
und  ausserdeutschen , namentlich  belgischen  Formationen. 

Wie  weit  die  einzelnen  Ansichten  der  genannten  Forscher  bezüglich  der 
Glieder  dieser  Bildungen  sich  begegneten  oder  von  einander  abwichen,  ist  in 
ihren  Schriften  niedergelegt.  Es  sind  das  hochwichtige  Beiträge  zur  Geschichte 
der  diesbezüglichen  Literatur  und  wohl  geeignet  zur  Beurtheilung  dessen,  wie 
selbst  das  geübteste  Auge  nur  höchst  mühsam  einen  leitenden  Faden  dort  aufzu- 
finden vermag,  wo  durch  jüngere  heterogene  Elemente  die  ursprüngliche  Ge- 
staltung und  Lagerung  älterer  Schichten  so  arg  beeinträchtigt  worden  ist,  wie 
eben  hier. 

Die  Aufnahmen  der  letzten  drei  Jahre  innerhalb  des  Quader-  und  Pläner- 
gebietes in  Böhmen  verfehlten  nicht,  das  treffliche  bereits  vorliegende  Material 
auf  das  Beste  zu  vervverthen.  Diesem  ist  es  denn  auch  zu  verdanken,  dass  eine 
Detailaufnahme  hier  überhaupt  möglich  wurde,  und  dass  sie  ferner  einen  viel 
rascheren  Fortgang  nahm,  als  es  sonst  der  Fall  gewesen  wäre. 

Bevor  noch  aber  nicht  das  ganze  Gebiet  der  hiesigen  Quader-  und  Pläner- 
Ablagerungen  speciell  durchforscht  und  somit  von  Seiten  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  die  Aufsammlungen  von  Petrefacten  beendet  worden  ist,  kann 
füglich  das  Endresultat  hinsichtlich  der  Formationsstellung  der  genannten  Ge- 
bilde gegenüber  jener  anderer  Länder  nicht  ausgesprochen  worden.  Eine  gründ- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  III.  Heft.  47 


368 


Johann  Jokely. 


L2] 


liehe,  durchgreifende  paläontologische  Arbeit  muss  hier  den  Schlussstein  dazu 
legen,  was  bis  nun  aus  der  Erforschung  der  Lagerungsverhällnisse  als  sicheres 
Ergebniss  hervorgegangen  ist. 

Hier  handelt  es  sich  also  hauptsächlich  um  die  Constatirung  der  während  der 
Aufnahme  der  letzten  Jahre  gewonnenen  Thatsachen,  kurz,  um  das  Resume  der 
bereits  in  den  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  verzeichneten 
Reiseberichte  , vorzugsweise  aus  den  Jahren  1858  und  1859. 

Zunächst  sind  es  zwei  Glieder  aus  der  bisher  aufgestellten  Schichtenreihe 
der  hiesigen  Kreidezeit,  über  welche  jüngst  noch  einige  Zweifel  in  Rezug  der 
Richtigkeit  ihrer  Stellung  obwalteten,  des  sogenannten  „Plänersandsteines“ 
nämlich  und  des  „oberen  Quaders“. 

Herrn  Prof.  Reuss  *)  gebührt  die  Initiative,  gestützt  auf  die  paläontolo- 
gischen  Charaktere  dieser  beiden  Schichten,  in  letzterer  Zeit  ihre  Selbstständig- 
keit als  Formationsglieder  in  Frage  gestellt  zu  haben.  Durch  unsere  Aufnahmen 
der  letzten  zwei  Jahre  hat  sich  nun  dieser  fragliche  Punkt,  nach  der  Controle 
einer  scharfen  Fixirung  aller  dieser  Schichten  und  ihrer  Lagerungsverhältnisse 
mit  vollster  Evidenz  geklärt,  ein  Umstand,  welchen  nur  derjenige  gehörig 
würdigen  kann,  wer  selbst  an  der  Durchforschung  der  hiesigen  oder  benach- 
barten sächsischen  Kreidebildungen  betheiligt  war. 

Die  richtige  Stellung,  besonders  des  sogenannten  „Plänersandsteines“  war 
hier  gleichsam  eine  „brennende  Frage“,  denn  mit  der  Lösung  derselben  mussten 
sogleich  alle  Zweifel  und  Wirrsale  völlig  schwinden,  die  sich  in  stratigraphischer, 
noch  mehr  aber  in  paläontologischer  Beziehung  daraus  ergeben  hatten,  dass  man 
jenen  Mergelsandstein,  während  er  entschieden  dem  Quadersandsteine  unter- 
geordnet ist,  zum  Pläner  gerechnet,  und  so  den  über  ihm  lagernden  Sandstein 
als  „oberen  Quader“  vom  sogenannten  „unteren“  gewaltsam  losgetrennt  hat. 

Bei  der  Einverleibung  des  „Quadermergel“,  — welche  Benennung  hier 
statt  „Plänersandstein“,  selbstverständlich  aber  in  einem  etwas  abweichenden 
Sinne,  wie  sie  Herr  Professor  Gei  n itz  gebraucht  hat,  genommen  wird,  zer- 
fallen nunmehr  die  Ablagerungen  der  hiesigen  Kreidezeit  in  die  Bildungen  des 
„cenomanen  Quaders“  und  die  des  „turonen  Pläner“.  — 

Bezüglich  der  mehr  minder  schieferigen  Thone,  Aequivalente  der  „Bacu- 
liten- Schichten“  Rominger’s  (Leo  nhard  und  Br onn’s  Jahrbuch  1847), 
welche  auch  in  diesem  Gebiete  vertreten  sind,  ist  es  wegen  der  unzureichenden 
Kenntniss  ihrer  Versteinerungen  noch  unentschieden,  ob  diese  Schichten  dem 
Turonien  oder  Senonien  angehören.  Entschieden  sind  es  aber  die  obersten 
Schichten  der  hiesigen  Kreideformation,  mit  welchen  sie  hier  ihren  Abschluss 
erlangt. 

Die  nachfolgende  Skizzirung  dieser  Bildungen  bezieht  sich  hauptsächlich 
auf  den  Bunzlauer  Kreis  (Generalstabs-Specialkarte  Nr.  III  und  VIII),  wobei 
jedoch  auch  das  Wesentliche  aus  dem  östlichen  Theile  des  Leitmeritzer  Kreises 
(Generalstabs-Specialkarte  Nr.  II  und  VII)  mit  einbegriffen  worden  ist. 


D Vortrag,  gehalten  während  der  Jubelfeier  der  patriotisch-ökonomischen  Gesellschaft  in 
Böhmen. 


Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  ßunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


369 


Formation  des  Quaders. 

Ohne  näher  in  die  topographisch-landschaftliche  Beschaffenheit 
des  hiesigen  Quadergebietes  einzugehen,  — Andeutungen  darüber  geben  bereits 
frühere  Berichte,  — seien  hier  blos  einige  der  am  meisten  charakteristischen 
Merkmale  desselben,  insbesondere  in  dem  Gebiete  zwischen  der  Elbe  und  Iser 
näher  bezeichnet. 

In  den  Bandregionen  nächst  dem  krystallinischen  Gebilde  der  nordwest- 
lichen Ausläufer  des  Biesen-  und  Oberlausitzer-Gebirges,  dann  theilweise  in  der 
Nachbarschaft  des  Leitmeritzer  vulcanischen  Mittelgebirges  ist  das  Quadergebiet 
höchst  eoupirt.  Tief  eingefurchte  Thäler,  wie  die  oft  viele  Hunderte  von  Fussen 
senkrecht  aufsteigenden  Sandsteinmassen  mit  ihren  Hochplateaux  und  die  insel- 
förmig zerstreuten,  meist  von  Basalt-  oder  Phonolithstielen  gehaltenen  bisweilen 
äusserst  grottesken  Felsgruppen  gehören  zu  den  Eigentümlichkeiten  dieser  mit 
Recht  so  viel  gerühmten  Gegenden  Nord-Böhmens.  Die  Wände  und  Terrassen, 
Grate  und  Zacken  von  Herrenskretschen,  Ditlersbach,  Kreibitz,  Zwickau  bis 
hinauf  an  die  Iser  bei  Klein-Skal  und  noch  über  den  Kozakow  hinaus,  dann  jene 
von  Dauba,  Gräber,  Auscha  sind  eben  so  allbekannt  wie  vielbesucht,  gleichwie 
die  von  Quadersandstein  und  theilweise  von  Pläner  umsäumten  Phonolith-  und 
Basaltkegel  des  Inneren  vom  Bunzlauer  Kreise,  in  den  Gegenden  von  Böhmisch- 
Leipa,  Gabel,  Niemes,  Hirschberg,  Schloss  Bösig. 

Weiter  weg  von  da  nach  Süden  undOsten,  um  Turnau , Münchengrätz, 
Jungbunzlau,  Melnik  (im  Norden  des  Prager  Kreises)  schwindet  jedoch  dieser 
pittoreske  Charakter  der  Gegend  gänzlich.  Das  Quadergebiet  erscheint  als  eine 
zumeist  höchst  einförmige  hochflächige  Ebene,  die  sich  nun  bis  in  das  Innere 
Böhmens  hinein  erstreckt.  Diluviale  Absätze  bedecken  die  Quaderschichten 
stellenweise  fast  vollständig,  und  nur  an  den  fast  durchwegs  sehr  jähe,  oft  fast 
senkrecht  abfallenden  Gehänge  der  Elbe,  Iser  und  ihrer  ziemlich  zahlreichen 
Nebenthäler  wird  man  ihrer  als  anstehenden  Gesteines  ansichtig. 

Der  nächste  Grund  jener  ersteren  Erscheinung  liegt  unbedingt  in  der  Gegen- 
wart der  beiden  einander  correspondirenden  Bruchspalten,  deren  eine  im  Norden 
des  Leitmeritzer  Mittelgebirges  durch  die  Quadersandsteinwände  der  böhmischen 
Schweiz,  die  anderen  im  Süden  jenes  Gebirges  durch  ähnliche,  wenn  auch 
minder  prägnante  Abstürze  von  Habstein,  Hohlen,  Gräber  und  Auscha  bezeich- 
net wird.  Die  Fortsetzung  beider  nach  Südwesten  oder  Westen  ist  eben  so 
deutlich  ausgeprägt  längs  des  Erzgebirgrandes  und  im  Verlaufe  des  Egerthales 
bis  über  das  Liesener  Basaltgebirg  hinaus. 

Die  Mulden,  Canäle  zwischen  jenen  inselförmigen  Sandsteingruppen  im 
Norden  des  Bunzlauer  Kreises  und  die  weiten  von  mehr  minder  tiefen  Thälern 
durchschnittenen  Ebenen  im  Süden  dieses  sowohl  wie  des  Leitmeritzer  Kreises, 
sind  dagegen  die  Ergebnisse  vor  sich  gegangener  höchst  bedeutender  Erosionen, 
deren  regste  Wirksamkeit  noch  in  die  Tertiär-Epoche  fiel.  Alle  diese,  theils 
beschränkten,  theils  weit  ausgedehnten  Niederungen  waren  dann  während  der 
Diluvialperiode  gänzlich  inundirt  und  bieten  jetzt,  wie  bereits  angedeutet,  noch 
fast  allenthalben  deren  sandig-schotterige  und  lössartige  Niederschläge.  Eine  Aus- 
nahme machen  blos  Gegenden,  wie  unter  anderen  von  Weisswasser  und  Hühner- 
wasser, wo  der,  namentlich  an  der  rechten  Iserseite  so  allgemein  verbreitete 
Löss,  später  wieder  vollständig  fortgeführt  worden  ist.  Der  zu  losem  Sande  auf- 
gelöste Quader  breitet  sich  hier  weit  aus,  und  auf  diesem  höchst  sterilen  Boden 

47* 


370 


Johann  -Jokely. 


Dl 


pflanzt  sich  hlos  Nadelholz  fort,  während  die  anderen  Lössgegenden  um  Mscheno, 
Kowan,  Bezno  bis  Melnik  hin  verhältnissmässig  fruchtbares  Ackerland  abgehen. 
Und  wo  der  Quadermergel  auch  unmittelbar  blossliegt  und  dabei  sonst  die  Lage 
günstig,  gedeiht  sogar  die  Weinrebe,  wie  bekanntlich  von  der  Melniker  bis  in 
die  Leitmeritzer  Gegend. 

In  ziemlich  enger  Beziehung  zu  dieser  orographischen  Beschaffenheit  des 
Terrains  stehen  auch  die  stratigraphischen  Verhältnisse  der  Quadergebilde. 
Eine  fast  ungestörte  Lagerung  ihrer  Schichten  einerseits,  und  andererseits 
namhafte,  ja  höchst  bedeutende  Schichtenstörungen. 

Im  Süden  des  Bunzlauer  und  Südosten  des  Leitmeritzer  Kreises  zeigt  sich 
allerwärts  ein  nur  sehr  geringer  Neigungswinkel,  in  mehr  minder  südlicher 
Bichtung,  der  selten  15  Grad  überschreitet,  häufig  auch  auf  Null  herabsinkt. 
Weiter  nordwärts,  namentlich  gegen  das  Leitmeritzer  vulcanische  Mittelgebirge 
zu  wird  er  aber  bereits  bedeutender  und  um  einzelne  Phonolith-  oder  Basaltkegel 
zeigen  sich  mitunter  schon  nicht  unerhebliche  Störungen,  hervorgerufen  durch 
ungleichförmige  Erhebungen  oder  Senkungen  einzelner  Sandsteinschollen.  Die 
grössten  Abweichungen  bietet  aber  in  dieser  Beziehung  jene  höchst  merkwürdige 
Aufrichtungszone  der  Quadersandsteinbänke  und  zum  Theile  des  Rothliegenden, 
welche,  bereits  durch  Herrn  Prof.  Cotta  bekannt  geworden,  unmittelbar  am 
Südrande  des  Oberlausitzer,  Jeschken-  und  Biesengebirges  von  Sachsen  herein 
auf  eine  höchst  bedeutende  Erstreckung  sehr  steil  aufgerichtete  bis  umgekippte 
Schichten  wahrnehmen  lässt. 

Der  Deutung  dieser  letzteren  Erscheinung  und  einer  ihr  ganz  analogen  am 
Nordrande  des  Biesengebirges,  neuerlich  durch  Herrn  Prof.  Bey rieh  wieder 
erläutert,  ist  bereits  ein  vielfacher  Ausdruck  geliehen  worden.  Endgiltig  lässt 
sie  sich  aber  doch  nur  mit  den  Gebirgsstörungen  während  der  vulcanischen 
Epoche  in  Zusammenhang  bringen,  wie  das  schon  an  einem  anderen  Orte  berührt 
worden  ist  1). 

Die  vereinzelte  Partie  von  rothem  Gneiss  bei  Maschwitz  (N.  Dauba) 
inmitten  des  Quadersandsteines,  scheint,  wenn  jener  auch  mit  dein  letzteren 
und  dem  darin  in  unmittelbarer  Nähe  nördlich  blossliegenden  Quadermergel 
durch  den  Phonolith  des  Maschowitzberges  in  etwas  disloeirt  worden,  doch  in 
der  Hauptsache  eine  schon  während  der  Ablagerung  des  Quadersandsteines  höher 
emporragende  Felsinsel  gewesen  zu  sein. 

In  stratigraphischer  Beziehung  hat  demnach  das  Quadergebiet  nur  wenig 
Auffallendes,  und  dasjenige,  was  sich  in  jenen  Störungen  kundgibt,  ist  auf  den 
eigentlichen  Grund  leicht  zurückzuführen.  Das  Hauptinteresse  beruht  daher  hier 
vorzugsweise  auf  seiner  Gliederung,  denn  sie  löst  zugleich  eine  der  schwe- 
benden Hauptfragen. 

Für  die  Feststellung  der  Glieder  der  Quaderfoi  mation , mit  Inbegriff  des 
Pläners  war  es  ein  misslicher  Umstand,  dass  die  Eingangs  genannten  specielleren 
Forschungen  sich  böhmischer  Seits  gerade  auf  jenes  Gebiet  des  Leitmeritzer  und 
Saazer  Kreises  beschränkten,  wo  wegen  der  vielfachen  Störungen  durch  die 
vulcanischen  Eruptivmassen  die  Lagerungsverhältnisse  jener  Schichten  , wenn 
auch  im  Allgemeinen  hier  am  interessantesten,  so  doch  am  verworrensien  und 
daher  auch  am  schwierigsten  richtig  zu  deuten  sind.  Bei  weitem  anders  verhält 
sich  dies  bereits  im  Bunzlauer  Kreise,  wo  neben  den  grösstentheils  viel  gerin- 


0 


„Die  nordwestlichen  Ausläufer  des  Riesengebirges  u.  s.  w.“  Jahrbuch  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  1859,  III.  Heft,  und  Verhandlungen;  Sitzungsbericht  vom  25.  Jänner 


1859. 


Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


371 


[8] 


geren  Störungen  in  der  Lagerung,  auch  die  Zerstörung  durch  Erosion  weniger 
durchgreifend  die  ursprüngliche  Gestaltung  dieser  Schichten  getroffen  hat. 

Wo  nur  halbwegs  der  Aufschluss  günstig,  gewahrt  man  hier  auf  das  deut- 
lichste das  gegenseitige  Verhältnis  der  zwei  Glieder  der  hiesigen  Quader- 
formation, des  Qua  dersandsteines  und  des  Quadermergels.  Im  Norden 
des  Kreises,  wo  noch  theiiweise  eine  mächtige  Quadersandsteindecke,  das  ist 
die  höheren  Theile  der  Quaderformation , vorhanden,  findet  sich  der  Quader- 
mergel blos  in  seiner  obersten  Bank,  vereinzelt  im  Quadersandstein;  so  bei 
Kreibitz,  Gross-Mergenthal,  Tetersdorf,  Lindenau,  Kriesdorf,  Merzdorf.  In  den 
tieferen  Thaleinschnitten  der  Mitte  des  Kreises,  unter  andern  bei  Böhmisch- 
Aicha,  Schwabitz,  Liebenau,  Gablonz  hat  man  bereits  zwei  bis  drei  solcher 
Bänke,  von  denen  die  unterste  und  mächtigste  an  den  Gehängen  z.  B.  in  Böhmisch- 
Aicha  über  10  Klafter  beträgt. 

Von  da  noch  südlicher,  im  Verlaufe  des  ganzen  Iserthaies  von  Turnau,  über 
Münchengrätz,  Jungbunzlau,  Brodetz,  und  aller  seiner  zahlreichen  Nebenthäler, 
namentlich  an  der  rechten  Seite,  bietet  nun  jede  höhere  Lehne  durchschnittlich 
wenigstens  zwei  solcher  mächtigerer  Quadermergelbänke  im  Quadersandsteine, 
und  dazwischen  noch  einige  geringere,  von  der  Stärke  kaum  einiger  Fuss. 
Eben  so  deutlich  zeigt  sich  dieses  Verhältnis  an  den  Gehängen  der  östlichen 
Zuflüsse  der  Elbe,  insbesondere  im  Liboch-Tupadler  Thale,  welches  überdies, 
gleichwie  die  Gegend  von  Dauba,  in  den  mannigfach  abwechselnden  Scenerien 
lebhaft  an  die  Formen  der  sächsich-böhmischen  Schweiz  erinnert. 

An  den  rechten  Elbegehängen  von  Melnik  über  Wegstädl,  Wettl,  Gastorf 
bis  Ruschowan  bildet  Quadermergel  ununterbrochen  die  mehr  minder  sterilen 
Lehnen  und  tritt  unter  dem  Pläner  noch  weiter  abwärts  bei  Trzebautitz  und  Gross- 
Cernosek  zum  Vorschein  und  ähnlicherweise  an  der  linken  Seite  von  Klein- 
Cernosek  bis  Suttom.  In  der  Gegend  von  Lobositz  beginnt  dann  das  ausgedehnte 
Plänergebiet  vom  Leitmeritzer  Kreise.  Südlich  schneidet  der  Pläner  ziemlich 
scharf  an  der  Egerspalte  ab,  nimmt  aber  rechts  der  Eger  die  durch  sie  und  die 
Elbe  gebildete  nördliche  Landspitze  um  Doxan  ein,  um  dann  aber  bei  Duschnik 
und  Zidowec  wieder  dem  Quadermergel  zu  weichen,  welcher  nun  in  der  Gegend 
von  Raudnitz,  überhaupt  im  äussersten  Süden  des  Kreises  rechts  der  Eger 
herrscht.  Eine  Ausnahme  sind  hier  nur  die  diesseitigen  Gehänge  der  Eger  und 
einiger  tieferen  Nebenthäler,  wie  bei  Wrbka,  Stradonitz  u.  a.,  wo  der  Quader 
und  darunter  selbst  auch  Rothliegendes  blossliegt , dann  eine  geringe  unmittelbar 
auf  Quadermergel  gelagerte  Partie  von  Pläner  zwischen  Ober-Berschkowitz  und 
Czernauschek. 

In  den  Gegenden  von  Auscha,  Bleiswedel  bis  Dauba  beobachtet  man  im 
Quadersandstein  auch  mächtige  Einlagerungen  von  Quadermergel.  Bei  der  Zer- 
rissenheit des  Terrains  und  den  häufigen  Schichtenstörungen  lassen  sich  aber 
die  einzelnen  Bänke  des  letzteren  hier  nicht  mehr  so  ununterbrochen  verfolgen, 
wie  in  den  oben  angeführten  Gegenden,  ein  Umstand,  wie  er  denn  nebst  manchen 
Niveaudifferenzen  auch  bezüglich  des  Pläners  in  der  Nachbarschaft  des  vulcani- 
schen  Gebirges  fast  zur  Regel  gehört. 

P etrogr  ap  bisch  ist  der  Quadermergel  gleich  wie  der  Quadersandstein 
so  ziemlich  allgemein  bekannt  und  eben  so  bekannt  ist  seine  ausgezeichnete 
Eigenschaft  als  Baustein,  in  welcher  Beziehung  ihm  der  Quadersandstein  bei 
weitem  nachsteht.  Zu  ähnlichen  Zwecken  lässt  sich  dieser  überhaupt  auch  dann 
nur  gebrauchen,  wenn  er,  wie  in  der  Nähe  oder  Berührung  vulcanischer  Gebilde, 
mehr  minder  gefrittet  ist  oder  sonst  durch  ein  vorherrschend  kieseliges  Cement 
compacter  wird. 


372 


Johann  Jokely. 


[6] 


Mehrorts,  wie  besonders  in  der  Raudnitzer  und  Wegsfädteler  Gegend,  wird 
der  Quadermergel  seines  bedeutenden  Kalkgehaltes  wegen  auch  zu  Löschkalk 
gebrochen;  anderwärts  wieder  ermöglicht  seine  sehr  regelmässige  Spaltbarkeit 
seinen  Gebrauch  zu  Pflaster-,  Sockel-,  Fussboden-Pl  atten  und  ähn- 
licher architektonischer  Verkleidungen.  Solche  Platten  von  den  verschiedensten 
Dimensionen  werden  von  den  Umgegenden  von  Garstorf  zu  Tausenden  jährlich 
nach  allen  Richtungen  im  In-  und  Auslande  versendet. 

Von  der  ziemlich  homogenen  Reschaffenheit  dieser  oft  über  12  Klafter 
mächtigen  Bänke  des  Quadermergels  weichen  gewöhnlich  die  geringeren  Lagen, 
die  bisweilen  kaum  einen  Fuss  betragen,  petrographisch  einigermaassen  ah. 
Das  Korn  ist  hei  ihnen  viel  gröber,  ähnlich  dem  des  Quadersandsteines,  und  das 
Cement,  anstatt  mergelig,  oft  ein  höchst  ausgezeichnet  krystallinischer  Kalkspath. 

An  Glaukonit  sind  die  Quadermergel  im  Bunzlauer  und  östlichen  Theile 
des  Leitmeritzer  Kreises  höchst  arm,  und  besitzen  nirgends  jenen  bedeutenden 
Antheil  davon,  wie  die  dem  Quadermergel  vollkommen  äquivalenten  Grün- 
sandsteine der  Gegend  von  Laue,  Mallnitz  und  Drahomischel  im  Saazer 
Kreise  *). 

Zur  näheren  Beleuchtung  des  bisher  Gesagten  über  die  Wechsellagerung 
des  Quadersandsteines  und  Quadermergels  diene  der  beistehende  Durchschnitt, 
von  Jungbunzlau  angefangen  über  Klein-Doubrawitz,  Zahay  bis  Melnik,  wo  jedoch 
des  kleinen  Maasstabes  wegen  die  an  den  Plateaux  fast  überall  abgelagerten 
diluvialen  Lehme,  unter  denen  sich  hin  und  wieder  auch  noch  Quadersandsteine 
in  geringeren  Lagen  vorfinden  dürften,  weggelassen  werden  mussten. 

Was  die  gegenseitige  Verbindung  dieser  zwei  Schichtenglieder  der  hiesigen 
Quaderformation  belangt,  so  zeigen  sich  hiebei  einige  örtliche  Verschiedenheiten. 
In  manchen  Gegenden  scheidet  nämlich  den  Quadermergel  vom  Quadersandsteine 
eine  mehrere  Zoll  bis  einige  Fuss  starke  Letten-  und  Lettenschiefer  I age, 
bisweilen  von  lymnischem  Charakter,  wie  sich  das  unter  anderen  in  der  Gegend 
von  Wegstädtel  beobachten  lässt.  Dabei  finden  sich  aber  ähnliche  Einlagerun- 
gen, oft  vollkommen  plastische  Thone,  selbst  auch  ganz  inmitten  des 
Quadersandsteines  an  ungemein  zahlreichen  Orten  seines  hiesigen  Verbreitungs- 
gebietes, neben  anderen  eisenschüssigen  Lagen,  die  manchmal,  wie  in  der 
Kreibitzer  und  Zwickauer  Gegend,  derartig  eisenhältig  werden,  dass  man  sie 
hin  und  wieder  auch  bergmännisch  gewonnen  hat. 

In  den  meisten  Fällen  finden  jedoch  die  Uebergänge  dieser  beiden  Schich- 
ten, bezugsweise  durch  häufigere  Aufnahme  von  Kalkgehalt  oder  Verminderung 
desselben,  so  ganz  allmälig  statt,  dass  von  einer  Grenze  zwischen  ihnen  gar 
keine  Rede  sein  kann.  In  den  zahllosen  Steinbrüchen  an  den  Isergehängen  um 
Jungbunzlau,  Münchengrätz  und  an  der  Eisenbahutrace  bei  Turnau  lassen  sich 
über  dieses  Verhältniss  unzählige  Beobachtungen  anstellen,  und  es  zeigt  zugleich, 
dass,  wenn  an  manchen  Orten  eine  geringe  Pause  zwischen  der  Ablagerung  des 
Sandsteines  und  Mergels  auch  stattgefunden  hat,  in  den  meisten  Fällen  dagegen 
der  Absatz  derselben  ohne  aller  Unterbrechung  auf  einander  erfolgt  ist. 

Nicht  minder  wie  dieses  Verhältniss  spricht  dann  und  vor  Allem  auch  die 
Fauna  dieser  beiden  Schichten  für  ihren  strengen  geologischen  Zusammenhang. 


O Die  von  Dr.  R.  Kn  er  und  Dr.  A.  Alt  beschriebenen  „Kreidemergel“  der  Gegend  von 
Lemberg,  vorzugsweise  aber  von  Nagorzany  (Naturwissenschaftliche  Abhandlungen, 
gesammelt  und  herausgegeben  von  W.  Haidinger,  III.  Band,  2.  Abtheilung)  ent- 
sprechen petrographisch  sowohl  wie  paläontologisch  vollkommen  dem  hiesigen  „Quader- 
mergel“. 


Die  Quader-  und  Pläner- Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


373 


[7] 

Alle  Formen,  die  dem  Quadersandstein  eigen,  sind 
eben  so  bezeichnend  für  den  Quadermergel,  dabei 
völlig  abgesehen  von  jenen  so  allgemein  verbreiteten 
Formen , wie  Micraster  cor  anguinum  Lam .,  Ammo- 
nites  peramplus  Sow.,  Nautilus  elegans  Soiv.,  Ino - 
ceramus  mytiloides  Mant . , Pecten  quinquecostatus 
Soiv.,  Exogyra  columba  Goldf.}  Rhynchonella  octo- 
plicata  d’Orb.  11.  a.,  welche  in  jedem  Horizonte  und 
aller  Orten  der  hiesigen  Quaderformation  vorzufiu- 
den  sind. 

Nach  diesen  Bemerkungen  wäre  nun  noch  eines 
Umstandes  näher  zu  erwähnen,  der,  je  nach  dem 
örtlichen  Verbände  der  einzelnen  Schichten  der  Qua- 
derformatiun  und  desPläners  bezüglich  derbesproehe- 
nen  Gliederung,  manchen  Irrthum  herbeiführen  kann. 
Ungeachtet  nämlich  die  Bänke  des  Quadermergels 
blos  als  Zwischenschichten  des  Quadersandsteines  zu 
deuten  sind,  erscheint  jener  dennoch,  namentlich  in 
den  südlichen  Theilen  des  Leitmeritzer  und  Bunz- 
lauer Kreises  als  die  oberste  Schichte  zu  Tage  und 
wird  so  häufig  auch  unmittelbar  von  Pläner  überlagert. 

Ist  nun  der  Verband  des  Pläners  mit  dem  Qua- 
dermergel hier  bisweilen  anscheinend  ein  etwas  inni- 
ger, — was  nach  der  Auslaugung  des  letzteren 
während  dem  Absätze  des  Pläners  sich  leicht  vor- 
aussetzen lässt,  — und  dabei  der  paläontologische 
Charakter  der  beiden  Bildungen,  wegen  Seltenheit 
oder  örtlichem  Mangel  an  Versteinerungen,  nicht 
besonders  augenfällig,  so  musste  die  Vermuthung 
sehr  nahe  liegen,  dass  die  beiden  petrographisch 
einigermaassen  einander  auch  verwandten  Schichten 
in  der  That  zusammen  gehören.  War  dies  einmal 
angenommen,  so  war  die  Ausscheidung  eines  Theiles 
des  Quadersandsfeines,  desjenigen  nämlich,  der  sich 
über  dem  Quadermergel  findet,  als  „oberer,  d.  i. 
nach- turoner,  Quader“  nur  die  natürliche  Folge 
dessen. 

Vielfach  beobachtete  Thatsachen  müssen  es  aber 
ausser  allen  Zweifel  setzen,  dass  vor  Ablagerung  des 
Pläners,  sei  es  nun  in  Folge  der  Veränderung  im 
Niveau  des  damaligen  Kreidemeeres  oder  der  zeit- 
weiligen Trockenlegung  seines  Grundes,  höchst  be- 
deutende Veränderungen  in  der  Oberflächengestal- 
tung der  Quadermassen  vor  sich  gegangen  sein 
mussten.  Die  höheren  Schichten  dieser  Formation, 
wie  sie  sich  unter  anderen  jetzt  noch  in  den  Sand- 
steinfelsen der  sächsisch-böhmischen  Schweiz  dar- 
stellen, wurden  anderwärts  entweder  theilweise  fort- 
geführt oder  auch  gänzlich  zerstört  bis  auf  die  in 
tieferen  Horizonten  gelegenen  Bänke  des  Quader- 
mergels. Und  so  kommt  es,  dass  man  den  Pläner, 


b 


■Jf 

m 


Elbethal. 

Melnik. 

Blat. 

Chotkaberg  130°. 
Hledseb. 


Klein-Ziwonin. 


Zahay. 

q=j' 

Zaiuach. 

Skriwan  M.  H. 

Klein-D  o ubrawitz . 

Niineritz. 

Klein-Horka. 

Winice. 


Klein-Cejtitz. 

Iserthai. 

Jungbunzlau  125°. 


374 


Johann  Jokely. 


[8] 


iheils  auf  Quadersandstein,  theils  auf  Quadermergel  gelagert  findet,  und  dabei 
die  im  ersteren  Falle  zwischen  Quadermergel  und  Pläner  vorhandene  Quader- 
sandsteinschichte eine  so  ungemein  wechselnde  Stärke  besitzt. 

Die  grosse  Verschiedenheit  in  den  Niveaux,  die  sich  mitunter  zwischen  den 
Schichten  des  Quaders  und  Pläners  oder  der  Baculiten- Schichten,  besonders 
in  der  Nachbarschaft  des  Leitmeritzer  Mittelgebirges  und  der  sächsisch-böhmi- 
schen Schweiz  kund  gibt,  beruht  aber  offenbar  auf  jenen  Verwerfungen , die 
während  der  vulcanischen  Periode  stattgefunden  haben.  Andere  Höhendifferenzen 
dagegen  und  namentlich  die  nach  Süden  hin  gegenseitig  wechselnde  Mächtigkeit 
der  beiden  Glieder  der  Quaderformation,  ist  wohl  in  der  Art  und  Weise  ihres 
erfolgten  Absatzes  zu  suchen. 

Es  ist  nämlich  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  bei  der  im  Ganzen  bucht- 
förmigen Einlagerung  der  hiesigen  Quaderformation  der  kalkige  Niederschlag 
des  Quadermergels  gegen  die  Mitte  der  Mulde  nicht  allein  ein  häufigerer  war, 
sondern  auch  im  Allgemeinen  ein  mächtigerer,  während  gegen  die  nördlichen 
Bänder  des  Beckens,  namentlich  das  Biesen-  und  Oberlausitzer,  zum  Theile  auch 
das  Erzgebirg,  neben  der  Verringerung  und  dem  örtlichen  Auskeilen  jener 
Schichten,  die  Absätze  des  Quadersandsteines  selbst  vorwiegend  waren. 

Formation  des  Pläners. 


Das  Plänergebiet  des  Saaz-Leitmeritzer  Kreises  ist  das  ausgedehnteste 
Böhmens  unter  allen,  welche  bisher  näher  bekannt  geworden  sind.  Es  nimmt 
vorzugsweise  die  westlichen  Gegenden  von  der  Elbe  zwischen  der  Eger  und 
Biela  ein.  Südlich  vom  Leitmeritzer  Mittelgebirge  verfolgt  man  dessen  Ablage- 
rungen ohne  Unterbrechung  weithin  auf  den  dortigen  hochflächigen  Ebenen, 
wogegen  sie  im  Bereiche  der  Kegelherge,  von  mehr  minder  ausgedehnten  Basalt- 
tuffen und  Conglomeraten  bedeckt,  nur  in  den  tieferen  Thaleinrissen  blossliegen, 
ln  ähnlicher  Weise  trifft  man  sie  nördlich  der  Biela  bis  Bodeubach,  dann  östlich 
der  Elbe.  An  mehreren  Stellen  inmitten  des  Basaltgebirges,  wie  zwischen  Wern- 
stadt und  Neustadtei,  dann  in  der  Gegend  von  Triebsch,  Levin  und  Gräber.  Nur 
in  der  Gegend  von  Leitmeritz  und  Zahorzan  liegt  ein  breiter  Streifen  des  Pläners 
am  Südrande  des  Basaltgebirges  entblösst. 

Von  da  nördlich  und  östlich  bis  zur  Iser  weicht  der  Pläner  dagegen,  bis 
auf  ganz  unbedeutende  Partien,  vollständig  der  Quaderformation.  Diese  letzteren 
Partien  beschränken  sich  auf  höhere  Kegelberge,  wo  Basalt  oder  Phonolith  ihre 
Decke  bildet.  Seltener  sind  sie  in  den  ebeneren  Gegenden,  erscheinen  dann 
aber  als  ziemlich  markirte  Hügelrücken,  wie  zwischen  Melnik  und  Kowan. 
Dieses  Terrain  des  Leitmeritzer  und  Bunzlauer  Kreises  zwischen  der  Elbe  und 
Iser  ist  in  der  Hauptsache  ein  Erhebungsgebiet  zwischen  zwei  Spalten , die  mit 
den  genannten  Thälern,  beziehungsweise  von  der  Leitmeritzer  und  Turnauer 
Gegend  nach  Süden  hin  fast  genau  zusammenfallen. 

Dieser  zumeist  einförmigen  Gegend  von  hochflächigem  Charakter  stellt  sich 
an  der  Ostseite  der  Iser,  namentlich  im  Osten  von  Kosmanos,  Jungbunzlau  und 
Brodetz,  ein  vielfach  gegliedertes  Wellenland  entgegen.  Es  ist  das  Gebiet  einer 
zweiten  ausgebreiteten  Pläner-Ablagerung,  die  sich  über  die  Grenzen  des 
Bunzlauer  Kreises  nach  Osten  und  Süden  noch  weiterhin  ausdehnt.  Bisher  war 
dieses  „Bunzlauer  Plänergebiet“  als  solches  noch  unbekannt,  wie  denn  über- 
haupt die  einheitliche  Beschaffenheit  des  ganzen  Kreises. 

Bemerkenswerth  wäre  die  linke  Seite  der  Iser  ausserdem  noch  hinsichtlich 
der  Diluvien.  Während  nämlich  an  der  rechten  Iserseite  fast  durchgängig 


Die  Quader-  und  Pläner- Ablagerungen  des  ßunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


375 


[9] 

Lehm  verbreitet  ist,  herrscht  hier  Schotter  und  Sand  und  bedeckt,  neben  aus- 
gedehnten Alluvien,  besonders  die  Niederungen  rings  um  die  höheren  Berge  und 
Hügelzüge  des  Pläners  von  Kosmanos,  Dobrawitz  und  Sobotkä.  Doch  zieht  er 
sich  dabei,  wie  namentlich  in  den  Gegenden  von  Sobotka,  Markwartitz,  Unter- 
Bautzen,  auch  hinauf  an  die  Plänerplateaux  und  ebenso  an  die  Quadersandstein- 
joche von  Musky,  Wisker  und  Gross-Skal.  welch’  letztere  nebst  ihren  Depen- 
denzen  ein  inselförmiges  Sandsteinmassiv  bilden,  welches  das  hiesige  Pläner- 
gebiet im  grossen  Ganzen  nach  Norden  zu  begrenzt.  Die  Lehmablagerungen 
selbst  sind  in  diesem  Gebiete  meist  nur  die  vereinzelten  Beste  jener  nicht  weit 
ausgedehnten  Lössdecke,  welche  sich  über  alle  Niederungen  des  Inneren  Böh- 
mens erstreckt  hat.  Der  Lehm  lagert  hier  überall,  wie  im  Norden  des  Kreises, 
über  Schotter  und  Sand,  welche  mit  einander  unregelmässig  wechseln.  Das 
erwähnte  Quadersandsteinmassiv,  mit  seinen  pittoresken  West-  und  Nordabfällen 
und  den  anmuthigen  Thalern,  verräth  auch  überall  Spuren  von  Lehm  an  seinen 
Plattformen,  wo  er  eine  Seehöhe  von  mehr  als  220  Klaftern  erreicht,  wie  an 
den  basaltischen  Kegelbergen  Musky,  Wisker  und  Trosky. 

Inseinen  petrographischen  und  paläonto logischen  Charakteren 
ist  der  Pläner  hinlänglich  bekannt.  In  ersterer  Beziehung  erleidet  er  aber  örtlich 
einige  Abänderungen,  die  man  zum  Theile  in  dem  Vorhandensein  verschiedener 
Horizonte  oder  Etagen  beruhend  wähnte.  Die  Dichte  und  bisweilen  äusserst 
feste  Beschaffenheit,  wie  sie  sich  namentlich  beim  sogenannten  „Plänerkalk“ 
(mittlerer  Quadermergel  von  Geinitz)  zeigt,  ist  wohl  ohne  Zweifel  blos  die 
Folge  jener  äusseren  Einflüsse,  die  der  gewöhnliche  Plänermergel  entweder 
durch  Druck  vorhanden  gewesener  höherer  Schichten  oder  durch  pyrogene  Ein- 
wirkungen der  vuleanischen  Massen,  in  deren  Nähe  er  sich , wie  im  Leitmeritzer 
Kreise,  hauptsächlich  auch  findet,  erfahren  hat.  Vor  Allem  scheint  aber  diese 
Erscheinung  auf  seiner  mineralisch  von  dem  gewöhnlichen  mehr  minder  thonigen 
Mergel  abweichenden  Beschaffenheit  zu  beruhen,  das  ist  auf  seinem  bedeutenden 
Kalkgehalt,  wornach  er  überall  auch  zu  Lösch-  oder  Düngerkalk  gebrochen  wird. 

Die  höheren  Schichten  des  hiesigen  Pläners  sind  nun  dagegen  durchgängig 
von  milderer,  bisweilen  lettenschieferartiger  Beschaffenheit,  wie  in  dem  ganzen 
Bunzlauer  Plänergebiet.  Petrographisch  stimmen  sie  aber  mehrorts  mit  jenen 
vereinzelten  mehr  minder  mergeligen  Schieferthonen  von  Reichstadt,  Böhmisch- 
Leipa,  Böhrnisch-Kamnitz , eben  so  mit  den  in  der  unmittelbaren  Nachbarschaft 
des  vuleanischen  Mittelgebirges  entblössten  von  Zierde,  Ober-  und  Nieder-Nösel, 
Trzebuschka,  Wesseln,  Eulau,  Schönborn  und  mancher  anderer  in  dem  Sitzungs- 
berichte vom  29.  März  1859  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
1859,  I.  Heft,  Verhandlungen,  Seite  61  ff.)  namhaft  gemachter  Orte  der  frühe- 
ren Aufnahmsjahre  im  Leitmeritzer  Kreise,  welche  in  den  obersten  Lagen  sich 
bereits  den  Baculiten- Schichten  nähern  oder  ihnen  stellenweise  auch  ganz 
entsprechen. 

Die  mergeligen  Schieferthone  der  Gegend  von  Alt-Lenzel  und  Ober-Tenzel 
(südlich  von  Triebsch)  in  demselben  Kreise  gehören  allem  Anscheine  nach  auch 
dem  Pläner  an,  so  wie  fast  alle  ähnlichen  Schichten,  die  im  Bereiche  des  Leit- 
meritzer Mittelgebirges  unter  den  vuleanischen  Sedimenten  an  tieferen  Punkten 
mehrorts  zu  Tage  treten.  Die  darunter  lagernden  Sandsteine  wären  demnach, 
wie  selbstverständlich,  als  Quadersandstein  zu  deuten.  (Vergleiche  Jahrbuch 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1858,  III.  Heft,  Seite  402:  Das  Leitmeritzer 
vulcanische  Mittelgebirg.) 

Derselbe  thonige  Mergel  bildet  ferner  in  isolirten  Partien  die  dem  Quader- 
mergel oder  Quadersandstein  aufgesetzten  hügelförmigen  Kuppen  oder  Rücken 

K.  k.  geologische  Reichsanstait.  12.  Band,  18G1  und  1862.  ITT.  lieft.  AS 


376  Johann  Jokely.  [10] 

rechts  der  Iser  bei  Bukowno,  Bezno,  Hochlieben,  Hostin,  Hepin , Senichow, 
Nebuzel,  Wysoka;  von  Basalt  durchsetzt:  am  Chlomekberg  (ST.  Melnik),  bei 
Straschnitz,  Mscheno,  Radischowberg  (W.  Nieder-Gruppey) , Horkaberg  (0. 
Oher-Gruppey),  hei  Mankowitz  (S.  Kloster)  und  bei  Badimowitz  und  Cerwenitz 
(W.  Sichrow);  von  Phonolith  bedeckt:  am  Wratnerberg  hei  Liebowies,  am 
Bösigberg  bei  Schloss  Bösig  und  am  Tachaberg  bei  Tacha. 

An  der  linken  Seite  der  Iser,  nördlich  des  ausgedehnten  Plänergebietes, 
erscheint  er  bis  über  Turnnu  hinaus  auch  nocli  in  solch1  vereinzelten  Lappen;  so 
in  der  Gegend  von  Miinchengrätz  am  Horkaberg,  dann  bei  Podoll  (nächst 
Mohelnitz),  an  beiden  Orten  vielfach  von  Basalt  durchsetzt  und  nach  oben  gleich- 
falls von  der  mehr  milden  Beschaffenheit  der  Baculiten- Schichten.  In  schmalen 
Streifen  verfolgt  man  ihn  ferner  längs  dem  Nordabfalle  des  Musky-Gross-Skaler 
Quadersandsteinmassivs,  von  der  Münchengrätzer  Gegend  fast  ununterbrochen 
bis  über  Bad  Wartenberg  hinaus,  und  überdies  in  mehr  minder  starken  Lagen 
hier  auch  oben  an  den  Plateaux,  wie  namentlich  rings  um  die  basaltischen  Stöcke 
des  Musky-,  Wisker-  und  Troskyberges,  von  denen  er  gleichsam  gehalten,  so 
hier  wie  anderwärts,  vor  gänzlicher  Zerstörung  bewahrt  wurde. 

Die  als  Kalkstein  verwendbaren  Schichten  des  Pläners  fehlen  nun  in  diesem 
Gebiete  vollständig,  dass  abei*  dabei  hier  die  Abwesenheit  eines  dieser  Schichte 
entsprechenden  Gliedes  vorauszusetzen  wäre,  lässt  sich,  wie  oben  angedeutet, 
nicht  annehmen.  Vielmehr  ist  die  ganze  Ablagerung  des  hiesigen  Pläners  als 
eine  geologisch  völlig  ungegliederte  oder  nicht  gliederbare  anzusehen,  eben  so 
wie  sieh  ein  ähnliches  Verhältniss  bezüglich  der  Schichten  der  Quaderformation 
ergeben  hat. 

Interessant  ist  hier  aber,  weil  viel  deutlicher  zu  beobachten  als  in  den 
früheren  Aufnahmsgebieten , das  Auftreten  von  Sandstein  inmitten  des  Pläner- 
mergels. Es  ist  dies  ein  ziemlich  homogener,  meist  gelblich-weisser,  seltener 
grauer  und  dann  bisweilen  kalkhaltiger  Quarzsandslein,  gewöhnlich  von  feinerem 
Korne.  Er  bildet  im  Mergel  an  Stärke  sehr  wechselnde  Bänke  und  Lagen,  in 
ziemlich  ungleichförmigen  Abständen.  An  dem  Borgzuge  von  Dobrawitz  oder 
Chlomek  (SO.  Jungbunzlau)  sind  diese  Sandsteinschichten  des  Pläners,  nament- 
lich am  westlichen  Ende  von  Winaritz  durch  einen  Steinbruch  am  besten  bloss- 
gelegt. Man  sieht  hier  von  oben  nach  unten  folgende  Schichtenreihe: 

Plänersandstein 2 — 3 Fuss. 

Plänermergel 2 „ 

Plänersandstein 1 „ 

Plänermergel,  mit  mehreren  Zoll  starken  Sandsteinlagen,  21/2  „ 

Plänersandstein y4 — 1/2  „ 

Plänermergel 3 — 4 „ 

Plänersandstein 6 „ 

Plänermergel 7 „ 

Plänersandstein  . . . 4 „ 

Plänermergel,  in  bedeutenderer  Mächtigkeit. 

Dieses  Lagerungsverhältniss  zeigt  bereits,  in  welch'  innigem  Verbände 
diese  beiden  Gebilde  mit  einander  stehen.  Dazu  charakterisiren  den  Sandstein 
ganz  dieselben  Petrefacten,  die  dem  Mergel  eigenthiimlich , unter  anderen  vor- 
zugsweise: Venus  ovalis  Sow.,  Nucula  semilunaris  v.  Buch.,  Ostrea  vcsicu- 
laris  Lam.,  0.  Naumanni  Beuss,  Beeten  undulatus  Nils.  Die  Zusammengehörig- 
keit beider  ist  demnach  über  allen  Zweifel  erhaben,  und  so  auch  die  für  den 
Sandstein  angenommene  Benennung  vollkommen  gerechtfertigt.  Dieser  „Pläner- 
sandstein" ist  also,  wie  das  schon  an  einem  anderen  Orte  (Reisebericht  vom 


377 


[11] 


Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


Juli  1839)  hervorgehoben  wurde,  wohl  zu  unter- 
scheiden vom  „Quadermergel“,  für  welches,  petro- 
graphisch  schon  von  jenem  Sandsteine  ganz  ver- 
schiedene Gestein  jene  Bezeichnung  ursprünglich 
angewendet  wurde.  Beide  haben  nur  die  Eigenschaft 
untergeordneter  Einlagerungen  mit  einander  gemein, 
während  sie  sonst  ganz  getrennten  Formationen 
angehören. 

Ausser  den  obigen  Gegenden  findet  sich  der 
Plänersandstein  bei  der  Berggruppe  von  Weselitz, 
Ritonitz  (Unter-Beutzen)  und  Sparerietz  (Markwar- 
titz)  auch  an  sehr  zahlreichen  Stellen,  theils  anste- 
hend an  deren  meist  steilen  Gehängen,  theils  auch 
nur  in  Blöcken  an  den  Plateaux,  wo  die  obersten 
Bänke  durch  Verwitterung  in  solche  zerfallen,  nach- 
dem die  höheren,  darüber  gelagert  gewesenen  Mer- 
gellagen zerstört  worden  sind. 

Im  Leitmeritzer  Kreise  sind  dieselben  Sand- 
steine im  Bereiche  des  Mittelgebirges  auch  häufig, 
wie  unter  anderen  in  dem  von  Basalten  und  Phonö- 
lithen  durchsetzten  und  mehr  minder  veränderten 
Pläner  bei  Pömmerle,  Bongstock,  Topkowitz,  Lesch- 
tine  und  an  vielen  anderen  Punkten  der  oben  ange- 
führten Mergelvorkommen. 

Bezüglich  der  Lagerungsverhältnisse 
lassen  sich  beim  hiesigen  Piäner,  wo  man  ihn  in 
unmittelbarer  Ueberlagerung  des  Quadersand- 
steines oder  Quadermergels  findet,  nirgend  wesent- 
liche Abweichungen  von  der  Lagerung  dieser  letzte- 
ren wahrnehmen.  Er  liegt  entweder  wagrecht,  oder 
neigt  sich  mit  diesen  unter  gleichem  Winkel  mehr 
minder  nach  Süden.  Im  Allgemeinen  beträgt  dieser 
nur  wenige  Grade  und  blos  im  Bereiche  oder  Um- 
kreise des  Leitmeritzer  Mittelgebirges  wird  er  mit- 
unter beträchtlicher  oder  sonst  auch  abweichend 
von  der  normalen  südlichen  "Fällrichtung,  in  Ueber- 
einstimmung  übrigens  mit  jener  analogen  der  Qua- 
derschichten. 

Ueber  dieser  in  der  Regel  concordanten  Lage- 
rung der  beiden  Formationsbildungen  gewahrt  man 
jedoch  an  manchen  Orten  auch  solche  Erscheinun- 
gen, wornach  eine  seitliche  Anlagerung  des 
Pläners  an  Quaderstein  unzweifelhaft  wird.  Maass- 
gebend ist  in  dieser  Beziehung  die  halbinselförmige 
Sandsteinmasse  von  Musky-Wisker  und  die  benach- 
barten Plänerbildungen  von  Münchengrätz.  Diese 
letzteren,  im  Horkaberg  (163*81°  A)  zum  höchsten 
Rücken  anschwellend,  lehnen  sich  von  Dneboch  bis 
Bossin  unmittelbar  östlich  an  Quadersandstein.  Ihr 
Liegendes  ist  hier,  wie  sich  das  nach  den  Ausbissen 
an  den  Isergehängen  und  den  Racheln  von  Hoskowitz 


378  J.  Jokely.  Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen. 


[12] 


ergibt,  Quadermergel.  Nach  einem  anderen  Ausbisse  südöstlich  bei  Dneboch  zu 
urtheilen,  muss  sich  nun  dieser  unter  den  Quadersandstein  hineinziehen,  so  dass 
dieser  eigentlich  als  sein  ursprünglich  Hangendes  zu  betrachten  ist,  ähnlicher 
Weise  wie  die  dem  hiesigen  ganz  analogen  Sandsteine  der  sächsisch-böhmischen 
Schweiz.  Ueber  diesem  Quadersandsteine  liegt  ferner,  wie  bereits  erwähnt,  am 
Muskyberg  (244*78°  A)*  eben  so  an  dem  entfernteren  Wisker  (245-39°  A)» 
gleichfalls  Plänermergel,  bei  einer  Höhendifferenz  von  etwa  80  Klafter  gegen  den 
am  Fusse  dieser  Sandsteinberge  gelagerten  Mergel. 

Dass  nun  diese  in  ihrem  Niveau  so  sehr  abweichenden  Plänerpartien  mit 
einander  niemals  in  solch’  einem  Zusammenhänge  gestanden  sein  konnten,  dass 
sie  als  verworfene  Theile  einer  einst  in  gleichem  Niveau  gelagerten  Plänerdecke 
zu  deuten  wären,  lässt  sich  schon  aus  dem  hier  beigefügten  Profile  auf  den 
ersten  Blick  ersehen.  Vor  Allem  bezeugt  dies  der  Umstand,  dass,  während  der 
Pläner  dort  Quadermergel,  er  hier  Quadersandstein  zur  Unterlage  hat.  Es  musste 
demnach  um  Münchengrätz  bereits  aller  Quadersandstein  bis  zum  Quadermergel 
hinab  fortgeführt  worden  sein,  bevor  der  Pläner  sich  über  diesen  unmittelbar 
abgelagert  haben  konnte.  Und  daraus  ergibt  sich  nun  auch,  dass  jene  Anlage- 
rung des  Pläners  an  den  Quadersandstein  hier  keine  scheinbare,  blos  durch  Ver- 
werfung bedingt  sein  kann,  sondern  eine  wirkliche,  neben  einer  übergreifenden 
Auflagerung,  welche  durch  die  Plänerreste  an  den  genannten  Basaltbergen 
bekundet  wird. 

Aehnliche  Verhältnisse,  mehr  minder  deutlich,  lassen  sich  am  Nordrande 
dieses  Quadersandsteinmassivs,  besonders  gut  aber  bei  Wolleschnitz,  beobachten, 
wozu  der  Reisebericht  vom  August  1859  auch  beispielsweise  einen  Durchschnitt 
liefert. 

Nach  alledem  wäre  es,  wie  im  Vorhergehenden  angedeutet,  als  entschieden 
anzunehmen:  dass  nach  beendetem  Absätze  der  Quaderschichten  und  vor  dem 
Beginne  der  Ablagerung  des  Pläners  ein  gewisser  Zeitraum  verstrichen  sein 
musste,  wo  nicht  allein  jede  Sedimentbildung  unterbrochen  war,  sondern  auch 
manche  und  örtlich  nicht  unbedeutende  Zerstörungen  in  den  Reliefformen  der 
bereits,  sei  es  nun  unter-  oder  überseeisch  vorhanden  gewesenen  Quaderschichten 
erfolgt  waren,  Avodann  sich  erst  der  Pläner  auf  dem  so  neu  veränderten  Meeres- 
grund unter  den  oben  dargestellten  Verhältnissen  niederzuschlagen  anfing.  Es 
ergibt  sich  daher  schon  nach  diesen,  blos  auf  die  geotektonischen  Verhältnisse 
Bezug  nehmenden  Betrachtungen  die  Folgerung  eines  scharfen  geologischen 
Abschnittes  zwischen  den  Perioden  der  hiesigen  Quader-  und  Plänerbildungen. 

Was  die  petrographisch  stets  sehr  undeutlich  ausgeprägten  Baculiten- 
Schichten  betrifft,  deren  Mächtigkeit  stellenweise  auch  nur  äusserst  gering 
zu  sein  scheint,  so  lagern  sie  grösstentheils  und  dann  gleichmässig  auf  Pläner. 
Nur  an  manchen  Orten,  wie  im  Leitmeritzer  Kreise  bei  Böhmisch-Leipa  und 
Bölimisch-Kamnitz,  liegen  sie  als  isolirte  Lappen  auf  Quadersandstein  unmittel- 
bar oder  dazwischen  eingekeilt,  in  Folge  von  Verwertungen.  Scharfe  Grenzen 
lassen  sich  leider  zwischen  diesen  Schichten  und  dem  Pläner  nur  selten  bestimmen 
und  zwar  hauptsächlich  aus  dem  Grunde , weil  sie  beide  zumeist  von  diluvialem 
Schotter  oder  Lehm  bedeckt  werden,  wie  das  eben  auch  im  Bunzlauer  Kreise 
grösstentheils  der  Fali  ist.  Desshalb  konnten  auch  die  eigentlichen  Baculiten- 
Schichten  vom  Pläner  nicht  allerwärts  getrennt  werden,  sowohl  in  den  früheren 
Aufnahmsgebieten  als  auch  in  den  nachherigers,  namentlich  im  Jiciner  und  König- 
grätzer  Kreise.  Im  Leitmeritzer  Kreise  ist  die  Auflagerung  der  Baculiten- 
Schichten  auf  Pläner  besonders  deutlich  zu  beobachten  hei  Trzebuschka,  in  der 
Gegend  östlich  von  Leitmeritz. 


J.  Jokely.  Pflanzenreste  aus  dem  Basalttuffe  von  Alt-Warnsdorf  in  Nord-Böhmen.  379 


III.  Pflanzenreste  aus  dem  Basalttuffe  von  Alt-Warnsdorf  in 

Nord-Böhmen. 


Von  Johann  Jokely. 


Mitgetheilt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Pieichsanstalt  am  25.  Juli  1860. 


Die  Gegend  von  Alt-Warnsdorf,  ein  integrirender  Theii  des  Oberlausitzer 
Gebirges,  gehörte  dem  Aufnahmsgebiete  des  Jahres  1 858.  In  der  betreffenden 
Erläuterung1 2 3)  wurde  dieser  Gegend,  namentlich  bei  der  Beschreibung  der 
„vulcanischen  Bildungen"  bereits  auch  näher  gedacht.  Die  nachfolgenden  Be- 
merkungen bilden  demnach  dazu  gleichsam  einen  Nachtrag,  welcher  durch  die 
freundliche  Vermittelung  des  Herrn  Dionys  Stur  zum  Theii  möglich  wurde, 
theilweise  aber  noch  eines  weiteren  Anhanges  bedarf,  bezüglich  der  zahlreichen 
von  dieser  Localität  aufgesammelten  Fischreste,  die  auch  noch  näher  zu  bestim- 
men sind. 

Nach  der  am  genannten  Orte  verzeiehneten  Schichtenfolge  der  Alt-Warns- 
dorfer  Braunkohlenzeche  führen,  gleichwie  bei  Seifhennersdorf  in  Sachsen,  die 
mit  Tuff-  und  Lettenschichten  wechselnden  Brandschiefer-  und  Sandsteinflötze, 
nebst  den  erwähnten  Fischresten,  noch  zahlreiche  Pflanzenformen.  Die  bestimm- 
bar gewesenen  Species  des  gesammelten  Materials  sind  nach  Herrn  Dionys 
S t u r's  Angabe : 


Taxodium  dubium  Heer. 
Glyptostrobus  europaeus  Heer. 
Dryandroides  hakeaefolia  Ung. 
Cinnamomum  polymorphum  Heer. 
Planera  Ungeri  Ett. 


Carpinus  grandis  Ung. 

,,  oblonga  Ung. 
Acer  trilobatum  Heer. 
Sapindus  falcifolius  Heer. 
Carya  bilinica  Ett.  ( ?) 


An  Ihierischen  Ueberresten  ist  ferner  aus  diesen  Schichten  bekannt  gewor- 
den Triton  basalticus  v.  Meyer , eine  dem  aus  den  Luschitzer  Halbopalen  stam- 
menden Tritoti  opalinus  v.  Meyer  nahe  stehende  Form,  verschieden  dagegen 
von  Salimandra  laticeps  v.  Meyer*),  aus  der  theilweise  brandschieferartigen 
Braunkohle  von  Markersdorf  (Freudenhain)  3),  Diese  letztere  mit  der  hiesigen 
vollkommen  äquivalenten  Bildung  bot  neben  dem  so  zahlreich  vorkommenden 
Palaeobatrachus  Goldfussi  Tschudi , nach  einer  Mittheilung  des  Herrn  Professor 
Dr.  H.  B.  Geinitz  an  Herrn  k.  k.  Hofrath  und  Director  Wilhelm  Haidinger4), 


0 Der  nordwestliche  Theii  des  Riesengebirges  und  das  Gebirge  von  Ruinburg  und  Hain- 
spuch. Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1859,  III. 

2)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt:  E.  Suess,  Sitzungsbericht  vom 
29.  März  1859.  Jahrbuch  X,  1. 

3)  Das  Leitmeritzer  vulcanische  Mittelgebirge.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. 1858,  III,  Seite  425  ff. 

4)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Sitzungsbericht  vom  22.  November 
1859,  Jahrbuch  X,  4. 


380 


J.  Jokely.  Pflanzenreste  aus  dem  BasaHtuffe  von  Alt-Warnsdorf  in  Nord-Böhmen.  [2] 

jüngst  aus  dem  Tuffe  noch  einige  gut  erhaltene  Zähne  von  Rhinoceros  Schleier - 
macheri  Kanp. 

Nach  diesen  und  anderen  thierischen  Ueberresten  haben  unter  Anderen  die 
Herren  Professor  Dr.  A.  E.  Reuss  und  Hermann  v.  Meyer  die  hiesigen  vulca- 
nischen  Sedimentgebilde  hinsichtlich  ihres  relativen  Alters  längst  schon  mit  den 
gleichen  Bildungen  der  vulcanischen  Gebiete  der  Rheingegenden , überhaupt 
Mittel-Deutschlands,  als  äquivalent  anerkannt.  Dasselbe  geschah  auch  bezüglich 
der  Pflanzenreste  in  jüngster  Zeit,  vorzugsweise  durch  Herrn  Professor  Dr.  Os- 
wald Heer  in  seinem  epochemachenden  Werke:  „Die  tertiäre  Flora  der 

Schweiz". 

Angesichts  solcher  bedeutenden  unmittelbaren  Erfolge,  wie  sie  das  letztere 
Werk  zur  Verherrlichung  der  Wissenschaft  an  das  Licht  gefördert,  kann  eine 
synthetische  Beweisführung,  die  sich  hauptsächlich  auf  geotektonische  Erschei- 
nungen stützt,  in  gewissem  Sinne  wohl  nur  schwankend  erscheinen.  So  weit 
indessen  die  so  vielfach  getheilten  Kräfle  es  ermöglichten,  war  der  Versuch 
auch  in  diesem  Jahrhuche  *)  bereits  geschehen,  aus  den  obigen  Erscheinungen 
und  den  bisher  bekannten  Organismen  ein  wo  möglich  der  Wahrheit  genähertes 
Bild  der  hiesigen  Verhältnisse  zu  entwerfen. 

Nach  den  obigen,  wenn  auch  nur  an  Zahl  geringen  Pflanzenformen  ergibt 
sich  nun  neuerdings  die  grosse  Uebereinstimmung  der  Flora  der  hiesigen  Periode 
mit  jener  der  älteren  Bildungen  anderer  Länder,  die  man  theils  Eocen,  theils 
Oligocen  bezeichnet.  In  Hinblick  auf  die  Lagerungsverhältnisse  der  anderen 
braunkohlenführenden  Schichten  der  hiesigen  „Eger  Becken“,  die  sich  jenen 
mehr  oder  minder  in  ihrer  paläontologischen  Charakteren  nähern,  ergab  sich 
die  Nothwendigkeit  einer  Trennung  der  hiesigen  Tertiärbildungen  in  zwei  Haupt- 
gruppen: eine  oligocene  und  iniocene,  welche  sich  jedoch  nach  dem  Vor- 
gänge des  Herrn  Director  Dr.  Moriz  Hörn  es  dem  allgemeineren  Begriff  des 
Neogenen  unterordnen  lassen* * 8),  in  der  Weise,  dass  die  „untere  Abtheilung 
der  Eger  Becken“  mit  den  „sedimentären  und  massiven  Bildungen  der  hiesigen 
vulcanischen  Periode“  als  „unter-  neogene“,  die  „obere  Abtheilung“  im 
Wesentlichen  entsprechend  den  Gebilden  Oeningens,  als  „m  i ttel-neo  ge  ne“ 
Bildungen  zu  deuten  wären.  Die  übrigen  noch  jüngeren , namentlich  die  oberen 
Tegel-  und  Sandsteinbildungen  des  Wiener,  ungarischen  und  anderen  Becken 
würden  sich  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  jenen  als  „ober-neogene“ 
anreihen. 

Der  Begriff  des  „Neogen“  ist  hier  freilich  in  einem  viel  weiteren  geolo- 
gischen Sinne  aufgefasst;  denn  Herr  Dr.  Hörn  es  scheidet  in  neuerer  Zeit  das 
„Oligocen“,  welches  auch  im  Wiener  Becken  vertreten,  vom  „Neogen“  (Ober- 
Miocen  und  Pliocen)  scharf  ab  und  rechnet  es  derzeit  zur  oberen  Eocenformation. 

Zieht  man  die  Lagerungsverhältnisse  in  Betracht,  so  schliessen  sich  jeden- 
falls die  hiesigen  Basalttuffe  und  Conglomerate  viel  inniger  an  die  „untere  Ab- 
theilung“ der  Eger  Becken  an,  deren  Hauptrepräsentanten  die  Sandsteine  von 
Davidsthal,  Altsattel  und  Tschernowitz  (Klein-Purberg),  als  an  die  lignitführen- 
den Schieferthone  der  „oberen  Abtheilung“,  wozu  auch  jene  der  Gegend  von 
Grasseth  gehören,  aus  dem  Aufnahmsgebiete  des  Herrn  Professor  Dr.  Ferdinand 
v.  Hochstetter  im  Jahre  1856.  Die  grösste  Regsamkeit  der  vulcanischen 


0 Die  Tertiär-Ablagerungen  des  Saazer  Beckens  und  der  Teplitzer  Bucht.  Jahrbuch  der 

k.  k.  geologischen  Beichsanstalt.  1858,  IV. 

8)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt : Sitzungsbericht  vom  i3.  April  1858. 
Jahrbuch  IX,  1,  Seite  62. 


[1]  J.  Jokely.  Allg.  Uebersicht  des  Rothliegenden  im  westl.  Theile  des  Jiciner  Kreises.  381 

Periode  wäre  mithin  in  Böhmen  noch  in  die  Unter-Neogenzeit  gefallen.  Zum 
völligen  Abschluss  dürfte  sie  jedoch  damals  noch  nicht  gelangt  sein,  denn  es 
sind  wahrscheinlich  die. jüngeren,  nachtrachytischen  Basalt-Eruptionen,  hier  irn 
Allgemeinen  wohl  nur  untergeordnet,  theilweise  auch  mittel-neogen , wie  die 
Bildungen  mancher  vulcanischen  Gebiete  Mittel-Deutschlands  es  ganz  sein  wer- 
den. Ueberdies  bezeugen  die  erloschenen  Vulcane  des  Kammerbühls  und  Eisen- 
bühls in  der  Gegend  von  Eger  das  Hereinreichen  der  vulcanischen  Thätigkeit  bis 
in  eine  sehr  nahe  Zeit,  so  dass  sie,  wenn  nicht  jünger,  so  doch  gewiss  nicht 
älter  als  „ober-neogen  sein  können. 


IV.  Allgemeine  Uebersicht  über  die  Gliederung  und  die  Lagp- 
rungsverhältnisse  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile 
des  Jiciner  Kreises  in  Böhmen. 

Von  Johann  Jokely. 

Mit  5 Figuren. 

Milgetheilt  in  der  Sitzung  der  k„  k,  geologischen  Reichsanstalt  am  12.  März  1861. 


Seiner  Ausdehnung  nach  ist  das  Rothliegende  am  Südrande  des  Riesen- 
gebirges bereits  seit  einer  geraumen  Zeit,  namentlich  durch  Dr.  F.  Am.  Reuss, 
F.  X.  M.  Z i ppe,  Dr.  A.  E.  Reus  s und  Dr.  Beyrich  bekannt.  An  einer  speeiel- 
len  Gliederung  seiner  Schichten  fehlte  es  jedoch  bis  auf  die  jüngste  Zeit,  und 
Emil  Porth  war  es,  der  in  diesen  Gegenden  des  Jiciner  Kreises  zuerst  eine 
solche  hauptsächlich  zu  bergmännischen  Zwecken  durchzuführen  versucht  hat. 
In  der  Hauptsache  gelang  es  ihm  auch  die  einzelnen  Schichtenglieder  desselben 
ziemlich  richtig  zu  bestimmen,  ohne  dass  er  dabei  ihre  scharfe  Trennung  und 
chartographische  Darstellung  eigentlich  als  Hauptziel  verfolgt  hätte.  Bedeutend 
bleibt  aber  »ein  Verdienst  in  der  lichtvollen  Auffassung  der  hiesigen  Melaphyr- 
ströme,  deren  Wechsellagerung  mit  den  Schichten  des  Rothliegenden  und  ihr 
gegenseitiges  Ueberfliessen  er  zuerst  erkannt  und  klar  auseinander  gesetzt  hat  *)• 

Während  der  Aufnahme  des  letzten  Sommers  wurden  folgende  drei  Etagen 
nachgewiesen  und  festgestellt,  und  zwar: 

Untere  Etage. 

a)  Conglomerate,  grau  oder  graubraun,  mit  Geschieben  und  Gerollen  von 
Quarz  und  krystallinischen  Schiefern,  gebunden  durch  ein  Sandsteinmittel,  das 
Örtlich  mehr  minder  über  die  Conglomerate  auch  vorwiegt.  Schieferthon-Ein- 
lagerungen nur  selten. 

h)  Graulich  bis  grünlichbraune  oder  graue,  mitunter  kalkhaltige  Sandsteine, 
mit  verschiedenen  mächtigen  Bänken  eines  gleichgefärbten  Schieferthones, 
welcher  nach  oben  allmälig  herrschend  wird.  Darin  ein  von  einigen  bis  über 
30  Klafter  mächtiges,  von  grauen  Schieferthonen  begleitetes  Mergel-Brand- 
sehieferflötz,  mit  Lagen  und  Mügeln  von  Mergelkalkstein,  Hornstein  und  Schwarz- 


*)  Bericht  über  seine  Aufnahmen  im  nordöstlichen  Böhmen.  Jahrhuch  der  k.  k,  geologischen 
Reichsanstalt.  1857,  IV,  — und  Sitzungsbericht  vom  9.  März  18t>8. 


382 


Johann  Jokely. 


[2] 


kohle,  stellenweise  auch  von  Thoneisenstein  oder  Sphärosiderit , nehstdem  ein- 
gesprengt,  seltener  in  Schnüren  und  Butzen  Kupfererze.  Reich  an  Fisch-  und 
Pflanzenresten;  namentlich  Palaeoniscus  Vratislavensis  Ag.  und  Xenncnnthus 
Decheni  Beyr.;  — Annularia  longifolia  Brotig.  (N.  von  Pohor),  Neuropteris 
tenuifolia  Sternb.  (Nedwes  und  N.  Pohor),  Cyatlieitcs  Oreopteridis  Giipp. 
(eben  daher),  Lycopodites  Bronii  Sternb.  (Kozinec  bei  Sfarkenbach),  Part scliin 
Brongniarti  Sternb.  (N.  von  Pohor). 

Mittlere  Etage. 

a)  Arkosen,  mehr  minder  feldspathhaltige , grob  bis  feinkörnige  Sand- 
steine von  verschiedenen  , zumeist  aber  röthlichbraunen  Farben.  Kalkmergel 
und  Hornsteinlagen  selten.  Bankweise,  vorzüglich  auch  in  den  Liegendschichten 
conglomeratisch,  durch  Aufnahme  von  Gerollen  aus  Quarz  und  schieferigen  und 
massigen  kryst all inischen  Gesteinen.  Von  Pflanzenresten  besonders  häufig  Arau- 
carites  SchroUianus  Göpp.  und  mehrere  Psaronius- Arten  1). 

b)  Aehnlich  gefärbte,  und  mitunter  gebänderte  und  geflammte  feldspath- 
haltige Sandsteine  und  mehr  minder  glimmerreiche  Schieferthone,  häufig  mit 
einander  wechselnd.  Eigenthiimlich  mit  hellgrünen  Flecken  oder  Lagen  eines 
kalk-  oder  chloritartigen  Glimmers.  Beide  Glieder  stellenweise  mit  Bänken  von 
Mergelkalkstein,  auch  Hornstein.  Dendritische  Ausscheidungen,  überhaupt  Mangan- 
superoxyd  als  Gemengtheil  häufig,  eben  so  auch  Glimmer  von  lichten  Farben. 
An  organischen  Resten  anscheinend  arm.  Hin  und  wieder  Fische,  auch  im 
Hornsteine. 

Obere  Etage. 

Lebhaft  braunrothe  bis  ziegelrothe,  mehr  oder  weniger  sandige  Schiefer- 
thone, mit  nur  untergeordneten  Lagen  eines  gleichfarbigen  feinkörnigen  Sand- 
steines. Ausgezeichnet  durch  mehrere  Mergelschiefer-  und  Brandschieferflötze, 
die  auch  hier  von,  einige  Zoll  bis  mehrere  Fuss  starken  Lagen  von  Hornstein, 
Jaspis,  Carneol,  dann  Thoneisenstein  und  Sphärosiderit  begleitet  werden. 
Letztere,  eben  so  wie  bei  der  unteren  Etage,  auch  hier  abbauwürdig.  Der 
Bitumengehalt  bei  den  Brandschiefern  25  bis  45  Procent,  annäherungsweise  wie 
bei  den  der  unteren  Etage.  Schnüre  und  Linsen  einer  bisweilen  anthracitischen 
Schwarzkohle  enthält  auch  dieser  Brandschiefer,  aber  ebenfalls  nicht  bauwürdig. 
Erzführung  auch  hier  vorhanden  und  in  der  Hauptsache  der  obigen  analog.  — 
Fischreste  häufig  und  den  oben  angeführten  verwandt,  auch  hier  Coprolilhen 
zahlreich.  Pflanzenreste  scheinen  seltener.  Der  Brandschiefer  von  Kostalow  ent- 
hält: Volkmannia  poly st acliya  Sternb.  und  Araucarites  Cordai  Ung. 

Auf  der  „geologischen  Karte  von  Preussisch-Schlesien“,  welche  auf  den 
bisher  erschienenen  Theilen  das  Rothlingende  auch  böhmischer  Seits  bis  in  die 
Gegenden  von  Freiheit  und  Trautenau  dargestellt  enthält,  sind  blos  zwei  Ab- 
theilungen unterschieden.  Wahrscheinlich  fehlt  in  der  letzteren  Gegend  das  hier 
aufgeführte  dritte  Glied  des  westlichen  Theiles  vom  Jiciner  Kreise  gänzlich, 
und  so  wäre  dann  jene  obere  Abtheilung  der  schlesischen  Karte  identisch  mit 
der  hier  aufgestellten  mittleren  Etage,  was  in  der  Gegend  von  Leopold  und 
Arnsdorf  in  der  That  auch  der  Fall  ist.  Uebrigens  stimmt  diese  Dreitheilung  des 
hiesigen  Rothliegenden  auch  vollkommen  überein  mit  jener  des  sächsischen  Roth- 
liegenden,  namentlich  im  Oschatz-Frohburger  und  Döhler  Becken,  dann  mit 
jener  in  der  Umgebung  des  Harzes,  wenn  auch  gleich  zwischen  ihnen  kein  voll- 
kommener Parallelismus  stattfinden  sollte. 


*)  Dr.  Fr.  Unger:  Genera  et  species  Plantar  um  fossilinm. 


[3]  Allgemeine  Uebersioht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises.  383 

Die  untere  Abtheil  urig  lehnt  sich  zunächst  mit  den  Cönglomeraten  bei 
20  bis  45  Klafter  südlichem  Fallen  unmittelbar  an  die  krystalli nischen  Schiefer 
des  Riesengebirges  und  lässt  sich  in  einer  i/8  bis  i/2  Meile  breiten  Zone  von  der 
Semiler  Gegend  über  Starkenbach,  Hohenelbe  bis  Freiheit  ununterbrochen  ver- 
folgen, eben  so  das  im  Liegenden  des  ersten  Meiaphyrstromes  befindliche 
Brandschieferflötz  von  Semil  bis  Mohren.  Sonst  gleich  den  Sandsteinen  ziemlich 
steil  einfallend,  nimmt  es  nur  zwischen  dem  letzteren  Orte  und  Forst,  wo  bereits 
auch  die  Melaphyre  gänzlich  verschwunden  sind,  eine  flachere  Neigung  an,  und 
ist  durch  Verwerfungen  in  vier  Lappen  zerrissen.  Durch  die  an  dieses  Flötz 
gebundenen,  zumeist  oxydischen  Kupfererze  erhält  es  auch  einigermaassen  eine 
bergmännische  Bedeutung.  Durch  Schürfe  wurde  es  bereits  an  zahlreichen 
Punkten  aufgeschlossen  und  wird  gegenwärtig  bei  Johannesgunst  auch  noch 
abgebaut,  und  die  Erze  in  der  bei  Leopold  seit  einigen  Jahren  bestehenden 
Hütte  verschmolzen.  Betreffs  der  Kupfererzführung  unterscheidet  man  hier  zwei 
sogenannte  kupfererzführende  Flötze.  Das  untere  ist  3 bis  7 Fass,  das  obere 
1 bis  1 ya  Fuss  mächtig,  beide  durch  ein  einige  Zoll  bis  zu  4 bis  5 Klafter 
starkes  Brandschiefer-Zwischenmittel  von  einander  geschieden.  Im  Liegenden 
des  unteren  Erzflötzes  kommt  eine  4-  bis  8zöllige  Lettenlage  vor,  die  auch  erz- 
führend ist,  eben  so  der  darunter  befindliche  graue  oder  braune  Sandstein, 
dessen  Imprägnation  sich  bis  auf  1 Fuss  davon  entfernt  zeigt.  Durch  die 
erwähnte  Verwerfung  haben  hier  die  Brandschiefer-  und  Mergelschieferlappen 
theiis  ein  nordöstliches,  theils  südwestliches  Fallen.  Sie  schneiden  alle  am 
Mohrenbuchthal  ab,  so  dass  sich  südlich  desselben  nichts  mehr  von  ihnen  vor- 
findet. Hier  herrschen  bereits  die  Schichten  der  mittleren  Etage,  die  entlang 
jenes  Verwerfungsthaies  scharf  an  der  unleren  Etage  absetzen.  Die  hier  vor- 
kommenden Erze  sind  Malachit,  Lasur,  Buntkupfererz  und  Bothkupfererz,  dar- 
unter die  geschwefelten  nur  untergeordnet.  Der  Kupfergehalt  derselben  beträgt 
iyf  bis  4 Percent,  der  Silbergehalt  ist  sehr  gering. 

Auf  die  im  Liegenden  des  Brandschieferflötzes  innerhalb  der  Sandsteine 
vorkommenden  Schwarzkohlenflötzcben  wurde  den  letzten  Sommer  noch  ein 
schwacher  Bau  bei  Stepanitz  geführt.  Es  sind  da  zwei  derselben  aufgeschlossen, 
von  8 Zoll  durchschnittlicher  Mächtigkeit.  Sonst  kennt  man  sie  noch  bei  Bitan- 
chow,  Prikry,  Ribnitz  und  Hohenelbe.  Zur  unteren  Etage  gehören  ferner  auch 
die  Brandschiefer  mit  Schwarzkohlenflötzchen  und  die  Mergelkalksteine  bei  Slana, 
Horensko,  Nedwes  und  nördlich  von  Pohor,  und  zwar  einem  über  dem  dritten 
Melaphyrstrom  befindlichen  Horizonte  an.  Hier  baut  man  gegenwärtig  blos  den 
mehr  minder  bituminösen  Mergelkalkstein  ab,  der  gebrannt  als  Düngungsmittel 
Absatz  findet. 

Im  Schacht  östlich  von  Nedwes  ist  die  Schichtenfolge  von  oben  nach  unten  : 

Graubrauner  Sandstein  und  Schieferthon  ......  60  Fuss. 

Grauer,  glimmeriger  und  sandiger  Schieferthon  ....  12  „ 

Bituminöser  Mergelkalkstein 3 — 6 „ 

Brandschiefer  . 2 3 „ 

Grauer  Sandstein  und  Schieferthon  mit  Pflanzenresten  . 12  „ 

Melaphyr  6 Fuss,  weiter  ostwärts  gegen  die  Eisenbahn,  auf  dem  Pohorer 
Gebiete  bis  60  Fuss  mächtig.  — Neigung  der  Schichten  12  bis  15  Klafter 
in  Süd. 

In  der  westlichen  Fortsetzung,  im  mittleren  Theile  von  Horensko,  hat 
dieser  Flötzzug  folgende  Zusammensetzung: 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft. 


49 


384 


,-lohiiiin  lukcl;. 


Brauner  Schieferthon 30  Kuss. 

Eben  su  gefärbter  Sandstein 00  „ 

Lichtgrauer  Sandslein,  zum  Tlieile  Coiiglomerat  . . 3 „ 

Grauer  Schieferthun  mit  Pflaiizenresteu 3 „ 

Grauer  Mergelkalkstein <»  * 

Brandschiefer 3 „ 

Schwarzkohle 1 » 

Grauer  Mergelkalkstein I ‘/2  I 4 » 

Brandsehiefer 3 „ 


Darunter  his  zu  unbekannter  Tiefe  grauer  Schieferthon.  Fallen  20  bis 
25  Klafter  in  Süd. 

Der  bei  Slana,  am  entgegengesetzten  Thalgehänge  erschürfte  Flötzzug  hat 
ein  ganz  entgegengesetztes  Einfallen  nach  Norden  und  ist  nichts  anderes,  als  der 
verworfene  Theil  des  Nedweser  Flötzes.  Dasselbe  gilt  von  den  jenseits  des 
Wolesnathales  erschürften  Flötzen,  südlich  von  Cikwaska. 

Eine  weit  grössere  horizontale  Verbreitung  als  die  untere,  hat  die  mitt- 
lere Etage.  Mit  Ausnahme  einzelner  mehr  minder  ausgedehnter  Lappen  der 
oberen  Etage,  setzt  sie  fast  ausschliesslich  den  übrigen  Theil  des  Rothliegend- 
gebietes  zusammen.  Vermöge  ihrer  eigenthümlichen  übergreifenden  Lagerung 
zeigen  sich  aber  ganz  anomale  Verhältnisse  bezüglich  des  Verhaltens  ihrer  beiden 
Glieder  zu  der  unteren  Etage.  Die  Arkosen,  das  liegende  Glied  derselben,  sind 
bei  meist  sanftem  nördlichen  Verflachen,  nämlich  nur  im  südlichen  Theile  des 
Gebietes,  zwischen  Lomnitz  und  Pecka,  his  wohin  eben  die  Aufnahme  reichte, 
bei  einer  Breitenerstreckung  von  einer  Meile  längs  der  Quadersaiidsteinformation 
blossgelegt.  In  den  Gegenden  von  Lomnitz,  Liebstadtei  bis  Starkeubach  und 
von  da  bis  Borowitz  herrscht  dagegen  das  hangende,  sandig-thonige  Glied. 
Dieses  lagert  demnach  mit  Ausnahme  nur  einiger  Thaleinrisse  wie  bei  ßräna,  wo 
auch  die  Arkosen  zu  Tage  treten,  an  seiner  nördlichen  Grenze  auf  den  sandig- 
thonigen  Schichten  der  unteren  Etage.  Die  ziemlich  gleichförmige  und  synkline 
Auflagerung  dieser  Schichten,  einerseits  auf  den  Arkosen,  andererseits  auf  den 
Schichten  der  unteren  Etage,  hei  allmälig  flacherer  bis  horizontaler  Lage 
gegen  die  Mitte  ihres  Verbreitungsgebietes,  beweist  ihre  in  dieser  Art  ursprüng- 
lich erfolgte  Ablagerung  und  ist  dieser  Umstand  keineswegs  etwa  durch  Ver- 
werfungen erst  nach  ihrem  Absätze  herbeigeführt  worden,  wonach  ihre  Schich- 
tenköpfe an  jenen  der  unteren  Etage  quer  absetzen  würden.  I11  Wirklichkeit  ist 
das  im  grösseren  Maassstabe  der  Fall  blos  zwischen  Arnsdorf  und  Hartrnaunsdorf, 
sonst  aber  ist  obiges  Lageruugsverhältniss  die  Folge  einer  ^tatsächlichen  über- 
greifenden Lagerung. 

Ganz  dasselbe  Verhältnis  wiederholt  sich  bei  den  Schichten  der  oberen 
Etage  gegenüber  den  beiden  Gliedern  der  Arkosengruppe.  Sie  lagern  nämlich 
zunächst  theils  coneordant  auf  deu  Hangendschichten  der  letzteren,  theils  auch 
unmittelbar  auf  den  Arkosensandsteinen,  ein  Umstand,  welcher  gleichfalls  auf 
eine  vor  ihrem  Absätze  erfolgte  ungleichförmige  Terraindislocation  der  relativ 
älteren  Gebilde  hindeutet.  Gegenwärtig  sind  diese  obersten  Schichten,  wie 
bereits  angedeutet,  grösstentheils  nur  in  fragmentären , ostwestlich  verlaufenden 
Schollen,  vorhanden.  Eine  derartige  Scholle  findet  sich  zwischen  Swojek  und 
Martinitz,  nördlich  davon  eine  zweite  zwischen  dem  letzteren  Orte  und  Kundra- 
titz  und  südlich  eine  kleinere  bei  Karlow.  Westlich  davon  zieht  eine  viel  bedeu- 
tendere zwischen  Struzinetz  (Tuhan)  und  Nedwes  (Hofensko)  von  Kostalow  über 
Pohof,  den  Stranskoberg  zum  Theil  bis  zu  dem  Melaphyrstrom  des  Kozäkow  und 
erscheint  wieder  an  seiner  westlichen  Seite  in  ziemlich  bedeutender  Ausdehnung 


[o]  Allgemein#  Oebersicht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Thcile  des  -keiner  Kreises.  385 

westlich  von  Quader  überlagert,  zwischen  Holenitz  und  Harnstein  (S.  Eisenbrod). 
Eine  mehr  zusammenhängende  Masse  bilden  diese  Schichten  ferner  zwischen 
Martinitz  (Rownacow)  und  Arnau  (Arnsdorf),  wo  sie  von  Hennersdorf  und 
Nieder-Lagenau  an  von  der  grossen  und  kleinen  Elbe  durchrissen  sind.  Neben 
einigen  noch  unbedeutenden  Lappen  0.  bei  Falgendorf  und  S.  hei  Gross-Boro- 
witz  lagern  die  Schichten  der  aufgeführten  Partien  auf  oder  eingeklemmt 
zwischen  den  sandig-thonigen  Schichten  der  mitMeren  Etage.  Ein  ziemlich  weit 
ausgedehnter,  von  Kyje  (S.  Lomnitz)  über  Zdar,  Sireno w,  Krsmol  bis  zum 
Kloster  von  Neu-Puka  verlaufender  Lappen,  und  einige  geringere  Schollen  in 
östlicher  Richtung  von  hier,  zwischen  Stikow  und  Rokitnej,  und  westlich  von 
Stupnai  finden  sich  hingegen  im  Bereiche  des  Arkosensandsteines.  Dann  lagert 
noch  eine  kleine  Partie  bei  Cikwaska  ( Kozince)  unmittelbar  auf  dem  dritten  Mela- 
phyrstrom  welcher  die  Schieferthone  der  unteren  Etage  bedeckt.  Allem  Anscheine 
nach  sind  hier  vor  Ablagerung  der  oberen  Schieferthone  die  Hangendschichten 
der  mittleren  Etage  zerstört  worden,  von  welchen  man  Reste  bei  Bistra,  nament- 
lich am  Dechnikberg,  über  diesem  Strome  und  von  einem  jüngeren  bedeckt,  noch 
vorfindet.  Von  Cikwaska  lassen  sie  sich  jedoch  in  einem  schmalen  Streifen  einge- 
zwängt theilweise  zwischen  einem  verworfenen  Theil  jenes  Stromes  und  den 
Schichten  theils  der  unteren,  theils  dem  Hangenden  der  mittleren  Etage,  über 
Walditz  bis  Kundratitz  verfolgen. 

Die  dieser  Abtheilung  eingelagerten  mergeligen  und  bituminösen  Schichten 
haben  mit  jenen  der  unteren  Abtheilung  die  grösste  Analogie,  sind  aber,  wenn 
auch  stellenweise  von  nahezu  gleicher  Mächtigkeit,  wegen  den  zahlreichen  Ver- 
werfungen minder  aushältig.  Früher  mehrorts,  werden  die  Brandschiefer  gegen- 
wärtig nur  bei  Kostalow  für  die  Reicbenberger  Photogenfabrik  abraumsmässig 
gewonnen.  An  manchen  Orten,  namentlich  auch  bei  der  Kyje-Neu-Pakaer  Scholle, 
fehlen  Brandschiefer  auch  gänzlich  und  es  erscheinen  hier  blos  die  sie  begleiten- 
den grauen  mehr  minder  mergeligen  Schieferthone  mit  Schnüren  von  Hornstein, 
Jaspis  u.  s.  w.  Anderwärts  sind  wieder  die  Kalksteine  derart  vorherrschend,  dass 
sie  bis  über  zwei  Klafter  mächtige  Bänke  bilden,  wie  bei  Tatobit,  wo  man  sie 
zu  Düngmittel  schachtmässig  gewinnt.  In  Folge  der  Kupfererzführung  wurden 
local  mehrere  dieser  combinirten  Kalkmergel-Brandschieferflötzzüge  durch  zahl- 
reiche, wenn  auch  erfolglose  Schürfe  im  Laufe  der  letzten  Jahre  an  sehr  vielen 
Punkten  aufgeschlossen,  so  am  Kozäkow,  bei  Cikwaska,  Pohor,  Huttendorf, 
Ober-  und  Nieder- Kälna,  Hennersdorf,  Nieder-Langenau,  und  sonst  ausbeissend 
trifft  man  sie  noch  mehrorts,  namentlich  im  Liegenden  der  bezeichneten  Lappen 
wie  bei  Rostock,  Kruh,  Struzinetz,  beim  Förster  Bad  haus,  0.  und  W.  von 
Mönchsdorf,  0.  und  W.  von  Pelzdorf  u.  a. 

Gleichwie  schon  die  horizontale  Verbreitung  dieser  obersten  Schichten  eine 
höchst  unregelmässige,  so  ist  auch  ihr  stratigraphisches  Verhalten  zu  den  hier 
unterteufenden  Schichten  ein  höchst  anomales.  Manche  dieser  Schollen  liegen 
noch  fast  söhlig  und  sind  so  offenbar  nur  die  rückständigen  Reste  der  durch 
Erosion  zerstörten  obersten  Decke  dieser  Formation.  Andere  dagegen  stossen 
mehr  minder  schräg  gegen  die  älteren  Schichten  ab  oder  sie  sind  vollkommen 
geknickt,  so  dass  sie  unter  äusserst  steilem  gegenseitigen  Zufallen  ihrer  Han- 
gendtheile  keilförmig  zwischen  die  älteren  Schichten  eingeklemmt  sin3.  Dieser 
letztere  Fall  zeigt  sich  besonders  auffällig  am  Klimentberg,  SW.  von  Starkeu- 
bach, der  andere  meistentheils  bei  den  übrigen  kleineren  Schollen. 

Sicher  sind  diese  bedeutenden  Schichtenstörungen  nur  in  Folge  der  Mela- 
phyr-Eruptionen  entstanden,  wie  sich  das  weiter  unten  noch  näher  heraussteilen 
wii  d.  Im  Ganzen  lassen  sich  hier  fünf  Melaphyrdurchbrüche,  beziehungsweise 

49  * 


38(5 


Juhann  Jukelv. 


[«I 

M el  a p hy  rs  tr  ö m e nach  weisen.  Drei  davon  lagern  zwischen  den  Schichten  der 
unteren  Etage  und  sind  längs  der  Isergehänge  zwischen  Semil  und  Dolanky 
(NW.  von  Starkenhach)  äusserst  deutlich  zu  heobachten.  Der  unterste  oder  erste 
Strom  keilt  sich  bereits  hei  Ober-Sitowa  aus,  der  zweite  setzt  von  Dolanky, 
wo  er  von  der  linken  auf  die  rechte  Iserseite  hin  Übertritt,  östlich  bis  über 
Susanek  fort  und  der  dritte,  welcher  zwischen  dem  Straznik-  und  Kuzinecberg, 
bei  Perimow,  eine  Strecke  unterbrochen  ist,  erstreckt  sich  östlich  bis  über 
Bräna,  wo  er  sich  nördlich  von  der  Kuppe  des  Principalek  ebenfalls  gänzlich 
auskeilt.  Auf  diese  Weise  reicht  keiner  von  diesen  Strömen  über  das  Elbethal 
östlich  hinüber;  sie  verlieren  sich  allmälig  an  seiner  westlichen  Seite  unter 
den  je  jüngeren  Schichten  dieser  Abtheilung. 

Der  vierte  Melaphyrstrom  lagert  theils  auf  den  oberen  Schichten  der  mitt- 
leren Etage  oder  stellenweise  übergreifend  auf  den  Arkosen  wie  hei  Roskopoiv, 
noch  auf  den  oberen  Schieferthonen , und  wird  an  mehreren  Orten  von  einem 
noch  jüngeren  Melaphyr  durchbrochen  und  bedeckt.  Wo  diese  beiden  Ströme 
nicht  zugleich  vorhanden  sind,  da  lässt  es  sich  oft  schwer  entscheiden,  welchen 
von  ihnen  man  vor  sich  hat.  Petrographisch  sind  die  hiesigen  Melaphyre  nämlich 
.einander  ziemlich  gleich,  gewöhnlich  ist  aber  der  untere  der  letztgenannten 
jüngeren  Ströme  ein  Melaphyrmandelstein,  während  der  obere  und  auch  grössten- 
theils  die  drei  älteren  mehr  massig  sind  und  theilweise  ausgezeichnet  krystal- 
linisch  *).  Der  Mandelstein  führt  in  den  Mandeln  und  Geoden  vorzugsweise 
Delessit,  Kalkspath,  Arragonit,  Zeolithe  und  alle  möglichen  Abänderungen  der 
Quarzreihe,  welche  vor  Zeiten,  namentlich  vom  Kozäkow  eine  ausgiebige  Aus- 
beute darboten  für  die  Turnauer  Halbedelstein-Schleiferei,  deren  Erzeugnisse 
nach  allen  Welttheilen  einen  Absatz  fanden. 

Das  interessanteste  unter  diesen  Quarzvorkommen  ist  entschieden  der  be- 
kannte „Sternquarz“,  welcher  als  gangförmige  Masse  im  dritten  Melaphyrstrom 
am  Strazyikberg  bei  Perimow  aufsetzt.  Gegenwärtig  findet  man  von  seinem  Aus- 
gehenden b los  unansehnliche  Fragmente,  indem  die  grösseren  Stücke  bereits 
alle  durch  eifrige  Sammler  weggeführt  worden. 

Zu  diesen  beiden  jüngeren  Melaphyrströrnen  gehören  alle  übrigen  Vor- 
kommen des  hiesigen  Gebietes,  die  vielfach  zerrissene  Melaphyrmasse  zwischen 
Neu-Paka  und  Huttendorf,  der  mächtige  Strom  zwischen  Lomnitz  und  Tatobit, 
jener  des  Hrupkaberges , 0.  von  Lomnilz,  jener  des  Kozäkow,  der  Melaphyr- 
riicken  zwischen  Tuhan  undHofensko  sainmt  dem  Stranskoberg  heiPohof,  zwischen 
Mficna  und  Bistra,  jener  nördlich  von  Swojek  und  vom  Cistaberg  zwischen  Cista 
und  Gross-Borowitz.  An  den  meisten  dieser  Localitäten  lassen  sich  die  beiden 
Ströme  deutlich  über  einander  beobachten,  und  zwar  entweder  unmittelbar  oder 
durch  eine  mehrere  Fuss  mächtige  Zwischenlage  eines  mehr  minder  tuffartigen 
Lettens  von  einander  geschieden.  Am  Ausgezeichnetsten  zeigt  sich  diese  .Ueber- 
lagerung  bei  den  Strömen  des  Lewin-  und  Kaiserherges  in  der  Gegend  von 
Falgendorf.  Am  Kaiserberg  ist  das  Profil  Folgendes: 

a ) Oberer  Melaphyrstrom,  einige  Fuss  bis  mehrere  Klafter  mächtig,  den 
Bergrücken  einnehmend. 

b)  Zäher,  sandiger,  rother  Thon,  unregelmässig  geschichtet,  dabei  aber 
horizontaf  gelagert , bis  zu  2 Klafter  mächtig. 

c)  Melaphyrmandelstein,  zumTheil  blasig  und  sehlackenartig,  10 bis  12Klftr. 


i)  Hinsichtlich  der  näheren  Beschaffenheit  des  Melaphyrs  ist  auf  die  treffliche  Darstellung 
Dr.  Ferdinand  Baron  v.  Richthofen’s  in  der  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen 
Gesellschaft,  1856,  zu  verweisen. 


£7]  Allgemeine  Uebersicht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises.  387 

d)  Obere  Schichten  der  mittleren  Etage,  arkosenartige  Sandsteine,  wech- 
selnd mit  bis  5 Fuss  mächtigen  Bänken  von  Schieferthon.  Unter  der  zweiten 
Bank  ein  im  dortigen  Steinbruche  an  der  südlichen  Bergleime  aufgeschlossenes 
1 Fuss  starkes  Flötz  von  kieselreichem  Kalkmergel.  Unter  diesem  Schichten- 
complexe  endlich  die  Arkose,  welche  von  Widach  und  Podlewin  an  in  den  süd- 
lichen Gegenden  durchwegs  herrscht. 

Am  Eisenbahndurchschnitt  bei  Lewin-Öls  zeigt  sich  zu  oberst  ein  fester, 
massiger  Melaphyr.  Er  ist  5 bis  6 Klafter  mächtig,  horizontal  gelagert  und  in 
senkrechte  Pfeiler  abgesondert.  Darunter  eine  1 bis  4 Fuss  starke  Lage  roth- 
braunen  sandigen  Thones.  Zunächst  im  Liegenden  derselben  eine  Lage  schlacki- 
gen Mandelsteines  und  zu  unterst  bis  zur  Eisenbahnsohle  der  gewöhnliche 
Melaphyrmandelstein. 

Wo  der  obere  Strom  bis  zu  der  thonigen  Schichte  zerstört  ist,  da  bildet 
dieselbe  einen  aschenartig  losen  Bodengrund,  mit  zahlreichen  Brocken  von 
schlackenartigem  Melaphyr,  wie  sich  dies  namentlich  zwischen^  Karlow  und 
Studenetz,  zwischen  Swojek  und  Kruh,  dann  bei  Bostock,  am  Cistaberg  und 
noch  anderwärts  beobachten  lässt.  Porth  hat  diese  Gegenden  als  Aschen-  und 
Schlackenfelder  in  einem  Sinne  gedeutet,  als  wären  sie  durch  förmliche  Aschen- 
und  Schlacken-Ejectionen  entstanden.  Dem  ist  aber  nicht  so,  sondern  es  liegt 
ihnen  der  weniger  gewaltsame  Vorgang  der  Erosion  zu  Grunde,  durch  den  über- 
haupt auch  in  Folge  der  iValauswaschung  die  Isolirung  der  gegenwärtigen  ver- 
einzelten Melaphyrrücken  und  Lappen  erfolgt. 

Dass  aber  bei  dem  echt  vulcanischen  Charakter  der  Melaphyre  es  hier  an 
Merkmalen  gewaltsamer  Durchbrüche  nicht  fehlen  kann,  versteht  sich  wohl  von 
seihst.  Zahlreiche  Bisse  und  Spalten  gibt  es  da,  durch  die  sich  die  einzelnen 
Melaphyrströme  ihren  Weg  zur  Oberfläche  gebahnt  hatten.  Solche  gangförmige 
Durchbrüche  und  Anastomosen  mit  den  jetzt  isolirten  Stromlappen  sind  besonders 
ausgezeichnet  am  Eisenbahndurchschnitt  zwischen  Lewin-Öls  und  Roskopow  zu 
beobachten.  An  der  Drehung  der  Eisenbahn  bei  Zderetz  zeigt  sich  (Figur  1) 


Fig.  1. 


auch  überaus  deutlich,  wie  der  Melaphyr  die  oberen  Schichten  der  mittleren 
Abtheihmg  durchbricht  und  sich  darüber  ergiesst.  Durchbrüche  des  jüngeren 
Melaphyrs  durch  den  älteren  sind  wieder  recht  instructiv  unter  anderen  am 
Wachberg  bei  Rownacaw.  In  Kruh  durchbricht  er  stockförmig  die  Schichten  der 
mittleren  Etage  dicht  an  der  Grenze  des  dortigen  Lappens  der  oberen  Schiefer- 
thone.  Aehnlichen  stock-  oder  gangförmigen  Vorkommen  gehören  ferner  die 
meisten  vereinzelten  kleineren  Kuppen  an,  wie  man  sie  namentlich  am  Princi- 


388 


Johann  Jokelv. 


[8] 

palek  bei  Bräna,  südlich  bei  Hennersdorf,  östlicli  von  Hostok,  bei  Starkenbacli, 
in  Unter-Lomnitz  und  bei  Holenitz  vorfindet.  Einen  ausgezeichneten  Gangdurch- 
bruch bietet  endlich  noch  die  gewaltige  Melaphyrmasse  des  Kozakow,  die 
zwischen  Peklowes  und  Podhaj  (bei  Eisenstadtl)  in  einen  über  eine  halbe  Meile 
langen  und  verhältnissmässig  ziemlich  schmalen  Gang  sfidostwärts  ansläuft. 

Die  beigefügten  Profile  (Figur  2,  3 und  4)  werden  das  bisher  Dargestellte 
näher  veranschaulichen. 

Im  Vergleiche  zu  den  Melaphyren  hat  der  Porphyr  im  hiesigen  Gebiete 
eine  weit  geringere  Verbreitung.  Er  ist  blos  an  wenigen  Punkten  vorhanden, 
oder  vielmehr  blossgelegt.  In  drei  isolirten  Bücken  ragt  er  über  die  Schichtet» 
der  oberen  Etage  empor  zwischen  Holenitz  und  Kozakow,  in  zwei  ähnlichen 
zwischen  Luzan  und  Aujezd,  wo  er  bei  letzterem  Orte  oder  Staw,  nebst  einer 
inselförmigen  Phyllitpartie,  an  die  er  sich  theil weise  anlehnt,  von  der  Arkose 
am  Luzanberg  hingegen  ganz  von  Quadersandstein  umgeben  wird,  und  endlich 
mehr  eine  Porphyrbreccie  in  Pecka,  worauf  ein  Theil  der  Stadt  selbst  gelegen 
ist.  Petrographisch  sind  die  drei  ersteren  Vorkommen  entschiedene  Felsit- 
porphyre,  jene  von  Aujezd  und  Luzanberg  nähern  sich  gewissermassen  dem 
Porp  hy  rite  Naumann’s,  stehen  aber  den  ersteren  unbedingt  näher  wie  den 
eigentlichen  Melaphyren. 

Ihr  Verhalten  zu  den  sie  umgebenden  Rothliegendschichten,  die  sie  in  ihrer 
Lagerung  nicht  im  Geringsten  stören  und  dann,  wie*  es  Porth  auch  in  scharf- 
sinniger Weise  richtig  erkannt  hat,  namentlich  die  Porphyrbreccie  von  Pecka 
Bruchstücke  nur  von  jenen  Schichten  erhält,  die  der  unteren  Etage  angeboren, 
diese  Verhältnisse  deuten  mit  voller  Entschiedenheit  auf  ein  höheres  Alter  des 
Porphyrs  gegenüber  den  beiden  oberen  Etagen.  Und  seine  deutliche  Ueber- 
lagerung  der  der  unteren  Etage  angehörenden  Schieferthone  in  der  Gegend  von 
Liebenau,  wie  das  vor  einigen  Jahren  hei  der  Beschreibung  des  „Jeschken- 
gebirges“  angedeutet  wurde,  setzt  dies  in  der  That  ausser  allem  Zweifel  und 
bezeichnet  zugleich  die  wirkliche  Eruptionszeit  der  hiesigen  Porphyre.  Eine 
weitere  Folge  dieses  Thatbestandes  scheint  dann  selbst  auch  die  petrographische 
Verschiedenheit  der  Sandsteingebilde  der  beiden  unteren  Etagen,  namentlich 
der  vorwiegende  Feldspathgehalt  bei  den  Schichten  der  Arkosengruppe,  der 
hauptsächlich  von  den  zerstörten  Porphyren  herrühren  dürfte.  Die  Erklärung 
Porth’s  reicht  für  diese  Erscheinung  jedenfalls  nicht  aus,  der  jenen  Feldspath- 
gehalt von  den  Granititen  des  Riesengebirges  herleitet,  indem  er  annimmt,  dass 
die  Thalauswaschungen  durch  die  krystallinischen  Schiefer  hindurch  bis  zu  den- 
selben hinauf  erst  nach  der  Bildung  der  unteren  Etage  vorgeschritten  sein 
dürften.  An  blossgelegten  Feldspathgesteinen  fehlte  es  aber  auch  zur  Zeit  der 
Ablagerungen  der  untersten  Rothliegendschichten  nicht,  so  war  namentlich  der 
Protogynstock  des  Schwarzenberges  bei  Schwarzenthal,  dicht  an  der  Rothliegend- 
grenze,  ganz  sicher  schon  damals  blossgelegt  und  von,  wenn  auch  nur  seichten 
Thälern  durchrissen,  wie  auch  andere  Stöcke  desselben  Gesteines  im  östlichen 
Gebirgstheil , deren  sehr  feldspathreiehe , granitische  Abänderungen  man  auch 
in  den  Conglomeraten  der  Steinkohlenformation  der  Schatzlarer  Gegend  in  2 bis 
3 Fuss  im  Durchmesser  haltenden  Gerollen  so  häufig  antrifft. 

Diese  Verhältnisse  erklären  nun  denn  auch  die  Abnormitäten,  die  sich  nach 
dem  Obigen  bezüglich  der  Lagerungsverhällnisse  der  mittleren  und  unteren 
Etage  gegenseitig  ergeben.  Besonders  aber  erhält  dadurch  die  „übergreifende 
Lagerung“  der  ersteren  theil  weise  eine  befriedigende  Erklärung,  wornach  sie 
als  das  Resultat  einer  nach  der  Porphyr-Eruption  stattgefundenen  und  wahr- 
scheinlich durch  dieselbe  selbst  veranlassten  Senkung  des  damaligen  Rothliegend- 


[»] 


Allgemeine  üebersicht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises. 


389 


F.g.  2. 

Wolesna-  Stransko-  Xawero- 

Riesengebirg.  Prikry.  Benesow.  fserfluss.  Kozinee.  berg.  Pohor.  berg.  -U  Cyhelny.  witz.  Lomnitz,  Chlum.  Kyje.  Eisenstadtl. 


390 


Johann  Jokely. 


[10] 


beckens  zu  betrachten  wäre.  Ebenso  kann  die  übergreifende  Lagerung  der 
oberen  Abtheilung,  wie  oben  erwähnt,  nur  mit  Terrainsdislocationen  in  Verbin- 
dung gebracht  werden.  Indessen  fehlen  hier  alle  Anhaltspunkte,  die  eine 
plausible  Erklärung  dafür  abgeben  würden,  falls  man  sie  als  seculare  nicht  auf 
entferntere  Ursachen  zurückführt.  Zu  der  Annahme,  dass  der  vierte  Strom 
zwischen  die  Ablagerungszeit  der  mittleren  und  oberen  Etage  falle,  bieten  sich 
gar  keine  verlässlichen  Anhaltspunkte.  Die  Gegenden  von  Karlow  und  Hüttendorf 
sind  die  einzigen,  wo  sich  dies  näher  constatiren  Hesse,  und  auch  da  ist  das 
Verhalten  dieses  Stromes  zu  den  oberen  Schichten  ein  derartiges,  dass  es  eine 
solche  Annahme  mehr  ausschliesst  als  bestätigt.  Die  beiden  jüngeren  oder  „nach- 
porphyrischen“  Melaphyrdurchbrüche  können  daher  mit  jenen  Dislocationen  in 
keinen  näheren  Zusammenhang  gestanden  haben.  Sie  sind  eben  jünger  wie  die 
oberen  Schieferthone  und  nachweislich  hatten  sie  namentlich  blos  auf  jene 
Störungen  Einfluss,  welche  die  so  auffallenden  Verwerfungen  eben  bei  diesen 
jüngsten  Schichten  hervorriefen. 

Dass  aber  diese  letzteren  Strömungen  auch  nicht  später,  etwa  erst  während 
der  Basaltperiode,  stattgefunden  haben,  beweist  das  bereits  äusserst  spärliche 
Vorkommen  des  Basaltes  im  Bereiche  des  Bothliegenden.  Neben  den  höchst 
unbedeutenden  Durchbrüchen  von  Stupnai,  Ratkin,  Aujezd,  Kumburg,  Bradletz 
ist  eben  nur  der  über  Melaphyr  ausgegossene  Basaltstrom  des  Kozäkow  von 
namhafterem  Belang  und  auch  dieser  scheint  nur  einige  Spalten,  namentlich  das 
Wolesnathal  zwischen  Liebstadtei  und  Semil  in  den  bereits  längst  früher  ver- 
worfenen Theilen  des  Rothliegenden  aufgerissen  zu  haben.  Ausser  anderen 
jüngeren  Thaldurchrissen  und  Terrain-Einsenkungen  von  geringerer  Ausdehnung, 
die  neben  den  weiten  Diluvialflächen  des  benachbarten  Quadergebietes  gegen- 
wärtig gleichfalls  vorzugsweise  lössartige  Lehme  ausfüllen,  fallen  überdies  noch 
jene  Gebirgsstörungen  in  die  Epoche  der  Basaltdurchbrüche,  die  sich  an  den 
steil  gehobenen  Quadersandsteinbänken  längs  des  Rothliegenden  und  seihst  an 
den  Schichten  dieses  letzteren  in  den  Gegenden  von  Rowensko,  Tatobit,  Hinter- 
Loucek,  Klein-Skal  und  von  da  bis  über  Liebenau  hinaus  wahrnehmen  lassen; 
ferner  die  Verwerfungen  und  sogar  Ueberkippungen  des  Rothliegenden  an 
manchen  Grenzstellen  der  riesengebirgischen  krystallinischen  Schiefergebilde, 
wie  namentlich  bei  Rybnitz  oder  Skodejow,  wo  auf  einer  nordwärts  überstürzten 
Scholle  von  Rothliegendconglomeraten  und  Brandschiefern  Phyllite  sammt  einer 
kupfererzführenden  Lagerstätte  unter  gleicher  Neigung  aufruhen. 

lieber  der  den  obwaltenden  Verhältnissen  entsprechend  durchgeführten 
Gliederung  des  hiesigen  Rothliegenden,  wird  dermalen  bei  den  noch  in  äusserst 
spärlicher  Anzahl  vorliegenden  fossilen  Ueberresten,  namentlich  von  Pflanzen, 
eine  gleichscharfe  p a läon toi  ogisc he  Charakteristik  der  einzelnen  Etagen 
noch  unausführbar.  Bemerkenswerth  bleibt  es  aber,  dass  die  eben  nach  Herrn 
Prof.  Dr.  Unger’s  Bestimmung  ausgeführten  Pflanzenreste  derart  von  den 
bisher  bekannt  gewordenen  Formen  des  Rothliegenden  im  Allgemeinen  ab  weichen, 
dass  sie  grösstentheils  mit  jenen  der  zur  „Steinkohlenformation“  gerechneten 
Gebilden  von  Waldenburg,  Radnitz  u.  s.  w.  übereinstimmen.  Ein  Hinübergreifen 
einzelner  Pflanzenformen  der  letzten  Formation  in  das  Rothliegende  oder  auch 
aus  dessen  einzelnen  Horizonten  in  höhere  wiederholt  sich  übrigens  auch  ander- 
wärts, namentlich  in  Schlesien,  wo  nach  Herrn  Prof.  Dr.  Göppert  der  erstere 
Fall  auch  bei  sehr  nahe  verwandten  Araucarien  stattfindet.  Dass  aber  das  hiesige 
Rothliegende  von  den  echten  Steinkohlengebilden,  unter  anderen  der  Schatzlarer 
Gegend  auch  schon  nach  den  bisher  bekannten  Verhältnissen  ihres  geologischen 
Bestandes  vollkommen  verschieden  ist,  unterliegt  nicht  dem  geringsten  Zweifel. 


[11]  Allgemeine  Uebersicht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises.  391 

Endlich  wäre  noch  der  Erzführung  zu  gedenken,  besonders  in  wie  weit 
sie  im  Bereiche  des  Rothliegenden  praktische  Erfolge  darbietet.  Die  Erze  beste- 
hen hier  bekanntlich  aus  Malachit,  Kupferlasur,  Kupierkies,  seltener  aus  Kupfer- 
fahlerz, Kupferglanz,  Kieselkupfer,  Kupfergrün,  Allophan  und  Schwärzen  mit 
einem  local  äusserst  wechselnden  Kupfergehalt  von  i 2/2  bis  30  Procent  und  mit- 
unter auch  etwas  darüber,  und  einem  bis  3-  oder  41öthigen  Silbergehalt.  Neben 
den  Porth’schen  Angaben  über  die  Erzführung  des  hiesigen  Rothliegenden  sind 
darüber  noch  Nachrichten  bekannt  von  den  Herren  Prof.  Dr.  A.  E.  Reuss  *)> 
Regierungsrath  M.  F.  X.  Zippe  3),  Director  Johann  Grimm  3),  Markscheider 
Karl  Bayer4)  und  aus  einer  Zusammenstellung  von  Schurf-Ergebnissen  von 
0.  Pollak  5),  welche  namentlich  seit  und  während  der  Tracirung  der  Pardubitz- 
Reichenberger  Eisenbahn  an  zahlreichen  Orten  erzielt  wurden.  Seither  war  man 
bis  gegenwärtig  unermüdet  thätig  in  der  Aufsuchung  neuer  Erzlagerstätten  oder 
nebenbei  von  Schwarzkohlen.  Allein  all’  diese  Unternehmungen  krönte  nicht  der 
günstigste  Erfolg.  Die  Baue  am  Kozinec  bei  Starkenbach , viele  andere  theils 
Versuchs-,  theils  Schurfbaue,  wie  am  Kozäkow,  bei  Kostalow,  Pohor,  Hohen- 
elbe,  Mohren  u.  s.  w.,  mussten  wegen  Unausgiebigkeit  der  Erze  oder  Kohlen 
früher  oder  später  aufgelassen  werden.  Eine  Ausnahme  hiervon  ist  gegenwärtig 
nur  noch  der  berg-  und  hüttenmännische  Betrieb  von  Leopold  (Hermannseifen), 
doch  auch  hier  ist,  abgesehen  von  der  Eigenschaft  und  der  Art  des  Auf- 
tretens der  Er^e,  bei  dem  oben  bezeichneten  Lagerungsverhältniss  des  erzführen- 
den Brandschieferflötzes , wornach  es  auf  eine  für  den  Abbau  höchst  ungünstige 
Weise  in  mehrere  Lappen  zerrissen  ist,  dem  Unternehmen  für  die  Dauer  nicht 
der  günstigste  Erfolg  zu  prognosticiren.  Ohne  Frage  wäre  er  voraussichtlich 
grösser,  wenn  auch  hier  wie  in  Rochlitz  eine  extractive  Ausbringung  des  Kupfers 
gleich  im  Vorhinein  eingeführt  worden  wäre,  zumal  sich  auf  trockenem  Wege 
bei  den  vorherrschend  oxydischen  Erzen  grössere  Verluste  nicht  verhüten  lassen. 
Dem  ungeachtet  bleibt  aber  auch  in  diesem  präsumtiven  günstigeren  Falle  bei 
der  Beschaffenheit  der  hiesigen  Erze  ein  derartiges  Unternehmen  ein  höchst 
preeäres,  in  so  lange  es  blos  auf  Erze  des  Rothliegenden  beschränkt  ist.  Bei  der 
Rochlitzer  Gewerkschaft,  deren  Erzeugungsverhältnisse  weit  günstiger  sind, 
indem  sie  neben  den  Erzen  des  Rothliegenden  auch  die  silberhaltigen  Kupfererze 
von  der  Kalk-Malakolithlagerstätte  des  riesengebirgischen  Urthonschiefers  mit 
extrahiren  kann,  ist  auch  die  Nachhaltigkeit  ihres  Betriebes  viel  gesicherter. 
Und  demnach  haben  die  gegen  Ende  des  verflossenen  Jahres  in  Gang  gesetzten 
Extractionsversuche  gezeigt,  dass  die  aufgestellte  Methode  noch  vielfache  Modi- 
ficationen  und  Verbesserungen  erheischt,  damit  das  Unternehmen  in  seinem 
Fortbestände  gesichert  bleibe  und  nicht  vollends  scheitere. 

Was  aber  bei  den  Erzen  des  Rothliegenden  einen  günstigen  bergbaulichen 
Aufschwung  am  wesentlichsten  beeinträchtigt,  ist  vor  allem  die  Art  und  Weise 
ihres  Auftretens  selbst.  Fast  ohne  Ausnahme  zeigt  sich  nämlich  die  Erzführung 
bei  den  Schichten  des  Rothliegenden  an  solchen  Stellen,  wo  in  Folge  von  Verwer- 
fungen die  Schichten  besonders  auffallend  in  ihrer  Lagerung  gestört  sind,  oder,  wie 
es  mit  manchen  Lehnen  der  Fall  ist,  quer  abgeschnitten  oder  abgebrochen.  Die 


0 Kurze  Uebersicht  der  geologischen  Verhältnisse  Böhmens.  Prag  1854. 

2)  Die  Kupfererz-Lagerstätten  im  Rothliegenden  Böhmens.  Sitzungsberichte  der  Kais.  Aka- 
demie der  Wissenschaften.  XXVIII,  1858. 

3)  Berg-  und  Hüttenmännisches  Jahrbuch  der  k.  k.  Montan-Lehranstalt  zu  Leoben  und 
Pribram.  1858. 

4)  Dasselbe  Jahrbuch  von  1860. 

5)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1858,  II. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft. 


50 


392 


Johann  Jokely. 


[12] 


Erzführung  ist  also  keineswegs  auf  gewisse  stetig  fortsetzende  Horizonte  gebun- 
den. Sie  zeigt  sich  vielmehr  ohne  alle  Regelmässigkeit  bei  allen  Schichten  der 
drei  Etagen,  und  wenn  man  sie  bis  jetzt  am  häufigsten  bei  den  Schichten  der 
Brandschieferzüge  vorfand,  so  liegt  dies  eben  nur  in  der  genaueren  Kenntniss 
derselben.  Man  kennt  jedoch  auch  Localitäten,  wie  den  Kozinec  hei  Starkenbach, 
solche  bei  Ribnitz,  nördlich  von  Pohor  u.  a.,  wo  die  Erze  auf  Conglomerate, 
Sandsteine  oder  Schieferthone  allein  gebunden  sind.  Eben  so  sind  auch  Klüfte 
und  Spalten  des  Melaphyrs  und  der  Schwarzkohlenschnüre  und  Linsen  sehr 
häufig  von  Malachit,  Lasur,  Kupferglanz  u.  s.  w.  angeflogen  und  von  ihnen 
mehr  minder  tief  hinein  imprägnirt.  Ob  im  Bereiche  der  Melaphyre  übrigens 
jemals  abbauwürdige  Erze  vorgefuriden  worden  sind,  lässt  sich  schwer  entschei- 
den. Merkwürdig  bleibt  es  aber,  dass  bei  Widach  (Vidochov)  sich  bedeutende 
Melaphyrhaldenzüge  vorfinden,  ohne  dass  sich  irgend  welche  Erzspuren  bei 
ihnen  nachweisen  Hessen. 

Der  Sage  nach  sollen  hier  „edle  Metalle“  gewonnen  worden  sein.  War  es 
in  der  That  der  Fall,  so  waren  es  vielleicht  Silbererze  oder  reiche  silberführende 
Kupfererze,  etwa  auch  Schwärzen  mit  metallisch  ausgeschiedenem  Silber.  In 
diesen  Gegenden,  wie  bei  Stupnai  (Stupnä)  und  bei  Pecka  im  Zlatnicewald, 
finden  sich  Spuren  alter  Bergbaue  auch  im  Arkosensandstein  und  beide  Oerter 
sollen  bezugsweise  vom  Stampfen  ( stoupy ) und  Schmelzen  ( pecc ) ihre 
Benennung  herleiten 

Alle  diese  Verhältnisse  und  selbst  die  Erzarten  deuten  nun  daraufhin,  dass 
die  Erzführung  des  Rothliegenden  keine  ursprüngliche  auf  lagerartige  Gesteins- 
massen gebundene  sei,  sondern  blos  eine  secundäre  Gesteins-Imprägnation,  welche 
durch  metallhältige  Lösungsmittel  herbeigeführt  worden  ist.  Anscheinend  hatten 
Mineralquellen  den  bedeutendsten  Antheil  daran,  deren  Entstehung  und  Verlauf 
wieder  mit  den  gewaltigen  Melaphyr-  und  local  selbst  den  Basaltdurchbrücben 
und  den  durch  dieselben  hervorgerufenen  Spaltungen  des  Gebietes  nicht  ohne 
die  gewichtigsten  Gründe  in  einen  ursächlichen  Zusammenhang  zu  bringen 
wären.  Die  geringe  Erznachhältigkeit  im  Streichen  und  Fallen  der  Schichten 
wird  nach  diesen  Verhältnissen  eben  so  sehr  erklärlich,  als  sie  durch  thatsäch - 
liehe  Erfahrungen  bereits  auch  vielfach  erhärtet  ist.  Es  gehört  demnach  ein 
grosser  Aufwand  von  Mitteln  dazu,  um  neben  der  sonst  schon  schwierigen 
Metallausbringung  auch  das  entsprechende  Rohmaterial  seihst  zur  Verhüttung  zu 
erzeugen.  Desshalb  bleibt  bei  den  Rothliegenderzen  allein  der  Erfolg  eines  berg- 
und  hüttenmännischen  Unternehmens  immerhin  ein  zweifelhafter  oder  ein  nur 
zeitlich  gesicherter.  Diese  rückhaltslose  Darlegung  dürfte  hier  um  so  berechtig- 
ter erscheinen,  als  eine  solche  bei  den  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, die  zugleich  auf  dem  neutralen  Boden  der  Unparteilichkeit  fussen,  nicht 
allein  wünschenswert  wird,  sondern  als  ein  Postulat  ihrer  praktischen  Ziele  zu 
erachten  ist. 

Bemerkungen  über  die  Verbreitung  der  Araucarienstämme. 

Herrn  Prof.  Dr.  Göppert2)  gebührt  das  besondere  Verdienst  die  lücken- 
hafte Kenntniss  über  den  Bestand  der  „versteinerten  Wälder“  des  hiesigen 


!)  F.  A.  Heber:  Böhmens  Burgen,  Vesten  und  Bergschlösser.  1844. 

3)  Ueber  den  versteinten  Wald  von  Radowenz  hei  Adersbach  in  Böhmen  und  über  den  Ver- 
steinerungsprocess  überhaupt.  Jahrbuch  der  k,  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1857,  IV. 


[13]  Allgemeine  Uebersieht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises.  393 

Rothliegenden  in  einer  Weise  erweitert  zu  haben,  welche  diesem  classischen 
Gebiete  ein  wo  möglich  noch  erhöhteres  Interesse  verleiht,  als  es  gleichsam 
ein  Phänomen  am  paläontologischen  Gesichtskreise,  ein  solches  ohnehin  schon 
für  sich  in  Anspruch  nimmt.  Dieser  Erscheinung,  so  wie  ihrem  würdigen  Inter- 
präten,  weihte  beredte  Worte  der  Würdigung  Herr  Hofrath  Haidinger  in  der 
Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Pieichsanstalt  am  12.  Jänner  1858. 

Diese  Wälder,  bezugsweise  die  Stämme  des  Araucarites  Schrollianus  Göpp. 
gehören  nach  dem  Obigen  in  den  Bereich  des  Arkosensandsteines.  Sie  finden 
sich  nun  auch  überall,  so  weit  er  blossliegt,  theils  nur  bruchstücksweise,  tlieils 
in  mehr  minder  grossen  Stammstücken.  So  weit  das  letztjährige  Aufnahmsgebiet 
reichte,  fanden  sie  sich  am  häufigsten  beisammen  in  der  Umgebung  von  Pecka 
und  Stupnai  (Stupnä)  !).  In  den  Hangendschichten  der  Arkosengruppe  und  in 
der  oberen  Etage  wurden  derlei  Stämme  nicht  beobachtet,  dürften  aber  den 
ersteren  kaum  fehlen.  In  der  unteren  Etage  finden  sich  fossile  Hölzer  ebenfalls, 
namentlich  am  Kozinec,  bei  Starkenbach,  wo  sie  neben  anderen  Pflanzenresten 
in  der  erzführenden  Sandsteinbank  Vorkommen.  Es  ist  das  ein  grauer  glimmer- 
führender Sandstein  mit  Lagen  bräunlich-grauen  Sehieferthones,  von  etwa 
5 Klafter  Mächtigkeit.  Ueber  ihn  ruht  ein  bis  4 Klafter  mächtiger  Melaphyrstrom, 
an  der  südlichen  Abdachung  des  Berges  ebenfalls  von  einem  Sandsteine  bedeckt, 
welcher  concordanten  Einlagerung  bereits  auch  Herr  Director  Grimm  a.  a.  0. 
erwähnt.  Unter  jener  Bank  lagert  ein  graubrauner  Sandstein  von  1 bis  1 i/a  Klafter, 
dann  Conglomerate,  hin  und  wieder  auch  von  Kupfererzen,  namentlich  Schwär- 
zen imprägnirt.  Die  Holzstämme,  deren  nähere  Bestimmung  Herr  Professor 
Dr.  Göppert  übernommen  hat,  sind  bei  verschiedener  Länge  l/2  bis  2 Fuss  im 
Durchmesser  stark,  und  liegen  parallel  zu  den  20  bis  25  Grad  in  Süd  fallenden 
Schichten.  Herr  Apotheker  Schal ler  in  Starkenbach  fand  in  jenen  Schichten 
eine  äusserst  kleine  Unio , welche  mit  U.  carbonaria  übereinstimmen  dürfte. 
Ferner  trifft  man  Fragmente  dieser  Hölzer  im  Bereiche  des  theils  innerhalb  des 
Rothliegenden , theils  des  benachbarten  Quadergebietes  verbreiteten  Diluviums, 
diese  kommen  aber  als  Vorkommen  auf  secundärer  Lagerstätte  bei  der  Beurthei- 
lung  der  Verbreitung  ihrer  ursprünglichen  Lagerstätten  selbstverständlich  ausser 
Betracht. 

Nach  der  Mittheilung  des  Herrn  Professors  Dr.  Göppert  befindet  sich  unter 
den  fossilen  Hölzern  vom  Kozinec  auch  Araucarites  cupreus  Göpp.,  welcher 
vollkommen  identisch  ist  mit  dem  in  der  permischen  Formation  Russlands  vor- 
kommenden, wodurch  nach  Herrn  Göppert  ein  „neuer  Beweis  für  die  Ver- 
wandtschaft jener  Ablagerung“  mit  der  böhmischen  sich  herausstellt. 

Als  Ergänzung  zu  dem  Vorkommen  des  Araucarites  Schrollianus , welches 
Herr  Professor  Dr.  Göppert  von  der  Peckaer  Gegend  gegeben  hat,  mögen 
hier  noch  einige  Notizen  angeführt  werden.  In  der  Regel  sind  die  Stammstücke 
an  der  Oberfläche  unregelmässig  umher  zerstreut  oder  nahe  derselben  von  einer 
Schottermasse,  welche  aus  der  oberflächlichen  Zersetzung  der  häufig  Gerolle 
führenden  Arkosenschichten  hervorgegangen  ist,  theilweise  umhüllt.  Von  der 
Arkose  vollkommen  umschlossen  wurden  sie,  mit  Ausnahme  kleinerer  Fragmente, 
nur  an  einem  Punkte  beobachtet,  der  schon  seiner  romantischen  Umgebung  nach 
nicht  wenig  an  Interesse  gewinnt.  Es  ist  das  nämlich  einer  der  verliessartigen 


— Ueber  die  versteiften  Widder  im  nördlichen  Böhmen  und  in  Schlesien.  36.  Jahres- 
bericht der  schlesischen  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  1838. 

')  ln  der  angeführten  zweiten  Abhandlung  Dr.  Göppert’s  heisst  es,  wahrscheinlich  in 
Folge  eines  Druckfehlers,  überall  Slupnay  statt  Stupnai. 


30 


394 


Johann  Jokcly. 


[14] 


Kellerräume  des  Peckaer  Burgruine.  Man  sieht  da  mehrere  solcher  nahezu 
horizontal  liegender  Stämme  von  1 bis  2 Fuss  im  Durchmesser  fest  noch  in  der 
Arkose  stecken,  vielfach  wohl  umlöchert  und  von  manchem  Besucher  dieser 
Localität  an  ihrer  Integrität  geschädigt.  Herr  Prof.  A.  Z.  Maloch  in  Jicin  hat 
auf  diesen  Ort  im  angeführten  Werke  Heber’s  zuerst  aufmerksam  gemacht  und 
von  ihm  rührt  auch  die  nähere  Kunde  über  die  von  den  Landleuten  „Hrusky“ 
(Birnbäume)  benannten  fossilen  Holzstämme  dieser  Gegend. 

In  ihrer  Grösse  variiren  diese  Stammstücke  vielfältig  und  nach  ihren  oft 
mehrere  Fuss  im  Durchmesser  haltenden  Dimensionen  lässt  sich  annäherungs- 
weise auf  die  einstige  Grösse  der  ganzen  Bäume  leicht  schliessen.  Eines  der 
schönsten  Exemplare , auf  welches  bereits  Göppert  aufmerksam  gemacht  hat, 
war  unstreitig  jenes  auf  dem  Jitraberg,  NW.  von  Pecka,  welches  den  letzten 
Sommer  für  das  Museum  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  auch  erworben 
worden  ist.  Es  bestand  aus  vier  Fragmenten , welche  mit  den  Zwischendistanzen 
zusammen  24  Fuss  in  der  Länge  betrugen.  Mit  seiner  Wipfelseite  lag  der  Stamm 
(xx)  auf  dem  genannten  Berge  gerade  nach  NO.  und  zwar  etwa  300  Schritte 
vom  oberen  Rande  der  dortigen  Lehmgrube  (Z)  quer  über  den  Fusssteig,  welcher 
von  dem  Peckaer  Teiche  zur  Stupnaer  Kirche  über  einen  zwischen  Waldgrund 
ausgestockten  und  dem  Peckaer  Bürger  Johann  Sturm  angehörigen  Weidenplatz 


Fig.  5. 


führt.  Die  unteren  drei  Stammstücke  wurden,  so  wie  sie  waren,  ganz  heraus- 
gehoben, sammt  dem  von  einem  sich  losgetrennten  Bruchstück,  und  nur  vom 
vierten  musste  der  obere  Theil,  der  sich  loslöste  und  zu  zerbröckeln  anfing. 


[15]  Allgemeine  Uebersicht  des  Rothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises.  395 

zurückgelassen  werden.  Der  Durchmesser  des  unteren  ß1/^  Fuss  langen  Stamm- 
stückes beträgt  3 Fuss  2 Zoll.  Neben  diesem  lag  noch  vor  einigen  Jahren  ein 
viel  bedeutenderes  Stück.  Es  wurde  aber  von  seiner  Lagerstätte  herausgehoben 
und  über  das  südliche  Berggehänge  hinabgerollt.  Hier  blieb  es  auf  dem  Feld- 
fahrwege ( FF ) eine  Zeit  liegen,  bis  man  es  wegen  des  Hindernisses,  das  es 
hier  darbot,  grösstentheils  zerschlagen  hat.  Gegenwärtig  findet  sich  an  der 
südlichen  Wendung  des  Fahrweges  bei  (£)  ein  Bruchstück,  das  man  für  ein 
von  jenem  Stamme  herrührendes  ausgibt,  und  nach  seiner  Dimension  zu 
schliessen,  dürfte  es  damit  auch  seine  Richtigkeit  haben.  Nach  dieser  müsste 
nämlich  das  Stammstück  einen  Durchmesser  von  nahezu  4y3  Fuss  besessen 
haben  und  ein  solcher  passt  nicht  recht  zu  den  übrigen  hier  vorfindüehen 
Stammstücken,  ausser  zu  dem  in  Rede  stehenden  Stamm.  Aus  diesen  Daten 
lassen  sich  die  riesigen  Verhältnisse  dieses  Stammes  schon  ermessen , die  er 
einst  in  seinem  ganzen  Bestände  besessen  haben  musste.  Herr  Prof,  Göppert 
vermuthet  überdies  noch,  nach  einer  von  ihm  beobachteten,  nicht  im  Quirl 
stehenden  Astnarbe,  dass  es  blos  ein  Ast  sei,  was  sich  indessen,  da  man  noch 
andere  Astnarben  jetzt  deutlicher  beobachten  kann,  nicht  zu  bestätigen  scheint. 

Auf  dem  Fahrwege  von  Pecka  nach  Klein-Borowitz , etwa  ya  Stunde  vom 
ersteren  Orte,  sieht  man  einen  ähnlichen,  doch,  wie  es  scheint,  im  Durchmesser 
viel  geringeren  Stamm.  Auch  da  liegt  er  quer  über  dem  Wege,  trägt  aber 
bereits  tief  eingefurchte  Geleisspuren,  so  dass  er  über  kurz  oder  lang  unfehlbar 
zersprengt  werden  wird.  Lose  umherliegende  Exemplare  von  ausgezeichneter 
Schönheit  und  guter  Erhaltung  finden  sich  übrigens  in  dieser  Gegend  noch  weit 
und  breit  an  vielen  Stellen  und  besonders  auch  am  Jitraberge,  etwa  100  Schritte 
nordwestlich  von  dem  gehobenen  Stamme,  sieben  grössere  solcher  Stammstücke, 
dicht  an  dem  bezeichneten  Fusspfade.  Ausser  dem  Peckaer  Stamme  besitzt  die 
k.  k.  geologische  Reichsanstalt  noch  ein  überaus  ausgezeichnetes,  wenn  auch 
viel  kleineres  Exemplar  von  A.  Schrollianus  aus  der  Schwadowitzer  Gegend, 
welches  ihr  von  der  regierenden  Frau  Fürstin  Ida  Caroline  zu  Schaüm- 
burg-Lippe  als  Geschenk  verehrt  worden  ist. 


396 


Johann  Jokely. 


m 


V.  Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 

Von  Johann  Jokeky. 

Mit  1 Tafel. 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  30.  April  1861. 


Einleitung. 

Unter  allen  Gebirgen  Böhmens  entfaltet  das  Riesengebirge  in  seiner  äusseren 
Formgestaltung  die  meiste  Grossartigkeit.  Seine  pralligen  bis  2400  Fuss  tiefen 
„Gründe“,  seine  Höhenrücken,  wo  bei  3 bis  4 Grad  Mitteltemperatur  blos  mehr 
Knieholz  in  oasenartig  zerstreuten  Gebüschen  fortkommt  oder  selbst  auch  dieses 
auf  den  höchsten,  meist  nebelumhüllten  Kuppen  und  Kämmen  den  Moosen 
vollends  weicht,  haben  bereits  einen  vollkommen  alpinen  Charakter.  Rechnet 
man  dazu  die  Grossartigkeit  eines  Rundgemäldes,  wie  es  vor  Allem  die  Schnee- 
koppe nach  allen  Weltgegenden  hin  darbietet,  so  ist  es  leicht  begreiflich,  wie 
ein  Gebirge,  das  bei  einer  verhültnissmässig  nur  geringen  Ausdehnung  solch' 
einen  imposanten  Wechsel  in  geographischer  Beziehung  hervorruft,  alljährlich 
zum  Ziele  Tausender  von  Touristen  der  verschiedensten  Farbe  werden  konnte. 

Dennoch  gehört  das  Riesengebirge  zu  einem  der  im  Detail  am  wenigsten 
näher  bekannten  Gebirgszüge  Böhmens.  Die  vorliegenden  Arbeiten,  älteren  und 
neueren  Datums,  sind  theils  Localbeobachtungen,  wie  von  L.  v.  Buch,  J.  Jira- 
sek,  Abbe  Gr  über,  Chr.  G.  Assmann,  Dr.  J.  K.  E.  Hoser,  F.  A.  Reuss, 
Prof.  G.  Rose  und  Prof.  Dr.  August  E.  Reuss,  theils  ganz  allgemeine  Ueber- 
sichten  bei  ziemlich  mangelhafter  Gesteinsdiagnose  und  einer  überaus  primitiven 
graphischen  Darstellungsart.  Zu  den  namhaftesten  dieser  letzteren  gehört  Karl 
v.  Raume  r's : „Der  Granit  des  Riesengebirges  und  die  ihn  um- 
gebenden Gebir gsfamilien,  Berlin  1813“  und  Dr.  H.  Berghaus': 
„Specialkarte  vom  Ri  es  en  gebi  rg  e“,  in  dessen  „Physicalischem  Atlas“. 
Unter  den  neueren  Forschungen  sind  jene  von  F.  X.  M.  Zippe  geologisch  bereits 
präciser  und  gehören  überhaupt  auch  dessen  Beschreibungen  in  J.  G.  Somme  r’s 
„Topographie  von  Böhmen“  zu  den  wichtigsten  Quellen  der  Geologie  des 
ganzen  Landes.  In  chartographischer  Beziehung  fussen  dagegen  die  im  Laufe  der 
letzten  Jahre  von  preussischer  Seite  officiös  ausgeführten  Arbeiten  voll- 
kommen auf  dem  Standpunkte  der  heutigen  Geologie,  und  es  ist  nur  zu  bedauern, 
dass,  wie  es  scheint,  schon  nach  dem  ursprünglich  festgestellten  Plane  keine 
ganz  so  detaillirte  Durchführung  der  Arbeit  angestrebt  worden  sei,  wie  es  eben 
bei  unseren  Specialaufnahmen  geschieht. 

Im  Anschlüsse  an  die  Aufnahme  des  Jeschken-  und  Isergebirges  (General- 
stabs-Specialkarte  Nr.  III  und  I)  wurde  im  Sommer  1860  das  Riesengebirge  im 
engeren  Sinne  (auf  den  Blättern  Nr.  IV  und  IX)  vollendet. 


[2] 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


397 


Bekanntlich  besteht  das  Riesengebirge  sammt  Dependenzen  aus  krystallini- 
schen  Gebilden.  Seine  Centralmasse  war  seit  der  Grauwaekenperiode  her 
trockenes  Festland.  Das  Hauptergebniss  aber  der  bis  zur  Diluvialzeit  herauf 
erfolgten  mannigfachen  Gebirgsstörungen  war  hier,  wie  auch  bei  den  übrigen 
böhmischen  Urgebirgen,  eine  fortschreitende  Senkung  des  Bodens,  während  in 
den  Alpenländern  das  gerade  Gegentheil  stattfand.  Desshalb  überragen  auch  an 
Höhe  die  alt-  und  jungsedimentären  Ablagerungen  der  letzteren  die  Culminations- 
punkte  der  böhmischen,  überhaupt  der  norddeutschen  Urgebirge  mehr  als  um 
das  Doppelte,  ein  Umstand,  der  sich  durch  die  Erosion  allein  durchaus  nicht 
erklären  liesse.  Die  scharf  ausgeprägten  Bruchkanten  der  mittelalten  alpinen 
Sedimentsgebilde  im  Süden  der  oberen  Donauländerund  die  hier  ununterbrochen 
fortziehenden  Tertiär-Ablagerungen  sprechen  unzweideutig  für  das  Vorhanden- 
sein eines  bedeutenden  Verwerfungsgebietes , von  wo  aus  wahrscheinlich  zu 
wiederholten  Malen,  besonders  aber  vor  Beginn  der  Neogenperiode  grossartige 
Terrainsdislocationen  oder  gleichsam  die  geologische  Zweitheilung  oder  Spaltung 
von  Central-Europa  vor  sich  gegangen  ist. 

Dieser  durch  geologische  und  geographische  Erscheinungen  vielfach  erhär- 
tete Umstand  erklärt  nun  auch  all1  die  Anomalien,  die  sich  in  Bezug  der  Niveau-* 
Verhältnisse  dieser  Ländergebiete  kundgeben,  vorzugsweise  aber,  dass  die 
böhmischen  und  mährischen  Gebirge,  ungeachtet  ihres  viel  höheren  geologi- 
schen Alters  und  ihrer  verhältnissmässig  doch  so  geringen  horizontalen  Ent- 
fernung von  den  Alpen  diesen  gegenüber  in  ihren  Relief  so  weit  nachstehen. 

Im  sudetischen  Gebirgszuge  des  Herzynischen  Kettensystems  breitet  sich 
das  Riesengebirge  mit  Einschluss  des  Iser-  und  Jeschkengebirges  bekanntlich 
zwischen  dem  „Lausitzer“  und  „Glatzer“  Gebirge  aus.  Von  diesem  letzteren, 
dessen  nächste,  zumeist  aus  altsedimentären  Gebilden  bestehende  Antheile  im 
Nordwesten,  die  von  einander  ziemlich  scharf  gesonderten  „Habelschwerter  und 
Heuscheuer  Bergländer“,  die  „Adersbacher  Quaderfelsen“,  das  „Schweidnitzer“ 
und  „Ueberschargebirge“,  scheidet  sich  das  Riesengebirge,  namentlich  durch 
das  Schatzlarer  und  Hirschberger  Hügelland  scharf  ah.  Weniger  scharf  erscheint 
die  Sonderung  gegen  das  „Oberlausitzer  Gebirge“.  Böhmischer  Seits  hängt 
dieses,  wie  schon  an  einem  anderen  Orte  auseinandergesetzt,  durch  den  „Berg- 
zug den  Jeschken“,  an  den  sich  weiter  östlich  die  „Schwarzbrunner  Bergkette“ 
(458°)  anschliesst,  ziemlich  eng  mit  dem  riesengebirgischen  Antheil  der  rechlen 
Iserseite  oder  mit  dem  sogenannten  „Isergebirge“  zusammen.  Dieses  letztere  ist 
aber  selbst  durch  das  Iserthai  böhmischer  Seits  eben  so  wenig  geologisch  als 
geographisch  von  dem  Gebirge  an  der  linken  Flussseite,  welches  man  gewöhn- 
lich als  das  „eigentliche“  Riesengebirge  zu  bezeichnen  pflegt,  scharf  geschieden. 
Denn  nicht  allein,  dass  schon  dies  Thal  grösstentheil  ein  äusserst  schmales, 
pralliges  Erosionsthal  ist,  setzen  auch  die  Schichten  der  krystallinischen  Schiefer 
quer  über  dasselbe  und  eben  so  der  Granitit.  Eine  orographische  Scheide  existirt 
hier  also  nicht,  weil  es  eben  auch  keine  geologische  gibt. 

In  seiner  Massenentfaltung  verleiht  der  Granitit  dem  nordwestlichen  Theile 
des  Gebirges  gegenüber  dem  östlichen  wohl  eine  etwas  abweichende  Physiogno- 
mie, und  es  liesse  sich  jeder  Gebirgstheii  zwischen  der  Neisse,  Wittig  und  Iser 
mit  dem  Wittig-  oder  Rollberg,  Sichhügel  (591°),  dem  Welschen-  und  Mittel- 
Iser-Kamm  (beide  über  530°),  als  eine  für  sich  mehr  selbstständige  Berggruppe 
bezeichnen,  und  die  Benennung  „Isergebirge“  wäre  so  auch  geographisch  auf- 
recht zu  erhalten.  Allein  dies  gilt  nur  auf  böhmischer  Seite.  Denn  nach  Preussisch- 
Schlesien  zu  sehliesst  es  sich  durch  den  Heiligenberg , den  Wolschenkamm  und 
die  Tafelfichte  (592°)  dem  Hohen-,  Iser-  oder  Riesenkamm  (530  bis  570°)  eng 


398 


Johann  Jokely. 


PJ 


an,  und  dieser  steht  wieder  durch  den  Rücken  des  Theisen-Hübels,  der  Wasser- 
scheide zwischen  dem  Iser-  und  Zackenthale,  mit  dem  Hauptkamm  des  Riesen- 
gebirges in  unmittelbarem  Zusammenhänge,  dessen  höchste  Kuppen:  der  Reif- 
träger  (750°),  Spitzberg,  das  hohe  Rad  (794°),  die  grosse  und  kleine  Sturm- 
haube (erstm-e  772°) , der  Silberberg,  die  Schneekoppe  (851°)  *),  schwarze 
Koppe  (743°)  und  die  Fichtiglehne  mit  den  Tafelsteinen. 

Dieser  liauptkamm,  von  einer  mittleren  Höhe  von  750  Klafter,  besteht  bis 
zur  Schneekoppe  aus  Granitit,  von  ihr  östlich  aus  Glimmerschiefer  und  Urthon- 
schiefer.  Südlich  scldiessen  sich  an  ihn  zwei  Parallelrücken  an,  der  des  Kekonos 
(700  bis  750°)  mit  dem  Kesselberg  (756°)  und  des  Rrunnberges  (819°)  mit 
dem  Ziegenrücken  (740  bis  760°).  Das  Elbethal  trennt  sie  von  einander,  die 
Siebengründe  aber  theilweise  von  jenem  Granititkamm,  während  der  Riesengrund 
(Gross-Aupathal)  den  Brunnberg  von  der  Schneekoppe  scheidet.  Diese  beiden 
Parallelrücken  stehen  mit  dem  Hauptkamm,  der  Wasserscheide  für  das  Elbe-  und 
Oderflussgebiet,  durch  die  Elbe  und  weisse  Wiese  (650  bis  700°)  in  Verbin- 
dung, und  sind  in  der  Hauptsache  die  vom  Granitit  aufgerissenen  Schichtenköpfe 
des  Urthonschiefers. 

Von  diesen  beiden  Rücken  zweigen  sich  mehrere  Joche  oder  Aesle  aus. 
Vom  Kesselberg  namentlich  zwei  zwischen  dem  Iser-  und  Elbethal,  durchschnitten 
von  der  kleinen  Iser  des  Jiciner  Kreises  (zum  Unterschiede  von  der  kleinen  Iser 
des  Bunzlauer  Kreises,  welche  im  Isergebirge  als  Nebenfluss  der  grossen  Iser 
östlich  vom  Wittighaus  entspringt),  mit  dem  Wolfskamm  (600°)  und  Kobilaberg 
(472°)  einerseits,  andererseits  mit  dem  Kreuselberg  (über  600°),  Finsterstein 
(530°)  und  Heidelberger  Ziegenrücken  (545°).  Der  Brunnberg,  nach  der 
Schneekoppe  der  zweithöchste  Punkt  des  Riesengebirges , entsendet  zwischen 
dem  Elbe-  und  Gross-Aupathal  neben  dem  kleineren  Aste  des  Heuschober-  (über 
750°)  und  Planurberges  (627°),  die  des  Beeren-  und  Fuchsberges  (718°),  von 
welcher  der  letztere  im  Südosten  mit  dem  Forst-  und  Schwarzenberg  (685°) 
bei  einer  Höhendifferenz  von  nahezu  350  Klafter  jähe  gegen  das  Hügelland  des 
Rothliegenden  abfällt. 

Oestlich  von  Gross-Aupathal  erscheint  dem  von  der  Schneekoppe  südwärts 
ausspringenden  Keil  der  „Rose“  und  eines  grösseren  der  Schwarzenkoppe  aus- 
laufenden Rückens  mit  dem  Löwenberg  (zwischen  dem  Gross-  und  Klein-Aupa- 
tlial)  das  mächtige  mit  der  „Fichtiglehne“  zusammenhängende  Joch  des  „Kolben- 
berges“ (über  600°).  Ausser  dem  Seitenaste  des  „Langenberges“  (537°) 
entsendet  es  einen  zweiten  weit  breiteren  Rücken  südwärts  mit  dem  „Tüpelstein“ 
(478°),  an  den  sich  das  „Rehhorngebirge“  mit  dem  „Hofbusch“  (539°) 
anschliesst,  ein  über  das  Rothliegendniveau  ebenfalls  ziemlich  steil  aufsteigender 
Bergrücken,  mit  nur  unbedeutenden  Nebenästen. 

Dieses  letztere  Joch  mit  dem  noch  höheren  des  „Schwarzenberges“  bilden 
den  am  schroffsten  sich  über  das  Rothliegende  emporhebenden  Theil  des  Riesen- 
gebirges an  seinem  Südrande.  Weiter  westwärts  steigen  die  Urthonschieferberge 
der  sogenannten  Aeste  über  dasselbe  bereits  sanfter  auf,  und  nehmen  erst  in 
nördlicher  Richtung  allmälig  an  Höhe  zu,  bis  sie  in  ihren  vorgenannten  Knoten 
ihre  localen  Culminationspunkte  erreichen.  Gleichwie  nun  die  krystallinischen 
Gebilde  sich  im  östlichen  Theile  des  Gebirges  von  den  Ablagerungen  des  Roth- 
liegenden überall  scharf  scheiden , findet  dasselbe  auch  im  westlichen , nament- 


4)  Diese  trigonometrisch  bestimmte  Höhe  der  Schneekoppe  bezieht  sich  auf  die  Spitze 
der  Capelle , es  sind  daher  von  ihr  für  die  wahre  Höhe  der  Koppe  selbst  etwa  7 bis 
8 Klafter  abzuziehen. 


Das  Riesengebiige  in  Böhmen. 


399 


[4] 

lieh  beim  Bergzug  des  Jeschken  gegenüber  dem  Quadersteine  statt.  Nach  diesem 
wäre  es  daher  vollkommen  unbegründet,  wenn  man  insbesondere  das  Hügelland 
oder  Plateau  des  Rothliegenden  an  der  Südseite  des  Biesengebirges  als  ein 
„Vorgebirge“  desselben  ansehen  würde,  wie  es  irrtümlicher  Weise  jedoch 
gemeiniglich  geschieht.  Erhebt  es  sich  selbst  auch  namentlich  im  Jiciner  und  im 
Osten  vom  Bunzlauer  Kreise  über  das  benachbarte  grösstentheils  von  Diluvien 
bedeckte  Quadersandsteingebiet,  besonders  zwischen  Gross-Skal  und  Königinhof 
in  ziemlich  markirter  Weise,  bei  einer  Höhendifferenz  von  250  bis  350  Fuss, 
so  lehnt  es  sich  auf  der  anderen  Seite  an  die  krystallinischen  Schiefermassen  des 
Riesengebirges  doch  nur  gleich  einer  verhältnissmässig  niedrigen  Stufe  oder 
Terrasse  von  einer  Mittelhöhe  von  1600  Fuss  an,  über  welche  sich  die  ersteren, 
wie  gesagt,  mit  viel  steilerer  Böschung  und  relativ  mehr  oder  minder  hoch 
emporheben. 

Eine  Ausnahme  von  dieser  Regel  machen  am  Fusse  des  mittleren  Gebirgs- 
theiles  blos  der  untere  Melaphyrstrom  mit  den  ihn  unterteufenden  Rothliegend- 
Conglomeraten,  die  zwischen  Semil  und  Starkenbach  ohne  besonders  scharfer 
Scheidung  mit  den  krystallinischen  Schiefern  gleich  steil  über  die  hängenderen 
Schichten  dieser  Formation  emporsteigen.  Dasselbe  gilt  von  der,  einem  höheren 
Horizonte  angehörigen  Melaphyrmasse  des  Kozäkow  (392°),  welche  zwischen 
Semil  und  Libenau  theils  mit  dem  Urthonschiefer  orographisch  innig  verschmilzt, 
theils  denselben,  wie  von  ersterein  Orte  westlich,  an  der  linken  Iserseite,  um 
10  bis  25  Klafter  hoch  überragt. 


Petrographische  Verhältnisse  und  Gesteinsverbreitung. 

Die  Eingangs  bezeichneten  Werke  und  auch  eine  allgemeine  Skizze  von 
E.  Porth  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1857,  IV)  geben  eine 
mehr  oder  minder  richtige  Charakteristik  der  massigen  und  schieferigen  krystal- 
linischen Gebilde  des  Riesengebirges.  Ueber  das  Vorhandensein  des  wichtigsten 
Gliedes  dieser  letzteren,  des  eruptiven  Gneisses  nämlich,  fehlt  aber  fast  jede 
Andeutung.  Auf  dem  bisher  erschienenen  Theile  der  preussisch-schlesischen 
Karte  sind  hingegen  beide  Gneisspartien  von  Gross-  und  Klein- Aupa  bereits 
richtig  dargestellt. 

Ueber  dem  Gneisse  herrschen  vorzugsweise  Glimmer-  und  Urthonschiefer 
mit  zahlreichen  Einlagerungen  von  Quarzitschiefern,  grünen  oder  Am- 
phibolschiefern, körnigen  Kalksteinen,  erzführenden  Malakolithen. 
Unter  den  alteruptiven  Massen  spielt  der  Granitit  die  Hauptrolle.  Der  Granit 
selbst  ist  untergeordnet,  und  von  den  jüngeren  erscheinen  Porphyr,  M elaphyr 
und  Basalt  nur  höschst  sporadisch. 

Durch  jene  Einlagerungen  und  die  ziemlich  complicirten  Lagerungsverhält- 
nisse gewinnt  das  sonst  seinen  Hauptgesteinsmassen  nach  mehr  einförmige 
Gebirge  eben  so  sehr  an  Interesse,  als  es,  in  Bezug  der  richtigen  Deutung  der 
geologischen  Verhältnisse  auch  so  manche  Schwierigkeiten  darbietet. 

Im  Allgemeinen  ist  der  hiesige  Glimmerschiefer  ein  Mittelglied 
zwischen  grossschuppigem  Glimmerschiefer  und  Phyliit,  unterscheidet  sich  aber 
im  grossen  Ganzen  von  diesem,  nebst  seiner  mehr  massigen  Reliefform,  durch 
die  mehr  minder  zahlreich  eingestreuten  Granaten.  Gewöhnlich  haben  diese  nur 
die  Grösse  eines  Hirsekornes  und  scheinen  vorzugsweise  Kalkthongranaten  zu  sein. 

K.  lt.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft.  51 


400 


Johann  Jokcly. 


[»] 

Häufig  jedoch  sind  sie  in  Feldspath  umgewandelt,  der  das  Gestein  sehr  häufig 
auch  in  mehrere  Zoll  starke  Lagen  durchzieht,  wodurch  es  nicht  selten  eine 
gneissartige  Beschaffenheit  annimmt. 

Der  Ur th on s chi efer  oder  Phyllit  gleicht  in  jeder  Beziehung  und  in 
allen  seinen  Abänderungen,  vom  Dachschiefer  an  bis  zu  den  durch  Granit  oder 
Granitit  metamophosirten  Fleckschiefern,  vollkommen  dem  des  Jeschkengehirges 
oder  Erzgebirges.  Auch  an  Gneiss-  oder  Feldspat hphylliten  fehlt  es 
nicht,  namentlich  an  manchen  Stellen  der  Granit-  und  Granititgrenze.  Irrthüm- 
licher  Weise  wurde  aber  diese  Abänderung  oftmals  als  wirklicher  Gneiss 
gedeutet. 

Die  Daschiefer  sind  blos  an  der  rechten  Iserseite  vorhanden,  wo  sie 
unter  ziemlich  abnormer  Lagerung  zwischen  Jilow  und  Kamenitz  beginnen  und 
westwärts  bis  in  die  Reichenauer  Gegend  fortsetzen.  Bei  den  ersteren  Orten, 
dann  bei  Jirkow,  Racisz,  Nabsei  und  Bratrikow  gewinnt  man  sie  in  zahllosen 
Brüchen.  (Ein  Schock  gemischter  Platten  (63  Stück)  kostet  von  der  schlechteren 
fleckigen  Sorte  40  Neukreuzer,  von  der  grünen  50  Neukreuzer  und  von  der 
grauen  60  Neukreuzer.) 

Auch  der  hiesige  eruptive  Gneiss  hat  mit  jenem  der  vorgenannten 
Gebirge  eine  analoge  Beschaffenheit.  Im  Allgemeinen  ist  er  hier  aber  selten 
grobkörnig,  granitisch  oder  knollig,  gewöhnlich  mehr  dünnflasrig,  häufig  sehr 
quarzreich  und  die  Quarz-  und  Feldspathlagen  nicht  selten  in  ihrem  Gefüge  fast 
mikroskopisch  dicht.  Der  Glimmer,  licht  oder  dunkel,  oft  durch  grünlichen  Talk 
oder  Chlorit  vertreten,  ist  am  untergeordnetsten  oder  tritt  local  fast  ganz  zurück. 
Die  schönsten  Abänderungen,  weiss,  roth,  grün  gebändert,  fanden  sich  bei 
einem  gangförmigen  Vorkommen  am  südlichen  Ende  des  Rückens  zwischen 
Kolbendorf  und  Albendorf.  Auf  die  Analogie  dieser  nordböhmischen  Gneisse  mit 
den  mehr  minder  granitischen  Gneissen  anderer  Länder,  namentlich  Skandina- 
viens und  der  Alpen,  wurde  bereits  an  anderen  Orten  hingewiesen.  Und  so  wäre 
es  wohl  in  mancher  Besiehung  erwünscht,  dessen  Benennung  schärfer  zu  prä- 
cisiren.  Der  Namen  „Protogyn“  dürfte  am  geeignetsten  erscheinen,  besonders 
zur  näheren  Unterscheidung  dieser  Gesteinsart  von  dem  älteren  Gneisse,  und  in 
der  Folge  soll  auch  diese  Benennung  beibehalten  werden. 

Der  Granit,  welcher  an  der  Südseite  des  centralen  Granititmassivs  den 
Schwarzbrunner  Bergzug  zusammensetzt  und  an  dessen  Nordseite  gang-  und 
stockförmig  oder  lagerartig  den  eruptiven  Gneiss,  namentlich  der  Friedländischen 
Niederung  durchsetzt,  ist  dem  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
1859,  III  (der  nordwestliche  Theil  des  Riesengebirges  und  das  Gebirge  von 
Rumburg  und  Hainsspach  in  Böhmen)  beschriebenen  vollkommen  ähnlich.  Eben 
daselbst  wurde  die  petrographische  Eigenschaft  des  Granitit  näher  auseinander- 
gesetzt. Hier  sei  nur  noch  erwähnt,  dass  der  Granitit  in  den  höheren  Theilen 
des  Isergebirges  und  am  Hauptkamm  des  Riesengebirges  mitunter  manche  Ab- 
weichungen von  seinem  Normalcharakter  erleidet.  Die  fleischrothen  Orthoklas- 
zwillinge verschwinden  aus  der  Gesteinsmasse  bisweilen  fast  gänzlich  und  sie 
wird  dabei  oftmals  so  klein-  bis  feinkörnig,  wie  bei  manchen  Ganggraniten.  Der 
vorherrschende  Gehalt  an  Oligoklas  und  das  constante  Fehlen  eines  weissen 
Glimmers  charakterisiren  ihn  aber  als  solchen  immer  noch  vollkommen,  beson- 
ders gegenüber  dem,  vorzugsweise  weissen  Glimmer  führenden  Granite  von 
Schwarzbrunn. 

Hinsichtlich  der  krystallinischen  Schiefer  erscheint  der  Granitit  im  eigent- 
lichen Riesengebirge  auf  böhmischer  Seite  mehr  untergeordnet.  Vom  sogenann- 
ten Isergebirge,  wo  er  das  Gebiet  zwischen  der  Reichenberger  Niederung  und 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


401 


[«] 

der  Iser  einerseits,  andererseits  zwischen  dem  Granite  des  Schwarzbrunner 
Bergzuges  und  dem  Wittigthal,  ausschliesslich  der  Tafelfichte,  einnimmt,  zieht 
er  bei  Harrachsdorf  (Neuwald)  über  die  Iser  und  setzt  da  die  nur  etwa  eine 
halbe  Meile  breite  Zone  zusammen,  zwischen  der  Landesgrenze  und  einer  Linie, 
die  über  die  Nordgehänge  des  Teufelsberges,  des  Blechkammes,  Kahlenberges 
(bei  Seifenbach),  Kesselberges  (bei  Ober-Rochlitz),  des  Krkonos,  Ziegenrückens 
(bei  Spindelmühle)  und  des  Brunnberges  bis  zur  Schneekoppe  verläuft.  In 
kleinen  Aesten  dringt  er  an  seinen  Contactstellen  mit  dem  Urthonschiefer  viel- 
fach in  diesem  ein  oder  setzt  auch  entfernter,  wie  im  oberen  Theile  von  St.  Peter, 
in  verticalen  Gangstöcken  in  ihm  durch. 

Der  südliche  Granit  zieht  von  der  Langenbrucker  Gegend  in  einem  bis 
1200  Klafter  breiten  Streifen  ostwärts  bis  zur  Iser  bei  Tannwald,  auf  eine 
geringe  Strecke  auch  darüber  und  keilt  sich  im  oberen  Theile  von  Schumburg 
zwischen  Granitit  und  den  Fleckschiefern  bereits  gänzlich  aus. 

An  diese  südliche  Granit- Granititgrenze  stösst  durchgehends 
unmittelbar  Urthonschiefer*.  Und  zwar  bildet  er  westlich  der  Iser  bis  zum 
Jeschkengebirge  den  diesbezüglichen  Theil  des  Riesengebirges.  An  der  Ostseite 
der  Iser  ist  hingegen  seine  Verbreitung  eine  beschränktere,  dabei  aber  sein 
Grenzverlauf  dem  Glimmerschiefer  gegenüber,  in  Folge  gewaltiger  und  zahl- 
reicher Verwerfungen  ein  derart  unregelmässiger,  dass  es  bisher  noch  von 
keiner  Seite  gelungen  ist  seine  Grenzen  vollkommen  scharf  und  richtig  zu  be- 
stimmen. Uebrigens  ist  dieser  Gebirgstheil  grösstentheils  auch  dem  Glimmer- 
schiefer zugerechnet  worden. 

Von  der  Seifenbacher  Gegend,  wo  der  Urthonschiefer  den  Teufelsberg, 
Blechkamm,  Kahlenberg  und  Kaltenberg  zum  Theil  zusammensetzt,  zieht  er,  am 
Contacte  des  Granitits  zumeist  ein  Fleckschiefer,  in  einem  schmalen 
Streifen  ostwärts  über  den  Kesselberg,  Krkonos,  Ziegenrücken,  Brunnberg  und 
die  Schneekoppe  bis  dicht  an  die  Sehwarze-Koppe  *)  und  bildet  die  vorerwähnten 
zwei  Parallelkämme , südlich  des  aus  Granitit  bestehenden,  wasserscheidenden 
Hauptkammes.  In  ihrer  Massen-  und  Längenausdehnung  stehen  also  beide  dem 
letzteren  nach,  haben  aber  nahezu  dieselbe  Passhöhe  und  tragen  dazu  den  höch- 
sten Rücken  und  die  höchste  Kuppe  des  Gebirges,  den  Brunnberg  und  die 
Schneekoppe  oder  Riesenkoppe. 

Die  Umgebung  von  Ober-  und  Nieder-Rochlitz  sammt  dem  Wachstein  be- 
steht ebenfalls  ganz  aus  Phyllit  bis  zum  Wolfskamm.  In  südlicher  Richtung  setzt 
er,  ostwärts  ausspringend  bis  Resek,  über  die  Umgebungen  von  Franzensthal, 
Buran,  Bratrikow,  Ober-  und  Nieder-Duschnitz , Ponikla  bis  an  die  Grenze  des 
Rothliegenden  bei  Wichowa  und  Stepanitz.  Dann  ist  er  am  Südrande  des  Gebir- 
ges in  mehr  minder  ausgedehnten  Schollen  zwischen  Glimmerschiefer  unter  ganz 
abnormen  Lagerungsverhältnissen  eingekeilt,  so  zwischen  Krislitz  und  Benecko, 
bei  Schreibendorf  und  zwischen  Schwarzenthal  und  Schatzlar.  Hier  tritt  er  be- 
sonders mächtig  auf  und  ist  nur  durch  einen  äusserst  schmalen  Glimmerschiefer- 
streifen von  Protogyn  des  Schwarzenberges  geschieden.  Alle  diese  Phyllit- 
schollen  sind  auf  der  Aufnahmskarte  wo  möglich  auf  das  Schärfste  ausgesclrieden. 

Der  übrige  Theil  des  Gebirges  an  der  Ostseite  der  Iser  besteht,  mit  Aus- 
nahme der  näher  zu  bezeichnenden  Protogynstöcke  und  Gänge,  sonst  ganz  aus 


0 Vergleiche  Reisebericht  vom  August  1859  (in  den  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt)  über  einen  Ausflug  auf  die  Schneekoppe.  Zu  berichtigen  wäre  aber  dort 
die  irrthümliche  Bezeichnung  des  Granitit  als  Granit  am  Nordgehänge  der  Schnee- 
koppe. 


Ziegenrücken  und  der  westliche  Thcil  des  Brunnberges  bei  Spindelmühle, 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


403 


[8] 


Glimmerschiefer,  in  seiner  oben  bezeichneten,  mehr  minder  phyllitartigen 
Beschaffenheit.  Bemerkenswerth  ist  es  bei  ihm,  dass  er  mit  Ausnahme  der  früher 
bezeichneten,  aus  Fleckschiefern  bestehenden  beiden  Parallelkämme  dem  Urthon- 
schiefergebiet  gegenüber  den  relativ  viel  höheren  Mitteltheil  des  Gebirges  bildet, 
so  namentlich  zwischen  der  kleinen  Iser  und  Elbe,  den  Wolfskamm  bei  Ober- 
Rochlitz,  den  Kobilaberg  westlich  bei  Wittkowitz,  den  Finsterstein,  die 
Schwozerkoppe  und  den  Kreuselberg,  dann  zwischen  dem  Elbe-  und  Gross- 
Aupalhal,  den  Planur  und  Heuschober,  den  Beeren-,  Fuchs-  und  Baumberg, 
und  östlich  des  letzteren  Thaies  die  Rose,  den  Löwenberg,  die  Schwarze-Koppe 
und  die  Fichtiglehne  bei  Grenzbauden. 

Nahezu  als  centraler  Kern  ditser  Glimmerschiefermasse  erscheint  der 
Prot o gyn,  namentlich  in  jener  bedeutenden  lagerstockförmigen  Masse,  die  am 
Heidelberger  Ziegenrücken  bei  Hohenelbe  und  bei  Ochsengraben  beginnt  und 
von  hier  über  dem  Hackelsdorfer  Heidelberg,  den  Wachur,  Mühlkoppe,  Bönisch- 
berg  bis  zum  Schwarzen-  und  Forstberg  ostwärts,  dann  mit  nördlicher  Richtung, 
das  Gross-  und  Klein-Aupathal  überschreitend,  über  den  Langenberg  bis  an  den 
Kolbenberg  bei  Rennerbauden  fortsetzt.  Der  Grenzverlauf  ist  ziemlich  regel- 
mässig, nur  nördlich  vom  Schwarzenberg  bildet  der  Protogyn  eine  über  die 
Bohnwiesbauden  bis  zum  Gross-Aupathal  bei  Petzer  ausspringende  Zunge,  und 
eine  südwärts  auslaufende  in  Duokelthal. 

Neben  diesem  grossen  Lagerstock  erscheint  an  seiner  Westseite  ein  zweiter, 
doch  viel  geringerer,  zwischen  Gross-Aupa  und  Grenzbauden,  wo  er  eine  Strecke 
auch  über  die  Landesgrenze  hinübersetzt.  Bei  ersterem  Orte  bildet  der  Protogyn 
namentlich  den  Finkenberg.  Ein  noch  geringeres  Vorkommen  bietet  die  nord- 
östliche Lehne  des  Fuchsberges,  zwischen  Braunberg  und  dem  Richterwasser 
bei  Zehgrund,  dann  im  Riesengrund , an  den  beiden  Abfällen  der  Scbneekoppe 
und  des  östlichen  des  Brunnberges,  und  südlich  unterhalb  der  Kröllbaude, 
nördlich  von  Petzer. 

An  einigen  Stellen  zweigen  sich  aus  den  beiden  grösseren  Stöcken  gang- 
förmige Apophysen  aus.  Sie  aufzufinden  und  richtig  zu  fixiren,  dazu  bedurfte  es 
keiner  geringen  Mühe,  indem  sich  ihre  Anwesenheit  oft  nur  durch  Blöcke  kund 
gibt.  Ein  solcher  Gang  fand  sich  zwischen  Simmerberg  und  Simmahäuser  und 
scheint,  wenigstens  in  der  Teufe,  mit  den  zwei  grossen  Lagerstöcken  zwischen 
Klein-Aupa  und  Hinter-Buchbauden  zusammen  zu  hängen.  Ein  anderer  viel  aus- 
gezeichneter Protogyngang  setzt  ebenfalls  im  Glimmerschiefer  an  der  Ostseite 
von  Marschendorf  auf.  Er  zweigt  sich  vom  Protogyn  des  Langenberges  bei  Nieder- 
Kolbendorf  aus,  durchsetzt  hier  die  Kalksteinlager,  zieht  dann  an  der  genann- 
ten Seite  des  Gross-Aupatliales  auf  mehr  als  */8  Meile  langen  Strecke  in  südlicher 
Richtung  bis  zu  den  unteren  Häusern  vom  ersten  Theile  Marschendorfs  fort, 
wendet  sich  hier  dicht  am  Phyllit  des  Kuhberges  westwärts,  wobei  er  wieder  an 
Kalksteinlager  absetzt,  und  bildet  dann  nördlich  von  der  Strasse,  die  von  Freiheit 
nach  Johannesbad  führt,  eine  ziemlich  markirte  Bergkuppe.  Hier  bricht  man 
den  Protogyn  an  mehreren  Stellen  zu  Baustein.  Von  hier  nach  Südwest  finden 
sich  mehrorts  Spuren  von  diesem  Gange,  namentlich  in  Ost  und  Süd  von  Helfen- 
dorf.  In  geringer  Entfernung  nordwestlich  von  diesem  Gangvorkommen  zeigt 
sich  noch  ein  geringeres  zwischen  dem  zweiten  Theile  von  Marschendorf  und 
Schwarzenberg,  wo  es  ebenfalls  den  hier  vorkommenden  Kalkstein  durchbricht 
und  sich  bis  zur  Johannesbader  Chaussee  verfolgen  lässt;  ein  ähnliches  irn  Süd- 
osten von  Schwarzenthäl,  zum  Theil  auf  der  Fichtenkoppe. 

Auf  der  Nor  dseite  des  Granitit  ist  der  auf  das  betreffende  Aufnahms- 
blatt (Generalstabs -Specialkarte  Nr.  IV)  entfallende  böhmische  Antheil  des 


404 


•Johann  Jokely. 


[9] 

Protogyns  und  Granits,  und  der  vom  ersteren  eingeschlossene  Scholle  von  krystal- 
linischen Schiefern  auf  die  Gegend  von  Neustadtei  und  Heinersdorf  beschränkt. 
Sammt  den  Diluvien  bilden  sie  eben  die  Fortsetzung  der  im  Jahrbuche  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt,  1859,  III,  Seite  370  ff.,  näher  beschriebenen  Gebilde 
der  Friedländischen  Niederung  und  der  Liebwerdaer  Berge. 

Zunächst  an  den  Granitit  grenzt  hier  der  Protogyn  der  Tafelfichte  und 
des  Wolschen  Kammes  mit  einigen  Gra  n i teinschlüssen.  Hierauf  folgt  nordwärts 
als  integrirender  Theil  der  Liebwerda-Voigtsdorfer  Schieferscholle  ein  schmaler 
Streifen  Glimmerschiefer,  dann  Phyllit,  welcher  den  Sau-,  Kupfer-  und 
Rapitzberg  bildet , mit  Uebergängen  in  Da chs  ch i e fer,  die  man  am  Kupfer- 
berg bereits  längere  Zeit  gewinnt.  Diese  Berge  fallen  steil  ab  gegen  die  Neu- 
stadtler  Niederung  und  bezeichnen  mit  den  westlich  angrenzenden  Bergen  von 
Lusdorf,  Liebwerda  und  Hohenwald  böhmischer  Seits  die  Nordgrenze  des  Riesen-, 
bezugsweise  Isergebirges. 

Die  Niederung  der  Gegenden  von  Neustadtei  und  Heinersdorf  bildet,  mit 
Ausnahme  einiger  Granitpartien,  Protogyn.  Die  bedeutendere  der  Granit- 
massen sefzt  den  Rücken  im  Heinersdorfer  Forste  zusammen.  Diluvialer 
Lehm  bedeckt  auch  hier  die  tieferen  Thalflächen,  namentlich  bei  Neustadtei  und 
Dittersbächl , und  Schotter  auch  die  höheren  Hügelrücken  bei  Wünschendorf. 

Lagerungsverhältnisse. 

Bereits  bei  der  Beschreibung  „der  nordwestiichen  Ausläufer  des  Riesen- 
gebirges“ a.  a.  0.  wurde  das  relative  Alter  der  beiden  granitischen  Massen- 
gesteine näher  bezeichnet,  und  namentlich  auf  das  jüngere  Alter  des  Granitits 
gegenüber  dem  Granite  hingewiesen.  Dass  nun  jener  unter  solchen  Umständen 
und  bei  seiner  bedeutenden  Massenausdehnung  einen  vorherrschenden  Einfluss 
auf  den  Gebirgsbau,  die  stratigraphischen  Verhältnisse  der  krystallinischen 
Schiefer  ausüben  muss,  ist  einleuchtend.  Daneben  verläugnet  sich  aber  in  dieser 
Beziehung  auch  die  Einwirkung  des  Protogyns  keineswegs,  wenn  sie  auch,  als 
eine  viel  ältere,  durch  den  späteren  Granititdurchbruch  in  rtiancher  Beziehung 
paralysirt  worden  ist.  Die  Aufrichtung  des  Glimmerschiefers  in  der  südlichen 
■Hälfte  des  Gebirges  und  die  zahlreichen  Verwerfungen  des  Phyllits , wie  sie 
namentlich  an  dessem  Südrande  zur  Erscheinung  gelangen,  sind  hauptsächlich 
sein  Werk. 

Dann  gibt  es  hier  noch  solche  Verwerfungen,  welche  sich  mit  der  Eruption 
jener  Gebilde  in  keinen  unmittelbaren  Zusammenhang  bringen  lassen,  ausser  in 
so  weit  sie,  namentlich  der  Granitit,  weniger  der  Granit,  Verwerfungen  ver- 
anlassten , welche  eine  von  der  als  mehr  normal  anzusehenden  Schichtenstellung 
eine  völlig  abweichende  hervorriefen.  Es  ist  das  insbesondere  die  nördliche 
Fallrichtung  der  krystallinischen  Schiefer  am  Südrande  des  Gebirges  zwischen 
Schwarzenthal  und  Eisenbrod,  im  Gegensätze  zu  der  mehr  südlichen,  in  der 
näheren  Nachbarschaft  des  Granitits  und  zum  Theil  des  Protogyns.  In  diesem 
Falle  wäre  jene  Schichtenzone  längs  Verwerfungsspalten , die  sich  mehrorts 
sicher  nachweisen  lassen , während  der  Granitit-  oder  Graniteruption  gegen  die 
andere  Zone  mit  südlichem  Schichtenabfalle  widersinnisch  verschoben  worden. 
Sehr  wahrscheinlich  ist  es  ferner  auch , dass  jene  Zone  mit  widersinnischem 
Verflächen  noch  eine  vor  der  Granititperiode  bestandene  Schichtenlage  bezeich- 
net, hier  bezugsweise  indessen  einer  rückständigen  Parcelle  desjenigen  Schiefer- 
gebietes, welches  vor  der  Steinkohlen-  und  Rothliegendepoche  noch  frei  lag  und 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


40S 


[10] 


bei  höherem  Niveau  die  jetzigen  riesengebirgischen  Schiefennassen  mit  jenen 
des  Inneren  Böhmens,  südlich  der  Elbe  unmittelbar  verband.  Nach  dieser 
Deutung  wäre  dann  die  Zone  mit  südlichem  Verflachen  der  durch  den  Granitit 
im  entgegengesetzten  Sinne  umgeklappte  Theil  der  ursprünglich  gleichfalls  nord- 
wärts geneigten  Schiefermassen. 

Indessen  waren  seit  der  Silurzeit  in  ganz  Böhmen  die  Gebirgsstörungen  und 
Dislocationen  so  namhaft  und  vielfältig,  dass  es  jetzt,  wo  die  zu  verschiedenen 
Zeiten  erfolgten  Terrain-Einsenkungen  auf  weite  Strecken  von  jüngeren  und 
älteren  Sedimentgebilden  ausgefüllt  sind,  äusserst  schwer  hält,  .über  die  Con- 
figuration  des  jeweiligen  Festlandes  und  seiner  Architektonik  völlig  sichere 
Schlüsse  zu  fällen.  Wird  übrigens  ganz  Böhmen  in  seinem  Detail  demnach  voll- 
endet sein,  so  wird  eine  Gesammtauffassung  all'  dieser  Verhältnisse  noch  viel 
gewichtige  Thatsachen  auch  in  dieser  Beziehung  an’s  Licht  fördern. 

Was  den  Protogyn  anbelangt,  so  zeigen  sich  bezüglich  seines  Verhaltens 
zum  Glimmerschiefer  ganz  dieselben  Erscheinungen,  wie  im  Erzgebirge.  Er 
hebt  nämlich  dessen  Schichten  theils  zu  beiden  Seiten  steil  empor,  theils  zwängt 
er  sich  parallel  zwischen  sie  hinein,  wobei  sich  stellenweise  seine  Structurs- 
flächen  fächerförmig  nach  oben  auseinanderbreiten.  Dies  oder  jenes  Verhältnis 
zeigt  sich  aber  nicht  ausschliesslich  bei  Einer  gewissen  Gesteinsmasse,  sondern 
sie  lassen  sich  local  bei  einer  und  derselben  zugleich  beobachten,  wie  eben  auch 
bei  dem  grossen  Lagerstock  des  Schwarzenberges.  Wäre  nun  auch  nur  dies 
letztere  Lagerungsverhältniss  das  maassgebende,  so  könnte  dennoch  von  einer 
gleichzeitigen  Entstehung  des  Protogyns  und  Glimmerschiefers  keine  Rede  sein, 
neben  dem  entschieden  gangförmigen  Vorkommen  desselben  Gesteines , das  so 
ganz  heterogene  Bildungen,  wie  die  oben  erwähnten  Kalksteine  bei  Kolbendorf 
und  Freiheit  quer  durchsetzt. 

Am  Nordrande  des  Riesen-,  bezugsweise  Isergebirges  sind,  so  wie  die  Ge- 
steinsbeschaffenheit, auch  die  Lagerungsverhältnisse  dieselben,  wie  in  dem  a.  a.O. 
dargestellten  westlichen  Gebirgstheile.  Hier  ist  der  Protogyn  gleich  der  in  ihm 
schwimmenden  Glimmer-  und  Urthonschieferscholle  vom  Granitit  mit  nördlichem 
Verflächen  aufgerichtet  oder  er  stösst  mit  seinen  Structursflächen  mehr  minder 
schief  an  ihn  ab.  Der  darin  eingeschlossene  Granit  hat  ohne  Zweifel  an  dieser 
Erhebung,  wie  an  der  Tafelfichte,  oder  an  der  Verwerfung,  wie  in  der  Fried- 
ländischen Niederung  gleichzeitig  Theil  genommen. 

Dasselbe  gilt  vom  Granite  des  Schwarzbrunner  Bergzuges,  der  vielleicht  nur 
eine  verhältnissmässig  geringe  Scholle  einer  vom  Granitit  bedeckten  ausgedehnteren 
Granitmasse  darstellt.  Offenbar  ist  er  durch  den  Granitit  mit  dem  von  ihm  unter- 
teuften Phyllit  zugleich  gehoben  worden.  Sein  unmittelbarer  Einfluss,  den  er 
einst  auf  die  Schichtenstellung  des  letzteren  ausgeübt  haben  mochte,  wird  auf 
diese  Weise  ganz  unkenntlich. 

Zur  richtigen  Beurtheilung  der  Lagerungsverhältnisse  sind  die  vorerwähn- 
ten Verwerfungsspalten  von  besonderer  Bedeutung  (vergleiche  die  Profile  der 
Tafel).  Durch  die  richtige  Erkenntniss  ihres  örtlichen  Vorhandenseins  und  Ver- 
laufes erklären  sich  die  angedeuteten  vielfachen  Abnormitäten  in  der  Fallrichtung 
der  Schiefergebilde  und  ihrer  gegenseitigen  Begrenzung.  Natürlich  wird  so  auch 
die  Streichungsrichtung  vielfach  alterirt  und  erleidet  von  der  vorherrschenden, 
zur  Granititgrenze  parallelen  nordöstlichen  bis  östlichen  (Stunde  3 bis  3)  beson- 
ders in  der  Nähe  des  grossen  Protogynstockes  eine  bedeutende  Abweichung. 
Hier  biegt  sie  sich,  übereinstimmend  mit  des  letzteren  Grenzverlaufe,  von  der 
östlichen  geradezu  in  eine  nördliche  Richtung  um,  wie  das  zwischen  Freiheit, 
Schatzlar  und  Grenzbauden,  oder  auch  in  der  Gegend  von  Witkowitz,  sowohl 


Johann  Jokelv. 


406 


mi 


beim  Glimmer-  als  Urthonscliiefer  der  Fall  ist.  Dass  dieser  Erscheinung  nur  die 
Gegenwart  des  Protogyn  zu  Grunde  liegen  kann,  ist  offenbar  zweifellos. 

Durch  andere  Ursachen  bedingt  und  weit  eigenthümlicher  sind  die  Schi  h- 
tenbiegungen,  welche  der  Phyllit  sammt  den  ihm  eingelagerten  grünen  oder 
Amphibolschiefern,  namentlich  zwischen  Hochstadt  und  Esenbrod  zeigt.  Die 
zwischen  Stepanilz  und  Boskow  bei  Stunde  9 bis  11  streichenden  und  unter 
einem  stumpfen  Winkel  an  die  Rotbliegendconglomerate  stossenden  Schichten 
convergiren  mit  jenen,  zwischen  letzterem  Orte  und  Eisenbrod  nach  Stunde  3 
bis  6 streichenden  in  der  Gegend  von  Jessenei,  ziehen  daun  in  nordwestlicher 
Richtung  fort  in  die  Gegend  von  Dfkow,  um  sich  hier  parallel  zur  Granitgrenze 
wieder  nach  Nordost  umzuhiegen.  In  geringeren  Dimensionen  gewahrt  man 
solche  Schichtenkrümmungen  dann  noch  in  der  Gegend  von  Passek  und  Ober- 
Rochlitz,  wo  sie  sich  durch  die  Quarzitschieferzüge  ziemlich  scharf  ausprägen. 
Diese  Erscheinungen  erklären  sich  durch  einfache,  von  Hebungen  begleiteten 
Verwerfungen  allein  nicht,  sondern  neben  solchen  musste  hier  wahrscheinlich 
schon  vom  Granite,  später  aber  gewiss  vom  Grauitit  aus  ein  gewaltiger  Seiten - 
druck  hervorgegangen  sein,  wodurch  mannigfache  Aufstauungen r Berstungen 
und  Knickungen  der  Schiefermassen  bewirkt  worden  sind. 

Ausser  diesen  älteren  Störungen  gibt  es  überdies  hier  noch  solche,  welche 
allem  Anscheine  nach  erst  während  der  Melaphyr-,  und  noch  später  während  der 
Basaltdurchbrüche  erfolgt  sind.  Im  Allgemeinen  scheinen  diese  nur  von  gerin- 
geren Verwerfungen  begleitet  gewesen  und  sich  mehr  auf  den  Band  des  Gebirges 
beschränkt  zu  haben.  Die  Spaltung  des  Iserthaies  in  der  Gegend  von  Eisenbrod, 
dann  des  Wolesnathales  im  Rothliegenden  bei  Semil,  ferner  Ueberkippungen  des 
Phyllits  über  Rothliegendschichten , wie  zwischen  Skodejow  und  Ribnic,  endlich 
einige  geringere,  nun  vom  Diluvium  aus^efüllte  Einsenkungen,  wie  unter 
Anderen  bei  Jessenei,  scheinen  eben  erst  während  der  Basaltepoche  entstanden, 
zu  deren  bedeutendsten  Durchbrüchen  dieser  Gegenden  die  Basaltströme  des 
Kozäkow  gehören. 

Die  auf  der  Tafel  entworfenen  sechs  Profile  gehen  im  Allgemeinen  ein 
Bild  über  die  bisher  bezeichnten  Lagerungsverhältnisse.  Wegen  des  kleinen 
Maassstabes  wurden  die  untergeordneten  Quarzitschiefer,  Amphibolschiefer, 
körnigen  Kalksteine  und  Malakolite  eigens  nicht  ausgeschieden,  die  indessen  sonst 
mit  der  Lagerung  der  krystallinischen  Schiefer  ganz  übpreinstimmen.  Auf  der 
geologischen  Karte  selbst,  die  aus  der  letztjährigen  Aufnahme  hervorgegangen, 
ist  hingegen  allen  diesen  Vorkommen  strengstens  Rechnung  getragen  worden. 
Bezüglich  der  Fallrichtung  wäre  zu  bemerken,  dass  die  Durchschnitte  bei  der 
local  oft  überaus  wechselvollen  Streichungsrichtung  nicht  immer  senkrecht  auf 
dieselbe  geführt  werden  konnten.  Daher  weicht  das  auf  den  Profilen  angegebene 
Verflächen  oft  um  mehrere  Stunden  von  dem  wirklichen  ab.  So  ist  namentlich 
das  südöstliche  Fallen  beim  ersten  Profil  local  ein  östliches,  das  südliche  oder 
nördliche  bei  den  anderen  stellenweise  ein  bezugsweise  südöstliches  bis  südwest- 
liches oder  ein  nordöstliches  bis  nordwestliches.  Der  Maassstab  bei  den  fünf 
ersten  Profilen  ist  gleich  jenem  der  Generalstabs-Specialkarte  (1  Wiener  Zoll  = 
2000  Klafter),  bei  dem  sechsten  um  0 23  kleiner  als  dieser.  Der  Höhenmaass- 
stab ist  bei  allen  grösser. 

Untergeordnete  Gesteine. 

Sie  sind  im  Bereiche  der  krystallinischen  Schiefer  ziemlich  häufig,  im 
Allgemeinen  aber  wenig  mannigfaltig.  Es  gehören  hieher,  wie  bereits  erwähnt, 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


407 


[12] 


Quarzitschiefer,  Amphibol-  und  Pyroxengesfeine,  körnige  Kalksteine,  ferner  als 
echt  eruptive  Gebilde:  Porphyre,  Melaphyre  und  Basalte. 

Die  ersteren  sind  bei  sonst  ganz  gleicher  petrographischer  Beschaffenheit 
sowohl  im  Glimmerschiefer  als  im  Urthonschiefer  entwickelt.  Die  gleichzeitige 
Bildung  der  Quarzitschiefer  mit  den  betreffenden  Schiefergebilden  steht  ausser 
Frage.  Für  die,  wenn  gleich  theilweise  schieferigen  Amphibolgesteine  gilt  dies 
nur  in  so  ferne  als  man,  gleich  wie  bei  jüngeren  Eruptivgebilden,  wie  z.  B den 
Melaphyren,  einen  öfters  wiederholten  Bildungsact  anzunehmen  berechtigt  wird, 
wonach  hier  gleichsam  eine  wechselseitige  Bildung  von  Glimmerschiefer-  oder 
Phyllitsubstanz  und  von  amphibolischen  Massen  stattfand.  Es  bieten  sich  nämlich 
gar  keine  Anhaltspunkte,  nach  denen  sich  die  Gleichaltrigkeit  der  Grauwacken- 
grünsteine mit  jenen  der  älteren  Schiefergebilde  constatiren  Hesse.  Ihre  concor- 
dante  Einlagerung  bei  der  letzteren  scheint  dies  vielmehr  zu  widerlegen,  eben 
so  das  häufige  Zusammenvorkommen  der  körnigen  Kalksteine.  Mehr  minder 
abnorme  Erscheinungen,  sei  es  bei  dem  Auftreten  dieser  oder  jener  Bildungen, 
beruhen  aber  im  Allgemeinen  mehr  auf  localen  Verhältnissen,  in  der  örtlichen 
Umschmelzung  eines  bereits  vorhandenen  Mittels  in  Folge  eines  gewaltigen 
Druckes,  wie  es  Dr.  Cotta  namentlich  auch  bei  den  körnigen  Kalksteinen  nach- 
gewiesen hat. 

Die  Quarzitschiefer  sind  besonders  häufig  im  Urthonschiefer,  und  zwai 
in  der  Gegend  von  Bochlitz,  Passek  und  Prichowitz , wo  sich  fünf  mächtige 
Züge  nachweisen  lassen;  concordant  mit  jenem  streichend  und  verflächend  und 
gleich  ihm  mehrfach  verworfen  und  gekrümmt,  wie  besonders  an  der  Wesf- 
abdachung  des  Wolfskammes  bei  Ober-Bochlitz  und  zwischen  Passek  und  Pricho- 
witz. Imposante  Felspartien  bildet  der  Quarzitschiefer  besonders  an  den  Iser- 
gehängen  von  Nieder-Rochlitz  aufwärts,  wo  das  Thal  quer  seine  Schichten 
durchschneidet,  und  dann  am  Heidstein,  östlich  von  Prichowitz.  Bei  der  vom 
Kesselberge  bis  zur  Schneekoppe  ziehenden  Fleckschieferzone  sind  Quarzit- 
schiefer, hin  und  wieder  feldspathführend , ebenfalls  häufig,  • vorzugsweise 
mächtig  am  Ziegenrücken  bei  St.  Peter.  Anderwärts  sind  sie  im  Urthonschiefer 
mehr  untergeordnet,  wie  zwischen  Jilow  und  Pencow,  bei  Klein  - Horka 
(0.  Eisenbrod)  und  bei  Wichowa  (N.  Starkenbach).  Auch  im  Glimmerschiefer 
haben  sie  keine  besondere  Mächtigkeit.  Hier  finden  sie  sich  mehr  minder  ver- 
einzelt bei  Witkowitz,  Jestrabi,  Krausebauden,  Riebeisen,  bei  Ober-Hohenelbe 
und  bei  Hofbaude. 

Die  grünsteinartigen  Gesteine  sind  von  ganz  derselben  Beschaffen- 
heit wie  die  theils  erzleeren,  theils  erzführenden  des  Erzgebirges,  Jeschken- 
gebirges  oder  Süd-Böhmens.  Neben  Schnüren  und  Nestern  von  Kalkspath  und 
Dolomit  erscheint  nicht  selten  Pistazit,  Granat,  Talk,  Asbest  und  an  vielen 
Stellen  gehen  sie  in,  dem  Malakolith  ähnliche  Gebilde  über,  die  allem  Anscheine 
nach  sammt  jenem  aus  ihnen  durch  chemische  Umwandlungsprocesse  hervor- 
gegangen sind.  Im  letzteren  Falle  und  in  der  Nähe  der  körnigen  Kalksteine  sind 
sie  auch  erzführend,  sonst  erzleer.  Manche  grüne  Schiefer  bestehen  ferner  oft 
durchwegs  aus  einem  chloritartigen  Mineral,  zu  welchem  sich  Delessit  häufig 
zugesellt. 

Am  häufigsten  erscheinen  die  Grünsteine  zwischen  Eisenbrod  und  Ober- 
Boskow,  von  wo  sie  als  ein  förmlicher  Lagerzug  bei  dem  oben  bezeichneten 
Streichen  des  Phyllits  in  einem  grossen  Bogen  bis  in  die  Gegend  von  Drkow 
nordostwärts  fortziehen,  hier  wieder  nordostwärts  umbiegen  und  sich  allmälig 
gegen  Welesnitz  hin  auskeilen.  Dicht  am  Südrande  des  Gebirges,  zwischen 
Ober-Boskow  und  Hohenelbe,  sind  sie  alle  ebenfalls  ziemlich  häufig,  setzen  aber 


52 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft. 


408 


Johann  Johely. 


[13] 


nordwärts  nicht  fort,  indem  sie  hier  vom  Glimmerschiefer  abgeschnitten  werden. 
Sonst  sind  sie  im  Bereiche  des  Phyllits  und  Fleckschiefers  nur  mehr  vereinzelt, 
so  bei  Nieder-  und  Ober-Duschnitz,  Jablonetz,  Passek,  nördlich  von  Zasada, 
bei  Kaltenberg,  am  Kesselberg , Krkonos,  Ziegenrücken,  Schneekoppe,  ferner 
hei  Sch warzenthal  und  zwischen  Schatzlar  und  Freiheit,  in  den  zwischen 
Glimmerschiefer  eingezwängten  Phyllitschollen.  In  dieser  Gegend  erscheinen 
sie  auch  im  Glimmerschiefer  ziemlich  häufig,  namentlich  an  beiden  Seiten  des 
Gross-Aupathales  hei  Marschendorf,  in  seinem  Bereiche  ferner  bei  Rennerhauden 
und  Klein-Aupa  mehrorts,  am  häufigstens  zwischen  Witkowitz  und  Spindelmühle. 

An  vielen  Orten  sind  diese  Grünsteingebilde  und  Malakolithe  auch  von  mehr 
minder  körnigen,  zum  Theil  dolomitischen  Kalksteinen  begleitet.  Ihr 
gegenseitiges  Verhalten  ist  aber  ein  höchst  variables,  dass  sich  darüber  nichts 
Allgemeines  sagen  lässt.  Entweder  überlagern  oder  unterteufen  sie  sich  unmittel- 
bar oder  sie  sind  durch  mehr  minder  mächtige  Schiefermittel  von  einander 
geschieden.  Das  Letztere  ist  der  gewöhnlichere  Fall,  während  die  Kalksteine 
seltener  sich  ganz  vereinzelt  finden,  wie  in  Südost  von  Prichowitz,  westlich  von 
Siehdichfür  (NW.  Rochlitz),  hei  Ponikla,  Heikowitz,  Wichowa,  Ober-Langenau, 
Schwarzenthal  und  Johannesbad. 

Gewöhnlich  sind  die  Kalksteine  mit  Malakolithen  ‘)  innigst  verbunden; 
man  findet  sie  so  bei  Rochlitz,  Hawerna,  Spindelmühle,  St.  Peter,  Riesengrund, 
Klauseberg,  im  Gross-Aupathal  bei  Petzen , in  Gross-Aupa  ersten  und  zweiten 
Theil  bis  in’s  Klein-Aupathal,  wo  Malakolithe,  gleich  wie  in  der  Rochlitzer 
Gegend,  besonders  mächtig  entwickelt  sind,  ferner  hei  Hinter-Buchbauden, 
Klein-Tippeltbauden  und  Klauseberg.  Dann  nebst  Glimmerschiefer  von  Protogyn 
umschlossen  bei  Pommerndorf  und  Niederdorf  (NO.  Hohenelbe).  Ausser  diesen 
Localitäten  finden  sich  Kalksteine  noch  sehr  häufig  in  ein  oder  mehreren  Zügen, 
und  zwar  in  Begleitung  oder  in  der  Nähe  von  Grünsteinen  in  den  Gegenden  von 
Eisenbrod,  Ober-Boskow,  Engenthal,  Jessenei,  Drkow,  Rostok,  Ruppersdorf, 
Priwlak,  Ober-Duschnitz,  Witkowitz,  Ober-Stepanitz,  Hohenelbe,  und  im  Glimmer- 
schiefer bei  Füllebauden,  Kolbendorf,  Albendorf,  Dörrengrund.  Von  hier  setzen 
sie  in  mächtigen  Zügen  über  Marschendorf  und  Freiheit  fort  und,  bei  Johannes- 
bad mehr  unterbrochen,  erscheinen  sie  wieder  in  bedeutender  Mächtigkeit  bei 
Schwarzenthal  und  Ober-Langenau. 

Diese  letzteren  Vorkommen  bilden  sammt  jenen  durch  den  Protogyn  von 
ihnen  losgerissenen  Kalkstein-  und  Malakolithvorkommen  von  Gross-  und  Klein- 
Aupa  und  noch  einigen  geringeren  bei  Mrklow,  einen  selbstständigen  Zug  für 
sich,  der  aber,  wie  erwähnt,  besonders  bei  Johannesbad  unterbrochen  ist,  und 
zwar  durch  Verwerfungen,  welche  nur  der  Protogyn  veranlasst  haben  kann, 
gleich  wie  jene  Umbiegung  der  Schichten  von  der  östlichen  in  die  nördliche 
Richtung  hin  in  der  Gegend  von  Freiheit.  Eben  so  bilden  die  Kalksteine  von 
Eisenbrod-Jessenei  einen  eigenen  Zug,  in  dessen  nordöstliche  Fortsetzung  die 
der  Gegend  von  Rochlitz,  Prichowitz,  Spindelmühle,  St.  Peter  und  Riesengrund 
fallen.  Die  übrigen  Kalksteine  gehören  anderen,  untergeordneteren  Zügen  an, 
die  aber,  vermöge  der  namhaften  Verwerfungen  der  Schiefergebilde  vielfach 
zersplittert,  sich  keineswegs  auf  so  weite  Erstreckungen  mehr  unmittelbar  ver- 
folgen lassen,  wie  die  einzelnen  Kalkvorkommen  z.  B.  auf  der  Raumer’schen 
Karte  verbunden  sind.  Gegen  solch’  eine  Verknüpfung  streiten  schon  selbst  die 


*)  Die  Identität  dieser  pyroxenischen  Gesteine  mit  den  Malakolithen  Skandina- 
viens hat  zuerst  Herr  Prof.  Dr.  A.  E.  Reuss  nachgewiesen  (Sitzungsberichte  der 
Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften,  XXV.  Band). 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


[14] 


409 


Lagerungsverhältnisse  und  dann  das  gegenseitige  Verhalten  der  im  Alter  doch 
wesentlich  von  einander  verschiedenen  Phyllit-  und  Glimmerschiefermassen. 

Durchbrüche  von  Eruptivgebilden  aus  der  Rothliegendperiode  sind  irn 
Bereiche  der  riesengebirgischen  Schiefer  im  Allgemeinen  sehr  selten.  Melaphyr 
fand  sich  nur  an  einer  einzigen  Stelle,  zwischen  Jilow  und  Racitz,  Von  Por- 
phyr ist  das  bedeutendste  Vorkommen  im  Riesengrunde  und  westlich  vom 
Schatzlarloch  (Klein-Aupa).  Beide  bilden  das  Ausgehende  eines  Ganges,  welcher, 
etwa  3/4  Meilen  lang,  bis  über  den  Blaugrund  (Brunnbergbauden)  sich  verfolgen 
lässt  und  eben  nur  am  Südrande  der  Schneekoppe  unterbrochen  ist.  Sonst  ist 
sein  Vorkommen  höchst  untergeordnet;  so  im  Glimmerschiefer  nordwestlich  von 
Nickelsberg,  östlich  bei  Grundbauden,  östlich  von  Berauerbergbauden,  im 
Phyllite  bei  Sahlenbach  (Ober-Rochlitz) , im  Granitit  im  kleinen  Kessel  (Riesen- 
grund) und  östlich  bei  Morchenstern. 

Noch  seltener  sind  im  Krystallinischen  Durchbrüche  von  Basalt.  Im  Phyllite 
bildet  er  die  bedeutendste  Masse  links  der  Iser  bei  Smrc  und  Pelechow  (SO. 
Eisenbrod),  bis  wohin  er  sich  in  einem  vom  Kozäkow  über  Rothliegendschichten 
und  Melaphyr  übergreifenden  Strom  ergiesst.  Rechts  der  Iser,  zwischen  Gross- 
Horka  und  Strewelna,  finden  sich  auch  Basaltblöcke,  wahrscheinlich  von  einigen 
geringeren  Gangdurchbrüehen  herstammend.  Im  Granitit  aber  zeigt  sich,  neben 
einigen  geringeren  Vorkommen  in  der  Gegend  von  Morchenstern,  namentlich  an 
dem  hiesigen  Buchberg  und  bei  Wiesenthal,  das  bedeutendste  am  „keuligen 
Buchberg“  bei  Wilhelmshöhe  an  der  Iserwiese.  Es  ist  dies  bekanntlich  der 
höchste  Basaltkegel  Nord-Deutschlands,  von  512  Klafter  Seehöhe  und  so  noch 
um  72  Klafter  höher  als  der  ausgezeichnete  phonolitische  Milleschauer-  oder 
Donnersberg  im  Leitmeritzer  Mittelgebirge. 


Diluvial-  und  Alluvialgebilde. 

Ausser  den  weit  verbreiteten  Diluvialabsätzen  des  Friedländischen  in  der 
Gegend  von  Neustadtei  und  Dittersbächel , sind  namentlich  diluviale  Lehme  in 
Mitten  des  Riesengebirges  an  den  Gehängen  der  Iser,  der  beiden  Dessen,  in  den 
kleineren  Nebenthälern  der  ersteren  und  dann  stellenweise  auch  im  Elbe-  und 
Gross-Aupatliale  abgelagert.  Bei  Issenei  ist  der  Lehm  auch  durch  Brauneisen- 
stein bemerkenswert!].  Ein  besonderes  Interesse  bieten  aber  die  sandig-lehmigen 
Ablagerungen  der  kleinen  Iser  oder  „Iserwiese“,  deren  „Iserine“  und  andere 
Minerale  und  Halbedelsteine  allgemein  bekannt  sind.  Derzeit  lässt  sich  nur  schwer 
etwas  von  den  letzteren,  namentlich  auch  von  den  früher  so  häufig  Vorgefun- 
denen „Saphiren“  gewinnen.  Denn  seit  der  Zeit  der  sogenannten  „Welschen“, 
die  in  früheren  Jahrhunderten  auch  dieses  Gebirge  auf  ihren  mineralogischen 
Streifzügen  allseitig  ausbeuteten,  machten  bis  auf  die  jüngste  Zeit  eifrige  Mine- 
ralogen und  Sammler  die  Iserwiese  zu  einer  leibhaftigen  „ tabula  rasa“.  Deren 
lehmigte  Absätze  tragen  im  Allgemeinen  jedoch  mehr  den  Charakter  von  älteren 
Alluvien  an  sich,  wofür  auch  schon  ihr  bedeutendes  Niveau,  von  mehr  als 
350  Klaftern,  spricht.  Indessen  bleibt  das  Zusammenvorkommen  so  verschieden- 
artiger Minerale  auf  einem  verhältnissmässig  beschränkten  Raume  eine  ziemlich 
ungewöhnliche  Erscheinung,  zumal  sie  sammt  und  sonders  nicht  unmittelbar 
von  benachbartem  Granitit  oder  den  Basalt  des  Buchberges  herzustammen  scheinen. 
Wahrscheinlich  stammen  sie  theilweise  von  entfernteren  Gegenden  her,  gleich 
wie  die  Halbedelsteine  in  der  sogenannten  Mummelgrube  in  der  Harrachsdorfer 
Gegend,  oder  die  Granaten  im  Bereiche  des  Rothliegenden,  wie  man  sie  unter 
Anderen  so  häufig  bei  Neu-Paka  in  den  Bachalluvien  antrifft. 

52* 


410 


Johann  Jokely. 


[iS] 


Diluviale  Absätze  sind  endlich  nicht  selten  auf  Klüften  und  in  den  mehr 
minder  ausgedehnten  Höhlenräumen,  welche  die  grösseren  Kalksteinlager  der 
krystallinischen  Schiefer  nach  gewissen  Richtungen  hin  durchziehen.  Am  bemer- 
kenswerthesten  ist  die  durch  Porth  näher  bekannt  gewordene  Höhle  von  Ober- 
Langenau  mit  ihren  zahlreichen  Säugethierknochen. 


Mineralquellen. 

Im  Bereiche  des  böhmischen  Riesengebirges  gibt  es  blos  zwei  mineralhältige 
Quellen,  welche  zum  Kurgebrauche  benützt  werden,  jene  von  Liebwerda  im 
Friedländischen  und  von  Johannesbad  bei  Freiheit. 

Am  erste ren  Orte  sind  fünf  Quellen  bekannt,  welche  dicht  neben 
einander  im  Gneisse  emporströmen.  Sie  sind  in  der  Hauptsache  Säuerlinge  mit 
grösserem  oder  geringerem  Gehalt  an  fixen  Bestandtheilen,  und  liefern  zusammen 
in  24  Stunden  eine  Wassermenge  von  nahe  300  Eimern.  Ihre  Mitteltemperatur 
wechselt  zwischen  11  bis  13  Grad  C.  Ausführliche  Analysen  dieser  Quellen  von 
Dr.  J.  Redtenbacher  gibt  die  Badeschrift  von  Joseph  Plumert:  „Der 
Curort  Liebwerda  und  seine  Heilquellen,  Prag  1849*f.  Ferner  enthält  sie  neben 
geognostischen  Notizen  ein  sehr  ausführliches  Verzeichniss  der  Flora  vom 
Iser-  und  Jeschkengebirge  von  G.  Menzel,  derzeit jubilirten  Pfarrer  zu 
Schönwald.  Liebwerda  liegt  212  Klafter  über  der  See. 

Die  Quelle  oder  der  Sprudel  von  Johannesbad,  eine  mehr  alkalische 
Therme,  hat  eine  mittlere  Temperatur  von  23  Grad  R.  Unter  den  fixen  Bestand- 
theilen prävaliren:  kohlensaurer  Kalk,  Kieselerde,  kohlensaures  Natron  und 
kohlensaure  Talkerde.  (Vergleiche  Dr.  Lösch n er:  Johannesbad  im  böhmischen 
Riesengebirge,  Prag  1859.)  Der  Wasserzufluss  beträgt  260  Maass  in  der  Minute. 
Die  Quelle  scheint  auf  einer  Kluft  zwischen  Phyllit-  und  Glimmerschiefer,  in  der 
Nachbarschaft  von  körnigen,  zum  Theil  dolomitischen  Kalkstein  empor  zu 
dringen.  Ausser  dieser  Hauptquelle  gibt  es  hier  noch  andere  von  viel  geringerer 
Temperatur,  eine  namentlich  auch  im  Thale  unterhalb  des  Bades  mit  nicht 
unbedeutendem  Eisengehalt.  Für  die  Basis  des  Badhauses  geben  die  vorgenom- 
menen barometerischen  Höhenbeobachtungen  eine  Seehöhe  von  257  Klafter. 

Die  bei  Forst,  südlich  von  Schwarzenthal , im  Bereiche  des  Rothliegen- 
den  zum  Baden  verwendete  Quelle  ist  ihrer  näheren  Beschaffenheit  nach  nicht 
bekannt,  scheint  aber  in  der  Hauptsache  blos  ein  einfacher  Eisensäuerling. 

Erzführung  und  Bergbaue. 

Die  Qualität  der  Erze  ist  im  Riesengebirge , mit  Einschluss  des  Iser-  und 
Jeschkengebirges,  theilweise  dieselbe  wie  im  Erzgebirge,  verschieden  sind  aber 
vor  Allem  die  oxydischen  Kupfererze,  welche  nebst  ihrem  Muttergesteine  zum 
Theile,  der  Malakolithe  nämlich,  als  eine  Specialität  desselben  anzusehen  sind. 
Geschwefelte  Kupfererze,  dann  Blei-,  Silber-,  Arsen-  und  auch  grösstentheils 
die  hier  vorherrschenden  Eisenerze  gleichen  hingegen  in  der  Art  ihres  Auftretens 
ganz  jenen  des  Erzgebirges,  wenn  sie  auch  gleich  hinsichtlich  ihres  absoluten 
Haltes  diesen  weit  nachstehen.  Ein  nachhaltigerer  bergbaulicher  Ertrag  scheint 
früher,  so  weit  es  sich  nach  den  überlieferten  Nachrichten  beurtheilen  lässt,  im 
Riesengebirge  nur  das  Eisen  und  bei  Rochlitz  und  St.  Peter  das  Silber  geboten 
zu  haben,  und  auch  gegenwärtig  dürften  beide  Metalle  noch  manche  lohnende 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


411 


[16] 


Erfolge  in  Aussicht  stellen.  In  Hinblick  auf  die  demnächst  zu  gewärtigenden 
Erfolge  der  Extractionsarbeiten  der  Rochlitzer  Gewerkschaft  wird  es  sich  zeigen, 
in  wie  weit  sich  bei  der  gegenwärtig  vollkommeneren  Metallausbringung  auf 
nassem  Wege  auch  die  Erwartungen  bezüglich  des  Kupfers  bewähren  werden. 
Gelingt  der  hier  im  Kleinen  nicht  ungünstig  ausgefallene  Extractionsversuch  auch 
im  Grossen,  so  lässt  sich  bei  den  noch  an  mehreren  Localiläten  vorhandenen 
Erzlagerstätten  dieser  Art  auch  für  dieses  Metall  noch  Erspriessliches  im  Riesen- 
gebirge erwarten.  Die  Baue  auf  andere,  namentlich  Blei-  und  Arsenerze,  ja 
sogar  auf  Gold  und  auf  Silber  an  anderen,  ausser  den  vorgenannten  Orten,  waren 
oder  sind  von  untergeordneter  Bedeutung. 

Grösstentheils  tragen  alle  älteren  Baue  im  Riesengebirge  den  Charakter 
eines  mehr  localen,  wenig  schwunghaften  Betriebes  an  sich  und  selbst  der 
Eisensteinbergbau  kam  Örtlich  und  zeitlich  immerfort  zum  Erliegen.  Der  Grund 
dieses  misslichen  Bergbauverhältnisses  liegt  nun  hier  im  Allgemeinen  weniger 
in  dem  Mangel  an  Erzen,  — denn  in  der  That  ist  das  Gebirge  daran  durchaus 
nicht  arm  zu  nennen,  — als  vielmehr  in  der  geologischen  Beschaffenheit  des- 
selben, in  den  für  den  Bergbau  selbst  sehr  ungünstigen  Lagerungsverhältnissen 
der  krystallinischen  Schiefergebilde  und  ihrer  Erzlagerstätten,  ferner  im  Charak- 
ter der  Eruptivmassen,  welche  Umstände  bezugsweise  theils  den  Abbau  zer- 
splittern, theils  für  die  Entwickelungsfähigkeit  der  Erzmittel  weit  ungünstigere 
Momente  dargeboten  haben,  als  z.  B.  im  Erzgebirge.  Wo  aber  diese  Verhältnisse 
die  Erzführung  begünstigsten  oder  sie  vielmehr  bedingten,  wie  bei  den  oxydischen 
Kupfererzen,  da  ist  wieder  hei  diesen  selbst  der  relative  Werth,  namentlich  für 
den  Hüttenprocess  geringer  als  bei  den  auf  katogenem  Wege  entstandenen 
Schwefelerzen  derselben  oder  anderer  Localitäten.  Wie  bei  den  Rothliegend- 
schichten  (Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt:  Sitzungsbericht 
vom  12.  März  1861)  sind  nämlich  die  ersteren  Kupfererze  auch  im  Bereiche  der 
riesengebirgischen  Erzlagerstätten  secundärer  Natur,  hervorgegangen  aus  einer 
Gesteins-Imprägnation  oder  einer  anogen  Umwandlungen  der  vorhandenen  Erz- 
mittel primärer  Art.  Die  oxydischen  Erze  sind  daher  bei  grösserem  oder  gerin- 
gerem Metallgehalte  nur  dort  auf  eine  gewisse  Zone  oder  Erzlagerstatt  gebunden, 
wo  die  Präexistenz  von  geschwefelten  Erzen  geboten  war,  wie  namentlich  bei 
den,  gewöhnlich  von  Grünsteinen  begleiteten  körnigen  Kalksteinen  und  Mala- 
kolithen.  Sonst  aber  bieten  sich  bei  ihnen  ganz  dieselben  Erscheinungen  der  auf 
nassem  Wege  erfolgten  Imprägnation  ganz  heterogener  Gesteinsmittel,  wie  dies 
eben  auch  bei  den  angeführten  Schichten  des  Rothliegenden  der  Fall  ist.  Dass 
nun  derartige  Verhältnisse  beziehungsweise  für  den  Bergbau  nur  höchst  ungünstig 
sein  können,  ist  von  selbst  einleuchtend. 

Ueberaus  ungünstig  für  den  hiesigen  Bergbaubetrieb  sind  ferner  die  strati- 
graphischen Verhältnisse  der  krystallinischen  Schiefer.  Die  häufigen  Verwerfun- 
gen, die  sie  durch  die  granitischen  Massengesteine  und  den  Protogyn  erlitten, 
berühren  selbstverständlich  auch  die , ihnen  lagerartig  untergeordneten  erz- 
führenden Gesteine  vielfältig,  so  dass  hier  eine  Nachhaltigkeit  derselben  dem 
Streichen  nach  zu  den  seltensten  Ausnahmen  gehört.  Es  gilt  dies  eben  von  den 
Eisen-  und  Kupfererzen  und  den  Kiesen,  die  nach  dem  Obigen  grösstentheils  an 
die  Grünsteine  und  Malakolithe  gebunden  sind,  deren  Bildungszeit  mit  den  sie 
einschliessenden  Schiefergehilden  völlig  übereinstimmt.  Eigentliche  sicher  con- 
statirte  Gangbildungen  gibt  es  hingegen  im  Riesengebirge  nur  wenige,  die  einen 
Abbau  thatsächlich  lohnen  würden.  Im  Bereiche  des  Urthonschiefers  finden  sich 
derartige,  zumeist  Silber-  und  Bleierze  führende  Gänge  an  einigen  Orten  seiner 
Contactregion  nächst  des  Granitits  und  auch  in  diesem  setzen  mehr  minder 


412 


Johann  Jokely. 


[«n 

schmale  Quarzgänge  mit  geschwefelten  Kupfererzen  auf.  Mit  Ausnahme  der 
Gegend  von  St.  Peter  dürften  sich  aber  beide  Gangarten  kaum  irgendwo  sonst 
abbauwürdig  erweisen. 

Diese  Seltenheit  an  verschiedenen  Erzgängen,  also  an  jüngeren  Erzvorkom- 
men als  die  der  lagerartigen  Gebilde,  ist  für  das  Riesengebirge  jedenfalls  eine 
bemerkenswerthe  Erscheinung.  Und  darin  eben  liegt  nun  auch  hauptsächlich  der 
Unterschied,  der  sich  hinsichtlich  der  Erzführung  des  Riesengebirges  und  Erz- 
gebirges geltend  macht.  Daraus  folgt  dann  aber  die  nicht  minder  gewichtige 
Thatsache,  dass  die  Bildung  der  erzgebirgischen  Erzgänge  grösstentheils  in  eine 
verhältnissmässig  sehr  junge  Zeitperiode  falle,  welche  aus  geologischen  Gründen 
mit  der  Tertiärzeit  als  coincident  zu  erachten  ist.  Die  gewaltigen  Terrains- 
dislocationen  und  die  nothwendig  damit  verbunden  gewesenen  Spaltungen  und 
Aufreissungen  der  Urgebirgsmassen  während  dieser  Zeit,  insbesondere  während 
der  Basaltdurchbrüche  werden  durch  das  Vorhandensein  der  verschiedenartigsten 
Tertiärablagerungen  in  jenen  Gegenden  unzweifelhaft  dargelegt.  Inmitten  oder  in 
der  Nachbarschaft  des  Riesengebirges  fehlt  es  hingegen  an  ähnlichen  Erscheinun- 
gen  fast  gänzlich,  und  was  hier  in  Bezug  der  Spaltenbildungen  etwa  auf  Rechnung 
der  Porphyre,  Melaphyre  und  Basalte  zu  setzen  wäre,  bleibt,  sonst  auch  von 
den  Zeitverhältnissen  abgesehen,  im  Vergleiche  zu  den  gewaltigen  Ergebnissen 
der  Basaltdurchbrüche  im  westlichen  Böhmen  verschwindend  klein.  Die  erzgebir- 
gischen Erzlagerstätten  sind  demnach,  was  ihre  Bildungszeit  belangt,  theilweise 
weit  jünger  als  die  vorherrschenden  des  Riesengebirges.  Diese  können  also  noth- 
wendig nur  mit  jenen  des  ersteren  Gebirges  näher  übereinstimmen,  die  mit  ihnen 
zeitlich  und  örtlich  eine  verwandte  Bildungsart  theilten,  was  eben  bei  den 
bewussten  lagerartigen  Gesteinsmittel  thatsächlich  auch  der  Fall  ist.  Selbstver- 
ständlich fallen  hier  die  Erscheinungen  der  secundären  oder  Umhildungsprocesse, 
wie  das  Auftreten  der  oxydischen  Kupfererze,  der  aus  Magneteisenerz  hervor- 
gegangenen Brauneisensteine  u.  s.  w.  ausser  Betracht,  denn  sie  modificiren  blos 
örtlich  die  bei  beiden  Gebirgen  ursprünglich  identischen  Verhältnissen  der  Erz- 
führung oder  der  betreffenden  Gesteinsarten. 

Ueher  die  riesengebirgische  Erzführung  und  die  Bergbaue  überhaupt  ent- 
halten die  Eingangs  angeführten  Werke  mehr  minder  ausführliche  Nachrichten, 
ferner  das  „berg-  und  hüttenmännische  Jahrbuch  der  k.  k.  Montan-Lehranstalten 
zu  Leoben,  Pribram  und  der  k.  k.  Schemnitzer  Berg-Akademie“  werthvolle  Auf- 
sätze von  Director  Job.  Grimm  und  Markscheider  C.  Bayer.  Im  Nachfolgenden 
sind  die  Erzvorkommen  der  besseren  Uebersicht  halber  zuerst  nach  dem  Gesteins- 
mittel und  dann  nach  den  Erzarten  zusammengestellt  worden.  Eine  schärfere 
Trennung  der  Erzlagerstätten  des  Glimmer-  und  Urthonschiefers  konnte  der 
Natur  der  Sache  nach  nicht  eingehalten  werden,  weil  sie  eben  ihrer  Beschaffen- 
heit nach  bei  beiden  fast  identisch  sind. 


Erzführende  Kalksteine,  Malakolithe  und  Grünsteine. 

Nach  der  Art  der  Erze  lassen  sich  diese  Lagerstätten  in  zwei  Gruppen 
theilen.  Die  eine  ist  charakterisirt  durch  meist  geschwefelte  Silber-,  Kupfer-, 
Blei-  und  Arsenerze.  Beide  sind  jedoch  im  Wesentlichen  nur  verschiedene  Ent- 
wickelungsstufen eines  und  desselben  Substrates  und  schliessen  sich  so  wie  die 
einzelnen  Erzgattungen  gegenseitig  nicht  aus,  so  dass  je  nach  dem  Vorherrschen 
des  einen  oder  anderen  Erzes  ein  local  verschiedenes  Bergbau-Object  resultirt. 


[18] 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


413 


Silber-,  Kupfer-,  Blei-  und  Arsenerze. 

Ober-  und  Nieder-Rochlitz.  — Die  Erzlagerstätten  dieser  Locali- 
täten  sind  durch  Paul  Herter  und  Emil  Porth  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  1839, 1)  specieiler  bereits  bekannt  geworden.  Im  Laufe  des  vorigen 
Sommers  (1860)  bestand  der  eigentliche  Abbau  in  Ober-Rochlitz,  und  in  Nieder- 
Rochlitz  ging  das  Etablissement  für  die  nasse  Aufbereitung  seiner  Vollendung 
entgegen,  so  dass  es  noch  vor  Jahresschluss  in  Betrieb  gesetzt  werden  sollte, 
wozu  ein  Rohmaterial  von  etwa  130.000  Centnern  Poehgängen  vorräthig  ist. 
Der  günstige  Erfolg  desselben  wird  nun  lehren,  ob  überhaupt  der  Kupferbergbau 
im  Riesengebirge  eine  Lebensfähigkeit  besitze  oder  nicht.  Die  Erze  und  Metalle, 
welche  theils  im  Malakolitli  und  körnigen  Kalkstein,  theils  in  den  dazwischen 
befindlichen  Phyllitlagen  mehr  minder  häufig  eingesprengt  Vorkommen,  sind 
bekanntlich:  Kupfererz,  Buntkupfererz,  Kupferkies,  Zinkblende, 
Pyrit,  Bleiglanz,  seltener  Antimonfahlerz,  Antimonglanz,  gedie- 
gen Silber;  als  anogene  Producte,  theils  auf  Klüften,  theils  in  der  Nähe  der- 
selben, das  Gestein  mehr  minder  tief  imprägnirend : Kupfermalachit, 
Kupferlasur,  Kupferpecherz,  Kieselmalachit,  Kupfer  schwärze, 
Ziegelerz,  Allophan,  zersetztes  Antimonfahlerz,  gediegen 
Silber,  Gelbbleierz,  Weissbleierz,  Pyromophit,  Bleivitriol, 
Galmei,  Neolith  und  noch  einige  andere  untergeordnetere  Metallverbindun- 
gen. So  wie  überall  bei  diesen  Erzlagerstätten  erscheint  als  Uebergemengtheil 
iagenweise  im  Malakolith  und  Kalkstein  Asbest,  Pistazit,  Feldspath,  seltener 
Flussspath.  Der  Phyllit  selbst  ist  in  deren  Nähe  häufig  in  talk-  oder  steinmark- 
ähnliche Massen  umgewandelt. 

Das  gegenseitige  Verhalten  des  Malakoliths  und  des  körnigen  zum  Theil 
dolomitischen  Kalksteins  erscheint  nicht  ganz  regelmässig.  Sie  wechseln  mit 
einander  mehrfach  ab,  das  Liegende  des  hiesigen  süd-  bis  süd westwärts  ver- 
fallenden Malakoliths  bildet  aber,  wie  häufig  auch  anderwärts,  ein  mehrere 
Klafter  mächtiges  Kalksteinlager,  das  durch  Tagbrüche  mehrorts  aufgeschlossen 
ist.  In  Folge  von  Verwerfungen  schneidet,  wie  bei  Ober-Rochlitz,  der  Malako- 
lith in  seinem  Liegenden  auch  unmittelbar  am  Phyllite  ab,  in  Nieder-Rochlitz  ist 
hingegen  der  liegende  Kalksteinzug  von  Malakolith  ganz  losgezwängt  und  bildet 
bei  ganz  abnormer  Lage  einige  isolirte  Partien  für  sich.  Auf  der  rechten  Iser- 
seite,  der  Hütte  gegenüber,  fehlt  wieder  der  Kalkstein  ganz  und  es  finden  sich 
da  b I os  einige  Trümmer  von  Malakolith.  In  Folge  dieser  Verwerfungen  ist  dann 
selbst  auch  die  ganze  Erzlagerstätte  vielfach  gestört.  Namentlich  verläuft 
zwischen  dem  Wachstein  und  Sacherberge  nahezu  südwärts  eine  Verwerfungs- 
zone, die  sie  in  zwei  grössere  Hälften  verwirft,  und  zwar  derart,  dass  es  den 
Anschein  erhält,  als  wären  hier  zwei  verschiedene  Erzlagerstätten.  Und  so 
wurde  auch  die  theilweise  südwestlich  einfallende  Ober-Rochlitzer  als  die 
Liegende  der  Nieder-Rochlitzer  in  der  That  auch  gedeutet.  Dieses  doch  auch  nur 
stellenweise  scheinbare  Unterteufen  der  letzteren  durch  die  ersteren  ist  jedoch, 
wie  gesagt,  nur  die  Folge  einer  Verwerfung.  Die  beigefügte  Skizze  veranschau- 
licht dieses  Verhältnis,  wie  auch  das  Verhalten  der  Erzlagerstätte  zu  den 
benachbarten  Quarzitschieferzügen. 

Die  nicht  ganz  regelmässige  Vertheilung  sowohl  der  primären  als  secundären 
Erze  in  den  Malakolithen  und  Kalksteinen,  deren  Gesammtmächtigkeit  stellen- 
weise mehr  als  40  Klafter  beträgt,  dann  die  zahlreichen  Nebenverwerfungen 
durch  offene  oder  Quarz-  und  Lettenklüfte,  erschweren  den  Abbau  sehr 


414 


•Johann  Jokely. 


t»9] 


Fig.  4. 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


41 S 


[20] 


wesentlich.  Und  so  tritt  hier  der  eigentümliche  Fall  ein,  dass  die  Ursachen, 
die  im  Sinne  der  obigen  allgemeinen  Bemerkungen  einerseits  eine  günstige  Erz- 
führung bedingen,  sie  selbst  wieder  andererseits  deren  Zugutebringung  in  Folge 
eines  regelmässig  undurchführbaren  Abbaues  beeinträchtigen.  Ein  nach  Herrn 
G.  Kulis ch’s,  Roclditzer  Berggeschwornen , Angabe  entworfener  Durchschnitt 
an  der  Ober-Rochlitzer  Grube  zeigt  das  Verhältnis  der  Erzführung  daselbst. 


Fig.  5. 


M Malakolith  ; G zersetzter  Grünsteinschiefer;  K Kluft,  ausgefüllt  von  braunem  Letten  mit  Bruchstücken  von 
Malakolith  und  Quarz;  Q Quarz.  — I.  Liegende  Strecke.  II.  Flache  liegende  Strecke.  III.  Hangende 
Strecke.  IV.  Stollensohle  in  23  Klafter  Schachtteufe. 


Erzvorkommen. 


Ribnic.  — Die  hier  schon  seit  mehreren  Jahren  nordwestlich  vom  Orte, 
dicht  an  der  Grenze  des  Rothliegenden  bestehende  Rosalie-Kupferzeche 
gehört  ebenfalls  der  Rochlitzer  Gewerkschaft.  Die  Erze,  vorzugsweise  Kupfer- 
glanz, Kieselkupfer,  Malachit  und  Allophan,  brechen  in  einer  ursprüng- 
lich dem  Phyllite  eingelagert  gewesenen,  theils  hornstein-,  tlieils  malakolith- 
ähnliehen  Gesteinsmasse.  Sie  ist  2 Fuss  bis  3 Klafter  mächtig,  fällt  60  bis 

53 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft. 


416 


Johann  Jokelv. 


[21  j 

66  Grad  in  Nord  und  liegt  in  Folge  einer  Abrutschung  grösstentheils  auf  Roth- 
liegendschichten  der  unteren  Etage,  einem  braunen  Schieferthone  und  Brand- 
schiefer,  die  bei  umgekippter  Lage  gleichfalls  nordwärts  verflachen.  Die  Bruch- 
spalte, längs  welcher  diese  Verwerfung  stattfand,  lässt  sich  an  einem  deutlich 
inarkirten  Sattel  leicht  erkennen.  Seine  Axe  verläuft  etwa  30  Klafter  südlich  vom 
Schacht  und  ist  nahe  bis  Skodejow  zu  verfolgen.  Im  Ganzen  erstreckt  sich  diese 


Fig.  6. 


Verwerfung  des  Rothliegenden  auf  elwa  200  Klafter  in  die  Länge.  Südlich  jenes 
Sattels  fallen  dessen  Schichten  wieder  regelmässig  und  bei  viel  sanfterer  Neigung 
nach  Süd.  Ueber  den  die  Brandschiefer  begleitenden  Schieferthonen  folgen  graue 
Conglomeratsandsteine,  unter  die  sich  der  unterste  Melaphyrstrom  ausbreitet 
und  hier  namentlich  den  Hutberg  bildet.  Die  Conglomeratsandsteine  führen 
unweit  der  Spalte  auch  etwas  Kupfererze,  von  3 pereentigen  Metallgehalt.  — 
Dass  bei  diesem  höchst  abnormen  Lagerungsverhältnisse  und  der  geringen 
Mächtigkeit  der  Erzlagerstätte  der  Bergbau  weniger  günstig  und  für  längere  Zeit 
hinaus  minder  nachhaltig  zu  werden  verspricht,  als  in  Rochlitz  selbst,  braucht 
kaum  näher  betont  zu  werden. 

Gross- Au pa.  — Die  hier  im  zweiten  Gebirgstheil  an  der  linken  Thalseite 
unlängst  eröffnete  Leopold-Zeche  ist  nur  von  geringer  Ausdehnung.  Die 
grösstentheils  im  körnigen  Kalksteine  einbrechenden  Erze  sind:  Kupferglanz, 
Buntkupfererz,  Kupferkies,  Kupferfahlerz,  etwas  Eisenglanz, 
Pyrit,  Bleiglanz  und  Blende.  In  seinem  Hangenden  findet  sich  Grünstein- 
schiefer und  im  Kalksteine  selbst  untergeordnete  Lagen  von  Asbest  und  Malako- 
lith.  Diese,  besonders  auch  der  Grünstein,  enthalten  gleichfalls  eingesprengt 
Erze,  namentlich  Kiese.  Das  Kalksteinlager  ist  3 bis  6 Klafter  mächtig  und  fällt 
46  bis  60  Grad  in  Nordost.  Die  Kupfererze  werden  in  der  Kupferschmelzhütte 
bei  Leopold,  nächst  Hermannseifen,  mit  den  daselbst  gewonnenen  Kupfererzen 
des  Rothliegenden  verschmolzen. 

Schatzlarloch  in  Klein-Aupa.  — Letzterer  Zeit  ist  diese  Zeche 
nebst  der  benachbarten  Emilie-Eisensteinzeche  im  Fichtig  sistirt.  Das 
erzführende  Gestein  ist  hier  grüner  talk-,  zum  Theil  chloritartiger  Schiefer  mit 
Kupfer-,  Magnet-  und  Arsenkiesen.  Die  Mächtigkeit  dieser  Schiefer 
beträgt  etwa  7 Klafter.  Sie  streichen  Stunde  6 bei  60  Grad  Fallen  in  Süd.  Lagen 
und  Putzen  von  körnigen  Kalkstein  darin  nicht  selten. 


[22] 


Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


417 


Riesengrund.  — Die  sogenannte  „Riesenzeche“  am  südwestlichen 
Abfalle  der  Schneekoppe,  dicht  an  der  Sohle  des  Riesengrundes,  ist  älteren 
Ursprungs.  Gegenwärtig  liegt  sie  darnieder  und  soll  sammt  den  letztgenannten 
zwei  Zechen  und  der  Arsenikhütte  bei  Petzer  veräussert  werden.  Der  Arsen- 
kies, das  vorherrschende  Mineral,  war  hier  seit  jeher  der  Hauptgegenstand 
des  Abbaues.  Er  bricht  derb  oder  eingesprengt,  nebst  etwas  Magneteisen, 
Kupferkies,  Magnetkies,  Blende,  Bleiglanz  und  Molybdän  im 
körnigen  Kalkstein  und  Malakolith  ein.  Der  erstere  ist  6 bis  6 Klafter  mächtig 
und  lagert  tbeilweise  im  Liegenden  des  Malakoliths  bei  60  bis  76  Grad  Fallen 
in  Südost.  Indessen  ist  hier  die  Lagerung  der  Erzlagerstätte  überaus  gestört,  und 
zwar  theils  durch  den  Granitit,  an  dessen  unmittelbarer  Grenze  sie  sich  befindet, 
theils  durch  den  Protogyn  und  auch  Porphyr.  Namentlich  trennt  ein  etwa 
40  Klafter  mächtiges  Protogynmittel  die  Erzlagerstätte  des  „Kiesberges“  von 
jener,  welche  sich  südlich  des  von  der  Schneekoppe  herablaufenden  Grabens 
befindet.  Diese  letztere  Partie  scheint  dann  südlich  wieder  der  Porphyr  abzu- 
scheiden. 

Dies  wären  die  Localitäten,  wo  im  Bereiche  dieser  complicirten  Erzlager- 
stätten eigentliche  Abbaue  bestehen  oder  jüngst  noch  bestanden  haben.  Ausser-  , 
dem  sind  in  neuerer  Zeit  noch  an  mehreren  anderen  Orten  Versuchsbaue  oder 
Schürfe  eingeleitet  worden,  ohne  dass  sie  aber  bis  nun  einen  besonderen  Erfolg 
dargeboten  hätten;  so  namentlich  auf  Kupfererze  im  Kesselgrunde,  Ost  von 
Ober-Rochütz,  und  bei  Marschendorf,  an  dem  linken  Gehänge  des  Schwar- 
zenberger  Thaies. 

Alte,  ein  gegangene  Baue  oder  überhaupt  Localitäten,  wo 
sich  die  früheren  analogen  Erze  vor  finden,  sind  namentlich  Folgende: 

Ha verna  (NW.  von  Ober-Rochlitz).  — Hier  ist  der  von  Malakolithen  be- 
gleitete Kalkstein  an  der  rechten  Iserseite  oberflächlich  nur  in  geringer  Aus- 
dehnung blossgelegt.  Verwerfungen  scheinen  diese  Erzlagerstatt  vielfach 
zerrissen  zu  haben,  sie  gehört  aber  allem  Anscheine  nach  einem  tieferen  Hori- 
zonte an  als  die  von  Rochlitz,  und  dürfte  jenem  der  Grünsteine  und  Malakolithe 
von  Sahlenbach  entsprechen. 

St.  Peter.  — Neben  den  hier  auf  Gängen  einbrechenden  Erzen,  waren 
früher  in  dieser  Gegend  Versuche  auch  auf  solche  Erze  angestellt,  welche  im 
Kalksteine  und  Malakolith  einbrechen. 

Klaus eberg.  — Stollen  bei  der  Michelmühle  an  der  Elbe.  — Neben  Kiesen 
scheint  hier  vorzugsweise  Eisenerz  gewonnen  worden  zu  sein. 

Hackelsdorf  (Altenberg).  — Stollen  an  der  Elbe.  — Kupferkies,  Mala- 
chit und  Magneteisen  in  einer  vom  Protogyn  umschlossenen  Grünsteinscholle. 

Niederhof.  — Analoges  Erzvorkommen,  hier  auch  hauptsächlich  auf 
ebenfalls  von  Protogyn  eingeschlossene  Kalkstein-  und  Malakolithschollen 
gebunden. 

Hohenelbe.  — Nächst  der  Stadt  und  bei  Ober-Hohenelbe  bestanden 
früher  neben  Eisen-  auch  Kupfer-  und  Silberbergbaue,  von  welchen  Hohenelbe 
auch  ihren  Ursprung  als  Bergstadt  herleitet. 

Kr  öl  lb  au  de  (N.  Gross-Aupa).  — Hier  soll  Grünstein  und  Kalkstein  eben- 
falls Kupfererze  führen. 

Böhmisch-Neustadtel,  — Am  Kupfer-  und  Bapitz-  (Rappelts-)  Berg 
bestand  vor  Zeiten  ein  Hoffnungsbau  auf  Zinnstein,  welcher  mit  Pyrit,  Magnet- 
kies, Kupferkies  und  etwas  Eisenglimmer  angeblich  in  Quarzlagern  des  Phyllits 
einbrechen  soll. 


B3 


418 


Johann  Jukely. 


[23] 


Eisenerze. 

An  mehreren  der  vorgenannten  Localitäten  erscheint  mehr  minder  unter- 
geordnet auch  Eisenerz,  namentlich  Magneteisen.  Anderwärts  wird  es  aber 
derart  vorherrschend,  dass  es  für  sich  abbauwürdig  wird.  Derzeit  gewinnt  man 
für  die,  nunmehr  im  Riesengebirge  allein  noch  bestehende  Engenthaler 
Eisenschmelzhütte  hauptsächlich  Brauneisenstein,  welcher  durch  höhere 
Oxydation  aus  dem  erstgenannten  Erze  hervorgegangen  ist.  Früher  waren  Eisen- 
hütten bei  Ernstthal,  Friedrichsthal  und  Rudolfsthal,  und  auch  bei  Eisenbrod 
scheinen  einst  Eisenwerke  bestanden  zu  haben. 

Die  Lagerungsverhältnisse  sind  gewöhnlich  bei  diesen  Eisenerzlagerstätten 
äusserst  verworren  und  bei  dem  Hinzutreten  von  diluvialen  Absätzen  zeigen  sich 
Umwandlungen  und  Zersetzungen  auch  heim  Nebengesteine  in  einer  äusserst 
intensiven  Weise. 

Kamenitz.  — Gegenwärtig  steht  eine  Zeche  südwestlich  vom  Orte  in 
Betrieb.  Das  folgende  Schichtenprofil  möge  das  Lagerungsverhältniss  veranschau- 
lichen, wie  es  sich  sonst  auch  anderwärts  bei  diesen  Vorkommen  in  ähnlicher 


Weise  wiederholt. 

Zersetzer  Urthonschiefer 60  Fuss. 

Plastischer  Letten , wechselnd  mit  zersetztem  Phyllit  3 — 12  „ 

Zersetzter  eisenschüssiger  Phyllit  (Grünstein?)  . . 24 — 30  „ 

Brauneisenstein 1 — 30  „ 

Kalkhaltiger,  zersetzter  eisenschüssiger  Phyllit  . . . 2 — 3 „ 

Gelber,  dolomitischer  Kalkstein i/z — 2 „ 

Weisser,  körniger  Kalkstein 60  „ 

Phyllit. 

Fallen  60.  bis  70  Grad  in  SSO. 


Jessen  ei.  — Der  Schichtentypus  ist  dem  letzteren  anolog,  nur  erscheinen 
hier  zwei  grössere  und  zwei  kleinere  Kalksteinzüge,  und  der  Brauneisenstein 
lagert  zwischen  den  zwei  ersteren.  Plastischer  Thon  soll  früher  in  nicht  unbe- 
deutender Mächtigkeit  vorgekommmeri  sein  und  wurde  als  solcher  auch  gewonnen. 
Hier  wird  ferner  Brauneisenstein  auch  aus  dem  in  dieser  Gegend  massenhaft 
abgelagerten  diluvialen  Lehm  gewonnen,  welcher  theilweise  unmittelbar  auf 
der  ausgehenden  Erzlagerstätte  lagert.  Er  kommt  darin  in  zahlreichen  Brocken 
und  Fragmenten  vor  und  man  gewinnt  ihn  einfach  durch  Waschen.  — Was  über 
das  Vorkommen  von  Gold,  Zinnober  oder  Quecksilber  dieser  Gegend 
in  älteren  Werken  verlautet,  ist  nicht  näher  zu  constatiren,  wenn  nicht  diesen 
Angaben  selbst  thatsächlich  ein  Irrthum  zu  Grunde  liegt. 

Nach  früheren  Abbauen  oder  neueren  Schurfversuchen  sind  Brauneisen- 
steine, zum  Theil  auch  Rotheisensteine  oder  Magneteisenerze,  unter  ähnlichen 
geologischen  Verhältnissen  ferner  bekannt:  0.  bei  Bi  tauch  ow,  W.  bei  Ro- 
stock, SO.  Ruppersdorf,  bei  Skodejow,  DrkoAv,  Bochdalowitz, 
Ponikla,  Haratitz,  Lhotka,  Wrath,  Krislitz,  Raudnitz,  Wichowska- 
Lhotta,  Krausebauden,  obere  Schüsselbauden,  Hannepeter s- 
hau.  Rieb  eisen,  Polkendorf,  Schwa  rzenthal,  am  Sauberg  nördlich 
von  Bohmisch-Neustadtel  und  in  Gross-Aupa  (zweiter  Gebirgstheil). 

An  der  vorbenannten  „Emilie-Zeche“  im  Fichtig  (Klein-Aupa)  bricht 
Magneteisenerz  in  grünen  granatführenden  Schiefer  und  Malakolith.  Der  Kalk- 
stein ist  hier  bis  zu  40  Klafter  mächtig  und  lagert  im  Hangenden  derselben  bei 


419 


[24]  Das  Riesengebifge  in  Böhmen. 

45  bis  60  Grad  Verflachen  in  Ost.  Die  erzführenden  Schichten  sind  7 bis  8 Klafter 
mächtig. 

Bei  den  Zehgrundbauden  östlich  hat  man  unlängst  reichlich  Magnet- 
eisenerz im  Grtinsteine  aufgeschlossen.  In  der  Gegend  westlich  war  dagegen  ein 
Eisensteinbergbau  in  früheren  Zeiten  und  wahrscheinlich  auf  dasselbe  Erz, 
welches  auf  eine  imProtogyn  schwimmende  Grünsteinscholle  gebundensein  mochte. 

Mangan  und  Graphit. 

An  mehreren  Orten  kommt  in  der  Nähe,  namentlich  der  Brauneisensteine 
auch  Mangan  oder  statt  diesem  stellenweise  Graphit  vor,  so  unter  Anderen  das 
erstere  bei  Ponikla  und  Schwa rzenthal.  Im  Allgemeinen  scheint  es  jedoch 
nirgends  recht  abbauwürdig. 

Etwas  günstiger  verhält  es  sich  mit  dem  Graphit.  Ein  wirklicher  Abbau 
bestand  darauf  noch  unlängst  bei  Ponikla  und  Priwlak,  den  E.  Porth 
eröffnet  hatte.  Die  Graphitschiefer  lagern  im  Phyllit,  im  Liegenden  des  zu 
unterst  grauen  oder  weissen  und  nach  oben  gelblichen  dolomitischen  Kalksteins. 
Sie  streichen  bei  Ponikla  Stunde  8 und  verflachen  50  bis  60  Grad  in  NO.  Jene 
bei  Priwlak,  an  der  rechten  Iserseite,  sind  bei  sonst  nahezu  derselben  Lagerung 
doch  nur  ein  von  jenen  durch  Verwerfung  losgetrennter  Theil.  Die  Iser  läuft 
hier  nämlich  sicher  entlang  einer  Verwerfungsspalte.  Ferner  finden  sich  graphi- 
tische Schichten  bei  Glasersdorf  (N.  von  Hochstadt)  und  in  ganz  unter- 
geordneter Weise  noch  mehrorts  in  der  Nähe  der  körnigen  Kalksteine. 

Gold. 

Ueber  das  Vorkommen  von  Gold  circuliren  im  Riesengebirge  mancherlei 
Sagen  und  Ueberlieferungen.  Indessen  scheint  ihnen  grösstentheils  wenig  That- 
sächliches  zu  Grund  liegen.  Einigen  Belang  dürfte  früher  blos  der  Bau  im  Reh- 
horngebirge,  auch  das  „goldene  Rehhorn“-  genannt,  zwischen  Freiheit  und 
Schatzlar,  besessen  haben,  wo  man  jetzt  mehrorts  nicht  unbedeutende  Halden- 
und  Pingenzüge,  namentlich  im  Bereiche  des  Grünsteiris  antrifft.  Ob  hier  aber 
auschliesslich  nur  Gold  gewonnen  wurde,  ist  näher  nicht  bekannt. 

Ferner  gewann  man  auch  bei  Schwa  rzenthal  Gold.  Nach  Hoser  wurde 
unter  Anderem  im  Jahre  1796  bei  der  Gewältigung  des  alten  Mannes  im  oberen 
St.  Michaelistollen  „einige  gute  Erze  gewonnen“,  aus  denen  das  im  Berggewichte 
von  8ya  Loth  erzeugte  reine  Gold  vom  k.  k.  Münzamte  zu  Prag  mit  162  Gulden 
4 Kreuzer  eingelöst  worden  ist.  Dasselbe  scheint  mit  Silbererzen,  Bleiglanz  und 
Kiesen  in  einem  quarzigen  Mittel  eingebrochen,  welches  gangförmig  in  grösserer 
oder  geringerer  Nähe  des  Protogyris  im  Glimmerschiefer  aufgetreten  sein  mochte. 
Bei  der  sogenannten  Silberbrücke  wurden  früher  Silbererze  gefördert. 

Zu  den  mehr  primären  Vorkommen  gehören  denn  auch  die  häufigen  Erz- 
Imprägnationen  der  krystallinischen  Schiefer  und  selbst  des  Protogyns,  wie 
sie  sich  an  manchen  Orten,  besonders  auch  in  der  Nähe  der  vorgenannten  Erz- 
lagerstätten, beobachten  lassen,  wohl  aber  kaum  irgendwo  einen  bergbaulichen 
Erfolg  versprechen  dürften.  Eine  solche  Imprägnation  des  Protogyns  mit  Blei- 
glanz  und  Kiesen  gab  zu  einen  Versuch  Veranlassung  im  „Hofergraben“  bei 
Berauerb  ergbauden,  dann  nördlich  bei  den  G r undbaud  en  (N.  Gross- 
Aupa). 

Erzführende  Gangbildungen. 

Wie  oben  erwähnt  sind  erzführende  Gänge  im  Riesengebirge  eigentlich 
eine  Seltenheit.  Sie  sind  theils  lettiger,  theils  quarziger,  theils  auch  spathiger 


420 


Johann  Jokely.  Das  Riesen<iebirge  in  Böhmen. 


[*«] 


Natur,  und  es  erscheinen  die  letzteren  vorzugsweise  im  Granitit,  die  ersteren 
im  Bereiche  der  krystallinischen  Schiefer.  Die  Erze  sind  grösstcntheils  Schwefel- 
verbindungen von  Silber,  Kupfer,  seltener  von  Blei  oder  Zink,  noch  seltener 
sind  oxydische  Erze. 

St.  Peter.  — Gegenwärtig  besteht  hier,  als  Ueherrest  eines  früher,  wie 
es  scheint  schwunghafteren  Betriebes , noch  eine  Grube  im  oberen  Theile  des 
Ortes.  Der  aus  aufgelöstem  Schiefer  bestehende  und  Quarzlagen  führende  Gang 
hat  ein  mit  dem  Fieckschiefer  nahezu  übereinstimmendes  Streichen  in  Südost, 
doch  ein  steileres  Fallen  von  80  Grad  in  SW.  Seine  Mächtigkeit  beträgt  */a  bis 
4 Klafter.  In  beiden  Gangmitteln  führt  er  Fahlerz,  Weissgiltigerz,  Kupfer- 
kies, Blende,  Bleiglanz,  Arsenkies,  Pyrit  und  etwas  Malachit  und 
Buntkupfererz.  Ein  früher  am  Heuschober,  an  der  linken  Thalseite  abge- 
bauter analoger  Gang,  wird  für  die  südöstliche  Fortsetzung  des  ersteren  gehalten. 

Andere  diesen  mehr  minder  ähnliche  Gänge  sowohl  von  dieser  Localität  als 
' auch  von  anderen  sind  derzeit  weniger  genau  bekannt.  Hierher  scheinen  jedoch 
zu  gehören  das  Arsen  ki  esvorkommen  nördlich  der  Wass  ab a u d e (am  süd- 
westlichen Fusse  der  Sehwarze-Koppe),  die  vorerwähnten  theilweise  Silbererze 
führenden  Erzlagerstätten  in  der  Gegend  von  Sch warze nthal,  Freiheit  und 
Lischnei  (Bunzlauer  Kreis).  Ferner  gibt  es  theils  im  Bereiche  der  krystallini- 
schen Schiefer,  besonders  in  der  Nähe  des  Protogyns  und  Granitits,  dann  auch 
im  ersteren  selbst  mebrorts  Quarz-  oder  Quarzbrockengänge,  die  meist  ganz 
taub  sind,  bisweilen  aber  auch  erzführend  sein  dürften.  Die  reinen  Quarze 
werden  bruchstück-  oder  blockweise  von  den  Landleuten  meist  zusammengesam- 
melt und  an  die  Murschendorfer  Glashütte  centnerweis  abgeliefert.  Ueber  die 
Natur  dieser  letztgenannten  Gänge,  ob  sie  nämlich  in  irgend  einer  näheren  Be- 
ziehung zu  den  genannten  Eruptivmassen  stehen  oder  einem  viel  späteren  Zeit- 
abschnitte angehören,  lässt  sich  wenig  Sicheres  entscheiden. 

Dasselbe  gilt  grösstentheils  auch  von  den  Erzgängen  d e s G r a ni  tits. 
Selbstverständlich  sind  sie  aber  jünger  als  die  lagerförmigen  Erzlagerstätten  der 
krystallinischen  Schiefer,  scheinen  dagegen  älter  als  die  lettigen  Erzgänge  von 
St.  Peter,  und  tragen  mitunter  sogar  das  Gepräge  von  gangartigen  Secretions- 
bildungen  an  sich. 

Derlei  Gänge,  deren  Mächtigkeit  nicht  nur  gering,  sind  im  Granitit  beson- 
ders häufig  in  den  Siebengründen,  in  der  Nähe  der  Urthonschiefergrenze.  Nörd- 
lich von  St.  Peter,  am  Nordgehänge  des  Ziegenrückens,  hatte  man  verflossenen 
Sommer  (1860)  von  Seite  der  Rochlitzer  Gewerkschaft  einen  solchen  1 bis  6 Zoll 
starken  Gang  durch  einen  stollenmässigen  Versuchsbau  aufgeschlossen.  Der  mit 
dem  Granitit  sehr  innig  verflösste  Quarzgang  streicht  Stunde  1 bis  2 und  fällt 
70  bis  80  Grad  in  NWW.  Erführt:  B unt  k upfer  erz,  Kupferkies,  Anti- 
monglanz, etwas  Malachit  und  angeblich  Mo  lybdänglanz.  Solche,  wenn 
auch  wie  es  scheint  nicht  abbauwürdige  Gänge  sind  noch  bekannt  im  kleinen 
Kessel  (Biesengrund)  und  am  Nordgehänge  des  Krkonos.  Ihr  Streichen  ist 
ein  mehr  minder  dem  Östlichen  genähertes,  und  mitunter  führen  sie  nebst  Kupfer- 
erzen auch  etwas  Bleiglanz. 

Harrachsdorf.  — Der  hier  jüngst  noch  an  der  Mummel  abgebaute  Gang 
weicht  von  den  vorigen  Gängen  wesentlich  ab.  Er  führt  vorzugsweise  Schwer- 
spath  und  Flussspath  und  an  Erzen  Bleiglanz,  Pyrit,  untergeordnet 
Grünbleierz  und  Weissbleierz.  Er  ist  bis  zu  2 Klafter  mächtig  und  setzt 
im  Granitit  dicht  an  der  Urthonschiefergrenze  auf,  bei  einem  sehr  steilen 
Verflachen  in  SW. 


Johann  Jokely.  Das  Riesengebirge  in  Böhmen. 


Von  NORD 


Von  NORD 


Leischnerbauden.  Hofer-  Finken-  Gr.-Aupa.  Klein-  Nieder- 
Schneekoppe.  Roseberg'.  bauden.  berg.  (II.  Th.)  Anpa  Fl.  Kolbendorf. , 


Schneekoppe,  berg.  baude.  banden.  Aupa.  grnnd. 


sehr* 


N. 


Wiesenbaude.  Brunnberg,  bauden.  berg.  Petzer,  bauden.  Bohnwieshaudeo . Un 

» 


N. 


Kreuselberg.  Schwozer  Koppe. 
Schneegruben.  Elbe-  Ob.  Schüssel-  Krause- 

Hohes  Rad.  grund.  Krkonos.  bauden.  bauden. 


Finsterstein,  je^. 


Steinige  Mummelfluss. 


Nieder-  Wachst' 


Weisse  Flinsberg.  Theisenhübl.  Hügel.  Harrachsdorf  Teufelsberg.  Kaltenberg.  Rochlitz.  ß|® 


NNW. 

Neustadtei.  Tafelfichte.  Wittighaus. 

Wiinschendorf.  Heinersdorf.  Kupferberg.  Keiligeberg.  Sichhübel. 


Farbenberg. 


Mapkfrt 


Jft  u 


N. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  III.  Heft. 


Trauten-  Stachel- 

lofbuchberg.  Wernsdorf.  bach.  berg. 


Guldeuöls 


bis  SO. 


Glimmerschiefer. 


eg  iauden.  Kaiserberg. 
»re  Schwarzenthal. 


Forsl 


Urthonschiefer. 


- XI  wfflV 


HB  bis  SW 


Protogyn. 


de  Helfendorf. 


Hartmannsdorf.  Sill>erstein. 


He  lbergcr 
Zie  drücken. 


s. 


Principalek- 

Waltersdorf.  berg.  Hennersdorf. 


Granit. 


Granitit. 


S. 


Hl 

Rothliegendes. 


y Nieder- 
es’ Duschnitz.  Ponikla. 


Dolansky  (kl.  Iserfluss), 

Kozinee.  Ober-Mricna. 


OB 

Basalt. 


Spi*;‘ rg.  Muchowberg. 

lorf*  nnwald.  Zasadu.  Racitz.  Jirkow. 


SSO. 


Eisen- 

brod.  Smrc.  Kozäkow.  Tatobit. 


Verwerfungsspalten. 


Landesgrenze. 


Karl  Ritter  von  Hauer.  x\rbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium. 


421 


VI.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt. 

Von  Karl  Kitter  v.  Hauer. 

1)  Steinkohle  aus  der  Beatens-Glücksgrube  in  Preussisch-Schlesien.  Ein- 
gesendet von  Herrn  Appel. 


Wasser  in  100  Theilen 1*8 

Asche  in  100  Theilen 1*2 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 27-16 

Wärme-Einheiten 6138 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 8*3 

Cokes  in  100  Theilen 37-3 


2)  Kohlenmuster.  Zur  Untersuchung  eingesendet  vom  k.  k.  Landes-General- 
Commando  in  Ofen. 

Von  Grosswardein  a Grube  Michael  Valie  Bertha,  b Dornonkos,  c August, 
beide  von  Valie  Mihi. 


a.  b.  c. 

Wasser  in  100  Theilen 12*1  13*0  13-0 

Asche  in  100  Theilen 8-4  9-0  9-2 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner  14*2  14-3  13-0 

im  Mittel  14-36 

Kohlen  der  St.  Istvaner  Gesellschaft,  Salgo  Tarjan. 

Wassergehalt  in  100  Theilen 10-7 

Asche  in  100  Theilen 6-8 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 11-0 

Kohle  der  Stephansgrube  zu  Banska,  Sempliner  Comitat. 

Wassergehalt  in  100  Theilen • 9.0 

Asche  in  100  Theilen 8-9 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 13-6 


3)  Chromeisensteine  von  Freudenthal  in  der  Militärgrenze.  Zur  Unter- 
suchung eingezendet  von  Herrn  D’Elia. 

I.  Aus  der  Grube  Frandh.  IV.  Aus  der  Grube  Sglebari. 

II.  „ „ „ Sappadina.  V.  „ „ „ Dumbravitza. 

III.  * „ „ Filippa  Csoka.  VI.  „ „ „ Rosalia. 

Gehalt  in  100  Theilen: 


I. 

II. 

III. 

IV. 

V. 

VI. 

Kieselerde 

4-2 

3-6 

3*6 

4-3 

3-3 

6-1 

Thonerde 

11-8 

12-6 

10-8 

10-9 

9-9 

11-2 

Eisenoxydul 

18-4 

20-1 

19-0 

19-9 

21-0 

20-0 

Magnesia 

13-0 

11-4 

140 

11-0 

13  T 

12-7 

Chromoxyd 

50-1 

51-3 

31-0 

32-0 

49-6 

49-0 

422 


Karl  Ritter  von  Hauer. 


4)  Steinkohlen  von  Zwierzina's  Grube  und  die  daraus  erzeugten  Cokes. 


Zur  Untersuchung  eingesendet  vom  k.  k.  Verpflegsmagazin  in  Wien. 

1.  die  Kohle,  2.  die  Cokes. 

1.  2. 

Wasser  in  100  Theilen 1 2 — 

Asche  in  100  Theilen 5*6  9*2 

Cokes  in  100  Theilen 64  0 — 

Wärme-Einheiten 5966  5890 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner..  8 8 8*9 


b)  Steinkohlen,  zur  Untersuchung  auf  den  Schwefelgehalt  eingesendet  von 
Herrn  Karl  Klein,  Handelskammer-Präsidenten. 
a , b , c yon  Bersaska,  d Von  Ostrau. 


«.enthielt  0 3 j procen|;  SChwefel.  j enBnelt  0 4 j procent  Schwefel. 

6)  Eisensteine  (Rotheisensteine)  von  Vorder -Ernstdorf  bei  Mährisch- 
Trübau.  Eingesendet  von  Herrn  Sellner. 


Die  minderen  Sorten  enthielten  30,  die  besseren  47  bis  50  Procent  Eisen. 

7)  Kohle  von  Schallan  bei  Teplitz  in  Böhmen.  Eingesendet  vom  k.  k. 
Landes-General-Commando  in  Prag. 


Wasser  in  100  Theilen 28 '8 

Asche  in  100  Theilen 4-7 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 14*75 

Wärme-Einheiten 3333 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 15*7 


8)  Wasser  der  Mineralquelle  Suliguli.  Zur  Untersuchung  eingesendet  von 
der  k.  k.  Berg-  und  Forstdirection  in  Marmaros-Zigeth. 


Physikalische  Eigenschaften  des  Wassers. 

Specifisches  Gewicht  = 1*00537. 

Geschmack:  Säuerlich  prickelnd  mit  einem  deutlichen  Beigeschmack  von  Kochsalz,  hinterher 
etwas  zusammenziehend  von  Eisen. 

Beim  Oeffnen  der  Flaschen  zeigt  sich  lebhaftes  Moussiren.  da  dieses  Wasser  einen  über- 
grossen Gehalt  an  freier  Kohlensäure  besitzt.  Beim  Kochen  desselben  bildet  sich  ein 
starker  Niederschlag  von  kohlensauren  Erden  und  Eisenoxydhydrat. 


Chemische  Zusammensetzung. 

1000  Theile  des  Wassers  enthalten: 


0*548  Chlor, 

Spür  Schwefelsäure, 
5.066  Kohlensäure, 
0*180  Kieselsäure, 
Spur  Jod, 


0*003  Thonerde, 
0*040  Eisenoxydul, 
0*547  Kalkerde, 
0*351  Magnesia, 
1*691  Natron. 


Der  Gesammtrückstand  beim  Abdampfen  des  Wassers  betrug  4*680  Theile. 
Hieraus  berechnet  sich  der  Gehalt  des  Wassers  in  einem  Pfund  = 
7680  Gran  in  folgender  Weise: 


7*142  Gran 

Chlornatrium, 

13*824 

99 

kohlensaures  Natron, 

0*491 

99 

„ Eisenoxydul, 

7*495 

99 

kohlensaurer  Kalk, 

5*660 

99 

kohlensaure  Magnesia, 

0*023 

99 

Thonerde, 

1*382 

Kieselerde, 

25*704 

99 

halb  und  ganz  freie  Kohlensäure, 

Spuren 

61*721 

Gran 

schwefelsaures  und  Jodnatrium. 
Summe  aller  Bestandtheile. 

Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


423 


9)  Kohle  von  Brunnersdorf  bei  Theresienstadt  n Böhmen.  Eingesendet  vom 
k.  k.  Landes-General-Commando  in  Prag. 


Wasser  in  100  Theilen 20*6 

Asche  in  100  Theilen 12-0 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 14-75 

Wärme-Einheiten 3333 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 15*7 


10)  Braunkohlen  zur  Untersuchung  eingesandt  von  der  k.  k.  Militär-Ver- 
pflegs-Bezirks-Verwaltung  zu  Theresienstadt. 

1.  Braunkohle  von  Ober-Priesen,  2.  Lignit  von  Kuttersehitz. 


1.  2. 

« Wasser  in  100  Theilen 2*0  12-6 

Asche  in  100  Theilen 6-8  8*8 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner. . . 11*9  14-2 


Im  Vorhergehenden  sind  nur  diejenigen  Kohlenproben  aufgeführt,  welche 
durch  besonders  eingelangte  Anfragen  hervorgerufen  wurden.  Für  eine  weit 
grössere  Anzahl  derselben  glaube  ich  an  dem  gegenwärtigen  Orte  auf  das  Werk 
mich  beziehen  zu  dürfen,  welches  in  diesem  Augenblicke  in  Herrn  Wilhelm 
Braumüller’s  Verlag  erscheint:  „Untersuchungen  über  den  Brennwerth  der 
Braun-  und  Steinkohlen  von  den  wichtigeren  Fundorten  im  Bereiche  der  öster- 
reichischen Monarchie,  nebst  einigen  statistischen  Notizen  und  Angaben  über 
ihre  Lagerungsverhältnisse,  von  Karl  Bitter  v.  Hauer,  Vorstand  des  chemischen 
Laboratoriums  der  k.  k.  geologischen  Reichsaustalt.“  Es  ist  Seiner  Excellenz  dem 
Herrn  k.  k.  Minister  für  Handel  und  Volkswirtschaft  Math.  Const.  Capello 
Reichsgrafen  v.  Wickenburg  gewidmet. 

Die  Beschickung  der  Londoner  International-Ausstellung  mit  einer  Samm- 
lung Österreicher  fossiler  Brennstoffe , auf  Veranlassung  des  österreichischen 
Ausstellungs-Comites,  durch  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  unternommen, 
hatte  die  erwünschte  Gelegenheit  geboten , eine  grosse  Anzahl  von  Proben  von 
den  verschiedenen  eingesandten  Mustern  neu  zu  gewinnen.  Sie  sind  nun  in  dem 
erwähnten  Werke  enthalten,  aber  noch  vermehrt  durch  die  Gesammtanzahl  der 
zahlreichen  schon  früher  in  dem  Laboratorio  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt erhaltenen  Ergebnisse  einzelner  Untersuchungen.  Eine  Einleitung  bezieht 
sich  auf  die  Heizmaterialien  im  Allgemeinen,  das  Holz,  den  Torf,  die  fossilen 
Kohlen,  nämlich  Anthracit,  Steinkohlen,  Braunkohlen,  Lignite,  die  Cokes  und 
die  Kohlen-Bricquets,  ein  zweiter  Abschnitt  ist  den  Melhoden  der  Bestim- 
mung des  Brennwerthes  der  Heizmaterialien  gewidmet.  In  der  Mittheil ung  der 
Ergebnisse  der  Proben  selbst  erscheinen  26  Nummern  für  Oesterreich  und  Salz- 
burg, 24  für  Mähren  und  Schlesien,  39  für  Steiermark,  6 für  Kärnthen,  7 für 
Krain,  80  für  Böhmen,  58  für  Ungarn,  11  für  Croatien,  10  für  das  Banat  und 
die  Banater  Militärgrenze,  6 für  Slavonien,  11  für  Galizien  und  Krakau,  2 für 
Tirol  und  Vorarlberg,  5 für  Venetien,  3 für  Siebenbürgen,  4 für  Istrien  und 
Dalmatien,  zusammen  287  Nummern,  wo  indessen  bei  der  bei  weitem  grösseren 
Anzahl  derselben  nicht  nur  eine,  sondern  mehrere,  selbst  in  ansehnlicher  Menge 
Proben  durchgeführt  worden  sind.  Für  alle  sind  mehr  und  weniger  ausführliche 
Angaben  verzeichnet  über  die  Lage  und  Benennung  der  Unternehmungen  und  der 
Gruben,  die  Lagerungs-  und  Bergbauverhältnisse,  die  Erzeugung  im  Jahre  1860, 

die  Anzahl  und  Leistungsfähigkeit  der  Dampfmaschinen,  die  Preise  der  Kohlen 

* 

K.  k.  geologische  Reichssmstalt.  18,  Baad,  1861  und  1868.  Hl.  Heft.  54 


424 


Karl  Ritter  von  Hauer.  Arbeiten  in  dem  chem.  Laboratorium. 


u.  s.  w.  Zudem  noch  andere  wissenswerte  Mittheilungei) , aus  den  Begleit- 
schreiben entnommen,  welche  aus  Veranlassung  der  Einladungen  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  an  die  Bergwerksbesitzer,  von  diesen  mit  den  Mustern 
eingesandt  wurden.  Auch  wurden  aus  den  Ergebnissen  der  Untersuchungen 
während  der  Aufnahmen  durch  die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Rcichsanshdt, 
eine  Anzahl  wissenswerther  Angaben  aufgenommen,  so  wie  endlich  behufs  der 
Uebersicht  nach  dem  Werke  der  Herren  Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Franz 
Foetterle  im  Jahre  1855,  das  nach  Kronländern  geordnete  Verzeichniss  der 
Kohlenvorkommen  vervollständigt  wurde.  Am  Schlüsse  ist  eine  Uebersicbts- 
tabelle  sämmtlicher  Kohlenuntersuchungen  gegeben,  mit  Grenzwertheu  und 
Mittel-  oder  Durchschnittswerthen.  Ein  Anhang  enthält  noch  eine  Anzahl  Proben 
von  Kohlen  ohne  genauerer  Nachweisung  des  Vorkommens  in  der  Natur,*  von 
englischen  Kohlen,  von  Bricquets,  von  schlesischen  im  Handel  in  Wien  vo, 
kommenden  Kohlen  und  von  den  Cokes  der  Wiener  Gasanstalt. 

So  ist  dieses  Werk  für  ein  wahres  Bedürfniss  lur  das  Allgemeine  vor- 
bereitet, indem  gerade  für  das  was  es  enthält,  uns  so  oft  wiederholte  Anfrag»  n 
zukommen. 


*)  Ich  darf  hier  nicht  versäumen  zu  bemerken,  dass  das  erwähnte  Werk  des  Herrn  Karl 
Ritter  v.  Hauer  zwar  auf  den  Grundlagen  der  Ergebnisse  der  Arbeiten  in  dem  chemi- 
schen Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  beruht,  doch  in  unabhängiger 
Anlage  und  Ausführung  dem  hochgeehrten  Herrn  Verfasser  angehört,  ohne  Vereinbarung 
mit  der  Direction  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  ausser  dass  sie  die  von  »len  freund- 
lichen Theilnehmern  an  der  Ausstellung  fossiler  Brennstoffe  eingesandten  statistische 
Daten  enthaltenden  Begleitschreiben,  demselben  zur  Benützung  mittheilte.  W.  H. 


Verzeichntes  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w 423 


VJI.  Verzeiehniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reiehsanstalt 
gelangten  Einsendungen  von  Mineralien.  Gebirgsarten,  Petre- 

facten  u.  s.  w. 

Vom  15.  April  bis  15.  August  1862. 

1)  22.  April.  1 Kiste,  21  Pfund.  Von  Herrn  J.  Tronegger  in  Raibl. 
Fossile  Fische  in  Raibler  Schiefer.  Angekauft. 

2)  30.  April.  1 Kiste,  108  Pfund.  Linker  Schenkelknochen  von  Elephas 
primigenius , 3 Fuss  6 Zoll  3 Linien  lang,  aus  der  Theiss  bei  Czibäkhäza, 
zwischen  Czegled  und  Szarvas.  Geschenk  von  Herrn  Franz  v.  Kubinyi  in 
Pesth.  Ferner  Fischzähne  aus  dem  Schönthale  hinter  Alt-Ofen  von  den  Holz- 
hachischen  Steinbrüchen,  theils  als  Geschenk,  theils  zur  Bestimmung. 

3)  1.  Mai.  1 Kiste,  43  Pfund.  Vom  k.  k.  Landes  General-Commando  in 
Dalmatien  in  Zara.  Kohlenproben  zur  Untersuchung. 

4)  23.  Mai.  1 Kiste,  3y2  Pfund.  Von  der  gräflich  F e stetits'schen  Berg- 
direction  in  Trofayach.  Spatheisenstein  zur  Untersuchung. 

3)  23.  Mai.  1 Kiste,  23  Pfund.  Von  Herrn  J.  Sapetza  in  Neutitschein. 
Angekaufte  Mineralien  und  Petrefacten. 

6)  20.  Mai.  1 Kiste,  28  Pfund.  Geschenk  von  Hern  jub.  k.  k.  Appellations- 
rath J.  Ritter  Nechay  v.  Felseis  in  Lemberg.  Mineralien  und  Petrefacten. 
(Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  Mai.) 

7)  30.  Mai.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  J.  Tronegger  in  Raibl. 
Pflanzen-  und  Fischreste  aus  den  Raibler  Schichten.  Angekauft. 

8)  13.  Juni.  2 Kisten,  93  Pfund.  Vom  k.  k.  Militär- Verpflegsamt  in 
Theresienstadt.  Steinkohlen  zur  Untersuchung. 

9)  14.  Juni.  1 Packet,  3 Pfund.  Von  der  fürstl.  v.  Liechtenstein'schen 
Bergbauverwaltung  zu  Mährisch-Trübau.  Brauneisenstein  mit  Allophan-Ueberzug. 
(Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  Mai.) 

10)  26.  Juni.  1 Kiste,  11  Pfund.  Von  der  k.  k,  siebenbürgischen  Berg- 
direction  in  Klausenburg.  Goldstufen  von  Csertest.  (Verhandlungen.  Bericht  vom 
30.  Juni.) 

11)  17.  Juli.  1 Kiste,  6 Pfund.  Geschenk  von  Frau  Josephine  Kablik  in 
Hohenelbe.  Fossile  Fische  aus  dem  Kupferschiefer  von  Kalna.  (Verhandlungen. 
Bericht  vom  31.  Juli.) 

12)  31.  Juli.  1 Kiste,  14 ^ Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Alexius  Hän  in 
Puszta  Banhäza,  Ersemjen,  Szabolcser  Comitat,  Ungarn.  Torfmoor-Brauneisensteine. 

13)  2.  August.  1 Packet,  2 */4  Pfund.  Von  dem  k.  k.  Handelsministerium. 
Asket,  eingesandt  von  Frau  Albertine  Szöllössy  von  Nagy-Szöllös  in  Oravitza. 

14)  3.  August.  1 Schachtel,  11  »/4  Pfund.  Geschenk  vou  Frau  Josephine 
Kablik  in  Hohenelbe.  Fossile  Fische  von  Kalna. 

54* 


426  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Kai  len  u.  s.  w. 


16)  11.  August.  1 Schachtel , 8^  Pfund.  Vuii  Herrn  Springer  in  Ober- 
Fucha.  Braunkohlen  zur  Untersuchung. 

16)  11.  August.  2 Kisten,  97  Pfund.  Von  Herrn  Tronegger  in  Raibl. 
Fossile  Fische,  Belonorliynchus  striolatus  Bronn , Pholidopleurtis  tgpus  Bronn , 
Thoracopterus  Nieder risti  Bronn ; Crustaeeen,  Bolina  Raiblana  Bronn:  Pflan- 
zen, Noegger  athia  Vogesiana  Bronn,  Voltzia  heterophylla  Bronn  u.  s.  w. 
Angekauft. 

17)  Zahlreiche  Einsendungen  von  den  drei  Sectionen  der  geologischen 
Aufnahmen,  und  zwar: 

38  Kisten  und  Packete,  900  Pfund,  aus  Section  I. 

15  „ „ „ 500  „ II. 

27  „ „ * 519  , „ HI. 


VIII.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingelangten  Bücher,  Karlen  u.  s.  w. 

Vorn  16.  April  bis  15.  August  1862. 

Abbeville.  Societe  imperiale  dem  u lat  i on.  Memoires  1857 — 1860 

Agram.  K.  Unter-Realschule.  Programm  für  1862. 

Basel.  Naturforschende  G es  eil  sch  a fl.  Verhandlungen  111.  Theil,  3.  Heft.  1861. 

Berlin.  K.  Handel  sministerium.  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesen 
in  dem  preussischen  Staate.  1862,  X,  1.  Die  baulichen  Anlagen  auf  den  Berg-, 
Hütten-  und  Salinenwerken  in  Preussen  etc.  II  Jahrg.,  1.  Lief.,  1862.  OfHeial  Cata 
logue  of  the  Mining  and  Metallurgical  Products.  Class  I in  the  Zollverein  Department  of 
the  International  Exhibition  1862.  Compiled  under  the  immediate  direction  of  Mr.  von 
Dechen  by  Dr.  Hermann  Wedding.  Berlin  1862. 

„ Deutsche  geologische  Gesellschaft.  Zeitschrift.  XIII.  Bd.  , 4.  Heft,  1861: 
XIV.  Bd.,  1.  Heft,  1862. 

„ Gesellschaft  für  Erdkunde.  Zeitschrift.  Neue  Folge.  Xll.  Bd.,  1. und  2.  Heft,  1862. 

Bern.  Natur  forsch  ende  Gesellschaft.  Mittheilungen  1861.  Nr.  469 — 496. 

Blankenburg'.  Naturwissenschaftlicher*  Verein  des  Harzes.  Berichte  für  die 
Jahre  1859—1860. 

Blum«  Georg,  Secretär  des  k.  k.  General-Consulats  in  Hamburg.  Das  Weltmeer.  II  Jahrg., 
Nr.  27—1852,  1861/62. 

Bologna.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memorie.  T,  X,  2,  3,  4;  T.  XI,  1,  2. 
1854/61.  — Rendieonto  dolle  sessioni  1859/60,  1860/61. 

Brixen«  K.  k.  Gymnasium.  XII.  Programm.  1862. 

Bronn«  Dr.  H.  G.,  Hofrath,  Professor  in  Heidelberg.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  u.  s.  w. 

# Jahrg.  1861,  Heft  7;  Jahrg.  1862,  Heft  2—3. 

Brünn.  K.  k.  m ähr.-scliles.  Gesellschaft  für  Ackerbau  u.  s.  w.  Mittheilungen, 
_ 1862,  Nr.  15  32. 

Brüx.  K.  k.  G ymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1862. 

Calcutta.  Asiatic  Society  of  Bengal.  Journal.  1861,  Nr.  3. 

Cambridge.  Harvard  College.  Annual  Reports  of  the  President  and  Treasurer. 
1860/61.  — Report  of  the  Committee  of  the  overseers  appointed  to  visit  the  library  for 
1860,  1861.  — Catalogue  of  the  Officers  and  Students  for  the  academical  year  1861/62, 
first  term. 

Chemnitz«  Kön.  Gewerbeschule.  Programm  zu  der  im  April  1862  zu  haltenden 
Prüfung  der  Schüler. 

Cherbourg.  Soci  ete  imperiale  des  Sciences  naturelle  s.  Memoires.  T.  VIII,  1861. 

Christiania.  K.  Universität.  Det  kong.  norske  Frederiks  Universitets  Stiftelse  frem- 
stillet  i anledning  af  dets  Halvhundredaarsfest  af  M.  Monrad.  1861.  — Nyt  Magazin  for 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  427 

Naturvidenskaberne.  XI,  3,  4,  1861.  — Cirklers  Beröring.  Af  C.  M.  Guldberg.  1861. 
— Om  Siphonodentalium  vibreum  enny  slaegt  og  art  af  Dendaiidernes  fainilie.  Af  Dr.  M. 
Sars.  1861. — Kometbanernes  indbyrdes  beliggendes.  Af  H.  Mohn.  1861.  — Gedenk- 
münze in  Neugold  auf  das  halbhundertjährige  Stiftungsfest  der  kön.  Norw.  Frederiks- 
Universität  in  Christiania. 

C'y  bulz,  Ignaz.  Handbuch  der  Terrain-Formlehre  mit  einem  Anhänge  über  Elementar- 
unterricht im  Terrainzeichnen.  Wien  1862. 

Fzcrnowitz.  K.  k.  Ober-Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862. 

„ Handelskammer.  Hauptbericht  und  topographisch-statistische  Darstellung  des  Kam- 
merbezirkes mit  Schluss  des  Jahres  1861.  — Industrie-  und  Communicationskarte  des 
Herzogthumes  Bukowina.  Zusammengestellt  vom  Bureau  der  Gewerbe-  und  Handels- 
kammer im  Jahre  1861.  4 Bl. 

Darm§tadt*  Verein  für  Erdkunde.  Notizblatt.  1862,  März,  Nr.  1 — 2. 

Dorpat*  Natu  r f o r s c h e r- Ges  e 11  s ch  a f t.  Archiv  für  die  Naturkunde  Liv.-,  Ehst-  und 
Kurlands.  I.  Ser.,  II.  Bd.,  3.  Lief.,  1861 ; II.  Ser.,  IV.  Bd.,  1861. 

Dublin.  Royal  Society.  Journal.  Nr.  XX— XXIII,  January  — October  1861. 

Eichwald,  Eduard,  kais.  Staatsrath,  St.  Petersburg.  Lelhae  a rossica  ou  Paleontologie  de 
la  Russie.  Vol.  I.  Stuttgart  1833/60.  Atlas. 

Elbogen.  0 b e r- R ea  1 sch  ul  e.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1862. 

Erdmann,  0.  L.,  Professor  an  der  k.  Universität  in  Leipzig.  Journal  für  praktische  Chemie. 
1861,  Bd.  84,  Heft  7—8;  1862,  Bd.  83,  Heft  3—8;  Bd.  86,  Heft  1—4. 

St.  Etienne.  Societe  de  Pindustrie  minerale.  Bulletin.  T.  VII,  Livr.  1,2,  1861. 

Florenz.  R.  Accademia  dei  georgofili.  Rendiconti  delle  adunanze  triem.  IV,  anno  II, 
disp.  4,  de  1861  ; disp.  1,  2,  de  1862. 

Freiberg,  Bergmännischer  Verein.  Verhandlungen.  1862,  Nr.  19,  30. 

Freiburg  im  Breisgau.  Naturforschende  Gesellschaft.  Berichte  über  die  Verhand- 
lungen. Bd.  II,  Heft  4,  1862. 

Giessen.  Oberhess.  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  IX.  Bericht,  1862. 

Gistel,  Johannes.  Die  südwestbayerische  Schweiz  oder  das  Algäu  im  Allgemeinen  und  das 
Thal  von  Sonthofen  insbesondere  u.  s.  w.  Straubing  1837. 

Göppert,  Dr.,  k.  geh.  Medicinalrath , Professor  in  Breslau.  Ueber  die  permische  Flora. 
(Sitzungsbericht  der  schlesischen  Gesellschaft.  Januar  1862.)  — Ueber  die  Haupt“ 
pflanzen  der  Steinkohlenformation,  insbesondere  über  die  zu  den  Sigillarien  als  Wurzel 
gehörende  Stigmaria.  (L.  c.  April  1862.) 

Gotha*  J.  Perthes’  geographische  Anstalt.  Mittheilungen  über  wichtige  neue  Er- 
forschungen auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Petermann.  1862, 
Nr.  3 — 6;  Ergänzungsheft  Nr.  8. 

Götti ii geil.  K Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Nachrichten  von  der  Georg 
August-Universität  und  der  k.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Vom  Jahre  1860. 

Gratz*  Steierm.  landseh.  Joanneum.  30.  Jahresbericht.  1861. 

„ Steierm.  landseh.  Ober- Real  sch  ule.  XL  Jahresbericht  für  1862. 

„ K.  k.  steierm.  Land  w ir  th  sc  hafts-Gesellschaft.  Wochenblatt.  Nr.  1 — 3 von 
1838  (zur  Ergänzung);  dann  Nr.  13  — 21  von  1862. 

Grewixigk,  Dr.  C.,  Professor,  Dorpat.  Geologie  von  Liv-  und  Kurland  mit  Inbegriff 
einiger  angrenzenden  Gebiete.  Dorpat  1861. 

GiimbeB,  C.  W , kön.  bayerischer  Bergmeister,  München.  Die  Dachsteinbivalve  (Megalodon 
triqueter)  und  ihre  alpinen  Verwandten.  Wien  1862.  — Geognostische  Beschreibung 
des  bayerischen  Alpeugebirges  und  seines  Vorlandes  Herausgegeben  auf  Befehl  des 
k.  bayerischen  Staatsininisteriums  der  Finanzen.  Mit  3 Blättern,  1 geognostischen  Karte 
des  Königreiches  Bayern,  1 Blatt  Gebirgsansichten  und  vielen  Profiltafeln  und  Holz- 
schnitten. Gotha,  Perthes.  1861. 

Hannover,  Polytechnische  Schule.  Programm  für  das  Jahr  1 862/63. 

„ Architekten-  und  Ingenieur-Verein.  Zeitschrift.  Bd.  VIII,  Heft  1,  2,  1862. 

„ Naturforschende  Gesellschaft.  XI.  Jahresbericht  von  1860/61. 

Gew  erbeverein.  Mittheilungen  1862,  Hefte  I,  2.  — Monatsblatt  1862,  Nr.  2 — 4. 

Heidelberg.  Gr o ss herzogliche  Universität.  Heidelberger  Jahrbücher  der  Literatur. 
December  1861;  Jänner  — Juni  1862. 

Heufler,  Ludwig  Ritter  v.,  zu  Rasen  und  Perdonegg.  Botaniker  (Biographie). 

Iglau.  K.  k.  Ober -Gymnasium.  XII.  Programm  für  1862. 

Jena.  Kais.  Leopold.  Car  oh  Akademie  der  Naturforscher.  Verhandlungen. 
Bd.  XXIX,  1861. 

Karntz,  Dr.  L.  Friedrich,  Professor,  Dorpat.  Repertorium  für  Meteorologie.  II.  Bd.,  4.  Heft, 


428  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reirhsanstalt  eingelangten  Bö«  her,  Karlen  u.  s.  «r. 


Hanit/i.  August.  Scrtum  florae  territo rii  Nagy-Köröscensis  Vienae  1862. 

Klagenfurt.  K.  k.  Gymnasium.  XII • Programm  zum  Schlüsse  des  Studienjahres  1862. 

„ R.  k.  Ober-Reaise  hule.  X.  Jahresbericht.  1862. 

v.  Kockscharou' ^ Nicol.,  kais.  russischer  Oberstlieutenant  u.  s.  w..  St.  Petersburg 
Beschreibung  des  Alexandrits.  1862. 

Köln.  Redaction  der  Zeitung  für  Berg-.  Hüttenwesen  und  Industrie  Oer 
„Berggeist“.  1862,  Nr.  30 — 63. 

Königsberg*  K.  Universität.  Amtliches  Verzcichniss  des  Personals  und  der  Studiren- 
den  für  den  Sommersemester  1862. 

Königsberg*  K.  phys. -Ökonom.  Gesellschaft.  Schriften.  II.  Jahrg.,  1861.  2.  Abth 

Kremsmünster.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862 

Kronstadt,  Handelskammer.  Protokoll  der  vierten  Sitzung  am  6.  März  - Juli  1862 

Laibach.  Handelskammer.  Bericht  1857  60. 

Lemberg.  Sparcassa.  Rechnungsabschluss  mit  31.  Deeember  1861. 

Lille.  Soeiete  imp.  des  Sciences,  de  PAgric  ultur  et  des  arts.  Memoiren  Annec 

1860,  II.  ser.,  VII.  vol. 

Linz.  K.  k.  Ober-Realschule.  II.  Jahresbericht  für  das  Studienjahr  186162. 

London*  R.  Geographical  Society.  Proceedings.  Vol.  VI.  Nr.  2.  1862. 

„ Geological  Society.  The  Quarterly  Journal.  Vol.  XVII I , P.  1,  Nr.  60,  Febr.  1862. 

Lüttich.  K.  Universität.  Annales.  Annees  1858  et  1859,  2 Ser..  1 Tom.  Reouverturc 
solenneile  des  cours,  ann.  1860/61,  1861/62.  — Description  des  deelgrures  du  perinee. 
Dissertation  par  Ad.  Wasseige.  Liege  1861.  — De  la  restitution  en  droit  pretorien 
(in  integrum  restitutio).  Dissertation  par  H.  Staedler.  Bruxelles  1861.  — De  la 
resection  des  artieulations  du  membre  inferieur.  Dissertation  par  O A nsi  aux  Liege 

1861. 

Madrid.  Kon.  A kademie  der  Wissenschaften.  Memorias  111  -V,  185961.  — 
Resumen  de  las  aetas  1853—1859. 

Mannheim.  Verein  für  Naturkunde.  28.  Jahresbericht  1861. 

Le  Maus.  Soeiete  d’agr  icul  tu  re,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  Bulletin 
1861,  1.— 4.  trim.;  1862,  1.  trim. 

Manz.  Friedrich,  Buchhändler  in  Wien.  Oesterreiehisehc  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hütten- 
wesen. Redigirt  von  O.  Freiherrn  v.  Hingen  au.  1862,  Nr.  17—32 

Marburg.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862. 

Montreal.  Geological  Survey.  Geology  of  Cailada  1862.  — Deseriptive  Catalogoe  of 
a collection  of  the  economic  minerals  of  Canada  and  of  its  crystallins  Rocks.  Sent  to  the 
London  International  Exhibition  for  1862. 

Morlot,  A.,  Professor  zu  Lausanne.  Une  date  de  Chronologie  absolue  en  geologie.  1862. 

Moskau*  Kais,  naturforschende  Gesellschaft.  Liste  des  membres.  1862.  — Bulle- 
tin. Nr.  4 de  1861. 

Mühlhausen.  Soeiete  industrielle.  Bulletin.  Avril  — Juli  1862. 

München.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Sitzungsberichte.  1861,  II, 
Heft  2- 3. 

Xardo,  Dr.  Joh.  Dom.,  Director  der  k.  k.  Findelanstalt,  Venedig.  Prospetti  sistematici  degli 
animali  delle  provineie  venete  e del  mare  adriatico  eec.  Parte  1,  Venezia  1860.  — Con- 
getture  e successive  illustrazioni  sulla  derivazione  del  nome  geografico  Reeoaro.  Venezia 
1861.  — Cinque  specie  di  animali  inverteburati  presentate  in  dono  alle  raceolte  naturali 
dell’  I.  R.  Istituto  veneto  dal  Sign.  Pieti*o  A.  Saccardo.  — Nota  illustrante  gli  entomo- 
stracci  monocoli  delle  aeque  stagnanti  delle  nostre  provineie  ece.  1861. 

Xeuhrandenhurg.  Ver  ei  n derFreunde  d er  Na  t u rges  c hi  c h te.  Archiv.  15.  Jahr. 

Xeuchatel*  Soeiete  des  Sciences  naturelles.  Bulletin.  T.  V,  3,  1861. 

©edenburg.  Handelskammer.  Bericht  über  die  Bodenproduction,  Industrie-Erzeugnisse 
u.  s.  w.  während  der  Jahre  1857  — 1860. 

Olmütz.  K.  k.  Gymnasium.  Jahresbericht  für  1862. 

„ K.  k.  Ober-Realschule.  VIII.  Jahresbericht.  1862. 

Padua.  K.  k.  Akademie  der  Wissenschaften.  Rivista  periodica  dei  lavori.  Vol.  VII 
—IX,  Heft  15— 20,  1859—1861. 

Palermo*  Societä  d’-accli  mazione.  Atti.  T.  II,  Nr.  2 — 4,  1862. 

Paris*  Ecole  imperiale  des  mines.  Annales  des  mines.  Ser.  V,  T.  XX,  Livr.  6 de 
1861;  Ser.  VI,  T.  I,  Livr.  1,  2 de  1862. 

„ Soeiete  geologique  de  France.  Bulletin.  T.  XIX,  f.  13—20  (16.  Dec.  1861). 

St.  Petersburg.  Kais,  geologische  Gesellschaft.  Compte  rendu  pour  l’annee 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w,  429 

Philadelphia.  Franklin-Institut' e.  Journal.  Vol.  43,  January — March  1862,  Nr.  1 — 3. 

Prag-.  Kön.  böhm.  Gesellschaft  der  Wissenschaft.  Abhandlungen.  11.  Bd.,  1861. 
— Sitzungsberichte.  1861,  Juli  — December. 

„ Naturwissenschaftlicher  Verein.  „Lotos“,  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften, 
April  — Juni  1862. 

„ K.  k.  patriot.  Ökonom.  Gesellschaft.  Centralblatt  für  die  gesammte  Landes- 
cultur  und — Wochenblatt  der  Land-,  Forst-  und  Hauswirthschaft  etc.  1862,  Nr.  15 — 32. 

Pressburg.  Verein  für  Naturkunde.  Verhandlungen.  4. — 5.  Bd.,  1859—1861.  — 
Ueber  die  Bedingungen  der  Grösse  der  Arbeitskraft  mit  Berücksichtigung  einiger  Haus- 
thiere.  Ein  populärer  Vortrag  von  Dr.  A.  v.  Szontagh.  1859.  — Ueber  die  neueren 
Fortschritte  der  Lichenologie.  Von  Alb.  Graf  Bentzel-Sternau.  1859.  — Ergebnisse 
aus  den  meteorologischen  Beobachtungen  zu  Pressburg  während  den  Jahren  1858  und 
1859.  Von  Dr.  G.  A.  K o rn  hub  er.  1860. 

RauEin,  V.,  Professor  in  Bordeaux.  Notice  sur  les  travaux  scientifiques  de  M.  Cordier, 
Professeur  etc.  Bordeaux  1862. 

Rittinger,  Peter,  Sectionsrath  im  k.  k.  Finanzministerium.  Die  Bedeutung  der  Staats-, 
Berg-  und  Hüttenkunde  des  Kaiserthums  Oesterreich.  Wien  1862. 

Rose 4 Dr.  Gustav,  k.  Universitäts-Professor,  Berlin.  Ueber  eine  neue  kreisförmige  Ver- 
wachsung des  Rutils. 

Rostock.  Mecklenb.  patriot.  Verein.  Landwirtschaftliche  Annalen.  1862,  Nr.  9 — 25. 

Salzburg.  K.  k.  Gymnasium.  XII.  Programm  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1862. 

Schässburg.  Evang.  Gymnasium.  Programm.  1861. 

Sillimaii,  B. , Professor,  New-Haven.  The  american  Journal  of  Science  and  arts.  II.  Ser., 
Nr.  98,  March  1862. 

Stäche,  Dr.  Guido,  Sectionsgeologe.  Geologische  Verhältnisse  Istriens,  Siebenbürgens  und 
des  Bakonyer  Waldes.  Breslau  1861. 

Stoliczka,  Dr.  Ferdinand.  Ueber  heteromorphe  Zellenbildungen  bei  Bryozoen.  Coelophyma 
Reuss.  Wien  1862.  — Otocaner  Regimentsgeschichte  auf  den  Zeitraum  vom  Jahre  600 
n.  Chr.  bis  auf  die  neueste  Zeit.  Verfasst  im  Jahre  1851,  1852  und  1853  von  Fr.  Bach, 
k.  h.  Major.  Karlstadt.  — Beitrag  zur  KenntniSs  der  Molluskenfauna  der  Cerithien-  und 
Inzersdorfer  Schichten  des  ungarischen  Tertiärbeckens.  Wien  1862.  — Oligocene 
Bryozoen  von  Latdorf  in  Bernburg.  1861. 

Sucss,  Eduard.  Der  Boden  der  Stadt  Wien  nach  seiner  Bildungsweise,  Beschaffenheit  und 
seinen  Beziehungen  zum  bürgerlichen  Leben.  Wien  1862. 

Tescheu.  K.  k.  evang.  Gymnasium.  Programm  für  1862. 

Trautschold,  H.,  in  Moskau.  Recherches  geologiques  aux  environs  de  Moscou.  Fossiles 
de  Kharachovo  et  Supplement.  1862.  — Ueber  die  Kreide-Ablagerungen  im  Gouverne- 
ment Moskau.  1862. 

Triest.  K.  k.  Marine-Obere o mmando.  Reise  der  österreichischen  Fregatte  Novara 
um  die  Erde  in  den  Jahren  1857 — 1859.  Unter  den  Befehlen  des  Commodore  Baron 
v.  Wüllerstorf-Urbair.  Beschreibender  Theil.  III.  Band.  Wien  1862. 

Troppau*  K.  k.  Ober- Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862. 

Utrecht.  Kön.  meteorologisches  Institut.  Meteorologische  Waarnemingen  in 
Nederland  en  zijne  Bezitlingen  etc.  1859,  1860. 

„ Provincial-Gesellschaft  für  Kunst-  und  Wissenschaft.  Aanteekeningen 
van  het  Verhandelde  in  de  Sectie-Vergaderinger  1859— -1861.  — Verslag  van  het  ver- 
handelde  algemeene  vergadering  1860.  1861.  — Entwickelungsgeschichte  der  AmpuL 
laria  polita  Dsh.  u.  s:  w.  Von  Dr.  Karl  Semper.  Utrecht  1862.  — Recherches  sur 
l’evolution  des  araignees  par  M.  Ed.  Claparede.  Utrecht  1862. 

Venedig.  K.  k.  Institut  der  Wissenschaften.  Atti.  T.  II,  disp.  5,  6,  1862. 

Wien.  Hohes  k.  k.  Staats-Ministerium.  Reichsgesetzblatt.  1862,  St.  XII— XXIV,  — 
Austria,  Wochenschrift  für  Volkswirtschaft  und  Statistik.  Wien  1862,  Nr.  16 — 30.  — 
Berg-  und  Hüttenmännisches  Jahrbuch  der  k.  k.  Berg-Akademien  Schemnitz  und  Leoben 
und  der  k.  k.  Montanlehranstalt  Pribram  für  das  Jahr  1861.  XI.  Band.  Wien  1862, 

„ K.  k.  Ministerium  für  Handel  und  Vol  ks  wi  r thsch  aft.  Uebersicht  der  Ver- 
hältnisse und  Ergebnisse  des  österr.  Bergbaues  im  Verwaltungsjahre  1861  etc. 

„ Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Almanach.  XII.  Jahrg.  1862.  — Sitzungs- 
berichte, math.-naturw.  Gasse.  XLV.  Bd. , 1.  Heft,  1.  und  2.  Abth.;  2.  Heft,  1.  und 
2.  Abth.;  3.  Heft,  2.  Abth.;  4.  Heft,  2.  Abth.  — Sitzungsberichte,  philos.-hist.  Classe, 
XXXVIII.  Bd.,  3.  Heft;  XXIX.  Bd.,  1.  Heft,  1862. 

„ Do ctoren -Collegium  der  medizinischen  Facultät.  Oesterr.  Zeitschrift  für 
praktische  Heilkunde.  1860,  Nr.  3,  21 ; 1862,  16— 31.  — 12.  Jahresberich.  1861/62. 

„ K.  k.  O b e r -G  y mn  a si  u m zu  den  Schotten.  Jahresbericht  für  1862, 


430  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  karten  u.  s.  w. 

Wien.  Direction  der  Kaiser  Ferdinands-Nordhahn.  Protokoll  über  die  Verhand- 
lungen der  am  21.  Mai  1862  abgehaltenen  XXXV.  Versammlung  der  Actionäre.  Wien 
1862. 

„ Oesterr.  Ing en i e u r- Ve r ei n.  Zeitschrift.  3.  und  6.  Heft,  1862. 

„ K.  k.  Lan  d wi rth  schaft s -Gese  1 Isc haft.  Allgem.  land-  und  forstwirthschaftliche 
Zeitung.  1862,  Nr.  12—23. 

„ Gewer b e- Verei n.  Verhandlungen  und  Miltheilungen.  1862,  Heft  4 — 7. 

„ Redaction.  Oesterreichische  botanische  Zeitschrift.  Nr.  1 — 6,  1862. 

„ Redaction  der  österr.  militärischen  Zeitschrift.  III.  Jahrg.,  1862,  II.  Bd., 
3.  Heft,  1.— 3.  Lief.;  8.— 13.  Heft. 

Wolf,  Heinrich,  Sectionsgeologe.  Geologisches  Längenprofil  der  k.  k.  pr.  Kaiserin  Elisabeth- 
Bahn  zwischen  Wien  und  Linz.  3.  Abtheilung.  ( Manuscript.) 

Wüllner,  Dr.  Adolph,  Privatdocent  an  der  Universität  in  Marburg.  Die  Absorption  des 
Lichtes  in  isotropen  Mitteln.  Marburg  1862. 

Würzburg.  Physic.  Medicin.  Gesellschaft.  Naturwissenschaftl.  Zeitschrift.  II.  Bd., 
Heft  3.  1861.  — Würzburger  medicinische  Zeitschrift.  III  Bd.,  1.  Heft,  1862. 

„ Landwirtschaftlicher  Verein.  Gemeinnützige  Wochenschrift.  XII.  Jahrg.,  1862, 
Nr.  1 — 26.  — Rechenschaftsbericht  der  Wiesenbauschule  für  Unter- Franken  und 
Aschaffenburg  in  Würzburg  pro  1861. 

Victor  Ritter  v.  Xepliaro  vielt,  Professor  an  der  k.  k.  Universität,  Gratz.  Der  Diamant. 
Populärer  Vortrag  gehalten  in  Gratz  am  1.  April  1862. 


JAHRBUCH 


KAISERLICH- KÖNIGLICHEN 

GEOLOGISCHEN  REICHS  ANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 

NR°.  4.  SEPTEMBER.  OCTOBER.  NOVEMBER.  DECEMBER.  1862. 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNBLER  DES  K.  K.  HOFES. 


12.  Band.  1861  u.  1862.  JAHRBUCH  IV>  Heft> 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager 

Kreises  in  Böhmen. 

Von  M.  V.  Lipoid, 

k.  k.  Bergrath. 

Mit  4 Tafeln  und  11  Figuren. 

Besprochen  in  den  Sitzungen  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  am  10.  und  31.  Jänner  1860.  Vorgelegt  am  3.  Mai  1860. 


Einleitung. 

Im  Sommer  1859  hatte  ich  die  geologische  Aufnahme  desjenigen  Theiles 
des  Königreiches  Böhmen  zu  vollführen,  welcher  die  Blätter  der  Generalstabs- 
karten, im  Maassstabe  von  2.000  Klafter  auf  den  Zoll,  Nr.  XIII,  Umgebungen 
von  Prag,  und  Nr.  XIX,  Umgebungen  von  Beraun  und  Pribram,  einnimmt. 
Durch  diese  Aufnahmen  wurde  eine  Lücke  ausgefüllt,  welche  die  geologischen 
Aufnahmen  der  früheren  Jahre  in  der  Mitte  Böhmens  offen  Hessen,  daher  sich 
meine  Aufnahmen  im  Süden,  Westen  und  Norden  an  die  Arbeiten  früherer  Jahre 
anschlossen,  und  zwar  im  Süden  an  die  Arbeiten  der  Herren  Jokely  und 
v.  Zepharovich  vom  Jahre  1854  *)>  im  Westen  an  jene  des  Herrn  v.  Lidl 
von  den  Jahren  1854  und  1855 *  2)  und  im  Norden  an  jene  der  Herren  Dr.  v.  Hoch- 
stetter  und  Jokely  von  den  Jahren  1856  und  1857  3).  Das  östlich  an  die 
bezeichneten  Blätter  XIII  und  XIX  anstossende  Gebiet  sieht  noch  der  geolo- 
gischen Aufnahme  entgegen. 

Das  bereiste  Gebiet  bildet  einen  Theil  des  Prager  Kreises,  und  zwar  den 
grössten  Theil  der  ehemaligen  Kreise  Beraun  und  Rakonic.  Nur  der  südwest- 
lichste Theil  des  Blattes  Nr.  XIX  gehört  dem  Taborer  und  der  nordwestlichste 
Theil  des  Blattes  Nr.  XIII  dem  Saazer  Kreise  an.  Es  nimmt  einen  Flächenraum 
von  65  Quadratmeilen  ein. 

In  geologischer  Beziehung  lässt  sich  das  bezeichnete  Terrain  in  drei 
Gruppen  abtheilen,  — in  die  Gruppe  der  kystallinischen  Gebirge, 
welche  den  südöstlichen  Theil  des  Terrains  zusammensetzen,  — in  die  Gruppe 
der  silurischen  Grauwacke ngebirge,  welche  den  nordöstlichen,  mitt- 
leren und  südwestlichen  Theil  des  Terrains  einnehmen,  — und  in  die  Gruppe 


*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  YI.  Jahrgang,  Seite  355,  453,  682,  und 
VII.  Jahrgang,  Seite  99. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  VI.  Jahrgang,  Seite  580,  und  VII.  Jahr- 
gang, Seite  316  und  373. 

3)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  IX.  Jahrgang,  Seite  398,  und  Verhand- 
lungen Seite  61  und  73. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


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M.  V.  Lipoid. 


P] 

der  jüngeren  Sedimentgebirge,  welche  im  nordwestlichen  Theile  des 
Terrains  auftreten.  Während  an  der  geologischen  Aufnahme  des  Terrains,  in 
welchem  die  beiden  erstgenannten  Gebirgsgruppen  zu  Tage  kommen,  Herr  Joh. 
Krejcf,  Lehrer  an  der  k.  böhmischen  Oher-Realschule  in  Prag,  thätigen  An- 
theil  nahm,  bearbeitete  ich  nebstdem  allein  das  Terrain  der  jüngeren  Sediment- 
gebirge im  westlichen  Theile  des  Prager  Kreises.  Dieses  Terrain  nun  bezeichne 
ich  nach  dem  wichtigsten  Fossile,  das  demselben  eigen  ist,  nach  der  Steinkohle 
nämlich,  mit  dem  Namen  „Stei  nkohlen  gebiet“,  obschon  nebst  der  Stein- 
kohlenformation auch  noch  jüngere  Gebirgsformationen  dasselbe  zusammen- 
setzen, — und  die  geologische  Beschreibung  dieses  letztgenannten  Gebietes  soll 
den  Gegenstand  der  nachfolgenden  Mittheilung  bilden. 

Aeltere  geologische  Mittheilungen,  die  dieses  Gebiet  betreffen,  finden  sich 
vor  von  Herrn  Professor  F.  X.  M.  Zippe  in  J.  G.  Sommer's  „Das  Königreich 
Böhmen“,  XIII.  Band  und  m.  a.  ().,  und  von  Herrn  Professor  Dr.  A.  E.  Beuss 
in  mehreren  Schriften  und  Aufsätzen,  die  ich  in  der  Folge  zu  berühren  Gelegen- 
heit haben  werde.  Auch  die  Mittheilungen  der  Geologen  Jokely  und  v.  Li  dl 
über  das  benachbarte  Terrain  können  gewissermaassen  als  Vorarbeiten  betrach- 
tet werden.  Andere  Mittheilungen,  die  über  dieses  Terrain  noch  erfolgten, 
werde  ich  am  geeigneten  Orte  erwähnen. 

Das  Steinkohlengebiet  des  Prager  Kreises  besitzt  in  seiner  Oberflächen- 
beschaffenheit nicht  den  Charakter  eines  muldenförmigen  Terrains,  wie  dies  bei 
Steinkohlengebirgen  meist  und  auch  bei  jenen  des  Pilsener  Kreises  der  Fall  ist.  Die 
Ursache  hiervon  liegt  in  den  jüngeren  Ablagerungen,  hauptsächlich  in  jenen  der 
Kreideformation,  welche  im  Steinkohlengebiele  des  Prager  Kreises  auftreten  und 
der  Oberflächengestaltung  ihren  eigenthümlichen  Charakter  gaben.  Diesemnach 
stellt  das  bezeichnete  Steinkohlengebiet  eine  Hochebene  dar,  die  am  Zbanberge 
bei  Hredl,  1668*7  Wiener  Fuss  über  dem  Meere,  und  am  Lanaberge  bei  Lana, 
1494  Fuss  hoch,  ihre  grösste  Höhe  erreicht,  und  von  da  unmerklich  nach 
Norden  zum  Egerflusse  und  nach  Nordosten  zum  Moldauflusse  abdacht,  dessen 
absolute  Höhe  über  dem  Meere  bei  Weprek  kaum  mehr  460  Fuss  beträgt.  Aber 
diese  Hochebene  ist  nur  durch  einzelne  grössere  Plateaux  ausgedrückt,  im 
übrigen  aber  zahlreich  von  Flüssen  und  Bächen  durchschnitten,  die  dem  Terrain, 
besonders  in  dem  nordöstlichen  Theile  den  Charakter  eines  sanft  wellenförmigen 
Hügellandes  aufdrücken.  Nur  das  dem  Steinkohlengebiete  angehörige  Terrain 
südlich  vom  Zbangebirge  in  der  Umgebung  von  Rakonic  gewinnt  mehr  das  An- 
sehen einer  Muldenbildung,  die  besonders  deutlich  mehr  im  Westen,  ausserhalb 
des  von  mir  bearbeiteten  Terrains,  bei  Senec,  Petrowic  u.  s.  f.  ausgeprägt  ist. 

Die  Flüsse  und  Bäche,  welche  das  Steinkohlengebiet  durchschneiden, 
fliessen  theils  dem  Eger-,  theils  dem  Moldau-,  theils  dem  Beraunflusse  zu.  In 
den  Egerfluss  ergiessen  sich  die  nördlich  vom  Zbanberge  entspringenden  Bäche, 
der  Hriwicer,  Aulowicer  und  Pohwalowskybach,  welche  insgesammt  tiefe , von 
Nord  nach  Süd  verlaufende  Einschnitte  in  das  Gebirge  hervorbrachten,  — wahre 
Erosionsthäler.  In  die*Moldau  ergiessen  sich  der  rothe  Bach  bei  Weprek  und 
der  Zakolaner  Bach  bei  Kralup.  Der  rothe  Bach  hat  seine  Quellen  in  dem  Korn- 
hauser Hochplateau  und  nimmt  bei  Welwarn  den  Bakower  und  Zlonicer  Bach 
und  bei  Chrin  den  Mühlbach  auf,  welche  sämmtlich  in  dem  Hochplateau  von 
Jungferteinitz  aus  vielen  Quellen  ihren  Ursprung  nehmen.  Der  Zakolaner  Bach, 
verstärkt  durch  den  Podlesiner  Bach,  entspringt,  wie  dieser,  in  vielen  Quellen 
in  dem  Plateau  südlich  von  Kladno  und  Munzifay.  Von  den  dem  Beraunflusse 
zufliessenden  Bächen  sind  der  Kornhauser  (Lodenicer)  und  der  Rakonicer  Bach 
bemerkenswerth , welche  ihre  vielfachen  Quellen  in  dem  Steinkohlengebiete 


[3]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  433 

haben,  in  welchem  sie  ein  niederes  Hügelland  und  selbst  weite  Thäler  be- 
wässern, um  dann  in  tiefen  Schluchten  durch  das  Grauwackengebiet  dem  Beraun- 
flusse  zuzueilen. 

Ich  habe  bereits  oben  erwähnt,  dass  das  von  mir  bereiste  Steinkohlengebiet 
des  Prager  Kreises  aus  mehreren  Gebirgsformationen  zusammengesetzt  ist. 
Diese  Formationen  sind : 

I.  Die  Steinkohlenformation; 

II.  die  Formation  des  Rothli egenden; 

III.  die  Kreideformation,  und 

IV.  die  quaternäre  Formation  des  Diluviums. 

Diese  Formationen  sollen  im  Nachfolgenden  abgesondert  behandelt  und  am 
Schlüsse  als  1.  Anhang  das  Vorkommen  des  Basaltes  im  Steinkohlengebiete 
beschrieben,  als  2.  Anhang  die  im  Steinkohlengebiete  gemachten  Höhen- 
messungen beigefügt,  und  als  3.  Anhang  Einiges  über  die  isolirten  Steinkohlen- 
becken des  Prager  Kreises  beiStradonic  und  Zebrak  mitgetheilt  werden. 


I.  Die  Steinkohlenformation. 

Böhmen  ist  das  an  Steinkohlen  reichste  und  productivste  Kronland  im 
Kaiserthume  Oesterreich,  und  die  Steinkohlenwerke  des  Prager  Kreises  erzeugen 
bis  jetzt  mehr  als  zwei  Drittheile  der  Gesammtproduction  Böhmens  an  Stein- 
kohlen. Schon  hieraus  lässt  sich  auf  die  Wichtigkeit  schliessen,  welche  die 
Steinkohlenformation  im  Prager  Kreise  besitzt.  Noch  mehr  mögen  dies  folgende 
Zahlen  darthun. 

Nach  dem  „statistischen  Berichte  der  Handels-  und  Gewerbekammer  in 
Prag“  vom  Jahre  1838  betrug  die  Production  der  Steinkohlenwerke  des  Prager 
Kreises  im  Jahre  1833  7,273.331  Centner  Steinkohlen  im  Geldwerthe  von 
1,380  000  Gulden  C.  M.  und  beschäftigte  4.344  Individuen.  Der  Flächenraum 
der  belehnten  Grubenfelder  nahm  im  Jahre  1836  14,282.000  Quadratklafter  ein, 
und  durch  Freischürfe  war  überdies  ein  Flächenraum  von  mehr  als  4,800.000  Qua- 
dratklafter gedeckt.  Der  Flächenraum  der  Grubenfelder  und  Freischürfe  betrug 
demnach  viel  über  eine  Quadratmeile.  Während  die  Steinkohlenproduction  im 
Prager  Kreise  vor  dem  Jahre  1833  eine  viel  geringere  war,  und  z.  B.  im  Jahre 
1833  nur  3,322.910  Centner  betrug,  ist  sie  hingegen  seit  dem  Jahre  1833 
wieder  stetig  gestiegen,  und  erreichte  — nach  der  „Oesterreichisehen  Zeit- 
schrift für  Berg-  und  Hüttenwesen“,  Nr.  49  vom  Jahre  1839  — im  Jahre  1838 
bereits  die  Höhe  von  9,331.173  Centner,  welche  Erzeugung  sicherlich  über 

3.000  Individuen  beschäftigt  haben  und  einen  Geldwerth  von  mehr  als 

1.800.000  Gulden  ö.  W.  vorstellen  dürfte. 

Noch  ist  jedoch  die  Productionsfähigkeit  der  Steinkohlenwerke  des  Prager 
Kreises  nicht  erschöpft,  noch  ist  der  Bedarf  an  Steinkohlen  im  steten  Wachsen 
begriffen,  und  noch  waren  z.  B.  die  vier  neuen  Cokes-Hochöfen  der  Prager  Eisen- 
industrie-Gesellschaft zu  Kladno  im  Jahre  1838  nicht  im  Betriebe. 

Verbreitung  der  Steinkohlenformation. 

So  sicher  und  genau  die  südliche  und  westliche  Begrenzung  der  Stein- 
kohlenformation des  Prager  Kreises  bestimmt  werden  konnte,  eben  so  unbestimmt 

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M.  V.  Lipoid. 


[4] 

bleibt  die  östliche  und  nördliche  Begrenzung  derselben,  woran  die  Ueberlage- 
rung  der  Steinkohlengebilde  gegen  Norden  durch  jüngere  Gebirgsformationen 
Ursache  ist. 

Die  südliche  Grenze  läuft  von  Kralup  an  der  Moldau  bis  Petrowic,  west- 
lich von  Rakonic,  von  Ostnordost  nach  Westsüdwest  in  einer  Länge  von  7 Meilen. 
Auf  der  beiliegenden  „Uebersic hts karte  des  Steinkohlengebietes 
des  Prager  Kreises“  (Tafel  I)  ist  diese  Grenze  genau  verzeichnet,  und 
daraus  zu  ersehen,  dass  dieselbe  von  Kralup  bis  Druzec  eine  ziemlich  gerade 
Linie  nach  Südwest  einhält,  sich  von  Druzec  und  Zilina  gegen  Nordwest  nach 
Ruda  wendet,  im  weiteren  Verlaufe  über  Rakonic  bis  unter  Senec  wieder  eine 
südwestliche  Richtung  nimmt,  und  endlich  in  einem  nach  Nord  gewendeten  Bogen 
nach  Seiwedl  (Zawidow)  bei  Petrowic  verläuft. 

An  dieser  südlichen  Grenze  ruht  die  Steinkohlenformation  durchaus  auf 
versteinerungsleeren  Thon-  und  Kieselschiefern  der  sibirischen  Grauwacken- 
formation (Barrande's  azoische  Etage  B ).  Die  unmittelbare  Begrenzung  beider 
Formationen  wird  nur  südwestlich  von  Kladno  gegen  Dokes  zu  durch  auflagernde 
Gesteine  der  Kreideformation , so  wie  östlich  von  Brandeisei  und  nächst  Zilina 
durch  mächtige  Löss-Ablagerungen  dem  Auge  entzogen.  An  den  übrigen  Orten 
ist  die  unmittelbare  Grenze  meist  sichtbar  oder  mindestens  aus  den  Gesteins- 
geschieben gut  erkenntlich.  Die  Auflagerung  der  Steinkohlenformation  auf  der 
Grauwackenformation  ist  in  so  ferne  eine  concordante,  dass  die  Schiefer  der 
letzteren  überall,  wo  ich  die  Auflagerung  beobachten  konnte,  so  wie  die  Gesteine 
der  Steinkohlenformation,  ein  Einfallen  nach  Norden,  Nordosten  oder  Nord- 
westen zeigten.  In  dem  östlichen  Theile  der  südlichen  Grenze  erheben  sich  die 
Gebirge  der  Grauwackenformation  nur  unbedeutend,  kaum  viel  über  100  Fuss 
höher,  als  die  nördlicher  liegenden  Berge  der  Steinkohlenformation.  An  dem 
Zakolaner,  Wolsaner  und  Kladnoer  Bache  tritt  die  Grauwackenformation  grössten- 
theils  am  Fusse  der  nördlichen  Thalgehänge  unter  der  Steinkohlenformation  zu 
Tage.  Noch  unmerklicher  ist  der  Niveau-Unterschied  und  der  Uebergang  aus  der 
Steinkohlen-  in  die  Grauwackenformation  bei  Zilina,  südlich  von  Lana  und  nächst 
Ruda.  Erst  gegen  Rakonic  zu  und  in  dessen  Umgebung  erheben  sich  die  Grau- 
wackengebirge mehrere  hundert  Fuss  über  die  von  den  Steinkohlengebilden  ein- 
genommenen Hügel,  und  lassen  in  dieser  Art  schon  in  der  äusseren  Gestaltung 
die  Ufer  des  ehemaligen  Steinkohlenmeeres  erkennen,  was  in  den  übrigen 
Theilen  der  Formationsgrenze  durchaus  nicht  der  Fall  ist. 

Die  westliche  Grenze  des  in  Rede  stehenden  Steinkohlengebietes  liegt 
bereits  ausserhalb  meines  Aufnahmsterrains  in  dem  Saazer  Kreise.  Sie  läuft  von 
Seiwedl  nächst  Petrowic  in  nordnordwestlicher  Richtung  gegen  Horowic,  und 
wird  im  weiteren  nördlichen  Verlaufe  von  Gesteinen  des  Rothliegenden  bedeckt. 
Zwischen  Seiwedl  und  Horowic  sind  es  Granit  und  Urthonschiefer,  denen  die 
Gebilde  der  Steinkohlenformation  auflagern,  und  deren  hohe  Bergrücken  einen 
mächtigen  Wall  an  diesem  Theile  des  Steinkohlenbeckens  bilden.  Das  nörd- 
licher auftretende  Rothliegende  zieht  sich  in  südlicher  Richtung  zwischen  Grani- 
ten und  Urschiefern  durch  den  Saazer  bis  in  den  Pilsener  Kreis,  und  wird  nur 
durch  ein  paar  schmale  Streifen  von  Urthonschiefern  von  den  Steinkohlengebil- 
den des  Pilsener  Kreises  geschieden.  Dieses  Rothliegende  vermittelt  demnach 
gleichsam  den  Zusammenhang  des  Steinkohlengebietes  im  Prager  Kreise  mit  dem 
Steinkohlenbecken  des  Pilsener  Kreises. 

Wie  oben  erwähnt  wurde,  ist  die  östliche  und  nördliche  Grenze  der 
Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises,  das  östliche  und  nördliche  Ausgehende 
derselben,  von  jüngeren  Gebirgsformationen,  u.  z.  von  den  Gesteinen  der 


[5]  Pas  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  435 

Formation  des  Rothliegenden  und  der  Kreideformation,  überlagert.  Die  östliche 
und  nördliche  Begrenzung  ist  demnach  dem  geologischen  Auge  entzogen,  und 
dadurch  entfällt  auch  die  Möglichkeit,  die  Grösse  und  Ausdehnung  der  Stein- 
kohlenmulde des  Prager  Kreises  mit  Bestimmtheit  anzugeben.  Wenn  man  jedoch 
in  Betracht  zieht,  dass  in  dem  von  mir  bereisten  Steinkohlengebiete  das  Roth- 
liegende  überall  nur  auf  Gesteinen  der  Steinkohlenformation  aufruhend  beobach- 
tet wurde,  und  hiernach  die  Voraussetzung  gelten  lässt,  dass  dort,  wo  in  diesem 
Gebiete  das  Rotldiegende  zu  Tage  tritt,  auch  darunter  die  Steinkohlenformation 
vertreten  sei,  so  gewinnt  man  mindestens  einen  Maassstab  zur  Bestimmung  der 
wahrscheinlichen  Ausdehnung  der  Steinkohlenformation.  Indem  nämlich  das 
Rothliegende — nach  den  geologischen  Aufnahmen  des  Herrn  Dr.  y.  Hoch- 
stetter  — noch  in  der  Nähe  von  Budin,  bei  Poplzi  und  Horka  am  Egerflusse, 
bei  Brloh,  südlich  von  Laun,  unter  der  Kreideformation  zu  Tage  kommt,  so 
kann  man  als  die  wahrscheinliche  nördliche  Grenze  der  Steinkohlen- 
formation den  Egerfluss,  welcher  von  der  südlichen  Grenze  der  Steinkohlen- 
formalion im  Durchschnitte  3 % Meilen  entfernt  ist,  annehmen  und  somit  die 
wahrscheinliche  Ausdehnung  der  Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises  mit 
dem  Flächenraume  von  241/2  Quadratmeilen  angeben.  Dieser  Flächenraum  wird 
allerdings  vermindert  und  auf  die  Hälfte,  d.  i.  auf  12%  Quadratmeilen,  reducirt, 
wenn  man  als  die  bekannte  nördliche  Grenze  der  Steinkohlenformation  nur 
die  bekannten  nördlichsten  Vorkommen  und  Ausbisse  der  Gesteine  der  Stein- 
kohlenformation gelten  lässt,  denn  diese  Ausbisse,  verbunden  mit  Vorkommen 
von  Steinkohlen  bei  Schlau,  Libowic  u.s.f.  sind  im  Durchschnitte  nur  1%  Meilen 
von  der  südlichen  Grenze  der  Steinkohlenformation  entfernt. 

Gresteinsbeschaffenheit. 

Die  Gesteine,  welche  die  Steinkohlenformation  Mittel-Böhmens  zusammen- 
setzen, sind  theils  sandiger,  theils  schieferig-thoniger  Natur.  Kalksteine  fehlen 
gänzlich. 

Die  Sandsteine,  bei  weitem  vorherrschend,  sind  Quarzsandsteine  von  körni- 
ger Structur  und  von  lichter,  meist  grauer  oder  weisser  Färbung.  Das  Korn  der- 
selben wechselt  von  dem  feinsten  Sande  bis  zu  faustgrossen  Stücken,  im  letzteren 
Falle  wahre  Conglomerate  bildend.  Das  Bindemittel  ist  selten  kieselig  oder  thonig, 
sondern  vorwaltend  eine  kaolinartige  weisse  Masse,  d.  i.  aufgelöster  Feldspath, 
welcher  wohl  auch  häufig  unzerstört  einen  Gemengtheil  der  Sandsteine  und  somit 
sogenannte  Arkosen  bildet.  Weisser  Glimmer  ist  besonders  bei  den  sehr  fein- 
körnigen Sandsteinvarietäten  stark  vertreten. 

Die  schieferigen  Gesteine,  Schieferthone  und  Kohlenschiefer,  sind  dunkel 
gefärbt,  erstere  grau,  letztere  schwärzlich.  Sie  bilden  Zwischenlager  in  den 
Sandsteinen,  denen  sie  an  Verbreitung  und  Mächtigkeit  weit  nachstehen.  Nicht 
selten  treten  dieselben  im  aufgelösten  Zustande  als  „Letten“  auf.  Die  Schiefer- 
thone und  Kohlenschiefer,  bisweilen  sandig,  sind  in  der  Kegel  die  Begleiter  der 
Steinkohl enflötze,  welche  einen  wesentlichen  Bestandteil  der  Steinkohlen- 
formation bilden.  Einen  geringeren  Antheil  an  der  Zusammensetzung  der  letzteren 
nehmen  endlich  Eisensteine,  welche  als  Thoneisensteine  oder  Sphärosiderite  die 
Kohlenschiefer  begleiten. 

Ich  unterlasse  es,  hier  mehreres  über  Gesteinsbeschaffenheit,  Schichtung, 
Mächtigkeit  und  Wechsellagerung  der  Gesteine  mitzutheilen,  um  Wiederholun- 
gen zu  vermeiden,  — indem  diese  Gegenstände  in  der  Folge  ohnedem  in  vielen 
Beispielen  werden  erörtert  werden.  Ich  füge  nur  noch  bei,  dass  die  Sandsteine 


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M.  V.  Lipoid. 


[6] 


der  Steinkohlerifonnation  in  manchen  Varietäten  treffliche  Bau-  und  Werksleine 
liefern,  und  als  solche  an  mehreren  Punkten,  besonders  in  den  grossen  Stein- 
brüchen  bei  Zemech  und  Stein-Zehrowic,  gewonnen  werden. 


Lagerungsverhältnisse  der  Steinkohlenformation. 

Das  Allgemeine  über  die  Lagerungsverhältnisse  der  Steinkohlenformation 
des  Prager  Kreises  wird  sich  sicherlich  am  Besten  aus  der  Beschreibung  der 
einzelnen  Kohlenbergwerke  und  der  einzelnen  Versuchshaue  zur  Erschürfung  von 
Kohlen,  welche  in  dem  Steinkohlengebiete  sehr  zahlreich  vorgenomrnen  wurden, 
ergeben.  Ich  werde  desshalb  im  Nachfolgenden  diese  Beschreibung  voraussenden, 
ehe  ich  die  allgemeinen  Folgerungen,  die  sich  daraus  ergeben,  anführe. 

Ich  war  bemüht,  während  der  Bereisung  des  Steinkohlenterrains  das  mög- 
lichst grösste  Materiale  über  die  bisher  eröffneten  Kohlenberghaue  und  die  bisher 
gemachten  Schürfarbeiten  zu  sammeln,  um  dasselbe  der  Publicität  zu  über- 
geben. Mit  grosser  Zuvorkommenheit  wurde  mir  dasselbe  auch  von  Seite  der 
Bergwerksbeamten  fast  allenthalben  geboten  und  mitgetheilt,  und  ich  erkläre  es 
desshalb  mit  vielem  Vergnügen,  dass  der  grösste  Theil  der  nachfolgenden  Mit- 
theilungen über  die  Gruben-  und  Schurfbaue  nicht  meinen  eigenen  Wahrnehmun- 
gen, sondern  der  Gefälligkeit  der  Betriebsbeamten  zuzuschreiben  sei.  Ich 
werde  nicht  ermangeln,  am  betreffenden  Orte  die  Namen  jener  Herren  Werks- 
beamten anzuführen,  denen  ich  die  mitzutheilenden  Daten  verdanke,  und  erwähne 
hier  nur,  dass  mir  auch  Herr  August  Beer,  ehemals  k.k.  Steinkohlenschürfungs- 
Commissär,  gegenwärtig  k.  k.  Bergadjunct  in  Pribram,  ein  sehr  schätzbares 
Materiale  über  das  Steinkohlenterrain  des  Prager  Kreises  an  die  Hand  gab,  indem 
er  mir  seine  Notaten  über  die  unter  seiner  Leitung  gestandenen  ärarischen  Boh- 
rungen in  jenem  Terrain  und  seine  Karten  darüber,  freundlichst  zur  Benützung 
überliess. 

Um  einen  leichten  Ueberblick  zu  gewinnen , habe  ich  in  der  beiliegenden 
„Uebersichtskarte  des  Steinkohlengebietes  des  P rage r Kr e ises 
in  Böhmen“  (Tafel  I)  alle  mir  bekannt  gewordenen,  in  dem  bezeich- 
neten  Terrain  bisher  eröffneten  Stollen,  Schächte  und  alle  Bohrlöcher  einge- 
zeichnet und  mit  Nummern  versehen.  Ein  Zeichen  für  Steinkohle  ist  jenen  Stollen, 
Schächten  und  Bohrlöchern  beigefügt,  in  welchen  Steinkohlen  angefahren  oder 
erbohrt  wurden. 

Ein  Blick  auf  die  Karte  (Tafel  I)  genügt,  sich  zu  überzeugen,  dass  die 
darin  verzeichneten  Kohlenbaue  und  Bohrlöcher  zwei  von  einander  getrennte 
Züge  von  Ost  nach  West  bilden.  Der  südliche  dieser  Züge  hält  sich  nahe  an  der 
Grenze  der  Steinkohlenformation  gegen  die  sibirische  Grauwackenformation, 
beginnt  bei  Kralup  an  der  Moldau  und  erstreckt  sich  über  Wotwowic,  Kladno, 
Lana,  Ruda,  Rakonic  bis  Petrowic.  Der  nördliche  Zug  beginnt  hei  Welwarn, 
und  erstreckt  sich  über  Schlan,  Turan,  Srbec,  Hfedl,  Konowa  bis  Weclau.  Die 
Kohlenvorkommnisse  bei  Srbec,  Hredl  und  Konowa  gehören  jedoch  nicht  mehr 
der  Steinkohlenformation,  sondern  dem  Rothliegenden  an.  Ich  werde  daher  im 
Nachfolgenden  zuerst  die  Beschreibung  des  südlichen,  dann  jene  des  nördlichen 
Zuges  der  bekannten  Kohlenvorkommen  in  der  Steinkohlenformation  liefern,  und 
zwar  in  Gruppen  nach  den  Umgebungen  von  Wotwowic,  von  Bustehrad-Kladno, 
von  Lana-Ruda  und  von  Rakonic,  und  dann  nach  den  Umgebungen  von 
ßchlan. 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  437 


a)  Umgebung  von  Wotwowic. 

In  der  Umgehung  von  Wotwowic  erscheint  die  Steinkohlenformation  schon 
bei  Kralup,  welches  auch  der  östlichste  Punkt  ist,  wo  die  Steinkohlenformation 
des  Prager  Kreises  zu  Tage  tritt.  Am  linken  Moldau-Ufer  von  Kralup  abwärts 
längs  der  Eisenbahn  erheben  sich  die  Sandsteinfelsen  der  Steinkohlenformation 
in  schroffen  Wänden,  und  werden  daselbst  von  Quadersandsteinen  der  Kreide- 
formation mauerartig  bedeckt.  Figur  1 gibt  ein  Bild  dieser  pittoresken  Felspartien. 


Fig.  t. 


Sandsteinfelsen  zwischen  Kralup  und  Lobee. 


o Kohleniandstein,  b Quadersandstein,  c Dorf  Lobec. 

Die  Quadersandsteine  sind  schwebend  abgelagert.  Die  Kohlensandsteine  gleich- 
falls schön  geschichtet,  zeigen  ein  Einfallen  von  kaum  15  bis  20  Grad  nach 
Nordnordwest.  Am  rechten  Moldau-Ufer,  gegenüber  diesen  Felszacken,  ist  Flach- 
land, nur  von  Alluvien  und  Diluvien  bedeckt  und  das  Auftreten  der  Steinkohlen- 
formation unter  denselben  meines  Wissens  bisher  noch  nicht  nachgewiesen.  Der 
Zakolaner  Bach  bildet  bei  Kralup  die  Grenze  der  Steinkohlen-  und  Silurformation; 
am  linken  Bachufer  sieht  man  noch  anstehend  Sandsteine  und  Schieferthone  der 
Steinkohlenformation,  letztere  mit  Kohlenspuren  und  Sphärosideritlagern , die 
zu  Tag  in  Brauneisenstein  verwittert  sind,  mit  einem  Streichen  nach  Stunde  4 
und  10  Grad  nördlichem  Einfallen;  am  rechten  Bachufer  sind  bereits  Thon- 
schiefer der  silurischen  Grauwackenformation  entblösst. 


438 


H.  V.  Lipoid. 


[8] 


Die  Kohlensandsteine  sieht  man  am  linken  Moldau-Ufer  bis  Mühlhausen 
anstehend.  Erst  unterhalb  Mühlhausen  verlieren  sie  sich  unter  Quader-  und 
Plänerbildungen  der  Kreideformation.  Zwischen  Lobec  und  Mühlhausen  (Nela- 
hozewes)  sieht  man  in  den  Kohlensandsteinen  den  Ausbiss  eines  Kohlenflötzes, 
welches  bereits  vor  ungefähr  20  Jahren  zur  Eröffnung  eines  Kohlenbergbaues 
(Stollen  Nr.  1,  Tafel  I)  Anlass  gab.  Da  jedoch  das  Kohlenflötz  wenig  mächtig 
ist  und  18  Zoll  Mächtigkeit  nicht  überschreitet,  ist  der  Betrieb  dieses  Bergwerkes 
wohl  nie  ein  schwunghafter  gewesen  und  hat  dasselbe  wohl  grösstentheils 
unbelegt  gestanden. 

Unter  den  zahlreichen  Bohrversuchen,  welche  von  Seite  der  durch  das 
k.  k.  Montanärar  im  Jahre  1842  in’s  Leben  gerufenen  k.  k.  Schürfungs-Commis- 
sion für  Böhmen  zwischen  Kralup  und  Kladno  bis  Zilina  vorgenommen  wurden, 
waren  die  Bohrversuche  bei  Lobec  die  ersten.  Das  erste  Bohrloch  (Bohrloch 
Nr.  1,  Tafel  I),  im  December  1842  begonnen  und  im  August  1844  beendet, 
zeigte  die  nachstehende  Schichtenfolge: 

Klafter. 

Dammerde Il/i2 

Grobes  Alluvialgerölle 5/ia 

Lockerer  weissgrauer  Sandstein  . . . 1% 

Festes  Conglomerat  . • y3 

Sandstein  mit  zahlreichen  unregelmäs- 
sig eingemengten  Pflanzenresten  . . iyia 

Milder  Schieferthon ya4 

Ziemlich  fester  Kohlensandstein  mit 
Conglomerat  wechsellagernd  . . . 397/ia 

In  den  zuletzt  gebohrten  Sandsteinen  wurden  am  Schlüsse  bereits  Spuren 
von  Thonschiefern  gelöffelt,  daher  das  Liegendgebirge  erreicht,  und  der  Fort- 
betrieb des  Bohrloches,  das  die  Tiefe  von  105y6  Klafter  erreichte,  eingestellt. 

Das  zweite  ärarische  Bohrloch  bei  Lobec  (Bohrloch  Nr.  2,  Tafel  I),  welches 
um  einen  Monat  späler  als  das  erste  angelegt  und  im  Juni  1844  beendet  wurde, 
durchsenkte  folgende  Gesteinsschichten : 


Klarier. 

Kohlenschieferthon 37/a4 

Sandstein 5Vfl 

Schieferiger  Sandstein 25/6 

Fester  Sandstein 52/3 

Bläulicher  Schieferthon i 

Fester  Kohlensandstein 7 

Milder  bläulicher  Schieferthon  ...  i*/9 
Kohlensandstein 35*  9 


Klafter. 


Klafter. 


Alluvialgerölle 5ya 

Fester  Kohlensandstein,  feinkörnig,  mit 
grobkörnigem  wechsellagernd  . . . 391/? 


Mohrkohlenflötzchen ya4 

Kohlensandstein 297/a4 

Kieselschiefer V2 


Die  ganze  Teufe  des  Bohrloches  betrug  demnach  75  Klafter  und  durch- 
querte kein  heachtenswerthes  Kohlenflötz. 

Nächst  Minkowic  wurde  von  Privaten  ein  Bohrloch  (Bohrloch  3,  Tafel  I) 
niedergeteuft,  über  welches  ich  nur  so  viel  in  Erfahrung  bringen  konnte,  dass 
es  in  der  65.  Klafter  Spuren  von  Kohlen  erhielt,  aber  wegen  Zudrang  von 
Wässern  und  anderen  Schwierigkeiten,  die  sich  beim  Bohren  ergaben,  eingestellt 
werden  musste,  ohne  das  Grundgebirge  erreicht  zu  haben. 

Der  Kralup  am  nächsten  befindliche  Kohlenbergbau  befindet  sich  bei 
Wotwowic  selbst.  Die  diesen  Bergbau  betreffenden  Daten  verdanke  ich  dem 
Herrn  Schichtmeister  Johann  Czurba  und  Berggeschwornen  Franz  Hawel,  von 
denen  besonders  der  letztere  mehrfache  schätzenswerthe  Mittheilungen  über  die 
böhmischen  Kohlenvorkommen  an  die  Direction  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt gelangen  Hess. 

Am  Zakolaner  Bache  von  Minkovic  an  aufwärts  bis  Zakolan  sieht  man  die 
unmittelbare  Auflagerung  der  Steinkohlenformation  auf  dem  Grundgebirge, 
welches  theils  aus  Thonschiefern,  theils  aus  Kieselschiefern  der  silurischen 
Grauwackenformation  besteht.  Diese  Schiefer  treten  durchgehends  auch  am 


[9]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  439 

linken  Bachufer  unter  den  Steinkohlengebilden  an  den  Gehängen  mehr  oder 
minder  hoch  zu  Tag  und  ihre  Schichten  zeigen  ein  unter  die  Sandsteine  der 
Steinkohlenformation  gerichtetes  nordwestliches  Einfallen.  In  Folge  dieser  Ent- 
blössung  der  unmittelbaren  Begrenzung  der  Grauwacken-  und  Steinkohlenforma- 
tion kommen  auch  die  in  den  liegendsten  Schichten  der  letzteren  auftretenden 
Steinkohlenflötze  zu  Tag,  deren  Ausbisse  man  an  mehreren  Stellen  wahrnimmt, 
und  die  natürliche  Veranlassung  zur  Eröffnung  von  Grubenbauten  gaben. 

Ueber  den  Beginn  des  Abbaues  der  Wotwowicer  Steinkohlenflötze  liegen 
zwar  keine  Nachrichten  vor,  doch  dürfte  derselbe  um  die  Mitte  des  vorigen 
Jahrhunderts  stattgefunden  haben,  da  nach  gemachten  Erhebungen  in  der  zweiten 
Hälfte  dieses  Jahrhunderts  die  Steinkohlen  in  jener  holzarmen  Gegend  bereits 
zum  Ziegel-  und  Kalkbrennen  und  nach  und  nach  auch  zum  Hausbedarfe  ver- 
wendet wurden.  Auch  wird  mit  der  Wotwowicer  Kohle  bereits  seit  ungefähr 
60  Jahren  die  dort  befindliche  sogenannte  „Eichthaler“  Glashütte  betrieben.  Der 
Sage  nach  waren  die  Wotwowicer  Kohlenbaue  sogar  früher  eröffnet,  als  jene  bei 
Bustehrad. 

Gegenwärtig  sind  die  Grubenbaue  in  der  Umgebung  von  Wotwowic  Eigen- 
thum Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdinand  I.  und  einiger  anderen  Privaten.  Das 
Werk  Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdinand  I.,  welches  von  den  oben  genannten 
Herrn  geleitet  wird  und  unter  der  Bustehrader  Direction  steht,  besitzt  den 
grössten  Theil  der  bekannten  Kohlenflötze  und  ein  Grubenfeld  von  über 
723.000  Quadratklafter,  während  die  Grubenfelder  der  übrigen  Privateigen- 
thümer  das  Flächenmaass  von  200.000  Quadratklafter  nicht  viel  übersteigen. 
Diese  verschiedenen  kleineren  Privatzechen  sind  auch  grossentheiis  schon  abge- 
baut und  es  geschehen  meistens  nur  Nachlesen  nach  den  früher  unvollkommen 
abgebauten  Flötzen.  Es  wurde  nämlich  von  den  kleineren  Grubenbesitzern  früher 
immer  zuerst  das  sogenannte  Unterflötz,  als  das  mächtigste,  abgebaut,  die 
schwächeren  Kohlenmittel  im  Hangenden  des  Unterflötzes  aber  wurden  vernach- 
lässiget und  gingen  mit  der  Zeit  in  Folge  des  unter  ihnen  stattgehabten  Abbaues 
zu  Bruche,  welcher  Vorgang  zur  Entstehung  eines  noch  gegenwärtig  bestehen- 
den Grubenbrandes  in  diesen  Grubenfeldern  Veranlassung  gab.  Wo  der  Brand 
noch  nicht  hingelangte,  werden  nun  die  oberen  Flötze  aus  dem  alten  Manne 
erobert,  — wohl  auf  eine  nichts  weniger  als  gefahrlose  Art.  Grubenkarten  über 
diese  Privatbaue  sind  keine  vorfindig. 

Ueber  die  Wotwowicer  Kohlenbaue  Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdinand  I. 
liegt  unter  Tafel  II  eine  Gruben-  und  Situationskarte  nebst  Durchschnitten  bei.  Es 
befinden  sich  daselbst  zwei  von  einander  getrennte  Kohlenfelder,  ein  östliches 
und  ein  weslliches.  Anstossend  an  das  östliche  Kohlenfeld  soll  noch  eine  ganz 
kleine  Kohlenablagerung  bestanden  haben,  die  aber  gänzlich  abgebaut  ist. 

Im  östlichen  Kohlenfelde  liegt  der  Privaten  gehörige  14-Nothhelferschacht 
(Schacht  1,  Tafel  I)  nahe  am  Kohlenausbiss;  derselbe  hat  in  16  Klafler  Teufe  ein 
2 Fuss  mächtiges  Kohlenflötz  durchfahren.  Die  am  Ausbisse  befindlichen  Privat- 
gruben stehen  theilweise  in  Brand.  Das  kaiserliche  Grubenfeld  wurde  durch  den 
Franz-de-Paulastollen  (Stollen  2,  Tafel  I)  eröffnet  und  in  demselben  durch  ein 
unterirdisches  Bohrloch  in  91/2  Klafter  ein  iy3  Klafter  mächtiges  Kohlenflötz 
durchfahren  und  in  ll2/3  Klafter  der  Kieselschiefer  als  Grundgebirge  erreicht. 
Behufs  weiteren  Aufschlusses  dieses  östliche*!  Kohlenfeldes  wurden  der  Joseph- 
schacht (Schacht  3,  Tafel  I)  und  der  Luzienschacht  (Schacht  4,  Tafel  I)  abgeteuft, 
und  das  Franz  de  Paula  obertägige  Bohrloch  (Tafel  I,  4)  niedergestossen.  Der 
Josephschacht  hat  in  24  Klafter  Teufe  und  der  Lucienschacht  ebenfalls  in 
24  Klafter  Teufe,  beide  ohne  ein  Kohlenflötz  durchfahren  zu  haben,  das 

36 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt  !2.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


440 


M.  V.  Lipoid. 


[10] 


Grundgebirge,  den  Kieselschiefer,  erreicht.  Ebenso  wurde  mit  dem  obertägigen 
Bohrloche,  welches  36  Klafter  höher,  als  das  de  Paula  unterirdische  Bohrloch, 
angeschlagen  wurde,  in  der  80.  Klafter,  nachdem  es  Kohlensandsteine  ohne 
Kohlenspuren  durchsenkte,  der  Kieselschiefer  angebohrt.  Aus  diesen  Versuchs- 
bauen ergibt  sich  die  muldenförmige  Lagerung  der  Steinkohlengebilde  und  der 
Kohlenflötze  des  östlichen  Grubenfeldes,  wie  sie  in  dem  Verticaldurchschriitte 
Tafel  II  verzeichnet  erscheint. 

Mehr  aufgeschlossen  und  ausgedehnter  ist  das  westliche  Grubenfeld.  Es 
wurde  von  Seite  der  kaiserlichen  Gewerkschaft  durch  Stollen,  und  zwar  den 
Gotthardi-  und  Ferdinandstollen  (Tafel  I,  3)  und  den  Allmacht-Gottesstollen 
(Tafel  I,  4)  in  Abbau  genommen.  Zum  weiteren  Aufschlüsse  dienten  der  Johanna- 
schacht, der  Wetterschacht,  beide  nahe  am  Ausbisse,  und  ein  aus  dem  Hangend- 
querschlage des  Allmachtgottesstollen  abgeteuftes  unterirdisches  Bohrloch.  Der 
Johannaschacht  durchfuhr  in  16  Klafter  Teufe  ein  2 Fuss  mächtiges  Flötz  guter 
aber  milder  Kohle,  der  Wetterschacht  in  32  Klafter  Teufe  ein  1 8zölliges  Kolilen- 
flötz,  unter  welchen  Flötzen  sodann  Kieselschiefer  als  Grundgebirge  folgte.  Durch 
das  Bohrloch  erreichte  man  in  der  25.  Klafter  ein  2 Fuss  mächtiges  Kohlenflötz 
und  in  271/a  Klafter  ebenfalls  den  Kieselschiefer. 

Die  in  dem  westlichen  Grubenfelde  durchörterten  Schichten  der  Stein- 
kohlenformation haben  nebst  den  darin  vorkommenden  Kohlenflötzen  im  Mittel  ein 
Hauptstreichen  nach  Stunde  20  — 3 Grad  (W.  33°  N.),  und  das  geringe  Ein- 
fallen von  9 Grad  nach  Stunde  14  — 3 Grad  (S.  33°  W.);  Streichen  und  Fal- 
len, letzteres  steiler  werdend,  ändern  sich  in  der  Nähe  der  Ausbisse,  und  auch 
innerhalb  der  Mulde.  Die  Ausbisse  der  Steinkohlenflötze  befinden  sich  am  Berg- 
gehänge des  linken  Ufers  des  Zakolanerbaches,  und  auch  hier,  wie  beim  östlichen 
Grubenfelde  sieht  man  unter  denselben  die  Thon-  und  Kieselschiefer  der  Grau- 
wackenformation anstehend. 

Durch  Verwerfungsklüfte  hat  das  westliche  Grubenfeld  Störungen  erlitten, 
welche  in  der  Karte,  Tafel  II,  und  den  beigefügten  Durchschnitten  ersichtlich 
gemacht  sind.  Zwei  dieser  Verwerfungsklüfte,  im  Gotthardibaue  angefahren, 
laufen  dem  Streichen  und  auch  der  Thalrichtung  nahe  parallel.  Beide  verwerfen 
die  Schichten  der  Steinkohlenformation  nach  Nordwesten,  und  zwar  die  süd- 
lichere um  3 Klafter,  die  nördlichere  wahrscheinlich  um  ein  Bedeutendes  tiefer. 
Der  Fallwinkel  beträgt  bei  der  ersteren  36  bis  40  Grad , bei  der  letzteren 
45  Grad.  Zwei  andere  Verwerfungsklüfte,  durch  den  Allmachtgottesbau  und  das 
unterirdische  Bohrloch  in  demselben  aufgedeckt,  laufen  dem  Streichen  in’s  Kreuz 
nach  Nord  und  Nordwest,  und  verwerfen  die  Schichten  mit  einem  Fallwinkel  von 
35,  beziehungsweise  von  50  bis  60  Grad,  und  zwar  die  östlichere  um  3 Klafter, 
die  westlichere  vermuthlich  um  28  Klafter  nach  Westen  und  Südwesten. 

Die  Beschaffenheit  der  Kohlenflötz-Ablagerung  in  ihrer  vollständigen  Ent- 
wickelung ist  folgende: 


Kohle 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Hangendsandstein 

Kohle  (Skalni  pramen) 

1 

6 

. 

. 

. 

Schieferthon  (Obere  modravky)  . . . 

. 

i 

3 

. 

Kohle  (Bukowka-Kanevas) 

2 

. 

. 

. 

Schieferthon  (Bukowa  Vopuka)  . . . 

• 

# 

• ' 

• 

6 

Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  441 


Kohle 

Berge 

Klafter 

| Fuss 

Zoll 

Klafter 

| Fuss 

! Zoll 

Kohle  (Kanevas) 

2 

Schieferthon  (Zuli) 

# 

’l 

6 

K oh  1 e (Pramen) 

# 

3 

m 

Schieferthon  (Spodni  Yopuka)  . . . 

# 

6 

Kohle  (Spodni  uhli  — Unterflötz) 

1 

1 

Schieferthon  (Hlinka) 

# 

2 

K o hl e (Flicka)  

3 

. 

Schieferthon  (Spodni  modravky)  . . 

• 

. 

2 

. 

Liegendsandstein 

3 

0 

6 

2 

1 

8 

5 Klafter  2 Fuss  2 Zoll 

Das  Liegende  der  Kohlenflötze  ist  sehr  verschieden.  Bald  sind  dieselben 
unmittelbar  auf  Thon-  oder  Kieselschiefer  abgelagert,  bald  befindet  sich  zwischen 
ihnen  und  dem  Grundgebirge  eine  Ablagerung  von  grauen  sehr  feinkörnigen 
glimmerigen  Sandsteinen,  oder  von  Schieferthonen  (Brandschiefer  genannt), 
welch’  letztere  local  eine  Mächtigkeit  von  25  bis  30  Klafter  besitzen  sollen.  Das 
Unteiflötz,  welches  durch  eine  1 bis  2zöllige  Schieferthonlage  in  zwei  Bänke 
geschieden  wird,  tritt  in  den  Wotwowicer  Grubenfeldern  überall  auf,  während 
die  Hangendflötze  hauptsächlich  an  den  Rändern  der  Mulden  öfter  fehlen.  Die 
Mächtigkeit  desselben  ist  variabel,  und  wächst  in  der  grössten  Entwickelung  bis 
zu  2 Klafter  an.  Auf  dem  Untertlötze  liegt  zunächst  die  „opuka“  (Wopuka),  ein 
licht-  oder  dunkelbraungrauer  sehr  feinsandiger  Schieferthon  mit  äusserst  zarten 
weissen  Glimmerblättchen,  Diese  Wopuka,  in  den  dunklen  Varietäten  bituminös, 
besitzt  eine  ungleiche  Mächtigkeit  von  6 bis  18  Zoll,  fehlt  auch  stellenweise 
gänzlich,  und  zeichnet  sich  durch  eine  eigentümliche  Pflanzenführung  aus, 
daher  sie  für  ein  charakteristisches  Merkmal  des  Unterflötzes  gilt.  Das  nächst- 
folgende Steinkohlenflötz  führt  den  Namen  „Pramen“,  und  ist  2 bis  3 Fuss 
mächtig.  Ueber  dem  Prarnenflötze  folgen  noch  mehrere  Hangendkohlenbänke 
in  Wechsellagerung  mit  Schieferthonen,  zusammen  von  2 bis  8 Fuss  Mächtigkeit. 
Sie  erhielten  wegen  des  häufigen  Wechsels  mit  bituminösen  Schieferthonen  den 
Namen  „Kanevasi“.  Die  Schieferthone  der  Hangendflötze  führen  gleichfalls 
Pflanzenreste,  die  aber  von  jenen  der  Wopuka  des  Unterflötzes  leicht  unter- 
scheidbar sind;  überdiess  treten  in  diesen  Schieferthonen  Mügeln  und  Kugeln 
von  Sphärosideriten  auf,  deren  innerer  Kern  in  der  Regel  aus  einem  Agglomerat 
von  Schwefelkieskrystallen  besteht.  Auf  den  Hangendflötzen  lagern  sodann 
unmittelbar  Schieferthone,  dunkelgrau,  meist  sandig  und  glimmerig,  in  einer 
Mächtigkeit  von  l*/a  bis  3 Klaftern.  Nur  höchst  selten  fehlen  dieselben.  Local 
tritt  über  den  Schieferthonen  noch  ein  1 i/2  zölliges  Kohlenflötzchen  (Skalni  pra- 
men) auf;  in  der  Regel  aber  folgen  auf  dieselben  sehr  grobkörnige  Conglome- 
rate  mit  grossen  Gerollen  und  Geschieben  von  Quarz,  Kieselschiefer  und 
Thonschiefer,  die  durch  ein  thoniges  Cement  verbunden  sind.  Diese  Conglo- 
merate  werden  nach  oben  feinkörniger,  und  gehen  wieder  in  einen  dunklen 
Sandsteinschiefer  über,  über  welchem  endlich  nur  mehr  pelitische  Bildungen 
abgelagert  sind.  Letztere,  theils  Sandsteine,  theils  Conglomerate,  haben  vorwal- 
tend Kaolin  zum  Bindemittel. 

Die  Wotwowicer  Steinkohle  ist  zwar  unreiner  als  jene  des  Bustehrader 
Reviers,  indem  sie  mehr  mit  tauben  Schieferlagen  durchzogen  ist.  Sie  hinter- 

S6* 


442 


AI.  V.  Lipoid. 


[12] 


lässt  daher  beim  Verbrennen  viele  Schlacke,  entwickelt  jedoch  bei  guter  Behand- 
lung und  entsprechender  Construction  der  Oefen  eine  bedeutende  Hitzkraft,  und 
wird  bei  ihrer  Wohlfeilheit  immerhin  mit  Vortheil  verwendet. 

Die  im  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vorgenommene 
chemische  Untersuchung  der  Wotwowicer  Kohlen,  und  zwar: 

a)  aus  dem  Oberflötze  (Bukowka), 

b ) „ „ Mittelflötze  (Pramen), 

c)  „ „ Unterflötze  — Sohlbank, 

d)  „ „ — Flicka,  — 

ergab  folgende  Resultate: 


Wasser  in 
100  Theilen 

Asche  in 
100  Theilen 

Reducirte 
Gewich  tstheile 
Blei 

Wriruie-Einheiten 

Aequiralent  einer 
30zölligen  Klafter 
weichen  Holles 
sind  Centner 

a 

0-9 

13  5 

23*60 

5785 

9 0 

b 

i *2 

28-8 

20*20 

4563 

11*5 

c 

1*4 

26-7 

! 20*33 

4644 

113 

d 

1*4 

17*8 

23*23 

5254 

9*9 

kr.  Österr.  Währ. 


Bei  dem  Werke  Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdinand  I.  waren  die  Kohlen- 
preise an  der  Grube  im  Jahre  1859  folgende: 

1 Wiener  Centner  Stückkohle 17 

1 „ „ Würfelkohle  ......  8 „ „ „ 

1 „ „ Kohle  zum  Kalkbrennen  . . 11  „ „ „ 

1 „ Kleinkohle 3*/3  „ „ 

1 n n Staubkohle  .......1  „ „ n 

Die  Förderung  bei  diesem  Werke,  welche  theils  durch  den  18  Klafter  tiefen 
Förderschacht,  grösstentheils  aber  durch  Stollen,  deren  es  5 in  der  Gesammt- 
länge  von  1021  Klafter  gibt,  erfolgte,  betrug  im  Jahre  1858  278.863  Centner. 

Zur  Auffindung  der  nördlichen  und  westlichen  Fortsetzung  der  Wotwowicer 
Kohlenflötze  sind  mehrfache  Schürfarbeiten  in  dem  Terrain  zwischen  Wotwo- 
wic,  Zemech,  Slatin  und  Kolec  vorgenommen  worden.  Die  Schichten  der 
Steinkohlenformation  sind  in  diesem  Terrain  bestens  blossgelegt,  besonders  in 
den  Gräben  bei  Zemech  und  Blewic.  In  den  von  Blewic  gegen  den  Wotwowicer 
Rücken  ansteigenden  Gräben  und  sogenannten  Rachein  sieht  man  mehrseits  in 
den  Kohlensandsteinen  schwache  und  unreine  Kohlenflötzchen  ausbeissen. 
Die  Schichten  zeigen  ein  Einfallen  von  10  Grad  nach  Nordosten,  und  bilden  das 
Hangende  der  Wotwowicer  Flötze.  In  den  Steinbrüchen  zwischen  Zemech  und 
Slatin,  nächst  welchen  ebenfalls  Kohlenschiefer  zu  Tag  treten,  ist  die  Ablage- 
rung der  Sandsteinschichten  horizontal,  oder  kaum  5 Grad  nach  Nordwest 
geneigt.  Eben  dasselbe  ist  am  linken  Bachufer  bei  Zemech  der  Fall,  wo  gleich- 
falls pflanzenführende  und  schwarze  Schiefer  den  Sandsteinen  zwischengelagert 
erscheinen. 


Die  Bohrversuehe,  die  mir  aus  der  Umgebung  von  Wotwowic  bekannt 
wurden,  sind  nachfolgend  angeführt: 

Von  Seite  der  kaiserlich  Wotwowicer  Gewerkschaft  wurde  nordwestlich 
von  dem  Wetterschachte  des  westlichen  Grubenbaues  im  Juli  1859  eine  Boh- 
rung (siehe  Tafel  I,  Bohrloch  5)  begonnen,  und  bis  zum  October  1859  bis  zur 
Teufe  von  73  Klafter  2 Fuss  3 Zoll  niedergebracht.  Die  bis  dahin  durchbohr- 
ten Gesteinsschichten  waren: 


443 


[13] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


Klafter. 

Dammerde  und  Schotter % 

Gelblicher  Sandstein 18%3 

Grauer  Sandstein 3 

Grober  conglomeratartiger  Sandstein  223/24 
Grober  bläulicher  Sandstein  ....  2Xi/Zi 
Milder  weisslicher  Sandstein  ....  65/34 

Grauer  Sandstein 10 

Milder  weisslicher  Sandstein  ....  8 
Bläulicher  Kohlenschiefer  .....  % 


Klafter. 

Grober  weisslicher  Sandstein  . . . . 37/13 
Bläulicher  Kohlenschiefer  mit  lzölliger 

Kohle % 

Feiner  Sandstein iy3 

Weisslicher  Kohlenschiefer  ....  1 

Weisslicher  Sandstein  35/13 

Bläulicher  Kohlenschiefer 5/la 

Milder  weisser  Sandstein 99/34 

Grober  grauer  Sandstein  9 • • • ♦ %4 


Nächst  Zemech  wurden  von  Seite  der  Kladnoer  Gewerkschaft  ein  Bohrloch 
östlich  vom  Orte,  ein  zweites  nördlich  vom  Orte,  am  linken  Bachufer,  und  ein 
drittes  westlich  vom  Orte  (Tafel  I,  Bohrlöcher  6,  7 und  8)  niedergestossen.  Das 
erste  Bohrloch  soll  in  der  80.  Klafter,  ohne  ein  Kohlenflötz  durchsenkt  zu  haben, 
das  Grundgebirge,  und  zwar  Kieselschiefer,  erlangt  haben.  Das  zweite  Bohrloch 
blieb,  nachdem  es  87  Klafter  tief  niederkam,  wegen  eines  Bohrmeiselbruches 
resultatlos.  Das  dritte  Bohrloch  endlich  ergab  nachfolgende  Schichtenreihe2): 


Klafter. 

Dammerde  und  gelber  Lehm  ....  6 */3 

Weisser  Sandstein 7a/34 

Graublauer  Letten  mit  lözölliger 

Kohle 2ay34 

Weisser  Sandstein  und  eine  3zöllige 

Kluft 3%4 

Grauer  Letten %3 

Weisser  Sandstein 7% 

Grober  weisser  Sandstein 1%3 

Gelblicher  Sandstein 5 

Grauer  Letten  ....  *%4 

Gelbes  Conglomerat 47/i3 

Graues  immer  gröber  werdendes  Con- 
glomerat   1013/34 

Feiner  grauer  Sandstein  mit  kohligen 

Partikeln  . . . . 213/34 

Gelblichweisser  Sandstein 3S/13 

Weisses  Conglomerat l23/34 

Gelblichweisser  Sandstein 1 % 

Grauer  Sandstein  mit  einem  Kohlen- 

trümmchen 2Vs 

Gelblichweisser  Sandstein  . . • • • 1 Via 

Feiner  weisser  Sandstein 2% 

Grauer  Sandstein 11/12 


Klafter. 

Gelblichweisser  feiner  Sandstein  . . 3l3/24 

Grauer  Sandstein . 3%4 

Gelber  grober  Sandstein  . . • • • • 5/iz 

Grauer  feiner  Sandstein 11/13 

Weisser  Sandstein 41/34. 

Grauer  Sandstein 2% 

Grauer  Letten  mit  Russtrümmchen  . 15/24 

Grauer  Sandstein 2%4 

Derselbe,  gröber  mit  Kohlentrümm- 

chen • . f5/13 

Weisser  Sandstein l15/3. 

Gelblicher  Sandstein  mit  Schwefel- 
kiesen   2015/34 

Grauer  Sandstein 2l3/34 

Weisser  Sandstein 105/34 

Grauer  Letten . . % 

Weisser  Sandstein lai/24 

Grauer  Letten • • • %4 

Graulicher  Sandstein  . . 15/a4 

Weisses  Conglomerat  . . , iViz 

Weisser  Sandstein ilD/g 

Kohlenschiefer  mit  Kohlen 1 

Thonschiefer. 


Das  Bohrloch  erreichte  somit  in  der  Teufe  von  141  Klafter  das  Grund- 
gebirge. 

Von  Seite  der  k.  k.  Schürfungscommission  wurde  ein  Bohrversuch  in  der 
Thalmulde  südlich  von  Blewic  (Taf.  I,  Bohrloch  9)  gemacht.  Das  Bohrloch,  im 
Jahre  1844  begonnen,  konnte  jedoch  wegen  der  Hindernisse,  die  die  damalige 
Bohrmethode,  — mittelst  steifen  Bohrstangen,  — darbot,  nicht  zu  Ende  gebracht 
werden,  blieb  somit  resultatlos.  Die  innerhalb  2 Jahren  und  7 Monaten  durcli- 
Örterten  Gesteinsschichten  waren  nach  Herrn  Beer’s  Vormerkungen: 


1)  Nach  einer  späteren  Mittheilung  des  Herrn  Berggeschwornen  Haw  el  ist  in  diesem  Bohr- 
loche im  Monate  Jänner  1860  in  der  87.  Klafter  Thonschiefer  der  Silurformation 
erreicht  worden,  ohne  ein  Kohlenflötz  durchfahren  zu  haben. 

2)  Mitgetheilt  von  Herrn  Ingenieur  J.  Schmidt  in  Kladno. 


444 


M.  V.  Lipoid. 


[14] 


Klafter. 


Alluvium 

Fester  grobkörniger  sehr  klüftiger 

Sandstein 

Kohlensandstein 

Grauer  Schieferthon 

Moorkohle 

Grauer  Schieferthon  ...... 

Sehr  fester  Kohlensandstein  . . 

Grauer  Schieferthon 

Fester  Kohlensandstein  . . . . , 
Sandiger  Schiefer 


. . 3 

. • 2“/i* 

. . 6V12 
• • % 

• • Via 

. . Va 

. . 5 V3 
. • Vs 
. . 2 

• • 2Via 


Klafter. 

Sandstein  mit  Conglomcrat  wechselnd  547/ia 

Schieferthon Vis 

Sandstein  mit  Conglomerat  wechsel- 
lagernd   II  Via 

Letten  von  röthlicher  Farbe  ....  1 6 

Bläulich  sandiger  Schiefer 8‘  2 

Kohlensandstein 4 Via 

Schieferthon 2/3 

Sandstein 6Via 

Bläulich  zäher  Schieferthon  ....  2 


Das  Bohrloch  erreichte  nur  die  Tiefe  von  1095/13  Klafter. 

In  der  Thalmulde  zwischen  Blewic  und  Slatin  wurde  durch  die  fürstlich 
Lobkowitz’sche  Gewerkschaft  ein  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  10)  abgesenkt, 
welches  nach  Angaben  des  Herrn  Hawel  in  der  120.  Klafter,  ohne  Kohlenflötze 
durchsunken  zu  haben,  den  Kieselschiefer  als  Grundgebirge  anbohrte. 

Oestlich  neben  dem  Dorfe  Kolec  hatte  ferner  die  k.  k.  Schürfungscommis- 
sion tn  den  Jahren  1849  und  1850  innerhalb  des  Zeitraumes  von  13  Monaten 
mit  den  Kosten  von  durchschnittlich  34  fl.  C.  M.  per  Klafter  Abbohrung  ein 
Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  11  d)  geteuft,  bei  welchem  nach  Herrn  Beer's  Bohr- 
vormerkungen und  nach  einem  von  Herrn  Lar  eher  in  Brandeisei  mir  mitgetheil- 
tem  Bohrprofile  bis  zur  Teufe  von  120  Klaftern  folgende  Sch  ichtenfolge  proto 
kollirt  wurde: 


Klafter. 

Alluvium  und  Lehm  mit  gelbem  Sand  4 

Weisser  Sandstein 223 

Schieferthon  (rother  Letten)  . . . . 2% 

Grauer  Sandstein 35/6 

Bläulicher  Schieferthon  lVs 

Grauer  Sandstein 62/3 

Schieferthon  (grauer  Letten)  ...  2 

Kohle V12 

Schieferthon  (grauer  Letten)  ....  35/ö 
Weisser,  grauer  und  rother  Sandstein  67/12 

Schieferthon y3 

Weissgrauer  Sandstein 5%2 

Schieferthon  (rother  Letten)  ....  5/24 

Rother  Sandstein 35/24 

Schieferthon  (bläulicher  Letten)  • • 

Rother,  weissgrauer,  grob-  und  fein- 
körniger grauer  Sandstein  ....  37% 2 
Schieferthon  (bläulicher  Letten)  . . 3/s 

Grobkörniger  Sandstein 55/6 


Klafter 

Bläulicher  und  kohlenhältiger  Letten- 
Schieferthon  mit  bedeutenden  Koh- 
lenspuren   135g 

Weisser  erdiger  Letten 4/a 

Grauweisser  Lettenschiefer  ....  */i 

Conglomerat */* 

Kohle Vl 

Dunkelgrauer  Letten  (Kohlenschiefer)  s/t 

Kohle IV* 

Schwarzgrauer  Kohlenschiefer  ...  i 2 

Kohle IV» 

Grauer  Lettenschiefer % 

Weissgrauer  Lettenschiefer  . . . . 35  t2 

Grauer  Lettenschiefer 17/12 

Grauer  Lettenschiefer  mit  Kohlen- 
spuren   211/1a 

Grauer  Sandsteinschiefer i 

Tauber  Schieferthon  (Lettenschiefer)  \\z 
Thonschiefer 1 2/3 


Von  diesem  Bohrloche  116  Klafter  südwestlich  entfernt  neben  dem  Dorfe 
Kolec  wurde  von  Seite  der  k.  k.  priv.  Staatseisenbahn-Gesellschaft  im  Jänner 
1857  das  Abteufen  eines  Schachtes  (Taf.  I,  Schacht  6)  begonnen.  Herr  Anton 
Lar  ch er,  Markscheider  dieser  Gesellschaft  in  Brandeisei,  war  so  gefällig,  mir 
über  die  dort  gemachten  Aufschlüsse  Mittheilungen  zu  machen,  die  ich  im  Fol- 
genden benütze. 

Mittelst  des  Schachtes  wurde  in  der  12.  Klafter  ein  kleines  Kohlenflötzchen 
und  im  Uebrigen  grösstentheils  Sandsteine  durchfahren.  In  der  Teufe  von 
65  Klafter  erreichte  man  zwei  kohlenführende  Lagen  von  schwarzen  Schiefern, 
welche  sich  als  Bepräsentanten  des  im  Bohrloche  durchsenkten  Kohlenfiötzes 
erwiesen,  da  unter  denselben  bald  Thonschiefer  und  dann  Kieselschiefer  auftrat. 


[IS] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


445 


Die  schwarzen  Kohlenschiefer  wurden  sodann  durch  eine  fallende  Strecke  weiter 
nach  dem  Einfallen  verfolgt,  wobei  sich  die  Kohlenflötze  ansetzten,  so  dass  die 
Mächtigkeit  der  obschon  noch  unreinen  Kohle  zur  Zeit,  als  die  Strecke  die  Länge 
von  87  Klafter  erreichte,  bereits  14  Fuss  betrug.  Der  Grund-  und  Aufriss  des 
Kolecer  Schacht-Grubenbaues  (Figur  B in  Tafel  IV)  versinnlicht  den  Zusam- 
menhang, in  welchem  die  durch  die  Strecke  erreichten  Flötze  mit  den  durch 
das  Bohrloch  angebohrten  stehen. 

Aus  dem  Aufrisse,  in  welchem  die  im  Schachte  und  im  Bohrloche  durch- 
fahrenen Gesteinsschichten  bezeichnet  sind,  ist  es  ersichtlich,  dass  man  mit  dem 
Schachte  die  Kohlenflötze  in  einer  Störung,  wahrscheinlich  nahe  an  dem  süd- 
lichen Ausgehenden  derselben,  erreichte,  und  dass  dieselben  nächst  Kolec  ein 
wahrscheinliches  Streichen  von  Südost  nach  Nordwest  besitzen  und  nach  Nord- 
ost einfallen. 

Der  Kolecer  Schacht  wurde  übrigens  in  der  Dimension  von  21/*  Klafter 
Durchmesser  in  runder  Form  angelegt  und  bis  zur  Teufe  von  56  Klafter  mit 
wasserdichter  Mauerung  versehen,  wodurch  er  eine  innere  Lichte  von  2 Klafter 
erhielt. 

Westlich  von  dem  Dorfe  Kolec  an  der  von  dort  nach  Trebusic  führenden 


Strasse  wurde  durch  die  Verwaltung  in  Brandeisei  im  Juli  1857  ein  Bohrloch 
(Tafel  I,  Bohrloch  11  b)  angeschlagen , welches  bis  Ende  des  Jahres  1859  die 
Teufe  von  162  Klafter  erreichte.  Es  durchfuhr  Sandsteine  und  Conglomerate, 
stand  zuletzt  in  Conglomeratsandstein  an  und  wird  dessen  Absinkung  fortgesetzt. 

Noch  ein  zweites  Bohrloch  wurde  endlich  von  der  fürstlich  Lobkowitz’- 
schen  Gewerkschaft,  nordwestlich  vom  Dorfe  Kolec  (Tafel  I,  Bohrloch  12)  abge- 
senkt, worüber  sich  ausführlichere  Nachrichten  in  der  „Oesterreichischen  Zeit- 
schrift für  Berg-  und  Hüttenwesen“,  Jahrgang  1858,  Seite  331  und  340,  mit- 
getheilt  von  dem  fürstlichen  Schichtmeister  Herrn  J.  P.  Wlach,  vorfinden.  Ich 
entnehme  den  Mittheilungen  über  dieses  höchst  interessante  218  Klafter  tiefe 
und  in  der  böhmischen  Steinkohlenformation  als  das  tiefste  bekannte  Bohrloch, 
dessen  innerhalb  zwei  Jahren  und  zwei  Monaten  mit  einem  Kostenaufwande  von 
15.000  Gulden  C.  M.  erfolgte  Abteufung  zweihundert  verschiedene  Arten  von 
Gebirgsgesteinen  durchfuhr,  die  nachstehende  Reihenfolge  der  Schichten,  und 
zwar: 

Klafter. 

Schieferthone  verschiedener  Nuancen  mit  einem  schwachen  Kohlenflötze  mit  wechseln- 
den Kohlensandsteinen , weissgrau,  grau,  gelb,  mit  Glimmer- und  Kohlenspuren  .20% 
Sandsteine,  grau,  bläulichgrau,  fein-  und  grobkörnig  mit  einer  Schichte  von  bläulich- 
grauem Schieferthone 14% 

Schieferthone,  blau,  roth,  bläulich,  grau  mit  Glimmer  und  IKohlenspuren,  ein  schwaches 

KohlenflÖtz,  mehr  im  Liegenden  Röthel 13% 

Sandsteine,  grau,  weiss,  bläulich,  gelb,  röthlich,  mit  2 Gliedern  grauem  Schiefer- 
thon mit  Kalkpartikeln;  starke  Anzeichen  von  Bergnaphta 173/12 

Schieferthone,  blau  mit  Kohle,  bläulichgrau,  schwarz  mit  2 schwachen  Kohlenflötzen, 

— dann  Sandsteine,  grau,  röthlichgrau,  weiss  mit  Glimmer,  — - endlich  Schiefer- 
thon, schwarz 10% 

Sandsteine,  mächtig,  blassroth,  roth,  röthlich,  theils  fein-,  theils  grobkörnig,  mit 

Schwefelkiesspuren  und  Glimmer . 14% 

Sandsteinmugeln,  grau  mit  Glimmer,  schalig  • V12 

Sandsteine,  blassroth  mit  Schwefelkiesspuren,  röthlichgrau,  röthlichweiss,  theils  fein-, 

theils  grobkörnig 911/12 

Conglomerat,  Conglomeratsandsteine,  Sandsteine,  blassroth,  grau,  röthlichweiss,  röth- 
lichgrau, lichtgrau,  abwechselnd  fein-  und  grobkörnig,  sehr  fest 1823/24 

Conglomeratsandsteine,  Conglomerat,  Sandsteine,  grau,  weissgrau,  kalkspathig,  fein- 

und  grobkörnig,  sehr  fest 269/24 

Sandsteine,  weiss  mit  Glimmer  und  Kalkspath,  Conglomeratsandsteine,  grau,  weissgrau 

mit  Glimmer  verschiedener  Korngrösse 2119/24 


446 


M.  V.  Lipoid. 


[16] 


Klafter. 


Conglomeratsandsteine,  mächtig,  — Sandsteine,  weissgrau,  grau,  weiss,  gelb,  bläu- 
lich, — Schieferthone,  bläulich,  blau,  — darauf  Sandsteine,  weissgrau  mit  Glimmer 

und  Kohlenspuren,  dann  kalkspathig,  fein-  und  grobkörnig 

Kohlenschiefer  mit  Glimmer 

Kohlensandstein,  weiss,  kalkspathig  mit  Glimmer 

Conglomerat 

Schieferthon,  weiss-sandig,  — hierauf  Sandstein,  kalkspathig,  — dann  Conglomerat  . 
Kohlenschiefer,  bläulichschwarz,  — Schieferthon,  bläulichweiss-sandig,  taubenbläulich, 

grau-sandig,  Conglomerat  mit  Bleiglanzspuren 

Schieferthone,  weissgrau,  taubengraulichblau,  weisslichblau , blau,  bläulich,  grau, 

schwärzlichblau,  sandig,  taub 

Conglomeratsandsteingeschiebe  mit  Schieferthon,  dann  sandig,  graulichblau,  taub  . . 

Conglomeratsandstein  mit  Schieferthon,  letzterer  3 Fuss  mit  Kohlenspuren 

Schieferthone,  blau,  sandig,  grau,  sandig  mit  Kohlenpartikeln,  endlich  bläulich  und 

weissgrau-sandig,  mit  Thonschiefer  wechselnd 

Thonschiefer 


1S,S24 

7/l2 

1% 

1 2*24 

3%* 

17 

,8/24 

*•/!« 


Die  von  Herrn  Wlach  oben  angeführte  Bezeichnung  „kalkspathig“, 
„Kalkspath“  dürfte  wohl  nur  die  Structur  des  den  Sandsteinen  heigemengten 
Minerals  ausdrücken  und  eine  Verwechslung  mit  Feldspath  involviren,  welchen 
ich  allerdings  häufig  und  überall  als  Gemenge  der  Sandsteine  vorfand , während 
mir  Spuren  von  Kalkspath  nicht  bekannt  wurden. 


b)  Umgebung  von  Bustehrad-Kladno. 


Am  Wolsaner  Bache  bei  Teinic  ist  die  unmittelbare  Begrenzung  der  Stein- 
kohlen- und  Grauwackenformation,  deren  Gesteinsschichten  von  beiden  nach 
Nord  einfallen,  noch  sichtbar.  Von  dort  bis  Stelcowes  ist  diese  Begrenzung 
durch  eine  3 bis  4 Klafter  mächtige  Lössablagerung  überdeckt.  Dagegen  sieht 
man  bei  Rapic  wieder  die  Thon-  und  Kieselschiefer  der  Grauwackenformation 
unter  den  Gebilden  der  Steinkohlenformation  zu  Tage  treten  und  ein  Einschnitt 
der  Bustdhrader  Eisenbahn  am  Gehänge  oberhalb  Rapic  hat  sehr  schön  die  Schich- 
ten beider  Formationen  nebst  den  Steinkohlentlötzen  und  dem  Hangend-Quader- 
sandsteine  entblösst.  Auch  die  weitere  Grenze  der  benannten  Gebirgsformationen 
bis  südlich  von  Kladno  ist  sichtbar  und  leicht  bestimmbar,  doch  von  dort  bis 
südlich  von  Rosdielow  durch  Quader  und  Plänersandsteine  verdeckt.  Von  Rosdielow 
an  bis  Ziliria  ist  diese  Grenze  nur  theil weise  durch  Löss  verdeckt. 

Die  Bohrversuche,  welche  zur  Aufschliessun^  der  Liegendkohlenflötze  in 
der  Umgebung  von  Bustehrad-Kladno  gemacht  wurden  und  die  Grubenbaue, 
welche  bereits  auf  denselben  eröffnet  sind,  sind  von  Ost  nach  West  folgende: 

Nächst  der  Brodecer  Mühle,  westlich  von  Kolec,  sind  zwei  Bohrlöcher  ab- 
gesenkt worden.  Das  erste  (Tafel  I,  Bohrloch  13)  durch  das  k.  k.  Bergamt  in 
Brandeisei  im  November  1850  angelegt  und  im  Mai  1852  beendet,  erreichte  die 
Tiefe  von  116  Klafter  und  zeigte  nach  Herrn  Beer’s  Bohrvormerkungen  nach- 
stehende Reihenfolge  der  Gebirgsschichten : 


Klafter. 

Dammerde % 

Lehm  (Löss) 3 

Feiner  milder  Sand 1 2/s 

Grober  Sandstein  mit  Geschieben  ...  1 

Lettenschiefer  mit  Kohlenspuren  ...  % 

Weisslicher  milder  Sandstein  . . . . 6% 

Weisslich  u.  gelblich  lettiger  Sandstein  . 4 
Grauer  Sandstein 8% 


Klafter. 

Rother  Lettenschiefer 22/s 

Grauer  Sandstein 12% 

Weisslichgrauer  fester  Sandstein  . . . 11% 

Grauer  Kohlensandstein 4 V3 


Lettiger  Sandstein  mit  Kohlenspuren  . % 

Weisser  sehr  fester  Sandstein  . . . .31% 
Schwärzlicher  fester  Lettenschiefer  . . 27 
Thonschiefer  mit  Quarzspuren  ....  1 % 


[17]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  447 

Ein  zweites  Bohrloch  bei  Brodec  (Tafel  I,  Bohrloch  14)  hat  in  der  Teufe 
von  128  Klafter  das  Grundgebirge  erreicht,  aber  eben  so  wenig,  wie  das  erstere, 
die  Liegendkohlenflötze  durchsunken.  Dieses  vom  Bergamte  in  Brandeisei  im 
Juli  1856  eröffnete  und  im  Juni  1857  beendete  Bohrloch  durchfuhr  nach  dem 
von  Herrn  Lar  eher  mitgetheilten  Bohrprofile  folgende  Schichten: 


Grauen  Sandstein . 

Denselben  mit  gelbem  Letten  .... 

Rothen  Letten 

Grauen  Schieferthon 

Rothen  Letten 

Grauen  Sandstein 

Gelblichrothen  Sandstein 

Grauen  Sandstein 

Blauen  Letten  mit  Kohlenspuren  . . 
Grauen  Schieferthon  mit  schmalen 

Steinkohlenflötzchen 

Grauen  Sandstein 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Geschie- 
ben von  Grauwacke 

Röthlichen  Sandstein 

Grauen  Sandstein 

Rothen  Sandstein  mit  vielem  lettigem 

Bindemittel . . 

Eisenschüssiges  Conglomerat  . . . . 

Rothen  Letten 

Sandstein  mit  rothem  Letten  und  Spu- 
ren von  Thoneisenstein 

Grauen  Sandstein  mit  Geschieben  von 
Quarz  und  Grauwacke 


Klafter. 

ä’Via 

lS/l2 

3%4 
3«/«4 
6% 
6%4 
l7/24 
1 3 24 
1%4 

3V6 

215/24 


IV12 

l15/24 


9V24 

5/6 

33/ia 

223/24 

1%4 


Klafter. 

Conglomerat 7/12 

Rothen  Sandstein 2% 

Festes  eisenschüssiges  Conglomerat  . 233/24 

Grauen  Schieferthon 4% 

Röthlichgrauen  Sandstein 3% 

Grauen  Schieferthon . 3y24 

Rothen  und  grauen  sandigen  Letten  . 215/24 
Letten  mit  Sandsteinschichten  wech- 
selnd   1 2/g 

Hellgrauen  Schieferthon 3% 

Denselben  mit  Kohlenspuren  ....  Is/i2 

Röthlichgrauen  Sandstein 127/i2 

Grauen  Schieferthon  mit  Spuren  von 

Steinkohlen y24 

Röthlichgrauen  Sandstein 29/24 

Grauen  Sandstein iy12 

Grauen  Schieferthon  . . 1 3/i  2 

Grauen  Sandstein 415/24 

Röthlichgrauen  Sandstein 1719/24 

Grauen  Schieferthon  mit  Spuren  von 
Steinkohlen  und  rothem  Thoneisen- 
stein   l5/24 

Kieselschiefer 25/12 


In  dem  Terrain  zwischen  Wretowic,  Stelcowes  und  Brandeisei  wurden  durch 
die  k.  k.  Schürfungscommission  in  dem  Jahre  1847  drei  Bohrlöcher  (Tafel  I, 
Bohrloch  15,  16  und  17)  angelegt,  welche  sämmtlich  keine  Kohlen  erbohrten. 
Das  erste  Bohrloch  durchsenkte  bis  Jänner  1848: 


Klafter. 

Dammerde  Ve 

Gelben  losen  Sand 2 

Gelben  Sandstein 4% 

Rothgefärbten  Sandstein 25/6 

Weissgrauen  Sandstein 5% 

Ziegelrothen  Sandstein % 

Weissen  Sandstein 3 

Rothgefärbten  Sandstein 233/ia 


Klafter. 

Grauen  Sandstein 88/12 

Lettenschiefer V24 

Grauen  Sandstein 311/24 

Schwarzgrauen  Lettenschiefer  mit 

Kohlenspuren 4y12 

Weissen  Sandstein 2 

Grünlichen  zähen  Lettensehiefer  (Thon- 
schiefer)   223/24 


und  erreichte  die  Tiefe  von  62  Klafter.  — Das  zweite  Bohrloch  brauchte  nur 
27  Klafter  bis  an  das  Grundgebirge  und  durchörterte: 


Klafter. 


Lehm 7 l/3 

Grauen  Schieferthon  mit  Pflanzenab- 
drücken und  Breccien 8ys 

Sandstein 3V3 


Klafter. 


Grauen  Lettenschiefer 3y6 

Röthel 9/13 

Grauen  Letten 4 

Thonschiefer  . . . 5/l2 


Das  dritte  Bohrloch  endlich,  im  Juni  1847  begonnen  und  im  September  1849 
beende  , verquerte  mit  der  Teufe  von  170  Klafter  (sämmtlich  nach  Herrn  Beer’s 
Vormerkungen) : 

K-  k.  greologiächp  Reichsanstalt,  12,  Baud,  1861  und  1862,  IV.  Heft-  o7 


418 


M.  V.  Lipoid. 


Klafter. 


Lehm  (Löss) 

Losen  Sand  mit  Lehm 

Bläulichen  sandigen  Lettenschiefer 

Gelben  Sandstein 

Röthel 

Bläulich  sandigen  Lettenschiefer  . . 

Gelben  Sandstein 

Lettenschiefer 

Grauen  Sandstein 

Bläulichen  Lettenschiefer  mit  2 Koh- 

lenflötzchen 

Grauen  Sandstein 

„ Lettenschiefer  mit  Moorkohle 

„.  Sandstein 

Bläulichen  Lettenschiefer 


2% 

1% 

Us 

1 

iy« 

3% 

3 Vs 

1% 

*9/l2 
6 f/s 

n/l2 

4 V» 
2% 


1 1 8J 


Grauen  Sandstein 

Lettenschiefer  mit  Kohle  . . . 

Sandstein 

Grauen  Lettenschiefer  .... 
Rothgefärbten  Sandstein  . . 

Lettenschiefer 

Kohlensandstein 

Lettenschiefer 

Grauen  feinkörnigen  Sandstein 

Lettenschiefer 

Sandstein  mit  Kohlenspuren  . 

Lettenschiefer 

Kohlensandstein 

Lichtgrauen  Lettenschiefer 
Thonschiefer 


Klafter. 

. . 3 
. . •/* 

. . 18V, 

• • V, 

• • 127 12 

. . IV, 

. . 185/|2 

- 1 * Via 

. . 1 

• .23V12 

• • 2 Vs 
. • 35  V, 


Einige  hundert  Klafter  südöstlich  vom  Dorfe  Brandeisei  befindet  sich  der 
der  k.  k.  priv.  österreichischen  Staats  Eisenbahn-Gesellschaft  gehörige  Stein- 
kohlenbergbau gleichen  Namens.  Er  wird  mittelst  zweier  Schächte  (Tafel  I, 
Schacht  7)  — den  „Layer-“  und  den  „Michael-“  Schacht,  so  benannt  nach  dem 
verdienstvollen  Unter-Staatssecretär  Herrn  Michael  Layer  — betrieben.  Der 
eine  dieser  Schächte  dient  zur  Wasserhaltung,  die  mit  einer  450pferdekräfligen 
Dampfmaschine  bewerkstelligt  wird,  der  andere  zur  Förderung,  zu  welcher  zwei 
kleinere  Dampfmaschinen  dienen.  Der  Beginn  dieses  Bergbaues  fällt  in  die 
Periode  der  bestandenen  k.  k.  Schürfungscommission  und  des  k.  k.  Bergamtes  in 
Brandeisei  und  der  Michaelschacht  wurde  bereits  im  Jahre  1842  angelegt. 

Nach  einem  in  dem  Archive  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  Vorgefun- 
denen und  zugleich  von  Herrn  Lar  eher  eingesendeten  Schachtprofile  sind  in 
dem  Michaelschachte,  dessen  Abteufung  mit  mehrfachen  Unterbrechungen  bis 
zur  Kohle  in  der  Teufe  von  126  Klafter  bis  in  den  August  des  Jahres  1853 
währte  und  im  Jahre  1856  bis  zum  jetzigen  Sumpfe  gebracht  wurde,  nachfolgende 
Gesteinsschichten  durchfahren  worden : 


Klafter. 

Dammerde % 

Gelber  milder  Sandstein 45  6 

Lichtgrauer  Letten  mit  einem  6zölli- 
gen  K o h 1 e n f 1 ö t z c h e n . . . . 25/ia 
Weisser  feinkörniger  glimmeriger 

Sandstein 3% 

Gelblichweisser  feinkörniger  glimme- 
riger Sandstein l6/la 

Gelber  grobkörniger  Sandstein  . . . 74/a 
Grauer  glimmeriger  Sandstein  ...  4/a 

Gelblichweisser  glimmeriger  Sand- 
stein mit  K o h 1 e n s p u re  n . . . . S4/a 


Grauer  Lettenschiefer 2 

Weisser  glimmeriger  feinkörniger 

Sandstein % 

Grauer  Lettenschiefer I1/, 

Grauer  glimmeriger  Sandstein  mit 

K o h 1 e n s p u r e n 3 % 

Conglomeratsandstein 3/s 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . % 

Grauer  glimmeriger  Sandstein  mit 

Kohlenspuren 2 4/6 

Grauer  grobkörniger  Sandstein  ...  4/s 

Grauer  feinkörniger  Sandstein  . . . Vi2 


Klafter. 


Grauer  Lettenschiefer I1/« 

Kohlen  fl  ötzchen Via 

Dunkelgrauer  Lettenschiefer  ....  V2 

Kohle  n fl  ötzchen % 

Grauer  Lettenschiefer V, 

Sandiger  Lettenschiefer l2/3 

Grauer  grobkörniger  Sandstein  ...  3 

Conglomeratsandstein 4/a 

Grauer  grobkörniger  Sandstein  . . . 4% 

Grauer  Lettenschiefer  . i4/a 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein 

mit  Kohle  ns  puren 1% 

Conglomeratsandstein 1% 

Grauer  Lejfenschicfer % 


Weisser  mittelfeiner  Sandstein  ...  2 
Grauer  grobkörniger  Sandstein  . . . 2% 

Lichtgrauer  Letten Via 

Grauer  Lettenschiefer Vs 

Schwarzer  Lettenschiefer  mit  Pflan- 


zenabdrücken • V, 

Kohlen  fl  ötzchen V12 

Schwarzer  Lettenschiefer Ve 


W eissgrauer  feinkörniger  Sandstein  mit 
versteinerten  Baumstämmen  . . . 1 


[19] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theiie  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


449 


Klafter. 

Weissgrauer  mittelfeiner  Sandstein  . 6y2 
Grauer  grobkörn:ger  Sandstein  . . . 2% 
Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . 3y3 
Grauer  mittelfeiner  Sandstein  . . . 4ya 

Grauer  Lettenschiefer y3 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  mit 
K o h 1 e n s p u r e n . . . . . . . 1 % 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . 4ys 
Grauer  grobkörniger  Sandstein  ...  13 
Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . 5 

Conglomerat  ...  1 y3 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . 7 

Kolilenflötzchen y6 

Grauer  Lettensehiefer 13 

Sphärosiderit 3/23 

Grauer  Lettenschiefer i/6 

Weissgraner  feinkö.  niger  Sandstein  . 5/6 

Grobkörniger  dichter  Sandstein  . . . l'/g 
Grobkörniger  milder  Sandstein  ...  1 

Grauer  feinkörniger  Sandstein  mit 

Kohlensehmitzchen iy2 

Weissgrauer  feinkörniger  Sandstein  . 2y6 

Grauer  Lettenschiefer 5/6 

Weissgrauer  glimmeriger  Sandstein 
mit  9 bis  11  Zoll  Sphärosiderit  . . 5/6 

Sandiger  Lettenschiefer 1 3 

Schieferiger  Sandstein 2 3 


Weissgrauer  grobkörniger  Sandstein  . 

Schi  efe  rkohle 

Glanzkohle  

Lettiger  Sandstein 

G I a n zko  hl  e . . 

Feiner  lettiger  Sandstein 

Glanzkohle 

Glanz-  mit  Schiefe  rkohle.  . . 

Schieferkohle 

Grauer  feiner  glimmeriger  Letten- 
schiefer mit  Pflanzenresten  .... 

Eisenhaltiger  Sandstein 

Dichter  schwärzlichgrauer  Sandstein 

Grauer  Sandstein  

Liegendsandstein 

Sandstein  mit  Kalkspathdrusen  und 

Kieskrystallen 

Schiefer  kohlen  fl  ötz 

Schwarzer  Schiefer  mitKohlenschnü- 

ren 

Schieferiger  Sandstein 

Grauer  conglomeratartiger  Sandstein 
Sehr  schaliger  Thonschiefer  .... 
Thonschiefer  mit  Quarzadern  .... 
Sehr  fester  Kieselschiefer  mitweissen 
Quarzschnüren  


Klafter. 

% 

3/lS 

Vs 

Vzi 

19/34 

%4 

V» 

17/24 

Vs 


1% 

1% 

iy6 

i 

2% 

5/ö 

4% 

2V3 


In  diesem  Schachte,  dessen  ganze  Teufe  146  Klafter  erreichte,  wurde  im 
April  1860,  als  er  bereits  die  Tiefe  von  80  Klafter  besass,  eine  Vorbohrung  be- 
gonnen, mittelst  welcher  bereits  im  August  desselben  Jahres  die  später  durch- 
fahrenen Kohlenflötze  erbohrt  wurden. 

Herr  Anton  Lareber,  Markscheider  in  Brandeise!,  gab  mir  freundlicbst 
den  Grubenriss , Profile  und  Daten  über  den  Brandeiseier  Bergbau  an  die  Hand. 
Ich  habe  erstere  mit  den  Grubenrissen  und  Profilen  der  Bustehrader,  Bapicer  und 
Kladnoer  Bergbaue  in  Zusammenhang  gebracht  und  zusammen  auf  Tafel  III  ver- 
zeichnet, um  eine  Uebersicht  über  ein  grösseres  in  naher  Verbindung  stehendes 
Kohlenrevier  zu  liefern. 

Die  Kohlenablagerung  ist  im  Brandeiseier  Grubenbaue  nach  dem  Verflachen 
beiläufig  200  Klafter  und  nach  dem  Streichen  beiläufig  600  Klafter  aufgeschlos- 
sen. Das  Hauplstreichen  der  Kohlenflötze  läuft  nach  Stunde  7 (O.  16°  S.)  und 
das  nördliche  Einfallen  beträgt  in  dem  östlichen  Reviere  bei  30  Grad  und  in  dem 
westlichen  Revier  10  bis  15  Grad. 

Auch  in  dem  Brandeiseier  Grubenbaue  hat  man  vielfache  Störungen  der 
Kohlenflötze  angefahren,  wodurch  letztere  theils  nach  dem  Verflachen,  theils 
nach  dem  Einfallen  verworfen  wurden.  Sowohl  östlich  als  auch  westlich  von  dem 
Michaelschachte  erreichte  man  mit  der  Ausrichtung  nach  dem  Streichen  drei 
Hauptverwerfungsklüfte  (siehe  Tafel  III,  Profil  AB),  welche  alle  nahe  von  Nord 
nach  Süd  laufen,  theils  west-,  theils  ostwärts  unter  einem  steilen  Winke!  von 
60  bis  70  Grad  einfallen,  und  die  Flötze  um  3 bis  4 Klafter  verschoben  haben. 
An  der  dritten  Verwerfung  ostwärts  sind  die  Ausrichtungsarbeiten  einstweilen 
sistirt,  an  der  dritten  westlichen  Verwerfung  dagegen  sind  Ausrichtungsschläge 
noch  im  Betriebe,  und  wird  die  Verwerfungskluft  daselbst  durch  ein  Steigort 
nach  aufwärts  verfolgt,  mit  welchem  man  mehrere  Kohlentrümmer  erreichte. 
(Profil  AB,  Tafel  III.) 


450 


M.  V.  Lipoid. 


[20] 

Auch  mit  der  Ausrichtung  nach  dem  Verflachen  hat  man  mehrfache  meist 
kleinere  Verwerfungen  der  Flötze  angefahren,  wie  deren  die  Profile  CD  und  EF 
in  Tafel  III  zeigen.  Insbesondere  hat  man  mit  den  Schwebendstrecken,  welche 
östlich  und  westlich  von  dem  Schachte  dem  Verflachen  des  Flötzes  nach  auf- 
wärts geführt  wurden,  in  einer  Entfernung  von  50  bis  60  Klafter  vom  Schachte 
eine  gänzliche  Verdrückung  des  Flötzes  erreicht,  welche  sich  von  d<r  ersten 
östlichen  Verwerfungskluft  bis  an  die  dritte  westliche  Verwerfungskluft  erstreckt, 
mit  der  sie  schliesslich  zusammenläuft.  CMseits  von  der  ersten  östlichen  Ver- 
werfungskluft hat  der  Verdruck  die  erstere  nicht  durchsetzt,  sondern  bildet  an 
derselben,  immer  mehr  nach  Süden  biegend,  die  Grenze  der  Flötzs-hichten 
gegen  Thon-  und  Kieselschiefer.  Mittelst  einer  zweiten  schwebenden  Strecke, 
welche  40  Klafter  östlich  von  der  ersten  östlichen  Kluft  angelegt  wurde  und  eine 
Pfeilerhöhe  von  150  Klafter  erreichte,  hat  man  an  deren  Ende  einen  neuen  von 
Nordost  nach  Südwest  streichenden  Verdruck  angefahren,  dessen  Ausrichtung 
im  Gange  ist. 

Zur  Eröffnung  eines  tieferen  Ahbauhorizontes  wurde  im  Jahre  1856  der  bis 
dahin  126  Klafter  tiefe  Michaelsschacht  noch  um  weitere  20  Klafter  vertieft  und 
von  der  erreichten  Teufe  von  146  Klafter  ein  Querschlag  nach  Nordosten  ge- 
trieben. Mit  der  Länge  von  104  Klafter  erreichte  dieser  Zubau  im  Jänner  1859 
das  Flötz , und  sind  seitdem  auf  diesem  unteren  Horizonte  bereits  ostwärts  und 
westwärts  Förder-  und  Verhaustrecken  eröffnet  worden  (Tafel  III).  Ein  zweiter 
Querschlag  wurde  aus  der  Teufe  von  96  Klafter  vom  Michaelsschachte  aus  in 
südlicher  Richtung  im  Jahre  1857  begonnen,  um  durch  denselben  das  durch 
ein  später  zu  erwähnendes  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  20)  in  der  81.  Klafter 
durchfahrene  Kohlenflötz  aufzuschliessen.  Diese  Zubaustrecke,  „Rapicer  Quer- 
schlag“, wurde  bereits  auf  die  Länge  von  107  Klafter  erstreckt,  wo  sie  in 
Kieselschiefer  anstand.  Beide  Querschläge  sind  im  Profile  CD  in  Tafel  IV 
ersichtlich  gemacht. 

Die  Mächtigkeit  der  gesammten  Kohlenablagerung  in  Brandeisei  wechselt 
zwischen  2 und  3 Klafter.  Die  nachfolgende  Skizze  gibt  ein  Bild  dieser 
Ablagerung. 


Kohle 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Hangendsandstein. 

Unreine  Kohle 

1 

# 

Tauber  Schiefer 

# 

# 

9 

Mittelmässige  Kohle 

1 

9 

. 

# 

9 

Schieferthon  (Vopuka) 

9 

3 

K ohl  e (Oberbank) 

4 

6 

# 

9 

Schieferthon  (Vopuka) 

. 

. 

. 

. 

5 

Kohle  (Unterbank) 

5 

10 

9 

„ (Sohlbank) 

Lettenschiefer. 

2 

• 

• 

*. 

2 

3 1 

1 

• 

1 

5 

2 Klafter  4 Fuss  6 Zoll.  "" 

Die  Steinkohle  gibt  beim  Abbau  sehr  viel  Kohlenklein,  zu  dessen  Verwer- 
thung  in  neuerer  Zeit  die  Briquettes-Fabrication  eingeführt  wurde.  Sie  ist 


[21] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  451 


überdies  von  sehr  verschiedener  Güte  und  im  Allgemeinen  von  minderer  Quali- 
tät, als  die  Kohle  aus  den  westlicheren  Bergbauen.  Die  Oberbank  liefert  bessere 
Kohle,  die  Unterbank  im  westlichen  Felde  reine,  im  östlichen  Felde  mit  tauben 
Schiefern  durchzogene  Kohle.  Die  Sohlbank  besteht  nur  aus  schieferiger  Kohle 
schlechterer  Qualität.  Am  unteren  Horizonte  zeigt  sich  die  Kohle  reiner,  glän- 
zend und  gegen  Westen  thei!we:se  sehr  fest.  Die  tauben  Zwischenmittel  — 
Vopuka  — bestehen  aus  festen  feinsandigen  Schieferthonen  von  grauer  Farbe, 
und  die  untere  Vopuka  bedeckt  bisweilen , besonders  im  östlichen  Felde  eine 
ein  paar  Zoll  mächlige  Lage  von  Sphärosiderit.  Dass  letzterer  auch  ober  den 
Kohlenflötzen  auftritt,  ist  aus  dem  Profile  des  Michaelsschachtes  zu  ersehen. 

Die  Erzeugung  beim  Brandeiseier  Bergbaue  beträgt  gegenwärtig  90.000  bis 
100.000  Centner  Kohle  im  Monate  bei  einem  Personalstande  von  400  Mann. 

In  der  Nähe  von  Brandeisei  sind  durch  die  bestandene  k.  k.  Schürfungs- 
commission noch  drei  Bohrlöcher  angelegt  worden , um  die  Fortsetzung  der 
Bustehrader  Flötze  aufzuschürfen.  Das  eine  dieser  Bohrlöcher  (Tafel  I , Bohr- 
loch 18)  befand  sich  am  Wege  von  Brandeisei  nach  Trebusic,  das  andere 
(Tafel  I,  Bohrloch  19)  nächst  dem  Dorfe  Wolsan  und  das  dritte  zwischen  Brand- 
eisel  und  Rapic  (Tafel  I,  Bohrloch  21).  Das  erste  Bohrloch,  im  Juli  1849  be- 
gonnen, wurde  im  August  1850,  nachdem  es  die  Tiefe  von  70  Klafter  erreichte, 
sistirt,  nachdem  zur  selben  Zeit  die  Vorbohrung  im  Brandeiseier  Michaels- 
schachte die  Kohlenflötze  durchfahren  hatte  und  die  Fortsetzung  des  obigen 
Bohrloches  zwecklos  erschien.  Es  durchsenkte  folgende  Gebirgsschichten : 


Klafter. 

Dammerde <3 

Gelben  Kohlensandstein 6% 

Grauen  Lettenschiefer  mit  einem  lzölli- 
gen  Kohl  enfl  ötzch  e n ....  22/3 

Grobkörnigen  festen  Sandstein  , . . 4% 

Lichtblauen  Lettenschiefer 1 %' 

Milden  Sandstein 8 y3 

Grauen  Lettensehiefer 4% 

Kohlensandstein li% 


Klafter. 


Grauen  Lettenschiefer l2/s 

Sandstein  9 Vs 

Lettenschiefer % 

Sandstein 3 1 Vi  2 

Lichtgrauen  Thonschiefer  .....  4%4 

Kohlensandstein 1 Via 

Lettenschiefer 211/24 

Kohlensandstein 32/s 

Lettenschiefer 37a 


Das  Bohrloch  nächst  Wolsan,  im  Jahre  1848  angelegt,  wurde  gleichfalls 
nicht  zum  Ziele  gebracht  und  wegen  verschiedener  Anstände,  die  sich  bei  der 
Bohrung  ergaben , in  der  78.  Klafter  verlassen.  Bis  dahin  wurden  in  demselben 
durchörtert: 


Alluvium 

Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Weissgrauer  Schieferthon 
Sandstein 


Klafter. 


5% 

% 

% 

9 


5% 

67s 

3 

SVs 

iy6 

9 


4% 


Klafter. 

Schwarzgrauer  Schieferthon  mit  Ko  h- 

lentrümmchen % 

Eisenschüssiger  sehr  fester  Schiefer- 
thon   5/12 

Weissgrauer  milder  Schieferthon  . . 13/24 

Feinkörniger  glimmeriger  Sandstein  . 7 

Lichtblauer  Schieferthon 4Va 

Grauer  Sandstein  in  Conglomerat  über- 
gehend   41  Via 

Blauer  Schieferthon,  anfangs  plastisch, 

dann  sandig 9/i2 

Sandstein 49/ia 


Das  dritte  Bohrloch  endlich,  im  August  1847  begonnen,  wurde  in  der 
105.  Klafter  im  August  1848  eingestellt,  nachdem  es  bereits  in  der  50.  Klafter 
die  Rapicer  Kohlenflötze  und  somit  seinen  Zweck  erreicht  hatte.  Die  Reihenfolge 
der  angebohrten  Gesteine  war  folgende: 


452 


M.  V.  Lipoid. 


[22] 


Klafter. 


Dammerde 

Loser  Sand  mit  Geschieben  . . . . 
Weisser  und  rothgefärbter  Sandstein 

Lettenschiefer 

Grauer  Sandstein 

Lettenschiefer 

Grauer  Sandstein 

Lettenschiefer 

Kohle 

Lettenschiefer 

Kohle 


% 

2 

3 Vs 
2923/84 
S11/« 

Vs 

7-3 

5/e 

i3/l8 

518 


Klafter. 

Lettenscliiefer 5« 

Kohle y„ 

Bläulicher  Lettenschiefer i1/* 

Sandstein  mit  Conglomeratsandstein 

wechselnd 8 

Schwarzgrauer  Lettenschiefer  . . . 2312 

Grauer  Sandstein 41/* 

Grauer  Lettenschiefer 7i2 

Grauer  Sandstein  14*3 

Letten.chiefer V24 

Grauer  Sandstein 20l  04 


Zwischen  diesem  Bohrpunkte  und  Brandeisei  ist  auch  von  Seite  der  Bran- 
deiseler  Werksdirection  im  Jahre  1857  ein  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  20)  abge- 
senkt worden,  welches  in  der  80.  Klafter  die  Kohlenflötze  anbohrte,  die  Tiefe 
von  91  Klafter  erreichte  und  nachstehend“  Schichten  anfuhr: 


Dammerde 

Gelben  Sandstein  

Grauen  Schieferthon 

Sphärosiderit  ...  

Grauen  Sandstein 

Gelben  Sandstein  ........ 

Grauen  Schieferthon  mit  Kohlen- 
spuren   

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . . 

„ feinkörnigen  Sandstein  . . . 
Hellgrauen  Schieferthon  mit  Sphäro- 
siderit   

Dunkelgrauen  Schieferthon  mit  Koh- 
lenspuren   

Sandsteinconglomerat 

Röthlichgrauen  Sandstein 

Rothen  sandigen  Letten 

Röthlichgrauen  Sandstein 

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . . 


Klafter. 


1 

1 

1 

1 


^ V 24 

4%4 

9/l2 

12S/24 

6y24 

23/l8 

l19/24 

47/t2 

IV,  2 


2y3 


Klafter. 

Röthlichgrauen  Sandstein  und  blauen 

Letten 2i  9 


Grauen  feinkörnigen  Sandstein  . . . 217/24 


„ Schieferthon 

. • »Via 

Rothen  sandigen  Letten  .... 

• • l1S/24 

Granen  S mdstein  u. zähen  rothen  Letten  8% 

Rölhlichgranen  Sandstein  . . . 

• • IVs 

Granen  grobkörnigen  Sandstein  . 

• ■ i"/i* 

Conglomeratsandstein 

• • 2"/,* 

Granen  grobkörnigen  Sandstein  . 

- • t*8/l2 

Sandstein  mitK  0 h 1 e n s p ur  e n 2*/2 
grobkörnigen  Sandstein  . . . 4%4 


„ Sandstein  mitK  o h I e ns p u re  n 2y2 
Kohle  und  dunkelgrauen  Schieferthon  l2/3 

Schieferthon  3/24 

Grauen  feinkörnigen  Sandstein  . . . 53/24 
„ Schieferthon  mit  Kohlen- 
spur e n und  Sphärosiderit  . . . lt9/24 

Kieselschiefer % 


Westlich  an  diese  Bohrlöcher  schliessen  sich  zunächst  die  Bustehrad- 
Kladnoer  grossartigen  Steinkohlenbergbaue  an.  Durch  die  Gefä'ligkeit  der  Herren 
Director  Karl  Har  tisch  und  Ingenieur  Joseph  Schwestka  in  Rapic,  und 
der  Herren  Ingenieure  Joseph  Schmidt  und  Emanuel  Kl  eck  a in  Kladno, 
welche  mir  Zeichnungen  und  Daten  lieferten , bin  ich  in  die  Lage  versetzt,  über 
diese  Bergbaue  ausführlichere  Mittheilungen  zu  machen  und  über  dieselben  in 
Tafel  III  einen  Gruben-  und  Situationsplan,  auf  welchem  auch  die  Brandeiseier 
Gruben  verzeichnet  sind,  nebst  Profilen  in  Tafel  IV,  beizufügen. 

Das  Eigenthum  der  Bustehrad-Kladnoer  Kohlenbergwerke  ist  zwischen 
Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdinand  I.,  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft 
und  der  k.  k.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  getheilt.  Auf  der  Karte,  Tafel  III, 
sind  die  Grenzen  der  Grubenfelder  dieser  drei  grossen  Kohlenwerksbesitzer  ein- 
gezeichnet, und  daraus  zu  ersehen,  dass  der  Werkscomplex  Seiner  Majestät 
Kaiser  Ferdinand  I.  zwar  ein  zusammenhängender  ist,  jedoch  durch  das 
Hoffnungsschachter  Grubenfeld  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft  in  zwei 
Abbaureviere,  in  ein  Östliches  und  ein  westliches,  geschieden  wird,  — dass 
der  Besitz  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft  drei  getrennte  Grubenfelder, 
wovon  eines  in  Kladno  und  zwei  in  Rapic  sich  befinden,  umfasst, — und  dass 


[23]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  433 

sich  der  Werkscomplex  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  an  die 
eben  benannten  Grubencomplexe  im  Norden  und  Osten  anschliesst  und  eine  Län- 
genausdehnung von  mehr  als  5.000  Klafter  von  Ost  in  West  besitzt.  Der  Kürze 
wegen  will  ich  im  Nachfolgenden  die  Grubenbaue  Seiner  Majestät  Kaiser  Ferdi- 
nand I.  mit  dem  Namen  „Bustehrader  Baue“,  die  östlichen  Grubenbaue  der 
Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft,  das  ist  jenen  am  Witek-  und  jenen  am 
Hoffnungsschachte,  mit  dem  Namen  „Rapicer  Baue“  und  den  westlichen  Gruben- 
bau der  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft,  so  wie  jenen  der  k.  k,  priv.  Staats- 
Eisenbahn-Gesellschaft  am  Thinnfcldschachte  bei  Kladno  mit  dem  Namen 
„Kladnoer  Baue“  belegen. 

Der  Beginn  dieser  verschiedenen  Berghaue  datirt  aus  verschiedenen  Zeit- 
perioden. Am  ältesten  sind  die  Grubenbaue  im  östlichen  Revier  der  Bustehrader 
Baue,  welche,  hervorgerufen  durch  die  nächst  Rapic  vorfindigen  Ausbisse  der 
Steinkohlenflötze,  bereits  im  vorigen  Jahrhunderte,  mit  voller  Sicherheit  in  der 
zweiten  Hälfte  desselben,  von  der  Herrschaft  Bustehrad  betrieben  wurden,  wie 
dies  aus  einer  vorhandenen  Urkunde  aus  dem  Jahre  1788  hervorgeht,  in  welcher 
bereits  des  Gottfried-,  Wenzel-  und  Alt-Josephistollens,  so  wie  eines  Grubenbran- 
’ des  daselbst  Erwähnung  geschieht.  Jedoch  erst  in  den  abgelaufenen  letzten  zwei 
Deeennien  gelangten  die  Bustehrader  Baue  zu  dem  gegenwärtigen  Aufschwünge. 
Diesen  zunächst  im  Alter  stehen  die  Rapicer  Baue,  welche  zu  Anfang  dieses  Jahr- 
hunderts von  W.  Czerny  eröffnet  wurden  und  im  Jahre  1847  in  den  Besitz  des 
Wiener  Grosshandlungshauses  Robert  und  Comp,  übergingen,  seit  welcher 
Zeit  das  Werk  wesentlich  vergrössert  und  verbessert  und  die  Production  bedeu- 
tend vermehrt  wurde.  Im  Jahre  1857,  als  die  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft 
in’s  Leben  trat,  kamen  die  Rapicer  Baue  in  den  Besitz  dieser  Gesellschaft.  Die 
Kladnoer  Baue  der  k.  k.priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  haben  ihren  Ursprung, 
wie  die  Brandeiseier  Baue,  in  den  äi arischen  Schürfungsarbeiten,  welche  in 
diesem  Terrain  im  Jahre  1842  begonnen  haben.  Bei  der  Gründung  der  Staats- 
Eisenbahn-Gesellschaft  im  Jahre  1856  wurden  die  ehemals  ärarischen  Baue  in 
das  Eigenthum  dieser  Gesellschaft  abgetreten.  Die  Kladnoer  Baue  der  Prager 
Eisen-Industrie-Gesellschaft  endlich  datiren  von  dem  Jahre  1846,  wo  in  der 
Nähe  des  Katharinafundschachtes  der  gegenwärtige  Bergwerksdirector  der 
Gesellschaft,  Herr  Johann  Wä n i a,  damals  Obersteiger,  ein  Flötzausgeherides 
entdeckte  und  mit  Unterstützung  und  im  Namen  des  Herrn  W.  Nowotny  von 
Prag  mittelst  des  Katharinaschachtes  das  Steinkohlenflötz  entblösste.  Herr 
Nowotny  associirte  sich  mit  den  Herren  Lanna  und  Klein  von  Prag,  durch 
deren  Mitwirkung  der  Grubenbau  die  gegenwärtige  Ausdehnung  erlangte.  Auch 
dieser  Bau  trat  im  Jahre  1857  in  den  Werkscomplex  der  Prager  Eisen-Industrie- 
Gesellschaft. 

Der  Besitzstand  der  Bustehrader  Baue  umfasst  einen  Flächenraum  von 
1,757.365  Quadratklaftern.  Die  Rapicer  Baue  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesell- 
schaft  umfassen  einen  Flächenraum  von  770.695  Quadratklafter,  die  Kladnoer 
Baue  derselben  Gesellschaft  einen  Flächenraum  von  1,163.000  Quadratklafter. 
Der  Flächenraum  des  von  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  occupirten 
Terrains  in  der  Umgehung  von  Kladno  und  Brjjndeisel  beträgt  nahezu  2,250.000 
Quadratklafter,  wovon  jedoch  der  bei  weitem  grössere  Theil  noch  dem  Aufschlüsse 
entgegensieht. 

Das  östliche  Revier  der  Rapicer  Baue  erhielt  seinen  Aufschluss  durch  den 
Wenzelstollen  (Tafel  I,  Stollen  5)  und  durch  den  Witteck-  oder  Witofkaschacht 
(Tafel  I,  SchachtS).  Der  erstere  ist  im  tauben  Liegenden  angeschlagen  und 
nach  Erreichung  der  Kohlenflöfze  fallend  fori  betrieben ; der  letztere  erreichte 


M.  V.  Lipoid. 


454 


[24] 


bis  an  die  Kohlenflötze  die  Teufe  von  42  Klafter.  Einen  Aufschluss  für  dieses 
Revier  bietet  auch  das  oben  erwähnte  ärarische  „Rapicer“  Rohrloch. 

Der  Aufschluss  des  Bustehrader  östlichen  Abbaurevieres  erfolgte  durch 
den  Josephistollen  (Tafel  I,  Stollen  6),  durch  den  Wenzel-  und  M.  Antonia- 
Förderschacht  (Tafel  I,  Schacht  9 und  10),  durch  den  Ludmilla- Wasserhaltungs- 
schacht (Tafel  I,  Schacht  11),  durch  den  Wenzel-Wetterschacht  (Tafel  I, 
Schacht  9,  SO.  vom  Wenzel-Förderschacht)  und  durch  den  Kaiser  Ferdinand- 
schacht und  das  in  demselben  abgeteufte  Bohrloch  (Tafel  I,  Schacht  12). 

Der  bereits  im  Jahre  1823  begonnene  Neu-Josephistollen  ist  im  Liegenden 
angeschlagen  und  durchfährt  vom  Mundloche  weg  den  Thonschiefer,  dessen  Ein- 
fallen mit  24  Grad  gegen  Nordwest  zu  beleuchten  ist,  auf  34  Klafter  Länge. 
Figur  2 gibt  ein  Bild  der  weiters  mit  diesem  durchaus  fallend  getriebenen  Stollen 
durchquerten  Gebirgsschichten. 


F*g.  2. 


Der  auf  den  Thonscliiefer  folgende  Kieselschiefer  besitzt  eine  Mächtigkeit 
von  16  Klafter  und  die  Schieferthone  der  darauf  folgenden  Steinkohlenformation 
bis  zum  Grundflötze  die  Mächtigkeit  von  9 Klafter.  In  der  180.  Klafter  erreichte 
der  Stollen  im  Jahre  1828  die  Unterbank  des  ersten  Hauptflötzes. 

Der  im  Jahre  1845  abgeteufte  Wenzel-Förderschacht  durchquerte  bis  zu 
seiner  Teufe  von  423/3  Klafter: 


Klafter 

^ § _•  ( Plänersandstein 4 

ri  « ^ ) Blaugrauen  Letten  ....  2 

* S j Quadersandstein 3 

( Letten * . . */i2 


Kohlensandstein  und  Conglonierat  . .11 


Klafter. 

Grauen  Letten */* 

Sandstein  und  Conglomerat  ....  15%  a 

Schieferthon 3 

Kohlenflötz 4 


und  steht  in  Schieferthon  an. 

In  dem  in  den  Jahren  1840  und  1841  abgesenkten  Maria  Antonia-Förder- 
schachte, welcher  die  Teufe  von  68 ya  Klafter  erreichte,  wurden  durchfahren: 


1 § ig  ( Plänersandstein 
.*2  ’«  53  ) Blauer  Letten  . 
£ E ;£  ) Quadersandstein 
( Letten  .... 
Kohlensandstein  .... 

Conglomerat 

Sandstein 

Conglomerat 


I^after. 

4 


5 

% 

4 

% 

10 

3 


Klafter. 

Letten  mit  Kohlenspuren y3 

Sandstein 20  y3 

Schieferthon 5/6 

Kohlenflötz 33/3 

Weisser  sandiger  Schieferthon  ...  8 

Grundflötz 3 

Schieferthon 2 V* 


[25]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theiie  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  455 

Der  Ludmilla-Wasserhaltungsschacht,  der  älteste  Schacht  im  ganzen  Reviere, 
da  er  schon  im  Jahre  1822  angeschlagen  wurde,  obschon  erst  im  Jahre  1838 
die  Kohlenflötze  und  im  Jahre  1847  die  gegenwärtige  Teufe  erreichte,  durch- 
örterte folgende  Gesteinsschichten  bis  zur  ganzen  Teufe  von  813/34  Klafter: 


Klafter. 

6 


Klafter. 

Blauen  Schieferthon 3 

Feinen  milden  Sandstein 3 

Grobkörnigen  Sandstein  und  Conglo- 

merat 519/34 

Dichten  Sandstein 10 

Kohle,  unrein,  ohne  Lagerung  ...  1 

Thonschiefer 21% 


TT  (?  ,.  C Plänersandstein 

Kreideformation  Dl  , ,. 

14%  Klafter  < B'auen  Letten  . . oy3 

a { Quadersandstein  . 3 

Steinkohlenformation 4 

Rothen  Letten 1 

Dichten  Sandstein 4 

Festen  grauen  Schieferthon  ....  4% 

Grobkörnigen  Sandstein 7 

Der  Wenzel-Wetterschacht  besitzt  nur  27  Klafter  Teufe. 

Mittelst  des  Kaiser  Ferdinandschachtes  sollen  die  Kohlenflötze  in  dem  nörd- 
lichen Theiie  des  Grubenfeldes  aufgeschlossen  werden.  Er  steht  noch  in  Absinkung 
und  ist  bis  jetzt  90ya  Klafter  tief.  Durch  eine  Vorbohrung  in  diesem  Schachte, 
welche  bis  in  die  Teufe  von  164  Klafter  gebracht  wurde,  hat  man  in  der 
151.  Klafter  vom  Tagkranze  die  Kohlen  erreicht.  Die  Mächtigkeit  der  einzelnen 
im  Schachte  und  Bohrloche  durchfahrenen  Schichten  betrug: 


Klafter. 

Blauer  Letten 4% 

Quadersandstein 2% 

S TS  ] Grauer  Letten % 

fco  & < Schwarzer  Letten 1 

Quadersandstein 4 

Letten 2 

Eisenschüssiger  Sandstein  . . . 1% 

Steinkohlensandstein 1 

Conglomerat 1 

Eisenschüssiger  Sandstein 3V3 

Grauer  Letten 1 

Fester  feinkörniger  eisenschüssigerSand- 

stein 2 Vs 

Weisser  Letten 1 

Fester  feinkörniger  Sandstein  ....  3% 

„ grobkörniger  Sandstein  ....  1% 

Im  Bohrloche: 

Klafter. 

Weisser  feinkörniger  Sandstein  ...  1 

Schwarzer  Letten % 

Grauer  feinkörniger  Sandstein  ....  2 

Conglomerat l9/a4 

Quarziger  Sandstein 2/$ 

Feinkörniger  Sandstein 4% 

Blaugrauer  Schieferthon % 

Milder  feinkörniger  Sandstein  ....  2V3 

Schieferthon 1% 

Feiner  milder  Sandstein 4% 

Kohlenhältiger  Sandstein % 

Grobkörniger  Sandstein  in  Mügeln  . .1% 

Feiner  milder  Sandstein 15/13 

Quarziger  milder  Sandstein 45/34 

Fester  grobkörniger  Sandstein  . . . .6% 


Klafter. 

Grauer  Letten  % 

Grobkörniger  Sandstein  5 

Feinkörniger  Sandstein 11  % 

Blauer  Schieferthon 1% 

Grobkörniger  Sandstein 7% 

Grauer  Schieferthon 7 

Grobkörniger  Sandstein 2 

Schwarzer  Schieferthon  mit  Kohlen- 
spuren   1 


Conglomerat  . 

Feinkörniger  Sandstein  . . . 
Schieferthon  mit  Kohlenspuren 
Fester  feinkörniger  Sandstein 
„ grobkörniger  Sandstein 


2% 

3 
1 

4 

6% 


Klafter. 


Feiner  milder  Sandstein % 

Conglomerat  2 

Feinkörniger  Sandstein 4t9/34 

Schwarzer  Schieferthon 1 

Sandstein  mit  Kohlensehmitzchen  . . . 79/13 

Schieferthon 1 

Conglomerat  919/24 

Schieferthon l%»t 

Kohle,  reine  9/i3 

Kohlenschiefer 1%4 

Kohle,  rein %a 

Schieferthon 35/6 

Kohle,  unrein l17/24 

Schwarzer  Schieferthon 2/3 

Thonschiefer 419/34 


Das  westliche  Abbaurevier  der  Rapicer  Baue  wurde  durch  mehrere  Stollen, 
Bohrlöcher  und  Schächte  aufgeschlossen,  die  in  Tafel  I und  III  verzeichnet  sind, 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  18G1  und  1862.  IV.  Heft.  38 


456 


M.  V.  Lipoid. 


[26] 

von  denen  jedoch  nur  der  Ludwigsschacht  (Tafel  I,  Schacht  14)  und  der  Gut- 
Hoffnungsschacht  (Tafel  I,  Schacht  15)  in  Benützung  stehen.  Zu  diesem  Reviere 
muss  auch  der  südlich  vom  Ludwigsschachte  befindliche  Bustöhrader  Johanni- 
schacht (Tafel  I,  Schacht  13)  gezählt  werden,  der  bis  an  den  Thonschiefer  nur 
die  Tiefe  von  22*^  Klafter  erlangte  und  folgende  Schichtung  aufdeckte: 


Grobkörnigen  Sandstein  .... 

Klafter. 
• • 2% 

Letten  mit  Kohle 

Grobkörnigen  Sandstein  .... 

. . 2 * 

Feinkörnigen  Sandstein 

. • V» 

Grobkörnigen  Sandstein  .... 

• • 9/l2 

Weissen  feinkörnigen  Sandstein  . 

• .2% 

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . 

. . 6 

Feinkörnigen  Sandstein  .... 

. • y« 

Klafter. 

Conglomerat l*/i* 

Grobkörnigen  Sandstein l*/i2 

Conglomerat % 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglome- 
rat   1% 

Kohlenflötz 1 1 Via 

Thonschiefer. 


Der  Ludwigsschacht  besitzt  die  Teufe  von  67  Klafter,  der  nördliche  von 
demselben  befindliche  Josephischacht  jene  von  3 5 1 / 2 Klafter  und  der  Hoffnungs- 
schacht jene  von  85a/3  Klafter.  In  letzterem  fand  sich  folgende  Reihenfolge  der 
Gebirgsgesteine  vor: 


Klafter. 

Dammerde Vi2 

Feiner  Sandstein  . . 1% 
Rother  Letten  . . . 3/ia 
Gelber  Sand  . . . . 1% 
Grauer  Letten  . . . 2% 
Gelber  und  grauer  Kohlensandstein  . . — 
Röthlicher  und  weisser  Kohlensandstein  5% 

Schieferthon 1V3 

Kohlenfl  ötzchen %2 

Grauer  Sandstein 1 % 

Schieferthon 5/12 

Lichtgrauer  Letten 2% 

Weisser  und  röthlicher  Sandstein  . . . 2% 

Grauer  Schieferthon % 

„ und  röthlicher  Sandstein  . . . 7Vi2 

„ Schieferthon % 

Sandstein  mit  Conglomeratsandstein  und 

Kohlenspuren 5a/3 

Schieferthon la/3 


Klafter. 

Grauer  Sandstein  mit  Conglom.  wechs.  8912 

Röthlicher  Sandstein a/3 

Grauer  Sandstein 25/« 

Letten,  widersinnisch  einfallend  . . . Via 
Conglomeratsandstein  mit  Kohlenspuren  1% 

Feiner  grauer  Sandstein 37/ia 

Conglomeratsandstein  1 9/i  a 

Violetter  Sandstein */% 

Grauer  Sandstein  mit  Conglomeratsand- 
stein   9% 

Grobes  Conglomerat 9/ia 

Feineres  Conglomerat la/3 

Rother  Letten V« 

Conglomeratsandstein 65/i  8 

Kohle,  Hauptflötz  nebst  Zwischenmitteln  4% 
Lichtgrauer  Schieferthon  mit  Sphärosi- 

deritblöcken 6% 

Kohle,  Grundflötz,  schieferig  ....  2 
Thonschiefer. 


Kreideformation 
6Via  Klafter 


Der  Aufschluss  des  Bustehrader  westlichen  Abbaurevieres  geschah  durch 
die  Maria  Anna-  und  Prokopi-Förder-  und  Wasserhaltungsschächte  (Tafel  I, 
Schacht  16  und  17)  und  durch  mehrere  Bohrlöcher.  Der  im  Jahre  1842  be- 
gonnene und  im  Jahre  1850  beendete  Maria  Annaschacht  erreichte  mit  der 
Teufe  von  707/12  Klafter  den  Thonschiefer,  nachdem  er  folgende  Schichten 
durchsenkte: 

Klafter. 

Diluviallehm  (Löss) 6 

Grobkörnigen  Kohlensandstein  . . . 29/13 
Dichten  feinkörnigen  Sandstein  . . . 189/12 

Grobkörnigen  Sandstein 3% 

Schieferthon 21/a 

Grobkörnigen  Sandstein 14% 

Grauen  Letten . % 


Grobkörnigen  Sandstein 12s/i z 

Conglomerat 2% 

Grobkörnigen  Sandstein 2 

Conglomerat 2 

Schieferthon Via 

Kohlenflötz 3%. 

Thonschiefer. 


[27]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  457 

Im  Prokopischachte,  welcher  im  Jahre  1855  angeschlagen  und  im  Jahre 
1858  vollendet  wurde,  und  weicher  die  Teufe  von  1 12«/10  Klafter  besitzt  *)*, 
wurde  folgende  Schichtenreihe  beleuchtet: 


Grobkörniger  eisenschüssiger  Sand- 
stein   

Grauer  Letten 

Feinkörniger  fester  Sandstein  . . . 

Grobkörniger  Sandstein 

Grauer  Letten 

Grobkörniger  Sandstein 

Feinkörniger  Sandstein 

Grobkörniger  Sandstein 

Schieferthon  mit  3zölliger  Kohle  . . 

Feinkörniger  Sandstein 

Grobkörniger  Sandstein 

Feinkörniger  Sandstein 

Blaugrauer  Schieferthon 

Feinkörniger  Sandstein 

Conglomerat 

Grauweisser  Schieferthon 

Feinkörniger  Sandstein 

Grobkörniger  Sandstein 

Grauweisser  Schieferthon 

Feinkörniger  Sandstein 

Mergeliger  Sandstein 

Feinkörniger  Sandstein 

Grobkörniger  Sandstein 

Conglomerat 

Feinkörniger  Sandstein 

Grauer  Schieferthon 

Feinkörniger  Sandstein 

Conglomerat 


Klafter. 


4 

3 


%4 

%4 

IVs 

4% 

*7» 

S%4 

1%4 

2%4 

2 


1% 

l5/24 

ö/24 

*y. 

% 


V2 

2 

y2 

i%4 

3%4 

1 

19/24 

V» 

2 

7l« 


Fein-  und  grobkörniger  Sandstein  . . 

Conglomerat 

Feinkörniger  Sandstein 

Conglomerat 

Fein-  und  grobkörniger  Sandstein 

wechselnd 

Conglomerat 

Grobkörniger  Sandstein 

Conglomerat 

Schieferthon  

Feinkörniger  Sandstein  mit  3zölliger 

Kohle 

Sandstein . . . 

„ mit  Kohlenschmitzchen  . . 

Feinkörniger  Sandstein 

Schieferthon 

Conglomerat 

Feinkörniger  Sandstein 

Grobkörniger  Sandstein 

Schwarzer  Schieferthon 

Conglomerat  mit  3zölliger  Kohle  . . 

Sandstein 

Conglomerat  mit  Kohlenspuren  . . . 
„ ohne  Kohlenspuren  . . 

Schieferthon 

„ kohlenhältig 

K ohlenfl  ötz 

Schieferthon. 


Klafter. 

4*/«* 

S/24 

Vl2 

5% 

1 

Va 

4 

iVl2 


53/l2 

7*%4 

17/24 

2 

7/24 

3«/.* 

1 


45/24 

5/l2 

3% 

ö/24 

5/l2 

15/24 

Va 

V24 

5%4 


Oestlich  und  südlich  von  diesen  Schächten  sind  mehrere  Bohrlöcher  abge- 
teuft worden,  welche  die  Steinkohlenformation  bis  zum  Thonschiefer  durchsenk- 
ten, ohne  Kohlenflötze  erbohrt  zu  haben.  Das  eine  derselben  (Tafel  I,  Bohr- 
loch 22)  erreichte  in  56  Klafter,  ein  zweites  östlicheres  in  60  Klafter  das  Grund- 
gebirge. Auch  nördlich  und  westlich  von  dem  Prokopischachte  wurden  Bohrungen 
vorgenommen,  und  ein  Bohrloch  nächst  dem  Dorfe  Duby  (Tafel  I,  Bohrloch  23), 
ein  zweites  nächst  dem  Dorfe  Aujezd  (Tafel  I,  Bohrloch  24)  abgeteuft.  Das 
erstere  durchsenkte: 


Moorgrund  und  Sand  .... 

Klafter. 
• • • 2% 

Festen  Sandstein 

- • 8% 

Weissgrauen  Letten  .... 

. . . 2% 

Festen  Sandstein 

. • • 3Va 

Blaugrauen  Letten 

. . . 2 

Festen  Sandstein 

. . . 399/ia 

Weissgrauen  Schieferthon  . . 

• • • 1% 

Klafter. 

Sandstein  mit  Conglomerat  wechselnd  4211/1S 
Schwarzgrauen  Schieferthon  ....  5/la 
Sandstein  und  Conglomerat  ....  5% 

Schwarzen  Kohlenschiefer 2 

Kohl  enfl  ötz 3% 

Kohlenschiefer  1 % 

Thonschiefer 2 


und  erhielt  somit  die  Tiefe  von  1 1 6 11/12  Klafter.  Im  Bohrloche  bei  Aujezd,  wel- 
ches mit  1 03 a/3  Klafter  bereits  im  Thonschiefer  war,  wurden  folgende  Gesteins- 
arten gelöffelt: 


*)  Die  Kosten  des  Abteufens  dieses  Schachtes  berechneten  sich  in  Allem  und  Jedem  im 
Durchschnitte  ungefähr  mit  400  Gulden  C.  M.  per  Klafter. 


58 


458 


M.  V.  Lipoid. 


[28] 


Klafte «; 


Diluviallehm  (Löss)  

Steinkohlensandstein 

Blauer  Letten 

Sandstein 

Blauer  Letten 

Weissgrauer  Sandstein 

Grauer  Letten 

Blau  grauer  Sandstein 

„ Schieferthon  

„ Sandstein 

„ brüchiger  Schieferthon  . 

Weisser  fester  feinkörniger  Sandstein 
„ grobkörniger  Sandstein  und 
Conglomerat 


2 

5 

Vs 

1 

1 6 
6% 
iy« 

13 

‘Via 

2 

3 

1 

12 


Klafter. 

Blaugrauer  brüchiger  Schieferthon  . l‘s 
Grauer  Sandstein  ....  «...  4 
„ Schieferthon  mit  Kohlenspuren  1 

Weissgrauer  Sandstein 3 

Grauer  Schieferthon 9/lg 

Fester  Sandstein,  mittelkörnig  ...  16 

Schwarzer  Schieferthon % 

Grauer  sehr  fester  Sandstein  ....  155/6 

Schwarzer  Schieferthon \z 

Conglomerate 41/* 

Schieferthon  2ys 

Kohlenschiefer i\6 

K o h 1 e n f 1 ö t z 2 ya 

Thonschiefer 2*/« 


Einen  noch  nördlicher  gelegenen  Aufschlusspunkt  für  dieses  Revier  wird 
der  Sophienschacht  (Tafel  I,  18)  bilden,  welcher  noch  im  Abteufen  stehet,  und 
muthmasslich  die  Tiefe  von  150  Klafter  erlangen  wird. 

Die  Kladnoer  Baue  wurden  mittelst  der  Katharina-,  Wenzel-,  Layer-,  Thinn- 
feld-,  Kübeck-  und  Franzschächte  (Tafel  I,  Schacht  19,  20,  21,  22,  23  und  25) 
aufgeschlossen,  und  das  westlichere  Revier  dieser  Grubenfelder  mittelst  mehre- 
rer Bohrlöcher  und  Schächte  näher  untersucht. 

Der  im  Jahre  1846  abgeteufte  Katharina-Fundschacht  erreichte  nur  die 
Teufe  von  12  Klafter  und  in  derselben  das  Ausgehende  der  Kohlentlötze.  Im 
Wenzelschachte1)  wurden  bis  zu  der  Teufe  von  68  Klafter  durchfahren: 


Klafter. 


Gelber  Sandstein,  tiefer  grobkörnig 
mit  VaZoll  mächtigen Kohlentrümm- 

chen 

Weisser  feuerfester  Letten 

Grauer  grobkörniger  Sandstein  . . . 

Weisser  Letten 

Feiner  grauer  Sandstein 

Bläulicher  Letten 

Grauer  Sandstein 

Bläulicher  Letten  

Grauer  Sandstein  mit  Conglomerat  . 

Conglomerat 

Grauer  Sandstein 

Conglomerat 

Grauer  Sandstein 

Schwarzblauer  Schieferthon  mit  Pflan- 
zenresten und  Kohlentrümmchen  . 
Weisser  Sandstein  


9y3 

5/6 

*5/6 

V« 

6% 

5/e 

6V3 

2/3 

Vs 

Vs 

Va 

72/s 


1% 

% 


Schwarzblauer  Schieferthon  .... 

Weisser  Sandstein 

Schwarzblauer  Schieferthon  .... 
Grauer  Sandstein  mit  Kohlenflötzchen 
Weisser  Sandstein  mit  Kohlentrümm- 
chen   

Weisser  Sandstein  ........ 

Conglomerat 


Klafter- 

Via 

Vit 

Via 

6Vl2 

V« 

3y6 

Ve 


EisenschüssigerSandst.(„Eisendeckelw) 
Schwärzlicher  Schieferthon  mit  meh- 


reren  Kohlenflötzchen  . . . 

• • • 2f/s 

Eisendeckel 

Weisser  Sandstein 

• • • 1% 

„ Letten 

Conglomerat 

...  % 

Harter  Brandschiefer  . . . . 

Kohlenflötz 

Schieferthon. 

. . . 39/ia 

Der  zwar  schon  im  Jahre  1847  angebrochene,  aber  nach  einer  Sistirung  des 
Abteufens  bis  zum  Jahre  1855  erst  im  Jahre  1857  vollendete  Layerschacht  eröff- 
nete  bis  zu  seiner  Teufe  von  128  Klafter  folgende  Gesteinsschichten: 

Klafter. 

Sandstein  mit  Kugeln  bis  zu  4 Zoll 

Durchmesser 3*%4 

Weissen  schieferigen  Sandstein  ...  Vs 


Gelben  und  röthlichen  Sandstein  . . 15 


Grauen  Sandstein % 

Blauen  Schieferthon 3/34 


!)  Der  Wenzelschacht  wurde  am  i.  Mai  1847  begonnen  und  Ende  März  1849  bereits  in  der 
Teufe  von  66  Klafter  im  Kohlenflötze  das  Füllort  ausgebrochen.  Noch  im  Jahre  1849 
wurden  daraus  290.600  Centner,  im  darauffolgenden  Jahre  1850  bereits  694.500  Centner 
Kohlen  gefördert. 


[29] 


Das  Sfeinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  im  Böhmen.  459 


Klafter. 

Grauen  Sandstein 

Weissen  schieferigen  glimmerigen 

Sandstein % 

Grobkörnigen  grauen  Sandstein  mit 

Kohlentrümmchen 4% 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglo- 

merat Vs 

Blaugrauen  Letten % 

Dichten  grauen  Sandstein  mitKohlen- 

trümmchen 3y3 

Feinen,  schieferigen  glimmerigen 

Sandstein 2% 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Letten- 
lagen   3 

Schieferthon  mit  Pflanzenabdrücken 

und  Kohlentrümmchen 1 

Groben  grauen  Sandstein 4% 

Feinen  dichten  „ Ve 

Groben  Sandstein  mit  Conglomerat  . 3 

Schwarzen  Schieferthon V24 

Grobkörnigen  Sandstein s/3 

Blauen  Schieferthon  mit  Pflanzenab- 
drücken   iy3 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Kohlen- 
trümmchen und  Lettenlagen  . . . 23/3 

Gestreiften,  blauen  und  grauen  Schie- 
fe rthon  314 

Dichten  grobkörnigen  Sandstein  mit 
Kugeln  bis  zu  8 Zoll  Durchmesser  . 3 
Weissen  Sandstein,  Conglomerat  und 

ein  Kohlentrümmchen 5 

Grobkörnigen  Sandstein 25/13 

Kohlenflötzchen y13 

Dichten  Sandstein  mit  Conglomerat  . iy6 

Eisenschüssigen  Sandstein  mit  Ab- 
drücken   Via 

Grauen  Schieferthon 13/13 


Klafter. 


Grauen  Sandstein  mit  Kohlentrümm- 
chen und  Conglomerat 3 

Sandstein,  abwechselnd  mit  Conglo- 
merat und  Lettenschichten  . . . 3% 

Conglomerat  mit  Kohlentrümmchen 

und  Pflanzenabdrücken 2% 

Groben  Sandstein  mit  Conglomerat  . 4 
Sandstein  mit  Kohlentrümmchen  . . 7 

Grobes  Conglomerat \ 

Feines  Conglomerat 6% 

Graublauen  Kohlenschiefer  mit  Pflan- 
zenabdrücken   23/s 

Feinen  weissen  Sandstein 3 

Schieferthon  mit  Pflanzenabdrücken 

und  3 Kohlentrümmchen 1 

Feinen,  rothgesprenkelten  Sandstein  6y3 

Conglomerat 2 

Grauen  Schieferthon V3 

Reinen  grobkörnigen  Sand  . . . . . iy3 

Weissen  feinkörnigen  Sandstein  . . 3% 
Grauen  schieferigen  glimmerigen 
Sandstein  mit  Kohlenspuren  ...  1 
Weissen  feinkörnigen  Sandstein  ...  1 
„ grobkörnigen  Sandstein  . . 4 


Feinkörnigen  glimmerigen  schieferigen 
Sandstein  mit  Pflanzenabdröcken  . 2V3 

Feinkörnigen  glimmerigen  schieferigen 

Sandstein V3 

Conglomerat % 

Blaugrauen  glimmerigen  Schieferthon 
mit  Abdrücken  von  Pflanzen  ...  1 

Grauen  feinkörnigen  Sandstein  mit 


Abdrücken  von  Pflanzen y3 

Grauen  Schieferthon 1 


Kohlen  fl  ötze  mit  Zwischenmitteln  6 y6 
Grauen  Schieferthon. 


Mittelst  des  Thinnfeldschachtes,  welcher  im  Jahre  1854  in  147  Klafter 
Tiefe  die  Kohlen  erreichte  und  in  die  Teufe  von  153  Klafter  niedergeht,  hat  man 
durchfahren : 


Dammerde  

Lockeren  gelben  Sandstein 

Festen  Sandstein 

Grobkörnigen  weissen  Sandstein  . . 

Blaugrauen  Schieferthon 

Weissen,  fein-  und  grobkörnigen 

Sandstein  . 

Conglomerat 

Weissen  grobkörnigen  Sandstein  . . 
99  „ „ mit 

Letten 

Biaugrauen  Schieferthon 

Kohlenflötzchen 

Weissen  lockeren  Sandstein  . . . . 

„ dichten  Sandstein 

Schwarzen  Letten 

Weissen  feinkörnigen  Sandstein  . . . 
„ grobkörnigen  Sandstein  mit 

Letten 

Dichten  feinkörnigen  Sandstein  . . . 


Klafter. 

Vs 

3% 

5/l2 

eyi2 

3% 


Zi/i2 

7/l2 


l5/6 


iy6 

V24 

%4 

% 

4 

% 

1 


5/l2 

% 


Klafter. 

Weissen  grobkörnigen  Sandstein  . . 2 
Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglo- 
merat   13i/13 

Blaugrauen  Letten iy6 

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . . . 5% 

Letten  mit  Kohle  % 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglo- 
merat . . 10% 

Letten y6 

Feinkörnigen  Sandstein : 3/34 

Blaugrauen  Schieferthon  mit  Kohlen- 
trümmern   69/34 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglo- 
merat und  Lettenputzen  . . . . . 12 

Grauen  Schieferthon 1% 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Letten- 
putzen   4 

Grobkörnigen  Sandstein  mit  Conglo- 
merat   5 

Sandstein 19y6 


460 


M.  V.  Lipoid. 


[30] 


Schwarzgrauen  sandigen  Leiten  . 

Klafter. 
. . 2% 

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . 

• • 27s 

„ schieferigen  Sandstein  . 

. . 1 

Kohlenflötzchen 

• • Via 

Lettensehiefer  mit  Sphärosiderit 

• • 1 % 

Kohlenflötzchen 

• • Vi  z 

Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . 

• • 7%, 

Schwarzgrauen  Schieferthon  . . 

• • 1% 

Eisenschüssigen  Sandstein  . . . 

• • % 

Sandstein 

. . 5*%* 

Klafter. 

Sandstein  schieferig  und  glimmerig  . 1% 
Grobkörnigen  Sandstein,  zunächst  mit 
Lettenputzen,  dann  in  Conglomerat 


übergehend 101/* 

Sandigen  Schieferthon 2% 

Kohlen  fl  ötze  mit  Zwischenmitteln  6% 

Sandigen  Schieferthon y12 

Eisenhaltigen  Schieferthon 1% 


Weissen  schieferigen  Sandstein  ...  % 


Der  tiefste  der  Kladnoer  Schächte,  der  Kübeckschacht,  welcher  im  März 
1868  in  179  Klafter  Tiefe  die  Kohlen  anfuhr  und  die  Teufe  von  187  Klafter 
besitzt,  entblösste  nachstehende  FoJge  der  Gesteinsschichten: 


Klafter. 

Dammerde 1 

Plänersandstein 1% 

Blaugrauen  Letten 3 

Eisenschüssigen  Sandstein  . . • • • */» 

Gelben  und  röthlichen  Sandstein  . . 4% 

Sandigen  Letten  . . . 1% 

Weissen  festen  Sandstein 221/24 

Grobkörnigen  Sandstein 3 Vs 

Letten  . . 8/24 

Weissen  grobkörnigen  Sandstein  mit 

Conglomerat 41/i2 

Blaugrauen  Schieferthon 45/12 

Grobkörnigen  Conglomerat-Sandstein  2y12 

Grauen  sandigen  Schieferthon  . . . 1% 
Weissen  feinkörnigen  festen  Sandstein  5y2 

Grauen  zähen  Letten 2ye 

Feinkörnigen  festen  Sandstein  . . . 5% 

Grauen  schieferigen  .Sandstein  . . . 8% 

Feinkörnigen  festen  „ ...  4ys 

Schwarzen  Letten 1% 

Weissgrauen  Sandstein  mit  Letten- 
putzen und  Conglomerat  ....  10% 

Grauen  Sandstein % 

Weissgrauen  Sandstein  mit  Letten- 
putzen und  Conglomerat 12s/12 


Klafter. 


Lettenschiefer 

Feinkörnigen  Sandstein  mit  Kohlen- 
spuren   

Schwarzgrauen  Schieferthon  mit  Koh- 
lenspuren   

Weissen  Sandstein 

Letten 

Weissen  Sandstein 

Schieferthon 

Grauen  Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Letten 

Sandstein 

Schieferthon 

Sandstein 

Grauen  Schieferthon 

Sandstein 

Grauen  Schieferthon 

Sandstein  . . . 

Grauen  Schieferthon 

Sandstein 

Letten  

Kohlenflötz 

Grauen  Schieferthon 


11%* 

IVa 

3 

% 

13% 

1% 

% 

5% 

% 

17% 

% 

1% 

2% 

7% 

1% 

6%4 

1 

17*%4 

V« 

5% 

Vs 


Der  Franzschacht  endlich,  zunächst  der  Stadt  Kladno  und  westwärts  von 
den  vorbenannten  Schächten  befindlich,  im  Jahre  1848  begonnen  und  im  Jahre 
1852  beendet,  und  96  Klafter  tief,  hat  folgende  Schichtenreihe  aufgedeckt: 


Klafter. 

Dammerde % 

Sandstein 6 

Blauen  Letten  mit  Kohlenspuren  . . 2 
Weissen  grobkörnigen  Sandstein  . . 1 

Gelblichweissen  lockeren  Sandstein  . 87/24 
Blauen  Letten,  dann  Schieferthon  . . 28/|2 
Grauen  grobkörnigen  Sandstein  . . . 4% 
Blaugrauen  glimmerigen  Schieferthon  2yla 
Glimmerigen  Sandstein  mit  Pflanzen- 


abdrücken   2 Via 

Blaugrauen  Schieferthon % 

Weissgrauen  glimmerigen  feinkörnigen 
Sandstein  mit  Kohlenspuren  ...  4 
Blaugrauen  Letten  . . . .....  Via 

Weissen  Sandstein 1%2 

Conglomerat 4 


Klafter. 

Grauen  feinkörnigen  Sandstein  ...  i2/s 
Weissen  Sandstein  mit  Conglomerat  . 5% 

Blaugrauen  Schieferthon  mit  einem 
4zölligen  Kohlenflötzchen  und 

Pflanzenabdrücken 2ys 

Weissen  grobkörnigen  Sandstein  . . 1% 

Conglomerat 3% 

Weisslichen  glimmerigen  Sandstein  . 4y2 
Grauen  feinkörnigen  Sandstein  . . . 4ys 

Conglomerat 1% 

Graulichen  feinkörnigen  Sandstein  . 3y8 
Blaugrauen  glimmerigen  „ . 2% 

Weissen  Sandstein  .....  . . Vs 

Schieferthon 7/12 

Blaugrauen  Schieferthon  mit  schali- 
ger  Absonderung 1*4* 


[31] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


461 


Klafter. 

Weissen  Sandstein 5/ia 

Blaugrauen  glimmerigen  Schieferthon 

mit  einzelnen  Pflanzenresten  . . . Q7/n 
Schieferthon  mit  Kohlentrümmern  . . a/3 

Eisendeckel V12 

Schieferthon l/3 

„ (vulgo  Midlaky)  ...  % 

Weissen  glimmerigen  Sandstein  . . 2 19/34 
Graulichweissen  Sandstein  mit  Con- 

glomerat 3%4 

Conglomerat  mit  Schwefelkiesen  . • % 


Klafter. 

Blaugrauen  Sehieferthon  mit  Pflan- 
zenabdrücken   28/34 

Kohlenflötzchen % 

Blaugrauen  Schieferthon l%a 

Glimmerigen  Schieferthon % 

K ohl  e nflötz  mit  Zwischenmitteln  . 4 

Blaugrauen  Schieferthon  mit  Ab- 
drücken   l1,/i3 

Kohlenschiefer Via 

Sandstein 6/13 


Zur  weiteren  Untersuchung  dieser  Kohlenablagerung  wurde  bereits  durch 
die  k.  k.  Schürfungscommission  bei  dem  Dorfe  Motycfn  ein  Schurfschacht  (Tafel  I, 
Schacht  24)  angelegt,  in  der  Folge  jedoch  dessen  ferneres  Abteufen  sistirt. 
Nördlich  von  der  Stadt  Kladno  ober  „Prühon“  wurde  im  Jahre  1850  durch  das 
ehemalige  k.  k.  Bergamt  in  Brandeisei  ein  Bohrloch  angelegt  (Tafel  I,  Bohr- 
loch 25),  welches  im  Jahre  1852  die  Kohlenflötze  in  der  Teufe  von  156  Klafter 
anbohrte  und  die  Tiefe  von  164  Klafter  erreichte.  Nach  Herrn  Beer's  Bohrvor- 


merkungen wurden  in  diesem  Bohrloche  durchfahren: 


Klafter. 

Dammerde % 

Gelber  und  milder  Sandstein  ....  6 
Grauer,  dann  rötblicher  Lettenschiefer  2% 

Meist  gelblicher  Sandstein 14% 

Grauer  Lettenschiefer  3% 

„ Sandstein 2% 

Lettenschiefer 3% 

Grobkörniger  Sandstein 4% 

Lettenschiefer 3% 

Sandstein 7% 

Lettenschiefer iy3 

Kohlenflötzchen s/34 

Lettenschiefer IV24 

Sandstein 3 

Lettenschiefer  mit  Röthel 1% 

Fein-  und  grobkörniger  Sandstein  . . 9% 

Lichtgrauer  Lettenschiefer % 

Sehr  fester  Sandstein 4% 

Lettenschiefer  mit  3zölligen  Kohlen- 

schmitzen % 

Grobkörniger  fester  Sandstein  ...  3 

Lettenschiefer % 

Fein-  und  grobkörniger  Sandstein  . . 15% 
Grauer  Lettenschiefer 1 Vs 


Klafter. 

Grauer  Sandstein 4 

Schwarzgrauer  Lettenschiefer  ...  1% 
Feinkörniger  Sandstein  . . . . . . 2% 

Glimmerreicher  Lettenschiefer  mit 

Kohlenspuren  . . 5/« 

Lettiger  Sandstein  ...  ....  11% 

Grauer  Lettenschiefer  1 Vs 

Fester  Conglomerat-Sandstein  . . . 2% 

Glimmeriger  Lettenschiefer  ....  3% 

Fester  Sandstein 14 Vs 

Zäher  schwarzgrauer  Lettenschiefer  . 9% 

Grauer  Sandstein 3 

Lettenschiefer % 

Fester  Sandstein 1% 

Weisslicher  glimmerreicher  sandiger 
Schiefer  in  Conglomeratsandstein 

übergehend  6 

Kohle,  unrein % 

„ im  reinen  Zustande  . ...  2 % 

Grauer  glimmeriger  Lettenschiefer 
mit  Sandstein  wechselnd  und  in 
grobkörnigen  Sandstein  überge- 
hend   52/3 


Neben  diesem  Bohrloche  wird  gegenwärtig  bereits  von  der  k.  k.  priv. 
Staatseisenbahn-Gesellschaft  auf  das  erbohrte  Kohlenflötz  ein  Schacht  (Tafel  I, 
Schacht  26)  abgeteuft,  der  eine  runde  Form  und  im  Lichten  einen  Durchmesser 
von  2 Klafter  besitzt,  wasserdicht  ausgemauert  wird,  und  bis  nun  die  Teufe  von 
54  Klafter  erreichte. 

Westlich  von  der  Stadt  Kladno  hat  ferner  die  k.  k.  priv.  Staatseisenbahn- 
Gesellschaft  in  den  Jahren  1857  und  1858  ein  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  26) 
abteufen  lassen,  welches  in  einer  Teufe  von  150  Klaftern  ein  4 Klafter  mächtiges 
Flötz  erreichte. 

Ebenso  sind  südwestlich  von  der  Stadt  Kladno  ausserhalb  der  Feldmaassen 
der  Prager  Eisenindustrie-Gesellschaft  von  Privaten  Bohrversuche  gemacht 


4G2 


BI.  V.  Lipoid. 


[32] 


worden  (Tafel  I,  Bohrloch  27).  Das  eine  derselben,  von  Herrn  Bendelmayer 
ausgeführt,  soll  mit  61  Klafter  Teufe  ein  Kohlenflötz  erreicht,  jedoch  dessen  Mäch- 
tigkeit nicht  durchquert  haben.  Ein  zweites  Bohrloch,  ungefähr  20  Klafter  von 
dern  ersteren,  und  40  Klafter  von  der  südlichen  Maassengrenze  der  Prager  Eisen- 
industrie-Gesellschaft entfernt,  von  Herrn  Stüinpl  aus  Unhost  angelegt,  erreichte 
mit  42  Klafter  ein  7 Fuss  mächtiges  Kohlenflötz  mit  verdrückter  weicher  Kohle, 
soll  aber  angeblich  nach  Tieferstossen  des  Bohrloches  mit  52  Klafter  Teufe  ein 
21/8  Klafter  mächtiges  Flötz  schöner  Kohle  angefahren  haben.  Das  erstere  Flötz 
entspricht  den  Kladnoer  Flötzen,  das  letztere  Flötz  müsste  dem  Bustehrader 
„Grundflötze“  entsprechen,  dessen  Vorkommen  in  diesem  Beviere  allerdings  noch 
der  Bestätigung  bedarf.  Jedenfalls  befindet  sich  das  angefahrene  Kohlenfiötz 
schon  nahe  am  Ausgehenden  und  wahrscheinlich  in  einer  kleinen  Ausbuchtung 
der  Kohlenfiötzablagerung,  indem  ein  zweites  von  Herrn  Stümpl  nur  ungefähr 
100  Klafter  südlich  von  dem  eben  erwähnten  Bohrloche  abgesenktes  Bohrloch 
schon  mit  30  Klafter  das  Grundgebirge  (Kieselschiefer)  erbohrte,  ohne  Kohlen 
angefahren  zu  haben. 

Da  durch  die  eben  erwähnten  Bohrlöcher  nächst  Prühon,  westlich  und  süd- 
westlich von  Kladrio  (Tafel  I,  Bohrloch  25,  26  und  27)  genügende  Anhaltspunkte 
gegeben  waren,  so  wurde  von  Seite  der  Prager  Eisenindustrie-Gesellschaft  in 
ihrem  westlichen  Felde  der  Kladnoer  Baue  am  Plateau  westlich  von  der  Stadt  im 
Jahre  1859  das  Abteufen  eines  neues  Schachtes  — Amalienschacht  (Tafel  I, 
Schacht  28)  — begonnen,  in  welchem  bis  zur  Teufe  von  45  Klafter  Plänersand- 
stein, Lettenschiefer,  Quadersandstein,  röthliche  Sandsteine  (Rothliegendes ?), 
und  Sandsteine  verschiedener  Art  durchfahren  worden  sind,  und  in  welchem  man 
in  der  Teufe  von  100  Klafter  die  Kohlenflötze  zu  erreichen  hofft. 

An  der  Strasse  von  Kladno  nach  Rozdelow  hat  dieselbe  Gesellschaft  im 
Jahre  1857  das  Abteufen  des  „Zippeschachtes“  (Tafel  I,  Schacht  29)  begonnen, 
aber  nach  erreichter  Teufe  von  25  Klafter  wieder  sistirt,  indem  das  Vorhanden- 
sein der  Kohlenflötze  in  diesem  Reviere  durch  obige  Bohrlöcher  genügend  con- 
statirt,  der  Abbau  derselben  aber  einer  späteren  Zeit,  und  zwar  nach  Beginn  des 
Abbaues  im  Amaliaschachter  Revier  Vorbehalten  wurde. 

Die  Schürfungen  zur  Untersuchung  des  westlicher  befindlichen  Steinkohlen- 
terrains  nächst  Rozdelow  und  gegen  Dokes  hatten  ein  wenig  günstiges  Resultat. 

Südwestlich  vom  Dorfe  Rozdelow  wurde  mit  einem  Bohrloche  (I.  Bohr- 
loch 28  a)  in  der  64  Klafter  Thonschiefer  gelöffelt,  ohne  die  Kohlenflötze  vor- 
gefunden zu  haben.  Das  Bohrloch  von  Seite  der  Prager  Eisenindustrie-Gesell- 
schaft in  den  Jahren  1858  und  1859  geteuft,  durchsenkte  nach  einem  von  Herrn 
Ingenieur  Schmidt  mir  mitgetheilten  Bohrprofile: 


Klafter. 

Dammerde y2 

Grauweissen  Sandstein 47/a4 

Rothen  Sandstein 25/13 

Grauweissen  Letten  . . 5/l2 

Weissen  Sandstein 39/34 

„ Conglomerat  . . . ....  lT/i, 

„ Sandstein  ........  103/1€ 

Grauen  Letten  ....  5/l2 

Groben  weissen  Sandstein % 

Blauen  Letten 2%  - 

Grauen  Sandstein 27/13 

» Letten 3l3/34 

„ Sandstein Sy2i 

Feinen  weissen  Sandstein  .....  V3 


Klafter. 


Schwarzen  Lettenschiefer  mit  Pflan- 


zenabdrüeken  

• • • */• 

Groben  weissen  Sandstein  . . 

. . . *•/,, 

Kohlenflötzchen 

• • • %i 

Feinen  weissen  Sandstein  . . 

■ ■ ■ 2%4 

Bläulichen  groben  Sandstein  . 

• • • l9/ia 

Weissen  Sandstein 

. • • 39/13 

„ grobkörnigen  Sandstein  . . 311/24 

Blauen  Letten 7/ia 

Bläulichen  Sandstein i13/a4 

Grobkörnigen  weissen  Sandstein  mit 

Conglomerat  wechselnd 10 

Thonschiefer. 


[33] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Träger  Kreises  in  Böhmen. 


463 


Ein  zweites  Bohrloch  bei  Rozdelow  (Tafel  I,  Bohrloch  28  Ü)  wurde  im 
Jahre  1848  durch  das  k.  k.  Bergamt  in  Brandeisei  geteuft,  und  mit  demselben 
bis  zur  Tiefe  von  34  Klafter  vorgefunden: 


Klafter. 

Dammerde  

Grauer  Letten 

. . . . 2/s 

Sandstein 

• • • . 43/12 

Bläulicher  Letten 

Sandstein 

Letten 

• • • • %4 

Sehr  fester  Sandstein  . . . . 

. . . 14i/la 

Grauer  Schieferthon  . , . 

• • • • 5/l2 

Klafter. 

Kohlenflötzchen  . . . Vsä4 

Weisser  Sandstein 5 

Rother  Letten 1 V24 

Gelber  „ i3/24 

Grauer  „ 1 33/24 

Grüner  „ (aufgelöster  Thon- 
schiefer)   37/la 

Thonschiefer  . . . 1 V24 


Endlich  wurden,  ebenfalls  durch  das  k.  k.  Bergamt  in  Brandeisei  im  Jahre 
1848,  nordöstlich  vom  Dorfe  Dokes  noch  zwei  Bohrlöcher  (Tafel  I,  Bohrloch  29 
und  30)  abgesenkt,  deren  ersteres  in  der  36.,  und  letzteres  in  der  73.  Klafter  in 
Kieselschiefer  stand.  Nach  Herrn  B e er’s Vormerkungen  waren  die  in  dem  erste- 
ren  Bohrloche  angebohrten  Gebirgsschichten: 


Klafter. 

Dammerde s/24 

Letten 13/34 

Sandstein  23/3 

Conglomerat-Sandstein l7/ia 

Sandiger  lichtgrauer  Lettenschiefer  . 11  Via 

Grauer  Schieferthon 13/12 

Conglomerat  wechselnd  mit  Letten  . 27/24 
Grünlicher,  kiesiger  Schieferthon  . . 2*/24 

Rother  Sandstein  1 V® 

Grünlicher  Schieferthon 5/lz 


Klafter. 


Fester  Sandstein 

Grauer  Schieferthon  . . . 
Fester  Sandstein  ..... 
Schwärzlicher  Schieferthon 
Trümmer  von  Kieselschiefer 
Grauer  Schieferthon  . . . 
Schieferthon  mit  Quarzgerölle 
Grauer  und  kiesiger  Schiefer 
Kieselschiefer 


28/24 

l5/24 

23l/34 

% 

% 

1V2 

5/l2 

1% 


In  dem  2.  Bohrloche  wurden  durchfahren: 


Klafter. 


Dammerde 

Gelber  Lehm  (Löss) 

Lettiger  Sandstein 

Letten 

Fester  Sandstein 

Lichtgrauer  Lettenschiefer,  zum  Theile 
glimmerig  und  fest  ....... 

Fester  Sandstein 

Grauer  Lettenschiefer,  zum  Theile 
sandig  und  glimmerig  ...... 

Grobkörniger  Sandstein 

Lichtgrauer  Lettenschiefer 

Grobkörniger  Sandstein 

Grauer  Schieferthon 

Feinkörniger  Sandstein 

Blauer  Schieferthon  

Grobkörniger  Sandstein 


%* 

3 Vs 

1 Vl  2 

■ V« 

515/34 

7Vs 

6% 

27l2 

319/34 

3%* 

38/s 

2 

4% 

3 

411/» 


Klafter. 

Blauer,  wechselnd  mit  lichtgrauem, 
sandigem,  zuletzt  schwärzlichem 

Schieferthon  77/12 

Sandstein 29/12 

Grauer  kiesiger  Schieferthon  ....  lö/l2 

Sandstein  37/12 

Kiesiger  Schieferthon  . . . ....  «/„ 

Sandstein  , . * . . 1% 

Lichtblauer  Schieferthon  ...  . . il/s 
Grünlicher  Schieferthon  . . . . . . 5/24 

Fester  Sandstein Vj 

Blauer  glimmeriger  Lettenschiefer  . . l3/la 
Schwarzer  Schieferthon  . . . . . . 

Grünweisser  Schieferthon i/i2 

Schwärzlicher  Schieferthon  ....  1 
Kieselschiefer. 


Die  bezeichneten  verschiedenen  Abbaureviere  unterscheiden  sich  bezüglich 
der  geologischen  Beschaffenheit  der  Gesteinsarten,  wie  schon  aus  den  mitge- 
theilten  Schacht-  und  Bohrprofilen  zu  entnehmen,  dadurch,  dass  bei  den  Rapicer 
Bauen,  bei  dem  Bustehrader  östlichen  Abbaureviere  und  bei  dem  Kladnoer  west- 
lichen Grubenfelde  die  Steinkohlenformation  noch  von  der  Kreideformation  über- 
lagert ist,  während  die  letztere  in  dem  Bustehrader  westlichen  Abbaurevier  und 
in  dem  Kladnoer  östlichem  Abbaufelde  fehlt,  und  die  Steinkohlenformation  ent- 
weder unmittelbar  zu  Tage  tritt  oder  nur  von  Löss  bedeckt  wird. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


59 


464 


M.  V.  Lipoid. 


[34] 


Die  Unregelmässigkeit  und  Verschiedenheit  der  Lagerung,  welche  die 
Gebilde  der  Steinkohlenformation,  insbesondere  die  Steinkohlenflötze  derselben, 
an  ihrem  südlichen  Ausgehenden  in  der  Umgebung  von  Bustehrad-Kladno  zeigen, 
sind  Ursache,  dass  man  für  das  gesarnmte  Terrain  ein  allgemein  gültiges  Strei- 
chen und  Fallen  der  Schichten  anzugeben  nicht  im  Stande  ist.  Ein  Blick  auf 
den  Gruben-  und  Situationsplan  Tafel  III  genügt,  sich  zu  überzeugen,  wie  sehr 
das  Streichen  und  Fallen  der  Schichten  verschieden  sein  müsse,  indem  die  darin 
verzeichneten  „streichenden“  Strecken  *)  fast  in  allen  Grubenbauen  gekrümmte 
Linien  darstellen,  und  nahe  dem  Ausgehenden  auf  eine  Ablagerung  in  Mulden 
oder  Buchten  hindeuten.  Entfernter  von  dem  Ausgehenden,  mehr  gegen  Norden, 
wo  die  Unregelmässigkeiten  in  der  Lagerung  geringer  werden,  wird  auch  das 
Streichen  und  Fallen  der  Schichten  regelmässiger,  so  dass  sich  Für  das  Klad- 
noer,  für  das  Bustehrader  und  für  das  Rapicer  Westrevier  ein  Hauptstreichen 
von  Nordost  nach  Südwest  und  ein  Einfallen  nach  Nord  west  angeben  lässt,  wo- 
gegen in  dem  Rapicer  Ostreviere  durch  den  Witeckschacht  ein  Feld  aufgeschlossen 
wurde,  in  welchem  die  Schichten  von  Nord  west  nach  Südost  streichen  und  nach 
Nordost  einfallen.  Local,  wie  z.  B.  nördlich  vom  Bustehrader  Wenzelschachte, 
trifft  man  allerdings  auch  in  den  übrigen  Revieren  durch  Störungen  veranlasste 
entgegengesetzte  Streichungs-  und  Fallrichtungen.  Auch  der  Einfallswinkel 
bleibt  sich  nicht  constant,  und  im  Allgemeinen  ist  derselbe  an  dem  südlichen 
Rande  der  Kohlenablagerungen  ein  grösserer,  als  nördlicher,  tiefer  in  das  Innere 
derselben.  Er  beträgt  nämlich  an  dem  Südrande  bei  30  Grad,  wird  gegen  Nor- 
den immer  kleiner,  und  sinkt  in  den  nördlichsten  Aufschlüssen  auf  8 Grad  herab, 
wie  dies  z.  B.  der  durch  die  Kladnoer  Schächte  gezogene  Durchschnitt  I K 
Tafel  III  zeigt,  aus  welchem  sich  die  muldenförmige  Ablagerung  der  Steinkoh- 
lenformation am  besten  erkennen  lässt.  Im  Durchschnitte  beträgt  der  Einfalls- 
winkel in  den  Bustehrader  und  Rapicer  Bauen  12  Grad,  in  den  Kladnoer  Bauen 
15  Grad,  er  ist  somit  im  Ganzen  als  ein  geringer  zu  bezeichnen.  Ueber  Tags, 
z.  B.  nächst  dem  Dorfe  Drin,  wo  die  Sandsteine  der  Steinkohlenformation  durch 
Steinbrüche  blossgelegt  sind , besitzen  dieselben  gleichfalls  ein  Streichen  von 
Nordost  nach  Südwest,  und  ein  nordwestliches  Einfallen  von  10 — 15  Graden. 

Die  Steinkohlenflötze  selbst  findet  man  ober  Rapic  vom  Ludwigsschachte  an 
bis  gegen  den  Wenzelstollen  in  einer  Länge  von  ungefähr  800  Klafter  zu  Tage 
ausgehend.  Die  Flötze  sind  an  diesen  Ausbissen,  jedoch  in  mehr  aufgelöstem 
erdigem  Zustande,  theilweise  nebst  dem  Liegend  und  Hangendgebirge,  in  ihrer 
ganzen  Mächtigkeit  entblösst,  und  zeigen  auch  über  Tags  die  in  den  Gruben- 
bauen beobachteten  Unregelmässigkeiten  in  der  Lagerung.  In  dem  übrigen  Ter- 
rain der  Bustehrad-Kladnoer  Umgebung  werden  die  südlichen  Ausgehenden  der 
Steinkohlenflötze  noch  übergreifend  von  den  Hangendgesteinen  der  Steinkohlen- 
formation überlagert,  welche,  wie  es  die  Bohrlöcher  östlich  vom  Dorfe  Duby 
nachwiesen,  noch  eine  Mächtigkeit  von  nahe  an  60  Klaftern  besitzen.  Das  süd- 
liche Ausgehende  der  Steinkohlenflötze,  so  wie  es  durch  die  Grubenbaue  aufge- 
deckt wurde,  bildet  hiernach  mehrfache  andere  Biegungen  und  folgt  einer 
a n d er e n Begrenzungslinie , als  die  südliche  Grenze  der  Steinkohlenformation 


U Ich  habe  aus  den  mir  vorliegenden  Grubenkarten  in  den  Plan  Tafel  III  nicht  alle  bisher 
ausgefahrenen  Strecken,  sondern  nur  die  wichtigeren  Steigörter  oder  „fallenden“  oder 
„Parallel“-Strecken,  und  in  jedem  Baue  ein  paar  „streichende“  („Verhau“-,  „Abbau“-, 
„Haupt“-,  „Grund“-)  Strecken,  d.  i.  ebensöhlig  nach  dem  Streichen  der  Flötze  ausgefah- 
rene Strecken,  aus  verschiedenen  Horizonten,  so  wie  die  interessanteren  Querschläge  auf- 
genommen, indem  diese  genügen  und  am  geeignetsten  sind,  die  Art  der  Lagerung  klar  und 
bildlich  darzustellen. 


[35]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  465 

überhaupt  gegen  die  Grauwackenformation.  In  dem  Plane  Tafel  III,  in  welchem 
auch  das  bekannte  und  muthmassliche  südliche  Ausgehende  der  Steinkohlenflötze 
verzeichnet  wurde,  ist  diese  Verschiedenheit  in  der  Begrenzung  ersichtlich 
gemacht. 

Die  Unregelmässigkeilen  in  der  Lagerung  der  Bustelirad-Kladnoer  Stein- 
kohlenflötze sind  wesentlich  zwei  verschiedenen  Ursachen  zuzuschreiben.  Einer- 
seits lehren  es  nämlich  die  Grubenaufschlüsse  unzweideutig,  dass  für  einen 
grossen  Theil  der  unregelmässigen  Lagerungsverhältnisse  der  Ursprung  in  den 
Buchten  und  vorspringenden  Bergrücken  an  der  südlichen  Grenze  des  Stein- 
kohlenmeeres und  in  den  Unebenheiten  und  Rücken  im  Innern  desselben  zu 
suchen  sei,  indem  in  Folge  dieser  Unebenheiten  des  Meeresufers  und  des 
Meeresgrundes  auch  nothwendigervveise  eine  ungleiche  Ablagerung  der  Sedi- 
mente der  Steinkohlenformation  und  der  Steinkohlenflötze  stattfand,  und  stellen- 
weise an  den  höchsten  Punkten  der  Vorberge  und  Rücken  auch  ganz  unterbleiben 
musste.  Diese  Unregelmässigkeiten  der  Lagerung  haben  demnach  in  der  ursprüng- 
lichen Flötzablagerung  selbst  ihren  Grund.  Andererseits  haben  jedoch  die  Stein- 
kohlenflötze auch  nach  ihrer  Ablagerung  noch  Störungen  erlitten,  durch  Sprünge 
und  Klüfte,  welche  sich  in  Verschiebungen  und  Verwerfungen  der  Kohlenflötze 
kundgeben. 

Das  in  dem  Plane  Tafel  III  angedeutete  unterirdische  Ausgehende  der  Stein- 
kohlenflötze gibt  auch  ein  Bild  der  ursprünglichen  Vorberge  am  Meeresgestade 
und  der  Rücken  und  Unebenheiten  am  Meeresgründe.  Ein  solcher  Rücken  findet 
sich  südlich  vom  Brandeisler  Michaelsschachte  vor.  Ein  anderer  Rücken  ist  nörd- 
lich vom  Bustehrader  Wenzelsschachte  durch  den  Grubenbau  kenntlich  geworden. 
Nächst  dem  Rapicer  Ludwigsschachte  zieht  sich  in  nordwestlicher  Richtung  ein 
ziemlich  langer  Rücken  in  das  Innere  des  Steinkohlenterrains  hinein  und  begrenzt 
in  Nordosten  die  kleine  Bucht,  in  welcher  der  Bustehrader  Johannischacht  die 
Steinkohlenflötze  angefahren  hat.  Vom  Meeresufer  in  das  Meer  hineinragende 
Vorberge  und  Rücken,  in  der  jetzigen  Gegend  der  Dörfer  Duby  und  Augezd  und 
in  dem  Terrain  zwischen  dem  Layer-  und  Franzschachte,  begrenzten  die 
grösseren  Meeresbuchten,  in  welchen  die  durch  den  Anna-  und  Prokopischacht, 
durch  den  Wenzel-,  Layer-  und  Kiibeckschacht  und  den  Franzschacht  in  Abbau 
genommenen  Steinkohlenflötze  abgelagert  wurden.  Die  östlich  und  westlich  vom 
Wenzelsschachte  befindlichen  Rücken,  von  denen  der  erstere  eine  fast  nördliche, 
der  letztere  eine  nordwestliche  Richtung  verfolgt,  verengen  sich  in  dieser 
Richtung  immer  mehr  und  werden  immer  niedriger,  so  dass  der  erstere  ungefähr 
über  dem  Thinnfeldschachter  Förderstreckenhorizonte  und  der  letztere  bereits 
beim  Layerschachter  Förderstreckenhorizonte  nur  mehr  in  einer  Verwerfung  der 
Steinkohlenflötze  sich  kenntlich  macht.  Eine  aus  den  Unebenheiten  des  Grund- 
gebirges entspringende  natürliche  Erscheinung  ist  es,  dass  sich  die  Steinkohlen- 
flötze an  solchen  ursprünglichen  Rücken  nach  aufwärts  auskeilen.  So  schneiden 
sich  z.  B.  zu  beiden  Seiten  des  oben  erwähnten  Rückens  nördlich  vom  Buste- 
hrader Wenzelsschachte  die  Steinkohlenflötze  und  deren  einzelne  Bänke  nach  und 
nach  förmlich  aus,  und  zwar  verlieren  sich  zuerst  die  oberen  Bänke,  während 
die  unteren  mit  steilerer  Aufrichtung  und  immer  geringerer  Mächtigkeit  bis  auf 
den  16  Klafter  über  die  Antonia-Grundstrecke  erhobenen  Rücken  hinaufreichen. 
(Siehe  Figur  3.)  Dass  bei  diesem  Auskeilen  der  Flötze  und  der  Zwischenmittel 
bald  das  eine,  bald  das  andere  fehlt  und  mit  dem  Grundgebirge  oder  mit  Schich- 
ten in  Berührung  kommt,  von  denen  es  in  der  normalen  Lagerung  durch 
Zwischenglieder  getrennt  ist,  ist  leicht  erklärlich,  und  die  in  dem  Bustehrader 
Ostrevier  am  Wenzels-  und  Maria  Antoniaschachter  Horizonte  über  den  oben 

59  * 


466 


M.  V.  Lipoid. 


[36] 


Fig.  3. 


Anskeilen  der  Stelnkoblenflötze  lin  Bustehrader  Ostrevier. 

erwähnten  Rücken  ausgefahrenen  Diagonalstrecken  x und  y , Tafel  III,  gehen  ein 
Bild  von  einer  solchen  abnormen  Lagerung  der  Flötze  und  Zwischenmittel.  Die 
Durchschnitte  RR  und  GH  in  Tafel  III  zeigen  übrigens  die  oben  erwähnten 
Rücken,  an  denen  sich  die  Flötze  auskeilen,  im  Profile. 

Noch  zahlreicher  und  sehr  häufig  sind  die  Störungen,  welche  die  Stein- 
kohlenflötze  in  ihrer  regelmässigen  Lagerung  durch  Sprünge  und  Klüfte  erlitten 
haben,  durch  welche  die  Flötze  öfters  um  ein  Bedeutendes  verworfen  und  ver- 
schoben wurden.  In  dem  Plane  Tafel  III  sind  die  bedeutendsten  Verwerfungs- 
klüfte des  Bustehrad-KIadnoer  Kohlenterrains  bemerkt.  Sie  sind  am  zahlreich- 
sten in  dem  östlichen  Theile,  nämlich  in  dem  Bustehrader  östlichen  und  in  dem 
Rapicer  Reviere,  wo  sie  meist  die  Richtung  von  Süd  nach  Nord  besitzen  und  die 
Flötze  theils  nach  West,  theils  nach  Ost  verworfen  haben,  wie  dies  aus  dem 
Durchschnitte  RR  Tafel  III  zu  ersehen  ist.  Die  bedeutendste  Verwerfung  der 
Flötze,  um  20  bis  30  Klafter,  hat  daselbst  durch  die  Klüfte  zwischen  dem 
Hoffnungs-,  Ludwigs-  und  Josephsschachte  stattgefunden  (siehe  Figur  4),  w elche 


Fig.  4. 


Kohlenflotz-Verwerfungen  im  Rapicer  Westrevier. 


ein  nordwestliches  Streichen  besitzen,  und  dem  daselbst  vorkommenden  Rücken, 
dessen  Fortsetzung  sie  andeuten,  ihre  Entstehung  zu  verdanken  haben.  Nur 
durch  die  nördlicheren  Aufschlussbaue  im  Bustehrader  Ostrevier  hat  man  eine 
Verwerfungskluft  ausgerichtet,  welche  bogenförmig  von  Ost  nach  West  streicht, 
und  die  Flötze  um  6 bis  8 Klafter  nach  Nord  verworfen  hat.  Bemerkenswerth 


[37]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen»  467 

ist  es,  dass,  wie  es  mehrere  Beispiele  im  Antonia-  und  Bustehrader  Wenzels- 
schachterBaue  naehweisen,  die  durch  die  Klüfte  hervorgerufenen  Flötzverwerfun- 
gen  in  der  Nähe  des  südlichen  Ausgehenden  bedeutender  sind  und  im  weiteren 
nördlichen  Einfällen  kleiner  und  endlich  unkenntlich  werden.  So  hat  die  Verwer- 
fungskluft westlich  vom  Bustehrader  Wenzelsschachte  die  Flötze  nahe  dem 
Ausbisse  um  7 Klafter,  weiter  nördlich  nur  mehr  um  3 Klafter  verworfen  und 
zersplittert  sich  endlich  in  der  nördlichen  Fortsetzung  gänzlich.  — In  dem 
Bustehrader  Westrevier  sind  grössere  Verwerfungen  der  Flötze  nicht  bekannt; 
kleinere  Brüche  fehlen  jedoch  keineswegs  *).  In  den  Kladnoer  Bauen  haben  die 
beiden  Verwerfungsklüfte,  welche,  wie  oben  erwähnt,  als  Fortsetzung  der 
beiden  die  dortige  Mulde  begrenzenden  Rücken  gelten,  anfänglich  bedeutend  die 
Flötze  verrückt  und  gestört,  was  in  dem  weiteren  nördlichen  Verlaufe  nicht  mehr 
der  Fall  ist.  Im  Franzschachter  Baue  zeigen  sich  mehrere  Verwerfungsklüfte. 
Von  den  zwei  grösseren  derselben,  westlich  vom  Schachte,  verfolgt  die  eine 
eine  nördliche,  die  andere  eine  nordwestliche  Richtung.  Erstere  hat  die  Flötze 
um  6 bis  10  Klafter  nach  Westen  verworfen.  Die  Ausrichtung  der  letzteren, 
welche  120  Klafter  westlich  vom  Franzschachte  sich  befindet,  ist  bisher  noch 
nicht  gelungen  und  das  Flötz  wurde  noch  nicht  erreicht,  obschon  mit  der  Auf- 
fahrung der  betreffenden  Ausrichtungsstrecke  bereits  eine  Höhe  von  30  Klaftern 
eingeholt  wurde.  Die  Durchschnitte  GH , LM  und  RR  Tafel  III  geben  ein 
Bild  von  den  grösseren  Verwerfungen  der  Flötze  in  den  Kladnoer  Bauen.  — 
Ausser  diesen  grösseren  Verwerfungen  haben  jedoch  die  Flötze  dieses  Terrains 
sehr  zahlreiche  kleinere  Sprünge  und  Verschiebungen  erlitten,  welche  eine 
starke  Zerklüftung  der  Kohlen  zur  Folge  hatten,  und  welche  die  Flötze  nach 
allen  Richtungen  durchkreuzen.  Ein  Kohlenflötzprofil  im  Horizonte  und  in  der 
Länge  der  Thinnfeldschachter  Förderstrecke,  welches  von  Herrn  Ingenieur 
E.  Klecka  genau  nach  der  Natur  aufgenommen  und  von  selbem  mir  mitgetheilt 
wurde,  gibt  ein  Bild  von  solchen  kleineren  Flötzstörungen,  wobei  zu  bemerken 
ist,  dass  in  den  Kladnoer  Bauen  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft 
(Thinnfeld-  und  Kübeckschacht),  welche  in  der  Kladnoer  Mulde  am  meisten  nach 
Norden  vorgerückt  sind  und  am  tiefsten  liegen,  die  Kohlenflötzablagerung  nicht 
nur  flacher,  sondern  auch  ungestörter  und  zusammenhängender  ist,  als  südlicher 
und  näher  den  Ausbissen. 

Die  Beschaffenheit  der  Kohlenflötze  selbst  ist  eine  andere  in  den 
östlichen  und  eine  andere  in  den  westlichen  Grubenfeldern. 

In  den  Rapicer  Bauen  und  in  dem  Bustehrader  Ostrevier  sind 
zwei  Kohlenflötzablagerungen  bekannt  geworden.  Die  tiefere  derselben,  das  so 
benannte  „Gru  ndfl  ö tz“,  ist  von  dem  Grundgebirge , dem  Thon-  und  Kiesel- 
schiefer der  Grauwackenformation,  in  der  Regel  durch  ein  mehr  minder  mächtiges 
Mittel  von  grauen  und  weissen  sandigen  Schieferthonen  getrennt,  liegt  aber,  wie 
im  Rapicer  Hoffnungsschachte,  auch  unmittelbar  auf  Thonschiefer  auf.  Dieses 
Grundflötz  ist  einschliesslich  zweier  tauben  Schieferthon-Zwischenmittel  3 bis 
3i/a  Klafter  mächtig,  besteht  aus  drei  Bänken,  und  enthält  grösstentheils  eine 
unreine  sehr  schieferige  Kohle,  so  dass  gegenwärtig  nur  die  3 Fuss  starke 
oberste  Bank  desselben  als  abbauwürdig  angesehen  wird  und  aus  dieser  Ursache 
dieses  Flötz  bisher  auch  nur  äusserst  wenig  abgebaut  wurde.  Angefahren  wurde 
dasselbe  bisher  in  den  östlichen  Grubenfeldern  durch  den  Josephistollen  (siehe 


0 Herr  Director  J.  Grimm  erwähnt  solcher  kleineren  Flötzstörungen  im  Annaschachter 
Baue  im  „Berg-  und  hüttenmännischen  Jahrbuch  der  k.  k.  Montan-Lehranstalten“,  7.  Bd., 
1858,  Seite  99. 


468 


M.  V.  Lipoid. 


[38] 


oben  Figur  2),  durch  den  Witeck-,  durch  den  Maria  Antonia-  und  durch  den 
Hoffnungsschacht.  Indessen  findet  man  Andeutungen  von  diesem  Grundflotze 
bereits  in  dem  Brandeisler  Michaelsschachte  und  in  dem  Brandeisler  Bohrloche 
(Tafel  I,  Bohrloch  20),  so  wie  die  in  dem  Bustehrader  Kaiser  Ferdinandsschachte 
erfolgte  Vorbohrung  gleichfalls  zwei  Flötzablagerungen  durchsenkte,  deren  die 
tiefer,  am  Thonschiefer,  liegende  ohne  Zweifel  dem  oben  bezeichneten  Grund- 
flötze  entspricht.  — Auf  dem  Grundflotze  lagern  zunächst  sandige  Schieferthone 
und  glimmerreiche  feinkörnige  weisse  Sandsteine  in  einer  Mächtigkeit  von  6 bis 
8 Klaftern,  und  auf  diesen  sodann  das  zweite  „Hauptflötz“  dieses  Revieres.  Hie 
zwischen  dem  Grundflotze  und  der  oberen  Kohlenflötzablagerung  liegenden 
Schieferthon-  und  Sandsteinschichten  enthalten  sehr  häufig  verkieselte  Holz- 
stämme und  überdies  sind  die  ersteren  durch  eine  Lage  von  grossen  Sphäro- 
s i d e ritbl ö ck e n ausgezeichnet,  welche,  öfters  von  der  Grösse  eines  Kubik- 
fusses,  neben  einander  gereiht  eine  förmliche  Lagerschichte  bilden.  — Von  der 
berühmten  oberen  Kohlenflötzablagerung  oder  dem  Hauptflötze  der  östlichen 
Grubenfelder  gibt  ein  Bild  die  nachfolgende  Skizze: 


Kohle 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Hangendschieferthon  (Mydlaky). 

Kohle  (Hangendflötz  — Ctwrtina) 

2 

6 

. 

• 

Brandschiefer 

2 

. 

Kohle  (Hangendflötz  — Tretina)  . . 

2 

Brandschiefer 

3 

Kohle  (Oberflötz  — obere  Bank)  . . 

2 

6 

# 

. 

Schieferthon  (Vopuka) 

2 

Kohle  (Oberflötz  — untere  Bank) 

2 

6 

Brandschiefer 

m 

. 

3 

a 

Kohle  (Unterflötz  — obere  Bank) 

1 

6 

. 

. 

Schieferthon  (Vopuka) 

. 

. 

6 

Kohle  (Unterflötz  — untere  Bank)  . 
Liegendschieferthon. 

i 

2 

• 

• 

3 

1 

1 

2 

8 

4 Klafter  3 Fuss  8 Zoll. 

Diese  Kohlenflötzablagerung  besitzt  im  Ganzen  eine  Mächtigkeit  von  3ya  bis 
4 ya  Klafter.  Man  unterscheidet  darin  das  „Unterflötz“,  das  „Oberflötz“  und 
die  „Hangend flötze“  (tretina,  das  dritte,  etwrtina,  das  vierte),  die  sich 
wesentlich  von  einander  unterscheiden.  Das  Unterflötz,  10  bis  15  Fuss  mächtig, 
enthält  eine  mittelgute  Steinkohle,  und  in  demselben  finden  sich  dünne  Lagen  von 
faserigem  Anthracit  vor.  Das  Oberflötz,  5 bis  9 Fuss  mächtig,  führt  Steinkohle 
von  bester  Qualität,  indem  diese  vorzüglich  rein,  glänzend  und  feit  ist.  Dagegen 
ist  die  Steinkohle  der  2 bis  5 Fuss  mächtigen  HangendflÖtze  mager,  durch  einzelne 
Schieferthonschnürchen  verunreinigt  und  überhaupt  von  geringerer  Güte.  Zwischen 
dem  Unter-,  dem  Ober-  und  den  Hangendflötzen  liegen  taube  Zwischenmittel,  die 
sogenannten  „Brandschiefer“,  welche  meist  aus  abwechselnden  dünnen  Lagen  von 
Schieferthon  und  Kohlenschnürchen  bestehen,  und  deren  Mächtigkeit  zwischen 
dem  Unter-  und  dem  Oberflötze  ziemlich  gleiehmässig  3 Fuss,  und  zwischen  dem 
Ober-  und  den  Hangendflötzen  2 bis  10  Fuss  beträgt.  Ueberdies  werden  das 
Unter-  und  Oberflötz  noch  durch  die  sogenannte  „Vopuka“,  einen  festen  sandigen 
Schieferthon  von  lichtgrauer  oder  graubrauner  Farbe,  charakterisirt.  Diese 


[39]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  469 

Vopuka,  eine  förmliche  Bank  bildend,  liegt  beim  Unterflötze  in  einer  Mächtigkeit 
von  4 bis  6 Zoll  grösstentheils  auf  demselben,  beim  Obertlötze  hingegen,  ziemlich 
constant  2 Zoll  mächtig,  mitten  in  dem  Flötze.  Sie  enthält,  wie  auch  das 
Zwischenmittelzwischen  der  „tretina“  und  der  „ctwrtina“,  zahlreiche  Abdrücke  von 
Pflanzenresten  und  die  zweizöllige  Vopuka  des  Oberflötzes  ist  insbesondere  noch 
dadurch  ausgezeichnet,  dass  sich  an  ihrer  oberen  Fläche  oft  zahlreich  sehr 
schöne  und  grosse,  meist  plattgedrückte  Schwefelkieskrystalle  vorfinden.  — 
Dass  die  einzelnen  Flötze  dieser  Ablagerung,  besonders  in  der  Nähe  der  Rücken, 
minder  mächtig  werden  und  wohl  auch  ganz  sich  auskeilen,  habe  ich  oben 
bereits  erwähnt. 

Auch  im  Ludmillaschachte,  der  an  Verwerfungsklüften  ansteht,  hat  man  die 
Flötze  verdrückt  und  am  Thonschiefer  unmittelbar  aufliegend  angefahren. 

In  dem  Büste hrader  Westrevier  und  in  den  Kladnoer  Gruben- 
feldern ist  bisher  das  in  den  östlichen  Feldern  aufgeschlossene  „Grundflötz“ 
nirgends  angefahren  worden,  indem  sämmtliche  Schächte,  mit  Ausnahme  des 
nahe  dem  Ausgehenden  angeschlagenen  Maria  Annaschachtes,  welcher  Thon- 
schiefer anfuhr,  nur  bis  an  die  Liegendschieferthone  der  Hauptflötzablagerung 
niedergehen.  Ungeachtet  jedoch  durch  die  übrigen  Schächte  das  Grundgebirge, 
der  Thon-  oder  Kieselschiefer,  nicht  erreicht  wurde,  wird  dennoch  die  Ver- 
muthung,  dass  das  Grundflötz  in  den  westlichen  Grubenfeldern  fehle  und  nicht 
abgelagert  worden  sei,  ausgesprochen  und  durch  den  Mangel  desselben  im 
Maria  Annaschachte,  so  wie  dadurch  einigermaassen  begründet,  dass  in  den 
Bohrlöchern  nächst  den  Dörfern  Duby  und  Augezd  (Tafel  I,  Bohrloch  23  und  24) 
auf  die  Haupt-Kohlenflötzablagerung  ebenfalls  unmittelbar  der  Thonschiefer  folgte, 
ohne  dass  ein  Repräsentant  des  Grundflötzes  vorgefunden  worden  wäre. 

Die  Beschaffenheit  der  Hauptflötzablagerung  in  dem  Büste  hrader  West» 
re  vier  zeigt  die  nachfolgende  Skizze: 


Kohle 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Sandstein 

Hangendschieferthon  (Mydlaky). 
Kohle  — Oberhank ) 

Schieferthon  — Vopuka > 

Kohle  — Oberbank ) 

l 

5 

• 

• 

2 

Schieferthon  — Vopuka 

Kohle  — Mittelbank  ......  ) 

• 

• 

• 

• 

• 

3 

Schieferthon  — Vopuka > 

Kohle  — Mittelbank ) 

1 

2 

• 

• 

2 

Schieferthon  — Vopuka 

. 

, 

# 

5 

Kohle  — Unterbank  

Schieferthon. 

2 

1 

• 

* 

* 

• 

5 

2 

• 

1 

• 

5 Klafter  3 Fuss. 

i 

Man  unterscheidet  auch  hier  drei  Steinkohlenflötze,  die  mit  den  Namen 
„Unterbank“,  „Mittelbank“  und  „Oberbank“,  oder  auch  mit  den  Namen  „Unter- 
bank“, „Oberbank“  und  „Hangendbank“  bezeichnet  werden  und  dem  Unterflötze, 
dem  Obertlötze  und  den  Hangendflötzen  der  östlichen  Grubenfelder  entsprechen. 
Nur  finden  sich  hier  die  tauben  Zwischenmittel,  die  Brandschiefer,  zwischen 
einzelnen  Bänken  nicht  vor,  sondern  diese  sind  nur  durch  feste  sandige  Schiefer- 
thone,  die  bezeichnete  Vopuka,  von  ein  paar  Zoll  Mächtigkeit  von  einander 


470 


M.  V.  Lipoid. 


[40] 

geschieden.  Im  Uebrigen  ist  die  Beschaffenheit  der  einzelnen  Bänke  des  West- 
reviers mit  jener  der  Flötze  des  Ostreviers  übereinstimmend,  denn  auch  im  West- 
revier findet  man  auf  der  Unterbank  und  mitten  innerhalb  der  Mittelbank  und  der 
Oberbank  die  oft  erwähnten  Vopukaschichten  mit  zahlreichen  Abdrücken  yon 
Pflanzenresten  in  der  Mächtigkeit  von  2 bis  6 Zoll  und  auch  im  Westrevier  liefert 
die  Mittelbank  eine  ausgezeichnet  gute,  fette,  überhaupt  die  beste  Steinkohle, 
während  die  Ober-  und  Hangendbank  nur  schieferige  Kohle  minderer  Qualität 
und  die  Unterbank  eine  Steinkohle,  deren  Güte  das  Mittel  zwischen  den  beiden 
genannten  hält,  liefert.  Die  Mächtigkeit  dieser  Flötzablagerung  ist  im  Allgemeinen 
grösser  als  jene  der  Ablagerung  des  Ostreviers  und  bedeutender  im  tieferen 
nördlichen  Einfallen  der  Flötze,  als  gegen  das  südliche  Ausgehende  derselben, 
denn  sie  beträgt  im  Prokopischachte  5*/2  Klafter,  im  Maria  Annaschachte  dagegen 
nur  mehr  33/3  Klafter. 

Eine  ähnliche  Zusammensetzung,  wie  im  Bustehrader  Westreviere,  besitzt 
die  Kohlenflötzablagerung  in  den  Kladnoer  Bauen;  wie  dies  aus  den 
folgenden  Skizzen  ersichtlich  wird. 


Kladnoer  Wenzelsscbacht. 


Kohle 

Berge 

Brandschiefer. 

Klafter  ! 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fas» 

Zoll 

1 

. 

Kohle  — 5.  Bank 

Schieferthon  — 4.  Mittel 

8. 

Kohle  — 4.  Bank 

3 

# 

Schieferthon  — 3.  Mittel 

2 

Kohle  — 3.  Bank 

i 

3 

# 

Schieferthon  — 2.  Mittel 

. 

2 

Kohle  — 2.  Bank 

3 

Schieferthon  — 1.  Mittel 

. 

6 

Kohle  — 1.  Bank 

Schieferthon. 

5 

• 

3 

3 

• 

i 

6 

3 Klafter  4 Fuss  6 Zoll. 

Kladnoer  Lajerschacht. 


Kohle 

Berge 

Schieferthon. 

Klafter 

| Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fass 

Zoll 

5.  Bank 

1 

5.  Mittel 

i 

# 

4.  Bank 

3 

. 

4.  Mittel 

2 

3.  Bank 

2 

. 

. 

3.  Mittel 

. 

2 

2.  Bank 

4 

# 

2.  Mittel 

6 

1.  Bank 

i 

3 

. 

1.  Mittel 

. 

3 

# 

Liegendflötz 

Schieferthon. 

3 

• 

• 

3 

2 

• 

• 

4 

10 

6 Klafter  0 Fuss  10  Zoll. 

Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  471 


Kladnoer  Thinnfeldschacht. 


Kohle 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Schieferthon. 

7.  Bank 

1 

. 

6.  Mittel 

9 ' 

# 

8 

6.  Bank 

2 

m 

5.  Mittel 

0 

2 

5.  Bank 

4 

m 

. 

4.  Mittel  

# 

2 

4.  Bank 

2 

9 

# 

3.  Mittel 

m 

. 

2 

3.  Bank 

i 

1 

6 

m 

2.  Mittel 

m 

# 

2 

2.  Bank 

4 

4 

# 

1.  Mittel 

. 

S 

1.  Bank  — sehr  gute  Kohle 

i 

2 

1.  „ — schieferige  Kohle  .... 

Schieferthon. 

• 

5 

• 

• 

5 

4 

7 

• 

i 

9 

6 Klafter  0 Fuss  4 Zoll. 

Auch  hier  finden  sich  die  einzelnen  Flötze  oder  Bänke  der  Ablagerung  ohne 
taube  Zwischenmittel,  nur  durch  2-  bis  8zÖllige  Bänke  von  meist  pflanzenführen- 
der Vopuka  getrennt,  vor,  und  rücksichtlich  der  Güte  der  Kohlen  liefern  gleich- 
falls die  mittleren  Bänke  die  beste  und  ausgezeichnete  Steinkohle.  Indessen  darf 
doch  der  aus  den  Profilen  ersichtliche  Unterschied  nicht  übersehen  werden,  dass 
in  dem  Wenzelschachte  wie  im  Prokopischachte  fünf,  hingegen  in  dem  nörd- 
licher liegenden  Layerschachte  mit  Zurechnung  des  Liegendflötzes  sechs,  in 
dem  noch  nördlicher  angeschlagenen  Thinnfeldschachte  sogar  sieben  Bänke 
oder  Flötze  von  Steinkohlen  angefahren  wurden.  Die  Skizzen  zeigen  überdies, 
dass  auch  in  der  Mulde  oder  Bucht,  in  welcher  die  Kladnoer  Baue  umgehen,  die 
Steinkohlenflötze  von  dem  südlichen  Ausgehenden  derselben  an,  welchem 
zunächst  der  Wenzelschacht  liegt,  gegen  das  Innere  der  Mulde  oder  nach  dem 
nördlichen  Einfallen  an  Mächtigkeit  zunehmen,  indem  mit  Ausschluss  der  Vopuka- 
mittel  sämmtliche  Steinkohlenflötze  im  Wenzelschachte  die  Mächtigkeit  von 
3 ya  Klafter,  im  Layerschachte  jene  von  5 Klafter  2 Fuss  und  im  Thinnfeld- 
schachte jene  von  5 Klafter  4 Fuss  7 Zoll  besitzen. 

Rücksichtlich  der  Güte  der  Steinkohlen  aus  der  Umgebung  von  Bustehrad- 
Kladno  ist  im  Allgemeinen  zu  bemerken,  dass  die  im  Streichen  westlicher  abge- 
lagerten Steinkohlenflötze  so  wie  die  tieferen,  mehr  im  Innern  der  Mulde  liegen- 
den Theile  derselben  eine  bessere  Kohle  liefern,  welche  leichter  coket  und, 
indem  sie  der  Selbstentzündung  mehr  unterworfen  ist,  mehr  Sauerstoff  zu  ent- 
halten scheint.  Die  fetteste  und  zur  Cokeserzeugung  gesuchteste  Kohle  wird  aus 
dem  Gut-Hoffnungs-,  Ludwig-,  Johanni-  und  Prokopischachte  gefördert.  Weniger 
fette  aber  doch  backende  Kohle  liefern  die  Kladnoer  Baue,  während  in  dem 
Rapicer  und  Bustehrader  Ostreviere,  wie  in  der  Brandeisler  Grube  nur  magere, 
obschon  theilweise  gute  Flammkohle  erzeugt  wird. 

Ungeachtet  bereits  einzelne  Analysen  von  Bustehrad-KIadnoer  Kohlen  be- 
kannt wurden,  fand  ich  es  dennoch  nothwendig,  um  einen  Anhaltspunkt  zur 
Vergleichung  der  Güte  der  Kohlen  aus  den  einzelnen  Kohlenbänken  zu 

60 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


472 


M.  V.  Lipoid. 


[42] 


gewinnen,  eine  vollständige  Suite  von  Kohlen  aus  den  einzelnen  Flötzen  des  Buste- 
hrad-Kladnoer  Reviers  im  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
untersuchen  zu  lassen,  und  obschon  die  Resultate  dieser  Untersuchung  im  Jahr- 
buche der  k.  k.  geologischen  Reichsanslalt  unter  den  „chemischen  Arbeiten“ 
veröffentlicht  werden,  so  füge  ich  dieselben  dennoch  der  Vollständigkeit  wegen 
hier  bei: 


Bezeichnung  des  Fundortes  und  Flötzes 

Wasser  io  100 
Theilen 

Asche  in  100 
Theilen 

Reducirte  Ge- 
wichtstheile  Blei 

a 

’S 

Jd 

e 

s 

1 

S 

s 

Aequiralent  einer 
30"  Klafter  wei- 
chen Holies  sind 
Centner 

Bustehrader  Josephistollen  — Grundflötz  . . . 

4-7 

32*0 

18-40 

4158 

12*6 

„ „ — Unterflötz  . . . 

21 

10-0 

25*65 

5796 

9-0 

„ „ — Oberflötz  .... 

3-5 

7*2 

26*05 

5887 

8-9 

„ „ — Tretina  .... 

2-6 

12-6 

25-20 

5695 

9*3 

„ „ — Ctwertina  . . . 

2-5 

4-5 

27*55 

6226 

8*4 

Rapicer  Baue  — Oberbank  (magere  Kohle)  . . 

2*7 

4-6 

27*80 

6282 

8*3 

„ „ — „ (fette  Kohle)  . . . 

1*5 

8-2 

22*10 

4994 

10*5 

„ „ — Unterbank  (magere  Kohle)  . . 

2-5 

4-2 

27-45 

6203 

8-4 

„ „ — • „ (fette  Kohle)  . . , 

1-4 

19-5 

23-90 

5401 

9-7 

Kladnoer  Layerschacht  — 1.  Bank 

1-4 

7-5 

24*10 

5446 

9*6 

„ „ — 2.  

2-2 

7-4 

25-60 

5785 

9*0 

Q 

99  99  ü*  » 

1*8 

0-9 

28*65 

6474 

8-1 

„ „ — 4.  „ 

1-3 

4-5 

27*35 

6181 

8-4 

* „ -5.  

2 5 

4*2 

27*10 

6124 

8*5 

„ — Liegendflötz  . • . . 

1-9 

24-6 

23*95 

5412 

9-7 

Vergleicht  man  endlich  die  ßustehrad-Kladnoer  Kohlenablagerung  mit  jener 
von  Brandeisei  und  Wotwowic,  so  zeigt  sich  eine  interessante  Uebereinstimmung 
der  Flötzbildung  in  dem  Kladnoer  und  Bustehrader  Westreviere  mit  jener  von 
Brandeisei,  und  wieder  der  Flötzbildung  in  dem  Rapicer  und  Bustehrader  Ost- 
reviere mit  jener  von  Wotwowic,  indem  die  Flötzablagerung  in  den  ersteren 
ohne,  und  in  den  letzteren  mit  tauben  Zwischenschichten  erfolgte. 

Eine  Vergleichung  der  oben  angeführten  Schacht-  und  Bohrprofile  lehrt, 
dass  in  dem  Bustehrad-Kladnoer  Kohlengebiete  unmittelbar  auf  den  Kohlenflötzen 
in  der  Regel  Schieferthon  von  sehr  wechselnder  Mächtigkeit  abgelagert  ist  und 
derselbe  nur  höchst  selten  fehlt.  Die  Verbreitung  des  Schieferthones,  besonders 
in  den  östlichen  Revieren,  wo  überhaupt  die  thonigen  Schichten  mehr  entwickelt 
sind,  ist  bedeutend,  und  die  Mächtigkeit  desselben,  die  hin  und  wieder  nur  ein 
paar  Fuss  beträgt,  wächst  stellenweise  bis  auf  6 Klafter  an.  Ueberhaupt  haben 
die  Grubenaufschlüsse  gezeigt,  dass  der  Schieferthon  unmittelbar  über  den 
Kohlenflötzen  entweder  in  länglichen  Streifen,  die  dem  Einfallen  der  Flötze 
folgen,  oder  in  grossen  Linsen  auftritt,  die  sich  nach  allen  Richtungen  aus- 
schneiden.  — Ueber  diesem  Schieferthone  folgt  sodann  die  mächtige  Ablage- 
rung von  wechselnden  Sandsteinen  und  Conglomeraten  der  Steinkohlenformation 
mit  meist  nur  sparsamen  Lagern  von  Letten  oder  Schieferthon,  wobei  wieder 
die  Beobachtung  gemacht  wird,  dass  die  Conglomerate  vorherrschend  näher 
den  Kohlenflötzen  abgelagert  sind.  In  keinem  Schachte  hat  man  endlich  ausser 
der  beschriebenen  Kohlenflötzablagerung  ein  höher  liegendes  bedeutenderes 
Kohlenflötz  angefahren;  hingegen  in  fast  allen  Schächten  in  einer  Entfernung 
von  50  bis  80  Klaftern  über  dem  Hauptflötze  kleinere  Kohlenflötzehen  von  ein 


[43]  Das  Steink ohlenge biet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  473 

paar  Zoll  Mächtigkeit  oder  mindesten  Schieferthone  mit  Kohlenspuren  und 
Kohlentrümmern. 

Die  Erzeugung  an  Steinkohlen  oder  die  Gesammtkohlenförderung  betrug 
in  den  Bustehrader  Bauen  im  Solarjahre  1858  2,890.462  Centner,  im 
Solarjalire  1859  3,457.390  Centner,  in  den  Rapicer  Bauen  vom  Juli  1858 
bis  incl.  Juni  1859  1,608.000  Centner,  in  den  Kladnoer  Bauen  der  Prager 
Eisen -Industrie- Gesellschaft  im  Jahre  1859  3,000.000  Centner  und  in  den 
Kladnoer  Bauen  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  im  Jahre  1859 
1,295.309  Centner  in  sämmtlichen  Bauen  des  Bustehrad-Kladnoer  Kohlen- 
terrains somit  über  9,360.000  Centner.  — Diese  Leistung  wurde  erzielt  in 
den  Bustehrader  Bauen  mit  1285,  in  den  Rapicer  Bauen  mit  530,  in  den 
Kladnoer  Bauen  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesellschaft  mit  1070  und  in  den 
Kladnoer  Bauen  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  mit  500,  in 
sämmtlichen  Bauen  mit  3.385  Arbeitern.  Doch  ist  bei  sämmtlichen  Bauen  der 
Stand  des  Arbeitspersonales  in  Folge  der  sich  stets  erweiternden  Grubenbaue 
im  steten  Steigen  begriffen. 

Strenge  genommen  stehen  die  geologischen  Verhältnisse  des  Steinkohlen- 
gebietes, deren  Erörterung  der  Zweck  dieses  Aufsatzes  ist,  in  keinem  wesent- 
lichen Zusammenhänge  mit  der  Art  des  Betriebes  und  des  Abbaues  bei  der 
Steinkohlengewinnung.  Da  mir  jedoch  über  Abbau  und  Betrieb  bei  den  Buste- 
hrad-KIadnoer  Kohlenwerken  detaillirtere  Mittheilungen  von  dem  Herrn  Director 
C.  Hartisch  in  Rapic  und  dem  Herrn  Ingenieur  J.  Schmid  in  Kladno  vor- 
liegen, so  glaube  ich  dieselben  nicht  der  Veröffentlichung  vorenthalten  zu 
sollen,  indem  sie  manches  Interessante  enthalten  und,  wie  ich  hoffe,  selbst 
manchem  Fachmanne  eine  nicht  unerwünschte  Beigabe  sein  werden  *). 

Im  Allgemeinen  wird  die  Reihenfolge  des  Abbaues  der  einzelnen  Stein- 
kohlenflötze  in  den  Bustehrad-Kladnoer  Gruben  durch  die  grössere  oder  gerin- 
gere Mächtigkeit  der  die  Flötze  trennenden  Zwischenmittel  bedingt.  In  dem 
Rapicer  und  in  dem  Bustehrader  Ostreviere,  wo  diese  Zwischenmittel  bedeutend 
werden,  wird  bald  das  Firsten-Hangendflötz  für  sich  und  hierauf  das  Sohlen- 
Hangendflöfz  gleichzeitig  mit  dem  Oberflötze,  wie  im  Antoniaschachten-Baue,  — 
bald  vorerst  die  Hangendflötze  und  hierauf  für  sich  allein  das  Oberflötz,  wie  im 
Wenzelschachter-Baue,  — bald  endlich  die  Hangendflötze  und  das  Oberflötz 
gleichzeitig,  wie  im  Josephistollen-Baue,  in  Abbau  genommen.  Das  Unterflötz 
wird  immer  für  sich  allein,  und  zwar  erst  nach  stattgehabtem  Abbaue  der  oberen 
Flötze  in  Abbau  genommen. 

In  dem  Bustehrader  Westrevier  und  den  Kladnoer  Bauen  sind  zwar  bedeu- 
tende Zwischenmittel  nicht  vorhanden,  allein  da  die  Mächtigkeit  der  Gesammt- 
Kohlenflötz-Ablagerung  verhältnissmässig  gross  ist,  so  erscheint  es  weder  vor- 
theilhaft  noch  gefahrlos,  sämmtliche  Kohlenbänke  gleichzeitig  abzubauen. 
Desshalb  werden  im  Bustehrader  Westrevier  vorerst  die  Oberbank  und  Mittel- 
bank gleichzeitig,  und  erst  nach  erfolgtem  Abbau  derselben  die  Unterbank  in 
Abbau  genommen.  Eben  so  werden  gegenwärtig  in  den  Kladnoer  Bauen  nur  die 
oberen  drei  Flötzbänke  abgebaut,  die  tieferen  zwei  Flötzbänke  dagegen  einem 
späteren  Abbaue  Vorbehalten. 


!)  Viele  Daten  über  Betrieb  und  Abbau  im  Bustehrad-Kladnoer  Reviere  enthält  der  „Sta- 
tistische Bericht  der  Prager  Handels-  und  Gewerbekammer“,  II,  1859,  Seite  39  ff.  — 
Auch  die  „Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hüttenwesen“  vom  Jahre  1859 
bringt  in  ihren  Nr.  48  und  49  eine  Mittheilung  über  Kladno  vom  Bergbau-Adjuncten 
W.  Lorenz,  welche  grösstentheils  den  Betrieb  zum  Gegenstände  hat. 


60* 


474 


M.  V.  Lipoid. 


[44] 


Die  allgemein  übliche  Abbaumethode  ist  der  Pfeilerbau,  der  nach  dem 
Streichen  der  Flötze  geführt  wird.  Alle  Vorbereitungs-  und  Abbaustrecken 
werden  desshalb  nach  dem  Streichen  der  Flötze,  und  zwar  in  deren  Mitte,  in 
Kladno  an  dem  zweiten  Zwischenmittel,  aufgefahren.  Die  Hauptstrecken  laufen 
mit  geringem  Ansteigen  vom  Schachte  aus,  und  von  denselben  wird,  je  nachdem 
es  die  Oertlichkeit  erheischt,  in  Entfernung  von  40—80  Klaftern  mit  Steigörtern 
nach  dem  Verflachen  aufwärts  abgelenkt.  Von  den  Steigörtern  aus  werden  so- 
dann in  Abständen  von  6 zu  6 Klaftern  die  Vorbereitungsstrecken  parallel  zur 
Hauptstrecke  ausgefahren,  und  dadurch  das  abzubauende  Kohlenfeld  in  Pfeiler 
von  6 Klafter  Breite  abgetheilt. 

Der  Abbau  beginnt  nun  am  obersten  Pfeiler,  und  geht  sodann  zu  den  nächst 
tieferen  über,  und  zwar  in  einer  solchen  Reihenfolge,  dass  die  Abbau-Feldörter 
in  eine  Entfernung  von  ungefähr  10  Klafter  hinter  einander  zu  stehen  kommen. 
Der  Abbau  selbst  erfolgt  in  nachstehender  Art: 

Drei  Fuss  über  der  Abbausohle  wird  ein  Schramm  (a  in  Fig  5)  2 bis  3 Fuss 
tief  in  der  Kohle  ausgehauen,  sodann  die  Firste  niedergebrochen  und  endlich  die 

Strasse  bis  zur  Sohle  abge- 
keilt. Die  Firste  wird  so  weit 
niedergebrochen,  dass  die 
dadurch  gewonnene  Stras- 
senhöhe  die  Länge  eines 
Stempels,  nämlich  7 Fuss, 
erreicht.  Nach  gewonnener 
Strassenhöhe  werden  die 
Stempel  gesetzt,  und  zwar 
in  einer  Reihe  von  einer 
Vorbereitungsstrecke  zur 
andern  mehr  oder  minder 
nahe  an  einander.  Eine  sol- 
che Reihe  von  Stempeln 
wird  eine  „Orgel“  genannt. 
— Dieselbe  Arbeit  wird 
hierauf  wiederholt,  bis  3 „Or- 
geln“ in  Entfernungen  von 
4 — 5 Fuss  aufgestellt  sind. 
Sobald  man  zur  Aufstellung 
der  4.  „Orgel“  schreitet, 
Rohleif  Abbau  in  Kladno.  werden  gleichzeitig  die 

Stempel  der  1.  „Orgel“ 


herausgerissen  oder  „geraubt“.  In  Folge  dessen  brechen  die  über  der  Strassen- 
firste  noch  befindlichen  Kohlenbänke  nach  oben  bis  an  die  Hangendschichten  und 
nach  vorwärts  bis  an  die  zweite  Orgel  ein,  und  werden  auf  diese  Art  gewonnen. 

Das  bei  dem  Abbaue,  wie  auch  beim  Streckenbetrieb  angewendete  Gezähe 
besteht  aus  dem  Keile,  aus  der  Keilhaue  und  dem  „Fäustel4*  oder  Schlegel.  Der 
Keil  ist  12  bis  18  Zoll,  die  Keilhaue  12  Zoll  lang,  und  letztere  auf  einem  2 bis 
2%  Fuss  langem  Helme  befestigt.  Auch  bei  dem  Schachtbetriebe  wird  dasselbe 
Gezähe  nur  schwerer,  und  bei  der  Sprengarbeit  der  gewöhnliche  Bergbohrer  und 
das  Handfäustel  angewendet. 

Die  Arbeitsleistung  bei  der  Kohlengewinnung  hängt  von  der  grösseren 
oder  geringeren  Festigkeit  der  Kohle  ab.  Beim  Streckenbetrieb  ist  die  durch- 
schnittliche Leistung  eines  Häuers  in  der  12stündigen  Schichte  an  Auffahrung 


[45] 


Das  SteinkohleDgebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  475 


10  bis  12  Zoll,  und  an  Kohlengewinnung  15  bis  20  Centner.  Bedeutender,  aber 
noch  mehr  abhängig  von  der  Beschaffenheit  des  Kohlenflötzes , dessen  Mächtig- 
keit, vorhandenen  Störungen  u.  s.  f.,  ist  die  Arbeitsleistung  beim  Abbaue,  und  es 
gewinnt  der  Häuer  40  bis  80,  in  besonders  günstigen  Fällen  auch  100  Centner 
Kohle  in  einer  12stündigen  Schichte1).  Sämmtliche  Arbeiten  in  der  Grube,  wie 
auch  über  Tags,  werden  wo  möglich  auf  Geding  gestellt.  Das  Geding  für  die 
Kohlengewinnung  ist  1 Kreuzer  ö.  W.  per  Centner  erhauener  Kohle,  sowohl  beim 
Abbaue  als  beim  Streckenbetriebe,  das  Klaftergeding  bei  letzterem  Betriebe 
beträgt  überdies  4 Gulden  50  Kreuzer  bis  7 Gulden  ö.  W.  je  nach  den  Dimen- 
sionen der  Strecken.  Der  durchschnittliche  Verdienst  eines  Häuers  beträgt  per 
Schicht  beim  Streckenbetriebe  80  bis  90  Kreuzer,  beim  Abbaue  80  Kreuzer  bis 
1 Gulden  ö.  W.  Der  Grundlohn  für  die  Häuer  ist  bei  allen  Bauen  auf  90  Kreu- 
zer ö.  W.  für  die  12stündige  Schicht  gestellt.  Beim  Abbaue  erhalten  die  Häuer 
ausser  dem  Kohlengedinge  noch  eine  Vergütung  für  das  „Rauben“  der  „Orgeln“, 
und  zwar  für  jeden  Stempel  von  6 Fuss  Länge  5 Kreuzer,  und  für  Stempel  von 
8 bis  9 Fuss  10  Kreuzer  ö.  W.  — Der  Grundlohn  für  die  Zimmerer  ist  90  Kreu-  * 
zer  bis  1 Gulden  ö.  W.  Auch  die  Förderer  erhalten  Gedinge,  und  zwar  werden 
dieselben  je  nach  der  Distanz  und  nach  der  Art  der  Förderung,  in  Hunden  oder 
Karren,  bemessen.  Der  Durchschnittsverdienst  eines  Hundstössers  oder  Läufers 
beträgt  60  Kreuzer  per  Schichte,  — bei  Laufbuben  30  bis  50  Kreuzer.  Der 
gewöhnliche  Taglohn  ist  50  bis  60  Kreuzer  ö.  W.  — Das  Verhältniss  der  Läufer 
zu  den  Häuern  stellt  sich  bei  den  Kladnoer  Verhältnissen  derart  heraus,  dass  beim 
Streckenbetriebe  für  2 Häuer  1 Läufer,  und  beim  Abbaue  für  jeden  Häuer 
1 Läufer  nothwendig  ist. 

Der  Verbrauch  an  Grubenholz  ist  nach  den  bis  jetzt  gemachten  Erfah- 
rungen und  Berechnungen  mit  Bezug  auf  die  Kohlengewinnung  per  100  Centner 
Steinkohle  ungefähr  3*7  Kubikfuss.  Sowohl  die  zum  Abbau  nöthigen  Stempel  als 
auch  das  zur  Streckenzimmerung  erforderliche  Grubenholz  wird,  je  nach  dem 
geringeren  oder  grösseren  Drucke,  dem  es  ausgesetzt  wird,  im  Durchmesser 
oder  in  der  Stärke  von  6 — 10  Zoll  angewendet,  und  es  erhalten  hiernach  die 
Haupt-  und  die  Abbaustrecken  eine  Höhe  von  6 Fuss,  die  Hauptstrecken  eine 
Breite  von  6 Fuss  an  der  Sohle  und  von  4 Fuss  an  der  Firste,  hingegen  die 
Abbaustrecken  eine  Breite  von  41/*  Fuss  an  der  Sohle  und  von  2%  Fuss  an  der 
Firste.  Die  Dauer  des  Grubenholzes  ist,  abgesehen  von  dem  verschiedenen 
Drucke,  sehr  von  der  Trockenheit  oder  Nässe  des  Ortes  abhängig.  In  nassen 
Orten  hält  die  Zimmerung  verhältnissmässig  sehr  lange,  in  trockenen  und  dumpfi- 
gen Orten  muss  dieselbe  nach  zwei,  oft  selbst  nach  einem  Jahre  ausgewechselt 
werden. 

Die  Förderung  der  gewonnenen  Kohle  in  der  Grube  geschieht  in  Hun- 
den, die  einen  Fassungsraum  für  8-— 10  Centner  Kohle  haben.  Sie  sind  aus 
17*  Linie  starkem  Eisenblech  angefertiget,  5 Fuss  lang,  2 Fuss  breit  und  2 Fuss 
tief.  Die  Achsen  sind  22  Zoll  lang  und  12  Zoll  von  einander  entfernt.  Die  Räd- 
chen haben  einen  Durchmesser  von  11  Zoll,  und  eine  Spurweite  von  17  Zoll, 
und  sind  mit  den  Achsen  an  hölzernen  Laffeten  an  den  Hund  befestigt.  Wegen 
der  geringen  Entfernung  der  Räder  und  der  Achsen  von  einander,  lassen  sich 
die  Hunde  leicht  leiten.  Ein  solcher  Hund  wiegt  450 — 500  Pfund,  und  kommt 
bei  Anfertigung  in  eigener  Regie  auf  nahe  100  Gulden  ö.  W.  zu  stehen.  — Die 
Förderung  in  Laufkarren  findet  nur  wenig  Statt,  so  z.  B.  im  Bustehrader  Josephi- 
stollen. 


0 1 Kubikfuss  reiner  Kohle  wiegt  massiv  70  Pfund.  Eine  Quadratklafter  rein  abgebauter 
Fläche  liefert  demnach  bei  einer  FlötzmächtigkeiCvon  4 Klaftern  600  Centner  Kohle. 


476 


M.  V.  Lipoid. 


[46] 


In  allen  Haupt-  und  Abbausfreeken  sind  Förderbahnen,  und  zwar  Gruben- 
eisenbahnen  angebracht,  und  in  den  Steigörtern  werden  Bremsberge 
eingebaut,  auf  welchen  die  Kohlenförderung  von  den  höheren  Horizonten  zur 
Hauptstrecke  Statt  findet.  Die  gegenwärtig  in  Kladno  in  Gebrauch  stehenden 
Gruben-Eisenbahnsehienen  sind  die  „pilzförmigen“,  welche  auf  Querschweller 
aufgenagelt  werden.  Jede  Schiene  ist  18  Fuss  lang,  und  wiegt  76 — 96  Pfund. 
Früher  wurden  Flach-  oder  die  sogenannten  Z-Schienen  angewendet,  die  zwar 
bedeutend  billiger  im  Preise  sind  als  die  pilzförmigen  Schienen,  aber  gegen 
letztere  die  wesentlichen  Nachtheile  batten,  dass  sie  eine  grössere  Anzahl  von 
Slippern  in  Anspruch  nahmen,  die  Bahn  bald  holprig  wurde,  und  die  Gruben- 
hunde viel  mehr  und  schneller  ruinirt  wurden,  so  dass  die  grösseren  Anschaffungs- 
kosten  der  pilzförmigen  Schienen  durch  die  geringeren  Erhaltungs-  und  Repara- 
turskosten der  Bahn  und  Hunde  compensirt  werden.  — Die  in  Kladno  üblichen 
Bremsberge  sind  theils  ein-,  theils  doppelspurig.  Die  einspurigen  Brems- 
berge können  nur  dort  in  Anwendung  kommen,  wo  das  Verfläehen  der  Kohlen- 
flötze  mindestens  20  Grad  beträgt.  Die  doppelspurigen  Bremsberge  finden  häu- 
figere Anwendung,  weil  sich  dieselben  für  das  vorherrschende  Einfallen  von 
10 — 16  Graden  besser  eignen.  Wo  indessen  einspurige  Bremsberge  zulässig 
sind,  werden  sie  aus  dem  Grunde  vorgezogen , weil  man  auf  ihnen  aus  beliebig 
vielen  Horizonten  gleichzeitigzu  fördern  im  Stande  ist,  während  die  doppel- 
spurigen Bremsberge  nur  die  Förderung  von  einem  einzigen  Horizonte  in  einer 
und  derselben  Schichte  zulassen.  — Die  Förderung  aus  tieferen,  unter  den 
Hauptstrecken  gelegenen  Horizonten  wird  auf  einfallenden  Strecken  theils 
mittelst  Dampfmaschinen,  theils  mittelst  Pferden  bewerkstelligt.  Beim  Kladnoer 
Wenzelschachte  wird  unter  dem  Hauptstreckenhorizonte  noch  ein  Pfeiler  abge- 
baut, und  von  dort  die  gewonnene  Kohle  auf  einer  ansteigenden  directe  zum 
Schachte  führenden  Strecke  mittelst  einer  über  Tags  aufgestellten  Dampf- 
maschine von  10  Pferdekräften  bis  zum  Schachte  gefördert.  In  der  bezeichneten 
Strecke  ist  eine  Eisenbahn  gelegt,  auf  welcher  ein  Gestell  wagen  läuft,  der  durch 
ein  Seil  mit  der  Dampfmaschine  in  Verbindung  steht,  und  2 Hunde  aufzunehmen 
vermag,  so  dass  bei  jedem  Aufgange  ungefähr  20  Centner  Kohle  zum  Füllorte 
am  Schachte  gelangen.  — Beim  Franzschachte  ist  zu  demselben  Zwecke  eine 
lOpferdekräftige  Dampfmaschine  in  der  Grube  eingebaut,  welche  gleichfalls 
mittelst  eines  Gestellwagens  fördert.  Ungefähr  80  Klafter  vom  Schachte  ist  eine 
zweite  Dampfmaschine  von  3 Pferdekräften  aufgestellt,  die  ohne  Gestellwagen  in 
der  Art  fördert,  dass  ein  voller  Hund  aufwärts  und  ein  leerer  Hund  abwärts  läuft. 
Beide  letztgenannten  Maschinen  erhalten  den  Dampf  von  einem  in  der  Grube 
eingebauten  Kessel,  von  welchem  der  Rauch  in  gusseisernen  Röhren  durch  den 
Schacht  zu  Tag  geleitet  wird.  Auch  beim  Bustehrader  Maria-Anna-  und  beim  Lud- 
millaschachte dient  je  eine  12pferdekräftige  Dampfmaschine  zum  Aufzuge  der 
Kohlen  aus  jenen  Abbaustrecken,  welche  bereits  unter  dem  Horizonte  der  Füllörter 
des  Maria-Anna-  und  des  M.  Antoniaschachtes  sich  befinden.  — An  Fallstrecken,  wo 
die  Umstände  die  Aufstellung  einer  Dampfmaschine  in  der  Grube  nicht  zulassen, 
wird  die  Förderung  aus  tieferen  Horizonten  mittelst  Pferden  bewerkstelligt.  Zu 
diesem  Zwecke  ist  an  der  streichenden  Strecke,  von  welcher  die  Fallstrecke 
ablenkt,  eine  Seilscheibe  parallel  dem  Einfallen  der  Strecke  eingebaut,  und  um 
die  Scheibe  ein  Seil  gelegt,  an  dessen  einem  Ende  der  beladene  und  an  dessen 
anderem  Ende  der  leere  Hund  eingehangen  wird.  Das  Pferd  wird  nun  vor  den 
leeren  Hund  gespannt,  und  zieht,  indem  es  die  Fallstrecke  abwärts  geht,  den 
vollen  Hund  nach  aufwärts.  — Die  Förderung  der  Steinkohlen  aus  der  Grube  zu 
Tage  erfolgt,  mit  alleiniger  Ausnahme  des  Bustehrader  Josephistollens,  in  Schach- 


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Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


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ten.  Die  Schachtförderung  ist  mit  der  Streckenförderung  in  der  Grube  in 
unmittelbare  Verbindung  gebracht,  indem  die  vollen  Hunde  von  der  am  Schachte 
mündenden  Grubeneisenbahn  unmittelbar  auf  eine  Förderschale  gestossen  wer- 
den, welche  mittelst  des  Schachtseiles  mit  der  Fördermaschine  über  Tags  in 
Verbindung  steht.  Eine  solche  Förderschale  fasst  2 Hunde,  ist  ganz  aus  Eisen 
construirt,  und  ist  um  das  Niederstürzen  derselben  in  Folge  eines  Seilrisses  zu 
verhindern,  mit  einer  Fangvorrichtung  versehen.  — Die  Förderung  wird  nur 
beim  Bustehrader  Wenzel-Wetterschachte,  beim  Johannaschachte  und  bei  dem 
erst  im  Abteufen  stehenden  Sophienschachte  durch  Menschenkräfte  mittelst 
Haspeln  bewerkstelliget.  Bei  allen  anderen  Schächten  erfolgt  die  Förderung 
durch  Dampfkraft,  mittelst  Dampfmaschinen,  deren  nachstehende  in  Thätig- 
keit  sind:  Bei  dem  Witofka-  oder  Wittekschachte,  eine  Dampfmaschine  von 
10  Pferdekräften  und  1 Speismaschine  von  2 Pferdekraft,  bei  dem  Bustehrader 
Wenzelschachte  eine  Maschine  von  8,  bei  dem  M.  Antoniaschachte  eine  solche 
von  24  Pferdekraft,  beide  letzten  Hochdruckmaschinen  ohne  Expansion  mit  je 
1 Cylinder  und  Schwungrad;  bei  dem  Ferdinandschachte  eine  Bergl’örder- 
maschine  von  24  Pferdekraft,  bei  dem  Ludwigschachte  eine  Fördermaschine 
vou  24  und  1 Speismaschine  von  2 Pferdekraft,  bei  dem  Gut-HofFnungsschachte 
eine  Fördermaschiene  von  16  und  1 Speis-  und  Bohrmaschine  von  2 Pferde- 
kraft; — bei  dem  M.  Annaschachte  eine  Dampfmaschine  von  24,  und  bei  dem 
Procopischachte  eine  solche  von  40  Pferdekraft,  beide  Hochdruckmaschinen, 
letztere  mit  2 Cylindern  und  ohne  Schwungrad.  In  Kladno  ist  bei  dem  Wenzel- 
schachte eine  lfipferdige,  bei  dem  Layerschachte  eine  40pferdige  und  bei  dem 
Franzschachte  eine  24pferdige  Fördermaschine  thätig,  von  denen  die  erstere  mit 
einer  Geschwindigkeit  von  7 Fuss,  letztere  mit  einer  Geschwindigkeit  von  9 Fuss, 
und  die  Layerschachter  mit  einer  Geschwindigkeit  von  12  Fuss  per  Secunde 
fördert.  Am  Thinnfeldschachte  endlich  ist  eine  direct  wirkende  Fördermaschine 
von  60  Pferdekräften  nach  einer  neuen  für  grosse  Schachttiefen  berechneten 
Constructionsart  thätig,  welche  täglich  15.000  Centner  Kohle  zu  fördern  vermag, 
und  nun  täglich  6 — 7.000  Centner  Kohle  fördert.  Ueberdies  wird  gegenwärtig 
eine  Dampfmaschine  beim  Amalienschachte  aufgestellt,  um  dessen  Abteufen  zu 
beschleunigen.  — Die  zur  Förderung  verwendeten  Seile  sind  von  Drath,  und 
zwar  36dräthig,  mit  einer  Dicke  von  10 — 12  Linien  und  einer  Tragfähigkeit  von 
125  — 150  Centner.  Die  Drathseile  dauern  im  Durchschnitte  7 Monate. 

Die  Wetterführung  ist,  da  bei  allen  Bauen  sich  2 oder  mehrere  com- 
municirende  Schächte  befinden,  eine  natürliche.  Die  frischen  Wetter  fallen  näm- 
lich bei  den  tiefer  liegenden  Schächten  ein,  und  bei  den  höher  liegenden  aus, 
und  werden  auf  d.esem  Wege  durch  Wetterstrecken  und  Wetterthüren  in  der 
Art  geleitet,  dass  sie  sämmtliche  Baue  der  Grube  bestreichen.  Werden  die 
Wetter  matt  und  unzureichend,  was  besonders  bei  schwülem  Wetter  über  Tags 
in  den  Sommermonaten  öfters  eintritt,  so  behilft  man  sich  theil  weise  mit  Wetter- 
öfen. Ein  solcher  ist  beim  Kladnoer  Wenzelschachte  in  der  Grube  angebracht, 
der  im  Nothfalle,  und  zwar  zur  Vermeidung  der  Baucherzeugung  mit  Cokes 
geheitzt  wird,  deren  er  in  24  Stunden  4 — 5 Centner  benöthigt. 

Die  Grubenwässer  werden  gleichfalls  durch  Dampfkraft,  und  zwar  durch 
Dampfmaschinen,  die  ausschliesslich  diesem  Zwecke  gewidmet  sind , zu  Sumpf 
gehalten.  Beim  Wittekschachte  ist  zur  Wasserhebung  eine  Dampfmaschine  von 
16,  und  beim  Hoffnungsschachte  eine  solche  von  60  Pferdekräften  aufgestellt. 
Beim  Ludmillaschachte  bewerkstelligt  die  Wasserhebung  eine  direct  wirkende 
Dampfmaschine  von  60  Pferdekräften,  beim  Annaschachte  eine  30pferdige 
Maschine  mit  Schwungrad  und  Balancier  und  Uebertragung  durch  Kunstwinkel, 


478 


M.  V.  Lipoid. 


[48] 

und  beim  Procopi-  und  Ferdinandschachte  zwei  Dampfmaschinen  mit  Balancier 
ohne  Schwungrad  und  ohne  Uebertragung  von  beziehungsweise  100  und 
60  Pferdekräften.  Die  Pumpenwerke  hierbei  sind  durchaus  sogenannte  Plunger- 
sätze, bei  Ludmilla  von  13  Zoll,  bei  Anna  von  10  Zoll,  bei  Procopi  von  16  Zoll 
und  bei  Ferdinand  von  15  Zoll  Durchmesser,  und  es  beträgt  gegenwärtig  die 
gehobene  Wassermenge  bei  Ludmilla  8,  bei  Anna  6,  bei  Procopi  17  und  bei 
Ferdinand  15  Kubikfuss  per  Minute.  — In  Kladno  dienen  die  Förderschächte 
durchgehends  auch  zur  Wasserhaltung,  wesshalb  sie  stets  2 Fürder-  und  1 Kunst- 
abtheilung besitzen  und  rechtwinkelig  und  zwar  18  Fuss  lang  und  6 Fuss  breit, 
ausgefahren  sind.  Nur  der  im  Abteufen  befindliche  Amalienschacht  erhält  4,  und 
zwar  2 Förder-  und  2 Kunstabtheilungen , und  wird  desshalb  in  dem  Lichte 
25i/,  FUss  lang  und  61/,  Fuss  breit  ausgefahren.  Die  Wasserhebung  bewerkstelligt 
beim  Kladnoer  Wenzelschachte  eine  rotirende  Dampfmaschine  von  36  Pferdekraft 
mit  einem  Kolbenhub  von  4 Fuss.  An  Pumpen  sind  in  gleicher  Höhe  über  einander 
3 einfache  lOzöllige  Saugsätze  eingebaut,  die  einen  Hub  von  4 Fuss  haben,  und 
nach  Bedarf  8 Spiele  per  Minute  machen  können.  Der  constante  Wasserzufluss 
ist  im  Wenzelschacht  10  Kubikfuss  per  Minute.  — Am  Franzschachte  arbeitet 
eine  Cornwall’sche  60pferdekraftige  Wasserhaltungsmaschine  mit  einem  Hub  von 
5 Fuss  6 Zoll.  An  Pumpen  sind  daselbst  3 Saugsätze  und  ein  Drucksatz  von  je 
13  Zoll  Durchmesser  eingebaut,  welche  3 Mal  in  der  Minute  spielen,  und  bei 
einer  Hubhöhe  von  5 Fuss  den  constanten  Wasserzufluss  von  16  Kubikfuss  per 
Minute  bewältigen.  — Beim  Layerschachte  dient  zur  Wasserhebung  eine 
60pferdekräftige  Dampfmaschine,  von  der  die  Kraft  mittelst  eines  Räderpaares  auf 
die  Kunstkreuze  übertragen  wird.  Die  Hubhöhe  der  Maschine  ist  4 Fuss  2 Zoll, 
jene  der  Pumpensätze  5 Fuss.  Es  sind  im  Layerschachte  2 Rittinger’sche  Sätze 
von  12  Zoll,  2 Saugsätze  von  12  Zoll,  und  4 Drucksätze  von  7 Zoll  Durchmesser 
eingebaut,  und  wird  durch  dieselben  ein  Wasserquantum  von  20  Kubikfuss  per 
Minute  gehoben  i).  Am  Thinnfeldschachte  wird  die  Wasserhaltung  mittelst  einer 
60pferdekräftigen,  und  am  Kübeckschachte  mittelst  zweier  Dampfmaschinen  von 
76  Pferdekräften  bewerkstelliget.  Erstere,  eine  Cornwall'sche-Ballancirmaschine 
hebt  mittelst  4 Plunger  pumpen  aus  154  Klafter  Tiefe  16  Kubikfuss,  die  beiden 
letzteren  aus  187  Klafter  Tiefe  gemeinschaftlich  22  Kubikfuss  Wasser  per  Minute. 
— Die  angeführten  theils  zur  Förderung,  tlieils  zur  Wasserhaltung  aufgestellten 
und  thätigen  Dampfmaschinen  nächst  Bustehrad-Kladno  repräsentiren  im  Ganzen 
eine  Arbeitskraft  von  921  Pferden. 

Die  gewonnenen  Kohlen  werden  nach  4 Arten  gesondert:  Stückkohlen, 
Würfelkohlen,  Kleinkohlen  und  Schiefer-  oder  Kalkkohlen.  Die  Sonderung 
geschieht  durch  Menschenhände  während  der  Gewinnung  und  Förderung.  — 
Die  zur  Erzeugung  von  Cokes  in  Verwendung  kommenden  Klein-  und  Staubkohlen 
(Kohlenstaub)  werden  vorerst  einer  Verwaschung  unterzogen.  Beim  Bustehra- 
der  Baue  besteht  zu  diesem  Behufe  eine  einfache  „F 1 u th  w ä s ch  e“  aus  2 Ge- 
rinnen zu  6 Klafter  Länge,  und  1 Quadratfuss  Querschnitt  mit  einem  durch- 
schnittlichen Gefälle  von  3 Zoll  per  Klafter.  Aus  dem  am  Ende  der  Gerinne 
befindlichen  Sumpfe  wird  die  Kohle  ausgehoben.  Der  Waschverlust  beträgt 
12°/0.  — Auch  bei  den  Kladnoer  Bauen  waren  früher  „Fluthwäschen“  in  An- 
wendung. In  neuerer  Zeit  ist  jedoch  zu  den  übrigen  grossartigen  Anlagen  der 
Prager  Eisenindustrie-Gesellschaft  in  Kladno  auch  eine  neue  Kohlenwaschanlage 


Der  Bedarf  an  Brennmateriale  für  die  Dampfkessel  der  Dampfmaschinen  ist  im  Durch- 
schnitte per  Pferdekraft  und  Stunde  10  Pfund  Kohle,  die  Feierzeiten  mit  eingerechnet, 
— ohne  dieser  ungefähr  13  Pfund. 


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Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  479 


gekommen,  die  durch  eine  Dampfmaschine  von  40  Pferdekraft  in  Thätigkeit  gesetzt 
wird.  Sie  besteht  aus  3 Setzwäschen  mit  je  4 Setzsieben.  Oberhalb  jeder  Setz- 
wäsche befindet  sich  eine  Mühle,  an  der  die  Kohle  aufgegeben  wird,  und  aus 
welcher  die  vermahlene  Kohle  auf  ein  Sieb  fällt,  das  quer  über  den  Setzkästen 
hängt,  und  in  stetter  rüttelnder  Bewegung  erhalten  wird.  Durch  dieses  Sieb, 
welches  Durchlassöffnungen  von  4 verschiedenen  Dimensionen  hat,  gelangt  die 
Kohle  nach  4 Korngrössen  sortirt  in  die  darunter  befindlichen  4 Setzkästen,  auf 
die  in  denselben  befestigten  Setzsiebe.  Durch  das  mittelst  eines  Kolbens  von 
unten  nach  oben  gegen  die  Setzsiebe  gestossene  Wasser  wird  die  gewaschene 
Kohle  aus  den  Setzkästen  herausgeworfen,  und  gelangt  über  ein  unter  45  Grad 
geneigtes  Metallsieb,  welches  nur  das  Wasser  durchlässt,  in  eine  allen  4 Kästen 
gemeinschaftliche  Rinne,  von  wo  sie  durch  eine  fortwährend  rotirende  Schraube 
in  einen  vorgestellten  Wagen  ausgestossen  wird.  Der  Waschverlust  stellte  sich 
bisher  auf  20  — 25  Procent. 

Die  Verco ksung  erfolgt  bei  dem  Bustehrader  Werke  in  offenen  soge- 
nannten „Schaum  burger“  Oefen,  deren  gegenwärtig  16  im  Betriebe  stehen, 
und  deren  jeder  bei  einer  Länge  von  7 Klafter,  Breite  von  8 Fuss  und  Höhe  von 
5 Fuss  6 — 700  Centner  Kohlen  zu  fassen  vermag.  Im  Jahre  1859  wurden  in 
diesen  Oefen  aus  143.000  Centner  Staubkohlen  44.345  Centner,  somit  unge- 
fähr 30  Procent  an  Cokes  erzeugt.  Auch  bei  den  Kladnoer  Werken  der  Prager 
Eisenindustrie-Gesellschaft  wurden  früher  die  „Schaumburger“,  und  in  Rapic 
geschlossene  Oefen  in  Form  einer  Halbkugel  von  circa  9 Fuss  Durchmesser, 
welche  durch  eine  oberhalb  angebrachte  Oeffnung  gefüllt  wurden,  angewendet. 
Die  ersteren  gaben  ein  Ausbringen  von  30  Procent,  letztere  bei  Anwendung 
schöner  ausgesuchter  Kohle  ein  Ausbringen  von  45  Procent  an  Cokes.  Die 
grosse  neue  derzeit  im  Betriebe  stehende  Cokesofen-Anlage  der  Prager  Eisen- 
industrie-Gesellschaft besteht  aus  6 Massivs,  deren  jeder  30  Oefen  hat.  Die 
Oefen  sind  je  17  Fuss  lang,  2 Fuss  6 Zoll  breit  und  4 Fuss  6 Zoll  hoch,  oben 
flach  eingewölbt  und  von  beiden  Seiten  offen.  Das  Füllen  geschieht  von  oben 
durch  im  Gewölbe  angebrachte  Oeffnungen.  Die  Gase  werden  durch  in  der  einen 
Seitenwand  befindliche  Oeffnungen  in  einen  zwischen  je  2 Oefen  angebrachten 
Gascanal  geleitet,  der  unter  dem  Boden  des  Ofens  fortläuft.  Der  Gascanal  mün- 
det in  einen  gemeinschaftlichen  Gasableitungscanal,  welcher  die  Gase  von 
3 Massivs,  d.  i.  von  90  Oefen  in  einen  Schornstein  von  180  Fuss  Höhe  und 
7 Fuss  innern  Durchmesser  abführt.  Das  Entleeren  der  Oefen  geschieht  durch 
Auspresskraniche.  Die  Vercoksung  dauert  48  Stunden,  und  es  werden  zu 
100  Pfund  Cokes  375  Pfund  roher  ungewaschener  Kohle  henöthigt. 

Von  dem  in  Bustehrad-Kladnoer  Reviere  gewonnenen  Kohlenquantum  wird 
eine  nicht  unbedeutende  Menge  zur  Deckung  des  Brennmaterialbedarfes  der 
Kohlenwerke  selbst  verwendet.  Diese  Menge  dürfte  jährlich  nahe  an  1 Million 
Centner  betragen,  da  die  Beheitzung  der  Dampfkessel  für  sämmtliche  Dampf- 
maschinen von  961  Pferdekräften  allein  schon  über  800.000  Centner  Kohlen 
in  Anspruch  nehmen  mag.  Ueberdies  verwenden  die  beiden  in  Kladno  befind- 
lichen Coke-Hochöfen  täglich  4.000  Centner  Kohle,  und  dürften  somit  im  Jahre 
über  1,200.000  Centner  Kohle  benöthigen.  Sobald  sämmtliche  sechs  Coke-Hochöfen 
der  Prager  Eisenindustrie-Gesellschaft,  die  in  Kladno  erbaut  wurden,  in  Betrieb 
stehen  werden,  werden  dieselben  allein  jährlich  über  4,500.000  Centner  Kohlen 
benöthigen,  indem  der  tägliche  Bedarf  dieser  sechs  Oefen  auf  13.000  Centner 
Kohlen  veranschlagt  ist.  Das  übrige  Quantum  der  Gesammtkohlenerzeugung  gelangt 
zum  Verkaufe  mittelst  der  „Bustehrader“  Locomotiv-Eisenbahn,  welche  von 
Kladno  aus  über  Brandeisei  und  Wotwowic  nach  Kralup  führt,  wo  sie  in  die 

K.  k.  geologische  Reichsaustalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft.  61 


M.  V.  Lipoid. 


480 


[50] 


von  Prag  nach  Sachsen  führende  Eisenbahn  einmündet.  Die  Kohlenpreise 
sind  derzeit  für  den  Kleinverkauf  für  1 Centner  in  österr.  Währung: 


Stückkohle  . 
Würfelkohle 
Kleinkohle  . 
Kalkkohle  . 


loco  Grube 

. 34-39  kr. 
. 27—32  „ 

. 16-21  „ 

. 10—18  „ 


loco  Kralup  loco  Prag 

30  kr.  57  kr. 

42  „ 50  „ 

30  „ 39  „ 


Der  Cokesverkaufspreis  ist  durchschnittlich  40  Kreuzer  ö.  W.  per  Wiener 
Centner  loco  Grube. 


c)  Umgebung  von  Lana-Ruda. 


In  dem  westlich  von  Kladno  gelegenen  Steinkohlengebiete  sind  zunächst  bei 
Lana  und  bei  Ruda  nahe  an  der  Begrenzung  der  Steinkohlen-  und  Grauwackcn- 
Formation  Steinkohlenbaue  im  Betriebe.  Versuche  zur  Erschürfung  von  Kohlen- 
flötzen wurden  auch  östlich  und  nördlich  von  dem  Dorfe  Zilina  mittelst  zweier 
Bohrlöcher  (Taf.  I,  Bohrloch  31  und  32)  gemacht,  die  aber  eben  so  wenig,  wie 
die  Bohrlöcher  bei  Dokes,  Kohlenflötze  durchsanken  und  in  geringer  Teufe  den 
Thonschiefer  anfuhren,  der  südlich  vom  Dorfe  Zilina  zu  Tage  anstehet.  Südlich 
von  Lana,  am  Wege  nach  Ploskow  ist  man  zufällig  auf  Ausbisse  von  Steinkohlen 
gelangt,  die  zur  Abteufung  eines  Schachtes  (Tafel  I , Schacht  30),  welcher  in 
8 Klafter  Tiefe  die  Kohlen  erreichte,  und  zur  Eröffnung  eines  Bergbaues  auf  die 
Steinkohlen  Veranlassung  gab,  welche  letzteren  zum  Betriebe  einer  Darnpfsäge- 
mühle  in  Anwendung  kamen.  Mit  der  Ausserbetriebsetzung  der  letzteren  ist 
auch  der  Steinkohlenbau  sistirt  worden.  Eben  so  fanden  sich  südwestlich  von 
Lana  im  fürstlich  Fürstenberg’schen  Thiergarten  die  Ausgehenden  eines  Stein- 
kohlenflötzes  vor,  welches  man  durch  kleine  Schächte  (Tafel  I,  Schacht  31,  32 
und  33)  in  Angriff  nahm,  von  denen  jene  nächst  dem  Waschirover  Jägerhause 
noch  im  Betriebe  stehen,  und  nach  Durchfahrung  von  Kohlensandsteinen  und 
Schieferthon  in  12,  respective  in  7 Klaftern  das  Kohlenflötz  erreichten.  Letzteres 
besitzt  jedoch  sowohl  im  Thiergarten  als  auch  nächst  Ploskow  nur  die  Mächtigkeit 
von  3 Fuss,  und  ist  durch  mehrere  2 — 3zöllige  Schiefermittel  in  mehrere  Bänke 
getheilt,  so  dass  die  an  sich  minder  reine  Steinkohle  durch  die  zwischenliegen- 
den Kohlenschiefer  noch  mehr  an  ihrer  Güte  verliert.  Weitere  Bohrversuche, 
hauptsächlich  zu  dem  Zwecke,  die  westliche  Fortsetzung  der  Kladnoer  Kohlen- 
flötzablagerung  aufzudecken,  wurden  östlich  von  Lana  in  der  sogenannten  „Pusla 
dobra“  (Tafel  I,  Bohrloch  33),  nordwestlicht  von  Lana  auf  der  sogenannten 
„Kopanina“  nächst  der  Pferdeeisenbahn  (I,  34  «),  und  in  der  sogenannten 
„Tannen-Verspältung  im  fürstlich  Fürstenberg’schen  Thiergarten  südwestlich 
von  Lana  (I,  34  U)  gemacht.  Das  Bohrloch  in  der  „Pusta  dobra“  durchsenkte 
132  Klafter  tief  die  Steinkohlenformation,  fuhr  jedoch  in  dieser  Tiefe  das  Grund- 
gebirge — Thonschiefer  — an,  ohne  ein  Steinkohlenflötz  vorgefunden  zu  haben. 

In  diesem  Bohrloche  wurden  durchfahren  aus  der 


Klafter. 

Schachtteufe  von . 6% 

Gelblicher,  feiner,  eisenschüssiger 

Sandstein l3S/34 

Derselbe  Sandstein,  thonig i7/34 

„ „ ohne  Thon  . . . 14/13 

Röthlicher,  grobkörniger  Sandstein 

mit  Thon  gemengt  .......  1%4 


Klafter. 


Grauer  und  weisser  grobkörniger 

Sandstein , ...  . 39/12 

Blauer  Letten S1/* 

Weisser  feinkörniger  Sandstein  ...  % 

Blauer  Letten 17/34 


Graulicher  grobkörniger  Sandstein  . 10% 
Violetter  und  grüner  Letten  ....  5/13 


481 


[51] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


Grauer  grobkörniger  Sandstein  . . 
Grauer  glimmeriger  Schieferthon  mit 
grauem  und  röthüchem  Letten  . . 
Graulicher  und  weisser  Sandstein 
Grauweisser  Sandstein  mit  schwarzem 

und  rothem  Letten 

Grauer  Sandstein 

Conglomerat 

Feinkörniger  Sandstein 

Graulicher  Letten 

Glimmerreicher  fein-  und  grobkörni- 
ger Sandstein 

Grauer  Letten  mit  Kohlenspuren  . . 
Grauer  grobkörniger  Sandstein  . . . 
Grauer  Letten  mit  Kohlenschnüren  . 

Sandstein 

Grauer  plastischer  Letten 

Sandstein,  abwechselnd  fein-  und 
grobkörnig,  weiss,  gelb  und  grau, 

locker  und  fest 

Feiner,  lettiger  Sandstein 

Schwarzer  Letten 

Grobkörniger  grauer  Sandstein  . . 

Sandiger  Letten 

Sandstein,  fein-  und  grobkörnig,  zu- 
letzt mit  Schwefelkies 

Schwärzlicher  Letten 

Sandstein,  grob-  und  feinkörniger  . . 

Schwarzgrauer  Letten 

Sandstein  

Conglomerat 

Sandstein,  theils  fest,  theils  milde, 
fein-  und  grobkörnig  wechselnd 

Glimmerreicher  Letten 

Sehr  fester  Sandstein 

Grauer  Letten 

Sandstein 

Schwarzer  Letten  mit  Kohlenspuren  . 


Klafter. 

4l7/24 


2%4 

l5/l2 

*l3/24 

2 

25/24 


u/i* 

Va 

5%4 

Vi2 

1% 

25/i2 


1317/24 

. Vl2 

V24 

3/l2 

Via 

33i2 

Via 


13V24 

Ve 


l3/24 

% 


89/i2 

Ve 

lir/24 

3/24 

7/l2 

5/24 


Sandiger  Letten 

Feinkörniger,  kohlenhältiger  Sand- 
stein . . 

Conglomerat  ....  * 

Letten,  blau,  gelb,  grün 

Grauer  fester  Sandstein 

„ Letten 

„ Sandstein 

„ Letten 

„ Sandstein 

Letten,  blau,  gelb,  schwärzlich  . . . 

Schwärzlicher  Sandstein 

Bläulicher  Letten 

Feiner  uud  gröberer  Sandstein  . . . 

Blauer  sandiger  Letten 

Feiner,  weisser,  thoniger  Sandstein  . 

Blauer  sandiger  Letten 

Fein-  und  grobkörniger  Sandstein  . . 
Blaugrauer  Letten  ........ 

Feinkörniger,  zuletzt  thoniger  Sand- 
stein   

Blauer  glimmerreicher  Letten  . . . 

Sandiger  Letten 

Schwarzer  Letten  mit  Schwefelkies  . 
Grauer  feinkörniger  Sandstein  . . . 
Eisenhältiger  fester  Sandstein  (soge- 
nannter „Eisendeckel“) 

Moorartige  Kohle  

Grauer  und  blauer  Letten 

Sandiger  Thon ... 

Grüner  Schieferthon 

Sandiger  Lettenschiefer 

Schwärzlichgrüner  Letten  mit  Kohlen- 
schnürchen   

Schieferthon 

„ sehr  fest,  mit  Quarz  . . 
Thonschiefer 


Klafter. 

V. 

l5/24 

724 

2%4 

Via 

7/24 

9/l2 

Via 

l5/l2 

IVs 

7/64 

11/24 

i% 

% 

73 

IV12 

% 

S/l2 

2Vl2 

Via 

7/24 

1724 

15/24 


712 

73 

3724 

%4 

21/« 

15/24 


712 

2 

1% 

S/24 


Die  in  dem  „Kopaninaer“  Bohrloche  durchsenkten  Gebirgsschichten  waren 
folgende: 


Klafter. 

Gelber  Lehm 1 

Sandstein,  gelb,  weiss,  dann  eisen- 
schüssig („Eisendeckel“)  ....  53/12 

Violetter  Letten Ve 

Gelber  und  röthlicher  Sandstein  . . 49/i a 

Conglomerat 3% 

Rother  Letten 1 

Sandstein,  grobkörnig,  zuletzt  eisen- 
schüssig   9^/12 

Conglomerat 4 

Feinkörniger  Sandstein 1 

Weisser  sandiger  Letten y3 

Sandstein,  grob-,  dann  fein-,  dann 

wieder  grobkörnig 39/24 

Glimmerreicher  weisser  Thon  ...  a/3 

Grobkörniger  fester  Sandstein  . . . 3%4 

Schwärzlicher  glimmerreicher  Letten 

mit  Kohlenspuren  . . 17l2 

Grobkörniger  Sandstein  Vit 


Klafter. 

Letten,  bläulich  glimmerreich,  dann 

weiss  und  grau 217/24 

Sehr  fester  Sandstein 1 

Lettenschiefer,  bläulich,  schwarz  . . l3/24 
Weisser  feinkörniger  Sandstein  . . . 3/l2 

Grauer  Letten  . . . . V12 

Weisser  feinkörniger  Sandstein  . . . 33/24 

Letten,  grau  . . . 17/24 

„ schwärzlich  mit  Kohlenspuren  72 

„ dunkelblau  . . . 19/24 

Weisser  Sandstein,  fein-,  dann  grob- 
körnig   iy24 

Röthlicher  Letten  . . . 3/24 

Sandstein,  theils  fein-,  theils  grob- 
körnig, zum  Theile  thonig  . . . . 12% 

Bläulicher  Schieferthon 1%4 

Thoniger  Sandstein 25/6 

Grauer  Letten 1*%4 

Grobkörniger  Sandstein 5/i2 


61  * 


482 


M.  V.  Lipoid. 


[52] 


Klafter. 


Grauer  Letten % 

Mitlelkörniger  Sandstein 27/12 

Letten  mit  Spuren  moorartiger  Kohle, 

hell  und  dunkel  gefärbt 89/12 


Klafter. 

Sandstein,  feinkörnig,  grau  und  grün- 

licht  122*24 

Thonschiefer ^ V24 


Dieses  Bohrloch,  das  die  Teufe  von  106  Klaftern  erlangte,  hat  somit  nach 
Obigem  gleichfalls  das  Grundgebirge  erreicht,  ohne  Kohlenflötze  vorgefunden  zu 
haben.  Ebenso  resultatlos  blieb  das  Bohrloch  in  der  „Tannen-Verspältung“, 
welches  bis  zur  Teufe  von  31  Klaftern  in  der  Fortsetzung  des  IO1/,*  Klafter  tiefen 
Schachtes  daselbst  folgende  Schichten  durchsenkte: 


Klafter. 

Graulichen  Sandstein 11/12 

Letten,  röthlich,  gelblich,  blau- 
schwarz   l2/3 

Conglomerat 5/6 

Weissen  grobkörnigen  Sandstein  . . 2^24 

Röthlichen  Letten 7/24 

Weissen  Sandstein 17/12 


Klafter. 

Letten,  bläulich,  schwärzlich,  gelb  . 23/84 
Sandstein,  feinkörnig  wechselnd  mit 

grobkörnigem,  weiss  und  grau  . . 79/12 
Letten,  rothbraun,  schwarz,  blau, 

glimmerreich l21/24 

Feinkörnigen  lockeren  Sandstein  . . 23  04 

Thonschiefer 2/3 


Diese  Bohrversuche  wurden  in  den  Jahren  1850  — 1853  durch  die  fürstlich 
Fürstenberg’sche  Bergverwaltung  in  Lana  ausgeführt. 

Vielfache  Schurfversuche  auf  Steinkohlen  sind  in  der  Umgebung  von  Ruda 
gemacht  worden,  über  deren  Resultate  ich  dem  Herrn  Schichtmeister  Max  Pauk, 
derzeit  in  Schlan,  ausführlichere  Mittheilungen  verdanke.  Da  südlich  von  Ruda, 
nahe  an  der  Grenze  der  Steinkohlen-  und  Grauwackenformation  (Tafel  1, 
Schacht  34),  der  Abbau  eines  Steinkohlenflötzes  durch  Herrn  Gewerken  Poche 
schon  längere  Zeit  im  Betriebe  stand,  so  unternahm  es  im  Jahre  1853  eine 
andere  Privatgewerkschaft,  das  Poche'sche  Steinkohlenflötz  in  der  weiteren 
nördlichen  Fortsetzung  aufzudecken.  Unglücklicher,  aber  auch  unvorsichtiger 
Weise  hatte  sie  hierbei  den  Vorspiegelungen  von  ein  Paar  obscuren  Individuen, 
denen  es  nur  um  Arbeit  und  Gewinn  zu  thun  war,  vertraut,  und  denselben  auch 
die  Leitung  der  Schürfungen  überlassen,  statt  hiezu  gleich  anfänglich  ein  theo- 
retisch und  praktisch  gebildetes  Individuum  in  Anspruch  zu  nehmen.  Die  Schür- 
fungen wurden  energisch  betrieben,  Bohrungen  vorgenommen,  27  Schächtchen 
abgeteuft,  und  hiebei  Angaben  von  dem  Auftreten  mächtiger  Kohlenflötze 
gemacht.  So  sollen  mittelst  des  Bohrloches  nächst  dem  Dorfe  Ruda  (Tafel  I, 
Bohrloch  35)  in  der  6.  Klafter  ein  l3/3fussiges,  in  der  8.  Klafter  ein  21/2fussiges, 
in  der  9.  Klafter  ein  3fussiges,  in  der  15.  Klafter  ein  5fussiges,  und  in  der 
17.  Klafter  ein  öfussiges  Kohlenflötz,  — in  einem  Bohrloche  westlich  vom 
Patecker  Heger,  wo  der  Schacht  Nr.  15  (Tafel  I,  Schacht  37)  steht,  ein  Kohlen- 
flötz von  9 Fuss  Mächtigkeit,  — und  überhaupt  in  mehreren  Bohrlöchern  bis 
9 Fuss  mächtige  Kohlenflötze  durchsunken  worden  sein.  Auf  Grundlage  dieser 
Angaben  wurden  Schacht-  und  Maschinenhäuser  gebaut,  bei  den  Schächten 
nächst  dem  Bohrloche  bei  Ruda  (I,  Bohrloch  35)  und  südöstlich  vom  Patecker 
Heger  (Tafel  I,  Schacht  36)  Dampfmaschinen  zu  je  16  Pferdekräften  aufgestellt, 
und  überhaupt  Einleitungen  zu  einem  grossartigen  Abbaue  getroffen.  Als  jedoch 
im  Jahre  1855  Herr  M.  Pauk  die  Werksleitung  dieser  bereits  ausgedehnten 
Schurfbaue  übernahm,  und  mit  Hilfe  der  Dampfmaschine  das  Abteufen  des 
bezeichneten  Schachtes  bei  Ruda  bis  zur  Teufe  von  12  Klafter  erfolgt  war, 
hatte  man  bis  dahin  nur  in  der  5.  Klafter  ein  6 Zoll  mächtiges,  dagegen  weder 
ein  l2/3fussiges,  noch  ein  21/2fussiges,  noch  ein  3fussiges  Kohlenflötz,  wie  es  nach 
der  Angabe  der  Resultate  des  daselbst  abgeteuften  Bohrloches  hätte  stattfinden 
sollen,  angefahren!  Das  weitere  Schachtabteufen  wurde  nun  eingestellt,  und 


[83] 


Das  Steinkohl engebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


483 


statt  dessen  in  demselben  eine  Vorbohrung  eingeleitet,  durch  welche  in  der 
Teufe  von  43  Klaftern  das  Grundgebirge,  nämlich  Thonschiefer,  erreicht,  und 
hiebei  theils  Sandstein,  theils  Letten,  aber  keine  Spur  eines  Kohlen- 
flötzes  durchsunken  wurde!  Eben  so  wurde  in  dem  Schachte  südwestlich  vom 
Dorfe  Ruda  (Tafel  I,  Schacht  33),  welcher  dazu  beslimmt  war,  das  in  dem 
obgenannten  Rudaer  Bohrioche  angeblich  Vorgefundene  l2/3  Fuss  mächtige 
Kohlenflötz  aufzuschliessen  und  in  Abbau  zu  bringen,  kein  Kohlenflötz,  wohl 
aber  in  der  16.  Klafter  Thonschiefer  angefahren,  welcher  daselbst  ein  Einfallen 
nach  Nordosten  mit  30—40  Grad  zeigte. 

In  Folge  dieser  ungünstigen  und  die  Angaben  der  ursprünglichen  Werks- 
leiter verdächtigenden  Resultate  wurde  nördlich  von  dem  erwähnten  Patecker 
Schachte  Nr.  13  (Tafel  1,  Schacht  36),  dessen  Abteufen  auf  Grundlage  der  An- 
gabe, dass  daselbst  ein  9fussiges  Kohlenflötz  erbohrt  worden  sei,  begonnen 
wurde,  und  zwar  in  einer  Entfernung  von  70  Klafter  von  dem  Schachte  (Tafel  I, 
Bohrloch  36),  so  wie  auch  südlich  von  diesem  Schachte  20  Klafter  entfernt 
(Tafel  I,  Bohrloch  37)  eine  neue  Bohrung  unternommen,  um  die  Wahrheit  ohiger 
Angabe  zu  constatiren.  In  dem  Schachte,  welcher  die  Teufe  von  33  Klafter 
erreichte,  wurden  durchfahren: 

Klafter. 

Dammerde  und  gelber  Thon tl/3 

Lichtgrauer  lockerer  Sandstein  . . . 4y3 
Roth,  grau,  gelb  und  weiss  gestreifter 

Letten 3 

Glimmerreicher,  feinkörniger  licht- 
grauer und  lichtgelber  Sandstein  . . 2 
Lichtgrauer  glimmeriger  Letten  . . . iy6 
Glimmerreicher  Sandstein,  wie  oben  . s/3 
Lichtgrauer  glimmeriger  Letten  . . . 3,3/24 
Glimmerreicher  lockerer  Sandstein  . . 2y24 

Kohlen  fl  ötzchen 5/24 

Grauer  Letten  mit  Sphärosiderit  und 

Pflanzenabdrücken  . . i9/äi 

Compacter  grauer,  dann  feinkörniger 
grauer  und  gelber  Sandstein  . . . 39/24 


Klafter. 

Feiner  gelblicher  lockerer  Sandstein  . y3 

„ „ fester  Sandstein  . . y3 

Glimmerreicher  sandiger  Letten  . . .l11/24 
Feiner  glimmeriger  fester  grauer  und 

weisser  Sandstein 6%4 

Conglomerat 11/24 

Rother  Sandstein  yi3 

Grauer  Letten  mit  einem  3— Szölligem 

Kohlenflötzchen 2/3 

Grauer  und  weisser  feinkörniger  glim- 
meriger und  grobkörniger  Sandstein  l9/24 
Conglomeratsandstein,  weiss,  mit  Koh- 
lentrümmern . . . 


Im  Schachte  wurde  noch  weitere  4 Klafter  vorgebohrt  und  die  Bohrung  im 
Sandsteine  anstehend  sistirt.  Das  nördlich  vom  Schachte  befindliche  Bohrloch 
(Tafel  I,  36)  durchörterte  bis  an  den  Thonschiefer,  welchen  es  in  der  32.  Klafter 


erreichte,  folgende  Gesteinsschichten: 

Klafter. 


Dammerde 5/12 

Lichten  thonigen  Sand 4/3 


Rothen  sandigen  Letten % 

Eisenschüssigen  Sandstein,  zuletzt  sehr 
fest  und  grobkörnig  (Eisendeckel)  2y3 
Lichtgelben  und  rothen  Letten  . . . 5/24 

Feinkörnigen  glimmerreichen,  violet- 
ten Sandstein  . . . 13,24 

Eisenschüssigen  Sandstein 5/6 

Roth,  grau,  gelb  und  weiss  gestreiften 

Letten 59/12 

Lichten  glimmerreichen  Letten  . . . l7y12 

Lichtgelben  feinkörnigen  Sandstein  . l2/3 

Lichtgrauen  und  röthlichen  glimmeri- 
gen  Letten  und  grünen  Schieferthon 
mit  Sphärosideritkugeln  .....  421/24 

Grauen  mittelfeinen  Sandstein  . . , 23/24 


Klafter. 

Blassgrauen  Letten,  glimmerarm,  . . l11/i2 

Weissen  und  lichtgrauen  Sandstein  mit 

Kohlenspuren 35/6 

Kohlenflötzchen 5/24 

Sandstein,  leiehtgrau,  fein-  und  grob- 
körnig   11  V24 

Dunkelgrauen  Letten  mit  Anthracit- 

kohle V« 

Rothen,  weiss  gestreiften  Letten  . . n/jg 
Sandstein,  lichtgrau,  fein-  und  grob- 
körnig   1015/24 

Ziegelrothen  Letten y3 

Conglomeratsandstein y3 

Conglomerat l19/24 

Thonsehiefer,  — in  welchem  das  Bohrloch 
noch  41/5  Klafter  abgesenkt  wurde. 


484 


M.  V.  Lipoid. 


[54] 


Eben  so  wenig,  wie  mit  diesem  Bohrloche,  hat  man  auch  mit  dem  südlich 
vom  Schachte  angelegten  Bolirloche  (Tafel  I,  37),  welches  37  Klafter,  und  zwar 
ebenfalls  bis  an  den  Thonschiefer  niedergebracht  wurde,  mit  Ausnahme  des 
13zölligen  Kohlenflötzchens  irgend  ein  Kohlenflütz  durchsunken,  so  wie  auch  ein 
anderes  an  der  Strasse  von  Buda  nach  Bakonic  gelegenes  Bohrloch  (Tafel  I, 
Bohrloch  38)  in  22  Klafter  Teufe  den  Thonschiefer  erreichte,  ohne  irgend 
etwas  anderes,  als  wechselnde  Sandstein-  und  Schieferthonschichten  vorgefun- 
den zu  haben.  Da  durch  diese  letzteren  Bohrversuche  genügend  nachgewiesen 
wurde,  dass  die  hoffnungsreichen  Angaben  der  ersten  Werksleiter  falsch  und 
trügerisch  waren  , und  da  somit  auch  jede  Hoffnung  auf  ein  günstiges  Resullat 
in  dem  Maschinenschachte  südöstlich  vom  Patecker  Heger  (Tafel  I,  Schacht  24), 
in  welchem  bis  zur  erreichten  Teufe  von  23  Klaftern  nur  Sandsteine  und  Schiefer- 
thone  beleuchtet  wurden,  schwand,  so  wurde  nicht  nur  das  weitere  Abteufen 
dieses  Schachtes  sistirt,  sondern  von  der  oberwähnten  Privatgewerkschaft,  deren 
Opferwilligkeit  ein  besseres  Loos  verdient  hätte,  im  Mai  1859  jede  weitere 
Schurfarbeit  nächst  Ruda  eingestellt,  und  das  Terrain  als  erwiesen  hoffnungslos 
verlassen. 

Das  bei  dem  Poche’schen  Kohlenwerke  (Tafel  I,  Schacht  34)  in  Abbau 
befindliche  Steinkohlenflötz,  dessen  Kohle  — nach  einer  bei  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  vorgenommenen  Untersuchung  — in  100  Theilen  5*7  Theile 
Wasser  und  6*7  Theile  Asche  enthält,  und  von  welcher  10-2  Centner  einer  Klafter 
30zölligen  weichen  Holzes  äquivalent  sind,  besitzt  im  Durchschnitte  eine  Mäch- 
tigkeit von  3 Fuss,  ist  aber,  wie  es  die  Aufschlüsse  dnrgethan  haben,  in  einer 
ganz  kleinen  isolirten  Mulde  von  beiläufig  800  Quadratklaflter  Fläche  abgelagert, 
und  keilt  sich  demnach  in  dieser  Mulde  nach  allen  Richtungen  aus.  Der  Schacht, 
welcher  noch  in  das  Liegende  desKohlenflötzes  fortgesetzt  wurde,  erreichte  bereits 
in  der  14.  Klafter  den  Thonschiefer.  Der  Thonschiefer  steht  übrigens  südlich  von 
diesem  Schachte  kaum  120  Klafter  entfernt  zu  Tage  an,  und  er  wird  daselbst 
unmittelbar  von  dem  3fussigen  Kohlenflötze  überlagert,  dessen  Ausgehenden  man 
ringsum  in  der  kleinen  Mulde  1 — 1 i/z  Klafter  tief  unter  dem  Rasen  aufdeckte. 

Das  Kohlenflötzchen,  welches  in  dem  oberwähnten  Patecker  Schachte 
Nr.  15  durchfahren  wurde,  besteht  aus  wechselnden  Kohlen-  und  tauben 
Schieferschichten,  und  zwar  aus : 


Zoll. 

Kohle 6 

Zwischenmittel 3 

Kohle 3 

Zwischenmittel 1 


Zoll. 


Kohle 2 

Zwischenmittel 2 

Kohle 2 


mit  der  Gesammtmächtigkeit  von  19  Zoll,  wovon  13  Zoll  Kohle  und  6 Zoll  taube 
Zwischenmittel  sind.  Dieses  sogenannte  13zöllige  „Hangendflötzchen“  findet 
sich  in  der  Umgegend  von  Ruda  fast  allenthalben  vor.  Es  wurde  dasselbe  auch 
in  zwei  Bohrlöchern  und  in  einem  Schächtchen  an  derRakonicer  Strasse  westlich 
vom  Horacker  Heger  (Tafel  I,  Bohrloch  39  und  40,  Schacht  39),  und  zwar  in 
dem  ersteren  Bohrloche  in  7,  in  dem  zweiten  in  4 Klafter  Teufe  vorgefunden, 
und  kömmt  neben  den  Schächten  in  Ausbissen  zu  Tage.  Andere  Kohlenflötze 
wurden  auch  mit  den  letztgenannten  zwei  Bohrlöchern  nicht  durchsunken, 
obschon  beide  bis  an  den  Thonschiefer,  und  zwar  ersteres  23  und  letzteres 
21  Klafter  tief,  niedergebracht  worden  sind.  Dagegen  stand  nordwestlich  von 
diesen  Ausbissen  in  dem  fürstlich  Fürstenberg’schen  Wildschweingehege 
(Saugarten)  ein  Bergbau  auf  Steinkohlen,  die  „Karolizeche“  (Tafel  I,  Schacht  38), 
im  Betriebe,  in  welchem  ein  3fussiges  und  unter  demselben  ein  19fussiges 


[SS] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  485 


Steinkohlenflötz  mit  dem  Streichen  nach  Stunde  23  und  mit  westlichem  Ver- 
flachen aufgeschlossen  worden  sein  sollen.  Der  Fortbetrieb  dieses  von  der  fürst- 
lich F ü r sten  b er g’schen  Gutsverwaltung  eröffneten  Grubenbaues  wurde  wegen 
Störung  des  Wildgeheges  eingestellt,  und  da  wegen  dieses  Geheges  anderen 
Bergbaulustigen  ohne  Genehmigung  des  Gründeigenthümers  in  demselben  das 
Schürfen  gesetzlich  nicht  gestattet  ist,  so  sind  bisher  in  diesem  hoffnungsvollen 
Terrain  auch  keine  weiteren  Untersuchungen  der  Steinkohlenablagerungen  vor- 
genommen worden. 

d)  Umgebung  von  Rakonic. 

In  den  Sitzungsberichten  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in 
Wien  — XXIX.  Band,  Nr.  8,  März  1858,  Seite  121  — ist  von  Herrn  Professor 
Dr.  A.  E.  Reuss  in  Prag  eine  Abhandlung  „Ueber  die  geognostischen 
Verhältnisse  des  Rakonicer  Beckens  in  Böhmen“  erschienen,  welche 
die  in  diesem  Becken  bekannten  Steinkohlen  Vorkommen  erörtert.  Ich  muss  auf 
diese  verdienstvolle  Arbeit  des  Herrn  Dr.  Reuss  um  so  mehr  hinweisen,  als 
nur  ein  Theil  des  Rakonicer  Beckens , nämlich  der  östlich  vom  Meridian  von 
Rakonic  befindliche,  in  das  Bereich  meiner  geologischen  Aufnahmen  des  Jahres 
1859  fiel. 

Die  Begrenzung  der  Gebilde  der  Steinkohlenformation  gegen  jene  der 
Grauwackenformation  ist  in  der  Umgebung  von  Rakonic  grösstentheils  unmittel- 
bar sichtbar,  und  allenthalben  findet  man,  dass  die  Schiefer  der  silurischen 
Grauwacke  an  dieser  Grenze  ziemlich  steil  nach  Nord  oder  Nordwest  einfallen, 
und  von  den  Sandsteinen  der  Steinkohlenformation  mit  flacherem  Einfallen  über- 
lagert werden.  Die  Gebilde  der  Steinkohlenformation  treten  jedoch  in  diesem 
Terrain  nur  wenig  an  dem  südlichen  Rande  des  Beckens  zu  Tage,  indem  sie 
allenthalben  von  dem  Rothliegenden,  das  im  Rakonicer  Becken  sehr  verbreitet 
ist,  überdeckt  werden. 

Ueber  die  Zusammensetzung  und  die  Lagerungsverhältnisse  der  Steinkohlen- 
formation geben  auch  in  der  Umgebung  von  Rakonic  die  verschiedenen  Stein- 
kohlenbaue und  die  mehrfachen  Bohrversuche  auf  Steinkohlen  die  besten 
Aufschlüsse. 

An  der  Ostgrenze  des  Rakonicer  Beckens,  am  Nordgehänge  des  „langen 
Kammes“  befinden  sich  mehrere  alte  Schächte  (Tafel  I,  Schacht  40),  mittelst 
welcher  ein  5 Fuss  mächtiges  Steinkohlenflötz  abgebaut  wurde.  Die  Schächte 
erlangten  bis  zur  Kohle  die  Tiefe  von  7 — 10  Klaftern,  und  in  der  Teufe  von 
25  Klaftern  hat  man  bereits  den  Thonschiefer  der  Grauwackenformation  ange- 
fahren. 

Südwestlich  von  diesen  älteren  Kohlenbergbauen,  im  Glashüttengraben  oder 
in  der  sogenannten  „Belsanka“,  sind  von  Seite  der  Prager  Eisen-Industrie- 
gesellschaft  in  Kladno  Schürfungen  auf  Kohlen  vorgenommen  worden.  Mittelst 
eines  Stollens  am  rechten  Bachufer  und  mittelst  Schächten  am  linken  Thal- 
gehänge (Tafel  I,  Belsanka)  hat  man  ein  5 Fuss  mächtiges  Steinkohlenflötz  mit 
minder  reiner  Kohle  angefahren,  das  im  Allgemeinen  ein  Streichen  von  Nord 
nach  Süd  und  ein  westliches  Einfallen  mit  15 — -20  Grad  besitzt,  und  dem 
oberwähnten  Kohlenflötze  am  „langen  Kamm“-Gehänge  identisch  sein  dürfte. 
Unter  diesem  Steinkohlenflötze  soll  ein  zweites  von  6 Fuss  Mächtigkeit 
auftreten. 

An  dem  südlich  vom  Glashüttengraben  aufsteigenden  Bergrücken,  an  der 
»chladnä  stran“,  befindet  sich  der  Ma r esch’sche  Steinkohlenbergbau,  der 


486 


M.  V.  Lipoid. 


[56] 

schon  längere  Zeit  im  Betriebe  steht.  Er  wird  mittelst  Schächten  betrieben 
(Tafel  I,  Schacht  41),  die  keine  grosse  Teufe  erreichten,  da  die  Mächtigkeit 
der  Steiukohlenformation,  welche  daselbst  eine  Ausbuchtung  in  der  Silurformation 
bildet,  kaum  40  — 50  Klafter  beträgt.  Mit  diesen  Schächten  wurden  zwei  Stein- 
kohlenflötze von  4 und  5 Fuss  Mächtigkeit  in  Abbau  gebracht,  welche,  obschon 
mehrfach  wechselnd , im  Durchschnitte  ein  Streichen  von  Nordost  nach  Siidwest, 
und  ein  nordwestliches  Verflächen  besitzen,  das  gegen  das  südöstliche  Aus- 
gehende ungefähr  20  Grad  beträgt  und  nach  dem  tieferen  Einfällen  flacher  wird 
und  bis  unter  10  Grad  fällt.  Das  zwischen  den  beiden  Kohlenflötzen  befindliche 
taube  Zwischcnmittel  beträgt  nahe  dem  Ausgehenden  nur  wenige  Zoll,  nimmt 
aber  je  tiefer  nach  dem  Einfallen  an  Mächtigkeit  zu,  während  gleichzeitig  in 
demselben  Verhältnisse  das  Hangendkohlenflötz  an  Mächtigkeit  abnimmt.  Auch 
in  das  Liegendkohlenflötz  schiebt  sich  nach  dem  Verflächen  ein  taubes  Zwischen- 
mittel ein,  das  die  Kohle  in  der  Art  verdrängt,  dass  in  den  nordwestlichen  Auf- 
schlüssen nur  mehr  ein  18zölliges  Kohlenflötz  vorhanden  ist.  Ueberhaupt  gewinnt 
es  den  Anschein,  dass  die  Kohlenttötzablagerung  an  der  chladnä  strah  eine  aller- 
seits sich  auskeilende  sei,  und  nur  eine  kleine  isolirte  Mulde  ausfülle.  Auch  ist 
der  grösste  Theil  dieser  Ablagerung  bereits  abgebaut  oder  durch  Brüche 
unzugänglich  geworden. 

Am  südlichen  Gehänge  des  chladnä  stran-Rückens  kommt  alsbald  die  Grau- 
wackenformation zu  Tage.  Eben  so  ist  am  nördlichen  Gehänge  desselben  Rückens 
bis  in  das  Glashüttenthal  die  Steinkohlenformation  nicht  mächtig  entwickelt, 
indem  ein  Bohrloch,  das  an  diesem  Gehänge  in  der  „Habrowa  stran“  (Tafel  I, 
Bohrloch  41)  abgeteuft  wurde,  schon  in  der  11.  Klafter  den  Thonschiefer  anfuhr, 
nachdem  es  vorher  Kohlensandsteine  und  Conglomerate  und  l»/8Fuss  blauen 
Letten,  jedoch  keine  Kohlenspuren  durchsenkte. 

Einen  bedeutenden  Aufschluss  erhielt  die  Steinkohlenformation  in  der  Um- 
gebung von  Rakonic  durch  das  Kohlenbergwerk  „Adalbertizeche“,  welches 
sich  x/z  Stunde  östlich  von  der  Stadt  Rakonic  an  der  Nordseite  des  grossen 
Teiches  befindet  (Tafel  I,  Schacht  42  und  43).  Der  Güte  des  Bevollmächtigten 
der  Adalberti-Gewerkschaft,  Herrn  Gustav  Schupansky  jun.,  verdanke  ich 
mehrfache  Daten  über  diesen  Bau,  wie  überhaupt  über  die  Umgebung  von  Rako- 
nic. Der  Beginn  dieses  Bergbaues  datirt  vom  Jahre  1847,  wo  von  ein  Paar  Tag- 
löhnern das  Ausgehende  eines  Kohlenflötzes  in  der  Nähe  der  jetzigen  Schächte  i 
erschürft  wurde.  Herr  Kaufmann  Johann  Herold  von  Rakonic  nahm  die  weiteren 
Schürfungen  und  Aufschlüsse  in  die  Hand,  und  associrte  sich  in  der  Folge  mit 
Herrn  Gustav  Schupansky  sen.  von  Rakonic,  welcher  im  Jahre  1859  in  den 
Alleinbesitz  des  Grubenbaues  trat.  Im  Jahre  1857  wurde  die  Gründung  einer 
Gewerkschaft  versucht,  welcher  Versuch  aber  an  den  damaligen  ungünstigen 
Verhältnissen  des  Geldmarktes  scheiterte. 

Der  Werkscomplex  der  „Adalbertizeche"  besteht  aus  39  Grubenfeldmassen 
und  einigen  Ueberscharren.  Die  Situation  derselben  nebst  Grubenplan  ist  in  der 
beigefügten  Tafel  VI  dargestellt.  Der  Aufschluss  der  Steinkohlenflötze  erfolgte 
mittelst  Schächten,  deren  vier  nahe  dem  südöstlichen  Ausgehenden  der  Flötze  | 
(Schacht  Nr.  1 incl.  4),  und  ein  fünfter  — der  Katharina-Hauptschacht  — in  i 
einer  Entfernung  von  ungefähr  250  Klaftern  nordwestlich  von  den  ersteren  sich 
befinden.  Durch  die  vier  erstgenannten  Schächte,  hei  deren  einem,  dem 
„Jamkaschacht"  eine  6pferdige  Dampfmaschine  zur  Wasserhebung  aufgestellt 
ist,  wurden  die  Steinkohlenflötze  in  einer  Teufe  von  8 — 14  Klaftern  unter  Tage 
erreicht  und  durchsunken,  und  von  denselben  aus  durch  streichende  und  j 
schwebende  Strecken  ausgerichtet. 


[37] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


487 


Der  Katharinaschacht  erreichte  die  Steinkohlen  mit  48  Klafter  Teufe  und 


durchsenkte  folgende  Gesteinsschichten  : Klafter. 

Röthlichen  Lehm  mit  Kieselgeröllen 6 

Sandsteine,  theils  fein-,  theils  grobkörnig,  grau,  gelblich,  weiss,  mit  Kaolin- 

Bindemittel,  röthlichem  Feldspath,  und  sparsamen  weissem  Glimmer 12VS 

Schieferthon,  glimmerreich,  theils  fettig,  theils  sandig,  theils  eisenschüssig  ....  2% 
Sandsteine,  sehr  fein,  dann  mittel-,  dann  grobkörnig,  röthlichgrau,  gelblich,  mit 

wenig  Kaolin 53/3 

Schieferthon,  hellgrau  mit  wenig  Glimmer % 

Sandstein,  feinkörnig,  locker,  mit  wenigem  eisenschüssigem  Bindemittel 1 

Letten,  fettig,  hellgrau,  in’s  grünliche  mit  Knollen  von  Sphärosiderit % 

Lage  von  Sphärosideritknollen % 

Letten,  wie  oben % 

Sandstein,  sehr  feinkörnig,  glimmerreich,  mit  Spärosideritkörnchen  und  Drusenräumen 

mit  Kalkspath,  Bleiglanz  und  Schwefelkieskrystallen 5/24 

Letten,  glimmerleer,  dunkelgrau • % 

Sandstein,  fein-,  dann  grobkörnig,  mit  sparsamem  Kaolin  und  silberweissem  Glimmer, 

zum  Theil  eisenschüssig,  zuletzt  mit  Kohlenschnürchen  . 15% 

Letten,  mager,  grüngrau,  glimmerreich 5/12 

Sandstein,  grobkörnig,  mit  einzelnen  Feldspathkörnern  und  Glimmer y3 

Letten,  mager,  grüngrau,  glimmerreich  mit  Pflanzenabdrücken V12 

Sandstein,  hellgrau,  grobkörnig,  glimmerig % 

Letten,  wie  der  vorhergehende 1 

Steinkoh  le  (Repräsentant  der  Oberbank)  %4 

Sphärosiderit,  feinkörnig,  geschichtet %4 

Schieferthon,  dunkelgrau,  hellgrau,  mit  Pflanzenresten %4 

Steinkohle  (1.  Mittelbank) 7/24 

Schieferthon,  grünlichgrau  mit  undeutlichen  Pflanzenresten  (Schramm) %2 


Letten,  hellgrau  mit  zahlreichen  Pflanzenabdrücken . % 

Steinkohle  (Repräsentant  der  5.  Bank)  mit  Samen  und  Früchten  von  Pflanzen  . . . s/24 

Letten,  — übergehend  in  festen  Thonschiefer. 


Die  durch  die  Schichte  Nr.  1 bis  4 und  durch  die  Grubenstrecken  auf- 
geschlossene Kohlenflötzablagerung  ist,  wie  es  aus  den  Durchschnitten  AB  und 
CD  in  Tafel  IV  ersichtlich,  eine  muldenförmige,  und  daher  Findet  sich  eine  be- 
stimmte Streichungsrichtung  nicht  vor.  Das  Einfallen  der  Flötze  gegen  die  Mitte 
der  Mulde  beträgt  kaum  b — 6 Grad.  Durch  mehrfache  Klüfte,  deren  die  haupt- 
sächlichsten in  dem  Grubenplane  verzeichnet  sind,  werden  die  Kohlenflötze  um 
ein  paar  Fuss  bis  zu  1 Klafter  verworfen.  Im  Osten  und  Norden  stossen  sich  die 
Kohlenflötze  an  einem  Schieferrücken  des  Grundgebirges  ab,  das  ostwärts  in  der 
Nähe  der  Schächte  am  Teiche  zu  Tage  tritt.  Durch  einen  Querschlag,  den  man 
im  Nordfelde  durch  den  Schieferrücken  trieb,  und  durch  ein  unterirdisches 
Bohrloch,  das  man  an  der  Nordseite  des  Rückens  abbohrte  (siehe  Durchschnitt 
CD  in  Tafel  IV),  und  mit.  welchem  man  Kohlen  anfuhr,  hat  man  die  Ueber- 
zeugung  gewonnen,  dass  die  Steinkohlenflötzablagerung  auch  jenseits,  d.  i.  nörd- 
lich von  diesem  Schieferrücken  ihre  Fortsetzung  finde.  Dieser  Schieferrücken 
zieht  sich  mit  einer  Krümmung  in  nordwestlicher  Richtung  bis  in  die  Nähe  des 
Katharinaschachtes,  und  streicht  nordöstlich  an  demselben  vorbei.  Man  hat  dess- 
halb  mit  dem  Katharinaschachte  die  Flötze  nicht  in  ihrer  vollen  Mächtigkeit, 
welche  sie  in  der  ersterwähnten  Mulde  besitzen,  angefahren,  jedoch  durch 
Streckenbetrieb  dieselben  von  dem  Schachte  aus  theilweise  ausgerichtet  (Durch- 
schnitt AB,  Tafel  IV).  Auch  hier  vermuthet  man  aus  der  Analogie,  dass  sich  die 
Steinkohlenflötze  nordöstlich  von  dem  Schieferrücken  wieder  ansetzen  werden, 
während  das  Anhalten  der  Flötze  in  südlicher  Richtung  von  dem  Katharinaschachte 
aus  gegen  den  grossen  Teich  um  so  zuversichtlicher  erwartet  werden  kann,  als 
man  mit  zwei  Bohrlöchern  in  der  Nähe  des  grossen  Teiches  Steinkohlen  aufdeckte. 

62 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


488  M.  V.  Lipoid.  [58] 


Die  Beschaffenheit  der  Kohlenflötzablagerung  in  der  Adalbertizeche  zeigt 
die  nachfolgende  Skizze: 


Kohlen 

Berge 

Klafter 

Fuss 

Zoll 

Klafter 

Fuss 

Zoll  | 

Schieferthon. 

Kohle  — Oberbank 

1 

Sandiger  Schieferthon 

. 

6 

Kohle  — schmales  Flötz 

1 

Sandiger  fester  Schieferthon  .... 

. 

9 

Kohle  — Mittelbank  — Oberpaken  . . 

4 

Schieferthon  — Schramm 

3 

Kohle  — Mittelbank  — Unterpaken  . 

4 

3 

. 

Sandiger  Schieferthon 

. 

. 

5 

6 

Kohle  — Unterbank 

Schieferthon 

3 

9 

* 

• 

3 

1 

• 

1 

i 

• 

4 Klafter  2 Fuss. 

Die  ganze  Mächtigkeit  der  Ablagerung  beträgt  4 Klafter  2 Fuss;  hiervon 
nehmen  die  fünf  Kohlenflötze  3 Klafter  1 Fuss  und  die  tauben  Zwischenmittel 
1 Klafter  1 Fuss  ein.  Ich  kann  nicht  umhin,  auf  die  Aelmlichkeit  hinzuweisen, 
welche  diese  Ablagerung  mit  den  Kohlentlötzahlagerungen  bei  Kladno  besitzt, 
indem  auch  dort  in  der  Regel  fünf  parallele  Kohlenflötze  vorgefunden  wurden. 
Andererseits  aber  unterscheidet  sich  diese  Ablagerung  rücksichtlich  der  Zwischen- 
mittel sowohl  von  jenen  von  Kladno,  als  auch  von  jenen  von  Bustehrad,  Brand- 
eisel  und  Wotwowic  dadurch,  dass  zwischen  der  Ober-  und  Mittelbank  kein 
namhaftes,  dagegen  zwischen  der  Mittel-  und  Unterbank  ein  ziemlich  bedeuten- 
des Zwischenmittel  von  sandigem  Schieferthon  auftritt,  wodurch  sich  diese  Ab- 
lagerung einerseits  jener  von  Kladno,  vom  Bustehrader  Westrevier  und  von 
Brandeisei,  andererseits  jener  vonRapic,  vom  Bustehrader  Ostrevier  und  von 
Wotwowic  annähert.  Die  Kohle  selbst  ist  zähe  und  fest,  im  Allgemeinen  rein  von 
Schwefelkies,  und  widersteht  sehr  gut  der  Zersetzung  durch  Atmosphärilien.  Ihrer 
Zähigkeit  und  Festigkeit  ist  es  zuzuschreiben,  dass  beim  Abbaue  derselben  nur 
y4  Theil  der  ganzen  Kohlengewinnung  als  Kleinkohle  abfällt.  Von  den  einzelnen 
Kohlenbänken  liefern  besonders  die  Mittel-  und  die  Unterbank  eine  ausgezeich- 
nete Kohle.  Analysen  dieser  Kohlen,  welche  im  Laboratorium  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  vorgenommen  wurden,  ergaben  folgende  Resultate: 


Benennung  der  Plötze 

Asche  in  100 
Theilen 

Wasser  in  100 
Theilen 

Reducirte  Ge- 
wichtstheile  Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer 
Klafter  30"  wei- 
chen Holzes  sind 
Centner 

Adalbertizeche : 

Oberflötz 

6*2 

5-3 

23-30 

3243 

10-0 

Mittelbank 

7-7 

4-0 

23-43 

5299 

9-9 

Unterbank 

3-2 

5-3 

24-80 

5604 

9-3 

[59] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


489 


Die  Kohle  der  Adalbertizeche  eignet  sich  besonders  gut  zur  Vercokung. 
Nach  Versuchen,  welche  die  Adalberti-Ge werkschaft  veranlasste,  hat  die  Kohle 
aus  der  Oberbank  66  Procent  und  jene  aus  der  Unterbank  64  Procent  Cokes 
geliefert. 

Die  Kohlenerzeugung  der  Adalbertizeche  war  bisher,  grossentheils  wegen 
Mangel  an  Betriebsmitteln  und  an  Absatz,  nur  unbedeutend,  soll  aber  in  nächster 
Zeit  auf  Million  Centner  jährlich  gebracht  werden.  Die  Dampfmaschine 
von  6 Pferdekraft  am  Jamkaschaclite  war  bisher  kaum  im  Stande  die  Wasser  zu 
Sumpf  zu  halten,  konnte  demnach  zur  Förderung  nicht  verwendet  werden.  Eben 
so  wenig  entspricht  die  Dampfmaschine  von  24  Pferdekraft,  welche  am  Katharina- 
schachte aufgestellt  ist,  den  Anforderungen  einer  grossen  Erzeugung. 

Weitere  Aufschlussarbeiten  in  der  Nähe  der  Adalbertizeche  und  nächst 
Rakonic  sind  durch  Bohrlöcher  vorgenommrn  worden.  Ein  Bohrloch  nordöstlich 
von  der  Adalbertizeche  nächst  des  Dorfes  Luzna  (Tafel  I,  Bohrloch  42),  von  der 
Adalberti-Gewerkschaft  bis  zur  Teufe  von  67  Klaftern  abgesenkt,  jedoch  in  dieser 
Teufe  wegen  eines  bedeutenden  Stangenbruches  aufgegeben,  durchfuhr  folgende 
Gebirgsschichten  : 


Klafter. 

Letten,  graugrün,  kurzklüftig  . . . 47/23 
Sandstein,  grobkörnig  in  Conglomerat 

übergehend 211/i2 

Letten,  grau,  zähe l9/24 

Sandstein,  grau,  grobkörnig  ....  S7/24 
Letten,  schwärzlich,  sehr  zähe  ...  V3 
„ in  sehr  feinen  glimmerigen 

Sandstein  übergehend  % 

Sandstein,  grau,  feinkörnig  ....  41/12 
Conglomerat,  eisenschüssig  ....  1 

Letten,  grau,  braun % 

Sandstein,  grau 3/3 

Letten,  grau 3/12 

Sandstein,  grau  und  gelblich,  fest  . . 73/12 


Klafter. 

Letten,  röthlich i % 

Sandstein,  grau,  grobkörnig  ....  %4 

Letten,  mit  Spärosideriten 19/12 

Sandstein,  weiss  mit  Feldspath  . . . 2% 
Letten,  grau,  röthlich,  weisslich,  mit 
Kohlenspuren,  dann  eisenschüssig, 

zuletzt  sandig 6ye 

Sandstein,  weiss 27/12 

Letten,  weisslich,  sandig % 

Sandstein,  fest,  grobkörnig  ....  6% 

Letten,  grau,  glimmerreich  . . . . . •/„ 

Sandstein,  feinkörnig,  glimmerreich  . l5/24 

Letten,  weiss,  sandig,  dann  schwärzlich  411/24 
Sandstein,  grau,  feinkörnig  ....  2 


Westlich  und  nordwestlich  von  der  Adalbertizeche  am  „grossen  Teiche" 
wurden  ferner  von  der  Adalberti-Gewerkschaft  vier  Bohrlöcher  (Tafel  I,  Bohr- 
loch 43,  44,  46  und  46)  abgeteuft,  welche  die  Teufe  von  14,  respective  17, 
68  und  46  Klafter  erlangten. 

Das  erste  Bohrloch  durchsenkte: 


Klafter. 

Dammerde,  Lehm  und  Gerolle  ...  4 


Sandstein,  weiss,  lose 4%4 

Letten,  schwärzlichgrau 1% 

Sandstein,  grobkörnig,  fest  ....  7/12 

Kohle 1 


Klafter. 

Schieferthon  . . . , l7/24 

Kohle  1 

Schieferthon  . 9/12 

Kohle W24 

Sandstein  — Thonschiefer. 


Im  zweiten  Bohrloche  wurden  durchörtert: 


Klafter. 


Sandstein,  milde,  fein-  und  grobkörnig  105/12 


Letten,  grau l11/^ 

Sandstein,  fest y2 

Letten,  schwarz,  mit  Kohlenschnüren  1 
Kohle,  fest  und  rein 1 y24 


Schieferthon 
Kohle . . . . 
Sandstein,  lettig 
Thonschiefer. 


Das  dritte  Bohrloch  zeigte  die  Schichtenreihe; 


Klafter 

11 


12 


712 

®/l2 


62  * 


490 


H.  V.  Lipoid. 


[60] 


Klafter. 

Sandstein,  fein-  und  grosskörnig  . . 4 
Letten,  grünlich,  sandig  — eisen- 
schüssig, gelb 2% 

Sandstein,  weiss,  fein,  lettig  ....  iy6 

Letten,  grüngrau,  sandig % 

Sandstein,  lettig,  gelb,  in  weiss  über- 
gehend   85/12 

Letten,  grau  mit  viel  Moorerde  ...  i/3 

Sandstein,  weiss  mit  Kohlenschnürchen  4% 

„ fest,  quarzreich 1 

» lettig 8V6 


Klafter. 

Letten,  sandig,  grau,  glimmerreich  . l8/j 
Sandstein,  grau,  zum  Theile  lettig  . 9y2 
Letten,  mit  Moorerde  und  sehr  vie- 
len Kohlenschnürchen  (Repräsen- 


tant der  Kohlenflötze) 35/u 

Sandstein,  gelbgrünlich,  sehr  fein  . . 2 

Letten,  schwarzgrau 2/s 

„ grau,  fest,  mit  Sphärosiderit  7% 
Sandstein,  grünlich,  feinkörnig  . . . 14/|2 

„ mittelkörnig,  quarzig  . . 1%* 

Thonschiefer. 


Im  vierten  Bohrloche  endlich,  welches,  da  in  demselben  kein  anderes 
Resultat,  als  im  dritten  Bohrloche,  zu  erwarten  war,  ehe  es  das  Grundgebirge 
erreichte,  sistirt  wurde  , wurden  gelöffelt: 


Klafter. 

Sandstein,  lose,  mild 41/2 

Letten,  giünlichgelb,  röthlich  . . . 1% 

Sandstein,  anfänglich  röthlich,  mittel- 
körnig, dann  grau,  gelb,  feinkörnig  332l/24 


Klafter. 

Letten,  schwarz  mit  Moorerde  und 
Kohlcnschnürehen  (Kohlenflöt  z-Re- 
präsentant) 5% 


Zwischen  der  Adalbertizeche  und  der  Stadt  Rakonic  wurden  auch  von  Seite 
der  fürstlich  Fürsten  bei*  g’schen  Verwaltung  Bohrungen  veranlasst,  deren 
eine  (Tafel  I,  Bohrloch  47)  am  Rücken  zwischen  dem  grossen  Teiche  und  der 
Stadt  Rakonic  unfern  der  St.  Wenzelstatue,  in  der  71.  Klafter  Diorit  anfuhr,  und 
folgende  Schichten  durchörterte: 


Klafter. 

Dammerde  mit  Gerolle  . . • • • • 19/a* 

Letten,  röthlich,  blau,  hellgrau  . . . 47/24 
Sandstein,  feinkörnig,  braun,  theils 
eisenschüssig,  gelb,  thonig,  röthlich  103/12 

Letten,  braun 3% 

Sandstein,  braun,  eisenschüssig,  dann 

weiss,  grobkörnig 6V3 

Letten,  röthlichweiss y3 


Klafter 

Sandstein,  braun,  feinkörnig  ....  62/3 
Letten,  blau,  braun  und  wieder  blau  . 7 
Sandstein,  grau,  sehr  feinkörnig  . . 5y2 

Schieferthon,  grau,  weiss,  schwärzlich  2!/,2 
Sandstein,  grobkörnig,  hellgrau  . . . 4VS 
Letten,  schwarzblau,  glimmerig  . . . %2 

Sandstein,  lichtgrau,  grobkörnig  . . 14% 
Diorit 52/3 


Das  zweite  fürstlich  Fürstenbe  rg'sche  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  48) 
südöstlich  von  Rakonic  zwischen  der  St.  Johannstatue  und  dem  Judenkirchhofe 
hat  bis  zur  41.  Klafter,  in  der  es  in  Thonschiefer  anstand , folgende  Schichten 


durchörtert: 

Klafter. 


Lehm  mit  Quarzgeschieben  ....  7 

Sandstein,  gelb,  hart 2% 

Letten,  roth  und  weiss  gefleckt  . . . 17/12 
Sandstein,  gelb  mit  Glimmer,  fein-, 

dann  grobkörnig 6y6 

Letten,  blau,  dann  weiss  u.  glimmerig  49/12 
Sandstein,  grobkörnig 17/12 


Klafter. 

Letten,  schwarz % 

Letten  und  Schieferthon,  schwarzgrau, 

mit  Schwefelkies ls/i2 

Sandstein,  blaugrau,  feinkörnig,  glirn- 

merreich 12y6 

Thonschiefer 3% 


Südöstlich  von  der  Stadt  Rakonic  an  der  unmittelbaren  Grenze  der  Stein- 
kohlen- und  der  sibirischen  Grauwackenformation  sind  mehrere  Steinkohlen- 
bergbaue  eröffnet  worden,  und  zwar  der  „M eyer’sche  Kohlenbau“  (Tafel  I, 
Schacht  44)  zwischen  dem  Hammerbache,  dem  Neu-Teiehe  und  dem  Rakonic- 
bache,  der  „Zak’sche  Kohlenbau“  (Tafel  I,  Schacht  46)  zwischen  dem  Senecer 
und  Rakonicer  Bache,  der  „Mas  c h ek’sche  Kohlenbau“  (Tafel  I,  Schacht  46) 
westlich  an  den  letztgenannten  anstossend,  dann  der  „Ullman'sche“  (Tafel  I, 
Schacht  47)  und  der  „Wurmbr  and’sche“  (Tafel  I,  Schacht  48)  „Kohlenbau“, 
südwestlich  Yon  den  ersteren  am  Senecbache. 


[61] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


491 


Der  Meyer’sche  Kohlenbau  gellt  in  einem  kleinen  kaum  300 — 400  Klafter 
breiten  Muldenabschnitte  der  Steinkohlenformation  um,  der  durch  die  in  Süd- 
west, in  Süd  und  in  Nordost  ausbeissenden  Thonschiefer,  welche  meist  steil,  bis 
TO  Grad,  nach  Nord  einfallen,  von  drei  Seiten  deutlich  begrenzt  und  gegen 
Nord  west  vom  Rothliegenden  überlagert  ist.  Durch  mehrere  Schächte,  welche 
die  Teufe  von  T,  15  bis  22  Klafter  erreichten,  sind  im  Allgemeinen  drei  grössere 
Steinkohlenflötze  angefahren  worden,  von  welchen  das  Hangend-  und  Liegendflötz 
je  3 Fuss,  das  Mittelflötz  aber  l1/ 8 Fuss  mächtig  sind.  Das  Hangende  der  Kohlen- 
ablagerung bilden  Sandsteine  von  6 — 10  Klafter  Mächtigkeit  mit  einer  Zwischen- 
lagerung von  Schieferthon,  der  ebenfalls  ein  */a  Fuss  mächtiges  Flötz  führt. 
Zwischen  den  drei  Hauptflötzen  sind  Schieferthone  von  1 — 5 Klafter  Mächtigkeit 
mit  zahlreichen  Pflanzenresten  und  zwischen  dem  Hangend-  und  Mittelflötz  mit 
Sphärosideritknollen  abgelagert.  Auch  schiebt  sich  gegen  die  Mitte  der  Mulde 
zwischen  das  3fussige  Liegendflötz  ein  Schieferthon  ein,  der  ein  paar  Fuss  Mäch- 
tigkeit erreicht  und  das  Flötz  in  zwei  1 y3fussige  Bänke  theilt.  — Das  Liegende 
der  ganzen  Kohlentlötzablagerung  bildet  ebenfalls  Schieferthon  mit  Sphäroside- 
riten.  — Diese  Kohlenflötzablagerung  hat  demnach  viele  Aehnlichkeit  mit  jener 
bei  der  Albertizeche , nur  sind  bei  der  letzteren  die  Kohlenflötze  mächtiger, 
dagegen  die  Zwischenmittel  minder  mächtig,  als  im  Meyer’schen  Baue,  abge- 
lagert. Im  Allgemeinen  verflächen  die  Flötze  mit  8 — 10  Grad  nach  Nordwest.  Es 
finden  sich  jedoch  vielfache  Störungen  in  denselben  vor,  die  durch  Diorite  und 
Syenite,  welche  in  dem  begrenzenden  Thonschiefer  auftreten,  veranlasst  worden 
sein  dürften,  wie  dies  Herr  Gustav  Schupansky  in  einer  besonderen  im  Jahr- 
buche der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  erschienenen  Abhandlung  *)  nachweiset, 
in  welcher  Abhandlung  Herr  Schupansky  auch  eine  detaillirtere  Beschreibung 
dieses  Kohlenbaues  liefert. 

Auch  die  übrigen  obgenannfen  drei  Kohlenbaue  scheinen  abgesonderte 
Muldenflügel  der  Kohlenflötzablagerung  angefahren  zu  haben,  deren  Trennung 
und  mehrfache  Störung  gleichfalls  durch  Eruptivgesteine  hervorgerufen  sein  mag. 
Alle  Baue  haben  mittelst  Schichten  von  8 — 16  Klafter  Tiefe  die  Kohlenablagerung 
erreicht,  die  aus  drei  Kohlenbänken  besteht,  welche  die  Mächtigkeit  von 
2 — 4 Fuss  besitzen.  Auch  hierüber  gibt  Herr  Schupansky  in  der  obangeführ- 
ten Abhandlung  nähere  Nachrichten. 

Südwestlich  von  den  ebenerwähnten  Kohlenhauen  nächst  des  Dorfes  Senec 
macht  die  Steinkohlenformation  eine  kleine  Ausbuchtung  in  der  Silurformation, 
und  in  dieser  Bucht  sind  ebenfalls  mehrere  Bergbaue  auf  Steinkohlen  eröffnet 
worden.  Bei  dem  Dorfe  Senec  selbst  (Tafel  I,  Schacht  49),  nördlich  und  west- 
lich von  demselben,  befindet  sich  eine  grosse  Anzahl  von  Schächten,  die  von  ver- 
schiedenen Grubenbesitzern  auf  eine  Teufe  von  7 — 12  Klaftern  niedergebracht 
wurden,  und  in  dieser  Teufe  ein  5 — 6 Fuss  mächtiges  Kohlenflötz  anfuhren,  das 
eine  gute  Kohle  aber  sehr  häufige  Verwerfungen  enthüllt.  Herr  Dr.  Reuss 
liefert  in  seiner  obangeführten  Abhandlung  eine  detaillirtere  Beschreibung  dieser 
Baue.  Nach  derselben  fällt  das  Steinkohlenflötz  in  der  Barbarazeche  unter  5 bis 
6 Grad  nach  Stunde  23  (N.  15°  W.),  in  der  Peregrinuszeche  mit  20 — 25  Grad 
nach  Stunde  2 — 3 (NO.),  und  in  der  Johanneszeche  wieder  nur  mit  9 — 10  Grad 
nach  Norden.  Die  Verwerfungsklüfte  streichen  meistens  nach  Stunde  17 
(W.  15°  S.),  und  die  bedeutendste  Verwerfung  des  Flötzes  beobachtet  man  in 
der  Johanneszeche,  wo  durch  eine  mit  75  Grad  nach  Nord  einfallende  Verwer- 
fungskluft das  beinahe  senkrecht  abgebrochene  Flötz  um  7 Klafter  saiger 


*)  Siehe  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  XI,  1860,  Verh.  Seite  77. 


492 


M.  V.  Mpold. 


[62] 


verschoben  erscheint.  — Angrenzend  an  diese  Baue,  nordwestlich  von  denselben, 
unmittelbar  bei  dem  Dorfe  Lubna  ist  der  gräflich  Nostiz'sche  Steinkohlenbau 
im  Betriebe  (Tafel  I,  Schacht  50).  Ich  verdanke  mehrere  Daten  und  Zeichnungen 
über  diesen  Bau  dem  Herrn  Schichtenmeister  Franz  B i i c h t a in  Lubna.  Die 
Figur  G in  Tafel  IV  enthält  den  Grundriss  und  zwei  Profile  über  diesen  Bau, 
welcher  zwei  Abbaufelder,  ein  nordwestliches  und  südöstliches  besitzt.  Beide 
Abbaufelder  sind  mittelst  mehrerer  Schächte  aufgeschlossen  worden.  Der  Haupt- 
schacht im  nordwestlichen  Felde  ist  der  Maschinenschacht  Nr.  1 , welcher  die 
Teufe  von  40  Klaftern  erreichte  und  folgende  Gesteinsschichten  durchfuhr: 


Klafter 

Schieferthon,  röthlich 5Vi3 

Sandstein,  löthlich,  in  Conglomerat 

übergehend 2% 

Schieferthon,  roth  . . . S/24 

Sandstein,  röthlich  und  grünlich  . . 3^ 

Schieferthon,  grau 1 y8 

Sandstein  mit  Conglomerat 5% 

Sandsteine  mit  Schieferthonen  ohne 

regelmässiger  Lagerung 717/24 

Ein  Kohlentrumm 3/24 

Sandsteine  u.  Schieferthone  unregel- 
mässig gemengt 1 % 


Klafter. 


Kohle 

• • Vit 

Sandstein,  grau,  feinkörnig  . . . 

. . 1«/|2 

Schieferthon,  grau 

• • i9« 

Sandstein,  mit  Kohlenschnüren  . 

• • iVtz 

Schieferthun 

• • 6/i* 

Kohle 

• • 324 

Schieferthon 

• • 5/ia 

Sandstein,  grobkörnig 

. • y« 

Schieferthon 

• . 2I/24 

Kohle 

Schieferthon 

• • i'%4 

Sandstein,  mit  Kohlenspuren  . . 

. . 2*/« 

Durch  die  unregelmässige  Lagerung  der  Sandsteine  und  Schieferthone  ist 
man  zur  Ueberzeugung  gelangt,  dass  man  mit  dem  Schachte  an  einer  Verwer- 
fungskluft angesessen  ist  (siehe  Durchschnitt  ab),  und  es  wurde  in  der  22.  Klaf- 
ter desselben  ein  Auslenken  nach  Südwest  getrieben,  mit  welchem  man  in  der 
That  die  KohlenflÖtzablagerung  oberhalb  der  Verwerfung  angefahren  und  weiter 
ausgerichtet  hat.  Der  Schacht  hat  übrigens  zu  oberst  Schichten  des  Rothliegen- 
den  durchörtert. 

In  dem  südwestlichen  Abbaufelde  hat  man  in  dem  Hauptschachte  Nr.  VII, 
welcher  16  Klafter  tief  ist,  folgende  Gesteinsschichten  vorgefunden: 


Klafter. 

Lehm  und  Letten 47/24 

Sandstein,  feinkörnig,  grauweiss  . . 1 

Letten,  röthlichgrau 4l/12 

Sandstein,  weiss  . . . lS/24 

Letten 7/12 

Sandstein,  gelblich  und  röthlich  • • l5/l2 

„ weiss,  feinkörnig  ....  l5/24 

Schieferthon,  grau,  mit  Pflanzenspuren  l3/l2 


Kohle 

Sandstein,  mürbe,  feinkörnig  . . . . 

Schieferthon,  blaugrau 

Sandstein,  röthlich,  gelblichgrau,  mit 

Conglomeraten 

Schieferthon 

Kohle 

Schieferthon 


Klafter. 

%4 

V24 

V24 

ay« 

l7/24 

iv24 

V. 


Die  KohlenflÖtzablagerung  besteht  in  der  Regel  aus  zwei  durch  ein  taubes 
Zwischenmittel  von  7 Zoll  getrennten  Kohlenbänken,  deren  obere  durchschnitt- 
lich die  Mächtigkeit  von  5 Fuss  besitzt,  und  die  untere  die  Mächtigkeit  von 
1 y2  Klafter  erreicht.  Die  Hauptstreichungsrichtung  der  Kohlenbänke  läuft  von 
Südost  nach  Nordwest;  das  Einfallen  derselben  ist  im  Durchschnitte  ein  nordöst- 
liches , und  zwar  meist  ein  sehr  flaches.  Indessen  ist  die  KohlenflÖtzablagerung 
auch  in  diesem  Baue  stark  gestört,  und  zahlreiche  Verwerfungsklüfte  durchsetzen 
die  FlÖtze  nach  allen  Richtungen  und  haben  dieselben  vielfach  verschoben,  wie 
dies  aus  der  Figur  G in  Tafel  IV,  in  welcher  die  Hauptklüfte  angedeutet 
sind,  und  den  beigefügten  Profilen  ersichtlich  ist.  Die  im  nordwestlichen  Felde 
mit  dem  Maschinenschachte  angefahrene  Verwerfungskluft  fällt  mit  65  Grad  nach 
Nordosten,  wohin  das  Flötz  verworfen,  aber  bisher  nicht  ausgerichtet  wurde. 


[63] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  493 


Zwischen  dem  Maschinenschachte  und  dem  ungefähr  60  Klafter  südwestlicher 
angeschlagenen  Schachte  Nr.  II,  der  ebenfalls  in  der  Teufe  von  22  Klaftern  in 
dem  Kohlenflötze  ansteht,  ist  das  letztere  ziemlich  ungestört  abgelagert  und 
besitzt  ein  Verflachen  von  9 Grad  nach  Nordost.  Neben  dem  Schachte  Nr.  II 
läuft  eine  zweite  Verwerfungskluft  von  Nord  nach  Süd,  welche  die  ganze  Kohlen- 
flötzablagerung  um  3 Klafter  saiger  nach  West  verworfen  hat.  Zwischen  dem 
Schachte  Nr.  II  und  dem  30  Klafter  südlicher  befindlichen  Schachte  Nr.  III, 
welcher  nur  14  Klafter  Tiefe  bis  zur  Kohle  besitzt,  sind  mehrere  kleinere  Ver- 
werfungsklüfte, durch  welche  das  Flötz  um  1,  2 bis  21/2  Fuss  gleichsam  treppen- 
artig abgebrochen  und  verworfen  wurde.  Südlich  und  südwestlich  von  dem 
Schachte  Nr.  III  sind  über  Tags  zahlreiche  Pingen  und  auch  die  Ausbisse  der 
Kohlenflötze  zu  sehen,  und  noch  südlicher  davon  kommt  ein* Dioritrücken  mitten 
im  Steinkohlengebirge  zu  Tage  und  deutet  an,  dass  der  Diorit  die  wahrschein- 
liche Ursache  der  vielen  Flötzstörungen  bei  Lubna  und  Senec  sei.  Aehnliche 
Störungen  und  Brüche  zeigen  sich  im  südöstlichen  Fehle  (Durchschnitt  cd  in 
Figur  g).  Pflanzenreste  finden  sich  in  den  Bauen  bei  Lubna  selten  vor,  dagegen 
hat  man  ebenfalls  im  Liegenden  der  Kohle  Sphärosideritknollen  angetroffen. 

Die  Kohle  in  dem  gräflich  Nostiz'schen  Baue  ist  von  ziemlich  guter  Be- 
schaffenheit, jedoch  von  besserer  Qualität  in  dem  Ober-,  als  in  dem  mächtigeren 
Unterflölze.  Die  Analyse,  die  mit  diesen  Kohlen  im  Laboratorium  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  vorgenommen  wurde,  ergab  folgende  Resultate: 


Fundort 

Wasser  in 
100  Theilen 

Asche  in 
100  Theilen 

Redueirte 

Gewichtstheile 

Blei 

Wärme- 

Einheiten 

Aeqnivalent  einer 
30zölligen  Klafter 
weichen  Holzes 
sind  Centner 

Graf  N o s t i z’scher  Bau  in 
Lubna : 

Oberflötz 

4-5 

3-0 

23  70 

3336 

9-8 

Unterflötz 

3-8 

3-3 

19*90 

4497 

11*7 

Zur  Untersuchung  des  Terrains  zwischen  Rakonic  und  Lubna  sind  sowohl 
von  Seite  der  fürstlich  Fürstenberg’schen  Verwaltung  als  auch  von  Seite  der 
Adalberti- Gewerkschaft  Versuchsbaue  gemacht  worden.  Die  fürstlich  Fürsten- 
berg’sche  Bergbauverwaltung  liess  nordöstlich  vom  Dorfe  Lubna  im  December 
1863  am  Felde  des  Joseph  Ledwinka  ein  Bohrloch  (Tafel  I,  Bohrloch  49) 
beginnen,  das  bis  October  1864  die  Teufe  von  120  Klafter  erreichte  und,  ohne 
eine  Kohlenflötzablagerung  zu  durchfahren,  folgende  Schichten  durchörterte: 


Klafter. 

Dunkelbraunen  Lehm  .......  4 

Letten , röthlichbraun  mit  weissen 

Streifen 1 

Sandstein,  braun,  gesprenkelt  ....  2 

Conglomerat % 

Sandstein,  weiss,  glimmerreich  ...  % 

„ lose,  braungesprenkelt  . . 4 

Letten,  röthlichblau % 

Sandstein,  roth  und  blau  melirt,  fein- 
körnig, glimmerreich 3 

Conglomerat,  sehr  eisenschüssig  und 

fest  (Eisendeckel) % 

Sandstein,  wie  ober  dem  Eisendeckel  5% 
Conglomerat 2% 


Sandstein,  feinkörnig,  glimmerreich 
Letten,  schwarzblau  ...... 

Sandstein,  grobkörnig,  braun  . . . 

Letten,  roth 

„ weissgrau 

„ schwarz,  mit  Kohlenspuren 

„ blaugrau 

Sandstein,  feinkörnig,  glimmerreich 

Letten,  grau 

Sandstein,  fest,  weiss,  glimmerig  . 

Letten,  grau 

Sandstein,  fest,  weiss 

Letten,  blau 

Sandstein,  grau 


Klafter. 

25/6 

% 

9% 

Vs 

4% 

% 

43/l2 

63/l2 

% 

4 V3 


1 


494 


M.  V.  Lipoid. 


Klafter,  j 

Sphärosiderit 4/6 

Sandstein,  blau  und  grau  gesprenkelt  9 
„ lose,  feinkörnig,  glimmer- 
reich   1% 

Letten,  glimmerreich 1 

Sandstein,  grau  mit  grösseren  Quarz- 
geschieben   5 

„ röthlichbraun 1 

„ blau  gesprenkelt  ....  1% 

„ grau,  feinkörnig  ...  • 17/12 

„ fein,  glimmerreich  ....  25/12 

Letten,  grüngrau y6 

„ schwarz  mit  Kohlenspuren  • • VlB 

n roth • Vl2 

Sandstein,  grau,  fein,  glimmerig  . . 3 il/i2 
Conglomerat 1% 


[64] 

Klafter. 

Letten,  grau,  mit  Kohlentrümmern  . 1 2 

Sandstein,  fest,  glimmerreich  . . . 31/* 

Letten,  blau % 

Sandstein,  fest,  quarzig,  glimmerig  . 323 
„ feinkörnig,  röthlich  . . . 1 l/z 

„ blaugrau,  sehr  zähe  . . . 7% 

Letten,  grau,  glimmerig */« 

Sandstein,  weiss,  glimmerig  . ...  i% 

Sphärosiderit 1 12 

Sandstein,  glimmerreich 1 1 3 

Letten,  grau,  mit  Kohle V* 

Sphärosiderit 17/24 

Sandstein,  feinkörnig,  glimmmerig  . £23 
„ „ mit  vielen  Quarz- 

geschiehen : . 7 */* 


Ein  Stangenbruch,  in  Folge  der  sehr  grossen  Härte  des  letztbearbeitelen 
Sandsteines,  verhinderte  das  weitere  Abteufen  des  Bohrloches. 

Ein  zweites  Bohrloch  der  fürstlich  Fü rsten b e r g'schen  Verwaltung,  näher 
bei  Senec  (Tafel  I,  Bohrloch  50),  soll  in  der  84.  Klafter  Diorit  angefahren  und 
die  gleichen  Schichten  durchörtert  haben,  wie  in  dem  Bohrloche  nächst  der 
St.  Wenzelstatue  bei  Rakonic. 

In  der  Nähe  dieses  Bohrloches,  östlich  vom  Dorfe  Lubna,  wurde  von  Seite 
der  Adalberti-Gewerkschaft  ein  Schacht  22  Klafter  tief  abgeteuft  und  in  diesem 
sodann  bis  über  50  Klafter  Teufe  weiter  gebohrt  (Tafel  I,  Bohrloch  51).  Die 
hiebei  durchörterten  Gesteinsschichten  waren  folgende : 


Klafter. 

Sandstein,  röthlich,  zuerst  grob-,  dann 

feinkörnig 35/a4 

Conglomerat,  eisenschüssig  ....  % 

Conglomerat-Sandstein  mit  röthlichen 

Lettenpartien % 

Sandstein, röthlich,  gelblich,  feinkörnig  il/i2 
Conglomerat,  eisenschüssig  ( Eisen- 
deckel)   Viz 

Letten,  röthlich \ % 

Sandstein,  röthlich  u.  gelbweiss,  fein- 
körnig . • lu/ia 

Conglomerat,  eisenschüssig  ....  7/24 

Sandstein,  weiss,  gelblich,  röthlich, 

grau,  fein-  und  grobkörnig  ....  16  1S/24 

Conglomerat 4/12 

Sandstein,  weiss,  gelblich,  röthlich, 
mit  Feldspath,  grobkörnig.  . . . 2V2 
Conglomeratsandstein,  weiss  und  grau, 

mit  Feldspathkörnern 43/12 


Klafter. 

Sandstein,  weiss,  gelblich,  feinkörnig, 


fest,  dann  lettig IV24 

Letten,  gelb,  sehr  zähe V24 

Sandstein,  fest,  gelb,  mit  Glimmer  . 29/13 


Letten,  roth,  blau,  schwärzlich,  mit 

Pflanzenresten,  dann  weiss  ....  l2,/24 
Sandstein,  fest,  röthlichweiss  . . . 5/12 

Letten,  schwärzlich,  mit  Kohlenschnüren  5/6 
Sandstein,  grau,  fest,  mit  Feldspath 

und  Kohlenschnürchen 1 

Letten,  mit  Moorerde,  schwärzlich  mit 
Koblenschnüren  und  feinen  Sand- 
schichten   93/24 

Sandstein,  grau,  grobkörnig,  sehr  fest  5/a4 
Letten,  schwärzlich  mit  Moorerde,  und 

grau  wechselnd IV3 

Sandsteine  und  Letten  — in  Wechsellagerung 
— zuletzt  mit 
Sphärosideritputzen. 


Auch  in  diesem  Bohrloche  brach  bei  Anbohren  eines  Sphärosideritknollens 
das  Gestänge  und,  da  es  nicht  gehoben  werden  konnte,  blieb  dasselbe  resultat- 
los. Indessen  hat  es  den  Anschein,  dass  die  schwärzlichen  Letten  mit  Moorerde 
und  Kohlenschnüren  bereits  die  Repräsentanten  der  Kohlenflötze  waren,  um  so 
mehr,  da  das  Bohrloch  im  Streichen  einer  im  gräflich  Nostiz'schen  Baue  aus- 
gerichteten Verwerfungskluft  liegt. 

Westlich  von  Lubna  und  südlich  von  Hostokrei  im  sogenannten  „Brand“, 
ebenfalls  hart  an  der  Grenze  der  sibirischen  Thonschiefer,  welche  mit  30  Grad 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  495 


nach  Nordost  einfallen  (Tafel  I,  Schacht  51)  ist  mittelst  mehrerer  Schächte  in 
der  Teufe  von  12 — 18  Klaftern  eine  Kohlenflöfzablagerung  .angefahren  worden, 
welche  im  Ganzen  eine  Mächtigkeit  von  8 — 9 Fuss  besitzt,  aus  3 — 4 durch  taube 
Zwischenmittel  getrennten  schwachen  Kohlenflötzen  besteht,  und  mit  11  Grad 
nach  Norden  verflacht. 

Nächst  dem  Dorfe  Petro  wie  füllen  die  Gebilde  der  Steinkohlenformation 
eine  grosse  Bucht  aus,  die  im  Osten  von  sibirischen  Grauwackenschiefern,  im 
Süden  von  Urthonschiefern  und  im  Westen  von  Graniten  begrenzt  wird.  Am  süd- 
lichen Rande  dieser  Bucht  nächst  dem  Dorfe  Petrovic  hat  man  ebenfalls  Ausbisse 
von  Steinkohlenflötzen  vorgefunden,  und  es  wurde  von  einem  dortigen  Bauer 
mittelst  Schächten  von  7—9  Klafter  Teufe  ein  angeblich  3 Fuss  mächtiges 
Kohlenflötz  mit  mürber  Kohle  in  Abbau  genommen.  Das  Flötz  fällt  flach  nach 
Norden  ein  und  soll  im  Liegenden  von  Spärosiderit.en  begleitet  sein. 

Nächst  Petrovic  hat  auch  die  Prager  Eisenindustrie-Gesellschaft  durch  die 
Kladnoer  Werksdirection  Schürfungen  auf  Kohlen  veranlasst,  und  es  wurden  zu 
diesem  Behufe  ein  Schacht,  westlich  vom  Dorfe,  (Tafel  I,  Schacht  52)  abgeteuft, 
und  zwei  Bohrlöcher,  das  eine  westlich  (Tafel  I,  Bohrloch  52),  das  andere 
nördlich  vom  Dorfe  Petrovic  (Tafel  I,  Bohrloch  53)  abgestossen.  — Der  Schacht 
erlangte  nach  Angabe  des  Herrn  Bergadjuncten  Daniel  Korwin,  welcher  die 
Schürfarbeiten  leitete,  eine  Teufe  von  27  Klaftern,  durchfuhr  feste  Sandsteine 
und  Schieferthone  mit  einer  Zwischenlagerung  von  Sphärosideriten,  erreichte  in 
der  14.  Klafter  eine  Kohlenflötzablagerung  von  ungefähr  4 Klafter  Mächtigkeit, 
die  aus  Schieferthonen  mit  3 bis  zu  14  Zoll  mächtigen  Kohlenflötzen  bestand, 
durchörterte  weiters  noch  weiche  gelbe  Lettenschichten  und  schliesslich  Con- 
glumerate,  und  stand  zuletzt  in  Thonschiefern  der  Grauwackenformation  an.  — 
In  dem  ersten  Bohrloche  (Tafel  I,  52)  wurden  bis  zur  Teufe  von  67  Klaftern 
folgende  Gesteinsschichten  angefahren: 

Klafter.  I Klafter. 


Rother  Sandstein,  dann  Conglomerat  . 11  % 
Sandstein,  roth,  feinkörnig,  glimmerig  % 


Letten,  roth,  dann  blau l3/24 

Sandstein,  roth iy3 

Letten,  roth,  sandig  . . l3/l2 

Sandstein,  roth 5 

Letten,  roth %.  ' 

Sandstein,  röthlieh,  dann  Conglomerat  519/24 

Letten,  blau,  glimmerig i9/12 

Sandstein,  weiss,  feinkörnig  ....  319/24 


Sandstein,  graulich,  zuletzt  mit  grauem 


Letten  wechselnd  ....  631/24 

„ weiss 3 

Letten,  bläulich  mit  Pflanzenabdrücken  213/24 

Sandstein,  graulich  1 

Letten,  graublau 217/2 

Sandstein,  grau,  sehr  fest 12 

Schieferthon,  grau 3ys 

Letten,  graugrün  mit  Quarzstücken  . 2 
Thonschiefer iy3 


Das  zweite  Bohrloch  (Tafel  I,  53),  das  eben  so  wenig,  wie  das  erste  ein 
Kohlenflötz  aufschloss  und  106  Klafter  tief  niedergebracht  wurde,  zeigte  nach- 


stehende Schichtehfölge : 

Klafter. 


Sandstein,  roth  .........  8 

Gelber  Oker y34 

Sandstein,  roth,  dann  Conglomerat  . 5y6 
„ weiss,  feinkörnig  ....  l9/24 

Conglomerat,  weiss  2% 4 

Sandstein,  roth «...  l15/24 


Letten,  roth,  eisenschüss.  Sphärosiderit  l11/ia 

Letten,  blau,  kurzklüftig 21/a4 

Sandstein,  roth,  grob-,  dann  feinkörnig  6 1 3/3 4 
Letten,  roth,  mit  Eisensteinknollen  l7/l2 
Sandstein,  roth  und  röthlieh,  fein-  und 

grobkörnig . . . 139/la 


Klafter. 

Sandstein,  weiss,  mit  Conglomerat  . 2% 

„ röthlieh,  grobkörnig  . . . IV12 

Letten,  roth,  sandig l7/24 

Mergel,  weiss y6 

Sandstein,  grau,  röthlieh,  weiss  . . . 411/13 

Schieferthon 15/34 

Sandstein,  röthlieh 21V24 

Schieferthon  . V6 

Letten,  blau 37/24 

Sandstein,  weiss  und  röthlieh,  fein- 

und  grobkörnig 417/24 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


63 


496 


M.  V.  Lipoid. 


Klafter. 

Letten,  graublau,  mit  Pflanzenab- 
drücken und  Kohlenspuren  ....  15/12 

Sandstein,  weiss 319/24 

Letten,  grau,  mit  Kohlenspuren  und 

Pflanzenresten 25/ß 

Sandstein,  graulich % 

Letten,  grau,  mit  Kohlen-  u.  Pflanzen- 
resten   1 23/24 

Sandstein,  graulich 9/24 

Letten,  grau,  mit  Kohlenspuren  . . . 

Schieferthon,  sandig 3/24 

Sandstein,  weiss,  fest 213/24 


[66] 

Klafter. 


Letten,  schwarzblau,  mit  Kohlenspuren  %4 
Sandstein,  weiss,  feinkörnig  ....  li5/*4 
Letten,  schwarz,  mit  Kohlenspuren  . *V24 

Sandstein,  weiss,  fest,  dann  grau  mit 

Pflanzenabdrücken 1 \/xt 

Letten,  grau,  mit  Kohlenspuren  ...  Vs 
Sandstein,  weiss,  feinkörnig  ....  22/s 

Schieferthon,  grau 15/24 

Sandstein,  weiss,  grobkörnig  ....  */« 

Letten,  grau,  glimmerig,  dann  glim- 
merlos mit  Kohlenflötzchen  ....  35/12 


Sandstein,  graulich  mit  Kohlenspuren  i07/IS 


Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  die  Kohlenspuren  führenden  Letten  die 
Repräsentanten  von  Kohlenflötzen  darstellen,  so  wie  es  aus  der  Schichtenangabe 
der  beiden  Bohrlöcher  kaum  zu  bezweifeln  ist,  dass  dieselben  zu  oberst  Schich- 
ten des  Rothliegenden  und  dann  erst  solche  der  Steinkohlenformation  durch- 
örterten. 

In  der  Umgebung  von  Rakonic,  und  zwar  nordwestlich  von  Rakonic,  sind 
ferner  noch  Steinkohlenvorkommen  südlich  von  Kiiezowes  (Herrndorf)  und 
nächst  Wedau  bekannt.  Ich  habe  diese  Kohlenvorkommen,  da  das  betreffende 
Terrain  bereits  ausserhalb  meines  Aufnahmsgehietes  lag,  nicht  persönlich  kennen 
gelernt.  Ich  entnehme  aber  der  oberwähnten  Abhandlung  des  Herrn  Dr.  A.  E 
Reu  ss  die  Mittheilung,  dass  nächst  Herrndorf  mittelst  Schächten  von 
6 — 12  Klafter  Teufe  zwei  durch  ein  2 — 3 Zoll  starkes  Zwischenmittel  ge- 
trennte Kohlenflötze  in  der  Gesammtmächtigkeit  von  23  Zoll,  welche  mit 
16 — 18  Grad  nach  Nordnordwest  einfallen,  und  nächst  Weclau  mittelst  Schäch- 
ten, die  die  Tiefe  von  8 Klafter  nicht  übersteigen,  ein  18  Zoll  mächtiges  Koh- 
lenflötz,  das  mit  1 — 8 Grad  nach  Norden  verflächt,  abgebaut  werden.  Nach 
Herrn  Dr.  Reuss’  Ansicht  gehören  jedoch  diese  Kohlenflötze  einem  höheren 
Niveau  der  Steinkohlenformation  an,  als  jene,  welche  im  centralen  Theile  des 
Rakonicer  Beckens  im  Abbaue  stehen. 


e)  Umgebung  von  Schlan. 

Ich  habe  bereits  oben  zu  Anfang  meines  Berichtes  darauf  hingedeutet,  dass 
sich  aus  den  verschiedenen  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  er- 
öffneten  Kohlenbergbauen  zwei  Züge  von  Kohlenvorkommnissen  ergeben , deren 
ersterer  unmittelbar  an  der  Grenze  der  Steinkohlen-  gegen  die  Grauwacken- 
formation dahinzieht  und  im  Vorhergehenden  beschrieben  wurde,  der  zweite  hin- 
gegen nördlicher,  ungefähr  iya— - 2 Meilen  von  dieser  Grenze  entfernt,  auftritt 
und  den  Gegenstand  der  nachfolgenden  Mittheilung  bilden  soll. 

Der  östlichste  Punkt,  an  welchem  dieser  nördliche  Kohlenzug  aufgeschlos- 
sen ist,  befindet  sich  nächst  der  Stadt  Welwarn  (siehe  Tafel  I).  Kaum  ein 
paar  hundert  Klafter  nördlich  von  der  Stadt  geht  ein  einer  Gesellschaft  gehöriger 
Steinkohlenbau  um,  über  welchen  mir  zur  Vervollständigung  meiner  eigenen 
Beobachtungen  von  Herrn  Schichtmeister  August  Kitz  einige  Daten  mitgetheilt 
wurden. 

Der  Aufschluss  dieses  in  neuerer  Zeit  wieder  aufgenommenen  Grubenbaues 
erfolgte  durch  zwei  Stollen  und  durch  einen  Schacht.  Die  Stollen  sind  am  linken 
Ufer  des  rothen  Baches  am  Fusse  des  niedern  Berggehänges  im  Liegenden  der 
zu  Tage  gehenden  Kohlenflötzablagerung  angeschlagen,  und  haben  in  der  Länge 
von  ungefähr  30  Klaftern  die  letztere  erreicht.  Der  Schacht,  welcher  mit  einem 


[67]  Das  Sfeinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  497 

Pferdegöppel  versehen  ist,  wurde  ungefähr  100  Klafter  nordöstlich  von  den 
Stollenmundlöchern  am  niederen  Plateau,  das  sich  am  linken  Ufer  des 
rothen  Baches  erhebt,  angeschlagen  und  hat  in  der  19.  Klafter  die  Kohle 
erreicht.  Derselbe  durchörterte  von  oben  bis  unten: 


Klafter. 


Dammerde V3 

Gelben  Rollsand  (Löss) 1% 

Schwarzen  Letten % 

Blauen  Letten 1*4 

Gelben  feinkörnigen  Sandstein  . . . 4% 
Blauen  Letten 3% 


Klafter. 

Weissgrauen  Kaolin  führenden  Sand« 

stein 4 

Schieferthon  (Kohlenschiefer)  . . . 2 y$ 

Steinkohle 7/24 

Schwarzgrauen  Kohlenletten  ....  1 
Grauen,  glimmerreichen,  festen  Sandstein. 


Wie  man  über  Tags  am  südlichen  Gehänge  des  Plateau  sehen  kann,  werden 
diese  Sandsteine  nach  unten  grobkörnig  und  gehen  endlich  in  Conglomerate 
über. 

Der  im  Hangenden  der  Kohle  vorkommende  Schieferthon  führt  spärliche 
Pflanzenreste,  die,  wenn  auch  nicht  specifisch  bestimmbar,  dennoch  den 
Charakter  der  Flora  der  Steinkohlenformation  tragen.  Ich  zähle  desshalb  die 
Kohlenablagerung  bei  Welwarn  noch  zur  Steinkohlenformation,  um  so  mehr, 
als  ich  daselbst  die  Fischreste  führenden  Schiefer,  die  sogenannte  „Schwarte“, 
ober  dem  Kohlenflötze,  welche,  wie  ich  später  mittheilen  werde,  die  Steinkohlen- 
ablagerungen der  Formation  des  Rothliegenden  charakterisirt,  nicht  vorgefun- 
den habe. 

Die  Kohlenablagerung  bei  Welwarn  hat  ein  Streichen  zwischen  Stunde  4 
und  5 (0.  30  N.  — 0.  15°  N.),  und  besitzt  ein  nordnordwestliches  Einfallen 
von  13 — 14  Grad.  Sie  ist  mehrfach  durch  Verwerfungskliifte  gestört,  deren  eine, 
welche  die  Flötzablagerung  um  l*/a  Klafter  verschob,  bisher  überall  angefahren 
wurde.  Die  übrigen  sind  von  keiner  Bedeutung,  indem  durch  dieselben  die 
Kohlenflötze  meist  nur  um  die  halbe  Mächtigkeit  gesenkt  oder  gehoben  wurden. 
Die  Kohlenflötzablagerung  besitzt  eine  Mächtigkeit  von  1 1/z — 21/*  Fuss  und 
besteht  aus  vier  Bänken  reiner  Kohle  in  der  Gesammtmächtigkeit  von  iy6 — 
ly*  Fuss,  welche  durch  2 — 4zöllige  Zwischenmittel  von  weissem  aufgelösten 
Letten  geschieden  werden.  Die  Flötze  sind  auch  stellenweise  verdrückt.  Die 
Kohle  ist  ziemlich  compact  und  von  mittlerer  Qualität.  Sie  ergab  bei  der  Analyse 
folgende  Resultate : 


Wasser  in  100  Theilen 3*2 

Asche  in  100  Theilen 14*2 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 19*90 

Wärme-Einheiten 4497 


Aequivalent  einer  Klafter  30zölligen  weichen  Holzes  sind  Centner  . . .11*6 


Ungefähr  100  Klafter  nördlich  von  dem  beschriebenen  Grubenbaue  steht 
ein  neuer  „Maschinenschacht“  im  Abteufen,  welcher  bis  zur  jetzigen  Teufe  von 
23  Klafter  Glieder  der  Formation  des  Rothliegenden  durchfuhr,  und  nun  im 
Kaolin  führenden  Sandstein  der  Steinkohlenformation  ansteht.  Er  durchörterte: 


Klafter. 


Dammerde % 

Rollsand  (Löss) l5/6 

! schwarzen  Letten  ...  % 

gelben  Sandstein  ....  2/3 

grünlichen  Letten  ...  2/s 


( rothe  Sandsteine  u.  Letten  9 


Klafter. 

1 grauen  Sandstein  . . . 21/a 
röthlichen  Letten  ....  3 
weissgrauen  Sandstein,  an- 
fänglich milde,  dann 
fest 4%, 


63* 


498 


M.  V.  Lipoid. 


Ausserdem  sind  am  linken  Ufer  des  Mühlbaches  (siehe  Tafel  1),  wo  Ausbisse 
von  Kohlenflötzen  vorgefunden  werden,  Schürfungen  auf  letztere  im  Zuge,  und 
ist  daselbst  ausser  der  Kohlenflötzablagerung,  welche  in  dem  obbeschriebenen 
Grubenbaue  im  Abhaue  steht,  ungefähr  10  Klafter  im  Liegenden  derselben  ein 
zweites  12  Zoll  mächtiges  Kohlenflötz  erschürft  worden,  und  ein  in  der  Bach- 
sohle ausbeissendes  Kohlenvorkommen  scheint  einer  dritten  noch  tiefer  liegenden 
Kohlenflötzablagerung  anzugehören. 

Der  nächst  westliche  Steinkohlenbau  im  nördlichen  Kohlenzuge  ist  jener 
Seiner  Majestät  des  Kaisers  Ferdinand  I.,  zu  Podlezin,  östlich  von  Schlan 
(siehe  Tafel  I).  Er  befindet  sich  am  linken  Ufer  des  Podleziner  Baches  am  Süd- 
abhange  des  von  der  Kreideformation  gebildeten  Plateau  „Prowazka“.  Der 
Grubenbau  stand  wahrscheinlich  schon  zu  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  im 
Betriebe.  Veranlassung  dazu  gaben  ohne  Zweifel  die  Ausbisse  der  Steinkohlen- 
flötze,  welche  an  dem  ganzen  Gehänge  des  bezeichnelen  Plateau  zu  Tage  treten. 

Der  Aufschluss  m der  Podleziner  Grube  erfolgte  durch  sieben  Stollen  und 
den  „Leopoldi-Förderschacht“. 

Die  Stollen,  mit  Ausnahme  des  Franz  de  Paula-Erbstollens,  sind  sämmtlich 
am  Ausgehenden  des  Steinknhlenflötzes  angeschlagen , und  nach  dem  Einfallen 
desselben  fortgetrieben  worden.  Der  Leopoldischacht  ist  am  Plateau  „Prowazka“ 
angesetzt,  besitzt  die  Teufe  von  33  Klaftern,  und  durchfährt: 

Quadermergel  (Plänersandstein)  . lOKlafter,  | Quadersandstein 7 Klafter, 

sodann  weisse,  gelbe,  violette  und  röthliche,  feinkörnige,  zum  Theile  glimmerige, 
wenig  Kaolin  führende  Sandsteine  mit  Zwischenlagern  von  rothen  Letten  — bis 
zum  Kohlenflötze,  dessen  unmittelbares  Hangende  ein  lichtgrauer,  kaolinhältiger 
und  glimmerreicher  Sandstein  mit  vielen  Kohlentrümmern  ist.  Das  Liegende  der 
Kohlenflötzablagerung  bilden  zunächst  graue  Schieferthone  mit  Pflanzenspuren, 
sodann  feinkörnige,  glimmerige,  graue  und  röthliche,  endlich  weisse  und  gelb- 
liche, zuerst  fein-,  dann  grobkörnige,  an  Kaolin  reiche  Sandsteine.  Da  sich  auch 
in  Podlezin  bisher  keine  bestimmbaren  Pflanzenreste  vorgefunden  haben  , so  ist 
zwar  der  Beweis  nicht  hergestellt,  dass  die  Podleziner  Kohlenablagerung  der 
Steinkohlenformation  und  nicht  noch  der  Formation  des  Rothliegenden,  welche 
jedenfalls  im  Hangenden  der  Ablagerung  aufiritt,  angehöre;  indessen  glaube  ich 
doch  in  dem  Abgang  der  Fischreste  führenden  sogenannten  „Schwarte“,  welche 
ich,  wie  in  Welwarn,  so  auch  in  Podlezin  nicht  beobachtete,  den  negativen 
Beweis,  dass  die  Kohlenflötze  dem  Rothliegenden  nicht  angehören,  und  in  der 
Aehnlichkeit  der  Podleziner  Ablagerung  mit  jener  von  Gemnik,  Schlan,  Turcan 
u.  s.  f.,  welche  zahlreiche  Steinkohlenpflanzen  enthalten,  einen  Anhaltspunkt  für 
die  Annahme  gewonnen  zu  haben,  dass  die  Kohlenflötzablagerung  bereits  der 
Steinkohlenformation  beizuzählen  sei.  Sicherlich  und  zweifellos  gehören  ihr  die 
Liegendsandsteine  an. 

Das  Streichen  der  Kohlenflötzablagerung  sammt  den  Liegendsandsteinen  und 
den  im  Hangenden  vorkommenden  conform  gelagerten  Gebilden  der  Formation 
des  Rothliegenden  läuft  nach  Stunde  19  3 Grad  (W.  20°  N.),  und  ist  ein  ziem- 
lich regelmässiges  in  dem  ganzen  aufgeschlossenen  Grubenfelde.  Das  nördliche 
nach  Stunde  1 3 Grad  (N.  20°  0.)  gerichtete  widersinnische  Einfällen  der  Abla- 
gerung ist  ein  geringes  und  beträgt  gegen  die  südlichen  Ausbisse  kaum  3 Grad, 
in  der  nördlicheren  Teufe  7 — 8 Grad.  — Auf  den  Sandsteinen  des  Rothliegen- 
den lagern  abweichend,  und  zwar  schwebend,  die  Quadersandsteine  und  Quader- 
mergel der  Kreideformation.  Der  in  der  folgenden  Figur  6 dargestellte  Durch- 
schnitt von  Podlezin  nach  Drnow  versinnlicht  die  bezeichnete  Lagerung. 


[Ö9]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  499 


Fig.  G. 

NO.  NW. 

Podlezin.  Leopoldischaeht.  Drnow.  Rother  Bach. 


a Steinkohlenformation,  b Rothliegendes,  c Quadersandstein,  d Quadermergel  (Plänersandstein  nach  Reuss). 

Die  Kohlenflötzablagerung  bei  Podlezin  bat  nur  wenige  und  keine  so  bedeu- 
tenden Störungen  erlitten,  als  die  meisten  Flötzbildungen  am  südlichen  Rande 
der  Steinkohlenformation.  Es  sind  daselbst  nur  zwei  grössere  Verwerfungsklüfte 
angefahren  worden,  deren  eine,  die  westliche,  von  Südsüdost  nach  Nord- 
nordwest streicht  und  mit  51  Grad  nach  Nordnordost  verflacht.  Durch  dieselbe 
wurde  das  Kohlenflötz  um  10  Klafter  Teufe  nach  Nordnordost  verschoben.  Die 
zweite,  östliche,  von  Südöst  nach  Nord  west  streichende  und  auch  nach  Nordost 
einfallende  Verwerfungskluft  ist  noch  wenig  ausgerichtet,  und  auch  die  Teufe 
der  Verwerfung  bisher  noch  nicht  untersucht  worden,  indem  das  nordöstlich 
von  dieser  Kluft  befindliche  Kohlenfeld  einem  späteren  Abbaue  reservirt  wird. 

Die  ganze  Kohleutlötzablagerung  besitzt  im  Durchschnitte  nur  eine  Mäch- 
tigkeit von  3 Fuss.  Sie  hat,  wie  bemerkt,  einen  Sandstein  zum  Hangenden  und 
einen  Schieferthon  zum  Liegenden,  besteht  von  oben  nach  unten  aus: 


Fuss  Zoll. 


Steinkohle — 2 

Sandigen  Letten — 2 

Steinkohle — 9 


Fuss  Zoll. 

Weichem  Letten  (Ausschramm)  . — 3 

Steinkohle 1 8 


in  der  Art,  dass  die  drei  Steinkohlenbänke  zusammen  eine  Mächtigkeit  von  2 Fuss 
7 Zoll  besitzen  und  die  tauben  Letten  dazwischen  5 Zoll  mächtig  sind.  Die 
Kohle  selbst  ist  ziemlich  compact,  von  mittlerer  Qualität,  aber,  da  sie  leicht 
entzündlich  ist,  zur  häuslichen  Beheizung  besonders  geeignet. 

Die  im  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vorgenommenen 
Analysen  der  Podleziner  Steinkohlen  ergaben  folgende  Resultate: 


Benennung  der  Flötze 

Wasser  in  100 
Theilen 

Asche  in  100 
Theilen 

Reducirte  Ge- 
wichtstheile  Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer 
Klafter  30"  wei- 
chen Holzes  sind 
Centner 

Hangendflötz 

4*6 

18-2 

18*90 

4271 

12*2 

Mittelflötz  (Pramen)  . 

6-5 

11*9 

21*15 

4779 

10*9 

Unterflötz  — Firstenbank  . . • 

15  • 1 

14-5 

21*10 

4768 

11*0 

„ — Sohlbank 

15.5 

16*1 

20*55 

4644 

11*3 

Die  Erzeugung  im  Podleziner  Kohlenwerke  beträgt  nach  einem  dreijährigen 
Durchschnitte  jährlich  87.000  Centner,  die  theils  durch  den  Leopoldischaeht, 
grösstentheils  aber  durch  die  Stollen  gefördert  werden.  Der  Preis  der  Stück- 
kohle ist  26  Kreuzer,  jener  der  Würfelkohle  16  Kreuzer  pro  Wiener  Centner 
loco  Grube  im  Kleinverschleisse. 


500 


M.  V.  Lipoid. 


[70] 

Südöstlich  von  Schlan  nächst  der  nach  Prag  führenden  Poststrasse,  nördlich 
vom  Dorfe  Jemni'k  (siehe  Tafel  1)  befindet  sich  der  StüT-  und  Mik'sche 
Steinkohlenbergbau,  welcher  bereits  seit  dem  Jahre  1795  urkundlich  be- 
kannt ist.  In  dem  kleinen  Bacheinrisse  unterhalb  der  Werksgebäude  kamen  die 
Steinkohlen  zu  Tage,  daher  wohl  auch  der  so  frühzeitige  Beginn  ihrer  Gewin- 
nung. Gegenwärtig  wird  der  Abbau  mittelst  Schächten  betrieben;  der  Antoni- 
Hauptschacht  dient  zur  Förderung  und  Wasserhebung,  ist  desshalb  mit  zwei 
kleinen  Dampfmaschinen  versehen  und  besitzt  die  Teufe  von  36  Klafter.  Bei 
meinem  Dortsein  war  ein  neuer  Förderschacht  im  Abteufen  begriffen,  der  zwei 
neue  stärkere  Dampfmaschinen  erhalten  sollte.  Die  Kohlenflötzablagerung,  wie 
auch  die  über  Tags  sichtbaren  Hangend-  und  Liegendsandsteine  und  Schiefer- 
thone  der  Steinkohlenformation,  besitzen  ein  Streichen  nach  Stunde  5 (0. 15°N.) 
und  ein  nördliches  Einfallen  mit  kaum  10  Graden.  Sie  ist  3 Fuss  mächtig  mit 
einer  unbedeutenden  Zwischenlage  von  Brandschiefer.  Die  Schieferthone  führen 
Pflanzenreste,  die  bisher  wenig  beachtet  wurden,  daher  deren  specifische  Be- 
stimmung aus  Mangel  an  brauchbarem  Materiale  nicht  thunlich  war.  Ungefähr 
2 Klafter  im  Liegenden  der  erwähnten  Kohlenablagerung  hat  man  ein  zweites 
Kohlenflötz  angefahren,  das  aber  nur  die  Mächtigkeit  von  15 — 18  Zoll  besitzt 
und  selten  abbauwürdig  ist. 

In  der  Stadt  Schlan  selbst,  und  zwar  am  linken  Ufer  des  rothen  Baches, 
an  dem  dem  basaltischen  „Salzberge“  nördlich  gegenüber  liegenden  Berg- 
gehänge (siehe  Tafel  I)  ist  vor  einigen  Jahren  durch  die  Umlegung  einer  Fahr- 
strasse der  Ausbiss  eines  Steinkohlenflötzes  entblösst  worden,  und  gab  Veran- 
lassung zu  dem  nun  dort  bestehenden  Baron  Riese’schen  Steinkohlenbergbaue. 
Der  Aufschluss  erfolgte  theils  durch  einen  tonnlägigen  Schacht,  resp.  durch 
einen  Stollen,  der  fallend  nach  dem  Verflachen  der  Kohlenablagerung  getrieben 
wurde,  theils  später  durch  einen  Schacht  von  34  Klafter  Teufe,  an  welchem 
eine  Dampfmaschine  von  36  Pferdekraft  die  Förderung  und  Wasserhebung  ver- 
mittelt. Der  Schacht  scheint,  nach  den  rothen  Thonen,  die  er  im  Hangenden 
der  Kohlenablagerung  anfulir,  zu  urtheilen,  zuerst  Schichten  des  Rothliegenden 
und  dann  erst  jene  der  Steinkohlenformation  durchsenkt  zu  haben.  Die  Kohlen- 
flötzablagerung besitzt  ein  Streichen  von  Ostnordost  nach  Westsüdwest,  und  ein 
Einfallen  nach  Nordnordwest,  und  zwar  ist  das  letztere  nahe  den  Ausbissen 
ziemlich  steil,  wird  aber  gegen  die  Teufe  immer  flacher  und  fällt  bis  6 Grad 
herab. 

Die  Flötzablagerung  ist  3 Fuss  mächtig  und  besteht  aus  zwei  Kohlenbänken, 
deren  obere  12  Zoll  und  untere  20  Zoll  mächtig  ist;  zwischen  beiden  liegt  eine 
4zöllige  Thonschichte.  Sie  ist  sehr  wenig  gestört  und  wird  nur  im  Westen 
durch  eine  Kluft,  bis  zu  welcher  gegenwärtig  der  Abbau  geführt  wird,  ver- 
worfen. Ein  neuer  Schacht  soll  das  westliche  noch  unverritzte  Feld  aufschliessen. 
Ungefähr  l\/2  Klafter  unter  der  erwähnten  Kohlenflötzablagerung  ist  auch  in 
diesem  Baue  ein  zweites  Kohlenflötz  von  nur  10 — 12  Zoll  Mächtigkeit  angefahren 
worden.  ■ — Das  nördlich  von  dem  Grubenbaue  sich  erhebende  Plateau  wird  von 
Quadersandsteinen  und  Quadermergeln  bedeckt,  welche  mit  kaum  5 Grad  gegen 
Norden  verflächen. 

Westlich  von  Schlan,  zwischen  dem  Malkowicer  und  Libowicer  Bache,  und 
an  deren  Gehängen  (siehe  Tafel  I)  befinden  sich  in  der  Erstreckung  von  unge- 
fähr einer  Meile  gegen  Westen  eine  sehr  grosse  Anzahl  von  Steinkohlenbauen, 
von  denen  jene  bei  Turan,  Tummelplatz  und  Libowic  am  bedeutendsten  sind.  Bei 
allen  diesen  Bauen  ist  der  Aufschluss  mittelst  Schächten  erfolgt,  deren  es  z.  B. 
zwischen  Stern  und  Jedomelic  gewiss  bei  50  an  der  Zahl  gibt,  indem  ein 


[71]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  oOl 

Schacht  nur  so  lange,  als  sich  aus  demselben  mit  Leichtigkeit  und  ohne  Gefahr 
die  rings  um  denselben  befindliche  Kohle  herausrauben  lässt,  benützt  und  sodann 
verlassen  und  zum  Abteufen  eines  neuen  Schachtes  in  der  unmittelbaren  Nähe 
des  verstürzten  geschritten  wird.  Die  Teufe  der  Schächte  ist  übrigens  meist  eine 
geringe;  in  Turan  z.  B.  6—16  Klafter,  am  „Tummelplatz“  4 — 6 Klafter,  bei 
Jedomelic  3 — 4 Klafter,  bei  Libowic  nahe  am  Bache  3 — 4 Klafter,  höher  hinauf 
nach  dem  Gehänge  und  am  Rücken  zwischen  Libowic  und  Kwilic  jedoch  auch 
16 — 22  und  34  Klafter.  Das  Streichen  und  Fallen  der  durch  diese  Baue  eröffne- 
ten  Kohlenflötzablagerung  ist  dasselbe,  wie  im  Schlaner  Baue,  nämlich  das 
Streichen  zwischen  Stunde  4 und  6 (0.  30 — 15°  N.),  das  Verflächen  mit 
6 — 6 Grad  nach  Nordnordwest.  Die  Flötze  liegen  demnach  sehr  flach  und 
heissen  an  dem  Gehänge  südlich  von  Turan,  Tummelplatz  und  Stern  aus.  Was 
nun  die  in  diesem  Terrain  vorfindigen  Steinkohlenflötze  anbelangt,  so  gewinnt 
man  in  Turan  und  in  den  Bauen  zwischen  Libowic  und  Kwilic  die  Ueberzeugung, 
dass  sich  hier  drei  verschiedene  nur  durch  Zwischenmitteln  Yon  einigen  Klaftern 
getrennte  Kohlenflötzablagerungen  vorfinden.  Die  tiefste  derselben  zeigt  in  ihrem 
Hangendschieferthone  nebst  Schwefelkiesen  eine  ausserordentlich  reiche  Flora 
der  Steinkohlenformation ; sie  ist  durch  die  tiefsten  Baue  bei  Libowic,  am  Tummel- 
platz u.s.f.  aufgedeckt.  Die  zweite  nächst  höhere  Ablagerung  ist  arm  an  schlecht 
erhaltenen  Pflanzenresten,  darf  jedoch  noch  zur  Steinkohlenformation  gezählt 
werden,  wogegen  die  dritte  höchste  Kohlenflötzablagerung,  durch  die  an  dem 
Gehänge  gegen  Kwilic  eröft'neten  Baue  aufgedeckt,  die  bereits  oben  erwähnte 
Fischschuppen  führende  „Schwarte“"  im  Hangenden  des  Flötzes  besitzt,  und 
daher  schon  der  Formation  des  Rothliegenden  angehört,  worüber  in  der  Folge 
ausführlicher  gesprochen  werden  wird.  Keine  dieser  Kohlenflötzablagerungen 
überschreitet  die  Mächtigkeit  von  3 Fuss;  die  oberste  ist  die  geringst  mächtige. 
Im  Allgemeinen  besteht  jede  Flötzablagerung  aus  zwei  Kohlenbänken,  die  durch 
ein  taubes  Mittel  von  6 — 12  Zoll  getrennt  sind.  Nur  am  „Tummelplatz“  besitzt 
das  dort  in  Abbau  stehende  3fussige  und  in  der  Umgebung  von  Jedomelic  das 
dortige  30zöllige  Kohlenflötz  kein  beachtenswerthes  Zwischenmittel. 

Herr  Schichtmeister  Otto  Hohmann  theilte  mir  mehrfache  Daten  über  die 
Turaner  Kohlenbaue  mit,  denen  ich  Folgendes  entnehme. 

Der  Schacht  Nr.  2 auf  der  Danielizeche,  östlich  von  Turan,  durchörterte 
von  oben  nach  unten : 


Klafter  Fuss. 


Quadersandstein 4 — 

Brandschiefer — 1 

Grauen  feldspathreichen  Kohlen- 
sandstein   5 2 


Klafter  Fuss. 

Schieferthon — 2 

Kohl  enfl  ötz — 3 

Schieferthon  mit  Sphärosiderit- 

Nieren  , 1 — 


In  einem  in  der  Thalsohle  zwischen  Turan  und  Libowic  11  Klafter  tief 
abgeteuften  Schachte  wurde  nach  1 Klafter  Dammerde,  5 Klafter  eisen- 
schüssiger, dann  glimmeriger,  sandiger,  endlich  fetter  Schieferthon,  welchem 
zwei  zu  1 Fuss  mächtige  Sphärosideritlager  zwischengelagert  sind,  endlich 
nach  5 Klafter  2 Fuss  abwechselnd  fester  und  milder  Sandsteine  die  Kohle 
erreicht. 

Die  Kohlenablagerung  zeigt  sehr  vielfache  Störungen  in  Folge  von  Verwer- 
fungsklüften, welche  im  Turaner  Danielibaue,  wo  zwei  einzeln  13 — 18  Zoll 
mächtige,  durch  sandigen  Schieferthon  von  2 Zoll  bis  4 Fuss  Mächtigkeit  ge- 
trennte Kohlenflötze  vorhanden  sind,  fast  ausschliesslich  nach  Stunde  22 
(NW.  15°  N.)  streichen,  und  mit  45 — 80  Grad  bald  nach  Nordost,  bald  nach 


502 


M.  V.  Lipoid. 


[72] 


Südwest  einfallen.  An  einer  64  Klafter  langen  nach  Nordost  getriebenen  Strecke 
der  Danielizeche  fand  Herr  H oh  mann  18  solcher  Verwerfungskliifte  vor,  durch 
welche  die  Kohl'eriflötze  theils  nur  um  einige  Zoll,  tlieils  aber  auch  um 
i/2 — 1 Klafter  aus  ihrem  Streichen  verschoben  worden  sind. 

Die  in  dem  in  Rede  stehenden  Terrain  gewonnenen  Kohlen  sind  in  einzelnen 
Ränken  von  ziemlich  guter  Beschaffenheit.  Eine  Analyse  der  Turaner  von  Herrn 
Hohmann  mir  zugemittelten  Kohlen  ergab  folgende  Resultate: 


Bezeichnung  des  Fundortes 

O 

o 

Asche  in  100 
Theilen 

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5^—  s 5 

Turan  — Danielischacht  — Oberbank  .... 

4-8 

4-9 

18-40 

4158 

12-6 

„ „ — Niederbank  . . . 

4*7 

8*2 

22-30 

5039 

10-4 

„ — Tummelplatz  — Annaschacht  .... 

5-4 

10-0 

22  00 

4972 

10-6 

Fossilreste  in  der  Steinkohlenformation. 

Thierreste  sind  bisher  in  der  Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises 
nicht  vorgefunden  worden.  Dagegen  ist  dieselbe  reich  an  Pflanzenresten,  und 
haben  bis  jetzt  die  Localitäten  Wotwowic,  Zemeh,  Swoleniowes,  Kolec,  Hrapic, 
Bustehrad,  Kladno,  Rakonic,  Lubna,  Turan  und  Libowic  ein  bedeutendes  paläon- 
tologisches  Materiale  geliefert,  indem  die  Herren  Franz  Hawel  in  Wotwowic, 
Joseph  Schmidt  in  Kladno.  Gustav  Schupan  ski  in  Rakonic  und  Otto  Hoh- 
mann in  Turan  mit  Eifer  sich  der  Aufsammlung  von  fossilen  Pflanzenresten  unter- 
zogen, und  grössere  Quantitäten  derselben  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
zum  Geschenke  gemacht  hatten.  Indessen  sind  auch  noch  andere  Punkte  der 
Steinkohlenablagerung  als  Pflanzen  führend  bekannt,  wie  z.  B.  ßrandeisel,  Ruda, 
Jernnik  u.  dgl.,  — doch  sind  bisher  an  diesen  Localitäten  noch  keine  Sammlun- 
gen veranlasst  oder  mindestens  keine  bekannt  geworden.  Die  Bestimmung  der 
Pflanzenreste  übernahm  gefälligst  Herr  D.  Stur,  welcher  die  Resultate  seiner 
Untersuchung  in  den  „Verhandlungen  über  die  Sitzung  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  vom  13.  März  1860,  Seite  47“  *)  mitgetheilt  hat,  worauf  ich  hier 
mich  berufen  darf.  Nach  den  Bestimmungen  des  Herrn  D.  Stur  sind  in  den  ob- 
benannten Localitäten  vertreten:  Calamiteen,  Asterophylliten , Neuropterideen, 
Sphenopterideen,  Pecopterideen,  Stigmarien,  Sigillarien,  Lepidodendren,  Lyco- 
podiaceen  und  Palmen,  und  zwar  sämmtlich  in  Species,  die  der  Steinkohlen- 
formation eigen  sind  und  die  Flora  des  Steinkohlenbeckens  im  Prager  Kreise 
übereinstimmend  zeigen  mit  jener  der  Becken  von  Radnic  in  Böhmen  und  von 
Zwickau  in  Sachsen,  von  denen  erstere  durch  Herrn  Dr.  C.  v.  Ettingshausen, 
letztere  durch  Herrn  Prof.  Geinitz  ausführlich  bearbeitet  wurde.  Rücksichtlich 
der  Vertheilung  der  obberührten  Pflanzenfamilien  an  den  einzelnen  Localitäten 
muss  ich  als  ein  besonders  wichtiges  Resultat  der  Untersuchung  des  Herrn 
D.  S t u r den  Umstand  hervorheben,  dass  die  Localitäten  Zemeh,  Swoleniowes,  Kolec, 
Tur'can  und  Libowic  bisher  keine  Stigmarien,  Sigillarien  und  Lepidodendren,  das 
ist  keine  baumartigen  Gewächse,  die  an  den  übrigen  der  oberwähnten  Localitäten, 


*)  Jahrbuch.  11.  Jahrgang,  1860. 


[T3] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


503 


Wottwowic,  Kladno,  Rakonic  u.  s.  f. , sehr  häufig  Vorkommen,  geliefert  haben, 
dagegen  an  denselben  die  Asterophylliten  und  Pecopterideen,  die  zwar  den 
übrigen  Localitäten  auch  nicht  fehlen,  bei  weitem  vorherrschend  sind.  Es  deutet 
dieser  Unterschied  in  der  Pflanzenführung  auch  auf  einen  Unterschied  in  der  Koh- 
lenflötzablagerung  hin,  welcher  auch,  wie  ich  noch  weiter  unten  erörtern  werde, 
in  der  That  stattfindet,  indem  die  Kohlenflötze  von  Wotwowic,  Kladno,  Rakonic 
u.  s.  f.  der  tieferen  Kohlenablagerung  und  einem  bei  weiten  tieferen  Horizonte 
angehören,  als  die  Kohlenflötze  von  Turan,  Libosic,  und  die  Ausbisse  der  Pflanzen 
führenden  Schiefer  von  Zemeh,  Swoleniowes  und  Kolee.  Die  baumartige  Flora  der 
Lepidodendren,  Sigillarien  u.  s.  f.  mag  daher  bis  auf  Weiteres  immerhin  als  ein 
Charakteristicum  gelten  für  die  tiefsten  Kohlenablagerungen  des  Prager 
Kreises,  wie  sie  denn  auch  die  mächtigeren  Kohlenflötze  des  Terrains  gebildet  hat. 
So  besitzen  mit  Ausschluss  der  tauben  Zwischenmittel  die  Kohlenflötze  von  Wotwo- 
wic eine  Mächtigkeit  von  3 Klafter,  jene  von  Brandeisei  von  3 Klafter,  von  Buste- 
hrad-KIadno  von  3— S*/a  Klafter  und  von  Lubna  von  2*/2  Klafter,  während  die 
Kohlenflötze  jener  Localitäten,  an  denen  die  erwähnten  baumartigen  Gewächse 
nicht  vorfindig  sind,  wie  zu  Welwarn,  Lana,  Ruda,  Podlezin,  Jemnik,  Schlan, 
Turan  und  Libowic  die  Mächtigkeit  von  3 Fuss  nicht  überschreiten. 

In  dem  in  Rede  stehenden  Steinkohlengebiete  findet  man  auch  häufig,  wie 
z.  B.  hei  Slatin,  Swoleniowes,  Kladno,  Kwilic,  Krusowic  u.  s.  f . , versteinerte 
Holzstämme,  und  zwar  grösstentheils  in  losen  Stücken,  an  der  Oberfläche  des 
Bodens  zerstreut.  Ich  glaube,  dass  nur  wenige  dieser  versteinerten  Hölzer  der 
Steinkohlenformation,  sondern  dass  die  meisten,  wo  nicht  alle,  der  Formation 
des  Rothliegenden  angeboren,  in  deren  Verbreitungsbezirken  sie  besonders 
zahlreich  gefunden  werden. 

Schlussfolgerungen. 

Fasst  man  das  im  Vorhergehenden  über  die  Lagerungsverhältnisse  und  die 
Steinkohlenführung  der  Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises  Gesagte  und 
durch  vielfache  Beispiele  Erläuterte  zusammen,  so  ergeben  sich  daraus  einige 
sehr  wichtige  Schlussfolgerungen.  Zu  diesen  gehört  vor  Allem  die  Thatsache, 
dass  in  der  Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises  zwei  verschiedene 
K ohl  enf  1 Ö tza  bl ag er u n gen  auftreten  , deren  eine  im  Liegenden  nahe  dem 
Grundgebirge,  ja  theil weise  an  diesem  selbst,  die  andere  mehr  im  Hangenden 
derselben  erscheint.  Die  Liegendkohlenablagerung  ist  durch  die  Baue  von  Wot- 
wowic, Brandeisei,  Hrapic,  Bustehrad,  Kladno,  Rakonic  und  Lubna,  und  durch 
mehrere  Bohrlöcher  an  der  Grenze  der  Steinkohlen-  gegen  die  Grauwacken- 
formation aufgeschlossen.  Sie  ist  es,  die  die  erwähnten  baumartigen  Pflanzen- 
reste und  mächtigen  Kohlenflötze  führt. 

Eine  Zusammenstellung  und  Vergleichung  der  im  Vorhergehenden  zahlreich 
angeführten  Reihenfolgen  der  Gesteinsschichten  in  Schächten  und  Bohrlöchern 
gibt  nun  die  Ueberzeugung , dass  in  allen  Schächten  und  Bohrlöchern,  die  eine 
grössere  Teufe  besitzen,  wie  z.  B.  im  Blewicer,  Kolecer  und  Brodecer  Bohrloche, 
im  Brandeisler  Michaelsschachte  und  Bohrloche,  in  den  meisten  der  Bustehrader 
Schächte  und  Bohrlöcher,  in  einer  saigern  Entfernung  von  60 — 100 Klaftern  von 
den  erwähnten  Liegendflötzen  oder  dem  Grundgebirge  im  Hangenden  der  letzteren 
andere  kleine  Kohlenflötze  oder  mindestens  zahlreichere  Kohlentrümmer  angefahren 
wurden,  welche  somit  unzweifelhaft  auf  eine  Ablagerung  von  Hangendflötzen  hin- 
weisen.  Diese  Hangendflötze  erscheinen  nun  in  einer  grossem  Entfernung  von  dem 
südlichen  Rande  der  Steinkohlenformation,  wie  bei  Welwarn,  Podlezin,  Jemnik, 


K.  k.  geologische  Reichsaostalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


504 


N.  V.  Lipoid. 


r?4j 

Schlau,  Turan,  Libowic,  auch  in  einer  grösseren  Mächtigkeit,  als  nahe  dem 
erwähnten  Rande.  Dass  aber  die  Kohlenflötze  der  letztgenannten  Loralitäten  in  der 
That  der  Hangendflötzablagerung  angehören,  folgt  aus  den  Beobachtungen  des 
Einfallens  der  Schichten  der  Steinkohlenformation,  welches  von  dem  südlichen 
Rande  derselben  angefangen  bis  zu  den  nördlichsten  Entlassungen  derselben  an 
den  erwähnten  Loealitäten  sich  durchgehends  als  ein  nördliches,  nordöstliches 
oder  nordwestliches,  und  zwar  meist  sehr  flaches,  darstellt,  und  nirgends  ein 
südliches  ist,  ferner  aus  der  geringen  Teufe,  in  welcher  diese  letzteren  Klötze 
angefahren  wurden,  während  die  Liegendflötze  in  einer  viel  grösseren  Teufe 
auftreten , endlich  wohl  auch  aus  der  oben  erwähnten  Verschiedenheit  in  der 
Führung  von  fossilen  Pflanzenresten.  Ein  Durchschnitt  von  Wotwowic  nach 
Zemeh  zeigt  insbesondere  deutlich,  dass  die  nächst  Zemeh  am  linken  Bachufer 
an  der  Poststrasse  ausbeissenden  kohlenhältigen  Schiefer  mit  Pflanzenresten, 
deren  Bestimmung  Herr  D.  Stur  ebenfalls  vornahm,  und  welche  zahlreiche 
Pecopterideen  aber  keine  baumartigen  Gewächse  führen,  weit  im  Hangenden 
der  Wotwowicer  Steinkohlenablagerung  sich  befinden,  und  dasselbe  ist  der  Fall 
bei  den  Schiefern  bei  Kolec  und  Swoleniowes,  welchen  die  von  Herrn  D.  Stur 
bestimmten  Pflanzenreste  entnommen  wurden.  Zu  den  höheren,  den  Hangend- 
Kohlenflötzahlagerungen  zähle  ich  nun,  ausser  den  Kohlenflötzen  an  den 
obbenannten  Orten,  auch  noch  die  wenig  mächtigen  Kohlenflötze,  die  durch 
Baue  bei  Lana  und  Ruda,  dann  nordöstlich  von  Rakonic  an  der  Strasse  gegen 
Ruda  entblösst  wurden.  Es  ergibt  sich  dies  gleichfalls  aus  einem  Durchschnitte, 
den  man  von  Rakonic  gegen  Ruda  macht.  Dass  Herr  Dr.  Reuss  auch  die  Kohlen- 
flötze bei  Herrndorf  und  Weclau  für  jünger  und  mehr  im  Hangenden  befindlich 
hält,  als  jene  von  Lubna  und  Rakonic,  habe  ich  bereits  oben  erwähnt. 

Wieder  ist  es  die  oben  angedeutete  Vergleichung  der  Schichtenfolge  in  den 
Bohrlöchern,  welche  uns  belehrt,  dass  es  deren  viele  gibt,  welche  keine  Kohlen- 
flötze anfuhren,  obschon  sie  bis  an  das  Grundgebirge  niedergingen.  Mag  auch 
bei  einem  oder  andern  hievon  die  Ursache  darin  liegen,  dass  das  Bohrloch 
gerade  an  einer  Verwerfungskluft  angesessen  ist,  so  lässt  sich  doch  nicht  zweifeln, 
dass  die  meisten  derselben  darum  ohne  ein  günstiges  Resultat  blieben,  weil  — 
eben  an  dem  Punkte  keine  Kohlen  flötza  bla  ge  rung  vorhanden  war.  Dass 
aber  in  der  That  die  Ablagerung  der  Liege  n d flötze  keine  zusammenhängende 
ist,  sondern  letztere  in  einzelnen  Buchten  und  mehr  oder  minder  isolirten  Mul- 
den abgelagert  wurden,  lehren  die  Beschreibungen  und  Profile,  die  ich  von  den 
Bauen  in  Wotwowic,  Brandeisei,  Busfehrad-Kladno  und  Rakonic  geliefert  habe. 
(S.  Taf.  II,  III  u.  IV.)  Viel  zusammenhängender  erscheint  die  Ha  ngen  dflötz- 
ablagerung,  wie  sich  dies  aus  den  Bauen  in  der  Umgebung  von  Schlan,  und 
aus  den  Schürfarbeiten  bei  Ruda  ergibt.  Das  herrschende  Auftreten  der  Lie- 
gendflötze in  Mulden  und  Buchten  deutet  darauf  hin,  dass  dieselben  durch 
Anschwemmung  von  Pflanzenfossilien,  die  sich  in  den  Buchten  und  Mulden 
anhäuften,  entstanden  seien.  Dennoch  dürften  local  wohl  auch  die  Liegendflötze 
ihre  Entstehung  stehenden  Wäldern  verdanken,  die  an  Ort  und  Stelle  wuchsen 
und  zu  Grunde  gingen.  Wenigstens  deuten  aufrechtstehende  Stämme  von  Lepi- 
dodendren , die  man  in  dem  Bustehrader  Baue  mitten  im  Kohlenflötze  vorfand, 
darauf  hin,  und  es  ist  nicht  uninterressant  und  vielleicht  nicht  ohne  einen  gewis- 
sen causalen  Zusammenhang,  dass  gerade  die  Liegendflötzablagerung  in  den 
Rapic-Bustehrader  Bauen  (siehe  RR  Profil  in  Tafel  III),  welche  wahrscheinlich 
aus  an  einem  Plateau  gestandenen  Wäldern  an  Ort  und  Stelle  gebildet  wurde, 
gegenwärtig  um  ein  nicht  unbedeutendes  höher  gelagert  erscheint,  als  die  Flötz- 
ablagerung  in  Kladno,  die  in  Buchten,  wahrscheinlich  nur  durch  Anschwemmun- 


[75]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  *>()5 

gen,  abgelagert  wurde.  — Die  Hangendflötzablagerung  dürfte  dagegen  dureh- 
gehends  einer  an  Ort  und  Stelle  zu  Grunde  gegangenen  Flora  ihren  Ursprung 
verdanken. 

Noch  erübrigen  ein  paar  Worte  über  die  Ursachen  der  mannigfaltigen 
Störungen,  welche  insbesondere  die  Liegendkohlenflötze  laut  der  obigen  Be- 
schreibungen und  der  mitgetheilten  Durchschnitte  erlitten  hatten.  In  dem  west- 
lichsten Terrain  des  von  mir  bereisten  Steinkohlengebietes,  nämlich  in  der 
Umgebung  von  Rakonic,  kann  es  nicht  bezweifelt  werden,  dass  die  dort  zu  Tage 
tretenden  Diorite  und  Syenite,  wie  es  bereits  Herr  Dr.  Reuss  und  Herr  Gustav 
Schupansky  in  ihren  oben  berührten  Abhandlungen  dargelegt  haben,  einen 
wesentlichen  Einfluss  auf  die  vorhandenen  Störungen  der  dortigen  Kohlenflötze 
geübt  haben.  — Anders  ist  es  in  dem  östlichen  Terrain,  in  der  Umgebung  von 
Kladno-Bustehrad  und  von  Wotwowic.  Hier  treten  in  der  Nähe  der  Steinkohlen- 
formation im  Grauwackengebirge  keine  Eruptivgesteine,  und  nur  bei  Winaric 
und  Schlan  mitten  im  Steinkohlenterrain  zwei  Basaltkuppen  zu  Tage.  Dem 
Basalte  die  vielen  Störungen  in  dem  Steinkohlengebirge  bei  Kladno  u.  s.  w.  zuzu- 
schreiben, Hesse  sich  nicht  begründen,  denn  der  böhmische  Basalt  ist  bekannter- 
massen  tertiären  Alters,  und  hat  bei  Winaric  und  Schlan  auch  die  Kreideforma- 
tion durchbrochen.  Es  müssten  demnach  auch  die  Ablagerungen  der  Kreide- 
formation bei  Kladno  und  Schlan  ähnliche  Störungen  zeigen,  wie  jene  der  Stein- 
kohlenformation, was  aber  durchaus  nicht  der  Fall  ist.  Vielmehr  findet  man  die 
Quadermergel  bei  Kladno,  so  gut  wie  jene  nördlich  von  Schlan  in  vollkommen 
ungestörter  völlig  schwebender  Lagerung,  — ein  Beweis,  dass  die  Wirkungen 
des  Basaltdurchbruches  sich  durchaus  nicht  weit  erstreckten,  und  dass  demnach 
die  Störungen  in  der  Steinkohlenformation  bereits  vor  dem  Ausbruche  des 
Basaltes  und  zwar  noch  vor  Ablagerung  der  Kreideformation  erfolgt  sein  müssen. 
Eben  so  wenig  kann  ich  jenen  beistiminen,  welche  die  Ursache  der  Störungen  in 
der  Steinkohlenformation  den  Empordringen  der  Kieselschiefer,  die  nächst 
Kladno  und  Wotwowic  häufig  die  Gi auwackenschiefer  begleiten,  zuschreiben, — 
weil  eben  der  Kieselschiefer  kein  Eruptivgestein  ist.  Allerdings  aber  mögen  die 
Kieselschiefer  nicht  ohne  Einfluss  auf  manche  abnorme  Lagerungsverhältnisse 
gewesen  sein,  aber  nicht  als  spätere  Erruptivrriassen,  sondern  als  ursprünglich 
vorhandene  Klippen  im  Steinkohlenmeere,  an  denen  des  letzteren  Wogen  bran- 
deten, und  welche  somit  einer  normalen  Lagerung  Hindernisse  in  den  Weg  legten. 
Ich  glaube  nun,  den  Grund  der  Störungen  in  der  Steinkohlenformation  im  öst- 
lichen Theile  des  fraglichen  Steinkohlengebietes  in  zwei  Hanptursachen  suchen 
zu  müssen.  Die  eine  und  bei  weitem  wirksamere  Ursache  dürfte  in  den  succes- 
siven  grossen  Continentalhebungen  und  Senkungen  zu  finden  sein,  welche 
bekanntlich  das  mittlere  Böhmen  erlitten  hat.  Die  eine  Continentalhebung  fand 
am  Schlüsse  der  Steinkohlenperiode  Statt,  verursachte  den  langsamen  Abfluss 
des  Steinkohlenmeeres,  und  legte  das  Land  trocken.  Der  Mangel  jedwelcher 
triassischen  und  Jura-Bildungen  im  mittleren  Böhmen  beweist,  dass  diese 
Trockenlegung  des  Landes  durch  die  ganze  Dauer  der  Trias-  und  Jura-Forma- 
tion anhielt.  Nun  musste  jedoch  abermals  eine  Continentalsenkung  Statt  gefunden 
haben,  in  welcher  sich  das  Kreidemeer  ausbreitete,  und  in  welcher  die  Gebilde 
der  Kreideformation  abgelagert  wurden.  Eine  abermalige  Continentalhebung 
machte  auch  dieses  Meer  wieder  abfliessen.  Diese  Hebungen  und  Senkungen, 
obschon  langsam  vor  sich  gehend,  fanden  nach  Ablagerung  der  Steinkohlenfor- 
mation Statt,  und  konnten  demnach  auch  nicht  ohne  Einfluss  auf  deren  Ablage- 
rungen bleiben,  sondern  mussten  Localspaltungen,  Brüche  und  Verdrückungen 
in  denselben  hervorbringen.  — Eine  zwreite  Hauptursache  der  Störungen  in  der 

64* 


506 


M.  V.  Lipoid. 


[76] 


Steinkohlenformation  des  fraglichen  Terrains,  wenn  auch  eine  minder  wirksame, 
liegt  ferner  in  der  Zusammensetzung  der  Steinkohlenformation  seihst.  Die  ange- 
führten Reihenfolgen  der  Gesteine  in  den  Schächten  und  Bohrlöchern  zeigen, 
dass  die  Steinkohlenformation  hauptsächlich  aus  sandigen,  thonigen  und  kohligen 
Schichten  besteht,  dass  aber  diese  durchaus  nicht  in  dem  ganzen  Terrain  gleich- 
mässig  vertheilt,  sondern  bald  die  einen,  bald  die  anderen  mächtiger  entwickelt 
sind.  Insbesondere  ist  das  Verbältniss  der  thonigen  Schichten  zu  den  sandigen 
ein  sehr  bedeutend  verschiedenes,  und  es  betragen  die  thonigen  Schichten  z.  B. 


in 

dem 

Zemecher  Bohrloche 

. 4-5 

Procente 

tt 

» 

Kolecer  Bohrloche 

. 33-5 

19 

91 

99 

Blewicer  Bohrloche 

. 13*5 

n 

9t 

91 

Brodec  II.  Bohrloche 

. 35 

19 

tt 

tt 

Brandeisler  Bohrloche 

. 15 

n 

9t 

9t 

„ Michaelsschachte  . . . 

. 121 

99 

9t 

tt 

Rapicer  Bohrloche 

. 34-6 

99 

9t 

99 

Buslehrader  Maria  Antoniaschachte 

. 20 

19 

9t 

99 

„ „ Annaschachte  . 

. 4-7 

19 

9t 

tt 

Kaiser  Ferdinand  Bohrloche  . . . 

. 1 6 8 

11 

99 

ft 

Bustehrader  Proeopischachte  . . . 

. 9 

91 

9t 

99 

Augesder  Bohrloche 

. 13  2 

99 

st 

9t 

Dubyer  ßohrloche 

. 8 

19 

9t 

99 

Kladnoer  Wenzelschachte  .... 

. 14 

19 

st 

tt 

„ Laverschachte  

. 10  5 

19 

99 

99 

„ Thinnfeldschachte  . . . 

. 1 6 4 

19 

99 

99 

„ Kübeckschachte  .... 

. 12*5 

19 

99 

99 

„ Franzschachte  

. 30-2 

19 

St 

9t 

Rozdielower  Bohrloche 

. 10-8 

19 

9) 

tt 

Rudaer  Bohrloche 

. 31 

19 

tt 

St 

Petrowicer  II.  Bohrloche  .... 

. 22  2 

19 

der  gesammten  Ablagerung  der  Steinkohlenformation 

mit  Ausschluss  der  jünge- 

ren  Bildungen.  Es  stimmt  diese  Wahrnehmung  vollkommen  mit  der  Beobachtung 
überein,  die  ich  oben  betreff  des  linsenartigen  Auftretens  der  Schieferthone  in 
der  Steinkohlenformation  in  den  Bustehrader  Bauen  mittheilte.  Ueberdies  ist 
nicht  zu  übersehen,  dass  die  Mächtigkeit  der  gesammten  Steinkohlenablagerung 
nicht  allenthalben  dieselbe  ist,  wie  es  ebenfalls  die  erwähnten  Reihenfolgen 
nachweisen,  sondern  dass  dieselbe  von  einigen  Klaftern  bis  über  200  Klafter 
(Kolecer  Bohrloch  II)  anwächst.  Nun  ist  es  eine  bekannte  Thatsache,  dass  die 
thonigen  Schichten  bei  der  Eintrocknung  sich  viel  mehr  zusammenziehen,  als  die 
sandigen,  und  andererseits  ist  es  anzunehmen,  dass  die  Compression  der  Schich- 
ten eine  desto  grössere  sein  musste,  je  höher  die  darüber  befindliche  Ablagerung, 
welche  einen  Druck  nach  unten  übte,  war.  Die  ungleiche  Zusammenziehung  der 
Schichten  musste  vorerst  Spannungen  und  endlich  Brüche  in  denselben  hervor- 
bringen, die  wohl  auch  einige  Fusse  betragen  konnten.  Dieser  zweiten  Ursache 
nun,  nämlich  der  Ungleichartigkeit  der  Vertheilung  der  sandigen,  thonigen  und 
kohligen  Schichten,  werden  wohl  hauptsächlich  die  vielen  kleinen  Sprünge  und 
Verdrückungen,  wie  sie  in  den  Liegendflötzen  so  häufig  angetroffen  werden, 
zuzuschreiben  sein.  Es  spricht  hiefür  noch  besonders  der  Umstand,  dass  man 
in  der  Regel  ähnliche  Zerklüftungen  in  den  Hangendkohlenflötzen  nicht  so 
zahlreich  vorfindet,  — wohl  nur  aus  dem  Grunde,  weil  die  obenerörtete  Ursache 
bei  denselben  keine  oder  wenigstens  keine  so  bedeutende  Wirkung  äussern 
konnte. 


[77]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Tlieile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  507 

Die  im  Vorhergehenden  dargelegte  und  begründete  Thatsache,  dass  die 
mächtigen  Liegendflötze  kein  unbegrenztes  und  durch  das  ganze  Steinkohlen- 
gebiet zusammenhängend  verbreitetes  Kohlenfeld  bilden,  hat  endlich  in  so  ferne 
ihren  praktischen  Werth,  als  sie  den  Bergmann  vor  Illusionen  bewahrt,  und  ihn 
bei  neuen  Schürfungen  zur  Vorsicht  mahnt.  So  wahrscheinlich  es  nämlich  ist, 
dass  Ablagerungen  der  Liegendflötze  und  zwar  in  grösseren  Feldern  auch  ent- 
fernter von  dem  südlichen  Rande  der  Steinkohlenformation,  an  welchem  dieselben 
bisher  allein  erst  angefahren  wurden,  stattgefunden  haben,  eben  so  und  noch 
mehr  wahrscheinlich  ist  es  jedoch  auch,  dass  auch  in  dem  von  dem  Rande  ent- 
fernteren nördlichen  Terrain  der  Steinkohlenformation  flötzleere  Rücken  und 
Stellen  sich  vorfinden. 

II.  Die  Formation  des  Rothliegenden. 

Ich  habe  bereits  bei  Beschreibung  der  Lagerungsverhältnisse  der  Stein- 
kohlenformation in  der  Umgebung  von  Rakonic  der  Abhandlung  Erwähnung 
gemacht,  welche  Herr  Professor  Dr.  A.  E.  Reuss  über  die  „geognostischen  Ver- 
hältnisse des  Rakonicer  Beckens  in  Böhmen“  in  den  Sitzungsberichten  der  kaiser- 
lichen Akademie  der  Wissenschaf! en , XXIX.  Band,  Nr.  8,  1858  veröffentlicht 
hat.  In  dieser  Abhandlung  gibt  Herr  Dr.  Reuss  eine  detaillirte  treffliche  Schil- 
derung des  Rothliegenden  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises,  auf 
welche  ich  um  so  mehr  hinweisen  muss,  als  meine  eigenen  geologischen  Aufnah- 
men im  Sommer  1859  sich  westwärts  über  den  Meridian  von  Rakonic  nicht  weit 
hinaus  erstreckten,  und  ich  bisher  auch  noch  nicht  Gelegenheit  hatte,  das  viel 
charakteristischere  Rothliegende  in  den  nordöstlichen  Theilen  von  Böhmen  aus 
eigener  Anschauung  kennen  zu  lernen. 

Das  Rothliegende  besitzt  aber  auch  in  dem  von  mir  bereisten  Theile  des 
nordwestlichen  Steinkohlengebietes  eine  grosse  Verbreitung,  und  nimmt  ins- 
besondere das  ganze  Terrain  ein,  welches  sich  nördlich  von  der  Linie  befindet, 
die  man  sich  von  Rakonic  über  die  Hüge[  östlich  von  Luznav  nach  Rencow,  von  da 
nach  Kwilic,  von  dort  über  Schlan  nach  Zelenic,  und  von  Zelenic  nach  Welwarn 
gezogen  denkt.  (Siehe  Taf.  I.)  In  diesem  Terrain  wird  das  Rothliegende  wohl 
vielfach  von  der  Kreideformation  überdeckt,  tritt  jedoch  unter  derselben  in  allen 
Thaleinschnitten,  die  sich  nördlich  und  östlich  vom  Zban-Gebirge  befinden,  zu 
Tage.  Aber  auch  südlich  von  der  oben  bezeichneten  Linie,  und  zwar  in  der 
Bucht  südöstlich  von  Munzifay,  erscheint  das  Rothliegende,  wenn  auch  in  gerin- 
gerer Mächtigkeit,  die  Steinkohlengebilde  überlagernd,  und  dürfte  von  dort  unter 
der  Kreideformation  sich  bis  nach  Kladno  ausdehnen.  Wenigstens  sind  in  dem 
Amalienschachte,  welcher  am  Plateau  westlich  von  der  Stadt  Kladno  abgeteuft 
wird,  unter  dem  Quadermergel  und  Quadersandsteine  der  Kreideformation  ein 
paar  Klafter  röthlicher  Sandsteine  und  Letten  durchfahren  worden,  welche  petro- 
graphisch  vollkommen  mit  den  Gesteinen  des  Rothliegenden,  wie  es  nördlicher 
entwickelt  ist,  übereinstimmen. 

So  wie  die  Steinkohlenformation,  besteht  auch  die  Formation  des  Rothlie- 
genden in  dem  in  Rede  stehenden  Gebiete  aus  sandigen  und  thonigen  Gesteinen, 
die  sich  in  beiden  Formationen  an  der  Begrenzung  derselben  so  sehr  ähnlich 
sind , dass  eine  scharfe  und  sichere  Grenze  festzustellen  durchaus  nicht 
möglich  ist.  In  den  höheren  Ablagerungen  nehmen  jedoch  die  Sandsteine  und 
Lettenschiefer  des  Rothliegenden  einen  mehr  eigenthümlichen  Charakter  an, 
vermöge  welchem  sie  sich  von  den  Sandsteinen  und  Schieferthonen  der  Stein- 


508 


M.  V.  Lipoid. 


[78] 


kohlenformation  petrographisch  ziemlich  wesentlich  unterscheiden.  Der  Unter- 
schied bei  den  Gesteinen  der  Steinkohlenformation  und  des  Rothliegenden  liegt 
theils  in  deren  Färbung,  theils  in  der  Structur,  theils  in  den  Bestandteilen,  die 
sie  zusammensetzen. 

Die  Farbe  der  Gesteine  des  Rothliegenden  ist  vorherrschend  roth,  und 
zwar  ziegel-  oder  blutroth  mit  Uehergängen  in*s  violette,  Färbungen,  die  bei  den 
Gesteinen  der  Steinkohlenformation  nur  selten  und  nur  in  vereinzelten  Schichten 
angetroflen  werden.  Andere  Farben,  die,  wie  die  rothe,  auf  einen  Eisenhalt  der 
Rothliegendgesteine  hindeuten,  als  braun,  bräunlich  und  grünlich,  finden  sich 
gleichfalls  öfters  vor,  seltener  dagegen  die  graue  und  weisse  Färbung.  Sehr 
häufig  verleiht  der  oftmalige  Wechsel  obiger  verschiedenen  Farben  den  Gesteinen 
des  Rothliegenden  ein  gestreiftes  oder  gebändertes  Ansehen. 

Ihrer  S truc  t u r nach  sind  die  Sandsteine  des  Rothliegenden  meist  sehr 
feinkörnig  und  schieferig  — Sandsteinschiefer  — und  sowohl  diese  als  auch  die 
wenigen  grobkörnigen  Sandsteinschichten  besitzen  eine  sehr  geringe  Consistenz 
und  Festigkeit,  und  sind  der  Verwitterung  sehr  unterworfen,  wobei  sie  zu  Grus 
zerfallen.  Nur  die  stark  mit  Eisenoxydhydrat  imprägnirten  Schichten,  brauner 
meist  etwas  grobkörnigerer  Sandstein  — die  sogenannten  „Eisendeckel“,  — die 
sich  wohl  auch  in  der  Sfeinkohlenformation  vorfinden,  sind  auch  im  Rothliegenden 
dicht  und  fest.  Conglomerate  fehlen  fast  gänzlich  im  Rothliegenden. 

Rücksichtlich  der  Bestandt heile,  welche  die  Gesteine  zusaminensetzen, 
liegt  ein  Unterschied  zwischen  jenen  des  Rolhliegenden  und  jenen  der  Steinkoh- 
lenformation hauptsächlich  darin,  dass  in  ersteren  der  Kaolingehalt  zurücktritt, 
und  dafür  ein  Kalkgehalt  auftritt.  Während  nämlich  die  Sandsteine  mit  Kaolin- 
oder auch  mit  Feldspathbeimengung  — Arkosen  — in  der  Steinkohlenformation 
vorherrschen,  sind  dieselben  im  Rothliegenden,  und  zwar  auch  nur  in  den  tieferen 
Schichten  desselben  sparsam  vertreten,  und  verschwinden  in  den  höheren  Schich- 
ten gänzlich.  Andererseits  aber  werden  die  Sandsteine  des  Rothliegenden  kalk- 
haltig, was  bei  jenen  der  Steinkohlenformalion  nicht  der  Fall  ist,  und  besonders 
die  Sandsteine  der  höheren  Schichten  besitzen  einen  so  grossen  Kalkgehalt,  dass 
nur  wenige  derselben , mit  Säuren  behandelt,  nicht  aufbrausen.  Zu  förmlichen 
Kalksteinbänken  concentrirt  fand  ich  jedoch  den  Kalkgehalt  des  Rothliegenden  nur 
südlich  nächst  dem  Dorfe  Drchkow,  wo  zwischen  thonigen  und  feinsandigen 
Schichten  einige  1 — 2 Zoll  mächtige  Schichten  eines  mergeligen  lichten  Kalk- 
steines gelagert  sind.  Noch  ist  im  Allgemeinen  zu  bemerken,  dass  die  thonigen 
Schichten  im  Rothliegenden,  meist  als  Leiten  und  Lettenschiefer  erscheinend,  viel 
stärker  vertreten  sind,  als  in  der  Steinkohlenformation,  wo  sie,  meist  als  Schiefer- 
thone,  den  sandigen  Schichten  in  der  Verbreitung  bei  weitem  nachstehen.  — 

Ich  will  hier  noch  des  Unterschiedes  erwähnen , welcher,  nach  Herrn  Dr. 
Reuss’  Angaben,  zwischen  der  Ablagerung  des  Rothliegenden  in  dem  nordwest- 
lichen Theile  des  Prager  Kreises  und  jener  in  dem  nordöstlichen  Theile  Böhmens 
t — bei  Liebenau,  Schatzlar,  Braunau,  Jawornitz,  Schwarzkostelec  u.  s.  f.  — Platz 
greift.  Die  letztgenannten  Ablagerungen  des  Rothliegenden  sind  nämlich  reich  an 
Kalksteinen  und  Kalkmergeln,  an  bituminösen  Mergelschiefern  und  Schieferthonen 
mit  zahlreichen  Thier-  und  Pflanzenresten,  und  an  Kupfererzen,  welche  sämmtlich 
im  Rothliegenden  des  nordwestlichen  Böhmens  entweder  gänzlich  fehlen,  oder  nur 
in  Spuren  zu  finden  sind.  Auch  Melaphyre,  die  einen  wesentlichen  Bestandtheil 
der  Roihliegendformation  im  nordöstlichen  Böhmen  bilden,  vermisst  man  in  dem 
Rothliegenden  des  in  Rede  stehenden  Terrains. 

Dagegen  finden  sich  im  Rothliegenden  des  nordwestlichen  Böhmens  auch 
Kohlenflötza blagerungen  vor,  und  diese  waren  es  vorzugsweise,  welche 


[79] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


509 


Herrn  Dr.  Reuss  die  Beweise  an  die  Hand  gegeben  haben,  dass  die  Formation  des 
Rothliegenden  in  dem  Rakonicer  Becken  vertreten  sei.  Das  unmittelbare  Han- 
gende der  fraglichen  Kohlentlötze  bildet  nämlich  ein  sehr  zäher  schwarzbrauner 
Brandschiefer,  welcher  den  Localnamen  „Schwarte“  erhielt,  und  so  reich  an 
Bitumen  ist,  dass  er  mit  Leichtigkeit  entzündet  wird  und  brennt.  Dieser  bitumi- 
nöse Schiefer  führt  zahlreiche  Fischreste,  deren  nähere  Untersuchung  Herr  Dr. 
Reuss  vornahm.  Die  Resultate  derselben  sind  in  dessen  oben  erwähnter  Ab- 
handlung niedergelegt,  und  ich  entnehme  derselben,  dass  sich  unter  diesen 
Fischresten  — „ausser  häufigen  Knochenresten,  einzelne  Zähne  von  Haifischen 
und  zwar  ausser  einer  seltenen  neuen  Species  von  Ctenoptychius  (C.  brems 
Rss.J  und  einer  ganz  neuen  Gattung,  die  er  „ Desmodus “ benannte,  insbesondere 
theils  glatte,  theils  längsgefaltete  Zähne  der  Gattung  Diplodus  Ag.y  welche 
theilweise  mit  den  Zähnen  des  Xenacanthus  Decheni  Beyr.,  eines  für  das  Roth- 
liegende  Böhmens,  Sachsens  und  Schlesiens  charakteristischen  Haifisches  aus  der 
Familie  der  Squatinen  übereinstimmen,  — ferner  kleine  spitzkonische  Zähne, 
wie  sie  den  Pygopterus- Arten  eigen  sind,  — häufig  zerbrochene  Flossenstachel 
und  mit  den  winzigen  kubischen  Schuppen  versehene  Hautfragmente  des  Acan- 
thodes  gracilis  F.  Röm.y  — isolirte  anderen  Fischen  angehörige  Flossenstachel 
und  vereinzelte  Kopfknochen  von  Palaeoniscus,  — endlich  in  grösster  Menge 
Schuppen,  meist  von  Ganoiden,  mehreren  Arten  von  Palaeoniscus  angehörig, 
seltener  von  Cycloiden,  die  keine  nähere  Bestimmung  gestatteten“,  — befinden. 
Pflanzenreste  sind  selten,  und  auch  diese  beschränken  sich  auf  einzelne  Farren- 
blätter. 

Die  die  bezeichneten  Fischreste  führende  „Schwarte“  kann  demnach 
für  diejenigen  Kohlenflötze,  in  deren  Begleitung  sie  zu  finden  ist,  als  charak- 
teristisch gelten,  dass  lelztere  nicht  mehr  der  Steinkohlenformation,  sondern 
bereits  der  Formation  des  Rothliegenden  angehören.  Diesemnach  zählt  Herr  Dr. 
Reuss  in  seiner  ofterwähnten  Abhandlung  die  23—26  Zoll  mächtigen,  durch 
2zöllige  Zwischenmittel  in  2 Bänke  getheilten  Kohlenflötze,  welche  ausser  meines 
Aufnahmsgebietes  am  südlichen  Gehänge  des  Zbangebirges  nächst  Konowa  und 
Mutiowic  mittelst  4 — 20  Klafter  tiefer  Schächte  abgebaut  werden,  und  mit 
10 — 12  Grad  nach  Norden  unter  die  Kreideschichten  des  Zban  einfallen,  dem 
Rothliegenden  zu.  In  meinem  Aufnahmsgebiete  fand  ich  die  gleichen  Kohlenflötze 
des  Rothliegenden  mit  einer  von  6 — 10  Zoll  mächtigen  „Schwarte“  am  südlichen 
Fusse  des  Zbanberges  bei  Hredel  und  nächst  Kroucow  vor.  Bei  Kroucow  ist  die 
Flötzablagerung  folgende: 


Fnss  Zoll 


Fus*  Zoll 


„Schwarte“  . • . — 8 

Kohle 1 8 

Letten — 3 


Kohle 1 8 

Letten. 


Das  Kohlenflötz  fällt  mit  10  — 12  Grad  nach  Norden  ein,  und  kommt  in  dem 
Graben  an  der  nördlichen  Abdachung  des  Zbangebirges  ober  Pochwalow  wieder 
zum  Vorschein,  wo  unter  den  Kreidebildungen,  welche  den  Bücken  des  Zban- 
gebirges zusammensetzen,  neuerdings  die  Schichten  des  Rothliegenden  zu  Tage 
treten.  Nächst  Kroucow  haben  Bohrversuche  dargethan,  dass  das  Rothliegende 
daselbst  noch  über  dem  Kohlenflötze  eine  namhafte  Mächtigkeit  besitzt, 
indem  ein  am  Plateau  ober  Kroucow  abgeteuftes  Bohrloch,  nachdem  es  rnuth- 
masslich  durch  30  Klafter  die  Kreideschichten  durchsenkte,  in  der  54.  Klafter, 
in  welcher  Teufe  es  eingestellt  wurde,  noch  nicht  das  Kohlenflötz  angefahren 
hatte,  obschon  es  diesemnach  bereits  34  Klafter  tief  in  den  Schichten  des  Roth- 
liegenden niederging.  (Das  betreffende  Bohrprofil  theilte  mir  Herr  Schichten- 


31Ü 


M.  V.  l/ipold. 


[80J 


meister  M.  Pauk  mit.)  Die  Kohle  des  Rotliliegenden  nächst  Hredel  und  Krou- 
cow ist  wenig  compact,  theilweise  mit  Schwefelkies  durchzogen,  und  führt  Lagen 
von  faserigem  Anthracit.  Eine  Analyse  derselben,  im  Laboratorium  der  k.k  geo- 
logischen Reichcanstalt  vorgenommen,  ergab  fügendes  Resultat: 


Reducirle 

Aeqniralent  einer  1 

L o c a 1 i t ä t 

Wasser  in 

Asche  in 

Gewichtitheile 

Wärme- 

30zölligen  Klafter 

100  Tlieilen 

100  Theilen 

Blei 

Einheiten 

weichen  Holzet 
sind  Centoer 

Hredel 

5-4 

7*0 

22  90 

5175 

101 

Kroucow  

9-3 

9-0 

20*15 

4553 

11-5 

Ausbisse  von  demselben  Kohlenflötze  des  Rotliliegenden  und  auch  Gruben- 
baue auf  dasselbe  findet  man  an  vielen  Punkten  in  der  östlichen  Streichungs- 
richtung von  Kroucow  aus,  und  zwar  bei  Millay  und  Srbec,  bei  Hresic,  Pozden, 
Kvvilic,  Pisek  und  Drchkow.  Besonders  interessant  und  belehrend  ist  das  Auf- 
treten der  Kohlenflötze  zwischen  Libowic  und  Kwilic.  Diese  beiden  in  verschie- 
denen Thälern  gelegenen  Punkte  sind  durch  einen  von  West  nach  Ost  sich 
erstreckenden  Bergrücken  getrennt,  an  welchem  und  an  dessen  südlichem  und 
nördlichem  Gehänge  sehr  zahlreiche  Grubenbaue  auf  Kohlen  eröffnet  sind , und 
zwar  durchgehendes  Schachthaue.  Den  höchsten  Rücken  bedecken  Quadersand- 
steine, unter  welchen  Schichten  des  Rotliliegenden  sich  befinden,  welche  auf 
Schichten  der  Steinkohlenformation , die  am  südlichen  Fusse  des  Bergrückens 
bei  Libowic  zu  Tage  treten,  lagern.  Man  unterscheidet  nun  an  diesem  Berg- 
rücken drei  verschiedene  Kohlenflötzablagerungen.  Die  tiefste  am  südlichen 
Gehänge  bei  Libowic  in  Abbau  stehende  Kohlenflötzablagerung  führt  zahlreiche 
Pflanzenreste,  die  nach  Herrn  D.  Stur’s  Bestimmung  sämmtlich  der  Stein- 
kohl enfo  rin  a t io  n eigenthümlich  sind.  Dieselbe  Kohlenflötzablagerung  steht 
auch  bei  Tuican  und  am  „Tummelplatz“  u.  s.  f.,  wie  ich  dies  in  der  I.  Abthei- 
lung anführte,  im  Abbau,  und  es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  dieselbe  noch 
der  Steinkohlenformation  angehöre.  Ungefähr  10  Klafter  über  diesem,  bereits  in 
der  I.  Abtheilung  näher  beschriebenen  Steinkohlenflötze  lagert  ein  zweites 
Kohlenflötz  von  kaum  12  — 18  Zoll  Mächtigkeit  und  von  geringer  Reinheit;  es 
sind  in  dessen  Nähe  keine  maassgebenden  Pflanzenreste  vorfindig,  obschon 
sie  den  Hangendschieferthonen  nicht  fehlen;  dagegen  fehlt  diesem  Plötze  noch 
der  Fischreste  führende  bituminöse  Schiefer,  die  „Schwarte“,  welcher  die 
dritte  und  oberste  Kohlenflötzablagerung  begleitet.  Letztere  ist  durch  Schächte 
am  nördlichen  Gehänge  gegen  Kwilic  aufgeschlossen,  und  besitzt,  wie  bei  Krou- 
cow, eine  Mächtigkeit  von  ungefähr  3 Fuss.  Nach  beiläufiger  Anschätzung  dürfte 
das  Zwischenmittel  von  feinkörnigen  Sandsteinen,  Sandsteinschiefern  und  meist 
rothen  Letten,  das  sich  zwischen  der  mittleren  und  oberen  Kohlenflötzablagerung 
befindet,  eine  Mächtigkeit  von  13  — 20  Klaftern  besitzen.  Dass  die  oberste 
Kohlenflötzablagerung  bereits  dem  „Rotliliegenden“  angehöre,  geht  nach  dem 
Obengesagten  aus  der  dieselbe  begleitenden  „Schwarte“  hervor,  so  wie  die 
unterste  Kohlenahlagerung  vermöge  ihrer  Pflanzenführung  sicherlich  in  der 
Steinkohlenperiode  abgesetzt  wurde.  Zweifelhaft  bleibt  nur  das  Alter  der  mitt- 
leren Kohlenflötzablagerung;  doch  bin  ich  mehr  geneigt,  dieselbe  noch  der 
Steinkohlenformation  beizuzählen,  welche  eben  diese  Ablagerung  abgeschlossen 
haben  mag.  Sämmtliche  drei  Kohlenflötzablagerungen  sind  concordant  über 
einander  gereiht,  und  haben  ein  gjeichmässig  geringes  Verflächen  von  kaum 
3 — 8 Grad  nach  Nord-Nordwest.  Es  hat  demnach  an  diesem  Punkte,  wie  wohl 


[81] 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 


511 


auch  überhaupt  in  dem  nordwestlichen  Böhmen,  zwischen  der  Ablagerung  der 
Steinkohlenformation  und  jener  des  Rothliegenden  nicht  nur  keine  Störung  statt- 
gefunden, sondern  es  ist  allem  Anscheine  nach  sogar  die  Ablagerung  des  Roth- 
liegenden auf  jene  der  Steinkohlenformation  ohne  irgend  einer  Unterbrechung 
erfolgt,  woraus  sich  von  selbst  leicht  die  bereits  oben  erwähnten  Uebergänge 
in  der  Gesteinsführung  der  beiden  Formationen  erklären  lassen  und  die  Unthun- 
lichkeit  einer  genauen  Trennung  derselben  ergibt. 

Letzterer  Umstand,  ferner  die  Ueberlagerung  des  Rothliegenden  durch  die 
Kreideformation,  welche  in  der  Regel  stattfindet,  machen  es  im  Steinkohlen- 
gebiete des  Prager  Kreises  schwierig,  die  Mächtigkeit  der  Formation  des  Roth- 
liegenden daselbst  zu  ermitteln.  Nimmt  man  indessen  die  erwähnten  Kohlenflötz- 
ablagerungen  zwischen  Libowic  und  Kwilic,  und  das  oberwähnte  Bohrloch  bei 
Kroucow  zu  einem  Anhaltspunkte,  so  ergibt  sich  aus  diesen  Daten  als  annähernd 
für  das  Rothliegende  des  nordwestlichen  Böhmens  eine  Mächtigkeit  von 
30  — 40  Klaftern.  Dass  dieselbe  jedoch  an  den  meisten  Orten  sich  als  geringer 
darstellt,  mag  der  Zerstörung  zuzuschreiben  sein,  welche  die  leicht  zersetz- 
baren Schichten  des  Rothliegenden  in  der  Zeit  von  ihrer  Ablagerung  bis  zur 
Kreideperiode  und  noch  während  derselben  erlitten  haben. 

III.  Die  Kreideformation. 

Es  ist  bekannt,  dass  in  Böhmen  auf  die  Formation  des  Rothliegenden 
unmittelbar  Gebilde  der  Kreideformation  abgelagert  sind,  und  dass  daselbst  in 
der  ganzen  langen  Periode  der  Trias-  und  Juraformation  keine  Ablagerung  von 
Gebirgsschichten  stattgefunden  hat.  Die  anderwärts,  wie  z.  B.  in  den  Alpen, 
so  mächtig  entwickelten  Bildungen  der  Trias  und  des  Jura  sind  bisher  in  Böhmen 
nirgends  nachgewiesen  worden.  Aber  auch  die  Kreideformation  ist  in  Böhmen 
mit  ihren  ausserhalb  Böhmen  bekannten  tiefsten  Schichten,  dem  Neocomien  und 
Gault,  nicht  vertreten,  und  tritt  erst  mit  Ablagerungen  des  Cenomanien  d’Or- 
bigny’s  auf.  Wir  verdanken  die  betreffenden  Nach  Weisungen  den  unermüdlichen 
Forschungen  des  Herrn  Prof.  Dr.  A.  E.  Reuss,  welcher  die  Resultate  seiner 
Studien  über  die  böhmische  Kreideformation  in  seinen  Werken:  „Die  Kreide- 
gebilde des  westlichen  Böhmens,“  Prag  1844;  — „Die  Versteinerungen  der 
böhmischen  Kreideformation,“  Stuttgart  1845 — 1846;  — „Kurze  Uebersicht 
der  geognostischen  Verhältnisse  Böhmens,“  Prag  1854,  Seite  67  u.  s.  f.;  — 
und  in  mehreren  in  den  Schriften  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
erschienenen  Mittheilungen  niedergelegt  hat.  Auch  Herr  Sectionsgeologe  Johann 
Jokely,  welcher  in  den  letzten  Jahren  die  Kreideablagerungen  im  Nordwesten 
Böhmens  geologisch  zu  untersuchen  hatte,  hat  die  Resultate  seiner  Untersuchun- 
gen in  den  Jahrbüchern  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  und  insbesondere 
seine  neuesten  Erhebungen  in  dem  Aufsatze:  „Die  Quader-  und  Pläner- 
ablagerungen des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen“  *)  bekannt 
gegeben. 

Herr  Dr.  Reuss  theilt  nach  den  obangeführten  Mittheilungen,  überein- 
stimmend mit  Cotta,  Naumann  und  Geinitz,  welche,  besonders 
Geinitz,  die  den  böhmischen  gleichartigen  Kreidebildungen  in  Sachsen  be- 
schrieben, die  Ablagerungen  der  Kreideformation  in  Böhmen  in  drei  Gruppen 


i)  Jahrbuch.  XII.  Jahrgang  1861  und  1862,  Heft  3,  Seite  367. 

K.  k.  geologische  Reiclisanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


65 


512 


M.  V.  Lipoid. 


[82] 

ab,  in  den  „unteren  Quadersandstein“,  in  den  „Planer“  und  in  den  „oberen 
Quadersandstein“.  Zur  tiefsten  Abtheilung,  dein  „untern  Quader“,  zählt 
Herr  Dr.  Reuss  laut  der  oberwähnten  „Uebersicht  der  geognostischen 
Verhältnisse  Böhmens“  den  eigentlichen  unteren  Quadersandslein,  die  Grün- 
sandsteine und  den  Plänersandstein,  zur  mittleren  Abtheilung  dem  „PI  ä n er“, 
die  Plänermergel,  Plänerkalke,  Hippuritenschichten  und  die  Baculitenthone, 
und  erklärt  rücksichtlich  der  dritten  obersten  Abtheilung,  des  „oberen 
Quaders“,  dass  in  Beziehung  auf  denselben  noch  „manches  Dunkel  aufzuhel- 
len  sei.“ 

Herr  Jokely  hat  laut  seines  oberwähnten  Berichtes  aus  seinen  Unter- 
suchungen die  Ueberzeugung  geschöpft , dass  die  böhmische  Kreideformation  in 
dem  von  ihm  bis  dahin  untersuchten  Gebiete  nur  aus  zwei  Formationsgliedern 
bestehe,  nämlich  aus  der  Quader-  und  aus  der  Plänerformation,  deren 
erstere  in  Folge  der  paläontologischen  Bestimmungen  des  Herrn  Dr.  Reuss 
dem  Cenomanien,  letztere  dem  Turonien  d’Orbigny’s  entspricht.  Die  Ausschei- 
dung eines  dritten  Formationsgliedes  über  der  Plänerformation,  nämlich  des 
„oberen  Quaders“,  findet  Herrn  Jokely  nach  seinen  bisherigen  Erhebungen 
nicht  gerechtfertigt.  Die  Quaderformation  ist  nach  Jokely,  wie  nach 
Reuss  der  „untere  Quader“,  aus  den  „Quadersandsteinen“  und  aus  den 
„Plänersandsteinen“,  mit  Einschluss  der  „Grünsandsteine“,  zusammen- 

gesetzt. Herr  Jokely  bediente  sich,  um  Verwechslungen  vorzubeugen  und 
zugleich  die  Formation  auszudrücken,  statt  der  von  Reuss  und  Geinitz 
gebrauchten  Bezeichnung  „Plänersandstein“  für  denselben  des  Namens  „Qua- 
dermergel“. Dass  der  Quadersandstein  und  der  Quadermergel  (Plänersand- 
stein Reuss1)  einem  und  demselben  Formationsgliede  angeboren,  weist  Herr 
Jokely  nicht  nur  aus  den  Lagerungsverhältnissen  nach,  sondern  folgert 
es  auch  aus  der  schon  von  Herrn  Dr.  Reuss  erkannten  vollkommenen  Ueberein- 
stimmung  in  der  Petrefactenführung  beider  Gruppen.  Das  höhere  Formations- 
glied, nämlich  die  „Plänerformation“,  besteht  nach  Jokely  aus  Mergeln, 
theilweise  Kalken,  und  aus  Sandsteinen — den  „Plänermergeln“,  „Pläuerkalken“ 
und  eigentlichen  „Plänersandsteinen“,  — deren  Petrefactenführung  ebenfalls 
übereinstimmend  ist,  sich  aber  von  jener  der  Quaderformation  wesentlich 
unterscheidet. 

In  meinem  Aufnahmsgebiete  des  Jahres  1859,  nämlich  in  dem  in  der  I.  Ab- 
theilung näher  bezeichneten  Steinkohlengebiete  des  Prager  Kreises,  ist  die 
Plänerformation  fast  gar  nicht,  dagegen  die  Quaderformation  sehr  bedeuteud 
verbreitet.  Letztere  besteht  in  diesem  Terrain  aus  Quadersandsteinen  und 
Quadermergeln  (Plänersandstein  Reuss1)  mit  Zwischenlagerungen  von  Thon- 
schichten; Grünsandsteine  fand  ich  daselbst  keine  vor.  Der  Quadersandstein, 
im  Allgemeinen  weiss  oder  lichtgrau,  ein  reiner  fein-körniger  Quarzsand- 
stein, oft  locker,  in  Sand  zerfallend,  bisweilen  mit  zarten  silberweissen 
Glimmerblättchen  gemengt,  ist  in  der  Regel  in  seinen  tiefsten  Schichten 
eisenschüssig  und  daher  gelb  oder  braun  gefärbt  und  sodann  grobkörniger 
und  compacter.  Der  Quadermergel  ist  ein  Kalkmergel  von  grosser  Dichte 
und  Festigkeit,  von  gelblicher  oder  gelbgrauer,  seltener  lichtgrauer  Farbe  und 
mitunter  sandig.  Der  wesentliche  Unterschied  der  beiden  Glieder  der  Quader- 
formation besteht  demnach  in  deren  Structur  und  Zusammensetzung,  indem  der 
Quadersandstein  ein  lockereres  Gefüge  und  keinen  Kalkgehalt  besitzt,  während 
der  Quadermergel  dicht  und  fest  und  stets  kalkhältig,  daher  auch  ein  sehr 
beliebter  und  vielverwendeter  Baustein  ist.  Der  zwischengelagerte  Thon  ist 
licht-  oder  blaugrau,  theils  fett,  theils  sandig. 


[83]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  313 

Sowohl  der  Quadersandsfein  als  auch  der  Quadermergel  treten  in  schöner 
Schichtung  auf,  ersterer  in  Schichten  von  1 — 6 Fuss  und  mehrfach  zerklüftet, 
letzterer  in  Schichten  und  Bänken  von  ein  paar  Zoll  bis  zu  mehreren  Fussen.  Die 
Thonzwischenlogen  zeigen  keine  Schieferung.  Nach  Jo ke ly  wechsellagern  die 
Quadersandsteine  und  Quadermergel  in  der  Mitte  des  böhmischen  Kreidebeckens 
mehrfach  mit  einander  ab.  Ich  habe  in  meinem  obbezeichneten  Aufnahmsgebiete, 
in  welchem  sich  der  südwestliche  Rand  der  böhmischen  Kreideablagerungen  be- 
findet, eine  Wechsellagerung  nicht  beobachtet,  sondern  nur  eine  einzige  Auf- 
lagerung von  Quadermergeln,  als  den  höheren  Schichten,  auf  den  Quadersand- 
steinen, jedoch  letztere  auch  an  vielen  Orten  ohne  einer  Auflagerung  von  Qua- 
dermergeln vorgefunden.  Die  Thonschichten  finden  sich  einestheils  den 
Quadersandsteinen,  jedoch  selten  und  immer  sandig,  zwischengelagert  vor, 
anderntheils  hingegen  scheinen  sie  in  meinem  Aufnahmsgebiete  eine  constante 
Ablagerung  zwischen  den  Quadersandsteinen  und  den  Quadermergeln  zu  bilden, 
indem  dieselben  überall,  wo  ich  die  Begrenzung  der  Sandsteine  und  Mergel  ent- 
blösst  fand,  als  trennendes  Mittel  zwischen  beiden  erschienen.  Diese  Thon- 
zwischenlagerungen zeigen  allenthalben  Spuren  von  Pflanzenresten,  die  sich  an 
einzelnen  Stellen  bis  zu  gering  mächtigen  Kohlenschnüren  und  Kohlenflötzen 
anhäufen.  Ein  solches  nur  einige  Zoll  mächtiges  Kohlenflötz  findet  man  in  dem  zwi- 
schen dem  Quadersandsteine  gelagertem  3- — 4 Fuss  mächtigem  Thone  am  östlichen 
Gehänge  des  Zbanberges  zwischen  Hredel  und  Kroucow.  Die  Kohle  ist  blätterig 
und  mürbe  und  entbehrt  der  für  die  Rothliegend-Kohlenflötze  charakteristischen 
„Schwarte^,  wodurch  sich  eben  diese  Kohlenbildungder  Kreideformation  von  der  an 
denselben  Punkten  vorfindigen  tiefer  liegenden  Kohlenbildung  des  Rothliegenden 
unterscheidet.  Eben  so  führen  die  den  Quadersandsteinen  zwischengelagerten 
Thone  bei  Klein-Paletsch,  Drinow,  Kralowic  und  Trpomech  Kohlenflötze,  deren 
Mächtigkeit  jedoch  1 Fuss  nicht  übersteigt,  und  welche  sich,  nach  den  bisherigen 
Untersuchungen,  nach  dem  Streichen  und  Verflächen  verdrücken.  Die  nach- 
folgende Figur  7 stellt  das  Kohlenvorkommen  in  dem  Quadersandsteine  bei 

Fig.  7. 


Drchkow.  Drinow. 

// 


a Rothliegendes,  b Quadersandstein  mit  dem  1 Fuss  mächtigen  Kohlenflötz,  c blauer  Thon,  d Quadermergel. 

Drinow  dar.  Der  zwischen  dem  Quadersandsteine  und  Quadermergel  gelagerte 
Thon  ist  sehr  plastisch  und  wird,  wie  z.  B.  nächst  des  Franzschachtes  in  Kladno, 
zur  Ziegelbereitung  verwendet. 

Ein  höchst  interessantes  Vorkommen  von  Kreidemergel  und  Thon  ist  am 
nördlichen  Gehänge  des  Salzberges  (Basaltkuppe)  in  Schlan  bekannt  geworden. 
Es  ist  daselbst  vor  einigen  Jahren,  um  zu  untersuchen,  ob  das  in  Schlan  am 
linken  Ufer  des  rothen  Baches  in  Abbau  stehende  Steinkohlenflötz  auch  am 
rechten  Bachufer  vorfindig  sei,  an  dem  kleinen  Plateau  zwischen  der  Bachsohle 
und  der  Spitze  des  Basaltberges  ein  Schurfschacht  17  Klafter  tief  abgeteuft 
worden.  Siehe  Figur  8. 

Der  Schacht  erreichte  kein  Kohlenflötz , wurde  desshalb  aufgelassen  und 
war  hei  meinem  Besuche  nicht  mehr  befahrbar.  Nach  den  Mittheilungen,  die 

65* 


514 


[84] 


M.  V.  Lipoid. 
Fig.  8. 


Schlaner  Rother  Schurf- 

Sleinkohlenbau.  Bach.  achacht.  Salzherg. 


a Steinkohlenflötz  ron  3 Fusa,  b Rothliegendei,  c Quadenanditein,  d Quadermergel,  e Plinermergel 
(Baculitenthon),  f Basalt,  y Basaltschutt. 

ich  dem  Herrn  Schichtenmeister  Otto  H oh  mann  in  Turan  verdanke,  wurden 
durch  den  Schacht  zuerst  Basaltschutt,  sodann  Sandsteine  und  endlich  Mergel- 
schichten und  Thone  durchsenkt,  welche  man  über  Tags  nirgends  ausbeissend 
antrifft.  Die  Mergelschichten  und  Thone  zeigten  ein  steiles  nördliches  Einfällen, 
und  zeichneten  sich  durch  Führung  von  Petrefacten  aus.  Herr  H oh  mann, 
welcher  von  diesen  Petrefacten  eine  Sammlung  veranlasst  und  in  seinem  Besitze 
hatte,  überliess  mir  dieselben  zuvorkommendst  für  das  Museum  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  und  Herr  Dr.  A.  E.  Reuss  hatte  gefälligst  die  Bestim- 
mung derselben  vorgenommen.  Es  befinden  sich  darunter:  Otodus  appendicula- 
tus  Mant.,  Baculites  anceps  Lam  , ein  junges  Exemphir  von  Ammonites  peramplus 
Mant.,  ein  unbestimmbarer  gekielter  Ammonites,  Nation  vulgaris  Reuss,  Area  un- 
dulata  R-,  Tellinä  concentrica  R.,  Nucula  pectinata  R.  (N.  striatula  Römer), 
Nucula  semilunaris  Buch.,  Pecten  trigeminatus ?,  lnoceramus  sp.  ?,  und  Stein- 
kerne von  Pleurotomaria.  Diese  Formen  charakterisiren  die  Plänermergel 
(Baculitenthone)  des  Herrn  Dr.  A.  E.  Reuss,  und  liefern  den  Beweis,  dass 
auch  die  obere  Abtheilung  der  böhmischen  Kreideablagerungen , nämlich  die 
Plänerformation,  in  dem  Steinkohlengebiete  des  Prager  Kreises  vertreten 
ist.  Indessen  zeigt  der  Umstand,  dass  man  in  dem  bezeichneten  Gebiete  nirgends 
sonst  über  Tags  Plänerschichten  vorfindet,  dass  diese  Schichten,  die  bis  in  die 
Umgebung  von  Schlan  verbreitet  gewesen  sein  mussten,  anderwärts  später 
zerstört  und  weggeschwemmt  wurden,  und  nur  ein  Theil  derselben  bei  der  nach 
anderweitigen  Beobachtungen  in  die  Tertiärzeit  zu  versetzenden  Entstehung  des 
Schlaner  Basaltberges  derart  verworfen  und  verdeckt  wurde,  dass  er  der  Zer- 
störung entging. 

Die  Quaderformation  ist  in  dem  erwähnten  Steinkohlengebiete  theils 
arm  an  Versteinerungen,  theils  sind  die  stellenweise  massenhaft  vorfindigen 
Thierreste  so  schlecht  erhallen,  dass  sie  nur  selten  eine  Bestimmung  zulassen. 
Letzteres  ist  besonders  in  den  Quadersandsteinen  der  Fall,  die  z.  B. 
nördlich  von  Kralup  eine  ein  paar  Zoll  mächtige  versteinerungsreiche  Schichte 
enthalten,  aus  welcher  sich  unter  den  mannigfachen  Bivalven  und  Gasteropoden 
nur  Pinna  decussata  Goldf.  und  Protocardia  Hillana  Sow.  bestimmen  bessern 
In  den  Quadermergeln  sind  ausser  dem  für  dieselben  besonders  charakteri- 
stischen Inocer amus  mytiloides  Mant.,  welcher  an  vielen  Punkten  vorgefunden 
wurde,  noch  in  der  Umgebung  von  Kroucow  Ammonites  Rhotomagensis  Defr. 
und  Ammonites  peramplus  Mant . gesammelt  worden.  Ein  grosses  Exemplar  von 
Am.  peramplus  im  Durchmesser  von  20  Zoll  aus  dem  Steinbruche  am  südlichen 
Gehänge  des  Zbanberges  bei  Rentsch  verdankt  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt dem  Herrn  Schichtenmeister  Max  Pauk. 

Was  die  Mächtigkeit  der  Kreideablagerungen  im  Steinkohlengebiete 
des  Prager  Kreises  anbelangt,  so  überschreitet  dieselbe  nirgends  zwanzig 


[85]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  5i5 

Klafter.  Nachfolgende  Beispiele,  verschiedenen  Punkten  des  Terrains  entnom- 
men, werden  dies  darthun  und  zugleich  die  verschiedenartige  Entwickelung 
der  einzelnen  Glieder  der  Quaderformation  nachweisen.  So  sieht  man  bei  Rost- 
schow  über  Tags  von  oben  nach  unter: 

Klafter. 

Quadermergel  (Plänersandstein  R)  . 5 — 6 
Blauen  sandigen  Thon 1 


Klafter. 

Quadersandstein 9 — 10 


Mit  einem  Bohrloche  am  Plateau  bei  Kroucow  durchörterte  man: 


Quadermergel 7 Klafter, 

blauen  Letten 2 „ 


Quadersandstein 6 Klafter. 


Bei  Kladno  und  Rapic  hat  man  mit  dem  Wenzelschachte: 


Quadermergel 4 Klafter,  I 

blauen  Letten 2 „ 

mit  dem  Kübeckschachte: 

Quadermergel 1 y2  Klafter,  I 

blaugrauen  Letten 3 „ 

mit  dem  Maria  Antonia-Schachte: 

Quadermergel 4 Klafter,  I 

blauen  Letten 3 „ 

mit  dem  Ludmillaschachte: 


Quadersandstein 3 Klafter, 


Quadersandstein 4 Klafter, 


Quadersandstein 5 Klafter, 


Quadermergel 
blauen  Letten 


6 Klafter, 

5%  » 


und  mit  dem  Ferdinandschachte: 


Quadersandstein 5 Klafter, 


blauen  Letten 4i/2  Klafter,  Quadersandstein  .......  4 Klafter, 

Quadersandstein 2%  „ Letten 2 „ 

schwarzen  Letten 1%  „ Eisenschüssigen  Quadersandstein  2 „ 

durchfahren. 

Bei  Po  diezin  endlich  ersieht  man  aus  den  Entblössungen  über  Tags  und 
sind  mit  dem  Leopoldschachte  durchfahren  worden: 


Quadermergel 10 — 12  Klafter, 

blaugrauer  Thon y3  „ 


Quadersandstein 7 — 8 Klafter. 


Die  Mächtigkeit  des  Quadersandsteines  wechselt  nach  diesen  Beispielen 
zwischen  3 und  10  Klaftern,  jene  der  zwischengelagerten  Thone  und  Letten 
zwischen  ya  und  5y2  Klafter.  Die  Quadermergel,  als  oberste  Kreideablagerung 
in  dem  fraglichen  Terrain,  fehlen,  offenbar  in  Folge  späterer  Zerstörungen, 
stellenweise  gänzlich , und  erreichen  anderwärts  ihre  grösste  Mächtigkeit  mit 
12  Klaftern. 

Die  erwähnten  Gebilde  der  Quaderformation  lagern  conform  über  ein- 
ander, und  diese  conforme  Lagerung  weiset  auf  eine  ununterbrochene  und 
ungestörte  Ablagerung  derselben  hin. 

Dagegen  ruhet  das  tiefste  Glied  der  Quaderformation,  die  Quadersandsteine, 
in  abweichender  Lagerung  auf  den  älteren  Gebirgsschichten , und  zwar 


516 


M.  V.  Lipoid. 


[86] 


5 SL 


B9  O 


südlich  von  Kladno  auf  den  Pribramer  Schiefern  der  silurischen  Grauwacke 
und  im  übrigen  Terrain  theils  auf  den  Gebilden  der  Steinkohlenformation, 
theils  auf  jenen  des  Rothliegenden.  Während  nämlich  die  Schichten  der  letzt- 
genannten Formationen  allenthalben  ein  grösseres  oder 
geringeres  Einfallen  gegen  den  Horizont  besifzen,  ^ 

liegen  die  Schichten  der  Quaderformation  auf  den  ® r/i 
ersteren  fast  überall  völlig  horizontal  , und  nur  an 
einzelnen  Punkten  lässt  sich  ein  Einfallen  der  Schichten 
mit  1 — 5 Grad  gegen  Norden  beobachten.  Der  Ge- 
birgsdurchschniit  von  Kladno  über  Schlan  nach  Zlonic 
(Figur  9)  versinnlichet  die  eben  erwähnte  Art  der 
Lagerungsverhältnisse. 

Die  beschriebenen  Glieder  der  Kreideformation 
sind  in  dem  Steinkohlengebiete  des  Prager  Kreises  allent- 
halben anzutreffen.  Die  südwestlichsten  Punkte,  an  denen 
sie  vorgefunden  werden,  und  welche  in  diesem  Terrain 
zugleich  die  südwestlichen  Ränder  des  grossen  böhmi- 
schen Kreidebeckens  bezeichnen,  sind  der  Zug  des 
Zbangebirges,  nördlich  von  Mutiowic,  der  Laustinberg, 
das  Neu-Straschitzer  Plateau  zwischen  dem  Zaleg-  und 
Lahnaberge,  endlich  die  Ortschaften  Rozdelow,  Pieneny 
Aujezd,  Unhosst,  Roth-Aujezd  und  Auhonic.  Nordöstlich 
von  diesen  Punkten  breitet  sich  die  Kreideformation  aus, 
ohne  jedoch  in  einer  ununterbrochenen  zusammenhängen- 
den Ablagerung  zu  erscheinen.  Vielmehr  ist  der  grösste 
Theil  derselben  durch  spätere  Erosionen,  welche  bis  an 
die  tiefer  liegenden  Schichten  der  Steinkohlen-  und 
Rothliegendformation  reichten,  zerstört  und  weggeführt. 

In  den  Thälern  und  an  den  Ufern  der  Räche,  welche  das 
Terrain  theils  in  nördlicher  theils  in  nordöstlicher  Rich- 
tung durchschneiden,  kommen  daher  überall  die  bezeich- 
neten  älteren  Gebirgsschichten  zu  Tag,  und  die  Kreide- 
formation nimmt  nur  die  Höhenpunkte  und  die  Rücken 
zwischen  den  Thälern  und  Bacheinschnitten  ein.  Diese 
Art  des  Auftretens  der  Kreideformation  ist  eben- 
falls aus  dem  Durchschnitte  (Figur  9)  ersichtlich. 

Durch  die  erwähnten  Erosionen  sind  einzelne  Partien 
der  Kreideformation  gänzlich  aus  dem  Zusammen- 
hänge mit  den  übrigen  gelangt,  und  erscheinen  gegen- 
wärtig als  isolirte  Ablagerungen,  wie  z.  B.  der  Laustin- 
berg, das  Neu-Straschitzer  Plateau,  der  Na  Drahaberg 
bei  Kwilic,  der  Rücken  südlich  von  Zlonic  u.  dgl.  m.  Die 
Art  der  Lagerung  lässt  jedoch  keinen  Zweifel  übrig, 
dass  diese  isolirten  Partien  und  nun  getrennten  Züge  an  5® 

den  Rücken  der  Hügel  einstens  in  unmittelbarem  Zu- 
sammenhänge gestanden  haben  und  ihre  Trennung  nur  durch  Wegwaschung  der 
zwischengt lagerten  Theile  erfolgt  sei.  Dort,  wo  die  Kreideformation  noch  in 
einer  grösseren  zusammenhängenden  Partie  vorhanden  ist,  wie  bei  Jungfern- 
teinitz,  zwischen  Kornhaus  und  Munzifay,  bei  Neu-Straschitz,  zwischen  Schlan 
und  Dollin,  südlich  von  Kladno  u.  s.  f. , bildet  sie  ganz  ebene  Hochplateaus  in 
Foige  der  horizontalen  Lage  ihrer  Schichten. 


Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  517 


IV.  Das  Diluvium. 

In  dem  Steinkohlengebiete  des  Prager  Kreises  unterscheidet  man  ein 
älteres  und  jüngeres  Diluvium.  Das  ältere  Diluvium  besteht  aus  Schotter- 
ablagerungen, die  sich  in  dem  nordöstlichen  Theile  des  Terrains,  in  der  Um- 
gebung von  Wellwarn,  vorfinden.  Die  Schotter  sind  daselbst  grösstentheils 
nur  auf  den  Höhen  und  höher  gelegenen  Flächen,  so  z.  B.  auch  am  Kopecberg, 
in  einer  Mächtigkeit,  die  kaum  ein  paar  Fuss  erreicht,  den  Kreideschichten 
aufgelagert  und  deuten  schon  durch  diese  Art  ihrer  Lagerung  auf  eine  ältere 
Bildungszeit  hin.  Das  jüngere  Diluvium  dagegen,  ein  gelber  sandiger  Lehm 
— Löss,  — ist  nur  an  tiefer  gelegenen  Stellen,  in  den  Thalmulden  und  an  den 
Gehängen  der  Bäche  vorfindig  und  jedenfalls  erst  abgelagert  worden,  nachdem 
das  Terrain  durch  die  Erosion  bereits  vielfach  durchfurcht  war  und  grösstentheils 
schon  seine  jetzige  Gestalt  erlangt  hatte.  Das  Erscheinen  des  Löss  nur  in  den 
tieferen  Einschnitten  und  Buchten  des  Terrains,  und  dessen  gänzliche  Abwesen- 
heit auf  den  höheren  Punkten,  insbesondere  auf  den  oben  erwähnten  Kreide- 
plateaus, weiset  auf  das  jüngere  Alter  desselben  im  Vergleiche  mit  den  hezeich- 
neten  Schottern  hin.  Durch  Zahnreste  von  Rhinoceros  tichorhinus  und  von 
Equus  fossilis  ( E . caballus  Linne) , welche  in  der  Umgebung  von  Zlonic  und 
Tuchlowic  vorgefunden  wurden,  werden  die  Ablagerungen  dieser  gelben  sandi- 
gen Lehme  als  diluviale  Bildungen  charakterisirt.  Die  Verbreitung  des  Löss  ist 
übrigens  nach  Obigem  keine  bedeutende,  und  nur  in  einzelnen  Gegenden,  wie 
bei  Tuchlowitz,  Brandeisei,  Wellwarn,  Zlonitz  u.  s.  f.,  sind  grössere  zusammen- 
hängende Partien,  sonst  aber  meist  nur  kleinere  isolirte  Partien  desselben 
anzutreffen.  Eben  so  beträgt  die  Mächtigkeit  seiner  Ablagerung  in  der  Regel 
nur  2 — 3 Fuss. 


ANHANG. 

1.  Basalt. 

Als  südlichste  Vorposten  jener  zahlreichen  Basaltkegel,  welche  das  böhmi- 
sche Mittelgebirge  und  dessen  Umgebung  zieren,  erscheinen  im  Gebiete  der 
Steinkohlenformation  des  Prager  Kreises  noch  zwei  unansehnliche  Basaltkuppen. 
Die  südlichere  derselben  ist  der  Kamensky  Verh  bei  Winaric,  l/2  Meile 
nördlich  von  Kladno,  die  nördlichere  der  Salzberg  bei  Schlan.  Keine  der- 
selben erhebt  sich  namhaft  und  von  weitem  kenntlich  über  das  umliegende 
Terrain,  so  wie  auch  bei  keiner  derselben  der  Basalt  in  grosser  Breitenausdeh- 
nung zu  Tage  tritt,  indem  die  grössere,  die  Winaricer,  Basaltkuppe  nur 
ungefähr  600  Klafter  im  Durchmesser  besitzt. 

Die  beiden  erwähnten  Basaltvorkommen  unterscheiden  sich  mehrseitig  von 
einander. 

Die  Gesteine  der  Winaricer  K u pp  e nähern  sich  petrographisch  mehr  den 
Phonoliten,  als  den  eigentlichen  Basalten,  und  sind  überhaupt  dichte  und  com- 
pacte Massen  weniger  vorhanden,  als  wie  tuff-  und  conglomeratartige  Wacken, 
welche  den  grössten  Theil  der  Kuppe,  speciell  die  Ränder  derselben,  bilden. 
Auch  finden  sich  daselbst  keine  säulenförmigen,  sondern  nur  rhombische  und 
plattenförmige  Absonderungen  der  dichten  Massengesteine  vor.  Die  höchste 


518 


M.  V.  Lipoid. 


[88] 


Erhebung  dieses  Basaltvorkommens,  welche  sich  fast  in  der  Mitte  des  westlichen 
Randes  befindet,  ist  in  der  Entfernung  von  200 — 300  Klaftern  mit  Ausuahme 
an  der  Westseite,  an  welcher  die  Kuppe  steil  gegen  Strebichowic  abfällt,  rings- 
herum von  einem  ringförmigen  Walle  umgeben,  welcher  den  äusseren  Rand  bildet, 
und  durch  eine  Einsenkung  von  der  höchsten  Erhebung  getrennt,  etwas  niedriger 
als  diese  selbst  ist.  Ein  Durchschnitt  (Figur  10)  von  Winaric  nach  Nordwesten 


Fig.  10. 

Wioafic. 


NW.  SO. 


a Basalt,  b Grauwackenformation,  c Steinkohlenformation,  d Kreideformation. 


gezogen,  zeigt  diese  äusserste  Umwallung,  und  in  dessen  Mitte  den  deutlich 
ausgeprägten  Erhebungskrater.  Seine  eruptive  Natur  bekundet  der  Winaricer 
Basalt  dadurch,  dass  er  an  seiner  Südseite  (siehe  obigen  Durchschnitt)  eine 
Partie  von  Pribramer  Schiefern  und  Kieselschiefern  der  Grauwackenformation 
nebst  Sandsteinen  der  Steinkohlenformation  gehoben  und  zu  Tage  gefördert  hat, 
während  erstere  sonst  nirgends  in  der  Nähe  und  erst  südlich  von  Kladno  zu 
Tage  treten.  Eben  so  zeigt  sich  die  pyrogene  Eigenschaft  das  Basalles  an  der 
Nordwestseite  der  Kuppe  gegen  Strebecho witz,  wo  man  die  Quadersandsteine, 
welche  daselbst  unmittelbar  den  Basalt  begrenzen,  vielfach  gefrittet  und  in  ver- 
glastem Zustande  vorfindet. 

Die  Gesteine  des  am  rechten  Ufer  des  rothen  Baches  sich  erhebenden  Salz- 
berges bei  Sclilan  sind  echte  Basalte,  welche  Olivin  in  Körnern  eingesprengt 
haben.  Tuffe  und  Wacken  fand  ich  daselbst  keine  vor,  und  auch  eine  ringförmige 
Umwallung,  wie  beim  Winaricer  Basalte  ist  nicht  sichtbar.  Der  Schlauer  Basalt 
zeigt  an  fast  allen  Entblössungen  die  schönen  fünfseitigen  säulenförmigen  Abson- 
derungen, welche  dem  Basalte  eigentümlich  sind.  Besonders  schön  und  deutlich 
präsentiren  sich  die  Basaltsäulen  von  der  Nordseite  aus  gesehen  (siehe  Fig.  11), 


Fig.  11. 


Schlaner  Basaltberg.  (Von  der  Nordseite  aus  gesehen.) 


[89]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  519 

an  welcher  Seite  man  dieselben  an  der  Höhe  der  Kuppe  senkrecht  aufgethürmt, 
an  dem  Fusse  derselben  aber  wagrecht  liegend  findet.  Begrenzt  wird  diese 
Basaltkuppe  von  Gebilden  der  Steinkohlen-  und  Kreideformation.  Die  Hebung, 
welche  die  letzteren  durch  den  Basalt  erlitten  haben,  ist  keine  bedeutende,  und 
erstreckte  sich  nicht  auf  weite  Entfernung,  denn  schon  die  Quadergesteine,  die 
gegenüber  des  Salzherges  am  linken  Ufer  des  rothen  Baches,  also  in  gerader 
. Dichtung  ungefähr  200  Klafter  von  demselben,  abgelagert  sind,  erscheinen  in 
ungestörter  horizontaler  Lagerung.  Dass  durch  die  Hebung  des  Basaltes  eine 
Partie  von  Plänermergeln  in  eine  abnorme  Lagerung  gebracht  und  vor  der  Zer- 
störung bewahrt  wurde,  habe  ich  oben  bei  Erörterung  der  „Kreideformation" 
erwähnt  und  durch  Figur  8 erläutert. 

2.  Höhenmessungen  im  Steinkohlengebiete« 

Im  Nachfolgenden  gebe  ich  ein  Verzeichniss  derjenigen  Punkte  im  Stein- 
kohlengebiete des  Prager  Kreises,  deren  absolute  Höhe  über  dem  adriatischen 
Meere  meines  Wissens  bisher  bestimmt  worden  ist.  Die  Höhenbestimmungen 
rühren  tbeils  von  meinen  eigenen  Höhenmessungen,  welche  ich  im  Sommer  1859 
mittelst  Barometer  ausgeführt  habe  und  deren  Berechnung  gefälligst  Herr 
Prof.  Karl  Koristka  in  Prag  vornahm,  tbeils  von  meist  trigonometrischen  Mes- 
sungen des  Herrn  Koristka,  welche  ich  seinem  Werke:  „Studien  über  hypso- 
metrische Arbeiten  (Gotha  1858,  Justus  Perthes)“  entnehme,  tbeils  von  den 
trigonometrischen  Messungen  des  k.  k.  General-Quartiermeisterstabes , tbeils 
endlich  von  Eisenbahn-Nivellements,  von  Tagvermessungen  der  Montanbeamten 
und  anderen  Quellen  her.  In  der  einen  Colonne  ist  die  Quelle  der  Höhenbestim- 
mung angegeben  und  es  bedeutet  darin  L.  = Lipoid,  K.  = Koristka,  A = 
k.  k.  General-Quartiermeisterstab,  E.  N.  = Eisenbahn-Nivellement,  M.  T.  = 
Montanistische  Tagvermessung.  In  der  letzten  Colonne  ist  die  Gebirgsformation 
angeführt,  welche  an  dem  betreffenden  Punkte  ansteht,  als:  Grauwacken- 
formation (Grw.  F.) , Steinkohlenformation  (Stk.  F.),  Formation  des  Both- 
liegenden  (Botlil.),  Kreideformation,  und  zwar  Quadersandstein  (Qd.  Sd.)  und 
Quadermergel  (Qd.  M.),  Diluvialschotter  (Dil.  Sch.)  und  Diluviallehm  (Löss), 
endlich  Basalt  (Bas.).  — Die  Höhen  sind  in  Gruppen  nach  denselben  Umgebun- 
gen, nach  welchen  die  Lagerungsverhältnisse  der  Steinkohlenformation  behan- 
delt wurden,  gebracht,  und  in  diesen  Gruppen  in  der  Dichtung  von  Ost  nach 
West  fortschreitend  aufgeführt. 


£ 

Seehöhe 

Bestimmt 

ts 

in 

von 

Gebirgsart 

eu 

Wr.  Klft. 

Umgebung  von  Wotwowic. 

I 

Kralup,  mittlerer  Wasserspiegel  der  Moldau  ..... 

87-15 

E.N. 

Alluvium 

2 

— Eisenbahnstation,  Höhe  der  Schienen 

92-05 

55 

55 

3 

Nehostberg,  südlich  von  Kralup 

141-00 

A 

Grw.  F. 

4 

Wäldchen  am  Plateau  südlich  von  Kralup 

119-93 

K. 

55 

5 

Minie,  einzelnes  Haus  am  Bergplateau,  westl.  vom  Orte 

136-01 

55 

Stk.  F. 

6 

Wotwowic,  Stollenmundloch  der  Franz  de  Paula-Grube 

105-80 

L. 

55 

7 

— Eisenbahnstationsplatz 

106-31 

E.  N. 

Alluvium 

8 

— Kreuz  am  Bergplateau,  nordwestlich  vom  Orte  . . 

140  99 

K. 

Stk.  F. 

9 

— Schichtamt,  Gotthardi-Stollenmundloch 

110-80 

L. 

55 

10 

Zakolan,  Stationsplatz,  nahe  dem  Wegübergang  .... 

114-68 

E.N. 

Alluvium 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft.  66 


S20 


M.  V.  Lipoid. 


[90] 


sz: 

Seehöhe 

Bestimmt 

'S 

in 

VOD 

Gebirgsart 

CU 

Wr.  Kl  fl. 

11 

Zakolan,  Bachniveau  unter  der  Eisenbahnbrücke  . . . 

112*45 

E.  N. 

Alluvium 

12 

Budec,  Kirche,  südwestlich  von  Zakolan 

154-47 

K. 

Grw.  F. 

13 

Teinitz  (Tynec),  Häuser  an  der  Strasse  im  Thale  . . . 

118-96 

tt 

99 

14 

Kolec,  mittlere  Höhe  des  Ortes 

129-44 

n 

Stk.  F. 

15 

Nadewsiberg,  nördlich  von  Slatin 

139-00 

A 

» 

Umgebung  von  Bustehrad-Kladno. 

16 

Bustehrad,  Basis  des  Schlosses 

176-43 

K. 

Grw.  F. 

17 

Trebusic,  untere  Häuser  im  Orte 

149-86 

Stk.  F. 

18 

Brandeisei,  Stationsplatz 

153  13 

E.  N. 

99 

19 

— Michaelsschacht 

154-39 

K. 

99 

20 

— Dorf,  Häuser  am  Bache 

146-23 

» 

99 

21 

Bapic  (Hrapic),  Bustehrader  Eisenbahnstationplatz  . . 

170  05 

E.  N. 

99 

22 

— Bachniveau  unter  dem  Stationsplatze 

157-65 

tt 

Alluvium 

23 

— Witofka-  (Witek-)  Schachtkranz 

179-24 

M.  T. 

Qd.  Sd. 

24 

— M.  Antonia-Schachtkranz 

179-49 

» 

Qd  M. 

25 

— Bustehrader  Wenzel-Schachtkranz 

178-59 

tt 

99 

26 

— Garten  neben  der  Wohnung  des  Hrn.  Dir.  Har  tisch 

167-50 

L. 

Grw.  F. 

27 

— Neu-Hoffnungs-Schachtkranz 

179-24 

M.  T. 

Stk.  F. 

28 

Duby,  M.  Anna-Schachtkranz 

177-80 

n 

Löss 

29 

Kladno,  Eisenbahn-Stationsplatz 

178-23 

E.  N. 

Stk.  F. 

30 

— Bachniveau  unterhalb  des  Stationsplatzes  .... 

172-65 

t> 

31 

— Wenzel-Schachtkranz 

183-53 

M.  T. 

99 

32 

— Layer-Schachtkranz 

178-94 

» 

99 

33 

— Wohnung  des  Herrn  Ingenieur  Schmidt  neben 

Layerschaeht,  ebner  Erde 

175-50 

L. 

99 

34 

— Adalberthütte,  Hochofensohle 

184-70 

tt 

99 

35 

— — Höhe  der  Gicht 

190-49 

K. 

99 

36 

— Thinnfeld-Schachtkranz 

183-23 

M.  T. 

99 

37 

— Kübeck-Schachtkranz 

194  06 

tt 

Qd.  Sd. 

38 

— Franz-Schachtkranz 

190-25 

E.  N. 

Stk.  F. 

39 

— Gewerkenhaus  der  Prager  Eisen-Industrie-Gesell- 

schaft,  1.  Stock  (Mittel  aus  17  Messungen)  . . 

197*96 

L. 

» 

40 

— mittlere  Höhe  des  Stadtplatzes  hei  der  Kirche  ... 

202-51 

K 

Qd.  Sd. 

41 

— obere  Stadt  gegen  Rozdelow 

211-25 

E.  N. 

Qd.  M. 

42 

— Gasthaus  am  Ring,  1.  Stock 

207-55 

K. 

Qd.  Sd. 

43 

Weghibka  (Wyhybka),  Pferdebahnstation,  südl.  v. Kladno  j 

214-85 

214-49 

E.  N. 
K. 

Qd.  M. 

44 

Horkaberg  bei  Dobray,  südwestlich  von  Kladno  .... 
Rozdelow,  Schienen  der  Pferdebahn . 

233  00 

A 

Grw.  F. 

45 

21415 

E.  N. 

Qd.  M. 

46 

Pcher,  alter  Glockenthurm,  südlich  vom  Dorfe,  nordöst-  1 

lieh  von  Kladno 

171-62 

K. 

Qd.  Sd. 

47 

Hamensky  (Humensky)  Wrch,  Kuppe  nördlich  vom  j 

216-04 

216-21 

219-29 

A 

K. 

L. 

Bas. 

Dorfe  Winafic \ 

99 

99 

48 

Libosin,  nordwestl.  von  Kladno,  mittlere  Höhe  des  Ortes  { 

166-63 

K. 

Rothl. 

Umgebung  von  Lana-Ruda. 

49 

Kopaniachberg  bei  Kacic,^nordöstlich  von  Lana  .... 

216  07 

A 

Qd.  M. 

50 

Zaroklamaberg  bei  Stein-Zehrowic,  östlich  von  Lana  . . 

221  27 

99 

Stk.  F. 

51 

Schildwachberg  bei  Zilina,  südöstlich  von  Lana  .... 

222-49 

19 

Grw.  F. 

52 

Lana,  Gasthof  neben  dem  Schlosse,  ebener  Erde  (Mittel 

53 

aus  2 Messungen) 

219-60 

L. 

Löss 

Ploskow,  Bachsohle  neben  dem  Jägerhause,  südl.  v.  Lana 

211-20 

99 

Grw.  F. 

54 

Na  Chrobceberg  bei  Stochow,  nordwestlich  von  Lana  . . 

239-00 

A 

Qd.  M. 

55 

Lanaberg,  westlich  von  Lana  ............ 

248-95 

99 

tt 

Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  521 


£ 

Seehöhe 

Bestimmt 

«0 

in 

von 

Gebirgsart 

<£ 

Wr.  Kl  ft. 

56 

Neu-Strasie,  Gasthof  am  Stadtplatz,  ebener  Erde  . . . 

251*50 

L. 

Qd.  M. 

57 

Ruda,  Wohnhaus  des  Ruder  Heger  bei  der  Colonie  . . . 

205*50 

99 

Stk.  F. 

58 

Pinie,  südwestl.  von  Lana,  Ende  der  Pferde-Eisenbahn  . 

209*80 

99 

Grw.  F. 

Umgebung  von  Rakonic. 

59 

Fünf  Eichenberg,  südlich  von  Rakonic 

248*00 

A 

99 

60 

Coloniehaus  bei  den  fünf  Eichen  nächst  Neuhaus,  östlich 

von  Rakonic 

251*80 

L. 

61 

Kladna  Stran,  Zechenhaus  des  Maresch’schen  Stein- 

kohlenbaues  ................ 

235*40 

99 

Stk.  F. 

62 

Chlum,  Gasthaus  im  Dorfe,  15  Fuss  ober  der  Bachsohle, 

südöstlich  von  Rakonic 

156*70 

Grw.  F. 

63 

Veitberg  bei  Chlum 

234*00 

A 

64 

Rakonic,  Gasthof  zum  „rothen  Krebs“  am  Platze,  1.  Stock 

(Mittel  aus  4 Messungen) 

171*40 

L. 

Alluvium 

65 

Lisan,  Dorfplatz,  nördlich  von  Rakonic 

203*70 

99 

Rothl. 

66 

Antoniberg,  nordwestlich  von  Rakonic 

200*00 

A 

99 

67 

Senecberg,  südwestlich  von  Rakonic 

262*00 

Grw.  F. 

.68 

Yogelherdberg  bei  Psoblik,  westlich  von  Rakonic  . . . 

223*15 

n 

Rothl. 

Umgebung  von  Well  w arn. 

69 

Kopecberg,  südöstlich  von  Wellwarn 

143*30 

Dil.  Sch. 

70 

Wellwarn,  Gasthof  am  Stadtplatz,  ebener  Erde  .... 

97*10 

L. 

71 

Woslochowberg  bei  Naumeric,  südwestlich  von  Weilwarn 

134*15 

A 

Rothl. 

Umgebung  von  Schlan. 

72 

Swoleniowes  (Zwolenewes),  Basis  der  Kirche  beim  Schlosse 

119*10 

K. 

Stk.  F. 

73 

Zelenic,  Basis  der  Dorfkirche,  südöstlich  von  Schlan  . . 

157*86 

99 

Qd.  Sd. 

74 

Podlezin,  Brücke  über  den  Bach  im  Dorfe  ...... 

117*40 

L. 

Alluvium 

75 

Prowaskaberg,  nördlich  von  Podlezin,  östlich  von  Schlan 

159*00 

A 

Qd.  M. 

76 

Leopoldischachtkaue,  nördl.  von  Podlezin,  östl.  von  Schlan 

161*00 

L. 

99 

77 

Drnow,  Häuser  am  Plateau,  östlich  von  Schlan  .... 

154*05 

K. 

78 

Knobis(Knowiz),  Gasthof,  ebener  Erde,  südöstl.  v.  Schlan 

120*80 

L. 

Alluvium 

— 

— westliche  Häuser  am  Bache 

120*55 

K. 

79 

Steinkohlenbergbau,  nordöstlich  von  Gemnik,  Schacht- 

gebäude, südöstlich  von  Schlan  ........ 

151*12 

99 

Stk.  F. 

80 

Dolin,  Häuser  am  Plateau,  nordöstlich  von  Schlan  . . . 

163*70 

L. 

Qd.  M. 

81 

Zlonic  

104*20 

David 

Rothl. 

82 

Skalkiberg,  nordöstlich  von  Zlonic  

133*00 

A 

Qd.  Sd. 

83 

Kurzidlaberg,  nordwestlich  von  Zlonic  ........ 

164*00 

99 

Qd.  M. 

84 

Schlan,  Bachufer  neben  dem  Stollenmundloche  des  Stein- 

kohlenbaues   

134*10 

L. 

Stk.  F, 

172*00 

A 

Bas. 

85 

— Salzberg,  Kuppe,  östlich  von  der  Stadt  . . . . < 

174*03 

K. 

99 

( 

174*10 

L. 

86 

— Gasthof  zum  „weissen  Lamm“,  ebene  Erde  (Mittel 

aus  5 Messungen) 

145*20 

»* 

Qd.  Sd. 

87 

— Basis  der  Franciscanerkirche 

155*80 

K. 

88 

— mittlere  Höhe  der  Steinbrüche,  nördl.  von  der  Stadt 

177*43 

Qd/  M. 

89 

Drchkow,  Dorfplatz,  nördlich  von  Schlan 

119*30 

L. 

Rothl. 

90 

Sak,  Mühle,  östlich  vom  Orte,  südlich  von  Schlan  . . . 

133*67 

K. 

Löss 

91 

Dorf  Strebichowic,  Gasthaus,  südlich  von  Schlan  . . . 

130*30 

L. 

Stk.  F. 

92 

Hredliw,  obere  Dorfhäuser,  südlich  von  Schlan  .... 

163*40 

K. 

Qd.  Sd. 

93 

Turan,  Kirchplatz,  westlich  von  Schlan 

174*60 

L. 

99 

94 

Sternberg,  südwestlich  von  Schlan , Badhausgarten  . . 

161*10 

» 

Löss 

522 


M.  V.  Lipoid. 


[92] 


u 

Seehöbe 

Bestimmt 

in 

Ton 

Gebirgsart 

o 

CU 

Wr.  Klft. 

95 

Na  Skalkiberg  bei  Sternberg 

200-02 

A 

Qd.  M. 

96 

Na  Drachachberg  bei  Weissthurn 

179-78 

» 

n 

97 

Jungferteinie 

185-20 

Sommer 

n 

98 

Pozden,  20  Fuss  ober  dem  Baehufer,  westlich  von  Schlan 

153-20 

L. 

Rothl. 

99 

Pozdnerwaldberg,  südlich  vom  Dorfe  Pozden 

220-39 

A 

Qd.  M. 

100 

Stern,  Plateau  westlich  vom  Orte  an  der  Poststrasse, 

westlich  von  Schlan 

212  00 

L. 

» 

Umgebung  von  Rentsch-  (Rencow-)  Konowa. 

101 

Na  Hagyberg,  östlich  von  Kornhaus  . . 

228-21 

A 

tf 

102 

Mleimsker  Mühle  am  Puncocha-Teich,  südwestlich  von 

Kornhaus 

21410 

L. 

Alluvium 

103 

Kapinaberg,  östlich  von  Rencow 

262  00 

A 

Qd.  M. 

104 

Rentsch  (Rencow),  Gasthaus  am  Platze,  ebene  Erde, 

(Mittel  aus  3 Messungen) 

241  30 

L. 

Qd.  Sd. 

105 

U Trebudaberg  bei  Winaric,  nordöstlich  von  Rencow  . . 

227  00 

A 

Qd.  M. 

106 

Aulowic,  Dorfgasthaus,  20Fuss  ober  der  Bachsohle,  nörd- 

lich von  Rencow 

172-50 

L. 

Rothl. 

107 

Trahaberg  bei  Senkow,  nördlich  von  Rencow 

183  00 

A 

Qd.  M. 

108 

Bömberg  bei  Rocow,  nordwestlich  von  Rencow  .... 

1231-00 

99 

ry 

109 

Ober-Rocow,  Gasthaus  am  Platz,  nordwestl.  von  Rencow 

233-70 

L. 

99 

110 

Hriwicer  Bach,  südwestlich  vom  Dorfe  Rocow,  am  Wege 

nach  Domausic 

i 180-90 

n 

Rothl. 

111 

Na  Romarochberg,  nördlich  von  Mutiowic 

274-00 

A 

Qd.  M. 

112 

Plateau  zwischen  Kroucow  und  Pochwalow,  nördlich  von 

Rencow  

249-70 

L. 

n 

113 

Zbanberg,  nordwestlich  von  Rencow 

278-12 

A 

99 

114 

Hredl,  Bachufer  im  Dorfe,  westlich  von  Rencow  .... 

232-50 

L. 

Rothl. 

115 

Lausstynberg,  südwestlich  von  Rencow 

27400  A 

1 1 

Qd.  M. 

Aus  dem  vorgehenden  Verzeichnisse  ergibt  sich,  dass,  so  wie  die  Kreide- 
forrnation  das  höchste  Glied  der  Gebirgsablagerungen  im  Steinkohlengebiete  des 
Prager  Kreises  ist,  dieselbe  auch  auf  dem  Zbanberge  bei  Rencow  (278*12  Klafter) 
die  grösste  Erhebung  des  Terrains  bildet.  Der  südwestliche  Rand  der  Kreide- 
formation (Zbanberg,  Laustinberg,  Lanaberg)  bezeichnet  auch  die  grösste  Er- 
hebung derselben  über  das  adriatische  Meer,  die  daselbst  270  — 280  Klafter 
beträgt.  Von  dort  an  nimmt  die  absolute  Höhe  der  Kreideablagerungen  allrnälig 
gegen  Norden  und  Nordosten  immer  mehr  ab,  so  dass  sie  in  der  Umgebung  von 
Wellwarn  (Kopekberg)  nur  mehr  140  — 150  Klafter  beträgt.  Die  Senkung  der 
Kreideablagerungen  in  dem  Terrain  von  dem  südwestlichen  Rande  gegen  die  Mitte 
des  Kreidebeckens  auf  der  ungefähr  41/2  Meilen  langen  Strecke  vom  Zbanberge 
bis  zu  den  Kreidekuppen  in  der  Umgebung  von  Wellwarn  beträgt  demnach  bei- 
läufig 130  Klafter. 

Die  Formation  des  Rothliegenden  erhebt  sich  am  höchsten  in  der  Umgebung 
des  Zbanberges  bei  Mutiowic  und  Hredel,  und  reicht  daselbst  bis  zur  absoluten 
Höhe  von  260  Klaftern  hinan.  Wie  die  Kreideformation,  nimmt  auch  das  Roth- 
liegende  gegen  Norden  und  Nordosten  immer  mehr  an  absoluter  Höhe  ab,  und 
erscheint  auf  den  Höhen  bei  Wellwarn  (Woslochowberg)  nur  mehr  ungefähr 
130  Klafter  hoch. 

Die  Steinkohlenformation  erreicht  ihre  grösste  absolute  Höhe  an  der  „chladna 
Stran“,  östlich  von  Rakonic  (233  4 Klafter),  bleibt  also  hinter  der  absoluten 


[93]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  323 

Höhe,  welche  das  Rothliegende  besitzt,  um  mehr  als  20  Klafter  zurück.  Am 
übrigen  südlichen  Rande  des  Steinkohlenbeckens  steigt  die  Steinkohlenformation 
bis  zur  Höhe  von  220  Klafiern  (Zaroklawaberg)  und  senkt  sich  ebenfalls  und 
zwar  viel  stärker  und  so  stark  gegen  Norden  und  Nordosten,  dass  sie  in  dem 
nördlichen  Theile  des  Terrains  bei  Zlonic,  Wellwarn  u.  s.  f.  nicht  m»*hr  zu  Tag 
tritt,  obschon  die  Thalsohlen  daselbst  kaum  mehr  100  Klafter  und  die  Moldau  bei 
Wrprek  nur  mehr  80  Klafter  über  dem  adriatischen  Meere  liegen. 

3.  lsolirte  Steinkohlenbecken  des  Prager  Kreises. 

Ausser  dem  grossen  Steinkohlenbecken,  welches  sich  nördlich  von  Rakonie, 
Lana,  Kladno  und  Wotwowic  ausbreitet,  und  den  Gegenstand  der  I.  Abtheilung 
meines  Aufsatzes  über  das  Steinkohlengebiet  des  Prager  Kreises  bildete,  befinden 
sich  in  diesem  Kreise  noch  ein  paar  kleine  isolirfe  Steinkohlenbecken,  deren, 
wenn  sie  auch  von  geringer  Wichtigkeit  sind,  hier  Erwähnung  geschehen  soll. 
Alle  diese  Becken  sind  im  Terrain  der  silurischen  Grauwackenformation  und  von 
Gebilden  der  letzteren  begrenzt  und  unterteuft,  und  liegen  südlich  von  dem 
grossen  Steinkohlenbecken  des  Prager  Kreises. 

Das  eine  der  kleinen  Becken  befindet  sich  bei  dem  Dorfe  Klein  - Pri  lep, 
‘/a  Meile  nördlich  von  Beraun,  3 Meilen  südwestlich  von  Prag,  und  ungefähr 
l1/ 2 Meilen  von  dem  grossen  Steinkohlenbecken  (Drusee)  entfernt.  Es  liegt  in 
einem  westlichen  Seitengraben  des  Kaeice- Thaies,  an  dem  nördlichen  Gehänge 
dieses  Grabens  unmittelbar  unter  dem  Dorfe  Klein  - Prilep,  und  zwar  in  einer 
Mulde,  die  40—60  Klafter  höher  liegt  als  das  Kacice-Thal.  (Klein-Prilep  liegt 
203  Klafter,  Chrustenic  am  Kacicebache  136*6  Klafter  ii.  d.  adr.  M.)  Die  Aus- 
dehnung dieses  Kohlenbeckens  ist  eine  geringe,  und  beträgt  in  der  Längen-  und 
Sti  eichungsricbtung  von  Ost  in  West  nicht  mehr  als  8 — 900  Klafter,  und  in  der 
Breite  kaum  2 — 300  Klafter.  Die  Gebirgsarten,  welche  die  Ablagerung  bilden, 
sind  theils  Sandsteine,  auch  Arkosen,  theils  dunkle  Schieferthone;  erstere  sind 
im  östlichen,  letztere  im  westlichen  Muldenflügel  vorherrschend.  Beide  führen 
Pflanzenreste  der  Steinkohlenformation,  unter  denen  Stigmaria  ficoides  Brong ., 
Calamites  communis  Ett . und  Cordaites  borassifolia  Ung.  bestimmt  wurden.  Die 
Mächtigkeit  der  ganzen  Ablagerung  dieser  Formation  beträgt  höchstens  30  Klaf- 
ter. Indessen  führt  sie  Steinkohlenflötze,  welche  Schieferthon  zum  Liegenden  und 
am  Östlichen  Theile  Sandsteine,  im  westlichen  gleichfalls  Schieferthon  zum  Han- 
genden haben,  und  im  Allgemeinen  ein  flaches  südliches  Einfallen  besitzen.  Im 
östlichen  Muldentheile  unterschied  man  drei  übereinanderliegende  Kohlenflötze 
von  6 Fuss,  7 Fuss  und  2 Fuss  Mächtigkeit;  im  westlichen  Muldentheile  kennt 
man  nur  mehr  ein  Kohlenflötz  von  8 Fuss  Mächtigkeit.  In  dieser  Kohlenmulde 
wird  die  Steinkohle  schon  seit  langer  Zeit  abgebaut,  und  wurde  ehedem 
meist  nach  Prag  geliefert.  Der  Abbau  fand  jedoch  nichts  weniger  als  rationell 
statt,  und  bestand  in  einer  Art  Dokelarbeit,  indem  man  mit  kleinen  unausgezim- 
merten  Schächtchen  bis  zur  Kohle  niederging,  von  derselben  so  viel  als  möglich 
raubte,  und  hierauf  den  Schacht  verliess,  um  sogleich  nebenan  dieselbe  Arbeit 
von  vorne  zu  beginnen.  Auf  diese  Art  sind  in  diesem  kleinen  Terrain  nahe  an 
300!  Schächte  von  3 — 20  Klafter  Teufe  abgesenkt  worden,  und  die  Unzahl 
kleiner  Halden  gibt  nun  dem  ganzen  Kohlenbecken  den  Anschein  eines  von  Maul- 
würfen durchwühlten  Ackers.  In  dem  östlichen  Muldenflügel  sind  in  obiger  Weise 
die  beiden  oberen  mächtigeren  Kohlenflötze  bereits  fast  ganz  abgebaut  worden, 
und  nur  das  tiefere  2 Fuss  mächtige  Flötz,  welches  überdies  keine  so  compacte 
und  gute  Steinkohle  enthält,  als  die  oberen  Flötze  sie  lieferten,  ist  jetzt  noch 


524 


M.  V.  Lipoid. 


[94] 


Gegenstand  eines  wenig  lohnenden  Abbaues.  Das  8 Fuss  mächtige  Flötz  des  west- 
lichen Muldenflügels  legt  durch  zahllose  Verwerfungen  dem  Abbaue  viele  Hinder- 
nisse in  den  Weg  und  ist  durch  die  vielen  kleinen  Störungen  so  sehr  zertrüm- 
mert, dass  nur  y8  des  Flötzes  als  brauchbare  Stückkohle  gewonnen  werden  kann. 
Das  hiebei  abfallende  Kohlenklein  wurde  meist  als  Versatz  in  der  Grube  gelassen, 
und  gab  natürlicher  Weise  Veranlassung  zu  Grubenhränden , die  bei  meinem 
Besuche  noch  nicht  gewältiget  waren. 

Fast  anschliessend  an  das  Klein-Pfileper  Kohlenbecken  erstreckt  sich  von 
Zelesna  an  über  Hiskow  und  Stradonitz  (Althütten  am  Beraunflusse)  bis  über 
Lisek  hinaus  am  nordwestlichen  Gehänge  des  Deid-Berges  (Drahow)  eine  zweite 
Ablagerung  von  Steinkohlengebilden,  welche  in  dieser  Erstreckung  ungefähr 
1 Meile  lang  ist,  aber  auch  nur  einen  verhältnissmässig  wenig  (5  — 600  Klafter) 
breiten  Zug  bildet.  Die  Gebirgsarten  dieser  Ablagerung  sind  dieselben  wie  im 
Klein-Prileper  Becken;  nur  sind  Arkosen  vorherrschend.  Auch  ist  die  Mächtigkeit 
der  Ablagerung  grösser,  insbesondere  am  rechten  Ufer  des  Beraunflusses.  Nicht 
minder  enthält  auch  diese  Ablagerung  Steinkohlenflötze,  die  aber  theils  nur  eine 
geringe  Mächtigkeit  von  ein  paar  Fuss  besitzen,  theils  durch  zahlreiche  Störun- 
gen und  Verschiebungen  sehr  zertrümmert  worden  sind,  besonders  in  dem  Terrain 
am  Beraunflusse,  wo  die  Ablagerung  ihren  tiefsten  Stand  besitzt,  (Althütten  liegt 
(125-3  Klafter  ii.  d.  adr.  M.)  und  von  wo  sie  sich  einesteils  gegen  Zelesna,  an- 
derntheils  gegen  Lisek  bis  gegen  60  Klafter  hoch  über  die  Thalsohle  erhebt.  Die 
Schürfungen  auf  Steinkohle  bei  Hiskow  und  Stradonitz  hatten  desshalh  bisher 
kein  entsprechend  günstigesResultat.  Ruhiger  erscheint  die  Ablagerung  am  Plateau 
nächst  dem  Jägerhause  am  Lisek,  wo  man  ausser  der  grossen  Steinkohlenmulde 
noch  südöstlich  davon  ein  ganz  kleines  isolirtes  Steinkohlenbecken  vorfindet. 
Letzteres  soll  ein  9 Fuss  mächtiges  Steinkohlenflötz,  das  nur  3 Klafter  tief  unter 
dem  Rasen  gelegen  hatte,  gefühl  t haben , das  aber  bereits  gänzlich  abgebaut 
wurde  innerhalb  der  30  Jahre,  seit  welcher  die  Kohlenablagerung  bekannt  ist. 
ln  der  nordöstlichen  grossen  Mulde  am  Lisek  ist  jetzt  noch  ein  5 Fuss  mächtiges 
Steinkohlenflötz,  welches  26  Klafter  Hangendgebirg  besitzt,  in  Abbau,  liefert 
aber  meist  unreine  Kohle,  die  nur  bei  Kalkbrennereien  Anwendung  findet.  Die 
eben  bezeichnete  zweite  isolirte  Ablagerung  der  Steinkohlenformation  ist  ziemlich 
reich  an  fossilen  Pflanzenresten,  besonders  an  der  Beraun  nächst  Stradonitz. 
Herr  Professor  Dr.  Constanlin  von  Ettingshausen  hat  die  Flora  von  Stradonitz 
in  einer  besondern  Abhandlung  zusammengestellt,  welche  in  dem  I.  Bande  der 
„Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt“  veröffentlicht  wurde. 
Bemerkenswerth  ist  an  dieser  Flora  der  Mangel  an  Sigillarien,  Stigmarien  und 
Lepidodendren,  welche  sonst  gewöhnlich  die  Kohlenlager  zusammensetzen,  und 
das  Vorherrschen  der  Classe  der  Filices,  welche  zwei  Driltheile  der  Flora  um- 
fasst. Dieser  Umstand  gab  Herrn  C.  v.  Ettingshausen1)  den  Schlüssel  zu  der 
Erklärung,  warum  in  dem  fraglichen  Kohlenbecken  die  Kohle  kaum  ein  paar  Fuss 
mächtig  vorgefunden  wird. 

Es  erübrigt  mir  nun  noch,  von  dem  letzten  und  kleinsten  der  isolirten 
Steinkohlenbecken  zu  sprechen,  nämlich  von  jenem,  das  sich  am  „Stilec“  eine 
halbe  Stunde  südwestlich  von  Zebrak  in  der  Thalsohle  an  beiden  Seiten  des 
Mlegnskeg-Baches  vorfindet.  Es  befindet  sich  in  der  absoluten  Seehöhe  von 
190*5  Klafter  über  dem  adr.  Meere,  und  ist  nach  seiner  Erstreckung  in  die 
Länge  5 — 600  Klafter,  und  in  die  Breite  ungefähr  300  Klafter  bekannt.  Am 
rechten  Ufer  des  Mlegnskeg-Baches  ist  die  Auflagerung  der  Steinkohlengebilde  auf 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  III,  1852,  Seite  188. 


Jahrbuch  der  fck .geolo^iarhen  Reichaaneralt  Xn  Band  IHeft  186  » Gegenüber  Seite  J!4 


elnkohlrnjjfebif 

—2 — 


Steinkohlengebietes  im  Prager  Kreise 


V 


A 


i.k.grologMehfii 


✓ 


[9S]  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen.  525 

Schiefern  der  Grauwackenformation  sichtbar,  am  linken  Bachufer  dagegen  sind  die 
Ausbisse  durch  Lössablagerungeir  bedeckt.  Das  Stilecer  Steinkohlenbecken  ist 
im  Südwesten  von  dem  Liseker  Becken  2 Meilen  und  von  dem  westlicher  befind- 
lichen Radnitzer  Becken  gleichfalls  2 Meilen  entfernt.  Die  Mächtigkeit  der  ganzen 
Ablagerung  ist  eine  geringe,  und  dürfte  20  Klafter  nicht  übersteigen.  DieLiegend- 
Schichten  bildet  ein  weisser  plastischer  Thon,  auf  welchem  nach  oben  Schiefer- 
thone  und  Kohlenschiefer  folgen.  Letztere  führen  zwei  Steinkohlenflötze,  deren 
unteres  aus  unreiner  Kohle  bestehendes  3 Fuss,  und  deren  oberes  unmittelbar 
darauf  folgendes  mit  reiner  Steinkohle  6 Fuss  mächtig  ist.  Das  obere  reine 
Kohlenflötz  soll  jedoch  bereits  fast  ganz  abgebaut  sein.  Über  den  Kohlenflötzen 
folgen  dichte  Kalkmergel  und  über  diesen  endlich  sehr  feinkörnige  Arkosensand- 
steine.  Die  Lagerung  der  Kohlenflötze  ist  eine  muldenförmige  mit  geringem  Ein- 
fallen gegen  die  Mitte  der  Mulde.  Fossile  Pflanzenreste  beobachtete  ich  daselbst 
keine. 


Inhalt. 

Seite 


Einleitung * [1]  43t 

I.  Die  Steinkohlenformation [3]  433 

Verbreitung  der  Steinkohlenformation [3]  433 

Gesteinsbeschaffenheit [5]  435 

Lagerungsverhältnisse  der  Steinkohlenformation [6]  436 

a)  Umgebung  von  Wotwowic [7J  437 

b)  „ „ Bustehrad-Kladno [16]  446 

c)  „ „ Lana-Ruda  [50]  480 

d)  „ „ Rakonic  [55]  485 

e)  „ „ Schlan [66]  496 

Fossilreste  in  der  Steinkohlenformation [72]  502 

Schlussfolgerungen [73]  503 

II.  Die  Formation  des  R oth  1 iege nden  [77]  507 

III.  Die  Kreideformation [81]  511 

IV.  Das  Diluvium [87]  517 

Anhang : 1.  Basalt [87]  517 

2.  Höhenmessungen  im  Steinkohlengebiete  . [89]  519 

3.  Isolirte  Steinkohlenbecken  des  Prager  Kreises [93]  523 


526 


[1] 


II.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Oguliner 
und  der  südlichen  Compagnien  des  Szluiner  Regimentes  in 
der  Karlstädter  k.  k.  Militärgrenze. 

Von  Dr.  Ferdinand  Stoliczka. 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  4.  November  1862. 


Das  bezeichnete  Gebiet  von  etwa  60  Quadratmeilen,  welches  ich  als  Sec- 
tionsgeologe  der  zweiten  Section  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  im  Laufe 
des  diesjährigen  Sommers  aufgenommen  habe,  ist  zusammenhängend  von  West 
nach  Ost  und  erstreckt  sich  von  der  Küste  des  adriatischen  Meeres  zwischen 
Novi  und  Zengg  bis  Karlstadt  und  die  türkische  Grenze  von  dem  Rastel  Maljevac 
bis  Izacic. 

Im  Norden  bildet  Provinzial-Croatien  und  im  Süden  das  Oltocaner  Regi- 
ment die  Grenze. 

Bei  meinen  geologischen  Aufnahmen  wurde  ich  auf  das  wirksamste  unter- 
stützt von  den  Commandanten  der  beiden  Regimenter,  den  Herren  Obersten 
Ritter  v.  Knesevic  und  Ritter  v.  Zastavnikovic  und  in  Folge  der  trefflichen 
Einleitungen  und  Anordnungen  dieser  Herren  wurden  meine  Arbeiten  auch  überall 
von  dem  ganzen  Officierscorps  auf  das  wohlwollendste  gefördert.  Ich  fühle  mich 
hiefür  zu  dem  wärmsten  Danke  verpflichtet. 

Die  mannigfach  verzweigten  Gebirgszüge  welche  wir  im  Oguliner  und 
Szluiner  Regiment  erblicken,  sind  die  unmittelbare  Fortsetzung  der  Julischen  und 
Krainer  Alpen,  also  eines  ausgesprochenen  Karstgebirges.  Der  westliche  Theil 
erreicht  bei  weitem  grössere  Höhen  und  ist  durch  seinen  Anschluss  an  das 
Kapellagebirge  als  das  Verbindungsglied  zwischen  den  Julischen  und  Dinarischen 
Alpen  anzusehen.  Die  Gebirgszüge  streichen  fast  durchgehends  von  Nordwest 
nach  Südost,  haben  jedoch  keine  besondere  Längenerstreckung,  indem  sie  durch 
viele  Quer-  und  Seitenzüge  mannigfach  unter  einander  Zusammenhängen  und 
in  einander  sich  verschlingen.  Der  ganze  Charakter  der  Landschaft  bekommt 
hiedurch  ein  verworrenes  und  mehr  wildes  Aussehen.  Einerseits  liegen  die 
kahlen  und  öden  Felsgruppen  längs  der  Meeresküste,  auf  der  anderen  Seite 


£2]  Die  geolug.  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Ogulinei  und  Szluiner  Regimentes.  527 

lassen  die  dichten  Urwälder,  welche  die  unzähligen  Bergstürze  und  Kesselthäler 
beschatten,  nur  nackte  Felsspitzen  hervorragen,  die  sich  bis  zur  Höhe  von 
5.000  Fuss  (Bielolasica,  Kleck  bei  Ogulin)  erheben.  Hieraus  folgt  auch,  dass 
dieses  westliche  Gebiet  keine  grösseren  Flüsse  zählt,  sondern  alle  Gewässer 
nach  einem  kurzen  Laufe  wieder  verschwinden,  um  entweder  an  der  Meeres- 
küste als  einzelne  submarine  Quellen  wieder  emporzukommen  oder  auf  der 
anderen  Seite  sich  zu  grösseren  Flüssen,  wie  die  Mjeznika,  Vernjka,  Dretulja 
u.  a.  zu  sammeln. 

Der  östliche  Theil  des  Oguliner  und  des  Sluiner  Regimentes  ist  viel  weniger 
gebirgig  und  hat  bereits  Ströme  von  langem  Lauf,  wie  die  Mreznica,  Dobra 
Koranna  u.  a.  aufzuweisen,  die  sämmtlich  ihr  Wasser  der  Kulpa  zuführen.  Durch 
dieses  reichere  Bewässerungssystem,  so  wie  durch  die  grössere  Verbreitung 
rother  Thone,  die  sich  bei  einiger  Pflege  dem  Pflauzenwuchse  recht  gedeihlich 
zeigen,  erhält  das  Land  für  die  Budencultur  einen  viel  grösseren  Werth  als  dies 
mit  dem  westlichen  Theile  der  Fall  ist,  welcher  ausserdem  ein  viel  rauheres 
Klima  besitzt. 

Was  nun  den  geologischen  Bau  des  Terrains  betrifft,  so  finden  wir  den- 
selben, wenigstens  der  Hauptsache  nach,  innig  zusammenhängend  mit  der  vor- 
wiegenden Streichungsrichtung  des  Gebirges  von  NW.  nach  SO.  Wir  können 
zwei  Hauplpartien  älterer  Bildungen  unterscheiden,  welche  uns  die  tiefst- 
gehenden  Aufbrüche  des  Gebirges  darsteilen  und  an  die  sich  jüngere  Ablage- 
rungen anlehnen.  Die  eine  Hauptmasse  zieht  sich  beinahe  durch  die  Mitte  des 
Oguliner  und  die  zweite  liegt  im  östlichen  Theil  des  Szluiner  Regimentes.  Nach 
Süden  vereinigen  sich  beide  Züge  zum  Theil  mit  einander,  so  dass  sie  eigentlich 
nur  einen  durch  viele  Brüche  und  Faltungen  unterbrochenen  Schiehten-Complex 
bilden.  Die  Reihe  der  verschiedenen  Formationen  und  Gesteinsarten,  welche 
in  dem  Gebiete  der  genannten  zwei  Regimenter  vertreten  sind,  ist  folgende: 

I.  Gailthaler  Schichten.  Sie  treten  in  einem  langen  Zuge  auf,  wel- 
cher sich  unterhalb  Karlstadt,  anfangs  mit  einigen  Unterbrechungen  längs  der 
Grenze  des  Szluiner  Regimentes  nach  türkisch  Croatien  hin  erstreckt.  Vorherr- 
schend sind  es  gelbliche  Sandsteine,  welche  mit  den  aus  den  nördlichen  Gebieten 
bekannten  vollkommen  übereinstimmen.  Eine  ziemlich  ansehnliche  Verbreitung 
haben  in  der  Petrova  Gora  schwarze  Schiefer,  in  denen  man  nur  selten  Spuren 
von  Pflanzen  entdeckt.  In  ganz  geringer  Mächtigkeit  wechsellagern  diese  Schiefer 
nördlich  von  Kolaric  bei  Keljun  mit  einem  festen  Quarzconglomerat. 

II.  Untere  Trias.  Das  untere  Glied  sind  Werfener  Schiefer,  die  mit 
denen  unserer  Alpen  ganz  übereinstimmen  und  worin  bei  Klokoc  (NW.  v.  Wali- 
sello)  Myacites  fassaensis  und  Avicula  Venetiana  Vorkommen.  Bei  Cettin  werden 
die  Werfener  Schiefer  von  dünngeschichteten  plattigen  Kalken  überlagert, 
welche  mit  den  sogenannten  Naticellen-Sehichten  am  meisten  übereinstimmen. 
Viel  verbreiteter  sind  jedoch  weisse  oder  graue,  sehr  bröckliche  Dolomite,  die 
entweder  wie  bei  Karlstadt  als  isolirte  Kuppen  aus  jungtertiären  Bildungen  her- 
vorragen, oder  unmittelbar  auf  Werfener  Schiefern  aufliegen.  Nur  an  einzelnen 
Punkten,  wie  in  der  Umgebuug  von  Weljun,  Walisello  und  Maljewac,  sind  diese 
Dolomite  zwischen  die  Werfener  Schiefer  und  Gailthaler  Sandsteine  einge- 
schoben, was  sich  nach  den  Beobachtungen  des  Herrn  Stur  dadurch  erklärt, 
dass  der  Aufbruch  in  den  Werfener  Schiefern  erfolgte  und  hiedurch  die  über- 
lagernden Dolomite  auf  die  Seite  geschoben  wurden. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


67 


528 


Dr.  Ferdinand  Stoliczka. 


[3] 

Was  auf  der  Oguliner  Karte  als  untere  Trias  ausgeschieden  wurde,  liegt 
unmittelbar  in  der  Fortsetzung  der  Guttensteiner  Schichten  von  Provinzial- 
Croatien,  welche  vom  Herrn  Bergrathe  Foetterle  beobachtet  wurden.  Es  sind 
vorwiegend  graue  und  schwärzliche  Dolomite  mit  vielen  weissen  Adern  und  sehr 
grossem  Bitumengehalt.  Die  Kalke  sind,  wo  sie  auftreten,  meist  dicht,  von 
schwarzer  Farbe  und  sehen  den  sonst  unter  dem  Namen  Guttensteiner  Kalk 
bekannten  Gebilden  ganz  gleich.  Ihre  Verbreitung  ist  jedoch  im  Verhältnisse  zu 
den  grossen  Dolomitmassen  sehr  gering,  welche  letztere  das  ganze  Hochgebirge 
entweder  selbstständig  zusammensetzen,  oder  wenigstens  die  Axen  der  Gebirgs- 
züge bilden.  Nicht  selten  tritt  dieser  Dolomit  in  tiefen  Spaltenthälern  auf,  wohl 
ebenfalls  nur  in  Folge  starker  Aufbrüche,  wie  im  Dulibathale,  nordöstlich  von 
Zutaloqua  u.  a.  0.  Da  in  diesem  ganzen  Complex  von  Kalk  und  Dolomit  keine 
Versteinerungen  aufgefunden  wurden,  so  ist  es  wohl  nicht  als  entschieden  zu 
betrachten,  ob  man  denselben  noch  als  untere  Trias  auffassen  soll  oder  ob  man 
ihn  als  das  untere  Glied  der  folgenden  Gruppe  betrachten  kann  In  der  Reihen- 
folge der  Schichten  tritt  hiedurch  keine  wesentliche  Veränderung  ein. 

III.  Obere  Trias.  Südwestlich  von  Karlstadt  liegen  auf  den  weissen, 
kiesigen  Dolomiten  bei  den  sogenannten  Marmorbrüchen  schwarze  und  graue 
Crinoidenkalke , die  eine  der  Rhynchonella  dilatata  Sss.  sehr  nahe  verwandte 
Art  enthalten.  Aber  diesen  Crinoidenkalken  folgen  schwarzgraue,  wohlgeschich- 
tete Kalksteine  ohne  Versteinerungen.  Bei  Leskovac  sind  die  Crinoidenkalke 
unmittelbar  den  Werfener  Schiefern  aufgelagert  und  etwas  südlicher  bei  Bari- 
lovic  abermals  dem  weissen  Dolomit. 

An  letzterer  Localität,  etwas  westlich  an  der  Koranna,  führen  die  oberen 
Kalke  sehr  häufig  eine  eigenthümliche  Koralle , die  rasenförmige  Ausbreitungen 
gebildet  haben  musste,  weil  an  den  Auswitterungsstellen  der  Schichtenköpfe  nur 
einzelne  langgezogene  Durchschnitte  zu  sehen  sind. 

In  der  westlichen  Hälfte  konnten  die  Crinoidenkalke  nicht  beobachtet 
werden,  sondern  es  liegt  auf  dem  bituminösen  Dolomit  unmittelbar  ein  meist 
grauer  und  dichter  Kalk,  der  stellenweise  jenem  des  östlichen  Theiles  ganz 
ähnlich  sieht,  andererseits  aber  auch  sehr  an  die  grauen  Hallstätter  Kalke  von 
Hornstein  erinnert.  Versteinerungen  sind  in  demselben  nirgends  beobachtet 
worden.  Der  obere  Triaskalk  bildet  hier  theils  die  höchsten  Kuppen  einzelner 
Berge  und  Gebirgszüge,  theils  tritt  er  als  ein  langer  Streifen  auf  zwischen  dem 
Triasdolomit  und  dem  Kreidekalk,  in  der  ganzen  Ausdehnung  vom  Cettiner  Wald 
bis  über  Szluin  in  südöstlicher  Richtung  hinaus. 

IV.  Als  oberer  Jura  konnten  am  Oguliner  Blatt  lediglich  zwei  Punkte 
angegeben  werden,  die  einige  Wahrscheinlichkeit  für  sich  besitzen.  Der  eine 
südlich  von  Mrkopail  bei  Tuk  (an  der  Grenze  gegen  Provinzial-Croatien)  und 
der  andere  bei  Unter  Dreznica  (westlich  von  Ogulin).  An  ersterem  Punkte  ist  es 
ein  grauschwarzer,  dichter  Kalk,  in  dem  ich  neben  einigen  nicht  weiter  bestimm- 
baren Brachiopodenschalen  Bruchstücke  von  Am.  polyplocus  (oder  eines  der 
nächsten  Verwandten  aus  dieser  Reihe)  und  andere  kleine  Exemplare  fand, 
welche  dem  Am.  Erato  Orb.  anzugehören  scheinen.  Bei  Dreznica  ist  es  theils 
ein  heller,  splittriger,  etwas  dolomitischer  Kalk,  worin  kleine  Pecten  aus  der 
Reihe  des  P.  Vindunensis  und  P.  verticillus  Vorkommen,  theils  ein  eigentüm- 
liches, sehr  poröses  Rauchwackengestein,  das  zum  Theil  aus  lauter  organischen 
Resten  zu  bestehen  scheint  und  worin  eine  der  Opis  lunulata  zunächst  ver- 
wandte Art  erkannt  werden  konnte. 


529 


m Die  geolog.  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Ogulmer  und  Szluiner  Regimentes. 

V.  Kreide.  Die  unteren  Kreidekalke  im  westlichen  Gebiete  des  Oguliner 
Regimentes  haben  eine  sehr  grosse  Ähnlichkeit  mit  jenen  der  Trias,  so  dass  man 
nicht  selten  eine  Trennung  derselben  nur  annäherungsweise  vornehmen  kann. 
Bergrath  Foetterle  bezeichnete  sie  auf  seinen  Aufnahmskarten  von  Provinzial- 
Ooatieu  als  Neocom.  Es  sind  in  der  Regel  etwas  kiesige,  feinkörnige,  lichtblaue 
Kalke,  die  mit  weissen  Dolomiten  und  Dolomitbreccien  häufig  wechsellagern. 
Seltener  sind  es  dichte,  graue  oder  röfhliche  Kalke,  dagegen  haben  in  der 
Umgebung  von  Ottocac  (Ottocaner  Regiment)  eine  sehr  ansehnliche  Verbreitung 
feste  Kalkbreccien,  die  auch  südlich  von  Bründl  in  den  Oguliner  Bezirk  herüber- 
reichen. 

Der  einzige  Anhaltspunkt  zur  Wiedererkennung  dieser  unteren  Kreidekalke 
ist  das  sehr  häufige  Auftreten  von  Alveolinenartigen  Foraminiferen,  welche  oft- 
mals d<s  ganze  Gestein  zusammensetzen.  Stellenweise  wie  nördlich  von  Zengg 
an  der  Küste  sind  unter  den  Foraminiferen  einzelne  Quinqueloculinen  und  Orbi- 
tulinen  bemerkbar.  Einzelne  Bänke  dieses  Kalkes,  wie  bei  St.  Jakob,  Kriviput 
u.  a.  sind  eben  so  reich  an  Korallen  aus  den  Sippen  Maeandrina  und  Cladocora, 
deren  specifische  Bestimmung  jedoch  ebenso  wenig  möglich  war,  als  jene  der 
verschieden  ausgewitterten  Gastropoden,  die  man  an  einzelnen  Localitäten  findet. 
Deutliche  Nerineendurchschnitte  und  einzelne  Bruchstücke  von  Rudistenschalen 
sind  nur  oberhalb  Jasenak  und  östlich  von  Stainica  (SO.  von  Jezerana)  in  einer 
Thaltiefe  gefunden  worden. 

An  diese  unteren  Kreidekalke  legt  sich  nur  eine  kleine  Partie  des  oberen 
Hippuritenkalkes  bei  Povilje  an,  indem  das  Vinodoler  Thal  plötzlich  seine  Rich- 
tung nach  SW.  nimmt  und  bei  Novi  ganz  ausmündet,  so  dass  von  den  eocenen 
Ablagerungen  sich  nichts  mehr  diesseits  der  Grenze  vorfindet. 

Im  östlichen  Theile  des  Oguliner  und  im  Szluiner  Regiment  war  eine  Tren- 
nung der  Kreideschichten  bei  der  übersichtlichen  Bereisung  nicht  durchführbar. 
Es  ist  eine  oftmalige  Wiederholung  mehr  oder  weniger  lichter,  manchmal  ganz 
weisser  Kalke,  die  eben  so  häufig  mit  weissen  Dolomiten  wechsellagern.  Die 
Kalke  enthalten  ganz  in  der  Nähe  des  Trias-Dolomites  bei  Ogulin  Hippuriten  und 
Nerineen,  andererseits  kleine  Caprotinen  wie  bei  Zaborski  (S.  v.  Plaski),  bei 
den  Marmorbrüchen  von  Karlstadt  u.  a.  Im  Ganzen  sind  jedoch  in  diesem  grossen 
Kalkcomplexe  Versteinerungen  eine  grosse  Seltenheit  und  es  ist  durchaus 
unmöglich,  eine  sichere  Bestimmung  an  solchen  ausgewitterten  Stücken  vorzu- 
nehmen. 

Erwähnung  verdienen  schliesslich  einzelne  zerstreute  Vorkommnisse  grauer 
Mergelschiefer  und  Mergelsandsteine,  wie  bei  Ober-Zwecaj,  Glina  u.  a.,  die  an 
ersterer  Localität,  auf  einem  beschränkten  Raume  an  der  Strasse,  zwischen 
Kreidekalk  eingekeilt  zu  sein  scheinen,  an  letzterer  aber  an  der  Grenze  zwi- 
schen Kreidekalk  und  Trias  liegen.  Die  Mergel  wechsellagern  mit  einem  festen 
Breccienkalk,  der  Bruchstücke  von  Hippuriten  und  einzelne  Orbituliten  enthält. 
Es  ist  daher  sicher,  dass  dieses  Gestein  keinesfalls  älter  als  Kreide  ist,  und  wenn 
diese  organischen  Reste  als  fremde  Einschlüsse  zu  betrachten  sind,  so  könnte 
das  Gestein  selbst  der  Eocenformation  angehören,  was  indessen  bisher  nicht 
direct  zu  erweisen  war. 

VI.  Die  jüngsten  Tertiärbildungen,  zu  denen  wohl  ein  grosser  Theil  der 
rothen  Thonablagerungen  gehört,  treten  im  Oguliner  Regiment  nur  untergeordnet 
als  Kesselausfüllungen  auf.  Bei  Dubrave  sind  es  splittrige  Mergelschiefer  und 
Sande,  in  denen  schwache  Lager  von  Braunkohlen  liegen,  die  jedoch  nicht  bau- 
würdig sind.  Von  viel  höherer  Wichtigkeit  sind  diese  Thonablagerungen  im 

67  * 


.S30  br.  F.  Stoliczka.  Die  geolog.  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Oguliner  und  Szluiner  Reg. 


m 


nördlichen  und  östlichen  Theile  des  Szluiner  Regimentes,  weil  sie  hier  die 
. ämmtlichen  Brauneiseusteinlager  enthalten.  Nach  den  Beobachtungen  des  Herrn 
Stur  gehören  diese  Thonablagerungen  im  Osten  durchgehends  den  Inzersdorfer 
Schichten  an,  und  bei  Karlstadt  selbst  sammelte  ich  in  den  Thonen  Congeria 
spathulata  und  Cardium  aper  tum. 

Nach  diesen  Bemerkungen  über  die  einzelnen  Gesteinsarien  erübrigt  mir 
noch  auf  das  oft  gesonderte  Vorkommen  der  verschiedenen  Kalke  aufmerksam  zu 
machen,  woraus  hervorgeht,  dass  das  ganze  Terrain  ungeheuren  Störungen 
unterworfen  war.  An  der  östlichen  Seite  sehen  wir  den  Aufbruch  bis  zu  den 
Schichten  der  Kohlenformation  gehen  und  südwestlich  von  Karlstadt,  so  wie  auch 
im  südwestlichen  Theil  des  Szluiner  Regimentes  einen  zweiten  Bruch  hinzu- 
treten, der  sich  hier  bis  auf  die  Werfener  Schiefer  erstreckt.  Das  Vorkommen 
des  oberen  Jura  und  der  Kreidebildungen  mitten  zwischen  Trias-Dolomit  im 
westlichen  Gebiete,  deutet  gleichfalls  auf  die  vielfachen  Faltungen  und  Ein- 
stürze hin,  in  denen  jetzt  nur  die  Reste  einer  früheren  zusammenhängenden 
Ablagerung  liegen.  Das  Fehlen  der  Werfener  Schiefer  kann  man  hier  nur 
dadurch  erklären,  dass  der  Aufbruch  des  Gebirges  nicht  so  tief  erfolgte  als  nörd- 
lich bei  Fiume  und  Loque  im  Liccaner  Regimente. 


Dl 


53  i 


III.  Zur  Geognosie  Tirols. 

Von  Adolph  Pichler. 

Mitgetheilt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  16.  December  1862. 


Der  Gebirgsstock  des  Stanerjoches,  der  sich  südlich  des  Achensees  in  nord- 
westlicher Richtung  von  Jenbaeh  nach  der  Lamsen  zieht  und  hier  mit  dem  Grate 
des  Sonnjoches  zusammenhängt,  reizte  schon  längst  meine  Neugier,  um  so  mehr 
da  er  bisher  eigentlich  nur  umgangen,  jedoch  in  seinen  Aufbruchspalten  und 
Schluchten  nicht  untersucht  war.  Ungemein  wichtig  erschien  mir  dabei  das  Auf- 
treten der  unteren  Trias,  welche  in  grosser  Mächtigkeit  zwischen  den  Wänden 
des  oberen  Alpenkalkes  (Hallstätter  Kalk)  erscheint,  ja  sogar  in  demselben  auf 
dem  Saukopfe  am  Abhange  gegen  das  Innthal  bei  einer  Höhe  yon  6000  Fuss  mit 
allen  ihren  Gliedern  eingeklemmt  ist.  Ich  kenne  keinen  hohem  Punkt,  wo  im 
Innthale  und  dem  benachbarten  Bayern  der  bunte  Sandstein  anstünde  als  hier. 
Aber  auch  das  Salzgebirge  besitzt  hier  eine  bedeutende  Entwickelung.  Am  ßären- 
kopfe,  dem  letzten  nördlichen  Ausläufer  gegen  den  Achensee,  legen  sich  sanfte 
Hügel  vor,  die  man  bisher  für  Diluvialsehotter  hielt;  kriecht  man  in  einer  der 
Runsen  empor,  so  findet  man  überall  die  Gesteine  des  Haselgebirges  und  darüber 
den  Muschelkalk.  Daran  lehnen  sich  einige  Felsen  yon  Mitteldolomit  (Gümbel’s 
Hauptdolomit).  Ein  wunderschönes  Profil  — geeignet  auch  den  letzten  Zweifel 
über  die  Stellung  der  Salzthone  zu  zerstören,  enthüllt  der  Tristenkopf.  Hier 
haben  wir  zu  unterst  das  Haselgebirge  mit  Gyps  und  den  bekannten  Pseudomor- 
phosen  nach  Steinsalz,  dann  folgt  Rauehwacke,  auf  diese  der  untere  Alpenkalk 
(Gümbel’s  Muschelkalk  in  seinen  verschiedenen  Abtheilungen),  dann  der  obere 
lichte  Alpenkalk.  Ausbisse  von  Salzthonen  traf  ich  noch  an  mehreren  Punkten  des 
Stanerbergstockes;  auch  auf  der  Nordseite  des  Falzthurnthales  in  dem  Sattel  zwi- 
schen Bellerkor  und  Sonnjoch  brechen  sie  bei  einer  Höhe  von  S000  Fuss  hervor. 
Rechnet  man  dazu  das  nahe,  von  mir  bereits  längst  beschriebene  Vorkommen  am 
Plumserjoch,  so  haben  wir  hier  wohl  das  ausgedehnteste  Gebiet  des  Haselgebirges 
in  den  Tiroler  Alpen.  Der  Salzstock  von  Hall  darf  sich  damit  wohl  nicht  von  Ferne 
vergleichen.  Zweifelsohne  ist  dieses  Haselgebirge  bis  in  grosse  Tiefen  ausge- 
laugt, dafür  spricht  schon  die  Berührung  mit  dem  Achensee.  Den  Partnach- 
schichten  bin  ich  auf  diesem  Gebiete  sorgfältig  nachgegangen  und  habe  genau  die 
Grenzen  gegen  den  oberen  Alpenkalk  aufgesucht,  da  Gümbel  sagt,  das  man  oft 
wenige  Zoll  mächtige  mergelige  Schiefer  als  die  Reste  einer  Stellvertretung 
derselben  annehmen  muss.  Ich  habe  sie  auf  diesem  Gebiete  eben  so  wenig  ge- 
funden, als  im  Stallenthale,  von  wo  der  untere  Alpenkalk  ins  Karbendelthal  fort- 
streicht. Das  Detail  aufzuführen  behalte  ich  einem  längeren  Aufsatze  vor. 

Gümbel’s  Werk  veranlasste  mich  zu  einer  neuen  Detaildurchforschung  der 
Kalkalpen  von  der  Martinswand  bis  Hall.  Vorzüglich  fasste  ich  dabei  die  Virglo- 
ria  kalke,  über  deren  Stellung  Gümbel  mit  Richthofen  im  Widerspruch  Ut,  in 
das  Auge.  Mögen  sie  nun  wie  dieser  behauptet,  zum  Keuper,  oder  wie  jener  zum 


532 


Adolph  Pichler.  Zur  Geognosie  Tirols. 


[2] 


obern  Muschelkalk  gehören,  so  sei  hier  nur  bemerkt,  dass  sie  im  Stallenthale, 
wo  keine  Partnachschichten  Vorkommen,  dem  obern  Alpenkalk  sehr  nahe  gerückt 
sind,  ebenso  wie  die  Kalke  mit  den  Wülsten,  die  man  bisher  als  bezeichnend 
für  den  Muschelkalk  betrachtete,  an  der  Frauhiitt,  im  Stallenthale,  im  Kaiserge- 
birge weit  ober  den  eigentlichen  Guttensteiner  Kalken  an  der  Grenze  des  obern 
Alpenkalkes  liegen.  Nun  begegnetman  aber  an  vielen  Punkten  zwischen  Innsbruck 
und  Hall  und  noch  anderen  Gegenden  einer  Reihe  von  Schichten  verschiedener 
Gesteinsbeschaffenheit,  die  sehr  eigenthümliche  Verhältnisse  zeigen.  Nehmen  wrir 
von  den  zahlreichen  Profilen,  welche  ich  vorlegen  könnte,  nur  eines,  das  über 
das  Thaurerschloss,  so  liejit  unter  dem  Diluvialschotter,  wie  sich  weiter  links  bei 
Garzau  nachweisen  lässt,  der  bunte  Sandstein,  dann  folgt  der  Guttensteiner  Kalk, 
das  Thaurerschloss  steht  auf  prächtigemVirgloriakalk,  dann  schwarze  zerbröckelnde 
Schieferthone,  dunkelgraue  weissaderige  Kalke,  Schieferthone  wechselnd  mit 
diesen  Kalken,  in  den  Schieferthonen  liegen  stellenweise  Schichten  von  Sand- 
stein, völlig  ähnlich  dem  der  Carditaschichten ; in  einer  Lage  derselben  findet 
man  wie  an  vielen  anderen  Punkten  Petrefacten:  Cardita  crenatn,  Ostrea 
montis  caprilis  (in  der  Klamm  bei  Mühlau  diese  und  Pentacrinus  propinquus  so 
wie  die  Steinkerne  einer  Bivalve,  vielleicht  einer  Corbula;  am  Stanerjoch  Corbis 
Mellingi)  \ darauf  folgt  in  der  Schlucht  ober  dem  Thaurerschlosse  wieder  obiger 
Kalk  in  Wechsel  mit  Schieferthonen  und  Sandsteinen;  der  Kalk  geht  allmälig  in 
einen  Dolomit,  ähnlich  dem  Mitteldolomite  über,  der  sich  in  langem  Zuge  von 
Absan  bis  zur  Martinswand  verfolgen  lässt;  der  Dolomit  geht  wieder  in  obige 
Kalke  wechselnd  mit  Schieferthonen  über;  einer  breiten  Zone  dieser  Kalke,  an  dem 
hier  kaum  eine  Schichtung  zu  bemerken  ist,  liegt  der  obere  Alpenkalk  ohne 
Zwischenlage  irgend  eines  Gesteines,  welches  man  auf  Partnachschichten  deuten 
könnte,  auf,  so  dass  oberer  weisser  Alpenkalk  und  schwarzer  theilweise  an  der 
Grenze  in  einander  übergreifen.  Ganz  ähnliche  Verhältnisse  zeigt  das  Kaiserge- 
birge in  dem  Graben  ober  Scheffau,  eben  so  liegt  in  dem  dunkeln  Kalke  bei  Rat- 
tenberg, wo  der  Tunnel  durchgebrochen  ist,  eine  Lage  Schieferthon  und  gross- 
körniger Oolith,  in  dem  ich  ganz  gut  erhaltene  Schalen  von  Cardita  crenata 
fand.  Wir  verfolgen  das  Profil  ober  Thauer  nicht  weiter,  fragen  jedoch,  wohin 
soll  man  diesen  ganzen  Schichtencomplex , der  zweifellos  zwischen  der  eigentli- 
chen unteren  Trias  und  dem  oberen  Alpenkalke,  welchen  man  dem  unteren  Keuper 
beizählt,  stellen.  Vielleicht  oder  vielmehr  wahrscheinlich  haben  wir  hier  das 
St.  Cassian  im  engern  Sinne,  wie  es  Richthofen  unter  den  oberen  Alpenkalk  in 
Südtirol  bestimmte.  Eine  eigene  Abtheilung  scheint  darin  der  Dolomit  zu  sein, 
welchen  man  ja  nicht  mit  dem  dunkeln  Dolomit,  wie  er  z.  B.  am  Vomperbache  ober 
der  Rauchwacke,  die  das  Hangende  des  bunten  Sandsteines  bildet,  folgt,  ver- 
wechseln darf.  Am  Kaisergebirge  folgt  auf  ihn  schwarzer  Kalk,  der  ziemlich  hoch 
an  den  steilen  Wänden  emporreicht  und  nach  oben  Lager  mit  den  bekannten 
Wülsten  enthält.  Der  Gegenstand  verdient  jedenfalls  eine  weitläufigere  Behand- 
lung, die  ihm,  belegt  von  zahlreichen  Profilen,  auch  werden  soll. 

Schliesslich  sei  bemerkt,  dass  es  mir  gelungen  ist,  den  Mitteldolomit,  die 
Gervilliaschichten , den  untern  und  obern  Lias  (Adnether  Kalke  und  Flecken- 
mergel), den  obern  Jura  (Aptychenschichten)  und  stellenweise  das  Neocom  von 
der  Walderalm  bei  Hall,  über  das  Gebirge  ober  Kloster  Ficht  durch  das  Stallenthal 
bis  zum  Lamsenpasse  zu  verfolgen,  wo  diese  Formationen  zum  Theile  auf  eine 
kurze  Strecke  durch  Ueberschiebung  verdeckt  sind,  und  alsogleich  bei  der  Bins- 
alm  wieder  auftauchen.  So  erscheint  auch  hier  nichts  unvermittelt  und  ohne 
Zusammenhang. 


833 


IV.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt. 

Von  Karl  Ritter  v.  Hauer. 

1)  Kohleneisensteine  von  Steyerdorf  im  Banat.  Zur  Untersuchung  einge- 
sendet von  der  k.  k.  priv.  Staats-Eisenbahn-Gesellschaft.  Analysirt  von  Karl 
v.  Hauer  und  Freih.  v.  Andrian. 


Unlöslich 

Eisen- 

oxydul 

Köhlens. 

Kalk 

Kohle  n. 

organ. 

Substanz 

Gehalt  an 
metall. 
Eisen 

Nr. 

l 

80*4 

0*4 

7*0 

38*8 

yy 

2 

55*6 

38*9 

0*7 

4*8 

18*7 

yy 

3 

17*5 

76*6 

1*0 

2*9 

36*9 

yy 

4 

16*5 

75*9 

0*8 

6*8 

36*6 

yy 

5 

7*1 

88*9 

0*7 

3*3 

42*9 

yy 

6 

17*7 

72*4 

0*9 

9*0 

34*9 

yy 

7 

0*8 

81*3 

1*2 

16*7 

39*2 

yy 

8 

5*5 

90*4 

0*8 

3*3 

43*6 

yy 

9 

0*6 

82*8 

1*0 

15*6 

39*0 

2)  Briquettes,  erzeugt  aus  der  Braunkohle  von  Silhveg  in  Steiermark. 
Eingesendet  von  der  Werksverwaltung  des  Herrn  Grafen  Henkel  v.  Donners- 


mark. 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 27*05 

Wärme-Einheiten 6113 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 8*5 

3)  Triaskohle  von  Lepeina  bei  Jauerburg  in  Krain. 

Asche  in  100  Theilen 13*2 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 21*00 

Wärme-Einheiten 4746 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner. 11*0 


4)  Braunkohlen  aus  Siebenbürgen,  Zur  Untersuchung  eingesendet  vom  k.  k. 
General-Commando  in  Hermannstadt, 
et.  von  Sugo,  b.  von  Nagy-Aj. 


a.  b. 

Asche  in  100  Theilen 17*5  7*9 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*80  16*00 

Wärme-Einheiten 3570  3616 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner..  14*7  14*5 

5)  Morasterz  (Brauneisenstein)  von  Puszta  Bän  Haza.  Eingesendet  von 
Herrn  Alexius  Han.  Analysirt  von  Freih.  v.  Andrian. 


Unlöslich 5*8 

Eisenoxyd 73*7 

Wasser 18*9  (und  organische  Substanz). 


534 


Karl  Ritter  von  Hauer. 


6)  Kohle  von  der  Redengrube  zu  Birtultau  in  Preussisch-Schlesien.  Einge- 
sendet von  Herrn  B.  Morgenstern. 


Wasser  in  100  Theilen 2-1 

Asche  in  100  Theilen 5-3 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 27*16 

Wärme-Einheiten 6124 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 8*5 


7)  Mineralwasser  von  Kleinzell  im  Bezirk  Hainfeld  in  Nieder-Oesterreich. 
Eingesendet  von  Herrn  Vorauer.  Das  Wasser  rührt  aus  einem  dort  befindlichen 
alten  Brunnen  her. 


Das  Wasser  ist  färb-  und  geruchlos,  der  Geschmack  vorwiegend  nach  Kochsalz.  Beim  Ein- 
dampfen setzt  sich  viel  Gyps,  kohlensaurer  Kalk  und  Eisenoxyd  ab. 

Der  Gesammtgehalt  an  fixen  Bestandteilen  beträgt  in  1 Pfund  = 7680  Gran,  die  sehr 
beträchtliche  Menge  von  138  Gran.  Dieser  Rückstand  besteht  aus  wenig  Kieselerde 
und  organischen  Substanzen,  viel  Kochsalz,  Gyps,  schwefeNaurer  Magnesia , kohlen- 
saurem Kalk,  kohlensaurem  Eisenoxydul  (V4  Gran)  und  einer  kleinen  Menge  schwefel- 
saurer Alkalisalze. 

In  älterer  Zeit  soll  das  Wasser  dieses  Brunnens  zur  Gewinnung  von  Koch- 
salz versotten  worden  sein. 

8)  Braunkohlen  von  Baumgarten.  Eingesendet  vom  k.  k.  Yerpflegsmugazin 
in  Wien. 


Wasser  in  100  Theilen 27*8  29*0 

Asche  in  100  Theilen 18*6  20.7 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*60  15*00 

Wärme-Einheiten 3529  3390 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner. . . 14*8  15*4 

9)  Zinkblendeschliche  von  der  k.  k.  Gewerkschaft  zu  Raibl  in  Kärnthen. 

Zwei  Proben  enthielten  75  und  77*5  Procent  Schwefelzink.  Dies  entspricht  einem  Metall- 
gehalt von  50  und  51  6 Procent. 


10)  Mineralwasser  von  Jamnica.  Eingesendet  von  der  k.  dalinatisch- 
croatisch-slavonischen  Statthalterei. 

Die  zur  Untersuchung  eingesendeten  Flaschen  waren  signirt:  I.  alter 
Brunnen,  II.  neuer  Brunnan,  III.  neuer  Brunnen;  geschöpft  nach  mehrtägiger 
trockener  Witterung  und  niedrigem  Wasserstand  der  Kulpa 


A.  Physikalische  Eigenschaften. 

Das  Wasser  ist  klar,  färb-  und  geruchlos,  der  Geschmack  alkalisch  mit  einem  Beigeschmack 
von  Kochsalz.  Die  Reaction  nach  Concentration  des  Wassers  deutlich  alkalisch. 

Bei  längerem  Stehen,  so  wie  beim  Eindampfen  setzen  sich  kleine  Quantitäten  von  Eisenoxyd, 
kohlensaurem  Kalk  und  Gyps  ab. 

Das  specifische  Gewicht  beträgt  von  I.  1 '00762;  II.  1*00843;  III.  1-00900. 

Temperatur  (nach  Angabe):  I.  12°  R.;  II.  10°  R. 


Die  qualitative  Analyse  ergab  folgende  Bestandteile : 


Säuren:  Kohlensäure,  Basen: 

Schwefelsäure, 

Kieselsäure. 

Halogene:  Chlor, 

Jod  (Spuren). 

Organische  Substanzen. 


Kali  (Spuren), 
Natron, 

Kalk, 

Magnesia, 

Eisenoxydul. 


Die  hier  angeführten  Eigenschaften  beziehen  sich  gleichmässig  auf  beide 
Quellen.  Auch  in  der  Quantität  der  Bestandteile  zeigten  sich  nur  geringe  Diffe- 
renzen. Der  Gehalt  des  Wassers  vom  neuen  Brunnen  (III.)  ergab  sich  etwas  höher. 


333 


Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


B.  Gehalt  des  Wassers  in  1 Pfund  = 7680  Gran. 


Schwefels.  Natron 

„ Kalk 

„ Magnesia 

Köhlens.  Natron 

„ Kalk 

„ Eisenoxydul 

Chlornatrium 

Kieselsäure 

Organische  Substanzen . . . . 

Freie  Kohlensäure 

Summe  aller  Bestandtheile 


Grane 

I. 

II. 

III. 

7-088 

9-093 

9-984 

2-626 

3-072 

3-456 

0-061 

0-034 

0-069 

22-087 

22-180 

22-272 

2-818 

2-841 

2-895 

0-732 

0-643 

0-606 

7-741 

10-337 

11-988 

0-491 

0-445 

0-537 

0-138 

0-107 

0-123 

0-337 

0-668 

0-729 

44-339 

49-442 

52-659 

In  unbestimmbarer  Menge : schwefelsaures  Kali  und  Jodnatrium. 


Aus  diesen  Resultaten  ergibt  sich,  dass  die  Quellen  in  die  Classe  der 
glaubersalz-  und  kochsalzhältigen  alkalischen  Säuerlinge  gehören. 


11)  Koprolithen  aus  den  Schiefern  des  Rothliegenden  westlich  von  Hohen- 
elbe  in  Böhmen.  Zur  Untersuchung  auf  den  Gehalt  an  Phosphorsäure,  übergeben 
von  Herrn  Hofrath  Haidinger. 

Die  Untersuchung  ergab , dass  nicht  ganz  1 Procent  Phosphorsäure  darin 
enthalten  sei. 


12)  Graphit  von  Mährisch-Trübau.  Eingesendet  von  Herrn  Jos.  Sellner. 

Die  übergebene  Menge  Rohgraphit  (in  ungeschlemmtem  Zustande)  enthielt  18*2  Procent 
Asche.  Der  Graphit  selbst  ist  glänzend  und  mürbe. 

13)  Hydraulischer  Kalk  von  Steinbrück.  Eingesendet  von  Herrn  Sartori. 
Verschiedene  Proben  über  das  Festwerden  desselben  unter  Wasser  gaben 

sehr  befriedigende  Resultate. 

100  Theile  enthalten: 

Kieselsäure....  29*9  Kalk 61-2 

Thonerde 5-0  Magnesia 1*8 

Eisenoxyd 1*4  Alkalien 0*7 

14)  Braunstein  aus  dem  Belenyeser  Stuhlbezirk  im  Biharer  Comitat.  Ein- 
gesendet von  Herrn  Lediczky. 

Die  Probe  enthielt  88*6  Procent  Superoxyd. 

13)  Kupferkiese  von  Gross-Aupa.  Eingesendet  von  Herrn  Ni  et  sch. 

Die  Erze  bestehen  der  Hauptsache  nach  aus  Eisenkies  mit  einem  veränder- 
lichen Gehalt  an  Kupfer. 

Gefunden  wurde  Kupfer  in  100  Theilen: 

Nr.  1 0-5  Nr.  3 4-2 

„ 2 2 0 „ 4 2*3 

16)  Braunkohlen  von  Wolfsegg-Traunthal.  Eingesendet  von  Herrn  Schicht- 
meister Lorenz. 

Nr.  1.  Johann  Nepomukstollen,  Mundloch. 

» 2.  „ „ vor  Ort. 

» 3.  „ „ Verbindungsstrecke. 

„ 4.  Vincenzstollen,  Mitte. 

„ 3.  Josephastollen,  vor  Ort. 

„ 6.  „ in  der  Mitte. 

* 7.  „ 80  Klafter  vom  Mundloch. 


K.  k.  geologische  Reichsaastalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


68 


636 


Karl  Ritter  von  Hauer.  Arbeiten  in  dem  chem.  Laboratorium. 


Asche 
in  100 
Theilen 

Redueirte 
Gewiehts- 
theile  Blei 

Wärme- 

Einheiten 

Aequiralent  i 
30"  Klafter 
eben  Holzes 
Centner 

Nr.  1. 

"hmT 

15-20 

3435 

15-2 

„ 2. 

10-5 

16-00 

3616 

14-5 

» 3. 

16-6 

i4*90 

3367 

15  6 

„ 4. 

7-5 

16-80 

3796 

13-8 

* 5. 

8-4 

16-66 

3765 

13-9 

„ 6. 

8-0 

1700 

3842 

13-6 

» 7. 

131 

15-80 

3570 

14-7 

17)  Eisensteine  vom  Kohlberg  und  Kogelanger  in  Steiermark.  Analysirt  von 
Karl  v.  Hauer  und  Freih.  v.  Andrian. 

2*  | ^eU  eröffne*e  Bösche,  Kohlberg,  östlicher  Abhang. 

„ 3.  Kogelanger  Bau,  Nikolaistollen,  Schacht. 

„ 4.  Josephistollen,  westlicher  Abhang  des  Zeherkogels. 

„ 3.  Mariastollen  in  der  Hölle. 

„ 6.  Rösche  ober  dem  Mariastollen  in  der  Hölle. 

„ 7.  Kohlberg  nächst  der  Lacken. 

„ 8.  Kleine  Rösche  in  der  Lahn,  Himmelskogel,  westlicher  Abhang. 

„ 9.  Stollenfeldort  in  der  Lahn. 

„ 10.  Grosse  Rösche  in  der  Hölle. 

11  ) 

” 12  ( Samuelstollen  in  der  Hölle. 

„ 13.  Neue  Rösche  am  Kohlberg,  östlicher  Abhang. 

„ 14.  „ „ „ „ westlicher  Abhang. 

„ 15.  Kogelangerbau  am  unteren  Schacht. 

„ 16.  Kleine  Rösche  in  der  Hölle. 

„ 17.  Kohlberg  nächst  der  Lacken  links  von  der  grossen  Rösche. 


Unlöslich 

Eisenoxyd 
u.  kohlens. 
Eisen- 
oxydul 

Metall. 

Eisen 

Kohlens. 

Kalk 

Koblens. 

Magnesia 

Nr.  1. 

0-6 

34-9 

20-8 

61-2 

3-3 

„ 2. 

1-2 

30-6 

15-2 

49-7 

18-5 

» 3. 

27-8 

59-5 

320 

6-2 

6-5 

» 4. 

1-5 

53-5 

31-5 

42-4 

2-6 

» 3. 

0-6 

29-8 

16-8 

67-6 

20 

» 6. 

2-9 

37-2 

20-7 

59-9 

Spur 

,,  7. 

Spur 

70-8  9 

49-5 

17-3 

Spur 

» 8. 

37-5 

60-1 

35-3 

Spur 

2-4 

M 9. 

28-8 

47-6 

18-8 

22-5 

1-1 

„ 10. 

Spur 

51-3 

33-5 

43-5 

5-2 

„ 11. 

Spur 

51-1 

27-0 

36-4 

12-5 

„ 12. 

11-2 

25-6 

13-8 

45-8 

17-4 

» 13. 

3-6 

31-5 

18-3 

53-4 

11-5 

„ 14. 

0-9 

28-6 

16-6 

50-9 

19-6 

„ 15. 

3-7 

80-9 

40-3 

4-5 

10-9 

„ 16. 

4-9 

32-7 

21-7 

56-9 

5-5 

„ 17. 

Spur 

87-91) 

61-5 

Spur 

Spur 

i)  Nr.  7 und  17  sind  Brauneisensteine,  daher  sie  nur  Eisenoxyd  enthalten.  Ersterer  enthält 
ausserdem  11*5,  letzterer  12  Procent  Wasser. 


537 


V.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
gelangten  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petre- 

facten  u.  s.  w. 

Vom  16  August  bis  15.  Deeember  1862. 

1)  16.  August.  1 Schachtel,  3 Pfund.  Von  Herrn  Baron  Otto  Kornis  in 
Imregh  bei  Ujhely.  Opal  und  Chalcedon  zur  Untersuchung. 

2)  23.  August.  2 Kisten,  72  Pfund.  Von  Herrn  J.  Tronegger  in  Raibl. 
Pflanzen-  und  Fischreste  aus  den  Raibler  Schichten.  Angekauft. 

3)  26.  August.  1 Schachtel,  27  Loth.  Von  Herrn  F.  M.  Zach  in  Schram- 
bach bei  Lilienfeld.  Kalkstein  zur  Untersuchung  auf  den  Thongehalt. 

4)  29.  August.  1 Schachtel,  2 Pfund  29  Loth.  Von  Herrn  C.  Vogt  in 
Petrovagora.  Glimmererde  zur  Untersuchung. 

5)  30.  August.  1 Packet,  61/3  Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Greg.  Bucich 
in  Lesina.  Petrefacten  aus  den  Eocenschichten. 

6)  4.  September.  1 Kiste,  34  Pfund.  Von  Herrn  J.  Tronegger  in  Raibl. 
Pflanzen-  und  Fischreste  aus  den  Raibler  Schichten.  Angekauft. 

7)  11.  September.  1 Schachtel,  21/a  Pfund.  Geschenk  von  Frau  Albertine 
Szöllössy  von  Nagy-Szöllös  in  Oravitza.  Asbest. 

8)  20.  September.  1 Kiste,  23  Pfund.  Vom  k.  k.  Handelsministerium.  Braun- 
kohlen von  Warasdin  zur  Untersuchung. 

9)  26.  September.  1 Kiste,  26  Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Ludw.  Saemann 
in  Paris.  Jura  und  Kreidepetrefacten  aus  Frankreich. 

10)  6.  October.  1 Packet,  3 Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Baron  Louis 
v.  Ozegovic  in  Belskidol  in  Croatien.  Dolomitbreccie  mit  Spiegel. 

11)  5.  October.  1 Packet,  6ya  Pfund.  Von  Herrn  Franz  Unger  in 
Petschau.  Porzellanerde  zur  Untersuchung. 

12)  8.  October.  1 Packet,  20  Loth.  Von  Herrn  H.  Körmendy  in  Pinkafeld. 
Antimonerze  zur  Untersuchung. 

13)  8.  October.  1 Packet,  6 Pfund.  Von  Herrn  B.  M orgenstern  in 
Wien.  Steinkohlen  aus  Preussisch-Schlesien  zur  Untersuchung. 

14)  9.  October.  1 Kiste,  30  Pfund.  Vom  k.  k.  Militär-Verpflegsmagazin  in  • 
Wien.  Braunkohlen  aus  der  Gegend  von  Krems  zur  Untersuchung. 

13)  11.  October.  1 Packet,  16  Loth.  Von  Herrn  Hruschka  in  Mährisch- 
Trübau.  Graphit  zur  Untersuchung. 

16)  11.  October.  1 Kiste,  11  Pfund.  Von  Herrn  Eduard  Pauli,  k.  k.  Revier- 
förster in  Hryniawa  bei  Kutty  in  Galizien.  Mineralwasser  zur  Untersuchung. 

17)  13.  October.  1 Kiste,  32  Pfund.  Von  Herrn  Sapetza  in  Neutitschein. 
Petrefacten  aus  den  Stramberger  Schichten  und  aus  der  Kreide.  Angekauft. 

68  * 


338  Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w. 


18)  15.  October.  1 Packet,  102/3  Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Menzel  in 
Schönwald.  Krystallinische  Gesteine  aus  dem  Jeschken-  und  Isergebirge. 

19)  17.  October.  1 Packet,  4 Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Johann  Ma yer- 
hofer  in  Werfen.  Vier  Stück  Lazulith. 

20)  20.  October.  1 Packet,  41/3  Pfund.  Vom  k.  k.  General-Commando  in 
Hermannstadt.  Kohlen  zur  Untersuchung. 

21)  24.  October.  1 Schachtel,  15  Loth.  Von  Herrn  v.  Hohendorf,  k.  k. 
Bergcommissär  in  Teplitz.  Kohlen  zur  Untersuchung. 

22)  24.  October.  1 Packet,  11  Pfund.  Von  Herrn  Karl  Kolischer  in 
Stanislau.  Kohlen  von  Maydan  (Bukowina)  zur  Untersuchung. 

23)  24.  October.  1 Packet,  53/4  Pfund  von  der  Eisenwerks-Verwaltung  zu 
Mniszek  bei  Neu-Sandez.  Thoneisensteine  zur  Untersuchung. 

24)  26.  October.  Drei  Stück  Forellenstein  von  Gloggnitz.  Geschenk  von 
Herrn  Bergrath  Fr.  v.  Hauer. 

25)  27.  October.  1 Kiste,  18  Pfund.  Geschenk  von  Frau  Josephine  Kablik 
in  Hohenelbe.  Fisch-  und  Pflanzenabdrücke  aus  dem  Bothliegenden.  (Verhand- 
lungen. Sitzung  am  2.  December.) 

26)  10.  November.  1 Kiste,  22  Pfund.  Von  Joseph  Brunner  in  Bruck. 
Eisensteine  aus  dem  Tragössthale  zur  Untersuchung. 

27)  14.  November.  1 Kiste,  30  Pfund.  Von  Herrn  Plechingcr  in 
Ardaker.  Granit  mit  Pseudomorphosen  nach  Cordierit.  Angekauft.  (Verhandlun- 
gen. Sitzung  vom  16.  December  1862). 

28)  18.  November.  1 Kiste,  43  Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Kutsch ker 
in  Vils.  Petrefacten  aus  der  Umgegend  von  Vils. 

29)  18.  November.  1 Kiste.  Versteinerungen  und  Pflanzenabdrücke  aus 
der  Umgegend  von  Grossau  durch  Herrn  H.  Wolf  angekauft. 

30)  18.  November.  4 Stücke,  Geschenk  von  Herrn  Letocha  in  Wien. 
Pflanzenabdrücke  von  Lunz  und  Breitensee. 

31)  18.  November.  1 Kiste,  52  Pfund.  Von  Herrn  J.  Tr  onegger  in  Raibl. 
Fisch-  und  Pflanzenabdrücke  aus  den  Raibler  Schichten.  Angekauft. 

32)  23.  November.  1 Kiste.  Geschenk  von  Herrn  Max  L i 1 1 v.  L i 1 i e n b a c h. 
Gebirgsarten,  Erze  und  Hüttenproducte,  gesammelt  von  Herrn  k.  k.  Bergrath 
Al.  Rochel  in  Klein-Asien.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom  16.  December  1862.) 

33)  24.  November.  1 Schachtel,  3Ya  Pfund.  Von  Herrn  Ant.  Raab  v.  Ra- 
ben st  ei  11  in  Birtiny  in  Ungarn.  Kohlen  und  Eisensteine  zur  Untersuchung. 

34)  26.  November.  1 Kiste,  3 Pfund.  Geschenk  von  Herrn  Prof.  Domas 
durch  Herrn  Mich.  Simettinger  in  Mährisch-Trübau.  Tertiärpretrefacten  aus 
Jaromieritz.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom  2.  December  1862.) 

35)  4.  December.  1 Kistchen,  1 y4  Pfund.  Von  dem  Hochw.  Herrn  Jos. 
Reichenauer,  Caplan  in  Beneschau  bei  Kaplitz  in  Böhmen.  Glimmerschiefer 
und  Quarz  zur  Untersuchung. 

36)  9.  December.  1 Kiste,  331  Pfund.  Von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Fr. 
Foetterle.  Musterstücke  von  Braunkohlen  und  Basalt  aus  der  Umgegend  von 

• St.  Istvan  in  Ungarn. 

37)  10.  December.  1 Kiste,  33  Pfund.  Geschenk  von  der  k.  k.  Direction 
des  Waisenhauses  in  Hermannstadt.  Mineralien  von  verschiedenen  Fundorten  in 
Siebenbürgen. 

38)  Einsendungen  von  den  Sectionen  der  geologischen  Aufnahmen,  und  zw 

1 Packet,  8 Ya  Pfund,  aus  Section  I. 

13  Kisten,  701  „ „ „ II. 


839 


VI.  Verzeichntes  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

Vom  16.  August  bis  15.  üecember  1862. 


Albany«  Staats-Bibliothek.  Report  on  the  Geology  of  Vermont:  descriptive,  theoreti- 
cal,  economical  and  scenographical.  By  E.  Hitehcock,  E.  Hitehcock  jun. , A.  D. 
Hager,  C.  H.  Hitch  cock  etc.  Claremont  1861.  Vol.  I — II. 

Antwerpen.  Paläontologische  Gesellschaft.  Bulletin.  1862,  T.  I,  Nr.  6 — 1. 

Augsburg.  Naturhistorischer  Verein.  IS.  Bericht.  1861. 

Barry,  Sir  Redmond,  Kanzler  der  Universität  in  Melbourne.  Die  Colonie  Victoria  in  Australien ; 
ihr  Fortschritt,  ihre  Hilfsquellen  und  ihr  physikalischer  Charakter  etc.  Melbourne  1861. 

Batavia.  Naturfors  chende  Gesellschaft.  Acta.  Vol.  V,  VI,  18S9.  — Natuurkundige 
Tijdschrift.  Deel  XVIII,  XIX,  18S9;  XXIII,  1861. 

Berlin.  K.  Handel  sministerium.  Karte  über  die  Production,  Consumtion  und  Circula- 
tion  der  mineralischen  Brennstoffe  in  Preussen  während  des  Jahres  1860,  sammt 
Erläuterungen.  Berlin  1862.  — Official  Catalogue  of  the  Mining  and  Metallurgical 
products.  Class  I in  the  Zollverein  Dep.  of  the  International  Exhibition  1862.  Compiled 
under  the  immediate  Direction  of  Mr.  v.  Dechen  by  Dr.  Hermann  Wedding.  Berlin 
1862.  — Uebersicht  von  der  Production  der  Bergwerke,  Salinen  und  Hütten  in  dem 
preuss.  Staate  im  Jahre  1861.  — Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesen 
in  dem  preussischen  Staate.  Berlin  1862,  X,  2,  3. 

„ Deutsche  geologische  Gesellschaft.  Zeitschrift.  XIV.  Bd. . 2.  Heft,  1862. 

„ Gesellschaft  für  Erdkunde.  Zeitschrift  für  - allgemeine  Erdkunde.  XII,  3 — 6; 
XIII,  1—2,  1862. 

Bern.  Allgemeine  Schweiz.  Gesellschaft  für  die  gesammten  Naturwissen- 
schaften. Neue  Denkschriften.  Bd.  XIX  (2.  Dec.  IX.),  1862.  — Compte  rendu  de  la 
43.  session  reunie  a Lausanne  les  20 — 22  Aoüt  1861. 

Bianconi,  Joseph  Dr.,  Professor  an  der  k.  Universität  in  Bologna.  Del  calore  prodotto  per 
1’  attrito  fra  fluidi  e solidi  in  rapporto  colle  sorgenti  termali  e cogli  aeroliti.  Bologna 
1862. 

Bleek,  W.  H.  J.  Ph.  D.,  Capstadt.  A comparative  Grammar  of  South  African  Languages. 
Part  I.  Phonology.  1862. 

Böhmisch-Leipa.  K.  k.  Obergymnasium.  Programm  für  1861/62. 

Boston.  American  Academy  of  arts  and  Sciences.  Memoirs.  Vol.  VIII,  Parti, 
1861.  — Proceedings.  Vol.  V,  f.  31—48,  1861/62. 

„ Society  of  natural  history.  Proceedings.  Vol.  VIII,  f.  3—20,  1861;  Vol.  IX, 
f.  1—3,  1862. 

Botzen.  K.  k.  Gymnasium.  XII.  Programm.  1862. 

Braun,  Dr.  C.  Fr.  W.,  Professor  in  Bayreuth.  Ueber  Placodus  gigas  Ag.  und  Plac.  Andriani 
Münst.  Programm.  1862. 

Bregenz.  Vereins-Museum.  3.  Jahresbericht.  1861  — 1862. 

Breslau.  Schles.  Gesellschaft  für  vaterl.  Cultur.  39.  Jahresbericht.  1861.  — 
Abhandlungen,  phil.-hist.  Abth.  1862,  Heft  1,  2.  — Abtheilung  für  Naturwissenschaften 
m und  Medicin.  1861,  Heft  3;  1862,  Heft  1. 

Brünn.  K.  k.  mähr.-schles.  Gesellschaft  für  Ackerbau  u.  s.  w.  Mittheilungen, 
m 1862,  Nr.  33—58. 

Brüssel.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  Tome  XXXIII,  1861.  — 
Memoires  couronnes  et  memoires  des  savants  etrangers.  T.  XXX.  1858 — 1861.  — 
Memoires  couronnes  et  autres  memoires.  T.  XI,  XII,  1861.  — Bulletins.  T.  XI,  XII,  1861. 
— Annuaire  1862. 

Calcutta.  Geological  Survey.  Memoirs.  Vol.  III,  Parti,  1862.  — Annual  Report. 
Fifth  year,  1860/61.  — Memoirs.  Palaeontologia  indica.  I.  The  fossil  Cephalopoda 
of  the  cretaceous  Rocks  of  Southern  India.  By  H.  F.  Blanford.  1861. 

„ Asiatie  Society  of  Bengal.  Journal.  Nr.  4 de  1861 ; Nr.  1—2  de  1862. 


540  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstait  eingelanglen  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

Christiania.  K.  Universität.  Beskrivelse  over Jordbunden  i ringeriget.  Af  the  Kje- 
rulf.  1862.  — Beskrivelse  over  Jordbunden  i Hadeland.  Af  Th.  K j e r u 1 f.  1862.  — 
Ueber  den  Erzdistrict  Kongsbergs  von  Th.  Kjerul  f und  Tel.  Dahll.  1860.  — Geolo- 
giske  Undersogelster  i Bergens  Omegn  af  Th.  Hiort  dahl  oo  M.  Irgens  u.  s.  w.  1862. 
— Beskrivelse  over  Lophogaster  typieus.  Af  Dr.  M.  Sars.  1862.  — Die  Culturpflanzen 
Norwegens  beobachtet  von  Dr.  F.  C.  Sc  hü  bei  er.  1862. 

Chur.  Natur  forschende  Gesellschaft.  Jahresbericht.  VII.  1861/62. 

v.  Cotta,  Bernhard,  Professor  an  der  kön.  Bergakademie,  Freiberg.  Der  Pfundersberg  bei 
Klausen  in  Tirol. 

Darmstadf.  Gesellschaft  für  Erdkunde  u.  s.  vv.  Notizblatt.  1862,  Nr.  3 — 8. 

Delesse,  Professor  in  Paris.  Carte  agronomique  des  environs  de  Paris  (Extrait).  1862  Paris. 

Dijon.  Academie  imp.  des  Sciences.  Memoires.  Ser.  II,  T.  IX.  Annee  1861.  — Revue 
viticole,  annales  de  la  viticulture  et  de  l’oenologie  etc.  Ser.  II,  1862,  Nr.  1 — 6.  — Les 
vins,  les  eaux  de  vie,  les  alcools,  les  liqueurs  etc.  Rapports  par  C.  Ladrey.  Dijon 
1861. 

Dorpat.  Kais.  Universität.  Personal.  1.  Semester  1862.  — Indices  scholarum  1861. 
1862.  — Ueber  das  Rückenmark  und  einzelne  Theile  des  Gehirns  von  Esox  Lucius.  Diss. 
von  L.  Stieda.  1861.  — Zur  Statistik  und  Aetiologic  der  unter  dem  Landvolke  Liev- 
lands  am  häufigsten  vorkommenden  Augenkrankheiten , besonders  des  Trachoms.  Diss. 
von  C.  Weiss.  1861.  — Allgemeine  Beurtheilung  verschiedener  Methoden  die  Syphilis 
zu  behandeln.  Diss.  von  0.  v.  Kügelgen.  — Disquisitiones  des  intoxicatione  acuta 
phosphoro  effecta.  Diss.  Aut.  E.  Meyer.  1861.  — Ein  Beitrag  zur  feineren  Anatomie 
des  Rückenmarkes  von  Rana  temporaria  L.  Diss.  von  J.  Traugott.  1864.  — Versuch 
einer  Monographie  der  Cyprinoiden  Livlands.  Diss.  von  Dr.  Ben.  Nal.  D ybo  wski. 
1862.  — Ueber  Leukämie.  Diss.  von  M.  Ehrlich.  1862.  — Ueber  den  Einfluss  von 
Arzneimitteln  auf  die  Ausscheidung  von  Harnsäure.  Diss.  von  H.  V.  Bosse.  1862.  — 
Ueber  die  Einwirkung  des  Ammoniaks  auf  Quecksilberoxydulsalze.  Diss.  von  A.  Lösch. 
1862.  — Beiträge  zur  Kenntniss  des  Ueberganges  der  Kalk-  und  Magnesiasalze  ins 
Blut.  Diss.  von  B.  Körb  er.  1862.  — Ueber  die  Anwendung  der  Flexion  der  Extremi- 
täten bei  Behandlung  von  Aneurysmen  und  arteriellen  Blutungen.  Diss.  von  H.  Woge. 

1861.  — Mittheilungen  aus  der  Dorpater  gynäkologischen  Klinik.  Diss.  von  W. 
Leufner.  1862.  — Ueber  den  Uebergang  der  Ammoniaksalze  in  den  Harn.  Diss.  von 
J.  Loh  rer.  Dorpat  1862.  — Zur  localen  Anwendung  des  permanenten  Wasserbades. 
Diss.  von  A.  Frey  mann.  1862.  — Beiträge  zu  der  Lehre  vom  Uebergange  der  Harze 
in  das  Blut.  Diss.  von  E.  Sachs.  1862.  — Einiges  über  die  Ansichten,  welche  über  die 
Febris  remittens  in  Russland  herrschen.  Diss.  von  J.  Ucke.  1861.  — Die  Laparotomie 
bei  Darmocclusionen.  Diss.  von  R.  Heidinger.  1861.  — Ueber  die  schwefelbasischen 
Quecksilbersalze.  Diss.  von  R.  Palm.  1861.  — Bemerkungen  zu  den  beobachteten 
Hernien.  Diss.  von  N.  Beater.  1861.  — Das  Verhältnis  des  Nervus  vagus  zur  Herz- 
action. Diss.  von  R.  Grot.  1861.  — Beiträge  zur  Lehre  von  den  Geschwüren  des  Unter- 
schenkels. Diss.  von  0.  Ewers.  1861.  — Ueber  die  graue  Substanz  der  Hemisphären 
des  kleinen  Gehirns.  Diss.  von  E.  Rutkowski.  1861.  — Ueber  den  Nachweis  von 
Salpetersäure  im  Harn.  Diss.  von  E.  Wu  1 f f iu s.  1861.  — De  Diaphragmatis  usu  in 
respiratione.  Diss.  Auct.  A.  Lehwess.  1861.  — Beiträge  zur  Kenntniss  der  weiblichen 
Geschlechtstheilc  und  ihrer  Producte  bei  den  Vögeln,  Diss.  von  H.  E ck ert.  1861.  — 
Zur  Frage  über  die  Neutralisation  überschüssiger  Alkalien  im  Blute.  Diss.  von  A.  Traeh- 
tenberg.  1861.  — Das  Verbrechen  über  Kindertödtung.  Diss.  von  H.  Bar.  Kl e i st. 

1862.  — Beiträge  zur  Kenntniss  der  nichtzuckerführenden  Harnruhr.  Diss.  von  A.  An- 
dersohn. 1862.  — - Der  Rückstand  der  Leidener  Batterie  als  Prüfungsmittel  für  die 
Art  der  Entladung.  Diss.  von  A.  v.  Oettingen.  1862. 

Dublin.  K.  Gesellschaft.  The  Journal.  Nr.  24,  25,  1862. 

Emden.  Natur  forschende  Gesellschaft.  47.  Jahresbericht  1862.  — Kleine  Schriften 
IX,  1862. 

Erdmann,  0.  L.,  Professor  an  der  k.  Universität  in  Leipzig.  Journal  für  praktische  Chemie. 
Bd.  86,  Heft  5,  7,  8;  1862,  Nr.  13,  15—18;  Bd.  87,  Heft  1—5,  Nr.  17—21. 

Erlau.  K.  Gymnasium.  Programm  für  1860/61  und  1861/62.  — Schematismus.  1862. 

Evreux.  Societelibre  d’agriculture  etc.  Recueil  destravaux.  Ser.  III,  t.VI.  Annee  1859. 

Feltre.  K.  k.  Lyce  al-Gymnasiu  m.  Programma  per  1’  anno  scolastico  1862. 

Florenz.  Accademia  r.  dei  georgofili.  Rendiconti.  1862,  tr.  IV,  anno  II,  disp.  3,  4. 

S.  Francisco,  California.  Academy  of  natural  Science.  Proceedings.  1860,  f.  4 — 8. 

Gaudin,  Carl  Th.,  in  Lausanne.  Contributions  ä la  flore  fossile  italienne.  VI.  Mem.  Par 
Ch.  Th.  Gaudin  et  le  Marq.  C.  Strozzi.  Zürich  1862. 

Geinitz,  Dr.  H.  B.,  Director  des  k.  Mineralien-Cabinets  in  Dresden.  Ueber  Thierfährten 
und  Crustaceen-Reste  in  der  unteren  Dyas  oder  dem  unteren  Rothliegenden  der  Gegend 
von  Hohenelbe.  Dresden  1862.  (Separatabdruck.) 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  541 


Görlitz*  Oberlausitz.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Neues  Lausitz. 
Magazin.  Bd.  39,  Heft  1,  2;  Bd.  40,  Heft  1,  1862. 

Görz.  K.  k.  Ober-R  ealschule.  II.  Jahresbericht.  1862. 

Gotha*  J.  Perthes’  geographische  Anstalt.  Mittheilungen  über  wichtige  neue  Er- 
forschungen auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Peter  mann.  1862, 
VI— XI. 

Göttiugen.  K.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Abhandlungen.  X.  Band,  von 
den  Jahren  1861  und  1862. 

Gratz.  Steierm.  landsch.  Joanneum.  Personalstand  und  Vorlese-Ordnung  im  Studien- 
jahre 1863. 

„ Steierm.  landsch.  Ober-Realschule.  Personalstand  und  Vorlese-Ordnung  im 
Studienjahre  1862/63. 

„ K.  k.  steierm.  Lan  d w ir  th  s c haft  s- Ge  seil  sc  haft.  Wochenblatt.  XI.  Jahrgang 
1861/62,  Nr.  22—26;  XII.  Jahrgang,  1862/63,  Nr.  1-4. 

Halle.  Natur  forschende  Gesellschaft.  Abhandlungen.  VI,  2— 4;  VII,  1,  1861/62. 

„ Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Sachsen  und  Thüringen.  Zeit- 
schrift für  die  gesammten  Naturwissenschaften.  Jahrg.  1861,  XVIII;  Jahrg.  1862,  XIX. 

Hannover*  Gewerbe-Verein.  Mittheilungen.  Neue  Folge.  1862,  Heft  3 — 3. 

Heidelberg-.  Grossherzogliche  Universität.  Jahrbücher  der  Literatur.  7. — 10.  Heft, 
Juli  — October  1862. 

Hermannstadt.  Siebenb.  Verein  für  Natur  Wissenschaften.  Mittheilungen.  1862, 
Nr.  1—8. 

Innsbruck.  Ferdinandeum.  Zeitschrift.  10.  Heft,  1861.  — 29.  Bericht.  1860/61. 

Kästner , Leopold,  in  Wien.  Wiener  Eisenbahn-Courier.  Ein  Führer  für  Reisende  auf 
Eisenbahnen  und  Dampfschiffen.  Wien  1862,  April  — August,  October,  December. 

Kentucky.  Staatsregierung.  Fourth  Report  of  the  geological  Survey  in  Kentucky, 
made  during  the  years  1838  and  1839.  Frankfort  1861. 

Kiel.  Universität.  Schriften  aus  dem  Jahre  1861.  Bd.  VIII. 

v.  Kockseliarow , Nicol.,  kais.  russischer  Oberstlieutenant  u.  s.  w.,  St.  Petersburg. 
Ueber  den  Kotschubeit,  eine  neue  Klinochlor-Art.  (St.  Petersburg.  Mel.  phys.  et  chim.) 
— Materialien  zur  Mineralogie  Russlands.  III.  Bd.  St.  Petersburg  1838. 

Köln.  Reda  ction  des  „Berggeist“.  Zeitschrift  für  Berg-,  Hüttenwesen  und  Industrie. 
1862,  Nr.  64—100. 

Königsberg*  K.  Universität.  Verzeichniss  der  im  Winterhalbjahre  vom  13.  October 
1862  an  zu  haltenden  Vorlesungen.  — Amtliches  Verzeichniss  des  Personals  und  der 
Studirenden  für  den  Wintersemester  1862/63. 

Kopetzky,  Dr.  Benedict,  Lehrer  an  der  Communal-Ober-Realschule  auf  der  Wieden, 
Wien.  Ueber  die  Nothwendigkeit , das  naturhistorische  Princip  des  Mohs  in  der 
Mineralogie  beizubehalten.  Wien  1862. 

Kronstadt,  Handelskammer.  Protokoll  am  8.  August  1862. 

Laibach.  Verein  des  krain.  Landesmuseums.  Drittes  Jahresheft  1862. 

Lausanne*  Societe  vaudoise  des  Sciences  naturelles.  Bulletin.  1862, T.  VII, Nr. 49. 

Lea,  Isaac,  Präsident  der  Akademie  für  Naturwissenschaften,  Philadelphia.  Observations  on 
the  genus  Unio  etc.  Vol.  VIII,  Part  2.  — Check  List  of  the  Shells  of  North  America 
Unionidae.  — Remarks,  Descriptions  etc. 

Leipzig*  K.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Berichte.  1862,  Nr.  1,  2.  — P.  A. 
Hansen.  Darlegung  der  theoretischen  Berechnung  der  in  den  Mondtafeln  angewandten 
Störungen.  1 Abth.  Leipzig  1862.  — Messungen  über  die  Absorption  der  chemischen 
Strahlen  des  Sonnenlichtes,  von  W.  G.  H ank  el.  Leipzig  1862. 

„ Fürst!.  Jablonowsky’sche  Gesellschaft.  Preisschriften.  IX.  (V.  Böhm  er  t. 
Beiträge  zur  Geschichte  des  Zunftwesens.)  1862. 

Leonhard,  Gust. , Professor  in  Heidelberg.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geognosie 
u.  s.  w.  1862,  4.-6.  Heft. 

Lissabon.  Kön.  Akademie  d er  Wisse n sch afte n.  Portugaliae  Monumenta  historica  a 
seculo  VIII  post  Chr.  usque  ad  XV  etc.  Leges  vol.  I,  f.  2,  1838;  — Scriptores  vol.  I. 
f.  2—3,  1860/61.  — Memorias.  CI.  de  sc.  math.  N.  S.  T.  II,  I,  2,  1837/61.  - Anniaes 
das  sciencias  e letteras.  Sc.  mor.  T.  I,  Aug.  — Dec.  1837;  II.  Jan.  — Nov.  1838.  — 
Sc.  math.  T.  I,  Octob.  — Dec.  1837;  II.  Jan.  — Juni  1838. 

London*  Royal  Society.  Philosophical  Transactions.  Jahrg.  1830  1832,  vol.  143  — 151 

de  1853 — 1862.  — Abstracts  of  the  philosophical  Transactions  I — IV,  1800 — 1843;  — 
Proceedings,  vol.  V— XII,  Nr.  49,  1843—1862;  — Council  et  fellows  etc.  1861. 

„ R.  Geographical  Society.  Journal.  Bd.  XXXI,  1861.  — Proceedings.  Vol.  VI, 
Nr.  3,  4,  1862. 

„ Geological  Society.  The  Quarterly  Journal.  Vol.  XVIII,  P.  2,  3,  Nr.  70,  71,  1862, 
— Address  delivered  at.  the  anniversary  meeting,  on  the  21  of  February  1862  etc. 


542  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


London.  Linnean  Society.  Transactions.  Vol.  XXIII,  Part.  II,  1861.  — List.  1861. — 
Journal  of  the  Proceedings.  Botany.  Vol.  VI,  Nr.  21—23.  Zoology.  Vol.  VI.  21 — 32. 

St.  Louis,  Academy  of  Science.  The  Transactions.  Vol.  I,  Nr.  4,  1860. 

Ludwig,  Rudolph,  Bank-Directionsmitglied  in  Darmstadt.  Zur  Paläontologie  des  Urals. 
Actinozoen  und  Bryozoen  aus  dem  Carbon-Kalkstein  im  Gouvernement  Perm.  Cassel 
1862. 

Lüneburg,  Naturwissenschaftlicher  Verein.  11.  Jahresbericht.  1861. 

Madras.  Literary  Society.  Madras  Journal  of  Literature  and  Science.  Dec.  1861. 

Mailand.  Kön.  Institut  der  Wissenschaften.  Atti.  Vol.  III,  fase.  1 — 4,  1862.  — 
Memorie.  Vol.  VIII  (II.  Ser.  II),  fase.  7;  vol.  IX  (III  Ser.  II),  fase.  1,  1862. 

„ Societäitaliana  di  scienze  naturali.  Atti.  Vol.  III,  fase.  5;  vol.  IV,  fase.  1,  1862. 

Manchester.  Literary  and  philosop  hical  Society.  Memoirs.  Ser.  III,  Vol.  1,  1862.  . 
Proceedings.  Vol.  I,  Nr.  15  et  index;  vol.  II,  1860/62.  — Rules.  1861. 

Mantua.  K.  k.  Lyceal -Gymnasium.  Programma  pubblicato  alla  fine  dell’  anno 
scolastico  1862. 

Manz,  Friedrich,  Buchhändler  in  Wien.  Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hütten- 
wesen. Redigirt  von  0.  Freiherrn  v.  Hin  gen  au.  1862,  Nr.  32—50. 

Marcou,  Julius,  in  Boston.  Notes  on  the  Cretaceous  and  Carboniferous  Rocks  of  Texas. 
Boston  1861.  — The  Taconic  and  Lower  Silurian  Rocks  of  Vermont  and  Canada.  Boston 
1862.  — On  the  Primordial  fauna  and  the  Taconic  System  by  J.  Ba rran de.  With 
Additional  notes  by  J.  Marcou.  Boston  1860. 

Mischler,  Peter,  Dr.  J.  U.  et  Phil.,  Professor,  Prag.  Zur  Abhilfe  des  Nothstandes  im  Erz- 
und  Riesengebirge.  Gutachten  des  Central-Comite’s  zur  Förderung  der  Erwerbsthätig- 
keit  im  Erz-  und  Riesengebirge.  Prag  1862. 

v.  Morlot,  A.,  Professor  zu  Lausanne.  Lcfon  d’ouverture  d’un  cours  sur  la  haute  antiquite, 
fait  ä l’Academie  de  Lausanne  en  Nov.  et  Dec.  1860.  2.  edit.  Porrentruy  1862. 

de  Mortillet,  Gabriel,  in  Mailand.  Carte  des  anciens  glaciers  du  versaut  italien  des  alpes. 
— Notes  geologiques  sur  la  Savoye.  Nr.  1—5.  — Note  sur  le  cretace  et  le  nuinmuli- 
tique  des  environs  de  Pistoja  (Toscane)  1861.  — L’homme  fossile.  1862. 

Moskau.  Kais.  Naturfors'cher-Gesell schaft.  Bulletin.  Annee  1862,  Nr.  1,2. 

Mühlhausen.  Societe  industrielle.  Bulletin.  Aoüt  — Octobre  1862. 

München.  Kön.  Regierung.  Geognostische  Beschreibung  des  bayer.  Alpengebirges  und 
seines  Vorlandes.  Herausgegeben  auf  Befehl  des  kön.  bayer.  Staatsininisteriums  der 
Finanzen.  Ausgearbeitet  nach  seinen  im  dienstlichen  Aufträge  vorgenommenen  geogno- 
stischen  Untersuchungen  von  C.  W.  Gümbel,  k.  Bergmeister.  Gotha  1861.  — Geo- 
gnostische Karte  des  Königreiches  Bayern.  Herausgegeben  auf  Befehl  des  kön.  bayer. 
Ministeriums  der  Finanzen.  I.  Abth.  Das  bayerische  Alpengebirg  und  sein  Vorland,  in 
5 Bl.  und  1 Bl.  Gebirgsansichten.  Im  dienstlichen  Aufträge  aufgenommen  und  bearbeitet 
von  C.  W.  Gümbel.  Gotha  1861. 

„ Kön.  bayer.  Akademie  der  Wissenschaften.  Zum  Gedächlniss  an  J.  B.  Biot. 
Gesprochen  von  C.  Fr.  Pli.  von  Marti us,  1862.  — Gedächtnisrede  auf  Fr.  Tiede- 
mann.  Vorgetragen  von  Dr.  Th.  L.  W.  Bisch  off.  1862.  — Rede  in  der  öffentlichen 
Sitzung  am  28.  November  1861,  gehalten  von  J.  Freih.  v.  Liebig.  — Verzeichniss  der 
Mitglieder  1862.  — Zur  inneren  Mechanik  der  Muskelzuckung  und  Beschreibung  des 
Atwood’schen  Myographion.  Von  Prof.  Dr.  E.  Harless.  1862.  — Monographie  der 
fossilen  Fische  aus  den  lithographischen  Schiefern  Bayerns.  Bearbeitet  von  Dr.  A. 
Wagner.  1861.  — Ueber  einen  neuen  Respirations-Apparat.  Von  Dr.  M.  Petten- 
kofer.  1861.  — Ueber  Parthenogenesis.  Vortrag  gehalten  von  Dr.  C.  Th.  E.  v.  S i e- 
bold.  1862. — Sitzungsberichte.  1862,  I,  Heft  1—3. 

„ K.  Sternwart  e.  Annalen.  XI.  Bd.,  1862.  — Ueber  tägliche  Oseillation  des  Barometers, 
von  Dr.  J.  L a mnn  t.  München  1862. 

Nfancy.  Academie  de  Stanislas.  Memoires.  1861. 

IVeubramSeiiluirg.  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte.  Archiv.  16.  Jahr 
1862. 

v.  NIbwicki,  Constantin,  Bergwerksbesitzer  in  Prag.  Die  Wiedergewältigung  des  alten 
Kupferbaues  von  Graslitz  in  Böhmen.  Prag  1862. 

Palermo.  Societä  d’acclimazione.  Atti.  1862,  T.  II,  Nr.  6 — 9. 

Paris.  Ecole  imperiale  des  mines.  Annales  des  mines.  Ser.  VI,  T.  I,  Livr.  3.  1862. 

„ Societe  geologique  de  France.  Bulletin.  T.  XVIII,  f.  44 — 52  (4. — 10.  Sept. 
1861);  T.  XIX,  f.  21-45  (6.  Jan.  — 18  Avril  1862). 

Patellani,  Dr.  Ludwig,  Professor  in  Mailand.  Terza  ed  ultima  memoria  sul  cervello  ossi- 
ficato. 

Pauler,  Dr.  Theodor,  Rector  der  kön.  Universität,  Pest.  Szentivanyi  Marton  Jellemzese. 
1857.  — Szegedy  Jänos  Jellemzese.  1856.  — Az  Elevüles  Eszjogi  Alapja.  1859.  — 

A Kalözokrol.  1854. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  *>43 


Perrey,  Alex.,  Professor  in  Dijon.  Note  sur  les  tremblements  de  terre  en  1858,  1859.  — 
Documents  sur  les  tremblements  de  terre  et  les  phenomenes  voleaniques  aux  Moluques. 
Parte  I et  suppl.  III,  IV,  1857—1860. 

Pest.  Kön.  ung.  Universität.  Emlekbeszed  melyet  nehai  Märkfi  Samu  . . . . 1861  -ik  evi 
Sz.  Andras  hö  2 an  az  Egyetem  nagyobb  disztermeben  tartott  Schopper  György. 
1861.  — Beszedek  melyek  a mag.  kir.  Tudom.  egyelem  1861/62  tanevi  Rectora-es 
tanacsanak  Beiklaläsakor,  mindszenthö  1.  Tarlattak.  1861.  — Beszed  az  egyetemi 
segelyegyletek  üdvös  hatasarol.  Az  1861/62  tanevneck,  a mag.  kir.  Tud.-egyet.  Sz. 
Andräshö  elsejen  törtent  ünnepelyes  megnyitäsa  alkalmaval  mondotta  konek  Sandor. 

1861.  — Beszed  a mag.  kir.  eg.  Tud.  hat.  ezen  egyetem  ujjäalakitasänak  82.  emlek- 
napjän  1862.  ßz.  Ivänho  25.  Mondotta  de  Paul  er  Tidavar.  1862. 

„ K.  Ober -Realschule.  Programm  für  das  Schuljahr  1862  (ungar.). 

„ K.  ung.  naturwissenschaftliche  Gesellschaft.  A kträlyi  mag.  Termeszettu- 
domänyi  Tarsulat  közlönye  (folylatasa  az  elöbbi  evkönyveknek).  1862.  Harmadik  kötet. 
Elsö  Reszt. 

St.  Petersburg.  Kais.  Corps  der  Bergwerks-Ingenieure.  FopHbin  jKypHa^b, 
n3^aBeMbm  yueHbiM'b  komhtctom'b  Kopnyca  ropHbiXT,  HHJKeHepoB'B.  1858,  Nr.  7—12, 
1859,  1860,  1861,  1862,  Nr.  1—6. 

„ Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  III,  Nr.  12,  1861;  T.  IV, 
Nr.  1—9,  1862.  — Bulletin  T.  IV,  Nr.  3—6,  1862. 

„ Kais.  Gesellschaft  für  die  gesammte  Mineralogie.  Verhandlungen.  Jahrg. 

1862.  — Repertorium  der  Literatur  über  die  Mineralogie,  Geologie  u.  s.  w.  Russlands 
bis  zum  Schlüsse  des  XVIII.  Jahrhunderts.  Bearbeitet  von  E.  Berg.  1862. 

„ Kais,  geographische  Gesellschaft.  06rwiCHnTe./ibHaa  3anHCKa  kt»  KapT'h 
esponeHCKOH  Pocein  h KaBKa3CKaro  Kpaa  etc.  1861.  — KapTa  eBponeÄCKOH  Poccin  h 
KaBKa3CKaro  Kpaa  etc.  1662.  13  Bl. 

Philadelphia.  A c a d emy  of  natural  Science.  Journal.  Vol.  V,  Parti,  1862.  — 
Proeeedings.  Nr.  7 — 36,  1861;  Nr.  1—4,  1862. 

„ Amer.  Philos ophical  Society.  Transactions.  Vol.  XII,  Part.  1,  1862.  — Procee- 
dings.  Vol.  VI.  55,  57,  58,  1856/57;  VII.  64,  1860;  VIII,  65,  66,  1861. 
Franklin-Institute.  Journal.  Vol.  43,  Nr.  4 — 6,  April  — Juni  1862;  Vol.  44, 
Nr.  1—3,  Juli  — September  1862. 

Pilsen.  K.  k.  Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1862. 

Prag.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  „Lotos“,  Zeitschrift  für  Naturwissen- 
schaften. Juli  — September  1862. 

„ K.  k.  patriot.  Ökonom.  Gesellschaft.  Centralblatt  für  die  gesammte  Landes- 
cultur  und  — Wochenblatt  der  Land-,  Forst-  und  Hauswirthschaft  etc.  1862,  Nr.  33 — 50. 
— Verhandlungen  und  Mittheilungen.  1862,  Nr.  26 — 45. 

St.  Quentin*  Societe  academique  des  Sciences,  arts  etc.  Travaux  de  1860  a 1861. 
Ser.  III,  T.  III, 

Rhees,  Will.  J.,  in  Washington.  Manual  of  public  libraries,  Institutions  and  Societies  in  the 
United  States  and  British  Provinces  of  North  America.  Philadelphia  1859. 

Riga.  Naturforschender  Verein.  Correspondenzblatt.  XII.  Jahrgang,  1861. 

Rom.  Accademia  pont.  de’  nuovi  Lincei.  Atti.  Anno  XIV,  Sess.  4 — 7,1861 ; Anno  XV, 
Sess.  1—3,  1862. 

Rostock«  Mecklenb.  patriot.  Verein.  Landwirthschaftliche  Annalen.  1862,  Nr.  26 — 46. 
Saemann,  Geologe,  Paris.  Sur  les  Anomia  biplicata  et  vespertilio  Brocchi  par  MM.  L.  Sae- 
mannetTriger.  1861.  — Etudes  critiques  sur  les  Echinodermes  fossiles  du  coral-rag 
de  Trouville  (Calvados);  par  MM.  L.  Saemann  et  Aug.  Dollfus.  1861. 

Scharff,  Dr.  Friedrich,  Frankfurt  a.  M.  Der  kohlensaure  Kalk.  III.  Stuttgart.  1862. 
Schretter  v.  Wohlgemuthsheim,  Johann,  k.  k.  pens.  Rechnungsofficial,  Wien. 
Haubt  Mappa  von  dem  kays.  Bergwerckldrya  u.  s.  w.  von  der  kays.  Commission  entworffen, 
anno  1737.  (Man.).  — Entwurf?  in  den  Bergwerg  Idria  von  den  Neu  zu  erbauen  haben- 
den St.  Theresia  Hilft'  Schacht,  viererley  Project  sowohl  im  Grund  als  profill  vorge- 
stellet.  Dessine  par  A.  Mariny  dans  l’Illustre  Academie  imperiale  1795.  (Man.) 
Silliman,  B.,  Professor,  New-Haven.  American  Journal.  Nr.  99 — 101,  Mai  — Sept.  1862. 
Stichler,  A.  W.,  Regierungsrath  in  Quedlinburg.  Synopsis  der  Pflanzenkunde  der  Vorwelt. 
I.  Abth.  Die  gamopetalen  angiospermen  Dicotyledonen  der  Vorwelt.  Quedlinburg  1861. 
— Die  Bromeliaceen  der  Vorwelt.  Eine  Festgabe  u.  s.  w.  Quedlinburg  1860. 
Stockholm.  K.  Akademie  der  /Wissenschaften.  Handlingar.  III.  Bd.,  2.  Heft,  1860. 
Öfversigt  af  förhandlingar.  18.  Arg.  1861. 

Stuttgart.  Verein  für  vaterländische  Naturkunde.  Jahreshefte.  XVIII.  1862, 
Szigeth.  Helv.  Augsb.  Gymnasium.  Programm  für  1862  (ungar.) 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft, 


69 


544  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


Tajer,  Joh.,  Hochw.  bischöfl.  Consistorial-Registrator  und  Archivar,  Budweis.  Historisch- 
statistische Beschreibung  der  Diöcese  Budweis.  1862,  Heft  1 — 6. 

Teschen.  K.  k.  kathol.  Gymnafsium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862. 

Triest.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  1862. 

Upsala*  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Nova  acta  Ser.  III.  Vol.  VI,  f.  1,  1862. 

Venedig.  K.  k.  Lyceal-Gy mnasium  SS.  Gervasio  e Protasio.  Atti.  1862/63. 

„ K.  k.  Institut  der  Wissenschaften.  Memorie.  Vol.  X,  Parte  2,  1862.  — Atti. 
Ser.  III,  T.  VII,  disp.  7—9,  1862. 

Verona.  Accad.  d’agricol tura,  commercio  ed  arti.  Memorie.  Vol.  38,  39,1861/62. 

Vicenza.  K.  k.  Lyceal-Gy  mnasium.  11.  Programma  1862. 

Vinkovce.  K.  k.  Staats-Obergymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1862. 

Washington.  Kriegs-Departement.  Report  upon  the  Physics  and  Hydraulics  of  the 
Mississippi  River;  upon  the  Protection  of  the  Alluvial  Region  against  Overflow  etc.  etc. 
Prepared  by  Capt.  A.  A.  Humphreys  and  Lieut.  H.  L.  Ab  bot.  Philadelphia  1861. 

„ Smithsonian  Institution.  Annual  Report  of  the  Board  of  Regen  ts  showing  the  opera- 
tions  etc.  for  the  year  1860.  — Smithsonian  Museum  Miscellanea  1862.  — Catalogue  of 
Publications  1862.  — Smithsonian  Miscellanous  Collections.  1862,  Vol.  I — IV.  — Reports 
upon  the  Colorado  River  of  the  West,  explored  in  1857  and  1858  by  Lieut.  J.  C.  Ives. 
1861.  — Results  of  Meteorological  Observations,  made  under  the  Direction  of  the  U.  St. 
Patent  Office  and  the  Smithsonian  Institution  from  the  year  1854  to  1859  incl.  Vol.  1.1861. 

Wien.  K.  k.  Staats-Ministerium.  Reichsgesetzblatt  für  das  Kaiserthum  Oesterreich. 
Jahrg.  1862,  St.  25 — 41.  — Austria,  Wochenschrift  für  Volkswirthschaft  und  Statistik. 
Wien  1862,  Heft  33 — 50.  — Darstellung  des  Theiss- Regulirungs-Unternehmens  seit 
dem  Beginne  der  Arbeiten  im  Jahre  1846  bis  zum  Schlüsse  des  Jahres  1860.  Auszug  aus 
einem  Berichte  des Ministerialrathes Ritter  v.  Pasetti  an  Se.  Excellenz  Herrn  Ministerial- 
rath  Ritter  v.  Lasser.  Wien  1862.  — Übersichtskarte  des  Theissflusses  vom  Ursprung 
bis  zur  Mündung  in  die  Donau  mit  der  Darstellung  des  Standes  der  Regulirungsarbeiten 
an  diesem  Flusse  zu  Ende  des  Jahres  1860.  Gezeichnet  u.  lith.  von  St.  Weiss.  1861. — 
Notizen  über  die  Donau-Regulirung  im  österr.  Kaiserstaate  bis  zu  Ende  des  Jahres  1861. 
Mit  Bezug  auf  die  im  k.  k.  Staatsministerium  herausgegebene  Übersichtskarte  der  Donau. 
Verfasst  im  Aufträge  Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Ministerialrathes  Ritter  v.  Lasser 
vom  Ministerialrathe  Ritter  v.  Pas  etti.  Wien  1862.  — Karte  des  Donaustromes  inner- 
halb der  Grenzen  des  österreichischen  Kaiserstaates.  Herausgegeben  vom  k.  k.  Staats- 
ministerium. Unter  der  Leitung  des  k.  k.  Ministerialrathes  Ritter  v.  Pasetti.  Lief.  1 — 4. 

„ K.  k.  Marine-Ministerium.  Reise  der  österreichischen  Fregatte  „Novara“  um  die 
Erde  u.  s.  w.  Nautisch-physic.  Theil.  1.  Abth.  Wien  1862.  Mit  7 Karten. 

„ K.  k.  Hand  els-Ministerium.  Uebersicht  der  Verhältnisse  und  Ergebnisse  des  österr.* 
Bergbaues  im  Verwaltungsjahre  1861,  aus  den  Berichten  der  k.  k.  Berghauptmannschaften 
und  anderen  Montanbehörden.  Wien  1862. 

„ K.  k.  Dire  ction  der  administr  ati  ven  S tatistik.  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete 
der  Statistik.  1862,  X.  Bd.,  1.  Heft. 

„ K.  k.  Central-Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  Ueber- 
sichten  der  Witterung  im  Jahre  1861,  Jänner  — Mai. 

„ K ais.  A kademie  der  Wi  ss  e n scha  f t en.  Sitzungsberichte,  math.-naturw.  Classe. 
XLV.  Bd.,  3.-5.  Heft,  1862,  März  - Mai,  1.  Abth.;  5.  Heft,  2.  Abth.;  XLVI.  Bd., 
1.,  2.  Heft,  Juni,  Juli,  2.  Abth.  — Sitzungsberichte,  philos.-hist.  Classe.  XXXIX.  Bd., 
2.-5.  Heft;  XL.  Bd.,  1.,  2.  Heft,  1862,  Februar  — Juli. 

„ K.  k.  Ober- Realschule  in  derVorstadt  Landstrasse.  XI.  Jahresber.  für  1862. 

„ Doctoren-Collegium  d er  m edicinis  chen  Facultät.  Oesterr.  Zeitschrift  für 
praktische  Heilkunde.  1862,  Nr.  33 — 50. 

„ Akademischer  Leseverein.  Jahresbericht  über  das  Vereinsjahr  1861/62. 

„ Oesterr.  Ingenieur -Verein.  Zeitschrift.  XIV.  Jahrg.,  Heft  7 — 8,  1862. 

„ N.  0..  Gewerbe-Verein.  Verhandlungen  und  Mittheilungen.  1862,  Heft  10,  11. 

„ K.  k.  Lan  d wirth  schafts-Gesellschaft.  AUgem.  land-  und  forstwirtschaftliche 
Zeitung.  Redig.  von  Prof.  Dr.  Ar  enstein.  1862,  Nr.  24—35. 

„ Redaction  der  österr.  militärischen  Zeitschrift.  1862,  III.  Jahrg.,  III.  Bd., 
4.-6.  Lief.,  Heft  16-18;  IV.  Bd.,  1.-5.  Lief.,  Heft  19—23. 

Wisconsin.  Staatsregierung.  Report  on  the  geological  Survey  of  the  State  of  Wis- 
consin. Vol.  I.  J.  Hall  and  J.  D.  Whitney.  1862. 

Würzbwrg.  Physic.  Medicin.  Gesellschaft.  Naturwissenschaftl.  Zeitschrift,  in.  Bd., 
Heft  1,  1862.  — Würzburger  medicinische  Zeitschrift.  III  Bd.,  2,  3,  4,  5.  Heft,  1862. 

„ Landwirtschaftlicher  Verein.  Gemeinnützige  Wochenschrift.  1862,  Nr.  27 — 39. 

JZnaim.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Studienjahr  1862. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  15.  Jänner  1861. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Bitter  v.  Hauer  führt  den  Vorsitz.  Folgende 
Mittheilung  wird  vorgelegt: 

Herr  Director  W.  Hai  ding  er  hatte  im  Namen  der  k.  k.  geologischen 
Beichsanstalt  ein  Schreiben  an  Herrn  k.  k.  Regierungsrath  und  Ritter  Professor 
F.  X.  M.  Zippe  überreicht,  aus  Veranlassung  seines  an  dem  heutigen  Tage, 
15.  Jänner,  vollendeten  siebenzigsten  Lebensjahres,  von  ihm  selbst  und  den 
Mitgliedern  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  so  wie  von  den  Freunden, 
Freiherrn  v.  Hingenau,  Director  Hörnes,  Professor  S uess  gezeichnet,  als 
ein  Zeichen  der  Erinnerung,  Anerkennung  und  Verehrung,  namentlich  in  Bezug 
auf  die  hohen  Verdienste,  welche  sich  Herr  Professor  Zippe  um  die  mineralo- 
gischen Studien  überhaupt  seit  nahe  einem  halben  Jahrhunderte,  und  die  geolo- 
gische Kenntniss  des  Königreiches  Böhmen  erworben.  Ihm  verdanken  wir  nament- 
lich die  Mittheilung  im  Manuscripte  der  von  ihm  geologisch  colorirten  Kreybich’ 
sehen  Kreiskarten,  welche  uns  als  die  wichtigste  Grundlage  bei  unsern  ferneren 
Aufnahmen  Erleichterung  gewährten.  Herr  Professor  Zippe  hatte  einen  der 
Kreise  nach  dem  andern  für  die  von  Sommer  herausgegebene  statistisch- 
geographische Beschreibung  von  Böhmen  geologisch  untersucht,  in  dem  Werke 
beschrieben  und  die  oben  genannten  Karten  colorirt.  Die  Beschreibungen  wurden 
unter  andern  von  Leopold  v.  Buch  mit  grosser  Anerkennung  für  die  Karte  von 
Deutschland  benützt.  Vorbereitungen  zur  Herausgabe  der  Karten  scheiterten  in 
den  Schwierigkeiten  unser  jüngstvergangenen  Zeiten,  er  selbst  wurde  von  Prag, 
seinem  langjährigen  Sitze  erfolgreicher  Wirksamkeit,  erst  zur  Gründung  und 
Einrichtung  der  Montanistischen  Lehranstalt  als  Director  nach  Pribram,  dann 
als  Professor  an  die  k.  k.  Universität  nach  Wien  berufen,  wo  er  als  ursprüng- 
liches Mitglied  Kaiserlicher  Ernennung  bereits  der  k.  k.  Akademie  der  Wissen- 
schaften angehörte.  Gewiss  ist  Dankbarkeit  überall  eines  der  schönsten  mensch- 
lichen Gefühle,  und  eine  vielfach  wohlthätige  Uebung  ist  es,  auch  der  Ansprüche 
auf  Dank  in  Abschnitten  des  Lebens  zu  gedenken,  die  ihrerseits  selbst  als 
Abschlüsse  fester  Perioden,  in  runden  Summen  der  Jahre  gelten  können.  „Mit 
grösstem  Vergnügen  lese  ich  in  den  Zeitungen44  sagt  Haidinger  in  seinem 
Berichte  „dass  unserem,  mit  meinem  edlen  Freunde  Zi pp e gleich  alten  vater- 
ländischen Dichter  Grillparzer,  unserem  hochverehrten  Collegen  der  philoso- 
phisch-historischen Classe  von  der  Gesellschaft  der  „grünen  Insel44  ein  Fest 
gegeben  worden  ist.  Unsere  Aeusserung  hatte  einen  einfacheren,  stilleren  Ver- 
lauf, aber  sie  war  gewiss  nicht  minder  innig  in  Verehrung  und  Dankbarkeit  dem 
hochverdienten  Forscher.44 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  gab  eine  Schilderung  des 
Fogarascher  Gebirges,  das  ist  jenes  Theiles  des  südlichen  siehenbürgischen 
Grenzgebirges,  der  vom  Alt-Durchbruch  heim  Rothenthurm-Pass  ostwärts  fortzieht 


K.  k.  geologische  ReichsanstaU.  12.  Band,  1861  und  1862,  Verhandlungen, 


a 


2 


Verhandlungen. 


[2] 


bis  zum  Königstein  und  zum  Rand  der  Burzenländer  Ebene  bei  Kronstadt.  Auf 
eine  Länge  von  ungefähr  12  Meilen  von  West  nach  Ost  fortstreichend,  erhebt 
sich  dieses  Gebirge  rasch  aus  dem  tiefen  Einschnitt  des  Altthales  und  bildet  eine 
Reihe  imposanter  Hochgipfel,  wie  den  Surul  (1200  Klafter),  den  Negoi  den 
höchsten  Berg  Siebenbürgens  (1331  Klafter),  den  Vurfu  Ourla  (1299  Klafter) 
u.  s.  w.,  die  durch  nur  sehr  wenig  tief  eingesenkte  Sättel  von  einander  getrennt 
sind.  Der  Abfall  des  Gebirges  gegen  Norden,  gegen  das  siebenbürgische  Mittel- 
land ist  ein  sehr  rascher.  Die  Breite  der  gesammten  Bergmasse  von  dem  Kamm 
bis  zur  Ebene  des  Altthales  beträgt  nicht  mehr  als  \ x/z  his  2 Meilen  in  der  Luft- 
linie; beträchtlich  breiter  ist  er  dagegen  nach  Süden  gegen  die  Wallachei  zu. 
Eine  sehr  auffallende  Erscheinung  ist  die  ausserordentlich  grosse  Zahl  schmaler, 
durch  wasserreiche  Parallelthäler  geschiedener  Querjoche,  welche  von  dem 
Gebirgskamm  gegen  Norden  auslaufen. 

Was  die  geologische  Zusammensetzung  des  Gebirges  betrifft,  so  besteht  es 
ganz  und  gar  aus  kristallinischen  Gesteinen,  von  denen  Glimmerschiefer  gegen 
alle  übrigen  weitaus  vorwaltet.  Gneiss  ist  in  etwas  grösserer  Erstreckung  nur  an 
dem  östlichsten  Ende  der  Kette  am  Westfuss  des  aus  Jurakalk  bestehenden  und 
schon  zum  Persanyer  Gebirge  gehörigen  Zeidner  Berges  bis  über  Holbach  hinaus 
bekannt,  bildet  aber  sonst  auch  unbedeutendere  Einlagerungen  an  verschiedenen 
Stellen,  ebenso  wie  Hornblendeschiefer,  Talkschiefer,  Chloritschiefer  u.  s.  w. 
Mächtige  Einlagerungen  von  körnigem  Kalkstein  kennt  man  in  dem  westlichen 
Theile  in  den  Sebesthälern , wo  dies  Gestein  die  Lagerstätte  von  schönen 
Tremolith  - Krystallen  bildet,  und  am  Surul  - Gebirge.  Weniger  mächtige  und 
weniger  reine,  dagegen  aber  durch  ihre  Bleiglanzführung  ausgezeichnete  Lager, 
Linsen  und  Stöcke  Von  krystallinischem  Kalkstein  linden  sich  ferner  auch  am 
östlichen  Ende  der  Kette,  namentlich  in  der  Umgegend  von  Zernest.  Herrn 
Meschendörfer,  dessen  fleissige  und  dankenswerthe  Untersuchungen  bereits 
so  Vieles  zur  Kenntniss  der  Gesteine  des  Burzenlandes  beitrugen,  verdanken  wir 
Nachrichten  über  das  Vorkommen  von  Granit  und  Syenit,  welche  am  Berg  Sutülor, 
in  la  Baja,  und  tiefer  unten  im  Thale  der  Burza  ferului  die  Schiefergesteine 
durchbrechen.  Länger  bekannt  schon  sind  die  eruptiven  Porphyre  in  der  Um- 
gegend von  Neusinka  und  Holbach,  welche  mit  den  dortigen  Bleierzvorkommen  in 
einem  unzweifelhaften  Zusammenhänge  stehen. 

Bezüglich  des  Alters  der  Hebung  des  Fogarascher  Gebirges  hat  schon  Herr 
Dr.  Andrae  auf  den  Umstand  aufmerksam  gemacht,  dass  die  Eocenschichten  von 
Portsest,  die  dem  Glimmerschiefer  unmittelbar  aufgelagert  sind,  so  wie  dieser, 
aber  unter  einem  weniger  steilen  Winkel  nach  Norden  fallen  und  daraus  geschlos- 
sen , dass  die  letzte  Hebung  des  Gebirges  erst  nach  der  Ablagerung  der  Eocen- 
schichten erfolgte.  Am  Eingänge  des  Thaies  von  Ober-Sebes,  so  wie  an  jenem 
von  Frek  beobachtete  aber  Herr  v.  Hauer  auch  die  jüngeren  Tertiärschichten 
noch  gehoben  und  nach  Norden  einfallend,  so  dass  die  letzte  Hebung  wenigstens 
im  westlichen  Theile  der  Fogaras'cher  Kette  in  die  Zeit  zwischen  der  Ablagerung 
dieser  Schichten  und  jener  der  horizontalen  Diluvialterrassen  des  Altthales  fallen 
muss. 

Weiter  berichtete  Herr  Fr.  v.  Hauer  über  die  Ergebnisse  einer  commis- 
sioneilen Berathung,  welche  unter  der  Leitung  des  Herrn  Bürgermeisters  Dr.  Frei- 
herrn von  Seil ler  und  unter  Zuziehung  auch  einiger  Mitglieder  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  darüber  entscheiden  sollte,  welche  Gattung  von  Bausteinen 
zum  Wiederaufbau  des  abgetragenen  Theiles  des  St.  Stephansthurmes  verwendet 
werden  sollte.  In  der  Werkstätte  des  Herrn  Steinmetzmeisters  Franz  Pranter, 
wo  die  Berathung  gepflogen  wurde,  waren  zugehauene  Muster  der  verschiedenen 


Sitzung  vom  15.  Jänner  1861.  v.  Hauer.  M.  V.  Lipoid. 


3 


[3] 


Gesteinsgattungen,  welche  dabei  in  Frage  kommen  konnten,  vorbereitet.  Es  waren 
durchaus  Kalksteine  der  Neogenformation  und  zwar  theils  Leithakalke,  theils 
Cerithienkalke.  Diese  Steine,  namentlich  die  sandigen  Varietäten,  wie  die  von 
Margarethen,  werden  von  den  hiesigen  Bautechnikern  allgemein  als  Sandsteine 
bezeichnet,  was  mit  dem  Sprachgebrauch  der  Geologen  nicht  ganz  übereinstimmt. 
Man  erkannte  darunter  den  Leithakalk  von  Wollersdorf  und  den  sogenannten 
Zeinler-Kaiserstein  als  die  besten  Bausteine,  die  jedoch  ihres  grösseren  Gewichtes 
(vom  ersteren  wiegt  ein  Kubikfuss  bei  130  Pfund)  und  auch  der  Schwierigkeit 
der  Bearbeitung  wegen  nur  wo  es  unbedingt  erfordert  wird  in  Anwendung  zu 
bringen  wären.  Im  Uebrigen  soll  nur  Magarethener  Stein,  von  dem  bei  hinreichen- 
der Festigkeit  und  grösserer  Leichtigkeit  der  Bearbeitung  ein  Kubikfuss  gegen 
116  Pfund  wiegt,  verwendet  werden.  Da  ein  Kubikfuss  Wasser  36*4  Pfund  wiegt, 
so  stellt  sich  nach  diesen  Angaben  das  specifische  Gewicht  respectiv  auf  2-67 
und  2*03,  ersteres  nahe  dem  festen  dichten  Kalkstein  von  2*7,  letzteres  des 
porösen  Zustandes  wegen  viel  niedriger.  Ursprünglich  war  der  Stephansthurm 
bekanntlich  aus  dem  Leithakalke  (Nulliporenkalk)  von  Zogelsdorf  bei  Eggen- 
burg gebaut;  dieser  Stein  scheint  jedoch  viel  mehr  der  Verwitterung  zu  unter- 
liegen als  jener  von  Magarethen. 

Noch  theilte  Herr  v.  Hauer  aus  einem  von  Herrn  k.  bayer.  Bergmeister 
Gümbel  in  München  erhaltenen  Schreiben  die  folgenden  Stellen  mit: 

„Von  Ihrem  interessanten  Scaphites  multinodosus  der  Gosaubildung  liegen 
mir  vom  Gehrhartsreitergraben  bei  Siegsdorf  unweit  Traunstein  sechs  vollständig 
erhaltene  Exemplare  und  eine  Menge  einzelner  Bruchstücke  vor.  In  der  That  ist, 
wie  Sie  verrnutheten,  der  erste  Knoten  in  Ihrer  Abbildung  ungefähr  der  erste  aüf- 
tretende,  doch  sind  die  nach  dem  beknoteten  Theil  der  Windung  nach  innen  zu 
folgenden,  mit  starken,  zahlreichen  Sichelfalten  bedeckten  Theile  gegen  den  Bücken 
zu,  an  den  Falten  in  der  Bichtung  der  Knoten  immer  etwas  angeschwollen;  die 
Knoten  an  der  Bauchseite  gegen  die  Mündung  zu  sind  in  der  Begel  so  vertheilt, 
dass  zwei,  die  stärksten  nach  innen,  oder  hinter  dem  Theile  stehen,  wo  die  feine 
Faltung  am  Mundsaum  beginnt,  zwei  schwächere  innerhalb  des  feingefalteten 
Theiles,  und  hinter  den  zwei  grössten  Knoten  nach  innen  sind  mit  abnehmender 
Stärke  jede  grössere  Falte  auch  an  der  Bauchseite  etwas  erhöht.  Der  Bücken 
zwischen  den  Knoten  ist  fast  flach,  fein  quergestreift.  Damit  kommen  kleine 
Exemplare  mit  weitem  Nabel  vor,  die  ich  für  junge  Individuen  halte,  und  eine  zw  eite 
Art  mit  ziemlich  gleichförmigen  Sichelfalten  und  ohne  Knoten.  An  Sc.  multino- 
dosus sehe  ich  am  feingefalteten  Mundtheil  keine  kleinen  Knötchen  am  Rücken.  Ob 
diese  Art  denn  doch  nicht  mit  Sc.  codstrictus  identisch  ist?  Von  derselben  Loca- 
lität  habe  ich  38  Species  Gasteropoden  und  Bivalven,  viele  neue  Arten,  einige  der 
von  Zekeli  beschriebenen  Formen,  ausserdem  eine  Menge  Foraminiferen.44 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  zeigte  einige  Fossilreste  aus  Mähren  vor, 
welche  der  fürsterzbischöfliche  Bauingenieur  von  Kremsier,  Herr  J.  Biefel,  als 
Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingesendet  hatte.  Es  befanden 
sich  darunter:  Zähne  und  ein  Kinnstück  von  Rhinoceros , wahrscheinlich  Rh. 
tichorhinus,  aus  dem  Diluviallehme  (Löss)  der  Ziegelei  nächst  Mügglitz;  Pecti- 
niten  und  Pflanzen  aus  dem  Quadersandsteine  der  Kreideformation  nächst  Mole- 
tein; Terebratula  Tichaviensis  Suess  und  Pectiniten  aus  den  jurassischen  „Stram- 
berger  Schichten44,  welche  in  Blöcken  zu  Palkowitz  bei  Mistek  vorgefundeu 
werden;  Ammonites  polyplocus  von  Adamsthal  aus  den  weissen  Juraschichten, 
die  bei  Olomuczan  auftreten;  Lcpidodcndron  aculeatum  Sternb. , Sigillaria 
gracilis  Brongn.,  Sig.  Knorr i Rrongn und  Calamites  communis  Ettingsh.  aus 
dem  Steiukohlenbaue  zu  Orlau  im  Ostrauer  Steinkohlenbecken;  endlich  eine  neue 


a 


Verhandlungen. 


4 


M 


Species  von  Sphenopteris  aus  den  Dachschiefern  der  unteren  Steinkohlenfor- 
mation ( Culm ) von  Tyrn  nächst  Fulnek. 

Herr  Bergrath  Lipoid  sprach  dem  Herrn  Ingenieur  Biefel,  welchem  bei 
seinen  Bereisungen  vielfach  Gelegenheit  zu  Sammlungen  von  Fossilien  geboten 
ist,  im  Namen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  den  verbindlichsten  Dank  auch 
für  das  obenerwähnte  werthvolle  Geschenk  aus. 

Herr  Karl  Ritter  v.  Hauer  theilt  die  Ergebnisse  der  Elementar-Analysen 
eines  Harzes  mit,  welche  Herr  Richard  Maly  in  dem  chemischen  Laboratorium  des 
Herrn  k.  k.  Professors  Redtenbacher  ausgeführt  hatte,  und  die  ihm  zu  diesem 
Zwecke  freundlichst  übergeben  worden  waren.  Es  ist  dies  eine  von  jenen  vielen 
harzartigen  Verbindungen , welche  in  Tertiärschichten , namentlich  mit  Braun- 
kohlen Vorkommen,  und  auch  dieses  ist  aus  der  Braunkohlenformation  der  Umge- 
gend von  Drury  und  Hunua  in  der  Provinz  Auckland  in  der  nördlichen  Insel  von 
Neuseeland,  woher  es  Herr  Prof.  Dr.  v.  Hochstetter  auf  der  Novara-Expe- 
dition  aufgesammelt.  Es  ist  amorph,  mit  muschligem  Bruche,  von  dunkler  gelblich- 
grauer Farbe,  halb  durchsichtig,  Fettglanz,  spröde,  Härte  = 2,  Gewicht  = 1034 
bei  12°  R.,  durch  Reiben  wird  es  stark  elektrisch,  und  behält  die  erlangte  Elek- 
tricität  durch  mehrere  Stunden  bei.  Brennt  am  Lichte  mit  lebhaft  gelber  russen- 
der  Flamme.  Auf  Platinblech  erhitzt,  entwickeln  sich  weisse  Dämpfe  noch  "vor 
dem  Schmelzen,  und  die  Entzündung  folgt  unmittelbar,  so  dass  kein  Schmelz- 
punkt bestimmt  wurde.  Zur  Ermittelung  der  Zusammensetzung  wurden  reine 
heller  gefärbte  Stücke  bei  100°  C.  getrocknet. 

Drei  Analysen  gehen  folgende  Zahlen: 


1.  0 287  Grm.  geben:  0 807  Grm.  Kohlensäure,  0 271  Grm.  Wasser. 

2.  0-279  „ „ 0-782  „ „ 0-266  „ 

3.  1-336  „ „ 0-946  „ „ 0-321  „ 

Gefunden  Berechnet 

C 1.76-64  2.76-41  3.76-53  76-53  Mittel  32  76-65 

H 10-56  10-59  10-58  10-48  „ 26  1038 

0 — — — — — 4 12-78 

Asche  — — — — — — 019 

100-00 

Es  ist  ein  an  Sauerstoff  sehr  reiches  Harz,  dessen  Zusammensetzung  durch 
C32 f^26  O4  ausgedrückt  werden  kann,  während  Bernstein  C10HsO  ist  mit  den 
Verhältnissen  von  C78-82,  H 10-23,  010*95.  Es  steht  ihm  in  mineralogischer 
Beziehung  sehr  nahe.  Es  ist  in  Alkohol,  Aether,  einem  Gemenge  beider,  in  Ter- 
pentinöl, Benzol,  Chloroform,  Aetzkali,  in  verdünnten  Säuren,  selbst  in  Siedhitze 
fast  ganz  unlöslich.  Schwefelkohlenstoff  löst  das  meiste  davon  auf  und  lässt  das 
Gelöste  als  eine  weisse  durchscheinende  amorphe  Masse  zurück.  Concentrirte 
Salpetersäure  zersetzt  es  nach  mehrstündigem  Kochen,  und  aus  der  orangerothen 
Flüssigkeit  scheidet  sich  beim  Verdunsten  eine  gelbe  klebrige  Masse  ab,  nebst 
mikroskopischen  Krystallen  in  ganz  geringer  Menge  dem  Aschengehalt  entspre- 
chend. Dieser  wurde  an  einer  Menge  von  3-15$  Gramm  Harz  bestimmt,  durch 
Verbrennung  im  Platintiegel.  Es  blieben  0 006  Gramm  Asche  = 0-19  Procent. 
In  derselben  nachgewiesen  Eisen,  Kalk  und  Natron.  Mit  Aetzkali  geschmolzen, 
bräunt  es  sich  und  schwimmt  dann  als  zähe,  schwarze  Masse  auf  demselben, 
welches  keine  krystallisirbare  Substanz  daraus  aufnimmt.  Nach  Herrn  Professor 
v.  Hochstetter’s  freundlicher  Mittheilung  kommt  dieses  Harz  oft  in  kopfgrossen 


Sitzung  vom  15.  Jänner  1861.  v.  Andrian.  G.  Stäche. 


[S] 


5 


Stücken  in  den  dortigen  Braunkohlen  etwa  20  englische  Meilen  südlich  von  Auck- 
land  vor,  und  wird  dort  oft  mit  dern  eigentlichen  Kauri-Harz  verwechselt,  wenig- 
tens  mit  demselben  Namen  bezeichnet,  obwohl  das  letztere  von  der  Neuseelandfichte 
Dammarct  australis  stammt,  welches  einen  grossen  Ausfuhrs-  und  Handelsartikel 
bildet,  und  allenthalben  in  der  Provinz  Auckland  ausgegraben  wird,  wo  einst 
Kauri-Wälder  standen , welche  auch  heute  noch  zahlreich  sind,  und  eben  das 
Harz  frisch  liefern.  Bei  der  grossen  Aehnlichkeit  mit  Bernstein  wird  hier  für  das 
fossile  Harz  der  specifische  Name  Ambrit  vorgeschlagen.  Ein  Exemplar  der 
schönen  Braunkohle  von  Drury  in  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  enthält 
auch  eine  kleine  Partie  des  Harzes  eingewachsen. 

Herr  F.  Freiherr  v.  Andrian  legte  die  von  ihm  während  des  Sommers  1860 
als  Sectionsgeologe  der  I.  Section  angefertigte  Karte  eines  Theiles  des  Kaufimer 
und  Taborer  Kreises  vor.  Das  Gebiet  besteht  zum  grössten  Theil  aus  Gneiss,  wäh- 
rend der  westliche  Theil  von  Granit  — die  Fortsetzung  des  grossen  von  Klattau 
bis  Ondrejow  reichenden  Zuges  — eingenommen  wird.  Die  Formation  des  Roth- 
liegenden  zieht  sich  von  Böhmisch-Brod  bis  Skalitz,  weiter  nach  Süden  ist  sie 
nur  in  einer  kleinen  Partie  bei  Diwischau  bekannt.  Der  Löss  nimmt  einen  gros- 
sen Theil  der  nördlich  von  Kohljanowitz  gelegenen  Oberfläche  ein;  ferner  bei 
Poric,  Beneschau  bis  Marsowitz , obwohl  hier  bei  der  grösseren  Mannigfaltigkeit 
der  Oberflächengestaltung  vielfach  unterbrochen.  Auch  die  südlichen  Ausläufer 
der  Quaderformation  sind  bei  Lhotta  und  in  Stehlin  (N.  Zbraslawitz)  zu 
beobachten,  doch  ist  letzteres  Vorkommen  ein  Vereinzeltes,  in  keinem  sichtbaren 
Zusammenhänge  mit  der  weit  nördlicher  verlaufenden  Südgrenze  dieser  For- 
mation stehend. 

Es  wurden  ferner  einige  Einzelnheiten  des  Gneissgebirges  näher  beschrie- 
ben. Der  Gneiss  besteht  aus  drei  wohl  erkennbaren  Varitäten,  dem  grauen,  dem 
sogenannten  Granitgneiss,  und  dem  rothen,  dessen  Constatirung  in  so  ferne 
am  meisten  Interesse  darbietet,  als  seine  Entstehung  wohl  sicher  abweichend  von 
dem  der  übrigen  Gnoissarten  ist,  wie  die  schönen  Forschungen  von  Herrn 
Jokely  nachgewiesen  haben.  Als  Regel  für  die  Lagerungsverhältnisse  des  Ge- 
biets muss  oft  westliches  Streichen  mit  nördlichem  Verflächen  bezeichnet  werden. 
— Hornblendeschiefer  bilden  im  Bereiche  des  Gneisses  ziemlich  constante 
Zonen  von  bedeutender  Mächtigkeit.  Damit  im  Zusammenhänge  scheint  das 
häufige  Auftreten  krystallinischen  Kalkes  zu  stehen,  dessen  Vorkommen  in 
den  meisten  Fällen  an  die  Grenze  von  Hornblendegesteinen  mit  Gneiss  fällt 
(Sternberg,  Ratay),  während  allerdings  andere  wichtige  Aufschlusspunkte  dieses 
Gesteins  auch  ganz  in  das  Gebiet  des  „grauen“  Gneisses  fallen. 

Endlich  wurde  noch  des  häufigen  gang-  und  lagerförmigen  Auftretens  von 
Graniten  innerhalb  des  Gneissgebietes  gedacht.  Es  sind  theilweise  „weisse 
feinkörnige“  Granite,  theils  grobkörnige  Turmalingranite,  welche  zum 
grössten  Theil  aus  sehr  gut  ausgebildeten  Oligoklaskrystallen  bestehen.  Im  Klei- 
nen lassen  sich  viele  Beispiele  einer  durch  den  Granit  hervorgebrachten  Bie- 
gung der  Gneisschichten  beobachten,  und  im  Grossen  besonders  im  Sazawa-  und 
Wostrower  Thale,  während  in  vielen  Fällen  eine  „lagerartige“  Einfügung  in 
die  Gneissschieferung  durch  den  Augenschein  bewiesen  ist. 

Serpentinvorkommen  sind  in  dem  Gebiete  zwei  bekannt,  das  eine  bei 
Maleschau,  schon  früher  beschrieben,  das  andere  im  Zeliwka-Thale  südlich  von 
Zruc.  Beide  kommen  im  deutlichen  Gneisse,  in  keinem  Zusammenhänge  mit  den 
sonst  so  mächtig  entwickelten  Hornblendeschiefern  vor. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  berichtet  über  die  älteren  Tertiärbildungen  im  nord- 
westlichen Siebenbürgen. 


6 


Verhandlungen» 


[6] 


Die  Hauptverbreitung  haben  diese  Schichten  am  Rande  des  das  ganze 
Siebenbürger  Tertiärbecken  umschliessenden  krystallinischen  Gebirges.  Im  Nord- 
westen des  Beckens  bilden  sie  von  Magyar  Leta  aus  über  Gyalu , Banfy  Hunyad, 
Butscbum  (Värmezö)  und  weiterhin  längs  der  Ostgehänge  des  Meszesgebirges  fort- 
setzend bis  an  die  Szamos  bei  Sibo  und  dieselbe  durchsetzend  bis  Magyar-Lapos  einen 
bald  breiteren  bald  verschmälerten  Zug,  der  sich  dicht  an  das  in  dieser  ganzen 
Erstreckung  nur  mit  geringer  Unterbrechung  zu  Tage  tretende  krystallinische 
Schielergebirge  anlehnt.  Jedoch  auch  weiter  im  Inneren  der  Nordwestbucht 
des  Beckens  treten  Schichten  zu  Tage,  die  noch  der  älteren  Tertiärzeit  angehören. 
Sie  sind  theilweise  schwer  von  den  sie  bedeckenden  jüngeren  Sanden  und  Sand- 
steinen zu  unterscheiden,  weil  sie  fast  durchaus  versteinerungsleer  sind.  Sie 
lassen  sich  jedoch  im  Allgemeinen  durch  die  scharf  ausgesprochene  Schichtung 
und  die  grössere  Festigkeit  der  mit  Mergelschichten  wechselnden  festen  Sand- 
steinbänke noch  ziemlich  gut  trennen,  wenn  sie  in  grösseren  zusammenhängenden 
Partien  auftreten. 

Im  Gegensatz  zu  diesen  versteinerungsleeren  sind  die  längs  des  Randes  auf- 
tretenden Eocenschichten  durch  zahlreiche  organische  Fossil-Reste  ausgezeichnet, 
und  es  lassen  sich  innerhalb  des  ganzen  Complexes  besondere  durch  verschieden- 
artige Petrefacte  charakterisirte  Unterabtheilungen  erkennen.  Jedoch  ist  es  bei 
einer  allgemeinen  Durchforschung  und  hei  wenig  günstigen  Lagerungsverhält- 
nissen nicht  bei  jeder  dieser  unterscheidbaren  Unterabtheilungen  möglich  gewesen, 
das  relative  Alter  derselben  genau  zu  bestimmen. 

Gut  zu  trennen  sind  folgende  Unterabtheilungen. 

1.  Eocene  Süsswasserbildung  mit  Planorbis , Paludina , Chara  u.  s.  w. 
Rauchgraue,  kieslige  Kalke  oder  Kalkschiefer  im  Wechsel  mit  bunten  Mergeln. 
Zwischen  Paptelek  und  Sibö,  Rev-Körtvelyes  und  Bots.  Die  Ausbildung  der 
Süsswasserbildung  von  Körtvelyes  ist  etwas  verschieden  von  der  der  übrigen 
Punkte  und  vielleicht  ist  sie  auch  jünger. 

2.  Unterstes  Nummulitenniveau.  Feste  Nuinmulitenkalke,  ähnlich  denen  in 
Istrien.  Der  Hauptzug  dieser  Schicht  zwischen  Moigrad  und  Sibo.  Dieselben 
bilden  aber  hier  nicht  wie  dort  zusammenhängende  Schichtenzonen,  sondern 
erscheinen  mehr  als  einzelne  abgesonderte  Kalkriffe.  Diese  Schichten  sind 
theilweise  wenigstens  vielleicht  gleichzeitige  Meeresbildungen  mit  den  Süss- 
wasserschichten. 

3.  Complex  von  Mergeln  und  kalkigen  Bänken.  Darin  sind  zu  unterscheiden. 
Im  ganzen  Terrain  am  meisten  verbreitet 

d)  Untere  Austernschicht. 

b)  Mittleres  Nummulitenniveau  mit  Nummulites  perforata. 

c)  Versteinungsreiche  Mergel  und  Kalkschichten  (Obere  Austernschicht). 

4.  Schichten  des  oberen  Nummulitenniveaus,  Kalke  und  kalkige  Mergel, 
Gypse,  Sandsteine. 

a)  Schichten  von  Bats-  und  Monostor-Wald. 

a)  Kalke  mit  Cerithium  cornu  copiae , Vulsella  u.  s.  w. 
ß)  Kalke  und  kalkige  Mergel  mit  Echinolampas  sp.,  Laganum  sp. 
y)  Mergel  mit  Nnmm.  laevigata , Conocrinns  und  Bryozoen. 

b)  Gypsbänke  von  Nagy-Kapus,  Rakoczi-Berg  und  Vartelek  u.  s.  w. 

c ) Schichten  mit  Cerithium  margaritaceum  vom  Meszes-Gebirge. 

5.  Petrefactenarme  oder  -leere  Mergel  und  Sandsteine. 

Diese  Schichtenreihe  soll  jedoch  nicht  zugleich  eine  durchweg  auf  directer 
Beobachtung  beruhende  Altersfolge  darstellen.  Vielmehr  ist  es  höchst  wahr- 
scheinlich, dass  gewisse  Schichtenglieder  sich  gegenseitig  vertretende  locale 


Sitzung  vom  15.  Jänner  1861.  G.  Stäche.  F.  Foetterle. 


7 


[7] 


Bildungen  sind.  Jedoch  dürften  jedenfalls  die  durch  verschiedene  Nummuliten- 
species  charakterisirten  Niveaux  altersverschiedene  Bildungen  sein , und  die 
Süsswasserbildungen  zum  grössten  Theil  in  die  Zeit  oder  kurz  vor  der  Zeit  der 
Bildung  des  tiefsten  Nummulitenniveaus  fallen. 

Von  dem  hohen  k.  k.  Staatsministerium  war  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt mit  einem  Exemplare  des  Werkes  „Das  Wasser  in  und  um  Wien  rück- 
sichtlich seiner  Eignung  zum  Trinken  und  zu  anderen  häuslichen  Zwecken“1  betheilt 
worden.  Es  ist  nach  dem  Berichte  der  von  dem  früheren  k.  k.  Ministerium  des 
Innern  zum  Behufe  dieser  Untersuchung  eingesetzten  Commission , unter  dem 
Vorsitze  des  k.  k.  Geheimen  Rathes  Freiherrn  v.  Baumgartner,  herausgegeben. 
Zwei  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  die  Herren  k.  k.  Bergräthe 
Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Fr.  Foetterle  waren  nebst  andern  Herren  zu  dieser 
Commission  zugezogen  worden.  Die  Vorlage  dieses  Werkes  bot  Herrn  k.  k,  Berg- 
rath Foetterle  die  erwünschte  Veranlassung , auch  alle  diejenigen  Materialien 
zur  Ansicht  vorzulegen,  welche  die  Grundlage  zur  Bearbeitung  des  geologischen 
Theiles  des  Berichtes  bildeten,  und  welche  von  den  genannten  beiden  Herren, 
als  Mitgliedern  jener  Commission  beigeschafft  wurden.  Man  hat  mehrfältig  den 
Wunsch  ausgesprochen,  es  wäre  jener  werth volle  Bericht  von  einer  geologischen 
Karte  des  Bodens  von  Wien  begleitet  gewesen,  unter  andern  auch  in  einer  aus- 
führlichen Besprechung  in  der  Wiener  Zeitung  vom  23.  December  1860,  Nr.  300, 
Seite  5106.  Die  grosse  Wichtigkeit  der  genauen  Kenntniss  des  Bodens  liegt 
aber  nicht  blos  in  der  Richtung  der  Wasserfrage,  sondern  auch  in  Bezug  auf  die 
vielen  Neubauten,  welche  theils  bereits  begonnen  sind,  theils  in  den  nächsten 
Monaten  in  Angriff  genommen  werden.  Als  Grundlage  zur  Eintragung  der  geo- 
logischen Bodenbeschaffenheit  nach  den  hierüber  vorhandenen  Daten,  so  wie 
zur  Einzeichnung  von  Höhenschichten  von  Klafter  zu  Klafter,  von  83  bis  zu  111 
Klafter  Seehöhe,  nach  den  sehr  zahlreichen  Vermessungen  des  k.  k.  Katasters 
wurde  der  von  dem  k.  k.  Ministerium  des  Innern  im  Jahre  1858  in  dem  Maassstabe 
von  1 Zoll  gleich  80  Wr.  Klafter  veröffentlichte  „Grundriss  der  Reichs-  Haupt- 
und  Residenzstadt  Wien  mit  sämmtlichen  Vorstädten44  benützt.  Aus  demselben  ist 
leicht  ersichtlich,  dass  alles  am  linken  Donaucanalufer  gelegene  Gebiet,  nebst 
einem  schmalen  Streifen  am  rechten  Ufer  vom  Alluvium  bedeckt  wird,  während 
von  Nussdorf  an  durch  die  Rossau,  die  ganze  innere  Stadt,  Weissgärber  und 
Erdberg  bis  Simmering  ein  breiter  und  mächtiger  Streifen  des  für  die  Beschaffen- 
heit des  Trinkwassers  so  ungünstigen  Löss  (sandiger  lockerer  Lehm),  sich 
ausdehnt,  und  die  höher  gelegenen  Vorstädte  wie  Landstrasse , ein  Theil  der 
Wieden,  St.  Ulrich,  Schoflenfeld,  Spittelberg,  Mariahilf,  Josephstadt  und  Alser- 
vorstadt  bereits  Tertiärschotter  (Belvedereschotter)  dem  fast  immer  gutes  Trink- 
wasser entquillt,  zum  Untergründe  haben.  Dieser  liegt  auf  blaugrauem  kalkigen 
Thone,  „Tegel44,  dessen  ohnehin  nicht  besonders  gutes,  meist  hartes  Wasser 
oft  noch  durch  aus  Zersetzung  von  Schwefelkiesen  herrührenden  Schwefelwasser- 
stoff verunreinigt,  und  ungeniessbar  gemacht  wird.  Dieses  so  beliebte  und  vorzüg- 
liche Ziegelmaterial,  das  ausserhalb  der  Stadt  zwischen  Laa,  Liesing,  Inzersdorf 
und  Meidling  eine  so  grosse  Ausdehnung  besitzt,  tritt  nur  längs  den  beiden  Ufern 
der  Wien  innerhalb  des  Stadtgebietes  auf.  Die  noch  tieferen  Glieder  des  tertiären 
Wiener  Beckens  wie  die  Cerithienschichten  und  marinen  Ablagerungen  finden 
sich  nicht  mehr  innerhalb  des  Stadtgebietes.  Zur  Versinnlichung  der  Aufeinander- 
folge der  einzelnen  Schichten  wurden  überdies  noch  Durchschnitte  in  grösserem 
Maassstabe  vorgelegt. 

Angeregt  durch  die  neuen  Ansichten  und  lichtvollen  Vorträge  des  Herrn 
Professors  E.  Suess,  und  die  Einsetzung  der  Commission  selbst  hatte  Herr 


8 


Verhandlungen. 


[8] 

H.  Wolf  von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  mehrere  Wochen  dazu  verwen- 
det, um  den  neuesten  Stand  der  Kenntnisse  in  Bezug  auf  die  Natur  des  Unter- 
grundes in  Wien  zusammenzustellen.  Er  entwarf  namentlich  zwei  Haupt- 
Durchschnitte,  im  Maassstabe  von  1 Zoll  = 80  Klafter,  wie  in  dem  obener- 
wähnten Stadtplane  für  die  Länge,  und  1 Zoll  = 10  Klafter  für  die  Höhe,  um  die 
Lage  der  Schichten  deutlicher  zu  bezeichnen,  in  welchen  für  die  eigentlichen 
Wiener-Becken-Schichten  zwölf  Abtheilungen  unterschieden  sind.  1.  Bauschutt, 
2.  Fluss-Alluvium,  3.  Dammerde,  4.  Diluvial-Lehm  oder  Löss,  5.  Diluvial-Schotter 
6.  Belvedere-Schotter,  7.  Mariahilfer-Tegel,  8.  Congerien-Tegel,  9.  Oberer  Tegel, 
10.  Sandstein  und  Kalkstein,  11.  Unterer  Tegel,  12.  Pötzleinsdorfer  Schichten. 
Die  Schichten  3 bis  8 sind  obere  Tertiärgebilde,  9 bis*  10  die  Cerithienschich- 
ten,  endlich  ist  noch  der  allgemeine  Untergrund,  13.  der  Wiener  Sandstein  an- 
gegeben. Jene  erwähnten  Durchschnitte  sind  der  eine  9 Fuss  4 Zoll  lang,  von 
den  Höhen  des  Lainzer  k.  k.  Thiergartens  bis  zum  Nordbahnhof  senkrecht  gegen 
die  Donau,  der  andere  3 F'uss  lang  von  Ottakring  zum  Laaer-Berg  parallel  der 
Donau  gelegt.  Die  Höhen-Linien  wurden  nach  den  neuesten  sorgsamen  Erhebungen 
des  Herrn  k.  k.  General-Kriegscommissärs  V.  Streffleur,  der  sie  freundlichst 
mittheilte,  aufgetragen,  auch  was  sich  von  Angaben  über  Ergebnisse  der  Brunnen- 
bohrungen, theils  von  den  Herrn  Brunnenmeistern,  theils  aus  der  Literatur,  des 
verewigten  Czjzek  Angaben  u.  s.  w.  aufsammeln  liess,  eingezeichnet.  Ueber  das 
Nivellement  des  Bodens  von  Wien  durch  die  Arbeitskräfte  des  k.  k.  Katasters 
gab  Herr  Streffleur  selbst  Nachricht  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geographischen 
Gesellschaft  am  1.  März  1838  (Mittheilungen,  1839,  Versammlungen,  S.  49). 
Nicht  weniger  als  10.000  Höhenpunkte  innerhalb  der  Linienwälle  Wiens  sind 
mit  der  grössten  Schärfe  gemessen,  ein  Schichtenplan  und  Uebersichts-Relief  fer- 
tig, Detail-Relief  vorbereitet.  Aus  einer  kleineren  Anzahl,  400  dieser  Punkte, 
welche  er  erhalten,  entwarf  auch  Herr  Wolf  für  die  Commission  vorläufig  einen 
Schichtenplan  als  Uebersichtsbeigabe  zu  den  zwei  Hauptdurchschnitten.  Er  legte 
diese  in  der  Versammlung  des  österreichischen  Ingenieur-Vereines  am  3.  März 
desselben  Jahres  vor  und  erläuterte  die  bis  jetzt  gewonnene  Kenntniss  in  Bezug 
auf  die  Wasserführung  der  Schichten.  (Zeitschrift  des  österr.  Ing.-Ver.  1839. 
XI.  Jahrgang,  Seite  71.)  Eine  Veröffentlichung  durch  den  Verein,  welche  damals 
besprochen  wurde,  entfiel,  weil  doch  die  Arbeiten  zuerst  der  k.  k.  Commission 
durch  die  Herren  v.  Hauer  und  Foetterle  vorgelegt  und  zur  Disposition  gestellt 
werden  sollten.  Eine  Veröffentlichung  durch  dieselbe  hat  indessen  nicht  statt- 
gefunden, und  so  bleibt  allen  Freunden  der  Kenntniss  des  Bodens,  auf  dem  wir 
leben,  nur  der  Wunsch,  dass  dies  in  anderer  Weise  gelinge.  Die  hohe  Wichtig- 
keit der  Sache  ist  wohl  Jedem  klar,  der  die  Durchschnitte  betrachtet.  Sollte  sich 
nicht  Günstigeres  noch  erreichen  lassen,  so  sind  dieselben  vorläufig  für  das  Jahr- 
buch der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  bestimmt,  freilich  nicht  in  der  oben 
angeführten  ursprünglichen  Grösse,  sondern  den  beschränkteren  Mitteln  derselben 
entsprechend  in  einem  reducirten  Maassstabe,  wodurch  doch  die  Vervielfältigung 
erzielt  wird,  wenn  auch  dann  noch  immer  Uebertragungen  in  das  grössere  Ver- 
hältniss  für  viele  Personen  , die  ein  näheresinteresse  daran  haben,  wünschens- 
werth  bleibt. 

Schliesslich  legte  der  k.  k.  Schiehtenmeistersadjunct  in  Wieliczka  Herr 
P.  Turczmanovicz  einige  Stücke  von  Steinsalz  aus  der  dortigen  Grube  als 
Geschenk  für  die  Sammlungen  der  Anstalt  vor,  welches  sich  durch  den  eigenthüm- 
liehen  trüffelähnlichen  Geruch  auszeichnet. 


Sitzung  vom  29.  Jänner.  Fr.  Foetterle.  Karl  v.  Hauer. 


9 


[i] 


Sitzung  am  29.  Jänner  1861. 


Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitz. 

Herr  Bergrath  Fr.  Foetterle  legte  (in  der  Sitzung  am  15.)  eine  grössere 
Sammlung  von  tertiären  Süsswasserfossilien  aus  der  Gegend  von  Ulm,  den  Ge- 
schlechtern Helix  (16  Species),  Clausilia,  Melania  (2),  Planorbis  (5),  Lymnaeus 
(2),  Ancylus,  Paludina,  Cyclostoma  (2),  Achatina,  Pomatias,  Succinea,  Mela- 
nopsis,  Pupa,  Valvatä  (3)  angehörig,  ferner  einige  sehr  schön  erhaltene  Exem- 
plare von  Fisch-  und  Sepienabdrücken  aus  den  Juraschichten  von  Sohlenhofen  zur 
Ansicht  vor,  welche  der  Anstalt  von  dem  naturforschenden  Vereine  in  Augsburg 
als  Geschenk  zugesendet  wurden.  Von  den  ersten  ein  vorzügliches  Exemplar  eines 
Aspidorhynchus , von  letzteren  Platten  von  Aconthotheiitis  speciosa  Miinst. 
und  Plesiotlieutis  prisca  Büppel , ferner  ein  Limulus  Walchi.  Ebenso  wurde  eine 
grössere  Reihe  von  Druckschriften  zur  Ansicht  vorgelegt. 

Herr  Karl  Ritter  v.  Hauer  gab  (in  der  Sitzung  am  15.)  einen  raschen  Ueber- 
blick  des  Inhaltes  jener  wichtigen  Abhandlung  von  Herrn  H.  C.  Sorby  in  Sheffield 
„Ueber  die  mikroskopische  Structur  der  Krystalle,  in  Bezug  auf  die  Entstehung  von 
Mineralien  und  Gebirgsarten“  (On  the  Microscopical  Structure  of  Crystals,  indi- 
cating  tlie  origin  of  Minerals  and  Rocks.  Quarterly  Journal  of  the  Geological 
Society  for  November  1858.  Vol.  XIV.  pp.  453 — 500),  welche  ihm  dieser  gründ- 
liche Forscher  zugesandt  hatte.  Unter  Vergrösserungen  von  60  bis  1600  linear, 
sind  die  Höhlungen  in  mannigfaltigen  Krystallen  untersucht,  aus  wässerigen  Lösun- 
gen, aus  Sublimation,  aus  Schmelz,  mit  und  ohne  Druck,  und  je  nach  ihrer  Gestalt 
und  Grössenverhältnissen  lässt  sich  auf  die  Temperatursgrade  schliessen,  unter 
welchen  sie  gebildet  waren.  Bei  hoher  Temperatur  muss  begreiflich  die  Höhlung 
ganz  voll  Flüssigkeit  gewesen  sein;  wird  das  Ganze  bei  niedrigerer  Temperatur 
untersucht,  so  sieht  man  der  Zusammenziehung  der  Flüssigkeit  wegen,  etwas, 
das  einer  Luftblase  ähnlich  sieht,  das  aber  in  der  That  nichts  als  ein  wahres 
Vacuum  ist,  ein  wirklicher  leerer  Raum.  Aus  besondern  zu  diesem  Zwecke  bei 
höheren  Wärmegräden  bis  200°  C.  angestellten  Versuchen  von  inzugeschmolzenen 
Glasröhren  eingeschlossenen  Flüssigkeiten  entwickelt  Sorby  die  Gesetze  der  Aus- 
dehnung, und  wendet  dann  die  Erscheinungen  an,  verglichen  mit  der  gegen  das 
Erdinnere  steigenden  Temperatur,  nach  Cordier  ( Edinburgh  New  Phil. 
Journal  1828.  VoL  IV.  p.  273)  1 Grad  in  von  24  bis  104  Fuss,  nach  Fox 
( British  Association  Report  for  1857 . p.  96)  von  1 Grad  für  32  bis  71  Fuss, 
nach  Robert  Hunt  1 Grad  in  50  Fuss  in  den  ersten  100  Klaftern,  1 Grad  in 
70  Fuss  in  dem  zweiten  100,  unter  200  Klafter  nur  in  85  Fuss  1 Grad,  um  auf 
den  Druck  zu  schliessen,  welcher  der  Temperatur  entspricht.  Sorby  gibt 
höchst  interessante  Zeichnungen  der  von  ihm  beobachteten  Thatsachen  und 
Nachweisungen  genauester  Forschungen,  um  zu  sichern  Ergebnissen  zu  gelangen. 
Man  konnte  nicht  in  alle  Details  eingehen,  aber  kein  Geologe  wird  künftig 
können  diese  tiefen  Untersuchungen  entbehren,  um  zu  sicheren  Schlüssen  über 
Gesteinbildungen  zu  gelangen.  Als  Ergebnisse  für  Druck  gibt  Sorby  folgende 
Ziffern : 


Traehyt  von  Ponza  ........  4.000  Fuss 

Elvan  von  Gwennap 18.100  „ 

Granit  von  St.  Austel 32.400  „ 

Cornische  Elvans,  Mittel  . . . 40.300  „ 
Neuer  Ganggranit  Aberdeen  42.000  „ 

Granit,  Cornwall,  Mittel  . . . 50.000  „ 


Elvan,  Swanpool,  Falmouth  . . 53.900  Fuss 
Granit,  Ding  Dong,  Penzance  . 63.600  „ 

Hochland,  Porphyrgänge 69.000  „ 

Aberdeen,  äusserer  Granit.  . . . 69.000  „ 

Hochlands-Granite 76.000  „ 

Aberdeen,  Central- Granit ....  78.000  „ 


h 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


10 


Verhandlungen. 


m 


Von  der  allergrössten  Wichtigkeit  sind  die  Angaben,  man  kann  sie  wahre 
Beweise  nennen,  über  die  Veränderungen  des  Zustandes  der  Gebirgsarten  durch 
Wasser  in  höherer  Temperatur  unter  bedeutendem  Druck,  welches  in  den 
Höhlungen  Krystalle  der  aufgelösten  Stoffe,  Salz,  Gyps  u.  s.  w.  zurückliess. 

Noch  legte  Herr  v.  Hauer  eine  bereits  300  Nummern  enthaltende  Samm- 
lung von  künstlichen  Krystallen  vor,  welche  er  selbst  im  Verlaufe  des  Sommers 
dargestellt,  und  einer  neuen  sinnreichen  Methode  folgend  zur  Aufbewahrung 
vorgerichtet  hatte.  Jeder  Krystall  ist  einzeln  — sie  haben  grösstentheils  */a  bis 
1 Zoll  im  Durchmesser  — in  aufrechter  krystallographischer  Stellung  auf  einem 
dünnen  Stift  befestigt,  der  auf  einem  Korkpfropf  steckt,  lieber  den  Krystall 
wird  das  geschlossene  Ende  einer  Eprouvette  gestellt,  und  das  Ganze  in  eine 
grössere  Korktafel  versenkt,  welche  unterhalb  ausgehöhlt  ist,  um  den  vollständigen 
hermetischen  Verschluss  mit  Siegelwachs  anzubringen.  Vortrefflich  ausgebildete 
Krystalle,  zum  Theil  von  seltenen,  einige  von  Herrn  v.  Hauer  zuerst  dargestellten 
Verbindungen,  von  Vanadin,  Tellur  u.  s.  w.,  dann  die  Alaune,  die  zweibasigen 
Schwefelsäuren  Salze,  welche  der  verewigte  Grailich  untersuchte,  Cyan- 
Verbindungen  und  andere  sind  so  ganz  vor  dem  Einflüsse  des  Feuchtigkeits- 
wechsels geschützt,  und  doch  vollkommen  der  Betrachtung  selbst  unter  der 
Loupe  zugänglich. 

Wir  verdanken  Herrn  k k.  Professor  C.  W.  Z enger  in  Neusohl  eine  Sendung 
verschiedener  Mineralien  und  Hüttenproducte,  welche  manches  Neue  für  unsere 
Sammlungen  enthält.  Der  hochverehrte  Geber,  seit  längerer  Zeit  mit  höchst 
anziehenden  analytischen  Untersuchungen  über  Gesetze  der  Molecularstructur 
beschäftigt,  wobei  er  das  Krystallisationsgesetz  der  chemischen  Grundstoffe  vor- 
züglich ins  Auge  fasste,  suchte  auch  wirkliche  Krystalle  mehrerer  Metalle  aufzu- 
sammeln, von  welchen  er  nun  namentlich  einige  Kupferbildungen  durch  trockenen 
und  nassen  Weg  überschickt,  Cämentkupfer  mit  feinsten  Krystallblättchen  und 
grösseren  Krystallen,  gestrickt  mit  Oktaederflächen  von  l/z  Zoll  Kante,  gestrickt 
Rohkupfer  von  Tajowa,  Eisenkrystallblättchen  in  einem  Flossenstück  von  Koszti- 
viarszka  bei  Neusohl.  Ferner  vollkommen  glattflächige  kleine  Krystalle  von  metal- 
lischem Antimon  von  Tajowa,  geschmolzen,  zum  Theil  auch  mit  treppenförmig 
vertieften  Flächen  des  würfelähnlichen  Rhomboeders  wie  beim  Wismuth.  Die 
glattflächigen,  so  wie  Herr  k.  k.  Hofrath  W.  Hai  ding  er  die  Krystallform  schon 
für  Mohs’  Grundriss  in  der  ersten  Auflage  1824  entwickelt  hatte,  nur  waren  dort 
bloss  die  Winkel  der  Formen  l/2  R (dort  als  R)  = 117°  15',  4 R = 69°  8'  für 
a = V 1273  gegeben,  nicht  aber  2 R = 87°  45',  weil  dieses  damals  noch  nicht 

beobachtet  worden  war  (Gustav  Rose  fand  87°  35', 
Marx  87°  28').  Hier  bildet  dies  Rhomboeder 
den  ganzen  Umschluss  mit  der  Basis  in  Verbindung, 
welche  letztere  in  dem  scharf  geschnittenen  gleich- 
seitigen Dreieck  auch  einzeln  in  entgegengesetzter 
Lage  erscheint,  Zwillingsbildung  parallell  der  Axe 
in  verwandter  Stellung  bezeichnend.  Wichtig  sind 
ferner  schön  gebildete  Krystalle  von  metallischem 
Arsenik,  sublimirt  in  den  Höhlungen  einer  Schlacke 
aus  der  Nickeldarstellung  von  Losoncz,  fast  4/4  Zoll 
gross,  ebendas  würfelähnliche  Rhomboeder  (85°  4' 
G.  Rose,  85°  26'  Breithaupt)  combinirt  mit  der 
Basis,  vielfach  zwillingsartig  gruppirt,  wo  eine  der 
Rhomboederflächen  R Zwillingsfläche  ist.  Es  entstehen  dadurch  sonderbare 
rinnenartige  Bilduugen.  Sie  sind  bisher  am  Arsenik  nicht  beschrieben,  sondern  von 


Sitzung  vom  29.  Jänner.  Th.  v.  Zollikofer. 


11 


[3] 


Miller  eine  andere  Art  parallel  der  Fläche  von  *4  R.  Sehr  stark  glänzend  und  leicht 
zu  erhalten  sind  die  Flächen  der  Theilbarkeit  parallel  der  Basis,  die  auch  Miller 
angibt,  während  ältere  Werke,  selbst  Dana,  unvollkommene  Theilbarkeit  haben. 
Ferner  Kupferoxyd,  krystallinisch  in  Tajowa  beim  Einschmelzen  der  Kupferrück- 
stände der  Extraction  auf  der  Herdsohle  gefunden,  krystallisirtes  Auripigment  aus 
Thon,  Kalkspath  mit  Realgar  von  Tajowa,  ein  sehr  schönes  Stück  Libethenit  und 
Anderes.  Merkwürdig  unter  den  Fossilresten  ein  Eckzahn  von  Ursus  spelaeus  mit 
vollkommener  Alveole. 

Herr  Th.  v.  Zollikofer  berichtet  über  die  allgemeinen  Verhältnisse  des 
Gratzer  Tertiärbeckens.  Dasselbe  nimmt  etwa  ein  Drittel  des  ganzen  steierischen 
Gebiets  ein  und  ist  auf  drei  Seiten  gegen  die  ziemlich  hoch  aufsteigenden  älteren 
Gebirge  scharf  abgegrenzt;  auf  der  Ostseite  hingegen  steht  es  mit  der  ungari- 
schen Tertiärniederung  in  Verbindung. 

Vom  Gratzer  Becken  wurden  geologisch  aufgenommen:  der  westliche 
Theil  von  Herrn  Dr.  Rolle,  der  Östliche  von  Herrn  Dr.  Andrae,  endlich  der 
mittlere  und  südliche  Theil  von  Herrn  v.  Zollikofer  selbst. 

Derselbe  durchreiste  ausserdem  im  Laufe  des  vorigen  Sommers  das  ganze 
Gebiet  in  mehreren  Richtungen,  um  in  das  Bild  eine  einheitliche  Auffassung  zu 
bringen. 

Das  Gratzer  Becken  kann  unter  vier  Gesichtspunkten  betrachtet  werden  : 

1.  In  Beziehung  auf  dessen  petrographische  Zusammensetzung; 

2.  in  Beziehung  auf  die  geologische  Natur  seiner  Bildungen; 

3.  in  Beziehung  auf  die  Parallelisirung  seiner  Bildungen  mit  denjenigen 
des  Wiener  Beckens ; 

4.  in  Beziehung  auf  die  Schichtenstörungen. 

In  Hinsicht  auf  die  petrographische  Zusammensetzung  zeigen  sich  Tegel, 
Mergel,  Schieferthone,  Lehm  mit  Sand,  Lehm  mit  Schotter  und  tertiäre  Kalke 
oder  Kalksandsteine.  Die  letzteren  theilen  sich  in  zwei  Gruppen,  wovon  die  eine 
dem  Leithakalke  angehört  und  als  eine  Reihe  von  isolirten  Felsen  die  Westgränze 
des  Beckens  in  einer  Entfernung  von  beiläufig  2 Meilen  begleitet. 

Die  andere  Gruppe  besteht  aus  Brackwasserkalken,  die  theils  um  ein 
Centrum  gruppirt  sind,  wie  in  der  Umgebung  von  Gleichenberg,  theils  in  einer 
Linie  auftreten,  wie  zwischen  Radkersburg  und  Marburg.  Was  die  andern  petro- 
graphischen  Bildungen  anbelangt,  so  finden  sich  im  Allgemeinen  das  tertiäre 
Geröll  am  Nord-  und  Siidrande  des  Beckens,  der  Tegel  in  der  Mitte  und  der 
Sand  zwischen  beiden.  Es  zeigt  sich  also  von  Norden  und  Süden  gegen  das 
Innere  eine  Abnahme  in  der  Grösse  des  angeschwemmten  Materials,  was  zur 
Annahme  berechtigt,  dass  die  wichtigsten  Zuflüsse  des  Beckens  einst  vorzüglich 
von  diesen  beiden  Seiten  gekommen  seien. 

In  Bezug  auf  die  geologische  Natur  der  Bildungen  finden  wir  im  Gratzer 
Becken  Süsswasser-,  Brackwasser-  und  Meeresschichten.  Die  ersten  treten  am 
Nordwest-  und  Südwestrand  auf,  und  sind  durch  ihre  grossen  Kohlenablagerungen 
(Köflach  und  Eibiswald)  von  technischer  Wichtigkeit.  Die  Brackwasser-  und 
Meeresschichten  sind  durch  die  Linie  der  Leithakalke  von  einander  getrennt,  so 
zwar,  dass  die  erstem  dem  Osten,  die  andern  dem  Westen  angehören.  Die  Brack- 
wasserschichten nehmen  somit  den  grossem  Theil  des  Beckens  ein,  nämlich  beinahe 
das  ganze  Gebiet  östlich  von  der  Mur  und  ausserdem  noch  einen  ansehnlichen 
Theil  der  Gegend  zwischen  Mur  und  Drau. 

Der  dritte  Punkt,  die  Parallelisirung  der  hier  auftretenden  Bildungen  mit 
denjenigen  des  Steirer  Beckens  hat  im  Ganzen  keine  Schwierigkeit,  da  es 
viele  Punkte  gibt,  die  zahlreiche  und  gut  charakterisirle  Fossilreste  geliefert 

b* 


12 


Verhandlungen. 


[4] 

haben.  Zu  den  schon  durch  Murchison,  Rolle  und  Andrae  bekannt  gewor- 
denen Fundorten  kommen  nun  noch  mehrere  andere  hei  Wildon  hinzu  und  vor 
allem  derjenige  vom  Schloss  Pols  im  Kainach-Thal,  welcher  schon  bei  seiner 
ersten  Untersuchung  nahe  an  100  Arten  von  Meeresfossilien  geliefert  hat.  Nach 
der  Zusammenstellung  ergeben  sich  nun  die  Meeresschichten  als  identisch  mit 
denjenigen  von  Steinabrunn,  Enzesfeld  und  Mauer  im  Wiener  Becken  und  die 
Brackwasserbildungen  als  echte  Cerithienschichten.  Horner  Schichten  haben  sich 
nicht  gezeigt,  ebensowenig  Congerienschichten.  Misslicher  stellt  es  mit  derParalle- 
lisirung  der  Süsswasserschichten  des  Gratzer  Beckens,  da  weder  Fauna  noch 
Lagerungsverhältnisse  sichere  Schlüsse  ziehen  lassen;  doch  dürfte  die  Annahme 
Dr.  Rolle’s,  dass  sie  mit  den  Meerestegein  parallel  gehen,  die  richtige  sein. 

Was  endlich  den  vierten  Punkt,  die  Schichtenstörungen  anbelangt,  so  zerfällt 
das  ganze  Becken  in  zwei  Zonen:  eine  grössere  nördliche,  in  welcher  die 
Schichten  in  ihrer  ursprünglichen  Lage  gebliehen  sind  und  in  eine  kleinere 
südliche,  in  welcher  sie  gewaltsame  Lagerungsstörungen  erlitten  haben,  indem  sie 
nicht  blos  häufig  steil  aufgerichtet,  sondern  selbst  gefaltet  und  verworfen  sind. 
Die  Grenze  beider  Zonen  ist  durch  eine  Synkline  Axe  gegeben,  die  in  einem 
grossen  Bogen  von  Eibiswald  über  Pettau  nach  Luttenberg  verläuft.  Es  hat  somit 
den  Anschein,  als  ob  die  letzte  ^gewaltsame  Hebung  der  Ostalpen  nur  den 
südlichen  Theil  derselben  betroffen  habe. 

Herr  Director  Haidinger,  der  während  des  Vortrages  den  Vorsitz  einge- 
nommen, dankt  Herrn  v.  Zollikofer  für  seinen  anziehenden  Vortrag  und  die 
klare  treffliche  Darstellung  des  Gegenstandes.  Er  hofft,  dass  sich  nun  doch  bald 
wieder  die  Druckangelegenheiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  so  günstig 
ordnen  werden,  dass  auch  Herrn  v.  Zollikofer’s  frühere  wichtige  Abhandlung 
„Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Untersteier- 
mark44 zum  Druck  kommen  wird.  Nachdem  er  diese  im  verflossenen  Sommer  der 
Direction  * des  geognostisch -montanistischen  Vereines  in  Gratz  zur  Disposition 
zu  stellen  gezwungen  war,  hat  er  sie  nun  neuerdings  für  das  Jahrbuch  über- 
nommen. Herr  Director  Haidinger  schliesst  hier  die  Betrachtung  an,  wie 
schwer  es  sei,  dasjenige,  was  einmal  unterbrochen  ist,  wieder  in  Gang  zu 
bringen.  So  mit  dem  Druck  unserer  Berichte.  Nicht  einmal  die  Correctur  des 
letzten  Sitzungsberichtes,  vom  15.  Jänner  ist  ihm  zugesandt  worden.  Während 
die  feindseligsten  Einflüsse  im  verflossenen  Sommer  einen  raschen  vollständigen 
Stillstand  brachten,  geht  ungeachtet  der  wohlwollendsten  Unterstüzung  in  den 
leitenden  Regionen,  nach  den  bekannten  unwandelbaren  physikalischen  Grund- 
sätzen der  passive  Widerstand  seinen  Gang  fort,  und  wir  sind  heute  am 
29.  Jänner  eigentlich  noch  nicht  viel  weiter  als  wir  — voll  Hoffnungen  — am 
11.  December  waren.  Die  Angelegenheiten  der  Formen  treten  immer  in  den 
Vorgrund,  so  wie  man  in  den  Bewegungen  des  Tages  sich  um  das  „Wie44  bekämpft, 
während  das  „Was44  in  den  Hintergrund  gestellt,  auch  wohl  gleichgiltig  betrachtet 
wird.  Es  ist  dies  ein  Beispiel,  wie  leicht  es  geht  zu  zerstören,  wie  schwierig 
aufzubauen. 

Herr  Dionys  Stur  berichtet  aus  seinen  Aufnahmen  im  südlichen  Sieben- 
bürgen. 

An  das  in  einer  früheren  Sitzung  ausführlicher  abgehandelte  krystallinische 
Gebirge  der  Pojana  Ruszka,  westlich  von  Vajda  Hunyad  und  Hatzeg  stösst  im  Süden 
unmittelbar  das  Retjezat- Gebirge  an  und  ist  bis  Bukowa  im  ununterbrochenen 
Zusammenhänge  mit  dem  ersteren. 

Der  nördliche  Rand  des  Retjezat-Gebirges  besteht  vorherrschend  aus  Glim- 
merschiefer und  Thonglimmerschiefer,  welche  beide  stellenweise  Feldspath  auf- 


Sitzung  vom  29.  Jänner.  Dionys  Stur. 


13 


[«] 


nehmen  und  häufig  in  Gneiss  übergehen.  Als  Einlagerung  in  diesen  Schiefern 
trifft  man  hei  Malomviz  südlich  unterhalb  der  Ruine  Kolcsyar  einen  Serpen- 
tinschiefer, dessen  Schichten  steil  nach  Nord  fallend  jene  vorspringenden  Glim- 
merschiefer Felsen  unterteufen,  auf  denen  die  genannte  Ruine  aufgebaut,  sich 
befindet.  Im  Inneren  des  Retjezat-Gebirges,  namentlich  im  Hintergrund  der  Valje 
Rasza  und  in  der  Umgegend  der  Alpe  Retjezat  herrscht  ein  an  Feldspat!)  reicher 
Gneiss  mit  nahezu  granitisehem  Ansehen.  Er  leistet  der  Verwitterung  einen  un- 
überwindlichen Widerstand  und  ertheilt  diesen  Gegenden  in  Folge  dessen  ihre 
Rauhheit  und  Unwirthlichkeit,  und  bietet  nur  einer  sehr  spärlichen  Vegetation  die 
Unterlage. 

Das  Retjezat-Gebirge  theilt  sich  gegen  Osten  in  zwei  Arme,  zwischen 
welchen  das  Zsill-Thal  eingeschlossen  sich  befindet,  und  hängt  mit  dem  Mühl- 
bacher  Gebirg-e  innig  zusammen.  Der  südliche  von  diesen  beiden  Armen  bildet 
im  Zsill-Thale  das  Grenzgebirge  mit  der  Wallachei  und  wird  durch  den  Durch- 
bruch der  Zsill  in  ein  westliches  und  östliches  getheilt.  Im  westlichen  Theile 
herrschen  krystallinische  Schiefer  vor  mit  Einlagerungen  von  körnigem  Kalk 
bei  Lupeny  und  Urikany  und  von  Serpentin.  Letzterer  steht  an  der  Grenze  der 
tertiären  Ablagerungen  gegen  das  steil  aufsteigende  ältere  Gebirge,  an  der 
Strasse  des  Vulkan-Passes,  südlich  von  Vulkan.  Im  östlichen  Theile  im  Gebirgs- 
stocke  des  wundervollen  Paringul  herrscht  genau  wie  im  Retjezat  der  Gneiss, 
umgehen  von  Glimmerschiefer  und  Thonglimmerschiefer. 

Nördlich  vom  Paringul  bis  nach  Mühlenbach  und  von  Hatzeg  östlich  bis  nach 
Hermannstadt  und  den  Rothenthurmer-Pass  erstreckt  sich  ein  einziges  zusammen- 
hängendes, durch  verwickelte  und  nicht  deutlich  ausgeprägte  Terrainverhältnisse 
ausgezeichnetes  Gebirge.  Ein  langes  Thal  der  Mühlenbach  durchschneidet  das- 
selbe von  Süden  nach  Norden,  und  nach  allen  Richtungen  entsendet  dasselbe 
wasserreiche  Thäler,  die  sich  in  die  Strebt  und  Marosch,  in  den  Alt  und  Zsill 
ergiessen. 

Die  geologische  Zusammensetzung  dieses  Gebirges  ist  ausserordentlich  ein- 
fach und  einförmig.  Die  Gesteine  bestehen  gewöhnlich  aus  Quarz  und  Glimmer, 
denen  sich  stellenweise  Feldspath  in  grösserer  oder  geringerer  Menge  beigesellt, 
woraus  ein  steter  Wechsel  zwischen  Thonschiefer,  Glimmerschiefer  und  Gneiss 
hervorgeht,  die  in  dem  ganzen  Gebirge  gleichförmig  vertheilt  und  überall 
anzutreffen  sind.  Granaten  im  Glimmerschiefer  treten  häufig  auf,  diesen  gesellt 
sich  nur  sehr  selten  Hornblende  zu,  wie  ich  dies  bei  Kudsir  beobachtete.  Nur 
an  drei  Stellen  wurde  körniger  Kalk  beobachtet,  und  zwar  im  Thale  südlich  von 
Resinar,  im  Walde  südlich  von  Gross-Pold  und  südlich  bei  Kapolna,  an  allen 
drei  Orten  nur  von  sehr  geringer  Ausdehnung  und  Mächtigkeit.  Das  Vorkommen 
des  Kalkes  bei  Kapolna  ist  dadurch  interessant , dass  in  seiner  Nähe  und  zwar 
unter  dem  Kalklager  Rhyolith  in  einer  nur  wenig  aufgedeckten,  wie  es  scheint 
lagerförmigen  Masse  ansteht.  Dasselbe  Gestein  wurde  auch  am  Ufer  des  Mühlen- 
baches am  Wege  von  Laz  nach  Kapolna,  in  einer  dünnen,  dem  Gneiss  und 
Glimmerschiefer  eingelagerten  Masse  beobachtet. 

Am  Paltinej,  beiläufig  im  Cenfrum  des  Mühlenbacher  Gebirges,  tritt  in  einer 
felsigen  Partie  ein  Serpentin  auf,  der  sehr  verwittert  ist  und  ein  Mittelding 
zwischen  Serpentin  und  Bronzit  darstellt. 

Im  Ganzen  ist  die  geologische  Untersuchung  dieses,  glücklicher  Weise  sehr 
einfachen  Gebirges  ausserordentlich  schwierig.  Die  bewohnten  Orte,  in  denen 
ein  Reisender  existiren  kann,  sind  weit  ausserhalb  und  wenigstens  eine  halbe 
Tagreise  vom  eigentlichen  Gebirge  entfernt,  das  nur  von  Hirten  bewohnt  wird, 
deren  Behausung  nicht  so  wie  die  der  deutschen  Aelpler  zum  Eintritte  einladend 


14 


Verhandlungen. 


[6] 


ist.  Das  Centrum  des  Gebirges  selbst  ist  beiläufig  in  zwei  Tagreisen  von  dessen 
Rande  aus  zu  erreichen.  Die  Wege  ziehen  alle,  fast  ohne  Ausnahme  über  die  höch- 
sten Gebirgsrücken,  die  durch  die  Abwitterung  der  Gesteine  ganz  abgerundet, 
nur  selten  blossgestellte  Gesteine  aufweisen. 

Herr  H.  Wolf  berichtete  über  die  Aufnahme  im  Körös-Thal  im  Sommer 
1860. 

Die  Gewässer  der  Sebes-Körös  treten  zwischen  Csucsa  und  Feketetö,  aus 
Siebenbürgen  in  Ungarn  ein,  indem  sie  hier  die  krystalli nische  Axe  des  Grenz- 
gebirges beider  Länder  in  einem  tiefen  Thalrisse  durchbrechen  und  sich  gegen 
Westen  immer  tiefer  in  die  Gesteine  der  vorliegenden  secundären  Zonen  eingra- 
ben, welche  sie  endlich  bei  Rev  verlassen  und  von  nun  an  in  einer  freundlichen 
Thalmulde  zwischen  Diluvialterrassen  von  jungtertiären  Schichten  umgrenzt,  dann 
noch  bis  über  Elesd  hinaus  in  weitere  Ferne  links  von  den  secundären,  rechts  von 
der  krystallinischen  Zone  in  etwa  1 bis  1 i/2  Meilen  breitem  Abstande  eingeschlos- 
sen sind,  allmählig  sanfter  und  sanfter  dahin  fliessen,  bis  sie  endlich  auch  die 
tertiären  Vorlande  des  ungarisch- siebenbürgischen  Grenzgebirges  bei  Gross- 
wardein hinter  sich  lassen  und  nur  mehr  von  niederem  und  ausgedehntem  Terras- 
sendiluvium eingeengt,  träge  den  Niederungen  der  Theiss  sich  entgegenwälzen. 

Feketetö  ist  der  Scheitel  von  zwei  Richtungen , in  w elchen  die  krystalli- 
nischen Gesteine  zu  Tage  treten.  Der  eine  gegen  NW.  sich  erstreckende  Ast 
endet  nach  5 Meilen,  mit  dem  Rezer  Gebirge  zwischen  Szeplak  und  Rodonos, 
stets  bei  1000  Fuss  über  das  sich  anschmiegende  Tertiärland  hervorragend.  Der 
zweite  in  SW.  Richtung  verlaufende  Gebirgskamm  ist  unweit  von  Feketetö,  1 Meile 
schon  von  Trachytporphyren  (Rhyolithen)  zertrümmert  oder  von  den  Gesteinen 
der  Trias  und  des  Lias  bedeckt. 

Die  secundären  Gesteine,  welche  den  Glimmerschiefer  zur  Basis  haben, 
beginnen  mit  röthlichen  bis  weissen  quarzitartigen  Sandsteinen  bei  Bucsa  und 
Czarnöhäza,  den  WeiTner  Schiefern  ähnlichen  Sandsteinen  und  Mergel  bei  Ponor 
und  Korniczel,  den  verrucanoartigen  Conglomeraten , 1 Meile  nordöstlich  von 
Elesd  im  Thale  von  Pestes,  darüber  folgen  dünnplattige,  wulstige,  schwarze 
Kalke  (Guttensteiner  Kalk)  bei  Korniczel,  Bucsa,  Czarnöhäza,  Ponor  und  Remecz, 
dann  auch  längs  den  tiefsten  Punkten  des  Körös-Thales  zwischen  Bucsa  und  Son- 
kolyos,  welche  in  diesen  Strecken  mannigfache  Wellen  zeigen. 

Die  Guttensteiner  Kalke  gehen  nach  oben  zuerst  in  lichtere,  graue,  endlich 
in  weisse  massige,  manchmal  zuekerkörnige  Kalke  über,  die  hin  und  wieder 
Spuren  von  Korallen  zeigen.  Die  Stellung  dieser  Schichten  in  der  Trias  konnte 
erst  durch  die  sie  überlagernden  Gesteine  des  unteren  Lias  erkannt  w erden.  Diese 
sind  a)  ebenfalls  röthliche  bis  weisse  Quarzsandsteine  in  oft  sehr  mächtigen 
Bänken,  wie  bei  Rikosd,  wo  sie  zu  Pflastersteinen  verwendbar  von  Grosswardein 
bezogen  werden.  Solche  Sandsteine  treten  auf  bei  Rev  im  Körös-Bett,  dann  an 
der  Poszorita  bei  Sonkolyos,  endlich  bilden  sie  ein  ausgedehntes  Terrain  bei 
Karmozan  und  Rosur  im  Gebiete  des  Topa-Baches.  Sie  sind  ganz  kalkfrei  und 
enthalten  Lager  von  dem  bekannten  besten,  feuerfesten  Thon  zu  Rev  und  Sonkolyos, 
welcher  ausschliesslich  bis  jetzt  zur  Fabrication  von  Schmelzhafen  in  Glasfabriken 
verwendet  wurde.  Diese  Sandsteine  werden  bedeckt  an  den  Abhängen  der  Poszo- 
rita bei  Rev  von  einem  dunklen,  mergligen,  etwas  dolomitischen  Kalk,  welcher 
zahlreiche  Versteinerungen  führt,  darunter  Belemnites  paxillosns  Lam . und 
Pecten  aequivalvis  Sow .,  ferner  an  der  Mündung  des  Valle  Leschou  in  den  Jad- 
fluss,  1 Meile  SW.  von  Remecz,  wmrde  in  einem  fast  schwarzen,  krystallinischen 
Kalke  nebst  Belemniten  auch  Pecten  Liasmvs  Nyst  über  diesen  Schichten 
gefunden. 


m 


Sitzung  vom  29.  Jänner.  II.  Wolf. 


15 

Gleiche  Kalke  finden  sich  auch  bei  Gäloshäza  am  Wege  gegen  Dubricsony. 
Diesen  Schichten  sind  im  Bette  des  Jadflusses  zwischen  Remecz  und  Valle 
Leschou  rotlie  Quarzporphyre  zwischengelagert,  sie  sind  auch  von  ihm  zerrissen. 
Die  unteren  Contactschichten  des  Kalkes  sind  entfärbt  und  verkieselt  in  Jaspisse 
verwandelt.  Die  Kalke,  so  wie  die  ihnen  zugehörigen  Sandsteine  entsprechen 
nach  obigen  Versteinerungen  den  Grestener  Schichten.  Es  folgen  nach  oben  hin 
noch  dichte  graue  Kalke,  deren  Stellung  wegen  Mangel  an  Petrefacten  unsicher 
bleibt.  Erst  mit  dem  Caprotinenkalk  von  Bänya-Hegy  bei  Grosswardein,  der 
Gorgoljata  bei  Fancsika,  dann  zwischen  Bänlaka  und  Brälka  ist  wieder  ein  sicherer 
Horizont  erreicht.  Das  ganze  Gebiet  zwische  Rev  und  Lunkaszprie  im  Süden 
(2  bis  5 Meilen),  dann  zwischen  Czeczke  und  Ponor  im  Osten  (4  Meilen)  ist  ein 
karstähnliches  Terrain,  in  welchem  die  auf  einander  liegenden  Kalke  ausgelaugt 
und  eingestürzt  sind,  um  weite,  oft  6 bis  800  Fuss  tiefe  Senkungsfelder  zu  bil- 
den, in  denen  die  atmosphärischen  Wässer  verschwinden,  um  erst,  und  dann  nur 
theilweise  in  den  tiefsten  Punkten  des  Terrains  kalkgesättigt,  aus  Höhlen  und 
Klüften  in  Cascaden,  und  Tuffberge  bauend,  hervorzubrechen.  Die  Klüfte  und 
auch  die  Senkungen  des  Kalkes  sind  an  vielen  Stellen  mit  Rotheisensteinen  erfüllt, 
welche  im  Durchschnitt  14  Procent  Eisen  halten.  Ausgesuchte  Stücke  halten 
wohl  auch  50  Procent  Eisen.  Diese  sind  aus  den  Localitäten  Scunzsa  Scocsi  im 
Damoser  Hotter,  dann  im  Hotter  von  Szohodol-Lazur. 

Die  sicher  erkannten  Kreideschichten  konnten  in  der  besten  Reihenfolge, 
am  Rücken  Kitjera,  nordöstlich  von  Korniczel  beobachtet  werden.  Es  zeigen  sich 
dort  von  unten  nach  oben : 

1.  Gelbe  und  röthliche  Thone. 

2.  Quarzconglomerat,  kalkig. 

3.  Mergel  mit  Ostrea  vesicularis  Lamarck. 

4.  Röthlicher  Kalk  mit  Nerinea  Buchii,  sp.  lieferst . und  Radiolites  Pailet- 
teana  d’  Orb. 

5.  Sandiger  Mergel  mit  Hippurites  Toucasiana  d' Orb.,  nebst  vielen  noch 
unbestimmten  andern  Species. 

Eine  parallele  Reihe  findet  sich  im  Graben  von  Korniczel  in  der  vom  Kit- 
jera gegen  Osten  verlängerten  Richtung.  Dort  sieht  man  einen  Quai  zsandstein 
(Schichte  2)  etwa  200  Fuss  mächtig.  Zwei  Kalkbänke  (Schichte  4)  mit  Rudisten, 
zusammen  24  Klafter  mächtig,  durch  eine  10  Fuss  mächtige  Sandsteinbank 
getrennt.  Auf  der  oberen  4 Fuss  mächtigen  Kalkbank  folgt  wieder  Sandstein, 
der  in  Mergel  mit  Hornsteinschichten  übergeht  (Schichte  5).  Diesen  Schichten 
folgen  graue  bis  schwarze  dünngeschichtete  Mergel  bei  200  Fuss  mächtig,  die 
hin  und  wieder  Kohlenspuren  zeigen.  Im  Muskapatak,  nördlich  von  Kis-Baröd, 
findet  sich  in  den  ganz  gleichen  Mergeln  ein  6 Fuss  mächtiges  Kohlenflötz  in 
Begleitung  von  zahlreichen  Gosaupetrefacten.  Darunter  sind  Acteonella  gigantea 
d’ Orb,  und  Hippurites  cornu  vaccinum  Bronn.  Herr  Stoliczka,  welcher  die 
Güte  hatte,  die  Kreideversteinerungen  zu  bestimmen,  erklärte,  dass  auch  Exem- 
plare vorhanden  seien,  die  auf  eine  unverkennbare  Aehnlichkeit  in  der  Abla- 
gerung mit  den  Süsswasserschichten  der  Neualpe  hinweisen.  In  die  Parallele  der 
Schichte  4 sind  wohl  auch  die  Caprotinenkalke  des  Bänya-Hegy,  südöstlich  von 
Grosswardein  , dann  die  Kalke  von  Gorgoljata  und  Gliemei  zwischen  Vircsolog 
und  Pestere  zu  stellen.  Ebenso  die  dichten,  feinsplittrigen , rosenrothen  Kalke 
von  Bänlaka  und  Bratka  im  Körösthal,  sowie  auch  die  nördlich  von  Pestes  bei 
Elesd.  Die  Kreideschichten  von  Korniczel  und  von  Muskapatak  sind  durch  eine 
ausgedehnte  Rhyolitheruption  (Trachyt  - Porphyr)  aus  ihrem  Zusammenhänge 
gerissen.  Er  besteht  aus  einer  weisslichgrauen,  thonigen  Grundmasse  , in  der 


16 


Verhandlungen. 


[8] 

einzelne  Quarzkrystalle  und  schwarze  Glimmerblättchen  ausgeschieden  sind.  Eine 
zweite  grössere,  aber  dieser  petrographisch  nicht  ähnliche  Rhyolith-Eruption 
setzt  die  Gebirgshöhen  zwischen  dem  Draganthale  in  Siebenbürgen  und  dem 
Jadflusse  in  Ungarn  parallel  der  Vladiaszagruppe  etwa  in  3 Meilen  Länge,  vom 
Berge  Dialumare  bis  zur  Stinna  di  Runk  zusammen.  Es  sind  dies  grünlichgraue, 
oft  breccienartige  Reibungsgesteine,  die  die  verschiedenartigsten  Bruchstücke  von 
secundären  Gesteinen  mit  einschliessen  und  in  welchen  sich  nebst  Quarzkry- 
stallen  auch  noch  Feldspathe  ausgeschieden  finden. 

Von  Tertiärschichten  sind  in  diesem  Gebiete  nur  Miocenschichlen  zu  linden. 
Sie  lagern  dem  ungarisch-siebenbürgischen  Gebirgsstock  zwischen  dem  Berettyo 
und  dem  ßegaflusse  rund  um  an,  so  dass  diese  zwei  Punkte  die  Verbindung 
zwischen  dein  ungarischen  und  siebenbürgischen  Miocenbecken  herstellten, 
während  an  der  Zwischenstrecke  an  ungarischer  Seite  nur  tief  eingreifende 
Buchten  längs  den  Körös-Thälern  sich  finden.  Das  Thal  der  Sebes-Körös 
bildet  zwischen  Elesd  und  Korniczel  eine  derartige,  3 Meilen  lange  und  1 Meile 
breite  Bucht. 

Marine  Schichten  sind  nur  bei  Kis-ker  und  Almamezö , im  Südwesten 
von  Grosswardein  bekannt  geworden.  Die  Hauptmassen  aber  bilden  weisse  oft 
plastische  Thone.  Die  untere  Abtheilung  derselben,  welche  sandiger  ist,  zeigt 
Fischreste,  Blätterabdrücke  und  Cardien,  die  den  Hernalser  Tegel  charakterisiren. 
Diese  Schichten  finden  sich  bei  Elesd  und  Szeplak.  ln  der  Gegend  von  Nagy- 
Baröd  und  Rev  treten  reinere  Thone  auf,  die  nicht  eine  Spur  von  Kalk  zeigen. 
Unter  diesen  finden  sich  einzelne  Schichten  mit  zahlreichen  Paludinen. 

Die  Sande  von  Tataros  führen  Melanopsis  Mnrtiniana  Fer.,  M.  pygmaea 
Partsch,  sie  gehören  den  Congerienschichten  an.  Aehnliche  Sande  sind  die  von 
Bodonos,  welche  bei  14  Procent  Bitumen  enthalten  und  dadurch  sich  zur  Asphalt- 
erzeugung eignen.  Unter  den  Asphaltsanden  liegt  bei  Bodonos  ein  Lignitflötz  auf 
blauem  Tegel. 

Diluvium  findet  sich  am  Kiräly-Hago  und  den  Höhen  längs  des  rechten  Ufers 
der  Körös  bei  Bänlaka  bis  zu  1700  Fuss  als  Conglomerat,  mit  Blöcken  von 
mehreren  Centnern  im  Gewichte.  Von  Rev  über  Elesd,  Mezö-Telegd  gegen 
Grosswardein  werden  die  Terrassen  niedriger  aber  ausgedehnter;  in  der  letzt- 
genannten Gegend  sieht  man  drei  Terrassen  in  weiten  Abständen  übereinander  sich 
erheben,  Lehm  bedeckt  überall  die  Terrassen.  Einer  gleich  alten  Bildung  gehört 
die  Knochen-Ablagerung  von  Ursus  spelaeus  in  den  Höhlen  von  Pestere  an. 

Ausser  dem  Flussalluvium  trifft  man  noch  mächtige  Kalktuffablagerungen 
zwischen  Sonkolyos  und  Rev  bei  Dubricany  und  bei  Pecze- Sz.  - Marion  nächst 
dem  Bischofsbade  bei  Grosswardein. 

Die  ungefassten  Thermen  des  Bischofsbades  unterwaschen  ein  Terrain, 
welches  dann  in  6 — 8 Fuss  tiefen  Abrissen  entblösst  ist. 

Es  finden  sich  darin  zahlreiche  Conchylien,  die  nach  Herrn  Bergrath  v. 
Hauer  10  Species  aus  den  Geschlechtern  Melanopsis , Nerita , Helix , Planorbis 
vertreten. 

Herr  Ferdinand  Stoliczka  legt  eine  von  ihm  bestimmte  Sammlung  von 
Tertiär -Petrefacten  aus  den  Südalpen  vor,  die  theils  durch  Geschenk  von  Herrn 
Lodovico  Pasini,  theils  durch  eifrige  Aufsammlungen  der  Herren  Bergrath  F. 
Foetterle  und  A.  Senoner  in  der  letzteren  Zeit  in  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  gebildet  wurde. 

JJie  Petrefacten  stammen  sämmtlich  aus  den  eocenen  Basalttuffen  von  Ronca, 
Montechio  maggiore,  Sangonini,  Lavacile,  Castel-Gomberto  u.  a.,  welche Localitäten 
in  geologischer  Beziehung  bereits  im  Jahre  1823  von  Alexander  Brongniart 


Sitzung  vom  29.  Jänner.  Stoliczka. 


17 


[9] 


(Mem.  sur  les  terrains  de  Sediment  superieur  etc.)  ausführlich  beschrieben 
wurden.  Nur  die  Localität  Lavacile  ist  bei  Brongniart  nicht  erwähnt,  sie  liegt 
etwa  eine  halbe  Stunde  0.  von  Bassano  in  denselben  Tuffen  wie  Ronca.  Brong- 
niart nennt  die  ganze  Gruppe  dieser  Trappgesteine  Terrains  calcardo- 
trappeens.  Die  Hauptmasse  dieser  Basalte  und  Basalttuffe  liegt  zwischen 
Vicenza  und  Verona  und  zieht  sich  im  Nord  bis  gegen  Schio  und  Bassano. 
Einzelne  kleine  Partien  von  den  Basalttuffen  liegen  auch  zerstreut  zwischen  den 
etwas  älteren  Sandsteinen  und  Schiefern,  denen  auch  zum  Theil  die  berühmten 
Fischreste  von  Monte  Bolca  angehören. 

Von  Wirbelthierresten  liegt  nur  ein  Haifischzahn  von  Sangonini  vor,  aussern 
dem  kommen  einige  Krebse  aus  der  Abtheilung  der  Brachyuren,  ferner  einige 
Echinolampas,  Spatangus,  u.  a.  aus  der  Classe  der  Radiaten  und  die  bekannten 
Turbinolien  ( Trochosmilia , Calamophyllia  u.  a.)  vor.  Am  reichsten  und  meistens 
durch  sehr  schöne  Exemplare  vertreten  sind  die  Gastropoden  und  Acephalen, 
von  welchen  die  häufigsten  sind : Nerita  conoidea  Lam.,  Ampullaria  Vulcani 
Brongn .,  Melania  Stygii  Brongn .,  Fusas  polygonus  Brongn .,  Terebra  Vulcani 
Brongn .,  Cerithium  multisulcatum,  Castellinii , Maraschinii,  calcaratum,  com - 
bustum  Brongn.  u.  v.  a.  Die  Mollusken  dieser  sämmtlichen  Schichten  zeigen 
durchaus  Formen,  welche  Uferbewohnern  oder  Bewohnern  seichter  Meere  ange- 
hören. Ebenso  sieht  man  auch  aus  dem  fast  gänzlichen  Mangel  an  Cephalopoden, 
Brachiopoden  und  aus  der  geringen  Zahl  von  Anthozoen,  dass  die  Ablagerung  in 
einem  seichten  Meere  stattfand.  Die  Hauptmasse  der  Basalteruption  musste  an 
einer  Küste  stattfinden  und  das  Ergiessen  der  Lava  ins  Meer  bereitete  dem  Thier- 
leben den  Untergang,  nur  auf  diese  Art  gelangte  die  an  den  Ufern  lebende  Helix 
damnata  Brongn.  unter  die  marinen  Schalen;  während  die  auf  dem  Festlande 
gebliebene  Lava  zu  Basalt  erhärtete  und  keine  Versteinerungen  enthält.  Die  in 
den  Sandsteinen  und  Schiefern  befindlichen  kleinen  Partien  von  Basalttuffen 
mögen  vielleicht  submarin  sein. 

Ausser  der  grossen  Menge  bereits  bekannter  Mollusken  ist  auch  eine  bedeu- 
tende Anzahl  theils  neuer,  tlieils  aus  diesen  Schichten  nicht  bekannter  Arten 
vorhanden,  deren  Bearbeitung  noch  als  Aufgabe  vorliegt. 

Ein  specielles  Interesse,  bemerkt  ferner  Herr  Stoliczka,  gewähren 
namentlich  einige  Arten,  die  in  höhere  Schichten  hinaufreichen  und  deren  Vor- 
kommen man  daselbst  bisher  in  Zweifel  gezogen  hatte.  Herr  Dr.  Hörn  es  führt 
(Die  fossilen  Mollusken  des  Tertiär-Beckens  von  Wien  I.  Bd.  , p.  195)  die 
von  Brongniart  als  Bostellaria  pes  carbonis  beschriebene  Art  als  synonym 
mit  Chenopus  (Aporrhais)  pes  pelecani  an,  bemerkt  aber,  dass  die  Localitäts- 
Angabe  von  Ronca  bei  Brongniart  vielleicht  nicht  ganz  sicher  sei.  Es  findet 
sich  nun  auch  in  dieser  Sammlung  ein  Exemplar  vor,  das  unzweifelhaft  von 
Ronca  stammt  und  mit  der  im  Wiener  Becken  (besonders  häufig  in  Baden)  vor- 
kommenden Art  vollkommen  ident  ist.  Auch  der  lebende  Aporrhais  pes  pele- 
cani ist  von  dem  fossilen  nicht  verschieden. 

Eine  zweite  Art  ist  das  Cerithium  margaritaceum  Brocchi  sp.,  das  in  den 
sogenannten  Horner  Schichten  des  Wiener  Beckens  vorkommt  und  von  dem 
Dr.  Hörne s (I.  c.  p.  405)  sagt,  es  gehöre  den  oberen  eocenen  Schichten 
an.  Die  Exemplare  von  Ronca  und  Lavacile  stimmen  vollkommen  mit  den 
unsrigen  überein.  Neuerdings  hat  Herr  Dionys  Stur  dieselbe  Species  aus  den 
neogenen  Schichten  von  Siebenbürgen  mitgebracht. 

Ebenso  konnte  Herr  Dr.  Hörnes  keinen  Unterschied  entdecken  zwischen 
den  im  Wiener  Becken  vorkommenden  Arten  Turritella  Archimedis  Brongn. 
und  Xenophora  (Trochus)  cumulans  Brongn.  (I.  c.  p.  55  und  57)  und  den  von 

K.  k.  geologische  Rejchsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


e 


18 


Verhandlungen. 


[10] 


Brongniart  beschriebenen  Arten.  Erstere  ist  nach  Dr.  Hörn  es  (1.  c.  p.  425) 
selten  in  den  unteren  Tegeln  und  Sanden,  sehr  häufig  aber  in  den  oberen; 
letztere  kommt  nur  zu  Loibersdorf  vor,  welche  Schichten  Dr.  Hörn  es  als  die 
tiefsten  des  Wiener  Beckens  bezeichnet.  T.  Archimedis  kommt  nach  vorlie- 
genden Exemplaren  in  Ronca,  Xenoph.  cumulans  zu  Castel  gomberto  vor,  jedoch 
beide  nur  sehr  selten.  Ferner  liegen  von  Ronca  drei  Exemplare  der  Pleurotomn 
cataphrdcta  Brocchi , welche  besonders  häufig  in  den  Tegeln  von  Möllersdorf 
Vöslau  und  Baden  vorkommt  und  endlich  ein  Exemplar  von  Ronca,  welches  nach 
Vergleichung  der  Stücke  von  Grignon  im  k.  k.  Hof- Mineraliencahinet  identisch 
ist  mit  Pleurotoma  terebralis  Lam.  (Deshayes,  Coquilles  fossiles  de  Paris), 
die  sich  nur  durch  einen  variablen  Nathgürtel  über  dem  Band  von  PI.  sabtere- 
bralis  Bell.  (Hörn es  1.  c.  p.  356)  unterscheidet. 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  sich  bei  einem  durchgreifenderen 
Studium  und  näherer  Vergleichung  sowohl  unter  den  Gastropoden  als  Acephalen 
Arten  finden  welche  in  den  Schichten  unseres  Wiener  Beckens  auch  Vorkommen. 
Man  kann  daher  die  Basalt-  und  Basalttuffablagerungen  zwischen  Verona,  Vicenza, 
Bassano  und  Schio  mit  Recht  als  ein  oberes  Eocen  bezeichnen. 

Herr  Director  Hai  ding  er  dankt  noch  den  sämmtlichen  Herren  für  ihre 
werthvollen  Vorträge,  deren  Inhalt  wir  mit  Beruhigung  als  wahre  Bereicherung 
unseres  Wissens  ansehen  dürfen.  Er  freut  sich  auch  namentlich  über  Herrn 
Stoliczka’s  Anschluss  an  unsere  Arbeiten,  besonders  in  den  paläontologischen 
Bestimmungen,  für  welche  noch  ein  weites  Feld  offen  liegt.  Er  legt  sodann  noch 
ein  freundliches  Geschenk  eines  unserer  früheren  Arbeitsgenossen  vor,  des 
Herrn  k.  k.  Professors  Dr.  Victor  Ritter  v.  Zepharovich,  ein  Exemplar  seiner 
lithographirten  „Erläuterungen  zur  Sammlung  für  das  Studium  der  Eigenscbafts- 
lehre  im  Museum  der  Universität  Krakau  1860,“  auf  100  Oclavseiten  889  Num- 
mern, mit  kurzer  Bezeichnung  der  wichtigsten  Eigenschaften,  dazu  Namen  und 
Fundort.  Sehr  zweckmässig  für  den  Gebrauch  der  Studirenden,  für  welche 
Herr  von  Zepharovich  diese  vortreffliche  terminologische  Sammlung,  die 
Frucht  dreijähriger  Bemühungen,  recht  charakteristische  Stücke  zu  erwerben, 
in  Pultschränken  kürzlich  aufgestellt  hat.  Wie  immer  die  ferneren  Verhältnisse 
sich  gestalten  mögen,  in  dem  Kern  des  Wissens  und  der  Lehre  bleiben  Arbeiten 
wie  diese  immer  werthvoll,  und  es  wird  ihnen  von  Freunden  der  Wissenschaft 
auch  die  Anerkennung  nicht  entzogen  werden,  auf  welche  sie  unbedingt  Anspruch 
haben.  „Ich  freue  mich“,  sagt  Haid  in  ger,  „dem  hochverehrten  Freunde  diese 
hier  in  unserer  Mitte  auszusprechen  für  seine  Leistungen  in  der  alten  Jagel- 
lonischen  Universität  zu  Krakau,  eben  so  wie  wir  mit  grösster  Theilnahme  und 
Anerkennung  der  Arbeiten  eines  anderen  hochverehrten  Freundes  und  früheren 
Arbeitsgenossen,  Herrn  k.  k.  Professors  Dr.  Karl  Peters  während  seiner  Wirk- 
samkeit an  der  k.  k.  Universität  zu  Pesth  gedenken,  aus  welcher  Zeit  viele  Bei- 
träge zur  Landeskunde  unseres  grossen  Kaiserreiches  für  immer  in  der  Wissen- 
schaft fortleben  werden.  Weniger  als  so  viele  andere,  sind  die  Studien,  welche 
den  Kreis  unserer  Aufgaben  bilden,  durch  die  Eigenthümlichkeiten  der  auf  dem 
festen  Grunde  einheimischen  organischen  Wesen  bedingt.  Schon  das  Pflanzen- 
reich gewinnt  nach  Ort  und  Lage  den  mannigfaltigsten  Ausdruck,  noch  mehr  das 
Thierreich  in  seiner  Ortshewegung,  in  grösster  Mannigfaltigkeit  aber  scheiden 
sich  die  Völkerstämme.  Die  unorganische  Unterlage,  wie  dies  so  vielfältig  schon 
hervorgehoben  worden  ist,  bietet  die  unabhängigste  Ausbildung  dar,  ist  eine  und 
dieselbe  in  den  verschiedensten  Zonen  und  ganz  dazu  gemacht  in  ihrem  Studium 
wohlthätige  Vereinigungspunkte  darzubieten. 


[1] 


Sitzung  vom  26.  Februar.  M.  V,  Lipoid.  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstetter. 


19 


Sitzung  am  26.  Februar  1861. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitze. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  theilt  die  Resultate  mit  über  die  in 
Gemeinschaft  mit  Herrn  H.  Wolf  im  Herbste  vorigen  Jahres  für  den  mährisch- 
schlesischen Werner- Verein  ausgeführten  geologischen  Anfnahmen  in  der  Umge- 
bung von  Olmütz.  Der  Zweck  dieser  Aufnahmen  war  theils  eine  detaillirtere 
geologische  Kenntniss  des  Terrains,  hauptsächlich  aber  die  anzustrebende 
Trennung  der  Culmschichten  der  Steinkohlenformation  von  den  tieferen  Schich- 
ten der  Grauwackenformation,  und  wo  möglich  eine  Scheidung  der  devonischen 
von  der  silurischen  Grauwacke,  welche  beide  in  Mähren  durch  Petrefacte  sicher- 
gestellt sind.  Letztere  Scheidung  konnte  nicht  durchgeführt  werden,  dagegen 
gelang  die  Trennung  der  Culmschichten  von  den  Grauwackenschichten  vollkommen 
und  zwar  auf  Grundlage  von  Fossilresten,  von  petrographischen  Merkmalen  und 
von  Lagerungsverhältnissen,  indem  die  Culmschichten  einerseits  von  charakteristi- 
schen Conglomeraten  begleitet  werden,  andererseits  aber  gegen  die  Grauwacken- 
schichten abweichend  und  übergreifend  gelagert  erscheinen.  Als  wichtigste 
Resultate  seiner  Detailaufnahmen  nordwestlich  von  Olmütz  in  der  Umgebung 
ton  Könitz  und  Busau  bezeichnete  Herr  Lipoid  das  Auftreten  von  Urthon- 
schiefern  bei  Kladek  im  Terrain  der  Grauwackenformation,  das  Vorkommen  von 
Grauwackenkalksteinen  bei  Jessenetz  und  in  einem  zusammenhängenden  Zuge 
zwischen  Punkew  (über  Brezina  und  Wodecko)  und  Lautsch  an  der  March,  dessen 
nordöstliche  Fortsetzung  am  linken  Marchufer  die  Eulenberger  Kalke  bilden, 
endlich  die  Eisensteinvorkommen  bei  Dzbell  und  Bresko  nächst  Könitz,  und  bei 
Braunöhlhiitten , deren  erstere  den  Eisensteinvorkommen  bei  Sternberg  und 
Deutsch-Lodenitz,  und  letztere  den  Eisensteinvorkommen  an  der  Gränze  der 
Urthon-  und  Grauwackenschiefer  bei  Deutseh-Eisenberg,  Römerstadt  und  Mohrau 
entsprechen. 

Herr  Bergrath  Lipoid  zeigte  ferner  Stücke  von  natürlichen  Cokes  und  eines 
Eruptivgesteines  vor,  welche  Herr  Bergingenieur  Eduard  Kleszczynski  als 
Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingesendet  hatte.  Einzelne 
Stücke  waren  vor  einiger  Zeit  von  Herrn  k.  k.  Bergcommissär  Gustav  Wehrle 
in  Olmütz  an  Herrn  Director  Haidinger  mitgetheilt  worden.  Diese  Gesteine 
wurden  in  dem  Steinkohlenbaue  der  k.  k.  priv.  Nordbahngesellschaft  zu 
Prziwos  nächst  Ostrau  in  Mähren  und  zwar  am  3.  Flötze  beim  Franzschachte  in 
der  Teufe  von  46  Klafter  angefahren.  Nach  den  von  Herrn  Kleszczynski 
mitgetheilten,  die  Art  des  Vorkommens  darstellenden,  Zeichnungen  wurden 
daselbst  eine  ungefähr  2 Klafter  lange  und  1 — 2 Fuss  mächtige  Linse  und  einige 
Knauer  von  einem  Diabas  ähnlichen  und  zum  Theil  mandelsteinartigen  Eruptiv- 
gesteine mitten  im  Steinkohlenflötze  entblösst.  Die  Einwirkung  des  Eruptiv- 
gesteines auf  die  Steinkohle  zeigt  sich  dadurch,  dass  letztere  rings  um  das 
Gestein  in  einer  Breite  von  3 — 4 Zoll  in  sehr  feste  stenglige  kalkhaltige  Cokes 
umgewandelt  ist. 

Herr  Professor  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstetter  erinnerte  daran,  dass  er 
mit  Herrn  Baron  v.  Richthofen  im  Jahre  1856  in  der  Witkowitzer  Stein- 
kohlengrube zu  Hruschau  bei  Ostrau  ein  ähnliches  Auftreten  von  Grünstein  in  dem 
dortigen  Steinkohlenflötze  besichtiget  habe,  worüber  Herr  Dr.  Baron  v.  Richt- 
hofen in  der  Sitzung  der  k,  k.  geologischen  Reichsanstalt  vom  13.  Jänner  1857  *) 

f)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  VIII«  1857,  Seite  162. 


20 


Verhandlungen. 


[2] 


eine  Mittheilung  machte.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  die  eben  erwähnte 
und  die  von  Herrn  Kleszczynski  bekannt  gegebene  Erscheinung  analog  sind, 
und  beide  derselben  Eruption  ihren  Ursprung  verdanken. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  gab  eine  Schilderung  des  Burzenländer 
Gebirges  in  Siebenbürgen,  d.  h.  der  Bergmassen  in  der  südlichen  Umgebung  von 
Kronstadt.  Schon  in  seiner  äusseren  Physiognomie  unterscheidet  sich  dasselbe 
wesentlich  von  dem  in  Westen  sich  anschliessenden,  eine  gerade  westöstlich  ver- 
laufende Kette  bildenden  Fogarascher  Gebirge.  Seine  Hochgipfel,  an  Höhe  jenen 
des  Letzteren  nur  wenig  nachstehend,  krönen  ungeheuere,  aber  durch  tiefe  Sättel 
von  einander  geschiedene  Berg-Kolosse,  die  nicht  in  gerader  Linie  an  einander 
gereiht  sind,  sich  theilweise  zu  bedeutenden  Hochplateaux  erweitern,  wie  man  sie 
so  häufig  in  den  Kalkketten  der  AJpen  antrifft,  und  so  wie  diese  in  prallen  Wän- 
den, deren  Höhe  nach  Tausenden  von  Fussen  misst,  gegen  die  Ebene  oder  gegen 
das  niederere  Bergland  aus  dem  sie  emporragen  abdachen.  Nur  einige  der  höheren 
Gipfel,  darunter  aber  allerdings  die  höchsten,  der  Königstein  (1174  Klafter)  und 
der  imposante  Bucsecs  (1318  Klafter),  liegen  auf  der  Wasserscheide  zwischen 
den  Zuflüssen  des  Alt  im  Norden  und  den  Flüssen  die  in  südlicher  Richtung  durch 
die  Wallachei  der  Donau  Zuströmen;  andere  wie  der  Zeidner  Berg  (682  Klafter), 
der  Schüller  (943  Klafter),  der  Piatra  mare  und  P.  mika  finden  sich  nördlich  von 
dieser  in  mannigfaltigen  Krümmungen  verlaufenden  Linie  und  sind  durch  Thäler, 
welche  die  verschiedensten  Richtungen  einhalten,  von  einander  getrennt. 

Eine  übersichtliche  Schilderung  der  geologischen  Verhältnisse  dieses  Gebir- 
ges wurde  bereits  in  Herrn  v.  Hauer's  Reiseberichten  (Jahrbuch  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  Band  X,  Verhandlungen  Seite  107)  gegeben;  eine  aus- 
führliche und  sehr  werthvolle  Beschreibung  derselben  hat  inzwischen  Herr  Joseph 
Meschendörfer  in  dem  Programm  des  evangelischen  Gymnasiums  zu  Kronstadt 
für  1860  veröffentlicht.  Nur  Einzelnes  noch  ist  diesen  Arbeiten  nachzutragen. 
Dahin  gehört  vor  Allem  die  Entdeckung  einer  petrefactenreichen  Schichte,  die 
Herr  D.  Stur  im  vorigen  Jahre  bei  einem  Besuche  des  Bucsecs  unter  dem  Sattel 
Polizie  auffand.  Unter  den  mitgebrachten  Stücken  erkannte  Herr  Professor  Suess 
die  Rhynchonella  plicat ellci  Sow.,  Terebratula  sphaeroidalis  Soic.  und  einen 
Disaster , Arten,  durch  welche  das  Auftreten  von  braunem  Jura,  einer  Formations- 
gruppe, die  im  ganzen  Lande  bisher  nicht  bekannt  war,  nachgewiesen  wird.  — 
Der  Sandstein  am  Fuss  der  Kalkwand  des  Grohotisch  (ebenfalls  am  Bucsecs),  der 
scheinbar  den  Jurakalk  unterteuft,  gehört  nach  genauerer  Vergleichung  seiner 
freilich  undeutlichen  Petrefacten  (Korallen,  Bivalven,  eine  Nerinea)  aller  Wahr- 
scheinlichkeit nach  der  oberen  Kreide  an.  — Eine  interessante  Bereicherung  der 
Fauna  des  Kronstädter  Neocomien  endlich  bilden  schöne  Exemplare  des  so 
charakteristischen  Belemnites  dilatatus  Blainv.  und  ein  grosser  Sphaerodus- 
Zahn,  wahrscheinlich  zu  Sph.  neocomiensis  Ag.  gehörig,  die  sich  unter  den  von 
Herrn  v.  Hauer  an  der  Fundstelle  in  der  Vallje  dracului  bei  Kronstadt  gesam- 
melten Fossilien  befinden. 

Herr  H.  Wolf  berichtete  über  seine  geologische  Aufnahme  des  Terrains 
zwischen  Brünn,  Boskowits  und  Olmütz,  welche  er  als  Theilnehmer  an  den 
Arbeiten  der  Herren  k.  k.  Bergräthe  Foetterle  und  Lipoid,  für  den  Werner- 
Verein  in  Brünn  im  verflossenen  Herbste  auszuführen  Gelegenheit  hatte. 

Als  Träger  des  in  diesem  Terrain  herrschenden  Schichtencomplexes  erscheinen 
vornämlich  die  Eruptivmassen  des  Syenites  zwischen  Brünn  und  Boskowitz,  welches 
Gestein  in  einer  ganz  kleinen  Partie  zwischen  Rittberg  und  Gross-Latein,  eine 
Meile  SW.  von  Olmütz,  noch  einmal  zu  Tage  trilt,  und  dann  der  Granit  von 
Krzmann  anderthalb  Meilen  SSO.  von  Olmütz.  Ueber  der  letzteren  Partie  sieht 


Sitzung  vom  26.  Februar.  H.  Wolf. 


21 


[3] 

man  die  geringen  Reste  eines  Glimmerschiefers,  und  über  jener  bei  Gross-Latein 
die  eines  Glimmer-  und  Urthonsehiefers,  Phyllites,  welcher  bei  Rittberg  selbst 
noch  von  quarzitartigen  Sandsteinen  bedeckt  wird.  Aehnliche  Quarzitsandsteine 
treten  in  grösserer  Mächtigkeit  an  der  Ostgrenze  des  grossen  mährischen  Syenit- 
stockes, dreiviertel  Meilen  nordöstlich  von  der  Eisenbahnstation  Raitz  zwischen 
Ratikow  und  Petrowitz  auf.  Sie  werden  begleitet  von  verschiedenfarbigen,  oft 
talkigen  und  graphitischen  Schiefern,  denen  ein  graulichweisser,  haibkrystalli- 
nischer  feinsplittriger  Kalk  mit  Brauneisensteinzügen  eingelagert  ist.  Diese 
Schichtenreihe  verschwindet  von  Nord  gegen  Süden  immer  mehr  und  mehr 
unter  jüngeren  Gesteinen,  so  dass  sie  bei  Babitz  nur  mehr  durch  eine  1 Fuss  mäch- 
tige Schichte  repräsentirt  ist.  Schon  ungefähr  vor  30  Jahren  hatte  Herr  Freiherr 
v.  Reich enba c h in  seiner  Schrift  „Geologische  Mittheilungen  aus  Mähren“  diese 
Schichten  unter  dem  gemeinsamen  Namen  Lathon  beschrieben  und  auf  das 
Genaueste  in  einer  beigegebenen  Karte  begrenzt.  Sie  müssen  wohl  auch  ferner 
noch  von  den  darüber  folgenden  mächtig  entwickelten  Kalken  getrennt  und  als 
ein  selbstständiges  Formationsglied  festgehalten  werden.  Das  nächst  jüngere 
Gebirgsglied  bilden  die  Kalke  zwischen  Lösch  und  Slaup,  welche  in  einer  2 bis 
3000  Klafter  breiten  Zone  dem  Terrain  jenen  grotesk-romantischen  Charakter 
verleihen,  der  gewöhnlich,  durch  die  Benennung  „Mährische  Schweiz“  versinn- 
licht wird.  Aehnliche  Kalke  finden  sich  noch  bei  Rittberg,  Gross-Latein,  Nebetein, 
und  in  der  Tiefenlinie  des  March-  und  Beczwaflusses,  bis  Krzmann,  Kokor, 
Przedimost,  Winar  und  Sobieschek,  nördlich  von  Prerau,  dann  bei  Weisskirchen 
und  Zbraschau.  Es  sind  dies  nur  mehr  einzelne  Rudimente  einer  grösseren  einst 
im  Zusammenhänge  gestandenen  Kalkformation.  Mit  Ausnahme  von  Rittberg, 
Hadiberg  und  Babitz  liefert  dieselbe  wenig  Bestimmbares  an  Petrefacten.  Diese 
Punkte  geben  die  Leitversteinerungen  zur  richtigen  Feststellung  des  geologischen 
Horizontes  des  Kalkes.  Nach  dem  bei  Rittberg  aufgefundenen  String ocephalus 
Burtini  ist  er  mit  den  Eitlerkalken  des  rheinischen  Systems  zu  paralle- 
leren und  als  ein  unteres  Glied  der  Devonformation  zu  betrachten.  Bei  Kiritein, 
Jedownitz  und  Ostrow  findet  sich  im  Hangenden  dieser  Kalke  ein  schmaler  Zug 
von  aus  grüngefleckter,  in  gelbe,  rosa  und  dunkelrothe  Färbung  übergehendem 
Marmor,  welcher  einzelne  Trümmer  und  Geschiebe  des  tieferen  Kalkes  ein- 
schliesst.  Versteinerungen  wurden  in  ihm  nicht  entdeckt,  aber  er  ist  petrogra- 
phisch  ganz  gleich  mit  jenem,  welcher  in  k.  k.  Schlesien  im  Bezirk  Hotzenplotz 
bei  Nieder-Paulowitz  in  einem  Schurfschachte  auf  Kohlen  angefahren  wurde  und 
in  dem  Herr  Professor  Goeppert  Clymenien  fand,  die  seine  Einreihung  in  die 
oberen  Glieder  des  Devonsystems  bestimmen.  Eine  mächtige  Schichtenreihe  von 
wechselnden  Schiefer  und  Sandsteinlagen,  manchmal  mit  Conglomeraten  begin- 
nend, bedeckt  in  übergreifender  Lagerung  die  bisher  genannten  Formations- 
glieder. Allgemein  unter  der  Bezeichnung  Grauwacke  bekannt,  bildet  sie  in 
Mähren  und  Schlesien  eben  so  grosse  Flächenräume,  wie  die  Sandsteine  des 
Karpathenzuges.  Die  eingelagerten  Schiefer  begründen  die  grosse  mährisch-schle- 
sische Dachschiefer-Industrie  zwischen  Olmütz  und  Troppau.  Von  den  hohen 
Sudeten  im  Norden  ist  ihr  Verbreitungsgebiet  durch  eine  bedeutende  Depression 
unterschieden,  sie  setzt  ein  weites  Plateau  zusammen,  welches  von  West  gegen 
Ost  sich  allrnälig  senkt,  und  endlich  in  einer  Terrassenstufe  gegen  das  Terrain 
der  miocenen  und  diluvialen  Ablagerungen  abstürzt.  Die  westliche  Grenze  dieses 
Plateaus  wird  gebildet  durch  eine  Linie,  aus  der  Gegend  von  Neustadt  in  Preussisch- 
Schlesien  nach  Johannesthal  inOesterreichisch-Schlesien  und  von  hier  weiter  gegen 
Süden  durch  die  Orte  Röwersdorf,  Heinzendorf,  Kronsdorf,  Lichten,  Spachendorf, 
Herzogswald,  Bautsch,  Domstadtl,  Olmütz,  Könitz,  Jessenetz,  Beneschau,  Slaup. 


22 


Verhandlungen. 


W 

Die  Ostgrenze  wird  eben  durch  die  vorerwähnte  Terrassenstufe  gebildet, 
in  eiuer  ganz  geraden  hei  15  Meilen  langen,  von  SW.  gegen  NO.  hinziehen- 
den Strecke  zwischen  Brünn  und  Hultschin  bis  an  den  Rand  des  Ostrauer 
Steinkohlenbeckens.  Von  Herrn  Prof.  Göppert  wurden  die  Pflanzenreste 
dieser  Schichten  bei  Grätz,  Jägerndorf  und  Hotzenplotz  als  gleichartig  mit 
jenen  von  Hainichen  in  Sachsen  und  dann  aus  dem  Posidonomyenschiefer  bei 
Herborn  und  Eimelsrode  in  Nassau  erkannt. 

Die  volle  Identität  der  mährisch-schlesischen  Grauwacke  mit  den  Posido- 
nomyenschiefern  von  Herborn  ist  aber  erst  erwiesen  durch  die  Funde  von  Gonia- 
tites  crenistria , durch  die  Herren  v.  Hauer  und  Dr.  Hörn  es  bei  Schönstein 
nächst  Troppau,  und  von  Posidonomya  Bechert  bei  Morawitz  und  Waltersdorf 
durch  Herrn  Wolf.  Johannesfeld  und  Bleischwitz  sind  nach  den  Angaben  der 
Herren  Goeppert  und  Römer  Fundorte  der  gleichen  Pflanzenfossilien.  Ferner 
fanden  noch  die  Herren  v.  Hauer  und  Dr.  Hörn  es  dergleichen  bei  Austy  nächst 
Weisskirchen,  Hruschka  an  der  Seibersdorfer  Mühle  bei  Domstadtl,  dann  noch 
Herr  Prof.  Heinrich  an  der  Kritschenmiihle  bei  Lösch.  Ueberall  ist  Calamites 
transitionis  Goepp.  das  herrschende  Fossil. 

Die  den  Posidonomyen-,  oder  Culmschichten  nächstjüngeren  Formations- 
glieder des  untersuchten  Gebietes  sind  schon  die  oberen  Jurakalke  bei  Brünn 
und  Blansko.  Diese  hat  bereits  Herr  Prof.  Reuss  näher  beschrieben. 

Herr  Wolf  legte  ferner  aus  einer  grösseren  Einsendung  des  Herrn  Thomas 
Ambros,  k.  k.  Waldbereiters  in  Berzowa  im  Maroschthale  (Arader  Comitat), 
mehrere  Gcbirgsarten  vor,  darunter  sind:  Gypse  von  Dombrovitza,  Basalt 
von  Bänya-Vamfalu  im  Szathmarer  Comitat;  Pflanzenabdrücke  aus  dem  Thale 
der  Sebes  Körös;  Cerithiensandstein  von  Boros  Sehes;  Leithakalkpetrefacten 
von  Kresztamenes  und  Felmenes  im  Süd-Biharer  Comitat;  Kreidesandsteine 
von  Milowa  und  Berzowa;  Thonschiefer  und  Glimmerschiefer  aus  dem  Gebiete 
zwischen  Vilagos  und  Solymos  im  Arader  Comitat.  Es  sind  dies  ausgewählte 
Stücke  aus  einer  Suite  von  282  Nummern,  die  Herr  Ambros  während  seiner  viel- 
fachen und  wiederholten  Reisen  als  Forsttaxator  des  provisorischen  Grundsteuer- 
katasters in  Grosswardein  zu  Stande  bringen  konnte. 

Die  Zusendung  enthält  Musterstücke  von  allen  in  den  Comitaten  Szathmar, 
Nord-  und  Süd-Bihar  und  Arad  vorkommenden  Gesteinen.  Namentlich  war  es 
sehr  erwünscht,  aus  den  Gebieten  der  Feher-  und  der  Fekete  Körös  Einiges  zu 
erhalten,  da  diese  Flussgebiete  in  die  Uebersichtsaufnahme  des  verflossenen 
Jahres  nicht  einbezogen  wurden,  weil  schon  die  Copie  einer  geologischen  Karte 
dieses  Terrains  vorlag,  welche  Herr  Prof.  Peters  vor  zwei  Jahren  als  Mitglied 
der  naturwissenschaftlichen  Commission  zur  Erforschung  des  Biliarer  Gebirges 
entworfen  hatte,  zu  welcher  aber  noch  die  Belegstücke  fehlten.  Nun  sind  auch 
diese  erworben. 

Zum  Schlüsse  legte  Herr  Wolf  mehrere  Fragmente  von  Schenkelknochen 
eines  Mastodonten  aus  den  Steinbrüchen  in  den  Cerithiensandsteinen  von  Atzgers- 
dorf  bei  Wien  vor.  Aehnliche  Reste  wurden  auch  schon  aus  gleichen  Schichten 
in  den  Steinbrüchen  an  der  Türkenschanze  von  Herrn  Letocha  gefunden.  Diese 
Knochenstücke  verdankt  die  Anstalt  Herrn  Johann  Fichtner,  Oekonomie-  und 
Fabriksbesitzer  in  Atzgersdorf,  der  bereits  hei  seinen  industriellen  Unterneh- 
mungen manchen  interessanten  Fund  gemacht  und  ihn  für  die  Wissenschaft 
gerettet  hat. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fötterle  legt  nebst  andern  Druckschriften  auch  das 
eben  erschienene  Montan-Handbuch  des  österreichischen  Kaiserstaates  für  1861 
vor,  herausgegeben  vom  k,  k.  Rechnungsrath  Johann  Bapt.  Kraus.  Nach  einer 


Sitzung  vom  26.  Februar.  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstetter. 


23 


[8] 

Unterbrechung  von  drei  Jahren  wird  nun  dieses  Handbuch  mit  specieller  Bewil- 
ligung und  Unterstützung  mit  amtlichen  Eingaben,  als  19.  Jahrgang  der  ganzen 
Reihe  vom  Jahre  1838  an,  von  Herrn  Kraus,  dem  diese  bisherige  Reihe  zu 
danken  ist,  fortgesetzt  werden.  Diese  Unterbrechung  hatte  das  Bedürfnis  des- 
selben erst  recht  augenfällig  gemacht,  da  es  bei  der  in  letzterer  Zeit  so  bedeu- 
tend entwickelten  Montan-Industrie  in  Oesterreich  an  einem  derartigen  Mittel- 
punkte, wo  sich  Fachgenossen  so  leicht  wiederfinden,  fehlte. 

Herr  k.  k.  Professor  Dr.  F.  v.  Hochstetter  machte  eine  Mittheilung  aus 
einem  Schreiben  des  Herrn  Georg  Ulrich,  Geologen  des  „Geological  Sarvey 
Office“  in  der  Colonie  Victoria  in  Australien  datirt:  „Geological  Survey  Camp, 
Strathloddon  Nov.  20.  1860.“ 

„In  dem  Systeme  unserer  geologischen  Aufnahmen  ist  seit  Ihrer  Abreise 
nichts  geändert  worden:  das  Parlament  hat  die  alten  Salaire  wieder  bewilligt 
und  Mr.  Selwyn’s  Anordnungen  gut  geheissen  und  so  schreiten  wir  denn  noch 
in  derselben  Weise,  wie  sie  es  sahen,  mit  unserem  Kartenmachen  vorwärts. 
Strathloddon,  seit  einigen  Monaten  unser  Campplatz,  liegt  6 Meilen  südlich 
von  Castlemaine  und  in  der  Mitte  unserer  neuen,  34  engl.  Quadratmeilen  grossen 
Kartenarea,  in  der  ich  schon  ziemlich  alle  Hügel  bestiegen  und  die  Thalrinnen 
durchlaufen  habe.  Silurisehe  Sandsteine  wechsellagernd  mit  dünnen  Quarzfels- 
bänken und  den  weichen  weissen  Schlammschiefern  bilden  das  ewige  Einerlei 
der  Schichten  und  mit  Ausnahme  einiger  Fucoiden  und  des  im  Allgemeinen  sel- 
tenen, hier  häufigen  Graptolitus  Folium  sind  auch  die  Versteinerungen  dieselben 
geblieben  wie  die  von  Castlemaine.  Ich  muss  jedoch  erwähnen,  dass  die  unvoll- 
kommenen Abdrücke,  die  wir  bisher  für  Lingula  hielten  nach  einigen  am  Loddon 
gefundenen,  deutlichen  Exemplaren  von  M’ Coy  für  Hymenocaris  vermicauda 
erkannt  wurden  — ein  Krebs,  der  sich  auch  in  den  silurischen  Schichten  von 
Wales  in  ähnlicher  Weise  vorfindet.  — Die  Go  Id  seifen  treten  in  diesem 
Districte  in  weit  grossartigerer  Entwicklung  auf,  als  in  der  Nähe  Castlemaine's 
und  ihre  nähere  Untersuchung  hat  mich  jetzt  ganz  in  meiner  früheren  Ansicht 
befestigt,  dass  man  die  Drifts  nicht,  wie  Selwyn  in  5,  sondern  in  3 Abtheilun- 
gen — und  diese  kaum  nennenswerthe  geologische  Zeiträume  der  Tertiär- 
Epoche  (?)  repräsentirend  — bringen  kann:  ältere,  mittlere  und  jün- 
gere Gol  d drifts. 

Von  diesen  begreift  die  ältere  Abtheilung  nur  kuppenförmige  Aufsätze 
harter  Conglomerate  oder  sehr  fester  Geröllschichten  von  gänzlich  gerundeten 
Quarzstücken  (andere  Gesteinsfragmente  sind  selten)  auf  meistens  isolirten  silu- 
rischen Hügeln.  Die  zweite  Abtheilung  begreift  ebenfalls  Driftkuppen  auf 
isolirten  Hügeln,  dieselben  sind  aber  viel  niedriger  als  die  der  älteren  Abthei- 
lung, ferner  Ablagerungen  von  Drift  an  den  Abhängen  der  älteren  Hügel  und  die 
sogenannten  tiefen  Lead’s.  Im. Charakter  ist  diese  Abtheilung  von  der  vorigen 
hauptsächlich  darin  verschieden,  dass  das  Material  in  Bezug  auf  Grösse  und 
Schwere  der  Gesteinsfragmente  weniger  regelmässig  abgelagert  und  selten  sehr 
hart  conglomerirt  ist,  dass  Thonlagen , die  in  der  älteren  Abtheilung  gänzlich 
fehlen,  hier  häufig  auftreten  und  dass  besonders  der  „Gravel“  ein  Gemenge 
gerundeter  und  kantiger  Quarz-  und  anderer  Gesteinsfragmente  ist,  zwi- 
schen denen  sich  häufig  grössere  und  kleinere  Brocken  des  älteren  Hügelconglo- 
merates  vorfinden.  — Das  Ganze  scheint  überhaupt  das  Product  einer  zweiten 
starken  Abwaschung  der  angrenzenden  Höhen,  vermischt  mit  Resten  zerstörter 
älterer  Driftablagerungen  zu  sein.  — Die  dritte  oder  jüngere  Abthei- 
lung  endlich  ist  die  von  dem  Digger  „Alluvial“  genannte  Ablagerung,  welche 
sich  in  jeder  „Gully“  und  „Flat",  aus  ohne  Regelmässigkeit  abwechselnden 


24 


Verhandlungen. 


[«] 


Sand-,  Thon-  und  meist  kantigen  „Gravelschichten“  bestehend,  vorfindet.  Nur 
wenn  Gullies  oder  Fiats  dicht  neben  älteren  Driftablagerungen  entlang  laufen 
oder  dieselben  durchbrochen  haben,  ist  auch  gerundeter  Gravel  darin  enthalten. 
Nachfolgende  zwei  Durchschnitte  werden  diese  relativen  Lagerungsverhältnisse 
noch  anschaulicher  machen.  * 


(•  Aelterer  Golddrift  250  bis  260  Fuss  hoch.  2.  Mittlerer  Golddrift  100  bis  IjO  Fuss  hoch.  3.  Jüngerer  Golddrift. 
4.  Harter  grauer  silurischer  Sandstein.  5.  Weicher  weisser  silurischer  Schieferthon. 


F.g.  2. 


White  Hill. 


Ballaarat  Hill. 


Back  Creek  — Daisy  Bill. 


1.  Aelterer  Golddrift.  2.  (Gravels)  Gerolle  und  Sand,  mittlere  Golddrift,  tiefe  Leads  30  bis  60  Fuss  mächtig,  die 
oberen  20  bis  30  Fuss  bestehen  aus  schwarzem  bituminösem  Thon,  daher  Black  leads  genannt.  3.  25  bis  30  Fuss 
schwarzer  bituminöser  Thon.  4.  Jüngerer  Golddrift.  5.  Weicher  weisser  silurischer  Schiefer.  6.  Basalt. 


Die  einseitig  terrassenförmige  Contour,  welche  das  Hauptthal  der  Campbells 
Creek  zeigt,  wiederholt  sich  ganz  in  derselben  Weise  auch  an  Freyers  Creek, 
Creswick’s  Creek  und  mehreren  anderen  Plätzen  und  ist  insoferne  eine  merk- 
würdige Erscheinung,  als  die  Auswaschung  aller  dieser  jetzigen  Creeks  gerade 
in  den  harten  silurischen  Sandsteinen  stattgefunden  hat.  Der  Abstand  im  Niveau 
zwischen  dem  älteren  und  mittleren  Golddrift  ist  besonders  auffallend  am  Freyers 
Creek:  dort  bildet  z.  B.  der  Welsh  Mountain  einen  ziemlich  steilen  abgestumpf- 
ten Kegel,  dessen  20  bis  30  Ellen  im  Durchmesser  haltender  flacher  Kopf  eine 
12  bis  16  Fuss  mächtige  Kuppe  von  Quarzconglomerat  und  schwerem  gerun- 
deten Quarzgravel  trägt,  aus  dem  viel  und  starkes  Gold  erzielt  wurde,  und  welche 
wenigstens  130  Fuss  über  dem  mittleren  Golddrift  liegt,  der  sich  am  Fusse  des 
Hügels  als  eine  schmale  Ebene  hinzieht,  die  seitwärts  durch  das  mit  jüngerem 
Golddrift  gefüllte  Thal  der  Freyers  Creek  begrenzt  und  weiter  fort  vom  Basalt 
überlagert  ist.  An  den  Seiten  des  Hügels  herab  bis  zu  dieser  Driftebene  findet 
man  allenthalben  Conglomeratbrocken,  grosse  Quarzkugeln  und  Waschgold  — 
(d.  h.  dieses  war  einmal  zu  finden,  ehe  der  Digger  es  auswusch!)  — Spuren 
zerstörter  älterer  Anschwemmung,  d.  h.  der  ganze  Mantel  bildet  einen  sogenann- 
ten „Surface  patch.“  — In  Betreff  des  Daisy  Hill- Durchschnitts  muss  ich 
bemerken,  dass  die  breite  Ebene  („Flat“)  die  Linie  der  älteren  Drifthügel  bei- 
nahe rechtwinklig  durchbricht  und  dass  die  drei  angedeuteten  einander  parallel 
laufenden  tiefen  Leads  (Gutters)  erst  in  diesem  Durchbruch  anfangen  abbau- 
würdig Gold  zu  enthalten,  im  Plan  ungefähr  wie  Fig.  3. 


cn 


Sitzung  vom  26.  Februar.  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstetter. 


25 


Der  Hauptgrund,  der 
mich  dazu  veranlasst,  die 
tiefen  Leads  mit  der  jün- 
geren Hügelanschwem- 
mung für  gleichzeitig  zu 
halten,  ist  nun  folgender: 

An  allen  Plätzen,  wo  tiefe 
Leads  mit  älteren  Hügeln 
auftreten,  fehlen  die  jün- 
geren Hügel,  und  umge- 
kehrt, wo  diese  Vorkom- 
men, sind  keine  tiefen 
Leads  zu  finden,  ich  be- 
haupte desshalb  , dass 
beide  Formen  der  An- 
schwemmung das  Product 
einer  und  derselben  combinirten  Denudations-  und  Depositionsperiode  sind, 
nur  gegenwärtig  in  Lagen  modificirt  erscheinend,  in  Folge  von  Localitäts-  und 
anderen  Verhältnissen  (Charakter  des  Bodens  u.  s.  w.),  welche  auf  die  Art  oder 
Weise  der  Ablagerung  des  jüngeren  Goiddrifts  einen  Einfluss  ausübten.  Zwar 
ist  der  Grund,  auf  den  diese  Behauptung  sich  stützt,  ein  indirecter,  er  bekommt 
aber  dadurch  Gewicht,  dass  die  andere  Annahme,  nämlich  von  zwei  verschiedenen 
Zeitperioden  für  die  Bildung  der  jüngeren  Hügel  und  Leads,  wie  mir  zum  wenig- 
sten scheint,  gar  nicht  bestehen  kann;  denn  wie  sollte  man  sich  z.  B.  erklären, 
dass  die  Gewässer,  starke  oder  schwache,  die  das  Campbells-Creek-Thal  aus- 
wuschen und  dort  die  jüngeren  Hügel  bildeten,  oder  vielmehr  derZeitraum,  in 
dem  dieses  bewirkt  wurde,  ohne  Spuren  ähnlicher  Wirkungen  in  dem  kaum 
11  Stunden  davon  entfernten  Daisy  Hill  vorübergegangen,  oder  dass  umgekehrt 
die  Agentien,  die  an  diesem  Platze  die  tiefen  Leads  bildeten,  nur  local  ohne  Ein- 
fluss auf  das  nahe  Campbeils  Creek  Goldfeld  gewesen? 

Der  Umstand,  dass  die  Leads  sich  nur  in  sehr  breiten  Fiats  finden,  deren 
Boden  durchschnittlich  aus  den  weichen  Schlammschiefern  besteht,  lässt  mich  die 
Verschiedenheit  in  den  Ablagerungsverhältnissen  der  jüngeren  Hügel  und  Leads 
beziehungsweise  zum  jüngeren  Golddrift  daher  erklären,  dass,  wie  eben  die 
Ausdehnung  der  Lead-Flats  beweist,  vielleicht  stärkere  Gewässer  an  diesen 
Plätzen  wirkten,  oder  dass  auch  bei  schwächeren  der  Effect  in  den  weichen 
Schiefern  viel  grossartiger  und  weitgreifender,  in  Wirklichkeit  so  ausgedehnt 
war,  dass  die  späteren  Fluthen  der  neueren  Golddrift-Periode  Baum  hatten,  sich 
auszubreiten  und  so  ihr  Material  über  die  Lead-Geschiebe  zu  deponiren,  ohne, 
wie  an  Campbells  Creek  u.  s.  w.  sich  seitliche  Canäle  zu  graben. 

Dem  in  diese  Zeit  fallenden  Hervorbrechen  der  ausgedehnten  Ströme  des 
jüngeren  Basalts  möchte  auch  ein  nicht  unbedeutender  Einfluss  auf  die  Erzeugung 
jener  besonderen  Lagerungsverhältnisse  der  Drifts  beigemessen  werden  können. 
Manche  der  breiten  Lead-Flats  zeigen  z.  B.  ganz  offenbar,  dass  sie  früher  durch 
Basalt  abgedämmt  waren,  also  zur  Aliuvial-Zeit,  und  so  lange,  bis  der  jetzt  vor- 
handene enge  Canal  durch  den  Basalt  gegraben  war,  gewissermassen  kleine 
Binnenseen  bildeten,  in  denen  weniger  eine  Denudation  als  vielmehr  ein  ruhiger 
Absatz  des  Alluviums  stattfinden  musste.  An  anderen  Plätzen  scheinen  die 
Wasserscheiden  der  Creeks  durch  Basaltströme  ganz  geändert  zu  sein.  Nur  bei 
einem,  nämlich  dem  Ballaarat  Goldfelde,  bin  ich  in  Betreff  des  Alters  der  dort 
in  grosser  Anzahl  auftretenden  tiefen  Leads  zweifelhaft.  Nach  Mr.  Selwyn  sollen 

K,  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  d 


Fig.  3. 


Daisy  Hill  Durchschnitt. 

a Basalt,  b White  Hill,  c Red  Hill,  d Ballaarat  Hill,  ef  der  Durchschnitt, 
g Anfang  der  abbauwürdigen  Goldführung. 


26 


Verhandlungen. 


[8] 

nämlich  daselbst  keine  älteren  Hügel  vorhanden  sein  und  es  wäre  desshalb  mög- 
lich, dass  diese  Leads  mit  den  älteren  Hügeln  anderer  Diggings  gleiches  Alter 
hätten,  wobei  man  annehmen  könnte,  dass  der  steil  ravinenartige  Charakter  der 
Lead-Thäler,  sowie  die  vorhandenen  starken  Decklagen  von  Basalt  eine  ähnliche 
Niveau-Veränderung,  wie  bei  jenen  d.  i.  von  Thal  zu  Hügel  verhinderten.  Indess 
scheint  mir  diese  Erklärung  etwas  zu  problematisch  und  ich  habe  einige  Zweifel 
in  die  Richtigkeit  von  Mr.  Selwyn’s  Behauptung,  indem  ich  mich  erinnere,  bei 
einem  früheren  kurzen  Besuche  von  Ballaarat,  im  oberen  Theile  des  Goldfeldes 
hügel  artige  Diggingsplätze  gesehen  zu  haben.  Jedenfalls  wird  mich  nächstens 
ein  anderer  längerer  Besuch  hinreichend  über  diesen  Punkt  belehren.  Nur  zum 
Schlüsse  dieses  noch  die  Mittheilung  einer  interessanten  Entdeckung,  auf  die  sich 
das  oben  hinter  „Tertiärepoche44  bemerkte  Fragezeichen  bezieht. 

Unser  College  Daintree  hat  nämlich  bei  seinen  Untersuchungen  im  Bachus 
Marshdistricte  (30  — 40  Meilen  von  Melbourne  nach  den  Goldfeldern  zu)  unter 
den  oolithischen  (?)  Kohlensandsteinen  anstehende  und  unmittelbar  auf  dem 
Silurian  ruhende  Quarzconglomerate  gefunden,  die  sich,  einen  Goldgehalt  (der 
aber  nicht  geprüft)  abgerechnet,  in  nichts  von  den  Conglomeraten  der  älteren 
Hügel  unterscheiden,  und  was  das  Merkwürdigste,  die  in  bergigen  Districten, 
zuweilen  noch  mit  Kohlensandstein  dünn  überlagert,  jedoch  meistens  ganz  frei, 
die  Kuppen  von  Hügeln  bilden,  welche,  wie  Daintree  sich  ausdrückt:  „ look 
for  all  the  world  like  the  old  drift  hills  of  the  diggings 44 . Bringt  man  nun  mit 
dieser  Thatsache  noch  die  andere  in  Verbindung,  dass  in  einer  Mulde  des  Coli- 
banthales  nahe  Kyneton  und  1800  Fuss  über  dem  Niveau  der  See  ein  kleiner 
Fleck  von  Kohlensandstein  vorkommt,  so  ist  doch  gewiss  die  Frage  aufzuwerfen, 
stehen  nicht  die  bei  dem  nur  einige  Meilen  von  diesem  Punkte  entfernten  Tara- 
dale  Goldfelde  auftretenden  älteren  Hügel  zu  diesem  , dem  Coliban-Kohlensand- 
steine,  in  derselben  Beziehung  wie  die  Conglomerate  von  Bachus  Marsh  zu  dem 
dortigen  Kohlensandstein?  Daintree  und  ich  sind  hierüber  derselben  Meinung; 
uns  scheint  ein  Zweifel  an  das  tertiäre  Alter  der  älteren  Golddrifthügel  sehr 
gerechtfertigt;  Mr.  Selwy  n undAplin  schwanken  und  wagen  sich  nicht  bestimmt 
auszuspechen;  Revd.  W.  B.  Clarke  von  Sydney  dagegen,  dem  ich  meine 
Ansichten  bei  seinem  Besuche  hier  vor  einigen  Monaten  mittheilte,  war  damals 
sehr  damit  einverstanden  und  erwähnte  selbst  eines  Vorkommens  von  goldhal- 
tigem Congiomerat  der  Kohlenformation  an  der  Sydneyseite.  Sein  kürzlich 
erschienenes  Buch  über  die  Goldfelder  Sydney’s  zeigt  mir  jedoch,  dass  er  leider 
meine  Idee  falsch  aufgefasst  hat,  indem  er  sagt,  ein  member  of  the  geological 
snrvey  of  Victoria  habe  ihm  mitgetheilt,  dass  es  sehr  wahrscheinlich  sei,  die 
älteren  Golddrifts  der  Diggings  seien  theilweise  Reste  von  zerstörtem  „ Car - 
boniferous  Conglomerate“.  — Findet  Daintree  bei  seinem  jetzt  wieder 
begonnenen  Survey  am  Bachus  Marsh  Gold  in  den  Conglomeraten  und  kann  er 
dieselben  mit  den  alten  Golddrifthügeln  von  Mt.  Biackwood,  dem  nächsten  Gold- 
felde, in  Verbindung  bringen,  so  gebe  ich  jener  Lesart  von  Clarke  allerdings 
Beifall,  jedoch  nur  insofern,  als  ich  unter  Clarke’s  älterem  Golddrift  die  jün- 
geren Hügel  und  Leads  verstehen  würde,  die  theilweise  aus  dem  Material  zer- 
störter älterer,  d.  h.  Carbonifer o us- Hügel  bestehen. 

An  mineralogisch  Neuem  ist  die  Entdeckung  von  Diamanten  am 
Ovens-Goldfelde  von  besonderem  Interesse.  Der  zuerst  gefundene  von  Erbsen- 
grösse erregte  sogar  eine  Discussion  im  Parlament.  Beinahe  wäre  es  zur  Ver- 
flüchtigung des  Steines  gekommen,  hätten  sich  die  Leutchen  nicht  mit  dem 
Bericht  des  Chemikers  Ford,  der  die  Härte  und  das  specifische  Gewicht  des 
Steines  als  mit  dem  des  Diamanten  übereinstimmend  nachwies,  zufrieden  gege- 


Sitzung  vom  26.  Februar.  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstctter, 


27 


[9] 

ben. — Die  Krystallform,  ein  reines  Pyramidenoktaeder  mit  Oktaederabstumpfun- 
gen , so  wie  die  besonders  charakteristische  Wölbung  der  Flächen  Hessen 
übrigens  den  Diamanten  auf  den  ersten  Blick  erkennen.  Das  Vorkommen  von 
Edelsteinen  im  Golddrift  erregt  überhaupt  seit  Kurzem  hier  grosse  Aufmerksam- 
keit und  Saphire,  Hyaci  nthen,  Topase  u.  s.  w.  sind  schon  von  verschiedenen 
Diggings  bekannt  geworden. 

Auch  ich  habe  mich  kürzlich  in  dieser  Hinsicht  etwas  um  die  Mining  Com- 
munity verdient  gemacht,  indem  ich  durch  die  Zeitung  die  Aufmerksamkeit  der 
Digger  auf  das  ausserordentlich  häutige  Vorkommen  von  Saphiren  und  Hya- 
cinthen,  seltener  orientalischen  Rubinen  im  älteren  Golddrift  des  Loddon  River 
gerichtet  habe. 

Meist  in  jedem  Findish,  der  vom  Boden  der  Anschwemmung  gewaschen 
wird,  finden  sich  diese  Edelsteine  und  gar  nicht  selten  klar,  von  schöner  Farbe 
und  Linsen-  bis  Erbsengrösse.  Von  Letzteren  besonders  bin  ich  überzeugt,  dass 
man  noch  schöne  grosse  Exemplare  tinden  wird,  indem  die  meisten  Körner  die 
ich  sah,  nach  einzelnen  Krystallflächen  und  Blätterdurchgängen  zu  urtheilen,  von 
grösseren  durch  die  Reibung,  vielleicht  auch  durch  die  Arbeit  im  Drift  zer- 
brochenen Krystallen  herstammen.  Die  Zirkone  sind  meistens  vollkommen, 
jedoch  nur  sehr  einfache  Krystalle;  ich  besitze  einen,  der,  was  gewiss  nicht 
häufig,  ein  reines  Quadrat-Oktaeder  ist.  Ein  anderes  seltenes  Vorkommen  von 
Zirkon,  was  ich  in  keiner  Mineralogie  bemerkt  gefunden  habe,  sind  säulenförmige 
Krystalle,  die  Dichroismus  zeigen  : gegen  die  Seite  gesehen  sind  dieselben  näm- 
lich wasserklar,  in  der  Richtung  derselben  aber  schön  smaragdgrün.  — In 
Betreff  der  ursprünglichen  Lagerstätte  sowohl  der  Saphire  als  der  Zirkone  hege 
ich  keinen  Zweifel,  dass  dieselbe  ein  sehr  alter  stark  verwitternder  Basalt  am 
obern  Loddon-River  ist,  da  ich  schon  früher,  sowohl  aus  dem  basaltischen  Thon 
des  Basalt-Escarpments,  als  auch  aus  einer  weichen  weisslichen,  zwischen  harten 
Basaltlagen  eingeschlossenen  Wackenschicht  Zirkone  und  seltener  kleine  Saphir- 
körner ausgewaschen  habe.  An  anderen,  uns  bisher  hier  unbekannten  Mineralien 
kann  ich  Chabasit  erwähnen,  den  ich  in  einem  sehr  harten  Anamesit  ähnlichen 
Basalt,  in  der  Nähe  der  Clunes  Diggings,  in  kleinen  Nestern  mit  Aragonit  fand. 
Ferner  erkannte  ich  Analcim  in  einem  Office-Handstücke  von  Basalt* Mandelstein 
von  Philipp  Island,  die  Krystalle  sind  ziemlich  wasserklar  und  beinahe  von 
Erbsengrösse.  — Der  interessanteste  und  nur  erst  vor  Kurzem  von  Mr. 
W i l ki  nson  gemachte  Fund  ist  indess  der  einer  mir  gänzlich  unbekannten,  wenn 
nicht  neuen  Zeolith-Species,  der  Chabasit-Familie,  in  einem  Basaltbruch  nahe 
Melbourne.  Der  übersendete  Krystall  (so  isolirt  sind  sie  indess  eine  Seltenheit) 
zeigt  Ihnen  das  regelmässige  Vorkommen,  von  dem  ich  noch  keine  Abwei- 
chungen gesehen  habe,  ausser  dass  die  in  den  Ecken  des  Sechseckes  durch 
Krümmung  der  geraden  Endfläche  angedeuteten  Flächen  als  kleine  Dreiecke 
(Rhomboederflächen?)  deutlicher  hervortreten.  Wären  die  verschiedenen  ein- 
springenden Winkel  (die  Sie  bei  genauer  Besichtigung  finden  werden)  nicht 
durchgängig  an  jedem  Krystalle  deutlich  zu  sehen,  so  wäre  ich  geneigt  das 
Mineral  für  Gmelinit  ohne  die  Säule  zu  halten,  bei  diesem  habe  ich  indess,  soviel 
ich  mich  erinnern  kann,  nie  einspringende  Winkel  gesehen,  obwohl  man 
annimmt,  dass  auch  seine  Form  von  Rhomboeder-Durchwachsungen  herrührt. 
Beim  Levyn  ist  die  Zwillingsbildung  total  anders.  Herschelit  und  besonders 
Ledererit  stehen  dem  fraglichen  Minerale  wohl  am  nächsten;  ohne  Reflexions- 
Goniometer  lässt  sich  indess  keine  Bestimmung  machen.  — Eine  besonders 
merkwürdige  Eigenschaft  der  Krystalle  ist  ferner,  dass  sie  zu  den  schönsten 
einfachen  und  Doppelkreuzen,  Harmofom  ähnlich,  verwachsen;  prehnitähnliche 

d * 


28 


Verhandlungen. 


[10] 


Verwachsungen  nach  der  geraden  Endfläche,  wie  sie  der  Herschelit  zeigen  soll, 
sind  sehr  selten.  Blätterbrüche  habe  ich  mit  der  grössten  Mühe  und  Sorgfalt 
nicht  hervorbringen  können.  Bei  Anstellung  einer  oberflächlichen  qualitativen 
Analyse  gelatinirte  das  Mineral;  und  ich  fand  viel  Thonerde  und  Kalk,  weniger 
Alkalien  (somit  wieder  nur  Annäherung  an  die  Gmelinitreihe).  Bei  einem  baldigen 
Besuche  Melbournes  werde  ich  hoffentlich  eine  quantitative  Analyse  machen  und 
Ihnen  dann  bessere  Resultate  mittheilen  können.  — Ein  anderer  Fund  von 
mineralogischer  Wichtigkeit  ist  der  eines  Stückes  gediegenen  Zinkes  (nach 
Dr.  Macadam  chemisch  rein)  — des  nunmehr  dritten  — im  jüngeren  Gold- 
drift von  Cresweck’s  Creek. 

Ausserdem  sind  kürzlich  zu  Queenscliff,  wo  nach  Kohlen  gebohrt  und 
geschürft  wird,  nun  schön  erhaltene  auf  oolithisches  Alter  hinweisende  Pflanzen- 
abdrücke gefunden  worden,  unter  andern  mehrere  Arten  von  Taeniopteris , von 
denen  eine,  ich  glaube  Nilssoniana,  englische  und  deutsche  oolitische  (Keuper?) 
Kohlenschichten  bestimmt  charakterisirt,  eine  neue  Species  hat  M’  Coy  nach 
meinem  Collegen  Daintree,  der  sie  zuerst  gefunden  „ Taeniopteris  Daintreei“ 
genannt. 


[1] 


Sitzung  vom  12.  März.  M.  V.  Lipoid.  Jokely. 


29 


Sitzung  am  12.  März  1861. 

Herr  Director  W.  Haidinger  im  Vorsitz. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  gibt  die  Uebersicht  des  Inhaltes  einer 
Abhandlung,  welche  Herr  Sectionsgeologe  Joh.  Jokely  für  die  Sitzung  vorbe- 
reitet hatte,  die  er  aber  durch  Unwohlsein  verhindert  war,  persönlich  vorzutragen. 
Sie  betrifft  die  Gliederung  und  die  Lagerungsverhältnisse  des  Rothliegenden  im 
westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises  in  Böhmen. 

Herr  Jokely  theilt  das  Rothliegende  am  Südrande  des  Riesengebirges, 
welches  bereits  durch  die  Arbeiten  der  Herren  Dr.  F.  Ambr.  Reuss,  F.  X.  M. 
Zippe,  Dr.  A.  E.  Reuss,  Dr.  B eyrich  und  Emil  Porth  bekannt  war,  in  drei 
Etagen.  Die  untere  Etage  besteht  aus  Conglomeraten  mit  seltenen  Schiefer- 
thonlagen, und  aus  Sandsteinen,  die  nach  oben  in  eine  30  Klafter  mächtige 
Schieferthonablagerung  übergehen.  Letztere  führt  mehrere  Mergelbrandschiefer - 
flötze  mit  bisher  nicht  bauwürdig  befundenen  Schwarzkohlen,  Thoneisensteinen 
und  Sphärosideriten,  seltenen  Kupferspuren,  aber  reich  an  Fisch-  und  Pflan- 
zenresten. Die  mittlere  Etage  ist  durch  Arkosen-Sandsteine  mit  häufigen 
Araucariten  und  durch  dünnschiefrige  gebänderte  Sandsteine  mit  glimmerreichen 
Schieferthonen  und  Bänken  von  Mergelkalkstein  ausgezeichnet.  Sie  ist  arm  an 
organischen  Resten,  über  die  Glieder  der  unteren  Etage  übergreifend  gelagert, 
und  besitzt  die  grösste  Verbreitung.  Die  obere  Etage  ist  aus  braunrothen  und 
ziegelrothen  sandigen  Schieferthonen  mit  untergeordneten  Sandsteinlagen  zusam- 
mengesetzt. Sie  enthält  ebenfalls  mehrere  Mergel-  und  Brandschieferflötze, 
letzeremit  einen  Bitumengehalt  von  23 — 450/0>  und  begleitet  von  Thoneisensteinen 
und  Sphärosideriten  und  von  nicht  abbauwürdigen  Schnüren  und  Linsen  an- 
thraeitischer  Schwarzkohle.  Sie  ist  auch  Kupfererz  führend,  reich  an  Fisch-, 
aber  arm  an  Pflanzenresten,  über  die  Glieder  der  mittleren  Etage  übergreifend 
gelagert,  und  findet  sich  nur  in  isolirten  zum  Theil  zwischen  die  älteren  Glieder 
des  Rothliegenden  eingekeilten  Lappen  vor. 

Einen  wesentlichen  Bestandteil  des  Rothliegenden  in  Nordwest-Böhmen 
bilden  die  Melaphyre.  Herr  Jokely  unterschied  fünf  Melaphyreruptionen  oder 
Melaphyrströme,  die  sich  zwischen  den  Schichten  des  Rothliegenden  abgelagert 
haben,  von  welchen  drei  der  unteren  Etage  und  zwei  der  mittleren  und  oberen 
Etage  angehören,  und  von  denen  der  ältere  der  beiden  letzteren  durch  Mandel- 
steine und  Halbedelsteine  ausgezeichnet  ist.  Ihre  eruptive  Natur  ist  erkennbar  an 
gangförmigen  Durchbrüchen  und  Anastomosen,  z.  B.  am  Eisenbahndurchschnitt 
zwischen  Lewin-Oels  und  Roskopow,  und  an  Durchbrüchen  jüngerer  Melaphyre 
durch  ältere,  z.  B.  bei  Rownacow.  Auch  Porphyre  treten  in  geringer  Verbrei- 
tung zwischen  Holenitz  und  Kozäkow,  und  zwischen  Luzan  und  Aujest  auf;  ihr 
Alter  fällt  zwischen  die  untere  und  mittlere  Etage  des  Rothliegenden.  Basalt 
findet  sich  besonders  am  Kozäkow  über  Melaphyr  ansgegossen,  und  in  unbedeu- 
tenden Durchbrüchen  bei  Stupnai,  Radkin,  Aujest,  Kumburg,  Bradletz  vor. 

Rücksichtlich  des  paläontologischen  Charakters  der  Flora  der  unteren  Etage 
erwähnt  Herr  Jokely,  dass  dieselbe  nach  den  Bestimmungen  des  Herrn  Profes- 
sors Dr.  Unger  von  den  bisher  bekannt  gewordenen  Formen  des  Rothliegenden 
abweichend,  und  grösstentheils  mit  den  Steinkohlenpflanzen  von  Waldenburg, 
Radnitz  u.  s.  f.  übereinstimmend  ist.  Herr  Bergrath  Lipoid  bemerkt  hiezu,  dass 
dieser  auffallende  Umstand  wohl  durch  die  ferneren  Aufnahmen  des  Herrn  Jokely 
in  der  östlich  anschliessenden  Umgebung  von  Schatzlar  aufgeklärt  werden  dürfte. 


30 


Verhandlungen. 


[2] 


lieber  die  Erzführung  des  Rothl i egenden,  aus  Malachit,  Kupfer- 
lasur, Kupferkies,  seltener  Kupferfahlerz,  Kupferglanz,  Kieselkupfer,  Kupfer- 
grün, Allophan  und  Schwärzen  mit  dem  wechselnden  Halte  von  i/2 — 30°/o 
Kupfer  und  3 — 4 Loth  Silber  bestehend,  theilt  Herr  Jokely  mit,  dass  mit  Aus- 
nahme bei  Leopold  (Hermannseifen)  die  häufigen  bisherigen  Untersuchungen 
derselben  nicht  den  günstigsten  Erfolg  hatten,  woran  die  Art  des  Auftretens  der 
Erzführung  Ursache  ist,  indem  dieselbe  nicht  auf  bestimmte  Horizonte  gebunden 
ist,  sondern  ohne  alle  Regelmässigkeit  in  allen  Schichten  der  3 Etagen  sich 
vorfindet,  und  indem  sie  keiner  ursprünglichen  lagerartigen  Gesteinsmasse  eigen- 
tümlich ist,  sondern  sich  blos  als  eine  secundäre  Gesteiusimprägnation  darstellt, 
welche  anscheinend  durch  Mineralquellen  bewerkstelligt  wurde,  die  in  Folge 
der  zahlreichen  Durchbrüche  eruptiver  Massen  in  Spalten  zu  Tag  kamen. 

Herr  Jokely  gibt  ferner  einige  Remerkungen  über  die  Verbreitung  der 
Araucariten-Stämme  im  Rothliegenden  Böhmens.  Herr  Professor  Dr.  Göppert 
bat  die  Kenntniss  hierüber  besonders  erweitert.  Die  verkieselten  Stämme  von 
Araucarites  Schrollianus  Göpp.  gehören  in  das  Bereich  des  Arkosensandsteins, 
und  sind  besonders  in  der  Umgebung  von  Pecka  und  Stupnai  verbreitet.  Herr 
Jokely  hat  von  Pecka  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  einen  solchen 
Stamm  erworben,  dessen  Länge  24  Fuss  betrug,  und  dessen  Durchmesser  3 
Fuss  2 Zoll  beträgt.  Einen  ähnlichen,  wenn  gleich  kleineren  Stamm  aus  der 
Schwadowitzer  Gegend  erhielt  die  Reichsanstalt  schon  früher  von  der  nunmehr 
verewigten  regierenden  Frau  Fürstin  Ida  von  Schaumburg-Lippe  zum  Ge- 
schenke. Neuerlich  hat  Herr  Professor  Dr.  G öppert  unter  den  fossilen  Hölzern 
vom  Kozinec  bei  Starkenbach,  auch  den  in  der  permischen  Formation  Russlands 
vorkommenden  Araucarites  cupreus  Göpp.  bestimmt. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  theilte,  anschliessend  an  die  vorange- 
gebene Uebersicht  des  Herrn  Jokely,  die  Erhebungen  mit,  welche  er  selbst  im 
verflossenen  Sommer  über  das  Rothliegende  in  der  Umgebung  von  Schwarz- 
kosteletz  und  Böhmisch-Brod  im  Prager  Kreise  gemacht  hatte.  Daselbst  füllt  das 
Rothliegende  eine  zwischen  dem  Granit-  und  Gneissgebirge  befindliche  kaum  i/2 
Meile  breite  Bucht  aus,  welche  sich  südlich  bis  Skalitz  erstreckt.  Im  Norden  ist 
das  Rothliegende  bis  Kaunitz  entblösst,  von  wo  an  jüngere  Bildungen  der  Kreide- 
formation und  des  Diluviums  auftreten.  Aber  auch  in  dem  Terrain,  wo  das  Roth- 
liegende vorgefunden  wird , sind  die  Kreide-  und  Diluvialablagerungen  sehr 
bedeutend  und  das  Rothliegende  ist  meist  nur  in  den  Thaleinschnitten  sichtbar. 
Die  geringe  Verbreitung  und  das  unzusammenhängende  Erscheinen  des  Roth- 
liegenden  zu  Tag  erschwerten  in  diesem  Terrain  die  Sonderung  der  Schichten  in 
mehrere  Etageu.  Indessen  haben  Vergleichungen  mit  dem  Rothliegenden  am 
Fusse  des  Riesengebirges  dargethan,  dass  das  Rothliegende  im  Böhmisch-Broder 
Becken  der  mittleren  und  zum  Theil  der  oberen  Etage,  wie  selbe  Herr 
Jokely  bezeichnete,  beizuzählen  sei.  Mit  Ausnahme  der  Melaphyre,  so  wie  über- 
haupt eruptiyer  Gesteine,  welche  im  Becken  von  Böhmisch-Brod  nicht  nachge- 
wiesen wurden,  finden  sich  daselbst  dieselben  Gesteinsarten  vor,  wie  in  der 
mittleren  und  oberen  Etage  des  Rothliegenden  im  Jiciner  Kreise.  Auch  im 
Böhmisch-Broder  Becken  finden  sich  in  den  tieferen  Arkosen-  und  glimmerreichen 
Sandsteinen  und  Mergelschiefern  Kupfererze  in  ähnlicher  Art  vor,  wie  im  Jiciner 
Kreise  und  sind  durch  Bergbaue  bei  Tisnitz,  Hrast  und  Peclow  untersucht  worden. 
Ebenso  treten  in  den  oberen  Schichten  des  Rothliegenden  Mergel-  und  Brand- 
schiefer mit  Schnüren  und  Linsen  von  Schwarzkohlen  auf,  deren  Untersuchung 
auf  ihre  Abbauwürdigkeit  nordöstlich  von  Schwarzkosteletz  bei  Dobropal  am 
Dobrowberg  bei  Ksel  und  mehreren  Orten  kein  günstiges  Resultat  hatte.  Fisch- 


Sitzung  wm  t&  März.  Dr,  G.  Stäche. 


31 


[3] 


und  Pflanzenreste  liefern  die  Mergelschiefer  bei  Peclow  und  sind  dieselben 
bereits  durch  Herrn  Dr.  A.  E,  Reuss  als  dem  Rothliegenden  angehörig  erkannt 
worden.  Ein  eigentbümliches  Vorkommen  von  Pflanzenresten  in  Schiefern  und 
Sandsteinen,  die  petrographisch  den  Werfener  Schichten  der  Alpen  analog  sind, 
fand  Herr  Lipoid  in  einem  Graben  nördlich  von  der  Strasse,  die  von  Wolesetz 
nach  Malotitz  führt.  Die  Pflanzerreste  sind  jedoch  schlecht  erhalten  und  lassen 
keine  specifische  Bestimmung  zu.  Blätter  von  Araucariten  haben  einige  Aehnlich- 
keit  mit  Arauc.  Agordicus  Ung.,  welcher  von  Herrn  Bergrath  Fuchs  in  den 
Venetianer  Alpen  vorgefunden  wurde1). 

Die  Rothliegendschichten  im  Böhmisch-Broder  Becken  sind  am  Westrande 
an  den  Graniten  steil  aufgerichtet  und  fallen  durchgehends  nach  Osten  ein,  indem 
sie  sich  gegen  Osten  immer  flacher  legen  und  in  der  Mitte  des  Beckens  stellen- 
weise auch  ganz  horizontal  abgelagert  erscheinen. 

Geologische  Karten  und  Handstücke  zur  Nachweisung  der  Gesteine  wurden 
für  beide  Mittheilungen  vorgelegt. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  gab  eine  Schilderung  des  geographischen  und  geolo- 
gischen Charakters  der  hohen  Waldgebirge  des  Quellgebietes  des  kleinen  Szamos. 

Er  deutete  zunächst  an,  wie  die  symmetrische  Vertheilung  des  geologischen 
Materials  in  Siebenbürgen  auch  massgebend  sei  für  die  constante,  zonenförmige 
Aufeinanderfolge  geographischer  Formen.  Man  mag  das  Land,  nach  welcher  der 
vier  Weltgegenden  immer  von  seinem  Mittelpunkt  aus  nach  aussen  durchschreiten 
oder  man  mag  von  aussen  über  seine  Grenzmarken  nach  Innen  wandern,  immer 
wird  man  in  die  Lage  kommen,  die  vier  Haupttypen  der  geologischen  Zusam- 
mensetzung des  Landes  oder  wenigstens  drei  derselben  aus  eigener  Anschauung 
kennen  zu  lernen  und  das  durch  sie  bedingte  Variiren  der  geographischen  For- 
men, des  landschaftlichen  Charakters  und  der  ökonomischen  Bedeutung  der 
durchwanderten  Gegend  zu  beobachten.  Aus  dem  merglig-sandigen  jungtertiären 
Meeresboden  des  Beckens,  diesem,  durch  ein  reiches  und  tief  eingeschnittenes  Netz 
bedeutender  Flüsse  und  unzähliger  Bäche,  sowie  durch  den  Wechsel  frucht- 
barer Thäler  und  Berglehnen  mit  öden,  steilen  Hügelrücken  und  steilen  Abstür- 
zen und  Gehängen  und  durch  den  Salzreichthum  seines  Bodens  charakterisirten, 
weit  ausgedehnten  Hügellande  der  Mitte  gelangt  man  erst  durch  die  schon  durch 
ihre  schärferen  Contourformen  ins  Auge  fallende  geographische  Vorgebirgszone, 
welche  durch  die  kalkig-mergeligen  Schichten  der  Eocenperiode  gebildet  wird 
und  durch  den  Wechsel  von  kleineren  Eichen-  und  Buchwaldbeständen  mit  aus- 
gedehnten Wiesenflächen  und  Ackerland,  sowie  durch  den  Reichthum  an  Kalk- 
steinen und  Gyps  gekennzeichnet  ist,  in  das  Bereich  der  dritten  landschaftlichen 
Zone.  Dieses  ist  die  Zone  der  krystallinischen  Gesteine,  das  noch  an  Urwaldun- 
gen  reiche,  die  Hauptkämme  bildende  Grenz-  und  Grundgebirge.  Der  vierte 
geologische  Haupttypus  des  Landes  wird  durch  erzbringende  Trachytgebirge 
gebildet.  Das  Trachytgebirge  ist  jedoch  im  Westen  in  mehr  zerrissenen  Partien 
durch  das  Land  vertheilt,  aber  doch  ist  fast  durchgehends  sein  Auftreten  an  das 
Grenzgebirge  und  zwar  vorzüglich  an  seine  dem  Eocengebirge  zugekehrten  Rän- 
der gebunden.  In  grossen  zusammenhängenden  Massen  tritt  es  im  Osten  auf.  In 
ökonomischer  Beziehung  ist  dasselbe  als  erzbringendes  Gebirge  wichtig.  Will 
man  die  Rolle  bezeichnen,  die  es  für  die  Landschaft  einnimmt,  so  könnte  man 
es  das  Gebirge  der  Diflerenzirung  des  geographischen  und  physiognomischen 
Charakters  der  Gegend  nennen. 


O Denkschriften  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  II.  Band.  Abhandlung  von 
Fr.  v.  Hauer. 


32 


Verhandlungen. 


w 

In  zwei  früheren  Vorträgen  hatte  Dr.  Stäche  bereits  den  Weg,  von  dem 
Innern  des  Beckens  nach  aussen  zu  nehmend,  insoweit  es  sein  nordwestliches 
Gebiet  betraf,  das  jungtertiäre  Hügelland  und  das  eocene  Randgebirge  behandelt 
und  schritt  nun  in  seinem  Vortrage  zur  Behandlung  der  waldreichen  krystalli- 
nischen  Grenzgebirge. 

Die  ungarische  Benennung  Erdelyorszäg  (Waldland)  und  noch  mehr  der 
lateinische  Name  Transsilvania  passt  noch  jetzt  für  das  Land,  obwohl  viel  Wald 
verwüstet  wurde,  seit  der  Zeit  als  das  Land  unter  diesem  Namen  das  erste  Mal 
genannt  wurde.  Trans  silvam , über  ein  hohes  und  mehr  oder  minder  breites  Wald- 
gebirge, krystallinischer  Gesteine  muss  man  fast  immer  passiren,  nach  welcher 
Himmelsrichtung  man  auch  in  das  Land  hinein-  oder  aus  demselben  hinaus- 
kommen will. 

Besonders  gilt  dies  aber  für  den  Theil  des  westlichen  krystallinischen  Grenz- 
gebirges, aus  welchem  die  beiden  Hauptzuflüsse  kommen,  die  sich  bei  Gyalu  an 
dem  nordöstlichsten  Grenzpunkte  der  krystallinischen  Gebirgsmasse  zu  dem 
kleinen  Szamosfluss  vereinigen. 

Die  ganze,  als  ein  gewaltiges  Gebirgsviereck  in  das  Innere  des  Landes  vor- 
springende Masse  krystallinischer  Gebilde  besteht  aus  einem  in  der  Hauptsache 
von  Süd  nach  Nord  ziehenden  Hauptrücken  und  drei  sehr  langgestreckten,  gegen 
NO.  und  Ost  streichenden  Seitenrüeken.  Der  Hauptrücken  ist  gebildet  durch  die 
den  Bihar  mit  dem  Vlegyasza-  (Vladiassia-)  Gebirge  verbindenden  Gebirgsrücken, 
welche  die  Wasserscheide  vermitteln  zwischen  dem  kleinen  Szamos-  und  Aranyos- 
flusse  einerseits  und  der  schwarzen  und  reissenden  Körös  andererseits.  Derselbe 
hat  eine  mittlere  Höhe  von  4500  bis  5800  Fuss.  Der  höchste  nördliche  Punkt,  der 
schon  im  Trachytgebirge  der  Vlegyasza  liegt,  die  Vlegyasza  selbst,  übersteigt 
5800  Fuss.  Nur  die  nördliche  Hälfte  dieses  Hauptrückens  zwischen  dem  Balrina- 
sattel  und  dem  Muntiele  Mare  des  Vlegyaszagebirges  gehört  mit  seinen  West- 
abfällen unserem  Gebiete  an.  Er  entsendet  von  den  bezeichneten  beiden  Punkten, 
dem  Batrinasattel  und  dem  Muntiele  märe  zwei  lange  Seitenrücken  bis  zum 
eocenen  Randgebirge.  Ein  dritter  mittlerer  Seitenrücken  zweigt  sich  von  dem 
südlichen  Rücken  ab  und  bildet  gegen  Gyalu  in  der  Richtung  WNW.  hinziehend, 
die  Wasserscheide  zwischen  den  beiden  Quellflüssen  des  kleinen  Szamos,  näm- 
lich zwischen  dem  kalten  und  warmen  Szamos  (hideg  Szamos  und  melek  Szamos). 
Der  südliche  Längsrücken  trennt  das  Wassergebiet  des  Aranyos  von  dem  des 
kleinen  Szamos.  Alle  drei  Längsrücken  halten  bis  an  ihre  Grenzen  mit  dem 
eocenen  Vorgebirge  in  bedeutender  Höhe  und  senken  sich  verhältnissmässig  nur 
wenig.  Der  nördliche  Rücken  oder  der  Rücken  der  Kucsulata  hat  im  seiner  Ver- 
längerung bei  Dongo  ganz  nahe  dem  Eocenen  noch  2927  Fuss,  der  mittlere 
Rücken,  den  wir  als  Rücken  von  Marisei  bezeichnen,  hat  im  Pap  Nyerges  seinen 
nordöstlichsten  Hauptgipfel  über  3000  Fuss , der  Tesnaberg  an  der  östlichen 
Grenze  des  südlichen  Längsrückens  mit  dem  5051  Fuss  hohen  Dobrinaberge 
erreicht  sogar  noch  3972  Fuss  Seehöhe.  Tief  und  steil  sind  daher  auch  die 
engen,  in  manchen  Partien  förmlich  kluftartigen  Thäler  des  warmen  und  kalten 
Szamos  und  der  grösseren  Nebenthäler  dieser  beiden  Hauptthäler,  wie  z.  B.  das 
des  Rakato,  der  dem  Hideg-Szamos  zugeht,  zwischen  diesen  hohen  krystallinischen 
Längsrücken  eingesenkt.  In  ihrem  mittleren  Laufe  ist  ihr  Bett  von  1000  bis 
1200  Fuss  tief  zwischen  die  steilen  Wände  und  Gehänge  derselben  eingeschnitten. 
Schwer  ist  es  hier  sowohl  zu  Fuss  als  zu  Pferd  durchzukommen,  besonders  wenn 
die  Wässer  stark  angeschwollen  sind,  denn  man  kann  genöthigt  sein,  dieselben 
mehr  als  zwanzigmal  in  einem  Tage  zu  durchreiten.  Weniger  beschwerlich  ist 
der  Weg  über  die  langgezogenen  seitlichen  Längsrücken;  denn  hier  führen  gute 


Sitzung  vom  12.  März.  Dr.  G.  Stäche. 


33 


[«] 


Saumpfade  bis  nahe  an  den  Hügelrücken;  aber  man  braucht  2 bis  3 Tage  und 
im  Tage  12  Stunden  scharf  zu  Pferde,  um  von  der  äussersten  Ostgrenze  des 
Krystallinischen  auf  den  Hauptkamm  an  der  ungarischen  Grenze  im  Westen  zu 
gelangen.  Hier  in  der  Nähe  der  in  ungeheueren  Strecken  noch  mit  Urwaldung 
bedeckten  Gehänge  des  Hauptkammes  macht  der  Wechsel  grosser  Strecken  von 
durch  Windbrüche  übergeworfenen,  vermodernden  Baumstämmen  und  von  tief 
morastigen  Stellen  das  Fortkommen  nicht  wenig  beschwerlich. 

So  einförmig  im  Ganzen  die  Längsrücken  in  landschaftlicher  und  in  geolo- 
gischer Beziehung  sind  durch  die  Einförmigkeit  der  Vegetation  und  der  Gestein- 
bildung, so  interessant  und  reich  an  Naturschönheiten  sind  in  vielen  Partien  und 
besonders  an  ihrem  Eingang  die  Thäler  der  warmen  und  kalten  Szamos. 

In  geologischer  Beziehung  muss  man  den  Hauptrücken  von  den  drei  Längs- 
rücken trennen. 

Der  erstere  nämlich  besteht  nur  in  seinen  unteren  Gehängen  aus  krystalli- 
nischen Gesteinen.  Den  Hauptrücken  bedecken  rothe  Schiefer,  graue  und  röth- 
liche  Quarzsandsteine  und  vorzüglich  Quarzbreccien  von  weisser  oder  roth  und 
weiss  gefleckter  Farbe  (Verrucano),  welche  der  unteren  Trias  angehören.  Die 
obersten  Höhen  und  scharfen  Längsgrate  sind  aus  wohlgeschichteten  schwärz- 
lichen bis  hellgrauen  Kalken  zusammengesetzt,  welche  jenen  unteren  Trias- 
Schichten  regelmässig  auflagern  und  ebenfalls  noch  theils  als  untere,  theils  als 
obere  Schichten  der  Triasperiode  aufgefasst  werden  müssen.  Diese  Kalkschichten 
geben  streckenweise  der  Gegend  einen  ganz  karstartigen  Charakter.  Zum 
grössten  Theil  sind  sie  jedoch  noch  bewaldet.  Die  tieferen  Sandsteine  bilden 
weite,  jsanftgewölbte,  jedoch  nur  mit  einem  niedrigen  Graswuchs  und  einer 
wenig  mannigfaltigen  Vegetation  bedeckte  Ahnen. 

An  der  Grenze  dieser  Sandsteine  und  der  Kalke  entspringen  die  meisten 
Quellen  dieser  hohen  Gebirgsgegend.  Wo  die  Sandsteine  und  Conglomerate  mit 
Wald  bedeckt  sind,  da  sind  Entwurzelungen  ganzer  grosser  Strecken  am  häu- 
figsten und  ausgedehntesten.  Auf  dem  Wege  von  der  Kalyanasza  nach  dem  Thal 
des  warmen  Szamos  bei  Gyurkutza,  welcher  über  den  hohen,  vorzüglich  aus  die- 
sen Gesteinen  bestehenden  Bergrücken  Kulme  mare  führt,  hat  man  Gelegenheit 
diese  für  den  Wanderer  nicht  sehr  erquickliche  Beobachtung  zu  machen. 

Das  ganze  Gebiet  der  drei  seitlichen  Längsrücken  und  der  zwischen  ihnen 
eingerissenen  Thäler  dagegen  besteht  vorwaltend  aus  Glimmerschiefer  und 
Gneiss.  Der  Gneiss  nimmt  den  mittleren  Theil  der  ganzen  Gebirgsmasse  ein  und 
tritt  vorzugsweise  in  dem  mittleren  Thalgebiete  deutlich  zu  Tage.  Ueber  ihm 
und  zu  beiden  Seiten  lagern  zwei  Glimmerschieferzonen,  eine  breitere  westliche 
und  eine  schmälere  östliche.  Der  ganze  mittlere  Gneissstock  ist  durch  einen  von 
Nord  nach  Süd,  also  die  Längsrichtung  der  Thäler  und  Hauptrücken  quer  durch- 
setzenden Granititzug  durchbrochen  und  auf  diese  Weise  gleichfalls  in  zwei 
seitliche  Zonen  getrennt.  Der  Granitit  zeigt  in  manchen  Stücken  die  auffallendste 
Aehnlichkeit  mit  dem  Granitit  des  Isergebirges,  den  Herr  Jokely  von  seinen 
Aufnahmsreisen  mitbrachte.  Die  gelblichen  oder  rosafarbnen  Orthoklaskrystalle, 
welche  aus  dem  feineren  Gemenge  von  Oligoklas,  Quarz  und  grünlichschwarzem 
Glimmer  ausgeschieden  sind  , erreichen  oft  eine  bedeutende  Grösse  und 
Deutlichkeit.  Jedoch  gibt  es  auch  Varietäten,  wo  sie  ganz  gegen  die  gleich- 
mässig  körnige  Grundmasse  zurücktreten  oder  ganz  verdrängt  erscheinen. 

Die  Grenze  zwischen  dem  eocenen  Ufergebirge  und  der  krystallinischen 
Hauptmasse  wird  durch  eine  Zone  von  Amphibolschiefern  und  Urthonschiefern 
gebildet,  welche  mannigfach  mit  den  Trachyten  in  Berührung  kommt,  welche  an 
der  Grenze  gegen  das  eocene  Bandgebirge  zum  Durchbruch  kommen.  Diese  Zone 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen, 


e 


34 


Verhandlungen. 


W 

ist  nicht  ohne  Interesse  durch  die  Führung  von  Brauneisensteinen,  auf  welche 
durch  den  Grafen  Kalman  Eszterhäzy  in  Gyalu  Schürfungen  veranlasst  wurden 
und  zwar  besonders  in  der  Nähe  von  Rev  Szamos  und  Kis  Kapus.  Die  Unter- 
suchungen, welche  im  Laboratorium  der  geologischen  Reichsanstalt  durchgeführt 
wurden,  ergaben,  dass  die  besten  Qualitäten  45  — 55,  die  mittleren  26  — 36 
und  die  geringsten  Proben  16  — 23  Procent  Eisen  enthalten. 

Ueberdies  kommen  innerhalb  des  Gneissgebietes,  besonders  auf  dem  süd- 
lichen Hauptrücken  zwischen  dem  Dobrinaberg  und  dem  Kopatzberg  Ganggra- 
nite, welche  durch  weissen  Kaliglimmer  ausgezeichnet  sind,  in  zahlreichen  und 
zum  Theil  sehr  mächtigen  Gängen  zum  Durchbruch.  Sie  gehen  stellenweise  in 
Pegmatite  und  Schriftgranite  über. 

Noch  sind  sie  bemerkenswerlh  durch  die  Ausscheidung  sehr  mächtiger 
und  reiner  Quarzmassen,  welche  bei  der  nicht  zu  entfernten  Lage  von  den  schon 
wegsamen  Theilen  des  kalten  Szamosthales  und  der  Nähe  an  dem  Saumwege 
des  Bergrückens  für  einen  Glashüttenbetrieb  in  dieser  holzreichen  Gegend  ein 
sehr  geeignetes  Material  in  hinreichender  Menge  bieten  würden. 

Ueber  die  Trachytdurchbrüche,  welche  derselbe  innerhalb  des  krystalli- 
nischen  Gebietes  mehrfach  beobachtete,  beabsichtigt  Dr.  Stäche  bei  Gele- 
genheit der  Behandlung  der  Trachyte  von  NW.  Siebenbürgens  überhaupt  zu 
sprechen.  » 

Herr  Karl  Ritter  v.  Hauer  legte  eine  in  allen  Details  ausgeführte  Analyse 
des  Wassers  der  Donau  vor  und  knüpfte  folgende  Betrachtungen  daran.  Diese 
Untersuchung  war  in  Folge  einer  Aufforderung  der  früher  bestandenen  Wasser- 
untersuchungs-Commission  unternommen,  und  die  Resultate  derselben  dahin  zur 
Disposition  gestellt  worden.  Abgesehen  davon,  dass  dieser  Beitrag  überhaupt 
mindestens  eine  Erwähnung  verdiente,  so  wäre  es  besonders  im  Interesse  der 
Sache  selbst  höchst  wünschenswert!!  gewesen  die  erzielten  Ergebnisse  ihrer 
eigentlichen  Bestimmung  zuzuführen,  das  ist,  sie  den  übrigen  ähnlichen  Resultaten 
in  den  veröffentlichten  Berichten  anzureihen.  Da  dies  nicht  geschah,  so  möge  es 
gestattet  sein  hier  an  der  Stelle,  wo  man  die  wohlwollendste  Theilnahme  erwarten 
darf,  den  wiewohl  kleinen  Beitrag,  welchen  jene  Analyse  zur  Lösung  unserer 
Wasserfrage  enthält,  zu  besprechen. 

Die  Donau  liefert  bekanntlich  einen  beträchtlichen  Theil  des  in  Wien  consu- 
mirten  Trinkwassers  und  zwar  theils  directe,  nachdem  es  mehrere  Geröllschichten 
durchdrungen  hat  in  den  Wasserleitungen,  theils  indirecte  in  vielen  Brunnen,  deren 
Wasser  auf  dem  Wege  der  Durchsickerung  wenigstens  damit  gemischt  erscheint. 
In  Anbetracht  dessen  hat  es  die  Commission,  und  mit  Recht,  für  nöthig  erachtet 
eine  genaue  Kenntniss  über  die  Zusammensetzung  des  Donauwassers  zu  erlangen, 
und  um  so  mehr,  als  hieraus  auch  über  die  Frage  entschieden  werden  sollte  ob  es 
gerathen  sei  den  voraussichtlichen  künftigen  Mehrbedarf  ebenfalls  nur  durch 
Donauwasser  zu  decken.  Um  aber  einen  verlässlichen  Aufschluss  über  die  chemi- 
schen Eigenschaften  des  Donauwassers  zu  bekommen,  war  es  erforderlich  eine 
grössere  Anzahl  von  Analysen  zu  verschiedenen  Jahreszeiten  durchzuführen 
und  diese  Rücksicht  ist  es,  die  Herrn  v.  Hauer  bestimmt  den  von  den  Herren 
Professoren  Schrott  er,  Pohl  und  Redtenbacher  gelieferten  Arbeiten  auch 
seine  eigene  anzuschliessen. 

Chemische  Analysen  in  grösserer  Anzahl  gruppirt  erscheinen  überhaupt  stets 
als  ein  wirres  Zahlenchaos,  so  lange  sie  einer  richtigen  Interpretation 
entbehren.  Eine  solche  vermisst  man  aber  vollends,  wenn  man  die  Zusammen- 
stellung der  diesbezüglichen  Arbeiten  in  den  veröffentlichten  Berichten  der 
Wasseruntersuchungs-Commission  überblickt.  Die  einzelnen  Arbeiten  gestatten 


Sitzung  vom  12.  März.  Karl  Ritter  v.  Hauer. 


35 


m 


dort,  lediglich  wegen  mangelhafter  Darstellung,  keinen  Vergleich  untereinander. 
Die  Gruppirung  der  Säuren  und  Basen  zu  Salzen  geschieht  wie  bekannt  zumeist 
nach  theoretischen  Ansichten,  und  da  konnte  es  daher  nicht  fehlen,  dass  ent- 
sprechend den  verschiedenen  individuellen  Anschauungen  eben  diese  Gruppirung 
sehr  verschieden  ausfiel.  Allein  bei  der  Gesammtzusammenstellung  wäre  es  dann 
eine  wesentliche  Aufgabe  gewesen,  ein  Princip  festzuhalten  und  hiernach 
sämmtliche  Analysen  zu  berechnen.  Die  werthvollen  Originaldaten  über  die 
respectiven  Mengen  der  Säuren  und  Basen,  erzielt  in  von  einander  unabhängigen 
Laboratorien,  sind  wohl  geeignet  von  der  Präcision  der  chemischen  Unter- 
suchung selbst  Zeugniss  abzulegen,  denn  sie  stehen  in  vollster  Ueberein- 
stimmung,  während  die  weiter  daraus  abgeleiteten  Deductionen  zu  einer  Beihe 
scheinbarer  Widersprüche  führen.  Es  ist  indessen  überflüssig  sich  hierüber  eines 
Weiteren  zu  ergehen,  denn  zu  wiederholten  Malen  wurde  auf  die  sonderbare 
Anomalie  aufmerksam  gemacht,  wie  es  doch  komme,  dass  die  Donau  an  irgend 
einem  Punkte  beträchtliche  Mengen  Gyps  oder  Bittersalz  enthält , die  ein  paar 
100  Schritte  weiter  davon  entfernt  gänzlich  fehlen. 

Stellt  man  die  ursprünglichen  Resultate  der  Analysen  wie  folgt  zusammen, 
so  zeigt  sich  sehr  genau,  wie  es  auch  vorauszusetzen  war,  dass  der  Donaucanal 
von  Nussdorf  angefangen,  während  seines  Verlaufes  an  aufgelösten  Substanzen 
continuiriich  zunimmt.  Der  Aiserbach  und  die  Wien  nebst  den  andern  vielen 
Canälen  führen  sie  in  so  grosser  Menge  hinzu,  dass  ihre  Steigerung  auf  der 
chemischen  Wage  unzweideutig  fühlbar  wurde. 


In  100.000  Theilen  des  Donauwassers  wurden  gefunden. 


Bestandteile 

Ans  dein  Canale 
bei  Nussdorf 

Unterhalb  der 
Einmündung  des 
Alserbaehes 

Unterhalb  der 
Fisehhälter 

Unterhalb  der 
Einmündung  der 
Wien 

Nach  den  Analy 

sen  der  Herren 

Prof.  Schrötter 

Prof.  Pohl 

1(.  Ritt.  v.  Hauer 

Prof,  iiedten- 
bacher 

Schwefelsäure 

1-27 

1-35 

1-67 

1-80 

Chlor 

0-28 

0-94 

0-41 

0-44 

Kieselsäure 

0-55 

0-28 

0-69 

0-75 

Kalk . 

6*62 

6-89 

6 99 

7-80 

Magnesia 

1*87 

1-26 

2-23 

2-04 

Eisenoxydul  und  Thonerde. 

0-08 

0-42 

0-16 

0-tl 

Kali.  Natron 

0*99 

1 -21 

1-26 

1-51 

Summe... 

11-66 

12-35 

13-41 

14-45 

Diese  Tabelle  repräsentirt  die  Ergebnisse  der  empirischen  Arbeit,  die  darin 
herrschende  Harmonie  ist  unverkennbar,  alles  Anomale,  alles  in  Widerspruch 
stehende,  was  daraus  abgeleitet  wurde,  trifft  die  Interpretation  der  Analysen,  und 
nicht  diese  selbst. 

Es  ist  nun  evident,  dass  nach  dem  Grade  der  Uebereinstimmung  der  Einzeln- 
resultate auch  die  berechneten  Salzmengen  in  gleichem  Verhältnisse  zu  einander 
stehen  müssen. 

Der  eigentliche  Anhaltspunkt  hiefür  fehlt  aber,  weil  in  dem  gedruckten 
Berichte  nicht  angeführt  ist,  welche  Kalk-  und  Magnesiamengen  in  dem  gekochten 
Wasser  noch  in  Lösung  blieben,  welche  Erfahrung  bekanntlich  der  Ausgang  jeder 


e 


36 


Verhandlungen. 


[8] 


weiteren  Rechnung  in  dieser  Richtung  ist.  Dieser  Versuch  wurde  bei  dem  von 
Herrn  v.  Hauer  analysirten  Wasser  ausgeführt  und  hiernach  eine  entsprechende 
Wahrscheinlichkeitsrechnung  für  die  übrigen  Analysen  durchgeführt. 

Unwillkürlich  wird  endlich  Mancher  heim  Studium  des  gedruckten  Berichtes 
daran  gedacht  haben,  warum  denn  der  Kohlensäure,  dieses  wichtigen  Bestand- 
teiles im  Trinkwasser,  welchem  es  vorzüglich  seinen  guten  Geschmack  ver- 
dankt, mit  keiner  Sylbe  erwähnt  wurde.  Eine  Bestimmung  ihrer  Menge  unter- 
blieb gänzlich,  oder  wurde  vielmehr  unberücksichtigt  gelassen.  Herr  v.  Hauer 
hatte  deren  mehrere  wirklich  ausgeführt.  Das  Mittel  von  drei  solchen  Versuchen 
ergab,  dass  das  Wasser  in  100. 000  Theilen  12*8  Theile  Kohlensäure  enthalte. 
Fast  diese  ganze  Menge  wird  aber  erfordert,  um  die  im  Wasser  gleichzeitig  vor- 
handene Menge  der  alkalischen  Erden  in  Lösung  zu  erhalten.  Nach  Abzug  des 
hiezu  nötigen  zweiten  Aequivalentes  erübrigt  nur  sehr  wenig  freie  Kohlensäure, 
woraus  der  Schluss  gezogen  werden  muss,  dass  wenn  die  Donau  auch  kein 
schädliches,  mindestens  ein  viel  weniger  angenehm  zu  trinkendes  Wasser  liefern 
wird,  als  die  übrigen  uns  zugänglichen  Quellen. 

Wenn  das  Wasser  der  Donau  gekocht  wird,  so  bleibt  eine  beträchtliche 
Menge  Kalk  in  Lösung,  welche  nur  als  Gyps  zugegen  sein  kann,  da  ausser  der 
geringen  Menge  Chlor  von  Säuren  eben  nur  noch  Schwefelsäure  vorhanden  ist. 
Alle  Gruppirungen  also,  in  welchen  unter  den  combinirten  Verbindungen  kein 
Gyps  aufgeführt  erscheint,  sind  thatsächlich  unrichtig,  und  es  erscheint  überhaupt 
unbegreiflich  wie  dieses  Factum  selbst  ohne  eines  entscheidenden  Versuches 
bezweifelt  werden  konnte,  da  alle  aus  den  hiesigen  Wässern  abgesetzten  Kessel- 
steine einen  eclatanten  Beweis  für  die  vorhandenen  Gypsmengen  geben.“ 

Anschliessend  an  Herrn  v.  Hauer's  so  anziehenden  und  uns  Alle  in  Wien  so 
nahe  berührenden  Vortrag  erwähnte  der  Vorsitzende,  dass  es  ihm  aufgefallen 
sei,  wie  in  dem  Commissionsberichte  sich  eine  Stelle  finde  mit  der  Angabe,  dass 
nicht  kohlensäurehaltiges  Wasser  die  Kohlensäure  aus  der  Luft  aufnehme,  wäh- 
rend dies  doch  gerade  den  Gegensatz  der  an  der  Luft  gestandenen,  und  der 
frisch  von  den  Quellen  weggeschöpften  Wasser  bedinge.  Gewiss  sind  in  dieser 
Beziehung  die  Bestimmungen  der  Kohlensäure  sehr  wesentlich. 

Da  die  Zeit  schon  zu  weit  vorgerückt  war,  um  noch  eine  längere  Mitthei- 
lung, wie  deren  noch  zwei  auf  der  Tagesordnung  standen,  zu  beginnen,  so  wur- 
den diese  auf  die  nächste  Sitzung  verschoben. 

Der  Vorsitzende  berichtet  sodann  über  einen  eben  erst  eingetretenen  Ver- 
lust, den  die  mineralogische  Welt  in  Wien  durch  den  Tod  eines  ausgezeichneten 
Forschers  erlitt: 

„Die  Trauer-Nachricht,  welche  mir  heute  zukam,  als  ich  Vormittag  meinen 
hochverehrten  Freund  Hörnes  im  k.  k.  Hof- Mineraliencabinete  besuchte,  wird 
zwar  vielen  der  hier  versammelten  Herren  und  Freunde  des  Fortschrittes  minera- 
logischer Kenntniss  nicht  unerwartet  sein,  aber  sie  ist  nichts  desto  weniger  ganz 
dazu  gemacht,  die  grösste  Theilnahme  hervorzurufen.  Heute  morgen  um  8 Uhr 
schied  in  ein  besseres  Jenseits  unser  Freund  Karl  Friedrich  Hermann  Dauber, 
Assistent  am  k.  k.  Hof- Mineraliencabinete,  nach  langen  Leiden,  in  seinem 
38.  Lebens-Jahre.  Er  hat  uns  nur  kurze  Zeit  angehört,  denn  er  folgte  in  seiner 
Stellung  an  jenem  hochverdienten  Institute  erst  nach  dem  Tode  unseres  unver- 
gesslichen Freundes  Grailich  am  13.  September  1839,  aber  er  hat  sie  treu 
und  mit  dem  grössten  Erfolge  bekleidet  und  zahlreiche  Ausarbeitungen  von 
grösstem  Werthe  der  mineralogischen  Welt  hinterlassen.  Er  war  Mineraloge, 
Krystallograph  im  eigentlichsten  Sinne  des  Wortes,  reich  gestützt  durch  mathe- 
matische, physikalische,  rheinische  Studien  und  langjähriges  praktisches  Wirken. 


Sitzung  vom  12.  März.  W.  Haidinger. 


37 


[9] 


Er  hat  sein  Leben  ganz  den  Studien  geopfert.  Mein  Freund  Hörne s gibt  ihm 
Zeugniss,  wie  er  oft  siebenzehn  Stunden  des  Tages  hindurch  angestrengt  in 
Untersuchung,  Messung,  Rechnung,  Zeichnung,  gearbeitet.  Er  war  am  23.  August 
1823  in  Gandersheim  in  Braunschweig  geboren,  wo  sein  Vater  eine  Färberei 
und  Holzwaarenfabrik  besass,  besuchte  das  Gymnasium  zu  Holzminden  an  der 
Weser,  das  Collegium  Carolinum  zu  Braunschweig  auf  ein  Jahr,  wo  er  nebst 
Vorlesungen,  die  er  über  Mathematik,  Mineralogie,  Physik,  Chemie,  bei  (Jhde, 
Otto,  Blasius,  Marx  hörte,  sich  auch  selbst  ein  kleines  chemisches  Labora- 
torium einrichtete.  Zu  Michaeli  1845  ging  er  nach  Göttingen,  erfolgreich  ange- 
regt in  seinen  chemischen,  physikalischen,  geologischen,  besonders  aber  auch 
in  den  von  ihm  mit  Vorliehe  gepflegten  krystallographischen  Sudien  unter  den 
hochverdienten  Lehrern,  Wähler,  W.  E.  Weber,  Hausmann,  Limpricht, 
v.  Waltershausen.  Aber  die  Jahre  1847  und  1848  wmrden  ihm  bitter  getrübt, 
die  Entzündung  eines  Hüftgelenkes  hielt  ihn  gegen  ein  Jahr  lang  auf  dem  Kran- 
kenlager und  als  Folge  derselben  blieb  er  fortwährend  lahm.  Wohl  kehrte  er 
wieder  nach  Göttingen  zurück,  auch  war  er  dort  ein  Jahr  lang  Assistent  an  dem 
von  Weber  damals  eingerichteten  mathematisch-physikalischen  Seminar.  Doch 
die  Zeit  schwindet  fort.  Im  Begriffe  sich  in  Braunschweig  zum  Gymnasial-Ltiirer- 
Examen  zu  melden,  erhielt  er  von  Herrn  Dr.  Krantz  in  Bonn  die  Einladung 
dort  in  dessen  reicher  Sammlung  der  Wissenschaft  zu  leben.  Er  tritt  ein  im 
August  1851.  Auch  das  Verfertigen  von  Krystallmodellen  wurde  eingerichtet, 
welche  guten  Absatz  fanden.  Aber  Verschiedenheit  der  Ansichten  unterbrachen 
doch  auch  hier  die  früher  bestehenden  Verhältnisse.  Dauber  trat  im  November 
1857  aus  und  versuchte  nun  in  Gandersheim  selbst  eine  fabriksmässige  Erzeu- 
gung von  Krystallmodellen  einzuleiten.  Durch  die  Herren  Saemann  in  Paris, 
View  eg  in  Braunschweig  wurden  sie  bekannter  gemacht.  Alles  versprach  eine 
zwar  sehr  bescheidene  aber  doch  günstige  Entwickelung.  Damals  war  es,  im 
Frühjahre  1859,  dass  Da  über  von  meinem  hochverehrten  Freunde  Hörnes 
eingeladen  wurde,  die  Sammlung  der  Krystallmodelle  des  k.  k.  Hof- Mineralien- 
cabinetes  zu  ergänzen,  zu  welchem  Zwecke  derselbe  auch  nach  Wien  kam. 
Schon  lag  die  Wolke  der  Sorge  auf  uns  Allen,  um  das  Leben  unseres  edlen 
Grailich,  dessen  schönes  erfolgreiches  Dasein  auch  in  der  That  am  13.  Sep- 
tember jenes  Jahres  geschlossen  war.  Auch  ihn  hatte  Hörnes  an  das  k.  k.  Hof- 
Mineraliencabinet  gezogen,  es  war  dies  die  erste  Stellung  gewesen,  auf  welche 
sich  für  Grailich  eine  Zukunft  aufbauen  konnte,  wenn  er  am  Leben  blieb. 
Aber  es  war  weder  ihm,  noch  seinem  Nachfolger  Dauber  beschieden,  die 
grossen  Erfolge  in  der  ersten  Blüthe  der  Jahre  auch  in  höheres  Alter  zu  ver- 
folgen. Li e big  und  Wöhler’s  Annalen  der  Chemie  und  Pharmacie,  P ogg en- 
do rff’s  Annalen,  die  Sitzungsberichte  unserer  eigenen  Kaiserlichen  Aka- 
demie der  Wissenschaften  bewahren  uns  die  Ergebnisse  seines  umsich- 
tigen, tiefen  und  unermüdlichen  Fleisses.  Ich  darf  hier  noch  an  die  anerkennen- 
den Worte  erinnern,  mit  welchen  ich  in  der  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  am  13.  December  1860  seiner  grossen  Abhandlung  über 
das  Rothbleierz,  der  22.  einer  Reihe  seiner  Beiträge  gedachte.  Neuerdings 
hatte  er  grosse  Vorarbeiten  über  die  Formen  des  Chrysoliths  begonnen.  Nach 
seinem  Tode  noch  muss  ich  mich  ihm  zu  Danke  verpflichtet  erklären,  wie  er 
auch  aus  meinen  eigenen  früheren  Aufschreibungen  was  immer  sich  fand  sorgsam 
als  Grundlage  beachtete.  Damals  war  Vieles  leichter.  Gewonnen  war  Neues, 
wo  man  ins  Leben  frisch  hinein  griff.  Heute  ist  es  schwieriger,  denn  es  arbeitet 
eine  grosse  Anzahl  hochgebildeter,  gründlich  vorbereiteter  Forscher  in  jedem 
Culturlande,  in  beiden  Hemisphären,  und  dem  intensivsten  Studium  der  Natur  im 


38 


Verhandlungen. 


[10] 

kleinsten  Raume  der  Arbeitsstätte  muss  die  weitverbreitetste  Kenntniss  des  all- 
gemeinen Fortschrittes  zur  Seite  stehen.  Wo  da  nicht  der  ausreichendste 
innere  Trieb  waltet,  wo  man  sich  in  gegenseitig  geschaffenen  Hindernissen  auf- 
reibt, ist  das  Feld  verloren.  Aus  jener  Zeit  in  die  gegenwärtige  hereinragend 
sehe  ich  mit  Schmerz  im  Herzen  des  Kaiserreiches  die  weit  jüngeren  Männer  zu 
Grabe  getragen , welche  dasjenige  jetzt  zu  unternehmen,  fortzuführen  und  zu 
vollenden  im  Stande  gewesen  wären,  wovon  ich  zwar  noch  den  Werth  zu  beur- 
theilen,  dem  ich  aber  nicht  mehr  mit  gleichem  Schritte  zu  folgen  vermag.“ 

Wenn  es  auch  nicht  in  der  Natur  unserer  Verhältnisse  und  Beziehungen  zu 
dem  Fortschritte  geologischer  Wissenschaft  liegt,  Andenken  von  materiellem 
Werthinhalte  an  durchgeführte  Arbeiten  zu  vertheilen,  so  bewegt  uns  doch  jedes 
Jahr  zu  wahrem  erhebendem  Mitgefühl,  zu  erfahren,  was  anderwärts  in  dieser 
Beziehung  sich  ergibt,  denn  es  ist  Achtung  derjenigen  Abtheilung  wissenschaft- 
licher Forschungen  gezollt,  welche  wir  seihst  pflegen.  Wir  erhalten  so  eben 
durch  freundliche  Vermittlung  von  Herrn  Rupert  Jones  an  Herrn  Grafen  Mar- 
se ha  11  den  Sitzungsbericht  der  Jahresversammlung  der  geologischen  Gesellschaft 
in  London  am  verflossenen  15.  Februar.  Die  Wollaston  Goldmedaille  war 
unserem  hochverdienten  Forscher  und  Freunde  Herrn  Professor  Dr.  H.  G.  Bronn 
von  Heidelberg,  auswärtigem  Mitgliede  der  Gesellschaft,  zuerkannt  worden  „für 
seine  langjährigen  und  erfolgreichen  Arbeiten  zur  Förderung  der  geologischen 
Wissenschaft  im  Allgemeinen,  und  insbesondere  für  die  Dienste,  welche  er  dem 
Fortschritte  der  Paläontologie  durch  seinen  „ Index  Palaeontologicus “ geleistet“, 
speciell  auch  für  sein  Werk  über  die  Gesetze  der  Entwicklung  der  organischen 
Welt.  Herrn  M.  A.  Daubree,  dessen  wichtiger  Arbeiten  ich  auch  kürzlich  in 
unserer  Sitzung  am  1 5.  Jänner  gedachte,  wurde  der  fällige  Betrag  aus  der  W o 1 1 a s- 
ton- Stiftung  zuerkannt,  zur  Unterstützung  der  Fortsetzung  synthetischer  Ver- 
suche ähnlich  jenen,  über  welche  er  kürzlich  Bericht  erstattet,  und  welche  er  in 
der  Absicht  fortzusetzen  erklärte,  um  Licht  über  die  Vorgänge  metamorphischer 
Wirksamkeit  zu  gewinnen. 

Unser  langjähriger  hochverehrter  Freund  Herr  Leonard  Horner,  wurde 
neuerdings  zum  Präsidenten  gewählt,  die  Herren  Professor  J.  Morris,  Sir 
R.  I.  Murchison,  Prof.  John  Phillips,  G.  P.  Scrope  zu  Vicepräsidenten, 
Prof.  T.  H.  Huxley,  Warington  W.  Smyth,  W.  J.  Hamilton  zu  Secretären 
u.  s.  w.  Die  meisten  derselben  und  auch  der  Ausschussmitglieder  viele  sind 
längst  unsere  hochverehrten  Freunde  und  Correspondenten,  bei  vielen  Veran- 
lassungen Vorbilder  zur  Nacheiferung.  Die  Theilnahme,  deren  sich  unsere  Wis- 
senschaft anderwärts  erfreut,  wirkt  günstig  auch  auf  uns,  wo  wir  dieselbe  auch 
in  so  manchen  schwierigen  Augenblicken  der  vergangenen  Zeit  redlich  pflegten. 

Herr  Director  Hai  ding  er  dankt  noch  den  hochverehrten  Herren , welche 
uns  durch  ihre  Mittheilungen  erfreuten,  und  die  Summe  unserer  Kenntnisse  ver- 
mehrten, den  genauen  Untersuchungen  der  Herren  Jokely  und  Lipoid  in 
Böhmen  sowohl,  als  die  des  Herrn  Dr.  Stäche  in  Siebenbürgen,  und  Herrn 
von  Hauer’s  in  Bezug  auf  unsere  nächste  Umgebung.  Alles  dies  ist  wahrer 
Fortschritt. 

Während  der  Vorsitzende  den  Schluss  der  Sitzung  ausspricht,  legt  noch 
Freiherr  von  Hingenau  die  Einladung  zur  zehnten  allgemeinen  Versammlung 
des  Werner-Vereines  zur  geologischen  Durchforschung  von  Mähren  und  Schle- 
sien am  2.  April  (Oster-Dinstag)  um  10  Uhr  Vormittags  im  Franzens-Museum  in 
Brünn  vor.  Die  Einladung  war  auch  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  ge- 
kommen und  Herr  Director  Haidinger  hatte  sie  auf  die  Tafel  gelegt. 


[1] 


Sitzung  vom  16.  April.  W.  Haidinger.  Franz  v.  Hauer. 


39 


Sitzung  am  16,  April  1861. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  führt  den  Vorsitz. 

Herr  Director  Haidinger  macht  (in  der  Sitzung  am  12.  März)  darauf 
aufmerksam,  dass  in  der  letzten  Nummer  der  Zeitung  „Der  Berggeist“  auch  der 
Bericht  über  die  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  lo.  Jänner 
zum  Theile  enthalten  sei.  Er  hatte  selbst  eine  Abschrift  an  die  Redaction  gesandt, 
da  sich  der  Druck  sowohl  in  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  noch  nicht  wieder 
in  Gang  bringen  liess  , und  auch  die  Wiener  Zeitung,  die  an  deren  Redaction 
gesandte  Berichte  ohne  bestimmte  Periode  zu  vertagen  schien.  Doch  wurden 
letztlich  wieder  auch  hier  die  Berichte  freundlichst  gebracht.  Dem  Director  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  muss  aber  gewiss  daran  gelegen  sein,  wenn 
die  gewöhnlichen,  früher  organisirten  Wege  der  Verbindung  mit  dem  theil- 
nehmenden  Publicum  fehlen,  wieder  neue  aufzusuchen  und  gewiss  hat  dabei 
„Der  Berggeist“  einen  gewichtigen  Anspruch,  der  sich  unser  in  dem  bisher 
schwierigsten  und  peinlichsten  Abschnitte  unserer  Wirksamkeit  mit  so  reichem 
Wohlwollen  und  freundlichster  Theilnahme  angenommen  hat. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  legte  die  bisher  im  Drucke  vollendeten 
82  Bogen  des  grossen  Werkes  über  die  Bayerischen  Alpen  von  dem  k.  Berg- 
meister Herrn  C.  W.  Guembel,  welche  ihm  der  Verfasser  freundlichst  zugesen- 
det hatte,  zur  Ansicht  vor.  Diese  umfassende  Arbeit,  die  wichtigste  und  aus- 
führlichste Monographie,  die  bisher  überhaupt  über  einen  Theil  der  Kalkalpen 
erschien,  ist  die  Frucht  der  mit  unermüdeter  Ausdauer  und  begeisterter  Hin- 
gebung von  dem  Verfasser  im  Aufträge  und  auf  Kosten  der  k.  Bayerischen  Regie- 
rung durchgeführten  geologischen  Landes-Aufnahme;  ihm  selbst  so  wie  den 
kenntnissreichen  Staatsmännern,  welche  die  Bedeutung  derartiger  Aufnahmen  für 
das  Wohl  des  Landes  zu  würdigen  verstanden,  wird  Anerkennung  und  Dank  von 
Seite  aller  Freunde  der  Wissenschaften  in  reichstem  Maasse  zu  Theil  werden; 
mit  ganz  besonderer  Theilnahme  aber  müssen  wir  in  Oesterreich  die  Arbeit  be- 
grüssen,  denn  sie  beschäftigt  sich  mit  Aufgaben,  welche  in  unmittelbarem  Zusam- 
menhang mit  denjenigen  stehen,  welche  uns  selbst  bezüglich  der  angrenzenden 
Alpen  in  Tirol  und  Salzburg  obliegen.  Mannigfache  Erinnerungen  finden  wir  in 
dem  Buche  verzeichnet,  welche  den  wechselseitigen  Einfluss  erkennen  lassen,  den 
Hrn.  Guembel’s  Arbeiten  und  die  unseren  auf  einander  ausübten,  und  der  fort- 
getzten  freundlichen  Verbindung  mit  dem  ausgezeichneten  bayerischen  Staats- 
geologen verdanken  wir  so  viele  Aufschlüsse  aus  unserem  eigenen  Gebiete. 

Auch  die  wenigen  Andeutungen  über  den  Inhalt  des  vorliegenden  Werkes, 
auf  die  er  sich  hier  beschränken  müsse,  bemerkte  Herr  v.  Hauer,  dürften  genügen 
zu  zeigen  welch  reiche  Fülle  interessanter  Beobachtungen  und  Thatsachen  das- 
selbe enthalte.  Den  ersten  Abschnitt  bildet  die  Schilderung  der  topographischen 
Verhältnisse,  gefolgt  von  einem  Verzeichnisse  sämmtlicher  in  dem  Gebiete  bisher 
gemessener  Höhen.  Dieses  Verzeichniss  (Seite  42—106)  umfasst  über  20Ö0  ein- 
zelne Punkte,  von  denen  übrigens  eine  nicht  unbeträchtliche  Zahl  auf  die  benach- 
barten Tiroler-Alpen  und  auf  die  Bayerische  Hochebene  entfallen. 

Als  Einleitung  zum  geologischen  Theile  der  Arbeit  dient  (Seite  107  — 149) 
eine  „Allgemeine  Uebersicht  über  die  geognostischen  Verhältnisse  der  Alpen“  mit 
einer  Uebersichtstabelle  der  Gliederung  der  einzelnen  Formationen,  und  der 
Parallelisirung  der  von  Herrn  Guembel  selbst  angenommenen  Abtheilungen  mit 
jenen  andererForscher  und  zwar  der  Oesterreichischen  Geologen,  von  Studer  und 
Es  eher,  von  Sehafhäutl  und  Emrnrich,  und  der  Italienischen  Geologen. 


40 


Verhandlungen. 


[2] 

Die  Detailschilderurig  der  bayerischen  Alpen  nach  Formationen  und  zwar 
in  der  Reihenfolge  von  den  älteren  zu  den  jüngeren  fortschreitend,  füllt  dann  den 
grössten  Theil  der  vorliegenden  Bogen,  deren  letzter  die  Darstellung  der  Eocen- 
Formation  noch  nicht  völlig  zum  Abschluss  bringt.  Es  werden  dabei  unterschieden: 

I.  Die  Buntsandsteinformation  (Werfener  Schichten).  Derselben 
werden  auch  der  Verrucano , so  weit  Gesteine  dieses  Namens  in  den  Ost-Alpen 
Vorkommen,  als  unteres,  und  die  Gyps-,  Anhydrit-  und  Steinsalz-Stöcke  als  der 
obersten  Abtheilung  angehörig,  zugezählt.  Die  Eruptivgesteine,  welche  den  Bunt- 
sandstein durchsetzen  und  gleichzeitiger  Entstehung  mit  demselben  sind,  werden 
als  Melaphyr  bezeichnet. 

Von  Petrefacten  werden  22  Arten  aufgezählt,  von  denen  12  auch  im  ausser- 
alpinen  Buntsandstein  Vorkommen.  Drei  neue  Arten,  alle  drei  aus  dem  Salzberg- 
bau von  Berchtesgaden,  werden  beschrieben,  und  zwar  Ammojiites  Berchtes- 
gadensis  Guem.,  A.  salinarius  G.  und  A.  pseudoeryx.  G. 

II.  M u sehe  Ikalk  (Guttensteiner  Schichten).  Er  zerfällt  in  drei  Glieder. 

1 ) unterster  mergeliger  Kalk  mit  Encrinus  liliiformis,  Myoplioria  mdgaris  u.  s.  w. ; 

2)  kalkige  uud  dolomitische,  schwarze,  weissadrige,  fast  versteinerungsleere 
Schichten,  eigentlicher  Guttensteiner  Kalk;  3)  plattige  schwarze  Kalke  mit 
Retzia  trigonella  und  Spiriferina  Mentzelii,  v.  Richthofen ’s  Virgloriakalk, 
welchen  dieser  schon  in  die  obere  Trias  stellt.  Von  21  Petrefacten-Arten  finden 
sich  13  Arten  auch  ausserhalb  der  Alpen  im  Muschelkalk.  Neu  sind:  Terebr. 
striatopunctata  G. , Spirifer  alpestris  G.  und  Am.  pscudoceras  G. 

III.  Keuper.  Die  ganze  mächtige  und  vielgliedrige  Schichtenreihe  über 
dem  Muschelkalke  bis  inclusive  den  Dachsteinkalk  zählt  Guem  bei  dieser 
Formation  zu;  sie  umfasst  demnach 

1.  Die  Alpen  - L ettenkohlengruppe  (Partnach-Schichten).  Sicher 
parallel  stehen  diese  Schichten  mit  der  ausseralpinen  Lettenkohlengruppe,  mit  der 
sie  unter  13  bisher  bekannten  Petrefacten-Arten,  meist  Pflanzen,  11  gemeinschaft- 
lich enthalten.  DieUebereinstimmung  mit  den  Cassianer  Schichten,  den  Lagerungs- 
Verhältnissen  nach  sehr  wahrscheinlich,  entbehrt  noch  eines  sicheren  paläonto- 
logischen  Beweises.  Mit  diesen  letzteren  Schichten  aber  wohl  sicher  übereinstim- 
mend ist  eine  petrefactenreiche  Mergelschichte  im  Scharitzkehlthale  bei  Berchtes- 
gaden, die  unmittelbar  mit  Muschelkalk  zusammen  vorkömmt  und  12  Petrefacten- 
Arten  lieferte,  darunter  neben  6 Cassianer  Arten  3 neue  Formen:  Thamnastraea 
splendens  G.,  Anthophyllum  dentatolamellosum  G.  und  Spondylus  cristatus  G. 

2.  Unterer  Keuperkalk  und  D o iomit  (Hallstätter  Kalk,  Esinokalk). 
Die  roth  gefärbten  Gesteinsvarietäten  zeigen  sich  mehr  in  dem  Liegenden,  die 
helleren  und  dolomitischen  mehr  im  Hangenden,  eine  wirkliche  weitere  Gliederung 
des  ganzen  Gebildes,  welches  von  den  unansehnlichsten  Lagern,  die  es  an  einigen 
Stellen  bildet,  an  anderen  bis  zu  einer  Mächtigkeit  von  mehreren  tausend  Fussen 
anschwillt,  ist  nicht  durchzuführen. 

Von  Petrefacten  werden  67  Arten  aufgezählt,  darunter  13,  die  mit  Arten  der 
Cassianer  Schichten  übereinstimmen.  Die  Angabe,  dass  auch  unsere  Dachstein- 
Bivalve  ( Megalodus  triqueter  sp.  Wulf.)  in  der  Gegend  vonNassereit  in  diese  Etage 
vorkomme,  zieht  Herr  Guem  bei  in  einem  Briefe,  den  Herr  v.  Hauer  erhielt, 
wieder  zurück.  Eine  genaue  Untersuchung  der  Dachstein-Bivalven  und  der  diesen 
verwandten  Formen  aus  den  verschiedensten  Localitäten  lehrte  erkennen,  dass  die 
Muschel  von  Nassereit  durch  einen  doppelten  Kiel  auf  der  hinteren  Fiäche  von  dem  31. 
triqueter  des  Dachsteinkalkes  sich  unterscheide,  und  eine  eigenthümliche  Art  bilde. 

Als  neue  Arten  aus  dem  Hallstätter  Kalk  werden  beschrieben;  Fletcheria 
Simplex  G.,  Chemnitzia  nodifera  G - Ammonites  pseudoplanorbis  G..A.  parvulus 


Sitzung  vom  16.  April.  Franz  v.  Hauer. 


41 


[3] 


G.,  Spirigera  lunata  £.,  Ostrea  anomioides  G.,  Lima  salinaria  G. , Mytilus 
impressus  G.,  Pinna  granulata  G.,  Nucala  salinaria  G.,  Oxyrrhina  alpina  G. 

3.  Unterer  Muschelkeuper  der  Alpen  (Raibler  Schichten).  Diese 
Schichte,  bemerkt  Guembel,  muss  als  einer  der  besten  geognostischen  Horizonte 
in  den  Kalkalpen  betrachtet  werden.  „Darüber  kann  keine  Ungewissheit 
herrschen,  dass  dieselbe  vollständig  identisch  mit  den  sogenannten  Raibler 
Schichten  ist  und  dass  sie  über  dem  Hallstätter  Kalk  ihre  Stelle  einnimmt.“ 
Diesei*  Ausspruch  des  bewährten  Alpen-Geologen,  bemerkte  Herr  v.  Hauer, 
biete  abermals  ein  gewichtiges  Argument  um  das  Irrige  der  Stellung  nachzuweisen, 
welche  die  Herren  Stoppani  und  Omboni  in  den  lombardischen  Kalkalpen  den 
Raibler  Schichten  anweisen,  und  alle  die  Folgerungen  zu  widerlegen,  zu  welchen 
dieselben  diese  unrichtige  Auffassung  bezüglich  der  Kalke  und  Dolomite  verleitete. 

Die  Liste  der  Petrefacten  dieser  Schichten  von  60  verschiedenen  Localitäten 
umfasst  98  verschiedene  Arten,  von  denen  die  meisten  mit  Arten  aus  den 
Cassianer  und  Raibler  Schichten  der  Südalpen  übereinstimmen.  8 Species  finden 
sich  wieder  in  den  höheren  Kössener  Schichten , 5 in  ausseralpinen  Keuper- 
Schichten,  keine  einzige  im  Lias.  Von  neuen  Arten  charakterisirt  Guembel: 
Cidaris  Klipsteini  G.,  Discina  Suessi  G.,  Rhynchonella  granulatostriata  G., 
Ostrea  glabrata  G .,  Spondylns  rugosus  G. , Pecten  laevistriatus  G .,  P.  limoides 
G.,  P.  perglaber  G. , Lima  subglabra  G. , Plagiostoma  incurvo striatum  G., 
Halobia  rugosa  G.,  Cyrena  alpina  G.,  Corbis  granulatostriata  G.,  Lucina 
oblong a G.,  Venus  subdonacina  G.,  Sanguinolaria  recta  G. 

Die  drei  bisher  betrachteten  Glieder  bezeichnet  Herr  Guembel  als  unteren 
Keuper.  Den  mittleren  Keuper  dagegen  bildet 

4.  Die  Ha  upt- Dolomitgruppe  (Dolomit  des  Dachsteinkalkes).  Diese 
Gesteinsart  bildet  die  Hauptmasse  der  bayerischen  Kalkalpen,  in  ihrer  untersten 
Schiebt  herrscht  häufig  Rauchwacke  und  Gyps,  in  ihrer  mittleren  der  Dolomit 
selbst,  in  ihren  obersten  Plattenkalk.  Eingelagert  sind  ihr  die  bituminösen 
Schiefer  von  Seefeld  mit  ihren  berühmten  Fischresten. 

Von  organischen  Resten  kennt  Herr  Guembel  mit  Ausnahme  der  eben 
erwähnten  Fische  aus  dieser  Gruppe  nur  kleine  Gasteropoden,  die  er  als  Rissoa 
alpina  bezeichnet  und  die  sich  im  Plattenkalke  vorfinden,  dann  aus  den  Seefelder 
Schiefern  eine  Pflanze  den  Cupressites  alpinus  G. 

Die  zwei  nächstfolgenden  Glieder  endlich  bezeichnet  Herr  Guembel  unter 
dem  gemeinschaftlichen  Namen  der  „Rhätischen  Gruppe“  als  oberen  Keuper  u.  z. : 

3.  Oberer  Muschelkeuper  (Kössener  Schichten,  Gervillien-Schichten, 
Schichten  der  Avicula  contorta  u.  s.  w.).  Von  143  Fundorten  werden  aus  dieser 
Schichtengruppe  166  verschiedene  Petrefactenarten  aufgezählt,  davon  sind 
73  p.  c.  diesen  Schichten  eigenthümlich,  6 p.  c.  stimmen  mit  solchen  von 
St.  Cassian,  3 p.  c.  mit  solchen  von  St.  Cassian  und  zugleich  mit  solchen  von 
Raibel,  16  p.  c.  mit  solchen  aus  dem  ausseralpinen  Keuperbonehed,  2 p.  c.  mit 
solchen  aus  verschiedenen  Lias-Schichten  und  ebenfalls  2 p.  c.  mit  solchen  aus 
wirklichem  Runtsandstein  und  Keuper  überein.  „Diese  Zahlen“,  sagt  Herr  Guem- 
bel, „sprechen  deutlich  genug  für  die  Eigenthümlichkeit  des  oberen  Muschel- 
keupers, für  die  enge  Verbindung  mit  den  unteren  Gliedern  des  alpinischen 
Keupers,  für  die  Gleichaltrigkeit  mit  dem  schwäbischen  Bonebed  und  für  die 
Lostrennung  vom  eigentlichen  Lias“.  Den  letzteren  Punkt  insbesondere  sucht 
nun  Herr  G uem  bei  den  abweichenden  Ansichten  gegenüber,  welche  von  den 
Geologen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vertreten  werden,  umständlicher 
zu  begründen.  Die  ganze  Frage  scheint,  wie  Herr  v.  Hauer  bemerkt,  wohl  nur 
von  secundärer  Bedeutung;  will  man  nicht  etwa  der  rhätischen  Stufe  eine  ganz 

f 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  Verhandlungen. 


42 


Verhandlungen. 


w 


selbstständige  Stellung  zwischen  Lias  und  Keuper  anweisen,  so  wird  es  immer 
mehr  weniger  von  subjectiven  Anschauungen  abhängen,  ob  man  die  Grenzlinie 
dieser  beiden  Formationen  etwas  höher  oder  tiefer  legt. 

Von  neuen  Species  der  Kössener  Schichten  führt  Herr  G ue  mbel  die  folgen- 
den auf:  Caulerpites  rugosus  G,,  Chondrites  maculatus  G.,  Cho?id.  rhaeticus  G.. 
Ch.  vermicularis  G. , Membranipora  rhaetica  G. , Discoseris  rhaetica  G., 
Thamnastraea  rhaetica  G.,  Cyatliophyllum  profundum  G.,  C.  rhomboideum  G., 
Turbinolia  rhaetica  G.,  Cidaris  pseadogerana  G. , C.  rhaetica  G. , C.  laevius- 
cula  G.,  Spirigera  nuciformisG..  Leptaena  rhaetica  G.,  Ostrea  infl ex o striata  G., 
0.  rhaetica  G.,  0.  spinicostata  G.,  0.  tentaculata  G .,  SpoJidylus  squamicostatus 
G.,  Pecten  induplicatus  G.,  P.  pseudodiscites  G.,  P.  semipunctatus  G.,  P.  radiifcr 
G.,  P.  rhaeticus  G.,  P.  squamuliger  G.,  P.  striatoco status  G.,  P.  versinodis  G., 
Lima  alpina  G.,  L.  asperula  G.,  L.  millepunctata  G.,  L.  minuta  G.  L.  spinoso - 
striata  G.,  Perna  rhaetica  G..  P.  undulata  G.,  Gervilleia  longa  G..  G.  rectiversa 
G.,  Pinna  Dötzkirchneri  G.,  Mytilus  Escheri  G.,  Area  canalifera  G.,  A.  Pichleri 
G.,  A.  rhaetica  G.,  Nucula  jugata  G.,  Leda  fabaeformis  G.,  L.  percaudata  G.. 
Schizodus  elongatus  G.,  Cardinia  sublaevis  G.,  Astarte  rhaetica  G.,  Isocardia 
perstriata  G„  Cardium  alpinum  G.,  Lucina  rhaetica  G.,  L.  Oppeli  G.,  C ytherea 
rhaetica  G.,  Gastrochaena.  ornat a G.,  Anatina  rhaetica  G.,  Cypricardia  alpina 
G. , Myacites  drupaeformis  G. , M.  Meriani  G. , M.  Quenstedti  G. , Pleuromya 
mactraeformis  G.,  Panopaea  rhaetica  G.,  Dentalium  quinquanguläre  G.,  Natica 
rhaetica  G.,  N.  ecarinata  G.,  Turbonilla  Werdenfelsensis  G.,  Chemnitzia  azona 
G.,  Ch.  protensa  G.,  Ch.turritellaeformis  G.,  Trochus  pseudodoris  G.,  Cerithium 
granuliferum  G Ammonites  Kössenensis  G A.  planorboides  G.,  A.  rhaeticus  G 
A.  subradiatus  G.,  A.  tortiliformis  G.,  Nautilus  Haueri  G.,  N.  multisinuosus  G., 
Crioceras  ammonitiforme  G.,  C.  annulatum  G , C.  debile  G.,  C.  rhaetieum  G., 
Serpula  rhaetica  G.,  Lithochela  problematica  G.,  Pterophloius  Emmrichi  G. 

6.  Oberer  Keuper  kalk  (Dachsteinkalk).  „Er  macht  ein  wohl  unter- 
scheidbares Glied  in  der  obersten  Schichtenreihe  des  Alpenkeupers  aus,  auf  des- 
sen Grenze  gegen  den  Lias  er  steht.“ 

Von  den  42  Petrefactenarten  desselben  kommen  19  auch  in  den  Kössener 
Schichten  vor;  die  übrigen  sind  neu,  es  sind  die  folgenden:  Manon  varians  G., 
Spongites  porosissimus  G.,  Thamnastraea  alpina  G. , Caryophyllia  granu - 
lata  G.,  Circophyllia  alpina  G.,  Turbinolia  rhaetica  G.,  Terebratula  discoi- 
dea  G.,  Rhynchonella  subtriplicata  G.,  Megalodon  gryphoides  G.,  Chemnitzia 
pseudovesta  G.,  Turritella  alpina  G.,  T.  striatissima  G.,  Turbo  Emmrichi  G., 
Euomphalus  ferox  G.,  Trochus  alpinus  G.,  Tr.  perstriatus  G.,  Pleurotomaria 
alpina  G.,  Cerithium  trispinosum  G.,  Rostellaria  cornuta  G. 

IV.  Liasformation.  (Adnether  und  Hierlatz-Schichten,  Fleckenmergel). 
Die  durch  die  drei  angeführten  Localnamen  getrennten  Schichtengruppen  be- 
trachtet Herr  Guembel  übereinstimmend  mit  unseren  Untersuchungen  nicht  als 
bestimmte,  durch  ihr  Alter  verschiedene  Glieder,  denn  jede  derselben  enthält 
Arten  des  ausseralpinen  unteren,  mittleren  und  oberen  Lias,  auch  eine  vierte 
Gruppe,  die  er  als  verschieden  von  den  übrigen  Fleckenmergeln  als  „graues 
mergeliges  Gestein“  ausscheidet,  vereinigt  Arten  des  mittleren  und  oberen  Lias. 
Dagegen  haben  seine  Untersuchungen  zu  dem  wichtigen  Ergebniss  geführt,  dass 
doch  die  bezeichnenden  Arten  der  verschiedenen  Liasglieder,  wo  genauere  Be- 
obachtungen möglich  waren,  nicht  in  ein  und  derselben  Schichte  vereinigt  ange- 
troffen wurden.  Besonders  an  der  Kammerkahr  konnte  Hr.  Guembel  diese 
Thatsache  mit  Sicherheit  erkennen;  in  den  daselbst  mächtig  entwickelten  Adne- 
ther Schichten,  deren  Auflagerung  auf  Dachsteinkalk  südöstlich  von  den  Alpen- 


Sitzung  vom  16.  April.  Franz  v.  Hauer. 


43 


[8] 


hütten  deutlich  zu  beobachten  war,  fand  er  in  den  tiefsten  Schichten  die  Arten 
des  unteren  Lias,  in  den  höheren  jene  des  mittleren  Lias,  in  den  höchsten  endlich 
jene  des  oberen  Lias.  Nur  die  petrographische  Uebereinstimmung  der  Schichten 
von  den  tiefsten  bis  zu  den  höchsten  erschwert  es  also  oder  macht  es  völlig  un- 
thunlich  die  einzelnen  Glieder  strenge  zu  unterscheiden  und  auseinander  zu  halten. 

Von  Petrefaeten  werden  aus  dem  Lias  der  Alpen  von  84  verschiedenen 
Fundorten  162  Arten  aufgeführt,  davon  sind  103  identisch  mit  ausseralpinen 
Arten.  Es  entfallen  davon  42  auf  den  Hierlatzkalk,  103  auf  den  Adnether  Kalk, 
20  auf  den  grauen  fleckigen  Kalk  und  21  auf  den  grauen  Mergelschiefer,  welch 
zwei  letztere  die  Fleckenmergel  oder  Allgäu-Schiefer  bilden.  33  Arten  sind  neu, 
und  zwar:  Chondrites  alternans  G.,  Ch.  brevis  G.,  Ch.  strictas  G.,  Ch.  va- 
rians  G .,  Apiocrinus  alpinus  G-,  A.  annulatus  G.,  A.  concentricus  G.,  A. 
elegans  G.,  A.  moniliformis  G.,  A.  plumosus  G.,  Eugeniacrinus  alpinus  G., 
Rliodocrinus  armatus  G.,  Rh.  verrucosus  G.,  Terebratula  brevis  G.,  T.  selloi- 
des  G.,  Orbicula  alpina  G.,  Turbo  graniger  G.,  Ammonite s acutangulus  G., 
A.  Doetzkirchneri  G.,  A.  Emmrichi  G.,  A.  euceras  G.,  A.  Haueri  G.,  A.  Her - 
manni  G.,  A.  Kammerkahr  ensis  G .,  A.  megastoma  G.,  A.  stellaeformis  G.,  A. 
alpino-liasicus  G. , Nautilus  impressus  G. , Orthoceras  liasicus  G.,  Serpula 
alpina  G .,  Sphenodus  alpinus  G.,  Glyphaea  alpina  Op.,  Atractites  alpinus  G. 

V.  Gebilde  des  oberen  Jura,  ln  weit  geringerer  Mächtigkeit  und 
Ausdehnung  entwickelt  und  oft  auf  einzelne  isolirte  Gesteinsinseln  beschränkt, 
arm  an  organischen  Resten,  und  sehr  abweichend  von  den  ausseralpinen  Jura- 
schichten bieten  die  hieher  gehörigen  Gebilde  noch  weit  grössere  Schwierig- 
keiten, wenn  man  es  versucht,  ihre  speciellere  Gliederung  durchzuführen  und 
sie  mit  den  ausseralpinen  Jura-Etagen  zu  parallelisiren.  Als  Endergebniss  seiner 
Untersuchungen  stellt  Guembel  fünf  verschiedene  Gruppen  auf  und  zwar  von 
unten  nach  oben:  1.  Vilser  Kalk,  2.  Kalkstein  von  Au  (Schichten  des  Ammonites 
Lamberti );  3.  Rother  Jurakalk  des  Haselbergeck  (Sch.  des  Ammonites  tatricus , 
alle  drei  als  verschiedene  Facies  entsprechend  dem  Kelloway-rock;  4.  Barmstein- 
Korallenkalk  (Sch.  der  Scyphia  cylindrica ) entsprechend  der  Oxfordgruppe; 
5.  Buntfarbiger  Aptychen  führender  Kalkschiefer  von  Ammergau  (Sch.  des  Apt. 
lamellosus,  Wetzsteingebilde)  scheinen  die  Kimmeridgebildung  zu  vertreten^ 

Von  Petrefaeten  werden  folgende  neue  Arten  aufgeführt  und  zwar  aus  den 
ersten  drei  Gruppen:  Terebratula  subcanaliculata  Opp.,  T.  margarita  Opp., 
T.  Vilsensis  Opp.,  T.  bifrons  Opp.,  Rhynchonella  Vilsensis  Opp.,  Rh.  solitaria 
Opp.,  Rh.  contraversa  Opp.,  Ast  arte  Calloviensis  Opp.,  Cidaris  basilica  Opp., 
Pecten  Vilsensis  Opp.,  Aptychus  alpinojur ensis  G. , dann  aus  der  3.  Gruppe: 
Aptyclius  alpinus  G .,  A.  laticostatus  G-,  A.  intermedius  G.P  A.  protensus  G., 
A.  pumilus  G.,  A.  orbicularis  G.,  A.  sparsilamellosus  G. 

VI,  Kreideformation,  Weit  reicher  gegliedert  als  in  den  östlichen 
Alpen,  tritt  diese  Formation  in  den  bayerischen  Alpen  und  in  Vorarlberg  auf. 
„Während  wir  bei  den  bis  jetzt  geschilderten  Schichten  immer  die  Analogien 
im  Osten  fanden,  tritt  uns  in  den  ältesten  Kreideablagerungen  eine  solche  Über- 
einstimmung mit  dem  Westen,  mit  den  Verhältnissen  der  Schweizer-  und  Pro- 
vence-Schichten entgegen,  dass  wir  an  der  Gleichartigkeit  der  Bedingungen  ihres 
Niederschlages  und  mithin  an  ihrer  Entstehung  aus  einem  zusammenhängenden 
Meere  nicht  zweifeln  können.“  Die  jüngeren  Gebilde  der  Kreideformation  dagegen, 
abgesehen  von  dem  Sewenkalke  und  Inoceramenmergel  der  Allgäuer  Gebirge,  stets 
auf  andere  Verbreitungsbezirke  beschränkt  als  die  älteren,  „schliessen  sich  auf 
das  engste  jenen  des  österreichischen  Gebirges  an,  wo  sie  seit  lange  bekannt  und 
sorgfältig  untersucht,  als  sogenannte Gosau-Schichten  wreite  Verbreitung  besitzen.“ 

f* 


44 


Verhandlungen. 


[9] 


Wie*  bezüglich  so  vieler  anderer  Puncle  hatte  also  auch  hier  Hr.  Guembel 
die  schwierige  aber  interessante  Aufgabe,  den  Zusammenhang  herzustellen  zwi- 
schen den  verschiedenen  Ergebnissen  der  Untersuchungen  in  den  westlichen 
und  in  den  östlichen  Alpen.  Von  besonderem  Interesse  für  uns  in  dieser  Bezie- 
hung ist  die  S.  521  bis  522  gegebene  Darstellung  über  das  Yerhältniss  der 
flyschähnlichen  Neocomschichten  am  Laroschbache  hei  Berchtesgaden  und  des 
echten  der  Eocenformation  angehörigen  Flysches  der  bayerischen  und  Schw  eizer 
Alpen.  „Die  Verhältnisse  sind  daselbst  so  klar  aufgeschlossen,  dass  sie  für  die 
Richtigkeit  der  Zutheilung  einzelner  Partien  der  österreichischen  flyschartigen 
Gesteine  zu  den  Neocomschichten  wohl  als  genügender  Beweis  aufgestellt  wer- 
den können.“  Aus  den  späteren  Abschnitten  über  die  Eocenformation  geht  übri- 
gens hervor,  dass  Herr  Guembel  doch  der  Ansicht  ist,  ein  grösserer  Theil 
unserer  Wiener  Sandsteingebilde,  als  unsere  Karten  es  darstellen,  gehöre  der 
Eocenformation  an.  Die  nachfolgende  Tabelle  stellt  die  Gliederung  der  Kreide- 
schichten in  den  bayerischen  Alpen  dar,  zu  welcher  Herr  Guembel  gelangte. 


Hangendes,  eocene 

Nummulitenschichten 

Bezeichnung  nach 
Freih.  v.  Richthoten 

© 

Nierenthaler  Schichten 

Gruppe  der  B.  mucronata 

e K r e 

Gosau-Schichten 

Gruppe  des  Hipp,  cornu  vaccinum 
und  der  Orbitulina  concava 

Gosau-Gebilde 

© 

&JD 

Sewen-Mergel 

Mergelgruppe  der  Inoceramen 

Seewer 

S 

sp 

•-9 

Sewen-Kalk 

Kalkgruppe  der  Inoceramen 

Galt-Schichten 

Gruppe  des  Turril.  Bergeri 

Gault 

Obere  Bank : 

Gruppe  der  Orbitulina  lenticularis 

© 

Mittlere  Bank: 

HP 

© 

Schrattenkalk 

Gruppe  der  Foraminiferen  und 
Bryozoen 

Caprotinenkalk 

! * 

Untere  Bank : 

© 

Gruppe  der  Caprotina  ammonia 

© 

© 

Obere  Abtheilung: 

Gruppe  des  Toxaster  complanatus 

Spatangenkalk 

< 

Unterkreide-Schichten 

Mittlere  Abtheilung: 

Gruppe  des  Aptychus  Didayi 

Valanginien 

- 

Untere  Abtheilung: 

Gruppe  des  Toxaster  Campechei 
und  der  Terebr.  Marcousana 

Rossfeld-Schichten 

Liegendes.  Oberste  Jura-Schichten  der  Alpen. 


Ul 


Sitzung  vom  16.  April.  Franz  v.  Hauer. 


45 

Von  den  ungemein  zahlreichen  Petrefacten  der  Kreideformation  sind  die 
folgenden  neu  : 

Aus  den  Unterkreideschichten:  Chondrites  rectangularis  G.,  Terebratula 
Algovica  G.,  T.  equicampestris  G.,  T.  reflexistriata  G.,  T.  subtriangulata  G., 
Spondyhis  cancellatus  G.,  Aptychus  breviflexuosus  G.,  A.  decurrens  G.,  A. 
obliquus  G.,  A.  tenuis  G.t  A.  undatus  G.s  Ancyloceras  tenuistriatum  G.,  Anc. 
subsimplex  G. 

Aus  dem  Schrattenkalk : Ceriopora  guttata  G. , Astraea  bifrons  G.,  Holo- 
cystis  polyspathes  G. 

Aus  den  Gosau-Schichten : Chondrites  longissimus  G.,  Robulina  latemargi- 
nata  G.,  Rotalina  Eggeri  G.,  Rosalina  grossopunctata  G.,  Marginulina  sub- 
bullata  G. , Nodosaria  elongata  G.,  Trochocyathus  mammillatus  G.,  Ostrea 
intusradiata  G .,  Area  carimfera  G.,  A.  globulosa  G.,  A.  Chiemiensis  G.,  Nucula 
Reussi  G.,  Leda  Ehrlichi  G.,  L.  discors  G.,  Cardium  granigerum  G.,  Luciria 
subsquamulata  G .,  Tellina  semistriata  G .,  Solen  clavaeformis  G.>  Dentalium 
midticanaliculatum  G.,  Avellana  serrata  G.,  A.  bistriata  G.,  Solarium  stella- 
tum  G.,  Cerithium  Chiemiense  G.,  C.  Zekelii  G. , Fusus  acutangulatus  G., 
Bulla  subalpina  G.,  Scaphites  falcifer  G.,  Serpula  mammillata  G. 

Aus  den  Nierenthal-Schichten  (wohl  dieselbe  Schichtengruppe,  die  durch 
einige  Vorkommen  im  Gschliefgraben  bei  Gmunden,  namentlich  Ananchytes 
ovata  angedeutet  ist.  Jahrb.  der  k.  k.  geoiog.  Reichsanstalt  IX.  S.  116.)  Lima 
nux  G .,  Acmaea  mammillata  G. 

Ueber  die  nicht  minder  werthvollen  Resultate  betreffs  der  Tertiärgebilde, 
bemerkt  Herr  v.  Hauer,  behalte  er  sich  vor,  weitere  Nachricht  zu  geben  sobald 
er  die  Fortsetzung  der  so  überaus  lehrreichen  Arbeit  erhalten  haben  wird. 

Der  freundlichen  Güte  des  Herrn  Hofrathes  und  Professors  H.  G.  Bronn 
in  Heidelberg  verdankt  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  ein  Exemplar  seiner 
im  Jahre  1857  von  der  Pariser  Akademie  gekrönten  und  jetzt  in  französischer 
Sprache  von  ihr  herausgegebenen  Preisschrift:  „ Essai  d' une  reponse  ä la  ques- 
tion  de  Prix  proposee  en  1850  par  V Academie  des  Sciences  pour  le  concours 
de  1853  et  puis  remis e pour  celui  de  1856.(<  Herr  v.  Hauer,  der  dieses  schöne 
Werk,  einen  Quartband  von  542  Seiten,  vorlegte,  bemerkte,  wohl  keinem  der 
Anwesenden  dürfte  die  wichtige  Arbeit  des  berühmten  Verfassers  unbekannt  sein, 
denn  schon  im  Jahre  1858  wurde  der  Inhalt  derselben  mit  Genehmigung  der 
Akademie  in  deutscher  Sprache  publicirt,  unter  dem  Titel : „Morphologische 
Studien  über  die  Gestaltungsgesetze  der  Naturkörper  überhaupt  und  der  organi- 
schen insbesondere.“  Die  Aufgabe  selbst  lautete: 

„Es  seien  die  Gesetze  der  Vertheilung  der  fossilen  organischen  Körper  in 
den  verschiedenen  Sedimentärgebilden  nach  der  Ordnung  ihrer  Ueberlagerung 
zu  studiren.“ 

„Es  sei  die  Frage  ihres  allmähligen  oder  plötzlichen  Erscheinens  und  Ver- 
schwindens zu  discutiren.“ 

„Es  sei  die  Natur  der  Beziehungen  zu  ermitteln  , welche  zwischen  dem 
gegenwärtigen  und  den  früheren  Zuständen  der  organischen  Welt  bestehen.“ 

An  die  Beantwortung  von  Fragen  von  solcher  Tragweite  konnte  sich  mit 
Erfolg  wohl  nur  der  Meister  wagen,  und  Niemand  war  geeigneter  sie  zu 
unternehmen  als  eben  Herr  Hofrath  Bronn,  der  in  seiner  „Geschichte  der  Natur“ 
und  in  zahlreichen  anderen  in  analoger  Richtung  ausgeführten  Arbeiten  das 
Material  aufgespeichert  hatte,  welches  nun  in  entsprechender  Weise  zusammen- 
zufassen die  Aufgabe  war.  Die  Art  und  Weise,  wie  er  dabei  zu  Werke  geht,  darf 
wohl  als  nachahmungswürdiges  Beispiel  für  Alle  hingestellt  werden,  die  sich  mit 


46 


Verhandlungen. 


[8] 

allgemeinen  theoretischen  Problemen  beschäftigen.  Die  gründlichste  Kenntniss 
und  sorgfältigste  Benutzung  aller  in  der  Literatur  vorliegenden  Details  leitet 
jeden  Schritt.  Jedes  ausgesprochene  Gesetz  wird  durch  zahlreiche  direct 
beobachtete  Thatsachen  gestützt,  und  Alles,  was  für  oder  gegen  dasselbe  spricht, 
wird  mit  unparteiischer  Gewissenhaftigkeit  abgewogen. 

Die  Ergebnisse,  zu  welchen  Herr  Bronn  auf  diesem  Wege  gelangte,  wurden 
vor  Kurzem  von  Herrn  Professor  Ed.  Suess  in  zwei  öffentlichen  Vorträgen  dar- 
gelegt. Herr  v.  Hauer  glaubt  um  so  mehr  auf  diese  Vorträge  verweisen  zu 
können,  als  der  Anfang  derselben  eben  heute  in  der  Wiener  Zeitung  abgedruckt 
erschien;  er  schliesst  mit  dem  Ausdruck  des  wärmsten  Dankes  für  den  berühmten 
Verfasser  des  Werkes,  dessen  freundschaftliche  Beziehungen  zu  unserer  Anstalt 
derselben  so  vielfältig  anregend  und  förderlich  waren. 

Herr  Bergrath  Franz  v.  Hauer  legte  eine  von  Herrn  Dr.  Johann  Nepomuk 
Woldrich  eingesendete  Abhandlung  „Beiträge  zum  Studium  des  Beckens  von 
Eperies“  vor,  in  welchem  der  fleissige  Herr  Verfasser  Detailbeschreibungen  aller 
Gesteins-Entblössungen  gibt,  die  er  in  dem  genannten  Becken  antraf.  Dasselbe 
erstreckt  sich  von  Finta  nördlich  von  Eperies  bis  Somos  in  einer  Längen- 
erstreckung von  10.500  Klaftern  und  hat  eine  Breite,  die  von  2500  bis  5000 
Klaftern  wechselt.  Im  Norden  und  Osten  bilden  seine  Begrenzung  Trachytberge, 
im  Süden  der  aus  trachytischen  Tuffen  bestehende  Biegel  von  Somos,  im  Westen 
zum  grössten  Theile  eine  Hügelreihe  von  eocenem  Sandstein,  an  welche  sich 
aber  gegen  Somos  zu  Triaskalk  und  Werfener  Schiefer  anschliessen.  An  der 
Ausfüllung  des  Beckens  nehmen  nach  den  Beobachtungen  des  Verfassers  nebst 
den  Miocenschichten  besonders  auch  noch  jüngere  Diluvial-  und  Alluvialgebilde, 
Löss,  Sand  und  Lehm  einen  bedeutenden  Antheil,  welche  nicht  selten  organische 
Reste  noch  jetzt  lebender  Arten,  dann  Stückchen  verkohlten  Holzes  u.  s.  w.  ent- 
halten. Nachdem  schon  die  Miocengebilde  abgelagert  und  die  Trachyt-Eruptionen 
erfolgt  waren,  musste  das  ganze  Becken  nach  der  Ansicht  des  Herrn  Woldrich 
noch  einmal  von  Diluvialfluthen  überschwemmt  worden  sein , welche  die  oben 
genannten  mitunter  sehr  mächtigen  Gesteinsmassen  absetzten. 

Weiter  erinnerte  Herr  v.  Hauer,  dass  Herr  P.  Parts ch  bereits  in  seinen 
„Erläuternden  Bemerkungen  zur  geognostischen  Karte  des  Beckens  von  Wien“ 
p.  16  und  17  des  Vorkommens  von  Ammoniten  in  dem  Dachschieferbruche  von 
Mariathal  bei  Stampfen  gedacht,  und  aus  demselben  den  Schluss  gezogen  habe, 
die  Schiefer  müssten  weit  jünger  sein  als  die  silurische  Grauwacke.  Diese  Angabe 
wurde  bei  allen  späteren  Arbeiten  über  die  Gegend  unbeachtet  gelassen;  in  den 
verschiedenen  geologischen  Beschreibungen  der  Gegend,  die  seither  erschienen, 
und  eben  so  in  unseren  geologischen  Karten  sind  die  Dachschiefer  von  Maria- 
thal der  Grauwackenformation  zugezählt,  was  sehr  erklärlich  scheint,  wenn  man 
die  petrographische  Beschaffenheit  des  Gesteines  eines  dunkel  gefärbten  voll- 
kommen ebentlächig  brechenden,  ganz  und  gar  mit  den  Dachschiefern  der  Grau- 
wacke übereinstimmenden  Thonschiefers  berücksichtigt  und  bedenkt,  dass  ihn 
Parts  ch  selbst,  ungeachtet  der  oben  erwähnten  Angabe  auf  seiner  Karte,  von 
den  übrigen  grauwackenartigen  Gesteinen  der  Alpen  und  Karpathen  nicht  trennt. 
Ein  neuer  in  dem  gedachten  Bruche  gemachter  Fund  gestattet  aber  nicht  länger 
die  bisherige  Altersbestimmung  des  Gesteines  festzuhalten.  Ein  Ammonit,  von 
Herrn  Professor  Kornhuber  an  Herrn  Professor  Suess  zur  Bestimmung  ein- 
gesendet, wurde  von  dem  Letzteren  allsogleich  als  Ammonites  .bifrons  erkannt 
und  behufs  der  Vorlage  in  unserer  Sitzung  an  Herrn  v.  Hauer  übersendet.  Die 
flach  gedrückte  Schale  lässt  die  so  charakteristische  Oberflächenzeichnung  der 
genannten  Art,  die  Sichelfalten  und  die  Längsrinne  auf  der  unteren  Hälfte  der 


Sitzung  vom  16.  April.  Franz  v.  Hauer. 


47 


[»] 


Seitenfläche  mit  solcher  Deutlichkeit  erkennen,  dass  die  Richtigkeit  der  Bestim- 
mung wohl  kaum  in  Zweifel  gezogen  werden  kann,  wenn  auch  der  Rücken  der 
Schale  und  die  Lobenzeichnung  nicht  zu  beobachten  sind.  Die  Dachschiefer 
von  Mariathal  müssen  demnach  der  Liasformation  zugezählt  werden,  sie  liefern 
auf  diese  Art  neuerdings  einen  Beweis  dafür,  wie  wenig  Sicherheit  rein  petro- 
graphische  Merkmale  für  die  Feststellung  des  Alters  der  Sedimentgebilde  in 
den  Alpen  und  Karpathen  darbieten,  und  lehren  uns  dem  Lias  in  einer  bisher  in 
diesen  Gebirgen  noch  gar  nicht  beobachteten  Form  kennen. 

Noch  legte  Herr  v.  Hauer  die  neueste  Arbeit  des  verdienstvollsten  prak- 
tischen Geologen  der  Lombardie,  des  Herrn  Giulio  Curioni  in  Mailand  vor: 
,, Sulla  Industria  del  ferro  in  Lombardia“ , deren  Zusendung  er  ebenfalls  dem 
Wohlwollen  des  Verfassers  verdankt.  Die  Eisenindustrie  der  Lombardie,  so  lehrt 
uns  Herr  Curioni,  ist  die  älteste  und  eine  der  wichtigsten  des  Landes,  denn  sie 
gibt  einer  zahlreichen  Bevölkerung  in  den  rauhen  und  wenig  fruchtbaren  G^birgs- 
thälern  ihre  Nahrung,  und  hat  bisher  alle  eommerziellen  und  politischen  Wechsel- 
fälle, welche  das  Land  durchzumachen  hatte,  überdauert.  Die  so  sehr  gewünschte 
Vereinigung  mit  den  alten  Provinzen  Piemonts  ist  aber  nahe  daran,  sie  voll- 
ständig zu  ruiniren.  Denn,  während  der  höhere  Eingangszoll  auf  Eisenwaaren, 
so  lange  die  Lombardie  österreichisch  war,  das  Bestehen  derselben  unerachtet 
hoher  Besteuerung  möglich  machte,  hat  man  gegenwärtig  die  Steuern  in  ihrem 
vollen  Umfange  beibehalten,  verleiht  aber  den  Werken  weiter  keinen  Zollschutz. 
In  der  vorliegenden  Abhandlung  beabsichtigt  Herr  Curioni  durch  Darstellung 
der  Eisensteingruben,  der  hüttenmännischen  Behandlung  der  Erze,  der  Fabri- 
cationsweise  der  verschiedenen  Handelsproducte,  sowie  auch  der  Geschichte  der 
ganzen  Industrie  die  Mittel  anzudeuten,  durch  welche  es  gelingen  könnte,  sie 
aufrecht  zu  erhalten.  Abgesehen  von  der  dringend  bevorvvorteten  Verringerung 
der  Besteuerung,  räth  er  vorzüglich,  sich  auf  jene  Fabricate  zu  verlegen,  welche 
viele  Handarbeit  und  vorzügliche  Güte  des  Eisens  erheischen  , die  neueren 
Methoden  von  Chenot,  Bessemer  u.  A.  einzuführen  und  endlich  sämmtliche 
Werke  nach  dem  Vorschläge  des  Herrn  Sonnier  in  eine  Gesellschaft  zu  ver- 
einigen. 

Nur  bezüglich  der  in  dem  Buche  enthaltenen  Nachrichten  über  die  ver- 
schiedenen Gattungen  der  Erze  und  ihr  Vorkommen  sei  es  gestattet,  hier  noch 
einige  weitere  Notizen  zu  geben. 

Nach  der  Art  der  Lagerung  unterscheidet  Herr  Curioni  : 

1.  Oehrige  Erze  im  Verrucano  gelagert,  grosse  Gänge  oder  Stockwerke 
bildend.  Sie  speisen  den  Hochofen  von  Premadio  bei  Bormio. 

2.  Spatheisenstein,  in  Adern  und  Nieren,  ebenfalls  in  Verrucano.  Haupt- 
sächlich nur  die  Hütte  in  Dongo  bringt  sie  zur  Verwerthung. 

3.  Spatheisenstein  im  rothen  triassisehen  Sandsteine.  In  der  Zone  dieser 
Sandsteine,  welche  sich  durch  die  ganze  Lombardie  hinzieht,  kennt  man  die 
Eisensteine  an  vielen  Orten,  sie  sind  arm  an  Mangan  und  liefern  so  wie  die  vor- 
hergehenden graues  Roheisen. 

4.  Spatheisensteine  im  Servino(Werfener  Schiefer).  Auf  ihnen  hauptsächlich 
basirt  die  Eisenindustrie  in  der  Val  Trompia,  Camonica  und  Dezzo.  Die  Erze 
sind  manganhältig  und  bilden  Lager,  von  denen  man  in  Val  Trompia  fünf  unter 
besonderen  Namen  unterscheidet;  sie  liefern  ein  Roheisen,  welches  sich  zum 
Gusse  gut  eignet,  aber  auch  wenn  das  Verhältnis  der  Kohle  zum  Erz  bei  der 
Beschickung  geändert  wird,  zur  Stahlfabrication  verwendet  wird. 

5.  Oehrige  Erze  im  Trias-Dolomit,  Die  bedeutendste  Grube  auf  dieselben 
befindet  sich  zu  Sasso  Rancio  am  Comersee, 


48 


Verhandlungen. 


[10] 

6.  Ochrige  Erze  in  den  Raibler  Schichten.  Gruben,  welche  ehemals  auf 
dieselben  bestanden,  sind  gegenwärtig  verlassen,  könnten  aber  wieder  aufge- 
nommen werden. 

7.  Magneteisenstein  und  Brauneisenstein  östlich  von  Bormio,  dessen  geo- 
logische Stelle  zweifelhaft  ist;  endlich 

8.  Spatheisenstein,  mitunter  zusammen  mit  anderen  Metallen  vorkommend, 
auf  wirklichen  Gängen  im  Glimmerschiefer. 

Herr  Bergrath  M.  Y.  Lipoid  sprach  über  die  Kreideformation  im  östlichen 
Theile  des  Prager  und  im  südlichen  Theile  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen, 
insoweit  dieselben  auf  den  Generalstabskarten  Nr.  14  und  20  (Umgebungen  von 
Brandeis,  Neukolin  und  Schwarz- Kosteletz)  verzeichnet  sind. 

In  diesem  von  Herrn  Bergrath  Lipoid  und  Herrn  Director  J.  Krejci 
im  Sommer  1860  geologisch  aufgenommenen  Terrain  findet  sich  die  Kreide- 
formation in  dem  ganzen  nördlichen  Theile  vor  und  reicht  im  Süden  bis  Prosek, 
Chwala,  Gr.  Jirna , Brezan , die  Bucht  von  Schwarz -Kosteletz  ausfüllend  bis 
Wolesec,  ferner  bis  Malotic,  Neudorf,  Radi  und  Maleschau.  Vereinzelte  Lappen 
derselben  fand  Herr  Bar.  v.  Andrian  auch  noch  südlich  von  Malotic  bei  Radlitz, 
Smrek  u.  a.  0.  vor.  In  dem  ganzen  Terrain  jedoch  ist  die  Kreideformation  gröss- 
tentheils  von  jüngeren  Bildungen,  und  zwar  von  Löss,  Diluvialsand  und  Alluvien 
überdeckt  und  tritt  daher  nur  an  einzelnen  Punkten  in  namhafterer  Ausdehnung 
zu  Tage. 

In  dem  bezeichneten  Gebiete  sind  beide,  nach  Herrn  Dr.  A.  E.  Reuss’, 
Geinitz’s  u.  A.  Untersuchungen,  dem  Cenomanien  und  Turonien  analogen  Haupt- 
gruppen der  Kreideformation  Böhmens,  nämlich  die  Quader-  und  die  Pläner- 
gruppe, deren  erstere  die  tiefer,  letztere  die  höher  liegende  ist,  vertreten.  Die 
Quadergruppe  nimmt  den  südlichen  und  mittleren  Theil  des  Gebietes,  und  zwar 
die  Quadersandsteine  den  südöstlichsten  Rand  in  der  Umgehung  von  Elbe-Koste- 
letz,  Chwala,  Schwarz-Kosteletz,  Radi  u.  s.  f. , die  Quadermergel v(Plänersand- 
steine  nach  Geinitz)  den  mittleren  Theil  in  der  Umgebung  von  Cerulitz,  Be- 
natek,  Celakowic,  Prerau,  Lissa,  Nimburg,  Sadska  und  Podiebrad,  und  die  Pläner- 
gruppe, die  auf  einzelnen  Kuppen  schon  hei  Meseric  auftritt,  den  nordöstlichen 
Theil  des  Gebietes  in  der  Umgebung  von  Lustenio,  Lauein,  Roszdialowic,  Krinec 
u.  s.  f.  ein.  Der  Quadergruppe  angehörig  erscheinen  in  dem  südöstlichen  Theile 
des  Kreidebeckens  petrefactenreichere  Kalkschichten  (Hippuritenkalke),  theils 
ausser  Verbindung  mit  anderen  Kreideschichten,  ähnlich  Korallenriffen  und 
Korallenbänken,  wie  bei  Chocenitz,  theils  in  Verbindung  mit  Quadersandsteinen, 
wie  bei  Radowesnitz,  Peckau  u.  s.  f. 

Ausser  den  Kalkschichten  sind  die  erwähnten  Kreidebildungen  in  dem 
bezeichneten  Gebiete  arm  an  fossilen  Thierresten.  Herr  S toi iezk  a bestimmte 
freundlichst  aus  den  Quadersandsteinen  von  Radbor:  Ostrea  columba 
Lam.;  aus  den  Kalkschichten  von  Chocenitz  bei  Kolin:  Sphaendites  undn- 
latas  Geinitz Hippurites  ellipticus  Gein.,  Avicula  n.  sp.,  und  von  der  Pekla- 
mühle  bei  Kolin:  Ostrea  columba  Lam. ; aus  den  öfters  durch  Inoceramus  my- 
tiloides  Mant.  charakterisirten  Quadermergeln  vom  Galgenberg  bei  Lissa : 
Isocardia  cretacea  Goldf 1,  von  Wlkowa  bei  Nimburg:  Venus  plana  Soiv . , von 
Sadska:  Ostrea  lateralis  Nils.',  endlich  aus  den  P 1 ä n er  m ergeln  von  Sliwno 
bei  Mezeric:  Inoceramus  Cripsii  Mant.,  und  von  Mzel  bei  Krinec:  Inoceramus 
problematicus  Schloth. 

Die  Schichten  aller  erwähnten  Gruppen  der  Kreideformation  dieses  Theiles 
Böhmens  zeigen  nirgends  eine  gestörte  Lagerung,  sondern  liegen  entweder  ganz 
horizontal  oder  neigen  sich  höchstens  um  einige  Grade  gegen  den  Horizont. 


[11] 


Sitzung  vom  16.  April.  Karl  v.  Hauer. 


49 


Herr  Karl  von  Hauer  berichtete  über  weitere  Ergebnisse  seiner  kryslallo- 
genetischen  Studien.  Seine  früheren  Mittheilungen  in  dieser  Richtung  wurden 
in  den  Sitzungsberichten  der  k.  Akademie  der  Wissenschaften  veröffentlicht. 

Zu  den  räthselhaftesten  Erscheinungen  im  Krystallisationsprocesse  gehört 
unstreitig  jene,  dass  manche  Substanzen  in  zwei,  ja  sogar  in  drei  verschiedenen 
Krystallgestalten  bei  gleicher  chemischer  Constitution  auftreten  können,  also  das 
Phänomen  der  Dimorphie  und  Trimorphie.  Allein  die  Anzahl  der  hieher  gehörig 
betrachteten  Erscheinungen  minderte  sich  beträchtlich,  indem  genauere  Beob- 
achtungen zeigten,  dass  in  mehreren  Fällen  die  scheinbare  Dimorphie  wirklich 
durch  eine  Verschiedenheit  in  der  chemischen  Constitution  bedingt  war,  wonach 
das  Auftreten  in  zweierlei  Krystallgestalten  nichts  Befremdendes  mehr  hatte.  Ein 
hieher  gehöriges  Beispiel  ist  die  Doppelform  des  schwefelsauren  Kali,  von  wel- 
chem Herr  v.  Hauer  schon  vor  längerer  Zeit  nachgewiesen  hatte,  dass  die  in 
rhomboedrischer  Form  auftretenden  Krystalle  eine  constante  Verbindung  von 
schwefelsaurem  Kali  mit  wasserfreiem  schwefelsaurem  Natron  seien.  Dieses  inter- 
essante Doppelsalz  entsteht  bekanntlich  in  einer  englischen  Fabrik  zu  Glasgow 
bei  der  Aufarbeitung  von  Kelplaugen  und  bildet  sechsseitige  piattenförmige 
Krystalle.  Es  ist  nun  eine  eigenthümliche  Erscheinung,  dass,  wenn  man  eine  dieser 
Verbindung  der  Zusammensetzung  nach  entsprechende  Lösung  künstlich  bereitet 
und  solche  Krystalle  darin  fortwachsen  lässt,  sich  ihre  plattenförmige  Gestalt 
nie  erhält,  sondern  ausnahmslos  das  Dihexaeder  allsogleich  auftritt,  wodurch  sie 
sich  im  äusseren  Ansehen  viel  mehr  der  Gestalt  des  gewöhnlichen  schwefelsauren 
Kalis  nähern,  welche  sehr  häufig  einen  scheinbaren  dihexaedrischen  Habitus 
zeigt.  Umgekehrt  lässt  sich  unter  hunderten  Krystallen  von  dem  Fabriksproduct 
auch  nicht  ein  Individuum  auffinden,  welches  nicht  plattenförmig  wäre.  Es  muss 
also  eine  bestimmte  Ursache  bei  dem  Fabriksprocesse  eben  diese  constante 
Form  bedingen,  und  es  erinnert  die  Erscheinung  an  den  localen  Formtypus 
gewisser  krystallisirter  Mineralien,  wo  auch  Örtliche  Verhältnisse  während  ihrer 
Entstehung  einen  eigentümlichen  Habitus  der  Gestalt  hervorbrachten , aus  wel- 
chem auf  die  Localität  des  Vorkommens  häufig  mit  vollster  Sicherheit  geschlos- 
sen werden  kann.  Als  eine  jener  Ursachen,  welche  auf  den  Habitus  von  Kry- 
stallen so  influenziren,  dass  ihre  Veränderung  in  der  Gestalt  unmittelbar  ins 
Auge  fällt  und  wodurch  diese  Veränderung  constant  hervorgebracht  wird,  hat 
schon  vor  vielen  Jahren  Beudant  die  Gegenwart  gewisser  fremder  Substanzen 
in  den  Krystallisationslaugen  erkannt.  Aus  seinen  Versuchen  geht  aber  hervor, 
dass  wirklich  nur  eine  Art  Contactwirkung  hier  im  Spiele  sei,  indem  von  den 
betreffenden  Substanzen  bei  der  Krystallbildung  nichts  aufgenommen  wird.  Sehr 
prägnante  Beispiele  sind  hiefür  Alaunlösungen,  welchen  ein  Alkali  oder  Salz- 
säure hinzugefügt  wird.  Im  ersteren  Falle  entstehen  Oktaeder  in  Combination 
mit  dem  Würfel,  im  letzteren  zeigen  die  anschiessenden  Krystalle  die  Flächen 
des  Pentagonaldodekaeders,  welch  letzteres  Phänomen  neuere  Versuche  von 
Weher  bestätigt  haben. 

Es  gelang  indessen  nicht  durch  in  dieser  Richtung  unternommene  Ver- 
suche die  Umstände  zu  ermitteln,  unter  welchen  das  schwefelsaure  Kalinatron 
plattenförmig  auftritt,  doch  gaben  sie  die  Gelegenheit  einige  andere  eigenthüm- 
liehe  Erscheinungen  des  Krystallisationsprocesses  zu  beobachten. 

Als  Krystalle  des  genannten  rhomboedrisehen  Salzes  in  eine  gesättigte 
Lösung  von  schwefelsaurem  Ammoniak  gelegt  wurden,  fand  ein  Fortwachsen 
derselben  statt.  Es  entstanden  darüber  lange  sechsseitige  Säulen,  in  deren  Mitte 
die  rhomboedrische  Platte  eingelagert  war.  Da  diese  Säulen  eine  ausgezeichnete 
Spaltbarkeit  senkrecht  auf  ihre  Längsaxe  besitzen,  so  Hessen  sich  leicht  Plätt- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  13.  Band,  1861  und  1863.  Verhandlungen.  g 


so 


Verhandlungen. 


[12] 

eben  von  einer  Stelle  ausserhalb  des  eingeschossenen  rhomboedrisohen  Kry- 
stalles  abtrennen.  Solche  Platten  zeigten  nun  aber  unzweifelhaft  die  optischen 
Eigenschaften  des  gewöhnlichen  prismatischea  Schwefelsäuren  Ammoniaks.  Es 
ergibt  sich  hieraus  das  interessante  Factum,  dass  sich  zwei  Substanzen  gegen 
einander  nach  den  geometrischen  Gesetzen  der  Isomorphie  verhielten,  die  aber 
zwei  verschiedenen  Krystallsystemen  angehören,  eine  „Episomorphie“  zwischen 
einem  prismatischen  und  einem  rhomboedrischen  Salze.  Wohl  sind  in  diesem 
Falle  übrigens  die  Winkelwerthe  beider  Combinationen  so  sehr  nahe  liegend, 
dass  die  Messung  für  sich  keinen  hinlänglichen  Anhaltspunkt  geben  würde. 
Allein  die  plattenförmigen  Krystalle  des  Fabriksproductes  sind  entschieden 
optisch  einaxig.  Die  darüber  von  dem  Anschüsse  im  Schwefelsäuren  Ammoniak 
abgespaltenen  aber  eben  so  sicher  zweiaxig,  so  dass  über  die  Verschiedenartig- 
keit des  Krystallsystemes  beider  Substanzen  kein  Zweifel  herrschen  konnte. 

Es  scheint  daraus  hervorzugehen,  dass  durch  das  Vorhandensein  einer 
geringeren  Menge  von  Natron  in  dem  schwefelsauren  Salze  (es  beträgt  nur  den 
vierten  Theil  des  Aequivalentes)  die  chemische  Aehnlichkeit  des  sehwrefelsauren 
Kalis  mit  schwefelsaurem  Ammoniak  nicht  aufgehoben  wird,  die  Veränderung  in 
der  Krystallgestalt  ist  aber  eine  den  Winkelwerthen  nach  so  geringe,  dass  sie, 
wie  erwähnt  wurde,  nicht  einmal  durch  Messung  zu  constatiren  ist.  Dieses  Ver- 
hältnis ermöglicht  es,  dass  die  Moleküle  der  beiden  Salze  noch  attractorisch 
auf  einander  wirken,  dass  sie  sich  gleich  isomorphen  Salzen,  w as  den  krystallini- 
schen  Aufbau  anbelangt,  gegen  einander  verhalten.  Wäre  die  Construction  des 
Krystallgebäudes , ein  solches  dürfen  wir  es  wohl  nennen,  da  ja  die  Spaltungs- 
richtungen und  die  Aetzungcn  zur  Genüge  zeigen,  dass  jed<  r Krystall  nichts 
anders  als  ein  Aggregat  gleichgeformter  sehr  kleiner  Krystallmoleküle  ist,  die 
nach  einem  symmetrischen  Gesetze  orientirt  sind,  wäre  diese  Construction  eine 
mathematisch  genaue,  so  könnte  die  eben  dedueirte  Krystallisationsbildung  nicht 
stattfinden,  denn  wie  geringe  auch  der  Unterschied  in  den  gedachten  beiden 
Formen  des  prismatischen  und  rhomboedrischen  Systemes  ist,  so  existirt  ein 
solcher  doch  factisch.  Allein  man  muss  sich  erinnern,  dass  beim  Zusammen- 
krystallisiren  solcher  Substanzen,  die  wir  als  isomorph  betrachten,  ein  ähnliches 
Verhältniss  stattfindet,  was  darauf  hindeutet,  dass  Abweichungen  in  der  Krystall- 
bildung  von  den  streng  normalen  Linien  und  Winkeln  stattfinden  können. 

Die  Mischung  zweier  isomorpher  Substanzen,  die  also  in  einem  beliebigen 
Verhältnisse  in  einem  Krystalle  sich  zu  vertreten  im  Stande  sind,  kann  nicht 
wohl  als  eine  ins  Unendliche  gehende  gedacht  werden.  Wir  gelangen  bei  fort- 
gesetzt gedachter  Theilung  des  Krystalles  zu  kleinsten  Krystallmolekülen , deren 
ein  Theil  aus  dem  einen,  der  andere  aus  dem  anderen  der  beiden  isomorphen 
Salze  besieht.  Die  genauesten  neueren  Messungen  haben  gezeigt,  dass  jedes  für 
sich  nicht  absolut  gleiche  Grössen  seien,  und  der  Begriff  der  Isomorphie  über- 
haupt daher  nur  ein  annähernder  sei,  gleichwohl  treten  sie  in  einen  Krystall 
zusammen.  Das  schwefelsaure  Kali  kann  den  Raum  des  sclrwefelsauren  Ammo- 
niaks erfüllen  und  das  Chromoxyd  jenen  der  Thonerde;  allein  die  kleinsten  Mole- 
küle der  respectiv  sich  ersetzenden  Substanzen  sind  gewiss  nicht  absolut  gleich. 
Von  diesem  Standpunkte  der  Betrachtung  aus  hat  es  nun  nichts  Anomales,  zu 
sehen,  dass  ein  prismatischer  Krystall  sich  unter  die  Form  eines  rhomboedrischen 
fügte,  der  Uebergang  ist  wohl  wahrscheinlich  ein  allmäliger  und  es  bedarf  nur 
der  Annahme,  dass  die  krystallattractorische  Kraft  des  schwefelsauren  Kalis  für 
schwefelsaures  Ammoniak  durch  seine  Verbindung  mit  einer  gewissen  Menge 
Natron  nicht  aufgehoben  wurde,  oder  vielmehr  zwingt  das  auseinandergesetzte 
Factum  zu  dieser  Annahme. 


[13] 


Sitzung  vom  16.  April.  II.  Wolf. 


Die  rhomboedrischen  Krystalle  wachsen  aber  auch  noch  in  anderen  Medien 
fort  und  zwar  in  allen  solchen,  welche  Salze  enthalten,  von  denen  wir  erfahrungs- 
mässig  wissen,  dass  sie  mit  schwefelsaurem  Kali  isomorph  sind,  was  zur  Besei- 
tigung des  eben  Gesagten  beiträgt.  In  diesen  Fällen  lässt  sich  aber  die  optische 
Verschiedenheit  nicht  mit  gleicher  Sicherheit  constatiren.  So  findet  eine  Ver- 
grösserung  dieser  Krystalle  in  Lösungen  von  chromsaurem  Kali,  von  chromsaurem 
Kali-Natron,  ja  selbst  in  einer  Lösung  von  schwefelsaurem  Kali-Silheroxyd  statt. 
Von  letzterem  wird  hiebei  nur  sehr  wenig  aufgenommen,  aber  den  Krystallen  ein 
eigenlhümiicher  Glanz  und  Habitus  verliehen,  vermöge  weichem  sie  auf  den 
ersten  Blick  von  gewöhnlichem  schwefelsaurem  Kali  leicht  zu  unterscheiden  sind. 
Es  ist  endlich  unverkennbar,  dass  alle  diese  Krystalle  vermöge  ihrer  Flächen,  die 
krumm  und  verzogen  sind,  eine  gewissermassen  gezwungene  Bildung  verrathen. 

Herr  H.  Wolf  berichtete  über  die  Tertiär-  und  Diluvialschichten  in  der 
Gegend  zwischen  Olmütz  und  Brünn,  welche  er  im  verflossenen  Herbste  zu 
besuchen  Gelegenheit  hatte.  Die  besprochenen  Tertiärschichten  gehören  den 
marinen  Ablagerungen  des  miocenen  Wiener  Beckens  an,  welche  sich  in  einer 
schmalen  Zone  zwischen  den  Höhenzügen  des  Marsgebirges  und  dem  Hochplateau 
der  Culmzone,  in  nordöstlicher  Richtung  von  Steinabrunn  über  Seelowitz,  Raus- 
nitz, Prossnitz  abgesetzt  hatten.  Ein  Theil  dieser  Ablagerungen  und  zwar  die 
tieferen  bestehen  aus  Tegel,  der  durch  Gryphaea  cochlear  Poli  charakteri- 
sirt  wird. 

Diese  Schichten  greifen  gegen  Norden  in  die  älteren  Gebirgsformationen 
ein,  wo  sie  Buchten  bezeichnen,  von  welchen  die  bedeutendste  und  bekannteste 
über  Raitz  dem  Zwittawathale  aufwärts,  über  Mährisch-Trübau  nach  Böhmen 
hinein  sich  erstreckte. 

Die  Ablagerungen  derselben  hat  schon  Herr  Prof.  Dr.  A.  E.  Reuss  in  seinen 
Beiträgen  zur  geognostischen  Kennlniss  Mährens  (Jahib.  der  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt 5.  Band,  4.  Quart,  pag.  659)  und  jüngst  erst  in  dem  39.  Bande,  pag.  207 
der  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Classe  der  Kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften,  besprochen  und  gefunden,  dass  die  Fauna  derselben  innerhalb 
jener  des  Badner  Tegels,  Leithakalkes  und  der  Cerithienschichten  zu  stehen 
kommt,  welche  im  Wiener  Miocenbecken  bei  Baden,  Nussdorf,  Steinabrunn,  in 
Galizien  bei  Wieliczka  und  Lemberg,  in  Ungarn  und  Siebenbürgen  bei  Szobb  und 
Lapugy  zu  finden  sind. 

Diese  nördliche  Bucht  zweigt  sich  bei  Brünn  von  dem  gegen  Nordosten 
sich  erstreckenden  Arm  des  Miocenmeeres  aus,  welcher  über  die  Sattelhöhe  hei 
Weisskirchen  das  Verbindungsglied  zwischen  dem  Wiener  und  dem  galizischen 
Becken  war.  Südlich  liegen  die  Ablagerungen  des  Miocenmeeres  auf  der  Menilit- 
zone  oder  auf  deren  sandiger  und  mergliger  Abtheilung,  welche  parallel  dem 
Nordsaume  der  Wiener  und  Karpathen-Sandsteine  diesen  vorliegt;  und  zwar  in 
übergreifender  Lagerung,  da  die  Miocenschichten  meist  horizontale  sind  oder  nur 
locale  kleine  Neigungswinkel  besitzen,  während  die  Sande  und  Mergel  der 
Menilite  einen  meist  bei  30  Grad  betragenden  Einfallswinkel  besitzen.  Tertiär- 
fossilien der  miocenen  Abtheilung  kommen  vor:  Nördlich  bei  Ruditz,  Bellowitz, 
Seelowitz,  Lautschütz,  Satschan,  Austerlitz,  Rausnitz,  Jesera,  Drzowitz  bei  Pross- 
nitz und  Andlersdorf  bei  Rittberg,  unweit  Olmütz.  Von  diesen  waren  drei  Fund- 
orte früher  nicht  gekannt:  Ruditz,  Drzowitz  und  Andiersdorf,  von  denen  gegen- 
wärtig nur  der  letzte  zugänglich  ist,  da  die  beiden  andern  nur  bei  Schürfarbeiten 
auf  Eisenerze  und  Kohlen  gelegentlich  entdeckt  wurden. 

Die  Miocenschichten  bestehen  aus  Tegel  mit  Gryphaea  cochlear  Poli  oder 
aus  Sunden  mit  Pecten  opercularis  Lam . und  sarmenticius  Goldf \ nebst  zahl- 


52 


Verhandlungen. 


[14] 


reichen  Bryozoen  und  Foraminiferen,  oder  aus  Leithakalk  mit  Pectunculus  po- 
lyoclonta  Brocc.,  Pecten  latissimus  und  sonstigen  Kalken  mit  Panopaea  Faujasi 
Lam.,  Ostrea  gingensis  Schloth  und  Cerithium  rubiginosum  Eichte.  Die 
reichsten  Fundorte  sind  aber  Rausnitz  und  Ruditz,  welch  letzterer  noch  grosse 
Ausbeute  liefern  würde. 

Es  sind  dort  gefunden:  24  Arten  Gasteropoden,  darunter  1 Mur  ex  n.  sp.t 
5 Arten  Conchiferen,  davon  eine  Lima  neu,  6 Arten  Bryozoen,  5 Arten  Antho- 
zoen,  davon  eine  neu,  endlich  49  Arten  Foraminiferen,  darunter  4 — 5 neu. 

Die  Gasteropoden  und  Conchiferen  hatte  Herr  Dr.  Hörn  es,  Bryozoen  und 
Anthozoen  Herr  Stoliczka,  und  die  Foraminiferen  Herr  Karrer  zu  bestimmen 
die  Güte  gehabt.  Von  Rausnitz  hat  Herr  Dr.  Hörn  es  36  Arten  publicirt.  Diese 
und  die  Gasteropoden  von  Ruditz,  mit  jenen  zu  Steinabrunn  und  Baden  verglichen, 
zeigen,  dass  von  den  24  in  Ruditz  aufgefundenen  Arten  15  in  Baden  und  14  in 
Steinabrunn  Vorkommen,  also  respective  62*5  Perc.  und  58-3  Perc. , und  von 
den  36  Gasteropoden  von  Rausnitz  sind  22  Arten  in  Baden  und  27  auch  in 
Steinabrunn  gefunden.  Dies  gibt  61  Perc.  von  Baden,  und  75  Perc.  von  Steina- 
brunn. Wenn  diese  Localitäten  eben  so  vollkommen  ausgebeutet  wären  wie  Baden 
und  Steinabrunn , so  würden  sich  noch  höhere  Percente  ergeben  und  die  Iden- 
tität der  Faunen  noch  besser  sich  erweisen  lassen. 

Merkwürdig  bleibt  aber,  dass  die  zwei  nur  um  drei  Meilen  von  einander 
entfernt  liegenden  Punkte  Ruditz  und  Rausnitz  nur  zwei  Gasteropoden  gemein- 
schaftlich haben,  nämlich:  Conus  antediluvianus  und  Mitra  ehenus  Lam.  Der 
Fundort  Ruditz  ist  einer  der  höchst  gelegenen  im  Wiener  Becken,  denn  derselbe 
erreicht  die  Seehöhe  von  229*34  Klaftern,  nach  einer  Messung  Koristka’s,  und 
überragt  jenen  von  Abtsdorf  noch  um  3 Klafter. 

Der  Leithakalk  und  die  ihm  verwandten  Sandsteine  bilden  einzelne  insel- 
artige Kuppen,  die  über  ihre  Umgebung  hervorragen,  welche  in  der  gegen  Nord- 
osten ziehenden  Bucht  des  Wiener  Beckens  ein  gewisses  Niveau  in  einer  geraden 
Linie  einnehmen,  die  näher  der  Menilit-  als  der  Culmzone  liegt.  Hieher  gehören: 
Der  Weihenberg  bei  Seelowitz  mit 185  05  Wr.  Klftr.  (Leithakalk). 

„ Pratzeherg  bei  Augezd  16813  „ „ (Sandstein). 

„ Stari  Wirohrady  bei  Blasiowitz  mit  . . . 174*16  „ „ (Sandstein). 

„ Urbaniberg  bei  Austerlitz  mit 187*72  „ „ (Leithakalk). 

„ Kopaningberg  bei  Wischau  mit 185  00  „ „ (Leithakalk). 

Von  Tertiärschichten  sind  noch  erwähnenswerth  die  durch  den  Schurf- 
schacht  auf  der  Höhe  Grupowien  Zlybem  bei  Drzowitz  nordöstlich  bei  Prossnitz 
angefahren  wurden.  Zuerst:  3 Klafter  Löss,  dann  5 Klafter  Sand,  10  Klafter 
Tegel,  anfangs  gelb,  dann  tiefer  grau,  5 Klafter  Sand  mit  Gryphaea  cochlear 
und  Spondylus  crassicosta  Lam.,  1 Klafter  blauer  Letten  mit  Kohlenschmitzen, 
12  Klafter  krystallinische  Schiefer  (Phyllite). 

Das  Diluvium  dieser  Gegend  besteht  aus  a)  erratischen  Blöcken  und  Ge- 
schieben, b)  Löss,  c)  Terrassenschotter,  d)  Thallöss,  der  jenen  noch  bedeckt. 
Erstere  a)  finden  sich  als  grobe  Quarzitblöcke  in  der  Umgegend  von  Jedownitz, 
Ruditz,  Laschanek,  Olomuczan,  Babitz,  Hostienitz  und  Schumitz.  Besonders  in 
der  Umgegend  von  Ruditz  sind  sie  in  den  Erzgruben  mit  dem  Material  der  Jura- 
und  der  Kreideformation  zugleich  eingeflösst.  Diese  Quarzitblöcke  finden  sich 
auch  noch  an  vielen  anderen  Punkten  in  Mähren,  ich  nenne  nur  die  von  Stein- 
mierzitz  NW.  bei  Leipnik,  dann  die  Gegend  um  Wolframitzkirchen  bei  Znaim. 
Der  Löss  umhüllt  diese  Blöcke,  und  wenn  er  weggeschwemmt  ist,  so  liegen  sie 
für  sich  allein  auf  älteren  Gesteinen.  Dieses  Diluvium  findet  sich  bis  zur  Höhe  von 
300  Klaftern  und  kann  auf  Höhen  und  Kuppen  unter  diesem  Niveau  an  von  der 


[15]  Sitzung  vom  16.  April.  H.  Wolf.  Foetterle.  53 

Abschwemmung  geschützten  Punkten  gefunden  werden;  es  ist  nicht  an  das 
jetzige  Thalsystem  gebunden,  wie  die  Fundorte  längs  der  Kalkzone,  die  dem 
Syenit  zwischen  Brünn  und  Boskowitz  östlich  vorliegt,  beweisen.  Denn,  berück- 
sichtigt man  die  Lage  dieser  Fundorte,  so  sieht  man,  das  sie  östlich  vom  höheren 
Culmgebirg,  westlich  vom  höheren  Syenitgebirg  eingeschlossen  sind.  Ordnet  man 
die  Fundorte  der  Geschiebe  in  der  Richtung  von  Nord  gegen  Süd,  so  findet  man, 
dass  sie  in  einem  Thalbett  liegen,  welches  von  den  gegenwärtigen  Thälern  fast 
senkrecht  durchrissen  wird.  Solche  Thalpunkte  sind,  der  Niemciner  Sattel. 
296*96  Klafter  (nach  Koristka),  Zdiar  294*35,  Petrowitz  284*48,  Wawrcinetz 
279*53,  Neuhof  275*66,  Jedownitz  270*22,  Ruditz  267*45,  Babitz  247*25, 
Jozera-Jägerhaus  231  14,  Hadiberg  Wirthshaus  201*37.  Hier  erfolgt  in  kurzer 
Strecke  eine  schnelle  Senkung  auf  160  Klafter  wie  bei  Lösch,  womit  das  mittlere 
Niveau  des  Terrains  zwischen  Brünn  und  Olmütz  erreicht  ist. 

Mit  der  Bildung  des  jetzigen  Thalsystems  haben  auch  die  Ablagerungen  c) 
des  Terrassenschotters,  und  d ) des  Thallösses  begonnen,  sie  sind  an  das  jetzige 
Flusssystem  gebunden,  und  bilden  wie  der  Name  Terrasse  bezeichnet  charak- 
teristische Terrainformen , welche  der  Bedeckung  durch  Flussalluvionen  seit 
historischer  Zeit  entrückt  sind,  wie  z.  B.  die  Terrassen  von  Tobitschau  und  Koje- 
tein bei  Kremsier,  und  die  von  Turas  bei  Brünn,  welche  sich  um  10 — 15  Klafter" 
über  die  Thalsohlen  der  March  und  der  Zwittawa  erheben.  Das  Material  des 
Terrassenschotters  besteht  zum  Theil  aus  umgelagertem  erratischen  Schotter, 
zum  grossem  Theil  aber  aus  älteren  Gebirgsarten  des  gegenwärtigen  Fluss- 
systemes.  Der  Thallöss  ist  das  umgelagerte  Product  des  oben  erwähnten  Lösses, 
und  in  ihm  finden  sich  die  zahlreichen  Knochen  von  Landsäugethieren.  Die 
niederen  Gegenden  Mährens  sind  mit  diesen  Schichten  bedeckt.  Rir  Verbreitungs- 
bezirk gibt  sich  wegen  der  grösseren  Ergiebigkeit  des  Bodens,  den  sie  zu- 
sammensetzen, durch  gedrängter  stehende,  und  bevölkertere  Ortschaften  zu 
erkennen.  Das  Material,  welches  die  Knochen  einhüllt  oder  bedeckt,  in  den  Höhlen 
von  Sloup  und  Kiritein  und  aller  jener  Höhlen  des  Kalkes,  die  in  den  jetzigen 
Thalsohlen  ihre  Eingänge  haben,  gehört  dieser  jüngeren  Diluvialperiode  an. 

Die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  verdankt  dem  k.  k.  Bauassistenten  Herrn 
Jos.  Leinmüller  zu  Gurkfeld  in  Krain  bereits  zu  wiederholten  Malen  die  Zusen- 
dung von  Fossilien  aus  den  in  jener  Gegend  namentlich  an  den  Ufern  der  Save  zu 
Tage  tretenden  jüngeren  Tertiärschichten,  welche  wesentlich  dazu  beitrugen  die 
genauere  Kenntniss  der  Stellung  jener  Tertiärschichten  zu  fördern.  Herr  Joseph 
Leinmüller  sandte  nun  abermals  eine  kleine  Partie  derartiger  Fossilien, 
welche  Hr.  Bergrath  Foetterle  vorlegte.  Es  sind  Bruchstücke  von  verkohltem 
und  verkieseltem  Holz,  Knochenbruchstücke  von  Fischen,  und  Muscheln  aus 
dem  unterhalb  der  Stadt  Rann  am  linken  Ufer  der  Save  anstehenden  thonigen 
Mergel.  In  den  oberen  Lagen  finden  sich  sehr  schmale  Streifen  von  Kohlen  mit 
den  Holzbruchstücken,  die  leider  nicht  bestimmbar  sind;  die  darunter  vorkom- 
menden vielfach  verbogenen  Mergel  enthalten  zahlreiche  Knochenbruchstücke  von 
Fischen,  die  jedoch  der  Art  verbrochen  sind,  dass  sich  nur  mit  Mühe  erkennen 
lässt,  dass  dieselben  einem  Knochenfische  mit  heterocerken  Flossenstrahlen 
angehören,  dessen  Unterkiefer  mit  einer  Reihe  konischer  Zähne  besetzt  war.  Die 
Conchylien  treten  in  der  untersten  mehr  tegelartigen  Abtheilung  auf,  und  es 
sind  vorzüglich  eine  Nucula,  Corbula  und  Modiola,  die  sich  erkennen  lassen. 

Am  Schlüsse  legte  Hr.  Foetterle  eine  Reihe  von  in  der  letzten  Zeit  an  die 
Anstalt  eingegangenen  Druckschriften  zur  Ansicht  vor. 


54 


Verhandlungen. 


m 


Sitzung  am  30.  April  1861. 

Herr  k.  k.  Hofrath  W.  Haidinger  im  Vorsitz. 

Der  bisherigen  Gepflogenheit  entsprechend  berichtete  Herr  Director  Hai- 
dinger in  dieser  diesjährigen  Winter-Schlusssitzung  über  die  für  den  gegen- 
wärtigen Abschluss  gewonnenen  geologisch-colorirten  Karlen  und  wie  selbe  in 
dem  bisher  vorgezeichneten  Wege  durch  Seine  Excelleuz,  Herrn  k.  k.  Staats- 
minister Ritter  v.  Schmerling  zur  Unterbreitung  an  Seine  k.  k.  Aposto- 
lische  Majest  ät  in  tiefster  Ehrfurcht  geleitet  worden  sind.  Es  waren  dieses 
Jahr  vier  Sectionen  der  k.  k.  General-Quartiermeisterstabs-Specialkarten  in  dem 
Maasse  von  1 Zoll  = 2000  Klaftern  oder  1 : 144.000  der  Natur  vorbereitet, 
davon  die  Blätter  No.  IV  Umgebungen  von  Neustadtl  und  Hochstadt  und  No.  IX 
Umgebungen  von  Jicin  undHohenelbe  durch  Herrn  Sectionsgeologen  Job.  Jokely, 
die  Blätter  No.  XIV  Umgebungen  von  Brandeis  und  Neu-Kolin  und  No.  XX  Umge- 
bungen von  Skalitz  und  Benest hau  durch  Herrn  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  und 
Herrn  Sectionsgeologen  Freih.  v.  Andrian,  welchen  sich  als  freiwilliger  Theil- 
nehmer  an  unseren  Arbeiten  Herr  k.  k.  Prof.  Joh.  Krejci  von  Prag  (gegenwärtig 
Gymnasialdirector  in  Pisek)  freundlichst  angeschlossen  hatte.  An  Uebersichts- 
karten  gewannen  wir  1.  von  den  zwei  Blättern  der  Strassenkarte  von  Siebenbür- 
gen das  westliche  durch  die  Arbeiten  der  Herren  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter 
v.  Hauer  und  Sectionsgeologen  Dr.  G.  Stäche  und  D.  Stur;  ersterer  noch 
freundlichst  begleitet  von  Herrn  A.  Bielz  von  Hermannstadt,  so  dass  nun  Sie- 
benbürgen in  der  Strassenkarte  des  k.  k.  militärisch -geographischen  Institutes 
in  dem  Maasse  von  6000  Klaftern  = 1 Zoll,  oder  I : 432.000  der  Natur  einge- 
tragen, vervollständigt  ist.  2.  Zwei  weitere  Blätter  No.  XII  und  No.  XI\r,  Gegend 
von  Grosswardein,  der  Administrationskarte  von  Ungarn  (Maass  1 Zoll  = 4000  Klft. 
oder  1 : 288  000),  aufgenommen  von  Herrn  Sectionsgeologen  H.  Wolf.  3.  Die 
zwei  östlichen  Blätter,  an  Siebenbürgen  anschliessend  der  Generalkarte  der  Woj- 
wodschaft  Serbien  und  des  Temeser-Banates,  dann  der  vier  Grenzregimenter 
Peterwardeiner , Deutsch-Banater,  Illyrisch-Banater  und  Roman-Banater , endlich 
des  Titler  Grenz-Bataillons  in  dem  Maasse  von  4000  Klft.  = 1 Zoll  oder  1 .-288.000 
der  Natur,  letztere  durch  die  Herren  k.k.  Bergrath  Fr.  Foetterle  und  H.  Wolf. 

Es  war  ausnahmsweise  in  diesem  Jahre  nicht  gelungen  einen  vollständigen 
Jahresband  des  Jahrbuchs  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  abzuschliessen. 
Man  weiss,  welchen  Störungen  die  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
im  verflossenen  Jahre  ausgesetzt  waren.  Der  Druck  des  Jahrbuches  wurde  ein- 
gestellt und  erst  jetzt  in  der  allerletzten  Zeit  konnte  wieder  an  den  früheren 
Abschnitt  die  neuere  Fortsetzung  angeknüpft  werden.  Die  wichtigsten  Abhand- 
lungen liegen  abgeschlossen  vor,  welche  Zeugniss  unserer,  selbst  in  der  ungün- 
stigsten Periode  durchgeführten  Arbeiten  geben  und  welchen  wir  nun  auch  für 
den  gegenwärtigen  Sommer  unsere  neuen  Aufgaben  anzuschliessen  bereit  sind. 
Indessen  enthält  doch  auch  dieses  erste  Heft  zw  ei  classische  Arbeiten,  von  Herrn 
k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer,  über  die  Congerien- (Inzersdorfer)  Schich- 
ten und  von  Herrn  D.  Stur  über  das  Wassergebiet  der  Waag  und  Neutra,  nebst 
kleineren  Mittheilungen  der  Herren  Prof.  Kenngott  in  Zürich  und  K.  Paul. 

Wenn  man  den  Schluss  unserer  Arbeiten  mit  der  Mittheilung  in  der  Schluss- 
sitzung des  verflossenen  Jahres  am  24.  April  1860  vergleicht,  so  findet  man, 
dass  wir  gegen  die  dort  verzeichnete  Aufgabe  zurückgeblieben  waren.  Es  geschah 
dies  nur  darum,  weil  uns  die  Arbeitskraft  * entzogen  worden  war.  Wir  sind 


[2]  Sitzung  vom  30,  April,  W,  Haidinger.  55 

dadurch  allerdings  sehr  zurückgesetzt  worden.  Für  die  diesjährigen  Aufnahmen 
liegt  uns  nun  folgendes  Programm  vor:  Detail -Aufnahmen.  I.  Section.  Herr 
Sectionsgeologe  Johann  Jokely.  Vervollständigung  des  Blattes  No.  IX,  Um- 
gebungen von  Jicin  und  Hohenelbe  und  Aufnahme  des  Blattes  No.  X,  Umgebun- 
gen von  Braunau.  Section  II.  Chefgeologe  Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid, 
Sectionsgeologe  Freiherr  F.  v.  Andrian.  Zwei  Blätter,  Östlich  an  die  des  ver- 
flossenen Sommers  anschliessend,  No.  XV  Umgebungen  von  Königgrätz  und 
No.  XXI  Umgebungen  von  Chrudim  und  Czaslau.  Für  die  Uebersiehtsaufnahmen 
ist  das  südwestliche  Ungarn  und  südwestlich  an  dasselbe  anschliessend  das 
kroatisch-slavonische  Landesgebiet  bis  an  die  Save  beantragt  und  an  die  Herren 
Geologen  ausgetheilt,  wie  folgt:  Section  III,  Chefgeologe  Herr  k.  k.  Bergrath 
Fr.  Foetterle,  Sectionsgeologen  die  Herren  D.  Stur  und  H.  Wolf.  Kroatien, 
Slavonien  und  die  slavonische  Militärgrenze.  Section  IV,  Chefgeologe  Herr  k.  k. 
Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Sectionsgeologen  die  Herren  Dr.  G.  Stäche 
und  Ferdinand  Stoliczka,  das  südwestliche  Ungarn.  An  dem  heutigen  Tage 
kann  indessen  diese  ganze  Austheilung  noch  nicht  als  gänzlich  gesichert  ange- 
nommen werden,  da  selbe  vorläufig  nur  im  Vorschläge  vorliegt. 

Billig  darf  man  erwarten,  dass  auch  heute  ein  Wort  über  die  Hoffnungen 
der  k.  k.  geologischen  Reichanstalt  gesagt  wird  in  Bezug  auf  die  ihr  für  die  nächste 
Periode  zur  Verwendung  stehenden  Localitäten,  nachdem  bereits  am  24.  April 
des  laufenden  Jahres  der  früher  bestehende  Mietvertrag  abgelaufen  war.  Wir 
schätzen  uns  glücklich  mittheilen  zu  können,  dass  von  Seite  des  hohen  k.  k. 
Staatsministeriums  Unterhandlungen  zur  Verlängerung  der  Miethe  eröffnet  wur- 
den, von  welchen  wir  den  günstigsten  Ausgang  erwarten. 

Herr  Director  Haidinger  legt  ferner  das  Programm,  die  Statuten  und 
eine  Subscriptionsliste  vor,  des  neu  ins  Leben  getretenen  Vereines  „zur  Ver- 
breitung naturwissenschaftlicher  Kenntnisse“ , wie  sie  ihm  zu  diesem  Zwecke 
von  Herrn  Professor  E.  Suess,  einem  der  Gründer  desselben,  übergeben  wor- 
den waren.  Er  wünscht,  durch  einige  Worte  für  unser  Jahrbuch,  die  Thatsaclie 
der  Gründung  dieser  neuen  Gesellschaft  der  Erinnerung  schon  darum  zu  erhal- 
ten, weil  die  eigentliche  That  der  ersten  Vereinigung  in  unserer  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  selbst  lag,  wo  durch  zwei  Jahre,  1855  und  1856,  in  diesem 
unserem  Sitzungssaale  strebsame  jüngere  Naturforscher,  angeregt  durch  unsern 
zu  früh  verewigten  jungen  Freund  Grailich,  jeden  Montag  den  Winter  hin- 
durch Vorträge  über  einzelne  anziehende  naturwissenschaftliche  Gegenstände 
hielten.  Nach  sechs  Jahren,  nachdem  ähnliche  Reihen  von  Vorträgen  seit  jener 
Zeit  in  einem  Saale  des  Kaiserlichen  Akademie- Gebäudes,  die  Lebensfähigkeit  der 
Unternehmung  selbst  reich  bewährt,  tritt  ein  Ausschuss  von  dreizehn  jüngeren 
Forschern , einschliesslich  zweier  Professoren,  unsern  hochverehrten  Freunden 
Suess  an  der  k.  k.  Universität  und  v.  Hochstetter  am  k.  k.  polytechnischen 
Institute,  Docenten,  Adjuncten  und  Assistenten,  oder  in  freier  gesellschaftlicher 
Stellung,  in  dem  Verhältnisse  von  vier,  drei  und  je  einem  Theilnehmer  an  der 
k.  k.  Universität,  der  k.  k.  Sternwarte,  dem  k.  k.  Hof-Mineraliencabinet  und  dem 
k.  k.  botanischen  Hofcabinet,  dem  k.  k.  physikalischen  Institut  und  dem  k.  k.  aka- 
demischen Gymnasium  zusammen,  um  eine  wirkliche  Gesellschaft  zu  bilden,  welche 
auch  die  Allerhöchste  Sanction  erhielt,  ertheilt  an  die  Herren  Prof.  E.  Suess, 
Custos-Adjunct  am  k.  k.  Hof-Mineraliencabinet,  und  Dr.  K.  Hornstein,  Adjunct 
an  der  k.  k.  Universitäts-Sternwarte.  Der  Ausschuss,  geleitet  von  zwei  Geschäfts- 
führern, ladet  speeiell  zur  activen  Theilnahme  an  den  Vorträgen  ein.  Mitglieder 
zahlen  1 bis  5 fl.  0.  W.  jährlich,  wofür  sie  zu  den  Vorträgen  und  Gesammtver- 
sammlunge4i  Eintritt  haben  und  die  Druckschriften  erhalten,  die  Vorträge  selbst, 


56 


Verhandlungen. 


[3] 


und  einen  Jahresbericht  über  den  Stand  der  naturwissenschaftlichen  Thätigkeit 
in  Oesterreich.  Der  Verein  ist  nach  einem  Theile  seiner  Wirksamkeit  bereits  in 
unser  naturwissenschaftliches  Leben  eingebürgert.  Er  strebt  nach  Mehrerem, 
was  wir  auch  gewiss  von  den  regsamen  Kräften,  die  er  im  Ausschüsse  vereinigt, 
erwarten  dürfen.  Einstweilen  stellen  wir  ihm  einige  (im  Grunde  sehr  wenig) 
materielle  Kraft  zur  Verfügung,  je  reichlicher  indessen  um  desto  besser,  denn 
es  fehlt  ja  bei  uns  noch  gar  gewaltig  in  dieser  Beziehung,  und  wünschen,  dass 
er  aufblühen  möge  zur  Freude  seiner  Begründer  und  zur  Förderung  wahrer  Na- 
turwissenschaft. Wie  in  jener  längst  entschwundenen  Periode  der  „Freunde  der 
Naturwissenschaften“,  ist  auch  der  neue  Verein  sichtlich  ein  naturgemässer  Aus- 
druck des  Wunsches  gemeinschaftlicher  Interessen-Anerkennung  der  gesammten 
Naturwissenschaften,  aber  der  Naturwissenschaften  für  sich  allein.  Mit  Nach- 
druck in  sich  selbst,  unter  schwierigen  Verhältnissen  begonnen,  vor  der  Grün- 
dung einer  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften,  kam  die  „Gesellschaft 
der  Freunde  der  Naturwissenschaften“,  zu  welcher,  nach  der  Eingabe  am  30.  Oc- 
tober  1846,  Haidinger  die  Bewilligung  erst  am  11.  August  1848  erhielt,  eben 
wegen  dieses  in  ungünstigster  Zeit  erfolgten  Abschlusses,  gar  nicht  mehr  zur 
Ausführung,  und  wenn  auch  Wichtiges  ehrenvoll  eingeleitet  war,  so  thürmten 
sich  Hindernisse  aller  Art  der  weiteren  Entwickelung  entgegen,  wie  uns  dies 
Allen  wohl  bekannt  ist.  Indessen  bildet  sich  neu  und  neu  der  Kern  im  Innern 
wieder  aus,  und  in  dieser  und  jener  Richtung  beeinträchtigt,  strebt  er  doch  immer 
wieder  zur  Geltung  zu  kommen.  Wie  auch  das  Einzelne  beurtheilt  werden  mag, 
diese  Betrachtung  lässt  uns  die  Bildung  des  neuen  Vereines  mit  hoher  Befriedi- 
gung begrüssen. 

Herr  Karl  v.  Hauer  besprach  die  chemische  Constitution  der  eisenhaltigen 
Quellen  bei  Mauer  nächst  Wien. 

Es  ist  nicht  selten  der  Fall,  dass  dem  zunächst  liegenden  die  geringste  Auf- 
merksamkeit zugewendet  wird,  und  zwar  sowohl  in  Bezug  auf  Gegenstände  die 
einer  praktischen  Verwendung  werth  sind,  als  auch  in  Hinsicht  rein  wissenschaft- 
licher Forschung.  Ein  Beleg  hiefür  liegt  darin,  dass  mehrere  der  im  Rayon  der 
Stadt  Wien  zu  Tage  kommenden  Wässer  noch  nie  einer  genaueren  analytischen 
Untersuchung  unterzogen  wurden,  und  doch  scheinen  einige  derselben,  wie  sich 
schon  aus  dem  Geschmaeke  schliessen  lässt,  den  Charakter  von  Mineralquellen  in 
dem  Grade  zu  besitzen,  um  zur  Verwendung  in  dieser  Richtung  geeignet  zu  er- 
scheinen. Die  Situation  ihres  Ursprunges  in  der  Nähe  einer  dicht  bevölkerten 
Stadt  verleiht  ihnen  aber  hier  um  so  mehr  Wichtigkeit  für  die  Verwerthung,  wie 
nicht  minder  die  erzielte  nähere  Kenntniss  jeder  solchen  Quelle  dazu  beiträgt  die 
unsichtbaren  Verhältnisse  in  den  unzugänglichen  Regionen  des  Erdinnern  theil- 
weise  zu  entschleiern. 

Eine  sehr  augenfällige  Reaction  hat  in  neuerer  Zeit  die  Aufmerksamkeit  der 
Besitzerin  der  Badeanstalt  zu  Mauer  Frau  Giacomozzi  auf  den  ungewöhnlichen 
Eisengehalt  einer  der  dort  entspringenden  Quellen  gelenkt,  nämlich  die  Reaction 
auf  Linnen,  deren  Gelbwerden  beim  Reinigen  in  diesen  Wässern  nur  zu  bemerkbar 
wurde.  Einer  Aufforderung  derselben  Folge  leistend,  hatte  es  nun  Herr  v.  Hauar 
unternommen  eine  quantitative  Analyse  des  dortigen  Wassers  auszuführen,  nach- 
dem er  an  Ort  und  Stelle  durch  einige  Vorversuche  die  Ueberzeugung  gewonnen 
hatte,  dass  es  sich  hier  nicht  blos  um  ein  gewöhnliches  hartes  Wasser  handle, 
mit  welchem  wir  in  Wien  sehr  reichlich  versorgt  sind,  sondern  dass  es  schon  den 
Typus  einer  eigentlichen  Mineralquelle  an  sich  trage;  der  letztere  manisfestirt 
sich  zwar  nur  durch  das  Vorhandensein  eines  einzigen  therapeutisch  wirksamen 
Stoffes,  aber  eines  sehr  geschätzten,  das  ist  durch  {len  beträchtliche/!  Gehalt  an 


Sitzung  vom  30,  April.  Karl  v.  Hauer. 


57 


[4]  • 


kohlensaurem  Eisenoxydul.  In  der  That  ist  die  Quelle  hierdurch  einer  eingehen- 
deren Beachtung  werth.  Noch  ist  der  Versuch  nicht  gemacht  worden  ihr  Wasser 
zur  Trinkcur  zu  verwenden,  was  aber  in  Anbetracht  des  grossen  Verbrauches 
künstlicher  Eisenpräparate,  welche  die  Pharmacopoeen  noch  nicht  gelernt  haben 
dem  Naturproducte  gleich  in  gelöster  Form  darzustellen,  sehr  anzurathen  wäre. 

Das  grosse  Bassin  und  die  einzelnen  Bäder  in  Mauer  werden  durch  den  Zu- 
fluss mehrerer  Quellen  gespeist,  und  zwar  in  gemischtem  Zustande.  Da  aber  nur 
eine  davon  und  zwar  eine  minder  wasserreiche  sich  überhaupt  durch  einen 
höheren  Gehalt  an  fixen  Bestandtheilen  auszeichnet,  so  werden  ihre  specifischen 
Eigenschaften  in  der  bedeutenden  Verdünnung  gänzlich  verdeckt,  und  diesem 
Umstande  mag  es  zuzuschreiben  sein,  dass  die  beträchtlichen  Niederschläge  von 
Eisenoxydhydrat,  welche  ihr  isolirt  stagnirendes  Wasser  absetzt,  nicht  bemerk- 
bar wurden. 

In  älterer  Zeit  sind  indessen  die  eigenthümlichen  Eigenschaften  der  in  Rede 
stehenden  Quellen  nicht  gänzlich  übersehen  worden.  So  findet  sich  in  Dr.  Joseph 
Koch’s  Zusammenstellung  der  Mineralquellen  der  österreichischen  Monarchie 
eine  hierauf  bezügliche  Notiz.  Er  führt  an,  dass  bei  Mauer  zwei  Quellen  existiren, 
deren  eine  im  ehemaligen  Jesuitengarten,  die  andere  im  Mannerischen  Garten 
entspringe.  Erstere  enthalte  Glauber-  und  Bittersalz,  die  letztere,  das  ist  jene, 
die  nunmehr  untersucht  wurde,  gehöre  den  Eisenwässern  an.  Es  ist  die  zu  oberst 
auf  dem  Abhange  zu  Tage  kommende,  an  deren  Fusse  die  Badeanstalt  liegt. 

Der  Gehalt  in  einem  Pfunde  = 7680  Gran  ergab  sich  folgendermassen : 

0*604  Gran  kohlensaures  Eisenoxydul. 

2*328  „ kohlensaurer  Kalk. 

0*218  „ kohlensaure  Magnesia. 

2*367  „ schwefelsaurer  Kalk. 

1*315  „ schwefelsaure  Magnesia. 

0*288  „ schwefelsaures  Natron  mit  Spuren  schwefelsauren  Kali. 

0*039  „ Chlornatrium. 

0*053  „ Kieselerde. 

7*212  Gran  Summe  der  fixen  Bestandtheile. 

1*367  „ Das  zweite  Aequivalent  Kohlensäure. 

0*765  „ Freie  Kohlensäure. 

9*344  Gran  Summe  aller  Bestandtheile. 

Endlich  Thonerde  und  organische  Substanzen  in  unwägbarer  Menge. 

Der  Gehalt  an  kohlensauren  und  schwefelsauren  Salzen  beträgt  nicht  mehr 
als  jener  von  einigen  unserer  sehr  harten  Brunnenwässer,  doch  überragt  die 
Menge  des  Bittersalzes  die  meisten  derselben,  und  dieser  Bestandtheil  käme  zu- 
nächst dem  Eisen  in  Betracht  zu  ziehen.  Berechnet  man  die  Härte  des  Wassers 
nach  den  üblichen  Graden  (ein  Theil  der  Basen  in  100.000  Theilen  Wasser),  so 
beträgt  dieselbe  im  Ganzen  nach  den  Resultaten  der  Analyse  44*4  Grade.  Nun 
sind  unter  den  neuerlichst  von  Wien  untersuchten  Brunnenwässern  15,  welche 
mehr  als  diese  Anzahl  ergaben,  ja  4 derselben  zeigten  sogar  über  100,  im  höch- 
sten Falle  172  Härtegrade.  Hieraus  folgt  aber  nicht  der  Schluss,  wir  hätten  inner- 
halb der  Stadt  Wien  eben  so  viele  Mineralquellen,  denn  die  specielle  Charakteri- 
stik für  solche  liegt  nicht  lediglich  in  der  „Quantität“  des  Gehaltes  an  aufgelösten 
Stoffen,  sondern  insbesonders  auch  in  der  „Qualität“  der  letzteren.  Das  Vorhan- 
densein von  Bestandtheilen,  welche  irgend  eine  entscheidende  Reaction  auf  den 
menschlichen  Organismus  ausüben,  sind  der  hiefür  entscheidende  Factor.  Wenn 
man  bedenkt,  dass  die  reichsten  Eisensäuerlinge  selten  über  ein  Gran  des  Carbo- 
nates  enthalten,  so  dürfte  der  hier  angegebene  Gehalt  als  auffallend  hoch 

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K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862,  Verhandlungen. 


B8 


Verhandlungen. 


[«] 

bezeichnet  werden.  Alle  kräftigen  Eisensäuerlinge  besitzen  nun  aber  auch  gleich- 
zeitig eine  grosse  Menge  freier  Kohlensäure.  Auch  bei  künstlich  erzeugten  Lösun- 
gen bedarf  es  der  Gegenwart  einer  weit  grösseren  Menge  des  absorbirten  Gases 
als  stöchiometrisch  für  die  Existenz  des  Doppelcarbonates  erforderlich  wäre, 
wenn  man  halbweg  concentrirtere  Lösungen  darstellen  will.  Bei  der  in  Rede 
stehenden  Quelle  ist  dies  nun  keineswegs  der  Fall,  ja  sie  enthält  so  wenig 
davon , dass  vielleicht  zur  Zeit  keine  einzige  Quelle  bekannt  ist,  die  bei  so  gerin- 
gem Gehalte  an  freier  Kohlensäure  eine  gleich  beträchtliche  Quantität  Eisen- 
oxydul führt.  Man  muss  hienach  schliessen,  dass  dieses  Wasser  mit  Schichten  in 
Berührung  kommt,  welche  Eisenverbindungen  in  einer  eigentümlichen , leicht 
löslichen  Form  enthalten.  Die  bekannten  krystallisirten  kohlensauren  Eisenver- 
bindungen widerstehen  ziemlich  energisch  dem  kohlensäurehältigen  Wasser, 
wenn  es  nicht  sehr  stark  damit  gesättigt  ist. 

Das  angeführte  Verhältniss  bringt  es  mit  sich,  dass  das  Wasser  in  unbedeck- 
ten Gefässen  rasch  den  gesammten  Eisengehalt  in  Gestalt  von  Oxydhydrat  ab- 
setzt. Bei  Betrachtnahme  der  Möglichkeit  einer  praktischen  Verwerthung  als 
Stahlwasser  wird  dieser  Umstand  aber  ohne  Einfluss  sein  für  das  Trinken  an  der 
Quelle  selbst.  Durch  sorgsame  Füllung  und  Verkorkung  wird  es  ferner  gelingen 
das  Wasser  noch  ziemlich  hochgradig,  wenn  auch  nicht  auf  weitere  Entfernun- 
gen, so  doch  nach  Wien  zu  transportiren.  Unbeschadet  wird  in  solchen  versendeten 
Flaschen  etwas  Eisen  herausfallen  können,  da  bei  seinem  ansehnlichen  Gehalte 
daran  für  therapeutische  Zwecke  immerhin  eine  genügende  Menge  aufgelöst 
bleiben  würde.  Gleichwie  bei  Mineral-  und  Steinkohlenvorkommen  die  Situation 
der  Localität  ein  wesentlicher  Factor  für  ihre  Werthschätzung  ist,  gilt  dies 
häufig  auch  für  Mineralwässer,  und  diese  ist  hier  gewiss  nicht  zu  unterschätzen, 
wenn  man  sich  zudem  der  Gesundheitsverhältnisse  unserer  Hauptstadt  erinnert, 
für  deren  Erhaltung  und  Verbesserung  die  Regenerirung  des  Blutes  durch  phar- 
maceutisch  dargestellte  Eisenpräparate  eine  so  ausgedehnte  Rolle  spielt. 

Herr  Dr.  Karl  Peters  gab  einen  vorläufigen  Bericht  über  die  geologischen 
Verhältnisse  des  Baranyer  Comitates,  insbesondere  über  die  interessante  und  für 
die  Industrie  so  wichtige  Umgebung  von  Fünfkirchen,  welche  er  im  vorigen 
Herbste  untersucht  hat  und  mit  deren  Bearbeitung  er  sich  eben  jetzt  beschäftigt. 
Nach  einer  kurzen  geographischen  Andeutung  der  beiden  grossen  Gebirgs- 
gruppen,  welche  sich  aus  dem  mittelungarischen  Tiefland  erheben,  des  Bakonyer 
Systemes  im  Norden  und  der  Fünfkirchner  Gebirge  im  Süden,  geht  der  Vor- 
tragende auf  eine  Parallele  zwischen  den  Schicht-  und  Massengesteinen  beider 
ein  und  hebt  insbesondere  die  wesentlichen  Unterschiede  in  den  Formationen 
mittleren  Alters  hervor.  Während  im  Bakonyer  und  Vertes-Pilisgebirge  der 
Dachsteinkalk,  die  rothen  amrnonitenreichen  Lias  und  Jurakalksteine  mächtig 
entwickelt  sind,  zeigt  die  Gruppe  von  Fünfkirchen  die  merkwürdigen  Lias- 
sandsteine und  Schiefer,  Grestener  Schichten,  die  hier  so  überreich  an  Kohlen- 
flötzen sind;  über  ihnen  die  eigentlichen  Grestener  Kalksteine  mit  Gryphaeen, 
Spirifer  rostratus , Lyonsia  unioides  und  Pectenarten,  wie  man  sie  aus  dem 
Pechgraben  und  der  Grossau  in  Oberösterreich  kennt,  und  noch  weiter  oben 
einen  eigentümlichen  Sand-  und  Kalksteinschichten-Complex,  der  durch  einzelne 
ammonitenführende  Schieferlager  als  oberliassisch  charakterisirt  ist. 

Die  Jurakalksteine  der  Fünfkirchner  Gruppe  gehören  allem  Anscheine  nach 
einer  höheren  Schichte  an  als  die  Ammonitenkalke  des  Bakonyer  Systems;  die  in 
letzterem  kolossal  entwickelten  Eocengebilde  fehlen  dort  gänzlich. 

Nachdem  Dr.  Peters  in  einigen  Worten  der  culturgeschichtlichen  Bedeu- 
tung Fünfkirchens  gedacht  hatte,  welches  in  der  Römerzeit  und  das  ganze  Mittel- 


Sitzung  vom  30«  April.  M.  V.  Lipoid.  D.  Stur. 


[6] 


S9 


alter  hindurch  ein  Knotenpunkt  des  Völkerverkehrs  war,  und  jetzt,  durch  die 
überwältigende  Bedeutung  der  Wasserstrasse  bei  Seite  geschoben,  wenigstens 
durch  seine,  die  Donaudampfschifffahrt  unterhaltenden  Kohlenschätze  noch  erfolg- 
reich mitwirkt,  entwickelte  er  die  ganze  Schichtenfolge  vom  rothen  Sandstein 
bis  zu  den  weissen  Jurakalken,  besprach  die  Massengesteine,  welche  im  west- 
lichen und  nördlichen  Theil  des  Gebirges  aufsetzen  und  legte  der  Versammlung 
eine  geologische  Uebersichtskarte  des  Gebietes  vor.  — Mit  besonderem  Danke 
anerkennt  Dr.  Peters  die  umfassenden  geologisch  - montanistischen  Arbeiten 
A.  RiegeTs,  deren  Ergebnisse  ihm  völlig  zur  Verfügung  standen,  und  die 
ausserordentliche  Liberalität  dieses  Fach-  und  Arbeitsgenossen.  Auch  erwähnt 
er  dankbar  der  liebenswürdigen  Zuvorkommenheit  der  Herren  Werksbeamten  in 
Szäsz  und  der  k.  priv.  Donaudampfschifffahrts-Gesellschaft.  Schliesslich  spricht 
er  die  Hoffnung  aus,  dass  doch  endlich  die  Vervollständigung  des  Eisenbahn- 
netzes zu  Stande  kommen  und  den  agricolen  und  montan -industriellen  Auf- 
schwung eines  Landstriches  bewirken  werde,  welcher  von  Natur  aus  zu  den 
höchsten  Leistungen  befähigt  ist. 

Herr  Bergrath  M.  V.  Lipoid  legte  eine  von  dem  Herrn  Sectionsgeologen 
J.  Jokely  für  das  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  verfasste  geolo- 
gische Abhandlung  über  „das  Riesengebirge  in  Böhmen“  vor. 

Das  Riesengebirge  wird  nach  Herrn  Jokely’s  Aufnahmen  von  massigen 
und  schiefrigen  krystallinischen  Gesteinen  zusammengesetzt.  Unter  den  Massen- 
gesteinen spielt  der  Granitit,  welcher  den  Hauptkamm  des  Riesengebirges  bis 
zur  Schneekoppe  einnimmt,  die  Hauptrolle.  Der  Granit  ist  nur  untergeordnet 
und  von  den  jüngeren  eruptiven  Gesteinen  der  Porphyr,  Melaphyr  und 
Basalt  nur  sporadisch  vorhanden.  Von  krystallinischen  Schiefergesteinen  sind 
neben  eruptivem  Gneisse  (Protogyn)  vorzugsweise  Glimmerschiefer  und 
Urthonschiefer  vorherrschend,  mit  zahlreichen  Einlagerungen  von  Quarzit- 
schiefern, grünen  oder  Amphibolschiefern,  körnigen  Kalksteinen  und  Malakoli- 
then.  Die  Schneekoppe  selbst  besteht  ebenfalls  aus  Urthonschiefer. 

Die  Lagerungsverhältnisse  dieser  krystallinischen  Gesteine  hatHerr  Jokely 
durch  viele  Durchschnitte  erläutert,  welche  zur  Einsicht  vorgelegt  wurden. 

In  einem  besonderen  Abschnitte  bespricht  Herr  Jokely  die  Erzführung 
und  die  Bergbaue  des  Riesengebirges.  Die  in  demselben  einbrechenden  geschwe- 
felten Kupfererze,  Blei-,  Silber-,  Arsen-  und  die  vorherrschenden  Eisenerze 
(Magneteisensteine)  gleichen  in  der  Art  ihres  Auftretens  ganz  jenen  des  Erz- 
gebirges, stehen  aber  diesen  hinsichtlich  ihres  absoluten  Haltes  weit  nach.  Eigen- 
tümlich sind  hingegen  dem  Riesengebirge  die  oxydischen  Kupfererze  nebst  ihrem 
gewöhnlichen  Muttergesteine,  dem  Malakolilhe.  Ungeachtet  jedoch  das  Riesen- 
gebirge nicht  arm  an  Erzen  ist,  sind  dennoch  bisher  daselbst  die  Bergbaue  in 
keinen  schwunghaften  Betrieb  gelangt.  Herr  Jokely  findet  die  Ursachen  hievon 
in  der  geologischen  Beschaffenheit  des  Gebirges,  in  den  ungünstigen  durch 
häufige  Verwerfungen  gestörten  Lagerungsverhältnissen  der  krystallinischen 
Schiefer  und  ihrer  Erzlagerstätten,  und  in  dem  Charakter  der  vorhandenen  Eruptiv- 
massen. Nach  Beschreibung  der  auf  obige  Erze  bestehenden  und  bestandenen 
Bergbaue  erwähnt  Herr  Jokely  noch  einiger  Vorkommen  von  Graphit,  von 
Manganerzen  und  ältere  Ausbeuten  von  Gold.  Sämmtliche  Erze  brechen  in  Lagern 
ein;  erzführende  Gangbildungen  sind  selten. 

Herr  D.  Stur  hat  in  einer  der  früheren  Sitzungen  die  Resultate  seiner 
Untersuchungen  im  tertiären  Gebiete  der  Umgegend  von  Ober-Lapugy,  westlich  von 
Dobra,  mitgetheilt.  Heute  besprach  er  den  übrigen  von  ihm  begangenen  Theil 
des  tertiären  Landes  des  südwestlichen  Siebenbürgens, 

h * 


60 


Verhandlungen. 


[7] 

Vorerst  wurden  die  tertiären  nördlichen  Gehänge  des  Mühlenbacher  Gebirges 
von  Reissmarkt  über  Mühlenbach  bis  Broos  besprochen.  Sie  bestehen  aus  älteren 
neogenen  marinen  Ablagerungen , die  unmittelbar  am  Gebirge  lagern,  und  aus 
jüngeren  brackischen  Ablagerungen,  den  bekannten  Cerithien-  und  Congerien- 
Schicbten,  die  weiter  weg  vom  Gebirge  erst  zu  herrschen  beginnen  und  erstere 
so  bedecken,  dass  sie  nur  stellenweise  besser  entblösst  Vorkommen.  Die  marinen 
Ablagerungen  bestehen  bald  aus  Tegel,  der  dem  bei  Baden  im  Wiener  Becken 
entspricht  und  namentlich  bei  Urwegen  Austern  und  Foraminiferen  führt,  bald 
aus  Sand  und  Gerolle  oder  Conglomerat,  deren  Schichten  zumeist  roth  gefärbt 
sind  und,  wie  am  Rothen  Rechberg  bei  Mühlenbach,  Foraminiferen  und  eine 
Mollusken -Fauna  führen,  die  die  älteren  marinen  Schichten  charakterisirt.  Die 
Sande  und  Conglomerate  enthalten  schwache  Kohlenflötze , wie  nördlich  vom 
Rothen  Rechberg  bei  Felsö-Varadja. 

Dann  wurde  noch  die  geologische  Zusammensetzung  der  grossen  tertiären 
Bucht  des  Strehlthales,  mit  welcher  das  durch  die  mächtigen  Kohlenflötze,  die  es 
enthält,  berühmte  Zsillthal  ein  Ganzes  bildet,  ausführlicher  auseinandergesetzt. 

Der  vordere  Rand  dieser  tertiären  Strehl- Bucht  von  der  Maros  zwischen 
Broos  und  Deva  nach  Süden,  bis  nach  Vajda  Hunyad,  Nadasd  und  Kitid,  wird  von 
jüngeren  neogenen  Gebilden  ausgefüllt,  wovon  Cerithien -Schichten  die  herr- 
schenden sind  und  namentlich  bei  Szanto-halma,  Ober-Pestes,  Nandor  und  Rakosd 
westlich  von  der  Cserna,  bei  Bujtur  und  Hosdat  zwischen  der  Cserna  und  der 
Strehl,  endlich  bei  Losad,  Magura  und  Petreny,  auch  Boldogfalva  östlich  von  der 
Strehl  gut  entwickelt  bekannt  geworden  sind.  In  diesem  vordersten  Theile  der 
Strehl -Bucht  kommen  aber  auch  die  älteren  marinen  neogenen  Schichten  unter 
den  Cerithien  Schichten  oder  von  den  letzteren  ringsum  eingeschlossen  vor.  Hier- 
her gehört  der  berühmte  Fundort  von  tertiären  Mollusken  bei  Bujtur,  der  Fund- 
ort im  Walde  bei  Batiz  und  auch  der  von  Szt.  György  an  der  Strehl.  Merkwürdig 
ist  die  Localität  Tormas,  in  welcher  eine  Fauna  vorkömmt,  die  sowohl  aus  Arten 
der  älteren  marinen,  als  auch  solchen  der  Cerithien -Schichten  und  Congerien- 
Schichten  gemischt  erscheint. 

Südlich  von  der  Linie  Vajda  Hunyad  — Nadasd  — Kitid  enthält  die  tertiäre 
Strehl -Bucht  nur  ältere  neogene  marine  Gebilde  und  deren  Aequivalente.  Die- 
selbe Ablagerung  von  meist  grell  gefärbtem  Sande  und  Conglomerat,  das  am 
Rothen  Rechberge  bei  Mühlenbach  entwickelt  ist,  füllt  auch  den  inneren  The i 1 
der  Strehl-Bucht,  das  sogenannte  Hatzeger  Thal.  Dasselbe  ist  zwar  vielfach  von 
diluvialen  Ablagerungen  erfüllt,  zeigt  aber  an  seinen  Rändern  namentlich  bei 
Farkadin,  Malomviz  und  Pietrosz  die  rothen  Conglomerate  mächtig  entwickelt. 

Im  Zsillthale  sind  nebst  den  roth  gefärbten  Sanden  und  losen  Conglomeraten 
auch  feste  Sandsteine  entwickelt,  in  deren  Liegendem  zum  Theil  sehr  mächtige 
Kohlenlager  Vorkommen.  Dieselben  sind  längs  dem  nördlichen  Rande  des  Beckens 
bei  Zsijetz,  Petrilla,  zwischen  Pietroseny  und  Zsill -V ajdei  auf  mehreren  Punkten 
und  bei  Macsesd  — längs  dem  südlichen  Rande  des  Kohlenbeckens  des  Zsill- 
thales:  in  Salatruk  bei  Lupeny  und  Urikany,  theils  am  Tage  anstehend,  theils 
aufgeschürft  oder  auch  schon  im  Abbau  begriffen.  Die  Kohle,  wenn  auch  nur 
Braune,  ikohlst  vercokebar  und  zu  jeder  Verwendung  tauglich.  Sieben  über  ein- 
ander lagernde  Flötze  sind  bekannt,  deren  Gesammtmächtigkeit  über  40  Fuss 
beträgt.  In  den  die  Kohlen  begleitenden  Kohlenschiefern  kommen  sowohl  Pflanzen- 
abdrücke vor  als  Molluskenreste,  worunter  vorzüglich  Cerithium  margaritaceum 
Brocchi. 

Es  ist  somit  hervorzuheben,  dass  eine  und  dieselbe  rothgefärbte  Schichten- 
gruppe von  Sand,  Sandstein,  Gerollen  oder  Conglomerat,  die  überdies,  wie  es 


Sitzung  vom  30.  April.  Freih.  v.  Andrian. 


61 


[8] 


namentlich  bei  Urwegen  und  Dobring  deutlich  zu  entnehmen  ist,  vom  älteren 
marinen  neogenen  Tegel  vertreten  wird,  bald  — im  Gebiete  der  offenen  See 
nämlich  — eine  marine  Fauna  wie  am  Rothen  Berge,  bald  dagegen  eine,  die  der 
des  Horner  Beckens  entspricht,  in  dem  weit  südlich  vom  Rande  der  offenen  See 
gelegenen  Zsillthale  beherbergt. 

Herr  F.  Freiherr  von  Andrian  gab,  anknüpfend  an  seine  in  einer  der 
früheren  Sitzungen  vorgebrachten  allgemeinen  Bemerkungen  über  die  Gneiss- 
gebirge  der  Gegenden  von  Kohijanowitz  und  Zbraslawitz  in  Böhmen,  eine  kurze 
Uebersicht  über  das  Granitgebiet,  welches  sich  im  Westen  anschliesst,  und  als 
dessen  Centrum  die  Stadt  Beneschau  gelten  kann.  Dasselbe  bildet  das  nordöstliche 
Ende  des  grossen,  von  Klattau  bis  Ondrejow  reichenden  Granitzuges,  welcher 
dann  gegen  Norden  von  den  Gesteinen  des  böhmischen  Silurbeckens,  gegen 
Süden  dagegen  von  Gneiss  und  Grauitgneiss  begrenzt  wird,  und  stets  als  eine 
der  wichtigsten  und  ältesten  geologischen  Grenzscheiden  betrachtet  worden  ist, 
durch  die  der  südlichen  Ausbreitung  silurischer  Gebilde  ein  Damm  gesetzt 
wurde. 

Die  petrographische  Zusammensetzung  ist  sehr  einfach.  Die  herrschende 
Varietät  sind  die  als  „unregelmässig  grobkörniger  Granit“,  als  Hornblende-  und 
porphyrartiger  Granit  von  vielen  Beobachtern  beschriebenen  Gebilde.  Sie  lassen 
sich  nicht  geologisch  trennen,  wenn  auch  die  Ausbreitung  des  Hornblendegranits 
hauptsächlich  an  die  Zone  des  Sassawathales  gebunden  erscheint.  Untergeordnet 
in  gang-  und  stockförmiger  Ausbildung  kommen  röthliche  mittelkörnige  Varietäten 
mit  vielem  weissen  Glimmer  vor,  endlich  die  schon  oft  beschriebenen  „weissen 
feinkörnigen  Ganggranite“.  Ausserdem  sind  nur  einzelne  Vorkommen  von  Amphi- 
bolit  und  Glimmergranit  zu  erwähnen.  Die  im  angrenzenden  Gneissgebiete  so 
häufigen  Turmalingranite  fehlen  hier  gänzlich. 

Zu  den  interessantesten  Erscheinungen  gehören  die  ausgedehnten  im  Granite 
auftretenden  Schieferinseln,  welche  durch  ihr  isolirtes  Vorkommen,  die  Ab- 
normität ihrer  Lagerung  auf  einen  gewaltsam  gestörten  Zusammenhang  hin- 
weisen.  In  genanntem  Gebiete  kommen  drei  unter  sich  in  keiner  Verbindung 
stehende  Partien  vor,  jene  von  Kosteletz,  dann  bei  Pofic  der  Gebirgsstock  des 
Chlumberges,  endlich  westlich  von  Beneschau  bei  Netwofitz;  letztere  schliesst 
sich  an  eine  durch  die  Aufnahme  des  Herrn  Bergrathes  Lipoid  im  angrenzenden 
Gebiete  bekannt  gewordene  Partie  an.  Die  Gesteine,  welche  sie  zusammen- 
setzen, sind  mehrere  Varietäten  von  Thonschiefer,  welcher  bei  Poric  ein  sehr 
mächtiges  Kalklager  enthält,  und  Grünsteine.  Letztere  sind  theils  als  grob- 
körnige Gabbro  ähnliche  Gesteine  (im  Sassawathale  oberhalb  Sassau),  theils  als 
aphanitische  Gesteine  (Chlumberg  bei  Konossist)  ausgebildet.  Die  Art  ihrer  Ein- 
lagerung ist  schwer  zu  erkennen,  dürfte  aber  in  den  meisten  Fällen  eine  lager- 
förmige  sein,  ohne  zu  dem  Schlüsse  zu  berechtigen,  dass  sie  eine  gleichzeitige 
Entstehung  haben,  denn  sie  treten  sehr  häufig  in  den  angrenzenden  Granit- 
gebirgen auf,  und  sind  auch  im  Gneiss  beobachtet  worden.  (Bohdanes,  Zruc.) 

Schliesslich  wurde  noch  einiger  schwer  zu  deutender  Contactverhältnisse 
zwischen  Granit,  Schiefer  und  Grünstein  gedacht,  welche  an  den  Grenzen 
dieser  Gesteine  bei  Eule  und  Piscocil  zu  beobachten  sind.  Bei  Eule  ist  es  ein 
Wechsellager  von  Schiefer  mit  Granit,  bei  Piscocil  dagegen  ein  vollständiges 
Ineinandergreifen  dieser  drei  Gesteine  in  den  verschiedensten  Formen,  aber  bei 
stets  deutlichen  Grenzen,  wobei  der  Charakter  jedes  Gesteines  völlig  normal 
bleibt,  ohne  irgendwieZwischen-  oder  Uebergangsglieder  zu  zeigen.  Daraus,  sowie 
aus  dem  Auskeilen  einiger  Zwischenzonen  von  Schiefer  bei  dem  Vorkommen  von 
Eule  scheint  der  Schluss  hervorzugehen,  dass  man  es  nur  mit  grossen  Bruch- 


Verhandlungen. 


62 


[9] 


stücken,  dern  Producte  der  Graniteruption,  zu  thun  habe,  und  dass  bei  Piscocil 
die  Grünsteine  wieder  sowohl  Schiefer  als  Granit  durchbrochen  haben. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  legte  die  von  ihm  im  vergangenen  Jahre 
ausgeführte  geologische  Uebersichtskarte  des  Banates,  und  der  Illyrisch-  und 
Bornan-Banater  Militär-Grenze  vor,  zu  deren  Ausführung  die  über  einzeln  Theile 
dieses  Gebietes  ausgeführten  früheren  Arbeiten  von  Dr.  A.  Boue,  P.  Parts ch, 
J.  Kudernatsch  und  der  k.  k.  pr.  österreichischen  Staatseisenbahn-Gesellschaft 
wesentlich  beitrugen.  Der  grösste  Theil  des  gebirgigen  Gebietes  dieser  Länder 
gehört  den  krystallinischen  Schiefer-  und  Massengesteinen  an,  und  nur  zwei 
grössere  Partien  werden  von  seeundären  Sedimentgebilden  bedeckt.  Die  west- 
liche erstreckt  sich  in  südwestlicher  Richtung  von  Reschitza  bis  Baziäsch  an  der 
Donau,  die  östliche  zwischen  Teregova  und  Cesna  an  der  wallachischen  Grenze 
beginnend  in  südwestlicher  Richtung  bis  an  die  Donau  zwischen  Bersaszka  und 
Trikule.  Ueberdies  tritt  eine  kleine  Partie  seeundärer  Gebilde  noch  zwischen 
Plavischevitza  und  Ogradina  von  Serbien  herüber  reichend  auf,  in  deren  Kalk- 
massen  sich  die  Stromschnelle  Kazan  und  die  Veteranische  Höhle  befinden. 
Die  an  mehreren  Stellen  in  grösserer  Ausdehnung  zum  Vorschein  tretende  Stein- 
kohlenformation, der  rothe  Sandstein  und  der  steinkohlenführende  Liassand- 
stein, welche  in  diesen  Partien  die  tiefsten  Formationen  ausmachen,  und 
bereits  bei  einer  früheren  Gelegenheit  ausführlicher  besprochen  wurden,  werden 
von  mergeligen  Kalken  des  oberen  Lias,  von  Jurakalk  und  von  Kreidege- 
bilden überlagert.  Während  in  der  westlichen  Partie  lichte  sehr  hornsteinreiche 
Jurakalke,  sowie  Kreidekalke  und  Sandsteine  mächtig  entwickelt  sind,  finden 
sich  in  der  östlichen  Partie,  namentlich  an  der  Donau  vielfach  gewundene  rothe 
und  lichte  hornsteinfreie  Jurakalke,  und  Kreidegebilde  fehlen  gänzlich,  wenn 
nicht  etwa  die  Kalke  des  Kazan-  und  des  Cerna-Thales,  in  denen  bisher  keine 
Fossilien  gefunden  wurden,  hieher  gehören.  Tertiärbildungen  umranden  nicht  blos 
die  höheren  Gebirge  gegen  Westen  und  Norden,  sondern  reichen  als  Buchten 
auch  tief  zwischen  die  Gebirge  hinein  im  Temesthale  und  über  den  Teregovaer 
Pass  bis  nach  Mehadia  und  in  das  Thal  der  Almasch.  An  dem  äusseren  Rande 
gegen  die  Ebene  sind  es  zumeist  Ablagerungen  aus  brackischen  Wässern,  zwi- 
schen Teregova  und  Mehadia,  hingegen  aus  tieferem  salzigen  Meerwasser.  Um 
den  westlichen  Rand  des  Gebirges  hatten  die  krystallinischen  wie  die  seeundären 
Gebilde  eine  mächtige  Syenitmasse  mehrfach  durchbrochen,  verändert  und  gestört 
und  innerhalb  der  Contactbildungen  finden  sich  hier  die  Mineralien  und  Erzvor- 
kommen, denen  dieses  Land  den  schwunghaften  Bergbau  verdankt.  Ueberdies 
hatten  Serpentin,  Porphyr  Augitporphyr  und  Trachyt  in  zahlreichen  Durchbrüchen 
manche  Störungen  regelmässiger  Lagerungsverhältnisse  hervorgebracht. 

Am  Schlüsse  der  Sitzung  sprach  noch  Herr  Hofrath  Haidinger  seinen 
besonderen  Dank  aus  allen  denjenigen  Herren,  welche  die  Sitzungen  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  im  Laufe  des  vergangenen  Winters  mit  ihren  Vorträgen 
belebten,  so  wie  nicht  minder  denjenigen,  welche  die  Sitzungen  mit  ihrem 
Besuche  beehrten,  und  dankte  namentlich  Seiner  Durchlaucht  dem  Herrn  und 
Prinzen  Wilhelm  Fürsten  zu  Sc  haum burg-Lippe  für  die  hohe  Ehre,  die  er 
der  Versammlung  durch  seinen  heutigen  Besuch  erwies. 


[1] 


Sitzung  vom  28.  Mai.  F,  Foetterle.  W.  Haidinger, 


63 


Sitzung  am  28,  Mai  1861. 

Herr  k.  k.  Hofrath  W.  Haidinger  im  Vorsitz. 

Von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  wurde  (in  der  Sitzung  am  30.  April) 
ein  schönes  Geschenk  des  Herrn  k.  k.  Kriegscommissärs  A.  Letocha  vorgelegt, 
Pflanzenabdrücke  aus  der  von  ihm  neuaufgefundenen  Locaiität  Breitensee,  dann 
aus  dem  Pötzleinsdorfer  Sand  von  Speising  sehr  schön  erhaltenen  Conchylien, 
namentlich:  Trochus  patulus  Lam.}  Tr.  turricula  Eich.  ?,  Corbula  carinata  Duj., 
Lncina  divaricata  Lam.,  Cytherea  bellemontana  Lam. , Venus  umbonaria  Ag., 
Pectunculus  polyodonta  Lam. , Ostrea  digitalina  Eichw. , Tellina  complanata 
Lam.,  Cypraea  sp. 

Bezüglich  der  Pflanzenabdrücke  aus  dem  Tegel  von  Breitensee  hebt  Herr 
D.  Stur  die  sehr  vollständigen  Blätter  von  Populus  latior  subtruncata  Heer 
besonders  hervor,  von  welcher  Art  mehrere  Exemplare  dieser  Suite  beiliegen 
nebst  vielen  anderen,  namentlich  Populus  mutabilis  ovalis  Heer  und  Castanea 
Kubinyi  Kovacs , ferner  Salix,  Betula,  Carpinus  u.  s.  w. 

Herr  Director  W.  Haidinger  eröffnet  die  Sitzung  mit  dem  Berichte  über 
zwei  dem  Zeitabschnitte  seit  der  letzten,  in  den  gewöhnlichen  Verhältnissen  als 
Schlusssitzung  für  den  Winter  betrachteten  unserer  Versammlungen , angehö- 
rende höchst  wichtige  Ereignisse  in  dem  Leben  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. Ihre  Mittheilung  gab  Veranlassung  zu  der  Sitzung,  um  selbe  in  der  Zeit 
selbst  für  das  Jahrbuch  zu  bewahren.  „Den  innigsten  Dank  dürfen  wir  Mitglieder 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  und  alle  unsere  hochverehrten  Gönner  und 
Freunde  unserem  gegenwärtigen  obersten  Chef,  Seiner  Excellenz  dem  Herrn 
k.  k.  Staatsminister  Ritter  von  Schmerling  darbringen,  der  uns  neuerdings 
durch  die  von  ihm  begonnenen  Verhandlungen  eine  fernere  Miethe  in  den  uns 
bis  nun  zugewiesenen  prachtvollen  und  zweckmässigen  Aufstellungs-  und  Arbeits- 
räumen sicherte,  gleicherweise  aber  auch  dem  durchlauchtigsten  Besitzer  des 
Palastes,  Herrn  souveränen  Fürsten  Johannes  zu  Liechtenstein,  der  in  gross- 
müthigster  Weise  die  gleichen  günstigen  Bedingungen  gewährte,  wie  bisher,  in 
Berücksichtigung  des  gemeinnützigen  Zweckes  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt für  Wissenschaft  und  Landeskenntniss.  So  ist  uns  Beruhigung  in  der 
Fortsetzung  unserer  Arbeit  gegeben.“ 

„Aber  noch  ein  zweiter  hoher  Ministerialerlass  schliesst  in  glänzendster 
Weise  eine  vorübergegangene , mit  mancher  Sorge  verbundene  Periode  ab. 
Seine  k.  k.  Ap  ostolische  Majestät  geruhten  neuerdings  die  Stellung  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  unabhängig  von  der  kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  Allergnä  digst  anzuordnen.  Wohlwollend  von  fachkundigen 
Freunden  in  der  Tagespresse  beurtheilt,  hatte  uns  die  Sitzung  des  k.  k.  verstärk- 
ten Reichsrathes  am  14.  September  1860  mit  den  gegründetsten  Hoffnungen 
erfüllt,  die  All  ergnädigste  Bewilligung  der  Dotation  am  29.  October  neu 
gekräftigt,  der  verlängerte  Mietvertrag  in  unseren  fortschreitenden  Arbeiten 
auf  das  Wohlthuendste  beruhigt.  Das  letzte  Ereigniss  der  Aller  gnädig  st  neu 
ausgesprochenen  Unabhängigkeit  ist  aber  von  einem  so  höchst  anregenden  Ein- 
flüsse, dass  gewiss  jeder  von  uns  alle  Thatkraft  einsetzen  wird,  um,  wo  der  Erfolg 
selbst  etwa  hinter  seinen  Wünschen  Zurückbleiben  sollte,  doch  das  innigste 
Gefühl  wahrer  Dankbarkeit  zu  beweisen.  Hoch  gehoben  fühle  ich  mich  selbst,  so 
wie  meine  hochverehrten  Freunde  und  Arbeitsgenossen  durch  die  wohlwollenden 
Worte,  mit  welchen  Seine  Excellenz  Herr  k.  k,  Staatsminister  Ritter  von  S ch  m er- 


64 


Verhandlungen. 


[2] 

ling  die  Eröffnung  begleitete:  „Ich  setze  von  dieser  Allerhöchsten  Verfügung 
die  k.  k.  Direction  mit  Bezug  auf  den  Erlass  des  bestandenen  Ministeriums  des 
Innern  vom  7.  Juni  1860,  Zahl  1718-M.  J.,  mit  dem  Beifügen  in  Kenntniss,  dass 
es  mir  zum  wahren  Vergnügen  gereicht,  durch  diese  Allerhöchste  Bestimmung 
den  ungeschmälerten  Fortbestand  dieses  um  die  Wissenschaft  in  Österreich 
hochverdienten  Institutes  gesichert,  und  mir  die  Gelegenheit  gewahrt  zu  sehen, 
auch  in  Hinkunft  zu  Gunsten  desselben  wirken  zu  können.“ 

Herr  Director  Haidinger  berichtet  über  neuere  Mittheilungen,  betreffend 
die  schöne  von  Herrn  Franz  Herbich  in  Balan  bei  Ditro  aufgefundene  blaue 
Mineralspecies  und  ihr  Vorkommen,  von  welcher  die  ersten  Fundstücke  am 
24.  April  1860  von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Bitter  von  Hauer  (Jahrbuch 
1860.  Verhandlungen  Seite  86)  vorgelegt  worden  waren,  damals  nach  einer  mit 
einem  Minimum  vorgenommenen  Analyse  mit  dem  Lasurstein  im  nächsten  Zusam- 
menhänge betrachtet.  Eine  neuere  genaue  chemische  Analyse  mit  einer  genü- 
genden Menge  des  Stoffes  von  Herrn  Karl  Ritter  von  Hauer  durchgeführt,  stellt 
nun  durch  den  Chlorgehalt  das  Mineral  näher  den  verschiedenen  Varietäten, 
welche  zum  Theil  unmittelbar  zum  Sodalith  gerechnet  — es  findet  sich  Ähnliches  in 
Lamö  bei  Brewig  in  Norwegen,  und  bei  Miask  im  Ilmengebirge,  — zum  Theil  mit 
dem  unbestimmten  Namen  eines  „blauen  Minerals“,  z.  B.  von  Litchfield  in  Maine, 
Nordamerika,  bezeichnet  wurden.  Das  Ergebniss  der  Analyse  ist:  in  100  Theilen: 


Kieselerde 

40-68 

Chlor 

6 00 

Thonerde 

31-63 

Eisenoxyd  \ 

► Spuren 

Kalkerde 

0-40 

Schwefelsäure  j 

Natron 

2100 

Wasser 

0-61 

100*32 


Schon  durch  verdünnte  Säure  leicht  zerlegbar.  Durch  Behandlung  des  gepul- 
verten Minerales  mit  heissem  Wasser  erzielt  man  nur  wenig  Chlornatrium  in  Lösung, 
daher  dasselbe  durch  seine  Verbindung  mit  dem  Silicate  an  Auflöslichkeit  verlor. 

„Indessen  hatten  wir“,  fährt  Haidinger  fort  „auch  durch  die  Herren  Inge- 
nieur Quaglio  und  Fritsch  von  Kronstadt  neuere  Exemplare  dieses  pracht- 
vollen Gesteines  theils  zur  Ansicht,  theils  als  Bereicherung  unserer  Sammlung 
erhalten.  Es  gelang  mir,  die  Form  vollständig  als  granatoidisch  sicher  zu  stellen, 
ähnlich  der  ganzen  Reihe  der  verschiedentlich,  Sodalit,  Rosean,  Ittnerit,  Saphi- 
rin, Spinellan,  Haüyn,  Lasurstein  genannten  Varietäten  oder  Species,  welche  in 
meinem  Handbuche  S.  527,  unter  dem  Namen,  Haüyn,  zusammengefasst  sind, 
Die  Theilungsflächen  parallel  dem  Granatoid  sind  sämmtlich  vorhanden,  nur  ein- 
zelne derselben  sind  leichter  zu  erhalten,  andere  unterbrochen,  was  die  Nachwei- 
sung erschwert.  Das  eigenthiimliche  Gewicht  2-318  und  2-325,  in  zwei  Ver- 
suchen, Härte  5*5,  die  Farbe  zwischen  himmelblau  und  lasurblau,  viel  heller 
und  weniger  gesättigt  als  letzteres;  die  zum  Theil  über  zollgrossen  krvstal- 
linischen  Massen  stark  durchscheinend.  Dem  eigentlichen  Lasurstein  konnte  das 
Mineral  nicht  mehr  zugezählt  werden,  sobald  nicht  mehr  von  blos  wissenschaft- 
licher Vereinigung  die  Rede  war,  und  die  grosse  Schönheit  des  festen  Gesteines, 
in  welchem  es  angetroffen  wurde,  war  höchst  einladend,  eine  Industrie  darauf  zu 
gründen,  für  Erzeugung  grösserer  Ornamentalgegenstände,  wie  die,  für  welche 
Elfdalen  seit  so  langer  Zeit  berühmt  ist.  So  ist  ein  Name  unerlässlich,  für  welchen 
ich  hier  den  Ausdruck:  „Haiiynfels“  vorschlage,  der  nebst  der  Hinweisung  an 
die  blaue  Farbe  auch  die  Erinnerung  an  den  grossen  Meister,  den  Vater  der 
neueren  Krystallographie  ins  Gedächtniss  ruft. 

Der  Haiiynfels  von  Ditro  in  der  Gyerglö  in  Siebenbürgen  ist  ein  grob- 
körniges bis  kleinkörniges  Gemenge  von  diesem  blauen  Haüyn,  mit  Orthoklas 


Sitzung  vom  28.  Mai.  W.  Haidinger. 


65 


[3] 


(G.  = 2-624),  Cancrmit  (G.  = 2-4S2),  Eläolith  (G.  = 2 616),  Oligoklas 
(G.  = 2-565),  in  verschiedenen,  weissen,  grauen,  röthlichgelben  Tönen,  von 
kleineren  eingesprengten  Theilen  von  schwarzem  Amphibol  und  Glimmer,  mit 
Magneteisenstein,  von  kleinen  Krystallen  von  gelblichbraunem  Sphen,  seltenen 
kleinen  Theilchen  von  weissem  Kalkspath  und  wohl  noch  anderen  Mineralspecies, 
wenn  erst  mehrere  Stücke  zur  Untersuchung  gelangen  werden.  Von  einigen  der 
obengenannten  sind  bereits  von  Herrn  Karl  von  Hauer  Analysen  eingeleitet. 
Manche  genauere  Arbeiten  erst  werden  volles  Licht  über  diesen  neuen  Fund  geben. 

Wir  wünschen  indessen  den  hochverehrten  unternehmenden  Männern, 
welche  den  Entschluss  gefasst,  auf  dieses  prachtvolle  Gestein  eine  Industrie  zu 
gründen,  den  reichsten  Erfolg  für  ihre  Bemühungen. 

Bei  den  reichen  blauen  Farbentönen  und  der  grossen  Härte,  der  Grundlage 
einer  hohen  Politur,  reiht  sich  der  Haiiynfels  ganz  dem  werth vollen  Verde  di 
Corsica  duro  mit  dem  grünen  Smaragdit  an,  und  es  ist  nur  zu  wünschen,  dass 
die  Entfernung  des  Fundortes  von  den  Hilfsmitteln  grösserer  Cultur-Mittelpunkte 
nicht  zu  grosse  Schwierigkeiten  bereite.  Aber  Elfdalen  ist  doch  noch  viel  weiter 
von  allen  solchen  Orten  entfernt,  und  glänzt  seit  Jahren  durch  seine  Erzeugnisse. 
Möchte  es  gelingen,  schon  für  den  Herbst  einige  grössere  Musterstücke  für  die 
Ausstellung  nach  Wien  zu  bringen,  welche  die  „Zweite  Versammlung  von  Berg- 
und  Hüttenmännern“  begleiten  wird.  Dann  aber  bietet  sich  namentlich  in  der  für 
1862  vorbereiteten  grossen  Weltausstellung  in  London  eine  höchst  werthvolle  Gele- 
genheit, die  Pracht  des  Naturstoffes  der  allgemeinen  Kenntniss  und  Beurtheilung 
zuzuführen.  Es  dürfte  wohl  nicht  fehlen,  selbst  wenn  die  ersten  Arbeiten  nur 
mit  kleineren  Mitteln  angegriffen  werden  mussten,  für  schwunghafteren  Betrieb 
sodann  ohne  Schwierigkeit  die  erforderlichen  Kräfte  ins  Spiel  zu  bringen. 

Bammelsberg  gibt  in  seiner  neuen  Mineralchemie,  S.  701  u.  f.  eine 
umfassende  Ucbersicht  der  hier  zur  Vergleichung  kommenden  Mineralkörper.  Nach 
ihm  sind  die  chlorhaltigen  die  Sodalithe,  die  schwefelsäurehaltigen  umfassen  die 
Haiiyne  und  die  anderen  genannten  Körper,  nach  chemischem  Standpunkte.  Doch 
haben  mehrere  derselben  auch  beide  Stoffe,  wenigstens  in  kleinen  Mengen  in 
ihrer  Mischung.  Ich  glaubte  hier  die  Farbenerscheinung  für  die  Bezeichnung  des 
Vereinigungspunktes  wählen  zu  dürfen,  und  da  gäbe  es  dann  beides,  Chlor-Haüyn, 
wie  den  von  Ditro,  Lamö,  Miask,  Litchfield  nach  Whitney,  und  Schwefelsäure-Ilaüyn, 
wie  den  vom  Vesuv,  von  Niedermendig,  und  wieder  von  Litchfield  nach  Jackson. 
Dem  Bedürfnisse  einer  angemessenen  Benennung  für  eine  Felsart,  die  ein  so  viel 
versprechendes  technisches  Interesse  besitzt,  ist  dadurch  gewiss  entsprochen. 

Herr  Director  Hai  ding  er  berichtet  über  den  F o r cherit  aus  Steiermark. 
„Schon  am  verflossenen  10.  Juli  1860  hatte  ich  durch  freundliche  Vorlage 
von  Herrn  Professor  Suess  eine  Mittheilung  meines  hochverehrten  Freundes  Herrn 
Professor  Ai  ch horn  in  Gratz  nebst  Einschluss  von  Herrn  Vincenz  Forcher, 
Sohn  des  Eisenwerksbesitzers  zu  Ainbach  nächst  Knittelfeld,  über  das  oben 
genannte  Mineral  erhalten,  nebst  Anzeige  der  Bestimmung  eines  Exemplares  für 
die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  Allein  durch  irgend  eine  Veranlassung  hatten 
wir  das  letztere  nicht  erhalten,  und  ich  hätte  doch  gern  für  Erwähnung  in  dem 
Juli-  oder  Augustbericht  ergänzt,  was  etwa  mitgetheilt  worden  wäre.  Herr  For- 
cher hatte  es  damals  treffend  eine  mit  dreifach  Schwefelarsen  verbundene 
Opalmasse  bezeichnet.  Vor  wenigen  Tagen  sandte  er  selbst  freundliehst  eine 
Anzahl  höchst  charakteristischer  Exemplare,  welche  ich  hier  vorzulegen  das  Ver- 
gnügen habe.  Der  Forche rit,  von  Herrn  Professor  Aichhorn  so  benannt, 
bildet  Gangtrümmer,  vielfach  sich  durchkreuzend  in  einer  harten  Gneissvarietät, 
feinkörnig,  mit  sehr  wenigem  weissen  Glimmer  in  feinen,  zerstreuten  Blättchen 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


1 


66 


Verhandlungen. 


auf  den  Structurentblössungen , die  Structur  selbst  von  den  Forcheritgängen 
durchsetzt.  Ueberhaupt  schneiden  sich  letztere  oft  mehrfach.  Zunächst  den 
Kluflflächen  ist  die  Opalmasse  mehr  weisslich,  die  oberen  Lagen  in  Streifen  mehr 
und  weniger  tief  orangegelb  gefärbt,  selten  bis  zur  Dicke  von  zwei  Linien.  Eine 
braune,  oft  eine  halbe  Linie  dicke  Rinde  bedeckt  das  Ganze,  welche  grösstentheils 
aus  Eisenoxydhydrat  besteht,  mit  etwas  Alaunerde,  Magnesia  und  Spuren  von 
Phosphorsäure  und  Arsensäure.  Die  chemische  Analyse  weist  in  der  orange- 
gelben opalartigen  Masse  die  Bestandtheile  des  Opals,  Kieselerdehydrat  und 
Schwefelarsen,  Auripigment  nach,  einige  röthere  Striemen  mögen  auch  Realgar 
verrathen.  Die  Ergebnisse  der  Löthrohrversuche  entsprechen  diesen  Bestand- 
teilen. Herr  Forcher  fand  diesen  Mineralkörper  in  der  Nähe  der  soge- 
nannten „Holzbrückenmühle“  bei  Knittelfeld  selbst  bis  zu  drei  Linien  Dicke, 
meistens  dünner  in  abwechselnd  weiss  und  gelb  in  allen  Uebergängen  gebän- 
derten Platten  von  muschligem  Bruche  und  spröder  Masse,  bei  einer  Härte  von 
5*5  bis  6*0.  Er  selbst  ermittelte  auch  den  chemischen  Bestand.  Die  Masse  hat 
manche  Analogie  mit  gewissen  durch  Eisenoxydhydrat  braun  [gefärbten  Opalen 
yon  Telkibänya  und  anderen  Orten,  welche  keinen  besonderen‘Namen  erhalten 
haben.  Manche  Mineralogen  haben  es  getadelt,  dass  hier  ein  besonderer  Name 
einem  doch  als  Gemenge  anerkannten,  noch  dazu  einem  schlechthin  amorphen 
beigelegt  wurde.  Aber  bei  der  so  höchst  ungewöhnlichen  Erscheinung,  welche 
die  hochfarbige  Substanz  hervorbringt,  ist  das  Festhalten  an  einen  eigenen  Namen 
gerade  ein  Mittel,  um  die  Aufmerksamkeit  auf  Gegenstände  dieser  Art  festzu- 
halten, und  das  ist  doch  gewiss  ein  wahrer  Gewinn.  Mögen  Systematiker  der 
Zukunft  wie  immer  urtheilen,  wir  bewahren  gern  den  Namen  und  bereiten  ihnen 
eben  dadurch  die  Kenntniss  des  Gegenstandes  vor.  Uebrigens  besitzt  dieser  For- 
cherit  ein  etwas  grösseres  eigenthümliches  Gewicht  als  gewöhnlicher  Opal.  Ich 
fand  2*188,  während  ich  für  Opal  frühere  Ergebnisse  von  1*974,  1*982,  2*060, 
2*075,  2*079,  2*091  mittheilte.  (Edinb.  Journal  of  Science  Vol . VII.)  Holz- 
opal gab  2*114,  gelber  Opal  2*119,  Halbopal  2*207,  der  Telkibänyer  Eisenopal 
indessen  gab  sogar  2*699. 

Das  königlich  Hannoversche  Berg-  und  Forstamt  zu  Clausthal  sandte  an  die 
k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eine  höchst  wichtige  und  werthvolle  Reihe  von 
Grund-  und  Profilrissen  über  die  bergmännischen  Arbeiten  auf  jenen  berühmten 
zum  Theil  so  mächtigen  Gangzügen  des  Oberharzes.  Es  wurden  nämlich  die 
sämmtlichen  vorhandenen  Risse  in  übersichtlicher  Weise  zusammengestellt,  um 
als  Orientirung  vorzüglich  für  die  dortigen  Bergbeamten  zu  dienen.  Alle  Harz- 
reviere sollen  in  dieser  Weise  bearbeitet  und  veröffentlicht  werden.  Hier  liegen 
nun  die  zusammenhängenden  Risse  der  Zellerfelder  Hauptzüge  und  Burgstädter 
Grubenreviere  vor,  zwei  grosse  Tafeln  7 Fuss  5 Zoll  lang,  2 Fuss  6 Zoll  hoch, 
im  Nordwesten  bei  Wildemann  an  der  Innerste,  mit  den  Mundlöchern  des 
19-Lachter  und  des  tieferen  13-Lachterstollens  beginnend  in  der  Länge  von 
etwa  iy4  Meile  bis  jenseits  der  Burgstädter,  Dorotheer  und  Carolinen  Schächte  in 
Südost.  In  einzelnen  Bildern  zu  je  zwei  Blättern  von  Grund-  und  Profilrissen 
sind  dieselben  Aufnahmen  noch  für  den  hintern  Zellerfelder  Hauptzug,  für  den 
vordem  Zellerfelder  Hauptzug  und  das  vierte  Burgstädter  Grubenrevier,  ferner  für 
die  drei  ersten  Burgstädter  Grubenreviere  zusammen  gegeben.  Der  Maassstab  ist 
1 : 3200  der  Natur,  oder  1 Zoll  = 30  Lachter.  Hier  bietet  sich  nun  die  ganze  grosse 
Uebersicht  der  Stollen  und  Strecken,  der  Schächte  und  Verhaue  dar,  als  Hauptver- 
bindungsleiterdertiefe Georgstollen,  40  Lachter  unter  dem  tiefen  13-Lachterstollen, 
132  Lachter  unter  der  Hängebank  des  Burgstädter  Herzog  Georg  Wilhelm-Schach- 
tes, ferner  die  horizontale,  tiefe,  schiffbare  Wasserstrecke,  auf  der  Ernst  August 


Sitzung  vom  28.  Mai.  W.  Haidinger.  Fr.  v.  Hauer. 


67 


[8] 


Stollen-Linie,  zugleich  dritte  Feldort-  oder  60  Lachterstrecke,  bis  endlich  zu 
der  projectirten,  und  von  den  Herzog  Georg  Wilhelm-  und  Anna  Elenora- 
Schächten  bereits  angehauenen  horizontalen  tiefsten  Wasserstrecke , noch 
120  Lachter  unter  jener  ersten  tiefen  Wasserstrecke.  In  den  Grundrissen  sind 
auch  die  Versuchsbaue,  welche  ausserhalb  der  Gänge  jemals  gemacht  sind,  sämmt- 
lich  eingetragen,  von  den  Bauen  auf  den  Gängen  nur  je  vier  bis  fünf  der  am  besten 
aufgeschlossenen  Niveaux.  Die  Darstellung  aller  würde  das  Bild  mehr  verwirrt 
und  undeutlich  gemacht  haben,  bei  dem  Umstande,  dass  das  Einfallen  häufig  sehr 
steil,  selbst  verkehrt  ist,  und  eines  das  andere  decken  würde.  Aber  auf  den  Profil- 
rissen sind  sämmtliche  Baue  angegeben,  woraus  sich  ihr  grosser  Umfang,  so  wie 
die  Austheilung  des  Erzvorkommens  ergibt.  Wo  Erze  anstehen  und  der  Abbau 
weiter  fortgeht,  ist  dies  durch  die  blaue  Farbe  angezeigt.  Wir  sind  für  dieses 
schöne  Geschenk  dem  königlichen  Berg-  und  Forstamte  zu  dem  grössten  Danke 
verpflichtet.  Umfassende  Arbeiten  dieser  Art,  wie  z.  B.  die  grosse  Freiberger 
Stollenkarte  fördern  gar  sehr  das  Verständniss  der  natürlichen  Verhältnisse 
sowohl  als  der  bergmännischen  Arbeiten.  Gewiss  werden  diese  Risse  unter  andern 
mit  grösster  Theilnahme  von  den  hochverehrten  Freunden  betrachtet  werden, 
welche  wir  zu  der  bevorstehenden  Versammlung  der  Berg-  und  Hüttenmänner 
erwarten.  Uns  ist  ihre  freundliche  Zusendung  vielfach  werthvoll  durch  die  Erin- 
nerung an  so  viele  wohlwollende  Anwohner  jener  Gegenden,  ein  Hausmann,  der 
selbst  so  umfassend  Werthvolles  über  den  Harz  gearbeitet  und  mitgetheilt,W  öhler 
und  v.  Waltershausen,  v.  Grote  und  Jugler  im  Westen,  Mobs,  Zincken 
im  Osten  des  Harzes,  in  Clausthal  selbst  noch  ein  Römer,  und  so  manche 
andere  Freunde,  deren  wir  stets  in  höchster  Anerkennung  gedenken  werden. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fr.  Ritter  v.  Hauer  erinnerte,  dass  Herr  Hofrath  v. 
Schwa  benau  bereits  vor  einem  Jahre  eine  Suite  ungemein  interessanter 
Fossilien  aus  dem  Bakonyerwalde  in  Ungarn  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingesendet  hatte,  welche  von  Herrn  Bergrath  Foetterle  in  der  Sitzung  am 
17.  April  1860  vorgelegt  worden  waren.  Da  nun  der  Bakonyerwald  mit  in  den 
Aufnahmsplan  des  diesjährigen  Sommers  einbezogen  wurde,  so  schien  es  von 
grossem  Interesse,  die  ganze  Sammlung  des  Herrn  von  Schwa  benau  einer 
genaueren  Durchsicht  zu  unterziehen.  Herr  v.  Hauer  begab  sich  zu  diesem 
Zwecke  nach  Oedenburg  und  erhielt  nicht  nur  von  Herrn  v.  Schwabenau  alle 
wünschenswerthen  Nachweisungen  und  Notizen,  sondern  derselbe  übersendete 
auch  freundlichst  alle  interessanten  Stücke  aus  den  älteren  Formationen  seiner 
Sammlung  zur  Bearbeitung  an  unsere  Anstalt.  Wenn  auch  diese  Arbeit,  bemerkte 
Herr  v.  Hauer,  erst  im  nächsten  Winter  durchgeführt  werden  könne,  so  wolle  er 
doch  vorläufig  schon  auf  einige  der  interessantesten  Ergebnisse  aufmerksam 
machen,  welche  eine  flüchtige  Durchsicht  des  reichen  Materials  gelehrt  habe. 

Die  Fundorte  der  Petrefacten,  die  Herr  v.  Schwabenau  hauptsächlich 
ausbeutete,  liegen  in  der  Umgegend  von  Zircz  und  Bakonybel,  westlich  von  Stulil- 
weissenburg  und  nördlich  von  Veszprim.  Es  lässt  sich  aus  den  Fossilien  schliessen 
auf  das  Verkommen  von  1.  Dachsteinkalk  im  Steinberggraben  bei  Oszlop,  bezeich- 
net durch  sehr  schöne  Exemplare  von  Megalodus  triqueter.  2.  Adnether  Schichten 
zu  Kardosret  mit  Orthoceras.  3.  Hierlatz-Schichten  am  Bakonyhegy  bei  Bakonybel 
mit  zahlreichen  Brachiopoden.  4.  Jura  am  Somhegy  südwestlich  von  Zircz  mit 
Ammonites  bullatus , A.  ptychoicus  Quen.>  A.  Kudernatschi  u.  s.  w.  6.  Untere 
Kreide  zu  Fidelisdomb  bei  Bakonybel  mit  Caprotinen  und  einem  Radioliten,  der 
dem  R.  Neocomiensis  ähnelt.  6.  Obere  Kreide  zu  Penzesküt  mit  Amm.  Mantelli 
Sow.,  A.  Deverianus  d' Orb A.  falcatus  Sow.  dann  mit  sehr  schönen  Turriliten. 
7.  Eocenschichten  zu  Penzesküt,  Bakonybel,  Oszlop  mit  sehr  zahlreichen 


68 


Verhandlungen. 


[«J 


Fossilien,  unter  welchen  Herr  Dr.  Stäche  die  folgenden  Arten  erkannte:  Nerita 
conoidea  Lam,  Terebellum  convolutum  Lam .,  Natica  angulifcra  d'Orb .?  Tur- 
ritella  imbricataria  Lam.,  Corbis  lamellosa  Lam.,  Area  cylindracea  De  sh., 
Spondylus  rarispina  Des/i  Ostrea  callifera  Lam.,  Echinolampas  sphaeroi - 
dalis  Ag.,  Ech.  discoideus  d’Arch .,  Schizaster  curynotus  Ag Nummnlina  per - 
forata  d'Orb.,  N.  Lvcasana  d’Orb.,  N.  complanata  Lam. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  erläuterte  in  vollständiger  Zusammen- 
stellung die  durch  die  Geologen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  bisher  in 
Böhmen  zur  Vollendung  gebrachte  geologische  Karte  (im  Maassstabe  vom  2000»  = 
1 Zoll),  im  Ganzen  ungefähr  vier  Fünftheile  dieses  Königreiches  mit  einem  Flächen- 
raume von  ungefähr  760  Quadralmeilen. 

Bereits  im  Jahre  1862  hatte  Herr  Dr.  Peter s,  damals  der  in  den  Manhards- 
vierteln  thätigen  Section  des  Herrn  Chefgeologen  Lipoid  zugetheilt,  die  süd- 
lichste Spitze  von  Böhmen  in  der  Umgebung  von  Rosenberg  geologisch  aufge- 
nommen. Im  Jahre  1863  wurden  sodann  unter  der  Leitung  des  zu  frühe  verewigten 
Chefgeologen  Herrn  Bergrathes  Czjzek  von  den  Herren  Jokely,  Dr.  Höch- 
ste tter,  v.  Zeph a ro  vich  und  v.  Li  dl  die  geologischen  Aufnahmen  im  südlichen 
Theile  Böhmens  energisch  in  Angriff  genommen,  und  seitdem,  gegen  Westen 
und  Norden  fortschreitend,  ununterbrochen  weiter  geführt.  Herr  v.  Zepharo- 
vicli  betheiligte  sich  noch  in  dem  Jahre  1864,  Herr  v.  Li  d I in  den  Jahren  1864 
und  1866,  und  Herr  Dr.  H o chstet  ter , der  nach  Herrn  Czjzek's  Tode  die 
Leitung  der  Section  übernahm,  in  den  Jahren  1864,  1866  und  1866  an  den 
geologischen  Arbeiten  in  Böhmen.  Sämmtliche  Herren  veröffentlichten  die  Resul- 
tate ihrer  Forschungen  in  den  Jahrbüchern  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt, 
insbesondere  Herr  Dr.  Hochstetter,  dessen  geologische  Thätigkeit  in  Böhmen 
durch  die  Theilnahme  an  der  Weltumseglung  mit  der  k.  k.  Fregatte  Novara  ihr 
Ende  erreichte,  mittelst  seiner  „Studien  aus  dem  Böhmerwalde“.  Herr  Jokely 
allein  war  seit  dem  Jahre  1863  fortwährend  in  Böhmen  thätig,  und  seine  mit 
unermüdlichem  Eifer  und  grösster  Pünktlichkeit  vollführten  Arbeiten,  insbesondere 
im  Erz-  und  Riesengebirge,  haben  ungefähr  den  vierten  Theil  der  bisher  vollen- 
deten Karten  und  zahlreiche  Publicationen  im  Jahrbuche  im  Gefolge  gehabt.  Im 
Jahre  1867  nahm  auch  Herr  Stur  in  der  Umgebung  von  Tabor  an  den  geolo- 
gischen Arbeiten  Antheil,  und  im  Jahre  1869  begann  Herr  Bergrath  Lipoid  die 
Aufnahmen  in  den  mittleren  Theilen  Böhmens,  welche  er  im  Jahre  1860  fort- 
setzte, wobei  sich  in  beiden  letztgenannten  Jahren  freiwillig  Herr  Director 
J.  Kr  ej  ci  von  Prag,  und  im  Jahre  1860  als  Sectionsgeologe  Herr  Baron  A ndrian 
an  den  geologischen  Arbeiten  betheiligten.  Die  Aufnahmen  werden  in  dem  lau- 
fenden und  künftigen  Jahre  in  den  östlichen  Theilen  Böhmens  durch  die  Herren 
Lipoid,  Jokely  und  Baron  Andrian  fortgesetzt  werden,  und  es  ist  alle  Aus- 
sicht vorhanden,  dass  die  geologische  Karte  des  946  Quadratmeilen  umfassen- 
den Königreiches  Böhmen  am  Schlüsse  des  Jahres  1862  nach  zehnjähriger  Thä- 
tigkeit der  Glieder  der  Reichsanstalt  vollendet  sein  werde. 

Welche  Fülle  von  Erfahrungen  und  welchen  für  die  Praxis  nutzbringenden 
Reichthum  an  geologischen  Details  die  vorgewiesene  Karte  von  Böhmen  darstelle, 
suchte  Herr  Bergrath  Lipoid  durch  die  Menge  der  in  derselben  besonders 
bezeichneten  Gebirgs-  und  Gesteinsarten  darzuthun.  Es  sind  nämlich  in  der- 
selben theils  durch  Farben,  theils  durch  andere  Bezeichnungen  im  Ganzen 
72  Gebirgsarten,  Formationsglieder  und  nutzbringende  Mineralien  und  Fossi- 
lien ausgeschieden  und  ersichtlich  gemacht.  Hievon  entfallen  16  Bezeichnungen 
auf  die  Massengesteine : Granit,  Greisen,  Granitit,  Syenit,  Porphyr,  Grün- 
steine (Diorit,  Aphanit),  Melaphyr,  Basalt,  Phonolit  und  Trachyt,  und  14  Be- 


f 


Sitzung  vom  28.  Mai.  M.  V.  Lipoid.  H.  Wolf. 


69 


m 


Zeichnungen  auf  die  krysfallinisehen  Schiefergesteine:  Gueiss,  Gramslit,  Glim- 
merschiefer, Amphibolit  und  Amphibolschiefer,  Quarzschiefer,  Talkschiefer, 
Chloritschiefer,  krysfallinisehen  Kalk,  Malakolith,  Serpentin  und  Urthonschiefer 
(Dachschiefer,  Fleckenschiefer).  Die  Glieder  der  silurischen  Grauwackenformation 
sin,d  durch  15  Farben-  und  Zeichenänderungen  unterschieden.  Die  Steinkohlen- 
formation  wird  nur  durch  einen  Farbenton  dargestellt,  dagegen  sind  die  Glieder 
der  Formation  des  Rothliegenden  durch  3,  die  Glieder  der  Kreideformation  durch 
5,  die  Glieder  der  miocenen  Tertiärformation  durch  6,  endlich  das  Diluvium  durch 
3 verschiedene  Bezeichnungen  ersichtlich  gemacht.  Von  Bildungen  der  Neuzeit 
sind  das  Alluvium,  Kalktuff  und  Torf  ausgeschieden.  Endlich  erhielten  noch  die 
Quarzgänge  im  Nordwestböhmen,  die  Erzgänge  im  Erzgebirge,  bei  Pribram  u.  s.  f., 
die  Vorkommen  von  Stein-  und  Braunkohlen,  von  Eisensteinen,  von  Alaunschiefern 
und  von  Graphit  ihre  besondere  Bezeichnung. 

Herr  H.  Wolf  gab  zwei  Mittheilungen,  aus  Correspondenzen  der  Herren 
Professoren  Ferd.  Römer  und  Göppert  in  Breslau.  Die  erstere  an  Herrn 
Wolf  gerichtet,  bezieht  sich  hauptsächlich  auf  ein  Stück  rothen  Marmors  von 
Kiritein  in  Mähren,  welchen  Herr  Wolf  zur  Beurtheilung  mit  der  Frage  vor- 
legte, ob  der  petrographische  Charakter  desselben  mit  jenem  des  Clymenien- 
kalkes  in  Schlesien  irgend  eine  Uebereinstimmuug  zeige,  da  in  demselben  bis 
jetzt  keine  Versteinerungen  gefunden  sind,  aber  seine  Auflagerung  auf  Schichten 
mit  Rittberger  Versteinerungen  und  Ueberlagerung  durch  Culmschichten , eine 
dem  Clymenienkalke  parallele  Stellung  anweise?  Hierüber  äusserte  sich  Herr 
Prof.  Römer,  dass  der  Kalk  vom  Westgehänge  des  Horkaberges  bei  Kiritein, 
wenn  die  Lagerungsverhältnisse  einigermassen  dazu  passen,  gewiss  Chymenienkalk 
sei,  denn  : „die  nierenförmigen  Absonderungen  in  diesem  Kalke,  und  die  Einhüllung 
der  Nieren  in  dem  Häutchen  von  Thonschiefer,  ist  für  dieses  oberste  Niveau  der 
devonischen  Gruppe  zu  charakteristisch,  als  dass  es  hier  täuschen  könnte.  Der 
Kalk  gleicht  ganz  demjenigen  von  Ebersdorf  in  der  Grafschaft  Glatz , und  fast 
noch  mehr  dem  Kramenzel  Westphalens.  Bei  dem  Vorkommen  der  Culmschich- 
ten sei  das  Auftreten  der  Clymenienkalke,  als  des  zunächst  älteren,  und  in  West- 
phalen,  Nassau  und  am  Harz  regelmässig  mit  dem  Culm  verbundenen  Gliedes  des 
älteren  Gebirges  ganz  wahrscheinlich.  Es  würden  dann  diese  Punkte  (Kiritein, 
Ostrow,  Jedownitz)  in  Mähren  nächst  demjenigen  von  Ebersdorf  in  Schlesien  die 
einzig  Bekannten  im  Osten  Deutschlands  sein.“ 

Eine  weitere  Mittheilung  in  demselben  Schreiben  bezieht  sich  auf  eine 
grössere  Aufsammlung  von  Fossilien  durch  Herrn  D.  Stur  aus  den  Kalken  am 
untern  Dniester  in  Ost-Galizien:  Herr  Prof.  Römer  sagt:  „Die  ganze  Fauna 
ist  augenscheinlich  eine  ganz  eigenthümliche,  mit  keiner  Bekannten  aus  den 
anderen  Gegenden  übereinstimmende,  die  Arten  sind  grösstentheils  neu,  und 
doch  wieder  nicht  hinreichend  gut  erhalten,  um  sie  als  neue  Arten  aufstellen  zu 
können.  Vorläufig  halte  ich  den  ganzen  Schichtencomplex,  aus  welchem  die 
Petrefacten  herrühren,  für  die  oberste  Abtheilung  der  silurischen  Gruppe. 

Das  zweite  Schreiben,  welches  Herr  Wolf  besprach  und  mit  Vorlagen 
erläuterte,  ist  vom  Herrn  Geheimrath  Prof.  Dr.  Göppert  an  Herrn  Bergrath 
Lipoid  gerichtet.  Es  bezieht  sich  dasselbe  auf  die  Bestimmungen  von  Pflanzen- 
fossilien 1.  in  den  Dachschiefern  aus  dem  fürstlich  Li  echtenstein’schen  Schie- 
ferbruche bei  Morawitz,  2.  in  Dachschiefern,  von  Waltersdorf  NO.  von  Olmütz, 
aus  dem  Schieferbruche  des  Herrn  Cornelius  Leim  b ach,  und  3.  auf  einen  pracht- 
vollen Farrnabdruck  aus  einem  Steinbruch  in  der  Nähe  von  Fulnek  in  Mähren, 
welcher  mit  anderen  Fossilien,  von  Herrn  ßiefel,  fürsterzbischöflichen  Archi- 
tekten in  Kremsier,  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gesendet  worden  war. 


70 


Verhandlungen. 


[8] 


Hierüber  sagt  Herr  Prof.  Göppert:  „Das  Stiiek  von  Fnlnek  ist  ein  aus- 
gezeichnetes Farrnkraut  Trichomanites,  noch  neu,  zw ischcn  Tr.  dissechts  und  petio- 
latus  stehend;  erlauben  Sie,  dass  ich  es  Tr.  Lipoldianus  nenne.  Das  Stück  von 
Morawitz  ist  eine  Sagenaria  Wolfiana , eine  schöne  neue  Art,  breit  gequetschtes 
Stammstück,  auf  der  einen  Seite  noch  mit  Rinden  und  Narben  versehen.  Leider 
ist  fast  immer  nur  der  untere  Theil  erhalten,  der  obere  ist  im  Hohldruck  sitzen 
geblieben.  Nur  an  ein  paar  Stellen  erkenne  ich  noch  die  drei  kleinen  Närbchen, 
welche  für  diese  Gattung  mit  charakterisirend  sind.  Auf  der  andern  Seite  fehlt 
die  Rinde,  und  es  sind  nur  die  auf  dem  Stamme  selbst  befindlichen  Narben  sichtbar, 
deren  Ende  immer  einer  der  schönen  langgezogenen  Rückennarhen  entspricht. 
Die  Theilnahme  und  das  Interesse,  welches,  wie  die  vorstehenden  Mitteilungen 
zeigen,  die  beiden  Herren  Prof.  Römer  und  Göppert,  den  Arbeiten  der 
geologischen  Reichsanstalt  stets  freundlichst  widmen,  verpflichtet  uns  gewiss  zu 
grösstem  Danke. 

Zum  Schlüsse  ergreift  Herr  Director  W.  Haidinger  das  Wort:  „Die 
wichtigen  Ereignisse  in  unserer  eigenen  Geschichte  veranlassten  die  heutige 
Versammlung,  an  deren  Schlüsse,  ich  Ihnen  sämmtlich,  meine  hochverehrten 
Herren,  meinen  innigsten  anerkennendsten  Dank  darbringen  darf.  Vielartig  sind 
schon  die  Lagen  gewesen,  in  welchen  wir  uns  befanden,  der  Kern  unserer 
Bestrebungen  blieb  derselbe,  der  Fortschritt  der  Kenntniss  unseres  schönen, 
grossen  Österreich.  Mit  der  Aussicht  auf  Erfolg,  auf  anzuhoffende  Ergebnisse 
gegründet,  welche  unserem  Vaterlande  zur  Ehre  und  zum  Vortheil  gereichen 
würden,  können  wir  jetzt  nach  eilf  Jahren  unseres  Bestehens  daraufhinweisen, 
wie  ein  wohlerw  orbenes  Zutrauen  in  unsere  Kräfte  neuerdings  über  schwierige 
Verhältnisse  hinweg  thatsächlich  geholfen  hat.  Fortwährend  sehen  wir  nun  eine 
lebhaftere  Theilnahme  überhaupt  an  wissenschaftlichen  Verhandlungen  in  unserer 
Tagespresse  sich  entwickeln.  Erlauben  Sie  mir,  meine  hochverehrten  Herren, 
noch  mit  einigen  Worten  des  Dankes  einer  Reihe  von  Artikeln  in  dem  Blatte  „Das 
Vaterland“,  „Naturwissenschaftliches  Leben  in  Wien“  zu  gedenken,  in  deren  Fas- 
sung jene  wohlwollende  Aufmerksamkeit  thatkräftigen  Ausdruck  findet,  wie  sie  nur 
eine  höhere  geistige  Stellung  freundlicher  Beurtheilung  und  Würdigung  redlicher 
Bestrebungen  beurkundet.  Es  waren  diese  Artikel  für  uns  gewiss  ein  wahrer  Gewinn. 

Mit  Beziehung  auf  unsere  von  Sei  n er  k.  k.  Apostolischen  Majestät  neu 
begründete  Stellung,  unabhängig  von  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften, welche  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes  eine  Lebensfrage  war,  darf  ich 
aber  doch  auch  in  meiner  Stellung  zugleich  als  Akademiker  mich  eben  so  sehr 
darüber  erfreuen,  als  in  derjenigen  eines  Direclors  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. Verschieden  in  Verfassung  und  Obliegenheiten,  stellen  doch  beide  w ich- 
tige Abtheilungen  in  dem  Berufe  eines  grossen  Landes  vor.  Angesichts  der  bevor- 
stehenden feierlichen  Sitzung  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  am 
31.  Mai,  darf  ich  wohl  in  dankbarer  Erinnerung  des  verewigten  edlen  Erzher- 
zog Johann,  unseres  langjährigen  Gönners  gedenken,  der  als  höchster  Curator 
bei  ihrer  Gründung  die  Eröffnungssitzung  am  2.  Jänner  1848  leitete,  während 
wir  neuerdings  wieder  einen  durchlauchtigsten  Prinzen  des  Allerhöchsten 
Kaiserhauses  in  gleicher  Stellung  verehren.  Seine  kaiserliche  Hoheit  den 
durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzog  Rainer,  dem  auch  wir  bis  in  die  Zeiten 
des  k.  k.  montanistischen  Museums  zurück  für  wohlwollendste  Theilnahme  und 
Anregung  vielfach  verpflichtet  sind.  Der  Glanz  der  neu  eröffneten  Beziehung 
wird  weithin  in  der  ganzen  Ausdehnung  unserer  wissenschaftliebenden  Gesell- 
schaft den  günstigsten  Einfluss  ausüben. 


[1] 


Bericht  vom  30.  Juni,  W.  Haidinger. 


71 


Bericht  vom  30.  Juni  1861. 

Mit  ganz  anderen  Gefühlen  als  am  30..  Juni  1860  (Wiener  Zeitung  vom 
4.  Juli  No.  156)  darf  ich  in  dem  gegenwärtigen  Jahre  ein  kurzes  Wort  des 
Berichtes  zur  Vorlage  bringen,  hoch  gehoben  schon  durch  das  ermuthigende 
Wort  Sr.  k.  k.  Apostolischen  Majestät,  welches  Allerhöchst  Die- 
selben am  6.  Juni  in  Bezug  auf  die  uns  nun  vorliegenden  Untersuchungsreisen 
auszusprechen  geruhten:  „Mit  gewohntem  Eifer,“  als  es  mir  beschieden  war 
den  ehrfurchtsvollsten  treuesten  Dank  für  die  neu  gewährleistete  Stellung  der 
k.  k.  geologischen  Beichsanstalt,  unabhängig  von  der  Kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften,  zu  den  Stufen  des  Thrones  darbringen  zu  dürfen.  Mit  der  gei- 
stigen Beruhigung,  dass  nicht  heute  oder  morgen  ein  unfreiwilliges  „Halt“ 
geboten  wird,  sind  sämmtliche  Geologen  in  ihre  Aufnahmsbezirke  abgegangen. 

Auch  die  in  tiefster  Ehrfurcht  an  Se.  k.  k.  Apostolische  Majestät 
unterbreiteten  geologisch  - colorirten  Karten  und  die  Bände  des  Jahrbuches 
wurden  mit  gleicher  Huld  wie  in  den  früheren  Jahren  allergnädigst  ent- 
gegen genommen. 

In  der  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
am  31.  Mai  waren  die  Verhandlungen  des  abgelaufenen  Jahres  gleichfalls  ein 
Gegenstand  der  Berichterstattung  des  Herrn  Generalsecretärs  Dr.  A.  Schrötter 
gewesen,  wohl  aus  einem  Standpunkte,  der  bedeutend  verschieden  ist  von  dem, 
welchen  alle  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt  und  ihre  zahlreichen 
wohlwollenden  Freunde  eingenommen  haben.  Zerstörung  musste  die  Folge  der 
Vereinigung  des  Ungleichartigen  sein.  Glücklich  ist  nun  durch  die  Aller- 
höchste Entschliessung  vom  16.  Mai  die  Periode  der  Ungewissheit  glänzend 
abgeschlossen  worden  , wie  uns  dies  der  anregende  Erlass  Sr.  Excellenz  des 
Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritter  v.  Schmerling  vom  17.  Mai  verkündete.  Es 
umsehliesst  uns  jetzt  nur  noch  „ein  gemeinsam  es  Band“ , „das  befestigt 
ohne  zu  hemmen“,  wie  dies  S e.  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste 
Herr  Curator  der  k.  Akademie  Erzherzog  Rainer,  eben  in  jener  feierlichen 
Sitzung,  so  tief  aus  dem  Lehen  gegriffen,  als  eines  unserer  schönsten  Ziele 
bezeichnete,  zur  Förderung  wahrer  Wissenschaft  unter  der  Wallung  unseres 
Aller  gnädigsten  Kaisers  und  Herrn,  für  unser  schönes,  grosses,  geliebtes 
Vaterland,  freie  Stellung,  ungehemmte  Bewegung  zugleich,  und  innige  Verbindung 
zum  grossen  Ganzen. 

Wohl  darf  ich  im  Namen  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt,  wie  in 
meinem  eigenen,  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Bitter  v.  Hauer,  meine  hohe  Aner- 
kennung aussprechen  für  seine  geschichtstreue  und  wohlwollende  Darstellung 
zugleich  in  seiner  Festrede  in  jener  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  „die  Geologie  und  ihre  Pflege  in  Oesterreich“. 
Sie  wird  von  vielen  innig  befreundeten  Fachgenossen  im  In-  und  Auslande  mit 
grösster  Theilnahme  aufgenommen  werden,  ebenso  wie  dies  von  Seiten  der 
zahlreichen  glänzenden  Versammlung  selbst  an  jenem  Tage  der  Fall  gewesen  ist. 

Den  Mitgliedern  und  Freunden  der  neu  gekräftigten  Anstalt  war  es  ein 
Bedürfniss  bei  einem  gemeinsamen  Mahle  ihre  Empfindungen  auszusprechen,  das 
am  1.  Mai  stattfand  und  bei  dem  mir  der  Ruf  zum  Vorsitze  eine  neue  Pflicht  des 
Dankes  auflegfe,  den  ich  neuerdings  hier  darzubringen  wage. 

Mit  dem  Ausdrucke  ehrfurchtsvollsten,  innigsten  Dankes  unserem  Aller- 
gnädigsten  Kaiser  und  Herrn  schmückte  ich  am  4.  Juni  in  feierlicher  Ver- 


72 


Verhandlungen. 


[2] 


Sammlung  sämmtlicher  in  Wien  anwesenden  Mitglieder  und  der  Dienerschaft  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  mit  dem  Allergnädigst  verliehenen  k.  k.  Sil- 
bernen Verdienstkreuze  mit  der  Krone  die  treue  Brust  des  Cabinets-Dieners  Joseph 
Richter,  nach  vierzigjährigem  ausgezeichnetem  Dienste. 

An  demselben  Tage  fand  die  letzte  der  Sitzungen  der  k.  k.  geographischen 
Gesellschaft  in  dem  Saale  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  statt.  Von  ihrem 
Wiederzusammentritt  im  October  an  werden  die  nächsten  Sitzungen  bereits  in 
dem  k.  k.  Akademie- Gebäude  abgehalten,  wo  die  Gesellschaft  auf  das  wohl- 
wollendste von  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  aufgenommen  ist.  Die 
Gesellschaft  war  in  den  Bedürfnissen,  in  den  Beziehungen  der  k.  k.  geologischen 
Beichsanstalt  mit  dem  befreundeten  Inlande  und  Auslande  gebildet;  mir  war  die 
Ehre  der  ersten  Präsidentschaft  zu  Theil  geworden,  die  später  erst  ihren  ver- 
mehrten Glanz  durch  die  ausgezeichneten  Persönlichkeiten  erhielt,  welche  sie 
nach  einander  erfüllten,  die  Herren  Fürst  Hugo  zu  Salm,  Freiherren  v.  Czörnig 
und  v.  Hietzinger,  Graf  Leo  Thun.  Heute  vereinigt  die  k.  k.  geographische 
Gesellschaft  als  ein  frei  gebildeter  wissenschaftlicher  Mittelpunkt  zu  freiwilliger 
Arbeit  eine  grosse  Zahl  mächtiger,  wohlwollender  Theilnehmer,  welchen  ein 
Vereinigungspunkt  in  der  innern  Stadt  ein  wahres  Bedürfniss  geworden  ist.  Wir 
bleiben  ihr  stets  in  mannigfaltigen  Beziehungen  freundlich  verbändet,  namentlich 
in  diesem  Augenblicke  durch  ihren  hochverdienten  Seeretär,  Herrn  k.  k.  Bergrath 
Foetterle,  der  seihst  ein  Mitglied  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ist. 

Kam  auch  das  Heft  des  Jahrbuches  und  mit  demselben  der  Band  für  1860 
nicht  vollständig  zur  Herausgabe,  so  ist  es  doch  wieder  im  Drucke  weiter  vor- 
geschritten, und  namentlich  der  Druck  der  classischen  „Studien  in  den  ungari- 
schen und  siebenbürgischen  Trachytgebirgen“  von  Freiherrn  v.  Richthofen 
beendet.  Eine  Anzahl  von  neuen  abgeschlossenen  Arbeiten  ist  wieder  vor  der 
Abreise  der  Herren  Geologen  in  meine  Hand  gelegt  worden,  von  Herrn  k.  k. 
Bergrath  M.  V.  Lipoid  die  Abhandlung:  Über  des  Herrn  J.  Barrande  „Co- 
lonien“  in  der  Silurformation  Böhmens,  und  die  zweite  Abtheilung:  Über  das 
Steinkohlengebiet  nordwestlich  von  Prag;  von  Herrn  Job.  Joköly  1.  Gliederung 
und  Lagerungsverhältnisse  des  Bothliegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner 
Kreises  in  Böhmen  und  2.  Das  Riesengebirge  in  Böhmen;  von  Freiherrn  F.  v. 
Andrian  Aufnahmen  im  Kaurimer  und  Taborer  Kreis;  von  Herrn  Dionys  Stur 
der  Bericht  über  die  geologischen  Sommer-Aufnahmen  des  Jahres  1860  im  süd- 
westlichen Siebenbürgen;  von  Herrn  Dr.  G.  Stäche  !.  „Geologische  Studien  im 
nordwestlichen  Siebenbürgen“  und  2.  Die  Eocengebiete  von  Inner- Krain  und 
Istrien.  Fortsetzung  und  Schluss;  von  Herrn  H.  Wolf  1.  Die  barometrischen 
Höhenbestimmungen  durch  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  im  Jahre  1860, 
und  2.  Das  Körös-  und  Maros -Thal  in  Ungarn,  geologisch  aufgenommen  im 
Sommer  1860. 

Die  in  der  Schluss-Sitzung  am  30.  April  bezeichneten  Arbeiten  der  geolo- 
gischen Landesaufnahme  sind  nun  sämmtlich  in  Angriff  genommen  und  theilweise 
darüber  Berichte  empfangen  worden.  Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  (Sect.  I.) 
hatte  die  erste  Zeit  eine  Ergänzung  früherer  Arbeiten  durchzuführen,  die  Auf- 
nahme nach  den  neu  erkannten  Schichtenfolgen  der  silurischen  Bildungen  süd- 
westlich von  Rokitzan,  namentlich  die  Umgebungen  von  Hollaubkau  und  Dobriw. 
Sie  trennten  sich  in  die  Aufeinanderfolge  der  Pribramer,  der  Krussnahoraer, 
derKomorauer  und  der  Brda-Schichten.  Den  Komorauer  Schichten  gehört  das 
Linsen-Eisenstein-Lager  von  Ausky  bei  Hollaubkau  an.  Mandelsteine  kommen  hier 
nicht  vor  wie  in  der  östlichen  Fortsetzung,  dagegen  häutige  und  sehr  lehrreiche 
Porphyr  - Durchbrüche,  oft  mit  bedeutenden  Störungen,  und  mehr  an  den 


Bericht  vom  30.  Juni.  W.  Haidinger. 


73 


[3] 


Abhängen  der  Berge  als  aufKuppen  erscheinend.  Freiherr  v.  Andrian  berichtet 
aus  dem  auf  Pläner- Mergel  belegenen  Chrudim,  welche  Gebirgsart  dort  weit  ver- 
breitet und  in  einzelnen  Punkten  und  längeren  Zügen  aufgeschlossen  ist.  Gegen 
Pardubitz  zu  die  Ebene  und  die  mächtigen  Lössbedeckungen,  oft  feinere  thon- 
artige  Bänke  mit  mächtigen  Schotterbänken  wechselnd.  Südwestlich  von  Chrudim 
das  Liegende  des  Pläner-Mergels,  nämlich  Pläner-Sandstein,  bei  Hermanmestec, 
Rozhowic,  Stolan,  überall  am  Rande  der  Kreideformation,  die  sich  mit  bedeu- 
tenden Krümmungen  über  Lhota,  Janowitz,  Morasitz  legt.  Die  Aufgabe  dieser 
Sect.  I bilden  die  beiden  Blätter  der  k.  k.  General-Quartiermeisterstabs -Karte, 
No.  15  Umgebungen  von  Königgrätz  und  No.  21  Umgebungen  von  Chrudim 
und  Czaslau. 

Herr  Job.  Jokely  (Sect.  II),  schon  im  Beginne  seiner  Arbeiten  wohl- 
wollendst aufgenommon  von  einem  hochverehrten  Gönner,  Sr.  Durchl.  dem  Prinzen 
Wilhelm  von  S cha um  b u r g- L i p p e in  Ratiborzitz,  setzte  seine  Aufnahmen  fort 
in  dem  südlichen  und  östlichen  Theile  des  Blattes  No.  9,  Umgebungen  von  Jicin 
und  Hohenelbe,  ferner  des  Blattes  No.  10,  Umgebungen  von  Braunau,  und 
berichtet  über  die  Lagerungsverhältnisse  des  Pläners,  Quadermergels  und  Quader- 
sandsteines der  Umgebungen  von  Jaromer  und  Josephstadt,  Königinhof,  Horitz, 
Mlasowitz  und  Kopidlno,  und  die  Durchschnitte  bis  hinab  in  das  Rothliegende. 

Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  in  der  III.  Section  ist,  in  Begleitung  der 
Herren  D.  Stur  und  H.  Wolf,  für  Uebersichtsaufnahmen  Kroatien,  Slavonien 
und  die  begleitende  Militärgrenze  zwischen  den  Flüssen  Drau  und  Save  über- 
gehen. Wir  sind  der  Vermittelung  des  k.  k.  militärisch-geographischen  Institutes 
und  der  k.  k.  Generaldirection  des  Grundsteuerkatasters  für  die  Karten  zu  unsern 
Aufnahmen  zu  grösstem  Danke  verpflichtet,  namentlich  der  Grenz-Regiments- 
Karten  in  den  Verhältnissen  von  2000°,  1600°  und  1000°  auf  Einen  Zoll,  oder 
1 : 144  000,  1 : 100-500  und  1 : 72-000  der  Natur. 

Die  IV.  Section  der  Aufnahmen  hat  zur  Uebersieht  das  grössere  Gebiet  des 
südwestlichen  Ungarn,  unter  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  als 
Chefgeologen,  nebst  den  Herren  Dr.  G.  Stäche,  F.  Stoliczka  und  Karl  M. 
Paul.  Sie  haben  ihre  Arbeiten  aus  den  Anfangspunkten  Raab,  Martinsberg  und 
Dotis  gemeinschaftlich  begonnen  in  dem  Tertiärlande,  die  Congerienschichten, 
die  Cerithienschiehten,  das  Eocene  umfassend  bis  zu  den  den  Vertes-Gebirgs- 
Abhängen  vorliegenden,  Versteinerungen  führenden  Kalkschichten,  mit  Terebra- 
teln, Crinoiden,  Ammoniten  und  Orthoceren.  Wohlwollendst  waren  die  Freunde 
in  Raab  von  Seiner  Hochwürden,  dem  Herrn  Prof.  Florian  Römer  aufgenommen 
und  unterstützt  worden,  welcher  selbst  mit  grossem  Erfolge  in  Raab  ein  ansehn- 
liches naturhistorisches  Museum  gebildet  hatte.  Erstere  beide  gehen  nun  über 
Moor  nach  Stuhlweissenhurg  und  sodann  gegen  Ofen  zu,  Herr  Stoliczka  in 
der  westlichen  Richtung  gegen  Oedenburg.  Als  freiwilliger  Theilnehmer  an  den 
Arbeiten  des  diesjährigen  Sommers  schliesst  sich  Herr  Paul  an,  durch  unsern 
hochverehrten  Freund  Herrn  Prof.  Suess  eben  so  wie. Herr  Stoliczka  den 
Interessen  geologischer  Wissenschaft  gewonnen,  und  bereits  durch  gediegene 
selbstständige  Arbeiten  bewährt. 

Die  Zeit  der  Vorbereitungen  benützend,  hatte  Herr  H.  Wolf  der  Einladung 
unseres  hochverehrten  Freundes  Directors  Dr.  Hörnes  gefolgt,  und  erstattet 
Bericht  über  Fortschritte  der  Ausbeutung  von  Localitäten  von  Tertiärfossilien, 
welche  bei  früheren  Veranlassungen  begonnen  waren,  aber  nun  reiche  Ergeb- 
nisse darboten,  namentlich  der  von  Rausnitz,  von  dem  verewigten  Poppelack 
aufgefunden,  Losca  bei  Ruditz,  von  Herrn  Wolf  im  verflossenen  Jahre  zuerst 
bezeichnet.  Herrn  Berg-  und  Hüttenverwalter  Eduard  Mahler  in  Adamsthal  ver- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  k 


74 


Verhandlungen. 


[4] 


dankt  man  einen  Sehurfschacht  durch  Diluvial-Lehin  mit  Bärenknochen  (4°  4')  und 
Tegel  (3° 4'),  als  einen  wahren  wissenschaftlichen  Aufschlussbau,  zum  Studium 
der  Aufeinanderfolge  der  Faunen  in  den  Absätzen  des  Wiener  Beckens.  Zahl- 
reiche Foraminiferen  haltende  Tegelstücke  erwarten  nun  ihre  fernere  Bearbei- 
tung. Auch  in  der  Umgegend  von  Boskowitz,  Suditz,  Knihnitz  und  Jaromierzitz 
wurden  Fossilreste,  hier  unter  freundlicher  Führung  des  Herrn  Bergverwalters 
Martin  Jezek  gewonnen,  der  auch  sonst  Werthvolles,  wie  mehrere  schöne 
Stücke  Walchowit,  mittheilte.  Herr  Dr.  Wankel  in  Blansko,  der  das  schöne 
Ursus  spelaeus-Ske\ei  aufstellte,  welches  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als 
werthvolles  Geschenk  Seiner  Durchlaucht  dem  Herrn  Fürsten  Hugo  zu  Salm 
verdankt,  ist  neuerdings  mit  der  Zusammenstellung  eines  ähnlichen  Skeletes 
beschäftigt,  das  für  das  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinet  bestimmt  ist.  Es  ist  in  auf- 
rechter Stellung  genommen,  ähnlich  jenem  des  Mylodon  robustus  in  London,  und 
hat  eine  Höhe  von  10  Fuss.  Die  von  Wolf  entdeckte  und  nun  neu  besuchte 
Fundstelle  von  Petrefacten  der  untern  Devongrupppe  gab  gleichfalls  eine  werth- 
volle Ausbeute. 

Ein  fortwährendes  Bedürfniss  ist  lebhaft  in  der  Befriedigung  durch  die  Pro- 
ben von  Steinkohlen  und  Braunkohlen  auf  ihre  Heizkraft.  Fragen  und  Muster 
lagen  im  Laufe  dieses  Monats  viele  vor,  von  Behörden  sowohl  als  von  Privaten. 
Unter  den  ersteren  vornehmlich  des  k.  k.  Kriegsministeriums  und  des  k.  k.  Marine- 
Obercommando.  Immer  dringlicher  wird  die  Frage  der  Benützung  inländischer 
Kohlensorten  für  die  Dampfschifffahrt.  Aber  die  in  grösserer  Nähe  des  Meeres 
liegenden  sind  theils  geringer  in  Qualität,  theils  geringer  in  Ausdehnung  der 
Flötze.  Alles  deutet  auf  den  wünschenswerthen  Aufschluss  der  reichen  Fünf- 
kirchner Steinkohlengegend  durch  erleichterte  Verbindungen  mit  einem  Hafen 
des  adriatischen  Meeres,  wie  dies  so  schlagend  in  der  Broschüre  „Betrachtungen 
eines  See-Officiers  über  die  Verbindung  der  Donau  mit  dem  adriatischen  Meere“ 
hervorleuchtet,  etwa  in  der  beantragten  Linie  von  Fiume,  Agram,  VerÖcze. 

Unter  den  Einsendungen  an  Mineralien  verdienen  wohl  die  merkwürdigen 
grünlichgrauen  Chrysolith -Krystalle,  welche  der  Einsender,  Herr  Lehramts- 
candidat  Joseph  Sapetza,  bei  Hofzendorf,  unweit  Neutitschein,  entdeckte,  die 
grösste  Aufmerksamkeit  und  fernere  Studien.  Sie  sind  eingewachsen  bis  zur 
Grösse  eines  halben  Zolles  in  der  Länge,  eines  Viertelzolles  in  der  Dicke  in  einer 
basalt-  oder  grünsteinartigen  Grundmasse,  matt,  unscheinbar.  Bei  Freiberg  kommt 
das  Gestein  mit  Chrysolith  in  einem  frischeren  Zustande  vor.  Merkwürdig  auch 
körniger  Kalkstein  pseudomorph  nach  grossen  Aragonkrystallen , mit  Grünerde 
aus  dem  Grünstein  von  Kojetein.  Ferner  eine  Anzahl  von  Fossilresten  aus  den 
Stramberger  Kalkschichten  u.  s.  w.  Herr  August  v.  Makaj  in  Grosswardein, 
Bergwerksunternehmer,  sandte  Braunkohlenmuster  mit  eingeschlossenen  deut- 
lichen Holzkohlenbruchstücken,  wie  sie  namentlich  in  der  Nähe  von  Franzensbad 
in  Böhmen  aufgefunden  wurden,  von  Kardo,  südlich  von  Grosswardein,  aus  den 
dort  wohl  16  Meilen  gegen  Süden  zu  und  10  bis  12  Meilen  von  Ost  nach  West 
verbreiteten,  doch  wenig  mächtigen  Flötzen,  grösstentheils  von  Lignit. 

Noch  möchte  es  mir  gestattet  sein  zu  erwähnen,  dass  ich  aus  den  ein- 
geleiteten Verbindungen  manche  anziehende  Nachricht  auch  in  den  Sitzungen  der 
Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  mittheilen  konnte,  wie  die  Vorlage  des 
schönen  Geschenkes  meines  hochverehrten  Freundes,  Herrn  königl.  preuss.  Ober- 
Berghauptmannes  Dr.  H.  v.  Dechen  in  Bonn,  der  zwölf  neuen  Sectionen  der  von 
ihm  in  dem  Maasse  von  1111  Klaftern  auf  1 Zoll  (1 : 80.000  der  Natur)  heraus- 
gegebenen geologischen  Karten  der  Rheinprovinz  und  Westphalens. 


[1] 


Bericht  vom  31.  Juli.  W.  Haidinger. 


75 


Bericht  vom  31.  Juli  1861. 

Unvergänglich  wird  uns  in  der  Erinnerung  in  der  Geschichte  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  der  1Ö.  Juli  feierlich  fortleben,  an  welchem  Seine  kaiser- 
liche Hoheit,  der  durchlauchtigste  Herr  Erzherzog  Rainer  gnädigst  geruhten 
unsere  Sammlungen  zu  besichtigen,  huldreichst  Einsicht  zu  nehmen  in  die  Arbei- 
ten der  Anstalt.  Es  war  mir  beschieden  Höchstdenselben  durch  die  Säle  und 
Arbeitsräume  zu  geleiten.  Von  Mitgliedern  der  Anstalt  waren  Herr  Karl  Ritter 
v.  Hauer  und  A.  Senoner  gegenwärtig.  Da  die  Herren  Geologen  bereits 
sämmtlich  in  ihre  Aufnahmsbezirke  abgegangen  waren , so  hatte  unser  hochver- 
dienter langjähriger  Arbeitsgenosse  Herr  Director  Hörne s auf  meine  Einladung 
sich  gleichfalls  angeschlossen,  und  auch  Herr  Prof.  Peters,  nach  seinem  in 
unserem  Sitzungssaale  abgehaltenen  Vortrage  ebenfalls  einige  Nachweisungen 
zu  geben  Veranlassung  gefunden.  Wir  sind  dem  hohen  Freunde,  Verehrer  und 
Kenner  der  Wissenschaften,  Höchstdessen  erste  huldreiche  Theilnahme  uns  noch 
aus  den  Räumen  des  Montanistischen  Museums  unvergesslich  ist,  für  Sein  gnä- 
digstes Wohlwollen,  für  Seine  huldreichen  Worte  zu  dem  innigsten  treuesten 
Danke  verpflichtet,  in  diesem  Fortleben  anregendster  Theilnahme  des  durch- 
lauchtigsten Kaiserhauses  an  unserem  wissenschaftlichen  Fortschritte,  wie  er  uns 
in  früheren  Tagen  durch  Seine  kaiserliche  Hoheit  den  durchlauchtigsten  Herrn 
Erzherzog  Stephan,  und  früher  noch  in  der  ganzen  Periode  unserer  Wirk- 
samkeit durch  unseren  edlen  grossen  Erzherzog  Johann  zu  Theil  ward,  den 
wir  wohl  im  engsten  Sinne  des  Wortes  als  einen  Fach-  und  Arbeitsgenossen 
verehren. 

Rasch  und  voll  von  Erfolgen  schreiten  nun  unsere  Arbeiten  der  Landes- 
Aufnahme  vor,  sowohl  in  den  nördlichen  mehr  in  das  Einzelne  gehenden,  als  in 
den  südlicheren  Uebersichts-Aufnahmen. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  (Sect.  I)  berichtet  aus  Kolin  über  die  nun  für 
den  ganzen  westlichen  Abschnitt  der  silurischen  Schichten  durchgeführte  Son- 
derung in  die  einzelnen  Absätze,  wie  sie  das  Studium  der  östlicheren  Gegenden 
an  die  Hand  gegeben  hatte.  Anschliessend  an  die  in  dem  Juniberichte  erwähnten 
Gegenden  südwestlich  von  Rokitzan,  wurden  nun  die  weiter  östlich  liegenden  ver- 
folgt nach  Mauth,  Cerhowic,  Horowic,  und  dannwie  der  die  Gegend  von  Zebrak 
und  Beraun.  Der  praktische  Werth  der  nun  vorliegenden  geologisch -colorirten 
Karten  ist  durch  diese  genauere  Untersuchung  bedeutend  erhöht  worden,  indem  es 
gelang,  die  durch  ihre  reiche  Eisensteinführung  so  wichtige  Zone  der  Komorauer 
Schichten  (Barr and e’s  Etage  d1)  von  deren  Liegendem  den  Krusnahora- 
Sehichten  (D),  und  dem  Hangenden,  den  Brda- Schichten  (d2)  vollständig  zu 
trennen,  und  in  den  Karten  ersichtlich  zu  machen.  Wohlwollendst  unterstützt 
fand  sich  Herr  Bergrath  Lipoid  durch  die  zahlreichen  montanistischen  Fach- 
genossen der  Umgegend,  nebst  vielen  anderen,  namentlich  auch  den  Herren 
k.  k.  Bergmeistern  Fr.  Czerny  in  Wossek,  A.  Auer  in  St.  Benigna  und  J.  Gross 
zu  Krusnahora,  dem  Herrn  fürstlich  Fürstenberg’schen  Bergrath  Anton  Mayer 
zu  Neu-Joachimsthal  und  andern.  Porphyre  westlich  von  Mauth  und  Zbirow, 
Grünsteine  östlich  bringen  vielfache  Störungen  hervor,  und  tragen  viel  dazu  bei, 
die  Eisensteinlager  an  den  Tag  zu  bringen. 

Weiter  im  Osten,  in  unserem  eigentlichen  diesjährigen  Aufnahmsgebiete 
der  zweiten  Section,  den  Blättern  Neubidschow  No.  XV  und  Chrudim  No.  XXI, 
fanden  die  gemeinschaftlichen  Untersuchungen  der  Herren  Lipoid  und  Freiherr 

k* 


76 


Verhandlungen. 


[2] 

v.  Andrian  an  den  Grenzen  statt,  um  die  Bestimmungen  dort  in  genauen 
Zusammenhang  zu  bringen.  Dort  reicht,  schon  auf  Freiherrn  v.  Andriau's  süd- 
lichem Blatte  die  südliche  Grenze  des  Quader  über  Choltitz  nach  Hermanmestec 
und  Skworad,  südlich  von  Chrudim.  Dann  schliesst  sich  Thonsehiefer  an  in 
bedeutender  Entwickelung,  zum  Theil  mit  mächtigen  Quarzit-Einlagerungen,  als 
ganze  Berge,  aber  auch  von  Kalkstein,  bei  Podo!,  Prachowitz,  noch  zu  wenig 
Gegenstand  der  Benützung,  auch  etwas  Eisenstein.  Dann  südlicher  noch  Granit, 
endlich  Gneiss  in  den  einförmigen  Hochplateaux  bei  Bassaberg  und  Ses,  in  viel- 
fachen Varietäten  und  Verbindungen.  Merkwürdig  ist  an  der  Bauen-Mühle  im 
Chrudimka-Thale  ein  Granit,  der  so  grosse  Schollen  in  so  grosser  Anzahl  von 
schiefrigen  Gesteinen  enthält,  dass  er  als  ein  wahres  Granit-Thonschiefer  - Con- 
glomerat  bezeichnet  werden  kann. 

Herr  Johann  Jokely  (Sect.  II)  schloss  die  Aufnahme  des  Blattes  No.  IX, 
Umgebungen  von  Jicin  und  Hohenelbe  mit  den  südlichen  und  östlichen  Gegenden 
von  Kopidlno,  Hofitz,  Jaromierz  und  Josephstadt,  Arnau,  Trautenau  und  Schatz- 
lar. In  der  Mitte  Rothliegendes  in  grösster  Ausdehnung  und  südlich  noch  Quader- 
sandstein, dagegen  im  nördlichen  Theile  bei  Schatzlar  die  eigentliche  Steiu- 
kohlenformation.  Von  dem  Rothliegenden  sind  es  besonders  die  Arcosensandsteine 
und  Conglomerate  der  mittleren  Etage,  wie  bei  Pecka,  Falgendorf.  Wichtig  ist 
das  Steinkohlengebirge  von  Schatzlar,  westlich  an  den  Urthonschiefer  des  „Reh- 
horngebirges“ angelehnt,  östlich  und  südlich  von  den  untern  Rothliegendsehich- 
ten  begrenzt,  und  von  denselben  scharf  getrennt,  was  namentlich  auch  sich  in 
der  Art  des  Auftretens  von  Porphyr-  und  Melaphyrmassen  zeigt,  welche  die 
Steinkohlensandsteine,  nicht  aber  die  Arcosen  durchsetzen. 

Die  Steinkohlen  liegen  in  drei  Zügen  mit  wenig  Schieferthon  in  Sandstein, 
der  Haupt-Flötzzug  hat  10  Flötze,  darunter  fünf,  40  bis  90  Zoll  mächtig  abbau- 
würdig, der  Liegend  - Flötzzug,  11  Flötze  von  20  bis  76  Zoll  Mächtigkeit, 
sämmtlich  mit  Ausnahme  von  Einem  abbauwürdig,  der  Hangend-Flötzzug  wenig 
aufgeschlossen.  Der  Liegend-FIötzzug  desto  reicher  an  Sphärosiderit,  als  das 
Gebirge  sich  dem  Urgebirge,  namentlich  Bober  zu  nähert.  Ferner  berichtet  Herr 
Jokely  noch  über  das  Quadersandstein  - Gebiet  von  Adersbach,  mit  seinen 
wundervollen  grotesken  Formen,  und  über  das  Rothliegende  von  Radowenz.  Aus 
Veranlassung  des  ersteren,  der  dort  sehr  gründlich  für  Studien  entblösst  ist,  dringt 
Jokely  darauf,  doch  ja  den  Ausdruck  „Pläner,  Plänermergel“  nicht  dadurch 
mit  den  „Quader,  Quadersandstein,  Quadermergel“  in  Verwirrung  zu  bringen, 
dass  man  von  „cenomanem  Pläner“  spreche,  welches  nicht  weniger  unrichtig  ist, 
als  wenn  man  von  „eocenem  Leithakalk“  sprechen  wollte.  Die  Fundstätte  der 
fossilen  Araucaritenstämme  von  Radowenz,  über  welche  Herr  Professor  Göppert 
Nachricht  gegeben,  gehört  nach  Jokely  unzweifelhaft  dem  mittleren  Rothlie- 
genden, dem  Arcosensandsteine  an.  Er  ist  abweichend  auf  einen  hervorragenden 
Grat  von  Steinkohlensandstein  aufgelagert,  von  dem  er  durch  die  sandig-thonigen 
Schiefer  des  untern  Rothliegenden  getrennt  wird.  Diese  Nachweisung  zeigt,  dass 
oberflächlich  das  Steinkohlengebirge  von  Schatzlar  von  dem  von  Schwadowitz 
getrennt  ist,  aber  wohl  nur  durch  diese  überlagernden  neueren  Schichten,  was 
für  künftige  bergmännische  Unternehmungen  allerdings  sehr  wichtig  ist. 

Höchst  anziehend  und  reichhaltig  gibt  Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von 
Hauer  (Sect.  IV)  Nachrichten  über  das  Vertes-Gebirg  und  den  Bakonyer  Wald. 
Er  selbst  und  die  Herren  Dr.  Stäche  und  K.  M.  Paul  bearbeiten  diese  Gegen- 
den gemeinschaftlich.  Von  der  grössten  Wichtigkeit  ist  dabei  die  genaue  Kennt- 
niss  und  Erfahrung  bei  dem  Wiedererkennen  so  mancher  aus  früheren  Unter- 
suchungen wohlbekannter  Gesteine,  welche  sich  hier  vielfach  vereinzelt  und 


Bericht  vom  31.  Juli.  W.  Haidinger. 


77 


[3] 


unterbrochen  wiederfinden.  Esino  - Dolomit  und  Dachsteinkalk-  und  Dolomit 
bilden  die  Hauptmasse  des  von  Nordost  nach  Südwest  streichenden  reich  bewal- 
deten Vertes-Gebirges.  Sehr  deutliche  Exemplare  der  Dachstein-Bivalve  am 
Csokaberg  östlich  von  Moor  und  bei  Unter-Galla.  Vielfach  angelagert  Eocenes  in 
Ost  und  West,  2 bis  3 Zoll  grosse  Exemplare  von  Nummulina  complancda  in 
zahlloser  Menge  bei  Galla,  riesige  Austern.  Merkwürdig  eine  bei  einer  Grabung 
entdeckte  Eocen-Mulde  mitten  im  Esino-Dolomit  auf  dem  Hotler  der  Puszta  Forma, 
südwestlich  von  Csäkvär,  mit  Rostellaria  corvina,  Ceritliium  calcaratum  u.  s.  w. 
mit  so  wohl  erhaltener  Schale,  wie  die  Tertiärfossilien  des  Pariser  oder  Wiener 
Beckens,  zu  deren  Ausbeutung  freundlichst  Herr  Deaky  in  Csäkvär  behilflich 
war.  Kreide  und  Jura  gleichfalls  vertreten,  und  besonders  erstere  voll  von 
Fossilresten. 

Die  etwa  h Meilen  lange,  2 Meilen  breite  Inselpruppe  von  krystallinischen 
und  Eruptivgesteinen,  bis  zu  183  Klafter  Höhe,  des  Meleghegy,  östlich  von  Stuhl- 
weissenburg  nördlich  von  Velencze,  bietet  eine  ganz  eigenthümliche  Unter- 
brechung mitten  in  dem  Meere  der  secundären  und  neueren  Ablagerungen.  Herr 
Dr.  Ziper  in  Neusohl  gab  die  erste  Nachricht  darüber.  Sie  ist  seitdem  genauer 
von  den  Herren  Julius  v.  Koväts  und  J.  Jokely  untersucht.  Auch  südwestlich 
von  Stuhlweissenburg  noch  der  Särhegy  bei  Szabad  - Battyän  geschichteter 
krystallinisch-körniger  Kalkstein.  Diese  krystallinischen  Höhen  bilden  deutlich 
die  Hebungsaxe  für  das  Vertes-Bakonyer  Gebirge. 

Herr  Bergrath  v.  Hauer  hatte  auch  mit  den  hochverehrten  Freunden  Julius 
v.  Koväts,  Szabö  und  andern  in  Pesth  sich  besprochen,  und  ihre  in  der  letz- 
ten Zeit  fleissig  durchgeführten  wichtigen  Aufsammlungen  erkundet.  Von  Herrn 
Prof.  Szabö  selbst  kamen  uns  gleichfalls  anregende  Berichte  vermehrter  wis- 
senschaftlicher Thätigkeit  zu,  namentlich  durch  die  königl.  ungar.  Akademie  der 
Wissenschaften,  deren  Referent  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften  er  ist 
und  welche  in  neuester  Zeit  den  Herren  v.  Handtken,  v.  Koväts,  Szabö, 
Nendtvich  zu  geologisch -physikalischen  Untersuchungen  in  der  Gegend  von 
Dotis-Ofen,  den  Biliarer  Höhlen,  den  Donauthal-Alluvien  und  dem  Banater  Cul- 
turboden  die  Mittel  gewährte. 

Während  der  letzten  Zeit  war  die  Aufnahme  des  Bakonyer  Waldgebirges 
bis  zu  der  Linie  Vörös-Bereny  (am  Plattensee),  Veszprim,  Zircz,  Fenyöfö  vor- 
gerückt, unter  den  anregendsten  Verhältnissen  freundlich  wohlwollender  Auf- 
nahme und  Unterstützung,  vornehmlich  in  der  reichen  Gastfreundschaft  der  hoch- 
würdigen Herren  Aebte  A.  E.  Rezutsek  in  Zircz  und  Dr.  Nikolaus  Särkäny 
in  Bakonybel,  den  Herren  Prior  Dr.  Bula  in  Zircz,  Prior  Weber  in  Bakonybel, 
Pfarrer  Pint  er  in  Oszlop  und  Hodoly  in  Lokut.  Ohne  diese  vortheilhafte  Lage 
war  es  unmöglich  in  der  kurzen  Zeit  so  viele  einzelne  Untersuchungen  in  den 
sehr  complicirten  geologischen  Verhältnissen  des  Landes  durchzuführen  und 
solche  reiche  Aufsammlungen  der  so  charakteristisch  und  zahlreich  einbrechen- 
den Fossilreste  einzuleiten.  Für  letztere  hatte  die  Aufmerksamkeit  des  Herrn 
k.  k.  Hofrathes  Ritter  v.  Schwaben  au,  während  seines  Sitzes  in  Oedenburg, 
sehr  günstig  vorgearbeitet.  Trias,  Dachsteinkalk,  Kreide,  Eocenes  und  dann  noch 
der  Löss,  die  Hauptbedingung  der  Fruchtbarkeit  des  Landes,  haben  die  stärkste 
Verbreitung.  Werfener  Schiefer  mit  Naticella  costata  und  Myophorien  und  Ver- 
rucano bei  Vörös-Bereny  und  Felsö-  und  Alsö-Eörs,  Esino-Dolomit  mit  Spuren 
von  Chemnitzien  bei  Csäk-Bereny,  Dachsteinkalk  mit  Megalodus  triqueter  bei 
Ratot  und  Epleny.  Die  Kreide  bietet  hohes  Interesse  in  ihrer  Entwickelung  und 
Reichhaltigkeit  an  Fossilresten,  in  einem  untern  festeren  klippenbildenden  Grunde 
mit  zahllosen  Rudisten,  namentlich  einer  Caprotina  und  einem  Radioliten,  höher 


78 


Verhandlungen. 


[*] 

mit  Nerineen,  Ostreen  u.  s.  w.t  und  einer  hohorn  mergelartigen  Abtheilung,  wie 
bei  Nana,  östlich  von  Zircz,  mit  zahlreichen  Cephalopoden,  Echinodermen,  in  der 
obersten  endlich  mit  den  schönen  Turriliten,  wie  sie  uns  namentlich  durch  Herrn 
Hofrath  v.  Sch waben au  bekannt  geworden  sind.  Reich  entwickelt  ist  auch 
das  Eocene  in  der  Niederung  von  Kozma,  Ganth,  Csäk-Bereny,  Dudar,  Oszlop, 
Csesznek , Fenyöfö.  Grosse  Suiten  von  Petrefacten  wurden  überall  gesammelt. 
Lias-  und  Juraschichten  nur  ganz  einzeln.  Miocene  Congerientegel  östlich  vom 
Plattensee. 

Herr  Ferdinand  Stoliczka,  ebenfalls  Mitglied  der  vierten  Section,  berich- 
tet aus  seinen  auf  dem  rechten,  westlichen  Flügel  nach  Süden  vorrückenden 
Aufnahmen  aus  dem  Lande  zwischen  Güns,  Steinamanger,  Körmend  einerseits 
und  der  Lafnitz,  an  der  Grenze  von  Steiermark  gegen  Hartberg  und  Fürstenfeld. 
Nördlich  im  Westen  und  südwest  von  Güns  die  krystallinischen  Schiefer,  Gneiss, 
Glimmerschiefer,  stellenweise  Thonschiefer,  die  Ausläufer  des  steiermärkischen 
Alpenzuges,  Quarzknollen  häufig,  auch  Kalklager,  aber  kein  Serpentin  mehr, 
der  unmittelbar  nördlich  so  sehr  entwickelt  ist.  Südlich  der  Linie  Güns,  Rech- 
nitz, Tazmansdorf  unmittelbar  neuere  Tertiärgebilde,  namentlich  vorwaltend 
Belvedere-Schotter,  bei  Mariadorf  wenig  mächtige  Braunkohlenflötze  in  Tegel. 
Südlich  von  Güssing  mehr  Sand  und  sandiger  Tegel.  Petrefacten  selten,  bei  Ste- 
gersbach und  Rothenthurm,  nordöstlich  von  Fürstenfeld,  Malanopsiden  und  Con- 
gerienschichten,  hier  in  ganzen  Bänken,  aber  vereinzelt.  Einzelne  Punkte  kry- 
stallinischer  Schiefer  nordwestlich  von  Güssing.  Auch  Basaltconglomerat,  wie 
im  Schlossberg  von  Güssing,  zahlreiche  Olivin-  und  Ampbibol-Bomben  in  dem 
Basalttuff  NW.  von  Tobaj,  alles  die  Fortsetzung  der  geologischen  Beschaffenheit 
des  benachbarten  Theiles  von  Steiermark. 

In  der  dritten  Section  begann  Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  seine  Auf- 
nahmen im  nordöstlichen  Theile  von  Croatien,  unmittelbar  südlich  von  der  Drau 
in  dem  Striche  zwischen  Warasdin,  Ludbregh,  Raszin,  hier  von  Herrn  Vicege- 
span  Inkey  v.  Pallin  wohlwollend  aufgenommen  und  erfolgreich  gefördert, 
Kaproncza,  mit  Alluvialbildungen,  dann  Löss,  nebst  den  ansteigenden  jüngeren 
Tertiärbildungen  im  Hügellande.  Hier  auch  stellenweise  Braunkohle  in  wenig 
mächtigen  Flötzen,  bei  Szobotica  etwas  dichter,  bei  Perkos  Lignit.  Hier  auch 
Dreissenen,  Cardien  im  Tegel  der  brackischen  Inzersdorfer  Schichten.  Herr 
Bergrath  Foetterle  berichtet  noch  über  den  auf  Veranlassung  der  venetiani- 
schen  Bergbaugesellschaft  von  ihm  besuchten,  oft  bei  8 Fuss  mächtigen  Bleiglanz 
und  Fahlerz  führenden  Contact-Gang  zwischen  den  Kalkstein-  und  darüber  liegen- 
den dunkeln,  thonigen  Schiefern  der  Gailthaler  Schichten  des  Monte  Cadenis  und 
Avanza,  die  sich  vom  Monte  Peralba  östlich  abzweigen,  westlich  von  Tolmezzo 
in  den  Venetianer  Alpen.  Herr  Dionys  Stur  hatte  den  Weg  über  Agram  genom- 
men, und  schon  dort  war  ihm  und  Herrn  H.  Wolf  der  wohlwollendste  Empfang 
zu  Theil  geworden,  von  Ihren  Excellenzen  dem  Herrn  Banus  Frhr.  v.  Sokcevic 
und  Bischof  Strossmayer  von  Diakovar  sowohl,  als  von  unserem  langjährigen 
wissenschaftlichen  Arbeitsgenossen  Hm.  Obergespan  v.  Farkas-Vukotinovic 
und  Hrn.  Obergespan  Grafen  v.  Jankovic,  dem  uns  ein  freundliches  Schreiben 
meines  wohlwollenden  langjährigen  Gönners  Grafen  August  Breun n er  auf  das 
beste  empfahl,  sowie  auch  Herrn  k.  k.  Oberfinanzrath  v.  Stanisavl jevic.  Es 
wurde  dort  beschlossen,  den  Assistenten  am  Landesmuseum,  Herrn  Eduard 
Wormustiny  gleichzeitig  mit  Herrn  Stur  nach  Slavonien  und  den  östlichen 
Militärgrenzbezirken  zu  senden,  wo  derselbe  seine  Aufnahme  seitdem  mit  der 
Hauptstation  Novszka  in  der  Gradiscaner  Grenze  begann,  und  über  die  Gegend 
bis  östlich  nach  Petrovoselo  berichtet.  Zwei  Gebirgskerne  stehen  nördlich  an; 


Belicht  vom  21.  Juli.  W.  Haidinger* 


79 


ß] 


der  westlichere,  der  Rogoljer-Psunj,  ist  krystail inisch , Glimmerschiefer  und 
Amphibolschiefer;  der  östlichere  Kern,  das  Tissovacer  Gebirge,  bestellt  bis  auf 
den  Kamm  am  Maksimov  hrast  aus  einem  Conglomerat,  das  leicht  in  loses  Gerolle 
zerfällt,  in  dem  man  krystallinische  Gesteine,  aber  auch  rothen  Marmor  und  Sand- 
stein erkennt,  dessen  Alter  jedoch  noch  nicht  vollständig  zu  bestimmen  war,  da 
Fossilreste  gänzlich  fehlten.  Auf  diese  folgen  sogleich  Tertiärgebilde,  entsprechend 
den  marinen  Schichten  des  Wiener  Beckens,  hierauf  ein  Mergel,  mit  Pflanzen-  und 
Inseetenresten  (im  Thale  von  Raic),  wohl  analog  jenem  von  Radoboj  und  Sused, 
endlich  Congerien-  oder  Belvedere-Schichten,  dabei  auch  ein  Süsswasserkalk,  ähn- 
lich dem  des  Friedhofes  und  der  Ziegelei  von  Moosbrunn.  In  dem  Mergel  die  Quellen 
des  Bergöls.  Ganz  im  Süden  an  der  Save  diluvialer  Lehm,  Schotterund  Alluvien. 

Herr  H.  Wolf  hatte  seine  Aufnahmen  von  der  Drau  her  bis  auf  den  Parallel 
von  Belovär  in  der  k.  k.  Militärgrenze  des  Warasdiner  St.  Georger  Regimentes 
begonnen.  Im  Westen  reicht  noch  das  Kalniker  Gebirg  in  das  Gebiet  des  Kreutzer 
Regiments  herein,  graue,  splitterige,  steil  aufgerichtete  Kalke,  Sandsteine  und 
ein  eruptives  Gestein,  anscheinend  Griinsteintrachyt,  aber  wie  die  unmittelbar 
anliegenden  nur  durch  Untersuchung  der  ganzen  westlicher  anliegenden  Gebirgs- 
insel  bestimmbar.  Hierauf  in  der  Aufeinanderfolge  des  Rekagebirges  südlich  von 
Kopreinitz  und  des  Bilagebirges  östlich  von  Belovär,  bis  zu  den  westlich  und  nörd- 
lich von  Poschega  höher  aufsteigenden  Gebirgsinseln,  liegt  eine  Bodenerhöhung, 
Wasserscheide  zwischen  Drau  und  Save,  welche  keine  grössere  Höhe  als  700 
bis  900  Fuss  erreicht  und  deren  Axe  nicht  aus  krystallinischen  oder  doch  secun- 
dären  Gesteinen,  sondern  lediglich  aus  neutertiären  besteht,  aus  Congerien- 
schichten,  Belvedere -Schotter  und  Löss,  letzterer  nach  NO.  und  SW.  immer 
mächtiger,  endlich  herrschend.  In  der  Thalsohle  Thaliöss  und  stellenweise  Flug- 
sand in  Hügeln  bis  zu  30  Fuss  Höhe.  Höchst  wirksame  und  hoffnungsvolle  Mineral- 
wasserquellen beiApatovec  und  Kapella.  Von  Wien  aus  vorbereitet,  durch  Se.  Exc. 
den  Ban  Freiherrn  v.  Sokcevic  nachdrücklichst  unterstützt,  war  die  Stellung 
unseres  Herrn  Seetionsgeologen  eine  höchst  günstige,  wohlwollendst  aufgenom- 
men von  den  Herren  k.  k.  Oberst!,  und  Ritter  Joseph  Mitteser  v.  Dervent, 
und  k.  k.  Major  und  Ritter  Joseph  Ha  11a,  freundliehst  auf  einer  der  Excursionen 
begleitet  von  Herrn  k.  k.  Lieutenant  Anton  Waberer,  und  bis  in  die  Erleichte- 
rung von  jeder  Beihilfe  auf  das  Zuvorkommendste  gefördert. 

So  sind  denn  überall  unsere  Aufnahms-Arbeiten  hoffnungsvoll  eröffnet. 

Aus  den  Arbeiten  im  chemischen  Laboratorium,  in  welchem  die  Kohlen- 
und  Erzproben  stehende  Artikel  blieben,  erwähne  ich  noch  des  von  uns  abgege- 
benen Berichtes  an  die  k.  k.  Landesbehörde  in  Kärnthen,  über  die  Wasserproben 
von  der  Katharina-Heilquelle  zu  Kleinkirchheim,  die  in  zwei  Strömen,  einer  von 
88  Maass  in  der  Minute  und  der  Temperatur  von  19°  R.,  der  andere  mit  9 Maass 
und  der  Temperatur  von  17 y^0  R.  unter  den  dortigen  Kapellen  und  Kirchen  ent- 
springt, sowie  der  Quelle  von  St.  Leonhard,  ebenfalls  unter  einer  Kirche,  an 
einem  hochgelegenen  Bergrücken,  in  ziemlicher  Menge,  mit  nur  3°  R.  Es  sind 
dies,  besonders  das  letztere,  höchst  reine  Wasser  mit  nahezu  unmerklichen 
Spuren  von  Schwefelsäure,  Chlor,  Kalk  und  Magnesia,  die  nicht  eigentlich  unter 
die  „Mineralwasser“  gezählt  werden  können,  währenddem  sie  allerdings  ganz 
günstige  Erfolge  in  Bezug  auf  Heilkräfte  gerade  wegen  ihrer  grossen  Reinheit 
besitzen  können. 

Herr  k.  k.  Ingenieur-Assistent  Hermann  Schmidt  in  Liezen  sendet  Ver- 
zeichnisse von  Höhenmessungen  aus  Ober-Steiermark,  Yon  Weisskirchen  nach  der 
Stubalpe , über  den  Semmering,  und  von  Kapfenberg  über  den  Seeberg  und 
Brandhof  bis  zur  Grenze  von  Oesterreich  nach  ausgeführten  Nivellements. 


80 


Verhandlungen. 


[6] 


Hen*  Pfarrer  Maryska  in  Liebstadt  bei  Lomnilz  bei  Jicin  schenkte  eine  An- 
zahl Fossilreste  Janira  aequicostata  Sow.  von  St.  Pangratz  bei  Gabel,  und 
anderes  , vorzüglich  ein  merkwürdiges  Amethystquarz-Gangstück  mit  braunem 
Glaskopf  von  Ruppersdorf  nördlich  von  Reichenberg.  Rer  Glaskopf  in  einzelnen 
Nieren  von  ungewöhnlicher  Grösse,  deren  Durchschnitte  3 Zoll  hoch,  5 Zoll 
breit,  offenbar  von  einem  der  dortigen  Rasaltgänge  in  Granitit.  Herr  Jokely 
fand,  dass  gerade  in  der  Fortsetzung  von  Basaltausbrüchen  in  jener  Gegend  die 
mächtigen  Quarzgänge  auftreten,  welche  zum  Theil  für  Strassenmaterial  bear- 
beitet werden. 

Herr  Jos.  Sapetza  sendet  fernere  Exemplare  zur  genaueren  Untersuchung 
des  eigenthümlichen  an  Olivinkrystallen  so  reichen  Gesteins,  das  doch  eigentlich 
den  Basalten  sich  einreibt,  dann  von  der  Pecsawka  Gura  Pseudomorphosen  einer 
wackenartigen  Masse  nach  Analcim  in  den  so  charakteristischen  Formen  des 
Haüy’schen  Analcime  triepointee. 

Von  Herrn  Director  Dr.  Ferdinand  Müller  in  Melbourne,  Australien,  kam 
eine  Kiste  mit  Conehylien  und  Fossilresten  des  Thier-  und  Pflanzenreiches  aus  der 
Gegend  von  Ballaarat,  westlich  von  Melbourne,  Gegenstände  wichtig  für  Verglei- 
chungen mit  unseren  eigenen  Tertiärfossilien. 

Von  hohem  Interesse  ist  uns  die  vorläufige  freundliche  Einsendung  unseres 
hochverehrten  Freundes  Herrn  Th.  Oldham,  Directors  der  geologischen  Landes- 
Aufnahme  von  Indien,  von  34  lithograpbirten  Tafeln  von  Pflanzenfossilien,  von 
Zamites,  Pteropliyllum , Pecopteris , Taeniopteris  u.  s.  w.,  sämmtlich  aus  den 
Rajmahal-Hügeln,  nördlich  von  Calcutta,  welche  so  grosse  Uebereinstimmung  mit 
unseren  Keuperpflanzen  zeigen.  Nach  den  gleichzeitig  erhaltenen  Mittheilungen 
des  Herrn  W.  T.  Blanford,  ebenfalls  von  der  geologischen  Aufnahme  in  Indien, 
ist  durch  die  dortigen  Forschungen  vollkommen  sichergestellt,  dass  diese  Schich- 
ten jüngeren  Absätzen  angeboren,  als  die  eigentlichen  indischen  kohlenführenden 
Schichten  daselbst  sind,  die  Ränigani-  und  Damüda-Schichten,  am  Damüdaflusse, 
nordwestlich  von  Calcutta,  deren  Alter  indessen  doch  noch  nicht  ganz  unzweifel- 
haft bestimmt  werden  konnte,  da  die  Pflanzenreste,  welche  sie  enthalten,  Schizo- 
nema,  Glossopteris , Vertebraria,  selbst  viel  zur  Bestimmung  zu  wünschen  übrig 
lassen. 

Einladungen  zum  Besuche  von  verschiedenen  Versammlungen  waren  ange- 
langt. Ist  es  auch  unerlässlich,  dass  wir  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt wie  bisher  durch  einzelne  Repräsentanten  an  solchen  von  Zeit  zu  Zeit 
Theil  nehmen,  so  gelang  dies  doch  nicht  in  dem  gegenwärtigen  Jahre  in  unseren 
Plan  aufzunehmen.  Es  sind  dies  die  Versammlung  der  schweizerischen  Naturfor- 
scher in  Lausanne  am  20.  August,  die  Jubelfeier  der  Universität  Christiania  am 
2.  September,  die  British  Association  in  Manchester  am  4.  September,  die  36.  der 
deutschen  Naturforscher  und  Ärzte  in  Speyer  am  17.  September,  welchen  allen 
wir  für  specielle  Einladungen  zu  grösstem  Danke  verpflichtet  sind.  Aber  uns 
selbst  stellt  ja  ebenfalls  in  Wien  die  zweite  allgemeine  Versammlung  der  Berg- 
und  Hüttenmänner  bevor,  welche  in  den  uns  zugewiesenen  schönen  Räumen,  wie 
die  erste  am  10.  Mai  18o8,  auch  dieses  Mal  am  23.  September  1861  Statt  finden 
wird.  Während  unsere  Pflicht  es  erheischt,  für  die  grosse  Welt-Ausstellung  in 
London  im  Jahre  1862  eine  Reihe  unserer  geologisch-colorirten  Karten  zur  Ver- 
sendung vorzubereiten,  werden  wir  hier  schon  Gelegenheit  finden,  so  manches 
Werthvolle  unseren  eigenen  theilnehmenden  Landesgenossen  vorzulegen. 


[1] 


Bericht  vom  31.  August.  W.  Haidinger. 


81 


Bericht  vom  31.  August  1861. 

Berichte  über  die  Aufnahmsarbeiten  liegen  aus  allen  Districten  vor  und  lassen 
die  anregendsten  Ergebnisse  erkennen.  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  (Section  I) 
untersuchte  die  Einzelnheiten  des  Gebietes  von  Chlumetz,  Königstadtl  und  Neu- 
Bidschow,  der  Section  XV  der  k.  k.  General-Quartiermeisterstabskarte,  nebst  den 
an  die  Jokely’schen  Aufnahmen  südlich  anschliessenden  Streifen  von  Kopidlno 
und  Smidar,  der  auf  das  Blatt  Jicin  und  Hohenelbe  fällt  und  wodurch  dieses  Blatt 
gänzlich  geschlossen  ist.  Nur  die  Kreideformation  und  zwar  Quadermergel  dieser 
mehr  südlich  und  Plänermergel  dieser  mehr  nördlich  geben  das  flachhügelige 
Grundgebirge , das  stark  coupirt,  nur  wenig  entblösst,  dagegen  häufig  auf  weite 
Strecken  von  Löss  und  Schotter  bedeckt  ist,  Untersuchung  schwierig  und  ermü- 
dend, Fossilreste  nur  an  wenigen  Fundstätten  getroffen.  Ueberlagerung  der  beiden 
Kreideformationsstufen  deutlich  amFusse  des  Ban-Gebirges  südlich  von  Chlumetz. 
Löss  mehr  nördlich,  besonders  auch  bei  Neu-Bidschow,  der  Schotter  dagegen 
mächtig,  besonders  auf  den  Höhen  in  dem  südlichen  Theile  entwickelt,  Fossil- 
reste in  demselben  nicht  aufgefunden,  daher  es  noch  nicht  gelang,'  die  Alters- 
stufe vollständig  festzusetzen,  welche  wahrscheinlich  zwar  das  ältere  Diluvium 
ist,  aber  doch  noch  in  das  Tertiärgebirge  fallen  könnte. 

Freiherr  v.  Andrian  (Section  I)  berichtet  aus  Chotebor  über  seine  an 
Bergrath  Lipold’s  anschliessenden  Aufnahmen  auf  dem  Blatte  XXI  Czaslau  und 
Chrudim  des  General-Quartiermeisterstabes,  namentlich  die  den  krystallinischen 
Gebirgen  angehörigen  Umgebungen  von  Willimow  und  Chotebor.  Uebereinstim- 
mend  mit  den  Ergebnissen  unserer  früheren  Aufnahmen  in  der  westlich  anstos- 
senden  Section  XX  von  Schwarzkosteletz  unterscheidet  Freiherr  v.  Andrian 
den  eruptiven  rothen  Gneiss,  namentlich  gut  charakterisirt  mit  schönen  Aufschluss- 
punkten in  einem  Gebirgszuge  der  Sopoter  Revier  südlich  von  Chotebor.  Hier 
in  grossen  regelmässigen  Platten.  Grauer  primitiver  Gneiss,  häufig  mit  etwas 
Amphibol,  schwierig  zu  trennen  von  dem  weit  häufigem,  wahrscheinlich  meta- 
morphischen  Phyllit-Gneiss  bei  Kohl-Pfibram  und  Willimow.  Serpentin  in  Verbin- 
dung mit  Amphibolgesteinen  bei  Mladotitz  und  Borek.  Quadermergel  wurde  noch 
in  einem  Zuge  von  Jefisno  bis  Studenitz  der  Dobrawa  entlang,  und  in  einzelnen 
Partien  noch  südlicher  bis  Willimow  getroffen. 

In  tief  eingehender  Weise  schildert  Herr  Johann  Jokely  (Section  II)  die 
Vorkommnisse  seines  Aufnahmsgebietes,  die  Umgebungen  von  Schwadowitz, 
Braunau  und  Naehod,  mit  zahlreichen  wichtigen  Durchschnitten,  welche  die  Zu- 
sammensetzung jener  durch  Spaltungen  und  Verwerfungen  vielfach  räthselhaften 
Gegenden  erläutern.  Unser  hoher  Gönner,  Prinz  Wilhelm  von  Schaumburg- 
Lippe,  ein  wahrer  Fachmann  in  unsern  wissenschaftlichen  Forschungen,  hatte 
auch  in  dieser  Zeit  wieder  wohlwollend  und  fördernd  eingevvirkt,  auf  vielen  Ex- 
cursionen  die  Mühen  unseres  Freundes  Jokely  theilend.  Wir  sind  ihm  für  diese 
erhebende  Anregung  zu  dem  innigsten  Danke  verpflichtet.  Wichtig  ist  vor  Allem 
auch  gegen  Schwadowitz,  Radowenz  und  Hronow  zu  die  Feststellung,  dass,  was 
bisher  unrichtig  als  dem  Steinkohlengebirge  angehörig  gedeutet  worden  war, 
unzweifelhaft  den  untern  Schichten  des  Rothiiegenden  und  der  Arcose  angehört. 
Sie  bildet  den  Zug  vom  Johannisberg  bei  Teichwasser  als  ein  scharf  gezeichneter, 
gegen  2%  Meilen  langer  Bergkamm,  mit  seiner  grössten  Höhe,  dem  Hexenstein, 
380  Klafter  östlich  von  Markausch  bis  nach  Hronow.  Vom  Hexenstein  fällt  das 
Rothiiegende  nordöstlich  gegen  Radowenz  ab,  hier  treten  im  Thale  die  eigent- 
lichen Steinkohlen-Gebirgsschichten  mit  gleichem  Fallen  zu  Tage,  durch  eine  ver- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  1 


82 


Verhandlungen. 


[2] 

ticale  Spalte  begrenzt  und  gehoben,  so  dass  das  Rothliegende  scheinbar  unter 
dieselben  sich  erstreckt.  Aber  es  ist  dies  nur  Täuschung  und  gegen  Nordost 
liegt  dann  wieder  gleichmässig  die  Arcose  auf.  Herr  Jokely  gibt  eine  lichtvolle 
Darstellung  über  die  Verhältnisse  der  Ste’inkohlenlagerzüge,  welche  deutlich  in 
drei  Abtheilungen  zerfallen:  1.  der  liegende  Zug  (oder  stehende  wegen  der 
steileren  Schichtenstellung  von  50 — 70°  in  NO.)  mit  12  Kohlenflötzen  von 
6 — 90  Zoll  Mächtigkeit,  entspricht  dem  Liegendflötzzug  von  Schatzlar; 
2.  der  mittlere  (oder  flachfallende,  15  bis  45°  in  NO.),  9 Flötze  von 
12  bis  50  Zoll  Mächtigkeit,  entspricht  dem  Schatzlarer  Hauptflötzzug;  3.  der 
hangende  (Radowenzer,  Quallischer,  30  bis  35°  fallen  in  NO.)  mit  6 bekannten 
FlÖtzen  von  6 bis  50  Zoll  Mächtigkeit.  Alle  von  Herrn  Prof.  Göppert  aus  der 
hiesigen  Umgegend  beschriebenen  fossilen  Araucarienstämme  gehören  der  mitt- 
leren Stufe  des  Rothliegenden  an.  Nur  der  Stamm  von  Straschkowitz , schon  in 
seinem  Ansehen  abweichend,  lag  im  Steinkohlengebirge  der  Umgegend  von 
Braunau,  wo  ein  hochverehrter  Gönner,  Herr  Prälat  Rotte r , unsern  Jokely 
wohlwollendst  aufnahm.  Rothliegendes,  die  mittlere  Stufe  herrschend,  vielfach 
bedeckt  von  Diluvien,  ist  westlich  begrenzt  durch  einen  scharf  gezeichneten 
Hügelzug,  aus  den  drei  Gliedern  der  cenomanen  Quaderformation  bestehend,  dem 
oberen  Quader,  Quadermergel,  unteren  Quader.  An  der  Ostseite  besteht  die  süd- 
östlich verlaufende  Bergkette,  östlich  aus  Porphyr,  westlich  zwischen  Ottendorf 
und  Johannesberg  zum  Theil  aus  Melaphyr,  mandelsteinartig,  krystallinisch,  dicht. 
Wirkliche  Arcosen  bei  Strassenau,  dem  wichtigsten  Punkte  für  die  Bestimmung 
der  Altersfolge  der  Schichten.  Auch  hier  vielfache  Schichtenstörungen.  Merk- 
würdig im  Rothliegenden,  Mergeleinlagerungen,  in  zwei  Zügen,  einem  liegenden 
bei  Ottendorf  u.  s.  w.,  einem  hangenden  bei  Hauptmannsdorf  u.  s.  w. , vielfach 
in  gebranntem  Zustande  als  Düngemittel  verwendet,  ln  der  Umgegend  von 
Nachod  lehnt  sich  an  die  krystallinisehen  Schiefer  des  Mende-Gebirges  am  linken 
Ufer  der  Mettau  wohl  charakterisirtes  Conglomerat  der  untern  Rothliegendstufe, 
wie  bei  Klein-Poric  und  Nieder-Radechow,  dann  wirkliche  Arcosen,  auf  welche 
dann  die  höheren  Schichten  folgen.  Sodann  Quader  und  Quadermergel  in  grosser 
Ausdehnung  über  Skalitz  und  Ratiboritz,  als  unmittelbare  Fortsetzung  der  Quader- 
formation von  Jaromer  und  Königinhof. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  (Sect.  III)  hatte  über  seine  Aufnahmen  im 
nordwestlichen  Croatien,  zwischen  der  Save  und  der  Drau,  von  der  steiermär- 
kischen Grenze  bis  zu  der  von  Agram  naehWarasdin  führenden  Strasse  berichtet. 
Es  enthält  mehrere  einzelne  Gebirgszüge,  die  sich  rasch  über  das  umliegende 
Tertiär-  und  Diluvial-Hügelland  erheben.  So  das  Agramer  Gebirge,  eine 
durch  den  Einschnitt  des  Savethaies  getrennte  Fortsetzung  des  Uskoken- Ge- 
birges von  Sused  beginnend,  mit  dem  nahe  3000  Fuss  hohen  Berge  Sleme,  nord- 
westlich von  Agram  sich  erstreckend,  bis  es  wieder  bei  Lipa  plötzlich  abfällt, 
wo  dann  bei  Gotalovec  das  Iv  aiisic a- Gebirge  beginnt,  das  sich  westlich  gegen 
Krapina  hinzieht.  Den  Kern  des  Agramer  Gebirges  bilden  dioritische  Schiefer 
und  Sandsteine  mit  Quarzeinlagerungen  den  Grauwacken  zugezählt.  Ferner 
erscheinen  die  Gailthaler  Schichten  in  glänzenden  Thonschiefern  und  Kalkein- 
lagerungen, die  groben  Conglomerate  der  Werfener  Schichten. 

Im  südlichen  Theile  gegen  Sused  Dolomit,  versteinerungsleer,  aber  nach 
der  Analogie  des  Uskoken-Gebirges  den  Hallstätter  Schichten  beizuzählen.  Alles 
umgeben  von  Leithakalk  mit  zahlreichen  Fossilresten,  übereinstimmend  mit  jenen 
des  Wiener  Beckens.  Hierauf  mächtig  entwickelt  Inzersdorfer  Schichten  mit 
Cardien,  Congerien,  Melanopsiden.  Als  ein  Ausläufer  der  steiermärkischen 
Orlitza  und  Roschza  liegt  eine  kleine  höhere  Gebirgspartie  bei  Klaujec  vor,  Do- 


Bericht  vom  31.  August.  W.  Haidinger. 


83 


[3] 


lomit  des  Hallstätter  Kalkes,  eine  ähnliche  bei  Mihovljan.  Der  Haupt-Gebirgszug 
von  der  steiermärkischen  Grenze  beginnend,  reicht  von  Windisch-Landsberg 
über  Pongrada  durch  die  Ivansica  bis  in  das  Kalniker-Gebirge,  durch  tiefe  Sättel 
in  mehreren  Abtheilungen  erscheinend,  der  Welki  Ziep  bei  2800  Fuss,  die 
Ivansica  an  3400  Fuss  hoch.  Dolomite,  bei  Ivanec  die  Durchschnitte  von  Mega - 
lodus  triqueter  gefunden,  des  Dachsteinkalkes,  dann  grüne  und  rothe  Schiefer 
mit  Petrefacten  der  Werfener  Schichten  wie  bei  Pregrada.  Alles  umsäumt  von 
Leithakalk,  darunter  wahre  Nulüporenkalke  mit  Pecten , Pectunculus , Ostreen 
und  Korallen.  Bei  Radoboj  die  bekannten,  vielerforschten  Reste  von  Pflanzen, 
Insecten,  Fischen.  Endlich  folgen  die  Inzersdorfer  Schichten  in  grosser  Flächen- 
ausdehnung. Im  Norden  des  Gebirgszuges  Porphyr  mit  zahlreichen  Tuffmassen. 
Noch  ein  kleiner  abgesondeter  Gebirgszug  von  Werfener  Schichten  und  Dolo- 
miten bei  Trakostjan  undVoca,  der  sich  von  dem  steiermärkischen  Matzeigebirge 
abtrennt.  Bei  Ivanec  bedeutende  Lignitlager.  Auch  Galmei.  Wichtig  die  Mineral- 
wasser, wie  das  vielbesuchte  Krapina-Teplitz.  Viele  Erleichterung  in  der  Unter- 
suchung durch  die  früheren  Arbeiten  der  Herren  v.  Morlot  und  v.  Zollikofer 
für  den  steiermärkischen  geologischen  Verein,  so  wie  dankbarste  Anerkennung 
der  wohlwollenden  Aufnahme  und  Förderung  durch  unseren  hochverehrten 
Gönner  v.  Vukotinovic  und  die  Herren  k.  k.  Major  M.  Sabljar  zu  Goliak  bei 
Sused,  k.  k.  Werksverwalter  J.  Schnitzel  und  k.  k.  Werkscontrolor  K.  Kacz- 
w insky  in  Radoboj. 

Herr  D.  Stur  berichtet  über  die  Struetur  des  Pozeganer  Tertiärkessels, 
der  von  Lehm,  den  Congerienschichten  angehörig,  erfüllt  ist,  auch  bei  Velika 
ein  Lignitflötz  enthält.  An  den  Rändern  des  Kessels  ältere  neogene  Schichten. 
Dahin  wohl  die  braunkohlenführenden  Schiefer  und  Mergel  bei  Kutjevo  und  Gra- 
distje,  auf  Trachyt  und  TrachyttufF  gelagert,  wahrscheinlich  Cerithienschichten.  * 
Dahin  auch  die  weissen  weit  gegen  Cernik  verbreiteten  Mergel.  Auch  Leithakalk 
bei  Pozeg.  Höchst  merkwürdig  in  dem  Gebirge  südlich  von  Pozeg,  dessen  Nord- 
abhang das  Conglomerat  des  Tissovacer  Gebirges  enthält,  bei  Sevci  ein  mäch- 
tiges Lager  einer  sehr  guten,  nicht  zerfallenden  Schwarzkohle.  Doch  gelang  es 
selbst  in  der  unmittelbaren  Nähe  derselben  nicht,  eine  Spur  eines  Fossilrestes 
aufzufinden,  daher  die  Altersbestimmung  noch  zweifelhaft  ist. 

Nach  Herrn  H.  Wolf’s  Untersuchungen  liegen  uns  die  Berichte  aus  der 
Warasdiner,  Kreuzer  und  St.  Georger  Grenze  vor,  südlich  von  Beiovar.  An  der 
Südwest-Grenze  das  Moslaviner  Gebirg,  welches  für  den  Theil  in  der  Grenze 
den  Namen  des  Goric-Gebirges  führt,  eine  Gebirgsinsel,  in  ihrem  Kamme  bis 
1800  Fuss  hoch,  aus  Granit,  Gneiss,  Glimmerschiefer  bestehend,  und  rings  von 
Tertiärem  umgeben.  An  tiefen  Stellen  bei  Kris,  Szamaric^a,  Leithakalk,  weiter 
östlich  Congerienschichten,  dann  Lehm.  Unter  diesem  bei  Szamaricza  und  Pa- 
bienik  mächtige  Geschiebelager  krystallinischer  Gesteine,  darunter  Blöcke  von 
mehreren  Kubikklaftern  Inhalt,  vollständig  entkantet,  höchst  wahrscheinlich 
Gletscher-Diluvium.  Das  Bielagebirge  aus  Congerienschichten  bestehend,  nur 
oft  von  Löss  bedeckt,  zieht  sich  östlich  gegen  Daruvar,  letztere  vorwaltend,  auch 
Flugsandhügei.  Zwischen  Casma,  Kris  und  Kloster  Ivonic  der  an  600  Fuss 
hohe  Marcawald  unter  einer  mächtigen  Lössdecke  ebenfalls  Congerienschichten. 
Überall  freundliche  Unterstützung.  Namentlich  begleitete  Herr  k.  k.  Lieutenant 
Moriz  Chalaupka  Herrn  Wolf  mehrere  Tage  in  seinen  Expeditionen,  um  die 
Aufnahmen  in  den  unwirklichen  Gegenden  des  Goric-Gebirges  mit  geringeren 
Entbehrungen  durchführen  zu  können. 

Immer  lebhafter  stellt  sich  aus  den  Berichten  des  Herrn  k.  k.  Bergrathes 
Franz  Ritter  v.  Hauer  (Sect.  IV)  das  hohe  Interesse  heraus,  das  sich  an  den 

1* 


84 


Verhandlungen. 


m 

ßakonyer  Wald  und  die  Fortsetzung  gegen  die  westliche  Umgegend  des  Platten- 
sees anknüpft,  in  der  grossen  Mannigfaltigkeit  und  Abwechslung  der  Gesteine 
sowohl  als  des  stellenweisen  Reichthüms  der  Schichten  an  Fossilresten.  Vieles 
aus  der  Umgegend  von  Zircz  ist  bereits  eingelangt.  „Die  ausserordentliche  Man- 
nigfaltigkeit der  Gesteine,  mit  welchen  wir  es  zu  thun  hatten“,  sagt  Herr  v. 
Hauer,  „und  die  merkwürdigen  Erscheinungen  die  sich  uns  allerorts  darboten, 
machten  die  Aufgabe  zu  einer  der  interessantesten  und  lohnendsten,  die  uns  je 
zu  Theil  ward“.  * Es  bezieht  sich  dies  auf  die  Umgebungen  von  Bakonybel, 
Herend,  Urkut,  Nagy-Vazsony  und  Füred.  Werfener  Schichten,  meist  Sandstein 
herrschen  am  Nordwestufer  des  Plattensees  vor  und  tauchen  wieder  unter  den 
umgebenden  Guttensteiner  Schichten  östlich  von  Nagy-Vazsony  auf,  hier  nebst 
den  gewöhnlichen  Petrefacten  noch  mit  von  Herrn  Paul  aufgefundenen  Ophiuren- 
ähnlichen  Resten.  Guttensteiner  Schichten  breiten  sich  gegen  Südost  immer 
mehr  aus.  Herr  Julius  v.  Koväts  hatte  bei  Nagy-Vazsony  den  Ceratites  bino- 
dosus  Hau.  entdeckt,  der  auch  jetzt  mehrfach  gesammelt  wurde.  Ferner  stark 
vertreten  Esino -Dolomit  wie  der  Csepel-hegy,  dagegen  wenig  Dachsteinkalk, 
wie  am  Gyöngyösberg  (Veszprim  NW.)  und  nördlich  vom  Gipfel  des  Köröshegy 
(Bakonybel  N.)  mit  Bivalven. 

Lias  und  Jura  ausgedehnte  Massen  zwischen  Zircz  und  dem  Somhegy  bei 
Bakonybel.  Viel  gesammelt,  Petrefacten  theilweise  noch  zu  bestimmen.  Kreide- 
schichten, Caprotinenkalke  und  Turriliten  - Mergel  mächtig  entwickelt  südlich 
von  Bakonybel.  Ganz  neu  Hippuritenkalke  mit  den  Gosauhippuriten  und  mit  Ca- 
prinen  am  Nordrand  des  ganzen  Gebirges  von  Koppäny,  Homok-Bödöge  und 
Tevel  (Bakonybel  NW.).  Bedeutend  ausgedehnt  die  Nummulitenschichten  bei  Arda- 
Puszta  u.  s.  w.,  besonders  Urkut  reich  an  Conoclypus  conoideus,  Schizaster , Echi- 
nolampas  u.  s.  w.  Süsswasserkalk  reich  vertreten,  wohl  miocen.  Auch  echte  Ceri- 
thienschichten  zwischen  Zanka  und  Akali  am  Plattensee.  Hier  auch  die  zahlrei- 
chen Basaltberge  , von  dem  mehr  als  eine  Quadratmeile  umfassenden,  sanft  an- 
steigenden Kabhegy  (Nagy-Vazsony  N.)  beginnend.  Devecser  war  als  Versamm- 
lungspunkt bestimmt  für  die  bisher  getrennten  Theilnehmer  der  IV.  Section, 
Franz  v.  Hauer,  Dr.  Stäche  und  Paul  östlich,  und  dem  während  dieser  Zeit 
westlich  thätigen  F.  Stoliczka.  Gemeinschaftlich  wurden  nun  die  Gegenden 
von  Somlyo-Vasarhely,  Tapolcza,  Köves  Kallya  aufgenommen.  Höchst  anziehend 
ist  der  von  Herrn  Prof.  Ritter  v.  Zepharovich  nordöstlich  von  Köves  Kallya 
entdeckte  echte  Muschelkalk,  wie  er  ihn  mit  Bestimmungen  von  Herrn  Prof.  Suess 
in  den  Akademie- Sitzungsberichten  beschrieb.  Esinodolomite  noch  mächtig  ent- 
wickelt, dann  Leithakalk,  Cerithienschichten,  Congerienschichten,  die  sehr  spe- 
cielle  Aufnahmen  verlegen.  Bei  Varos  Löd,  auch  bei  Ajka  Rendek  hohle  Geschiebe 
wie  bei  Lauretta  im  Leithagebirge.  Dann  die  zahlreichen  Basalte , schon  von 
Beudant  sehr  sorgfältig  studirt  und  verzeichnet,  die  breiten  Massen  des  Somlyo- 
hegy.  St.  György-hegy,  Badacson,  dann  die  steil  kegelförmigen  des  Szigliget,  des 
Gulacs,  des  Hegyesd  u.  s.  w.  Auch  einige  neue  wurden  aufgefunden. 

Herr  F.  Stoliczka  hatte  einstweilen  das  sanft  wellenförmige  Hügelland 
der  Umgegend  von  Könnend  und  das  Land  zwischen  Raab  und  Marczal  durch- 
genommen, im  Belvedere-Schotter  westlich  und  Sand  östlich  seltene  Spuren  von 
Unionen  und  Dreissenen.  Darum  so  höchst  anregend  die  reiche  Fundstätte  von 
Säugethierresten  bei  Baltavär,  westlich  von  Türgye,  die  häufigsten  Hippothe- 
rium  gracile  und  ein  Wiederkäuer  von  der  Grösse  eines  Rehes.  Meist  Pflanzen- 
fresser, selten  Raubthierreste.  Unter  freundlicher  Beihilfe  der  Herren  Frenz 
und  Brunner  gelang  es  zahlreiche  Aufsammlungen  einzuleiten.  Wichtig  der 
Basaltherg  Säg  mitten  in  der  Ebene  zwischen  Miske  und  Kis-Czell.  Wenig  an- 


Bericht  vom  31.  August.  W.  Haidinger. 


85 


[5] 

regend  durch  Mannigfaltigkeit  ist  auch  das  von  Herrn  Stoliczka  in  der  zwei- 
ten Periode  durchwanderte  Land  von  Szala  Apathi,  Gross-Kapornak,  Szt.  Gröth, 
Szt.  Egerszeg  bis  Szt.  Lövö.  Nichts  als  tertiäre  und  Diluvialgebilde , der  grösste 
Theil  Sand  und  Sandstein,  gewiss  meistens  den  Inzersdorfer  Schichten  ange- 
hörig, der  Sandstein  an  mehreren  Orten  als  Baustein  gewonnen,  wie  bei  Szt.  Mar- 
ton,  Voczkond  (Szalaber  SW.).  Bei  Szala  Apathi  eine  Schichte,  fast  blos  aus 
Paludina  concinna,  der  grossen  Art  von  Moosbrunn  bestehend.  Bei  Istvand 
(Szalaber  W.)  Melanopsis  Boue'i  und  vieles  Andere,  zum  Theil  neu.  Viel  Löss, 
fast  nie  ohne  Succinea  oblonga,  Helix  ruderata , Pupa  muscorum. 

Sehr  schön  schliessen  sich  diese  Aufnahmen  an  zu  einem  grossen  Ganzen 
mit  den  Ergebnissen  der  südwestlich  thätigen  Mitglieder  unserer  dritten  Auf- 
nahmssection  in  Croatien,  Slavonien  und  der  Grenze. 

Auf  Veranlassung  der  k.  k.  Berg-,  Salinen-,  Forst-  und  Güterdirection  in 
Marmarosch-Szigeth  wurde  von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  im  Laboratorium 
die  vorläufige  chemische  Untersuchung  des  berühmten  Suliguli-Säuerlings  vor- 
genommen. Er  entspringt  mitten  im  Walde , entfernt  von  den  umgebenden  Ort- 
schaften in  dem  obern  Theile  der  Marmarosch,  unweit  Vissö.  Der  Suliguli  ist  ein 
ungemein  kräftiger  Natron -Säuerling  mit  einem  geringen  Gehalte  an  kohlen- 
saurem Eisenoxydul.  Die  Menge  der  freien  Kohlensäure  in  den  Flaschen  beträgt 
nahe  40  Kubikzoll  im  Pfunde,  daher  lebhaftes  Moussiren  beim  Eröffnen,  welches 
lange  anhält.  An  der  Quelle  ist  der  Gehalt  an  Kohlensäure  wahrscheinlich  noch 
höher.  Die  Gesammtmenge  der  fixen  Bestandtheile  ist  4*924  in  1000  Theilen 
oder  37*8  Gran  im  Pfunde,  kohlensaures  Natron  und  Kochsalz  überwiegend;  Kie- 
selerde, Magnesia,  Kalk  in  geringer  Menge,  fast  gäuzlicher  Mangel  an  schwefel- 
sauren Salzen  wichtig.  Gewiss  würde  diese  reiche  Quelle  mit  dem  grössten  Vor- 
theile in  den  Handel  gebracht  werden , wo  so  viele  weit  minder  ausgezeichnete 
den  ausgebreitetsten  Absjatz  finden. 

Herr  Karl  Ritter  v.  Hauer  hatte  in  der  Sitzung  am  30.  April  Bericht  über 
seine  Untersuchung  der  reichen  eisenhaltigen  Quelle  von  Mauer,  im  Besitze  von 
Frau  Ernestine  Giacomozzi,  erstattet.  Es  ist  seitdem  unter  dem  Beifall  der 
k.  k.  n.  ö.  Statthalterei  und  der  medicinischen  Facultät  an  der  k.  k.  Universität 
eine  eigentliche  Curanstalt  daselbst  gegründet  worden,  die  unternehmende  Be- 
sitzerin liess  viele  Verbesserungen  vornehmen,  die  „Stahlquelle“  wird  nun  in 
ein  Marmorbecken  gefasst  und  mit  einem  geräumigen  Pavillon  überdeckt.  Wohn- 
gebäude, Wannen-  und  Vollbäder  sind  eingerichtet,  so  dass  wir  ganz  in  unserer 
Nähe  eine  wichtige  Curanstalt  ins  Leben  treten  sehen , gegründet  auf  die 
genaue  chemische  Kenntniss  der  daselbst  in  früherer  Zeit  weniger  sorgsam 
beachteten  Hauptquelle.  Bereits  in  dem  gegenwärtigen  Sommer  wird  sie  unter 
der  ärztlichen  Leitung  von  Herrn  Dr.  Joachim  Kohn  viel  und  erfolgreich  benützt. 

Zinkproben  im  Laboratorium  ausgeführt  bezogen  sich  auf  reiche  Erze, 
welche  Herr  k.  k.  Bergmeister  Ferdinand  Schott  von  Jaworzno  einsandte, 
deren  Metallgehalt  45*9,  46*7  und  46*4  Procent  zeigte. 

Herr  Schott  hatte  nämlich  eine  höchst  wichtige  Abhandlung:  Notizen  über 
geognostisch -bergmännische  Verhältnisse  im  Krakauer  Gebiete  und  das  Galmei- 
vorkommen von  Dlugoszyn  eingesendet.  Es  ist  dies  eine  ganz  in  das  Einzelne 
gehende  Darstellung  namentlich  der  wichtigen  Steinkohlenablagerung  von  Jaworzno 
in  ihrem  natürlichen  Anschlüsse  an  die  oberschlesischen  Verhältnisse,  besonders 
auch  belegt  mit  einer  ausführlichen  Karte  in  dem  Maasse  von  1600  Klafter  = 
1 Zoll  oder  1 : 115.200.  Die  eigentliche  Kohlenmulde  kann  auf  3 Meilen  in  der 
Länge  von  der  preussischen  Grenze  bis  Siersza,  auf  2*4  Meilen  in  der  Breite  von 
der  russischen  Grenze  bis  Zarki  veranschlagt  worden.  Bereits  sind  durch  Berg- 


86 


Verhandlungen. 


[6] 

bau-Aufschluss  22  übereinanderliegende  Flötze  von  3 bis  24  Fuss  Mächtigkeit 
bekannt,  bei  Jaworzno  13  Flötze  mit  zusammen  über  100  Fuss  Mächtigkeit. 
Merkwürdiger  Weise  ist  der  grösste  Theil  des  Inlandes  für  den  Absatz  der 
Jaworznoer  Kohle  durch  die  hohen  Frachtsätze  der  Eisenbahnen,  welche  theils 
überhaupt  gestiegen  sind,  theils  ungleich  ihre  Gunst  vertheilen,  verschlossen. 
Dagegen  wäre  bei  den  so  hoffnungsvollen  Anbrüchen  von  Galmei  für  die  Kohle 
in  der  Umgebung  selbst  sehr  grosser  Bedarf,  der  indessen  von  einem  lebhafteren 
Aufschwünge  der  Zink-Industrie  selbst  bedingt  wird. 

Von  Herrn  K.  S.  Bergrath  A.  Breithaupt  erhielten  wir  als  freundliches 
Geschenk  eine  von  ihm  neu  aufgefundene  und  benannte  Feldspath-Species,  den 
Paradoxit,  der  bei  Euba,  zwischen  Oederan  und  Chemnitz  im  Rothliegenden  vor- 
kommt und  zwar  in  Gesellschaft  von  blauem  Flussspath  und  Quarz  in  Gangform, 
und  in  diesem , wenn  auch  nicht  frei  erkennbar,  doch  mit  dem  Sichertroge  aus-  ' 
gewaschen , deutlich  Zinnstein.  Auch  über  die  bei  Ditro  in  Siebenbürgen  vor- 
kommenden Mineralspecies,  von  welchen  ich  in  der  Sitzung  am  28.  Mai  d.  J. 
Nachricht  gegeben,  sandte  derselbe  seine  Mittheilung  aus  der  berg-  und  hütten- 
männischen Zeitung,  namentlich  den  schönen  Haiiynfels,  den  ich  gerne  nach  dem 
Namen  des  grossen  Mineralogen  benannt  wünschte,  während  Breithaupt  das 
Synonym  Sodalith  vorzieht.  Er  erkannte  in  dem  Gemenge  namentlich  auch 
Wöhlerit. 

Herr  k.  k.  Generalconsul  in  Hamburg  Freiherr  v.  Merck  sandte  Stücke  des 
Kryoliths  von  Ivikaet  im  Arksutljord  in  Grönland,  ganz  rein  und  mit  einge- 
wachsenen Spatheisensteinkrystallen,  nebst  Nachrichten  über  ein  grosses  Fabriks- 
unternehmen, welches  in  Hamburg  zur  Benützung  dieses  Minerals  neuerlichst 
gegründet  wurde.  Auch  eine  Probe  des  in  neuester  Zeit  so  viel  besprochenen 
Stahl-Sandes  vou  Taranaki  in  Neuseeland. 

Herr  Sapetza  hatte  neuerdings  auf  meine  Veranlassung  mehrere  der  von 
ihm  in  der  Umgegend  von  Neutitschein  aufgefundenen  Gebirgsarten  und  Mineral- 
vorkommen eingesandt,  darunter  namentlich  Stücke  jener  Pseudomorphosen  von 
körnigen  Kalksteinen  nach  Aragon,  aus  einem  Gange  in  Basalt,  an  einem  derselben 
die  ursprüngliche  Grösse  der  Aragonkrystalle  in  der  Länge  10  Zoll,  in  der  Breite 
bis  iy3  Zoll,  und  an  manchen  Stellen  die  ursprünglichen  Seitenkanten  der 
Prismen  noch  vollständig  zu  erkennen. 

Unter  den  vielen  Geschenken  an  Druckgegenständen  darf  ich  eines  nicht 
versäumen  näher  zu  bezeichnen,  und  dem  unternehmenden  kenntnissreichen 
Verfasser  sowohl  meinen  anerkennendsten  Dank  darzubringen,  als  auch  über- 
haupt mich  der  Thatsache  der  Herausgabe  eines  solchen  Werkes  zu  erfreuen 
ein  schönes  Vorbild  auch  für  uns  in  vielfacher  Beziehung.  Es  ist  dies  die  „ Carte 
geologique  souterraine  de  la  ville  de  Paris  publiee  d'  apres  les  ordres  de  Mr. 
le  Baron  G.  E.  H aussmann,  Senat  eur,  prefet  de  la  Seine,  conformement  ä 
la  deliberation  du  Conseil  Municipal  du  8 Novembre  1857  u.  s.  w.,  bearbeitet 
von  Herrn  A.  D e lesse,  Berg-Ingenieur  und  Inspector  der  Steinbrüche  im  Seine- 
Departement  in  zwei  Blättern  zusammen  SO  Zoll  breit,  30  Zoll  hoch,  in  Farben- 
druck, Maassstab  1 : 6.666  der  Natur  (etwa  92*6  Klafter  = 1 Zoll)  Höhen- 
verhältnisse in  den  Durchschnitten  dreifach.  Sämrntliche  Schichten  des  Unter- 
grundes, der  bekanntlich  Absätze  der  Tertiärgebilde  bis  in  den  der  Kreide- 
formation angehörigen  Gault  umfasst,  sind  ausgedrückt,  und  noch  dazu  die 
eigenen  Oberflächenverhältnisse  jeder  der  Schichten  durch  horizontale  Schichten, 
in  Absätzen  von  10  zu  10  Meter  gegeben,  auf  das  Meeresniveau  bezogen.  Es 
erscheint  auf  diese  Art  der  Untergrund  in  grosser  Klarheit. 


m 


87 


Seykotta,  Salzerzeugung  in  Wieliczka. 


Verzeichniss 


des  während  der  österreichischen  kaiserlich -königlichen  Regierungsperiode  in 
der  Wieliczkaer  Saline  erzeugten  Steinsalz-Quantums. 

Von  Herrn  M.  A.  Seykotta , k.  k.  jub.  Salz-Speditions-Verwalter. 


Im 

Jahre 

Erzeugt 

Im 

Jahre 

Erzeugt 

Im 

Jahre 

E r z e u 

gt 

Ctr. 

Pfd. 

Ctr. 

Pfd. 

Ctr. 

pfd. 

1772 

330.961 

33* 

1803 

823.073 

43* 

1834 

884.529 

3* 

1773 

833.886 

36* 

1804 

791.319 

3 

1835 

859.028 

42* 

1774 

528.862 

60 

1805 

1,151.541 

33* 

1836 

807.420 

44* 

1775 

513.397 

49 

1806 

781.406 

94* 

1837 

809.021 

16 

1776 

483.821 

94* 

1807 

1,062.327 

28* 

1838 

831.173 

30 

1777 

611.189 

?* 

1808 

1,202.976 

83* 

1839 

838.243 

87* 

1778 

875.239 

8* 

1809 

1,014.000 

79* 

1840 

890.990 

32* 

1779 

563.849 

95 

1810 

673.332 

90 

1841 

905.900 

44* 

1780 

553.980 

9 

1811 

834.110 

20* 

1842 

981.559 

73* 

1781 

498.911 

81 

1812 

1,074.035 

32* 

1843 

976.188 

56 

1782 

420.169 

74 

1813 

1.049.952. 

96 

1844 

1,015.018 

95 

1783 

249.314 

. 

1814 

902.445 

9 

1845 

945.226 

6* 

1784 

340.316 

37* 

1815 

452.557 

10* 

1846 

948.314 

11 

1785 

381.322 

18 

1816 

549.152 

95* 

1847 

1,002.309 

48 

1786 

423.053 

33 

1817 

577-600 

20* 

1848 

1,071.515 

46 

1787 

601.705 

83 

1818 

893.659 

46* 

1849 

1,101.973 

87 

1788 

670.322 

95 

1819 

699.429 

99* 

1850 

962.480 

48 

1789 

574.879 

39* 

1820 

364.358 

8* 

1851 

941.058 

33 

1790 

478.020 

69* 

1821 

435.780 

97 

1852 

1,126.131 

13 

1791 

545.145 

97* 

1822 

703.328 

81 

1853 

943.918 

43 

1792 

535.641 

50* 

1823 

574.055 

95* 

1854 

952.744 

53| 

1793 

471.301 

61a 

1824 

706.146 

63 

1855 

1,011.032 

15 

1794 

647.838 

63* 

1825 

609.563 

95* 

1856 

1,188.472 

1 

1795 

722.581 

52a 

1826 

487.738 

18 

1857 

1,112.065 

46* 

1796 

701.884 

14" 

1827 

636.204 

76 

1858 

1,011.831 

78 

1797 

680.746 

26i 

1828 

685.282 

18 

1859 

1,039.012 

30* 

1798 

700.857 

98* 

1829 

1,045.588 

46* 

1860 

928.248 

33f 

1799 

667.201 

97 

1830 

826.182 

31* 

1800 

590.712 

42| 

1831 

597.979 

61* 

| 

1801 

824.765 

20* 

1832 

813.442 

92* 

Summe 

67,459.071 

92* 

1802 

767.990 

66| 

1833 

959.276 

35* 

Nach  dem  Verhältnisse  der  erhobenen  Schwere  der  in  dieser  Saline  vor- 
kommenden Salzgattungen  wiegt  ein  Kubikfuss  reinbearbeiteten  Salzes,  u.  z. 


Szybiker  Gattung . . . 

. 121 17/32 

Wiener  Pfunde. 

Grüner  „ 

.123**/,, 

j»  n 

Spiza  „ 

. 124*?/«, 

n n 

Insgesamt.  . 

. 369 16/33 

Wiener  Pfunde. 

Diesemnach  entfällt  der  Durchschnitt  auf  123  Pfund  5J/3  Loth  per  1 Kubik- 
fuss, und  beziffert  die  Klafter  von  216  Fuss  Körpermaass  mit  266  Centner 
4 Pfund  Wiener  Gewicht. 

Das  jenseitige  Verzeichniss  der  während  des  österreichisch  k.  k.  Besitzes 
dieser  Saline,  d.  i.  vom  24.  August  1772  bis  Ende  October  1860  erzeugten 

Steinsalzes  weiset  die  Summe  mit  67,469.071  Ctr.  923/4  Pf. 

wozu  noch  die  Industrie-Salze  kommen,  mit 864.039  „ lö1^  „ 

und  die  ganze  Salzerzeugung  stellen  auf 68,313.111  Ctr.  8 Pf. 


88  Verhandlungen.  [8] 

welches  Gewichts-Quantum  nach  dem  oben  angeführten  Durchschnitt  von  266  Ctr. 
4 Pf.  pr.  Kubikklafter,  den  herausgehobenen  Körperinhalt  auf  die  Körpermaass- 

Summe  bringt  von 256.776° 

Wenn  diese  Saline  im  verhältnissmässigen  Betriebe  nur  von  dem 
Jahre  1001  angefangen  angeführt  und  die  Salzerzeugung  während 
der  kön.  polnischen  Regierung  bis  zum  September  1772  durch 
7713/3  Jahre  mit  einem  den  damaligen  Zeitverhältnissen  angemessenen 
Salzquantum  nur  von  700.000  Ctr.  altes  160pfündiges  Gewicht  ver- 
anschlagt wird,  welches  Gewicht  auf  das  Wiener  verglichen  810.917 
Ctr.  530/33  Pf.  macht,  so  wird  dadurch  ein  jährlicher  Körperinhalt  von 
3.048°  0'  73/10"  beziffert,  welches  in  dem  Zeiträume  nur  von  700  Jah- 
ren einen  Körperinhalt  beleuchtet  mit 2,133.668° 

Der  Genuss  des  Garzensalzes,  welcher  20.000  Fass  oder  100.000 
Ctr.  jährlich  betrug,  dürfte  durch  300  Jahre  stattgefunden  haben, 
macht  30,000.000  Ctr.  in  altem  160pfündigen,  oder  48  Millionen  im 
neuen  Gewicht,  welche  im  Wiener  Gewicht  ä 72  Pf.  12  Lth.  3*/3 
Quintei  34.753,161  Ctr.  12  Pf.  betragen  und  Körpermaass  machen.  . 130.63  1° 

Die  gesammten  im  Verzeichniss  angeführten  Salzartikel  setzen 
dieSumme  auf67,459.071  Ctr.  923/4  Pf.  Da  aber  nach  der  Berechnung 

eines  abgewogenen  Salz-Quantums  von 10,171.787  Ctr.  44  Pf. 

die  Normalgewichtssumme  nur  auf 9,850.017  , 23  „ 

setzet,  und  sonach  ein  Plus  aufweiset  von  . . . 321.770  Ctr.  21  Pf. 

welches  mindestens  3 Pct.  per  Ctr.  beleuchtet,  so  kann  dieses  Plus 
billig  auf  das  obige  Quantum  angeführt  werden,  mit  dem  Gewichte  von 
2,023.772  Ctr.  1 5 3/19  Pf.,  welches  einen  Körperinhalt  darstellt  von.  7.607° 
So  darf  auch  die  Salzsoole,  welche  bereits  einen  namhaften  Salz- 
körper aufgelöst  hat,  bis  sie  die  lS^gradige  Salzspindel  aufzuweisen 
vermögend  war,  nicht  unbeachtet  gelassen  werden,  welche  seit  den 
geführten  Wasserhebungs- Vormerkungen  vom  Jahre  1818  bis  um 
1861  jährlich  doch  263°  2' 4 J/3"  Körpermaass  Salz  aufgelöst  hat  und 
da  schon  im  14.  Jahrhundert  die  Sudhütten-Meisterwürde  erblich 
verliehen  war,  so  dürfte  man  füglich  500  Jahre  rechnen  und  die 

Summe  des  aufgelösten  Salzkörpers  demnach  stellen  auf 131.708° 

Der  Körperinhalt  des  erzeugten  comerciellen  und  zur  Soole  auf- 
gelösten Salzes,  dürfte  demnach  die  Summe  erreicht  haben  von.  . . . 2,660.390° 

Darstellung  der  Mehrgewichte. 

Erhobenes  Gewicht.  Normalgewicht.  Mehrgewicht  beim  Salzartikel. 

1,287.678  Ctr.  42  Pfd.  1,214.720  Ctr.  73  Pfd.  72,957  Ctr.  69  Pfd.  bei  Balwanen. 


5,389.909 

» 23  „ 

5,190.533 

» io  „ 

199.376  „ 

13  „ 

„ Formalsteinen. 

135.472 

„ 57  „ 

116.728 

„ 20  „ 

18.744  „ 

37  „ 

„ Naturalstücken. 

1,733.466 

„ 91  „ 

1,704.522 

.„  40  „ 

28.944  „ 

51  „ 

„ ganzen  Fässern. 

1,625.260 

n 31  „ 

1,623.512 

. 80  „ 

1.727  „ 

51  „ 

„ halben  „ 

10,171.787  Ctr.  44  Pfd.  9,850.017  Ctr.  23  Pfd.  321.770  Ctr.  21  Pfd. 
Das  Normalgewicht  zu  den  Mehrgewicht  mit  . . . 9,850.017  „ 23  „ 

Macht  die  Summe  des  erhobenen  Gewichtes  von.  10,171.787  Ctr.  44  Pfd. 


Anmerkung.  Im  Jahre  1569  wurden  42.493  alte  Ctr.  Sudsalz  erzeugt. 


Vorstehende  Mittheilung  in  letzter  Zeit  freundlichst  eingesandt,  wurde  ihrem 
Inhalte  entsprechend,  unverkürzt  hier  eingereiht.  W.  H. 


Jahrbuch 


12.  Band, 


der  k.k.  geologischen 


Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861.  u.  1862. 


Heft  I. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  19.  November  1861. 

Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 

Meine  hochverehrten  Herren! 

Gleich  im  Ausmaasse  der  Zeit  folgen  sich  die  Jahre,  gleichmässig  im  Ver- 
laufe der  Jahreszeiten,  und  doch  so  gänzlich  verschieden  in  den  Ereignissen  des 
abgelaufenen,  in  den  Gefühlen,  mit  welchem  das  menschliche  Leben  in  ein  neues 
hineintritt.  Eines  ist  gemeinsam.  Ein  Jahr,  das  uns  zur  Arbeit  und  zum  Wirken 
beschieden  war,  ist  zurückgelegt,  ein  um  desto  grösserer  Theil  dessen,  was  uns 
bestimmt  war,  je  näher  wir  an  der  Grenze  stehen,  deren  Entfernung  zwar  nicht 
bekannt  ist,  aber  die  um  so  ernster  hervortritt,  je  näher  wir  uns  derselben  fühlen, 
je  mehr  wir  fühlen,  dass  altgewohnte  Kraft  nicht  mehr  reichen  will.  Ihnen,  meine 
hochverehrten  Herren,  steht  in  reicher,  jugendlicher  und  Maunesblüthe  weit  das 
Feld  zur  Arbeit  offen,  reich  zu  fortwährenden  Erfolgen.  Ich  muss  mich  mehr  zum 
Wunsche  bescheiden,  als  zur  Ausführung  der  That. 

Allgemeine  Rückblicke  waren  es,  Gesammtbilder,  die  mir  in  meinen  letzten 
Jahresansprachen  am  22.  November  1859  und  am  30.  October  1860  zu  ent- 
werfen die  Pflicht  vorlag.  Die  erste  schloss  einen  Abschnitt  zehnjährigen  Bestandes, 
zehnjähriger  Arbeit  unserer  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Ich  musste  mich 
gehoben  fühlen  durch  den  Erfolg  und  dass  es  mir  beschieden  war,  noch  selbst 
eine  so  umfassende  Periode  abzuschliessen.  Aber  es  waren  damals  schon  die  Ver- 
hältnisse geändert,  unter  welchen  unser  Institut  bis  dahin  bestanden  hatte,  es 
herrschte  eine  Stille  gegenüber  demselben,  welche  leicht  einen  Gewittersturm 
vorbedeuten  konnte.  Reiche  innere  Befriedigung  konnte  ich  darstellen,  durfte 
aber  nicht  der  Sorge  gedenken,  welche  das  Neue  hervorrufen  konnte. 

Der  Rückblick  am  30.  October  1860  gab  Rechenschaft  über  den  Verlauf  jener 
Stürme,  aber  wohlwollende  Einflüsse  hatten  wieder  die  Oberhand  gewonnen,  und 
wenn  ich  auch,  des  Novembers  ungewiss,  den  Tag  der  Ansprache  in  den  October 
legen  musste,  so  konnten  sich  doch  bald  die  feindlichen  Verhältnisse  klären  und 
wir  konnten  hoffen  auf  „eine  wohlthätige  Sonne  auf  unserem  ferneren  Pfade  der 
Pflichterfüllung,  für  unser  Vaterland,  für  unseren  Allergnädigsten  Kaiser 
und  Herrn  Franz  Joseph  I.“ 

Beidemale  musste  ich  grosse  Zeiträume  übersehen  und  Darstellungen  geben 
über  längere  geschichtliche  Entwicklungen  und  in  die  Einzelnheiten  unseres  Be- 
standes, unserer  Aufgaben  eingehen. 

Heute  ist  meine  Aufgabe  weniger  umfassend,  denn  sie  betrifft  die  einfache 
Darlegungen  Eines  Jahres,  und  eines  Jahres  voll  erfreulicher  Ereignisse,  voll 
Fortschritt,  voll  Erfolg,  nicht  ohne  Aufregungen  eben  in  dem  allmähligen  Eintritt 
dieserEreignisse.  Es  war  ein  ruhiger  geschützter  Vorgang,  während  in  den  höheren 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Baad,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


m 


90 


Verhandlngen 


p] 

Sphären  des  Lebens  im  Kaiserreich  und  in  Europa  so  manche  ungewohnte  Lagen 
und  schwierige  Aufgaben  die  allgemeine  Aufmerksamkeit  in  Anspruch  nahmen. 

Am  22.  November  1859  hatte  ich  namentlich  die  eigenthümliche  Lage  hervorge- 
hoben, welche  sich  so  gut  in  dem  Namen  des  Institutes  als  k.  k.  geologisch- 
Reichsanstalt  ausgedrückt  findet.  Sie  gibt  die  Befriedigung  eines  Bedürfnisses, 
welches  nur  auf  der  Höhe  der  Macht  des  Gesammtreiches  in  der  Metropole  des- 
selben seinen  natürlichen  Sitz  haben  kann.  Vielleicht  hatte  selbst  dieser  Namen 
missverstanden , einigen  Ansloss  dort  erregt,  woher  sich  später  die  Anfeindungen 
schrieben,  welche  uns  unserer  Selbstständigkeit  berauben  sollten.  Glücklich  für 
den  Fortschritt  unserer  Arbeiten  haben  sich  Vertreter  aller  Völkerstämme,  aus 
allen  Weltgegenden  des  Kaiserreiches  unser  angenommen  und  unsere  Stellung 
gewahrt. 

Höchst  lehrreich  in  der  Aufzählung  der  einzelnen  festen  Punkte  in  der  Ent- 
wickelung der  Geologie  und  ihrer  Pflege  in  Oesterreich,  wie  sie  die  Antritts-Fest- 
rede meines  hochverehrten  Freundes  Herrn  k.  k.  ßfcrgrathes  Franz  Ritter 
v.  Hauer  in  der  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
am  31.  Mai  dieses  Jahres  in  gediegenster  Weise  darstellte,  ist  diese  Thatsache 
aus  derselben  zu  entnehmen,  dass  gerade  diese  Wissenschaft  dadurch  am  meisten 
in  ihrem  Fortschritte  zurückgehalten  war,  dass  sich  in  Wien  kein  höheres 
Interesse  der  Vereinigung  fand,  als  eben  nur  das  provincielle.  Alles  bleibt  zurück 
auf  dem  Höhenpunkte  der  Provinz.  Da  ist  es  wohl  möglich  mit  der  Befriedigung 
des  Neides  auf  das  Zurückbleiben  der  kleineren  zu  blicken,  aber  dem  Gefühl  der 
Stellung  des  grossen  Reiches  entsprechend  gearbeitet  zu  haben,  diesem  unver- 
gleichlich höheren  Grade  der  Befriedigung  muss  man  entsagen.  Das  ist  unsere 
ältere  Geschichte.  Einzelne  stehen  ehrenwerth  da,  aber  auch  bedauernswerth  für 
ihre  Vereinzelung,  das  Ganze  entgeht  dem  Vorwurfe  nicht  an  dem  Fortschritte 
der  Kenntnisse  nicht  hinlänglich  Antheil  genommen  zu  haben. 

Ein  grösserer  verbindender  Gedanke  zog  sich  durch  in  unserem  Oesterreich 
in  der  vielverzweigten  Thätigkeit  des  Montanisticums  im  Besitze  des  Staates  und 
der  Einzelnen,  aber  hier  fehlte  die  Seite  der  Lehre,  der  Mittheilung  und  gerade 
von  dieser  war  Geologie  und  geologische  Kenntniss  des  Landes,  welche  ohne 
jene  nicht  möglich  ist,  gänzlich  ausgeschlossen.  So  war  erst  in  der  Gründung 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  die  Möglichkeit  rascheren  Fortschrittes  ge- 
geben. Wie  beschränkt  und  zugleich  wie  schwierig  und  räthselhaft  in  ihren 
Ergebnissen  sind  nicht  die  Forschungen  auf  Tirol  beschränkt,  oder  auf  Salzburg, 
auf  Kärnthen,  auf  Steiermark,  auf  Oesterreich  ob  und  unter  der  Enns,  oder  selbst 
auf  Böhmen,  auf  Ungarn,  auf  Galizien,  auf  Siebenbürgen!  Ohne  Vergleichung  der 
einen  Länder  mit  den  anderen  wird  keine  Klarheit  erreicht.  Wer  hat  einen 
klaren  Begriff  der  Alpen,  ohne  dass  er  ihren  nördlichen  Abhang  so  gut  kennt  als 
den  südlichen.  Und  erst  die  Vergleichung  längs  der  Alpen  und  der  Karpathen 
gibt  den  Schlüssel  zu  wahrem  Verständnisse  beider.  Nur  die  Vereinigung  der 
in  allen  Gegenden  aufgesammelten  Gebirgsarten  und  Petrefacten  in  einem  grossen 
Centralmuseum  wie  das  der  k.k.  geologischen  Reichsanstalt  kann  die  Grundlage  für 
Arbeiten  in  dieser  Richtung  bilden,  als  Führer  des  Fortschrittes.  Leicht  und 
natürlich  sehliessen  sich  dann  die  Arbeiten  in  den  einzelnen  Gegenden  an.  Es 
entspricht  der  Natur  der  Sache,  dass  die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  erst  in  Uehersichtsaufnahmen,  dann  in  Detailforschungen  doch  die 
Gegenden  nur  in  grösseren  Zwischenräumen  der  Zeit  besuchen  können.  Die 
Localforscher  sind  immer  auf  dem  Platze.  Ihnen  ist  es  ein  Leichtes,  zahlreiche 
Sammlungen  fortwährend  aufzustapeln,  oft  die  lehrreichsten  Exemplare  vor  Zer- 
störung zu  retten,  welche  etwa  durch  ihre  Grösse,  ihre  Schwiere  sich  der  Uebei  - 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Ilaidinger. 


91 


[3] 


sendung  entziehen.  Ich  muss  hier  Seiner  Excellenz  dem  gegenwärtigen  k.  k. 
Minister  für  Handel  und  Volkswirtschaft,  Herrn  Grafen  v.  Wicken  bürg,  meine 
höchste  Anerkennung  und  innigsten  Dank  für  die  wichtige  Maassregel  darbringen, 
der  Gründung  von  Sammlungen  aus  den  umliegenden  Revieren  bei  den  k.  k.  Berg- 
hauptmannschaften.  Das  ist  wirkliche  Vermehrung  von  Kenntniss  für  alle  Zeiten 
erworben  und  für  uns  im  Mittelpunkte  nicht  etwa  eine  Aufsammlung  von  dem, 
was  vielleicht  uns  entginge,  sondern  aus  dem  Ueberflusse  dort  erwarten  wir  erst 
wieder  Bereicherung. 

In  solchen  Sammlungen,  zahlreich  verbreitet,  bei  Behörden  und  bei  einzelnen 
Besitzern,  in  den  werthvollen  grossem  Landes-  und  Nationalmuseen,  endlich 
den  umfassenden  Centralsammlungen  unseres  Wien,  spricht  sich  jederzeit  der  Stand 
und  Fortschritt  der  Wissenschaft  aus.  Sie  bilden  einen  reichen  Maassstab 
geleisteter  Arbeit. 

In  meiner  Ansprache  am  30.  Oetober  hatte  ich  nur  noch  in  Unsicherheit 
befangen  der  Verhältnisse  des  Tages  gedenken  dürfen.  Ich  wusste  damals  nicht, 
dass  schon  am  Tage  vorher  durch  das  Allerhöchste  Cabinetschreiben  wieder 
die  bis  dahin  uns  zur  Verfügung  gestandene  Arbeitskraft  neuerdings  den  gleichen 
Zwecken  gewidmet,  Allergnädigst  genehmigt  worden  war.  Wir  erhielten 
diese  Nachricht  am  10.  December.  Wenige  Tage  darauf  ging  die  Leitung  des 
hohen  k.  k.  Staatsministeriums,  unserer  eigenen  Vorgesetzten  Behörde,  über  in  die 
kräftig  schützende  Hand  unseres  wohlwollenden  Gönners,  Seiner  Excellenz  des 
Herrn  Anton  Ritter  v.  Schmerling.  Seitdem  ist  Alles  in  beruhigendem  und 
entschiedenem  Fortschritte,  wenn  dies  auch  nur  allmählig  gelingen  konnte.  Zuerst 
kam  eine  wahre  Lebensfrage  zur  günstigsten  Lösung , die  unseres  Locals,  für 
welches  die  prachtvollen  und  unseren  Bedürfnissen  so  höchst  entsprechenden  Räume 
des  Fürstlich  v.  Liechtenstein’schen  Palastes  unter  dem  Freiherrn  v.  Tliinn- 
feld,  damals  k.  k.  Minister  für  Landescultur  und  Bergwesen,  uns  angewiesen 
worden  waren.  Der  Contract  lautete  bis  zum  24.  April  1861.  Er  war  von  Seite  des 
k.  k.  Ministeriums  des  Innern  gekündigt  worden.  Mit  banger  Erwartung  mussten 
wir  der  Zukunft  entgegen  sehen.  Da  war  es,  dass  unser  gegenwärtiger  wohl- 
wollender Chef  neue  Verhandlungen  eröffnete,  dass  auch  Seine  Durchlaucht  der 
gegenwärtig  regierende  Souveraine  Fürst  Johann  zu  Liechtenstein  in  gross- 
müthigster  Weise  dem  Abschlüsse  derart  entgegen  kam,  dass  wir  für  die  erste 
nun  bevorstehende  Zeit  neuerdings  unter  denselben  günstigen  Verhältnissen  wie 
bisher  unsere  schönen  Aufstellungs-  und  Arbeitsräume  in  dem  fürstlichen 
Palaste  gewährleistet  erhielten. 

Endlich  wurden  am  15.  Mai  durch  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Ma- 
jestät Allerhöchste  Entschliessung  die  gänzlich  von  der  Kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  unabhängige  Stellung  neuerdings  Aller  gnädigst 
gewährleistet. 

Mit  diesen  drei  maassgebenden  Ereignissen,  der  Allerhöchsten  Bewilli- 
gung der  Dotation,  der  Sicherstellung  des  Locals,  der  neuerdings  gewährlei- 
steten unabhängigen  Stellung  war  der  Weg  zu  fernerem  Fortschritt  in  wohl- 
thätigster  Weise  geebnet. 

Ich  darf  hier  wohl  noch  einen  Augenblick  der  Betrachtung  diesem  Verhält- 
nisse der  Stellung  unabhängig  von  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaf- 
ten weihen.  Die  Statuten  der  letzteren  und  unsere  Gründungs-Urkunde  schliessen 
einander  vollständig  aus.  Wohl  arbeiten  wir  zu  gleichen  Zwecken,  der  Pflicht- 
erfüllung unseres  grossen,  schönen  Vaterlandes,  überall  herrscht  Streben  für  den 
Fortschritt  des  grossen  Ganzen,  aber  in  der  verschiedensten  Weise,  was  die 
Ausführung  betrifft.  In  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  ist  jeder 


92 


Verhandlungen.  M 

Zweig  der  wissenschaftlichen  Forschung  vertreten.  Was  jedes  Mitglied  bringt, 
ist  willkommen,  auch  die  Arbeiten  anderer  Forscher  finden  Anerkennung.  Die 
Akademie  ist  eine  Corporation  und  wird  sich  um  desto  charakteristischer  für 
alle  Zeiten  ihre  Stellung  wahren,  je  fester  sie  selbst  von  diesem  Vortheile  nichts 
vergibt.  Der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  sind  Aufgaben  zur  Ausführung  vor- 
gezeichnet, sie  ist  ein  Institut,  mit  speciellen  wissenschaftlichen  und  prak- 
tischen Zwecken.  Die  Vereinigung  der  Kraft  in  demjenigen  Punkte , wo  sie 
wirkt,  gibt  ihr  den  Charakter  ihrer  eigentlichen  Aufgaben.  Es  genügt  indessen 
hier  des  Allgemeinen  zu  gedenken,  ohne  auf  das  Einzelne  einzugehen,  welches 
so  tief  in  die  Gemüther  unserer  sämmtlichen  freundlichen  Arbeitsgenossen  und 
befreundeter  Forscher  wirkte,  dass  wir  wohl  nicht  mit  Unrecht  die  neu  ge- 
wonnene Stellung  als  eine  wahre  Wiedergeburt  feiern  durften,  in  einer  Schluss- 
sitzung der  abgelaufenen  Winter-Periode  am  28.  Mai  und  in  einem  Festmahle  am 
1.  Juni.  Zu  diesem  glänzenden  Abschlüsse  darf  icTi  wohl  auch  die  Festansprache 
meines  hochverehrten  Freundes  des  k.  k.  Bergrathes  Franz  Ritter  v.  Hauer 
zählen  in  der  diesjährigen  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften.  Durch  zwei  wirkliche  Mitglieder  ist  nun  die  k.  k.  geojogische 
Reichsanstalt  in  derselben  vertreten. 

Am  4.  Juni  schmückte  ich  die  treue  Brust  unseres  Cabinetsdieners  Joseph 
Richter  mit  dem  ihm  Allergnädigst  verliehenen  k.  k.  Silbernen  Verdienst- 
kreuze mit  der  Krone.  Gerne  verweile  ich  auch  heute  einen  Augenblick  bei  diesem 
Ereignisse,  um  der  Zeit  zu  gedenken,  wo  ich  am  14.  April  1840  unter  dem  Fürsten 
v.  Lobkowitz  als  Nachfolger  meines  dahingeschiedenen  unvergesslichen  Freun- 
des und  Lehrers  Friedrich  Mohs  in  den  Allerhöchsten  Staatsdienst  getreten 
war,  und  Richter  schon  vorfand,  mit  dessen  Beihilfe,  sonst  ganz  allein,  ich  die 
erste  Aufstellung  der  Sammlung  unseres  Museums , damals  noch  in  dem  neuen 

k.  k.  Münzgebäude  auf  dem  Glacis  der  Landstrasse  in  den  Jahren  1840,  1841 
und  1842  durchführte,  den  Kern  unserer  gegenwärtigen , so  weit  gediehenen 
Darstellung  des  geologischen  Bestandes  unseres  Kaiserreiches. 

An  demselben  Abend  schloss  die  k.  k.  geographische  Gesellschaft  ihre  Sitzun- 
gen in  dem  Locale  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  um  sie  im  Herbste,  am 
verflossenen  22.  October  in  dem  k.  k.  Akademiegebäude  wieder  zu  beginnen.  Die 
treue  Geschichte  der  Entwickelung  wissenschaftlichen  Lebens  in  Wien  wird 
nicht  vergessen,  dass  die  Gesellschaft  in  den  Bestrebungen,  Bedürfnissen  und 
Erfolgen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ihren  Lebenskeim  gefunden , am 

l.  December  1855,  welchem  die  Allerhöchste  Bewilligung  unter  dem 
22.  September  1856,  die  eigentliche  Gründung  der  Gesellschaft  und  die  Wahl 
eines  ersten  Präsidenten  am  4.  November  1856  folgte.  Durch  meine  Nachfolger 
Fürsten  v.  Salm,  die  Freiherren  von  Czoernig  und  Hietzing  er,  Grafen  Leo 
Thun,  Freiherrn  v.  Wüll ersto rf  beginnt  eine  Reihe  hochverdienter,  gefeierter 
Männer.  Möge  ihrem  Wirken  und  dem  neu  gewonnenen  freien  , wissenschaft- 
lichen Mittelpunkte  eine  lange  Reihe  glänzender  Erfolge  beschieden  sein.  Noch 
in  ihrem  neuen  Standorte  verbindet  uns  auf  das  Innigste  der  Umstand,  dass  Herr 
k.  k.  Bergrath  Foetterle,  Secretär  der  Gesellschaft,  Mitglied  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  ist. 

Am  6.  Juni  war  es  mir  beschieden , meinen  und  meiner  Arbeitsgenossen 
ehrfurchtsvollsten  Dank  zu  den  Stufen  des  Thrones  Allerhöchst  Seiner 
k.  k.  Apostolischen  Majestät  darzubringen.  Unvergesslich  bleibt  und 
ermuthigt  uns  das  huldreichst  ausgesprochene  Wort:  „Mit  gewohntem 

Eifer“,  als  ich  von  den  bevorstehenden  Untersuchungsreisen  und  ihren  Rich- 
tungen und  Aufgaben  das  Einzelne  darlegte. 


[8] 


Sitzung  vom  i9.  November.  W.  Haidinger. 


93 


In  steter  freudiger  Erinnerung  lebt  uns  der  1 0.  Juli,  welchen  Seine  kaiser- 
liche Hoheit  der  Durchlauchtigste  Herr  Erzherzog  Rainer  zu  der  gnä- 
digsten Besichtigung  unserer  Räume  und  Sammlungen  gewählt,  welche  ich 
Höchstdemselben  in  Gesellschaft  der  Herren  Karl  v.  Hauer  und  Senoner 
von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  und  meiner  hochverehrten  Freunde  Hör- 
nes  und  Peters  vorzeigen  durfte,  hocherfreut  und  dankbar  für  das  wahrhaft 
aus  dem  tiefen  Leben  gegriffene  Wort  Seiner  kaiserlichen  Hoheit, 
gesprochen  in  der  Akademie-Sitzung  am  31.  Mai:  „Es  umschlingt  uns  ein  gemein- 
sames Band,  das  befestiget  ohne  zu  hemmen44,  zur  Förderung  wahrer  Wissenschaft 
unter  der  Waltung  unseres  Allergnädigsten  Kaisers  und  Herrn  für  unser 
schönes,  grosses  Vaterland,  freie  Stellung,  ungehemmte  Bewegung  zugleich  und 
innige  Verbindung  zum  grossen  Ganzen. 

Sämmtliche  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  für  welche  die 
Sommerreisen  Aufgaben  bildeten,  waren  bereits  in  ihre  Aufnahmsdistricte  abge- 
gangen. Während  des  Sommers  war  es  meine  stete  Sorge,  jedesmal  am  1.  des 
folgenden  Monats  einen  Bericht  über  die  Ergebnisse  der  Untersuchungen  an  die 
kaiserliche  Wiener  Zeitung  zu  übermitteln,  der  denn  auch  freundlichst  aufge- 
nommen und  nach  Maassgabe  des  den  Interessen  des  Tages  gewidmeten  Materials 
eingereiht  wurde.  Diese  enthalten  natürlich  nur  kurze  Andeutungen  der  Ergeb- 
nisse. Den  Inhalt  derselben  werden  ausführlichere  Vorträge  im  Laufe  unserer 
Winter-Sitzungen  bilden.  Wollte  ich  heute  länger  auf  denselben  verweilen , so 
würde  dies  nur  zu  Wiederholungen  Veranlassung  geben,  in  welchen,  was  ich 
sagen  könnte,  das  am  wenigsten  nützliche  und  zweckmässige  wäre.  Aber  ein 
rascher  Ueberblick  ist  doch  nicht  ohne  Wichtigkeit. 

In  Böhmen  schritten  die  Detail-Aufnahmen  fort.  Entsprechend  dem  in  der 
Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  30.  April  vorgelegten  Plane, 
hatten  die  Herren  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  als  Chefgeologe,  F.  Freiherr 
v.  Andrian  als  Sectionsgeologe  die  Blätter  No.  15,  Königgrätz,  Pardubitz  und 
No.  21,  Czaslau,  Chrudim  als  Aufgabe  in  der  I.  Section  unserer  Aufnahmen.  Sie 
sind  vollständig  durchgeführt.  Ausserdem  hatte  uns  noch  eine  wichtige  Frage 
Vorgelegen.  Als  wir  in  den  ersten  Jahren  die  Umgebungen  von  Hollaubkau, 
Dobriw,  südwestlich  von  Rokitzan  zur  Aufnahme  brachten,  war  es  unmöglich,  in 
diesem  abgerissenen  Theile  der  Silurschichten  Böhmens  die  einzelnen  geologi- 
schen Horizonte  zu  trennen.  Dies  konnte  erst  später  gelingen,  als  das  östlicher 
gelegene  Herz  der  Mulden  genauer  studirt  war  und  dadurch  erst,  in  der  Verglei- 
chung der  Barrand e’schen  Arbeiten  und  Bestimmungen  und  der  eigenen  sorg- 
samsten Untersuchungen  der  Gegenden  durch  die  Herren  Lipoid  und  Krejci 
so  wie  in  den  festen  Benennungen  der  Schichten  die  leitenden  Grundsätze  zur 
Beurtheilung  dieser  Randbildungen  gewonnen  waren.  Dies  gelang  denn  auch  in 
jenen  Gegenden  sowohl  als  in  den  östlicheren  von  Mauth,  Cerhowitz , Hofowitz, 
so  wie  bei  Zebrak  und  Beraun.  In  den  zwei  Generalstabskarten-Sectionen  hatte 
Lipoid  den  nördlichen,  Freiherr  v.  Andrian  den  südlichen  Theil  zur  Aufnahme 
gebracht,  die  krystallinischen  Gesteine  mehr  im  südlichen  Theile,  im  nördlichen 
mehr  die  Quader-  und  Plänerschichten.  Sie  schliessen  nördlich  wieder  an  die 
früheren  Aufnahmen  Jokely’s  an. 

Herr  Sectionsgeologe  J.  Jokely  in  der  II.  Section  hatte  das  Blatt  No.  9 
Umgebungen  von  Jicin  und  Hohenelbe  zum  Abschlüsse  gebracht,  so  wie  grosse 
Theile  des  weiter  östlich  vorliegenden  Blattes  10  Umgebungen  von  Braunau,  in 
deren  südlichen  Gegenden  mehr  die  Quader-  und  Pläner-Schichten,  in  den  nörd- 
lichen die  krystallinischen  Gesteine  so  wie  Steinkohlengebirge  und  Rothliegendes 
vorwalten.  Höchst  anziehende  Ergebnisse  liegen  aus  den  Steinkohlenablagerungen 


94 


Verhandlungen. 


[6] 

von  Schatzlar  und  Schwadou  itz  vor,  so  wie  aus  den  Umgebungen  von  Trautenau, 
Braunau,  Nachod.  Prinz  Wilhelm  zu  Schaum  bürg- Lippe,  ein  wahrer  Fach- 
genosse und  wohlwollender  Gönner  war  es,  der  hier  unserem  hochverehrten 
Freunde  Jokely  Vieles  auf  das  Fördersamste  erleichterte.  Er  selbst  hatte 
mehrere  Exeursionen  mitgemacht.  Wir  verdanken  ihm  und  seinen  freundlichen 
Anordnungen  seitdem  einen  sehr  genau  aufgenommenen  Durchschnitt  der  Schich- 
ten des  Idastolluis  bei  Schwadowitz,  ausgeführt  von  Herrn  Markscheider  L.  K ro- 
se hei  und  später  von  Herrn  Jokely  wieder  nach  den  Ergebnissen  seiner  Unter- 
suchungen den  Formationsgliedern  entsprechend  dargestellt. 

Die  beiden  vorbei  gehenden  Sectionen  waren  unseren  diesjährigen  Detail- 
Aufnahmen  gewidmet.  Es  bleiben  uns  für  Böhmen  nur  noch  die  drei  Karten- 
sectionen  No.  16,  Umgebungen  von  Reichenau,  No.  22,  Umgebungen  von  Leito- 
mischl und  No.  28,  Umgebungen  von  Policzka  übrig,  welche  wir  künftiges  Jahr 
zu  scldiessen  beabsichtigen. 

Für  Uebersichts-Aufnahmen  hatten  wir  zwei  Districte  von  namhafter  Aus- 
dehnung bearbeitet.  Die  111.  Seetion  begriff  das  ganze  Land  zwischen  der  Drau 
und  Save,  Croatien,  Slavonien  und  die  begleitende  Militärgrenze.  Herr  k.  k. 
Bergrath  Fo  etter  le  als  Chefgeologe  theilte  sich  mit  den  beiden  Sectionsgeo- 
logen  Herrn  D.  Stur  und  H.  Wolf  dergestalt  in  diese  Aufgabe,  dass  in  abge- 
sonderten Bezirken  er  selbst  Provinzial-Croatien,  zum  Theil  in  Begleitung  von 
Herrn  Wolf  vornahm,  Herr  D.  Stur  die  Gegenden  östlich  von  den  beiden  Wa- 
rasdiner.  St.  Georger  und  Kreuzer  Grenzregimentern  bis  zu  dem  Gebirgsabfalle 
gegen  die  Linie  Andrievcze-Deakovar-Essek  hin,  Herr  Wolf  aber  eben  jene 
beiden  Warasdiner  Regimenter,  so  wie  das  östlich  ahgetrennt  aus  der  Alluvial- 
ebene sich  erhebende  Peterwardeiner  Gebirge.  Auch  die  westlicheren  Gegenden 
zeigen  charakteristisch  ähnliche  einzelne  Stöcke  älterer  Gebirge  wie  die  Ivan- 
schitza,  das  Kalniker  Gebirg,  die  blos  aus  Tertiärem,  aus  Congerienschiehten 
bestehende  Bodenerhöhung  und  Wasserscheide  des  Reka-  und  Bila-Gebirges, 
südlich  von  Kopreinitz,  östlich  von  Belovär,  das  Agramer  Gebirg,  das  Moslawiner 
und  Goricer  Gebirge,  die  zwei  Gebirgskerne  des  Rogoljer  Psuni  und  des  Tisso- 
vaczer  Gebirges  bis  zu  den  Gebirgen  von  Velika,  Kuttyevo,  Drahovicza,  von  wo 
gegen  Osten  zu  kein  secundäres  Gestein  mehr  sich  findet,  bis  zum  Vrtnik  zwi- 
schen Mitrowitz  und  Peterwardein.  Aus  diesem  zerrissenen  Charakter  der  Ober- 
flächengestaltung erhellt  wohl  augenscheinlich,  welchen  Einfluss  in  der  Beur- 
teilung der  Schichten  die  langjährige  Erfahrung  der  Herren  Geologen  nehmen 
musste.  Eine  geologische  Forschung  welche  diese  Gegenden  zum  Ausgangs- 
punkte gewählt  hätte,  würde  stets  erfolglos  geblieben  sein.  Selbst  jetzt,  bei  dem 
raschen  Fortschreiten  einer  Uebersichts-Aufnahme  konnte  nicht  Alles  zu  voller 
Klarheit  gebracht  werden,  was  erst  den  späteren  Detail-Aufnahmen  gelingen  wird. 

Die  IV.  Seetion  unter  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  hatte  das 
ganze  südwestliche  Ungarn  südlich  und  westlich  von  der  Donau  bis  zur  Drau  zum 
Gegenstände  ihrer  Forschung.  Herr  v.  Hauer  selbst,  begleitet  von  Herrn 
Dr.  Stäche  und  Herrn  Karl  M.  Paul,  der  sich  der  Gesellschaft  freiwillig  ange- 
schlossen hatte,  nahm  das  Vertes-Gebirge  und  den  Bakonyer  Wald,  sowie  das 
schon  seit  Beudant’s  Arbeiten  berühmte  Basallland  westlich  vom  Plattensee 
vor,  während  Herr  F.  Stoliczka  die  an  die  Ausläufer  der  Alpen  und  die  steier- 
märkischen Grenze  anschliessenden  westlichen  Landestheile  durchwanderte.  In 
den  Ergebnissen  der  Forschungen  des  letzteren  stellte  sich  eine  merkwürdige 
Reihe  vereinzelter  GebirgsstÖcke  von  krystallinischen  Gesteinen  in  einer  das 
steiermärkische  Tiefland  gewissermaassen  umsäumenden  Richtung  heraus,  welche 
gewiss  in  der  Bildungsperiode  von  grösstem  Einflüsse  auf  die  neueren  Sedimen- 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Haidinger. 


[7] 


9S 


tärgebilde  werden  mussten.  So  sehr  mannigfaltig  waren  die  Ergebnisse  von 
Herrn  v.  Hauer  und  seiner  Gefährten  Forschungen  in  den  Schichten  der  Wer- 
fener  Zone,  der  Triasgebilde,  des  Lias  und  Jura,  der  Kreide,  der  Eoeen- 
gebilde,  zum  Theile  mit  reichen  Aufsammlungcn  von  Fossilresten,  der  Basalte, 
dass  ich  deren  hier  nur  ganz  im  Allgemeinen  gedenke,  da  sie  nun  eigentlich  erst 
recht  der  Ausbeutung  an  Thatsachen  und  der  Bereicherung  unserer  Kenntniss 
zugeführt  werden. 

Wir  haben  im  Ganzen  im  Laufe  des  Sommers  durch  unsere  Herren  Geo- 
logen viele  neue  Erfolge  gewonnen.  Wie  in  den  früheren  Jahren  waren  sie  auch 
in  diesem  Jahre  überall  von  den  hohen  k.  k.  Behörden  eingeführt  und  empfohlen 
und  von  Fachgenossen  und  anderen  Bewohnern  auf  das  Wohlwollendste  auf- 
genommen worden.  Selbst  die  in  mancherlei  Bewegungen  sich  entwickelnden 
Verhältnisse  unserer  neuesten  Geschichte  nahmen  keinen  eigentlichen  Einfluss, 
denn  unsere  Aufgaben,  unsere  Handlungen  sind  vollkommen  objectiver  Natur  und 
man  reist  ja  in  ganz  fremden  Ländern,  der  Mensch  weicht  selbst  nicht  vor  Ent- 
deckungsreisen im  Kampfe  mit  den  Elementen  zurück,  um  so  weniger  waren  uns 
Länderstrecken  fremdartig,  oder  ihre  Bewohner  weniger  gastfrei  oder  wohlwollend, 
mit  welchen  uns  Freundschafts-  und  Verwandtschaftsbande,  eine  lange  Reihe 
gemeinsamer  Schicksale  und  gemeinschaftlicher  Arbeit  verbinden. 

Auch  in  dem  Laufe  dieses  Sommers  hatten  wir  Veranlassung,  durch  spe- 
cielle  Untersuchungen  den  Bedürfnissen  einzelner  von  Privaten  gestellter  Anfragen 
zu  genügen.  So  leitete  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  Herrn  S.  Goldschmidt’s 
Untersuchungen  im  Heubaehthale  in  Salzburg,  bezüglich  der  Gewinnung  von 
Smaragden,  Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  besichtig! e für  die  venetianische 
Bergbaugesellschaft  die  Arbeiten  der  Baue  am  Monte  Cadenis  bei  Avanza.  Auf 
zahlreiche  Anfragen  im  Hause  wurde  möglichst  befriedigende  Auskunft  ertheilt. 
Herr  Wolf  hatte  verschiedene  Excursionen  nach  Mähren  unternommen,  theils 
als  Begleiter  unseres  hochverehrten  Freundes,  Herrn  Directors  Hörn  es,  theils 
auf  Veranlassung  des  Werner-Vereines  in  Brünn. 

Fortwährend  war  unser  chemisches  Laboratorium  unter  der  Leitung  des 
Herrn  k.  k.  Haupanannes  Karl  Ritter  v.  Hauer  den  Anfragen  für  Untersuchungen 
gewidmet.  Namentlich  mehren  sich  jene  über  die  Heizkraft  fossiler  Brennstoffe, 
seitdem  die  Gewinnung  dieser,  seit  zehn  Jahren  mehr  als  verdoppelt,  grössere 
Ausdehnung  erhält.  Es  ist  auch  ein  Bedürfniss,  dass  solche  Untersuchungen  stets 
neu  angegriffen  und  rasch  durchgeführt  werden,  wo  fortwährend  neue  Namen 
von  Gruben  aufkommen  und  seihst  die  verschiedenen  Lagen  eines  und  desselben 
Flötzes  nicht  gänzlich  an  Gehalt  und  Heizkraft  mit  einander  übereinstimmen. 
Das  im  Drucke  befindliche  Heft  des  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt enthält  den  Bericht  über  unsere  diesjährigen  Arbeiten,  in  dieser  Beziehung 
sowohl  als  in  anderen,  zum  Beispiel  die  Analysen  der  Mineralwasser,  der  „Stahl- 
quelle“ des  neuen  Curortes  der  Frau  E.  Giacomozzi  zu  Mauer,  des  berühmten 
Suliguli-Säuerlings  bei  Vissö  in  der  oberen  Marmaros  u.  s.  w. 

Die  Verpflichtung,  auf  vorkommende  Anfragen  die  Ergebnisse  unentgeltlich 
mitzutheilen,  liegt  in  unseren  Grund-Instructionen,  während  andererseits  dieses 
Bedürfniss  durch  das  k.  k.  General-Landes-  und  Haupt-Miinzprobiramt,  die  neu 
betrauten  Handels-Chemiker,  und  aus  anderen  Laboratorien  gegen  Entrichtung 
gewisser  Taxbeträge  befriedigt  wird.  Ich  darf  wohl  hier  auf  unser  Verhältniss 
einigen  Nachdruck  legen,  um  dabei  hervorzuheben,  wie  sehr  wir  bereit  sind, 
den  an  uns  gestellten  Anfragen  Genüge  zu  leisten , während  wir  aber  doch  den 
hochgeehrten  Gönnern  und  Freunden,  welche  sich  an  uns  wenden,  zu  grossem 
Danke  verpflichtet  sind,  wenn  sie  ebenfalls  in  gleichem  Maasse  wieder  zur 


96 


Verhandlungen. 


[8] 

Vermehrung  unserer  Kräfte  und  Erleichterung  unserer  Arbeiten  beitragen.  Die 
Preisverzeichnisse  namentlich  des  k.  k.  General-Probiramtes  enthalten  dabei  sehr 
schätzbare  Vergleichungspunkte. 

Anschliessend  an  unsere  eigenen  Bewegungen  im  Sommer  für  die  Aufgaben 
der  geologischen  Landes-Aufnahme  darf  ich  hier  der  grossen  gemeinschaftlichen 
Feste  in  der  Bewegung  von  Männern  der  Wissenschaft  gedenken,  zu  deren 
einigen  uns  in  der  k.  k.  geologischen  Reichsanslalt  besondere  Einladungsschreiben 
zukamen,  und  deren  Empfang  ich  dankend  bestätigen  konnte,  ohne  dass  es  mir 
möglich  war  einen  Besuch  irgendwo  anzukündigen.  So  für  Lausanne  am 
24.  August,  für  Christiania  am  2.,  für  Manchester  am  4.  September,  für  die  Ver- 
sammlung deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  der  deutschen  Kaiser-Gedächt- 
nissstadt  Speyer  am  17.  September.  Ich  sorgte  wenigstens  dafür,  dass  einige 
Worte  der  Erinnerung  an  Arbeiten  der  letzten  Zeit  über  den  Gang  unserer 
diesjährigen  Arbeiten  initgetheilt  werden  konnten. 

Aber  es  wird  uns  immer  höchst  wünschenswerth  und  gewiss  auch  sehr 
nützlich  bleiben,  wenn  von  Zeit  zu  Zeit  mehrere  unserer  eigenen  Mitglieder 
persönlich  über  unsere  Arbeiten  Bericht  erstatten,  wie  dies  noch  aus  dem  k.  k. 
Montanistischen  Museum  1843  in  Gratz  geschah,  dann  1847  in  Venedig,  wo 
Franz  Bitter  v.  Hauer  gegenwärtig  war,  dann  aus  der  Zeit  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  der  Besuch  der  Versammlung  in  Wiesbaden  1852,  der  mir 
und  meinen  hochverehrten  Gefährten  Franz  Ritter  v.  H a u e r und  Constantin 
Ritter  v.  Ettingshausen  immer  unvergesslich  bleiben  wird,  bis  endlich  wir 
unser  eigenes  Museum  und  die  Ergebnisse  unserer  Arbeiten  in  Wien  1856  den 
zahlreichen  theilnehmenden  Freunden  und  Wissenschaftsgenossen  eröffnen  und 
vorlegen  konnten. 

Für  die  im  Jahre  1862  in  Karlsbad  bevorstehende  Versammlung  betrachten 
wir  es  als  einen  wahren  Ehrenpunkt  die  bis  dahin  dem  Abschlüsse  entgegen  zu 
führende  Aufnahme  so  weit  zu  gewältigen,  dass  wir  die  sämmtlichen  Sectionen 
der  nun  vollständig  erschienenen  k.  k.  General-Quartiermeisterstabs-Specialkarte 
des  Königreiches  Böhmen  in  dem  Maasse  von  1 : 144*000  oder  2000  Klafter  = 1 
Wr.  Zoll,  geologisch  colorirt,  in  einem  grossem  Ganzen  werden  vorlegen  können. 

Von  allen  Versammlungen  des  Sommers  berührte  uns  aber  keine  so  nahe, 
wie  die  am  23.  September  unter  dem  Vorsitze  des  Herrn  Grafen  v.  Breda  und  der 
Geschäftsleitung  des  Freiherrn  v.  Hingenau  eröffnete  Versammlung  der  Berg- 
und  Hüttenmänner,  die  zweite  der  Art,  welche  wie  die  erste,  am  10.  Mai  1858 
unter  den  Vorsitze  des  Herrn  Grafen  v.  Andrässy  eröffnete,  in  den  Räumen  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  dem  fürstlich  Lie  chtenstein’schen  Palaste 
abgehalten  wurde.  Es  musste  uns  dieses  Ereigniss  als  Thatsache  hoch  erheben. 
Die  Gründung  unserer  k,  k.  geologischen  Reichsanstalt  ruht  in  dem  Bedürfnisse 
des  österreichischen  Montanisticums.  Es  bleibt  stets  der  Thatsache  nach  ein 
wichtiger  Theil  desselben.  Während  dem  Bedürfnisse  der  allgemeinen  Verwal- 
tung entsprechend  die  Abtheilungen  dieser  weitverzweigten  Thätigkeit  unter 
mehreren  Ministerien  vertheilt  sind,  gibt  es  doch  Veranlassungen,  welche  die 
verschiedenen  Zweige  einander  wieder  näher  bringen,  wie  in  jenen  anregenden 
Tagen  die  Versammlung  der  Berg-  und  Hüttenmänner.  Wohl  darf  ich  beklagen, 
dass  gerade  der  Höhepunkt  eines  lästigen  Unwohlseins  mich  persönlich  verhin- 
derte, die  hochgeehrten  Mitglieder  willkommen  zu  heissen,  und  den  hohen 
Gönnern  und  werthen  Freunden  und  Arbeitsgenossen  von  nah  und  ferne  meine 
Verehrung  darzubringen.  So  wie  die  Gegenwart  bei  den  Versammlungen  ver- 
danken wir  auch  im  Zusammenhänge  mit  denselben  die  Ehre  der  Besichtigung 
unserer  Sammlungen  und  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  den  drei 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Haidinger. 


97 


[9] 


k.  k.  Ministern,  in  deren  Bereich  die  Interessen  der  in  der  Versammlung  reprä- 
sentirten  Zweige  liegen,  für  unser  eigenes  k.  k.  Staatsministerium  Seiner  Excellenz 
Herrn  k.  k.  Minister  Ritter  von  Lasser,  für  die  grossen  Unternehmungen  des 
Allerhöchsten  Aerars  Seiner  Excellenz  Herrn  k.  k.  Finanzminister  Edlen  v.  Plener, 
für  das  grosse  montanistische  Industrial-Interesse  selbst  Sr.  Excellenz  dem  Herrn 
k.  k.  Minister  für  Handel-  und  Volks wirthschaft  Grafen  v.  Wicke n b urg.  Wohl  ist 
es  meine  Pflicht  für  diese  freundliche  Gewogenheit  hier  meinen  innigsten  Dank  aus- 
zusprechen, denkwürdig  wie  uns  immer  die  Erinnerung  an  das  Ereigniss  sein  wird. 

Von  den  anziehenden  Gegenständen,  welche  von  verschiedenen  Seiten  aus 
Veranlassung  der  Versammlung  zur  Ausstellung  kamen,  sind  uns  viele  als  werth- 
volle Geschenke  am  Schlüsse  derselben  übergeben  worden,  für  welche  ich  hier 
noch  den  hochverehrten  Gebern  den  verbindlichsten  Dank  darbringe,  den  Herren 
k.  k.  Ministerialrath  Ritter  v.  Russegger,  k.  k.  Bergrath  Walther,  für  die 
Gegenstände  von  Schemnitz  und  Joachimsthal,  den  Herren  A.  Andre  in  Wit- 
kowitz,  Giersig  in  Wien,  K.  A.  Frey  in  Store,  k.  k.  Professor  A.  Miller  von 
Hauenfels  in  Leoben  für  verschiedene  höchst  lehrreiche  Artikel. 

Während  der  Zeit  begann  eine  andere  Ausstellung  uns  vielfach  zu  beschäf- 
tigen, die  für  den  Sommer  1862  in  London  vorbereitete  Weltausstellung.  Bereits 
auf  der  letzten,  welche  1855  in  Paris  stattfand,  hatten  unsere  geologisch  colo- 
rirten  Karten  den  Beifall  befreundeter  Fachgenossen  gefunden.  Unsere  Arbeiten 
sind  seitdem  so  weit  vorgeschritten,  dass  ich  eine  Reihe  von  Karten  anmelden 
konnte,  welche  einen  Wandraum  von  41  Fuss  Breite  und  9 Fuss  Höhe  erfüllen, 
die  Specialkarten  in  dem  Maasse  von  1 : 144.000  der  Natur,  2000  Klafter  = 1 Zoll, 
von  Oesterreich  ob  und  unter  der  Enns,  Salzburg,  Böhmen  (nahe  vollendet),  Steier- 
mark und  Illyrien,  zum  grössten  Theil,  ferner  Uebersichtskarten  in  dem  Maasse  von 
1 : 288.000  der  Natur,  4000  Klafter  = 1 Zoll,  Tirol,  Lombardie  und  Venedig, 
Ungarn,  Strassenkarten  in  dem  Maasse  von  1 : 432.000  der  Natur,  6000  Klafter  = 
1 Zoll,  von  Galizien,  Siebenbürgen , Croatien , dem  Banat.  Unter  den  spätem 
Anmeldungen  kam  noch  die  für  unsere  Publicationen,  Abhandlungen  und  Berichte, 
so  wie  die  von  Musterstücken  von  fossilem  Brennstoff  aus  der  gesammten  Monar- 
chie, Schwarzkohlen,  Braunkohlen  und  Torf,  welche  in  Würfelform  von  6 Zoll 
Seite  zur  Anschauung  gebracht  werden  sollen. 

Ueber  den  Fortgang  unserer  Publicationen  kann  ich  nun  zum  Schlüsse  des 
Jahres  das  Anregendste  und  Günstigste  mittheilen.  Dank  dem  Wohlwollen  und 
kräftigst  einwirkenden  Schutze  unseres  hohen  Gönners  und  obersten  Leiters, 
Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritters  von  Schmerling.  Noch 
aus  der  früheren  Zeit  lagen  die  Hindernisse  vor,  Einstellung  des  Druckes  für  das 
Jahrbuch,  für  die  Abhandlungen,  deren  eben  in  der  Ausführung  schwebender 
Band  Herrn  Dr.  Hörn  es  fossile  Mollusken  des  Tertiärbeckens  von  Wien  ent- 
hält. Es  gelang  nur  allmählig,  da  verschiedene  andere  Verhandlungen  vor- 
läufig zu  Ende  zu  bringen  waren,  den  Gang  wieder  herzustellen.  Nur  Ein  Heft 
unseres  Jahrbuches  wurde  abgeschlossen,  und  mit  demselben  der  11.  Band  für 
1860.  Der  wissenschaftliche  Inhalt  enthält  eine  einzige  Abhandlung,  des  Frei- 
herrn v.  Richthofen  classische  Studien  aus  den  ungarischen  und  siebenbürgi- 
schen  Trachytgebirgen,  den  Bericht  über  die  chemischen  Arbeiten  von  Herrn 
Karl  Ritter  v.  Hauer,  und  die  Verhandlungen  bis  Ende  1860,  nebst  Register  von 
Herrn  Grafen  v.  Marsch  all.  In  dem  Vorworte  konnte  ich  bereits  Nachrichten 
über  unsere  günstigere  Stellung  geben , die  sich  seitdem  noch  mehr  befestigt 
hat.  Namentlich  wurde  jetzt  durch  Seine  Excellenz  den  Herrn  k.  k.  Staatsminister 
die  Vorsorge  getroffen,  dass  in  einem  vereinfachten  Geschäftsgänge  nicht  nur 
fortan  auch  in  den  Abrechnungen  mit  den  Druckerei-Unternehmungen,  gegen- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen, 


n 


98 


Verhandlungen, 


[10] 


wärtig  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei,  die  einmal  bestimmte  Arbeitskraft 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vollständig  verwendet  werden  könne,  sondern 
auch  der  Druck  der  „Fossilen  Mollusken“,  dieses  wichtigen  vaterländischen 
Werkes,  für  dessen  Durchführung  die  Kosten  von  Seiner  k.  k.  Apostolischen 
Majestät  ausserhalb  der  Dotation  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  Aller- 
gnädigst bewilligt  waren,  nun  in  raschem  Fortschritte  begriffen  ist. 

Wohl  darf  ich  ein  Wort  freudigen  Dankes  aus  Veranlassung  des  Personal- 
standes Seite  VII  aussprechen,  wenn  ich  in  Erinnerung  bringe,  dass  Seine  Excel- 
lenz  Herr  k.  k.  Staatsminister  Ritter  v.  Schmerling  jetzt  als  Oberster  Leiter 
uns  sein  freundliches  Wohlwollen  schenkt  und  seinen  mächtigen  Schutz  uns 
angedeihen  lässt.  Auch  in  dem  arbeitenden  Personale  ergaben  sich  Veränderun- 
gen und  zwar  Lücken  durch  den  Austritt  unserer  hochverdienten  Freunde,  der 
Herren  Prof.  Dr.  F.  v.  Hochstetter  und  Dr.  Freiherr  v.  Richthofen.  Als  Nach- 
folger gewannen  wir  eine  hoffnungsvolle  jüngere  Kraft,  Herrn  Ferd.  Stoliczka, 
der  bereits  durch  manchen  werthvollen  Beitrag  seine  Befähigung  beurkundete. 

An  hochverehrten  Gönnern  und  Correspondenten  weist  das  Verzeichniss 
146  für  1860  nach.  Mit  tiefem  Schmerz  erfüllt  uns  die  kürzlich  erhaltene 
Trauerbotschaft  von  dem  Hintritt  eines  hohen  und  grossmüthig  theilnehmenden 
Gönners  und  zugleich  wahren  Mannes  der  Wissenschaft,  Seiner  Aller- 
getreuesten Majestät  des  Königs  Dom  Pedro  V.  von  Portugal,  der 
selbst  die  speciellsten  conchyliologischen  Kenntnisse  besass,  der  unsern  hoch- 
verehrten Freund  Don  Carlos  Ribeiro  eigens  zum  Studium  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  nach  Wien  gesandt,  um  sodann  ein  dem  gleichen  Zwecke 
gewidmetes  Institut  in  Lissabon  einzurichten.  Viele  werthvolle  Empfangsbestäti- 
gungen aus  Veranlassung  der  Correspondenten  - Anzeigeschreiben  sind  uns 
zugegangen,  aus  deren  Zahl  es  mir  gestattet  sein  dürfte  jener  Seiner  Durchlaucht 
des  Herrn  Regierenden  Fürsten  Adolph  Georg  zu  Sc  ha  um  b ur  g- L i p p e , der 
Herren  Franz  Edlen  v.  Mayr,  Graf  v.  Hartig,  Graf  A.  Szecsen,  Bischof 
Korizmits,  k.  k.  Minister  Graf  v.  Wickenburg,  k.  k.  Oberstkämmerer 
Graf  Karl  v.  Lanekoronsk i-B r z e z i e,  Prälat  E.  Resucsek  von  Z i r c z,  P i 1 i s 
und  Pasztö  mit  dankbarster  Anerkennung  zu  erwähnen. 

Die  in  dem  Jahre  1860  aufgenommenen  Karten-Sectionen  waren  nebst  dem 
1.  Hefte  des  Jahrbuches  für  1860,  in  gewohnter  Weise  an  Seine  k.  k.  Ap  o- 
stolische  Majestät,  unter  Vertretung  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritter 
v.  Schmerling  in  tiefster  Ehrfurcht  unterbreitet  und  huldreichst  entgegen- 
genommen worden,  diesesmal  die  Sectionen  der  Detail-Aufnahme  in  Böhmen 
No.  XIV  Umgebungen  von  Brandeis  und  Neu-Kolin,  No.  XX  Umgebungen  von 
Skalitz  und  Beneschau,  No.  IV  Umgebungen  von  Neustadt  und  Hochstadt,  und 
No.  IX  Umgebungen  von  Jicin  und  Hohenelbe  nahe  vollendet,  ferner  von  Ueber- 
sichts-Aufnahmen  die  Sectionen  XII  und  XIV  von  Ungarn,  die  Karte  vom  Banat 
und  von  West-Siebenbürgen. 

Die  Vertheilung  der  Druckschriften,  Jahrbuch  und  Abhandlungen  ging  in 
gewohnter  Weise  fort  und  stellt  sich  gegenwärtig  wie  folgt : 


1.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Inland.  Ausland. 


Inland.  Ausland. 


An  Se.  k.  k.  Apostolische  Maje- 
stät und  das  Allerhöchste 
Kaiserhaus 


22 

45 

146 

195 


Wissenschaftliche  und  andere 


Gesellschaften 

Redactionen 


59  196 

2 9 

4 18 


Behörden  und  Institute  . . 
Montanbehörden  ...... 

Lehranstalten 


9 Gönner  und  Geschenkgeber  . 


8 

52 


473  292 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Haidinger. 


99 


[H] 


II.  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Inland.  Ausland. 

An  Se.  k.  k.  Apostolische  Maje- 
jestät  und  das  Allerhöchste 


Kaiserhaus  , 19  — 

Behörden  und  Institute  ...  10  14 

Montanbehörden 15  1 

Lehranstalten 36  34 


Inland.  Ausland. 

Wissenschaftliche  und  andere 


Gesellschaften 28  96 

Redactionen — 7 


Gönner  und  Geschenkgeber  . 22  18 

13Ö  17Ö 


Auch  dieses  Jahr  erhielten  wir  als  Gegengaben  eine  grosse  Anzahl  der 
werthvollsten  fortlaufenden  Gesellschaftsschriften,  theils  selbstständige  Werke, 
so  dass  sie  in  dem  von  Herrn  Bibliotheks-Custos  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, Ritter  A.  Senoner  sorgsam  fortgeführten  Kataloge  nunmehr,  nach  dem 
letzten  Abschlüsse  für  den  31.  October  unsere  Bibliothek  enthält 
Bücher  3330  Nummern  11076  Bände  und  Hefte 
Karten  391  „ 1209  Blätter. 

Wie  in  früheren  Jahren  bestreben  wir  uns , befreundeten  Instituten  und 
Gesellschaften  den  Austausch  ihrer  bezüglichen  Publicationen  zu  erleichtern, 
eben  so  wie  sie  uns  gegenseitig  ihr  Wohlwollen  zukommen  lassen.  Namentlich 
ist  uns  ein  wahrhaft  grosses  ehrenhaftes  nachahmungswerthes  Beispiel  das  ame- 
rikanische National-Institut  der  Smithsonian  Institution,  welche  die  Frachtspesen 
für  alle  Sendungen  aus  den  transatlantischen  Ländern  bis  Leipzig  trägt,  bis 
San  Francisco  in  Californien  und  Santiago  in  Chile,  während  uns  nur  die  bis 
Leipzig  zu  begleichen  übrig  bleibt.  Auch  mit  diesen  Expeditionen  ist  Herr  Senoner 
speciell  von  uns  betraut,  und  ich  freue  mich  hier  in  Erinnerung  zu  bringen,  dass 
ihm  für  seine  zuvorkommende  Betriebsamkeit  in  dieser  und  anderen  Beziehungen 
von  Sein  er  Maj  estät  dem  König  e 0 tto  von  Griechenland  das  silberne 
Erlöserordens-Ritterkreuz  verliehen  worden  ist. 

Herr  Senoner  hat  eine  recht  empfehlenswerthe  kleine  Übersicht  der 
Sammlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  mit  Grundriss  als  Leitfaden 
bei  dem  Besuche  bei  K.  Gerold’s  Sohn  herausgegeben.  Längst  war  eine  solche 
Schrift  Bedürfniss,  auch  wird  nach  Erschöpfung  der  vorliegenden  Auflage  ein 
von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  selbst  ausgehender  Bericht  vorbereitet 
werden,  was  jetzt  bei  der  neu  gewonnenen  freieren  Stellung  erst  möglich 
gew  orden  ist,  aber  nicht  gelingen  konnte  bei  der  Ungunst  der  früheren  Verhältnisse. 

Nachfragen  nach  auszufertigenden  geologischen  Karten  erhalten  sich.  Auch 
in  diesem  Jahre  wurden  an  die  Herren  Hazslinszky  in  Eperies,  Dr.  Koller, 
Hohenegger  in  Teschen,  Pauli  in  Hryniawa,  Artaria,  Calve  in  Prag, 
Fürst  A.  v.  Schwarzen  berg,  v.  Robert  in  Oberalm,  Wagenmann,  die 
kön.  ungarische  Akademie  der  Wissenschaften,  das  Landesmuseum 
in  Laibach  32  Blätter,  theils  Special-,  theils  General-  und  Strassenkarten  geliefert, 
oder  die  schwarz  übergebenen  Blätter  colorirt. 

Ebenso  wurden  15  kleine  Sammlungen  von  Petrefacten  und  Mineralien  ab- 
gegeben, so  dass  sich  die  bis  jetzt  überhaupt  vertheilten  auf  567  stellen. 

Herr  D.  Stur  ist  ansehnlich  mit  dem  Ordnen  der  systematischen  Sammlung 
sowohl  als  der  Localfloren  der  fossilen  Pflanzenreste  vorgeschritten.  Bei  der 
grossen  Ausdehnung,  welche  sie  gewonnen  und  wieder  bei  dem  Bedürfnisse  eine 
Anzahl  der  grösseren  Wandschränke,  in  welchen  fossile  Pflanzenreste  aufgestellt 
waren,  zur  Aufstellung  von  Gebirgsarten  zu  verwenden,  sind  nun  neue  Einrich- 
tungen an  denselben  besonders  gewidmeten  Schränken  eine  Aufgabe,  die  uns 
dringend  vorliegt. 


100 


Verhandlungen. 


[12] 

Herr  Graf  v.  Marschall  wirkt  fortwährend  günstig  in  Ordnung  und  Katalo- 
girung  der  Mineralien-  und  Petrefacten-Sammlungen,  und  der  Correspondenz  in 
fremden  Sprachen. 

Mit  dem  Schlüsse  des  Jahres  1861  wird  in  dem  jetzt  im  Drucke  liegenden 
Hefte  auch  das  vollständige  Verzeichniss  der  während  des  ganzen  Jahres  erhal- 
tenen Druckschriften  und  Kartenwerke  gegeben  werden.  Ich  gehe  daher  nicht 
näher  in  dieselben  ein.  Doch  seien  mir  einige  Ausnahmen  gestattet. 

Vor  Allem  mit  innigster  Theilnahme  zu  erwähnen  erhielten  wir  durch  die 
Gnade  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs 
Ferdinand  Maximilian  die  zwei  ersten  Bände  der  „Reise  der  österreichi- 
schen Fregatte  Novara  um  die  Erde  in  den  Jahren  1857,  1858,  1859,  unter 
den  Befehlen  des  Commodore  B.  v.  Wüllerstorf-Urbair.  Aus  der  k.  k.  Hof- 
und  Staatsdruckerei“,  und  zwar  nicht  nur  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt, 
sondern  in  grossmüthigster  Weise  auch  persönlich  für  meine  hochverehrten 
Freunde  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Foetterle  und  für  mich 
selbst.  Ein  Exemplar  der  englischen  Ausgabe  verdanke  ich  noch  besonders  dem 
Verfasser  beider  Berichte,  des  deutschen  und  englischen,  meinem  hochverehrten 
edlen  Freunde,  Herrn  Dr.  Karl  Ritter  v.  Sc  herz  er.  Er  war  billig,  wie  sich  der 
hochverdiente  Befehlshaber  der  Expedition,  Freiherr  v.  Wüllerstorf,  in  seinem 
Vorworte  ausdrückt,  mit  der  „eben  so  schwierigen  als  beneidenswerthen  Auf- 
gabe“ der  Bearbeitung  und  Redaction  der  Reisebeschreibung  beauftragt.  Heute 
darf  man  wohl  sagen,  Dr.  v.  Scherzer  hat  die  Aufgabe  auf  das  rühmlichste 
gelöst.  Ob  ich  einen  Anspruch  habe,  meine  Ansicht  auszusprechen?  Und  am 
gegenwärtigen  Orte  ? Ich  glaube  ja.  Ich  gedenke  der  Aufregung,  mit  welcher 
wir  die  im  Herbste  1856  beschlossene  Erdumsegelung  begrüssten,  wie  die  erste 
Einladung  von  Herrn  Dr.  Scherzer  zu  Instructionen  gerade  an  dem  Tage  der 
k.  k.  geographischen  Gesellschaft  zukam,  wo  ich  als  erster  Präsident  den  ersten 
Vorsitz  führte,  wie  sich  dann  in  den  Sitzungen  der  Gesellschaft  sowohl  als  in 
jenen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  fort  und  fort  die  Theilnahme  steigerte, 
bis  in  der  Sitzung  am  7.  März  1857,  als  Herr  Dr.  Scherzer  sein  Abschiedswort 
sprach,  ich  laut  des  hohen  Einflusses  gedachte,  welchen  Scherzer's  Berufung 
auf  das  Gelingen  des  Unternehmens  ausüben  musste  *) : Mein  Wort  war  nun  mit 
eingesetzt,  unser  hochverdienter  Landsmann,  mein  theurer  Freund  durch  vielfache 
Übereinstimmung  der  Gefühle,  hat  "es  glänzend  ausgelöst.  Aber  die  k.  k.  geolo- 
gische Reichsanstalt  hat  noch  einen  ferneren  Antheil  an  der  Reise  genommen.  Eines 
der  von  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  zur  wissenschaftlichen 
Commission  gewählten  Mitglieder,  Herr  Dr.  Hochstetter,  gehörte  dem  Stabe 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  an.  Selbst  die  umschriebene  Dotation  der 
letzteren  blieb  in  gewohnter  Weise  in  Anspruch  genommen,  während  die  Aka- 
demie freilich  mehr  zur  Disposition  stellte,  aber  Alles  durch  ausserordentliche 
Bewilligungen  erhielt.  Wir  sandten  damals  10  Reihen  unserer  sämmtlichen  Druck- 
schriften und  10  kleine  Sammlungen  von  Wiener  Tertiärpetrefacten  mit  Herrn  Dr. 
Hochstetter  an  Institute  nach  Rio  de  Janeiro,  die  Capstadt,  Madras,  Calcutta, 
Singapore,  Batavia,  Hongkong,  Sydney,  Melbourne,  Auckland,  die  einen  werth- 
vollen Anknüpfungspunkt  in  den  wissenschaftlichen  Kreisen  der  besuchten  Orte 
bildeten.  Manchen  ferneren  Lichtpunkt  brachte  uns  die  Novarafahrt  durch  zahlreich 
gewonnene  hochverehrte  Gönner  und  Correspondenten,  in  Gegensendungen  und 
wissenschaftlichem  Austausch  eine  wahre  fortdauernde  und  sich  noch  immer  weiter 


*)  Mittheilungen  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft.  1857.  Verhandlungen,  Seite  130. 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Haidinger. 


101 


[13] 


und  weiter  lebhaft  entwickelnde  Anregung.,  beides  für  die  aus  unseren  Bedürfnissen 
hervorgegangene  k.  k.  geographische  Gesellschaft  und  für  unsere  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt  selbst.  Ich  gedenke  noch  der  anregenden  Mittheilung  durch  Corres- 
pondenz  von  den  hochverehrten  Reisenden , wie  manche  zum  Druck  beförderte 
wissenschaftliche  Abhandlungen  und  Berichte  durch  unsere  Hände  gingen,  so  wie 
auch  wir  den  Reisenden  wieder  Nachrichten  nach  Möglichkeit  zu  geben  suchten. 
So  erfreuen  wir  uns,  die  wir  im  Geiste  das  erdumsegelnde  gute  Schiff  begleiteten, 
mit  hoch  gehobener  Theilnahme  des  trefflichen,  uns  nun  in  den  zwei  ersten  Bänden 
vorliegenden  Berichtes,  der  die  Erlebnisse  auf  der  Reise  von  Triest  über  Madeira, 
Rio  de  Janeiro,  das  Cap,  St.  Paul  und  Amsterdam,  Ceylon,  Madras,  die  Nikobaren, 
Singapore,  Java,  die  Philippinen,  China  und  durch  den  grossen  Ocean  mit 
Puynipet  und  Sikayana  bis  zur  Ankunft  in  Sydney  enthält.  Die  ganze  Unterneh- 
mung ist  ein  unvergängliches  Ehrendenkmal  für  das  grosse  Oesterreich. 

Ein  Prachtwerk,  wie  das  vorige  aus  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  zu 
deren  Ruhme  hervorgegangen,  ist  unseres  hochverehrten  Freundes  und  früheren 
Arbeitsgenossen  Prof.  Dr.  Constantin  Ritter  v.  Ettingshausen  Folioband:  „Die 
Blattskelete  der  Dikotyledonen  mit  besonderer  Rücksicht  auf  die  Untersuchung 
und  Bestimmung  der  fossilen  Pflanzenreste“.  Gewidmet  Seiner  Majestät  dem 
Könige  Maximilian  II.  von  Bayern,  dem  erhabenen  Beschützer  der 
Wissenschaft  und  Kunst.“  Auf  95  Tafeln  und  in  296  Typen- Abdrücken  von 
mehr  als  1200  Blättern  aus  jenen  Pflanzenfamilien , welche  sich  am  genauesten 
den  Formen  der  fossilen  Reste  anschliessen , -um  als  Vergleichungen  zu  dienen. 
Es  ist  dieses  Werk  ein  schönes  Ergebniss  wissenschaftlicher  Kenntniss  und 
Forschungsgabe  zugleich  mit  unermüdlicher  Beharrlichkeit  in  der  Auswahl,  nach 
der  Methode  des  Naturselbstdruckes,  wo  jede  einzelne  Darstellung  von  Anfang 
bis  zu  Ende  die  Aufmerksamkeit  des  Verfassers  erheischt.  Aber  auch  hier  darf 
ich  mich  an  die  grosse  Theilnahme  erinnern,  mit  welcher  wir  in  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  von  dem  ersten  Versuche  an,  dieser  Art  von  Gewinnung  von 
Blattabdrücken  gefolgt  sind,  da  das  Bedürfniss  das  unsere  war,  und  da  ja  die  aller- 
erste Tafel,  der  allererste  Versuch  selbst  von  Herrn  Dr.  v.  Ettingshausen  im 
Jahre  1852  zusammengestellt  wurde,  der  seitdem  nicht  ermüdete,  fort  und  fort 
in  der  gleichen  Richtung  der  Studien  der  Blatt-Nervationen  Erfolge  zu  erringen, 
und  der  nun  noch  viele  wichtige  Mittheilungen  vorbereitet  hat. 

Mit  grösster  Theilnahme  darf  ich  hier  noch  eine  Mittheilung  eines  hoch- 
verehrten Freundes  und  früheren  Mitgliedes  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
erwähnen,  Herrn  Prof.  Dr.  Karl  Peters  „Geologische  und  mineralogische 
Studien  aus  dem  südöstlichen  Ungarn,  insbesondere  aus  der  Umgegend  von 
Rezbänya“,  in  zwei  Abtheilungen  aus  dem  43.  und  44.  Bande  der  Sitzungs- 
berichte der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  Begründet  in  der  Unter- 
suchungsreise des  Biharer  Gebirgsstockes  im  Jahre  1858  unter  den  Auspicien 
des  k.  k.  Gouvernements  von  den  Herren  Professoren  Dr.  A.  Sch  midi  als  Leiter 
und  Dr.  Peters,  Dr.  Kerner  und  Dr.  Wastler  schliesst  sich  dieser  Bericht 
einerseits  vollkommen  an  unsere  Uebersichtsaufnahmen  an  und  erläutert  ein 
vorher  geologisch  nahezu  unbekanntes  Gebiet,  andererseits  aber  sind  die  Studien 
der  Rezbänyer  Mineralvorkommen  in  so  eingehender  Weise  gegeben,  dass  man 
diese  ausführliche  und  lichtvolle  Behandlung  gern  überall  durchgeführt  sehen 
möchte.  Leider  sind  die  Bergbauverhältnisse  so  ungünstig,  dass  man  das  Meiste 
nur  mehr  in  den  Sammlungen  erhalten  findet,  was  aber  Herr  Prof.  P eters  auch 
in  Wien,  Pesth  und  Ofen  in  sorgsamster  Weise  für  seine  Studien  ausgebeutet  hat. 
Wir  sind  ihm  für  diese  wahre  Bereicherung  geologisch-mineralogischer  wissen- 
schaftlicher Landeskenntniss  zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet. 


102 


Verhandlungen. 


[14] 

Billig  gedenke  ich,  wenn  auch  nur  mit  wenigen  Worten  hier  der  „Geolo- 
gischen Karte  der  Umgebungen  Wiens  von  Czjzek,  nach  den  Arbeiten  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  und  der  Herren  Dir.  Dr.  M.  Hörnes,  Prof.  E.  Suess, 
F.  Karrer,  K.  M.  Paul  u.  A.  rectificirt  und  neu  aufgenommen  von  D.  Stur.“ 
Obwohl  im  verflossenen  Abschlüsse  als  geschlossen  erwähnt,  ist  sie  doch 
erst  in  diesem  Jahre  recht  eigentlich  in’s  Leben  getreten.  Sie  erschien  bei 
Artaria,  und  ist  im  k.  k.  militärisch-geographischen  Institute  sorgsamst  in 
Farbendruck  ausgeführt  mit  35  Farben  und  Zeichen  für  Gesteine  und  Mineral- 
vorkommen. 

Eben  erst  fertig  geworden  ist  die  „Geologische  Uebersichtskarte  von 
Siebenbürgen,  mit  Benützung  der  neuesten  von  Franz  Fischer  topographisch 
richtig  gestellten  Karte  des  Landes,  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
aufgenommen  von  Franz  Ritter  v.  Hauer,  unter  Mitwirkung  der  Herren  Albert 
Bielz,  Ferdinand  Freiherr  v.  Richthofen,  Dr.  Guido  Stäche  und  Dionys 
Stur,  1861,  Steindruck  von  F.  A.  R.  Krabs  in  Hermannstadt,  Maass- 
stab 1 : 567.000  oder  8000  Klafter  auf  1 Zoll.  Ein  Blatt  26  Zoll  breit,  21  y2  Zoll 
hoch.  Herr  v.  Hauer  hatte  sie  im  Manuscript  in  der  Sitzung  am  20.  November 
1860  vorgelegt.  Mit  besonderer  Befriedigung  müssen  wir  dieses  Zusammen- 
wirken von  Privatkräften  wie  in  dieser  neuen  Herausgabe  des  Herrn  Fischer 
mit  den  Ergebnissen  unserer  wissenschaftlichen  Forschungen  begrüssen.  Es  sind 
35  Farbentöne  und  Zeichen  für  Gesteine  und  Mineralvorkommen  angewendet. 
In  den  Lithographien  sind  nur  die  Gesteingrenzen  gezogen,  die  Farben  sind  mit 
der  Hand  angelegt.  Es  ist  dadurch  ein  mässiger  Preis  erzielt,  weil  doch  das 
Zeitraubendste,  die  Einzeichnung  der  Grenzen,  mit  mechanischen  Mitteln 
erreicht  ist. 

Höchst  anregend  in  der  gegenwärtigen  Zeit  der  Aenderungen  in  den  Zu- 
ständen unserer  guten  Reichs-Haupt-  und  Residenzstadt  Wien,  mit  ihren  Bau-, 
Canalisirungs-,  Wasserfragen  sind  uns  zwei  grosse  Plane  der  Stadt  Paris, 
Geschenke  unseres  hochverehrten  Freundes  Herrn  Aehille  D el  ess  e,  Ergebnisse 
seiner  eigenen  Thätigkeit,  aber  gefördert  durch  den  Einfluss  höherer  Kräfte. 
1.  Carte  geologique  souterraine , 2.  Carte  hydrologique , beide  de  la  rille  de 
Paris,  publiee  d'apres  les  ordres  de  Mr.  le  baron  G.  E.  H aussman  n,  senateur , 
prefet  de  la  Seine,  conformement  ä la  deliberation  du  Conseil  Municipal 
du  8.  Novembre  1887  et  executee  par  Mr.  Del  esse,  Ingenieur  des  mines , in- 
specteur  des  carrier es  du  departement  de  la  Seine , 1888.  Sie  sind  in  gleicher 
Grösse  in  je  2 Blättern  zusammen  von  50  Zoll  Breite  und  36  Zoll  Höhe  in  Farben- 
druck in  dem  Maasse  von  etwa  92*6  Klafter  = 1 Zoll  (1  : 6666 2/3  der  Natur) 
ausgeführt.  Dazu  noch  den  „Rapport“  — „Bericht  der  Herren  Delesse,  Beau- 
li  eu  und  Yvert  über  die  unterirdische Ueberschwemmung  der  nördlich  gelegenen 
Stadttheile  von  Paris  im  Jahre  1856,  1861£7.  Die  erste  bezieht  sich  auf  die 
Schichten  des  Untergrundes  und  ihre  Oberflächengestaltung,  jede  einzelne  durch 
Höhencoten  gegeben,  die  zweite  auf  die  verschiedenen  mit  einander  in  Verbin- 
dung stehenden  oder  getrennten  Wasserspiegel  über  Tage  und  unter  der  Ober- 
fläche, wie  sie  durch  Brunnen  eröffnet  und  durch  Canäle,  oder  sonstige  Einflüsse 
verschiedentlich  in  ihren  Verhältnissen  erscheinen.  Beide  von  der  höchsten 
Wichtigkeit  für  die  Beantwortung  einer  grossen  Anzahl  von  Fragen  in  Bezug 
auf  Gesundheitspflege,  Ueberschwemmungen,  Wasserabzug  und  Trockenlegung 
überhaupt,  auf  die  Anlagen  von  Abzugscanälen , und  überhaupt  auf  alle  unter- 
irdischen Arbeiten.  Ungeachtet  manche  Vorarbeiten  gewonnen  wurden,  sind 
wir  noch  nicht  in  der  Lage  uns  in  dieser  Beziehung  an  die  Seite  von  Paris 
zu  stellen. 


[IS] 


Sitzung  vom  19.  November.  W.  Haidinger. 


103 


Nur  summarisch  darf  ich  auch  noch  anderer  werthvoller  Geschenke  an 
Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  hier  gedenken,  welche  uns  von  hochver- 
ehrten Gönnern  und  Freunden  zugekommen  sind,  den  Herren  E.  Kleszczynski, 
J.  Fichtner  in  Atzgersdorf,  Leinmüller  in  Gurkfeld,  k.  k.  Kriegscom- 
missär  A.  Letocha,  Gr.  Zu  lieh  in  Cattaro,  k.  k.  Hofrath  Ritter  v.  Schwa- 
benau  in  Linz,  Jul.  Quaglio,  V.  Forcher  in  Ainbach  bei  Knittelfeld,  A.  v. 
Makaj  in  Grosswardein,  k.  k.  Landes-General-Commando  in  Galizien,  R.  v.  Mi- 
orini  in  Razsina,  Ferdinand  Mueller  in  Melbourne,  k.  k.  Marine-Ober-Com- 
mando,  hochw.  Pfarrer  J.  Maryska  in  Liebstadtl,  k.  k.  Bergmeister  F.  Schott 
in  Jaworzno,  k.  s.  Bergrath  Breithaupt  in  Freiberg,  k.  k.  General-Consul 
Freiherr  v.  Merck  in  Hamburg,  k.  k.  Schwefelwerksverwaltung  in  Radoboj, 
P.  Hartnigg  in  Auronzo,  Frau  J.  Kablik  in  Hohenelbe,  k.  k.  Komotauer  Berg- 
hauptmannschaft,  der  werthvollen  Aufsammlungen  des  Herren  J.  Sapetza  in 
Mähren,  so  wie  der  umfassenden  Aufsammlungen  und  Einsendungen  unserer 
geologischen  Reise-  und  Aufnahmssectionen.  Nebst  den  oben  erwähnten  Geschen- 
ken aus  der  Versammlung  der  Berg-  und  Hüttenmänner  beträgt  das  Gesammt- 
gewicht  des  neu  zugewachsenen  Materials  wohl  mehr  als  70  Centner.  Ueber  einige 
neuerlichst  erst  erhaltene  reichhaltige  freundliche  Einsendungen  der  Herren  k.  k. 
Realschuldirector  J.  Krejci,  K.  Feistmantel,  fürstl.  Fürstenberg’schen 
Hüttenverwalter  von  Bras  nächst  Radnitz  und  von  Miröschau  von  Herrn  Apotheker 
Storch  in  Rokitzan  werden  besondere  Vorlagen  für  unsere  Sitzungen  vorbereitet. 

Nur  wenige  Worte  darf  ich  hier  auch  einem  kürzlich  erst  erhaltenen  höchst 
werthvollen  Geschenke  widmen,  da  es  in  einer  der  Winter-Sitzungen  ausführ- 
licher erörtert  werden  soll,  eine  Reihe  von  Druckschriften  von  Herrn  Jacques  A. 
Boucher  de  Creveeoeur  de  Perthes,  Präsidenten  der  So  riete  Imperiale 
d' Emulation  von  Abbeville  und  zwar  mehrere  ältere  Bände  der  Memoires 
der  Gesellschaft,  5 Bände  Reisen,  die  Werke  De  la  Creation  5 Bände,  Hommes 
et  Choses  4 Bände  und  andere,  vorzüglich  aber  die  vielen  Mittheilungen  über  die 
von  ihm  zuerst  richtig  beurtheilten  Ueberbleibsel  menschlichen  Kunstfleisses  aus 
den  Diluvialschichten  der  Umgegend  von  Abbeville,  Antiquites  antediluviennes , 
aus  Zeitabschnitten,  welche  unsere  Begriffe  über  die  frühesten  Bewohner  Europa’s 
weit  über  die  bisher  vorausgesetzten  Zeiten  zurücklegt.  Nebst  den  Schriften  ver- 
danken wir  ihm  aber  auch  Gegenstände  aus  den  dortigen  Diluvialschichten 
selbst,  wie  auch  aus  der  keltischen  Epoche,  zugeschlagene  Kiesel  mit  scharfen 
Graten,  Knochen  mit  mehr  oder  wenigen  Spuren  von  Bearbeitung,  deren  Reste 
aus  den  Torfmooren  und  Anderes,  was  nicht  fossil  genannt  werden  kann.  Das 
Ganze  wird  für  sich  zur  Aufstellung  gebracht  und  wird  nicht  fehlen  lebhafte 
Theilnahme  zu  erregen.  Bereits  haben  sich  auch  bei  uns  Freunde  der  Wissen- 
schaft dieser  Studien  an  der  Grenze  geologischer  und  archäologischer  For- 
schungen zugewandt,  aus  welchen  ich  hier  nur  der  hochverehrten  Freunde 
Prof.  E.  Suess  und  Dr.  E.  Freiherr  v.  Sacken  gedenke,  aber  man  darf  hoffen, 
dass  auch  in  dieser  Richtung  das  reiche  Feld  der  Forschung  noch  viele  eifrige 
Theilnehmer  finden  wird,  so  wie  sie  bereits  die  Herren  Boucher  de  Perthes, 
Pr  es  tw  ich,  La  rtet,  L.  Horner,  v.  Morlot  und  andere  verfolgt  haben. 

Aus  Veranlassung  einer  freundlichst  übersandten  Photographie  im  Visif- 
kartenformat  eröffnen  wir  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  ein  Porträt- 
Album,  in  welchem  alle  jene  Bildnisse  hochverehrter  Gönner  und  Freunde  auf- 
bewahrt zu  werden  bestimmt  sind,  welche  uns  als  freundliche  Geschenke  in  dem 
Laufe  der  Zeiten  erfreuen  sollten. 

So  eröffnen  wir  denn  mit  dem  Berichte  über  die  letzte  Jahresperiode  mit 
ganz  anderen  Gefühlen  die  neue,  mit  frohem  Muthe,  dass  es  uns  gelingen  wird. 


104 


Verhandlungen. 


[16] 


fort  und  fort  werthvolle  Erfolge  zu  erzielen,  zur  Mittheilung  an  unsere  Zeit-  und 
Landesgenossen , ein  Gewinn  an  Kenntniss  für  alle  Zeiten.  Stets  wird  uns  jeder 
neu  gewonnene  Beitrag  in  Aufregung  und  Thätigkeit  erhalten.  Diese  ist  es,  durch 
welche  wir  uns  unsere  eigene  Stellung  in  dem  Urtheile  der  Fachgenossen,  in 
dem  Beifalle  hochgeehrter  Gönner  und  Freunde  erworben  haben.  Stets  war  unser 
Bestreben,  unsere  Pflichterfüllung  öffentlich,  so  schwierig  es  uns  auch  oft  wurde, 
diese  Oeffentlichkeit  uns  in  geeigneter  Weise  zu  erhalten.  Wir  gaben  Bericht  von 
wirklichen  in’s  Werk  gesetzten  Arbeiten.  Wir  bereiten  die  Erinnerung  an  Thalen 
vor.  Der  Schluss  der  Arbeit,  die  Bekanntmachung  derselben  gibt  ihr  erst  Geltung. 

Die  Arbeit  war  es,  welche  wir  geleistet,  die  uns  dem  Worte  unserer  wohl- 
wollenden Gönner  und  Freunde  empfahl,  welche  unsere  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt  im  verflossenen  Jahre  von  der  drohenden  Zerstörung  rettete.  Ihr  vertrauen 
wir  auch  für  die  fernere  Zukunft.  Nicht  soll  dieser  unser  unabhängiger  Mittel- 
punkt der  Arbeit,  der  Anregung,  des  wissenschaftlichen  Fortschrittes,  der  Aner- 
kennung, der  freundlichen  Verbindung  mit  allen  Gegenden  des  Kaiserreiches, 
nach  allen  Bichtungen  über  die  ganze  Erde,  der  Erfolg  unserer  eigenen  Kenntniss 
und  Kraft  und  der  Beharrlichkeit  in  unserer  Pflichterfüllung  untergehen  in  einem 
anderen  Mittelpunkte,  wäre  dieser  an  sich  noch  so  ehrenwerth,  der  aber  vielfach 
nach  sehr  verschiedenen  Ansichten  und  unter  ganz  andern  mit  den  unsern  unver- 
einbaren Verhältnissen  wirkend  in  das  Leben  eingreift. 

Während  man  von  anderer  Seite  nicht  ermüdet  allen  wissenschaftlichen 
Fortschritt  der  Neuzeit  in  Oesterreich  die  Begründung  des  geistigen  Lebens  für 
die  Kaiserliche  Akademie  der  Wissenschaften  als  Monopol  in  Anspruch  zu  nehmen, 
wenn  man  auch  dieses  Wort  selbst  von  sich  zu  weisen  sich  bestrebt  «),  glaube  ich 
gegen  unsere  eigenen  hochverehrten  Gönner  und  Freunde  dazu  verpflichtet  zu 
sein,  zu  bemerken,  dass  so  manche  Begung  des  Geiste’s  auch  in  unabhängiger 
Weise  seine  Entwicklung  fand,  dass  namentlich  unsere  eigenen  Bestrebungen 
ihren  Stammbaum  ohne  Unterbrechung  bis  in  jene  Zeiten  hinaufzubeweisen  ver- 
mögen, wo  es  noch  keine  Kaiserliche  Akademie  der  Wissenschaften  gab,  ja  dass 
bekanntlich  sie  selbst  eigentlich  ein  Ergehniss  des  erwachenden  Geistes  unab- 
hängiger Forschung  war,  und  dass  es  den  Wortführern  auf  jener  Seite  sehr  wohl 
anstehen  würde,  sich  des  Ursprungs  zu  erinnern.  Alle  wirkliche  Arbeit  wird 
aber  nur  von  den  Einzelnen  geleistet,  seien  sie  vereinzelt  oder  versammelt  in 
Instituten,  oder  frei  vereinigt  in  Gesellschaften,  oder  anerkannt  in  Akademien, 
ohne  Hilfe  oder  gefördert  durch  eigene  unabhängige  Stellung  oder  fremde  denselben 
zur  Verfügung  gestellte  Kraft.  Den  Anspruch  der  Einzelnen  auf  Verdienst  anzu- 
erkennen wird  stets  vor  Allem  anregend  bleiben,  und  ist  gerade  die  Aufgabe  der 
wissenschaftlichen  Körperschaften  selbst.  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät 
stellt  uns  einen  Theil  der  Kraft  des  Vaterlandes  in  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt zur  Verfügung;  unser  ist  die  Arbeit,  um  aus  dieser  Kraft  den  Erfolg  zu  ent- 
wickeln, Einer  für  Alle  und  Alle  für  Einen,  für  unser  grosses  gemeinsames  Vater- 
land, für  unsern  Allergnädigsten  Kaiser  und  Herrn  Franz  Joseph  I. 

Heute  am  19.  November  dürfen  wir  billig  in  treuester  Unterthanenliebe  und 
Ehrfurcht  des  Festtages  der  hohen  Frau,  unserer  A 11  er durchl au chtigste n 
Kaiserin  gedenken  und  den  Segen  des  Allerhöchsten  für  Festigung  Ihres 
Wohlbefindens  unter  dem  milden  Himmel  unserer  schönen  Lagunenstadt  erflehen. 


*)  Almanach  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften,  1861.  Seite  116.  Bericht 
des  General-Secretärs. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologisehen  Reichsanstalt. 


Sitzung  am  19.  November  1861. 

Herr  Director  W.  Haidinger  führt  den  Vorsitz  und  eröffnet  die  Sitzung 
mit  der  auf  den  vorstehenden  Blättern  abgedruckten  Ansprache. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  legte  die  geologische  Karte  der  Umge- 
bungen von  Pardubitz,  Königgrätz,  Neu-Bidsow,  Königsstadtl  und  Elbeteinitz  in 
Böhmen  vor,  in  so  weit  dieselben  das  Blatt  Nr.  XV.  der  Generalstabskarte 
Böhmens  im  Maassstabe  von  1 Zoll  = 2000  Wiener  Klafter  ausfüllen.  Die  geolo- 
gische Aufnahme  dieser  Karte  erfolgte  durch  Herrn  Lipoid  als  Chef-Geologen 
der  I.  Section  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  im  Sommer  des  Jahres  1861. 

Das  bezeichnete  Terrain  ist  durchgehends  Flach-  und  niederes  Hügelland. 
Es  wird  in  seinem  östlichen  und  südlichen  Theile  von  dem  Elbe-Flusse  u.  zw. 
von  Josephstadt  bis  Pardubitz  in  der  Richtung  von  Nord  nach  Süd,  und  von  Par- 
dubitz bis  Kolin  in  der  Richtung  von  Ost  nach  West  durchzogen,  eben  so  in 
seinem  nordwestlichen  Theile  von  dem  Zillina  (Cidlina)  Flusse,  welcher  an  Bid- 
sow  vorbei  in  nordsüdlicher  Richtung  fliesst,  bei  Chlumetz  den  an  Nechanits 
vorbeifliessenden  Bistriza-Baeh  aufnimmt,  und  unterhalb  Chlumetz  eine  ostwest- 
liche Richtung  einschlägt.  An  diesen  Flüssen  besonders  an  der  Elbe  breiten  sich 
mehr  minder  grosse  Alluvial-Ebenen  aus,  welche  im  Norden  die  Seehöhe  von 
ungefähr  110  Wiener  Klaftern  besitzen,  im  südwestlichen  Theile  des  Terrains 
aber  auf  die  Seehöhe  von  90  Wiener  Klafter  herabsinken.  Die  zwischen  den 
Flussgebieten  sich  erhebenden  Hügelreihen  und  Hochflächen  erreichen  nur 
die  Seehöhe  von  150  — 160  Wiener  Klafter  über  das  adriatische  Meer. 

Die  geologische  Zusammensetzung  des  in  Rede  stehenden  Terrains  bietet 
eine  sehr  geringe  Mannigfaltigkeit  dar,  indem  in  demselben  ausser  einer  wenig 
verbreiteten  Partie  von  krystallinischen  und  Grauwacken-Gesteinen  nur  Gebilde 
der  Kreideformation  und  Diluvial-Ablagerungen  vorgefunden  wurden. 

Die  krystallinischen  Gesteine  bilden  in  der  Umgebung  von  Elbe- 
Teinitz  eine  kaum  1 — 2000  Klafter  breite  Zone,  welche  sich  von  Elbe-Teinitz 
aus  in  südöstlicher  Richtung  in  das  von  Herrn  SectionsgeoSogen  Baron  Andrian 
bereiste  Terrain  fortzieht.  Am  „Wokkach“ -Berge  nächst  Chwaletitz  erreichen 
die  krystallinischen  Gesteine  die  absolute  Seehöhe  von  161 1/3  Wiener  Klafter 
und  senken  sich  von  da  an  gegen  Nordwesten  mehr  und  mehr,  bis  sie  nordwest- 
lich von  Elbe-Teinitz,  nächst  welcher  Stadt  der  Elbe-Fluss  dieselben  durch- 
brochen hat,  sich  unter  den  Kreide-  und  Diluvialablagerungen  verlieren  und  nur 
mehr  in  einzelnen  Kuppen  zu  Tag  treten.  Sie  bestehen  aus  Gneiss,  mit  Zwischen- 
lagern von  Hornblendegesteinen  und  Kalkstein , aus  Urthonschiefer  und  aus 
Granit;  der  Gneiss  erscheint  an  der  Südwestseite,  der  Urthonschiefer  an  der 
Nordostseite  der  Zone,  während  der  Granit  zwischen  beiden  zu  Tag  tritt.  An 
der  Elbe  bei  Elbe-Teinitz  sieht  man  den  Granit  auch  Gangtrümmer  in  den  Gneiss 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  0 


106 


Verhandlungen. 


[2] 

absetzen,  und  von  massigen  Amphiboliten  begleitet.  Eine  Einlagerung  von  krystal- 
linischem  Kalke  im  Gneisse  trifft  man  bei  Elbe-Teinitz  am  linken  Ufer  zwischen 
der  Brücke  und  dem  Eisenbahnhofe.  Die  Urthonschiefer,  wie  auch  der  Gneiss  in 
der  Regel,  zeigen  bei  einem  nordwestlichen  Streichen  ein  nordöstliches  Einfallen 
der  Schichten.  Oestlich  von  Zdechowitz  folgen  auf  die  Urthonschiefer  Sandsteine 
und  Conglomerate  aus  Quarzgeschieben,  welche  der  „Pribramer  Grauwacke- 
entsprechen und  in  südlicher  Richtung  eine  grössere  Verbreitung  erlangen. 

Als  vereinzelte  abnorme  Gesteinsbildung  erscheint  Basalt  am  Kunetitzer 
Berge  nordöstlich,  und  bei  Spojil  östlich  von  Pardubitz. 

Die  Kreideformation  ist  durch  beide  in  Böhmen  herrschenden  Gruppen 
derselben,  nämlich  durch  die  Quader-  und  durch  die  Pläner-Gruppe,  vertreten. 
Unmittelbar  an  die  Urthonschiefer  anlagernd  findet  man  Quadersandstein  mit 
kalkigen  Zwischenschichten  nächst  Chwaletitz  und  Teleitz  am  linken  Elbe-Ufer. 
In  grösserer  Verbreitung  erscheint  die  obere  Ablagerung  der  Quadergruppe, 
nämlich  der  Quadermergel.  Dieser  tritt  sowohl  im  südwestlichen  Theile  des 
Terrains,  nächst  Pfelouc,  Konarowitz,  Belusitz,  Wohar,  Zizelitz,  am  Fusse 
des  Wovska-  und  des  Ban-Berges,  als  auch  im  nordöstlichen  Theile  desselben, 
nächst  Cernilow,  Cibus,  Libritz,  Kacitz,  Hnewcowes  u.  s.  f.  von  Pläner  grössten- 
theils  überlagert,  zu  Tage,  und  bezeichnet  durch  sein  Auftreten  den  nordöst- 
lichen und  südwestlichen  Rand  des  grossen  Beckens,  welches  die  obere  Gruppe 
der  Kreideformation  Böhmens,  nämlich  die  Plänergruppe,  einnimmt.  Diese 
Gruppe  ist  in  dem  bezeichneten  Gebiete  theils  durch  Plänerkalk,  grösstentheils 
aber  durch  Plänermergel  vertreten,  welche  wegen  ihrer  leichten  Verwitterbar- 
keit höchst  selten  in  anstehenden  Schichten  beobachtet  werden  und  sich  meist 
nur  durch  den  thonigen  dunkelgefärbten  Boden  kenntlich  machen.  In  grosser 
Ausdehnung  findet  man  den  Pläner  unbedeckt  von  Diluvien  im  nordwestlichen 
Theile  des  Terrains,  nächst  Kopidlno,  Chotetic,  Knesitz,  Königsstadtl,  in  der 
Mitte  des  Beckens,  nächst  Hochwessely,  Petrowitz,  Metlican,  Klamos,  Wapno, 
so  wie  im  südöstlichen  und  östlichen  Theile  nächst  Morawan,  Dasitz,  Holitz, 
Chwojno,  Bejsl,  Wysoka,  Hohenbruck,  Zlatina.  Die  Lagerung  der  Kreideschichten 
zeigt  sich  überall,  wo  sie  beobachtet  werden  konnte,  als  eine  schwebende. 

Mehr  als  der  halbe  Theil  des  aufgenommenen  Gebietes  besteht  aus  Sand, 
Schotter  und  Löss,  welche  die  Kreidebildungen  bedecken  und  nicht  nur 
die  tieferen  Punkte  des  Terrains,  sondern  sehr  häufig  auch  die  Höhenpunkte  und 
Hochplateau’s  einnehmen.  Als  älteste  Anschwemmung  dieser  Ablagerungen 
erscheinen  die  Schotter,  bestehend  aus  Quarzgeröllen,  indem  sie  unmittelbar  auf 
den  Kreideschichten  liegen , und  an  einzelnen  Stellen  auch  nur  allein  vorhanden 
sind.  Nicht  selten  findet  man  in  dem  Plänergebiete  nur  ganz  kleine  Partien  von 
Schotter  oder  auch  nur  einzelne  Quarzgerölle  auf  den  Feldern  herumliegend.  Ob 
Mangel  an  Fossilresten  ist  das  Alter  dieser  Schotter  zweifelhaft,  und  es  ist  unent- 
schieden, ob  dieselben  der  Tertiär-  oder  der  Diluvial-Zeit  angehören.  Nach  oben 
werden  die  Schottergerölle  kleiner  und  gehen  in  Sand  über,  der  die  höheren 
Schichten  bildet,  und  hauptsächlich  als  „Flugsand“  ausgedehnte  Flächen  in  den 
tieferen  Theilen  des  Terrains  bedeckt.  Als  unzweifelhafte  Diluvial-Bildung  nimmt 
die  höchste  Lage  dieser  Anschwemmungen  der  Löss  ein,  zuweilen  auch  mit  Sand- 
schichten wechselnd.  Die  Mächtigkeit  aller  dieser  Ablagerungen  ist  sehr  ver- 
schieden, und  reicht  von  einigen  Zollen  bis  zu  4 — 5 Klaftern.  Der  Löss  bedeckt 
in  grossen  Flächen  die  sanften  Gehänge  am  rechten  Elbeufer  westlich  von  Holohlaw, 
Lochenitz,  Plotist,  Kuklena,  Libisan  und  Zdanitz,  und  in  einer  zweiten  zusammen- 
hängenden grossen  Partie  die  Gehänge  in  der  Umgebung  von  Zlunitz,  Smidaf, 
Neu-Bidsow,  Illusitz  und  Lusetz.  Der  Höhen-Schotter  und  Sand  tritt  unter  dem 


Sitzung  vom  19.  November.  Karl  v.  Hauer.  F.  Foetterle. 


107 


[3] 


Löss  an  dem  Hügelzuge,  der  sieh  von  Kopidlno  über  den  „Piska“ -Berg  und 
Wlkow  nach  Chlumetz  erstreckt,  zu  Tag,  und  bedeckt  die  Höhen  hei  Mlikosrb, 
Nehanitz,  Stracow,  Techlowitz,  Kosatitz  und  die  bewaldeten  Hochflächen  süd- 
östlich von  Königgrätz,  während  der  Flugsand  ausgedehnte  Flächen  am  Adler- 
Flusse  zwischen  Königgrätz  und  Hohenbruck  und  an  der  Elbe  in  der  Umgebung 
von  Rokytno,  Pardubitz,  Bochdanetz,  Kladrup,  Elbe-Teinitz,  Wohaf  und  Alt-Kolin 
einnimmt. 

Herr  K.  Ritter  v.  Hauer  sprach  über  die  Zusammensetzung  des  Wassers  der 
Quellen  bei  Gars  im  Viertel  Ober-Mannhardsberg  und  des  Kampflusses  daselbst. 

Das  Kreisland  ober  dem  Mannhardsberge,  in  der  Volkssprache  Waldviertel 
genannt,  bietet  dem  Freunde  der  Natur  in  jeder  Hinsicht  die  mannigfaltigste 
Abwechselung.  Die  Abdachung  dieses  Bergzuges  reicht  in  der  Richtung  gegen 
Stockerau  bis  nach  Wetzdorf.  Vom  Gipfel  desselben  breitet  sich  eine  Hochebene 
— theils  Culturland,  theils  Wald  — aus,  welche  aus  der  Gegend  von  Hörmanns- 
dorf gegen  Horn  und  Gars  in  ein  mehrere  Meilen  langes  und  eine  Meile  breites 
Thal  sich  hinabsenkt.  Der  Kampfluss,  welcher  im  Mühlviertel  unweit  des  Ortes 
Liebenau  entspringt,  durchschneidet  dieses  Terrain  in  einer  Länge  von  14  Meilen, 
bis  er  unterhalb  Krems  in  die  Donau  mündet.  Das  Kampthal  nun,  eine  der  schön- 
sten Gegenden  in  Niederösterreich,  dessen  begrenzende  Bergspitzen  und  schroffe 
Felsvorsprünge  mit  zahlreichen  Ruinen  ehemaliger  Ritterburgen  bedeckt  sind, 
nimmt  bei  Gars  mehrere  Seitenthäler  auf.  Die  in  letzteren  entspringenden  Quellen 
sind  meistens  stark  eisenhaltig,  wesshalb  auch  von  da  an  der  Kampfluss,  in 
welchem  sich  diese  Gewässer  sammeln,  gewöhnlich  rostbraun  gefärbt  erscheint. 
Dieser  Umstand  bewirkte,  dass  die  dortigen  Landärzte  den  Gebrauch  von  Kamp- 
flussbädern für  manche  körperliche  Uebelstände  anriethen  und  wirklich  sollen  in 
einigen  Fällen  von  Bleichsucht  und  sonstigen  Krankheitsphänomenen  des  Blut- 
mangels dieselben  mit  Erfolg  angewendet  worden  sein. 

Herr  Nadeniczek,  jubilirter  Beamter  der  Siebenbürgischen  Hofkanzlei, 
der  in  Gars  ansässig  ist,  übersandte  nun  Wasser  von  einer  dortigen  reicheren 
Quelle  mit  der  Bitte,  es  einer  chemischen  Untersuchung  zu  unterziehen.  Die 
Analyse  ergab  in  10.000  Th.  Wasser  3-130  Th.  fixen  Rückstand,  bestehend  aus: 


0-870  Kieselerde, 

0-667  kohlensaurem  Eisenoxydul, 
0 974  kohlensaurem  Kalk, 

0-400  kohlensaurer  Magnesia, 


0*110  organischen  Substanzen, 

(Spuren  von  Alkalien,  Gyps  und  Chlor- 
verbindungen), 

3-021. 


Die  Menge  der  freien  Kohlensäure  ist  geringe. 

Als  ein  therapeutisch  wirksamer  Stoff  kann  sonach  nur  das  Eisenoxydul 
betrachtet  werden,  das  für  1 Pfund  Wasser  ===  7680  Gran  berechnet,  A/z  Gran 
beträgt,  was  immerhin  beachtenswerth  ist.  Nur  wäre  es  aber  dann  gerathen, 
das  Quellwasser  selbst  für  Bäder  zu  sammeln,  da  durch  die  bedeutende  Verdün- 
nung mit  dem  Wasser  des  Kampflusses  seine  Wirkung  weit  geringer  sein  muss. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  machte  eine  Mittheilung  über -das  Fahl- 
erzvorkommen im  Avanzagraben  im  Venezianischen,  welches  derselbe  im  Laufe 
des  vergangenen  Sommers  über  Einladung  der  venezianischen  Bergbau-Gesell- 
schaft zu  sehen  Gelegenheit  hatte.  Nördlich  von  Forni  Avoltri  im  Deganothale, 
nahe  an  der  Kärthner’schen  Grenze,  zweigt  sich  in  westlicher  Richtung  der 
Avanzagraben  beinahe  bis  an  die  steilen  Abhänge  des  Monte  Peralba  ab,  die 
nördlichen  Gehänge  des  Grabens  gehören  dem  Monte  Cadenis  und  Monte  Avanza, 
die  südlichen  hingegen  dem  Monte  Cadino  an;  der  letztere  besteht  aus  Esinokalk, 
dem  Werfener  Schiefer  und  Verrucano  folgen,  welcher  die  tiefsten  Theile  des 
Grabens  einnimmt;  ihm  folgt  nördlich  steil  aufgerichteter  weisser  Kalk  der  Gail- 


108  Verhandlungen.  m 

i 

thaler  Schichten;  beinahe  in  dei*  Mitte  des  nördlichen  Gehänges  jedoch  tritt 
Glimmerschiefer  auf,  der  den  Verrucano  von  dem  Gailthaler  Kalke  trennt  und 
gewaltsam  emporgetrieben  wurde;  er  zieht  sich  in  westöstlicher  Richtung  vom 
Valle  Sesis  bis  in  den  Bordagliagraben  und  wahrscheinlich  darüber  hinaus  noch 
weiter  östlich.  An  der  Grenze  des  Glimmerschiefers  gegen  den  Bergkalk  wurde 
nun  eine  Contactgangbildung  aufgefunden,  welche  vorwaltend  aus  Quarz  und 
Kalkstein,  schwarzem  Schiefer  und  Schwerspath  besteht  und  Fahlerz  und  Blei- 
glanz führend  ist.  Die  Gangmasse  hat  wegen  der  verschiedenen  Färbung  der 
Bestandtheile  ein  breccienartiges  Ansehen  und  sticht  sowohl  gegen  den  Kalk 
wie  gegen  den  Glimmerschiefer  bedeutend  ab.  Von  dem  letzteren  ist  sie  ziemlich 
scharf  getrennt  und  zeigt  oft  ein  sehr  deutliches  Saalband;  gegen  den  Kalk  hin- 
gegen beobachtet  man  einen  allmähligen  Uebergang,  sowohl  im  Gesteine  wie  in 
der  Erzführung.  Der  Gang  ist  bei  5 — 6 Fuss  mächtig,  auch  darüber,  und  in  der 
ganzen  Mächtigkeit  findet  sich  Fahlerz  meist  eingesprengt,  häufig  jedoch  auch  in 
grösseren  ausgedehnteren  Nestern  in  derbem  Zustande.  Das  Eindringen  des 
Erzes  in  den  angrenzenden  Kalk  geht  oft  mehrere  Klafter  tief  und  tritt  dasselbe 
dann  meist  in  mehrere  Linien  dicken  und  mehrere  Zoll  langen  Striemen  auf. 
Dieser  Gang  tritt  an  der  Grenze  der  beiden  erwähnten  Gesteine  überall  zu  Tage 
und  da  die  Gangmasse  ziemlich  reich  an  Fahlerz  ist,  und  das  Kupfer  desselben 
leicht  oxydirte,  so  sieht  man  an  manchen  Punkten  die  Wände  auf  eine  grosse 
Fläche  mit  den  lebhaften  grünen  und  blauen  Farben  des  Kupferoxyverbindungen 
bedeckt.  Das  nahezu  derbe  Kupferfahlerz  zeigte  bei  mehreren  Untersuchungen 
bis  30  und  36  Perc.  Kupfer  und  10 — 11  Loth  Silber,  sowie  stets  bis  y2  Perc. 
Quecksilber.  Die  mit  Fahlerz  eingesprengte  Gangmasse  zeigte  bei  den  Proben  4, 
6,  bis  13  Perc.  Kupfer  und  1 x/z — 3 Loth  Silber.  Das  Vorkommen  des  Bleiglanzes 
scheint  jedoch  nicht  bedeutend  zu  sein.  Dieses  Fahlerzvorkommen  war  schon  vor 
Erfindung  des  Pulvers  Gegenstand  des  Abbaues  und  es  bestand  zu  Forni  Avolfri 
eine  Schmelzhütte,  daher  auch  der  Name;  die  Arbeit  scheint  aber  wegen  Einfällen 
aus  Kärnthen  plötzlich  unterbrochen  worden  zu  sein  und  hat  bis  auf  die  allerneue- 
sten  Zeiten  geruht.  Erst  im  Jahre  1857  hat  die  venezianische  Bergbau-Gesell- 
schaft wieder  Schürfarbeiten  begonnen  und  die  alten  Stollen,  die  jedoch  geringe  Aus- 
dehnung hatten,  wieder  aufgenommen.  Jetzt  ist  der  Gang  in  einer  Länge  von  etwa 
150  Klftrn.  an  mehreren  nahe  aneinander  liegenden  Punkten  angefaliren,  wovon 
der  tiefste  etwa  60  Klftr.  von  dem  höchsten  Ausbisspunkte  entfernt  ist  und  so- 
wohl am  Ausbisse  wie  in  der  Tiefe  wurde  dasselbe  Verhalten  des  Ganges  und 
der  Erzführung  gefunden.  Schon  dieser  Aufschluss  allein  reicht  bei  den  oben 
angeführten  Untersuchungsresultaten  hin,  das  Gelingen  eines  rentablen  Unter- 
nehmens zur  Gewinnung  dieser  Erze  in  Aussicht  zu  stellen.  Allein  dieser  Gang 
wurde  auch  weiter  östlich  sowohl  an  den  Gehängen  des  Deganothales  wie  in  dem 
Bordagliagraben  aufgefunden,  so  dass  das  Vorhandensein  desselben  auf  eine 
Länge  von  nahezu  2000  Klftrn.  nachgewiesen  ist. 

Die  auf  mehreren  entfernteren  Punkten  aufgefundenen  Erze  deuten  darauf 
hin,  dass  auch  das  Erzvorkommen  in  der  grösseren  Ausdehnung  sich  gleichbleibt. 
Sollte  dies  der  Fall  sein,  so  dürfte  hier  einer  der  wichtigsten  Metallbergbaue 
der  österreichischen  Monarchie  in  kurzer  Zeit  zur  Entwickelung  gelangen. 

Am  Schlüsse  wurden  die  im  Laufe  des  Sommers  an  die  Anstalt  eingesen- 
deten Druckwerke,  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  vorgelegt,  darunter  auch  Herrn 
C.  W.  Th.  Haurand ’s  Karte  von  Mittel-Europa,  Beilage  zu  dem  Werke: 
„Oesterreich's Volkswirtschaft  in  vergleichender  Darstellung  mit  anderen  eure 
päischen  Staaten“,  für  welches  Subscriptions-Einladungen  vertheilt  wurden. 


Jahrbuch 


12.  Band, 


e 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 

Sitzung  am  3.  December  1861. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  führt  den  Vorsitz. 

Die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  wurde  von  dem  hiesigen  Central-Comite 
für  die  nächstjährige  Kunst-  und  Industrie-Ausstellung  in  London  aufgefordert 
eine  Darstellung  des  Vorkommens  des  fossilen  Brennstoffes  in  der  österreichi- 
schen Monarchie  auf  dieser  Ausstellung  zur  Anschauung  zu  bringen.  Bei  der 
Wichtigkeit  des  fossilen  Brennstoffes  für  die  gesammte  österreichische  Industrie 
durfte  sich  die  Direction  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  dieser  Aufgabe 
nicht  entziehen.  Sie  richtete  in  Folge  dessen  an  alle  ihr  bekannten  Kohlen- 
werks- und  Torfstechereibesitzer  die  Einladung  ihr  zu  diesem  Zwecke  von 
den  auf  ihren  Werken  vorkommenden  Steinkohlen,  Braunkohlen,  Ligniten  und 
Torfen  in  rohem  und  gepresstem  Zustande,  Musterstücke  in  der  Würfelform  von 
6 Zoll  Länge,  6 Zoll  Breite  und  6 Zoll  Höhe  nebst  Angaben  über  die  Verhält- 
nisse des  Bergbaues  selbst  baldmöglichst  zukommen  zu  lassen,  um  sodann  aus 
diesem  Materiale  eine  die  ganze  Monarchie  umfassende  zusammenhängende  Col- 
lectiv-Ausstellung  des  Vorkommens  von  fossilem  Brennstoff  in  Oesterreich  zusam- 
menzustellen, einen  umfassenden  Bericht  hierüber  zu  verfassen  und  zur  Ausstel- 
lung nach  London  zu  senden. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  theilte  nun  mit,  dass  diese  Absicht  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  sich  einer  allgemeinen  Theilnahme  von  Seite 
der  Kohlenwerksbesitzer  erfreut  und  es  muss  der  Eifer  und  das  rasche  Vor- 
gehen der  Herren  Werksbesitzer , welches  sie  in  Folge  der  Einladung  an  den 
Tag  legen,  mit  besonderem  Danke  anerkannt  werden.  Innerhalb  der  sehr  kurzen 
Zeit,  seit  die  Einladungen  versendet  wurden,  sind  aus  allen  Theilen  der  Monar- 
chie* nicht  blos  sehr  viele  Zusagen  und  Anmeldungen  von  Zusendungen  von 
Kohlenmustern,  sowie  auch  diese  letzteren  selbst  eingelangt,  sondern  viele 
der  Herren  Einsender  haben  ihre  Sendungen  nicht  blos  mit  den  gewünschten 
Angaben  versehen,  sondern  in  wohlverstandenem  Interesse  der  Sache  auch  andere 
höchst  wichtige  Erläuterungen,  Lagerungs-  und  Maassenkarten,  Profile  u.  s.  w. 
über  ihre  Bergbaue  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  freundlichst  mitgetheilt, 
wie  insbesondere  das  Berginspectorat  der  Kaiser  F er  di  na  nds  Nor  dba  hn, 
das  Fürst  von  S c hau  mb  urg-Lipp  e’sche  Bergamt  zu  Schwadowitz,  die  von 
L indheim’sche  Bergverwaltung  in  Mantau,  die  k.  k.  Bergämter  zu  Cilli, 
Fohnsdorf  und  Pribram,  die  Herren  Topp  er  in  Gresten,  Sprung  in  Voits- 
berg,  Kollisch  in  Göding  u.  s.  w.  Nur  wenn  die  eigenen  Erfahrungen  durch 
ein  so  werthvolles  Materiale  unterstützt  sind,  kann  es  möglich  werden,  die  für  die 
Aufstellung  selbst  erforderlichen  Erläuterungen  dem  Zwecke  entsprechend  zu 
verfassen.  Es  sind  bisher  Sendungen  von  Kohlenmustern  von  25  verschiedenen 
Bergorten  aus  Böhmen,  Mähren,  Oesterreich,  Steiermark,  Krain,  Kärnthen,  Ungarn, 


Verhandlungen. 


110 


[2] 


Croatien  und  der  Militärgrenze  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zugekommen 
und  nachdem  bei  600  Einladungen  an  sämmtliche  Kohlenwerks-  und  Torf- 
stechereibesitzer versendet  wurden,  so  steht  zu  erwarten,  dass  sich  die  Einsen- 
dungen rasch  wesentlich  vermehren  werden. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von  Hauer  legte  die  geologische  Ueber- 
sichtskarte  des  südwestlichen,  zwischen  der  Donau  und  Drau  gelegenen  Theiles 
von  Ungarn  vor,  deren  Aufnahme  im  verflossenen  Sommer  von  der  IV.  Section  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vollendet  worden  war.  Ausser  ihm  selbst  als  Chef- 
geologen nahmen  die  Herren  Dr.  Guido  Stäche  und  Ferdinand  Stoliczka  als 
Sectionsgeologen  und  Herr  Karl  Paul  als  Volontär  an  den  Arbeiten  Antheil. 

Der  grössere  Theil  des  ganzen  Gebietes,  dessen  Flächenraum  785  geogra- 
phische Quadratmeilen  beträgt,  besteht  aus  Ebene  oder  flachem  Hügelland,  deren 
Untergrund  jüngere  Tertiär-,  Diluvial-  und  Alluvial-Schichten  bilden;  nur  in  drei 
abgesonderten  Partien  erscheinen  höhere  Berggruppen  und  zwar  1)  an  der  nord- 
westlichen Grenze  in  der  Umgegend  von  Oedenburg  und  Güns,  wo  bekanntlich 
die  letzten  Ausläufer  der  krystallinischen  Centralaxe  der  Alpen  bis  nach  Ungarn 
herein  fortsetzen,  2)  in  dem  ausgedehnten  Zuge  der  von  den  Ufern  der  Donau 
zwischen  Neszmely  und  Ofen  in  südwestlicher  Richtung  fortstreicht  durch  das 
Ofner-Gebirge,  das  Pilis-  und  Vertes-Gehirge,  den  Bakonyer-Wald  und  das 
Plattensee-Gebirge  bis  Keszthely ; 3)  in  dem  Fünfkirchner  Gebirge  und  den  dem- 
selben südlich  vorliegenden  Inseln  älterer  Gesteine. 

Die  Vollendung  der  Aufnahme  der  ersten  dieser  drei  Partien,  so  weit  sie  bei 
der  Detailaufnahme  des  Erzherzogthums  Oesterreich  noch  nicht  mit  einbezogen 
war,  so  wie  das  niedere  Land  bis  an  die  Linie  Raab,  Janoshäza,  St.  Groth,  Zala- 
Apäti,  Unter-Limbach  übernahm  Herr  F.  Stoliczka;  er  wird  über  diesen  Land- 
strich abgesondert  Bericht  erstatten;  Herr  v.  H a u er  begnügt  sich  darauf  hin- 
zuweisen, dass  Herrn  Stoliczka’s  schöne,  mit  grossem  Fleisse  durchgeführte 
Arbeit  einen  ungemein  interessanten  Einblick  gewähre  in  das  sehr  allmählige 
Untertauchen  der  krystallinischen  Gesteine  unter  die  jüngeren  Tertiärschichten, 
aus  welchen  sie  noch  weit  nach  Osten  zu  in  einzelnen  Inseln  hervortauchen,  wie 
in  der  Umgegend  von  Kho-Fidis,  von  Güssing  und  von  Neuhaus.  Der  Umstand, 
dass  die  jüngeren  Tertiärschichten  ohne  weitere  Zwischenlagerung  älterer  Sedi- 
mentgebilde, von  welchen  hier  nirgends  eine  Spur  aufgefunden  wurde,  unmittel- 
bar die  krystallinischen  Gesteine  bedecken,  deutet  daraufhin,  dass  erst  zu  An- 
fang der  Neogenzeit  die  östlichere  Fortsetzung  der  Centralkette  der  Alpen  unter 
das  Meeres-Niveau  sich  gesenkt  habe. 

Von  der  zweiten  der  oben  erwähnten  Berggruppen  ist  der  nördlichste  Theil 
bis  an  die  sogenannte  Fleischhackerstrasse  (die  Linie  Ofen,  Bicske,  Unter-Galla) 
namentlich  durch  die  w ichtigen  und  ausführlichen  Arbeiten  von  Herrn  Professor 
K.  Peters  *)  bereits  genauer  bekannt  geworden;  ein  durch  die  Menge  der  ver- 
schiedenartigen Gesteine  überraschendes  Bild  bietet  aber  der  übrige  Theil  dieses 
Bergzuges,  besonders  wenn  man  damit  die  früheren  Karten  derselben  Gegend 
vergleicht.  Auf  eine,  durch  die  von  Trachyten  durchbrochene  Granitmasse  des 
Meleghegy  bei  Stuhlweissenburg  und  den  krystallinischen  Kalkstein  des  Särhegy 
bei  Csikvär  angedeutete  Unterlage  von  krystallinischen  Gesteinen  folgen  regel- 
mässig verschiedene  Glieder  der  Trias-  und  Rhätischen  Formation,  des  Lias,  Jura* 
der  Kreide,  endlich  der  Eocen-  und  jüngeren  Tertiärschichten,  und  zwar  die 
meisten  in  einer  Art  der  Ausbildung,  welche,  was  die  äussere  Physiognomie  der 
Berge  sowohl,  als  auch  den  petrographischen  und  paläontologischen  Charakter 


0 Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  VIII,  S.  308,  und  X,  S.  483. 


Sitzung  vom  3.  December.  Franz  v.  Hauer. 


111 


[3] 


der  einzelnen  Gesteinsarten  betrifft,  die  allergrösste  Analogie  mit  den  östlichen 
Alpen  darbietet,  so  dass  Herr  v.  Hauer  den  Bakonyerwald  eine  Copie  der  Alpen 
in  verjüngtem  Maassstabe  nennt. 

So  wie  aber  einerseits  diese  Analogie,  so  sind  anderseits  gewisse  sehr  auf- 
fallende Verschiedenheiten,  durch  welche  sich  der  geologische  Bau  des  Bakonyer- 
waldes  von  dem  der  Ostalpen  unterscheidet,  nicht  minder  bedeutsam  und  werden 
bei  jedem  Versuche  die  Geschichte  der  Bildung  der  Erdrinde  im  Bereiche  unseres 
Kaiserstaates  zu  entwerfen,  sorgfältig  beachtet  werden  müssen.  Als  solche  Unter- 
schiede hebt  Herr  v.  Hauer  hervor:  1.  das  gänzliche  Fehlen  aller  paläozoischen 
Formationen,  indem  auch  gewisse,  dem  Granite  des  Meleghegy  unmittelbar  auf- 
gelagerte Quarz-Conglomerate  wohl  am  ungezwungensten  als  Verrucano  gedeutet 
werden  können,  die  Unterlage  der  Kalksteine  des  Bakonyerwaldes  aber  rothe 
Sandsteine  und  echte  Werfener  Schiefer  bilden,  die  sicher  der  Triasformation  ange- 
hören und  die  man  längs  dem  nordwestlichen  Ufer  des  Plattensees  auf  weite 
Strecken  entblösst  sieht.  2.  Das  Fehlen  von  Schichten  mit  Steinkohlen  und  ein 
nahes  Festland  verrathenden  Besten  von  Landpflanzen  in  den  Grenzschichten 
zwischen  Trias  und  eigentlichem  Lias.  Auf  ziemlich  sicher  charakterisirie  Esino- 
dolomite  folgen  unmittelbar  Dolomite  und  Kalksteine  mit  Megalodus  triqueter  und 
auf  diese  rothe  Adnether  und  Hierlatz- Schichten.  Nichts  was  den  Grestener 
Schichten  der  östlichen  Alpen  oder  den  an  Mineralkohlen  so  reichen  Sandsteinen 
und  Schieferthonen  der  Fünfkirchner  Gebirge  verglichen  werden  könnte,  findet 
sich  im  Bakonyerwalde  vor;  wahrend  der  Ablagerung  dieser  Gebilde  wurde  hier 
nur  Kalkschlamm  abgesetzt,  der  vereinzelte  Ueberreste  einer  völlig  pelagischen 
Fauna  einschloss.  3.  das  Fehlen  der  Karpathen-Sandsteine  und  damit  wohl  im 
Zusammenhänge  die  reiche  Entwicklung  verschiedener  überall  ungemein  petre- 
factenreicher  Glieder  der  Kreide  und  Eocenformation,  die  man  wohl  zusammen- 
genommen als  ein  geologisches  Aequivalent  der  genannten  Sandsteine  betrachten 
darf,  in  der  Kreideformation  namentlich  sind  Schichtengruppen,  z.  B.  der  Gault 
vertreten,  welche  in  den  östlichen  Alpen  bisher  nicht  nachgewiesen  werden 
konnten  und  auch  in  den  Karpathen  nur  durch  einzelne  Funde  Hohenegger’s 
und  D.  Stur’s  angedeutet  erscheinen.  Noch  ist  als  eine  Eigenthiimlichkeit  des 
bezeichneten  Gebirges  das  Auftreten  ungemein  mächtiger  und  ausgedehnter  ter- 
tiärer Süsswasser-Kalksteine  hervorzuheben,  in  welchen  das  wahrhaft  massen- 
hafte Vorkommen  von  Landschnecken  zum  Nachdenken  über  die  Bedingungen 
auffordert,  unter  welchen  diese  seltsame  Ablagerung  gebildet  wurde. 

Die  dritte  der  Eingangs  erwähnten  Gebirgsgruppen,  das  Fünfkirchner  Gebirge, 
ist  uns  ebenfalls  durch  die  Arbeiten  von  Herrn  Prof.  Peters  bereits  im  Detail 
bekannt. 

Bezüglich  des  niederen , zwischen  den  erwähnten  höheren  Berggruppen 
gelegenen  Landes,  bemerkte  Herr  v.  Hauer,  dass  die  Tertiärschichten  desselben, 
so  weit  sie  unter  dem  besonders  weiter  gegen  Süden  mehr  und  mehr  herrschend 
werdendem  Löss  und  diluvialen  Sand  hervortreten,  durchgehends  nur  auf  Ablage- 
rungen aus  brackischem  oder  gar  süssem  Wasser  hindeuten;  so  fand  Herr  Sto- 
liczka  in  seinem  ganzen  Gebiete  von  Tertiärschichten  nur  Inzer  sdorfer  Schichten 
und  Belvedere-Schotter,  so  gehört  der  ganze  Sandsteinzug  der  Martinsberger  Berge 
den  Inzersdorfer  Schichten  an  und  dieselben  Gebilde  herrschen  am  Südrande  des 
Plattensees  und  nach  den  Beobachtungen  von  Herrn  Dr.  Stäche  auch  in  den 
niederen  aber  doch  über  das  umliegende  Land  vorragenden  Hügeln  südlich  bei 
Tab.  Cerithienschichten  und  ältere  marine  Schichten,  namentlich  Leithakalk  finden 
sich  nur  am  Rande  und  theihveise  innerhalb  des  Bergzuges  des  Bakonyer- 
waldes. 


112 


Verhandlungen. 


[4] 

Schliesslich  spricht  Herr  v.  Hauer  seinen  verbindlichsten  Dank  aus  den 
theilnehmeriden  Bewohnern  des  Landes,  welche  aller  Orts  die  Aufnahmsarbeiten 
auf  das  Kräftigste  unterstüzten  und  förderten;  so  namentlich  den  Herrn  J.  v. 
Koväts  und  J.  Szabö  in  Pesth,  die  auf  die  liberalste  Weise  alle  ihre  Erfah- 
rungen aus  den  zu  untersuchenden  Gebieten  mittheilten,  Herrn  Dr.  Fl.  Römer 
früher  in  Raab,  jetzt  auch  in  Pesth,  der  zeitweilig  an  den  Arbeiten  der  Section 
persönlich  Antheil  nahm,  dem  hoch  würdigen  Herrn  Abt  A.  E.  Rezucsek  und 
Prior  Dr.  Bula  in  Zircz,  Abt  Dr.  N.  Sarkany  und  Prior  Weber  in  Bakonybel, 
Pfarrer  Pi  nt  er  in  Oszlop  und  Hodoly  in  Lokut,  den  Herrn  Deaky  in  Csäk- 
vär,  Jul.  v.  Beke  in  Zsemlye,  Inspector  Hets  in  Nagy-Vaszony,  Bergverwalter 
J.  Schroll  in  Fünfkirchen  u.  s.  w. 

Herr  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  legte  das  neueste  Werk  des  Herrn  Bernh. 
v.  Cotta,  welches  er,  begleitet  von  der  nachstehenden  iVlittheilung,  von  dem- 
selben erhalten  hatte,  zur  Ansicht  vor.  Er  bemerkte,  der  Dank  aller  Freunde 
der  Wissenschaft  werde  sicherlich  dem  berühmten  unermüdet  thätigen  Herrn  Ver- 
fasser für  diese  schöne  Arbeit  in  reichstem  Maasse  zu  Theil  werden.  Hier  könne 
dieselbe  nicht  passender  einbegleitet  werden  als  mit  dessen  eigenen  Worten: 

„Indem  ich  mir  erlaube,  Ihnen  beifolgend  meine  Erzlagerstätten 
Euro*p a's  zu  übersenden  (2.  Abtheilung  der  Lehre  von  den  Erzlagerstätten), 
gestatten  Sie  mir  wohl  einige  Bemerkungen  über  den  Inhalt  dieses  Buches.“ 

„Sie  finden  darin  die  wichtigsten  Erzlagerstätten  Europa's,  theils  nach  frem- 
den, theils  nach  eigenen  Untersuchungen  beschrieben.  Das  war  die  Aufgabe, 
welche  ich  mir  gestellt  hatte.  Die  wenn  auch  nur  kurze  Schilderung  einer  so 
grossen  Zahl  von  unter  sich  sehr  verschiedenartigen  Lagerstätten,  deren  Ge- 
meinsames eigentlich  nur  in  der  localen  Anhäufung  metallhaltiger  und  dadurch 
nutzbarer  Mineralien  besteht,  drängte  aber  ganz  von  seihst  am  Schlüsse  zu 
einem  Rückblicke,  oder  einer  Zusammenfassung  der  Hauptresultate.  Es  ergab 
sich  dabei,  dass  die  Mannigfaltigkeit  dieser  besonderen  Lagerstätten  nach  Form 
und  Inhalt  noch  grösser  ist,  als  die  der  gewöhnlichen  Gesteinsbildungen , welche 
einen  wesentlichen  Antheil  an  der  Zusammensetzung  der  festen  Erdkruste  nehmen. 
Der  Form  nach  kann  man,  wenn  auch  ohne  scharfe  Abgrenzungen,  unterscheiden  : 
Lager  (Schichten),  Gänge  (Spaltenausfüllungen),  Stöcke  (unregelmässig 
gestaltete  Anhäufungen)  und  Imprägnationen,  bei  denen  irgend  ein  Gestein 
local  von  Erztheilen  durchdrungen  ist.  Diese  Formenunterschiede  sind  allgemeine, 
das  heisst,  es  lässt  sich  jede  Erzlagerstätte  auf  eine  dieser  Formen  des  Vorkom- 
mens und  der  Lagerungsweise  zurückführen,  doch  gibt  es  so  viele  Modificationen 
und  Zwischenabstufungen  zwischen  ihnen,  dass  zuweilen  allerdings  schon  die 
Entscheidung  über  die  Form  einer  Lagerstätte  schwierig  wird. 

Aber  noch  weit  schwieriger  ist  die  Eintheilung  der  Erzlagerstätten  nach 
ihrer  Zusammensetzung;  ihre  Mannigfaltigkeit  hat  in  dieser  Beziehung  keine 
Grenzen , und  man  kann  nicht  ohne  der  Natur  etwas  Gewalt  anzuthun,  zu  einer 
Eintheilung  gelangen;  nur  einzelne  Gruppen  scheiden  sich  aus  dem  allgemeinen 
Chaos  etwas  schärfer  aus. 

Gewöhnlich  pflegt  man  die  Erzlagerstätten  nach  den  Metallen  zu  unter- 
scheiden und  zu  bezeichnen,  welche  vorherrschend  daraus  gewonnen  werden. 
Da  aber  diese  oft,  wie  z.  B.  das  Gold,  eigentlich  nur  eine  ganz  untergeordnete 
Rolle,  im  Vergleich  zu  der  Hauptmineralmasse  spielen,  und  da  ferner  oft  mehrere 
Metalle  in  derselben  Lagerstätte  zusammen  gewinnbar  Vorkommen,  ihre  Gewinn- 
barkeit übrigens  auch  noch  sehr  von  ihrem  Werthe  abhängt,  so  ist  eine  solche 
Eintheilung  zwar  für  den  Techniker  praktisch,  in  den  meisten  Fällen  aber  ohne 
eigentliche  wissenschaftliche  Bedeutung.  Indessen  scheint  mir  doch,  dass  man, 


Sitzung  vom  3:  December.  Franz  v.  Hauer. 


[3] 


113 


auf  Schärfe  der  Abgrenzung  verzichtend,  allenfalls  folgende  drei  „Gruppen“ 
unterscheiden  könne:  1.  Zinnerzlagerstätten,  2.  vielerlei  Metalle 
enthaltende  Lagerstätten,  3.  Eisenerzlagerstätten.  Eisenhaltige 
Mineralien  kommen  aber  natürlich  in  allen  vor. 

Die  Vertheil ung  der  Erzlagerstätten  folgt  keinem  geographischen 
Gesetz,  sie  sind  vielmehr  nur  an  gewisse  geologische  Erscheinungen  gebunden, 
die  selbst  nicht  geographischen  Gesetzen  unterliegen,  z.  B.  an  gewisse  Gesteine 
(die  Zinnerze  an  Granite,  einige  Zinkerze  an  dolomitische  Kalksteine  u.  s.  w.), 
an  Eruptionsgebiete,  oder  an  den  Contaet  heterogener  Gesteine. 

Die  Vertheil  ung  der  Erze  in  den  Lagerstätten  ist  meist  eine 
ungleiche,  abhängig  vom  Niveau,  von  der  Mächtigkeit,  von  der  Natur  des  Neben- 
gesteins und  von  einigen  noch  unbekannten  Umständen. 

Besonders  schwierig  ist  das  relative  Alter  der  Erzlagerstätten  festzu- 
stellen, in  sofern  es  nicht  wirkliche  Lager  sind.  Aus  den  erkennbaren  Alters- 
beziehungen ergibt  sich  aber  wenigstens  so  viel  als  sicher:  dass  die  Erzlager- 
stätten überhaupt  sehr  verschiedenen  Bildungszeiträumen  angehören ; dass  man 
aus  ihrer  mineralogischen  Zusammensetzung  gar  nicht  auf  ihr  Alter  schliessen 
kann,  dass  in  verschiedenen  Gegenden  oft  unter  sich  sehr  ähnliche,  in  ganz  un- 
gleichen Zeiten,  und  unter  sich  sehr  verschiedene,  wahrscheinlich  in  gleichen 
Zeiten  entstanden  sind,  et  vice  versa;  und  dass  sich  bestimmte  Metallzeitalter  in 
der  Entwickelungsgeschichte  der  Erde  durchaus  nicht  unterscheiden  lassen. 
Wenn  dennoch  die  Zinnerzlagerstätten  durchschnittlich  am  ältesten,  die  vielartig 
zusammengesetzten,  oft  von  mittlerem  Alter  erscheinen,  und  manche  Eisenerz- 
lagerstätten der  allerneuesten  geologischen  Periode  angehören,  so  ist  das  nur 
ein  scheinbarer  Altersunterschied,  der  sich  viel  besser  durch  das  ungleiche  Bil- 
dungsniveau dieser  drei  Hauptgruppen,  als  durch  allgemeine  Altersverschieden- 
heit erklären  lässt.  Die  tiefsten,  am  meisten  plutonischen  Bildungen,  erscheinen 
nothwendig  durchschnittlich  älter,  als  die  der  Oberfläche  näher  erfolgten,  weil 
zu  ihrer  Freilegung  um  so  mehr  Wirkung  oder  Zeit  nöthig  war,  einem  je  tieferen 
Niveau  sie  ursprünglich  angehörten.  Es  ist  das  ja  bei  den  eruptiven  und  meta- 
morphischen  Gesteinen  gerade  ebenso.  Dadurch  erhalten  wir  somit  an  Stelle  der 
Altersunterschiede  eigentlich  nicht  scharf  begrenzte  Niveauunter- 
schiede der  Bildung,  und  diese  werden  sich,  wie  ich  glaube,  durch  fort- 
gesetzte Beobachtungen  immer  deutlicher  herausstellen , wenn  auch  niemals 
irgend  wie  scharfe  Niveaugrenzen  zu  erwarten  sind,  da  eine  Menge  andere  Ur- 
sachen oder  Umstände  modificirend  auf  die  Vertheilung  der  einzelnen  Substanzen 
und  ihrer  Combinationen  eingewirkt  zu  haben  scheinen.  Dass  man  die  Ober- 
flächen bildungen  durch  nachträgliche  Bedeckung  auch  in  geologisch  unterem 
Niveau  und  dann  aus  sehr  früher  Zeit  herrührend  finden  kann,  versteht  sich  von 
selbst,  nur  haben  sie  in  diesem  Falle  zuweilen  starke  Umänderungen  erlitten, 
so  z.  B.  die  Eisenerze.  Hinzufügen  möchte  ich  aber  hier  noch,  dass  das  Niveau 
weniger  Bedingung  für  die  Bildung  der  einzelnen  Mineralien,  als  für  die  ihrer 
charakteristischen  Verbindung  gewesen  zu  sein  scheint  und  noch  ist. 

Das  Gemeinsame  der  Bildungs weise  aller  Erzlagerstätten  besteht  in 
einer  localen  Concentrirung  oder  Anhäufung  metallhaltiger  Mineralien,  deren 
Elemente  ursprünglich  wahrscheinlich  viel  gleichmässiger  durch  die  ganze 
Erdmasse  vertheilt  waren.  Diese  Concentrirung  scheint  bei  der  überwiegenden 
Mehrzahl  derselben  durch  wässerige  Solutionen  sehr  langsam  in  grossen  Zeit- 
räumen vermittelt  worden  zu  sein,  die  Ahlagerung  (Krystallisation)  aber  erfolgte 
bei  den  meisten  Mineralcombinationen  der  Erzgänge,  Erzstöcke  und  Erzimprägna- 
tionen unter  dem  Abschluss  der  Atmosphäre,  mehr  oder  weniger  tief  im  Erd- 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  p 


114 


Verhandlungen. 


[6] 


nnern,  unter  Einwirkung  von  mehr  Druck  und  Wärme,  als  sie  an  der  Erdober- 
fläche herrschend  sind.  Man  kann  sie  desshalb  füglich  hydropl u tonische 
Bild iingen  nennen. 

Die  Belege  für  vorstehende  Sätze  finden  Sie  in  meinem  Buche  zusammen- 
gestellt.“ 

Freiberg,  den  6.  Juni  1861.  B.  Cotta.“ 

Herr  Dr.  F.  Stoliczka  sprach  über  das  eigentümliche  Auftreten  krystal- 
linischer  Schiefergebilde  im  südwestlichsten  Ungarn. 

Anschliessend  an  die  früheren  Aufnahmen  des  Herrn  Bergrathes  Czjzek 
untersuchte  er  die  südlich  vom  Günsfluss  auftretende  grössere  Partie  dieser 
Schiefer,  welche  so  ziemlich  durch  die  Ortschaften  Güns,  Lockenhaus  , Tatz- 
mannsdorf und  N.  Hodicz  begrenzt  wird.  In  südwestlicher  Bichtung  tauchen  ein- 
zelne kleinere  Inseln  dieser  Schiefer  aus  den  jüngsten  Tertiärsedimenten  auf, 
wie  bei  Burg  und  Wappendorf,  bei  Sulz  und  endlich  ganz  an  der  steierischen 
Grenze  bei  Kalch  und  Szerdicza;  so  dass  man  die  unmittelbare  Fortsetzung  dieses 
Zuges  nur  in  Steiermark  in  den  nämlichen  Gebilden  südlich  von  Marburg  suchen 
kann.  Sämmtliche  Schiefer  dieses  Gebirgszuges  zeigen  meist  ein  deutliches 
Fallen  nach  West  oder  Nordwest  unter  60  bis  70  Grad,  und  das  Ganze  stellt  sich 
somit  als  ein  Bruch  gegen  die  grosse  ungarische  Ebene  dar. 

Der  petrographische  Charakter  dieser  Schiefer  ist  in  sofern  von  hohem  In- 
teresse, als  sie  durchaus  nicht  eigentliche  krystallinische  Gesteine  sind,  sondern 
jenen  metamorphischen  Gebilden  angehören , welche  nach  den  Untersuchungen 
der  Herren  Lipoid,  Stur  und  Peters  die  Schieferhülle  der  Centralalpen  zusam- 
mensetzen und  die  Umbildungsproducte  alter  Sedimentformationen  sind. 

Die  Hauptmasse  dieses  Zuges  bilden  grüne  und  graue  Schiefer  in  zahlreichen 
Gesteinsvarietäten.  Sie  gehen  stellenweise  in  echten  Chloritschiefer,  theils  in 
schiefrigen  Serpentin  über,  der  viel  Chrysotil  ausgeschieden  enthält.  Kupferkiese 
treten  in  ihnen  bei  Glashütten  nächst  Schlaning  auf;  auch  Wechsellagerungen 
der  grünen  Schiefer  mit  sehr  dünnblättrigen  Glimmerschiefern  sind  nicht  selten. 

Das  nächst  wichtigere  Gestein  ist  Kalkglimmerschiefer,  der  in  bedeutender 
Mächtigkeit  bei  Güns,  Rechnitz  und  Lockenhaus  vorkommt.  Durch  Abnahme  des 
Kalkes  und  Vorherrschen  des  Glimmerbestandtheiles  geht  der  Kalkglimmerschie- 
fer leicht  in  Thonglimmerschiefer  über,  der  dann  an  den  Spaltungsflächen  eine 
ausgezeichnete  parallele  Streckung  oder  Fältelung  zeigt.  Weissen,  krystallinischen 
Kalk  trifft  man  im  Bereiche  der  Kalk-  und  Thonglimmerschiefer  am  Fuss  des 
geschriebenen  Stein,  bei  Lockenhaus,  Kohlstätten  und  anderen  Punkten. 

Den  grünen  Schiefern  aufgelagert  finden  sich  bei  Burg,  Sulz  und  Kalch 
dunkle,  bläuliche  Kalke,  die  zum  grossen  Theil  in  Dolomit  umgewandelt  sind. 
Bei  Kalch  werden  sie  überlagert  von  schwarzen,  graphitischen  Schiefern,  die 
zahlreiche  Schwefelkieskrystalle  eingesprengt  enthalten.  Die  Krystalle  sind  zum 
Theil  ganz  in  Brauneisenstein  umgewandelt,  zum  Theil  nur  mit  einer  Kruste 
überzogen.  Als  Einlagerung  findet  sich  Spatheisenstein. 

Diese  letzgenannten  Schiefer  und  Kalke  stimmen  vollkommen  mit  jenen, 
welche  Herr  Stur  aus  den  Radstädter-Tauern-Gebilden  beschrieben  hat,  wäh- 
rend die  grünen  und  Kalkglimmerschiefer  als  die  zwei  wichtigsten  Gesteins- 
arten der  Schieferhülle  der  Alpen  durch  die  Untersuchungen  unserer  Geologen 
bekannt  sind. 

Ob  nun  dieses  ziemlich  entfernte  Auftreten  echt  alpiner  Gesteinsarten  das 
betreffende  Gebirge  als  eine  Fortsetzung  der  Centralalpen  auffassen  lässt  oder 
ob  man  es  hier  mit  einer  abgesonderten  Hebungskette  zu  thun  hat,  darüber  werden 
wohl  künftige  Untersuchungen  ein  klareres  Licht  verbreiten. 


m 


Sitzung  vom  3.  December.  Karl  v.  Hauer. 


115 


Herr  K.  Ritt.  v.  Hauer  besprach  das  Verhalten  einiger  Metalle  in  derFlamme 
des  Schwefelkohlenstoffes.  Die  meisten  derselben  werden  hiebei  in  Schwefelme- 
talle verwandelt,  ohne  besondere  Erscheinungen  zu  zeigen,  wie  z.  B.  ein  feiner 
Kupferdraht,  der  schwach  erglimmt  und  blätterige  Stücke  von  grünem  Schwefel- 
kupfer herabfallen  lässt.  Eine  äusserst  lebhafte  Verbrennung  findet  aberStatt,  wenn 
Eisendrähte  in  diese  Flamme  gebracht  werden.  Sie  gerathen  allsogleich  in  hef- 
tiges Glühen  und  schmelzen  wie  Wachs  ab,  unter  lebhaftem  Funkensprühen. 
Die  abschmelzende  Masse  ist  hier  nicht  lediglich  Schwefeleisen,  sondern  besteht 
auch  theilweise  aus  Oxyden  und  vorwiegend  aus  metallischem  Eisen.  Sie  bildet 
Hohlkugeln,  genau  so  wie  man  sie  bei  der  Verbrennung  dieses  Metalles  im  Knall- 
gasgebläse erhält,  und  das  Verbrennungsphänomen  geht  überhaupt  mit  denselben 
äusserlich  wahrnehmbaren  Erscheinungen  vor  sich.  Da  die  Temperatur  des  ver- 
brennenden Schwefelkohlenstoffes  nicht  genügen  möchte,  das  äusserst  streng- 
flüssige Schmiedeeisen  in  Fluss  zu  bringen,  so  bewirkt  dies  höchstwahrscheinlich 
die  anfängliche  Bildung  von  Schwefeleisen,  welche  die  Hitze  in  der  Flamme  so 
sehr  erhöhen  muss,  dass  nunmehr  die  nächsten  Theile  des  Drahtes  auf  jene  hohe 
Temperatur  gebracht  werden,  bei  welcher  sie  in  Fluss  gerathen. 

Herr  Dionys  Stur  hatte  ein  Stück  jenes  schmalen  Landstreifens,  der  sich  aus 
den  Alpen,  zwischen  den  Flüssen  Drave  und  Save,  bis  an  die  Donau  erstreckt, 
im  verflossenen  Sommer  1861  übersichtlich  geologisch  aufgenommen. 

Dieses  Stück  Landes,  dessen  geologische  Uebersichts-Karte  er  vorlegte, 
begreift  in  sich  den  westlichen  Theil  Slavoniens  von  der  Grenze  Croatiens  an 
der  Illova  im  Westen  bis  an  die  Linie  Essek-Diakovar  im  Osten. 

Aus  den  Ebenen,  die  im  Norden  längs  der  Drave,  im  Süden  der  Save,  von 
West  nach  Ost  sich  langsam  und  unmerklich  gegen  die  Donau  herabsenken, 
erhebt  sich  mit  vorgelegtem  Hügellande  ein  niedriges  Bergland  in  West-Slavo- 
nien,  das  durch  Hügelreihen  mit  den  westlich  in  Croatien  sich  erhebenden  Bergen 
in  unmittelbarer  Verbindung  steht.  Gegen  Ost  sinkt  dieses  Bergland  nach  und 
nach  zu  einem  Hügellande  herab  und  verschwindet  mit  diesem  beiläufig  in  der 
Linie  Essek  - Diakovar  in  der  Ebene,  die  sich  in  dieser  Gegend  von  der  Save 
bis  zur  Drave  ununterbrochen  erstreckt. 

In  dem  West-Slavonischen  Berglande,  dessen  Ausdehnung  durch  die  Orte 
Novska,  Daruvar,  Verovitic,  Nasic,  Diakovar,  Brood  und  Neu-Gradiska  ange- 
deutet ist,  lassen  sjich  drei  Berggruppen,  die  durch  deutliche  Einsenkungen  des 
Terrains  von  einander  getrennt  erscheinen,  unterscheiden.  Die  bedeutendste 
darunter  ist  diejenige  Berggruppe,  in  welcher  die  Flüsse:  Orljava,  Bjela,  und 
Pakra  ihren  Ursprung  nehmen  und  die  östlich  bei  Daruvar  und  Pakrac  beginnend 
sich  nach  Ost  immer  mehr  und  mehr  verengend  bis  nach  Kutjevo  und  Gredistje 
fortläuft.  Sie  liesse  sich  unter  dem  Namen  Orljava -Gebirge  zusammenfassen. 
Die  zweite  Berggruppe  liegt  im  Süden  von  Pozeg,  Pozeganer  Berggruppe 
und  erstreckt  sich  aus  der  Gegend  von  Cernik  nördlich  bei  Neu-Gradiska  bis  nach 
Pleternica  an  dem  Zusammenfluss  der  Orljava  mit  der  Lonja.  Von  dieser  Berggruppe 
durch  den  Engpass  der  Orljava  zwischen  Pleternica  und  Oriovac  getrennt,  liegt 
nördlich  von  Brood  am  linkenUfer  der  Lonja  die  dritte:  ßrooder  Berggruppe, 
sich  von  Pleternica  bis  in  die  Gegend  von  Diakovar  ausdehnend. 

Die  Ebenen  der  Drave  und  Save  bestehen  aus  alluvialen  und  diluvialen 
Ablagerungen,  das  Hügelland  aus  den  jüngsten  tertiären  Schichten  vorherrschend 
den  Congerien-Lehmen,  Tegeln  und  Sauden. 

Nur  in  den  Berggruppen  erscheinen  auch  ältere  Formationen,  die  sich  auf 
krystallinische  Gesteinsarten,  auf  Gesteine  der  Trias  und  den  älteren  Theil  der 
neogenen  Ablagerungen  beschränken. 


P 


i 16 


Verhandlungen. 


[•] 

Es  ist  somit  die  geologische  Zusammensetzung  West-Slavoniens  minder 
cornplicirt  und  viel  einfacher  als  die  der  Alpen,  indem  ganze  Reihen  von  Forma- 
tionsgliedern hier  nicht  zur  Entwicklung  gelangen.  Dagegen  ist  die  Entwicklung 
der  vorhandenen  Formationen  eine  eigenthümliche  und  in  mancher  Beziehung 
sehr  lehrreiche. 

Granit  und  Gneiss  bilden  die  Hauptmasse  des  Orljava-Gebirges,  und  erschei- 
nen sehr  untergeordnet  auch  noch  im  Pozeganer  Gebirge.  Krystallinische  Schiefer, 
darunter  namentlich  Glimmerschiefer  und  Hornblende-Gesteine,  herrschen  an 
den  südöstlichen  Rändern  des  Orljava-Gebirges : Gegend  von  Sagovina,  Orljavac, 
Kutjevo,  während  sie  in  den  beiden  anderen  Berggruppen  fehlen. 

Das  älteste  der  secundären  Gesteine,  das  auf  Granit  und  Gneiss  folgt, 
erscheint  in  Pozeg  selbst.  Es  ist  dasselbe  ein  rother  Porphyrtuff,  der  hier  von 
eigenthümlichen  feldspathreichen , zumeist  stark  verwitterten  Gesteinen  begleitet 
wird,  und  nur  an  dem  nördlichen  Rande  des  Pozeganer  Gebirges  von  Pozeg  bis 
Pleternica  bekannt  wurde. 

Auf  den  Porphyrtuff  im  Pozeganer  Gebirge,  auf  die  krystallinischen 
Gesteine  im  Orljava-Gebirge,  folgen  Schiefer  und  Kalke  oder  Dolomite,  die 
der  Triasformation  angehören.  Dieselben  erscheinen  im  Pozeganer  Gebirge  nur 
im  Gebiete  des  Vucjak-Baches  südlich  bei  Pozeg  aufgeschlossen.  Im  Orljava- 
Gebirge  kommen  sie  in  ausgedehnter  Verbreitung  vor  und  zwar  im  Westen:  bei 
Daruvar  und  Umgebung,  im  Osten:  zwischen  Velika  und  Orahovica.  Im  Gebiete 
dieser  Formation  treten  an  einzelnen  untergeordneten  Stellen  Melaphyr-Mandel- 
steine  auf. 

Von  der  Trias  aufwärts  fehlen  alle  Formations-Glieder  bis  zu  den  neogenen 
Ablagerungen,  wenigstens  ist  mit  Sicherheit  kein  Glied  dieser  Reihe  erwiesen. 
Doch  dürfte  einer  dieser  Formationen,  und  zwar  am  wahrscheinlichsten  der 
Kreideformation  eine  Ablagerung  angehören,  die  die  Hauptmasse  des  Pozeganer 
Gebirges  bildet.  Es  ist  dies  ein  Conglomerat,  das  bald  fester,  bald  lockerer,  auch 
als  schwach  conglutinirter  Sand  und  Gerolle  auftritt. 

Die  neogenen  Ablagerungen  sind  deutlich  in  drei  Abtheilungen  geschieden. 
Die  älteste  besteht  aus  marinem  tegeligen  Sand  und  Sandstein  und  dem  Leitha- 
kalk. Die  nächstfolgende  den  Cerithien-Schichten  des  Wiener  Beckens  entspre- 
chende Abtheilung,  besteht  vorherrschend  aus  weissen  Mergeln  und  gelben  Kalk- 
mergeln. Stellenweise  findet  man  diesen  untergeordnet  eigenthümlieh  entwickelte 
Schiefer,  Sandsteine  und  Letten,  die  als  ein  Aequivalent  der  pflanzenführenden 
Schichten  von  Radoboj  sich  darstellen.  Diese  beiden  Abtheilungen  des  Neogen, 
die  Ablagerungen  vom  Horizont  des  Leithakalkes  und  der  Cerithien-Schichten, 
bilden  für  sich  allein,  ohne  ältere  Formationen,  die  dritte  Berggruppe  West- 
Slavoniens,  die  Brooder  Gruppe,  und  erscheinen  in  den  beiden  anderen  Berg- 
gruppen an  den  Rändern  und  Gehängen  derselben,  wie  auch  anvertiefteren  Stellen 
im  Innern  des  Orljava-Gebirges.  Mit  den  Gesteinen  der  mittleren  Abtheilung  der 
Neogenformation  steht  in  innigster  Verbindung  der  Trachyt  und  Rhyolith  nebst 
ihren  Tuffen.  Der  Trachyt  bildet  bei  Vucin  ein  ansehnliches  Gebirge,  während 
der  Rhyolith,  eine  schmale  dem  krystallinischen  Gebirge  aufgesetzte,  von  Trachyt- 
tuffen  umgebene  Gräthe  zusammensetzt,  die  den  höchsten  Punkt  der  Strasse  auf 
dem  Uebergange  von  Bektes  nach  Nasic  einnimmt. 

Die  dritte  Schichtenreihe  des  Neogen:  der  Congerien-Tegel  mit  einer  ganz 
eigenthümlieh  entwickelten  Mollusken-Fauna  herrschend,  der  Süsswasserkalk 
(Moosbrunn)  und  der  Belvedere-Schotter  vereinzelt  und  untergeordnet,  bilden 
das  Hügelland,  das  die  Berggruppen  unter  einander  verbindet  und  sie  von  den 
Ebenen  scheidet. 


[9] 


Sitzung  vom  3.  December.  Karl  v.  Hauer.  Dionys  Stur. 


117 


Die  Ebenen  bestehen  zu  oberst  aus  Löss,  in  der  Tiefe  aus  Sand  und  Schotter 
des  Terrassen-Diluviums. 

Von  nutzbaren  Mineralien,  die  in  West-Slavonien  sich  vorfinden,  sind  vorerst 
Eisensteine  zu  erwähnen,  die  im  Gebiete  der  Begleitgesteine  des  rothen  Por- 
phyrtuffs bei  Blacko  zwischen  Pozeg  und  Pleternica  in  einzelnen  zentnerschweren 
Fundstücken  bekannt  sind,  ohne  dass  bisher  durch  die  eingeleiteten  Schürfungen 
die  Lagerstätte,  aus  welcher  diese  zu  meist  abgerundeten,  auf  der  Oberfläche  des 
Gebirges  vorkommenden  Fundstücke  herrühren  müssen,  aufgeschlossen  worden 
wäre.  Dieser  Brauneisenstein  von  Blacko  enthält  nach  einer  Analyse  des  Herrn 
Karl  Ritter  v.  Hauer,  ausgeführt  im  Laboratorium  der  k. k.  geolog.  Reichsanstalt, 
(Jahrb.  IX.  1858.  p.  697)  in  100  Theilen: 

4-7  Kieselerde  und  Thon, 

90-9  Eisenoxyd  =63*6  Eisen, 

4*4  Wasser  und  Spuren  von  Kalk. 

In  demselben  Gebirge  bei  Blacko  erscheinen  an  einzelnen  Stellen  die  feld- 
spathreichen  Begleitgesteine  des  Porphyrtuffs  zu  einem  Thon  verwittert,  der  ein 
recht  brauchbares  feuerfestes  Materiale  liefert. 

Der  fossile  Brennstoff*  ist  als  Braunkohle  und  Lignit  in  drei  verschiedenen 
Formationsgliedern  in  West-Slavonien  in  nicht  unbeträchtlichen  Quantitäten 
aufgehäuft. 

Das  Conglomerat  von  Pozeg  enthält  südlich  von  Sevei  ein  bedeutendes  Lager 
einer  vortrefflichen  Braunkohle,  deren  Abbau  gegenwärtig  von  Herrn  Jos.  Dem. 
P o p o v i c vorbereitet  wird. 

Ferner  enthalten  die  den  Cerithien-Schichten  entsprechenden  Sandsteine, 
Schiefer  und  Letten  bei  Gredistje  unweit  Kutjevo  ein  Lager  einer  schiefrig- 
blätterigen Braunkohle.  Den  gleichen  Schichten  gehören  an  die  Braunkohlen- 
Vorkommnisse  bei  Dobrakuca  und  Batinjani  nördlich  bei  Daruvar. 

Die  oberste  Abtheilung  der  neogenen  Ablagerungen  der  Congerien-Tegel 
enthält  auf  mehreren  Stellen  in  West-Slavonien  zum  TheiJ  sehr  beträchtliche 
Lager  von  Lignit  wie  bei  Novska,  Raic,  Cernik,  Paucie,  Gegend  von  Varos, 
Cestjakovac  und  Vucin. 

Folgende  sind  die  von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  angeführten  Analysen  der 
interessanteren  und  wichtigeren  Vorkommnisse  des  fossilen  Brennstoffes. 


Vorkommen  der  Kohle 

Wasser  in 
100  Theilen 

Asche  in 
100  Theilen 

Reducirte 
Gewichts- 
theile  Blei 

Wärme- 

Einheiten 

Aequivalent 
einer  30" 
Kl  ft.  weichen 
Holzes  sind 
Centner 

Braunkohle  von  Sevei,  südlich  bei 
Pozeg,  Kreide? 

13-3 

12-0 

17-40 

3932 

13-3 

Braunkohle  von  Gredistje  unweit 
Kutjevo,  Cerithien-Schichten  . . . 

15-5 

13*2 

15*70 

3548 

14-7 

Im  Bukovica-Thale  bei  Novska,  Lignit 
der  Congerien-Schichten 

16-2 

11-4 

15-60 

3525 

14-8 

Bei  Raic,  Lignit  der  Congerien- 
schichten 

140 

17-4 

13-40 

3028 

17-3 

Müller’scher  Bau  unweit  Cernik, 
Lignit  der  Congerien-Schichten. . 

161 

131 

14-00 

3164 

16-5 

Paucie,  Gegend  von  Varos,  Herrschaft 
Diakovar,  Lignit  der  Cong.-Seh. . 

151 

191 

14-85 

3356 

15-6 

Ivanovica-Thal,  SW.  von  Vucin, 
Lignit  der  Congerien-Schichten  . 

15-7 

! 

12*6 

16-00 

1 

3616 

14-5 

118  Verhandlungen.  [10] 

Ausserdem  sind  noch  die  Naphtha-Quellen  nördlich  bei  Petrovoselo  östlich 
von  Neu-Gradiska  zu  erwähnen. 

Nicht  minder  von  Wichtigkeit  sind  die  Jod  führenden  warmen  Quellen  von 
Lippik  und  die  eisenhaltigen  warmen  Quellen  von  Daruvar,  welche  beide  am 
westlichen  Fusse  des  Orljava-Gebirges  im  Gebiete  des  Congerien-Tegels  zum 
Vorschein  kommen. 

Zum  Schlüsse  legte  Herr  Bergrath  M.  V.  Lipoid  die  in  letzterer  Zeit  an 
die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als  Geschenke  eingelangten  Mineralien  und 
Versteinerungen  vor.  Eine  Suite  von  Versteinerungen  aus  den  Gailthaler  Schichten 
(untere  Steinkohlenformation)  der  Umgebung  von  Radmannsdorf  in  Krain,  einge- 
sendet von  dem  Herrn  Bezirksarzte  Dr.  F.  Müll  ne  r,  enthält  charakteristische 
Species  dieser  Schichten,  als:  Productus  aculeatus  }TCoy,  Spirifer  bisulcatus 
Sow.,  Sp.  glaber  MCoy , Fenestrella  plebejn  MTCoy , Niobe  luciniformis  Philip 
Pecten  antistriatus , u.  s.  f.  Ueberdies  lagen  der  Sendung  des  Herrn  Dr. 
Mülln er  ein  Stück  Crinoidenkalk  aus  den  Gailthaler  Schichten  und  ein  Stück 
Muschelkalk  aus  der  unteren  alpinen  Trias  bei. 

Dem  fortgesetzten  freundlichen  Wohlwollen  des  Herrn  k.  k.  Generalconsuls 
in  Hamburg,  Ernst  Freiherrn  von  Merck  verdankt  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt die  Uebersendung  einer  Reihe  von  Mineralvorkommen,  welche  die  Kryo- 
lithe  von  Ivikaet  im  Arksut-Fjord  in  Grönland  begleiten.  Bekanntlich  hat  die 
massenhafte  Ausdehnung,  in  welcher  man  dort  diese  einst  so  seltene  und  kost- 
spielige Mineralspecies  angetroffen,  zu  mancherlei  technischer  Anwendung  An- 
lass gegeben.  In  Hamburg  ist  nun  eine  Fabrik  zur  Erzeugung  von  Natron- Alaun 
darauf  gegründet  und  es  wird  dorthin  das  Kryolithmaterial  geliefert,  viele  Stücke 
ganz  rein,  andere  Stücke  gemengt  mit  Spatheisenstein,  Bleiglanz,  Blende,  Kupfer- 
kies, Eisenkies.  Bei  der  eingesendeten  Sammlung  sind  nun  die  eingewachsen 
gebildeten  Spatheisensteine,  in  der  Form  des  Grundrhomboeders,  besonders  her- 
vorzuheben, von  welchen  eine  der  freundlichst  eingesandten  Gruppen  Krystalle 
von  nicht  weniger  als  vier  Zoll  Seite  enthält.  Die  Kryolith-Lagerstätten  werden 
bald  als  Gänge,  bald  als  Lager  in  Gneiss  beschrieben;  es  sind  deren  mehrere  von 
verschiedenem  Grade  der  Reinheit,  in  einigen  ist  der  Kryolith  ganz  rein,  in 
anderen  mehr  mit  jenen  Erzarten  gemengt. 

Von  Frau  Josephine  Kablik  zu  Hohenelbe  in  Böhmen  langte  ein  Stück 
Kalkschiefer  aus  dem  Rothliegenden  von  Kalna,  südöstlich  von  Hohenelbe,  ein, 
welches  dadurch  werthvoll  ist,  dass  es  Abdrücke  von  Fährten  eines  Sauriers  ent- 
hält. Nach  der  Beschreibung  der  Saurier-Fährten  aus  dem  Rothliegenden  von 
Herrn  Dr.  H.  Br.  Geinitz  in  seinem  Werke:  „Dyas,  Heft  1,  Leipzig  1861.“ 
entsprechen  obige  Fährten  dem  „ Saurichnites  salamandroides  GeinN 

Zwei  schöne  Exemplare  von  Exogyra  columba  Lam.  aus  dem  Quadersand- 
steine von  Michelup  bei  Saaz,  wurden  von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft  in 
Komotau,  so  wie  zwei  durch  ihre  Grösse  ausgezeichnete  Exemplare  von  Gryphaea 
cochlear  Poli  aus  den  Tertiärschichten  von  Wolfsdorf  bei  Fulnek  in  Mähren 
durch  Herrn  J.  Sapetza  in  Neutitschein  eingesendet. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  17.  December  1861. 

Herr  Director  W.  Haidinger  im  Vorsitze. 

Herr  Dr.  M.  Hörn  es  legte  die  zweite  Doppellieferung  des  II.  Bandes 
(Nr.  13,  14)  des  von  ihm  verfassten  Werkes:  Die  fossilen  Mollusken  des 
Tertiär-Beckens  vonWien,  zugleich  IV.  Bandes  der  Abhandlungen  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  vor  und  theilte  Folgendes  über  den  Inhalt  desselben 
mit. 

„Dieses  Heft  enthält  aus  der  Familie  der  Conchae  die  Gattungen  Venus  mit 
17,  Dosinia  mit 4,  Grateloupia  mit  einer,  Cytherea  mit  4 und  Circe  mit  2 Arten; 
aus  der  Familie  der  Cycladeen  die  Gattung  Pisidium  mit  einer,  aus  der  Familie 
der  Cardiaceen  die  Gattung  Isocardia  mit  2,  Pecchiolia  mit  einer,  Cypricardia 
mit  einer  und  Cardium  mit  30  Arten,  endlich  aus  der  Familie  der  Chamaceen  die 
Gattung  Chama  mit  3 Arten,  also  im  Ganzen  die  Beschreibung  und  naturgetreue 
Abbildung  von  66  Arten. 

Bekanntlich  wurden  in  neuester  Zeit  die  Gattungen  Venus  und  Cytherea  von 
d'Orbigny  und  mehreren  anderen  Autoren  vereinigt,  indem  man  das  Auftreten 
eines  Sublunarzahnes  nicht  für  entscheidend  hielt,  um  hierauf  eine  eigene  Gat- 
tung zu  gründen.  Ohne  dieser  extremen  Ansicht  zu  huldigen,  habe  ich  die  beiden 
Gattungen  Venus  und  Cytherea  getrennt  gehalten,  lege  aber  dem  Auftreten  die- 
ses Zahnes  auch  nicht  jenen  Werth  bei,  wie  die  früheren  Autoren,  sondern 
zähle  zu  Venus  jene  meist  rundlichen  gewölbten  Formen,  die  entweder  keinen 
oder  nur  einen  rudimentären  Sublunarzahn  haben,  während  ich  zu  Cytherea 
jene  meist  stark  in  die  Quere  verlängerten  Formen  stelle,  die  einen  stark  ent- 
wickelten quer  gestellten  Sublunarzahn  besitzen. 

Von  den  im  Wiener  Becken  aufgefundenen  17  Venus-kvizw  kommen  die  mei- 
sten ausschliesslich  in  den  Sandablagerung  bei  Grund,  Pötzleinsdorf,  Enzesfeld 
vor,  einige  werden  auch  in  dem  Tegel  des  Leithakalkes  bei  Gainfahren  und  Steina- 
brunn gefunden;  die  wenigsten,  wie  z.  B.  V multilamella , kommen  in  dem  soge- 
nannten unteren  oder  Badner  Tegel  bei  Baden,  Vöslau  und  Möllersdorf  vor. 

Unter  den  Dosinien  ist  insbesondere  die  D . orbicularis  Ag.  wegen  ihrer 
Grösse  und  durch  den  Umstand  bemerkens werth,  dass  dieselbe  früher  nur  in  den 
subapenninen  Schichten  von  Asti,  daselbst  aber  in  ungemeiner  Häufigkeit  gefunden 
wurde,  tiefere  Schichten  ihres  Vorkommens  kannte  man  bis  jetzt  nicht.  Nun  ist 
das  Auftreten  dieser  Art  selbst  in  den  tiefsten  Neogenschichten  im  Sande  zu 
Loibersdorf  und  im  Leithakalke  nachgewiesen. 

Die  Gattung  Grateloupia  ist  im  -Wiener  Becken  durch  die  einzige  bis  jetzt 
bekannte  Art  derselben,  welche  zu  Saucats,  Leognan  u.  s.  w bei  Bordeaux  und 
Dax  in  ungemeiner  Häufigkeit  vorkommt,  vertreten.  Nur  muss  bemerkt  werden, 
dass  die  Wiener  Exemplare,  namentlich  die  aus  der  Umgebung  von  Grund,  die 


120 


Verhandlungen. 


[2] 

französischen  an  Grösse  und  Stärke  der  Schale  weit  übertreffen,  wie  dies  bis- 
her an  allen  Arten  beobachtet  wurde,  die  zugleich  im  Wiener  Becken  und  dem 
der  Adour  Vorkommen. 

Von  Cythereen  kommen  nur  4 Arten  im  Wiener  Becken  meist  in  den  Sand- 
schichten bei  Pötzleinsdorf  und  Grund  vor.  Als  eine  besonders  häufige  Art  muss 
die  Cytherea  Pedemontana  Ag . hervorgehoben  werden;  es  ist  eine  subapennine 
Art,  die  aber  auch  zu  Salles  bei  Bordeaux,  in  der  Touraine  und  in  Polen  vor- 
kömmt. Seltener  ist  Cytherea  erycina,  die  sich  bisher  nur  in  wenigen  Exempla- 
ren in  den  tiefsten  Schichten  des  Wiener  Beckens  in  den  Sanden  zu  Loibersdorf 
und  Dreieichen  fand.  Bekanntlich  lebt  diese  Art  gegenwärtig  noch  im  indischen 
Ocean,  und  es  ist  bemerkenswerth , dass  dieselbe  den  jüngeren  Tertiärgebilden 
Europa’s  gänzlich  fehlt. 

Die  Gattung  Circe,  die  besonders  durch  das  Fehlen  der  Mantelbucht  charak- 
terisirt  ist,  ist  durch  2 Arten  vertreten,  von  denen  besonders  die  eine,  C.  eximia 
durch  ihre  nette  Oberflächenverzierung  auffällt. 

Die  Familie  der  Cycladeen,  welche  die  Gattungen  Galathea , Cyrena,  Cy- 
clas  und  Pisidium  umfasst,  ist  nur  durch  die  letzte  Gattung  Pisidium  und  diese 
nur  durch  eine  Art,  P.  priscum  Eichic,  im  Wiener  Becken  vertreten.  Diese  Art 
kömmt  so  wie  in  Polen  bei  Kuneza  in  einem  Süsswassergebilde  auch  im  Wie- 
ner Becken  nur  in  den  brackischen  Cerithienschichten  und  im  Süsswasser- 
tegel vor. 

Von  der  Familie  der  Cardiaceen  ist  die  Gattung  Isocardia  durch  2 Arten 
vertreten  /.  cor  Linn.  und  /.  subtr  ans  versa  d’Orb.  Erstere  ist  als  eine  gegen- 
wärtig im  adriatischen  Meere  häufig  lebende  Art  bemerkenswerth.  Letztere  hat 
sich  bis  jetzt  nur  in  den  oligocenen  Schichten  bei  Weinheim  gefunden,  konnte 
aber  trotz  der  sorgfältigsten  Untersuchung  nicht  getrennt  werden.  Uebrigens  ist 
diese  Art  auch  im  Wiener  Becken  nur  in  den  ältesten  Schichten,  nämlich  im 
Sande  zu  Loibersdorf  gefunden  worden. 

Bekanntlich  hat  Meneghini  die  von  Brocchi  zuerst  beschriebene  Chama 
arietina  zum  Typus  eines  neuen  Geschlechtes  gemacht,  das  er  zu  Ehren  seines 
Freundes  Pecchioli,  eines  eifrigen  Conchyliologen  zu  Settignano  bei  Florenz, 
dem  auch  ich  eine  Reihe  ausgezeichneter  Exemplaren  aus  den  Subapenninen- 
gebilden Italiens  verdanke,  Pecchiolia  benannt.  Von  diesem  höchst  interessanten 
Geschlechte  haben  sich  nun  Fragmente  in  dem  unteren  Tegel  bei  Oedenburg  ge- 
funden, die  nach  italienischen  Exemplaren  ergänzt  wurden.  — Auch  von  der 
Gattung  Cypricardia  hat  sich  ein  Repräsentant  im  Wiener  Becken  gefunden,  die 
ich  C.  Transylvanica  heisse,  weil  mir  aus  Lapugy  in  Siebenbürgen  vortrefflich 
erhaltene  Exemplare  vorliegen,  während  sich  im  Wiener  Becken  blos  Fragmente 
zu  Forchtenau  gefunden  haben. 

Die  Gattung  Cardium  ist  im  Wiener-  und  in  dem  angrenzenden  ungarischen 
Becken,  das  ich  der  Vervollständigung  halber  heranzog,  durch  30  Arten  ver- 
treten, von  denen  die  Hälfte  marinen  Schichten,  die  andere  Hälfte  brackischen  Ab- 
lagerungen angehört.  Von  den  marinen  Formen  sind  durch  ihre  Grösse  besonders 
ausgezeichnet  C.  Kübecki  Hauer , C.  discrepans  Bast.,  C.  Heeri  Mayer , 
C.  hians  Brocc .,  C.  laticostatum  Mayer  und  C.  Burdigalinum  Lam.  Die  meisten 
dieser  Arten  kommen  in  den  tieferen  Sandschichten  des  Wiener  Beckens  vor. 

Von  den  in  den  brackischen  Ablagerungen  vorkommenden  Cardienarten 
sind  einige  für  Cerithienschichten  bezeichnend,  andern  gehören  den  Congerien- 
schichten  an.  Zu  den  ersteren  zähle  ich  Cardium  plicatum  Eichw.  und  C.  obso- 
letum  Eichw.  (früher  Vindobonense  Partsch ),  zu  den  letzteren  C.  apertum 
Münster , C.  carnuntinum  Partsch , C.  conjungens  Partsch. 


[3] 


Sitzung  vom  17.  December.  Dr,  F.  Zirkel. 


121 


Eine  reiche  Ausbeute  höchst  merkwürdiger  Formen  lieferten  die  Congerien- 
schichten  von  Arpad  in  der  Nähe  von  Fünfkirchen  und  die  Umgebungen  des 
Platten-  Sees;  es  kommen  daselbst  10  Arten  vor,  nämlich  C.  Schmidti  Hörn., 
Hungaricum  Hörn.,  Riegeli  Hörn.,  Majeri  Hörn.,  planum  Lesh.,  Haueri  Hörn., 
Arpadense  Hörn.,  paucicostatum  Desh.,  edentulum  Desh . und  semisulcatum 
Rousseau,  von  denen  4 auch  in  den  Congerienschichten  der  Krim  Vorkommen, 
die  von  den  Herren  Deshayes  und  Rousseau  beschrieben  wurden.  Die 
vollkommene  Uebereinstimmung  dieser  Formen  ist  ein  neuer  Beweis  für  die 
grosse  Verbreitung  einzelner  gleichzeitiger  Süsswasserbecken  in  der  östlichen 
Hälfte  von  Europa,  die  Herr  Bergrath  v.  Hauer  in  seinem  Aufsatze:  Ueber  die 
Verbreitung  der  Congerienschichten  in  Oesterreich  (Jahrbuch  der  k.  k.  geol. 
Reichsanst.  Band.  XI,  pag.  1)  für  Oesterreich  nachgewiesen  hat. 

Schliesslich  erlaube  ich  mir  noch  Herrn  Karl  Mei  er,  Adjunct  am  eidgenössi- 
schen Museum  in  Zürich,  meinen  lebhaftesten  Dank  für  die  freundliche  Ueberlas- 
sung  sämmtlicher  Cardien  des  Züricher  Museums  abzustatten.  Herr  Meier  be- 
schäftigt sich  seit  Jahren  eifrigst  mit  dem  Studium  der  Tertiärpetrefacten  und  hat 
während  seines  längeren  Aufenthaltes  in  Frankreich  vorzüglich  die  Vorkommnisse 
der  Umgebung  von  Bordeaux  und  Dax  eifrigst  gesammelt  und  studirt.  Seine  ganze 
Sammlung  überliess  derselbe,  in  seine  Heimath  zurückgekehrt,  dem  Museum  in 
Zürich.  Dieses  wissenschaftliche  Material  war  für  mich  um  so  werthvoller,  da 
ich  mir  auf  keine  andere  Weise  die  typischen  französischen  Exemplare,  mit  denen 
unsere  Vorkommnisse  so  sehr  übereinstimmen,  zur  Vergleichung  hätte  verschaffen 
können.  In  gleichen’  Weise  bin  ich  Herrn  Professor  Raul  in  in  Bordeaux  zu 
lebhaftestem  Danke  verpflichtet,  welcher  mir  ein  sehr  genau  gearbeitetes  Literatur- 
Verzeichniss  der  Bivalven  der  Umgebung  von  Bordeaux  zur  Benützung  für  mein 
Werk  übersendete“. 

Herr  Dr.  Ferdinand  Zirkel  hatte  es  freundlichst  unternommen,  die  im 
vorigen  Sommer  von  den  Mitgliedern  der  IV.  Section  der  k.  k.  geologischen 
Reichs anstalt  aufgesammelten  Musterstücke  der  Massengesteine  des  Meleghegy  in 
Ungarn  einer  genaueren  petrographischen  Untersuchung  zu  unterziehen  und 
machte  nun  über  diese  Gebilde,  deren  erste  Kenntniss  wir  den  Herren  Dr.  Zipser 
(Haidinger’s  Berichte  III,  S.  202),  dann  J.  v.  Kovatsu.  J.  Jokely  (Jahrb.  der 
k.  k.  geol.  Reichsanst.  1860,  XI,  Verh.  S.  6)  verdanken,  die  folgende  Mittheilung: 

„Aus  dem  diluvialen  Hügelland  zwischen  Ofen  und  Stuhlweissenburg  erhebt 
sich  eine  ziemlich  scharf  abgegrenzte  Berggruppe,  das  Velenczeer  Gebirge, 
welches  sich  in  einer  Länge  von  21/a  Meilen  und  einer  durchschnittlichen  Breite 
von  »/4  Meilen  in  fast  südwestlicher  Richtung  hinzieht.  Der  nahezu  das  Centrum 
ausmachende  höchste  Punkt  dieses  Gebirgscomplexes  ist  der  Meleghegy,  nord- 
westlich von  Nadap  gelegen,  welcher  sich  183  Klafter  über  das  Meer,  und 
ungefähr  100  Klafter  über  den  Spiegel  des  Velenczeer  Sees  erhebt. 

Die  Hauptmasse  dieses  Gebirges  besteht  aus  Granit;  die  Sohlen  der  Thäler 
zwischen  den  einzelnen  Bergkuppen  sind  mit  Lehmablagerungen  bedeckt.  — Bis 
zum  Meleghegy  hinauf  zieht  sich  vom  Zsidöhegy  bei  Päzmand  über  den  Csües- 
hegy  bei  Nadap  ein  sedimentäres  versteinerungsleeres  Gestein,  welchem  man  am 
besten  den  Namen  eines  Quarzitconglomerates  geben  möchte;  es  besteht  aus 
grösseren  und  kleineren  Quarzbrocken,  bisweilen  ist  es  fest  und  hornsteinartig, 
meist  voller  unregelmässig  gestalteter  Poren  und  Höhlungen,  die  mit  Eisenoker 
angefüllt  sind.  Nach  den  Mittheilungen  des  Herrn  Bergrath  von  Hauer  gehört 
dieses  Gebilde  wahrscheinlich  dem  Verrucano  an. 

Am  deutlichsten  in  seinen  Gemengtheilen  entwickelt  tritt  der  Granit  bei 
Nadap  auf.  Unter  den  von  diesem  Punkt  vorliegenden  Handstücken  befindet  sich 

K..  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen.  q 


122 


Verhandlungen. 


m 


eines,  das  einzige,  in  welchem  man  mit  Sicherheit  zweierlei  Feldspathe  zu  unter- 
scheiden vermag:  fleischfarbigen  Orthoklas  in  grösseren,  starkglänzenden  Krystal- 
len,  grünlichweissen  weniger  glänzenden  Oligoklas,  Quarz  und  schwärzlichen  Glim- 
mer; in  eben  dieser  Reihenfolge  setzen  auch  in  quantitativer  Hinsicht  die  Gemeng- 
theile das  Gestein  zusammen.  Wegen  des  alleinigen  Auftretens  von  dunkelfar- 
bigem Glimmer  und  der  Abwesenheit  des  weissen  Glimmers  würde  dieses 
Gestein  den  von  Gustav  Rose  also  benannten  Granititen  zuzuzählen  sein. 

In  anderen  Stücken  von  demselben  Fundorte  kann  man  mit  Gewissheit  eine 
Verschiedenheit  der  Feldspathe,  einen  klinoklastischen  neben  dem  orthoklastischen 
nicht  erkennen;  nur  so  viel  gewahrt  man,  dass  ein  Theil  des  Feldspathgehaltes 
durch  die  Verwitterung  im  hohen  Grade  angegriffen  ist,  während  der  andere 
ziemlich  scharf  abgegrenzte  sein  frisches  Ansehen  bewahrt  hat,  und  die  Vermu- 
thung  liegt  nahe,  dass  der  verwitterte  der  Oligoklas  ist,  dessen  Natrongehalt 
ihn  der  Zersetzung  zugänglicher  macht. 

Eine  andere  Suite  von  Gesteinen  stammt  aus  einem  Steinbruch  an  der 
Strasse  bei  Kis-Falud  östlich  von  Stuhlweissenburg.  Es  ist  hierin  der  Glimmer 
sehr  zurückgedrängt;  nur  hie  und  da  gewahrt  man  ein  sporadisches  Rlättchen 
und  das  Gestein  ist  fast  nur  ein  kleinkörniges  Gemenge  von  Feldspath  und  Quarz 
zu  beinahe  gleichen  Theilen;  auch  die  einzelnen  Körner  der  beiden  Gemengtheile 
haben  fast  sämmtlich  dieselbe  Grösse.  Man  hat  solche  Gesteine,  welche  örtlich 
nicht  von  den  Graniten  zu  trennen  sind,  in  denen  aber  der  eine  oder  der  andere 
wesentliche  Gemengtheil  zum  Verschwinden  zurücktritt,  Aplite  genannt. 

Von  accessorischen  Bestandteilen  erscheint  weder  in  dieser  noch  in  der 
eben  angeführten  Granitvarietät  eine  Spur. 

Bei  der  Kirche  von  Kis-Falud  östlich  von  Stuhlweissenburg  befindet  sich 
auch  ein  Steinbruch  im  Granit;  hier  bietet  er  ein  gänzlich  verschiedenes  Ansehen 
dar;  es  ist  keine  Spur  von  Glimmer  mehr  zu  entdecken,  es  ist  ein  reines  Feld- 
spathgestein,  in  dem  vereinzelte  Quarzkörner  liegen;  ein  Theil  des  Feldspates 
gibt  sich  als  grünlichweiss  verwitterter  Oligoklas  zu  erkennen.  Während  in 
einigen  Stücken  die  Grenzen  der  einzelnen  Feldspathindividuen  noch  ziemlich 
scharf  hervortreten,  geht  das  Gestein  in  anderen  dadurch,  dass  die  Feldspathmasse 
dicht  wird,  in  ein  vollkommen  porphyrisches  über,  in  dem  rundliche  Quarzkörner 
liegen;  so  entsteht  der  echte  Typus  eines  Felsitporphyrs. 

Durch  den  Granit  sind  an  fünf  verschiedenen  Stellen  trachytische  Gesteine 
durchgebrochen;  davon  befindet  sich  eine  bei  Päkozd,  drei  bei  Velencze  und 
Nadap  im  Granit,  eine  fünfte  östlich  von  der  Kuppe  Meleghegy  in  dem  oben  er- 
wähnten Quarzitconglomerat.  Von  dreien  dieser  Fundpunkte  liegen  Handstücke 
vor,  welche  ebenfalls  drei  Gesteinsvarietäten  respräsentiren. 

Die  von  der  Strasse  zwischen  Päkozd  und  Sukorö-Stuhlweissenburg  her- 
stammenden gehören  zu  denjenigen,  welche  von  Richthofen  unter  normalen 
Verhältnissen  erstarrte  Rhyolithe  nennt,  das  heisst  zu  den  quarzführenden  Trachyten. 

Die  Gemengtheile,  die  aus  der  dichten  Grundmasse  ausgeschieden 
erscheinen,  sind:  Quarz,  sehr  seltene  Fälle  ausgenommen,  wo  Spuren  von 
Krystallisation  wahrzunehmen  sind,  in  unregelmässigen  rundlichen  Körnern  mit 
einem  Stich  ins  Bläulichgraue,  Sanidin  in  zahlreichen,  stark  rissigen,  graulich- 
weissen  Krystallen,  Oligoklas,  der  nach  von  Richthofen  in  allen  ungari- 
schen Rhyolithen  entweder  fehlt  oder  nur  als  sehr  unwesentlicher  Gemengtheil 
auftritt,  kommt  in  dieser  quarzführenden  Varietät  nicht  Vor.  Magnesiaglimmer  in 
braunschwarzen,  scharf  begrenzten,  stark  glänzenden  Täfelchen.  Hornblende  in 
sehr  zahlreichen,  höchst  vollkommen  spaltbaren  Säulen.  Der  grosse  Reichthum 
dieses  Gesteins  an  Hornblende  ist  als  Ausnahme  von  der  bei  den  ungarischen 


Sitzung  vom  17.  December.  F.  Foetterle. 


123 


ra 


Rhyolithen  im  Allgemeinen  geltenden  Regel  zu  betrachten,  dass  in  den  quarzfüh- 
renden Gesteinen  die  Hornblende  fehlt. 

Der  Quarzgehalt  scheint,  den  einzelnen  Handstücken  nach,  Schwankungen 
zu  unterliegen;  in  allen  ist  er  aber  vorhanden  und  wenn  auch  nicht  auf  den  ersten 
Rlick  auffallend,  so  entdeckt  man  ihn  doch  alsobald  mit  der  Loupe  in  feinen 
Körnchen  durch  das  ganze  Gestein  vertheilt. 

Was  die  dunkelgrau  gefärbte  Grundmasse  anbelangt,  so  scheint  dieselbe  aus 
einem  feinkörnig-krystallinischen  Aggregat  derselben  Mineralien  zu  bestehen,  die 
auch  in  grossem  erkennbaren  Individuen  Vorkommen.  In  der  gepulverten  Grund- 
masse kann  man  deutlich  Quarz  von  Sanidin  unterscheiden;  ausserdem  gewahrt 
man  zahllose  feine  Hornblendeflimmerehen;  ob  Oligoklas  in  der  Grundmasse 
vorhanden,  ist  nicht  zu  entscheiden. 

Die  Trachytgesteine  von  einem  andern  Punkte,  dicht  unterhalb  dem  Orte 
Sukorö  an  der  Strasse  nach  Päkozd,  zeigen  fast  ganz  dasselbe  Aussehen  in  Farbe 
und  ausgeschiedenen  Gemengtheilen,  nur  fehlt  der  Quarz  darin  gänzlich;  es  ist 
also  dieses  Gestein  mit  seinem  verwaltenden  Gehalt  an  Sanidin  und  Hornblende 
der  Typus  eines  Trachyts. 

Ganz  anders  verhalten  sich  die  Gesteine  aus  der  südöstlichen  Umgegend  * 
von  Nadap,  oberhalb  der  Strasse  nach  Velencze.  Von  Glimmer  und  Quarz  ist  keine 
Spur  in  ihnen  zu  entdecken,  es  sind  reine  Gemenge  von  Hornblende  und  Feld- 
spath,  der  wohl  ganz  dem  Oligoklase  angehört;  die  charakteristische  Zwillings- 
streifung auf  den  mit  sehr  starkem  Glasglauz  spiegelnden  basischen  Spaltungs- 
flächen lässt  sich  schon  mit  blossem  Auge  deutlich  erkennen;  Augit  kommt  unter 
den  Gemengtheilen  nicht  vor.  Diese  Varietät,  ein  Oligoklas-Hornblendegestein,  ist 
also  den  Andesiten  zuzuzählen. 

Herr  k.  k.  Rergrath  F.  Foetterle  legte  die  geologisch  colorirte  Ueber- 
sichtskarte  des  Theiles  von  Croatien  zwischen  der  Drau  und  der  Save  vor, 
den  er  im  verflossenen  Sommer  aufgenommen  hat.  Die  Oberflächengestaltung 
dieses  Landestheiles  steht  in  grosser  Uebereinstimmung  mit  seiner  geologischen 
Beschaffenheit.  Denn  die  höheren,  aus  älteren  Gebilden  bestehenden  Gebirgszüge 
ragen  mächtig  aus  dem  niederen  tertiären  Hügellande  hervor.  Die  geologische 
Beschaffenheit  stimmt  vollkommen  mit  den  an  Croatien  angrenzenden  Gebieten 
von  Steiermark  und  Krain  überein,  und  die  die  auftretenden  Formations- 
glieder sind  nur  eine  Fortsetzung  der  letzteren.  Es  treten  in  diesem  Theile 
Croatiens  vorzüglich  zwei  Hauptgebirge  auffallend  hervor.  Das  nördliche  ist 
als  Fortsetzung  der  Gebirge  zwischen  Cilli  und  Tüffer  zu  betrachten ; es  zieht 
sich  von  Landsberg  in  gerade  östlicher  Richtung  bis  nach  Remetinec,  südlich 
von  Warasdin  in  einer  Breitenausdehnung  von  kaum  mehr  als  3000  Klafter, 
sein  höchster  Punkt  ist  die  Ivancica  mit  559  Klafter  Seehöhe.  Es  besteht  zum 
grössten  Theile  aus  Dolomit  des  Lias  oder  derTrias,nuram  nördlichen  Rande  dessel- 
ben treten  Werfener  Schiefer  von  Porphyr  begleitet  auf.  Kleine  parallele  Züge,  jedoch 
viel  niederer,  bilden  nördlich  davon  die  Höhe  von  Trakostjan  und  südlich  davon 
die  Höhen  von  Michovljan,  beide  ebenfalls  aus  Dolomit  bestehend.  Der  andere 
Hauptgebirgszug  ist  das  Agramer  Gebirge,  das  als  Fortsetzung  des  Samoborer 
Gebirges  an  der  Grenze  von  Croatien  und  Krain  zu  betrachten  ist;  es  beginnt 
dasselbe  an  dem  Ufer  der  Save  bei  Sused  und  zieht  sich  in  nordöstlicher  Richtung 
bis  Trikralji,  und  erreicht  in  dem  Sleme  eine  Seehöhe  von  nahe  3000  Fuss.  Die 
Hauptmasse  des  Gebirges  ist  krystallinischer  Schiefer,  Diorit  und  Diorit- 
schiefer  mit  krystallinischem  Kalkstein  und  Quarzlagern;  an  diese  schliesst  sich 
ein  schmaler  Streifen  von  Werfener  Schiefern  an;  zwischen  Sused  und  Bistra 
tritt  Dolomit  in  grösseren  Massen,  und  bei  Oresje  Hippuritenkalk  auf.  Zwischen 


fl 


124 


Verhandlungen. 


[6] 

Breznica  und  Neumarhof  vereinigen  sich  die  beiden  Streichungsrichtungen  dieser 
beiden  Hauptgebirgszüge,  und  ihre  östliche  Fortsetzung  bildet  das  Kalnikgebirge, 
in  dem  dieDioritgesteine  wieder  die  Hauptmasse  bilden,  an  welche  sich  Dolomit  hei 
Ljubescica  und  jurassicher  Kalk  zwischen  Reka  und  Kal nik  anschliessen.  Alle 
diese  höheren  Gebirge  werden  von  jüngeren  Tertiärhildungen,  marinem  Sandstein 
Leithakalk,  Conglomerat  und  Mergeln,  welche  den  Cerithienschichten  entspre- 
chen, gürtelartig  umsäumt;  nur  in  dem  nordwestlichsten  Theile,  dem  Macel- 
Walde  tritt  eocener  Sandstein  auf.  Das  flachere  Hügelland  besteht  aus  den 
jüngsten  Tertiärgebilden,  den  Inzersdorfer  Schichten.  Löss  findet  sich  nur  in 
dem  östlichen  und  südöstlichen  Theile  dieses  Gebietes. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  gab  eine  kurze  Uebersicht  über  die  Verhältnisse  der 
Schichten,  welche  während  der  jüngeren  Tertiärzeit  im  Bereich  des  Bakonyer- 
Inselgebirges  und  seines  nördlichen  und  südlichen  Vorlandgebietes  abgesetzt 
wurden. 

Die  verschiedenen  Ablagerungen  dieser  Periode  gruppiren  sich  ziemlich  gut 
nach  dem  Alter,  dem  petrographischen  Charakter  und  ihrer  einstigen  geologisch- 
geographischen Bedeutung  und  nehmen  in  Bezug  auf  ihre  jetzige  Vertheilung 
eine  bestimmte  geographische  Lage  gegen  das  langgestreckte  alte  Kalksteinge- 
birge ein,  welches  sie  umgeben. 

Abgesehen  von  den  älteren  marinen  Tegeln  und  Sanden , welche  uns 
Herr  Prof.  Peters  aus  der  nordöstlichen  Flanke  der  Gebirgsinsel  in  der  Umge- 
bung von  Ofen  kennen  lehrte  und  deren  Ueberlagerung  durch  den  Leithakalk  er 
an  vielen  Stellen  nachwies,  kommen  in  unserem  Gebiete  nur  ältere  Kalkbildungen 
und  jüngere  Kalk-,  Tegel-  und  Sand-Ablagerungen  in  Betracht. 

1.  Kalkbildungen  gibt  es  dreierlei:  nach  Alter,  petrographischem  und  palä- 
ontologischem  Charakter  und  geologisch-physikalischer  Bedeutung. 

a.  Marine  Kalke,  und  zwar  Leithakalke  treten  an  den  beiden  entgegenge- 
setzten Enden  des  Gebirgszuges  auf  und  zwar  wie  überall,  wo  sie  sonst  auftreten, 
die  Küstenlinie  des  Meeres  andeutend,  in  dem  sie  gebildet  wurden. 

In  der  Nordflanke  wurden  sie  von  Peters  bei  Promontor,  Teteny,  Pomäz, 
Päty,  Torbägy  und  Zsambek  u.  s.  w.  mit  verschiedenen  charakteristischen  Ver- 
steinerungen, jedoch  wie  er  ausdrücklich  bemerkt  ohne  Polyparien  und  Nulli- 
poren  beobachtet. 

An  der  Südwestflanke  fanden  wir  dieselben  nur  bei  Devecser  Süd-  und 
Ost  und  bei  Tapolcza  Nord-West  gegen  Csillag-Erdö  zu  in  erheblicher  Weise 
entwickelt.  Bei  Devecser  tauchen  sie  aus  jüngeren  Sanden  und  Schotter  hervor; 
doch  deutet  ihre  Lage  gegen  die  seitlichen  Nummulitenkalkpartien  darauf  hin, 
dass  sie  in  der  Tiefe  auf  demselben  aufliegen.  Der  Leithakalk  von  Tapolcza  aber 
lehnt  unmittelbar  an  den  Triasdolomit  an  und  geht  gleich  den  Leithakalken  der 
Nordostflanke  allmählig  in  den  überlagernden  Cerithienkalk  über.  Hier  wurden 
neben  anderen  Petrefacten,  wie  Panopaea  Faujasii  Men.,  Baianus,  Pectun- 
culus , Pecten , Venus  u.  s.  w.  auch  Polyparien,  Explanaria  crassa Reass , Astraen  sp. 
und  bei  Devecser  neben  Pecten  Solarium , Ostrea  callifera  u.s.  w.  auch  Nulliporen 
gesammelt. 

Mit  dem  Kalk  von  Devecser  stehen  sandige  und  conglomeratische  Schichten 
in  Verbindung,  welche  neben  zahlreichen  Ostreen  auch  Bryozoen  in  bedeutender 
Menge  beherbergen. 

b.  ßrackische  Kalkbildungen.  Ceri  thienkalke  schliessen  sich  in  ihrem 
geographischen  Auftreten  unmittelbar  an  die  Leithakalke  an.  Wie  im  Nordosten 
zwischen  dem  Meleghegy,  dem  Vertes-Gebirge  und  dem  Pilis-Ofener  Bergen,  so 
erscheinen  sie  auch  im  Südwesten  den  Leithakalken  unmittelbar  aufgelagert  und 


Sitzung  vom  17.  December.  Dr.  G.  Stäche. 


125 


m 


in  niedrigen  aber  grossen  Plateaux  ausgebreitet.  Nächst  dem  grossen  Leitha- 
kalk-Terrain im  Nordosten  zwischen  Promontor,  Felsö-Csuth,  undVääl  ist  wohl  das 
von  Tapolcza.  im  Südwesten  das  bedeutendste.  Ausser  diesem  wurden  früher 
gewiss  in  Zusammenhang  mit  demselben  stehende,  jetzt  isolirte  Partien  zwischen 
Puszta  Miske  und  Nyiräd  südlich  Devecser,  bei  Dörögd  Puszta  nördlich  und  bei 
Gyulakeszi  südwestlich  von  Tapolcza,  endlich  zwischen  Akali  und  Zanka  östlich 
von  Köveskalla  angetroffen. 

Es  sind  bald  weichere  bröcklige  Kalke  wie  bei  Zanka,  oder  festere  harte 
Kalke  wie  vielfach  auf  dem  Plateau  von  Tapolcza  und  zwischen  Miske  und  Nyiräd, 
welche  ziemlich  constant  durch  die  Steinkerne  oder  Abdrücke  der  beiden  bezeich- 
nenden Versteinerungen  dieser  Schichte  ( Cerithium  pictum  Bast,  und  Cardium 
Vindobonense  PartschJ  charakterisirt  sind  und  nur  seltener  auch  noch  andere 
und  besser  erhaltene  Schalenreste  führen. 

Auf  dem  Plateau  von  Tapolcza  ist  eine  obere  besonders  harte  Schicht 
dieser  Kalke  überdies  durch  die  scharfzackige,  zerfressene  und  durchlöcherte 
Beschaffenheit  ihres  Materials  auffallend.  Besonders  bemerkenswerth  erscheint 
es  aber,  dass  innerhalb  der  Cerithienkalke  gewisse  Partien  als  gemischte  oder 
auch  als  völlig  reine  charakteristische  Süsswasserkalke  ausgebildet  sind.  Man 
kann  von  einigen  Punkten  des  Tapolczaer  Gebietes  Stücke  sammeln,  wo  Cerithium 
Vindobonense  mitPaludinen  gemischt  vorkommt,  so  wie  auch  solche,  wo  Paludinen 
allein  herrschen.  Eben  so  findet  man  in  dem  Terrain  von  Miske  mitten  zwischen 
Cerithienkalken  eine  sehr  kieslige  Kalkschicht,  welche  von  den  echten  Süsswas- 
serkalken anderer  Punkte  nicht  zu  unterscheiden  ist,  und  bei  Gyulakeszi  stehen 
ebenfalls  Cerithienkalke  und  Süsswasserkalke  in  engster  Verbindung. 

c.  Drittens  endlich  finden  wir  Süsswasserkalke  in  grosser  Ausdehnung 
und  Mächtigkeit  im  Bereich  des  Bakonyer-Waldes  entwickelt,  welche  durch  die 
massenhafte  Entwicklung  einer  einst  an  Ort  und  Stelle  lebenden  Fauna  von 
Land-  und  Süsswasserschnecken  das  Interesse  des  Geologen  besonders  in 
Anspruch  nehmen  müssen.  Die  Lage  der  beiden  Hauptdistricte,  dieser  Kalke  ist 
eine  für  Süsswasserbildung  an  sich  schon  naturgemässe,  sie  erscheinen  nämlich 
ziemlich  abgeschlossen  und  in  das  Innere  der  Gebirgsinsel  zwischen  ältere  Kalk- 
berge gerückt.  Sowohl  die  mehr  als  zwei  Meilen  lange  und  y4  — */8  Meile  breite 
Süsswasserbildung  von  Kuti,  welche  zwischen  den  Punkten  Guth  (Tamasi), 
Palota,  Kikeritö,  Inota  und  Csöör  eingeschlossen  liegt,  als  die  etwa  1 Meile  in 
der  Länge  und  in  der  Breite  messende  Ablagerung  von  Nagy-Vaszony , welche 
ungefähr  von  den  Orten  Nagy-Vaszony,  Pula,  Öcs,  Petend  und  Mentshely  begrenzt 
wird,  liegen  in  den  tiefer  eingesenkten,  und  ausgeweiteten  Stellen  einer  alten 
riesigen  Spalte,  welche  das  ganze  Kalkgebirge  der  Insel  vom  Vertes-Gebirge  her 
bis  in  das  Basaltterrain  des  Platten-Sees  ungefähr  an  der  Grenze  zwischen  unterer 
und  oberer  Trias  durchschneidet. 

In  beiden  Gebieten  nun  wurde  eine  Auflagerung  dieser  Kalke  auf  ältere 
Tertiärschichten  nirgends  beobachtet,  dagegen  ist  es  an  sehr  vielen  Stellen  ganz 
klar,  dass  dieselben  unmittelbar  auf  den  Kalken  oder  Dolomiten  der  unteren  und 
oberen  Trias  liegen. 

Die  Kalke  sind  in  den  unteren  und  hart  am  älteren  Gebirge  liegenden 
Schichten  stark  kieslig,  von  dunkleren  rothen  oder  grauen  Farben;  die  Schne- 
cken stecken  als  gleichfalls  sehr  spröde  harte  Steinkerne  fest  darin. 

Mit  diesen  Eigenschaften  machen  die  Kalke  oft  den  Eindruck  eines  älteren 
Gesteins,  so  besonders  von  Palota  nördlich  und  von  Kuti  südlich. 

In  den  oberen  Partien  und  an  manchen  Orten  aber  erinnern  sie  durchaus 
nach  Consistenz,  heller  Färbung  und  Erhaltungsweise  der  Schnecken  mit  den 


126 


Verhandlungen. 


[8] 


Schalen  und  selbst  mit  Spuren  der  Färbung  nur  an  jüngere  Süsswasserbildungen 
anderer  Orte  und  besonders  z.  B.  an  die  Gesteine  des  Eichkogels  bei  Mödling. 

An  einer  Stelle  bei  Öcs  sind  es  völlige  Tegel , welche  durch  dieselben 
Süsswasser-  und  Landschnecken  charakterisirt  sind,  welche  in  den  Kalken 
von  ihren  tiefsten  Schichten  an  mit  nur  geringer  Abwechselung  in  den  selteneren 
Formen  herrschen.  Massenhaft  treten  in  allen  diesen  Bildungen,  besonders  aber 
in  den  Kalken  von  Kuti  Helices  von  der  Form  der  H.  nemoralis  und  der  H.  ver- 
miculata  und  Planorben  auf,  von  denen  der  verbreitetste  von  PL  comeus  L.  kaum 
zu  unterscheiden  ist  und  zwei  kleinere,  ebenfalls  stark  verbreitete  Arten  dem 
Planorbis  (Segmentina)  nitidus  Müll,  und  PL  marginatus  sehr  nahe  stehen.  Nicht 
minder  häufig  sind  kleine  Pupa  von  der  Form  der  P.  muscorum  und  Succinea , 
welche  sich  nicht  leicht  von  Succinea  oblonga  unterscheiden  lassen. 

Die  genauere  Untersuchung  und  Vergleichung  der  verschiedenen  Arten 
muss  einer  speciellen  Arbeit  Vorbehalten  bleiben. 

Nimmt  man  aber  zu  den  bisher  angeführten  Thatsachen  noch  die  sicher 
beobachtete  Ueberlagerung  dieser  Süsswasserschichten  durch  Schichten  mit 
Congerien  und  Melanopsis  Boudi  bei  Petend  und  die  Ueberlagerung  selbst  der  ver- 
hältnissmässig  jüngsten  mergeligen  Partie  bei  Öcs  und  der  Kalke  bei  Csöör  durch 
Schichten  mit  Melanopsis  Bouei , so  erscheint  es  sichergestellt,  dass  die  Haupt- 
masse der  Kalke  von  Kuti  und  Nagy-Vaszony  älter  ist  als  die  Schichten  mit 
Congeria  triangularis. 

Es  ist  überdies  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  sich  die  mächtigen  Kalkablage- 
rungen mit  Helices  und  Paludinen  bereits  seitderZeitderCerithienbildung 
in  ihren  abgeschlossenen,  vielleicht  periodisch  austretenden  oder  vom  grossen 
äusseren  Cerithien-  und  Congerien-See  überflutheten  Süsswasser-Becken  bis  in 
die  Zeit  des  Congerien-Meeres  gebildet  haben  und  dass  erst  die  vereinzelten 
kleineren,  zwischen  den  jüngeren  Sanden  abgelagerten  Tegelablagerungen,  in 
denen  Helices,  Planorben  und  andere  Land-  und  Süsswasserschnecken  vermischt 
Vorkommen,  Süsswasserbildungen  sind,  welche  ganz  und  gar  in  diese  jüngere 
Zeit  fallen. 

2.)  Conglomerate,  Schotter,  feste  Sandsteine,  Sand  und  Tegel  sind  die 
zweite  im  Vergleich  mit  der  Kalkgruppe  jüngere  Gruppe  von  Gesteinen,  welche 
durchaus  Bildungen  des  grossen  Süsswasserbeckens  sind,  dessen  weite  Ausdeh- 
nung in  den  östlichen  Theileu  der  Monarchie  von  F.  v.  Hauer  nachgewiesen 
wurde.  Während  die  marinen  und  brackischen  Bildungen  an  der  Nordost-  und 
Südwestecke  des  festen  Gebirgssystems  und  die  Süsswasserkalke  im  Innern  des- 
selben auftreten,  breiten  sich  die  Schichten  der  Congerienzeit  längs  der  Haupt- 
längslinien der  Gebirgsinsel  weit  hin  nach  Nord  und  Süd.  Ihre  Beobachtung  wird 
nur  erschwert  durch  den  alles  verdeckenden  Löss. 

1.  Die  Conglomerate  und  Schotter  sind  vorzugsweise  und  in  grösseren 
zusammenhängenden  Zügen  an  der  nördlichen  Uferseite,  das  ist  an  der  Seite 
der  Abdachung  des  Gebirges  entwickelt. 

2.  Die  meist  tegeligen,  zum  Theil  aber  auch  mit  sandigen  Zwischenlagen 
durchsetzten  Schichten,  welche  durch  die  charakteristischen  Petrefacten  der 
Congerienzeit  ausgezeichnet  sind,  haben,  wie  durch  ein  Profil  am  Fonyöd  her- 
vorgeht, ein  tieferes  Niveau  als  die  Hauptmasse  der  sandigen  Schichten. 

Bemerkens werth  ist,  dass  im  nördlichen  Vorlandgebiet  bei  Kors,  Doba, 
Totis,  Gycz,  Lovas-Patona  u.  s.  w.  die  Congerien  und  zwar  besonders  Cong. 
triangularis  Partscli , herrschend  sind;  dagegen  im  südlichen  Gebiet  am  Plat- 
tensee bei  Kenese,  Fonyöd  und  auch  weiterhin  wie  bei  Tab  Paludina  Sadleri , 
Melanopsis  Bouei , neben  anderen  Sehalenresten,  wie  besonders  Cardium 


127 


[9]  Sitzung  vom  17.  Deeember,  Freih.  v.  Andrian. 

apertum  Münster  und  Card,  semisulcatum  Rouss.  (eine  Krim-Species)  die  Con- 
gerien  verdrängen. 

3.  Feste  Sandsteine  finden  sich  in  bedeutender  Mächtigkeit  durch  kleine 
Congerien,  Paludinen,  Planorben  und  monokotyledone  Pflanzenreste  gleichfalls  als 
Süsswaserbildungen  charakterisirt  vorzugsweise  nur  bei  Rezi  und  Keszthely. 
Sie  sind  wohl  Aequivalente  der  loseren  Sandschichten  mit  nur  hin  und  wieder 
festeren  zwischengelagerten  Bänken,  welche  in  dem  nördlichen  wie  südlichen 
Vorlandgebiete  eine  grössere  Verbreitung  haben.  Sie  enthalten  local  an  ver- 
schiedenen Punkten  tegelige  Schichten  mit  Planorben  und  Helices  zwischengela- 
gert, so  bei  Martinsberg,  am  Fonyöd  und  anderen  Orten. 

Herr  F.  Freih.  v.  Andrian  legte  die  Karte  des  von  ihm  im  Sommer  1861 
aufgenommenen  Gebietes  vor,  welches  den  westlichen  Theil  des  Czaslauer  und 
den  östlichen  des  Chrudimer  Kreises  umfasst,  und  knüpfte  daran  einige  all- 
gemeine Bemerkungen  über  die  Zusammensetzung  desselben. 

In  orographischer  wie  in  geologischer  Beziehung  zerfällt  dieses  Gebiet 
in  drei  Haupttheile;  in  die  östliche  Fortsetzung  des  grossen  centralen  krystalli- 
nischen  Gebirges  von  Mittelböhmen , mit  einer  durchschnittlichen  Erhebung  von 
1500  Fuss,  welche  jedoch  gegen  Osten  (in  der  Gegend  von  Chotebor),  wo  dieses 
Gebirge  sich  mit  den  Ausläufern  des  böhmisch  - mährischen  Grenzgebirgsstockes 
vereinigt,  bedeutend  zunimmt.  Der  zweite  Hauptfactor  in  der  Zusammensetzung 
des  Districtes  sind  die  Ausläufer  der  grossen  Ebene  von  Pardubitz  und 
Kolin,  in  welcher  die  Elbe  ihren  Lauf  nimmt.  Als  Vermittlungsglied  kann 
man  die  Quadersandstein-Plateaus  annehmen  mit  einer  durchschnittlichen  Höhe 
von  1200  — 900  Fuss,  welche  eben  nur  in  der  östlichen  Hälfte  des  Gebietes 
einigen  Einfluss  auf  die  Oberflächengestaltung  gewinnen. 

Gneiss  (grauer)  ist  der  Hauptbestandteil  des  böhmischen  Central- 
gebirgesin  den  Varietäten,  welche  schon  von  vielen  Beobachtern  übereinstimmend 
geschildert  worden  sind.  Die  Einlagerungen  von  Turmalingraniten  (Tisy  skala, 
Sebestenitz)  sind  bedeutend  seltener  als  in  dem  anstossenden  im  vorigen  Jahre 
untersuchten^  Gebirge.  Hornblendeschiefer  sind  bei  Cejkowitz,  (am  Berge 
Skala),  bei  Zleb  in  ziemlich  grossen  Maassstabe,  südöstlich  von  Czaslau  am  Ram- 
bousek-Berge  zu  beobachten.  Sie  stehen  bei  Mladotitz  in  Verbindung  mit  Grün- 
steinen und  Serpentin.  Südöstlich  von  Willimow  bei  Horek  ist  ebenfalls  eine 
kleine  Serpentinpartie  aufgeschlossen.  — Einlagerungen  von  krystallinischem 
Kalke  sind  unmittelbar  bei  der  Stadt  Ledec  aufgeschlossen. 

Roth  er  Gneiss  bildet  den  grössten  Theil  der  Gebirgskette,  welche  in  der 
Nähe  von  Chotebor  sich  aus  der  Masse  der  Berge  absondert,  und  in  nordwestlich- 
südöstlicher Richtung  an  der  Grenze  beider  Kreise  sich  hinzieht.  Er  setzt  ferner 
alle  Ausläufer  des  böhmisch- mährischen  Grenzgebirges  zusammen.  Er  enthält 
ausser  einigen  Einlagerungen  von  Grünsteinen  keine  nennenswerthen  accessori- 
schen  Beimengungen. 

Granit  bildet  ein  grosses  zusammenhängendes  Plateau  südlich  von  Zumberg 
bei  Kamenitz  bis  Struzinetz.  Dem  Alter  nach  lassen  sich  zweierlei  Abtheilungen 
darin  unterscheiden,  wovon  die  eine  dem  „unregelmässig  grobkörnigen  Granit44 
vollkommen  entspricht,  und  welche  bei  Wcelakow  interessante  Contact- 
erscheinungen  (Bruchstücke  von  Thonschiefer  im  Granit)  zeigt,  während  die 
andere  der  Hauptsache  nach  ein  röthlicher  Granit,  gang-  und  stockförmig  in  dem 
ersteren  auftritt.  Am  jüngsten  erscheinen  auch  hier,  wie  fast  überall  zahlreiche 
Ganggranite. 

Urthons  chiefer  (Phyllit)  kommt  in  zwei  von  einander  getrennten 
Partien  vor.  Die  eine  bildet  die  nordwestliche  Fortsetzung  des  früher  erwähnten 


128 


Verhandlungen. 


[10] 


Podhoraner  Gebirgszuges,  und  zieht  sich,  wo  derselbe  von  rothem  Gneiss 
gebildet  wird,  am  nordöstlichen  Abhange  desselben  hin.  Sie  enthält  bei  Podol 
ein  mächtiges,  für  die  Industrie  der  dortigen  Gegend  sehr  wichtiges  Kalklager, 
die  andere  zieht  sich  zwischen  Granit  und  rothem  Gneiss  von  Skuticko  über 
Hlinsko  bis  gegen  Kreuzberg. 

Sie  ist  durch  zahlreiche  Einlagerungen  von  Talkschiefet*,  Hornblende- 
schiefer  und  feldspathhaltigen  Gesteinen  ausgezeichnet.  Die  Grenze  gegen  den 
rothen  Gneiss  ist  fast  überall  durch  ausgezeichnete  Knotenschieferbildungen 
bezeichnet. 

Die  Grauwackenformation  ist  durch  einen  mächtigen  Complex  von 
Gesteinen  bezeichnet,  welche  bei  Turkowitz,  Wizitz  u.  s.  w.  concordant  dem  Ur- 
thonschiefer  aufgelagert  sind.  Es  sind  grünliche  und  schwärzliche  Schiefer,  welche 
sich  nur  schwer  von  den  krystallinischen  Gebilden  trennen  Hessen,  wenn  sie 
nicht  von  grob-  und  feinkörnigen  Conglomeraten,  welche  auf  einen  mechanischen 
Process  schliessen  lassen,  begleitet  wären. 

An  diese  Gebilde  schliessen  sich  im  Norden  überall  die  Gesteine  der  Qua- 
derformation an.  Im  grössten  Theile  des  Gebietes  ist  dieselbe  nur  in  ihren 
unteren  Gliedern  vertreten,  durch  den  unter enQuader Sandstein,  welcher 
überall  an  den  Nordabhängen  der  krystallinischen  Berge  auftritt,  und  dann  gegen 
Norden  von  den  Quader  mergeln  bedeckt  ist,  welche  die  bekannten  charak- 
teristischen Plateaux  bilden. 

Längs  des  südwestlichen  Abhanges  der  erwähnten  rothen  Gneisskette 
von  Kreuzberg  bis  Tfemosnitz  zieht  sich  eine  Zone  von  wechselnder  Mächtigkeit 
ganz  isolirt  hin,  eine  Lagerung,  welche  wohl  zu  Gunsten  der  Ansicht  von  einer 
späteren  Erhebung  dieser  Kette  spricht. 

Die  Gesteine  der  oberen  Kreide  (Plänersandstein  und  Plänerkalk) 
kommen  nur  in  einzelnen  isolirten  Partien  an  den  äussersten  Grenzen  des 
Gebietes  (bei  Kuttenberg  und  Morawan)  vor. 

Das  Quadersandsteingebirge  wird  in  seinen  nördlichen  Ausläufern  von  dem 
Diluvium  bedeckt.  Dasselbe  besteht  aus  Löss  und  Schotter.  Die  Mächtigkeit  des 
Lösses  ist  an  diesen  Ausläufern  2 — 3 Fuss,  sie  steigt  in  der  Chrudimer  und 
Czaslauer  Niederung  auf  eben  so  viele  Klafter.  Schotter  überlagert  die  Qua- 
dersandstein-Plateaux  im  Westen  des  Gebietes  oft  auf  eine  beträchtliche  Höhe 
aber  in  ganz  geringer  Mächtigkeit.  Im  Osten  fehlt  Löss  als  Zwischenglied 
fast  nie  (Hermanmestetz,  Chrudim,  Hrochowteinitz). 

Schliesslich  spricht  der  Vortragende  dem  Director  der  Chrudimer  Real- 
schule, Herrn  P.  Anton  Lukesle,  und  dem  Professor  an  derselben,  Herrn 
Rauh wolf,  seinen  Dank  für  deren  bereitwillige  Theilnahme  und  Unterstützung 
in  den  Arbeiten  in  der  Gegend  von  Chrudim  aus. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  gab  Nachricht  von  einer  Sammlung 
von  Petrefacten  aus  der  Silurformation  Böhmens,  welche  Herr  Realschul  - 
Director  J.  Krejci  während  seiner  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
ausgeführten  geologischen  Aufnahmsreisen  im  Jahre  1859  und  1860  auf  Kosten 
derselben  veranstaltete,  und  welche  von  dem  Herrn  Museal -Custos  Dr.  A. 
Fritsch  in  Prag  geordnet  und  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingesen- 
det worden  ist.  Die  Sammlung  umfasst  über  500  Stücke  mit  ungefähr  100  ver- 
schiedenen Species,  vorzugsweise  der  Classe  der  Trilobiten  angehörig,  und  es 
sind  in  derselben  die  Faunen  aller  petrefactenführenden  Schichten  der  böhmi- 
schen Silur-Ablagerungen  durch  charakteristische  Formen  vertreten.  Die  aus- 
gezeichneteren und  wichtigsten  Versteinerungen  der  einzelnen  Schichten  legte 
Herr  Bergrath  Lipoid  der  Versammlung  vor. 


[11] 


Sitzung  vom  17.  December.  Fr.  v.  Hauer. 


129 


Wir  sind  den  Herren  Krejcf  und  Fritsch  für  die  werthvolle  Sammlung  zu 
wahrem  Danke  verpflichtet.  Durch  die  eingesendeten  Stücke  wird  es  möglich  sein 
die  Aufstellung  der  silurischen  Versteinerungen  Böhmens  im  „Mohs -Saale“  zu 
vervollständigen  und  nach  den  einzelnen  Schichten  der  Silurformation  zu  ordnen. 
Von  folgenden  Localitäten  sind  aus  den  verschiedenen  aufeinanderfolgenden 
Schichten  Petrefaeten  vorhanden: 


Barrande’s 

Aus  den  Schichten  folgen  Etagen  die  Localitäten 


Ginetzer  Schichten . . C Ginetz,  Skrey,  Felbatka,  Berg  Kni- 

cek,  Teirowice. 

Komorauer  (Bokytzaner)  Schichten . . D — d1  Rokytzan,  Auwal. 

Brda  - Schichten  . . . . D — dz  Wessela,  Berg  Drabow. 

Vinicer  „ . D — dB  Vinice,  Trubin. 

Zahoraner  „ . D — dk  Zahoran,  Wraz,  Trubska,  Belve- 

dere. 

Kossower  und  Königshofer  Schichten  D — d 5 Kossow-Berg,  Königshof,  Leiskow. 

Littener  Schichten E Umgebung  von  Beraun. 

Kuhelbader  „ . . E Kuhelbad,Borek,Lodenic,Slivence, 


St.  Ivan,  Wiskocilka,  Listice, 
Berg  Kozel,  Dlouhahora,  Wo- 
hra da. 

F Koneprus,  Suhomast,  Mnenan, 

Lochkow,  Kolednik. 

G Branik,  Swagerka,  Hostin , Luzec, 

Dworec,  Tetin, 

H Hlubocep,  Chotec-Thal. 


Konepruser 

Braniker 

Hluboceper 


Mit  unermüdlicher  Ausdauer  erweitert  und  vervollständigt  Herr  Jonkh 
J.  T.  Binkhorst  van  den  Bink hörst  unsere  Kenntnisse  der  oberen  Kreide- 
schichten von  Limburg,  namentlich  der  durch  die  Studien  so  vieler  der  ausge- 
zeichnetsten Geologen  berühmt  gewordenen  Kreidetuffe  des  Petersberges  bei 
Maestricht.  Seinem  früheren,  diesem  Gegenstände  gewidmeten  Werke:  Esquisse 
geologique  et  paleontologique  des  couches  cretacees  du  Limbourg  1&59. 
(Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  Bd.  X,  Verh.  S.  93),  folgten  weitere  Aus- 
führungen in  den  Bulletin  der  Societe  geologique  de  France  (Tom.  XVII,  p.  61) 
und  vor  wenigen  Tagen  erhielt  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  Murch  die 
Güte  desselben  Herrn  Verfassers  dessen  neuestes  Werk:  Monographie  des 
Gasteropodes  de  la  craie  superieure  du  Ducke  de  Limbourg , welches  Herr 
Bergrath  Fr.  v.  Hauer  zur  Vorlage  brachte.  Während  man  früher  nicht  mehr 
als  ein  Dutzend  Arten  von  Gasteropoden  aus  den  bezeichneten  Schichten  kannte, 
gelang  es  Herrn  v.  Binkhorst  namentlich  durch  fleissige  Ausbeutung  der  härte- 
ren Schichten,  welche  die  obere  Kreide  in  der  Umgegend  von  Maestricht  und 
Heerlen  durchsetzen,  die  beträchtliche  Anzahl  von  106  bestimmbaren  Arten  aus 
der  genannten  Thierclasse,  welche  38  verschiedenen  Geschlechtern  angehören, 
zusammen  zu  bringen,  welche  er  nun  beschreibt  und  auf  10  Tafeln  vortreff- 
lich abbildet.  Die  Untersuchung  bot  grosse  Schwierigkeiten  dar,  da  man  es 
nicht  mit  wohlerhaltenen  Schalen,  sondern  nur  mit  Steinkernen  und  Abdrü- 
cken zu  thuu  hat,  auch  bildet,  wie  der  Herr  Verfasser  bemerkt,  was  er  beschreibt 
wahrscheinlich  erst  einen  geringen  Theil  der  gesammten  Gasteropoden-Fauna, 
welche  gleichzeitig  mit  dem  Mosasaurus  lebte.  Für  eine  grössere  Zahl  muss 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


r 


130 


Verhandlungen. 


[12] 

erst  die  Auffindung  besserer  Exemplare  abgewartet  werden  bevor  man  die  genaue 
Bestimmung  vornehmen  kann.  Aber  auch  schon  was  hier  geboten  wird,  ist  ge- 
eignet das  höchste  Interesse  zu  erregen;  90  der  beschriebenen  Arten  sind  völlig 
neu,  viele  derselben  erinnern,  wie  dies  nach  der  geologischen  Stellung  der 
Schichten,  aus  denen  sie  stammen,  leicht  erklärlich  scheint,  schon  sehr  an  eocene 
Typen  und  manche  gehören  Geschlechtern  an,  welche,  wie  Imbricaria , Sip/io- 
naria , Turbinella , Haliotis , Oliva  u.  s.  w.,  aus  Kreideschichten  bisher  nicht 
bekannt  waren.  Das  vorgelegte  Heft  ist  eigentlich  ein  in  nur  wenigen  Exemplaren 
vonHerrn  v.  Binkhorst  vertheilter  Vorläufer  von  zwei  grösseren  Monographien, 
denen  über  die  Gasteropoden  und  über  die  Cephalopoden  der  dortigen  oberen 
Kreideschichten. 

Aus  einem  von  Herrn  Prof.  Pichler  in  Innsbruck  erhaltenen  Schreiben 
theilt  Herr  v.  Hauer  ferner  die  folgende  Notiz  mit: 

„Die  Abhandlung  von  Herrn  Stoliczka  über  die  Mollusken  der  Hierlatz- 
Schichten  in  den  Sitzungsberichten  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaf- 
ten (Band  43,  S.  157)  veranlasste  mich  das  im  hiesigen  Museum  hinterlegte 
Materiale  zu  untersuchen“. 

In  den  Hierlatz- Schichten  des  Sonnwendjoches  bei  Brixlegg  fand  ich  fol- 
gende Species: 

1.  Pecten  subreticulatus  Stol. 

2.  Discohelix  orbis  Stol. 

Aus  den  Adnether  Schichten  der  Kammerkaar  bei  Waidring  liegen  vor : 

1.  Trochotoma  striatam  Hörnes. 

2.  Neritopsis  elegantissima  Hörnes.  Das  Exemplar  ist  beträchtlich  grösser 
als  die  Abbildungen  von  Stoliczka. 

3.  Pleurotomaria  cf.  coarctata  Stol. 

Von  zwei  anderen  Gasteropoden  liegt  je  ein  schlecht  erhaltenes  Exemplar 
vor,  keines  gehört  einer  der  von  Herrn  Stoliczka  beschriebenen  Species  an, 
doch  ist  eine  Bestimmung  ohne  zahlreicheres  Material  nicht  wohl  zu  wagen. 

Ueberdies  fand  ich  auf  der  Kammerkaar  im  rothen  Marmor  das  nicht  be- 
stimmbare Bruchstück  einer  Auster  und  einen  langen  Cidariten-Stachel“. 

Noch  endlich  erwähnt  Herr  Bergrath  v.  Hauer,  dass  er  in  der  letzten 
Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  am  12.  1.  M.  eine  ungemein 
werthvolle  Arbeit  unseres  Freundes  Herrn  k.  Bayer.  Bergmeisters  und  Staats- 
geologen C.  W.  Gümbel  in  München  „Über  die  Dachsteinbivalve  und  ihre 
alpinen  Verwandten“  zur  Aufnahme  in  die  akademischen  Publicationen  übergeben 
habe.  Abgesehen  von  dem  hohen  Interesse,  welches  die  Ergebnisse  dieser  Arbeit 
für  unsere  eigenen  Studien  besitzen,  liegt  aber  noch  ein  näheres  Motiv  vor,  den 
Gegenstand  auch  in  unserer  Sitzung  zur  Sprache  zu  bringen.  Herr  Gümbel  hatte 
bei  seinen  Untersuchungen  vielfältig  auch  die  interessanteren  Stücke  aus  dem 
Museum  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  die  ihm  zu  diesem  Behufe  über- 
sendet worden  waren,  benützt,  und  dieselben  nun  mit  den  Bestimmungen  ver- 
sehen wieder  zurückgesendet.  Unter  diesen  Stücken,  die  Herr  v.  Hauer  nun  vor- 
legte, befinden  sich : 

1.  Megalodus  triqueter  sp.  Wulf,  von  Agordo,  St.  Cassian,  Lago  d’Iseo  und 
Bleiberg  aus  den  Südalpen,  dann  von  Starhemberg  bei  Piesting,  dem  Gesäuse  bei 
Hieflau,  dem  Echernthale  bei  Hallstatt  und  dem  Pass  Lueg  aus  den  Nordalpen. 

Bezüglich  dieser  Art  schreibt  Herr  Gümbel  in  einem  Briefe  an  Herrn  v. 
Hauer:  „Ich  habe  Exemplare  von  der  Originalfundstelle  vom  Dachsteine,  die  ich 
der  Güte  des  Herrn  Hofrathes  v.  Fischer  verdanke,  zerschlagen  und  präparirt 
und  auf  das  genaueste  verglichen  mit  in  gleicher  Weise  präparirten  Originalen 


Sitzung  vom  17.  December.  W.  Haidinger. 


131 


[13] 


von  Elbingenalp.  bei  denen  ich  Theile  des  Schlosses  und  die  Steinkerne  herstellte. 
Es  besteht  bestimmt  kein  Unterschied  zwischen  der  Dachsteinbivalve  und 
dem  Megalodus  scutatus  Schafft.,  wofür  übrigens  der  ältere  Name  der  Tiroler 
Landesaufnahme:  striatus  (Isocardia  striata),  falls  dies  eine  besondere  Art 
wäre,  gelten  müsste.  Eben  so  genaue  Vergleichungen  der  Steinkerne  aus  Kärnthen 
bestätigen  in  gleicher  Weise  die  Identität  des  Wulfen'sehen  C.  triquetrum  mit 
der  Dachsteinbivalve,  obwohl  in  Kärnthen  auch  eine  zweite  hinten  doppelt  gekielte 
Art,  identisch  mit  jener  von  Nassereit,  vorkömmt“.  M.  triqueter  sp.  Wulf  findet 
sich  nach  den  Untersuchungen  Gümbefs  am  häutigsten  und  verbreitetsten  im 
eigentlichen  Dachsteinkalk,  ferner  aber  auch  in  den  Kössener  Schichten  und  im 
Haupt-Dolomit.  Selbst  aus  Hallstätter  (Esino-)  Schichten  gibt  Herr  Gümbel 
einen,  wie  er  glaubt,  sichern  Fundort  in  den  lombardischen  Alpen  an. 

2.  Megalodus  columhella  Gümb.  Von  Bleiberg. 

Die  oben  erwähnte  Art,  die  sich  auch  zu  Nassereit  in  Hallstätterkalk  findet. 
„Ich halte  es  für  wahrscheinlich“,  schreibt  Hr.  Gümbel,  „dass  Herrn  Dr.  Hörnes 
Pachyrisma  columbella  der  Schalenkörper  dieser  Art  sei.  Sie  wissen,  dass  die 
Gattung  Pachyrisma,  seit  man  den  Zahn  als  blosse  Gesteinserhöhung  erkannte, 
auf  schwachen  Füssen  steht,  und  ich  glaube  auch  die  alpinotriassischen  Megalo- 
donten  nicht  als  Gattung  von  Megalodus  abtrennen  zu  sollen“.  Diese  Art  ist  in 
ihrem  Vorkommen  auf  die  Hallstätter  Schichten  beschränkt. 

3.  Megalodus  complanatus  Gümb.  Aus  dem  Haupt-Dolomit  von  Clusone  in 
der  Lombardie. 

4.  Megalodus  lamellosus  aus  den  Raibler  Schichten  von  Podpec  bei  Laibach. 
Ausser  den  von  unseren  Geologen  daselbst  aufgesammelten  Stücken  wurde  es 
durch  die  Güte  des  Reichsrathes  und  Custos  am  Laibacher  Museum  Herrn 
Deschmann  möglich,  auch  das  in  dem  gedachten  Museum  aufbewahrte  Original- 
Exemplar  dieser  Art,  welches  Hacquet  als  Titel  Vignette  im  zweiten  Theil  seiner 
Oryctographia  Carnioliae  abbildet,  zur  Untersuchung  an  Herrn  Gümbel  zu 
übersenden. 

Noch  unterscheidet  Herr  Gümbel  eine  5.  Art,  den  M.  gryphoides  aus  dem 
Dachsteinkalk,  weist  dagegen  nach,  dass  die  von  Herrn  v.  Hauer  aus  den  Raibler 
Schichten  aufgeführte  Art  M.  carinthiacus  Boue  sp.  nicht  zum  Gesehlechte 
Megalodus  gehöre,  von  dem  sie  sich  durch  viel  dünnere  Schale,  das  Fehlen  einer 
bestimmten,  gekielten  hinteren  Fläche  und  das  Fehlen  einer  Eindrückung  an  der 
Analseite  unterscheidet.  Herr  Gümbel  glaubt  diese  Art  eher  dem  Gesehlechte 
Isoarca  verwandt  , doch  wird  ihre  generische  Stellung  wohl  erst  dann  sicher 
bestimmt  werden  können,  wenn  man  erst  die  Beschaffenheit  des  Schlosses  kennen 
wird. 

Zum  Schlüsse  ergreift  Herr  Direcfor  W.  Haidinger  das  Wort: 

„Indem  ich  den  hochverehrten  Herren  Theilnehmern  an  unserer  heutigen 
Tagesordnung  meinen  verbindlichsten  Dank  darbringe,  freue  ich  mich,  noch  auf 
die  reichen  Einsendungen  einen  Augenblick  Ihre  Aufmerksamkeit  zu  lenken, 
welche  uns  vorliegen,  aus  den  verschiedensten  Gegenden,  von  London,  Paris, 
St.  Petersburg,  Venedig,  Lausanne,  Calcutta,  die  wichtigen  zwei  neuesten  Bände 
der  Denkschriften  der  allgem.  Schweizerischen  naturwissensch.  Gesellschaft  mit 
den  Arbeiten  der  Thur  mann,  Oos  t er,  Gaudin,  Strozzi,  Zschokke  u.  s.  w. 

Eines  der  Werke,  das  uns  näher  angeht,  ist  die  von  Herrn  Ludwig  Hohen- 
egg er  in  Teschen,  Director  der  Erzherzoglich  Albr echt’schen  Eisenwerke,  so 
eben  herausgegebene  „Geognostische  Karte  der  Nordkarpathen  in  Schlesien 
und  den  angrenzenden  Theilen  von  Mähren  und  Galizien“,  nebst  dem  begleitenden 
Berichte  über  „die  geognostisehen  Verhältnisse  der  Nordkarpathen  u.  s.  w.“,  von 


r " 


132 


Verhandlungen. 


[14] 

welcher  ich  von  dem  hochverdienten  Herrn  Verfasser  so  eben  erst  Exemplare  für 
die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  und  für  meine  eigene  Person  als  werthvolle 
Geschenke  erhalten  habe.“ 

Herr  Hofrath  Haidinger  bringt  nun  Herrn  Director  Hohenegger  den 
anerkennendsten  Dank  dar,  und  bezeichnet  mit  einigen  Worten  die  fortwährende 
Theilnahme,  mit  welcher  seit  Jahren  dieses  fortschreitende  Werk  unsere  Auf- 
merksamkeit fesselte.  „Die  Entwickelung  der  H oben  egge  r’schen  Arbeiten  ist 
gleichzeitig  mit  unseren  eigenen  im  k.  k.  montanislischen  Museo  und  in  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt.  Schon  am  23.  Juli  1847  halte  ich  in  einer  Sitzung  von 
Freunden  der  Naturwissenschaften  Nachrichten , von  ihm  selbst  freundlich  mit- 
getheilt,  vorlegen  können.  Damals  schon  war  er  längst  von  dem  Gesichtspunkte 
ausgegangen,  dass  geologische  Kenntniss  die  Rasis  von  Schürfungsarbeiten  sein 
müsse,  namentlich  in  den  ungeachtet  des  verschiedenen  geologischen  Alters  petro- 
graphisch  einander  so  sehr  ähnlichen  Thoneisensteinen,  in  den  bis  dahin  Karpa- 
thensandstein oder  Wiener  Sandstein  benannten  Gebirgsgliedern,  welche  ja  auch 
uns  so  manche  schwierige  Aufgabe  brachten.  Dass  sie  eine  Anzahl  von  Forma- 
tionen umfassen,  vom  Alter  der  unteren  Kreide,  des  Neocom,  bis  zu  den  tertiären 
Eoeenschichten , war  bald  klar,  aber  jedes  einzelne  Vorkommen  zu  deuten,  das 
war  die  grosse  Arbeit,  welche  nun  Herr  Director  Hohenegger  glänzend  durch- 
geführt hat.  Stratigraphie  und  Fossilreste  konnten  leiten,  erstere  durch  die  viel- 
fachen Verwerfungen  und  das  so  sehr  wenig  abweichende  Ansehen  schwierig, 
also  mussten  die  neu  einzuleiteuden  paläontologischen  Studien  vorzüglich  geför- 
dert werden.  Auch  das  bleibt  ein  grosses  Verdienst  unseres  hochverehrten 
Freundes  Hohenegger,  der  sich  in  dieser  Reihe  von  Jahren  ein  grosses 
Museum  und  die  reichhaltigsten  paläontologischen  Sammlungen  aus  jenen  Gegen- 
den geschaffen  hat.  Während  der  Zeit  entwickelten  sich  auch  in  Wien  unsere 
paläontologischen  Studien,  Hörnes,  Suess,  Rolle  am  k.  k.  Hof-Mineralien- 
cabinet,  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Czjzek,  Ku  de  matsch,  Peters,  Zekeli, 
Const.  v.  Ettingshausen,  Hochstetter,  Stur  in  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  dazu  unser  trefflicher  verewigter  Ichthyologe  Heckei,  und  in 
naher  Verbindung  Reuss,  v.  Alth,  Kn  er,  Zeuse  h ne  r,  dazu  die  noch  jün- 
geren Forscher,  so  dass  von  einem  Aufenthalte  Hohenegger's  zum  anderen  und 
in  seinen  zahlreichen  freundlichen  Mittheilungen  stets  neue  Anregung  sich  fand. 
Bei  der  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Wien  1836  hatte  er 
schon  die  Karte  vorgelegt.  Sie  ist  nun,  bei  Perthes  in  Gotha,  in  dem  Maasse 
von  1 : 144.000  der  Natur,  oder  2000  Klafter  gleich  1 Zoll,  in  Farbendruck,  mit 
24  Farben  und  Zeichen,  vortrefflich  ausgeführt  worden.  Die  begleitenden  „Erläu- 
terungen“ aber  wird  ein  theilnehmender  Geologe  nicht  aus  der  Hand  zu  legen 
vermögen,  bis  er  sie  von  Anfang  bis  zum  Ende  durchgenommen  hat.  so  viele 
Erinnerungen  an  die  einzelnen  Feststellungen  der  Grundsätze,  so  viele  von 
Hohenegger  in  die  Wissenschaft  eingeführte  Thatsachen,  aus  jener  emsig 
durchforschten  Umgegend.  Werke  wie  dieses  sind  wahrhaft  geistige  Eroberungen 
für  immerwährende  Zeiten.  Möge  unsere  reiche  Anerkennung  dem  hochverehrten 
Freunde  und  Arbeitsgenossen  in  der  grossen  Frage  des  Fortschrittes  geologischer 
Forschung  in  Oesterreich  einige  Befriedigung  gewähren.“ 

„Das  Inhaltsverzeichniss,  wie  Freund  Hohenegger  es  gibt,  wird  in  sich 
schon  die  Richtung  und  Ausführlichkeit  der  Studien  darthun,  wie  er  selbe  ver- 
folgte und  sie  in  seinem  Hauptüberblick,  nebst  Einleitung  und  Literatur,  ver- 
zeichnet: I.  Steinkoblengruppe:  1.  Culmschichten , 2.  Steinkohlengebirge. 
II.  Strambergerkalkstein  (Oberer  weisser  Jura,  Corallien  und  zum  Theil  Kim- 
meridgien  d’Orbigny),  III.  Neocomien  (Hils-Congl.  Römer,  Neocom.  infer. 


Sitzung  vom  17.  December.  W.  Haidinger. 


133 


[IS] 


d’Orb.):  1.  unterer  Teschner  Schiefer,  2.  Teschner  Kalkstein  (untere  und 
obere  Abtheilung),  3.  oberer  Teschner  Schiefer  und  Grodischter  Sandstein. 
IV.  Wernsdorfer  Schichten  (Urgonien  und  zum  Theil  Aptien  d’Orb.).  V.  Godula- 
sandstein  (Albien  d’Orb.,  zum  Theil  englischer  Gault).  VI.  Istebner  Sandstein 
(Cenomanien  d'Orb.).  VII.  Friedecker  Schichten:  a)  Friedecker  Baculiten- 
mergel  (Pläner-Mergel  in  Böhmen,  Turonien  d’Orb.),  b)  Baschker  Sandstein 
(oberer  Kreidesandstein  in  Böhmen,  Senonien  d’Orb.).  VIII.  Eocene  Schichten: 
a)  Nummulitenperiode  (Suessonien  d’Orb.),  b) Menilitgebilde  (Parisien?  d’Orb.). 
IX.  Neogene  Schichten  (Hörn es).  X.  Diluvium.  XI.  Bildungen  der  Gegenwart. 
XII.  Plutonische  und  vulcanische  Gesteine,  Teschenit  und  Basalt.  Ferner  den 
Ueberblick  derHebungsperioden  und  die  mit  denselben  zusammenhängende  Gestal- 
tung von  Land  und  Meer.44 

„Unter  den  in  letzter  Zeit  uns  als  freundliche  Geschenke  zugesandten 
Werken44,  fährt  Haidinger  fort,  „verweile  ich  gern  einen  Augenblick  auf  der 
eben  erschienenen  dritten  Abtheilung  der  „Erinnerungen  vermischten  Inhaltes  von 
Baronin  Louise  Kotz  — Was  ich  erlebte!  was  mir  auffiel!44.  Die  hochverehrte 
Verfasserin  gedenkt  in  den  glanzvoll  wechselnden  Bildern  der  Erinnerungs- 
Reisegenüsse  in  den  höheren  Sphären  unserer  Gesellschaft,  so  freundlich  auch 
mancher  uns  zunächst  betreffender  Gegenstände  und  Ereignisse,  dass  ich  wohl 
verpflichtet  bin,  ihr  meinen  innigsten  Dank  darzubringen.  Auch  ihre  eigene  und 
die  Photographie  ihrer  zu  früh  verewigten  Schwester,  Stiftsdame  Baronin  Erne- 
stine Kotz,  hatte  sie  freundlichst  mitgetheilt,  welche  nun  unmittelbar  nach  Herrn 
Boucher  de  Perthes  in  chronologischer  Ordnung  unser  Album  zieren,  während 
die  Bilder  der  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  mein  eigenes  und 
die  meiner  hochverehrten  jüngeren  Freunde  und  Arbeitsgenossen,  den  Schluss  der 
ersten  Abtheilung  bilden.  Alle  unsere  hochverehrten  Gönner  und  Correspondenten 
sind  angelegentlichst  gebeten,  in  gleicherweise  für  spätere  Zeiten  uns  das 
Andenken  ihres  freundlichen  Wohlwollens  zu  bewahren.44 

„Mit  der  heutigen  Sitzung  schliessen  wir  unsere  diesjährigen  Vereini- 
gungs-Abende, um  uns,  so  hoffen  wir,  am  7.  Jänner  1862  rasch  am  Werke 
wiederzufinden.  Erlauben  Sie  mir,  meine  hochverehrten  Herren,  einen  kurzen 
Ueberblick  derselben  und  der  reichen,  mannigfaltigen  Gegenstände,  welche  sie 
uns  brachte.  Erstens  das  eben  im  Schlüsse  liegende  Heft  von  unseres  hochver- 
ehrten Freundes  Herrn  Dr.  M.  Hörnes  fossilen  Mollusken,  unter  dem  waltenden 
Schutze  Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritters  v.  Schmerling 
wieder  in  Gang  gesetzt,  und  wohl  dürfen  wir  zuversichtlich  hoffen,  nun  ohne 
weiteren  Unfall  bis  zum  Schlüsse.  Dann  ein  junger  Fachgenosse,  Herr  Dr.  Zir- 
kel, in  seinem  ersten  Vortrage  in  unserem  Kreise,  der  sich  Wien  für  den  Win- 
teraufenthalt für  praktische  krystallographische,  mineralogische,  geologische 
Studien  wählt,  trefflich  vorbereitet  unter  unserem  hochverehrten  Freunde  Nög- 
gerath  und  durch  ihn  empfohlen,  der  seine  Erfahrungen  aus  einer  Reise  in 
Island  nun  vergleicht  mit  den  Richtho  fen’schen  Aufsammlungen  der  ungari- 
schen und  siebenbiirgischen,  und  den  Hochstetter’schen  der  neuseeländischen 
Trachytgesteine.  Die  Ergebnisse  unserer  eigenen  Arbeiten,  von  Herrn  Bergrath 
Foetterle  in  Croatien,  Dr.  Stäche  im  Bakonyer- Walde,  Freih.  v.  Andrian  in 
Böhmen.  Die  Vorlage  durch  freundliche  Vermittlung  der  Herren  Direetor  Krejcf 
in  Pisek  und  Custos  Fritsch  in  Prag  aufgesammelter  Petrefacten  aus  den  siluri- 
schen  Schichten  durch  Herrn  Bergrath  Lipoid.  Mittheilungen  befreundeter 
Forscher,  eines  Binkhorst  van  den  Binkhorst  in  Maestricht,  Gümbelin 
München  und  Pich ler  in  Innsbruck  durch  Herrn  Franz  Ritter  v.  Hauer  vor- 
gelegt, und  so  vieler  anderer  werthvollen  Gaben.  Aus  denselben  ein  wahrhaft 


134 


Verhandlungen. 


[10] 

be  wunderungswürdiger  Abschnitt  in  den  Arbeiten  unseres  Freundes  Hohenegger 
in  seiner  Karte,  die  gleichzeitig  dort  gewonnene  Höhe  der  Wissenschaft,  wie 
wir  sie  hier  in  Wien  empor  zu  fördern  uns  bestrebten,  endlich  die  freundschaft- 
lich werthe  gesellschaftliche  Anerkennung  und  Erinnerung,  wie  selbe  uns  Frau 
Baronin  Louise  Kotz  wohlwollend  bietet,  und  die  Fortschritte  unseres  Album. 
Wohl  dürfen  wir  uns  des  reichen  Rückblickes  freuen.  Und  zwar  wie  auf  die 
heutige  Sitzung,  so  über  die  Ereignisse  des  ganzen  Jahres,  denn  gerade  in  der 
letzten  Sitzung  des  verflossenen,  am  11.  December  1860,  war  es  mir  beschie- 
den,  von  der  Gnade  unseres  Allerdurchlauchtigsten  Kaisers  und 
Herrn  die  fernere  Bewilligung  unserer  unverkürzten  Dotation  zu  berichten,  so 
wie  von  unseren  besten  Hoffnungen  für  die  Zukunft,  welche  nun  wirklich 
unter  unseres  unvergleichlichen,  wohlwollenden  k.  k.  Staatsministers  Ritters 
v.  Schmerling  mächtigem  Schutze  reichlich  in  Erfüllung  gegangen  sind. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Sitzung  am  7.  Jänner  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitz. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  machte  eine  Mittheilung  über  die 
von  einer  Bergbau-  und  Zinkfabrications-Gesellschaft  neu  eröffneten  Galmei-  und 
Braunkohlen-Bergbaue  nächst  Ivanec  im  Warasdiner  Comitate  Croatiens. 

Das  Dorf  Ivanec,  Sitz  eines  Stuhlrichteramtes,  ist  im  Bednja-Thale  2 Mei- 
len südwestlich  von  Warasdin  am  nördlichen  Fusse  des  in  einem  schmalen  Rücken 
von  West  nach  Ost  sich  erstreckenden  Bistrica-  und  Ivanczica-Gebirges  gelegen  *). 
Eine  halbe  Meile  südlich  vom  Dorfe  Ivanec,  ungefähr  500  Fuss  höher  als  dasselbe, 
am  nördlichen  Gehänge  des  Ivauezica-Berges  befindet  sich  der  Galmei-Bergbau« 
Das  nach  Norden  in  steilen  Gehängen  abfallende  Ivanczica-Gebirge  ist  aus 
Kalksteinen  und  Dolomiten  zusammengesetzt,  welche  von  Schiefern  und  Sand- 
steinen unterteuft  werden,  die  am  Fusse  des  Gebirges  in  mehreren  Gräben  und 
auch  nächst  des  Galmeibergbaues  anstehend  gefunden  werden.  In  diesen  Schie- 
fern und  Sandsteinen  finden  sich  Versteinerungen  vor,  und  unter  diesen 
Myacites  Fassaensis  Wissm.  und  Posidonomya  Clarae  Emmr»,  welche  dieselben 
als  Werfener  Schichten  (untere  Triasformation,  — bunter  Sandstein)  charak- 
terisiren.  Die  auf  den  Werfener  Schichten  lagernden  Dolomite  und  gleichfalls 
Petrefacten  führenden  Kalksteine  gehören  theils  den  Guttensteiner  Schichten, 
theils  der  oberen  alpinen  Trias  an.  Die  seit  anderthalb  Jahren  geführten  Auf- 
schlussbaue bei  der  Galmeigrube  begründen  die  gegenwärtige  Ansicht,  dass  die 
Galmei-Erzführung  jenen  Dolomiten  eigenthümlich  sei,  welche  unmittelbar  über 
den  Werfener  Schichten  lagern.  Die  bisherigen  Aufschlussbaue  haben  aber  auch 
zur  Überzeugung  geführt,  dass  die  gegenwärtig  im  Aufschluss  befindliche  Erz- 
lagerstatt  einer  mächtigen  Gebirgspartie  angehöre,  welche  in  Folge  einer  an 
dem  steilen  Gehänge  erfolgten  grossartigen  Gebirgsabrutschung  aus  der  ur- 
sprünglichen Lagerung  in  ihre  jetzige  tiefere  Stellung  gebracht  wurde.  Den  Be- 
weis hiefür  fand  Herr  Lipoid  in  vollkommen  identischen  Gliedern  der  Werfe- 
ner Schichten,  welche  sowohl  im  Liegenden  als  auch  im  Hangenden  der  bezeich- 
neten  Erzlagerstatt  angefahren  w urden,  und  in  dem  Umstande,  dass  leztere  an 
den  bisherigen  Aufschlussörtern  nach  dem  Verflächen  in  der  Teufe  durch  Schutt- 
gebirge und  Breccien  abgeschnitten  vorgefunden  wmrde. 

Das  eben  erwähnte  Galmeierzlager  wurde  bisher  nach  dem  Streichen  von 
Ost  in  West  ungefähr  100  Klafter  weit,  u.  z.  in  der  Mächtigkeit  von  2 — 3 
Fuss,  ausgerichtet,  und  dadurch  schon  jetzt  ein  Erzquantum  von  mindestens 
200.000  Ctr.  schmelzwüirdigen  Galmeis  sicher  gestellt.  Das  Verflächen  ist  wi- 
dersinnisch  nach  Süden,  und  zwar  mit  steilen  Einfallswinkeln.  Die  Galmeierze 

Warasdin  liegt  540  Fuss,  Ivanec  640  Fuss,  die  Spitze  des  Ivanczica-Berges  3348  Fuss 
über  dem  adriatischen  Meere. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band.  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


S 


136 


Verhandlungen. 


[2] 

sind  vorherrschend  kohlensaures  Zinkoxyd  (Zinkspath,  Smithsonit),  rein  und 
gutartig.  Nur  in  der  Teufe  tritt  mit  dem  Galmei  auch  Bleiglanz  auf,  und  an  dem 
einen  Aufschlussorte  im  Tiefsten  des  Erzlagers  fanden  sich  Blöcke  von  Dolomit 
vor,  welche,  von  Aussen  mit  Zinkspath  besetzt,  im  Innern  Bleiglanz  und  derbe 
Zinkblende  eingesprengt  enthielten.  Bei  den  docimastischen  Proben  ergaben  die 
Galmeierze  einen  Zinkgehalt  von  16  — 46  Procent,  und  im  Grossen  in  einem 
Versuchs-Zinkofen  ein  Ausbringen  von  18  — 22  Procent. 

Aus  der  oben  angedeuteten  Art,  in  welcher  diese  Erzlagerstatt  in  ihre  ge- 
genwärtige Lage  gelangt  ist,  fand  es  Herr  Bergrath  Lipoid  erklärlich,  dass  die- 
selbe sowohl  im  Verflächen  als  auch  im  Streichen  Verschiebungen  und  Störungen 
erlitten  hat,  welche  sich  auch  in  der  That  in  deutlichen  Verwerfungsklüften 
kundgeben.  Bei  der  weiteren  Ausrichtung  dieser  Erzlagerstatt  nach  dem  Strei- 
chen, insbesondere  in  westlicher  Bichtung,  wo  das  in  grosser  Ausdehnung  vor- 
liegende Gebirge  zu  grossen  Hoffnungen  berechtigt,  sind  diese  Verwerfungs- 
klüfte berufen,  sehr  gute  Anhaltspunkte  zur  Auffindung  des  allenfalls  verwor- 
fenen Erzlagers  zu  geben.  In  der  That  sind  nach  den  neuesten  Nachrichten,  die 
Herrn  Bergrath  Lipoid  zukamen,  in  jüngster  Zeit  in  dieser  Beziehung  sehr 
günstige  Resultate  zu  Tage  gefördert  worden.  Diese  Ausrichtung  des  Erzlagers 
nach  dem  Streichen  ist  eine  der  Aufgaben , welche  bei  dem  Galmeibergbaue  ver- 
folgt wird,  und  um  so  bedeutungsvoller,  als  sich  hei  derselben  die  weitere  Er- 
schürfung von,  wie  die  Erfahrung  zeigt,  reinen  und  gutartigen  Galmeien  anhoffen 
lässt.  Die  zweite  Aufgabe,  deren  Lösung  in  Folge  der  bisherigen  Aufschlüsse 
über  die  Schichtenfolge  und  Gebirgslagerung  mit  Zuversicht  erwartet  werden 
kann,  besteht  in  dem  Anfahren  jener  ungestörten  Erzlagerstatt  in  dem  Hauptge- 
birge, von  welcher  das  oberwähnte  Galmeilager  in  Folge  der  Gebirgsrutschung 
abgetrennt  wurde.  Zu  diesem  Behufe  werden  mehrere  Schürfstollen  in  das  un- 
verritzte  Gebirge  aus  dem  Liegenden  zum  Hangenden  eingetrieben,  um  die 
widersinnisch  einfallenden  Schichten  der  oberen  Trias  von  den  liegenden  Wer- 
fener  Schichten  aus  zu  verqueren.  Auch  bei  diesen  Aufschlüssen  berechtigen  die 
Resultate  der  neuesten  Arbeiten  zu  den  günstigsten  Hoffnungen  auf  Erzanbrüche. 

Das  zweite  Bergbauobject  der  Ivanecer  Bergbau-  und  Ziukfabrications -Ge- 
sellschaft bilden  die  Kohlenbergbaue,  durch  welche  eine  billige  Verhüttung  der 
Galmeierze  ermöglicht  wird.  Herr  Bergrath  Lipoid  erörterte  zuerst  die  geo- 
logische Beschaffenheit  des  Terrains,  in  welchem  die  Kohlen  aufltreten,  mit 
Hinweisung  auf  jene  Mittheilungen,  welche  in  der  letzten  Sitzung  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  bereits  Herr  Bergrath  F o etter  le  rücksichtlich  der 
Tertiärablagerungen  in  Croatien  gemacht  hatte. 

Längs  des  ganzen  Zuges  des  Ivanczica-  und  Bistrica-Gebirges  lagern  den 
Triasbildungen  desselben  bis  zu  der  Höhe,  in  der  sich  der  Galmeibergbau  befin- 
det, Meeresbildungen  der  neogenen  Tertiärformation  an,  welche  aus  Tegeln 
(Thonen),  Sanden  und  Leithakalksteinen  bestehen,  und  nördlich  von  dem  Haupt- 
gebirgsrücken kleine  Vorberge  und  Hügelreihen  bilden1).  Diese  marinen 
Tertiärablagerungen  dehnen  sich  bis  zur  Thalsohle  bei  Ivanec  aus,  und  es  folgen 
auf  dieselben  gegen  Norden  tertiäre  Süsswasserbildungen  (Congerien- 
schichten),  welche  gleichfalls  aus  Tegeln  und  Sanden  bestehen,  und  besonders  am 
linken  Ufer  des  Bednja-Flusses  in  grosser  Ausdehnung  verbreitet  sind.  Sowohl 
die  Meeres-  als  auch  die  Süsswasser-Tegel  der  Tertiärformation  führen  Kohlen- 
flötze,  welche  aber  rücksichtlich  ihrer  Lagerung  und  Mächtigkeit,  und  rücksicht- 
lich der  Beschaffenheit  der  Braunkohlen  sehr  verschieden  sind. 


U Dasselbe  findet  nach  Herrn  Bergr.  Foetterle  südlich  von  dem  Hauptgebirgsrücken  Statt. 


[3] 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  M.  V.  Lipoid. 


137 


Die  Kohlenflötze  der  marinen  Ablagerungen  in  den  erwähnten  am  rechten 
Ufer  der  Bednja  sich  erhebenden  Vorbergen  und  Hügelreihen  führen  grösstentheils 
eine  schöne  dichte  Braunkohle  (Glanzkohle)  mit  muscheligem  Bruche;  aber  ihre 
Mächtigkeit  bleibt  in  der  Regel  unter  3 Fuss.  Da  überdies  das  Terrain  zunächst 
des  Hauptgebirgsrückens  durch  emporgedrungene  Porphyre  und  jüngere  zum 
Theil  basaltische  Eruptivgesteine  grosse  Hebungen  erlitten  hat,  so  sind  auch  die 
Kohlenflötze  der  marinen  Abtheilung  vielfach  zertrümmert  und  in  ihrer  Lagerung 
gestört.  Man  findet  diese  Kohlenflötze  an  vielen  Punkten  der  Vorberge  nächst 
Lepoglava,  Ivanec  und  Verhovec,  im  Bistrica-  und  Ivanczica-Graben  ausbeissend, 
aber  bald  mit  recht-  bald  mit  widersinnischem  Einfallen,  öfters  ganz  saiger 
aufgerichtet,  und  nach  dem  Streichen  häufig  verdrückt  und  verworfen.  Die  ober- 
wähnte Gesellschaft,  die  sich  mehrere  dieser  Ausbisse  durch  Freischürfe  gesichert 
hat,  richtet  einen  derselben  % Meile  südöstlich  vom  Dorfe  Ivanec  entfernt, 
hauptsächlich  aus  dem  Grunde  aus,  um  für  die  Verhüttung  der  Galmeierze  Cinders 
zu  gewinnen.  Das  daselbst  mittelst  Schachtbau  in  Ausrichtung  befindliche  Kohlen- 
flötz  von  2 — 3,  stellenweise  von  5 — 6 Fuss  Mächtigkeit  hat  muldenförmig  ein 
rechtsinnisches  steiles  Einfallen.  Die  Analyse  dieser  Kohle  ergab  12%  Wasser, 
11*1  °/0  Asche,  und  als  Aequivalent  einerKlaf.  SOzölhgen  weichen  Holzes  12*6  Cent. 

Eine  viel  grössere  Wichtigkeit  schreibt  Herr  Bergrath  Lipoid  den  Kohlen- 
flötzen der  jüngeren  tertiären  Süsswasserablagerungen  am  linken  Ufer  des  Bednja- 
Flusses  zu.  Die  Kohlenflötze  dieser  Ablagerungen  führen  zwar  nur  eine  lignitische 
Braunkohle,  ähnlich  jener  von  Köflach  und  Voitsberg  in  Steiermark ; aber  ihre 
Lagerung  ist  eine  ungestörte  und  ihre  Mächtigkeit  eine  bedeutende.  Die  Ivanecer 
Bergbau-  und  Zinkfabrications-Gesellschaft  hat  auf  diese  Kohlenflötze  am  linken 
Bednja-Ufer  nächst  »lerovec  bereits  ein  Grubenfeld,  Georgsgrube,  mit  4 Doppel- 
maassen  erworben  und  überdies  das  anstossende  umliegende  Terrain  sich  durch 
60  Freischurfrechte  gesichert.  Dieses  Terrain  wurde  bisher  durch  14  Bohrlöcher 
näher  untersucht,  welche  auf  einer  Fläche  von  500  Klafter  Länge  und  ungefähr 
500  Klafter  Breite  (250.000  Quadratklaftern)  vertheilt  sind.  Die  Bohrlöcher  er- 
langten eine  Saigerteufe  von  10 — 26,  das  eine  bisher  von  33  Klaftern.  In  fünf 
Bohrlöchern  wurde  das  Kohlenterrain  zum  Theile  wegen  eingetretener  Hinder- 
nisse nicht  vollständig  durchfahren,  aber  ungeachtet  dessen  wurden  auch  in  diesen 
Bohrlöchern  1 — 3 Kohlenflötze  in  der  Gesammtmächtigkeit  von  2°  2%' — 4°  4%' 
durchsetzt.  In  den  übrigen  Bohrlöchern  erreichte  man  4 — 9,  durch  kleinere  oder 
grössere  Zwischenmittel  von  Tegel  getrennte  Kohlenflötze,  einzeln  in  der  Mäch- 
tigkeit von  3' — 3°  6',  und  in  der  Gesammtmächtigkeit  von  4 — 7 Klaftern.  Herr 
Bergrath  Lipoid  führte  als  Beispiele  der  Schichtenfolge,  des  Wechsels  und  der 
Mächtigkeit  der  einzelnen  Kohlenflötze  die  Besultate  der  Bohrlöcher  Nr.  VIII  und 
Nr.  XIII  an,  in  deren  erstem : 


9°  1‘  glimmerreicher  Tegel, 
2'  Kohlenschiefer, 

3'  Kohle, 

1°  \‘  blauer  Tegel, 

1°  3%'  Kohle, 

1°  1'  blauer  Tegel, 

3i/2‘  Kohle, 

und  in  deren  zweitem: 

1°  — Dammerde, 

2°  1'  blauer  Tegel, 

3'  gelber  Thon, 

4°  — gelb,  und  röthl.  Sand, 
i°  — Kohle, 

5'  blauer  Tegel, 


3%'  blauer  Tegel, 

4Va'  Kohle, 

1'  blauer  Tegel, 

3 Kohle, 

4%'  blauer  Tegel, 

4'  Kohle, 

6"  blauer  Tegel, 

3'  Kohle, 

2'  schwarzer  Thon, 

4'  Kohle, 

1°  T blauer  Tegel, 

1°  3'  Kohle, 

1°  1'  blau,  und  schwarz.  Teg. 


1°  — Kohle, 

6"  Kohlenschiefer. 
2°  2%'  Kohle, 

1°  — blauer  Tegel, 

1°  4'  Kohle, 


6'  Kohle, 

3'  schwär  zer  Thon, 

1°  3'  Kohle, 

2°  4'  blauer  Tegel, 

1° — Kohle,  und  endlich 
Sand. 


138 


Verhandlungen. 


[*] 

durchfahren  wurden.  Das  erstere  Bohrloch  (Nr.  VIII)  wurden  überdies  in 
Kohle  anstehend  verlassen.  Als  Hangendes  der  Kohlenflötze  erscheinen  Sande 
und  Tegel,  — als  Liegendes  hat  man  bisher  nur  Sande  erreicht.  Indessen  wird 
neben  dem  jetzigen  Förderschachte  ein  Bohrloch  fortbetrieben , welches  obige 
Flötze  durchsetzt  hat,  und  nun  in  der  33.  Klafter  steht,  um  das  Liegendgebirge 
der  Kohlenflötze  zu  untersuchen.  Neuestens  mit  diesem  Bohrloche  angefahrene 
Kohlenschiefer  geben  die  Aussicht  auf  das  Erbobren  neuer  Kohlenflötze,  und  es 
ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  diese  Kohlenflötze  der  marinen  Tertiärformation 
angehören  und  Glanzkohle  führen  werden.  Aus  der  Vergleichung  und  Zusammen- 
stellung der  Bohrprofile  wies  Herr  Bergrath  Lipoid  nach,  dass  die  Kohlenflötze 
fast  schwebend  und  höchstens  mit  einem  nördlichen  Einfallen  von  5 — G Grad 
gelagert  sind,  und  in  ihrer  Lagerung  keine  Störungen  erlitten  haben  konnten.  Der 
mittlere  Durchschnitt  der  in  7 Bohrlöchern  bekannt  gewordenen  Gesammt- 
mächtigkeit  der  Kohlenflötze  beträgt,  ohne  Rücksicht  auf  die  in  2 Bohr- 
löchern noch  nich  t durchfahrenen  Flötze,  5 */*  Klafter,  und  von  dieser 
Mächtigkeit  dürften  mindestens  4 Klafter  Kohle  als  durch  den  Abbau  ausbringbar 
und  gewinnbar  bezeichnet  werden.  Herr  Bergrath  L i p o I d bemerkte,  dass  bei 
der  letzteren  Annahme  in  dem  durch  Bohrlöcher  bisher  untersuchten  Terrain 
von  230.000  □ Klafter  allein  schon  die  namhafte  Kohlenmenge  von  1 Million 
Kubikklafter  als  leicht  gewinnbar  nachgewiesen  sei,  dass  aber  bei  der  grossen 
Verbreitung  , welche  die  tertiären  Süsswasserablagerungen  in  der  weiteren  Um- 
gehung von  Jerovec  besitzen,  und  bei  dem  Umstande,  dass  in  denselben  auch 
ausserhalb  des  bezeiehneten  untersuchten  Terrains  in  den  von  der  Gesellschaft 
occupirten  Freisehurfkreisen  Ausbisse  von  lignitischen  Braunkohlen  bekannt  sind, 
an  der  ferneren  Aufschliessung  bedeutender  Kohlenmengen  mittelst  Bohrversuehen 
nicht  gezweifelt  werden  könne. 

Herr  Bergrath  Lipoid  theilte  ferner  mit,  dass  ein  Kohlenflötz  de;  Georgs- 
grube nächst  Jerovec  mittelst  eines  10  Klafter  tiefen  Schachtes  bereits  in,  Abbau 
gesetzt,  und  dass  daselbst  mehr  im  Hangenden  ein  2.  Schacht  im  Abteufen 
befindlich  ist,  der  zur  Förderung  und  Wasserhaltung  mit  einer  Dampfmaschine 
von  30  Pferdekräften  versehen  werden  wird.  Die  Lignitkohle  wird  zur  Ver- 
hüttung der  in  der  Galmeigrube  gewonnenen  Erze  verwendet  werden,  wozu  sie 
nach  gemachten  Versuchen  vollkommen  geeignet  ist.  Die  oberwähnte  Gesell- 
schaft leitete  zu  diesem  Behufe  bereits  den  Bau  einer  Zinkhütte  ein,  welche  nur 
i/!i  Meile  von  der  Galmeigrube  entfernt,  sich  am  Bednja-Flusse  zunächst  der 
Kohlengrube  bei  Jerovec  befindet,  und  derart  angelegt  ist,  dass  die  Kohlen  vom 
Maschinenschachte  unmittelbar  zu  den  Feuerungsräumen  in  der  Hütte  werden 
gefördert  werden.  Die  gegenwärtige  Hütte  ist  für  eine  jährliche  Erzeugung  von 
10  — 12.000  Centner  Zink  angelegt,  mit  Oefen  nach  dem  von  Herrn  Hülten- 
director  L.  Klee  mann  verbesserten  schlesischen  Systeme.  Bei  der  Anlage  ist 
auch  auf  eine  Erweiterung  vorgesehen  worden,  die  für  den  Fall,  als  in  der 
Folge  eine  erhöhte  Zinkproduction  eingeleitet  werden  wollte,  leicht  ausgeführt 
werden  und  zweckmässig  sich  dem  Bestehenden  anreihen  lassen  kann.  Bei  dem 
günstigen  Umstande,  dass  die  Zinkhütte  nur  \i/2  Meile  von  der  Wasserstrasse 
des  Drauflusses  entfernt  und  ein  billiger  Bezug  aus  Kärnthen  leicht  möglich  ist, 
dürfte  die  Gesellschaft  auch  in  der  für  sie  angenehmen  Lage  sein,  allenfalls 
fremden  Galmei  mit  Vortheil  zu  verwenden. 

Schliesslich  bemerkte  Herr  Bergrath  Lipol  d,  dass  es  nach  dem  Vorher- 
gesagten keinem  Zweifel  unterliegen  könne,  dass  die  Erzeugungsfähigkeit  der 
Jerovecer  Kohlengruben  den  Bedarf  der  gegenwärtigen  Zinkhütte  und  auch  einer 
künftig  allfällig  erweiterten  Zinkproduction  hei  weitem  übersteige,  und  dass 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  Karl  v.  Hauer. 


139 


[S] 


diese  Gruben  eine  Ausdehnung  der  Kohlenproduetion  zulassen,  mittelst  welcher 
nicht  nur  die  verschiedenen  Industrial-Etablissements  der  Umgegend,  sondern 
auch  die  Pragerhof  - Kanizsa  - Ofener  Eisenbahn,  deren  Station  Czakathurn 
3*4  Meile  von  Jerovec  entfernt  ist,  und  welche  gegenwärtig  zur  Locomotiv- 
heizung  ähnliche  Kohlen,  nur  aus  weiter  Entfernung  erhaltbar,  verwendet,  mit 
billigem  Brennstoff  versehen  werden  könnten. 

Herr  Karl  Ritter  von  Hauer  berichtete  über  die  Untersuchung  einer  Kohle 
aus  der  Beatensglücksgrube  in  Preussisch-Schlesien , welche  zu  diesem  Behufe 
von  Herrn  Appel  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingesendet  wurde.  Sie 
rührt  von  dem  zweiten,  sogenannten  Unterflötze  her.  Eine  Probe  von  dem  ersten 
Flötze  wurde  schon  im  vergangenen  Jahre  untersucht  und  ein  Vergleich  der  bei- 
den Resultate  zeigt  von  der  seltenen  Gleichförmigkeit  in  der  Zusammensetzung 
des  dortigen  Kohlenvorkommens.  Gefunden  wurden: 


I. 

n. 

Flötz. 

Föltz. 

Wasser  in  100  Theilen 

3-2 

1*8 

Asche  in  100  Theilen 

1*3 

1*2 

Cokes  in  100  Theilen 

38*4 

37*3 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei  

26*63 

27-160 

Wärme-Einheiten 

6023 

6124 

Aequivalent  einer  Klafter  30zölligen,  wei  - 
chen Holzes  sind  Centner  

8*7 

8*3 

Auffällig  ist  zunächst  die  äusserst  geringe  Aschenmenge.  Während  dieselbe 
oft  in  einem  einzelnen  Flötze  bedeutend  variirt,  leidet  sie  hier  in  einer  ganzen 
Ablagerung  fast  keine  Veränderung.  Eine  weitere  Frage,  die  sich  an  diese 
Analysen  knüpfen  lässt,  ist:  wie  steht  der  hohe  Brennwerth  der  Kohle  mit  der 
verbältnissmässig  geringen  Cokesmenge  im  Einklänge? 

Während  die  Kohlen  von  Ostrau  60  — 64  Procent  Cokes  geben,  die  von 
Rossitz  71  — 77,  jene  von  Schwadowitz  und  Fünfkirchen  aber  sogar  80  Procente 
und  darüber,  lauter  Kohlen,  deren  Brennwerth  theilweise  beträchtlich  unter  jenem 
der  in  Rede  stehenden  liegt,  gibt  letztere  nur  37  Procente  Cokes.  Es  rührt  dies 
daher,  dass  die  Kohle  aus  der  Beatensglücksgrube,  so  wie  überhaupt  die  hier  im 
Handel  vorkommenden  preussischen  Sorten,  beim  Erhitzen  im  verschlossenen 
Raume  mehr  Gas  liefern,  sie  sind  reicher  an  Wasserstoff.  Es  lässt  sich  bei  Stein- 
kohlen von  hohem  Brenn werthe  daher  schon  aus  der  Cokesmenge,  welche  sie 
liefern,  ein  Schluss  ziehen,  ob  sie  gute  Gaskohlen  sind  und  zwar  wird  dies  um  so 
mehr  der  Fall  sein,  je  weniger  sie  kohligen  Rückstand  beim  Vergasen  hinterlassen. 
Diese  höchst  einfache  Betrachtung,  welche  einen  sehr  verlässlichen  Anhaltspunkt 
liefert,  wird  im  Ganzen  zu  wenig  gewürdigt  und  es  erscheint  daher  nicht  über- 
flüssig darauf  aufmerksam  zu  machen. 

Es  lässt  sich  zum  Beispiel  bei  Vergleich  der  Ostrauer  und  der  genannten 
Kohle  unfehlbar  erkennen,  dass  letztere  speciell  zum  Behufe  der  Gaserzeugung 
weit  geeigneter  sein  müsse.  Die  Differenz  liegt  schon  in  den  Cokes-Procenten, 
d.  i.  in  den  Zahlen  37  und  60  — 64,  wenn  wir  die  ganze  Wassermenge,  die  ja 
überhaupt  in  Steinkohlen  sehr  geringe  ist,  vernachlässigen.  Die  Ostrauer  Kohlen 
müssen  noth wendiger  Weise  einige  Pfunde  Gas  pr.  Centner  weniger  liefern.  Und 
wirklich  scheint  dies  in  der  Praxis  gefühlt  worden  zu  sein,  denn  die  hiesigen 
Gasanstalten  verarbeiten  jährlich  wirklich  700.000  Centner  preussische  und  nur 
etwa  300.000  Centner  Ostrauer  Kohlen.  Wo  es  sich  speciell  um  die  Gaserzeugung 
handelt,  wird  daher,  so  sehr  es  auch  aus  nationalökonomischen  Gründen  zu 
wünschen  ist,  die  Ostrauer,  die  Rossitzer  Kohle  u.  s.  w.  nie  die  preussischen  Koh- 
len verdrängen  können,  wenn  sie  nicht  in  ihrem  Preise  unter  der  Differenz 
stehen,  welche  bei  der  Gaserzeugung  sich  ergibt,  oder  wenigstens  bei  solcher 
Berechnung  mit  ihnen  gleich werthig  geboten  werden. 


140 


Verhandlungen. 


[6] 


Allein  wie  gross  auch  der  Consum  der  Kohle  für  Gas,  er  ist  doch  nur  ein 
kleiner  Bruchtheil  dessen,  was  an  Kohle  zu  anderen  Zwecken  verbraucht  wird. 
Dort  werden  nun  Producte  unserer  vorzüglicheren  inländischen  Vorkommen 
gleiche  Dienste  leisten  können,  und  es  ist  sehr  beklagenswerth,  sie  vom  Haupt« 
absatzorte  Wien  mehr  oder  minder  ausgeschlossen  zu  sehen,  aus  Gründen,  die 
schon  so  oft  erörtert  und  so  allgemein  bekannt  sind,  dass  es  überflüssig  wäre 
sie  nochmals  anzuführen.  Nur  eine  Zahl  sei  es  gestattet  zu  nennen,  die  hier 
von  hoher  Bedeutung  ist,  „der  niedrigste  unserer  Kohlenfrachtsätze  ist  um  126% 
höher  als  jener  auf  manchen  norddeutschen  Bahnen". 

Herr  D.  Stur  legt  drei  Einsendungen  von  fossilen  Pflanzenresten,  die  im 
verflossenen  Herbste  an  die  geologische  Reichsanstalt  angelangt  sind,  vor. 

Die  erste  davon  enthält  Pflanzenreste  aus  dem  Steinkohlenbecken  von 
Miröschau  in  Böhmen,  die  wir  unserem  Correspondenten  Herrn  Apotheker 
Storch  in  Rokitzan  verdanken.  Die  Gesteinsart,  worauf  die  meisten  Pflanzenreste 
enthalten  sind,  ist  ein  schwarzgrauer  schiefriger  mittelfeiner  Sandstein.  Die 
Pflanzenreste  selbst  zeigen  eine  von  der  des  Gesteines  nur  wenig  verschiedene 
Färbung  und  eine  weniger  gute  Erhaltung  als  es  wünschenswerth  wäre.  Doch 
konnten  mit  hinreichender  Sicherheit  folgende  Arten  bestimmt  werden : 


Calamites  communis  Ett. 
Sphenophyllum  Schlotheimii  Strnbg. 
Neuroplcris  heterophylla  Brong. 
Alcthopteris  Brongniarti  Goepp. 
Pecopteris  unita  Brong. 


Pecoptcris  acqualis  Brong. 

„ Plukenetii  Strnbg. 
Stigmaria  ficoides  Brong. 
Lepidodendron  obocatum  Strnbg. 
Sigillaria  clongata  Brong. 


Die  häufigste  und  am  reichlichsten  verbreitete  Art  dieser  Sendung  ist 
Pecopteris  Plukenetii  Sternbergf  die  in  der  Steinkohlenformation  überall  eine 
nicht  seltene  Erscheinung  ist.  Nach  Geinitz  sieht  man  sie  aber  seltener  in  den 
tieferen  Flötzen,  als  in  den  oberen  Abtheilungen  dieser  Formation. 

Die  zwe  ite  Einsendung  verdanken  wir  dem  fürstlich  Fürste  nberg’schen 
Hüttenmeisterin  Bfas,  Herrn  K.  Feistmantel.  Dieselbe  enthält  aus  zwei  ge- 
trennten Steinkohlenbecken  Böhmens  40  Arten  von  fossilen  Pflanzenresten,  und 
zwar:  Aus  dem  Becken  von  Bras,  einer  südwestlichen  Bucht  des  Radnitzer  Beckens 
32  Arten,  und  aus  dem  Steinkohlen-Becken  von  Swina  15  Arten. 

Das  Becken  von  Bras  befand  sich  auf  unseren  früheren  Aufnahmskarten 
als  ein  selbstständiges  rundherum  abgeschlossenes  Becken  verzeichnet.  Erst  im 
verflossenen  Sommer  hat  Herr  Bergrath  Lipoid  einen  unmittelbaren  Zusammen- 
hang desselben  mit  dem  weit  grösseren,  dem  Becken  von  Radnitz,  erkannt.  Herr 
Dr.  Const.  v.  Ettingshausen  behandelt  in  seinem  grossen  Werke  „die  Stein- 
kohlen-Flora  von  Radnitz  in  Böhmen“  (Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  II,  III.  Abth. , Nr.  3)  das  Bfaser  Becken  als  eine  Bucht  des  von 
Radnitz  und  führt  von  da  die  Localität  Wranowitz,  die  besonders  fleissig  ausge- 
beutet wurde,  an.  Herr  Hüttenmeister  Feistmantel  nennt  die  in  Rede  stehende 
Bucht  das  Becken  von  Bras,  und  sendet  aus  7 verschiedenen  Fundorten  fos- 
sile Pflanzenreste  ein.  Von  diesen  Fundorten  gehören  vier,  westliches  Ausgehen- 
des, nordwestliches  Ausgehendes  bei  Wranowitz,  nördliches  Ausgehendes,  und 
Tiefstes  der  Mulde,  den  im  Hangenden  der  Kohle  abgelagerten  Schichten  von 
Schiefer  und  Sandstein;  zwei  Fundorte,  nordöstliches  Ausgehendes  und  westliche 
Ausbisse,  befinden  sich  im  Liegenden  der  Kohle,  und  ein  Fundort,  auf  Zwischen- 
mitteln der  Kohle  im  nordöstlichen  Ausgehenden  der  Mulde.  Diese  genauen  An- 
gaben machen  die  Sendung  des  Herrn  Feistmantel  ausserordentlich  werthvoll. 
Folgende  Tabelle  gibt  die  Reibe  der  eingesendeten  Arten  aus  dem  Becken  von 
Bras  und  ihre  Vertheilung,  sowohl  in  verticaler  als  horizontaler  Richtung. 


P] 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  Dionys  Stur. 


141 


Nr. 

Namen  der  Ptlanzenreste 

Spcciclle  Fundorts  - Angaben 

Han« 

;endschichten  der 
Kohle 

Zwi- 

schen- 

mittel 

der 

Kohle 

Liegendes 
der  Kohle 

Westliches 

Ausgehendes 

Nordwestl. 

Ausgehendes 

Wranowitz 

Nördliches 

Ausgehendes 

Tiefstes 
der  Mulde 

Nordöstl. 

Ausgehendes 

Westliche 

Ausbisse 

ll 

o &*> 

SB  I 

1 

Calamites  communis  Elf.  var.  Suckovii  Brong.  . 

+ 

2 

„ „ var.  ramosus  Artis  . . 

. 

+ 

3 

„ „ var.  varians  Strnbg.  . 

+ 

4 

„ „ Volkmannia  gracil.  St. 

+ 

! 3 

„ „ „ elongata  Presl . 

+ - 

4~ 

! 6 

Aster  ophyllit  es  longifolia  Brong 

4~ 

7 

„ grandis  Strnbg 

8 

Neuropteris  rubescens  Strnbg 

n 

9 

„ acutifolia 

4- 

JO 

Sphenopteris  acutiloba  Strnbg 

4- 

11 

„ Hoeninghausi  Brong 

4- 

12 

„ obtusiloba  Brong 

V -t;.  . 

4- 

13 

„ Latifolia  Brong 

14 

„ fragilis  Brong 

-h;  i 

J 3 

Cyatheites  arborescens  Goepp 

-j- 

16 

„ Oreopteridis  Goepp 

H- 

17 

„ Miltoni  Goepp 

4- 

18 

„ dentatus  Goepp 

+ 

19 

„ undulatus  Goepp 

v4<’ 

20 

Pecopteris  silesiaca  Goepp 

4- 

21 

„ Glockeriana  var.  falcicidata  Goepp. 

p 

22 

Zippen  d.i stich n.  Cnrd.n. 

23 

Stigmaria  ficoides  Brong 

' 4- ' 

24 

Sigillaria  trigona  Strnbg 

Spj, 

25 

Syringodendron  pes  capreoli  Strnbg 

26 

Lepidodendron  dichotomum  Strnbg 

I 

27 

„ aculeatum  Strnbg 

28 

„ Haidingeri  Ett 

,-j- 

4~ 

29 

„ undulatum  Strnbg 

4- 

30 

Knorria  Sellonii  Strnbg . 

4~ 

31 

Lepidostrobus  variabilis  Lindei.  et  Hutt . 

||B 

32 

L.epidophloios  laricinum  Strnbg 

Zu  einigen  der  hier  aufgezählten  Arten  habe  ich  folgendes  zu  bemerken : 
Sphenopteris  Hoeninghausi  Brongn.  Ein  nur  unvollkommen  erhaltenes 
grosses  Exemplar,  das  den  Habitus  der  angezogenen  Art  wiedergibt.  Ich  nehme 
diese  Art  doch  ohne  Bedenken  auf,  da  sie  auch  Dr.  Const.  v.  Ettingshausen 
von  Wranowitz  aufzählt,  obwohl  es  mir  nicht  gelang  in  den  Sammlungen 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  das  Belegstück  zur  obigen  Angabe  zu  ent- 
decken. 

Cyatheites  undulatus  Goepp.  Auf  einem  und  demselben  Wedelstücke  trifft 
man  neben  hieher  gehörigen  Fiederchen,  mitunter  vorherrschend  solche,  die  von 
Cyatheites  Miltoni  nicht  trennbar  sind  und  dann  vollkommen  der  Abbildung  von 
Sphenopteris  flavicans Sternbg.  II,  Tab.  38,  Fig.  1,  p.  127,  welche  Art  Stern- 
berg, in  schisto  lithantracum  Bohemiae  adBras  prope  Badnitz  angibt,  gleichen. 
Letztere  Art  erwähnen  jedoch  weder  Unger  in  seinen  Genera  et  species  pl. 
foss.,  noch  v.  Ettingshausen  in  dem  oben  angeführten  Werke. 


142 


Verhandlungen. 


[81 


Pecopteris  silesiaca  Goepp.  Gut  erhaltene  Exemplare  zeigen,  dass  die  mir 
vorliegenden  Pflanzer» , einfach  gefiederter  Secundärnerven  wegen,  hieher  und 
nicht  zu  Pecopteris  plumosa  Brong.  gezogen  werden  können. 

Stigmaria  ficoides  Brong.  Die  Exemplare  aus  dem  Liegendender  Kohledürften 
der  Stigmaria  inaequalis  Goepp.  so  wie  sie  Geinitz  (Hainichen-Ebersdorfer 
Formation  Tab.  X,  Fig.  5a)  abbildet,  entsprechen.  Es  erscheint  sehr  wünschens- 
wert]! die  Flora  des  Braser-  Beckens,  die  sowohl  nun  von  Herrn  Feistmantel 
neu  bereichert,  als  in  früherer  Zeit  von  Herrn  Dr.  Const.  von  Ettingshausen 
und  seinen  Vorgängern:  Graf  v.  Sternberg,  Presl  und  Corda  so  vielseitig 
ausgebeutet  wurde,  übersichtlich  zusammengefasst  zu  sehen.  Folgendes  Verzeich  - 
niss soll  vorläufig  diesem  Bedürfnisse  entsprechen. 


Calamites  communis  Ett. 
var.  Suckovii  Brong. 
var.  ramosus  Artis.  * 
var.  varians  Strnbg. 

Volkmannia  gracilis  Strnbg. 

„ elongata  Brest.  * 

Calamites  tenuifolius  Ett.  * 

Huttonia  spicata  Strnbg.  * 

Aster ophyllites  longifolia  Brong. 

„ grandis  Strnbg. 

Annularia  minuta  Brong.  * 

Sphenophyllum  Schlotheimii  Brong.  * 
Neuropteris  acntifo  lia  Brong.  * 

„ flexuosa  Strnbg.  * 

„ obovata  Strnbg.  * 

„ ruh  es  eens  Strnbg.  * 

Cyclopteris  auriculata  Strnbg.  * 

Noeggerathia  foliosa  Strnbg.  * 

„ speciosa  Ett.  * 

Schizopteris  Lactuca  Strnbg.  * 

Sphenopteris  acut  Hob  a Strnbg.  * 

„ Hoeninghausii  Brong.  * 

„ obtusiloba  Brong.  * 

„ lat ifoli a Brong. 

„ fr  agilis  Brong.  * 

Asplenites  radnicensis  Goepp.  * 

„ longifolius  Ett.  * 

„ fastigiatus  Ett.  * 

Cyatkeites  arborescens  Goepp.  * 

„ Oreopter  idis  Goepp.* 

„ Mil  ton  i Goepp . * 

„ dentatus  Goepp.  * 

„ undulatus  Goepp.  * 

Pecopteris  silesiaca  Goepp . * 

Die  mit  einem  * bezeichneten  Pflanzen 
worden.  Die  durchschossenen  Namen 
diesem  Gebiete  neu  entdeckten  Pflanzen. 


Pecopteris.  Glockeriana  Goepp.  * 

„ var.  falciculata  Goepp.* 

„ radnicensis  Strnbg. 

Aphlebia  tenuiloba  Strnbg.  * 

Zippca  disticha  Corda. 

Gyropteris  crassa  Corda.  * 

Anachoropteris  pulchra  Corda.  * 

„ rotundata  Corda. 

Psaronius  carbonifer  Corda.  * 

Stigmaria  ficoides  Strnbg.  * 

Sig Maria  trigona  Strnbg. 

„ ornata  Brong.  * 

„ rhitidolepis  Corda.  * 

„ diploderma  Corda.  * 

Syringodendron  pes  capreoli  Strnbg.  * 
Diploxylon  elegans  Corda.  * 

Lepidudendron  d i choto  in  u m Strnbg. 

„ acule alum  Strnbg.  * 

„ obovatum  Strnbg.  * 

„ Hai  ding  er  i Ett.  * 

„ undulatum  Strnbg.  * 

Knorr ia  Sellonii  Strnbg. 

Lepidostrobus  var i ab ili s Lindl.  et  Butt.  * 
Cordaites  borrassifolia  Ung.  * 
lthytidophloyos  tenuis  Corda.  * 

Lepidophloyos  laricinu m Strnbg. 
Carpolites  Placenta  Corda.  * 

„ Discus  Corda.  * 

„ costatus  Corda.  * 

„ pyriformis  Corda.  * 

„ folliculus  Corda.  * 

„ lentiformis  Corda.  * 
microspermus  Corda.  * 

„ sulcatus  Strnbg.  * 

sind  insbesondere  bei  Wranowitz  gesammelt 
bezeichnen  die  von  Herrn  Feistmantel  in 


Aus  dem  rund  herum  von  Ablagerungen  der  Silurformation  umgebenen, 
nördlich  vom  Radnitzer  Becken  liegenden  Becken  von  Swina  sendet  Herr 
Feistmantel  folgende  Arten  von  fossilen  Pflanzen. 


Sphenophyllum  Schlotheimii  Brong. 

„ var.  saxifragaefolium  Strnbg. 
Neuropteris  Loshii  Brong. 
Cyclopteris  orbicularis  Brong. 
Dictyopteris  Brongniarti  Gutb. 
Sphenopteris  spinosa  Brong. 

„ elegans  Brong. 

„ meifolia  Sternbg. 


Sphenopteris  obtusiloba  Brong. 
Asplenites  Sternbergii  Ett. 
Cyatheites  Oreopteridis  Goepp. 

„ Miltoni  Goepp. 

Pecopteris  pennaeformis  Brong.  Ett. 
Sigillaria  Sillimani  Brong. 
Lepidodendron  dichotomum  Strnbg. 
„ Haidingeri  Ett. 


[»] 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  Dyonis  Stur. 


i 43 


Ausserdem  liegen  den  obigen  Sammlungen,  von  demselben  Einsender  bei- 
gelegt, aus  dem  Hangend-Sandsteinen  bei  Chomle  im  nordöstlichen  Theile  des 
Radnitzer  Beckens  vor: 


Woodwardites  acutilobus  Goepp.  Alethopteris  nervosa  Goepp. 

Zu  einigen  der  hier  aufgezählten  Arten  habe  ich  Folgendes  zu  bemerken: 

Neuropteris  Loshii  Brong.  Schon  Unger  (Gen.  et  spec.  pl.  foss.J  erwähnt 
das  Vorkommen  dieser  Art  bei  Swina,  während  sie  v.  Ettingshausen  nur  von 
Mostilz  (im  eigentlichen  Becken  von  Radnitz)  anführt;  ganz  unzweifelhafte 
Exemplare,  von  der  Form  der  von  Goeppert  gegebenen  Abbildung  von  Gleiche- 
nites  neuropteridis  Goepp.  Syst.  fil.  foss.  Tab.  IV,  bestätigen  die  obige  Angabe 
Unger’s 

Sphenopteris  meifolia  Sternbg.  Das  schönste  und  vollständigste  Exemplar, 
das  ich  bisher  gesehen. 

Die  Entdeckung  derbeiden  Arten:  Woodwardites  acutilobus  Goepp  .,  Aletho- 
pteris nervosa  Goepp.,  die  wir  Herrn  Feistmantel  verdanken,  bildet  einen 
sehr  interessanten  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Flora  des  Beckens  von  Radnitz. 

Auch  das  Verzeichniss  der  fossilen  Flora  des  Beckens  von  Swina  mitzutheilen 
erachte  ich  für  nothwendig,  da  dieselbe  aus  dem  Verzeichnisse  des  Herrn  Dr. 
Const  v.  Ettingshausen,  wo  sie  mit  der  Flora  des  Braser  uni  Radnitzer 
Beckens  zusammengefasst  erscheint , nur  mit  Mühe  herausgefunden  werden  kann. 


Calamites  communis  Ett. 

Huttonia  spie  ata  Strnbg. 

Annularia  fertilis  Strnbg. 

Sphenophyllum  Schlotheimii  Brong. 
„ var.  saxifragaefolium  Strnbg. 
„ emarginatum  Brong. 

Neuropteris  flexuosa  Strnbg. 

„ gigantea  Strnbg. 

„ Loshii  Brong. 

Cyclopteris  orb  icular  is  ßro  ig. 

„ auriculata  Strnbg. 

Adiantites  Haidingeri  Ett. 

Dictyopteris  Brongniarti  Gutb. 

Sphenopteris  spinös a Goepp . 

„ linearis  Strnbg. 

„ acutiloba  Strnbg. 

„ elegans  Brong. 

„ meifolia  Strnbg. 

„ lanceolata  Gutb. 

„ Gutbieri  Ett. 

„ obtusiloba  Brong. 

„ irregidaris  Strnbg. 

„ botryoides  Strnbg. 

„ debilis  Goepp. 

„ tenuissima  Strnbg. 

Sacheria  asplenioides  Ett. 

Asplenites  radnicensis  Goepp. 

,,  longifolius  Ett. 

„ alethopteroides  Ett. 

„ angustissimus  Ett. 

„ similis  Ett. 


Asplenites  Sternbergii  Ett. 

„ lindsaeoides  Ett. 

Alethopteris  Sternbergii  Goepp. 

Cyatheites  Oreopt er i dis  Goepp. 
„ Mil  ton  i Goepp. 

„ undulatus  Goepp. 

Pecopteris  Glockeriana  Goepp. 

„ pennaef  o r mis  Drang.  Ett. 
„ mucronata  Strnbg. 

Psaronius  carbonifer  Corda. 

Diplostegium  Brownianum  Corda. 

Stigmaria  feoides  Brong. 

Sigillaria  Si  lli m a n i Brong. 

„ rhytidolepis  Corda. 

„ diploderma  Corda. 

Lepidodendron  dichotomum  Strnbg. 
„ brevifolium  Ett. 

„ aculeatum  Strnbg. 

„ crenatum  Strnbg. 

„ obovatum  Strnbg. 

„ Sternbergii  Lindl.  et  Hutt 
,,  crassifolium  Ett. 

„ Haidingeri  Ett. 

Lepidophyllum  binerve  Ett. 

Cordaites  borassifolia  Ung. 

Leptoxylum  geminum  Corda. 

Rabdotus  verrucosus  Strnbg. 

Flabellaria  Sternbergii  Ett. 

Carpolites  costatus  Corda. 

,,  pyriformis  Corda. 

„ lentiformis  Corda. 


Die  durchschossenen  Namen  bezeichnen  die  von  Herrn  Feistmantel  bei 
Swina  neuentdeckten  Pflanzen. 


Die  dritte  Einsendung  von  fossilen  Pflanzenresten  vom  Saserberg,  eine 
halbe  Meile  südlich  von  Bayreuth,  aus  den  dortigen  Sandsteinen  und  Mergeln  der 
Liasformation  begleitet  der  hochverdiente  Einsender  Herr  Prof.  Dr.  Braun  in 
Bayreuth  mit  folgendem  Schreiben  vom  29.  November  1861: 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


t 


Verhandlungen. 


po] 

„Bei  Gelegenheit  der  Herstellung  einer  neuen  Wasserleitung  wurde  durch  die 
Abteufung  von  drei  Wetterschachten  und  Führung  eines  Förderstollens  auf  dem 
Saserberge,  eine  halbe  Meile  südlich  von  Bayreuth,  ein  Pflanzenlager  in  dem 
Bonebed-Sandstcine  durchfahren,  das  sehr  viele  meist  bekannte  fossile  Pflanzen 
darbot;  leider  sind  dieselben  nicht  gut  erhalten,  da  der  Mergel,  in  welchem  sie 
Vorkommen,  ungünstig,  zu  sandig  ist. M 

„Die  Hauptpflanze  von  diesem  Fundorte  ist  eine  Conifere,  Palissya  Braunii 
Endl.  — Cuninghnmites  sphenolepis  Braun  (Graf  Mü nst  e r\s  Beitr.  VI,  p.  24. 
Tab.  XIII,  Fig.  16  — 20).  Dieselbe  kam  in  grosser  Menge  in  Form  einer  fossilen 
Streu,  aus  Zweigen,  Blättern,  Zapfen.  Kätzchen  und  Samen  bestehend  vor;  wo- 
durch es  gelang  alle  wesentliche  Organe  aufzufinden,  welche  die  Gattung  Palissya 
charakterisiren.  Ich  erlaube  mir  einige  Exemplare  dieser  Palissyen-Streu  für 
die  Sammlung  der  geologischen  Reichsanstalt  zu  übersenden,  nicht  etwa  der 
Schönheit  des  Vorkommens  wegen,  sondern  ob  der  Bedeutung  dieser  Pflanze  im 
Allgemeinen  und  in  Betreff  des  Sandsteines,  den  ich  lieber  Palissyen-Sand- 
stein  bezeichnet  wissen  möchte,  als  Bo  nebed-Sand  stein  ohne  Bonebed  und 
ohne  jede  andere  Leitmuschel.“ 

„Seine  geognostische  Stellung  ist  mir  nunmehr  völlig  klar:  er  tritt  nicht 
unter  dem  Lias,  sondern  neben  demselben  auf.  Er  ist  das  Landerzeugniss  zur 
Zeit  des  Absatzes  des  marinischen  Lias  vom  untersten  Gl  ie  d e bis  hi n a u f 
zu  den  Posidonien  - Schiefern.  Die  Vegetation  der  thonigen  Einlagerungen 
in  demselben  ist  jene  der  Gestade  der  Liasmeere,  die  Fortsetzung  jener 
des  Keupers.“ 

„Das  Pflanzenlager  von  Theta  horizontirt  mit  dem  unteren,  jenes  von 
Veitlahm  bei  Kulmberg  fällt  mit  oberem  Lias  zusammen;  was  durch  Kurr’s 
Cupressites  liassinus  (Wid dringt  onit  es  sp.  Endlicher ) und  Zamite s gracilis 
Karr  (Otozamites  brevifolius  m.J,  die  beide  auch  in  Veitlahm  Vorkommen,  sich 
zur  Genüge  beweiset.  “ 

„Von  besonderem  Interesse  scheint  mir  auch  der  Umstand  zu  sein:  dass 
in  den  pflanzenreicheri  thonigen  Einlagerungen  die  Vegetabilien  stets  ver- 
modert oder  verkohlt,  die  Coniferen  nur  in  ihren  jüngeren  Theilen,  niemals 
Stamm  und  Aeste;  im  Sandstein  selbst  aber  nur  letztere,  verweset  und 
verkieselt  Vorkommen.  Vielleicht  gehören  die  Kieselhölzer  des  Sandsteines 
und  die  Zweige,  Blüthen,  Blätter  und  Früchte  der  thonigen  Einlagerungen  zu- 
sammen und  ist  Pence  Brauniana  Unger  das  Holz  der  Palissya.  — Obschon 
jedes  der  ausgebeuteten  Pflanzenlager  seine  besondere  Conifere  besitzt,  so  geh! 
dennoch  die  Palissya  Braunii  durch  alle  und  kommt  in  fast  jedem  vor,  wenig- 
stens in  naheverwandfen  Arten.  Diese  Gattung  ist  daher  besonders  bezeichnend: 
fehlt  im  Keuper  und  vermutlich  auch  im  Oolith.“ 

„Die  Samen  der  Palissya  vom  Saserberg  haben  einen  grösseren  Flügel - 
säum , als  jene  bei  Eckersdorf  vorgekommenen  und  die  der  Theta'er  Palissya 
sind  ungeflügeJf.  Ob  dies  aber  Artenverschiedenheit  ist,  fragt  sich  noch  sehr. 
Nur  die  Form  der  Zapfen  unterscheidet  sie:  bei  ersterer  ist  derselbe  spindelförmig, 
bei  der  Eckersdorfer  und  Veitlahmer  walzenförmig,  bei  letzterer  und  jener  von 
Hart  dagegen  eiförmig.  Aber  auch  dies  sind  vielleicht  untergeordnete  Merkmale 
oder  solche  von  Varietäten.“ 

„Alle  Mollusken,  welche  man  in  dem  Palissyen-Sandsteine  will  beobachtet 
haben:  z.  B.  Avicula  contorta , Taeniodon  Ewaldii , Anodonta  postera  (unter 
letzterer  Bezeichnung  erhielt  ich  von  Gotha  und  Koburg  eine  Petricolina  oder 
Saxicava ?)  stehen  diesem  Sandsteine  nicht  zu;  ihn  bezeichnen  Pflanzen  und 
keine  Seegeschöpfe.“ 


[11] 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  Dionys  Stur.  Dr.  Stäche. 


145 


Das  von  Herrn  Prof.  Dr.  Fr.  Braun  eingesendete  Kistclien  enthielt  8 mit 
Nummern  versehene  Stücke  von  einem  thonigen  Sandstein.  Auf  allen  Stücken 
ist  die  fossile  Streu  der  Palissya  Braunii  Endl.:  Zweige,  Zapfen,  Kätzchen. 
Samen  und  Nadeln  enthalten.  Das  Geschenk  des  Herrn  Prof.  Braun  ist  um  so 
willkommener,  als  in  unserer  Sammlung  diese  Art  nur  sehr  schwach  vertreten  war. 

Auf  die  geänderte  Ansicht  über  die  geologische  Stellung  des  Palissyen- 
Sandsteins,  dass  derselbe  den  ganzen  Lias  vom  untersten  Gliede  bis  hinauf  zu 
den  Posidonien-Schiefern  vertrete,  gegenüber  der  älteren  (Graf  Mü  n ste  r's 
Beitr.  VI.  p.  1 und  6)  dass  derselbe  den  tieferen  Liasschichten  unter  dem  Hori- 
zonte des  Gryphitenkalkes  entspreche,  glaube  ich  besonders  die  Aufmerksamkeit 
lenken  zu  müssen.  Die  in  einem  zweiten  Schreiben  vom  25.  December  1861  zuge- 
sagten weiteren  Mittheilungen,  denen  wir  erwartungsvoll  entgegensehen,  werden 
gewiss  geeignet  sein,  diese  Ansicht  weiter  zu  begründen  und  die  vorhandenen 
Unrichtigkeiten  aufzuklären. 

Schliesslich  erlaube  ich  mir  den  geehrten  Herren  Einsendern  unseren 
besten  Dank  auszusprechen  und  dieselben,  so  wie  alle  unsere  Gönner  und 
Freunde  zu  fortgesetzten  freundlichen  Mittheilungen  einzuladen. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  hält  einen  Vortrag  über  das  Basaltterrain , welches 
sich  vom  Plattensee  gegen  Nord  über  die  ganze  Westflanke  des  ßakonyer- Waldes 
ausbreitet.  Es  ist  eine  bemerkenswerthe  Thatsache,  dass  die  Eruptionscentren  der 
beiden  Haupttypen  der  jüngsten  Eruptivgesteine  , welche  das  Bakonyer  Gebirgssy- 
stem  aufzuweisen  hat,  in  Bezug  auf  ihre  Lage  zurLängsaxe  des  Gebirge  strotz  ihrer 
relativen  Nähe  doch  von  einander  wie  polar  getrennt  erscheinen:  Der  Trachyt 
und  Rhyolith,  d.  i.  die  relativ  sauere  Gesteinsreihe,  erscheint  in  grösster  Massen- 
entwickelung am  äussersten  Nordoststocke  der  Gebirgsinsel  in  dem  Gran-Visse- 
gräder  Gebirgsstocke  und  ihre  westlichsten  Vorposten , wie  die  Durchbrüche 
durch  den  Granit  des  Melegyhegy  und  die  ganz  einsam  aus  dem  Löss  auftauchende 
Bhyolithpartie  von  Szt.  Miklös  bei  Sär  Bögard  überschreiten  nicht  die  scharfe 
Grenze,  welche  durch  die  Gebirgsbruchlinie  des  Moorer  Canals  und  seiner 
Fortsetzung,  dem  Malom  Csator,  angedeutet  ist.  Eben  so  wenig  überschreitet  auch 
nur  ein  einziger  Basaltdurchbruch  diese  Linie  gegen  Nordost,  sondern  es  ist 
vielmehr  der  Hauptsitz  der  basischen  Gesteinsreihe  der  Basalte  mehr  als  6 Meilen 
weit  von  dieser  Linie  gegen  West  gelegen  und  es  ist  gerade  der  compacteste 
Knotenpunkt  ihrer  Ausbrüche  dem  Trachytpol  zugekehrt,  während  vereinzelte 
Vorposten  nur  gegen  West  gegen  Steiermark  zu  auftauchen. 

Die  Basaltberge,  welche  durch  ihre  Häufigkeit  und  die  Mannigfaltigkeit  ihrer 
Formen  und  ihrer  Gruppirung  die  ganze  Westabdachung  des  Bakonyer  Gebirges 
zu  einer  physiognomisch  von  allen  übrigen  Theilen  des  Landes  verschiedenen, 
originellen  geologischen  Charakterlandschaft  umgestaltet  haben,  lassen  sich  der 
Uebersicht  wegen  zusammen  genommen  als  eine  einzige  in  einer  Ellipse  angeord- 
nete Gruppe  auffassen.  Die  Längsaxe  dieser  Basaltellipse  kommt  in  der  Richtung 
NW — SO  zu  liegen  und  fällt  mit  der  Luftlinie  vom  Kis-Somlö  bei  Jänoshäza  zum 
Mentshelyer  Basaltberge  (Nagy-Väszony  Süd)  zusammen.  Der  nördliche  Bogen 
derselben  von  dem  einen  zum  andern  dieser  Axenpunkte  ist  nur  durch  zwei 
grössere  einzelne  Basaltberge,  den  Kabhegy  (Nagy-Väszony  Nord)  und  den  Som- 
lyöhegy  (Somlyö  Väsärhely  Nord)  angedeutet;  der  südliche  ist  durch  drei  an 
Einzelbergen  reichen  Gruppen,  „durch  die  Gruppe  des  Tattika“  im  Westen,  durch 
die  mittlere  Gruppe  der  Badacson  oder  die  Plattenseegruppe  im  engeren  Sinne 
und  durch  die  östliche  Gruppe  der  Kapoleser  Basaltberge  ausgeführt. 

Ausserhalb  dieses  Verbreitungsbezirkes  liegen  keine  völlig  sicheren  Basalt- 
durchbrüehe.  In  nächster  Beziehung  aber  zu  denselben  stehen  die  Basalttuff-  und 


146 


Verhandlungen. 


[12] 


Conglomeratablagerungen  der  Halbinsel  Tihany  und  von  Boglar,  so  wie  der  wegen 
seiner  grossen  Basal tgerölle  eines  basaltischen  Kernes  verdächtige  Fonyödherg. 

Von  den  drei  Basaltgruppen  ist  es  ganz  vorzüglich  die  mittlere  oder  die 
Plattenseegruppe,  welche  die  Gegend  zu  einem  so  eigentümlich  schönen  geolo- 
gischen Charakterbilde  umgewandelt  hat,  wie  es  vielleicht  sonst  in  keinem 
Basaltterrain  der  Erde  in  gleich  origineller  Schärfe  zur  Ausführung  gelangt  ist. 

Hier  aus  dem  flachen,  nnr  wenig  über  den  Spiegel  des  Balaton  erhabenen 
Boden  einer  vom  Seeufer  zwischen  Meszes-Györök  und  Badacson  Tomaj  her  gegen 
Nord  hinaufgreifenden,  nur  allmählig  ansteigenden  und  in  West  und  Ost  durch 
höheres  Gebirge  begrenzten,  weiten  Bucht  steigen  unmittelbar  in  schroffer  Iso- 
lirtheit  und  in  verschieden  gestalteten  Kegelformen  die  schwarzen  Repräsentanten 
der  vulcanischen  Thätigkeit  in  der  jüngsten  geologischen  Vorzeit  empor. 

Wenn  man  auf  der  etwas  erhabenen  Stufe  des  Cerithienkalkplateaus  dicht 
nördlich  von  Tapolcza  steht,  so  hat  man,  wenn  man  den  Blick  südostwärts  wendet, 
das  ganze  Bild  in  wunderbarer  Vollständigkeit  und  Schönheit  vor  sich.  Man  sieht 
hier  fast  wie  mit  einem  Blick  alle  neun  Kegelberge  dieser  Gruppe  und  stellen- 
weise dazwischen  durch  die  schimmernde  Fläche  des  Balaton.  Sie  erscheinen 
alle  von  hier,  so  wie  vom  anderen  Plattenseeufer  aus  riesenhafter,  als  sie  sich  in 
grösserer  Nähe  ausnehmen,  obwohl  der  höchste  derselben,  der  Badacson, 
289  Klafter  Seehöhe  hat,  also  da  der  Seespiegel  330  Fuss  hoch  liegt,  immerhin 
1400  Fuss  hoch  direct  aus  der  Ebene  emporsteigt. 

Ausser  dem  Badacson  sind  die  interessantesten  Basaltberge  dieser  Gruppe 
der  St.  György,  der  Szigliget,  der  Gulacs,  der  Csobänz,  der  Hegyesdkö  und  der 
Halaphegy,  Berge,  die  alle  mit  den  zunächst  liegenden  Ortschaften  den  gleichen 
Namen  haben. 

Die  Basaltberge  der  anderen  Gruppen  treten,  wenn  auch  immer  kenntlich, 
so  doch  nicht  mit  der  Schroffheit  hervor  wie  die  genannten,  weil  sie  selbst  zwi- 
schen hohen  Bergen  von  anderem  Charakter  liegen.  Dennoch  zeigen  die  meisten 
derselben  doch  immerhin  so  ausgeprägte  Formen,  dass  ihr  basaltischer  Charakter 
sich  oft  schon  aus  der  Ferne  errathen  lässt.  Nur  einzelne  Dolomitberge  ahmen 
wohl  hin  und  wieder  das  Bild  der  Basaltberge  nach  und  geben  so  zu  Täuschungen 
Veranlassung. 

Im  Ganzen  lassen  sich  nach  den  äusseren  Contouren  folgende  Normalformen 
unterscheiden: 

Die  schönste  Form,  gleichsam  eine  Musterform  für  Basaltberge,  zeigt  der 
durch  seinen  Wein  allbekannte  Somlyöhegy.  Er  besteht  aus  drei  Segmenten 
verschiedenartiger  Kegel.  Der  Stumpf,  ein  grosser  flacher  Kegel,  bildet  die 
Basis,  ein  steiler,  scharf  abgestutzter  Kegelstumpf  von  kleinerem  Durchmesser 
bildet  das  Mittelstück  und  endlich  sitzt  dem  Ganzen  eine  kleine  abgerundete 
Kegelkuppe  auf.  Dieselbe  Form  zeigt,  wenn  auch  nicht  in  gleich  regelmässiger 
Schönheit  der  St.  György. 

Lässt  man  die  obere  Kuppe  weg,  so  hat  man  die  normale  abgestumpfte 
Kegelform  der  meisten  frei  und  unmittelbar  aus  dem  ebenen  Lande  emporstei- 
genden Berge;  nur  ist  bei  dem  einen  die  Abstutzung  schief,  bei  dem  andern 
gerade.  Diese  Form  zeigen  der  Kis-Somlyö,  der  Tattika  und  Varasdhegy  in  der 
Westgruppe  und  der  Halaphegy,  der  Csobänz  und  der  Badacson  in  der  Plattensee- 
gruppe. Steile,  aber  weder  scharf  abgestutzte,  noch  stark  zugespitzte  Kegelkuppen 
ohne  die  stumpfkegelförmige  Basis  zeigen  einzelne  Basalt-Durchbrüche  im  hohen 
festen  Gebirge,  so  derHegyestü  bei  Köves  Kalla  und  der  Mentshelyer  Basaltkegel, 
welche  beide  mitten  durch  die  Dolomit-  und  Kalkschichten  der  unteren  Trias 
setzen,  ohne  besondere  Störungen  oder  auffallende  Contaeterscheinungen  hervor- 
gebracht zu  haben. 


[13] 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  Dr.  Stäche. 


147 


Die  grössten  ausgedehntesten  Basaltberge,  der  mehr  als  eine  Quadratmeile 
grosse  Kabhegy  und  der  grosse Kapolcserberg,  zeigen  eine  breite,  flache,  stumpf- 
zulaufende, aber  vollständige  Kegelform.  Sie  dürften  vor  allen  anderen  nicht  nur 
Durchbrüche,  sondern  zugleich  über  das  umgebende  ältere  Gestein  übergreifende 
Decken  sein.  Endlich  zeigen  mehrere  Berge  eine  ganz  ausgezeichnet  spitz  pyra- 
midale oder  fast  nadelförmig  zugespitzte  Kegelform,  wie  besonders  der  Gulacs, 
der  Hegyesdkö  und  der  Szigligeter  Burgberg  der  Plattenseegruppe. 

Das  Material,  aus  dem  diese  verschieden  geformten  Berge  zusammengesetzt 
sind,  ist  ein  dreifaches,  nämlich:  1.  festes  Basaltgestein,  2.  basaltische  Laven, 
3.  Basalttuff  und  Conglomerat. 

Der  feste  Basalt  bildet  überall  den  mittlern  steilen  Hauptstock  der  aus 
der  Ebene  sich  erhebenden  abgestutzten  Kegelberge,  sowie  die  Hauptmasse  der 
die  festen  Sedimentgesteine  durchbrechenden  und  denselben  aufgesetzten  Kuppen 
und  Decken.  Die  basaltischen  Laven  nehmen  gewöhnlich  die  obersten 
Partien  der  Basaltberge  ein.  Sie  bilden  die  Ausfüllungen  der  alten  Krater  und 
bei  den  Basaltbergen  mit  aufgesetzter  mittlerer  Kuppe,  wie  beim  Somlyö  und 
St.  György  besteht  aus  ihnen  allein  dieser  mittlere  aufgeschüttete  Kegel.  Bei 
den  Bergen  von  der  Form  und  Ausdehnung  des  Kabhegy  bilden  sie  wohl  auch 
tiefer  hinabreichende  seitliche  Decken.  Die  Tuffe  und  Conglomerate  erschei- 
nen meist  wohl  geschichtet,  entweder  ungestört  mit  sanftem  Verflächen,  wie  am 
Fusse  des  Kabhegy  gegen  Pula,  bei  Kapolcs,  bei  Badacson,  auf  Tihany,  oder  ge- 
stört mit  verdrückten,  verworfenen  und  selbst  gewundenen  Schichten,  wie  es  am 
Szigliget  und  am  Boglarberg  zu  beobachten  ist.  Dieselben  bilden  entweder  De- 
cken über  und  seitlich  anliegende  Bänke  am  festen  Basalt,  oder  sie  erscheinen 
als  selbstständige  Bergrücken  und  Gupfe  und  bilden  in  der  Plattenseegruppe  so- 
gar gerade  die  spitzigsten  nadelförmigen  Kegel,  wie  den  Szigliget,  den  Hegyesd 
und  wahrscheinlich  auch  den  Gulacs.  Jedoch  ist  zu  bemerken,  dass  diese 
spitze  Form  immer  im  Zusammenhänge  zu  sein  scheint  mit  jüngeren,  die  Tuffe 
und  Conglomeratmassen  durchsetzenden  festen  ßasaltgängen.  Bei  Hegyesd  und 
Szigliget  wenigstens  wurde  diese  Beobachtung  gemacht.  Besonders  schön  sieht 
man  am  Szigliget  einen  ausgezeichneten  Basaltgang  westlich  unter  der  Burg  in  der 
Tuffmasse  aufsetzen.  Somit  scheint  die  Ansicht  Beudant’s  und  Zepharo vich’s 
berichtigt,  nach  der  diese  Tuffbei^e,  sowie  die  von  Tihany  ausser  Zusammenhang 
mit  festen  Basalten  stünden.  Es  gewinnt  demnach  auch  die  von  Dr.  Ludwig  Sig- 
mund 1837  in  seiner  Schrift:  „Füred’s  Mineralquellen  und  der  Plattensee“  aufge- 
führte und  von  Zepharovich  bezweifelte  Beobachtung  eines  Basaltganges  in  Tuff 
bei  Gelegenheit  des  Grabens  eines  Kellers  in  Kis-Erdö  1 821  — an  Wahrscheinlichkeit 

Die  spitze  nadelförmige  Form  der  vorzugsweise  aus  Basalttuff  und  Con- 
glomerat bestehenden  Kuppen  ist  übrigens  auch  in  anderen  Basaltterrains  beob- 
achtet worden.  Herr  Professor  Römer  in  Breslau  theilte  mir  mit,  dass  man  in 
den  Basaltgebieten  der  Auvergne  dieselben  Beobachtungen  machen  könne. 

ln  petrographischer  und  mineralogischer  Beziehung  zeigen  die  Gesteine  in 
vielfacher  Hinsicht  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  den  böhmischen  und  mährischen 
Basaltvorkommen. 

Die  festen  Basalte  zeigen  vorzugsweise  plattenförmige  Absonderungsformen. 
Am  Somlyö,  am  Csobanz  und  Badacson  tritt  wohl  auch  die  säulenförmige  Abson- 
derung in  grossen  Strecken  auf;  aber  zugleich  ist  auch  die  plattenförmige  in  dem 
Maasse  vorhanden,  dass  schöne  vollständige  und  regelmässige  Säulenbildung 
äusserst  selten  ist.  Sehr  schöne  horizontale  Säulen  zeigt  der  den  Tuff  durchbre- 
chende junge  Basalt  des  Szigliget,  kugelig-schalige  Absonderung  oder  wenigstens 
eine  Neigung  dazu  wurde  am  Mentshelyer  Berge  und  am  Kabhegy  beobachtet. 


148 


Verhandlungen. 


[14] 


Die  Basalte  sind  zum  grössten  Theile  dichtend  von  d u n k el  sch  warz  er 
his  dunkelgrauer  Farbe  und  zeigen  undeutlich  und  unregelmässig  eingesprengten 
Olivin,  oder  auch  ziemlich  regelmässig  durch  die  Grundmasse  vei  theilte  deutliche, 
aber  kleine  Olivinkrystalle.  — Rundlich  körnige  Basalte  treten  besonders  am 
Berge  bei  Mentshely  und  am  Kabhegy  auf.  — Basalt- Mandelsteine  oder 
überhaupt  Anlage  zur  Mandelbildung  haben  die  Basalte  des  Szigliget  und 
Hegyesdkö.  — Zellige  und  poröse  Basalte,  die  gleichsam  den  Uebergang 
bilden  zu  den  leichten  basaltischen  Laven,  kommen  fast  an  allen  Punkten  vor. 

Die  basaltischen  Laven  sind  entweder  fein  porös  oder  klein-  bis 
grosszellig,  ohne  irgend  welche  mandelsteinartige  Einschlüsse  in  den  Zellen. 
Sie  sind  von  rothbrauner  oder  schwarzer  bis  schwarzgrauer  Farbe  und  von 
grosser  Leichtigkeit;  und  zwar  sind  sie  um  so  leichter,  je  grosszeiliger  sie  sind. 

Die  Tuffe  und  Conglomerate  zeigen  im  Allgemeinen  dieselben  Eigen- 
schaften, welche  die  von  Zepharovich  beschriebenen  der  Halbinsel  Tihany 
zeigen.  Die  Schrift  von  Zepharovich  ist  nächst  dem  B eu  d a n t'schen  Werk  die 
einzige,  welche  werthvolle  Notizen  über  das  geschilderte  Basaltterrain  enthält. 

Das  Alter  der  Basalte  ist  nicht  ohne  Schwierigkeit  bis  ins  Genaueste  zu 
bestimmen.  Sicher  ist  nur,  dass  die  Hauptmasse  der  Basalte  älter  ist  als  die 
Tuffe  und  älter  als  die  Schichten  mit  Paludina  Sattleri , in  denen  am  Fonyöd 
ziemlich  reichlich  kleine  Basaltgerölle  auftreten,  und  ebenso  sicher  wohl,  dass  sie 
jünger  sind  als  dieTrachyte  am  nördlichen  Pol  der  Gebirgsaxe,  welche  Peters  an 
das  Ende  der  Zeit  der  Leithakalk bildung  verselzt.  Die  Tuffe  aber  zum  grössten 
Theile  und  die  sie  durchsetzenden  jüngeren  Basalte  sind  wohl  ebenso  sicher  als 
jünger  anzunehmen,  als  die  Schichten  mit  Congerien  und  Paludina  Sattleri. 

Folgende  Mitteilungen  des  Herrn  Directors  W.  Haidinger  werden  zum 
Schlüsse  vom  Vorsitzenden  vorgelesen: 

„Wir  finden  uns  im  neuen  Jahre  in  der  That  rasch  am  Werke  wieder.  Einen 
wahren  Beweis  dafür  freue  ich  mich,  das  I.  Heft  des  Bandes  XII  für  1861  und  1862 
unseres  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vorzulegen.  Wir  ver- 
danken die  Vollendung  der  Thatkraft  und  unablässigen  Sorgsamkeit  meines  hoch- 
verehrten Freundes  k.  k.  Bergrathes  Franz  Ritter  von  Hauer,  aber  in  der  neuen 
günstigen  Lage  für  Leistung  der  Arbeit,  wohlwollendst  gefördert  durch  die 
Direction  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei,  und  die  lobenswerteste  Besor- 
gung der  Ausführung  durch  den  Factor  Herrn  A.  Kn  ob  lieh.  Um  das  Zurück- 
bleiben in  den  Druckarbeiten  wenigstens  in  der  Reihe  der  Bände  weniger 
fühlbar  zu  machen,  mussten  wir  uns  entschliessen,  die  beiden  Jahrgänge  1 861  und 
IS62  in  einem  Bande,  dem  XII.  zu  vereinigen.  Dieses  erste  Heft  enthält  die  Ver- 
handlungen des  ganzen  Jahres  1861.  Dazu  die  Arbeiten  im  chemischen  Labora- 
torium und  die  neuen  Erwerbungen  an  Büchern,  Mineralien  und  anderen  Gegen- 
ständen. An  Abhandlungen  nur  die  einzige  wichtige  Arbeit  von  Herrn  k.  k.  Berg- 
rath M.  V.  Lipoid  „Ueber  die  B a r ran de’schen  Colonien“.  Sie  war  am  11. 
December  1860  überreicht  worden,  aber  die  Störungen  im  Drucke,  nun  glücklich 
überwunden,  machten  es  erst  jetzt  möglich  sie  an  den  Tag  zu  fördern.  Die  Ab- 
handlungspricht für  sich  selbst,  ich  kann  daher  füglich  für  ihren  Inhalt  uns 
die  Aufmerksamkeit  hochverehrter,  wissenschaftlicher  Freunde  mir  erbitten. 
Ueber  denselben  Gegenstand  liegt  aber  hier  ein  in  der  Zwischenzeit  an  un- 
gelangtes  Werk  vor,  über  welches  ich  einen,  wenn  auch  möglichst  kurz  gehal- 
tenen Bericht  vorzulegen  verpflichtet  bin.  Es  ist  dies  die  „ Defense  des  Colonies 
I.  Groupe  Probatoire  comprenant  la  colonie  Haidinger , la  colonie  Krejei  et  la 
coule'e  Krejei.  Par  Joachim  Bar  ran  de “.  Mit  dem  Motto:  „ Vos  colonies  out 
glorieusement  gagne  du  terrain . II  . Haidinger“.  „ Chez  l auteur 9 ä Praguc 


149 


[IS]  Sitzung  vom  7.  Jänner.  W.  Haidinger. 

Kleinseite  Nr.  419 , Chotekgasse ; ä Paris  Rue  Meziere  Nr.  6 , 25.  Novem- 
ber 1861“. 

Der  hochverehrte  Verfasser  sandte  freundlichst  Exemplare  an  die  k.  k.  geo- 
logische Reichsanstalt,  an  mich  und  die  Herren  Franz  u.  Karl  Ritter  von  Hauer, 
Lipoid,  Foetterle,  Graf  M ar  s cha  11,  Stur,Jokely,  v.  H o ch  s tett  er, 
Freiherr  v.  Richthofen,  Stäche,  Freiherr  von  Andrian,  Wolf,  für  welche 
reiche  Aufmerksamkeit  ich  ihm  hier  meinen  verbindlichsten  Dank  ausspreche. 
Schade  dass  durch  die  Verspätung  des  Druckes  von  Herrn  Lipold’s  Abhandlung 
Herrn  B ar  ran  de’s  „Verteidigung  der  Colonien“  eigentlich  des  Hauptgegen- 
standes entbehrt,  welchen  Herr  Barrande  zu  bekämpfen  beabsichtigte,  denn 
bei  genauer  Analyse  würde  sich  der  Titel  besser  auf  einen  „Angriff  gegen  Herrn 
Lipold's  Arbeiten  und  noch  einiges  Andere“  stellen,  als  auf  den  einer  „Vertei- 
digung^. Indessen  verlangt  Herr  Barrand e in  einem  freundlichen  Schreiben 
vom  18.  December  an  mich  , „dieselbe  Oeffentlichkeit  für  seine  Vertheidigung, 
welche  es  mir  dem  Angriffe  zu  geben  zweckmässig  geschienen  hat1).  Ich  darf 
hier  wohl  bemerken,  dass  von  unserer  Seite  kein  „Angriff*  auf  Herrn  Bar- 
rand e’s  Colonien  beabsichtigt  war,  und  auch  kein  solcher  stattgefunden  hat. 
Was  von  uns  geschah,  war  reines,  möglichst  vorurtheilfreies  Studium  der  Natur, 
welche  ja  immer  noch  vorliegt,  frei  für  die  Untersuchung  jedes  Naturforschers. 
Unsere  Stellung  ist  aber  dabei  eine  ganz  verschiedene  von  jener  des  Herrn 
Barrande.  Hochgebildet,  aus  einem  Lande  , wo  die  Wissenschaft  reich  zu 
pflegen  und  zu  ehren  langjährige  Gewohnheit  ist , war  der  hochverdiente  Gast, 
durch  äussere  Umstände  veranlasst  in  unserem  Lande  zu  weilen,  in  sorgenfreier 
Stellung  durch  eigenen  unabhängigen  Forschungstrieb  freiwillig 
auf  das  Studium  silurischer  Schichten  geleitet  worden.  Wir  haben  stets  seine 
tiefen  und  umfassenden  paläontologisehen  und  geologischen  Studien  bewundert 
und  uns  gewiss  herzlich  ihres  Fortschrittes  erfreut,  wobei  wir  nicht  auf  das  was 
bereits  im  Druck  erschienen  ist,  uns  beschränken,  sondern  vielmehr  auch  die  uns 
zum  Theile  wohlbekannten  Vorbereitungen  zu  ferneren  Veröffentlichungen  um- 
fassen, wie  die  220  lithographischen  Tafeln  Cephalopoden,  welche  unter  unseres 
hochverehrten  Freundes  H örn es  sorgsamer  Üeberwachung  ausgeführt,? in  der 
k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  zum  Abdruck  bereit  liegen.  Das  Wenige,  was  in 
dieser  Richtung,  in  den  Studien  der  sibirischen  Schichtengebilde  und  ihrer  Faunen, 
einheimische  Localforscher  zu  leisten  versuchten,  wurde  nur  allzu  sehr  durch  ihre 
untergeordnete  hilflose  Stellung,  mit  Mangel  an  den  nothwendigsten  Arbeitsbehelfen 
kämpfend  beeinträchtigt  und  zurückgesetzt,  was  uns  indessen  nicht  hindert  auch 
dieses  Wenige  dankbar  anzuerkennen.  Ein  neuer  Abschnitt  der  Geschichte  ist  es 
nun,  wo  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zur  Pflicht  gemacht  wird,  und 
ihr  die  Mittel  angewiesen  sind,  den  Bau  der  Erde  im  Vaterlande  zu  erkunden. 

Mit  der  Vorbereitung  und  den  Hilfsmitteln  welche  wir  besitzen,  mit  den 
Erfahrungen,  welche  sich  unsere  Mitglieder  erworben  haben,  treten  wir  die  Auf- 
gabe an,  redlich  und  ohne  Hintergedanken,  ehrend  was  wir  vorgearbeitet  finden, 
und  berichtend  über  das,  was  wir  selbst  gefunden  haben.  Unser  Jahrbuch  ist  der 
Schauplatz  für  diese  Berichte.  Aufgefundene  Thatsachen  können  wohl  Veran- 
lassung zu  Betrachtungen  verschiedener  Art  werden,  sie  können  Berichtigungen 
durch  genauere  Forschung  wünschenswert  machen,  aber  dennoch  ist  unser  Jahr- 
buch nicht  vollständig  neutraler  Grund,  wo  man  nach  Belieben  für  oder  wider 
Ansichten  Kämpfe  fortführen  sollte.  Herr  Barrande  ging  offenbar  hier  nicht 


D Vom  ne  me  refuserez  pas  pour  ma  defense,  la  merne  publicite,  que  vom  avezjuge  con- 
venable  de  donner  ä Vattaque . 


150 


Verhandlungen. 


[<«] 

von  dem  richtigen  Gesichtspunkt  aus.  Es  wird  ihm  nichts  desto  weniger  der 
verlangte  Raum  für  den  Abschnitt  von  Seite  17  bis  zum  Ende  Seite  34  seiner 
Schrift  nicht  fehlen,  nebst  einigen  kurzen  Erläuterungen,  und  zwar  schon  in  dem 
nächsten  Hefte,  welches  ausserdem  zwei  bereits  lange  zurückgelegte  Arbeiten 
enthalten  wird,  von  Freiherrn  v.  Richthofen  über  die  Kalkalpen  von  Vorarl- 
berg und  Nordtirol,  und  von  Herrn  Krejcf  über  seine  Aufnahmen  in  Böhmen  im 
Sommer  1859.  Von  unserer  Seite  wird  in  dem  Jahrhuche  Herrn  Barrande’s 
Schrift  — Verteidigung,  oder  eigentlicher  Angriff,  — keine  polemische  Ent- 
gegnung finden,  für  welche  wir  neutrale  Zeitschriften,  wie  von  Leonhard's 
und  Bronn’s  Jahrbuch  oder  die  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Gesell- 
schaft angemessener  finden,  als  vielleicht  in  so  ferne  als  neue  Erfahrungen  oder 
mehr  in  das  Einzelne  gehende  Darstellungen  wieder  neuen  Stoff  und  neue  Ver- 
anlassung bieten.  In  dem  Unterschiede  unserer  Stellung  liegt  es  auch,  dass  Herr 
Barrande  selbst  den  Vortheil  mehr  als  zwanzigjähriger  ungestörter,  geduldiger 
und  wiederholter  Beobachtungen  genoss,  während  jeder  unserer  Schritte  unver- 
meidlich ganz  öffentlich  geschehen  muss,  was  Herr  Barrande  durch  „eine  in 
auffälliger  Weise  angekündigte  und  überstürzt  ausgeführte  Forschung“  >)  bezeich- 
net. Aber  auch  diese  Oeffentlichkeit  hat  ihren  Vortheil. 

Was  unsere  Arbeiten,  unsere  Studien  betrifft,  so  darf  ich  Herrn  Barrande 
versichern,  aber  auch  jeden  theilnehmenden  Gönner  und  Freund  in  unserem 
grossen  Vaterlande,  von  welchem  aus  uns  diese  Arbeit  als  Pflicht  aufgetragen  vor- 
liegt, dass  wir  sie  fortwährend  mit  gleichem  wohlwollendem  wissenschaftlichen 
Ernste  pflegen  werden,  und  zwar  werden  wir  auf  dem  Platze  bleiben  so  lange  bis 
es  uns  gelungen  sein  wird,  Alles  was  Herr  Bar  ran  de  an  Hinterhalt  (Les  reser- 
ves  ont  gagne  des  batailles  Seite  29)  in  das  Gefecht  zu  bringen  vermag,  sieg- 
reich aus  dem  Felde  zu  schlagen,  oder  bis  wir — im  entgegengesetzten  Falle  Herrn 
Barrande’s  Colonien  ganz  in  seinem  Sinne  als  vollkommen  berechtigt  aner- 
kennen werden.  Es  wird  in  dem  gegenwärtigen  Augenblicke,  wo  hochverdiente 
Forscher  entgegengesetzte  Ansichten  entwickeln,  doch  wohl  gestattet  sein,  bei 
einiger  Unabhängigkeit *  3)  des  Geistes,  noch  Zweifel  zu  hegen. 

Was  mich  selbst  betrifft, so  erkläre  ich  wohl  auf  Herrn  Bar  ra  nde’s  Verlan- 
gen (Seite  8)  gerne,  dass  meine  Ansicht  nicht  die  maassgebende  sein  kann,  sie 
war  ja  selbst  bis  jetzt  schon  je  nach  den  Berichten  manchem  Wechsel  unterwor- 
fen. Die  hochverehrten  Geologen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  haben  für 
die  von  ihnen  aus  der  Natur  abgeleiteten  Ansichten  die  ganze  Verantwortung,  und 
ihnen  gebührt  auch  das  ganze  Verdienst,  was  ich  wohl  auch  niemals  für  mich 
in  Anspruch  genommen  habe.  Herr  Barrande  hält  mir  freilich  erst  als  nach- 
ahmenswerthe  Muster  die  grossen  Männer  Sir  Henry  De  la  Be  che,  Sir  Roderick 
Murchison  vor.  Ich  habe  indessen  auch  niemals  anders  gehandelt  und  fühle 
mich  gänzlich  frei  von  der  Anmaassung  anders  Vorgehen  zu  wollen.  Aber  meine 
Aufgabe  ist  ja  eben,  die  Ansichten  der  arbeitenden  Geologen  zu  achten,  zu  ehren, 
und  nicht  diese  dadurch  abschrecken,  sie  terrorisiren  zu  wollen,  dass  ich  ihnen 
zurufe,  ein  anderer  Forscher,  und  stände  er  auch  höher  als  beide  Obgenannten, 
habe  es  anders  gefunden,  und  damit  sei  die  Sache  ein  für  allemal  abgethan. 
Unsere  Aufgabe  ist  die  Wahrheit,  nicht  die  unbedingte  blinde  Hingebung  an  die 
bis  dahin  anerkannte  höchste  wissenschaftliche  Autorität.  Hier  gilt  das  alte  Wort: 
Amicus  Plato,  magis  amica  veritas.  Noch  liegen  die  Thatsachen  vor.  Viele 
Geologen  werden  ohne  Zweifel  schon  im  nächsten  Sommer,  wo  die  Versammlung 


l)  Exploration  annoncce  avec  eclat , et  precipitamment  executee3  Seite  9. 

3)  Independance  intellectuelle,  Seite  8. 


Sitzung  vom  7.  Jänner.  W.  Haidinger. 


[17] 


iSl 


deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Karlsbad  abgehalten  werden  wird,  Ver- 
anlassung nehmen,  vor  oder  nach  derselben  die  so  leicht  zugänglichen  Colonien 
in  der  Nähe  von  Prag  zu  besichtigen,  und  es  wird  dann  gewiss  nicht  an  Personen 
fehlen,  welche  unbefangen  beobachten,  und  mit  vollkommener  Unabhängigkeit 
des  Geistes  ihre  Ansicht  bilden  werden.  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  wird  selbst 
Erläuterungen  geben  können,  da  wir  beabsichtigen,  die  hoffentlich  bis  dahin 
gewonnene  geologische  Specialkarte  des  Königreichs  Böhmen  auf  der  Versamm- 
lung vorzulegen. 

Unsere  freundlichen  Leser  werden  in  Herrn  Barrand  e’s  „Verteidigung“ 
einen  in  dem  Jahrbuche  weniger  gewohnten  Gang  von  Angriffsweise  und  Verdäch- 
tigung eingehalten  sehen,  und  ich  besorge  fast  dass  gewisse  Ausdrücke  im  Deut- 
schen bei  vollkommen  buchstäblicher  Uebersetzung  sich  selbst  noch  strenger  und 
schärfer  ausnehmen  werden,  als  dies  im  Französischen  der  Fall  ist.  Aber  die 
Schärfe  des  Ausdruckes  fällt  so  oft  auf  den  Autor  zurück. 

Von  Herrn  Professor  Dr.  Constantin  Ritter  v.  Ettingshausen  kommt  uns 
dieReclamation  zu:  „Ueber  die  Entdeckung  des  neuholländischen  Charakters  der 
Eocenflora  Europa's  und  über  die  Anwendung  des  Naturselbstdruckes  zur  För- 
derung der  Botanik  und  Paläontologie,  als  Entgegnung  auf  die  Schrift  des  Herrn 
Professors  Dr.  F.  Unger  ,Neuholland  in  Europa4  Bei  dem  lebhaften  Antheile, 
den  ich  selbst  an  dem  Fortschritte  der  ersten  Studien  unseres  früheren  Arbeits- 
genossen genommen,  darf  ich  nicht  verfehlen,  ihm  öffentlich  Zeugniss  zu  geben, 
dass  er,  Herr  Professor  Dr.  Constantin  v.  Ettingshausen,  es  war,  der  zuerst 
jenen  neuholländischen  Charakter  gewisser  localer  Tertiärfloren  aussprach,  gegen- 
über von  Herrn  Prof.  Unger,  welcher  denselben  als  „oceanisch“  bezeichnete. 

Ich  darf  mich  hier  wohl  nebst  der  lebhaften  Erinnerung  auf  Gedrucktes 
beziehen,  was  von  mir  in  dem  Jännerhefte  1851  der  Sitzungsberichte  der  kai- 
serlichen Akademie  der  Wissenschaften  (Band  6,  Seite  49)  vorliegt. 

Es  ist  dort  von  Sotzka  die  Rede  und  wie  Herr  v.  Morlot  1849  auf  die 
merkwürdigen  Blattformen  aufmerksam  geworden,  und  sie  zu  Herrn  Professor 
Unger  nach  Gratz  brachte.  „Auf  dessen  erste  Untersuchungsresultate  leitete 
Herr  v.  Morlot  die  Grabungen  ein,  die  bald  den  merkwürdigen,  von  Unger 
als  „oceanisch“  bezeichneten  Charakter  der  Flora  erkennen  Hessen“.  Dann  auf 
derselben  Seite:  „Später  sah  Herr  Professer  Unger  die  Sammlungen  in  dem 
Museum  der  k.k.  geologischen  Reichsanstalt  (damals  noch  im  k.  k.  Münzgebäude), 
und  selbst  während  Herr  Dr.  v.  Etti  ngshausen  schon  seine  Entdeckungen 
der  neuholländischen  Formen  durchführte,  wurden  noch  alle  Stücke,  die  Herr 
Professor  U n ge r auswählte,  auch  Herrn  Professor  Unger  selbst  zur  wissen- 
schaftlichen Bearbeitung  in  seinen  eigenen  Arbeitsräumen  mitgetheilt“.  Bei  der 
grossen  Lebhaftigkeit  der  Eindrücke  jener  Zeit  bleibt  mir  auch  jetzt  noch  unver- 
gesslich, wie  unter  andern  Ettin gs h a us en’s  Casuarina  Haidingeri , ein  Aus- 
druck freundlicher  Erinnerung  an  meine  warme  Theilnahme  für  seine  damaligen 
Entdeckungen,  noch  lange  darnach  von  Unger  als  Ephedrites  sotzkianus  fest- 
gehalten wurde,  eine  Ansicht,  die  selbst  Oswald  Heer  noch  in  seiner  „ Flora 
tertiaria  Helvetiae “ 1839,  III,  S.  161,  theilt.  Gewiss  verehren  wir  hoch  und 
bringen  alle  reich  verdiente  Anerkennung  den  Arbeiten  des  ausgezeichneten 
Forschers  in  der  fossilen  Flora  unseres  Vaterlandes,  namentlich  der  tertiären, 
und  den  Ergebnissen  seines  wahren  unabhängigen  Forschungsgeistes.  Herrn 
Professor  Unger’s  hohes  Verdienst  kann  und  wird  nie  bestritten  werden.  Aber 
eben  darum  dürfen  wir  uns  in  der  gegenwärtigen  Erhebung  von  Ansprüchen  auf 
eine  Priorität  von  Ansichten  ihm  nicht  anschliessen,  denn  er  hat  ja  gerade  diese 
lange  bekämpft,  als  sie  unser  früherer  Arbeitsgenosse  Constantin  v.  Ettings- 
hausen allmählig  entwickelte. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


U 


152 


Verhandlungen.  Sitzung  vom  7.  Jänner.  W.  Uaidinger. 


n*i 


Uns  liegen  diese  paläontologischen  Interessen  so  nahe,  indem  wir  ja  selbst 
zu  vielen  der  auf  dieselben  bezüglichen  Studien  das  Material  beigeschafft,  zum 
Theil  unter  Herrn  v.  Ettingshausen's  eigener  persönlicher  erfolgreicher  Mühe- 
waltung, dass  ich  nicht  versäumen  durfte,  ihrer  mit  einigen  Worten  zu  gedenken. 

Eine  Betrachtung  darf  unsern  hochverehrten  Freund  Constantin  v.  Ettings- 
hausen vollkommen  beruhigen,  in  dem  Verzeichnisse  der  fossilen  Pflanzen 
Seite  38  von  „Neuholland  in  Europa“  erscheinen  doch  die  von  ihm  aufgestellten 
Bestimmungen  unversehrt  und  beweisen  eben  dadurch  die  wahre  Sachlage,  an 
der  man  sich  nicht  vergreifen  konnte.  Es  heisst  dort  Batiksia,  Dryandra , 
Hakea  u.  s.  w. , und  so  auch  Casuarina  Haidingeri  Ett. , während  Ephedrites 
sotzkianus  Ung.  nicht  einmal  als  synonym  mehr  aufgeführt  worden  ist. 

Mit  anerkennendstem  Danke  muss  ich  des  schönen  Geschenkes  gedenken, 
das  uns  am  1.  Jänner  zukam,  ein  wahrhaft  hoch  erfreulicher  Beginn  des  neuen 
Jahres.  Von  Seite  des  Herrn  C.  Dubocq,  bisherigen  Central-Directors  der  Berg- 
werke und  Domänen  im  Namen  der  k.  k.  priv.  österr.  Staats-Eisenbahn-Gesell- 
schaft,  übermittelt  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  und  persönlich  an  mich 
selbst,  so  wie  an  die  Herren  v.  Hauer,  Lipoid,  Foetterle,  die  „geogno- 
stische  Karte  der  Banater  Domäne“,  enthaltend  den  vormaligen  k.  k.  ärarischen 
Montancomplex  nebst  den  Staatsberrschaften  Oravicza  und  Bogschan,  in  neun 
Blättern,  zusammen  39  Zoll  breit,  51  Zoll  hoch,  in  Farbendruck  trefflich  ausge- 
führt, in  dem  Maasse  von  1:72.000  oder  1000  Klaftern  = 1 Zoll,  also  dem  dop- 
pelten Längen-  oder  vierfachen  Flächenrnaasse  der  Specialkarten  des  k.  k.  Gene- 
ral-Quartiermeisterstabes. Fünfundzwanzig  Gesteinfarbenverschiedenheiten,  dazu 
noch  siebenzehn  Arten  von  Zeichen  der  Bergwerks-  und  Industrialwerke , so  wie 
der  politischen  Grenzen  und  Strassen  dienen  als  Erläuterung. 

Uns,  denen  als  Aufgabe  die  geologische  Durchforschung  des  Kaiserreiches 
vorliegt,  ist  es  eine  wahre  angelegentliche  Pflichterfüllung,  den  hohen  Werth  von 
Theilarbeiten  wie  die  vorliegende  zu  bezeichnen,  welche  von  der  k.  k.  priv.  österr. 
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft  durchgeführt  wurde.  Lagen  auch  schon  manche 
ältere  Angaben  vor,  zum  Theil  bereits  in  Verbindung  mit  unseren  eigenen  Arbeiten, 
so  ist  doch  das  Ganze  ein  Ergebniss  zahlreicher  neu  zu  dem  Zwecke  eingeleiteter 
Aufnahmen,  bei  welchen  unter  andern  Herr  Cajetan  Fa  bi  an  ek,  einer  unserer 
hochverehrten  Freunde  aus  dem  Jahre  1849,  eine  leitende  Stellung  einnahm. 

Billig  preisen  wir  diese  Karte  als  ein  wahres  Ergebniss  von  Wetteifer,  in 
Leistung  von  Arbeit,  in  Gewinnung  von  Erfolg,  entsprechend  unseren  eigenen 
Wünschen  und  Bestrebungen  und  unserer  unverbrüchlichen  Gepflogenheit. 

Wie  viel  höher  steht  nicht  die  Handlungsweise,  welcher  diese  schöne  Karte 
ihre  Entstehung  verdankt,  gegenüber  den  so  häufig  vorliegenden  Beispielen  von 
Rivalität,  welche  allein  Alles  durchführen  will  und  Andere  gern  hindern  möchte, 
oder  auch  wohl  fremdes  Verdienst  sich  selbst  zuschreibt. 

Unter  den  übrigen  an  die  Anstalt  eingebrachten  Büchern  heben  wir  noch 
hervor  die  „Sammlung  montanistischer  Gesetze  und  Verordnungen  vom  Jahre 
1857  bis  1861,  nebst  einem  Repertorium  von  1849  bis  1861“,  herausgegeben 
von  Herrn  k.  k.  Rechnungsrath  J.  B.  Kraus.  Wir  freuen  uns  der  Herausgabe 
dieser  Sammlung  durch  den  um  die  montanistische  Literatur  so  vielfach  hoch- 
verdienten Verfasser  um  so  mehr,  als  wir  selbst  in  der  letzten  Zeit  der  Störungen 
in  der  Herausgabe  unseres  Jahrbuches  nicht  daran  denken  konnten,  die  in  den 
früheren  Jahren  darin  gegebenen  Zusammenstellungen  montanistischer  Gesetze 
fortzusetzen  und  die  hierdurch  entstandene  Lücke  durch  das  Werk  des  Herrn 
J.  B.  Kraus  nun  auf  die  zweckmässigste  Weise  ausgefüllt  sehen. 


Jahrbuch 


12.  Band, 


der  k.k. geologischen 
Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861  u.  1862 
Heft  II. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  21.  Jänner  1861. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitz. 

Im  Aufträge  des  Herrn  Directors  und  k.  k.  Hofrathes  W.  Haidinger  legte 
der  Vorsitzende  das  folgende  Schreiben  des  k.  k.  Professors  E.  Suess  vor  und 
spricht  dem  Verfasser  desselben  den  verbindlichsten  Dank  aus  für  das  freundliche 
Wohlwollen,  welches  diese  Mittheilung  charakterisirt. 

„Hochgeehrter  Herr  Hofrath! 

Vor  einigen  Tagen  erhielt  ich  das  erste  Heft  des  XII.  Jahrganges  des  Jahr- 
buches der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  welches  an  seiner  Spitze  Freund 
Lipold’s  Aufsatz  über  die  Colonien  in  der  Silurformation  Böhmens  enthält.  So 
sehr  mich  dieser  Aufsatz  durch  die  Fülle  der  Beobachtungen,  welche  er  zur 
Beleuchtung  der  Streitfrage  herbeiträgt  und  durch  seinen  urbanen,  dem  Gegner 
die  persönliche  Achtung  an  keiner  Stelle  versagenden  Ton  erfreut  hat,  — fühle 
ich  mich  dennoch  gedrängt.  Sie  um  die  Aufnahme  der  folgenden  Zeilen  in  das 
Jahrbuch  zu  ersuchen. 

Der  wahre,  innerste  Kern  dieser  Streitfrage  liegt  nach  meiner  Meinung 
nicht  darin,  ob  längs  der  Beraun  die  Graptolithenschiefer  und  die  Grünsteine  den 
untersilurischen  Schiefern  „concordant  eingelagert“  oder  „eingekeilt“  seien.  Er 
lautet  vielmehr:  „Haben  Wesen  der  dritten  (obersilurischen)  Fauna  bereits 
existirt,  bevor  die  zweite  (untersilurische)  Bevölkerung  vernichtet  war?“ 

Nur  in  dieser  Gestalt  erlangt  die  Frage  eine  allgemeiae  Bedeutung  für 
den  Paläontologen  und  berechtigt  sie  zu  jener  Theilnahme,  mit  welcher  man  an 
so  manchen  Orten  diesen  Erörterungen  folgt  und  solange  folgen  wird,  als  wir 
uns  bemühen  werden,  dieselben  in  ruhiger  und  würdiger  Sprache  zu  führen.  Nur 
in  dieser  Gestalt  nimmt  sie  Bezug  auf  die  allgemeinen  Entwickelungsgesetze  des 
Thierreiches  und  tritt  sie  an  die  bescheidenen  Vermuthungen  heran,  welche  ich 
selbst  über  silurische  Lebensverhältnisse  zu  äussern  gewagt  habe. 

In  dem  Schreiben,  welches  ich  am  22.  November  1859  an  Sie  zu  richten 
mir  erlaubt  habe,  und  welchem  Sie  im  X.  Bande  des  Jahrbuches  einen  Raum 
gönnten,  ist  von  Lagerungs  Verhältnissen  wenig  die  Rede  gewesen.  An  Ort  und 
Stelle  „hatte  ich  eingesehen“,  heisst  es  daselbst,  „dass  eine  sehr  genaue  Kennt- 
niss  der  Schichtenstellungen  und  namentlich  ihres  Streichens  wohl  dazu  führen 
könne,  hier  eine  Zwischenlagerung  mit  voller  Bestimmtheit  zu  erkennen,  dass 
jedoch  ein  so  kurzer  Besuch,  selbst  in  Verbindung  mit  den  Erinnerungen,  welche 
mir  von  Arbeiten  geblieben  waren,  die  ich  zehn  Jahre  früher  in  dieser  Gegend 
versucht  hatte,  mich  nicht  berechtigte,  hier  aus  den  Lagerungsverhältnissen  ein 
sicheres  Urtheil  zu  bilden“. 

Die  Thatsache  jedoch,  dass  Herr  Barrande  mir  eine  Anzahl  von  Gesteins- 
fragmenten zeigen  konnte,  welche  er  seiner  ausdrücklichen  Angabe  gemäss  durch 
Zertrümmerung  eines  einzigen,  aus  der  Colonie  im  Bruska-Hohlwege  stammenden 


u 


1S4 


Verhandlungen. 


[2] 


Blockes  gewonnen  hatte,  und  welche  Stücke  sowohl  bezeichnende  obersilurische, 
als  auch  bezeichnende  untersilurische  Versteinerungen  enthielten,  diese  eine 
Thatsache  schien  mir  und  scheint  mir  auch  heute  noch  die  Capitalfrage  von  der 
partiellen  Coexistenz  beider  Faunen  ohne  allen  Zweifel  zu  Gunsten  des  Herrn  Bar- 
rande zu  entscheiden.  Auch  ist  Herr  Lipoid  in  der  That  durch  seine  Erklärun- 
gen auf  Seite  63  und  64  der  Barrande' sehen  Anschauung  in  ihrem 
wichtigsten,  in  ihrem  principiellenTheile  beigetreten.  Für  mich  ist 
durch  diese  Erklärungen  die  Frage  in  einer  meiner  eigenen  Ueberzeugung  und 
den  Prämissen  meiner  weiteren  Studien  vollkommen  entsprechenden  Weise  ent- 
schieden und  ich  sehe  mich  durchaus  nicht  veranlasst,  eine  Zeile  von  den  Ver- 
muthungen zu  widerrufen,  welche  ich  in  meinem  eben  berührten  Aufsatze  über  die 
Wohnsitze  der  Brachiopoden,  über  die  Bildung  von  Colonien  gewagt  habe  und 
welche,  wie  ich  bald  Gelegenheit  haben  werde  zu  zeigen,  auch  in  anderen  For- 
mationen ihre  Berechtigung  linden.  Diese  Vermuthungen  fallen  sehr  nahe  zusam- 
men mit  den  Aeusserungen  des  Herrn  Barrande  im  Bulletin  de  la  soc.  geol. 
für  1860,  t.  XVII,  p.  658,  659,  doch  kann  ich  jenen  Ansichten  durchaus  nicht 
beipflichten,  welche  an  derselben  Stelle  und  auf  den  folgenden  Seiten  in  Bezug 
auf  die  Trappe  ausgesprochen  worden  sind.  Es  scheint  mir  höchst  gewagt,  pluto- 
nischer  Thätigkeit  eine  so  grosse  Rolle  zuschreiben  zu  wollen,  einen  so  directen 
Einfluss  nicht  nur  auf  das  Erlöschen,  sondern  sogar  auf  das  Erscheinen  von 
Thierformen,  aber  ich  unterlasse  es  um  so  mehr,  diesen  Punkt  näher  zu  berühren, 
da  an  der  Colonie  im  Bruska-Hohlwege,  der  einzigen,  auf  welcher  meine  übrigen 
Bemerkungen  über  diese  Frage  beruhen,  solche  Trappe  nicht  beobachtet  wurden. 
Ihr  Erscheinen  längs  der  Beraun  muss  für  den  Augenblick  als  ein  wesentliches 
Argument  zu  Gunsten  der  Lipold'schen  Ansicht  über  diesen  Theil  der  Colonien 
gelten. 

Sparen  wir  jedoch  unser  Urtheil  über  diese  zweite  Frage  bis  zu  der  Zeit, 
wo  der  grosse  Meister  in  Prag  auf  die  so  detaillirten  Angaben  Lipo  Id 's  geant- 
wortet haben  wird.  Wie  verschiedene  Standpunkte  wir  auch  einnehmen  mögen, 
so  erwarten  wir  doch  Alle  diese  Antwort  mit  gleicher  Spannung  und  hoffen  wir 
sicherlich  Alle,  dass  diese  Debatten,  in  ein  ruhigeres  Fahrwasser  gelenkt,  uns  zu 
fernerhin  unbestreitbaren  Ergebnissen  führen  werden. 

Welcher  Art  diese  Standpunkte  und  diese  endlichen  Ergebnisse  auch  sein 
mögen,  jedenfalls  bitte  ich  Sie,  hochgeehrter  Herr,  in  Ihrem  und  zugleich  in 
Herrn  Lipold’s  Namen,  die  Zeichen  meiner  aufrichtigen  Hochachtung  zu  geneh- 
migen. Man  wirft  Ihnen  vor.  Sie  hätten  mit  der  Autorität  Ihres  Namens  die 
Arbeiten  Anderer  gestützt;  ich  prüfe  diese  Anklage  nicht,  aber  ich  kenne  die 
thatsächlich  in  den  letzten  Decennien  errungenen  Erfolge,  auf  welche  Sie  mit 
berechtigtem  Stolze  hinweisen. 

Ich  bin  u.  s.  w.  Ed.  Suess. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  hielt  einen  Vortrag  über  das  Braun- 
kohlenvorkommen bei  Valdagno,  nordwestlich  von  Vicenza,  im  Venezianischen. 
Auf  den  rothen  Mergel  der  Scaglia,  die  hier  sehr  verbreitet  ist,  folgen  Nummu- 
litenkalk,  Basalttuff,  Kalk  und  Kalkmergel,  deren  tertiärer  Charakter  durch  die 
zahlreichen  und  schönen  Versteinerungen  in  dem  Basalttuffe  von  Ronca,  sowie 
von  Novale  und  Chiavorie  hinlänglich  sichergestellt  ist.  Nur  an  wenigen  Punkten 
kommen  in  den  über  dem  Basalttuffe  gelegenen  Kalkmergeln  Kohlen  und 
Schieferflötze  vor  und  wo  sie  Vorkommen,  dort  sind  sie  in  Folge  späterer  Störun- 
gen vielfach  zerrissen  und  weggeschwemmt.  Eine  der  noch  am  besten  erhaltenen 
flötzführenden  Ablagerungen  findet  sich  nördlich  von  Valdagno  in  dem  westlich 
sich  abzweigenden  Graben  von  Pulli,  die  sich  zwar  durch  keine  bedeutende  Aus- 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  F.  Foetterle.  M.  V.  Lipoid. 


155 


[3] 


dehnung,  hingegen  aber  durch  eine  regelmässige  Lagerung  auszeichnet.  Der 
ganze  kohlenführende Theil  der  Tertiärablagerung  bildet  hier  in  der  Verflächungs- 
richtung  gleichsam  eine  Mulde,  indem  die  Schichten  von  Nord  und  Süd  aus  gegen 
die  Mitte  convergiren,  in  der  westöstlichen  Streichungsrichtung  jedoch  erscheinen 
sie  durch  den  Basalttuff  abgeschnitten.  Der  Durchmesser  der  ganzen  Mulde  von 
Süd  gegen  Nord  beträgt  bei  800  Klafter,  in  der  Streichungsrichtung  beträgt  die 
Länge  der  Kohlenflötze  bei  109  Klafter,  über  die  hinaus  sie  von  Basalttuff  abge- 
schnitten sind.  Es  sind  mehrere  Flötze  über  einander  gelagert,  welche  alle  im 
Süden  nach  Nord  mit  einem  flachen  Winkel  von  20  bis  22  Grad,  im  Norden  nach 
Süd  mit  einem  viel  steileren  Winkel  stellenweise  bis  zu  60  Grad  einfallen.  Das 
oberste  Flötz  war  bei  5 Fuss  und  darüber  mächtig,  ist  jedoch  bereits  gänzlich 
abgebaut  worden;  unter  diesem  folgt  ein  ganz  schwaches  Flötzchen  ohne  Bedeu- 
tung. Dann  folgen  zwei  Schieferflötze  bei  20  Klafter  von  einander  durch  Kalk- 
mergel getrennt,  das  obere  ist  bei  6 Fuss,  das  untere  bei  1 bis  1 1/3  Fuss 
mächtig,  unmittelbar  damit  ist  ein  gleich  mächtiges  Kohlenflötz  in  Verbindung. 
Da  der  Schiefer  gasreich  ist  und  zur  Leuchtgaserzeugung  verwendet  wird,  so 
werden  beide  Kohlen-  und  Schieferflötze  gleichzeitig  abgebaut.  Etwa  20  Klafter 
unter  dem  letztgenannten  Schieferlager  befindet  sich  das  nächste  abbauwürdige 
Kohlenflötz;  dazwischen  jedoch  sind  mehrere  schmale  Kohlenflötzchen,  worunter 
zwei  mit  etwa  je  ein  Fuss  Mächtigkeit,  was  jedoch  zu  gering  ist,  um  sie  abzu- 
bauen. Das  vorerwähnte  abbauwürdige  ist  im  Durchschnitte  bei  3 Fuss  mächtig, 
mit  durchaus  schöner  Kohle;  das  zunächst  um  etwa  24/a  Klafter  tieferliegende 
nächstfolgende  Flötz  ist  zwischen  3 und  4 Fuss,  stellenweise  auch  5 bis  6 Fuss 
mächtig,  ist  jedoch  durch  ein  bei  1 bis  2 Fuss  mächtiges  taubes  Mittel  in  zweiTheile 
geschieden.  Unter  diesem  Flötze  wurden  noch  drei  kleinere  Flötze,  eines  mit 
1 Fuss,  das  andere  mit  */4  bis  1 Fuss  und  das  dritte  mit  etwa  2 Fuss  Mächtig- 
keit aufgeschlossen.  Der  obere  Theil  aller  dieser  Flötze  ist  bereits  gänzlich 
abgebaut;  zum  Aufschlüsse  des  tieferen  Theiles  der  Mulde  wurde  der  Papado- 
pulo-Unterbaustollen  angelegt,  der  in  der  219.  Klafter  den  südlichen  Flügel  des 
untersten  abbauwürdigen  Kohlenflötzes,  sowie  auch  die  darüber  liegenden  Kohlen- 
und  Schieferflötze  erreichte  und  in  der  Fortsetzung  auch  den  nördlichen  Flügel 
dieser  Flötze  erreichen  wird.  Durch  denselben  wird  das  ganze  noch  vorhandene 
Kohlenfeld  aufgeschlossen  werden.  Die  Erzeugung  betrug  auf  diesem  Kohlen- 
werke, welches  der  Societä  montanistica  Veneta  gehört,  in  den  letzten  Jahren 
durchschnittlich  bei  100.000  Centner  Kohle.  Die  Kohle  ist  von  sehr  guter 
Beschaffenheit,  fest,  muschelig  im  Bruche,  zerfällt  nicht  leicht,  gibt  beim  Erhauen 
bei  *8/5  Stückkohle  und  3/5  Gries  und  bei  10  Centner  derselben  bilden  das 
Aequivalent  einer  Klafter  30zölligen  weichen  Holzes. 

Herr  k.  k. Bergrath  M.  V.  L i p 0 1 d sprach  über  die  Basalte  in  der  Umgebung  von 
Pardubitz  in  Böhmen.  Es  sind  dies  zwei  Vorkommnisse  von  Basalt,  welche  unter 
den  bekannten  Basaltvorkommen  Böhmens  am  meisten  nach  Südosten  vorgeschoben 
erscheinen.  Das  eine  bildet  den  Kunetitzer  Berg,  welcher  sich  x/ 2 Meile 
nordöstlich  von  Pardubitz  unweit  des  Dorfes  Kunetitz  am  rechten  Elbeufer 
ungefähr  60  Klafter  hoch  als  ein  isolirter  Fels  mitten  aus  der  grossen  Pardubitzer 
Alluvialebene  erhebt,  und  dessen  Gipfel  die  Burgruine  Kunak  ziert.  Der  Basalt 
dieses  Berges  wird  in  mehreren  Steinbxmchen  ausgebeutet.  Das  zweite  Basalt- 
vorkommen befindet  sich  4/4  Meile  östlich  von  Pardubitz,  und  besteht  in  einem 
fast  Ya  Meile  langen,  aber  nur  10  bis  50  Klafter  breiten  Gange,  welcher  sich  als 
eine  kaum  2 bis  5 Klafter  hohe  Erhebung  über  der  Ebene  kenntlich  macht,  und 
vom  Elbeflusse  nächst  Hurka  über  Spojil  in  südöstlicher  Bichtung  bis  zur  Eisen- 
bahn erstreckt,  und  sich  sodann  in  südwestlicher  Richtung  verliert. 


156 


Verhandlungen. 


w 


Ueber  den  Kunetitzer  Basaltberg  und  über  den  Spojiler  Basaltgang  hat  Herr 
Egid  Jahn,  Chemiker  in  Prag,  in  der  cechischen  Zeitschrift  „Ziva“  sehr 
sehätzenswerthe  umfassende  Mittheilungen  gemacht,  in  welchen  nicht  nur  eine 
genaue  und  detaillirte  topographische  und  naturhistorische  Beschreibung  dieser 
Basalte,  sondern  auch  deren  chemische  Zusammensetzung  und  die  Nachweisung 
ihrer  eruptiven  Natur  enthalten  ist.  Herr  Bergrath  Lipoid  gab  aus  diesen  Ab- 
handlungen die  wichtigsten  von  Herrn  Egid  Jahn  aus  seinen  Untersuchungen 
gewonnenen  Resultate .mit  dem  Bemerken  bekannt,  dass  dieselben  seinen  eigenen 
während  der  geologischen  Aufnahme  des  vorigen  Sommers  an  Ort  und  Stelle 
gepflogenen  Erhebungen  vollkommen  entsprechen,  und  letztere  wesentlich  för- 
derten und  erweiterten. 

Der  Basalt  des  Kunetitzer  Berges  ist  dunkel  oder  licht  graugrün 
von  Farbe,  tlieils  dicht,  körnig  und  klingend,  theils  porös  mit  vielen  Drusen- 
räumen. Die  Grundmasse  desselben  besteht  aus  basaltischer  Hornblende,  aus 
Feidspath  und  geringen  Mengen  von  Magneteisen. 

Die  Analyse  des  Feldspathes,  welche  in  100  Theilen : 

23-608  Thonerde,  11-212  Kali, 

1-048  Magnesia,  61-797  Kieselsäure 

1-528  Kalk, 

ergab,  veranlasste  Herr  Jahn,  denselben  als  einen  Sanidin  zu  bezeichnen,  der 
auch  in  dünnen  Spalten  krystallisirt  zu  finden  ist.  In  der  Grundmasse  sind  auch 
einzelne  Glimmerblättchen,  häufig  aber  Kalkspathkrystalle  zerstreut  enthalten,  ln 
den  Drusenräumen  erscheinen:  Analcim  in  Leucitoedernbis  % Zoll  Grösse;  Mesotvp 
gewöhnlich  in  der  Form  P.  P -f-  oo  in  Nadeln  bis  1 Zoll  Länge  und  2 Zoll  Stärke; 
Pyrit,  selten,  auf  Mesotypnadeln  zerstreut,  in  kleinen  Hexaedern : und  Kalkspath.  in 
Formen  von  R.  R -j-  ooals  Säulen  bis  2%  Zoll  Länge  und  1 Zoll  Stärke.  Die  gewöhn- 
lichen Gemengtheile  der  Basalte,  Sphen  und  Olivin  fehlen.  Der  Basalt  ist  der 
Verwitterung  leicht  zugänglich,  und  dessen  specifisches  Gewicht  variirt  je 
nach  der  grösseren  oder  geringeren  Verwitterung  zwischen  2-406  und  2*578. 
nach  Reuss  bis  2-730.  Er  tritt  im  Grossen  in  plattenförmigen  Absonderungen 
auf;  die  Platten  sind  steil  stehend  und  durch  Querklüfte  in  Tafeln  oder  Blöcke 
getheilt.  Diese  verschiedenen  Eigenschaften  nähern  den  Kunetitzer  Basalt  den 
Phonoliten  oder  manchen  Trachyten;  indessen  gab  die  Analyse  desselben  und  die 
Vergleichung  derselben  mit  den  Analysen  anderer  typischer  Basalte,  insbeson- 
dere jenes  von  Wolfsberg  bei  Cernosin  und  jenes  des  Spojiler  Ganges,  Herrn 
Jahn  die  Veranlassung,  das  Kunetitzer  Gestein  dennoch  als  Basalt  zu  bezeich- 
nen, hauptsächlich  wegen  des  geringen  Gehaltes  an  Kieselsäure,  der  bei  den 
Basalten  im  Allgemeinen  40  bis  50%  beträgt,  bei  den  Phonoliten,  Trachytert  und 
Melaphyren  aber  grösser  ist,  und  wegen  des  bedeutenden  Gehaltes  an  Eisen. 

Die  Analysen  ergaben  die  auf  der  nächsten  Seite  verzeichneten  Resultate. 

Der  Basalt  des  Spojiler  Ganges  unterscheidet  sich  in  vielfacher 
Beziehung  von  jenem  des  Kunetitzer  Berges.  Er  hat  eine  dunkelbraungrüne  bis 
schwarze  Farbe,  ist  dicht  und  sehr  hart,  und  enthält  fast  keine  Drusen  und 
Hohlräume.  Seine  Hauptgemengtheile  sind  Labrador  und  Augit,  mit  denen  stets 
auch  Magneteisen,  Olivin  und  schwarzer  Magnesiaglimmer  auftreten.  Ausserdem 
erscheinen  in  der  Grundmasse  zerstreute  Krystalle  von  basaltischer  Hornblende 
und  Körner  von  weissem  Kalkspath.  Er  widersteht  ausserordentlich  der  Verwit- 
terung und  besitzt  ein  specifisches  Gewicht  von  2*924.  Im  Grossen  zeigt  sich 
an  diesem  Basalte  am  linken  Elbeufer  deutlich  die  den  Basalten  eigenthiimliche 
säulenförmige  Absonderung. 


0 Jahrgang  1859,  4.  Haft,  Seite  197.  Prag. 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  M.  V,  Lipoid. 


157 


[»] 


Basalt  von 

Kunetitzer  Berg 

Wolfsberg 

Spojil 

Kieselsäure 

42-00 

42-40 

38-72 

Eisenoxyd  *) 

18-61 

26-74 

19-20 

Thonerde . 

18-80 

11-80 

14-43 

Alkalien  

7 -SO 

4-40 

6-30 

Kalk  

4-20 

10-96 

9-72 

Manganoxydul  

0-75 

0-74 

0-63 

Magnesia 

0-59 

0-22 

0-94 

Kohlensäure  

2-20 

— 

— 

Phosphorsäure 

0-63 

0-76 

0-76 

Titansäure  

Spur 

— 

— 

Fluor 

— 

— 

Chlor . 

0-04 

— 

— 

Schwefeleisen 

0-06 

— 

— 

Hygroskopisches  Wasser 

0-80 

— 

— 

Glühverlust 

4-93 

3-30 

6-70 

Ungeachtet  dieser  Verschiedenheit  in  den  Basalten  des  Kunetitzer  Berges 
und  des  Spojiler  Ganges  verdanken  dennoch  beide  ohne  Zweifel  derselben  erup- 
tiven  Bildung  ihre  Entstehung.  Der  Spojiler  Basaltgang,  dessen  Ausbeissen  am 
Elbefluss  nur  */4  Meile  vom  Kunetitzer  Berge  entfernt  ist,  würde  in  der  nach 
nordwestlich  verlängerten  Streichungsrichtung  nahezu  den  letztem  treffen.  Bei  bei- 
den Basaltvorkommen  beobachtet  man  einen  pyrogenen  Einfluss  auf  das  Nebenge- 
stein, u.  z.  auf  Plänermergel,  welche  die  Unterlage  der  Pardubitzer  Alluvialebene 
bilden,  und  durch  die  Basalteruptionen  zum  Theile  an  den  Tag  gefördert  wurden, 
besonders  am  Kunetitzer  Berge,  an  dessen  Gehängen  mehrere  gehobene  Schollen 
von  Plänerschichten  beobachtet  werden.  Beide  Basalte  enthalten  nahe  den  Con- 
tactflächen  Stücke  von  Plänermergeln  eingeschlossen.  Sowohl  diese  Stücke,  als 
auch  überhaupt  die  dem  Basalte  zunächst  liegenden  Plänerschichten  erscheinen 
mannigfach  verändert  und  gefrittet.  Die  sonst  weichen  blaugrauen  Plänermergel 
sind  in  der  Nähe  der  Basalte  licht,  u.  z.  lichtgrau,  weiss,  gelblich,  lavendel- 
blau u.  s.  w. , gefärbt,  hart  und  zähe,  zum  Theil  jaspisartig,  lieferten  aber 
ungeachtet  dessen  dem  Herrn  Jahn  Plänerversteinerungen,  besonders  Forami- 
niferen. Herr  Jahn  hat,  um  den  Einfluss  des  Basaltes  auf  die  Plänermer- 
gel und  deren  Veränderung  durch  den  Basalt  nachzuweisen,  Analysen  ver- 
schiedener Plänermergel  vorgenommen,  weiche  Herr  Bergrath  Lipoid  mittheilte. 
Plänermergel  von  Nr.  I,  II  und  III  sind  in  unmittelbarem  Contact  mit  dem  Basalte, 
jene  von  Nr.  IV  incl.  VIII  befinden  sich  in  der  Nähe  der  Basalte,  jene  von  Nr.  IX 
incl.  XI  rühren  von  anderen  von  Basalten  entfernten  Fundorten  (Kerhleb-Neu- 
königgrätz)  her.  Nr.  IV,  V,  VII  und  VIII,  sämmtlich  aus  den  Plänerschollen  des 
Kunetitzer  Berges,  führen  Versteinerungen  ( Ananchytes  ovata  Lam.,  Dentalium 
medium  Sow .,  Rostellaria  Reussi  Gein .,  Cerithium  Luschitzianum  Gein.,  Fora- 
miniferen und  Gasteropoden)  und  Nr.  VIII  bildet  die  höchste  Schichte  einer 
solcher  Plänerscholle. 

Die  Analysen  ergaben: 


J)  Das  Eisen  ist  hei  allen  Analysen  als  Oxyd  angeführt;  jedoch  erscheint  dasselbe  auch  in 
grösseren  Mengen  als  Oxydul  im  Gesteine. 


158 


Verhandlungen. 


r«i 


! 


I. 

II. 

Hl. 

IV. 

V. 

VI. 

VII. 

VIII. 

IX. 

X. 

XI. 

Kohlensäuren  Kalk  . . 

5*00 

13*63 

5*40 

9 11 

27*27 

1003 

10*48 

15  49 

15*60 

45*01 

14  43 

Kohlensäure  Magnesia 

0-46 

— 

9*99 

— 

— 

— 

— 

— 

1*76 

— 

2-66 

Aetzkalk 

— 

8*41 

— 

2*96 

4*37 

221 

3 52 

3*54 

— 

— 

— 

Freie  Magnesia 

— 

1*88 

— 

0*64 

2*64 

0*50 

1-04 

1*08 

— 

— 

— 

Kalk  als  Silicat 

4-98 

4*24 

1*80 

0*63 

1*97 

0*27 

0*34 

1*56 

0*28 

1*16 

0*31 

Magnesia  als  Silicat  . 

1-45 

1*52 

0*92 

111 

1*42 

0*68 

0*98 

1*78 

0*46 

029 

0*19 

Eisenoxyd 

13*42) 

15*60 

14  * 20 1 

9*84 

10*57 

3*88 

16*94 

8*70 

5 11 

8-24 

1 8 32 

Thonerde  

7*62f 

12*20 

11*03 

6*90 

7*93 

14*62 

11*76 

5*03 

15*08 

Alkalien 

4*84 

2*24 

2*48 

Spuren 

Kieselsäure 

59*69 

47*40 

61*00 

52*50 

34  81 

6816 

49*90 

47*64 

52*69 

,25-80 

47  • 02 

Schwefelsäure 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Spuren 

0-41 

Glühverlust 

2*40 

5*00 

4 20 

10*60 

7*00 

720 

8-20 

5*60 

12*40 

14*40 

11-20 

Specifisches  Gewicht 

2*686 

2*716 

2*560 

2*126 

2*383 

2*416 

2-340 

2*303 

2*122 

2 483 

— 

Bei  Vergleichung  dieser  Analysen  ergeben  sich  folgende  Resultate:  Der 
Aetzkalk  und  die  freie  Magnesia  in  den  Plänern  nächst  dem  Basalte  thun  dar,  dass 
letzterer  aus  den  ersteren  die  Kohlensäure  austrieb;  — durch  Einwirkung  des 
Basaltes  verlor  der  Pläner  ausser  Kohlensäure  noch  Wasser,  zum  Theil  die 
organischen  Reste , und  die  allfällig  vorhandene  Schwefelsäure,  dagegen  nahm 
er  dafür  Kieselsäure  und  Alkalien  aus  dem  Basalte  auf ; — endlich  vergrösserte 
sich  durch  Einfluss  des  Basaltes  das  specifische  Gewicht  der  Plänermergel. 

Herr  Heinrich  Wolf  berichtete  über  die  geologische  Aufnahme  des  Vrduik- 
gebirges,  welches  am  rechten  Ufer  der  Donau  zwischen  lllok  und  Peterwardein, 
in  einer  Ausdehnung  von  ungefähr  12  Quadratmeilen,  und  einer  mittleren  See- 
höhe von  1000  Fuss  sich  erhebt. 

Das  Vrdnikgebirge  wird  nach  dem  griechischen  Kloster  Vrdnik,  am  Südab- 
hange  desselben  am  halben  Wege  zwischen  Peterwardein  und  Ruma  in  Syrmien 
gelegen,  so  genannt;  es  ist  eine  jener,  aus  älteren  Gesteinen  bestehenden  insel- 
artigen Erhebungen,  die  in  den  Ländern  zwischen  der  Drau  und  der  Save  aus  den 
sie  rings  umgebenden  alluvialen  und  diluvialen  Ebenen  oder  auch  jungtertiärem 
Hügellande  emporragen,  wie  auch  z.  ß.  das  Papuk-  oder  Poseganer-Gebirge,  oder 
wie  das  Kalnik-  und  Ivancziea-Gebirge. 

ln  geologisch-geographischer  Beziehung  bildet  das  Vrdnikgebirge  bei  Peter- 
wardein so  wie  das  Leithagebirge  hei  Wien,  mit  welchem  es  mehrfache  Analogie 
besitzt,  ein  wichtiges  Glied  in  jenem  grossem  Ringe,  zu  welchem  die  Central- 
kette der  Alpen,  durch  ihre  Spaltung  bei  Gratz  in  einen  nach  Nordost,  und  einen 
nach  Südost  verlaufenden  Zweig  sich  öffnet. 

Diese  Zweige,  gegen  Nordost  mit  dem  Wechsel-  und  dem  Rosaliengebirge, 
südöstlich  aber  mit  dem  Baehergebirge  und  den  croatisch-slavonischen  Bergen 
beginnend,  von  der  Donau  bei  Pressburg  und  Peterwardein  durchrissen,  um- 
schliessen  durch  ihre  Wiedervereinigung  in  den  karparthischen  und  sieben- 
bürgischen  Alpen  das  alte  Pannonien. 

Von  der  geologischen  Zusammensetzung  des  Vrdnikgebirges  gaben  uns  die 
Karten  von  Beudant  und  Parts ch,  welche  Letztere  in  Haidinger's  geogno- 
stischer  Uebersiehtskarte  der  österreichischen  Monarchie  aufgenommen  wurde, 
zuerst  ein  Bild.  Die  Karte  von  Beudant,  welche  in  dem  ganzen  Gebirgsrücken 
nur  Euphotid  (Serpentin)  und  Molasse  angibt,  beweist,  dass  Beudant  dieses 
Gebiet  selbst  nicht  betreten  hat,  denn  nur  ein  flüchtiger  Besuch  von  Part  sch 
wies  schon  einen  krystallinischen  Kern  mit  Kalkzügen,  durchbrochen  von  einer 
Grünsteinmasse  und  umschlossen  von  einer  Leithakalkzone,  in  welcher  südlich 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  II.  Wolf. 


159 


[7] 

und  nördlich  des  Kernes  Serpentine  auftreten,  nach.  Obwohl  die  Begehung  im 
verflossenen  Herbste,  von  welcher  der  Bericht  hier  gegeben  wird,  ebenfalls  nur 
eine  flüchtige  genannt  werden  kann,  da  sie  nicht  über  acht  Tage  erstreckt  werden 
konnte , so  constatirte  sie  doch  mit  mehr  oder  weniger  Sicherheit  das  Vorkom- 
men von  Thonschiefern  (Phylliten),  krystallinischem  Kalk,  Grauwackensandsteinen 
und  Kalk,  Culmsandsteinen  und  Conglomeraten  einem  jüngeren  Sandsteine,  wahr- 
scheinlich obere  Kreide,  dann  einer  Zone  miocener  Schichten,  aus  Leithakalk, 
brackischen  Mergeln  (Cerithien-  und  Congerien-Etage),  welche  zur  Zeit  der 
Serpentin-  und  Trachytbildung  mannigfach  verändert  wurden.  Diese  Schichten 
werden  sämmtlich  bis  auf  bedeutende  Höhen  vom  Löss  bedeckt. 

Die  Urthonschiefer  (Phyllite)  wechselnd  mit  Quarzschiefer  und  krystallini- 
schem, schieferigem  Kalk  bilden  den  Kamm  des  Gebirges,  von  dem  Kloster  Köver- 
din  bei  Divos,  bis  in  die  Nähe  des  Klosters  Vrdnik  in  der  Strecke  von  3 Meilen. 
An  der  Südseite  werden  sie  von  Leithakalken  und  noch  jüngeren  Schichten 
zunächst  begrenzt  und  eingeengt,  nur  bei  Kloster  Jazpk,  wo  die  Leithakalkzone 
durch  Serpentineruptionen  zerrissen  wurde,  zeigen  die  Phyllite  eine  grössere 
Breitenausdehnung.  Hauptsächlich  nach  Norden  verflachend,  finden  sich  die  ihnen 
conform  aufgelagerten  Schichten  auch  nur  an  der  Nordseite  des  Kammes.  Zunächst 
sind  es  weisse  grobe  Quarzitsandsteine,  ganz  gleich  jenen,  welche  bei  Petrovitz 
und  Bittberg  in  Mähren  unter  den  Devonkalken  und  bei  Freudenthal  in  Schlesien 
weit  im  Liegenden  der  Culmsandsteine  Vorkommen,  sie  gehen  in  feinkörnigere, 
graubraune  sehr  feste  Sandsteine  über,  welche  endlich  mit  Schiefern  wechseln, 
in  welchen  ein  röthlicher,  etwas  thoniger  dichter  Kalk  mit  muschligem  Bruch 
eingelagert  ist.  Diesen  nicht  näher  bestimmten  Grauwackenschichten  folgen  zu- 
nächst gegen  Norden,  aber  noch  südlich  von  Grabovo,  Kloster  Beocsin  und 
Ledince,  dunkle,  grünlich  graue  mattglänzende  Thonschiefer,  glimmerige,  im 
frischen  Bruche  feste  hellgraue  Sandsteine,  in  denen  südlich  von  Kamenitz,  an 
der  Strasse  gegen  Iregh,  unweit  der  Truska  gora,  spärliche  Pflanzenreste  Vor- 
kommen. Auch  Conglomerate  kommen  in  der  Nähe  der  Truska  gora  vor,  die  aus 
den  verschiedensten,  krystallinischen  Gesteinen  bestehen.  Diese  Gesteine  bilden 
dann  gegen  Ost  allein  den  Kamm  des  dicht  bewaldeten  Gebirges,  bis  gegen 
Kloster  Bemete,  sie  bedecken  dort  wahrscheinlich  übergreifend  die  nicht 
mehr  sichtbaren  tieferen  Grauwacken  und  Urthonschiefer,  und  haben  daselbst 
ihre  grösste  Verbreitung.  Für  eine  Parallelisirung  dieser  Gebilde  mit  den  Culm- 
schichten  in  Mähren  spricht  die  Analogie  der  Lagerungsverhältnisse,  und  die 
petrographische  Aehnlichkeit,  so  wie  die  übrigens  nicht  näher  bestimmbaren 
Pflanzenreste  (wahrscheinlich  Calamitenstengeln).  Nördlich  und  östlich  der  Truska 
gora,  in  dem  weiten  Thalkessel,  welcher  sich  3/4  Meilen  südlich  von  Kamenitz  öffnet, 
noch  südlich  von  Ledince  und  Bukovac,  erscheinen  gelbliche  nicht  sehr  feste  Sand- 
steine, von  verschiedenartigem  Korne,  mit  grünen,  röthlichen  und  auch  schwarzen 
Mergellagen  wechselnd,  sie  bedecken  dieCulmschichten  und  werden  von  Leithakalk 
hei  Ledince  überlagert.  Ihre  geologische  Stellung  bleibt  zwischen  diesen  Grenz- 
schichten noch  schwankend.  Einige  Anhaltspunkte  geben  nur  noch  Mergelkalke, 
welche  im  Donaubette  bei  Slankamen,  mit  gleichen  Mergelschieferlagen  ebenfalls 
unter  dem  dort  die  senkrechten  Abstürze  bildenden  Leithakalke  Vorkommen.  Sie 
erinnern  an  die  Mergelkalke  des  Wienersandsteines.  Diese  bisher  besprochenen 
Gesteine  bilden  den  Kern  des  Vrdnikgebirges  in  einer  Länge  von  West  gegen 
Ost  mit  5 Meilen,  und  in  der  Breite  von  Süd  gegen  Nord  von  y8  bis  3/4  Meilen. 
Diesen  Kern  umschliessen  nun  die  Zonen  des  Leithakalkes,  der  Mergel  (Cerithien- 
schichten)  und  der  Congerienschichten , welche  aber  meist  schon  vom  Löss  und 
derh  Thal-Diluvium  verdeckt  sind.  Schwer  ist  es  die  Grenze  des  marinen  Leitha- 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


V 


160 


Verhandlungen. 


[«] 

kalkes  gegen  die  brackischen  Cerithienschichten  zu  bestimmen,  da  gewiss  mehr- 
fach, wenn  auch  nur  durch  geringe  Schwankungen,  mariner  Boden  zu  brackisehem 
geworden  ist.  So  zeigen  die  weisslichen  Kalkmergel  von  dem  Horizonte  der 
Radobojmergel,  welche,  wie  Herr  Stur  nachwies,  die  Cerithienschichten  reprä- 
sentiren,  bei  Ledince  einen  mehrfachen  Wechsel  mit  Leithakalk ; und  dort  wo 
der  Kalkstein  fast  rein  erscheint  liefert  die  Fauna  einen  Beweis  für  derartige 
Schwankungen. 

So  findet  man  an  der  Donau  nordwestlich  bei  Slankamen  in  den  100  bis 
ISOFuss  hohen  Abstürzen,  auf  den  vorerwähnten  zur  Kreideformation  gerechneten 
Kalkmergeln  und  Thonschichten  eine  sandige  lockere  Rank  mit  zahlreichen,  meist 
zerbröckelten  Echinodermen.  gemengt  mit  vielen  Nulliporenkugeln,  darüber  liegt 
eine  Bank  mit  Ostrea  cochlear,  über  diese  folgt  eine  Kalkschicht  mit  Pectunculus 
polyodonta , das  Ganze  bei  4 Klafter  mächtig.  Nun  folgen  nach  Oben  sandige 
Schichten  mit  vereinzelten  Cerithium  rubiginosum , C.  pictum,  Trochus  patulus. 
Diese  Versteinerungen  werden  herrschend  in  der  Höhe  von  80  bis  100  Fuss  über 
den  unteren  rein  marinen  Lagen.  Noch  weiter  nach  oben  mengen  sie  sich 
zunächst  mit  Corbula  carinata,  noch  höher  finden  sich  die  Cerithien  vergesell- 
schaftet mit  Mytilus , Lucina  divaricata , Area  barbata  und  anderen  rein  marinen 
Arten,  weiter  aufwärts  ist  dann  Alles  mit  Löss  bedeckt.  Die  obersten  und  unter- 
sten Schichten  sind  also  marine  Kalke,  die  mittlere  Abtheilung  dagegen  Ceri- 
thienkalk. 

Von  mefamorphischen  oder  Eruptivgesteinen  findet  sich  am  meisten  ver- 
breitet der  Serpentin,  er  tritt  in  zwei  Zügen  parallel  dem  Kamme  des  Vrduik- 
Gebirges  südlich  und  nördlich  desselben  auf,  südlich  findet  er  sich  in  den  Urthon- 
schiefern,  nördlich,  hauptsächlich  in  den  Grauwackenschiefern.  Er  bildet  nicht 
stockförmige  Massen,  sondern  scheint  in  genannten  Schiefern  eingelagert  oder 
sogar  aus  denselben  entstanden  zu  sein.  Diese  Ansicht  gewinnt  noch  mehr  Bestand 
durch  die  ganz  von  diesen  Zügen  abgesonderte  Partie  Serpentins  bei  der  Feste 
Peterwardein.  Dort  ist  er  ganz  massig,  aber  am  Ausgang  gegen  das  Thor  von 
Kamenitz  sieht  man  eine  Schichtsonderung,  hervorgebracht  durch  eine  dünne 
Lage  von  gebranntem  Urthonschiefer  von  derselben  Beschaffenheit,  wie  jener  an 
der  Nordseite  des  Vrdnikgebirges , dieser  Schiefer  streicht  ostwestlich  und  fällt 
südlich. 

Trachyt  wurde  häufig  in  Geschieben  in  dem  Graben  südwestlich  von  Ledince 
aufgefunden;  dieselben  stammen  unzweifelhaft  aus  dem  hintersten  Winkel  dieses 
Grabens;  auch  noch  an  anderen  Stellen  des  dicht  bewaldeten  Gebietes  mag 
dieses  Gestein  Vorkommen  und  mit  die  vielfachen  Umänderungen  bewirkt  haben, 
welche  man  an  den  Sedimentgesteinen  beobachtet. 

Herr  Dr.  F.  Stoliczka  knüpfte  an  die  Vorlage  einer  Sendung,  bestehend 
aus  bearbeiteten  Feuersteinen  und  einigen  Thierresten  der  Diluvialzeit,  welche 
Herr  Boucher  de  Perthes1).  Präsident  der  Socidtd  d' Emulation  zu  Abbeville, 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  als  Geschenk  übermittelt  hat,  folgende 
Erläuterungen. 

Die  Gegend  von  Abbeville,  im  Departement  der  Somme  gelegen,  ist  schon 
seit  einer  Reihe  von  Jahren  als  eine  der  lehrreichsten  für  das  Studium  der 
Diluvial-Schicbten  und  der  ältesten  menschlichen  Ueberreste  bekannt.  Das  Thal 
der  Somme  ist  nämlich  grossentheils  mit  Diluvial- Schotter,  Sand  und  Lehm,  und 
zwar  stellenweise  in  ansehnlicher  Mächtigkeit  ausgefüllt,  welche  Absätze  die 


*)  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  19.  November  1861.  Bd.  XII,  S.  103. 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  Dr.  F.  Stoliczka. 


161 


[»] 

Reste  der  ältesten,  menschlichen  Industrie  einschliessen.  Den  unermüdlichen 
Bemühungen  des  gelehrten  Archäologen  Boucher  de  Perthes  verdankt  man 
eine  genaue  Kenntniss  dieser  Ablagerungen  und  die  erste  richtige  Deutung  der 
darin  vorkommenden  zugehauenen  Feuersteine  und  bearbeiteten  Knochenfrag- 
mente. 

In  der  Eröffnungsrede  der  British  Association  zu  Aberdeen  1869  erwähnt 
Sir  Charles  Lyell,  dass  man  diese  Schichten  bereits  in  einer  Erstreckung  von 
15  engl.  Meilen  kennt  und  aus  denselben  über  1000  Stück  Feuersteine  aus- 
gehoben hatte.  Durch  das  Vorkommen  der  grossen  ausgestorbenen  Säugethiere, 
welche  wir  bei  uns  theils  im  Löss,  theils  in  Höhlen  finden,  wie  Rhinoceros  ticho- 
rhinus,  Elephas  primigenius , Hyaena  spelaea,  Cervus  euryceros,  Bos  primi- 
genius  und  priscus  u.  a. , sind  wohl  diese  Sedimente  als  echtes  Diluvium 
hinreichend  charakterisirt. 

Das  Erscheinen  des  1.  Bandes  der  Antiquites  celtiques  et  antediluviennes 
von  Boucher  de  Perthes  im  Jahre  1847,  rief  zwischen  den  Fachmännern 
einen  ziemlich  heissen  Streit  hervor,  der  bis  in  die  neuere  Zeit  fortdauerte.  Erst 
nachdem  Dr.  Rigollot  ähnliche  Ueberreste  ganz  unter  denselben  Verhältnissen 
bei  Amiens  entdeckte,  nahmen  sich  auch  die  englischen  Geologen  und  Archäo- 
logen wie  Prestwich,  Horner,  Flower,  Evans  u.  a.  der  Sache  mit  viel 
mehr  Interesse  an,  und  waren  meistens  bemüht  genaue  Studien  an  Ort  und  Stelle 
zu  machen.  Eine  grosse  Reihe  kleinerer  und  grösserer  Schriften  knüpft  sich  an 
die  Herausgabe  des  2.  Bandes  der  Antiquites  celtiques  et  antediluviennes,  wie  in 
neuerer  Zeit  die  umfassende  Arbeit  von  Prestwich  in  den  Philosophical  Trans- 
actions, Vol.  ISO,  part.  II,  1860 , so  wie  Herrn  de  Perthes  letzte  Arbeit 
„l’homme  antediluvien  et  ses  oeuvres  1860“,  worin  er  noch  einmal  die  wichtig- 
sten Resultate  bespricht.  Nunmehr  scheint  der  Streit  beglichen  zu  sein  und  die 
ersten  Autoritäten  haben  sich  bereits  für  die  Ansichten  und  zum  grossen  Theil 
auch  für  die  Erklärungsweise  des  Herrn  Boucher  de  Perthes  ausgesprochen. 

Im  ersten  Bande  der  Antiquites  nimmt  Herr  de  Perthes  für  die  Zeit  vom 
Diluvium  herauf  acht  Abschnitte  an,  und  zwar:  Die  Diluvial -Epoche,  die  vor- 
keltische, keltische,  gallo-keltische,  gallo-römische,  römische,  die  mittlere  (Ueber- 
gangszeit  vom  zerstreuten  zum  geselligen  Leben)  und  schliesslich  die  moderne 
Epoche.  Nur  mit  den  drei  erstgenannten  beschäftigt  sich  der  erste  Band,  während 
der  zweite  neben  diesen  auch  ein  reiches  Material  aus  der  jüngeren  Zeit  bear- 
beitet. Eine  reiche  Auswahl  der  bezeichnendsten  Formen  aus  der  grossen  Samm- 
lung des  Herrn  Boucher  de  Perthes,  welche  auf  zahlreichen  Tafeln  abgebildet 
sind,  tragen  wesentlich  zum  Verständniss  bei  und  unterstützen  die  Auffassung  und 
Beurtheilung  der  Gegenstände. 

Die  übersendeten  Reste  gehören  drei  Epochen  an  und  zwar  der  diluvialen, 
der  keltischen  und  der  gallo-keltisehen  Zeit. 

Aus  den  Diluvialablagerungen  der  Gegend  von  Abbeville  und  Amiens  liegen 
9 Stücke  vor,  darunter  einige  Aexte  von  besonderer  Schönheit  und  Grösse.  Die 
meisten  zeigen  Spuren  von  Abnützung.  Ausserdem  befinden  sich  von  dort  einige 
Knochenfragmente  von  Extremitäten,  die  vielleicht  dem  Bos  priscus  angehören 
und  ein  ungewöhnlich  grosser  Zahn  aus  dem  Oberkiefer  eines  Pferdes. 

Eine  kleine  Partie  Diluvial-Sand  von  Menchecourt  aus  einer  Tiefe  von  bei- 
läufig 8 Meter,  worin  zugleich  zahlreiche  Knochenreste  in  stark  zerriebenem 
Zustande  sich  befinden , Hessen  folgende  Arten  von  Conchylien  bestimmen  : 
Planorbis  marginatus  Drap. , PL  carinatus  Müll.,  Cyclostoma  elegans  Drap., 
Helix  pulchella  Müll.,  Bythinia  tentaculata  Lin.,  Limnaeus  per  eg  er  Drap.,  Pisi- 
dium  cfr.  amnicum  Müll.,  Bruchstücke  einer  grossen  Helix,  ferner  eines  Cardium 


162 


Verhandlungen. 


[10] 

und  Donax.  Alle  gehören  noch  lebenden  Arten  an  und  gerade  solchen,  die  fast 
durch  ganz  Europa  verbreitet  sind.  Einige,  wie  Bytliinia  tentaculata,  Planorbis 
carinatus  und  das  Pisidium  treten  schon  zur  Zeit  der  Ablagerungen  unserer 
Inzersdorfer  Schichten  auf,  Helix  pulchella  hat  sich  in  die  Hochalpen  zurück- 
gezogen, während  die  Reste  der  marinen  Schalen  vielleicht  als  Küchenabfalle  der 
„Steinmenschen“  anzusehen  sind. 

Die  keltische  Zeit  ist  mit  27  Stücken  vertreten,  die  zumeist  aus  den  Torf- 
mooren bei  Abbeville  stammen.  Die  Feuersteine  sind  durchaus  kleiner,  zeigen  keine 
Spur  einer  Erosion  und  manche  sind  von  ausnehmender  Schärfe  an  den  Kanten, 
als  wenn  sie  erst  jetzt  zugeschlagen  wären.  In  der  Bearbeitung  zeigen  sie  von 
den  ersteren  keinen  erheblichen  Unterschied,  denn  von  den  vielen  polirten 
Steinäxten,  welche  de  Perthes  aus  dieser  Zeit  abbildet,  befinden  sich  keine 
darunter. 

Die  mit  den  keltischen  Feuersteinen  gefundenen  Thierreste  gehören  dem 
Cervus  euryceros  (zwei  Geweihbruchstücke),  dem  Equns  fossilis  (ein  Backen- 
zahn, erste  Halswirbel,  zwei  Metacarpus  mit  den  ersten  Zehengliedern  von  einem 
Vorder-  und  einem  Hinterfuss,  ein  Calraneus  und  mehrere  Rippenbruchstücke), 
einem  Schwein,  von  dem  zwei  Eckzähne  vorliegen.  Bruchstücke  eines  schwach 
gebrannten  und  sehr  roh  gearbeiteten  Gefässes  enthalten  sehr  viel  groben  Sand 
beigemischt. 

Aus  der  etwas  späteren  gallo-keltischen  Epoche  übersandte  Herr  Boucher 
de  Perthes  nur  drei  Stücke,  die  sich  aber  durch  ihre  schöne  Politur  und  sehr 
deutliche  Spuren  einer  früheren  Benützung  von  den  anderen  auszeichnen.  Das 
eine  Stück  ist  von  der  Form  eines  Meisseis,  länglich  oval,  flach,  an  einer  Seite 
etwas  breiter  und  mit  gerader  Schneide,  an  der  anderen  Seite  schmäler  uud  abge- 
rundet zugeschärft;  es  dienten  gewöhnlich  diese  Art  Meissei  zum  Abhäuten  oder 
Bearbeiten  der  Thierbälge.  Die  anderen  zwei  Stücke  haben  die  gewöhnliche  Axt- 
form. An  dem  oberen,  stumpfen  Ende  besitzen  sie  beiderseits  je  eine  Querrinne, 
die  vielleicht  zum  Zwecke  der  besseren  Befestigung  in  einem  gespaltenen  Stiel 
ausgeschlagen  wurde,  wobei  dann  der  Stiel  wieder  mit  Bast  oder  später  mit  Lein 
zusammengebunden  wurde.  Diese  Art  der  Befestigung  von  Steinäxten  scheint 
eine  ziemlich  verbreitete  und  ausgiebige  gewesen  zu  sein,  da  an  manchen 
Pfählen  der  Schweizer- Seen,  die  der  Steinzeit  angehören,  Hiebe  Vorkommen 
sollen,  deren  Schärfe  denen  einer  Eisenaxt  nicht  viel  nachgibt.  Zu  den  kleineren 
Instrumenten,  wie  Meissei,  Messer  und  verschiedene  Stechwaffen  hat  man  Griffe 
meist  aus  Hirschgeweih  bereitet,  wie  man  sie  grösstentheils  in  dem  älteren  Dilu- 
vium findet.  Steinerne  Hämmer,  beiderseits  zugeschärfte  Spathe,  die  in  ähnlicher 
Weise,  wie  die  Aexte  befestigt  wurden,  waren  ebenfalls  im  Gebrauche.  Schleudern, 
die  in  einem  einfachen  am  Ende  mit  einer  Vertiefung  versehenen  Stabe  bestanden, 
worein  der  zum  Werfen  bestimmte  Stein  gelegt  wurde,  ja  selbst  eine  ganz  eigen- 
thümliche  Schusswaffe,  zeichnet  Herr  Boucher  de  Perthes.  Diese  ist  in  der 
That  so  ungekünstelt,  als  es  sich  nur  denken  lässt.  Ein  zweiarmiger  Ast,  an  dem 
ein  schwächerer  Arm  einwärts  gebogen  einen  in  eine  Rinne  des  zweiten,  dickeren 
Schenkels  gelegten  Pfeil  fortschleuderte,  ist  die  ganze  Mordwaffe.  Offenbar  konnte 
ein  solches  Gewehr  nur  so  lange  benutzt  werden,  als  der  dünnere  Schenkel  seine 
Elasticität  durch  Austrocknung  nicht  verlor. 

So  sehen  wir  die  ersten  Mittel,  die  ersten  Waffen,  mit  denen  der  Mensch 
sich  zum  Herrn  der  Schöpfung  aufwarf  und  sein  erlangtes  Uebergewicht  immer 
mehr  befestigte.  Lange  sträubte  man  sich  gegen  das  Vorkommen  fossiler  Menschen, 
doch  die  Thatsachen  haben  sich  namentlich  in  der  letzten  Zeit  so  sehr  gehäuft, 
dass  hierüber  wohl  alle  Zweifel  jetzt  beseitigt  sind. 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  Dr.  F.  Stoliczka. 


103 


tu] 


In  der  That  scheint  man  sich  blos  an  dem  Ausdrucke  „fossil“  durch  lange 
Zeit  gestossen  zu  haben.  Pictet  hat  in  einer  eigenen  Schrift1 2)  nachgewiesen, 
dass  unsere  ganze  Säugethier-Fauna  schon  während  der  Diluv  ialzeit  existirt  hat 
oder  wenigstens  ihre  unmittelbaren  Vorläufer  hatte.  Von  den  Mollusken,  insofern 
ihr  Vorkommen  nachweisbar  ist,  gilt  dasselbe  fast  ausnahmslos.  Die  eingetretenen 
klimatischen  und  Bodenveränderungen,  welche  sich  zweifelsohne  in  der  letzten 
Zeit  mehrmals  wiederholten,  veranlassten  nun  das  Aussterben  einiger  Arten, 
während  der  Mensch  sich  fort  erhielt.  Sicher  ist  es  aber  nicht  unmöglich,  dass 
auch  ein  ganzer  Menschenstamm  stellenweise  schon  in  der  frühesten  Zeit  aus- 
gestorben ist,  und  dass  man  seine  Reste  jetzt  nur  mit  anderen  ausgestorbenen 
Säugethieren  findet.  Und  insofern  ist  man  dann  gewiss  berechtigt  von  dem  Vor- 
kommen fossiler  Menschenreste  zu  sprechen. 

Wenn  man  auch  für  den  Anfang  der  Steinperiode,  die  gewiss  sehr  lange 
gedauert  hat,  eine  Jahreszahl  annehmen  muss,  die  ziemlich  weit  unsere  Zeit- 
rechnung überlrifft,  so  ist  dennoch  die  Anwendung  von  Schneidewerkzeugen  und 
Waffen  aus  Stein  bei  weitem  nicht  so  vergessen,  ja  wir  sehen  dieselben  noch 
heutzutage  bei  manchen  wilden  Stämmen  im  Gebrauche. 

In  Nord-Amerika  traf  inan  zum  Theil  ganze  Strecken  im  Gebirge  zu  Feuer- 
steinwaffen ausgebeutet,  was  offenbar  einen  sehr  ansehnlichen  Zeitraum  voraus- 
setzt. D’Orbigny  fand  Instrumente  aus  Stein  gearbeitet  in  den  Diluvialthonen 
Süd-Amerika’s  3),  während  sie  Humboldt  bei  mehreren  wilden  Menschenstäm- 
men noch  in  Verwendung  sah.  DeSaulcy  berichtet,  dass  die  Esquirnos  auf 
Grönland  sich  noch  jetst  steinerner  Äxte  und  Meisel  bedienen,  die  den  keltischen 
von  Abbeville  vollkommen  gleichen  und  aus  den  Gräbern  früherer  Bewohner  an  der 
Meeresküste  stammen  sollen3).  Prof.  Hochstetter  theilte  mir  gelegentlich  mit, 
dass  man  auf  Neuseeland  an  jedem  Haufen  einer  Niederlassung  einige  polirte 
Steinäxte,  ferner  Eckzähne  vom  Schwein  und  Muschelschalen  findet,  die  den 
Eingeborenen  als  Nahrung  dienten.  Man  sieht  hieraus  , dass  die  Einführung  des 
Metalls  den  Gebrauch  von  Steinwerkzeugen  noch  nicht  ganz  verdrängt  hat,  wovon 
auch  einige  Pfahlbauten  der  Schweiz  deutliche  Beweise  liefern.  Bezüglich  der 
Vorkommnisse  in  Oesterreich  verdanke  ich  H.  Prof.  Suess  folgende  Notizen:  Es 
ist  eine  unbezweifelte  und  den  Alter thumsforschern  wohl  bekannte  Thatsache, 
dass  Waffen  und  Werkzeuge  aus  Stein  neben  dem  Metalle  in  Europa  durch  lange 
wahrscheinlich  auch  noch  nachchristliche  Zeit  im  Gebrauche  gestanden  sind. 
Freiherr  Candid.  v.  Engelshofen  hatte  Prof.  Suess  zuerst  auf  das  sehr  häu- 
fige Vorkommen  von  behauenen  Feuersteinen  in  der  Umgebung  von  Eggenburg 
aufmerksam  gemacht.  Die  Vermuthung  von  Hrn.  Prof.  Suess,  dass  sich  auf  der 
isolirten  Kuppe  des  Vitusberges  heidnische  Alterthümer  finden  werden,  hatte  sich 
auch  bestätigt.  Ein  Besuch  mit  Freiherrn  von  Engelshofen  dahin  hat  auch  in  der 
That  gezeigt,  dass  das  bei  weitem  die  reichste  Fundstätte  für  ähnliche  Vorkommnisse 
ist,  welche  man  in  Nieder- Oesterreich  kennt.  Erinnert  der  Name  des  Berges 
schon  an  den  Swantewitcultus,  folglich  an  ein  Volk,  dem  religiöse  Anschauungen 
nicht  fehlten  , so  lassen  die  Vorkommnisse  , welche  der  fortgesetzte  Eifer  des 
Freiherrn  v.  Engelshofen  zu  Tage  gefördert  hat,  an  dem  verhältnissmässig 
geringen  Alter  derselben  nicht  zweifeln.  Sie  bestehen: 

1.  Aus  Feuerstein-  und  Hornstein-Erzeugnissen,  welche  ihrer  Gestalt  nach 
vollkommen  ident  sind  mit  jenen  der  englischen  Torfmoore.  In  einem  grösseren 


O Note  sur  la  periode  quaternaire ; Bibliotheque  universelle.  Aoiit  1860, 

2)  Bulletin  Soc.  Antiq.  de  Picardie  n.  2,  1839.  Reponse  par  Boucher  de  Perthes,  p.  9. 

3)  Nopinion  nation.  XI,  Septemb . 1839. 


164 


Verhandlungen. 


[12] 


Stücke  , wahrscheinlich  dem  Stosssteine  einer  Handmühle  angehörig  , befinden 
sich  zwei  Hohldrücke  von  Terebratella  pectunculoides  , wie  sie  in  den  Feuer- 
steinkugeln der  Umgebung  von  Brünn  Yorzukommen  pflegen. 

2.  Aus  höchstens  2 Zoll  grossen,  beilförmig  geschliffenen  Stücken  von  Horn- 
blendegestein, welche  trotz  ihrer  Kleinheit  offenbar  benützt  und  je  an  einer  Seite 
ihrer  Schneide  nachgeschliffen  sind. 

3.  Aus  Scherben  von  Töpferwaaren,  öfters  mit  Verzierungen  versehen ; auch 
kleine  Thonlampen  von  römischer  Form. 

4.  Fr.  v.  Engelshofen  schreibt,  dass  er  in  letzterer  Zeit  eine  Agraffe 
aus  Bronze  ebendaher  erhalten  hat.  — Eine  schön  gearbeitete  Pfeilspitze  mit 
gezähneltem  Bande  und  eine  eben  solche  kleine  Säge  aus  Feuerstein  hat  Fr.  v. 
Engelshofen  kürzlich  mit  Bronzeresten  aus  einem  Grabe  bei Buckendorf  erhal- 
ten. Bronze  wie  Feuerstein- Vorkommnisse  findet  man  übrigens  gar  nicht  selten 
zerstreut  in  einem  grossen  Theile  von  Nieder -Oesterreich  , wie  deren  mehrere 
z.  B.  vom  Custos  Seidel  beschrieben  wurden.  Auf  dem  Haselberge  bei  Strons- 
dorf  trägt  die  Kuppe  eine  dicke  Schichte  Humus,  während  die  Abhänge  des  Ber- 
ges fast  davon  entblösst  sind.  Man  glaubt  auf  derselben  die  Spuren  früherer 
Erdarbeiten  zu  bemerken.  Hier  haben  die  H H.  Kammei  jun.  zahlreiche  Scher- 
ben, Beste  von  Bindern,  ein  nicht  bearbeitetes  Hirschgeweih  und  Beile  von  Bronze 
entdeckt.  Das  grösste  beilartige  Instument,  von  etwa  3 Zoll  Länge,  hat  Prof.  Suess 
im  Walde  bei  Eggenburg  gefunden. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Bitter  von  Hauer  machte  eine  Mittheilung  über 
das  Vorkommen  der  Trias-Kalksteine  im  Vertesgebirge  und  im  Bakonyer-Walde : 
Conform  der  Streichungslichtung  dieser  durch  die  Spalte  von  Moor  getrennten, 
aber  in  geologischer  Beziehung  vollständig  zusammengehörigen  Gebirge  selbst, 
streichen  auch  die  älteren  Formationen  angehörigen  Gebirgsschichten,  die  so  zu 
sagen  ihr  Gerippe  bilden  von  Nordost  nach  Südwest  und  fallen  im  Allgemeinen  nach 
Nordwest.  An  der  südöstlichen  Flanke  des  ganzen  Zuges  finden  sich  daher  die  älte- 
sten Gesteine,  die  hier  überhaupt  entwickelt  sind , und  diese  gehören  der  Trias- 
formation an.  Alle  Glieder  dieser  Formation,  welche  beobachtet  wurden,  tragen 
petrographisch  und  paläontologisch  den  alpinen  Typus,  es  sind:  1.  Verrucano 
und  Werfener  Schiefer,  2.  Guttensteiner  Kalk,  3.  Virgloria-Kalk,  4.  Esino- 
Dolomit. 

Verrucano  und  Werfener  Schiefer  bilden  die  Unterlage  des  ganzen 
Gebirgssystemes  an  dem  nordöstlichen  Ufer  des  Plattensees  von  Badacson  Tomaj 
bis  über  Zänka  hinaus,  dann  wieder  von  der  Halbinsel  Tihany  bis  zum  nördlichen 
Ende  des  Sees;  überdies  findet  man  sie  in  einigen  secundären  Aufbrüchen  auch 
noch  weiter  gegen  das  Innere  des  Gebirges  unter  den  Guttensteiner  Kalken  her- 
vortauchen. Der  Plattensee  selbst , mit  seiner  dem  Streichen  des  Gebirges  ganz 
parallelen  Längenaxe  bezeichnet  offenbar  eine  Bruchlinie  oder  Spalte  , der  ent- 
lang die  Niveauveränderungen  vor  sich  gingen,  denen  das  Bakonyer-Gebirge  seine 
jetzige  Gestaltung  verdankt.  Nähere  Details  über  den  Verrucano  und  Werfener 
Schiefer  wird  Herr  K.  Paul  in  einer  unserer  nächsten  Sitzungen  mittheilen. 

2.  GuttensteinerKalk  bildet  eine  von  Nordost  nach  Südwest  an  Breite  zu- 
nehmende Zone,  welche  vonlszka  St.  György  nordwestlich  von  Stuhlweissenburg 
nach  Csoör , und  dann  nach  einer  kurzen  Unterbrechung  durch  die  Tertiärbucht 
von  Palota  weiter  fortstreicht  bis  über  Köves-Källa  hinaus.  Jenseits  der  Moörer- 
Spalte,  also  am  Südost-Gehänge  des  Vertes-Gebirges  beobachteten  wir  keine  hier- 
her gehörigen  Gesteine;  möglich  wäre  aber  immerhin , dass  sie  in  den  isolirten 
östlich  von  Magyar-Almäs  emportauchenden  Kalkpartien,  die  wir  nicht  besuchten, 
anzutreffen  wären. 


[13] 


Sitzung  vom  21.  Jänner.  Franz  Ritter  v.  Hauer. 


165 


Sehr  deutlich  und  mit  zahlreichen  charakteristischen  Petrefacten  beobach- 
teten wir  das  Gestein  an  den  Gehängen  oberhalb  Csoör,  westlich  von  Stuhlweis- 
senburg;  die  ältesten  aus  den  sandigen  Miocen-  und  den  Diluvialschichten  empor- 
tauchenden festen  Gesteine  sind  zellige  Rauchwacken  und  Dolomite  , darüber 
folgt  in  nicht  sehr  grosser  Mächtigkeit  dunkler,  in  dünnen  Schichten  brechender 
Plattenkalk,  in  mehreren  Steinbrüchen  gut  aufgeschlossen  mit  Naticella  costata, 
Myophorien,  Gervillien,  dann  den  charakteristischen  Rhizocorallien.  Die  Schich- 
ten fallen  sanft  gegen  Nordnordwest  und  werden  von  weissem  zuckerkörnigem 
Dolomit  überlagert,  der  bereits  den  Esino-Schichten  angehört. 

Bedeutend  breiter  schon  ist  die  Zone  der  Gesteine  die  uns  beschäftigen, 
südlich  von  Öskü;  auch  hier  liegen  weiter  gegen  Norden  die  Plattenkalke,  weiter 
gegen  Süden  Rauchwacken  und  Dolomite , weiter  läuft  ihre  Nordgrenze  stets 
wenig  weit  südlich  von  der  Strasse,  die  von  Veszprim  nach  Nagy-Väszony  führt, 
und  hier  erreicht  sie  eine  Breite  von  nahe  1 x/z  Meilen.  Verquert  man 
sie  z.  B.  am  Wege  von  Veszprim  über  St.  Istvän  nach  Kenese , oder  von 
Nagy-Väszony  nach  Ftired,  so  beobachtet  man  bald  dunkle,  bald  röthlich 
gefärbte  Kalksteine,  bald  Dolomite  und  Rauchwacken;  die  Schichten  liegen  meist 
flach  und  es  mögen  durch  wellige  Biegungen  bald  die  tieferen,  bald  die  höheren 
an  die  Oberfläche  gelangen.  Sehr  möglich  ist  es  sogar , dass  einzelne  der  dolo- 
mitischen Schichten  schon  als  Esino-Dolomite  aufzufassen  sind.  Die  plattigen 
Kalke  mit  Naticellen  beobachteten  wir  insbesondere  noch  bei  Puszta-Gelemen, 
östlich  von  Veszprim.  Besonderes  Interesse  verdient  aber  auch  der  von  Herrn 
J.  v.  Kovats  entdeckte  Fundort  von  Cer.  binodosus  Hau.  südöstlich  bei  Nagy- 
Väszony.  In  einigen  Steinbrüchen  ist  das  Gestein,  ein  röthlicher  dünngeschichteter 
Kalkstein,  der  nach  Nord  west  einfällt,  entblösst;  die  genannte  Ceratitenart,  die 
bekanntlich  zuerst  in  den  Venezianer-Alpen  aufgefunden  wurde,  kommt  in  diesem 
Gesteine  ziemlich  häufig  vor. 

Weiter  südwestlich  gegen  Köves-Källa  zu  nimmt  die  ganze  Zone  wieder  all- 
inälig  an  Breite  ab  und  verschwindet  noch  vor  der  Einbuchtung  von  Tapolcza 
gänzlich.  Oestlich  bei  Köves-Källa  gesellt  sich  aber  zu  den  bisher  betrachteten 
Schichten  ein  neues  Gestein,  der 

3.  Virgloria-Kalkstein.  Denn  mit  dieser  von  Freiherrn  v.  Richthofe  n 
so  benannten  alpinen  Trias-Etage  sind  die  von  Herrn v.  Zepharovich  entdeck- 
ten Kalksteine  zu  verbinden , unter  deren  zahlreichen  Petrefacten  Herr  Prof. 
E.  Suess  die  bezeichnenden  Arten  des  schlesischen  Muschelkalkes  (, Spiriferina 
Mentzeli Dunk-,Spiriferina  fragilis Schloth., Retzia  trigonella  u.  s.w.)  erkannte1 *)* 
„Wenn  man“,  sagt  Suess  a. a. 0., S. 371,  „die  Lagerungsverhältnisse  der  beiden 
Schichten,  des  Muschelkalkes  von  Köves-Källa  und  der  Werfener  Schiefer  von 
Balaton-Füred  mit  Sicherheit  ermitteln  könnte,  so  wäre  hierdurch  eine  der  schwie- 
rigsten Fragen  der  österreichischen  Geologie  gelöst,  ob  nämlich  die  Werfener 
Schiefer  dem  bunten  Sandsteine,  wie  v.  Hauer  glaubt,  oder  ob  sie  dem 
Keuper  gleichzustellen  seien,  wie  es  die  Schweizer  Geologen  meinen“. 

Die  genauere  Untersuchung  dieser  Lagerungsverhältnisse  nun  bestätigt  voll- 
kommen die  Richtigkeit  der  Beobachtungen  , welche  inzwischen  Freiherr  von 
Rieht  ho fen  über  die  relative  Stellung  der  ganz  analogen  Schichtengruppen  in 
Vorarlberg  3)  sowohl  als  in  Süd-Tirol 3)  veröffentlicht  hat.  Hier  wie  dort  liegen 
die  Virgloria-Kalksteine  mit  ihren  Muschelkalkpetrefacten  unzweifelhaft  über  den 


D Sitzungsberichte  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  Bd.  19,  Seite  369, 

3)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Bd.  X,  S.  91  u.  s.  w. 

3)  Geognostische  Beschreibung  der  Umgegend  von  Predazzo  u.  s.  w.  S.  44. 


166 


Verhandlungen. 


[14] 

Werfener  Schiefern , welche  man  unweit  des  Seeufers  bei  Zanka  vollkommen 
charakteristisch  entwickelt  antrifft,  und  dass  sich  die  Guttensteiner  Kalke  mit  Nati- 
cella  costata  noch  zwischen  beide  einschieben,  war  bei  Köves-Kalla  zwar  nicht 
mit  voller  Sicherheit  zu  beobachten  , ist  aber  nach  allen  Umstünden  sehr  wahr- 
scheinlich. Aus  diesen  letzteren  erhebt  sich  nördlich  von  der  von  Köves-Kalla 
nach  Zanka  führenden  Strasse,  südlith  von  Monoszlöder  spitz  kegelförmige  Basalt- 
berg, von  den  Bewohnern  der  Gegend  Hegyestü  benannt,  der  sich  auf  der  Beu- 
dant’schen  Karte  verzeichnet  findet,  den  aber  später  Herr  v.  Zepharovich  ver- 
geblich aufsuchte.  Berührungsstellen  des  Basaltes  mit  dem  Kalkstein  sind  aber 
nicht  zu  beobachten,  da  die  Gehänge  ringsum  bewachsen  sind. 

4.  Esino-Dolom  it  erscheint  schon  an  der  Südostseite  des  Vertesgebirges 
westlich  bei  Csäkvär;  im  Bakonyer- Walde  bildet  er  eine  ebenfalls  wieder  nach 
Südwest  an  Ausdehnung  zunehmende  Zone,  welcher  die  Berge  südlich  von  ßodaik 
und  der  Bagliäsberg  bei  Csoör  angehören;  weiter  streicht  diese  Zone  über  Oskü, 
Kädärta,  Veszprim  zum  Csepelhegy,  ist  in  der  Gegend  von  Nagy-Väszony  durch 
die  dortige  Mulde  von  Süsswasserschichten  und  den  Basaltstock  des  Kabhegy  auf 
eine  kurze  Strecke  unterbrochen  , bildet  aber  dann  weiter  wieder  die  höheren 
Berge  in  der  nördlichen  Umgebung  von  Tapolcza,  und  den  Särkäny-Erdö,  östlich 
von  Keszthely.  Einzelne  Funde  von  Petrefacten  (Chemnitzien  am  Bagliäsberge, 
Myophoria  Whatlyaehe'i  Vallus,  nordöstlich  von  Keszthely)  stellen  das  Alter  dieser 
Dolomite  sicher;  ihre  Grenze  gegen  Dachstein-Dolomit  aber,  der  sie  überlagert, 
musste  grossentheils  ziemlich  willkürlich  bestimmt  werden,  da  die  Gesteins- 
beschaffenheit wenig  sichere  Anhaltspunkte  zur  Trennung  bietet,  das  so  wichtige 
Zwischenglied  der  Raibler  S<  luchten  aber  gänzlich  fehlt. 

Zum  Schlüsse  legte  Hr.  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  eine  Suite  vortrefflich 
erhaltener  Ammoniten  aus  dem  sogenannten  Medolo  der  Berge  Domaro  und 
Guglielmo  im  Val  Trompia  , Prov.  Brescia  vor,  welche  er,  von  Herrn  Giovanni 
Battista  Spinelli  in  Verona  erhalten  hatte.  Mit  Hinweisung  auf  seine  eben  in 
den  Sitzungsberichten  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften,  Bd.  44,  S.  403 
erschienene  Abhandlung  über  diese  Ammoniten  , zu  welcher  ebenfalls  Herr 
Spinelli  das  Material  geliefert  hatte,  sprach  er  dem  eifrigen  Forscher  den  ver- 
bindlichsten Dank  für  diese  werthvolle  Bereicherung  der  Sammlungen  unserer 
Anstalt  aus.  Die  folgenden  Arten  sind  in  der  Sendung  vertreten: 


A.  heterophyllns  Sow. 
A.  Zetes  d'  Orb. 

A.  Partschi  Stur. 

A.  tatricus  Pusch. 

A.  mimatensis  d’Orb.? 


A.  fimbriatus  Sow. 

A.  Trompianus  Hau. 
A.  Phillip si  Soiv. 

A.  margaritatus  Mtf. 
A.  radians  Rein. 


A.  Taylori  Sow. 

A.  pettos  Quenst. 

A.  crassus  Phill. 

A.  Ragazzonii  Hau. 
A.  Spinellii  Hau. 


Am  häufigsten  unter  denselben  sind  nach  Herrn  Spinellfs  Mittheilung  vor 
Allen  der  A.  heterophyllus,  dann  A.  crassus , A.  radians , A.  mimatensis,  A.  tatri- 
cus und  A.  Zetes. 


12.  Band. 

Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  11. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  4.  Februar  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  führt  den  Vorsitz  und  liest  die 
folgenden  Mittheilungen  des  Herrn  Direetors  und  k.  k.  Hofrathes  W.  Haidin- 
ger vor: 

Noch  in  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  hatte  ich  auf  v.  Leonhard  und 
Bronn’s  Jahrbuch  als  auf  einen  neutralen  Platz  von  Erörterungen  hingewiesen, 
der  in  unserem  eigenen  Jahrbuche  doch  nicht  vorhanden  ist.  Und  bereits  ist 
einer  dieser  unserer  hochverdienten  Führer  in  der  Wissenschaft  von  dem  Schau- 
platze seiner  unermüdlichen  Thätigkeit  abberufen  worden.  Karl  Cäsar  v.  Leon- 
hard verschied  sanft  am  23.  Jänner  in  seinem  83.  Lebensjahre!  Unsere  fort- 
laufenden Beziehungen  sind  so  innig  gewesen,  fortwährend  Austausch  von 
Druckschriften,  abwechselnd  Correspondenz , dass  ich  hier  gerne  in  tiefer  Rüh- 
rung und  Dankbarkeit  einiger  derselben  gedenke,  und  der  hohen  Anregung, 
welche  uns  und  der  ganzen  mineralogischen  und  geologischen  Welt  in  Deutsch- 
land und  auswärts  sein  Leben,  sein  Wirken  gebracht  hat.  Nicht  eine  biographische 
Skizze  möchte  ich  geben.  Für  eine  solche  liegt  ja  von  ihm  selbst  das  Werk  in 
zwei  Bänden  vor:  „Aus  unserer  Zeit,  in  meinem  Leben,  1854 — 1856“,  welches 
er  mit  dem  an  seinem  vier  und  siebenzigsten  Geburtstage  (12.  September)  gezeich- 
neten Vorworte  den  Freunden  übergab.  Seine  wissenschaftlichen  Werke  dazu 
sind  dem  Mineralogen  und  Geologen  wohl  bekannt,  das  Jahrbuch  selbst  im  eigent- 
lichsten Sinne  unentbehrlich.  Mit  ihm  ist  nun  wieder  einer  unserer  ältesten  Vor- 
kämpfer für  die  Entwickelung  der  Wissenschaft  geschieden,  nicht  allein  durch 
Schrift  und  Wort,  in  wissenschaftlichen  Werken  und  durch  seine  Vorträge,  son- 
dern auch  indem  er  wohlwollend  und  anregend  Veranlassung  zur  Bildung  von 
Mittelpunkten  für  wissenschaftliches  Wirken  geworden  ist.  ln  das  Jahr  1808  fällt 
die  Bildung  der  Wetterauischen  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde  zu 
Hanau  durch  Leonhard  und  Ko  pp.  Schon  zwei  Jahre  früher,  1806,  war  das 
„Taschenbuch  der  Mineralogie“-  gegründet,  erst  als  fortdauernde  jährliche  Ergän- 
zung zu  dem  1805er  Werke  der  „Systematisch-tabellarischen  Uebersicht  der 
Mineralkörper“,  und  seitdem  sieben  und  fünfzig  Jahre,  später,  seit  1830,  in  kraft- 
voller Theilnahme  des  grossen  Forschers  Bronn,  als  Jahrbuch.  Ich  nenne  hier 
nur  im  Fluge  v.  Leonhard’s  Schriften:  seine  akademische  Rede  in  München, 
Stand  und  Bedeutung  der  Mineralogie,  seine  Charakteristik  der  Felsarten,  Basalt- 
gebilde, Agenda  geognostica,  Topographische  Mineralogie,  Grundzüge  und  später 
Handbuch  der  Oryktognosie,  Grundzüge  und  später  Lehrbuch  der  Geognosie  und 
Geologie,  die  Geologie  oder  Naturgeschichte  der  Erde  (in’s  Französische  über- 
setzt als  Geologie  des  gens  du  monde,  die  Charakteristik  der  Hüttenproducte. 
Die  Titel  der  Werke,  dazu  die  Reihe  der  jährlich  durchgeführten  Aufgaben  geben 
noch  nicht  hinlänglich  den  Begriff  des  Geleisteten.  Man  muss  den  Inhalt  selbst 


K.  k.  geologische  Reic/hsanstalfc.  12.  Band,  186!  und  1862.  Verhandlungen. 


W 


168 


Verhandlungen. 


[2] 

betrachten,  um  recht  eigentlich  die  Thatkraft  des  Mannes  zu  bewundern.  „Mit 
der  Sonne  stehe  ich  auf  im  Sommer,  zur  Winterzeit  bin  ich  um  fünf  Uhr  am 
Arbeitstische“  (Aus  unserer  Zeit,  Vorrede  XV).  Da  wurde  denn  durch  eisernen 
Fleiss  und  Liebe  zur  Wissenschaft  so  Vieles  vollendet.  Dazu  die  vielfachen  per- 
sönlichen Beziehungen,  Begegnung  in  Besuchen  und  Gegenbesuchen,  so  in  einer 
umfassenden  Correspondenz,  in  der  Heimath  und  auf  Reisen,  von  welcher  er  der 
längst  dahingeschiedenen  Forscher  gedenkt,  der  Blumenbach,  Voigt,  Wer- 
ner, Mobs,  F.  A.  Reuss,  Haüy,  Göthe,  Chladni,  Gilbert,  Villefosse, 
L.  v.  Buch,  Breislak,  Brocchi,  Prinz  Christian  von  Dänemark, 
A.  v.  Humboldt,  Cu  vier,  Alex.  Brongniart,  Gill  et  de  Laumont, 
Bournon,  Monteiro,  Berzelius,  Montlosier,  Friedrich  Hoffmann, 
und  so  vieler  anderer,  der  noch  Lebenden  nicht  zu  gedenken.  Da  mihi  figere 
pedem:  Mit  dem  ersten  Versuche  1805,  vorgebildet  durch  Studien  in  Marburg 
und  Göttingen,  war  die  fernere  Richtung  bezeichnet.  Fest  hielt  sie  Leonhard, 
ungeachtet  der  mannigfaltigen  Stürme  und  eigenthümlichen  Lagen,  während  der 
Umwälzungen  der  damaligen  Zeiten,  deren  wir  Alte  uns  noch  gar  wohl  erinnern, 
von  welchen  die  jüngere  Generation  nur  noch  aus  Büchern  weiss,  und  den  Folgen 
der  damaligen  Periode!  — seit  er  im  Jahre  1806  als  Steuer-Assessor  in  Hanau 
im  Drange  des  Augenblickes,  in  der  Noth  „die  die  Tliat  will,  nicht  das  Zeichen“, 
ausersehen,  mit  dem  französischen  besitzergreifenden  Intendanten  und  anderen 
Beamten  zu  unterhandeln,  bis  zu  seiner  Stellung  als  Geheimer  Rath  und  General- 
Domänen-Inspector  am  Hofe  Karl’s  v.  Dalberg,  und  dem  nach  der  Rückkehr  des 
Kurfürsten  von  Hessen  erfolgten  Rücktritt  aus  dem  hessischen  Staatsdienste.  — 
Im  Jahre  1816  war  er  nach  München  übersiedelt,  wohlwollend  als  Akademiker 
ernannt  und  empfangen,  hatte  er  doch  den  Prinzen  von  Wal  deck,  Neffen  der 
Königin  von  Bayern,  schwer  verwundet  wie  er  aus  der  Schlacht  nach  Hanau 
zu  Leonhard 's  Haus  gebracht  wurde,  aufgenommen  und  vor  der  Gefangenschaft 
bewahrt.  Persönlich  hatte  ihm  Max  Joseph  schon  in  Hanau  seinen  Dank  darge- 
bracht und  ihm  als  Andenken  das  Commaudeurkreuz  seines  Civil-Verdienst-Ordens 
gesandt!  Vom  Jahre  1818  an  gehörte  Leonhard  Heidelberg  an,  und  wirkte 
dort  als  lebender  Mittelpunkt  für  Pflege  und  Verbreitung  der  Lehre.  Dort  war  es 
mir  beschieden,  ihn  im  Frühjahre  1825,  meinen  hochverehrten  Freund  Robert 
Allan  begleitend,  zu  besuchen.  Ein  und  zwanzig  Jahre  später  besuchte  er  uns 
in  Wien  und  Hietzing  in  Gesellschaft  seiner  liebenswürdigen  Familie,  Gattin, 
Sohn  und  Tochter.  Es  war  dies  im  Jahre  1846,  dem  ersten  unserer  eige- 
nen gesellschaftlich- wissenschaftlichen  Entwickelungen,  das  erste  Jahr  der 
„Berichte  über  die  Mittheilungen  von  Freunden  der  Naturwissenschaften  in 
Wien“.  Mit  dieser  Reisefahrt  schloss  Leonhard  seinen  zweiten  Band:  „Aus 
unserer  Zeit,  in  meinem  Leben“.  Auch  wir  waren  im  Laufe  unserer  Arbeiten 
damals  und  früher  vielfach  durch  das  rege  mineralogisch-,  geologisch-,  paläonto- 
logisch-wissenschaftliche  Leben  in  Heidelberg  angezogen  und  beeinflusst  wor- 
den. Gesellschaftliche  Verbindung,  Herausgabe  periodischer  Werke,  zum  Theile 
begründet,  zum  Theile  auch  fortgesetzt,  und  noch  in  fortwährendem  Gange  haben 
auch  hier  wieder  stattgefunden.  Dem  Wohlwollen,  das  uns  von  dort  stets  erwiesen 
wurde,  ist  es  wohl  meine  Pflicht,  hier  wo  der  hochverdiente  älteste  Gönner  und 
Freund  abberufen  worden  ist,  Zeugniss  und  innigsten  Dank,  treueste  Anerkennung 
zu  geben.  So  viele  Freunde  und  Collegen  leben  und  wirken  dort  in  hoher  ein- 
flussreichster Weise  fort,  darunter  sein  eigener  trefflicher  Sohn  Gustav,  der  in 
des  Vaters  Pfade  unermüdlich  und  erfolgreich  wandelt. 

Auch  in  dem  Personale  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  hat  eine  Verän- 
derung stattgefunden,  wie  sie  allerdings  erwartet  werden  konnte,  in  dem 


Sitzung  vom  4.  Februar.  W.  Haidinger.  J.  Jokely. 


169 


[3] 


allmäligen  Fortschritte  menschlicher  Beschäftigung.  Durch  Seiner  k,  k. 
Apostolischen  Majestät  Allerhöchste  Entschliessung  vom  11.  Jänner 
wurde  Herr  Sectionsgeologe  Johann  Jokely  als  Professor  der  Naturgeschichte 
an  das  königl.  ungarischen  Josephs-Polytechnicum  nach  Ofen  berufen.  Heute 
noch  berichtet  er  in  unserer  Mitte  über  Ergebnisse  seiner  Forschungen  in 
dem  abgelaufenen  Sommer,  und  bereitet  sich  dann  vor,  sogleich  an  seinen 
neuen  Bestimmungsort  abzugehen,  sobald  die  erforderlichen  amtlichen  Schrif- 
ten ausgefertigt  sind.  Seit  1852,  gleichzeitig  mit  dem  Eintritte  unseres 
hochverehrten  Freundes  Herrn  Victor  Ritter  v.  Zepharovieh,  gegenwärtig 
k.  k.  Professor  an  der  Universität  zu  Gratz,  gehörte  Herr  Jokely  dem 
engeren  Verbände  der  k.  k geologischen  Reichsanstalt  an.  Erst  als  Mitglied  der 
Aufnahmssection , welche  unter  der  Leitung  unseres  verewigten  Freundes  und 
Arbeitsgenossen,  k.  k.  Bergrathes  Czjzek  das  südliche  und  südwestliche  Böhmen 
vornahm,  später  als  selbstständig  wirkender  Sectionsgeologe,  entlang  der  bayeri- 
schen, sächsischen,  preussischen  Grenze,  im  nördlichen  Böhmen,  bewahren  wir 
nun  in  unseren  Detailkarten,  in  den  Bänden  unseres  Jahrbuches  zahlreiche  Ergeb- 
nisse seiner  angestrengtesten  und  erfolgreichsten  Thätigkcit.  Neun  Sommer  an 
Erfahrungen  der  praktischen  geologischen  Aufnahmen,  nebst  den  Ergebnissen 
seiner  anderweitigen  mannigfaltigen  Studien  bringt  er  nun  in  seine  neue  Stel- 
lung in  seinem  engeren  Vaterlande.  Wir  freuen  uns  auch  für  die  Zukunft,  dort 
mit  ihm  und  unseren  zahlreichen  Freunden  und  Fachgenossen  der  Schwester- 
städte Ofen  und  Pesth  in  freundlichsten  Beziehungen  zu  bleiben»  wo  er  gewiss 
reiche  Veranlassung  finden  wird,  in  seinem  Kreise  vortheilhaft  für  das  Allgemeine 
zu  wirken. 

Herr  k.  k.  Professor  Johann  Jokely  berichtete  über  die  Steinkohlen- 
ablagerungen von  Schatzlar,  Schwadowitz  und  Hronow  und  gab  nebstbei  eine 
kurze  Uebersicht  über  die  Lagerungsverhältnisse  des  Roth  liegenden  und  der 
Kreidebildungen  im  nördlichen  Theile  des  Königgrätzer  Kreises  in  Böhmen. 

Obwohl  die  industrielle  Bedeutung  des  Schatzlar-Schwadowitzer  Stein- 
kohlenrevieres, wenn  es  auch  nur  gleichsam  den  geringen  südwestlichen  Mulden- 
flügel  des  preussisch-schlesischen  Waldenburg’schen  Beckens  bildet,  für  diesen 
Theil  Böhmens  nicht  zu  unterschätzen  ist,  so  wird  es  durch  die  Art  der  Bloss- 
legung der  Steinkohlenformation  selbst  geologisch  noch  weit  bedeutungsvoller. 
In  der  Schatzlarer  Gegend  an  dem  Östlichen  Riesengebirgsrand  fast  ungestört 
angelagert,  taucht  sie  weiter  südöstlich  längs  zweier  namhafteren  Verwerfungs- 
zonen nur  noch  in  ganz  schmalen  Streifen  zwischen  Rothliegendsehichten  empor, 
bis  sie  sieb  in  der  Gegend  von  Hronow,  wo  die  störende  Kraft  sich  ailrnälig  abzu- 
schwächen schien,  bis  zu  schmalen  Klüften  auskeilt. 

Dieses  höchst  eigenthümliche  und  nur  mühsam  zu  entwirrende  Verhältnis 
brachte  es  auch  vorzugsweise  mit  sich,  dass  die  zwischen  diesen  beiden  Stein- 
kohlenstreifen eingeklemmten  Rothliegendpartien,  wie  jene  mit  den  Peekaer  voll- 
kommen übereinstimmenden  Arkosensandsteine  vom  Hexenstein  und  Johannisberg, 
bekannt  durch  ihren  Reichthum  an  den  versteinten  Stämmen  des  Araucarites 
Schrollianus  bisher  zur  eigentlichen  Steinkohlenformation  gerechnet  wurden. 
Für  den  Bergmann  war  dieser  sogenannte  „flötzleere  Sandstein44  bei  seiner  unge- 
nauen Formationsstellung  nicht  minder  störend  als  für  den  Paläontologen  selbst, 
indem  aus  zwei  ihrem  Alter  nach  verschieden  gedeuteten  Ablagerungen,  wie  eben 
den  hiesigen  und  den  Arkosandsteinen  der  Gegend  von  Pecka  und  Neu-Paka, 
doch  nach  den  Forschungen  Dr.  Göppert’s  ein  und  dieselbe  Araucariten-Art 
herstammt.  Auf  dem  Wege  der  ausschliesslichen  paläontologisehen  Diagnose 
Hess  sich  hier,  ohne  der  Totalübersicht  des  Rothliegendgebietes  im  nordöstlichen 


170 


Verhandlungen. 


m 

Böhmen,  im  Vorhinein  thatsäehlich  nur  schwer  das  Räthselhafte  der  berührten 
Erscheinung  beheben.  Gelungen  dürfte  es  wohl  aber  sein,  auf  dem  mehr  prakti- 
schen Wege  der  Feststellung  der  Lagerungsverhältnisse;  und  dass  diesen  vor- 
zugsweise hier  eine  besondere  Aufmerksamkeit  zuzuwenden  unerlässlich  sei. 
darauf  weisen  schon  die  gewaltigen  Schichtenstörungen  hin,  namentlich  im 
Schwadowitzer  Revier,  wo  neben  den  leider  nur  gar  zu  häufig  bis  zur  Lösche 
zermalmten  Steinkohlenflötzen  sogar  Quadersandstein-  und  Quadermergelbänke 
mit  ihren  blankpolirten  Rutschflächen  auf  die  Köpfe  gestellt  oder  umgekippt 
erscheinen. 

Was  die  oberflächliche  Verbreitung  der  hiesigen  Steinkohlengebilde,  die 
ihren  paläontologischen  Charakteren  nach  mit  den  erwähnten  und  bereits  genau 
und  vielseitig  geschilderten  von  Waldenburg  in  Preussisch-Schlesien  vollkommen 
übereinstimmen,  belangt,  so  ist  diese  eine  verhältnissmässig  nur  geringe.  Am 
breitesten  liegen  sie  blos  in  der  Schatzlarer  Gegend,  wo  sie  westlich  mit  theil- 
weise  sehr  sanfter  Neigung  sich  an  den  Phyllit  des  Rehhorngebirges  anlagern 
und  östlich  von  den  Porphyren  des  Rabengebirges  begrenzt  und  wohl  auch  zum 
Theile  bedeckt  werden.  Oestlich  von  Schatzlar  bis  Bernsdorf  und  weiter  südlich 
gegen  Goldenöls  überlagern  sie  bereits  die  sandig-thonigen  Schichten  der  unte- 
ren Rothliegend-Etage,  die  sich  von  hier  weiter  in  südöstlicher  Richtung  sammt 
den  sie  von  Teichwasser  an  überlagernden  Arkosen  ununterbrochen  bis  über 
Hronow  hinaus  erstrecken.  Die  letzteren  bilden  einen  scharf  markirten  Berg- 
kamm, dessen  höchsten  Punkte  die  erwähnten  Bergkuppen,  der  Hexenstein 
(380  Klafter)  östlich  bei  Markausch,  und  der  Johannisberg  (367  Klafter)  bei 
Petersdorf  und  Preussisch-Albendorf  sind. 

An  der  Südwest-  und  Nordostseite  dieses  Bergkammes  verlaufen  je  einer 
der  bezeichneten  Züge  der  Steinkohlengesteine.  Jener  an  der  ersteren  Seite 
bildet  das  Steinkohlengebiet  von  Schwadowitz  mit  Markausch,  Bösig  und  Hronow, 
der  andere  jenes  von  Qualisch,  Radowenz  und  Wüstrey.  Mit  der  Schatzlarer 
Partie  stehen  diese  beiden  Züge  in  unmittelbarem  Zusammenhänge,  einerseits 
über  die  Gegend  von  Döberle,  andererseits  über  Teichwasser,  und  während  dieser 
letztere  Zug  längs  einer  Verwerfungsspalte  zu  Tage  tritt,  erscheint  der  andere 
an  dem  westlichen,  viel  steileren  Abfall  des  Schwadowitzer  Bergkammes.  Berg- 
männisch wichtiger,  weil  viel  breiter,  ist  der  Schwadowitzer  Zug  und  wäre  es 
noch  weit  mehr,  wenn  er  nicht  durch  eine  Nebenverwerfung,  durch  die  sich  ein 
Rothliegend-Zwischenmittel  von  etwa  80  Klaftern  Breite,  bekannt  als  „flötzleeres 
Mittel“,  hineinkeilt,  selbst  wieder  in  zwei  schmälere  Züge  zerspalten  wäre.  Der 
eine  derselben  oder  der  sogenannte  „stehende  Flötzzug“  liegt  theilweise  dicht 
am  Fusse  des  Radowenzer  Bergzuges,  namentlich  bei  Markausch,  der  andere  oder 
„flachfallende“  heisst  grösstenlheils  unmittelbar  unter  der,  den  Kamm  bildenden 
Arkose  hervor.  Mit  Einschluss  des  Radowenzer,  als  dem  „hangenden  Flötzzug“, 
entsprechen  diese  drei  Züge  vollkommen  den  Schatzlarer  Zügen,  deren  es  hier 
ebenfalls  drei  gibt,  den  „Liegend-“,  den  „Haupt-“  und  den  „Hangendflötzzug“. 
Dieses  genaue  Correspondiren  der  drei  Züge  in  beiden  Bergrevieren  ist  wohl  ein 
Umstand,  der  gleichfalls  geeignet  scheint,  es  auch  auf  indirectem  Wege  zu 
bekräftigen,  dass  der  erwähnte  „flötzleere  Sandstein“,  d.  i.  die  Arkose  der  Schwa- 
dowitzer und  Radowenzer  Gegend,  die  der  Schatzlarer  ganz  und  gar  fehlt, 
dort  nur  ein  fremdartiges,  beziehungsweise  ein  aufgelagertes  oder  jüngeres 
Gebilde  sei,  das  erst  späterhin  verschoben  und  verworfen  und  wohl  nur  in  Folge 
dessen  sich  als  eingeklemmte  Scholle  erhalten  habe. 

Das  Nebengestein  der  Steinkohlenflötze  sind  zumeist  mehr  minder  klein- 
körnige Sandsteine,  wechselnd  mit  Conglomeraten,  die  besonders  bei  dem  liegen- 


Sitzung  vom  4.  Februar.  J.  Jokely. 


171 


[S] 


den  Flötzzug  vorwalten.  Schiefertlione  sind  im  Allgemeinen  selten,  noch  am 
häufigsten  bei  den  oberen  Flötzzügen.  Belangend  die  Zahl  der  Steinkohlenflötze, 
sind  im  Schatzlarer  Revier  beim  „Liegendflötzzug“  11  Flötze  bekannt,  von 
20 — 76  Zoll  Mächtigkeit,  worunter  mit  Ausnahme  Eines  alle  bauwürdig;  beim 
„Hauptflötzzug“  10  Flötze  und  darunter  3 von  40 — 90  Zoll  Stärke  als  bauwürdig, 
während  die  übrigen  4 — 10  zölligen  den  Abbau  nicht  lohnen.  Die  Neigung  der 
Flötze  bei  beiden  Zügen  schwankt  zwischen  20 — -36  Grad  in  östlicher  Richtung. 
Der  „Hangendfiötzzug“  setzt  bereits  dicht  an  der  Grenze  des  Rabengebirgischen 
Porphyres  auf,  bei  Burggraben,  und  erstreckt  sich  weiter  in  südöstlicher  Richtung 
als  „Radowenzer  Zug“  über  Qualisch,  Radowenz,  Jibka,  Wüstrey  bis  in  die 
Gegend  von  Zlicko,  wo  er  sich  unter  Quader  verbirgt.  Längs  dieses  Zuges  treten 
die  Steinkohlengesteine  nicht  allerwärts  unmittelbar  zu  Tage,  sondern  statt  ihnen, 
blos  die  über  ihnen  lagernden  Schiefertlione  oder  Sandsteine  der  „unteren  Roth- 
liegend-Etage“,  wie  zwischen  Hronow  und  Zabokek,  doch  auch  diese  hier  bereits 
in  einem  äusserst  schmalen  Streifen,  so  dass  die  Fortsetzung  dieses  Zuges  links 
der  Mettau  nur  höchst  schwierig  zu  verfolgen  ist.  Bei  diesem  interessantesten 
aller  Züge  kennt  man  hei  Radowenz  im  Katharina-Stollen  bis  jetzt  6 Flötze,  von 
denen  das  mächtigste  30  Zoll,  das  schwächste  3 Zoll  beträgt,  bei  einem  Ver- 
flachen von  30 — 33  Grad  in  NO.  Im  Schatzlarer  Revier  sind  die  viel  flacheren, 
18  — 20  Grad  in  Osten  fallenden  Flötze  dieses  Zuges  noch  wenig  aufgeschlossen 
und  dürften  durch  den  Porphyr  auch  stellenweise  abgeschnitten  sein. 

Im  Schwadowitzer  Revier  kennt  man  beim  „stehenden  Flötzzug“  12  Flötze 
von  16 — 96  Zoll  und  einem  Verflachen  von  30 — 70  Grad  in  NO.;  stellenweise, 
wie  im  Ida-Stollen,  auch  widersinnisch  in  SW. ; beim  „flachfallenden“  hingegen 
9 Flötze  von  12 — 30  Zoll  Mächtigkeit  und  einer  Neigung  nach  nordöstlicher 
Richtung  von  13 — 43  Grad.  In  beiden  Revieren  kommen  mit  den  Steinkohlen- 
flötzen auch  häufig  Sphärosiderite  vor,  besonders  im  Schatzlarer  Revier,  wo  sie 
namentlich  beim  „Liegeridflötzzug“  die  Kohle  einzelner  Flötze  fast  ganz  verdrän- 
gen und  so  sich  auch  für  einen  Abbau  lohnen  dürften. 

Der  Lagerung  nach  bietet,  wie  erwähnt,  die  Schatzlarer  Gegend  verhält- 
nissmässig  die  geringsten  Schichtenstörungen,  obwohl  sie  auch  hier  nicht  ganz 
fehlen.  So  machen  sich  unter  anderem  beim  Hauptflötzzug  drei  grössere  nach 
Westen  convexe  Bögen  bemerkbar  und  überdies  setzt  durch  einen  derselben  in 
südöstlicher  Richtung  eine  3 — 4 Fuss  starke  lettenausgefüllte  Verwerfungskluft, 
die,  Ungefähr  400  Klafter  vom  Prokopi-Stollenmundloch  die  Flötze  gegenseitig 
um  130  Klafter  verschiebt.  Ungleich  gewaltsamer  sind  dagegen  die  Schichten- 
störungen im  Schwadowitzer  Revier,  wie  sich  das  schon  auch  aus  dem  jähen  und 
unregelmässigen  Einfallen  der  Schichten  des  „stehenden  Flötzzuges“  ergibt, 
nicht  zu  gedenken  jener  Eingangs  erwähnten  Rutschungen,  Stauungen  und 
Umkippungen  der  Schichten  von  der  Steinkohle  an  bis  hinauf  zum  Quadermergel. 
Beistehendes  Profil  durch  den  Ida-Stollen  wird  diese  Verhältnisse  näher  veran- 
schaulichen, gleichwie  die  einzelnen  Mittel  der  drei  Flötzzüge  und  das  zwischen 
dem  Schwadowitzer  „stehenden“  und  „flachfallenden“  Flötzzug  eingekeilte,  für 
den  hiesigen  Bergbaubetrieb  höchst  unliebsame  secundäre  Zwischenmittel  von 
unteren  Rothliegendschichten. 

Dieses  Profil  bleibt  sich  mit  nur  unbedeutenden  Abänderungen  für  das 
ganze  Revier  gleich  und  es  wäre  nur  noch  zu  bemerken,  dass  der  „stehende  . 
Flötzzug“  bei  Bohdasin,  dicht  am  Fusse  des  Berggehänges,  sich  endlich  auskeilt, 
oder  theil weise  in  seiner,  hier  durch  Verwerfung  niedergegangenen  Fortsetzung 
von  Löss  bedeckt  wird,  während  der  „flachfallende“  bei  Hronow  sammt  dem 
Radowenzer  noch  weiter  über  das  Metfauthal  östlich  fortsetzt,  bis  er  gleich 


172 


Verhandlungen. 


[6] 


St  Stehender  Flötzzng.  St'  Flachfallender  Flötzzug.  St"  Radowenzer  Flölzzng.  U Sehieferthone  und  Sandsteine 
der  unteren  Rothliegend-Etage.  Ar  Arkosensandsteine  und  M Sehieferthone  und  Sandsteine  der  mittleren  Roth- 
liegend-Etage.  Q Quadersandsteine.  Qm  Quadermergel. 


jenem  bei  Hoch-Sichel  von  Quader  und  Quadermergel  unterbrochen  wird, 
doch  um  bei  Mokriny  wieder  emporzutauchen,  von  wo  er  über  die  Landes- 
grenze tritt  und  sich  über  Strausenei  noch  eine  kurze  Strecke  im  Glatzischen 
fortzieht. 

Im  Hangenden  des  Radowenzer  Steinkohlenzuges,  so  wie  mit  wenigen  Aus- 
nahmen im  Hangenden  des  „flachfallenden“  Schwadowitzer  Flötzzuges,  treten 
zunächst  fast  überall  in  einem  schmalen  Streifen  die  sandig-thonigen  Schichten 
der  unteren  Rothliegend-Etage  hervor.  Stellenweise  enthalten  sie  Kalkmergel- 
flötze,  die  mitunter;  wie  die  ihnen  analogen  von  Hermannseifen,  im  Jiciner 
Kreise,  auch  Kupfererze  (Kupferkies,  Kupferfahlerz,  etwas  Malachit  und  Pyrit) 
führen  und  derzeit  bei  Unter-Wernersdorf  auch  Gegenstand  des  Abbaues  sind. 
Ueber  diese  Schichten  folgen  die  Arkosensandsteine  der  „mittleren  Roth- 
liegend-Etage“ und  zwischen  Jibka  und  Zabokerk  darüber  noch  die  oberen  oder 
sandig-thonigen  Schichten  dieser  Etage.  Unter  den  Quader-  und  Quadermergel- 
Ablagerungen  von  Adersbach,  Pölitz  und  Machow  hinwegsetzend,  gelangen  diese 
letzteren  Schiefer  in  w'eit  grösserer  Ausdehnung  wieder  im  Rraunau'schen  Flach- 
lande zum  Vorscheine  und  herrschen  hier  durchaus  bis  auf  einige  geringe  Par- 
tien von  Arkosensandsteinen,  die  bei  Strassenau  und  Johannesberg  unter  ihnen 
hervorbeissen.  Der  an  der  nordöstlichen  Grenze  dieses  Gebietes  auftauchende 
höhere  Bergzug  besteht  in  seiner  nördlichen  Hälfte  aus  Felsitporphyr,  an  der 
anderen  waltet  Melaphyr  vor,  der  sich  zwischen  Johannesberg  und  Rudelsdorf 
südwestlich  an  den  herabziehenden  Porphyr  anlehnt  und  am  Schanzenberge  ihn 
auch  theilweise  deckenförmig  zu  überlagern  scheint.  Allem  Anscheine  nach  ist  der 
Melaphyr  hier  jünger  als  der  Porphyr  und  dürfte  dem  vierten  oder  fünften  Erup- 
tionsstrom des  Rothliegendgebietes  im  Jiciner  Kreise  entsprechen,  die  dort  auch 
die  Schichten  der  „oberen  Etage“  durchbrechen.  Möglich  auch,  dass  beide  Erup- 
tionen hier  vertreten  sind,  indem  der  östliche  Theil  der  grösseren  Melaphyr- 
partie  petrographiseh  einigermassen  abweicht  von  dem  westlicheren,  eine  mehr 
dichte  Beschaffenheit  zeigt  und  dieses  Gestein  jenes  andere  deutlicher  krystalli- 
nische  thatsächlich  auch  stellenweise  zu  durchsetzen  scheint.  Dass  aber  die 
hiesigen  Porphyre  selbst  schon  vor  der  Ablagerung  der  oberen  Schichten  der 
„mittleren  Rothliegend-Etage“  im  Braunau’schen  als  eine  inselförmige  Masse 
emporragten,  beweist  der  Umstand,  dass  sie  diese  Schichten  nirgends  stören, 
sich  diese  vielmehr  an  sie  fast  ganz  horizontal  oder  höchstens  unter  4 — 12  Grad 
mit  westlicher  oder  südwestlicher  Neigung  anlagern,  eben  so  auch  an  die  kleine- 
ren Porphyrrücken,  die  inmitten  dieser  Schichten  hier  an  einigen  Orten  auf- 
tauchen, wie  unter  anderen  zwischen  Dittersbach  und  Hauptmannsdorf,  bei  Oel- 
berg nördlich  von  Braunau  und  bei  Scheidewinkel,  östlich  von  Ottendorf. 

Bemerkenswerth  sind  im  Braunau’schen  Rothliegendgebiete  die  bereits 
bekannten  zwei  Züge  von  Brandschiefern  und  bituminösen  Kalkmergeln  mit  ihren 


Sitzung  vom  4.  Februar.  J.  Jokeiy. 


173 


[7] 


Fischresten.  Der  eine  oder  hangende  dieser  Züge,  im  Ganzen  von  geringerer 
Mächtigkeit  und  namentlich  durch  seinen  vorherrschenden  Kalkgehalt  aus- 
gezeichnet, setzt  von  der  Wünscheiburger  Gegend,  im  Glatzischen,  über  Barz- 
dorf,  Merzdorf,  Hauptmannsdorf  bis  Halbstadt  fort,  wo  er  sich  unter  das  Bett  des 
Steine-Flusses  hinabsenkt,  in  seinem  übrigen  Verlaufe  aber  mehrorts  von  Löss 
bedeckt  wird,  der  hier  mitunter  mächtige  Ablagerungen  bildet.  Der  zweite  Zug 
ist  jener  von  Ottendorf  und  lässt  sich  mit  einigen  Unterbrechungen,  namentlich 
durch  das  Steine-Thal,  über  die  Gegend  von  Grossdorf,  Oelberg  bei  Braunau, 
bis  Heinzendorf  verfolgen.  Analoge  Brandschiefer  linden  sich  bei  Grenzdörfl, 
ferner  bei  Hermsdorf  und  Schönau,  hier  bereits  dicht  an  der  Porphyrgrenze.  Sie 
gehören  wohl  nur  zum  Ottendorfer  Zuge,  der  bei  dem  sehr  flachen  Einfallen  der 
Schichten  fast  durch  jeden  tieferen  Thaleinschnitt  entblösst  wird. 

An  der  Südwestseite  des  Schwadowitzer  Bergzuges  setzen  die  oberen 
Schichten  der  „mittleren  Rothliegend-Etage“  von  der  Gegend  von  Trautenau  bis 
Eipel  fort.  Bei  Hertin,  wo  die  kleine  Schwadowitzer  Kreidemulde  südwärts 
mündet,  sind  sie  auf  eine  Strecke  von  unterem  Quader  und  von  Quadermergel 
unterbrochen,  tauchen  jedoch  bei  Kosteleez  wieder  auf  und  erstrecken  sich  bei 
nahezu  nördlichem,  doch  sehr  sanftem  Fallen  bis  Nieder-Rybnik.  Südwärts 
folgen  darunter  mehr  minder  deutlich  ausgesprochene  Arkosensandsteine  und 
endlich  bei  Nacliod  bei  gleichmässiger  Unterlagerung  die  unteren  Schich- 
ten des  Rothliegenden , zum  Theile  auch  Conglomerate , die  sich  links  der 
Mettau  unmittelbar  an  die  krystallinischen  Schiefer  des  Mense  - Gebirges 
anlehnen. 

Zwischen  dem  Schwadowitz-,  Radowenzer  und  dem  Braunauer  Rothlie- 
gendgebiet  breitet  sich  die  1 1/2  Meilen  breite  Politz-Adersbacher  Kreidebucht 
aus.  Geographisch  erscheint  dieses  Gebiet  gegen  das  Braunau’sche  tiefere  Flach- 
land mehr  als  eine  Hochfläche,  die  sich  gegen  ersteres  mit  dem  Heuscheuergebirge 
und  seiner  böhmischen  Fortsetzung,  dem  Quaderfelsgrat  vom  Stern  und  Geyers 
korb  (auf  den  Generalstabskarten  als  „Falkengebirge44  bezeichnet)  schroff  hinab- 
senkt. Das  Innere  dieser  Mulde  erfüllen  mächtige  Ablagerungen  von  Quader- 
mergel, mit  ziemlich  tiefen  Thaleinrissen.  Darunter  das  bedeutendste  das  Thal 
der  in  dem  Adersbacher  Felsenlabyrinthe  entspringenden  Mettau.  Mehr  insel- 
förmig arrondirte  Felsgruppen  von  „oberem  Quader44,  der  auch  die  Felsmassen 
des  Heuscheuergebirges,  des  Stern,  und  des  Bukowin  oder  Boorberges  bei  Ma- 
chow  zusammensetzt,  bringen  hier  in  die  Einförmigkeit  des  Quadermergelgebietes 
einige  Abwechslung,  die  um  so  mehr  sich  steigert,  je  mehr  man  sich  dem  Be- 
reich jener  Sandsteininseln  nähert.  Kaum  ahnt  man  aber  vorher  jenen  Wechsel 
der  Scenerien,  der  sich  dem  Besucher  der  Weekelsdorfer  und  Adersbacher  Thal- 
schluchten offenbart,  wenn  er  in  Begleitung  der  grösstentheils  nichts  weniger 
als  gehörig  gedrillten  Felsenführer  in  ihr  Inneres  vordringt.  Viel  kleinere  solche 
isolirte  Felsgruppen  bildet  der  obere  Quader  noch  im  Heyde-  und  Wostas-Berg 
bei  Mohren,  ferner  am  Kirchberg  bei  Hutberg. 

Alle  diese  und  noch  andere  unbedeutendere  Partien  dieses  Sandsteines  sind 
die  rückständigen  Reste  einer  Decke,  die  sich  einst  eontinuirlich  über  den 
Quadermergel  ausgebreitet  hatte.  Unter  diesem  letzteren  lagert  wieder,  wie 
überhaupt  im  ganzen  böhmischen  Kreidegebiete,  der  cenomane  „untere  Quader- 
sandstein44, um  den  die  Schichten  der  hiesigen  Mulde,  abgerechnet  einige  secun- 
däre  Störungen,  meist  sehr  sanft  gegen  die  Mitte  zu  einfallen;  so  beisst  der 
untere  Quader  auch  überall  an  den  Rändern  heraus,  sei  es  oft  auch  nur  bei  eini- 
gen Fussen  Mächtigkeit.  Dieses  überaus  regelmässige  Lagerungsverhältniss  der 
drei  Glieder  der  hiesigen  cenomanen  Quaderformatiou  macht  es,  dass  man  deren 


1 74 


Verhandlungen. 


[8] 


Aufeinanderfolge  kaum  irgendwo  in  Böhmen  mit  solcher  Deutlichkeit  und  Evidenz 
zu  beobachten  und  studiren  vermag  wie  eben  hier  *). 


SW.  NO. 

St  Steinkohlenzug'  von  Schwadowitz.  St1  Steiukohlenzug  von  Radoweuz,  V Schiefer  und  Sandsteine  der  uuteren 
Rothliegend-Etage.  Ar  Arkosensaudstein  und  M Sehiefertlione  und  Sandsteine  der  mittleren  Rothliegend-Etage, 
P Porphyr.  Q Unterer  Quader.  Qm  Quadermergel.  Q‘  Oberer  Quader. 


In  dem  auf  das  Rothliegende  folgenden  Gebiet  der  Quaderformation  jenseits 
des  Schwadowitzer  Bergzuges  fehlt  jede  Spur  von  „oberem  Quader“.  Er  ist  hier 
wie  in  den  südlicheren  und  westlicheren  Theilen  der  Politzer  Gegend  vollständig 
fortgeführt,  falls  er  einst  hier  thatsäehlich  auch  vorhanden  war.  Denn  im  Allge- 
meinen äussert  er  sich  mehr  als  eine  Strandbildung,  wie  eben  auch  der  obere 
Quader  der  sächsisch-böhmischen  Schweiz.  Im  Kreidegebiet  der  Gegend  von 
Königinhof,  Schurz,  Jaromer,  Josephstadt  und  Gross-Bürglitz  lagern,  wie  meisten- 
theils  im  Inneren  des  böhmischen  Kreidebeckens,  die  nach-cenomanen,  also 
turonen  Sehiefertlione  des  Pläners  unmittelbar  über  dem  Quadermergel, 
ziehen  sich  jedoch  in  der  durch  Verwerfung  entstandenen  Thalmulde  von  Miletin 
und  Mlasowitz  vom  ersteren  Orte  an  auch  übergreifend  über  den  „unteren 
Quader“,  eben  so  grossentheils  jenseits  des  ebenfalls  ganz  aus  diesen  Quader- 
sandstein bestehenden  Bergzuges  von  Chlum  bei  Horitz.  In  der  Gegend  von 
Chomautitz  bis  über  Kopidlno  hinaus  bildet  der  Pläner  überall  das  ziemlich  sterile 
Flach-  und  Hügelland,  das  eben  auch  nur  dort  fruchtbarer  wird,  wo  mächtigere 
Lössdecken  sich  über  ihn  oder  älteren  diluvialen  Schotter  ausbreiten. 

Bei  dem  jüngsten  Gliede  der  hiesigen  Kreidebildungen,  den  Baculiten- 
thonen  oder  Schieferthonen,  welche  in  den  westlicheren  Kreisen  an  man- 
chen Orten  so  deutlich  blossliegen,  würde  sich  hier  schon  wegen  des  allverbrei- 
teten Diluviums  keine  nähere  Ausscheidung  durchführen  lassen,  wären  diese 
Schichten  hier  sonst  auch  verbreiteter  als  sie  es  in  der  That  zu  sein  scheinen. 
Theoretisch  genügen  indessen  schon  die  wenigen  sicher  nachgewiesenen  Loca- 
litäten  im  Saazer  und  Leitmeritzer  Kreise  zur  Constatirung  dessen,  dass  im 
hiesigen  Kreidegebiet  noch  nach  der  Ablagerung  des  Pläners  sich  jüngere, 
wahrscheinlich  sogar  senone  Niederschläge  bildeten,  bevor  sich  das  Kreidemeer 
aus  Böhmen  vollständig  zurückgezogen  hatte.  Während  der  ganzen  nachfolgen- 
den Tertiärperiode  lag  dann  das  Kreidegebiet  des  östlichen  Böhmens  völlig 
trocken,  war  aber  dabei  der  Tummelplatz  für  manche  mächtige  fliessende  Ge- 
wässer, die  ungeheuere  Massen  von  jenen  Gebilden  mit  sich  fortrissen  und  da- 


O Die  auf  der  preussisch-schlesischen  geologischen  Karte  unter  g und  g'  als  „Cenomane 
plänerartige  Gesteine“  und  „Cenomaner  Plänersandstein“  ausgeschiedenen  Gebilde  gehö- 
ren zusammen  als  untrennbar  dem  Qua  dermergel  an. 


Sitzung  vom  4.  Februar.  J.  Jokely.  M.  V.  Lipoid. 


175 


[9] 


mit  theils  die  Süsswasserbecken  des  nordwestlichen  Böhmens,  theils  wohl  auch 
die  grosse  mährische  marine  Bucht  speisten.  Nach  ihrem  theilweisen  Bückzug 
blieben  zuletzt  in  der  Diluvialzeit  mehr  minder  ausgedehnte  Binnenseen  übrig, 
worin  sich  jene  Sand-  und  Schottermassen  ablagerten,  die  man  so  häufig  im 
Umkreise  der  jetzigen  Teiche,  gleichsam  den  rückständigen  Lachen  jener 
diluvialen  Seen,  in  grösserer  oder  geringerer  Mächtigkeit  antrifft.  Der  Löss, 
jedenfalls  die  rätselhafteste  aller  Diluvialablagerungen,  kam  sammt  den  ihn 
fast  überall  unterlagernden  Gerollen  jedenfalls  erst  zu  jener  Zeit  zum  Absatz, 
als  bereits  durch  fliessende  Gewässer  auf  weite  Strecken  Landes  Kreide  und 
andere  ältere  Bildungen  massenhaft  zerstört  und  fortgeführt  worden  waren. 

Von  mancher  Seite  freundlichst  bei  meinen  Aufnahmen  unterstützt,  ist  es 
doch  vor  Allem  für  mich  ein  Act  innigster  Dankbarkeit,  wenn  ich  jener  gütigst 
wohlwollenden  Aufnahme  von  SeitenSeiner  Durchlaucht  des  Prinzen  Wil- 
helm zu  Schaumburg-Lippe  besonders  gedenke,  die  er  mir  angedeiheu 
liess,  und  dabei  auch,  trotzend  allen  Unbilden  der  Witterung,  selbstthätig  und 
vom  regsten  Eifer  für  die  Aufgabe  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt  beseelt 
bei  den  Begehungen  seiner  Domäne  sich  betheiligte.  Ausser  so  vielen  für  die 
Aufnahme  wichtigen  Erscheinungen,  bieten  hier  dann  neben  den  so  reichen 
Schätzen  des  Geistes  und  der  reinsten  Empfänglichkeit  für  das  Naturstudium 
noch  Schloss  Ratiboritz,  ein  wahres  Tusculum  voll  idyllischer  Anmuth,  und  das 
geschichtlich  berühmte  Schloss  Nachod  je  eine  auserlesene  Sammlung  von  jenen 
mächtigen  Araucari  tenstämmen  der  Schwadowitzer  und  Radowenzer  Gegend,  von 
denen  ein  werthvolles  Exemplar  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als  Geschenk 
von  der  durchlauchtigsten  Frau  Fürstin  Ida  in  ehrender  Erinnerung  bewahrt. 

Schliesslich  habe  ich  noch  einmal  Dankesworte  auszusprechen,  tief  und 
innigst  empfundene  Dankes worte,  die  ich  jetzt,  wo  ich  einer  Laufbahn  entsage, 
auf  der  ich,  in  wahrer  Erkenntniss  jenes  hervorragenden  Zieles  das  die  k.  k. 
geologische  Reichsanstalt  verfolgt,  mit  aller  Hingebung  meine  schwachen  Kräfte 
aufzuopfern  bereit  war,  — für  das  mir  bewahrte  und  mich  stets  so  überaus  be- 
glückende Wohlwollen  unserem  hochverehrten  Director,  Herrn  k.  k.  Hofrath 
Wilhelm  Haidinger  darbringe.  Ebenso  aufrichtig  ist  jenes  Dankgefühl, 
dem  ich  hier  einen  Ausdruck  leihe  gegenüber  den  Herren  k.  k.  Bergräthen 
Franz  Ritter  von  Hauer,  Franz  Foetterle,  M.  V.  Lipoid  und 
Herrn  Director  Dr.  Moriz  Hörnes,  die  nicht  allein  das  Werk  eines  schöpfe- 
rischen Geistes,  dessen  Devise:  „Nie  ermüdet  stille  steh’n!“  glänzend  und 
erfolgreich  weiter  auszuführen  beflissen  sind,  sondern  auch  aufstrebenden 
jüngeren  Kräften  ihre  anregende  Theilnahme  nicht  entziehen,  sobald  sie  einer 
solchen  bedürftig  erscheine  n. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  gab  einen  Auszug  aus  einer  für  das 
Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vorbereiteten  Abhandlung: 
„Ueber  die  Eisensteinlager  in  der  silu rischen  Grauwacken- 
formation Böhmens",  und  besprach  zunächst  die  Schichten,  in  denen  die 
Eisensteine  auftreten,  und  die  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  be- 
findlichen Eisensteinbergbaue. 

Obschon  in  mehreren  Abtheilungen  der  Grauwackenformation  in  Böhmen,  ins- 
besondere auch  in  den  Pnbramer  Schiefern  (Barrande’s  Etage  B ) Eisensteine 
Vorkommen,  so  ist  es  doch  vorzüglich  jene  Schichtengruppe  der  unteren  Abthei- 
lung der  silurischen  Grauwackenformation , welche  zunächst  auf  die  Ginecer 
Schichten  (Barr.  C ) folgt,  und  von  Herrn  J.  Barrande  als  Abtheilung  dl  der 
Etage  D bezeichnet  wurde,  welche  sich  durch  einen  grossen  Reichthum  an 
Eisensteinen  auszeichnet  und  einen  grossen  Theil  der  wichtigsten  und  ausge- 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


X 


176 


Verhandlungen. 


[tOj 

dehntesten  Eisenwerke  Böhmens  mit  Eisensteinen  versorgt.  Die  Bar  ran  d e'sche 
Abtheilung  di  wurde  indessen  von  Herrn  Lipoid  in  die  Krusnahora-Schichten, 
in  die  Komorauer  Schichten  und  in  die  Rokycaner  Schichten  geschieden,  von 
welchen  die  Komorauer  Schichten  die  eigentliche  Zone  der  Eisenerzlager,  die 
Krusnahora-Schichten  das  Liegende  und  die  Rokycaner  Schichten  das  Hangende 
der  Eisensteinzone  umfassen.  Diese  Schichten  wurden  auch  in  den  geologischen 
Karten  besonders  ausgeschieden,  und  treten  von  Auwal,  östlich  von  Prag,  bis 
Pilsenec,  SO  von  Pilsen,  in  einer  Längenausdehnung  von  ungefähr  12  Meilen 
sowohl  an  der  Süd-  als  an  der  Nordseite,  besonders  aber  im  Südwesten  des  von 
Nordost  nach  Südwest  sich  ausdehnenden  silurischen  Beckens  zu  Tage. 

Die  Krusnahora-Schichten  bestehen  aus  graulichen,  grünen  und  rotheu 
Sandsteinen  mit  Schiefern  und  Hornsteinlagern.  An  den  Kluftflächen  findet  sich 
öfters  Wawellit  vor.  Lingula  Feistmanteli  Barr,  ist  die  einzige  und  zugleich 
charakteristische  Versteinerung  dieser  Schichten. 

Die  Komorauer  Schichten  sind  ausgezeichnet  durch  Diabas-,  Schälstein- 
und  Mandelsteinbildungen,  welche  mit  Tuff-  und  Breccien-Gesteinen,  und  mit 
verschieden  gefärbten  z.  B.  gebänderten  Schiefern  wechsellagern,  und  bald  im 
Liegenden,  bald  im  Hangenden  von  den  Eisen  stein  lagern  begleitet  werden. 
An  Versteinerungen  finden  sich  in  diesen  Schichten  Orthis-  und  kleine  Lingula- 
Arten  und  Conularia  grandis  vor. 

Die  Ausscheidung  der  Rokycaner  Schichten  erfolgte  durch  Herrn  Bergrath 
Lipoid  erst  neuerlich  in  Folge  der  Revisionsarbeiten,  welche  derselbe  im  Som- 
mer 1861  in  der  Umgebung  von  Rokycan  vornahm.  Sie  bestehen  aus  schwarzen 
glimmerigen  Schiefern,  die  nach  oben  mit  grauen  dünnschiefrigen  Sandstein- 
schichten wechsellagern,  und  das  unmittelbar  Hangende  der  Komorauer  Schich- 
ten bilden.  Herr  Lipoid  zählte  dieselben  früher  schon  den  nächstfolgenden 
Brda-Schichten  zu.  Diese  Schichten,  die  in  petrographischer  Beziehung  eine 
bedeutende  Aehnlichkeit  mit  den  Zahoraner  Schichten  (Barr.  D.  dk)  besitzen, 
enthalten  kugelige  und  knollige  Absonderungen  (Rokycaner  Kugeln  mit  Petre- 
facten  im  Kerne),  und  Ausscheidungen  und  Lager  von  Sphärosideriten.  Sie  sind 
durch  eine  eigenthümliche  und  reiche  Fauna  ausgezeichnet,  deren  Herr  Bar- 
rande im  Bull,  de  la  soc . geolog.  de  France  2e  ser.  t.  XIII  pag.  552, — 1856 
erwähnt.  Am  häufigsten  finden  sich  Placoparia  Zippei  Cord.,  Illaenus  Katzeri 
Barr.,  Dalmanites  atavus  Barr.,  Trinucleus  Reussi  Barr.,  Orthis -,  Lingula-, 
Orthoceras- Arten  vor,  so  wie  auch  Graptolithen  in  denselben  Vorkommen. 

Den  Rokycaner  Schichten  aufgelagert  sind  die  Brda-Schichten  (Barr.  D.d2), 
dichte,  zuckerartige  Quarzitgesteine  von  grauer,  gelblicher,  röthlicher  undweisser 
Farbe,  welche  durch  ihren  eigenthümlichen  petrographischen  Charakter,  im 
Gegensätze  zu  den  Krusnahora-Schichten,  einen  vortrefflichen  Horizont  für  das 
Hangendgebirge  der  Eisensteinzone  abgeben.  Von  Versteinerungen  führen  sie 
am  häufigsten  Dalmanites  socialis  Barr,  und  Trinucleus  ornatus  Sternb. 

Die  Mächtigkeit  der  einzelnen  obbezeichneten  Schichten  ist  an  verschiedenen 
Orten  des  Beckens  sehr  verschieden,  und  beträgt  stellenweise  nur  einige  Klafter, 
während  sie  an  manchen  Punkten  wohl  an  60  und  mehr  Klafter  betragen  mag. 

Von  den  Eisensteinbergbauen  an  der  Südseite  des  Beckeus  erwähnte  Herr 
Bergrath  Li  p o ld  jener  von  Auwal,  der  fürstlich  Colloredo’schen  Baue  am 
Skalkaberg  bei  Mnisek  und  am  Studeny-Berg  (Mala  Baba),  NW.  von  Dobfis, 
und  der  kurfürstlich  Hessischen  Baue  zu  Komorsko  am  Pisek-Berg , östlich 
von  Ginec,  und  am  Wostrai-Berg,  SO.  von  Horowice. 

Nächst  Auwal  sind  bisher  blos  Schürfarbeiten  auf  Eisensteine  in  den  Komo- 
rauer Schichten  vorgenommen  worden. 


[11] 


Sitzung  vom  4.  Februar.  M.  V.  Lipoid.  Freih.  v.  Andrian. 


177 


Am  Skalkaberg  werden  zwei  durch  ein  Zwischenmittel  von  20  Klafter  ge- 
trennte Eisensteinlager  abgebaut.  Das  Hauptlager  in  der  Mächtigkeit  von 
4 — 4y2  Klafter  führt  linsenförmige  Rotheisensteine  (Roggeneisensteine)  mit 
40  — 45  Percent  Eisenhalt,  das  Hangendlager  in  der  Mächtigkeit  von  3 — 5 Fass 
sehr  milde  Brauneisensteine  mit  30 — 35  Percent  Eisenhalt.  Beide  Lager  streichen 
von  Stunde  6 in  18  (0.  in W.),  und  fallen  36 — -40  Grad  widersinnisch  in  Nord  ein. 
Sie  sind  im  Streichen  in  einer  Längenerstreckung  von  16.000  Klaftern  bekannt. 

Am  Studeny-Berg  stehen  gleichfalls  zwei  37  Klafter  von  einander  entfernte 
Erzlager  im  Abbaue.  Das  6- — 8 Fuss  mächtige  Liegendlager  besteht  aus  linsen- 
förmigen, zum  Theil  dichten  und  sehr  reinen  Rotheisensteinen  von  40—50  Per- 
cent Eisenhalt;  das  Hangendlager  führt  Brauneisensteine  von  vorzüglicher  Qualität 
und  20 — 25  Percent  Eisenhalt,  welche  theils  in  einem  Lager  von  2 — 3 Fuss 
Mächtigkeit,  theils  in  1 */2  — 2 Fuss  mächtigen  Linsen  in  der  Ausdehnung  von 
10 — 12 Klafter  Vorkommen.  Das  Streichen  istStundeö inll,  das  Einfallen  gleich- 
falls 40  — 50  Grad  widersinnisch  in  Nord.  Die  Lager  sind  im  Streichen 
1200  Klafter  weit  aufgeschlossen,  und  sind  ohne  Zweifel  die  westliche  Fort- 
setzung der  Lager  vom  Skalkaberg. 

Bei  dem  Bergbaue  Komorsko  führt  das  Hauptlager  theils  Spath-,  theils 
Roth-,  theils  Brauneisensteine  in  verschiedener  Mächtigkeit.  Die  Spath-  und 
Braunerze  besitzen  25  Perc. , die  reinen  Rotherze  bis  50  Perc.  Gehalt  an  Eisen. 
Das  Lager  streicht  sehr  regelmässig  St.  5 in  11  und  fällt  mit  50  Grad  widersinnisch 
nach  Nord  ein.  In  den  Hangendschiefern  dieses  Lagers  tritt  ein  zweites  Braunerz- 
(Gelbeisenstein-)  Lager  auf,  dass  sich  aber  theils  allmälig  in  die  Teufe  verliert, 
theils  in  einzelne  zerstreute  Schwefelkies-  und  Sphärosiderit-  Knollen  zersplittert. 

Am  Wostrai-Berge  steht  das  durch  einen  Stollen  in  den  Komorauer  Schich- 
ten angefahrene  Lager  von  linsenförmigem  Rotheisenstein  erst  in  der  weiteren 
Ausrichtung. 

Schliesslich  erwähnte  Herr  Bergrath  Lipoid  dankend,  dass  ihn  die  Herren 
Franz  Koschin,  k.  k.  Berggeschworner  zu  Pribram,  und  Heinrich  Becker, 
Bergverwalter  zu  Komorau,  freundlichst  durch  Daten  über  die  besprochenen 
Bergbaue  unterstützten. 

Herr  F.  Freiherr  v.  An  d ri an  legte  verschiedene  Gesteinsproben  aus  dem 
Gneissgebiete  des  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreises  vor.  Als  petrographisch 
wichtigste  Abänderungen  lassen  sich  unterscheiden:  ein  mittelkörniger  schup- 
piger Gneis sphyllit,  der  den  grössten  Theil  des  ganzen  Gebietes  zusammen- 
setzt, der  aber  oft  wechsellagert  mit  Schichten  eines  festen  grauen  Gesteins, 
welches  als  Normaltypus  des  als  „grauer  Gneiss“  ausgeschiedenen  Gliedes 
dieser  Formation  angesehen  werden  kann.  Gr  an  itg  n eisse  kommen  im  süd- 
lichsten Theile  des  Gebietes  (Choteborz  S.)  vor,  ohne  jedoch  eine  grosse  locale 
Entwickelung  zu  zeigen.  Der  westliche  Theil  desselben  wird  von  echten  Glim- 
mergneissen  gebildet,  welche  übrigens  mit  den  anderen  Varietäten  ebenfalls 
auf  das  innigste  verflochten  sind.  So  zeigen  sich  alle  diese  Varietäten  in  geologi- 
scher Beziehung  als  durchaus  gleichwerthig  und  es  kann  für  das  vorliegende 
Gebiet  die  Ausscheidung  eines  einzelnen  Gliedes,  wie  es  in  anderen  Gegenden 
für  den  „Phy  1 li tgn eiss“  versucht  worden  ist,  nur  als  in  petrographischer 
Beziehung  maassgebend  angesehen  werden. 

Von  den  zahlreichen  Einlagerungen  im  Gneisse  wurden  die  Turmalin-Granit- 
stöcke von  Tisy  Skala  (Czaslau  S.)  und  bei  der  Doudow-Mühle  (Czaslau  SW.) 
besprochen.  Sie  liegen  parallel  der  Structurrichtung  des  Nebengesteins  und 
zeigen  zwischen  ganz  körnigen  Partien  auch  deutliche  Schieferung.  Trotzdem 
scheint  ihnen  keine  gleichzeitige  Entstehung  mit  dem  Gneissgebirge  zugespro- 


178 


Verhandlungen. 


[12] 

chen  werden  zu  können,  wenn  man  die  überaus  deutlichen  gangförmigen  Vor- 
kommen im  westlich  daran  anstossenden  Gebiete  (an  zahlreichen  Punkten  des 
Sazawathales  aufgeschlossen)  damit  vergleicht,  wo  zugleich  grosse  Bruchstücke 
des  Nebengesteines  in  der  Gangmasse  eingeschlossen  zu  beobachten  sind.  Es 
lässt  sich  somit  mit  einigem  Grunde  von  dem  lagerformigen  Auftreten  desselben 
behaupten,  was  für  die  schiefrige  Structur  schon  von  Naumann  in  seiner 
Abhandlung  „Ueber  die  wahrscheinlich  eruptive  Natur  mancher 
Gneisse.“  v.  Leonh.  Jahrb.  1847,  S.  297,  nachgewiesen  worden  ist  — dass 
diese  äusseren  Ausbildungsformen  nicht  in  allen  Fällen  die  ersten  Beweismittel 
für  die  Bildung  eines  Gesteins  zu  liefern  geeignet  sind. 

Die  Hornblendeschiefer  südlich  von  Ronnow  enthalten  Einlagerungen  von 
ausgezeichneten  Grünsteinen  (Diorit,  Gabbro,  Aphanit).  Sie  bilden  dort  einen 
Stock,  der  unmittelbar  beim  Orte  Mladotitz  von  grünlichem  festen  Serpentin  über- 
lagert wird.  Darüber  folgen  im  Hangenden  viele  Hornblendeschiefer. 

Auch  die  Serpentinpartie  bei  Borek  steht  in  Verbindung  mit  Hornblende- 
gneiss.  Hier  lassen  sich  deutlich  zwei  Varietäten  unterscheiden,  die  eine  ist 
nicht  geschichtet,  nur  gestreift,  und  enthält  in  der  hellgrünen,  ausserordentlich 
festen  Grundmasse  zahlreiche  Granatkörner,  während  die  andere,  welche  die 
Kuppe  zusammensetzt,  keine  Granatbeimischung  zeigt,  von  dunkelgrüner  Farbe 
und  von  vielen  kalkhaltigen  Absonderungsklüften  durchzogen  ist.  In  diesen  beiden 
Fällen  scheint  der  Serpentin  ein  Umwandlungsgebilde  aus  den  Hornblende- 
gesteinen, und  zwar  meist  aus  Grünsteinen  darzustellen. 

Weitere  Vorkommen  von  Grünsteinen  im  grauen  Gneisse  sind  (Kuttenberg 
SSW.)  bei  Polycan,  im  Maleschauerthale  und  (von  Choteborz  SW.)  bei  Skuhrow 
am  Mezihaiberge  zu  beobachten.  Diese  Gesteine  zeigen  sich  ihrem  Auftreten 
nach  ganz  verschieden  von  denen,  welche  im  Granite  in  so  grossen  Mengen  Vor- 
kommen. Sie  bilden  nur  einzelne  Einlagerungen,  welche  gewöhnlich  schon  durch 
Erhöhungen  der  Oberfläche  kenntlich  sind,  während  sie  im  Granite  stets  zu  zahl- 
reichen Zügen  vergesellschaftet  sind,  ihre  Grundmasse  ist  meistens  dicht,  rothe 
Granate  sind  überall  in  grossen  Massen  zu  beobachten. 

Vom  rothe n Gneiss  lassen  sich  ebenfalls  mehrere  Varietäten  unterschei- 
den, welche  sämmtlich  die  charakteristischen  Kennzeichen  dieses  Gesteins  in  so 
hohem  Grade  besitzen,  dass  man  über  deren  Erkennung  nicht  zweifelhaft  ist.  Die 
normale  Varietät  ist  sehr  stark  schiefrig  mit  einer  grobkörnigen  Ausbildung  der 
Bestandteile,  sie  ist  besonders  im  Chrudimkathale  bei  der  Ruine  Oheb  entwickelt. 

Die  Ausläufer  des  böhmisch-mährischen  Grenzgebirges  zeigen  Gesteine  von 
fast  granitisehem  Typus,  bei  denen  aber  die  Streckung  der  Bestandtheile  doch 
nie  ganz  verschwindet.  Ein  eigentümliches  Aussehen  haben  die  Gesteine  des 
Studnitzberges  (Hlinsko  S.),  wo  alle  einzelnen  Bestandtheile  verschwinden  und 
nur  eine  feinkörnige  Porphyrmasse  von  rötlicher  Farbe  entwickelt  ist.  Die  dem 
Augengneisse  verwandte  Abänderung  mit  grossen  Feldspathausscheidungen,  in 
der  Gegend  von  Kohljanowitz  so  stark  entwickelt,  kommt  im  vorliegenden  Gebiete 
gar  nicht  vor. 

Für  die  Theorie  von  Wichtigkeit  sind  die  bei  Lhotka  beobachteten  Bruch- 
stücke von  Gneissphyllit  im  rothen  Gneisse,  ferner  die  deutliche  Umänderung  der 
Urthonschiefer  von  Hlinsko  u.  s.  w.  in  Knotenschiefer  und  Gimmerschiefer  — 
Umänderungen,  welche  nur  an  den  Stellen  erscheinen,  wo  die  Masse  des  Thon- 
schiefers am  kleinsten , die  des  rothen  Gneisses  am  grössten  ist,  wie  dies  in  der 
schmalen  Zunge  von  Schiefer  zwischen  Hlinsko  und  Kreuzberg  der  Fall  ist. 

Was  die  Structur  des  Gneissgebietes  betrifft,  so  ist  zu  bemerken,  dass  im 
westlichen  Theile  durchaus  die  Richtung  Stunde  4 — 5 mit  nordwestlichem  Fallen 


Sitzung  vom  4.  Februar.  Freih.  v.  Andrian.  P.  v.  Tchihatchef. 


179 


[13] 


vorherrscht  und  dass  dieselbe  gegen  Osten  zu  sich  ganz  allmälig  in  eine  durch 
Stunde  23  bezeichnete  umändert,  so  dass  ein  Einfluss  einer  Gebirgshebung 
parallel  den  Gankowa  horer  Bergen  nicht  zu  verkennen  ist  — eine  Hebung, 
welche  nach  der  Ablagerung  der  Quadersandsteingruppe  stattgefunden  haben 
muss,  deren  Ueberreste  in  der  Form  von  isolirten  Terrassen  längs  des  Nordwest- 
Abhanges  der  erwähnten  Kette  noch  übrig  geblieben.  Ob  diese  Hebung  durch 
die  Eruption  des  rothen  Gneisses  bedingt  worden  sei,  muss  dahingestellt  bleiben, 
da  derselbe  hier  ganz  regelmässig  auf  den  Schichten  des  grünen  Gneisses  auf- 
liegt und  weiter  gegen  Norden  in  gleicher  Weise  von  den  Urthon-  und  Grau- 
wackenschiefern überlagert  wird.  In  der  östlichen  Partie  des  rothen  Gneisses 
stimmt  ebenfalls  die  Structur  des  rothen  Gneisses  mit  dem  Grenzverlaufe 
ziemlich  gut  überein,  sie  zeigt  eine  nordsüdliche  Richtung  mit  östlichem  Einfallen, 
und  stimmen  diese  Thatsachen  mit  den  aus  anderen  Gegenden  angeführten  Beob- 
achtungen, welche  alle  darauf  hinweisen , dass  das  genannte  Gestein  eruptiven 
Ursprunges  sei  und  dass  sich  diese  Schichtung  oder  Plattung  ganz  mit  dieser 
Ansicht  vertrage,  wenn  auch  für  vorliegendes  Gebiet  die  nöthigen  Daten  zu 
dessen  genauerer  Altersbestimmung  fehlen. 

Der  nachstehende  Abschnitt  eines  freundlichen  Schreibens  des  kaiserlich- 
russischen Staatsrathes  P.  v.  Tchihatchef  vom  26.  December  1861  an  Herrn 
Director  Haidinger  war  bei  dem  so  anregenden  Inhalte  bereits  auch  in  dem 
Abendblatte  der  „Kaiserlichen  Wiener  Zeitung“  vom  7.  Jänner  mitgetheilt  worden. 

„Der  Vesuv  im  December  1861.  Am  8.  December  wurde  die  ganze 
Bevölkerung  Neapels  durch  die  auffallende  Erscheinung  betroffen,  an  dem  süd- 
westlichen Abhange  des  Vesuvs,  oberhalb  des  Städtchens  Torre  del  Greco  eine 
Reihe  von  Feuersäulen  zu  erblicken,  die  um  so  greller  hervortraten,  als  der 
ganze  Berg,  wie  auch  die  sämmtliche  Küste  in  dichte  Rauchwolken  eingehüllt 
waren.  Den  nächsten  Tag  (9.  December)  eilte  ich  früh  Morgens  nach  Torre  del 
Greco;  der  Himmel  in  Neapel  war  vollkommen  klar,  aber  kaum  hatte  ich  Portici 
erreicht,  so  befand  ich  mich  schon  in  Finsterniss  gehüllt,  durch  die  mit  feiner 
Asche  erfüllten  Rauchwolken  verursacht;  der  Aschenregen  wuchs  je  mehr  ich 
mich  Torre  del  Greco  näherte,  wo  er  den  Augen  beschwerlich  wurde. 

Ich  fand  die  Einwohner  des  Städtchens  in  der  grössten  Aufregung;  fast 
alle  Häuser  waren  mit  Spalten  und  Rissen  durchsetzt,  mehrere  in  Schutthaufen 
verwandelt.  Die  Einwohner  berichteten  mir  Folgendes:  Seit  dem  frühesten 
Morgen  bis  etwa  6 Uhr  Nachmittags  bebte  der  Boden  gestern  (8.  December) 
fast  beständig,  so  dass  man  nicht  weniger  als  21  starke  Stösse  zählen  konnte 
(von  welchen  jedoch  nur  ein  einziger  und  zwar  sehr  schwach  in  Neapel  selbst 
verspürt  ward);  um  3 Uhr  Nachmittags  wurde  Torre  del  Greco  plötzlich  in  Rauch 
und  Aschen  wölken  gehüllt,  die  aus  mehreren,  oberhalb  der  Stadt  entstandenen 
Kegeln  herausgeworfen  wurden.  — Ich  beeilte  mich  das  unglückliche  Städtchen, 
welches  ein  grässliches  Bild  der  Zerstörung  und  des  Jammers  darbot,  hinauf- 
zusteigen; kaum  hatte  ich  die  letzten  Gemäuer  und  Gärten  desselben  hinter  mir 
gelassen,  als  ich  mich  auch  schon  in  dem  Gebiete  der  seit  gestern  (8.  Decem- 
ber) bis  hieher  vorgedrungenen  Lava  befand.  Die  fast  ausschliesslich  aus 
Schlackenmassen  bestehende  Lava  war  schon  dermassen  abgekühlt,  obwohl  nur 
seit  18  Stunden  aus  dem  glühenden  Herde  emporgestiegen,  dass  ich  auf  der 
äusseren  Kruste  derselben  ohne  Beschwerde  für  meine  Füsse  fortschreiten 
konnte,  dahingegen  war  die  dem  Boden  zugekehrte  Fläche  der  Blöcke  noch  so 
glühend,  dass  ein  hineingestossener  Stock  sogleich  lichte  Flammen  fing. 

Nachdem  ich  etwa  600  Meter  auf  dieser  oberflächlich  erstarrten  brennen- 
den Masse  in  NNOlicher  Richtung  gestiegen,  befand  ich  mich  in  einer  ziemlich 


180 


Verhandlungen. 


[14] 

geringen  Entfernung  von  den  konischen  Hügeln,  denen  die  Lavaströme  ent- 
quollen waren,  und  welchen  ungeheure  Rauchwolken  entstiegen;  unglücklicher- 
weise konnte  ich  mich  diesen  Kratern  nicht  hinlänglich  nähern  um  ihre  Be- 
schaffenheit zu  prüfen,  indem  mit  dem  Rauche  eine  ungeheure  Menge  nicht 
blos  glühender  Asche,  sondern  auch  grosse  Steine  emporgeschleudert  wurden; 
diese  glühenden  Substanzen  waren  es  nämlich,  welche  von  Neapel  aus  in  der 
Dunkelheit  gesehen  als  Feuersäulen  erschienen.  Die  aus  weissem  und  schwarzem 
Rauch  bestehenden  Säulen  entstiegen  aus  den  Kratern  nicht  regelmässig,  son- 
dern stossweise  empor;  jede  plötzlich  mit  Ungestüm  emporgeschleuderte  Rauch- 
wolke wurde  durch  ein  unterirdisches  dumpfes  Toben  angekündigt,  das  jedoch 
mit  keinem  (wenigstens  von  mir  bemerkten)  Erzittern  des  Bodens  begleitet  war, 
obwohl  ich  nicht  unterlassen  darf  zu  bemerken,  dass  ich  sehr  deutlich  eine 
merkwürdige  aber  ruhige  Aufblähung  des  Bodens  an  einem  Orte  bemerkte,  wo 
aufgethürmte  Schlackenmassen  sich  langsam  emporhoben,  dann  aber  ihr  früheres 
Niveau  so  behutsam  wieder  einnahmen,  dass  fast  keiner  der  unzusammenhängen- 
den losen  Blöcke  seine  Lage  veränderte. 

Die  Luft  war  vollkommen  ruhig  und  eine  feierliche  Stille  erhöhte  das  Impo- 
sante des  unbeschreiblich  majestätischen  Schauspiels.  Die  in  Pinienform  sich 
gestaltenden  Rauchsäulen  erinnerten  mich  lebhaft  an  die  meisterhafte  Schilderung 
des  jüngeren  Plinius,  mahnten  mich  aber  auch  zugleich,  mich  dem  Schicksale 
seines  Onkels  nicht  auszusetzen,  desshalb  zog  ich  mich  obwohl  ungern  von  den 
bebenden  Kegeln  zurück.  Ehe  ich  noch  Torre  del  Greco  erreicht  hatte,  wurde 
mir  das  für  den  Geologen  beneidenswerthe  seltene  Glück  zu  Theil,  fast  unter 
meinen  Füssen  zwei  kleine  Krater  aufbrechen  zu  sehen,  so  dass  ich  bei  der 
Bildung  der  an  ihrer  Spitze  mit  der  Triehterform  versehenen  Kegel  die  Natur 
selbst  belauschen  konnte;  die  Erscheinung  war  gewiss  höchst  belehrend,  aber 
ich  muss  Ihnen  freimüthig  gestehen,  sie  war  der  Theorie  der  Erhehungskrater 
keineswegs  günstig. 

Als  ich  Torre  del  Greco  verliess  (um  5 Uhr  Nachmittags  den  9.  December) 
um  nach  Neapel  zurückzukehren,  bemerkte  ich,  dass  der  bis  dahin  sich  voll- 
kommen ruhig  verhaltende  grosse  Centralkegel  des  Vesuvs  zu  rauchen  angefan- 
gen hatte.  Die  Thätigkeit  der  neuen  (am  8.  December  entstandenen)  Krater 
war  nicht  lange  anhaltend,  denn  schon  den  12.  December  konnte  man  aus  Neapel 
keine  Rauchwolken  darüber  mehr  sehen.  Den  16.  December  unterbrach  ein 
heftiger  Regen  die  lange  Reihe  der  schönen  Tage,  die  wir  hier  fast  ununter- 
brochen seit  vier  Monaten  genossen  hatten,  sogleich  entwickelte  sich  aber  auch 
plötzlich  die  Thätigkeit  des  grossen  alten  Centralkegels,  denn  um  etwa  8 Uhr 
Morgens  (17.  December)  fing  der  Gipfel  des  Vesuvs  an,  dichte  Rauchwolken 
auszustossen,  welche  bis  9 Uhr  Abends  fortdauerten,  dann  aber  allmälig  ver- 
schwanden. Während  dieser  starken  Rauchentwickelung  fanden  merkwürdige 
elektrische  Erscheinungen  statt,  denn  zwischen  5 bis  6 Uhr  Abends  wurden  die 
Rauchmassen  durch  rasch  auf  einander  folgende  Blitze  durchzuckt;  die  elektri- 
schen Entladungen  machten  sich  bald  durch  die  gewöhnlichen  im  Zickzack  ge- 
brochenen Linien  kund,  bald  durch  einzelne  Funken. 

Während  des  20.  und  21.  December  rauchte  der  Gipfel  des  Vesuvs  fast 
gar  nicht.  Den  22.  December  entschloss  ich  mich  die  bereits  erloschenen  Krater 
näher  zu  untersuchen.  Ich  begab  mich  also  abermals  nach  Torre  del  Greco  und 
bestieg  das  Gebiet  des  neuen  Lava-Ergusses,  nach  den  noch  rauchenden  Kegeln 
eilend.  Die  Zahl  dieser  trichterförmigen  Krater  kann  auf  9 oder  12  angenommen 
werden,  je  nachdem  man  jede  dieser  oft  durch  unregelmässige  Scheidewände 
unvollkommen  getrennten  Aushöhlungen  für  unabhängige  Krater , oder  blos  als 


Sitzung  vom  4.  Februar.  P.  v.  Tchihatehef. 


181 


[15] 


secundäre  Vertiefungen  eines  und  desselben  Kraters  betrachtet.  Diese  9 bis  12 
von  mehr  oder  weniger  circularen  Wänden  umgebene  Krater  befinden  sich  auf 
einer  im  Durchschnitte  von  ONO.  nach  WSW.  laufenden  Linie  in  einer  Entfer- 
nung von  etwa  600  Meter  SSO.  von  dem  im  Jahre  1794  gebildeten  Krater, 
dessen  viel  beträchtlicherer  Lava-Erguss  damals  Torre  del  Greco  von  Grund 
aus  zerstört  hatte. 

Man  kann  annehmen,  dass,  wenn  die  jetzige  Spalte,  aus  der  die  neue  Lava 
emporgedrungen  ist,  nicht  als  eine  südliche  Fortsetzung  derjenigen  betrachtet 
werden  kann,  die  i.  J.  1794  entstanden  ist,  auf  jeden  Fall  die  zwei  Spalten  ein- 
ander fast  parallel  und  in  geringer  Entfernung  aufgetreten  sind;  desshalb  sind 
auch  in  ihrem  unteren  Laufe  die  Laven  dieser  zwei  verschiedenen  Epochen  so 
untereinander  gemengt,  dass,  wenn  die  Lava  von  186  t mehrere  Jahre  den  Atmos- 
phärilien ausgesetzt  worden  sein  und  dadurch  ihre  äussere  Frische  eingebüsst 
haben  wird,  mit  deren  Hilfe  man  dieselbe  von  der  alten  noch  zu  unterscheiden 
vermag,  diese  Unterscheidung  fast  unmöglich  sein  wird,  und  dies  um  so  mehr, 
da  in  Hinsicht  ihrer  mineralogischen  Zusammensetzung  beide  Lava-Arten  ausser- 
ordentlich übereinstimmen,  denn  beide  zeichnen  sich  besonders  durch  ihren 
Reichthum  an  Augit  und  ihre  Armuth  an  Leucit  aus.  Es  bliebe  dann  nur  noch 
ein  botanisches  Mittel  zur  Unterscheidung  übrig,  welches  zugleich  ein 
treffendes  Beispiel  gäbe  von  den  mannigfaltigen  Diensten,  welche  die  anschei- 
nend am  wenigsten  verwandten  Naturwissenschaften  sich  einander  leisten  können. 
Es  ist  nämlich  ein  bewährtes  Factum,  dass  alle  Laven  des  Vesuvs  etwa  fünf 
oder  sechs  Jahre  nach  ihremErgusse  sich  äusserlich  mit  einem  Lichen  bekleiden, 
der  Stereocaulon  vesuvianum  heisst,  daraus  folgt  also,  dass  noch  während  fünf 
bis  sechs  Jahren  dieser  rein  botanische  Charakter  dem  Geologen  das  Mittel 
geben  kann,  die  zwei  jetzt  durch  gar  kein  anderes  Mittel  mehr  erkennbaren 
Laven  beim  ersten  Blicke  zu  unterscheiden. 

Ich  fand  (22.  Dec.)  sämmtliehe  Laven  der  neuen  Krater  vollkommen  abge- 
kühlt. Der  sowohl  dem  Innern  der  Krater,  als  den  zahlreichen  Spalten  noch  ent- 
steigende Rauch  besteht  hauptsächlich  aus  Chlorwasserstoff’gas,  und  blos  hier 
und  dort  aus  Schwefelsäure;  jedoch  verändern  beide  manchmal  ihre  Orte  und 
substituiren  sich  einander.  Die  Gase  müssen  sehr  viel  Wasser  enthalten,  indem 
dieselben  ohne  viel  Beschwerde  eingeathmet  werden  können.  Sowohl  die  inneren 
als  die  äusseren  Wände  der  Krater  sind  sehr  zierlich  weiss,  gelb,  roth,  grün 
und  blau  gefärbt  und  durch  zahlreiche  Effiorescenzen  von  Chloreisen  (Chlorure 
de  fer),  Chlorkali  (Chlorure  de  potasse),  Chlorkupfer  (Chlorure  de  cuivrej, 
Chlornatrium  (Kochsalz),  Eisenoxydul  (fer  oligiste ),  Salmiak,  schwefelsaure 
Kalkerde  (Gyps)  u.  s.  w. 

Nachdem  ich  das  ganze  Gebiet  der  am  8.  December  entstandenen  Krater 
durchwandert,  stieg  ich  nach  Torre  del  Greco  hinab,  indem  ich  mich  der  See- 
küste zuwandte,  bewunderte  ich  die  ungeheuere  Wassermenge , welche  die 
grosse  Fontaine  der  Stadt  nicht  mehr  fassen  konnte  und  in  die  nachbarlichen 
Strassen  sich  ergoss. 

Es  ist  nämlich  sehr  merkwürdig,  dass  während  die  früheren  Ausbrüche  des 
Vesuv  fast  immer  durch  eine  bedeutende  Abnahme  des  Wassers  in  den  Brunnen, 
Quellen  und  Fontainen  der  Stadt  begleitet  waren,  dieses  Mal  im  Gegentheil  alle 
Gewässer  ungeheuer  angeschwollen,  oder  auch  zugleich  mehr  oder  weniger  in 
Säuerlinge  verwandelt  worden  sind.  Aus  der  oberwähnten  Fontaine  strömte  die 
Kohlensäure  in  zahllosen  Blasen  empor  und  bildete  sogar  eine  kleine  Wolke,  die 
über  einem  trockenen  Platz  schwebte;  ein  etwa  einen  Decimeter  über  dem 
Boden  gehaltenes  Zündhölzchen  erlosch  augenblicklich.  Weiter  der  Seeküste  zu 


182 


Verhandlungen. 


[16] 


wurde  das  Phänomen  noch  merkwürdiger,  aber  auch  zugleich  complicirter.  Das 
die  Lava-Felsen  (1794  gebildet)  hespühlende  Meer  kochte  an  mehreren  Stellen 
(ohne  irgend  einer  Temperaturzunahme),  durch  die  Ausströmung  der  Gase; 
als  ich  aber  das  Wasser  eines  ins  Meer  mündenden  Baches  kostete,  schmeckte 
es  nicht  nach  Kohlensäure,  sondern  nach  Kohlenwasserstot)' (Hydrogene  carburJJ 
auch  verrieth  der  in  den  nächstliegenden  Strassen  stark  verbreitete  Geruch  mehr 
Kohlenwasserstoff  als  Kohlensäure. 

Ich  bin  um  so  geneigter  die  Gegenwart  des  ersten  anzunehmen,  da  blos 
dadurch  eine  merkwürdige  Erscheinung  sich  erklären  lässt,  die  mir  einstimmig 
von  allen  Einwohnern  als  Zeugen  bestätigt  worden  ist,  nämlich  die  Erscheinung 
von  mehreren  Flämmchen,  die  sowohl  während  der  Ausbrüche  als  in  den  nächst- 
folgenden Tagen  aus  den  die  Strassen  der  Stadt  zahlreich  durchsetzenden  Spal- 
ten und  Rissen  emporgestiegen  sein  sollen;  nun  wäre  die  Erscheinung  durch 
die  Gegenwart  des  Kohlenwasserstoffs  erklärbar,  da  hingegen  das  Vorhandensein 
der  Kohlensäure  allein  die  Sache  vollkommen  unmöglich  gemacht  haben  würde. 
Eine  noch  wichtigere  Erscheinung  bot  mir  die  Küste  Torre  del  Greco  dar, 
nämlich  die  einer  beträchtlichen  Emporhebung. 

Schon  vor  etwa  drei  Tagen  hatten  die  Herren  Palm  i er i und  Guiscardi, 
Professoren  an  der  hiesigen  Universität,  in  öffentlichen  Blättern  bekannt  gemacht, 
dass  der  Boden  bei  Torre  del  Greco  nicht  weniger  als  1 Meter  12  Centimeter 
erhoben  worden  sei.  Die  Richtigkeit  dieser  Aussage  habe  ich  nun  auf  folgende 
Art  bewährt:  sowohl  nach  NO.  als  nach  SW.  von  Torre  del  Greco  bietet  die  aus 
senkrecht  ins  Meer  abstürzenden  Lava-Felsen  bestehende  Küste  an  ihrer  unteren 
Seite  einen  weissen  Streifen  dar,  dessen  Färbung  durch  zahllose  an  den  schwar- 
zen Felsen  haftenden  aber  blos  im  Meere  wohnenden  Mollusken  und  Zoophyten 
verursacht  ist;  diese  letzten  bestehen  aus  Arten  von  Mytilus , Baianus,  Anomia, 
Sphaerococcos,  Corallina  (officinalis)  u.s.w.  da  nun  aber  der  oben  erwähnte 
Streifen  im  Durchschnitt  1 Meter  hoch  über  der  Oberfläche  des  Meeres  sich 
befindet  und  die  Länge  des  Streifens  etwa  2 Kilometer  beträgt,  so  folgt  daraus, 
dass  auf  dieser  beträchtlichen  Strecke  die  Küste  gehoben  worden  ist. 

Als  ich  Torre  del  Greco  verliess  (22.  December  5 Uhr  Nachmittags),  be- 
merkte ich,  dass  der  Gipfel  des  Vesuvs  abermals  stark  zu  rauchen  angefangen 
hatte,  auch  diesmal  schien  seine  erwähnte  Thätigkeit  mit  einer  Veränderung  in 
der  Atmosphäre  Hand  in  Hand  zu  gehen,  denn  der  schöne  blaue  Himmel  bedeckte 
sich  Abends  mit  Regenwolken  und  es  stürmte  stark  während  der  Nacht.  Den 
nächsten  Tag  (23.  December)  früh  Morgens,  als  ich  noch  im  Bette  war,  wurde 
ich  durch  die  Nachricht  überrascht,  dass  es  Asche  regnete,  eine  Erscheinung, 
die  seit  etwa  40  Jahren  (seit  1822)  in  Neapel  nicht  vorgefallen;  ich  eilte  nach 
meinem  Balcon  und  fand  wirklich  den  Boden  desselben  mit  einer  dünnen  Schichte 
schwarzer  Asche  bedeckt;  der  Gipfel  des  Vesuvs  stiess  ungeheuere  Rauchwolken 
empor;  der  Aschenfall  in  Neapel  (obwohl  sehr  gering)  selbst  dauerte  bis  etwa 
1 Uhr  Nachmittags.  Die  Temperatur  der  Luft  fiel  bedeutend;  den  24.  December 
hatten  wir  einen  ungestümen  und  so  kalten  NO- Wind,  dass  es  Nachts  fror 
( — U2  Cent.),  was  in  Neapel  ziemlich  selten  ist.  Heute  (den  26.  Dec.)  hat  sich 
der  Wind  gelegt,  die  Temperatur  ist  immer  (für  Neapel)  sehr  kalt;  die  Küste 
wird  sichtbar  wie  auch  der  Berg,  allein  die  Rauchwolken  sind  immer  sehr  be- 
trächtlich. Was  am  Vesuv  selbst  vorgeht,  ist  noch  vollkommen  unbekannt,  aber, 
obwohl  es  nicht  der  günstige  Augenblick  ist  denselben  zu  besteigen,  werde  ich 
doch  schwerlich  meiner  Ungeduld  widerstehen  können  und  will  versuchen 
dieser  Tage  den  alten  Herrn  etwas  näher  ins  Auge  zu  fassen. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  II. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 

Sitzung  am  18.  März  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitz. 

Herr  Director  W.  Hai  ding  er  berichtet  durch  die  folgende  Mittheilung,  die 
der  Vorsitzende  vorliest,  über  die  Ereignisse,  welche  in  letzter  Zeit  in  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  stattgefunden. 

Die  Reihe  unserer  Vorträge  des  gegenwärtigen  Winters  ist  durch  eine 
Anzahl  unvorgesehener  Ereignisse  unterbrochen  worden,  an  welche  es  meine 
Pflicht  ist,  indem  ich  heute  einen  raschen  Überblick  derselben  vorlege,  für  unser 
Jahrbuch  in  der  Geschichte  unserer  Entwickelungen  die  Erinnerung  festzuhalten, 
darunter  das  Höchste,  was  uns  in  dem  Laufe  unserer  Arbeiten  anregen  und 
erheben  kann. 

Bereits  in  unseren  früheren  Sitzungen  war  davon  die  Rede,  dass  für  die  im 
Mai  1862  zu  eröffnende  internationale  Kunst-  und  Industrie-Ausstellung  in  London 
von  Seite  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  eine  Reihe  geologisch-colorirter 
Karten,  so  wie  auf  Veranlassung  des  k.  k.  Central-Comite’s  von  Mustern  fossilen 
Brennstoffes  aus  dem  ganzen  Kaiserreiche,  ferner  von  den  von  uns  herausgege- 
benen Druckschriften  zusammengestellt  werden  sollte,  welchen  auf  vielfache 
Anregung  noch  die  Reihe  von  dem  Vorstande  unseres  chemischen  Laboratoriums, 
Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer,  dargestellter  Krystalle  angeschlossen  wurden.  Billig 
mussten  wir  wünschen,  dass  es  uns  gelingen  möge,  unsere  Zusammenstellungen 
auch  vor  der  Absendung  zur  allgemeinen  Anschauung  zu  bringen.  Dies  fügte  sich 
besonders  vortheilhaft  in  unseren  eigenen  Localitäten. 

Eine  Ausstellung,  die  weit  mehr  an  Gegenständen  umfasste,  war  für  die 
29.  Classe  der  Londoner  Ausstellung  vorbereitet,  diejenige  von  Gegenständen 
des  Schul-  und  Unterrichtswesens  im  Kaiserthume  Österreich.  Herr  k.  k.  Unter- 
staatssecretär  Freiherr  v.  H eifert,  Leiter  des  Unternehmens,  hatte  von 
Seiner  Excellenz  dem  Herrn  k.  k.  Staatsminister  Ritter  v.  Schmerling  die 
Erlaubniss  erwirkt,  zu  diesem  Zwecke  einige  der  uns  in  dem  fürstlich  von  Liech- 
t enstein’schen  Palaste  zugewiesenen  angemessenen  Räume  zu  benützen,  und  wir 
waren  unsererseits  sehr  gerne  bereit,  selbe  verfügbar  zu  machen.  Es  war  dies 
der  runde  Vorsaal,  der  grosse  Saal  und  an  den  Vorsaal  anschliessend  ein  klei- 
nerer Raum  links  und  unser  Sitzungssaal  rechts,  der  also  für  die  Zeit  der  Aus- 
stellung uns  fehlte,  was  jedoch  keine  Ursache  sein  konnte,  ihn  dem  schönen 
Zwecke  zu  entziehen. 

Rasch  folgten  sich  nun  die  Einsendungen,  die  Einrichtungen.  Die  Aufstel- 
lungen begannen  und  wurden  durchgeführt  nach  den  Gebäuden,  Lehrmitteln  und 
Ergebnissen  der  Volksschulen,  Mittelschulen,  Hochschulen,  Militär-Bildungs- 
Anstalten,  Civilfachschulen , Kunstschulen  unter  der  speciellen  Leitung  der 
Herren  Prof.  J.  Arenstein,  Ministerialsecretär  A.  Hermann,  Schulrath 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


y 


184 


Verhandlungen. 


[2] 

M.  A.  Becker,  F.  Hottner,  K.  Szlavik,  A.  Machatsch ek,  H Pick, 
J.  Klein,  Di*.  J.  R.  Lorenz,  Dr.  F.  Bauer,  K.  Winter  u.  A.  Auch  Herr 
k.  k.  Seclionsrath  Wilhelm  Bitter  v.  Schwarz,  k.  k.  Erster  Commissär  für  die 
Londoner  Ausstellung,  nahm  lebhaften  Antheil  an  den  Fortschritten.  Ich  darf  hier 
nicht  versuchen.  Einzelnes  zu  verfolgen,  aber  ich  widerstehe  nicht,  der  Ergeb- 
nisse der  Genialität,  der  Kenntnisse  und  der  Beharrlichkeit  meines  hochgeehrten 
Freundes  und  Collegen,  unseres  grossen  Forschers  Hyrtl  zu  gedenken,  der  in 
Folge  der  auch  an  ihn  ergangenen  Einladung  ein  wahres  Museum  der  anregend- 
sten, vollendetsten  und  seltensten  anatomischen  Präparate  mit  der  Hochschulen- 
Abtheilung  vereinigte.  Auch  unseres  eigenen  früheren  Arbeitsgenossen  Herrn 
Prof.  Fr.  Simony’s  graphische  Darstellungen  aus  der  Alpenwelt  erheischen  ein 
Wort  der  Erwähnung  von  unserer  Seite. 

Der  15.  Februar  war  in  rascher  Bestimmung  zur  feierlichen  Eröffnung 
ausersehen  worden.  Seine  K K.  Apostolische  Majestät  geruhten  an 
diesem  Tage  die  ausgestellten  Gegenstände  zu  besichtigen.  Freiherr  v.  Hel- 
f ert  durfte  Seine  Majestät  durch  die  Reihen  derselben  geleiten,  so  wie  die 
Herren  Leiter  der  einzelnen  Ausstellungen  Bericht  über  ihre  einzelnen  Abthei- 
lungen gaben.  Herr  k.  k.  Generalmajor  A.  v.  Füge  ly,  Director  des  k.  k.  mili- 
tärisch-geographischen Instituts,  erklärte  sodann  die  von  seiner  Seite  für  die 
Londoner  Ausstellung  bestimmten  geographischen  Karten,  welche  in  dem  an  den 
grossen  Saal  nordöstlich  anschliessenden  Saal  der  mineralogischen  Schaustufen 
sich  anschlossen. 

In  demselben  Saale  begann  auch  unsere  eigene  Ausstellung.  Hier  trat  der 
Augenblick  der  Glorie  unserer  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ein.  Es  war  mir, 
dem  Director  derselben,  vergönnt,  meinen  Allergnädigsten  Kaiser  und 
Herrn  hier  und  sodann  durch  die  beiden  anstosseuden  Säle,  den  Kaisersaal  und 
den  böhmischen  Saal,  zu  geleiten,  in  welchem  sich  die  übrigen  Theile  unserer 
Ausstellung  befanden.  In  der  Ordnung  derGegenstände  hatte  noch  Herr  k.k.  Berg- 
rath Fo etter  le  bei  der  Abtheilung  der  Muster  von  fossilem  Brennstoff,  nach  den 
verschiedenen  Kronländern  zusammengestellt , welche  derselbe  speciell  vor- 
gerichtet hatte,  Veranlassung,  einige  weitere  Auskünfte  zu  geben.  Es  war  nun 
der  Augenblick  gekommen,  wo  wir  uns  blos  von  Gegenständen  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  umgeben  sahen.  Seiner  K.  K.  Apostolischen 
Majestät  nun  auch  sämmtliche  versammelte  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  vorzustellen.  Die  nun  folgende  eingehende  Besichtigung  der  geolo- 
gisch-colorirten  Karten  veranlasste  auf  die  eingehenden  Fragen  Seiner  Maje- 
stät Erläuterungen  durch  die  Herren,  welche  an  einem  oder  dem  andern  Orte 
die  Aufnahmen  besorgt  hatten,  die  Herren  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer 
in  Ungarn,  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  und  J.  Jokely  in  Böhmen,  k.  k.  Berg- 
rath Foetterle  in  Lombardo-Venetien. 

ln  dem  Kaisersaale  war  der  längst  für  diesen  hochfeierlichen  Act  vorberei- 
tete zweite  Band  unseres  Gedenkbuches  aufgelegt.  Seine  Kaiserlich-König- 
liche Apostolische  Majestät  geruhten  dem  15.  Februar  durch  Einzeichnung 
Allerhöchst  Ihres  glorreichen  Namens  die  Weihe  zu  geben.  Der  erste  Band  war 
am  4.  November  1851  in  der  ersten  der  in  unserem  gegenwärtigen  Locale  abge- 
haltenen Sitzungen  eröffnet  worden.  In  diesem  Saale  waren  auch  die  schönen  von 
Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  sorgsam  dargestellten  Krystalle  Gegenstand  tlieil- 
nehmendster  und  anerkennendster  Besichtigung.  Seine  Kaiserliche  Maje- 
stät geruhten  nun  auch  die  an  der  andern  Seite  des  grossen  Saales  sieh 
anschliessenden  Säle  mit  der  Aufstellung  der  Sammlungen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  der  geologischen,  so  wie  der  local-paläontologischen  Sammlungen 


Sitzung  vom  18.  März.  W.  Haidinger. 


185 


[3] 

und  der  Bergwerks-Reviersuiten  zu  beaugenscheinigen,  wobei  im  Wiener  Becken 
unser  hochverehrter  Freund,  Herr  Director  Hör  ries,  zu  Erläuterungen  freund- 
lichst  sich  einfand.  Sodann  kam  das  chemische  Laboratorium  an  die  Reihe,  wo 
eben  die  Ergebnisse  von  Arbeiten  über  Kohlengruben  Vorlagen.  Durch  die  Räume 
zurückgekehrt,  geruhten  Seine  K,  K.  Apostolische  Majestät  noch  auch 
unsere  Bibliothek  und  Arbeitsräume  für  die  Studien  der  Geologen  und  für  die 
Zeichner  im  oberen  Stockwerke,  so  wie  die  eigentlichen  Aufnahmskarten  in 
dem  Maasse  von  400  Klafter  = 1 Zoll,  wie  sie  durch  geologische  Forschungs- 
reisen gewonnen  werden,  zu  besichtigen  und  sodann  zum  Schlüsse  in  huldreich- 
ster Weise  den  Ausdruck  Aller gn  ä digs  te  r Befriedigung  auszusprechen. 

Sie  selbst,  meine  hochverehrten  Herren,  waren  gegenwärtig,  wir  alle  waren 
Zeugen  der  wohlwollenden,  huldreichen  Theiinahme,  welche  unser  Allergnä- 
digster Kaiser  und  Herr  unseren  Arbeiten  und  Erfolgen  schenkte;  ich  ver- 
suche es  nicht,  meine  innigsten  Gefühle  von  Erhebung,  von  ehrfurchtsvollster 
Dankbarkeit  mit  vielen  Worten  zu  schildern,  wo  das  Gefühl  selbst  überströmt. 
Der  Tag  war  gewonnen,  der  schönste  für  immer  in  der  Geschichte 
unserer  Arbeiten  und  Entwickelungen. 

Der  Tag  der  feierlichen  Eröffnung  der  Ausstellung  am  15.  Februar  gab  uns 
noch  den  Genuss,  mehreren  durchlauchtigsten  Mitgliedern  des  Allerhöchsten 
Kaiserhauses  unsere  Ausstellungsgegenstände  sowohl,  als  unsere  eigenen  Samm- 
lungen und  sämmtiiche  Säle  und  Arbeitsräume  ehrfurehtvollst  zur  Anschauung  zu 
bringen  und  uns  der  reichen,  huldvollsten  Theiinahme  zu  erfreuen.  Ihre  Kaiser- 
lichen Hoheiten  die  durchlauchtigsten  Herren  Erzherzoge  Karl  Ludwig, 
Wilhelm,  Leopold  und  Sigismund,  der  Herr  Grossherzog  von 
Toscana,  Höchstweichen  theiis  der  Director,  theils  die  anderen  Mitglieder  der 

k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  als  Führer  dienten.  Die  huldreiche  Theii- 
nahme Ihrer  Kaiserlichen  Hoheit  der  durchlauchtigsten  Frau  Erzherzogin 
Sophie  am  20.  Februar,  der  durchlauchtigsten  Herren  Erzherzoge  Karl  Fer- 
dinand und  Rainer  am  18.  und  am  20.  Februar  bewahren  wir  in  treuestem 
Andenken,  in  dem  grossen  schönen  Bilde  der  glanzvoll  zurückgelegten  Periode.  — 
Auch  unser  wahrer,  erfolgreicher  Beschützer,  Seine  Excellenz  Herr  k.  k.  Staats- 
minister Ritter  v.  Schmerling,  nahm  mit  vieler  Theiinahme  die  Ergebnisse 
unserer  Arbeiten  in  Augenschein.  Wir  bringen  ihm  unsern  innigsten  Dank  dar, 
in  treuester  Ehrfurcht  Seiner  K.  K.  Apostolischen  Majestät,  Aller- 
höchstweiche seinem  hohen  Verdienste  gerade  in  den  abgelaufenen  Tagen, 
am  26.  Februar  die  glänzendste  Anerkennung  zu  verleihen  geruhten. 

Während  dieser  Zeit  war  auch  der  Raum  bestimmt  worden,  der  uns  in  der 
Londoner  Ausstellung  zur  Verfügung  stehen  wird,  eine  Tafel,  17  engl.  Fuss  lang 
und  9 Fuss  breit  oder  153  Quadratfuss,  in  der  Mitte  der  Länge  nach  mit  einer 
senkrechten  Wand  von  9 Fuss  Höhe,  auf  beiden  Seiten  zusammen  306  Fuss 
Wandraum,  die  Tafel  selbst  auf  21/a  Fuss  Höhe. 

Unsere  Ausstellungsgegenstände  sind  nun  folgende: 

I.  Die  geologisch  colorirten  Specialkarten  des  k.  k.  General-Quartiermeister- 
stabes  zu  2000  Klaftern  auf  1 Wiener  Zoll  (1  : 144.000  der  Natur)  von 

l.  Oesterreich  ob  und  unter  der  Enns  (9  Fuss  Breite,  5 Fuss  Höhe),  2.  Salzburg 
(5 !/g  Fuss  Br.,  4 Fuss  H.),  3.  Steiermark  und  Ulyrien  (9  Fuss  Br.,  9 Fuss  H.), 
4.  Böhmen  (9  Fuss  Br.,  8 Fuss  H.).  Von  Böhmen  sind  die  drei  östlichen  Sectio- 
nen  noch  nicht  in  der  Aufnahme  vorhanden.  Von  Steiermark  sind  mehrere  Sectio- 
nen  nach  den  Aufnahmen  des  steiermärkischen  geognostisch-montanistischen 
Vereines  ergänzt.  — Die  Uebersichtskarten  in  dem  Maasse  von  4000  Klaftern 
auf  1 Zoll  (1  : 288.000)  von  1.  Ungarn  (9  Fuss  Br.,  6 Fuss  H.),  2.  Tirol  und 

y* 


186 


Verhandlungen. 


M 

Vorarlberg  (6  Fuss  Br.,  4 Fuss  H.),  3.  Lombardei  und  Venetien  (4  Fuss  Br., 
4 Fuss  H.),  4.  Banat  (6  Fuss  Bi\,  3 Fuss  H.).  — Die  Strassenkarten  in  dem 
Maasse  von  6000  Klaftern  auf  1 Zoll  (1  : 432.000)  von  1.  Siebenbürgen  (4  Fuss 
Br.,  3 Fuss  H.),  2.  Galizien  (5  Fuss  Br.,  4 Fuss  H.). 

II.  Die  zehn  Bände  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  Gross- 
Octav  von  1850  bis  mit  1859  und  die  drei  Bände  Abhandlungen,  Gross-Quart, 
von  1852  bis  mit  1856. 

III.  Eine  Sammlung  von  Krystallen,  dargestellt  von  Herrn  Karl  Ritter 
v.  Hauer,  Vorstand  des  chemischen  Laboratoriums  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  über  100  Species  in  380  Individuen,  Säuren,  Salze,  Doppelsalze, 
Alaune,  Krystalle  mit  Kernen,  Krystalle  isomorpher  Mischungen,  darunter  eine 
grössere  Anzahl  zum  ersten  Male  dargestellt. 

IV.  Die  Gesammtausstellung  von  Musterstiicken  fossilen  Brennstoffes,  von 
Steinkohlen,  Braunkohlen  und  Torf  aus  dem  ganzen  Kaiserstaate.  Diese  Aus- 
stellung wurde  von  uns  auf  Veranlassung  des  k.  k.  Central-Comite's  für  die  Lon- 
doner Ausstellung  unternommen.  Es  ergingen  an  alle  die  wichtigsten  Werke, 
Einladungen,  welchen  in  umfassender  Weise  freundlichst  entsprochen  wurde, 
so  dass  es  uns  nun  gelingt,  nicht  weniger  als  239  Würfel  von  6 Zoll  Seite  oder 
entsprechende  Exemplare,  wo  sich  Würfel  nicht  gewinnen  liessen  vorlegen  zu 
können,  aus  allen  Theilen  von  Oesterreich,  wodurch  nicht  nur  die  Steinkohlen- 
mulden, mit  nur  ganz  wenigen  untergeordneten  Ausnahmen,  sämmtlich  vertreten 
sind,  sondern  in  denselben  auch  die  wichtigsten  der  verschiedenen  in  denselben 
in  Abbau  stehenden  Flötze  und  wichtigsten  Werksunternehmungen.  Gleichzeitig 
erhielten  wir  eine  grosse  Anzahl  der  anziehendsten  statistischen,  historischen 
und  graphischen  Nachweisungen,  welche  späterhin  zu  werthvollen  Mittheilungen 
Veranlassung  darbieten  werden.  Ich  darf  schon  hier  den  hochgeehrten  Gebern, 
wenn  auch  nur  in  allgemeiner  Weise,  den  innigsten  Dank  für  ihr  freundliches 
Wohlwollen  darbringen.  Wir  erhielten  viele  Anfragen  auch  wegen  Zusendung 
grösserer  Exemplare,  aber  die  Raumverhältnisse  gestatteten  keine  erweiterten 
Ansprüche.  Eine  Anzahl  von  Anmeldungen  von  Unternehmern,  welche  sich  der 
von  uns  besorgten  Gesammtausstellung  nicht  anschliessen  wollten,  wurde  eben 
auch  der  Raumverhältnisse  wegen  von  dem  k.  k.  Central-Comite  zurückgewiesen. 
Die  von  uns  vorbereitete  Ausstellung  enthält:  aus  Böhmen  76  Nummern,  darunter 
Oberleitensdorf,  Salesl,  Karbitz,  Posteiberg,  Buschtiehrad , Brandeisl,  Kladno, 
Rakonitz,  Radnitz,  Niran,  Schatzlar,  Schwadowitz; — - aus  Mähren:  Göding,  Gaya, 
Rossitz,  Ostrau,  Karwin;  — aus  Galizien:  Jaworzno,  Szkwarzawa;  — aus 
Ungarn  und  dem  Banat:  Dorogh,  Oedenburg,  Fünfkirchen,  Steierdorf,  Reschitza; 
— aus  Dalmatien:  Monte  Promina;  — aus  den  Alpenländern:  Häring,  Leoben, 
Traunthal,  Voitsberg,  Eibiswald,  Hrastnigg,  Sagor  nebst  mehreren  anderen, 
zusammen  239  Nummern.  Herr  k.  k.  Bergrath  Fo etter le  bereitet  einen  aus- 
führlicheren Bericht  über  dieselben  vor.  Er  ist  es,  der  die  ganze  specielle 
Arbeit  der  Zusammenstellung  in  trefflichster  Weise  ausgeführt  hat,  wofür  ich 
ihm  hier  meinen  besten,  anerkennendsten  Dank  darbringe. 

Von  unseren  Ausstellungsgegenständen  sind  die  geologischen  Karten,  die 
v.  Hauer’schen  Krystalle  und  die  Muster  von  fossilem  Brennstoff  in  der  ersten 
Classe  der  montanistischen  Gegenstände  angemeldet,  die  Publicationen  auf  spä- 
tere Veranlassung  in  der  29.  Classe.  Es  ist  indessen  doch  möglich  geworden, 
sie  gemeinschaftlich  und  zwar  in  nachfolgender  Weise  auf  dem  uns  zugewiesenen 
früher  erwähnten  Raum  aufzustellen.  Es  werden  nämlich  die  geologisch  colorir- 
ten  Karten  an  beiden  Seiten  der  Mittelwand  befestigt.  Von  beiden  Enden  des 
Tafelraumes  her  werden  die  Kohlen  staffelförmig  zu  beiden  Seiten  der  Mittel- 


Sitzung  vom  18.  März.  W.  Haidinger. 


187 


[8] 


wand,  parallel  dieser  Wand  beginnend,  angeordnet.  Die  Karte  des  Erzherzog- 
tumes Oesterreich  ob  und  unter  der  Enns,  welche  nach  ihren  Abmessungen  dies 
am  günstigsten  gestattet,  nimmt  in  pultartiger  Lage  die  Mitte  der  einen  Seite 
ein.  Auf  der  andern  Seite  ist  ein  wirklicher  Tischraum  Vorbehalten  zur  Auf- 
stellung und  Besichtigung  der  Bücher  und  Krystalle. 

Ich  darf  es  hier  als  ein  unverhofftes,  für  uns  wahrhaft  günstiges  Ereigniss 
bezeichnen,  dass  einer  unserer  hochgeehrten  Freunde  und  ausgezeichnetsten 
jüngeren  Forscher,  Herr  Dr.  Victor  v.  Lang,  Mitarbeiter  in  früherer  Zeit  unseres 
unvergesslichen  Freundes  Grailich,  sich  entschlossen  hat,  die  ganze  Zeit  der 
Ausstellung  in  London  zuzubringen  und  auch  unseren  Interessen  daselbst  stets 
seine  Aufmerksamkeit  freundlichst  zuzuwenden.  Er  vor  Vielen  ist  in  der  Lage, 
den  wissenschaftlichen  Werth  der  schönen  Krystalle  zu  schätzen,  aus  denen  so 
manche  durch  seine  eigenen  krystallographischen  und  physikalischen  Arbeiten 
erst  genauer  bekannt  geworden  sind. 

Ueberhaupt  dürfen  wir  wohl  in  London  auf  freundliche  Theilnahme  rechnen, 
Herr  Dr.  v.  La  ng  selbst  ist  längst  erwartet  von  Herrn  Nevil  Story  Maskelyne, 
demDirector  der  mineralogischen  Abtheilung  des  Britischen  Museums,  der  in  innig- 
ster Freundschaft  mit  dem  verewigten  Grailich  verbunden  war.  Der  kön.  Berg- 
werks-Inspector Herr  Warington  W.  S my  th,  der  unter  andern  bei  unseren  beiden 
Versammlungen  der  Berg-  und  Hiiftenmänner  in  Wien  gegenwärtig  war,  ist  uns 
ein  langjähriger  treuer,  erprobter  Freund.  Wir  dürfen  uns  auch  wohl  des 
freundlichen  Wohlwollens  unserer  langjährigen  Gönner  und  Freunde  versichert 
halten,  eines  Sir  Roderick  Murchison,  Leonard  Horner,  Sir  Charles  Lyel  1, 
W.  H.  Miller,  W.  J.  Hamilton  und  noch  so  vieler  Anderen,  welche  unsere 
Bestrebungen  und  Erfolge  stets  durch  ihren  Beifall  und  durch  ihre  Nachsicht 
ermuntert  haben. 

Es  ist  mir  ein  wahres  Bedürfniss,  hier  auch  den  Ausdruck  innigster  Ver- 
ehrung dem  Herrn  k.  k.  Sectionsrath  Dr.  Wilhelm  Ritter  v.  Schwarz,  auszu- 
drücken, der  in  London  als  Erster  k.  k.  Commissär  unsere  österreichischen  Inter- 
essen vertritt,  dem  hochgeehrten  Freunde  aus  der  Periode  unserer  wissenschaftlich- 
gesellschaftlichen Entwickelungen  noch  in  der  ersten  Zeit  des  k.  k.  montanistischen 
Museums,  dessen  bewährte  Thatkraft  ich  damals  für  die  Herausgabe  einer  mon- 
tanistisch-naturwissenschaftlichen periodischen  Schrift  zu  gewinnen  hoffen  durfte, 
wenn  nicht  äussere  Hindernisse  sich  zu  mächtig  gestaltet  hätten. 

So  sehen  wir  für  das  Ergebniss  der  Ausstellung  dort  der  freundlich- 
sten Theilnahme  entgegen.  Für  die  Vorbereitungen  hier,  deren  sich,  wo  es 
erforderlich  war,  auch  andere  unserer  Herren  Geologen  annahmen,  bin  ich  aber 
vorzüglich  Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  die  wärmste  Anerkennung  auszu- 
sprechen verpflichtet,  indem  er  es  war,  dem  die  Oberleitung  auch  für  die  zeit- 
gemässe  Ausfertigung  und  Vorrichtung  der  Karten  zufiel.  Trefflich  waren  wir 
auch  unterstützt  durch  unseren  langjährigen  verdienstvollen  Zeichner  Herrn 
Eduard  Jahn,  der  in  angestrengtester  Weise  selbst  für  die  Grundlagen  und 
mit  der  grössten  Aufmerksamkeit  in  der  Ausführung  der  bei  dem  Coloriren  ver- 
wendeten Individuen  seine  Aufgabe  durchführte.  Wir  sind  nämlich  bei  der 
Copirung  unserer  Karten  noch  immer  in  dem  Nachtheile,  dass  erst  die  Grenzen  mit 
freier  Hand  eingezeichnet  werden  müssen,  um  sodann  die  Farbentöne  einzutragen. 

Indem  wir  in  dieser  Weise  die  Sendung  für  die  diesjährige  internationale 
Ausstellung  in  London  vorbereitet,  darf  ich  wohl  ein  Wort  der  Betrachtung  über 
die  Stellung  anscbliessen,  welche  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als  Ganzes 
aus  dieser  Veranlassung  einnimmt,  ebenso  wie  ich  selbst  als  Director  derselben 
und  die  hochgeehrten  Mitglieder  und  Theilnehmer  an  unseren  Arbeiten. 


188 


Verhandlungen. 


[6] 


Die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als  Ganzes  ist  es,  durch  die  Allerhöchste 
Gnade  und  das  Vertrauen  auf  Erfolg,  welche  uns  überhaupt  in  den  Stand  setzt, 
unsere  Kräfte  zu  einem  gemeinschaftlichen  erhebenden  vaterländischen  Zwecke 
zu  vereinigen,  die  Pflichterfüllung  in  unserer  Abtheilung  menschlicher  Beschäf- 
tigungen zu  wahren.  In  der  Vertrauensstellung  an  der  Spitze  dieser  dem  allge- 
meinen Fortschritt  in  der  Kenntniss  unserer  schönen  Länder  gewidmeten 
Anstalt,  darf  ich  es  nicht  ablehnen,  wie  vereinzelt  auch  jetzt  mein  Antheil 
an  wirklicher  Arbeit  sein  mag,  zuzugeben,  dass  die  Entwickelung  unserer 
Leistungen  sich  vielfach  meinen  eigenen  persönlichen  Bestiebungen  anschloss, 
seit  ich  allein  als  Nachfolger  meines  unvergesslichen  Lehrers  Mobs  meine 
Arbeiten  in  der  Mineralien-Sammlung  der  k.  k.  Hofkammer  im  Münz-  und  Berg- 
wesen begann,  bis  zu  dem  Augenblicke  wo  wir  in  Mehrzahl  vereinigter  Kräfte 
die  werthvollen  Gegenstände  nach  London  entsenden,  welche  dort  für  wohl 
verwendete  Zeit  für  uns  Zeugniss  geben  sollen. 

Dieses  Zeugniss  wird  Ihnen  gelten,  meine  hochverehrten  Herren,  welche 
seit  dem  Beginne  und  gegenwärtig  noch  Ihre  Kenntnisse,  Ihre  Hingebung,  Ihre 
Beharrlichkeit  dem  schönen  Zwecke  weihen,  den  Herren  k.  k.  Bergräthen 
Franz  Ritter  v.  Hauer,  Lipoid,  Foetterle,  den  Herren  Sectionsgeologen 
Stur,  Dr.  Stäche,  Wolf,  Freiherrn  v.  Andrian,  Stoliczka,  wobei  wir 
in  treuer  Erinnerung  der  Freunde  und  Arbeitsgenossen  gedenken,  die  theils  aus 
dem  Leben  geschieden  sind , wie  unser  C z j z e k , Johann  Kude  matsch,  theils 
aus  unserem  näheren  Verbände  getreten,  wie  die  Freunde:  Rossiwall, 
Prinzinger,  Friese,  Seeland,  Simony,  Gobanz,  Ehrlich,  Bitter  v. 
Zepharovich,  Peters,  v.  Lidl,  Ferd.  v.  Hoch  st  etter,  Ferd.  Freiherr  v. 
Richthofen,  Jokely.  Jeder  Quadratzoll,  jede  Quadratlinie  unserer  geo- 
logisch colorirten  Karten  bewahrt  das  Andenken  an  Ihre  Arbeiten  für  immer- 
währende Zeiten.  Aber  auch  die  zum  Abschlüsse  im  grossen  Ganzen  unent- 
behrlichen Arbeiten  der  Herren  Archivar  Graf  Marschall,  Vorstand  des  che- 
mischen Laboratoriums,  Karl  Bitter  v.  Hauer,  Bibliotheks - Custos  Ritter 
Senoner  bleiben  gleich  unvergesslich,  wie  das  hohe  Verdienst  unseres  hoch- 
geehrten Freundes  und  auswärtigen  Arbeitsgenossen,  Directors  und  Commandeurs 
Dr.  M.  Hörnes,  wobei  wir  ebenfalls  früherer  freundlicher  Arbeitsgenossen 
gedenken,  der  Herren  Dr.  Moser,  Kuncz,  v.  Hubert,  Constantin  Ritter  v. 
Ettingshausen,  Th.  Wertheim,  Zekeli,  Ragsky,  Mrazek,  Polak. 
Vielen  anderen  Freunden  sind  wir  noch  in  einer  und  der  anderen  Richtung  zum 
Danke  verpflichtet,  welche  sich  in  verschiedenen  Arbeiten  uns  freundlichst 
anschlossen,  wie  die  Herren:  Emm  rieh,  Reuss,  Suess,  Koristka,  Schmidl, 
der  verewigte  Heckei,  Reinhold  Freiherr  v.  Reichenbach,  Kenngott,  Pich- 
ler, Mannlicher,  Rudolph  und  Julius  Ritter  v.  Hauer,  Kupelwieser,  Clair- 
mont,  der  verewigte  E.  Porth,  Hartnigg,  Kornhuber,  Freiherr  v.  Hin  gen- 
au, v.  Glos,  Bielz,  Meschendörfer,  Krejci,  Paul.  So  lebhaft  mein  Gefühl 
es  erheischt,  diese  hochgeehrten  Namen  zu  nennen,  so  sehe  ich  mich  ganz  unver- 
mögend, wenn  ich  selbst  und  meine  Freunde  und  Arbeitsgenossen  auch  das  innigste 
Dankgefühl  eben  so  lebhaft  theilen,  auch  alle  die  wohlwollenden  Gönner  und 
Freunde  zu  verzeichnen,  welche  uns  durch  ihren  freundlichen  Beifall  ermuntert, 
welche  uns  ihren  mächtigen  Schutz  in  schwierigen  Fällen,  deren  unsere 
Entwickelung  doch  so  manche  zählt,  grossmüthig  verliehen.  Innigstes  Dank- 
gefühl, treueste  Verehrung  bleibt  ihnen  stets  geweiht. 

Während  dieses  kürzlich  abgelaufenen  Zeitabschnittes  ist  auch  unser 
hochgeehrter  frühere  Arbeitsgenosse,  Herr  Johann  Jokely  nach  seinem  neuen 
Bestimmungsorte  abgegangen  und  hat  auch  bereits  seine  Professur  an  dem 


Sitzung  vom  18.  März.  W.  Haidinger. 


189 


m 


kön.  ungarischen  Josephs -Polytechnicum  in  Ofen  in  seiner  ersten  Vorlesung  am 
abgelaufenen  10.  März  erfolgreich  angetreten,  wovon  er  mir  noch  an  dem  näm- 
lichen Tage  freundliche  Anzeige  erstattete.  Wir  freuen  uns  dieser  neuen  Ver- 
bindung der  in  unserem  Kreise  gewonnenen  Erfahrungen  mit  dem  praktischen 
Leben. 

Während  der  Zeit  der  Ausstellung  der  Gegenstände,  welche  sich  auf  das 
Unterrichtswesen  im  Kaiserreiche  beziehen,  waren  auch  unsere  eigenen  Aus- 
stellungsräume von  einer  grossen  Anzahl  theilnehmender  Gönner  und  Freunde 
besucht,  welche  bisher  nicht  die  Veranlassung  gefunden  hatten,  dieselben 
aufzusuchen,  obwohl  seit  der  Gründung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ein 
vollkommen  freier  Eintritt  Statt  gefunden  hat.  Wir  glauben  in  Beziehung  auf 
diese  Thatsache  von  nun  an  einen  bestimmten  Tag  der  Woche  zum  freundlichen 
Besuche  unserer  Anstalt  vorschlagen  zu  sollen,  und  zwar  laden  wir  die  hoch- 
geehrten Besucher  vorzugsweise  für  jeden  Dienstag  von  10  bis  2 Uhr  ein, 
während  Fachgenossen  und  etwa  Reisende  wie  bisher  jederzeit  willkommen  ge- 
heissen werden  sollen. 

Herr  Director  Haidinger  legt  ein  Handstück  Granit  vor,  eingesandt  von 
Herrn  Karl  Freiherrn  v.  Seyffertitz,  Obmann  des  Museumsvereines  zu 
Bregenz  in  Vorarlberg.  Es  wurde  im  Innern  eines  drei  bis  vier  Fuss  im  Durch- 
messer haltenden  erratischen  Blockes  angetroffen,  der  sich  in  der  Dornbirner 
Ache,  oberhalb  Dornbirn  fand  und  verarbeitet  wurde.  Das  Stück  enthält  einen 
blass-fleischrothen,  dreiviertelzoll  nach  allen  Richtungen  starken  Feldspath- 
Krystall,  ganz  ähnlich  den  bekannten  Bavenoer  Krystallen,  ferner  den  brasilia- 
nischen ganz  ähnliche  dunkelbraune,  starkglänzende  Turmalinprismen,  bis 
3 Linien  dick,  und  über  einen  Zoll  lang,  theils  in  Quarz,  theils  in  Feldspath, 
einige  in  dichten  Chlorit  eingewachsen , oder  von  grobkörnigem,  braunen  Kalk- 
spath  umgeben,  der  offenbar  etwas  späteren  Entstehung  zum  Theil  die  quer- 
zersprungenen Turmalinprismen  in  dünnen  Scheiben  durchsetzt.  Der  Granit 
enthält  auch  Oligoklas  und  grössere  Tafeln  von  weissem  Glimmer. 

Herr  Karl  Ritter  v.  Hauer  theilte  (in  der  Sitzung  am  4.  Februar)  die  Resul- 
tate einer  Untersuchung  der  hier  in  Handel  vorkommenden  Cokes  mit.  Die  Unter- 
suchung geschah  in  Folge  einer  Aufforderung  des  hiesigen  k.  k.  Militär- Ver- 
pflegsmagazines.  Die  Cokes,  welche  von  Seite  der  Wiener  Gasanstalten  in  Han- 
del gesetzt  werden , sind  ein  gemischtes  Product  aus  Ostrauer  und  preussischen 
Kohlen,  welche  gemengt  zur  Gaserzeugung  verwendet  werden.  Der  Gehalt  an 
Cokes  von  preussischen  Kohlen  ist  aber  darin  sehr  vorwiegend,  da  von  solchen 
die  englische  Gasgesellschaft  jährlich  700.000  Centner,  hingegen  von  Ostrauer 
Kohlen  nur  300.000  Centner  verarbeitet. 

Die  Probe  gab  folgende  Resultate: 

Asche  in  100  Theilen 7*3 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei i 29  * 80o}  ^9*85 

Wärme-Einheiten  6745 

Und  somit  sind  7*75  Centner  das  Aequivalent  für  eine  Klafter  30zÖlligen 
weichen  Holzes. 

Herr  k.  k.  Oberbergrath  und  Professor  Freiherr  v.  Hin  gen  au  legte  die  Ein- 
ladung des  mährisch-schlesischen  Werner-Vereins  zu  dessen  allgemeiner  Ver- 
sammlung am  22.  April  vor,  bei  welchem  ein  Antrag  des  Vereins-Secretärs,  Herrn 
C.  Schmidt,  auf  Herstellung  einer  Bodenkarte  von  Mähren  und  Schlesien 
berathen  werden  soll.  Da  die  geologische  Landesaufnahme  beendigt  und  die 


190 


Verhandlungen. 


[8] 

Karte  darüber  nebst  einer  Höhenkarte  in  Angriff  genommen  sind,  glaubt  Herr 
C.  Schmidt  auch  eine  Karte  zur  Darstellung  der  agricol-wichtigen  Bodenarten 
in  Antrag  bringen  sollen,  welche  ja  das  Resultat  der  Verwitterung  der  das  Land 
zusammensetzenden  Gesteine  sind,  und  motivirt  seinen  Antrag  in  zwei  Abhand- 
lungen, deren  eine  „die  Beziehungen  der  Geologie  zur  Forst-  und  Landwirt- 
schaft“ — die  andere  „den  Plan  zur  Herstellung  der  beantragten  ßodenkarte“ 
erörtert.  Von  beiden  legte  Freiherr  von  Hingenau  Separatabdrücke  aus  den 
Mitteilungen  der  k.  k.  mährisch-schlesischen  Gesellschaft  für  Ackerbau,  Natur- 
und  Landeskunde  vor  und  behielt  sich  vor,  wenn  diese  Anträge  beraten  sein 
werden,  weitere  Mitteilungen  zu  machen. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  von  Hauer  legt  die  Nr.  9 vom  13.  März  1862, 
der  von  Herrn  Dr.  Ferdinand  Stamm  redigirten  Zeitschrift  „die  neuesten 
Erfindungen“  vor,  und  macht  auf  einen  von  errn  Dr.  Stamm  selbst  verfassten 
Artikel  „wo  haben  wir  in  Oesterreich  Phosphorit Ve  aufmerksam,  in  welchem 
nach  einer  kurzen  Darstellung  der  Wichtigkeit  der  Phosphor-Verbindungen  für 
die  Zwecke  der  Agricultur  „zunächst  an  die  Reichsgeologen“  folgende  Fragen 
gestellt  werden: 

Wo  finden  wir  den  Phosphor  für  unsere  Saaten? 

Welche  Erden  enthalten  ihn,  damit  wir  solche  Ackerkrumen  nach  Verdienst 
schätzen  lernen? 

Welche  Mineralien  enthalten  Phosphorverbindungen? 

Herr  von  Hauer  bemerkt,  dass  gewiss  sämmtliche  Geologen  unserer 
Anstalt  gerne  bereit  sein  werden  der  freundlichen  Aufforderung  des  Herrn 
Dr.  Stamm  nachzukommen  und  dem  von  ihm  angeregten  Gegenstände  eine 
erhöhte  Aufmerksamkeit  zuzuwenden;  zur  näheren  Beleuchtung  desselben 
erlaube  er  sich  aber  inzwischen  einige  Bemerkungen  anzuknüpfen. 

Es  kann  wohl  in  der  That  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  wie  Elie  de 
Beaumont  bemerkte,  der  Phosphor  zuerst  von  der  Erde  kommt,  Bischof, 
der  sich  mit  genauen  Untersuchungen  darüber  beschäftigte,  geht  noch  einen 
Schritt  weiter  und  zeigt  dass  wahrscheinlich  der  Apatit  oder  Phosphorit  das 
Material  nicht  nur  zu  den  meisten  übrigen  Phosphorsäure-Verbindungen  des 
Mineralreiches,  sondern  auch  für  das  Pflanzen-  und  Thierreich  geliefert  hat. 

In  der  That  ist  der  Apatit  (phosphorsaure  Kalkerde,  mit  einem  Gehalte  von 
ungefähr  40  Procent  Phosphorsäure)  in  den  mannigfaltigsten  primitiven  Gebirgs- 
arten,  im  Granit,  Gneiss,  Glimmerschiefer,  Thonschiefer  u.  s.  w.,  dann  wieder 
in  vulcanischen  Gesteinen,  namentlich  im  Basalt  und  Dolerit,  in  Laven  und 
Trachyttuffen  u.  s.  f.  an  unzähligen  Orten  nachgewiesen.  Seine  Löslichkeit  in 
kohlensäurehaltigem  Wasser  macht  eine  Ueherführung  des  Phosphors  in  die 
Nahrungsstoffe  der  Pflanzen  leicht  erklärlich  und  einmal  den  organischen  Reichen 
übergeben,  dient  dieser  in  beständigem  Kreislauf  in  der  Pflanze  zur  Nahrung  der 
Thiere  und  in  den  Excrementen  und  Zerstörungsprodueten  des  Thieres  wieder 
zur  Nahrung  der  Pflanze. 

Ungeachtet  dieser  so  allgemeinen  Verbreitung  ist  aber  doch  der  Apatit  als 
Mineral  nur  sehr  selten  an  einzelnen  Stellen  in  so  grosser  Menge  in  den  primi- 
tiven Gebirgsarten  concentrirt,  dass  an  eine  Gewinnung  für  technische  Verwen- 
dung gedacht  werden  könnte.  Die  bekannteren  Beispiele  eines  derartigen 
Vorkommens  sind  der  von  Daubeny  untersuchte  2 Meilen  weit  fortstreichende 
1 bis  16  Fuss  mächtige  Apatitgang  zu  Logrosan  in  Estremadura  in  Spanien, 
der  in  der  Nähe  von  Granit  im  Thonschiefer  aufsetzt;  die  zu  Krageröe  bei 
Arendal  in  Norwegen  im  Hornblendegneiss  vorkommenden  mächtigen  Nester  von 
Apatit,  die  früher  bergmännisch  ausgebeutet  und  als  Düngmittel  nach  England 


Sitzung  vom  18.  März.  Franz  v.  Kauer. 


191 


[9] 

verführt  wurden,  auf  welche  aber  jetzt  nach  neueren  Nachrichten  von  Zi  ttel  kein 
Bergbau  mehr  betrieben  wird;  ebenso  soll  nach  F.  Field  auf  der  Grube  Merce- 
des, östlich  von  Coquimbo,  ein  mächtiger  Gang  von  Apatit  Vorkommen  u.  s.  w. 

Die  Fundorte  des  Minerales  in  dem  österreichischen  Kaiserstaate  sind  nach 
dem  mineralogischen  Lexikon  von  Zepharovich  die  folgenden:  In  Salzburg 
Gross-Arl  und  Schwarzleogang;  in  Kärnten  der  Radigraben;  in  Steiermark 
Osterwitz;  in  Tirol  das  Zillerthal,  Pfitsch,  Pregraten  und  Sterzing;  in  Böhmen 
Zinnwald,  Joachimsthal , Ahorn wald,  Schlaggenwald  und  Schönfeld,  Pribram, 
Neudek;  in  Mähren  Rozna,  Bobruwka,  Wollein,  Marschendorf,  Wiesenberg, 
Röschitz;  in  Ungarn  Kobolopojana. 

An  den  meisten  dieser  Orte  aber  findet  sich  das  Mineral  in  Krystallen , viel 
zu  selten  in  den  Gang-  oder  Gesteinsmassen  zerstreut,  als  dass  an  eine  Gewin- 
nung im  Grossen  gedacht  werden  könnte;  nur  in  Kobolopojana  soll  es  nach  Zip- 
ser  in  losen  feinerdigen  Theilchen  auf  einem  mächtigen  Gange  zwischen  Quarz 
Vorkommen,  also  unter  Verhältnissen,  welche  vielleicht  eine  reichere  Ausbeute 
erwarten  liessen ; in  Schlaggenwald  trifft  man  es  in  kugeligen  Massen , die  mit- 
unter einen  Durchmesser  von  einigen  Zoll  erreichen;  auf  dem  Kraatzerberge  end- 
lich bei  Schön  wald  in  Böhmen  findet  sich  nach  Dürre  zwischen  den  in  einem 
Steinbruch  entblössten  senkrechten  Basaltsäulen  in  zolldicken  Lagen  ein  schnee- 
weisses  Mineral,  welches  grösstentheils  aus  phosphorsaurem  Kalk  besteht  und 
offenbar  als  Zersetzungsproduct  des  Basaltes  zu  betrachten  ist.  Es  ist,  wie  Kenn- 
gott bemerkt,  der  Osteolith  benannten  Varietät  des  Apatits  aus  dem  Dolerit  bei 
Hanau,  der  unter  ganz  ähnlichen  Verhältnissen  in  einem  ausgedehnten  4 — 6 Zoll 
mächtigen  Lager  vorkömmt,  ganz  gleich.  Auch  hier  wäre  also  vielleicht  an  die 
Aufsuchung  grösserer  Quantitäten  zu  denken. 

Nebst  dem  Apatit  ist  nur  noch  der  Blauspath  (Lazulith)  zu  nennen,  der  als  ein 
an  Phosphorsäure  reicheres  Mineral  (er  enthält  davon  41 — 43  Procent  an  Thon- 
erde gebunden)  in  den  krystallinischen  Schiefergesteinen  in  den  Alpen  von  Öster- 
reich, Steiermark  und  Salzburg,  namentlich  in  grösseren  Stücken  bei  Krieglach, 
vorkömmt.  Doch  aber  bleibt  er  stets  mehr  weniger  eine  mineralogische  Seltenheit. 

An  die  meist  auf  Gängen  vorkommenden  phosphorsauren  Salze  der  schweren 
Metalle,  wie  Blei,  Kupfer  u.  s.  w.,  wie  Libethenit,  Grünbleierz  u.  s.  w.  kann 
selbstverständlich  bei  einer  Benützung  für  landwirtschaftliche  Zwecke  nicht 
gedacht  werden;  selbst  auch  der  Raseneisenstein , der  seinen  bis  auf  10  Procent 
steigenden  Gehalt  an  Phosphorsäure  offenbar  schon  der  Vermittlung  organischer 
Thätigkeit  verdankt,  wird  für  diese  Zwecke  kaum  in  Betracht  kommen  können. 

Wenden  wir  uns  nun  zu  den  sedimentären,  Versteinerungen  führenden  For- 
mationen, so  scheint  es,  dass  ihr  oft  nicht  unbeträchtlicher  und  stellenweise  auch 
in  einzelnen  Gesteinsbänken  hoch  concentrirter  Gehalt  an  Phosphorsäure  beinahe 
nur  von  fossilen  Thierresten  herrührt,  die  in  ihnen  begraben  wurden  und  dass 
dieser  Gehalt  demzufolge  im  Verhältniss  stehe  zu  den  im  Gesteine  eingeschlos- 
senen Thierresten.  Am  reichsten  sind  natürlich  jene  Schichten,  welche  Knochen 
oder  Excremente  (Coprolithcn)  von  Wirbelthieren  in  grösserer  Menge  einschlies- 
sen;  da  aber  auch  die  Korallenstöcke  gegen  y20  Procent  Phosphorsäure  enthalten 
und  die  letztere  in  geringerer  Menge  auch  in  den  Gehäusen  der  Mollusken  ent- 
halten ist,  so  darf  man  so  ziemlich  in  allen  sedimentären  Kalksteinen,  namentlich 
in  den  in  allen  Formationen  verbreiteten  Korallen-  und  Muschelkalken  einen 
wenn  auch  geringen  Gehalt  an  Phosphorsäure  voraussetzen,  der  auch  in  mehreren 
derselben  bereits  nachgewiesen  worden  ist. 

Bekannt  als  sehr  reich  an  Phosphorsäure  sind  insbesondere  gewisse 
Schichten  der  mittleren  Kreide  in  England,  welche  lagenweise  Apatitknollen 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


192 


Verhandlungen. 


[10] 


enthalten,  die  man  für  Coprolithen  hält;  noch  merkwürdiger  in  dieser  Beziehung 
ist  aber  der  sogenannte  von  Claus  beschriebene  Apatitsandstein  in  den  Gouver- 
nements Kursk  und  Woronesch  in  Russland,  der  ebenfalls  der  Kreideformation 
angehörig,  bei  einem  Gehalt  von  30  Procent  an  Kalkphosphat,  Schichten  von 
einigen  Zoll  bis  l*/8  Fuss  Mächtigkeit  bildet  und  sich  dabei  über  einen  Flächen- 
raum von  800  Werst  ausbreitet.  Nach  Keyserling  hätten  auch  für  dieses  Ge- 
bilde Knochen  das  Material  geliefert. 

Was  nun  specieller  wieder  die  österreichische  Monarchie  betrifft,  so  lassen 
sich  ebenfalls  einige  Sedimentgebilde  bezeichnen,  in  welchen  ein  höherer  Gehalt 
an  organischen  Resten  eine  grössere  Menge  an  Phosphorsäure  erwarten  lässt. 

In  den  obersten  Schichten  der  Silurformation  Galiziens,  hart  an  der  Grenze 
des  darauf  lagernden  rothen  Sandsteines  in  der  Umgebung  von  Zaleszczyky  am 
rechten  Ufer  des  Dniester,  bei  Uscieczko  und  zwischen  Czortkow  und  Budzanow, 
hei  Skorodynee  am  Szered,  beobachtete  Herr  D.  Stur  Schichten  von  Kalk  und 
Sandstein,  in  denen  Knochenreste  und  zwar  Schilde  von  Ptcraspis  in  solcher 
Menge  Vorkommen,  dass  sie  nach  seiner  Schätzung  mehr  als  den  20.  Theil  der 
ganzen  Gesteinsmasse  bilden. 

In  den  Schiefern  des  Rothliegenden  finden  sich  Coprolithen  ganz  in  der  Nähe 
westlich  von  Hohenelbe  in  Böhmen,  woraus  man  allerdings  auf  einen  Phosphor- 
gehalt mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  schliessen  darf. 

In  den  Kössener  Schichten  unserer  Alpen  könnte  es  vielleicht  gelingen  an 
ein  oder  der  andern  Stelle  die  knochenreiche  „ Bonebed “ genannte  Schichte 
aufzufinden,  welche  in  derselben  Formalion  in  Schwaben  und  anderwärts  be- 
kannt ist. 

In  den  jüngeren  Jura-,  Kreide-  und  Tertiärgebilden  dürften  diejenigen 
Bodenarten,  die  muschel-  oder  korallenreiche  Schichten  zur  Unterlage  haben, 
leicht  einen  etwas  höheren  Gehalt  an  Phosphorsäure  darbieten. 

Unter  den  Diluvialgebilden  endlich  kann  man  auf  die  Knochenbreccien  in 
Dalmatien,  auf  die  Knochenhöhlen  u.  s.  w.  als  Aufspeicherungen  von  Phosphor- 
säure hinweisen. 

Uebrigens  kann  man  bei  unbefangener  Betrachtung  der  ganzen  Frage  kaum 
umhin,  daran  zu  erinnern,  dass  eine  grössere  und  leichter  zu  gewinnende  Menge 
von  Phosphorsäure  als  das  Mineralreich  sie  darzubieten  vermag,  in  unserem  Lande 
noch  durch  entsprechende  Verwerthung  des  Inhaltes  der  Cloaken  der  grösseren 
Städte  und  Ortschaften,  ja  selbst  in  vielen  Dörfern  gewonnen  werden  kann.  In  dicht 
bevölkerten  und  hoch  cultivirten  Ländern , wo  der  natürliche  Dünger  von  der 
intensiv  betriebenen  Landwirtschaft  völlig  aufgebraucht  wird  und  nicht  mehr 
genügt,  greift  man  naturgemäss  zu  den  schwieriger  zugänglichen  und  darum  kost- 
spieligeren Producten  des  Mineralreiches.  Bei  uns  gehen  von  dem  ersteren  noch 
so  ungeheuere  Quantitäten  unbenutzt  verloren,  dass  man  vorerst  noch  für  längere 
Zeit  ein  allgemeineres  wirkliches  Bedürfnis  die  noch  schlummernde  Phosphor- 
säure des  Mineralreiches  der  Landwirtschaft  auf  künstlichem  Wege  dienstbar 
zu  machen,  kaum  voraussetzen  kann,  um  so  mehr,  da  endlich  auch  durch  die  von 
allen  rationellen  Landwirten  so  dringend  bevorwortete  Vermehrung  des  Futter- 
baues und  damit  im  Zusammenhänge  stehende  Erhöhung  der  Viehproduction  auch 
die  Erzeugung  von  natürlichem  Dünger  noch  ausserordentlich  erhöht  werden 
kann. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  legt  eine  geognostische  Karte  des  Mittel- 
laufes der  Lapos,  d.  i.  der  Umgehungen  von  Nagy  Somkut,  Szurdok  Kapolnak 
und  Magyar  Lapos  im  nördlichen  Siebenbürgen  vor,  welche  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  sammt  ungemein  wertvollen  Erläuterungen  von  Herrn  Franz 


Sitzung  vom  18.  März.  Franz  v.  Hauer. 


193 


[ii] 

Posepny,  k.  k.  Expectanten  in  Kovaes,  eingesendet  worden  waren.  Als  Leiter 
der  Kohlenschürfungen  hei  dem  letztgenannten  Orte,  hatte  derselbe  die  geologi- 
schen Verhältnisse  der  Gegend  in  weiterem  Umkreise  genauer  zu  studiren 
Gelegenheit  gehabt;  für  die  freundliche  Mittheilung  der  Ergebnisse  dieser 
Studien  sind  wir  ihm  zum  wärmsten  Danke  verpflichtet. 

Die  Karte  umfasst  die  Glimmerschiefer-Insel  von  Preluka  am  Nordfuss  des 
Lapos,  die  Eoeen-  und  Miocengebilde  der  nördlichen  Umgebung  dieser  Insel  und 
den  südlichsten  Theil  des  Trachytgebirges  des  Gutin-Zuges  bei  Kötelesmezö. 
Die  Begrenzung  dieser  Gesteine  gegen  einander  wird  im  Allgemeinen  sehr  nahe 
übereinstimmend  angegeben  mit  der  auf  unserer  Uebersichtskarte  des  Landes. 
Neu  dagegen  erscheinen  auf  Herrn  Posepny’s  Karte  einige  Partien  von  Urkalk 
im  Glimmerschiefer,  die  eine  zwischen  Rodru  und  Preluka-nova , eine  zweite  bei 
Magura  und  zwei  kleinere  bei  Macskamezö. 

Ueber  die  Aufeinanderfolge  der  verschiedenen  Schichten  der  Eocenforma- 
tion  gab  besonders  das  Thal  Casilor  südöstlich  bei  Kovaes  gute  Aufschlüsse;  die 
Schichten,  die  regelmässig  vom  Glimmerschiefer  abfallen,  erreichen  eine  Gesammt- 
mächtigkeit  von  etwa  400  Klaftern.  Zunächst  auf  den  Glimmerschiefer  legt  sich 
eine  Bank  von  rothem  thonigen  Sandstein,  die  nicht  nur  hier  sondern  auch  sonst 
allenthalben  im  Gebiete  die  Grenze  zwischen  dem  Glimmerschiefer  und  dem 
Eocenen  bezeichnet.  Weiter  nach  aufwärts  folgen  dann: 

1.  Eine  Gruppe  von  vorwaltend  thonigen  Strafen  mit  Einlagerungen  von 
Conglomeraten,  etwa  80  Klafter  mächtig. 

2.  Vorwaltend  kalkige  Gesteine,  in  welchen  aber  mit  den  Kalksteinen 
selbst  auch  Mergel,  Sandsteine  und  Thone  in  Wechsellagerung  treten,  denen  sich 
auch  noch  Kohlen  mit  ihren  begleitenden  Gesteinen,  Kohlenschiefern  u.  s.  w.  zu- 
gesellen. Mehrere  Bänke  der  letzteren  sind  der  ganzen  Zone  eingebettet;  die 
mächtigste  derselben  wurde  durch  Schürfarbeiten  verfolgt.  Das  Flötz  erreichte 
stellenweise  eine  Mächtigkeit  von  drei,  ja  selbst  von  fünfFuss,  zeigte  aber  allent- 
halben viele  Verdrückungen  und  Störungen,  theilte  sich  wohl  auch  in  einzelne 
schmale  Bänke,  die  sich  wieder  vereinigten  u.  s.  w.  Die  Mächtigkeit  der  ganzen 
Gruppe  wird  auf  100  Klafter  geschätzt. 

3.  Vorwaltend  „Tuffgestein“,  ein  Gebilde,  welches  auch  schon  in  der  ersten 
Abtheilung  vorkommt;  dasselbe  ist  weich,  lauchgrün  und  grau,  und  führt  Quarz  und 
Feldspalh.  Bei  100  Klafter  mächtig. 

4.  Vorwaltend  sandige  Gebilde,  und  zwar  dabei  ein  weicher  leicht  zu  bear- 
beitender Sandstein,  von  dem  in  der  ganzen  Gegend  ein  ausgedehnter  Gebrauch 
gemacht  wird.  Mächtigkeit  bei  60  Klafter. 

5.  Wieder  vorwaltend  kalkige  Gesteine,  ähnlich  denen  von  Nr.  2,  bei 
60  Klafter  mächtig. 

Die  Kohlenausbisse  lassen  sich  durch  das  ganze  Gebiet  zwischen  Käpolnok 
und  Törökfalu  auf  eine  Erstreckung  von  zwei  deutschen  Meilen  verfolgen.  Zahl- 
reiche Kohlensäuerlinge  entspringen  meist  ganz  nahe  im  Hangenden  oder  Liegen- 
den der  Kohlenausbisse. 

Die  Miocengebilde  sind  dem  Eocenen  conform  aufgelagert  und  beginnen  mit 
Letten,  die  petrographisch  von  den  Gesteinen  der  letzteren  Formation  kaum  zu 
trennen  sind;  doch  ist  die  Grenze  schon  in  der  Beliefform  des  Landes  deutlich 
angezeigt;  weiter  herrschen  hauptsächlich  graue  und  grüne  sehr  unebenflächige 
Schieferthone  mit  Einlagerungen  von  Sandstein  und  Tuffbänken.  Die  wichtigste 
Einlagerung  bildet  Gyps,  der  mit  einem  grauen  Thon  an  vielen  Stellen  einbricht. 
Als  Fundorte  werden  bezeichnet:  Kovaes,  zu  beiden  Seiten  der  Strasse  am  Ein- 
gänge in  das  Dorf,  Kiskörtvelyes  unterhalb  der  Kirche,  Garbonacz  östlich  vom 


194 


Verhandlungen. 


[12] 

Bade,  Dambrovitza,  Ungarfalü,  Blosa  im  Vale  ploptilor.  Auch  Salzquellen  finden 
sich  im  Gebiete  desMiocenen,  so  bei  Kovacs,  bei  Karulya  und  Körtvelyes;  ausser- 
dem kennt  man  aber  auch  eine  Salzquelle  im  Gebiete  des  Glimmerschiefers  im 
Vale  grazdilor  bei  Remetsiore. 

Auch  im  Gebiete  des  Miocenen  kommen  an  vielen  Stellen  Schnüre  und 
Nester  einer  schwarzen  Mineralkohle  vor  und  bei  Laposhanya  in  einer  Bucht  im 
Trachytgebirge  im  Vale  lujmarin  fand  Herr  Posepny  in  Begleitung  einer  schwa- 
chen Kohlenschichte  grosse  Massen  von  verkieselten  Laubholzstämmen  und  in 
den  diese  einscbliessenden  Schiefern  eine  grosse  Zahl  von  Blätterahdrücken. 

Noch  erwähnt  Herr  Posepny  des  Vorkommens  von  ausgezeichnetem  Num- 
mulitenkalk  ausserhalb  des  Gebietes  seiner  Karte,  zwischen  Sztrimbuly  und  Pa- 
duruoj  im  Vale  Caldere.  In  einer  Kalkhöhle  im  Nummulilenkalk  der  Piatra  cel 
mnike  enthält  eine  Knochenbreccie  eine  Unzahl  von  Bären-  und  Wolfszähnen. 

Eine  zweite  sehr  interessante  Mittheilung  aus  dem  nördlichen  Siebenbürgen, 
die  Herr  k.  k.  Bergrath  von  Hauer  vorlegte,  verdankt  er  Herrn  Dr.  Alexis  von 
Pävai  in  Nagy-Enyed.  Gelegentlich  einer  Reise  nach  Rodna  entdeckte  derselbe 
einen  Fundort  von  Terliärpetrefacten  hei  dem  Dorfe  Alsöhagymäs  an  einem 
Seitenbach  des  Szamos,  der  zwischen  Retteg  und  Csicsökeresztur  in  den  genann- 
ten Fluss  mündet.  Der  Bach  theilt  sich  unterhalb  des  Dorfes  in  zwei  Arme,  die 
einen  Hügel  von  etwa  150  Fuss  Höhe  einschliessen.  An  den  Abhängen  dieses 
Hügels  sieht  inan  von  unten  nach  oben  : 

1.  Ein  grünlich  gefärbtes  Gestein.  (Nach  einem  übersandten  Stückchen: 
sandiger  Trachyltuff  oder  Palla.) 

2.  Sehr  verwitterter  Sandstein  mit  den  Petrefacten,  besonders  häufig  dar- 
unter sind  Korallen,  Fischzähne,  Bivalven,  auch  ein  verkohlter  Pinus-Zapfen 
wurde  hier  gefunden.  (Unter  den  übersendeten  Stückchen  bestimmten  die  Herren 
Dr.  Stäche  und  Dr.  Stoliczka:  Nulliporen,  Cellepora  coronopus  Lam.  und 
Eschara  cervicornis  Lam.,  Lepralia , Echinus- Täfelchen,  Terebratula , ein 
Fragment,  wahrscheinlich  von  T.  grandis  Blumenbach , Ostreu  coclilear  Poli? 
Pecten  sp.?  und  Venus  sp . ?) 

3.  Sandstein,  1—2  Fuss  mächtig,  darüber  etwas  Gerolle,  dann  Dammerde. 

Herr  von  Hauer  bemerkte,  der  von  Herrn  von  Pävai  entdeckte  Fundort 

sei  seines  Wissens  der  östliche  für  marine  Neogenschichten  im  nördlichen  Sieben- 
bürgen, besonders  merkwürdig  wird  aber  derselbe  noch  dadurch,  dass  diese 
Schichten  hier  den  Trachyttuff  überlagern  sollen. 

Weiter  berichtet  Herr  von  Pävai  über  das  Vorkommen  sehr  zahlreicher 
Hirschgeweihe  und  Knochen  zwischen  Betlilen  und  dem  südlich  davon  gelegenen 
Dorfe  Nagyfalu.  Das  Bächlein,  welches  von  dort  herabkömmt,  spült  hei  Ueber- 
schwemmungen  den  Diluvialboden  ab  und  dann  kommen  die  Geweihe  zum  Vor- 
schein, welche  die  Bauern  sammeln  und  auf  die  Dächer  ihrer  Häuser  setzen. 
Einige  davon  haben  nach  Herrn  von  Pävai  Aehnlichkeit  mit  den  Geweihen  des 
Cervus  Megaceros. 

Von  Herrn  Professor  Pichler  in  Innsbruck  erhielt  Herr  von  Hauer  zur 
Vorlage  die  folgende  Notiz  zur  Geognosie  des  Haller  Salzberges.  „Bereits 
früher  entdeckte  ich  in  den  verhärteten  Salzthonen  des  Haller  Salzstockes 
Spuren  von  Pflanzenahdrücken.  Im  vorigen  Herbste  fand  ich  nun  ein  grosses 
Stück  von  jenem  grauen  Salzthone,  welches  nebst  den  bekannten  Pseudomorpho- 
sen  von  Anhydrit  noch  Steinsalz,  eine  Menge  Kohlenstückchen,  manche  von  der 
Länge  eines  halben  Zolles,  einschloss.  Die  Kohle  war  faserig,  seidenglänzend, 
schwarz;  zwischen  die  Fasern  drängte  sich  manchmal  wasserklarer  Gyps ; auch 
Schwefelkies  fand  sich  eingesprengt.  Da  mich  der  Gegenstand  interessirte,  so 


Sitzung  vom  18.  März.  M.  V.  Lipoid. 


195 


[13] 


gab  ich  an  Professor  Hlasiwetz  einige  Stückchen  zur  chemischen  Untersuchung. 
Er  theilt  darüber  Folgendes  mit:“- 

„„Die  mit  dem  Messer  vorsichtig  abgelöste  Masse  wurde  in  eine  Kugelröhre 
gebracht,  und  diese  mit  einem,  reines,  trockenes  Sauerstoffgas  liefernden  Gaso- 
meter verbunden. 

Das  andere  Ende  der  Röhre  mündete  vermittelst  eines  angesetzten  Knie- 
rohres in  Barytwasser.  Nachdem  das  Gas  eine  Zeit  lang  durch  das  Barytwasser 
getreten  war,  und  man  sich  überzeugt  hatte,  dass  es  völlig  kohlensäurefrei  ist, 
wurde  die  Kugel  erhitzt.  Anfangs  entwich  etwas  Wasser,  und  alsbald  verglomm 
die  Masse  mit  hellem  Licht  und  das  entweichende  Gas  erzeugte  in  dem  Baryt- 
wasser eine  starke  Fällung  von  kohlensaurem  Baryt. 

Von  0-145  Grammen  Substanz  waren  0 051  Grammen  verbrannt.  Die  Masse 
enthielt  demnach  35*1  Procent  verbrennliche  Bestandteile  und  64-9  Procent  Asche. 

Die  Asche  enthielt  Kieselsäure,  Eisenoxyd,  Thonerde,  wenig  Kalk,  ziemlich 
viel  Magnesia  und  Alkalien.““ 

„Uebrigens  habe  ich  auch  im  bunten  Sandsteine  des  Höttingergrabens 
Schmitzen  von  Schwarzkohle  entdeckt.“ 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  machte  eine  Mittheilung  über  die  Gänge, 
welche  in  dem  Eisensteinbergbaue  am  „Giftberg“  nächst  Komorau  in  Böhmen 
vorgefunden  werden.  Aufschlüsse  an  Ort  und  Stelle  über  dieselben  und  mehrere 
sehr  lehrreiche  Gangstufen  von  daher  erhielt  derselbe  von  dem  Bergverwalter 
Herrn  Heinrich  Becker  in  Komorau,  der  sich  mit  besonderem  Eifer  dem  Stu- 
dium jener  Gänge  und  der  Aufsammlung  interessanter  Stufen  widmet. 

Das  Giftberger  Eisenstein  la  ger  in  den  Komorauer  Schichten  der  silurischen 
Grauwackenformation  besteht  aus  Roth-  und  Spatheisensteinen,  welche  2 — 7 Fuss 
mächtig  auftreten.  Das  Lager  streicht  von  SO  in  NW,  und  fällt  mit  10  — 20  Grad 
in  NO  ein.  Bei  dem  Abbaue  dieses  Lagers  haben  sich  nun  2 Systeme  von  Klüften 
bemerklich  gemacht,  deren  eines  nahezu  dasselbe  Streichen  und  Einfallen,  wie 
das  Eisensteinlager,  besitzt.  Die  Klüfte  dieses  Systems  sind  mit  Letten  oder 
Trümmergestein  ausgefüllt,  und  verwerfen  das  Lager  zum  Theil  bis  auf  14  Klafter. 
Von  Mineralien  findet  sich  in  denselben  nur  in  Hohlräumen  Baryt  vor.  Die  Klüfte 
des  anderen  Systems  oder  die  eigentlichen  Gänge  des  Giftberges  streichen  im 
Durchschnitte  von  Süd  in  Nord,  und  sind  grösstentheils  steil  stehend.  Sie  ver- 
werfen das  Eisensteinlager  nicht  bedeutend,  sind  aber  durch  die  Mineralien, 
welche  sie,  besonders  wo  sie  das  Eisensteinlager  durchsetzen,  führen,  ausge- 
zeichnet. Diese  Mineralien  sind:  Quarz,  Braunspath,  Baryt,  Eisenspath,  Fahlerz, 
Pyrit  und  Zinnober. 

Herr  Bergrath  Lipoid  suchte  aus  den  von  Herrn  Becker  an  die  k.  k. 
geologische  Reichsanstalt  eingesendeten  Gangstufen  die  Paragenesis,  in  welcher 
obige  Mineralien  in  den  Giftberger  Gängen  sich  gebildet  haben,  festzusetzen, 
und  es  ergab  sich  hiebei  nachstehende  Altersfolge:  Quarz  (Jaspis),  Rotheisenerz, 
Pyrit,  Eisenspath,  Baryt,  Zinnober,  Braunspath.  Den  Platz,  welchen  in  dieser 
Reihe  das  Fahlerz  einnimmt,  konnte  Herr  Lipoid  wegen  Mangel  maassgebender 
Stufen  nicht  bestimmen. 

Herr  Lipoid  erwähnte,  dass  Herr  Professor  Dr.  A.  Breithaupt  in  seiner 
„Paragenesis  der  Mineralien“1)  die  Giftberger  Gänge  in  die  „Barytische  Mercur- 
Formation“  einreiht,  welche  nach  ihm  eine  der  jüngsten  Gangformationen  ist, 
während  er  die  Pfibramer  Erzgänge  zu  den  viel  älteren  Gangformationen,  näm- 
lich der  pyritischen  und  klinoedrischen  Blei-  und  Zinkformation  beizählt. 


D Freiberg  1849,  Seite  258. 


196 


Verhandlungen. 


ru] 


Bezüglich  des  Alters  der  Giftberger  Gänge  machte  nun  Herr  Bergrath  Lipoid 
darauf  aufmerksam,  dass  dieselben  allerdings  noch  die  Brda-Schichten  der  unter- 
silurischen  Grauwackenformation  (Barrande’s  Etage  D.d 2) , somit  viel  jüngere 
Schichten  durchsetzen,  als  die  Pribramer  Erzgänge,  deren  zu  Tagetreten  bisher 
nur  in  der  Pribramer  Grauwacke  (Barrande’s  Etage  B ) bekannt  wurde;  es  sei 
aber  von  besonderem  Interesse,  dass,  so  wie  die  Pribramer  auch  die  Giftberger 
Erzgänge  vorherrschend  und  im  Durchschnitte  dasselbe  Streichen  von  Süd  in 
Nord  und  dasselbe  steile  Einfallen  besitzen. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  legte  eine  Mittheilung  des. Herrn  Herr- 
schafts-Inspectors Karl  Gregory  zu  Besko,  zwischen  Rymanow  und  Zarszyn  in 
Galizien,  über  das  dortige  Vorkommen  von  Naphtaquellen  vor.  Es  gehört  dieses 
Vorkommen  von  Naphta  bei  Besko  jener  Zone  von  bitumenreichem  Schiefer  an, 
welche  sich  an  die  Kreideformation  des  Karpathensandsteines  des  Grenzgebirges 
anschliessend,  beinahe  ohne  Unterbrechung  von  Saybusch  in  östlicher  Richtung 
über  Neu-Sandec,  Gorlice  und  Dukla  zieht,  auch  in  dem  südöstlichen  Theile 
Galiziens  in  bedeutender  Ausdehnung  fortsetzt  und  in  die  Bukowina,  so  wie  auch 
wahrscheinlich  in  die  Moldau  fortzieht;  die  bei  Crybow  und  Gorlice  darin  auf- 
gefundenen Fischabdrücke  sind  mit  den  von  Saybusch  schon  früher  her  bekann- 
ten identisch,  und  für  die  tertiären  Menilitschiefer  charakteristisch.  Ueber  diese 
Zone,  so  wie  über  das  Auftreten  von  Naphta  darin,  hatte  Herr  Bergrath 
F.  Foetterle  bereits  in  der  Sitzung  vom  29.  November  1859  (Jahrbuch, 
10.  Jahrg.,  1859,  Verhandlungen  Seite  183)  berichtet,  und  darf  wohl  die  nach- 
folgende Mittheilung  des  Herrn  Karl  Gregory  über  das  Vorkommen  bei  Besko 
als  ein  sehr  erwünschter  Beitrag  zur  weiteren  Kenntniss  dieser  Schieferabthei- 
lung betrachtet  werden,  wofür  wir  dem  Herrn  Einsender  zum  grössten  Danke 
verpflichtet  sind. 

„Schon  seit  mehreren  Jahren“  schreibt  Herr  Gregory  „wird  am  nörd- 
lichen Abhange  der  Karpathen  mit  manchem  glücklichen  Erfolge  nach  Naphta 
gegraben;  denn  die  Spuren  derselben  liegen  sehr  oft  zu  Tage,  besonders  aber 
zeigen  sich  diese  Spuren  in  einer  Entfernung  von  2 bis  3 Meilen  von  der  Wasser- 
scheide, oder  dem  höchsten  Bergrücken  des  Karpathengebirges,  hier  Beskid 
genannt;  ja  ich  möchte  sagen,  diese  Spuren  finden  sich  nur  ausschliesslich  in  der 
dritten  Entfernungsmeile  von  den  höchsten  Bergkämmen,  also  ungefähr  8 — 10.000 
Klafter  nördlich  von  der  ungarischen  Grenze.  Näher  zu  dieser  Grenze  ist  mir, 
trotz  allen  Suchens  und  Forschens  noch  keine  Spur  von  Naphta  vorgekommen, 
ebenso  sind  gegen  das  flache  Land  hin  und  zwar  ausserhalb  dem  Bereiche  der 
dritten  Entfernungsmeile  keine  dergleichen  Spuren  aufzufinden;  hingegen  ist  der 
ganze  Gebirgsstrich  in  der  eben  bezeichneten  Richtung  fast  durchgängig  mit  Naphta 
versehen,  und  finden  sich  die  Spuren  derselben  fast  in  jeder  Tiefe  des  Bodens. 
Ein  sehr  merkwürdiges,  mit  eben  diesen  Andeutungen  eng  in  Verbindung  stehen- 
des Phänomen  sind  die  Gasquellen  in  der  bekannten  Jod-Badeanstalt  Iwonicz,  von 
hier  l*/4  Meilen  entfernt.  Ein  starker  Gasstrom  quillt  aus  der  Erde  empor,  dessen 
Dasein  sich  durch  polterndes  Aufstossen  eines,  zufällig  dort  entstandenen  kleinen 
Wasserbehälters,  schon  in  einiger  Entfernung  kund  gibt,  ein  brennender  Fidibus 
in  die  Nähe  dieser  aufsteigenden  Welle  gebracht,  entzündet  explodirend  das  aus- 
strömende Gas  und  eine  bisweilen  mannshohe  Flamme  lodert  in  sich  fortwährend 
wiederholenden  Stössen,  aber  ununterbrochen  empor.  Diese  Quelle  ist  nicht  die 
Einzige;  noch  mehrere  andere  finden  sich  im  Rayon  dieser  Badeanstalt  und  auf 
einigen  Stellen  braucht  man  nur  den  Stock  in  die  etwas  sumpfige  Erde  zu  stossen 
und  während  des  Herausziehens  eine  Flamme  an  das  Loch  halten,  um  augen- 
blicklich ein  Gasflämmchen  aufflackern  zu  sehen. 


[IS] 


Sitzung  vom  18.  März.  F.  Foetterle. 


197 


In  dem  oben  angedeuteten  Gebirgsstrich  kann  man  oft,  besonders  in  waldi- 
gen Schluchten,  den  eigenthümlichen  bituminösen  Naphtageruch  verspüren, 
welcher  dann  entweder  das  Dasein  unbemerkbarer  Gasquellen  oder  Naphta 
bekundet.  Dieser  Geruch  ist  fast  immer  in  den  frisch  gegrabenen  Brunnen  dieser 
Gegend  vorherrschend;  ja  hier  im  Orte  ereignete  es  sieb,  dass  die  fortwährende 
bituminöse  Atmosphäre  eines  frischgegrabenen  Brunnens  das  Wasser  ungeniess- 
bar  machte. 

Die  Gebirgsschichten,  die  das  bezeichnete  Hügelland  in  seinem  Innern  birgt, 
stehen  hie  und  da  fast  senkrecht,  meistentheils  sind  sie  aber  nach  Norden  ge- 
neigt, und  bestehen  aus  Schiefer  von  verschiedener  Beschaffenheit,  Mächtigkeit, 
Härte  und  Farbe.  Ein  grauwackenartiges  Gebilde,  in  welchem  sehr  häufig  Ab- 
drücke von  Baumästeri  und  Blättern  Vorkommen,  nebst  geradspaltigem  und 
Bröckelschiefer  mit  dazwischen  eingepressten  Lehmschichten  bildet  die  Unter- 
lage der  oberflächlichen,  lehmigen  und  lehmig-sandigen  Erdkrume.  Die  Fär- 
bung dieses  Gesteines  ist  vorherrschend  bläulichgrau,  oft  auch  gelblichgrau 
und  das  Erstere  im  frischen  Bruche  stets  von  starkem  bituminösen  Geruch 
begleitet.  Wo  die  Spuren  von  Naphta  deutlicher  hervortreten,  ist  sowohl  das 
Gestein  als  auch  der  Schiefer  von  schwärzlicher  dunkler  Farbe,  die  sich  jedoch 
an  der  Luft  in  ein  bläuliches  Grau  verwandelt.  Den  so  eben  bezeichneten  Schiefer 
könnte  man  mit  Becht  Naphtaschiefer  nennen;  denn  nicht  nur  scheint  derselbe 
von  Naphta  ganz  durchdrungen  zu  sein,  sondern  sie  findet  sich  auch  meisten- 
theils in  demselben.  Höher  gegen  den  Gebirgskamm  zu,  ausserhalb  der  bezeich- 
neten Naphtaregion  herrschen  wohl  auch  noch  diese  Schiefergebilde  vor,  sind 
aber  mehr  von  grauer  als  bläulichgrauer  Farbe  und  wechseln  häufig  mit  einem 
sehr  grobkörnigen,  oft  sehr  zerklüfteten  Sandstein,  der  hier  und  da  vortreffliche 
Mühlsteine  liefert.  Auch  Kalksteine,  schwammartige,  poröse,  aber  sehr  feste 
Gebilde,  hier  und  da  mit  Eisenoxyd  gefärbt;  häufig  aber  auch  ein  vortreff- 
licher Cementkalkstein  findet  sich  in  dieser  Region.  Eben  so  fand  ich  an  einer 
Stelle  Grünsteinschiefer,  welcher  mit  Quarzsteinlagern  von  stark  eisenhaltiger 
Uebersinterung  in  stehenden  von  6 Zoll  bis  2 Fuss  breiten  Schichten  wechselte. 
Salzquellen  finden  sich  in  diesem  Bereiche  sehr  häufig,  ja  fast  mehr  wie  in  der 
Naphtaregion. 

Den  eigentlichen  Impuls  zum  emsigen  Naphtasuchen  in  hiesiger  Gegend  gab 
vor  einigen  Jahren  Herr  Trzeciecki.  In  dem  Walde  seines  Nachbars  fand  sich 
nämlich  seit  undenklichen  Zeiten  eine  Naphtaquelle,  die  aber  bis  nun  zu,  wie 
überall,  unbeachtet  und  unbenützt  geblieben;  als  aber  das  Naphta -Photogen  in 
Anwendung  kam,  war  Herr  Trzeciecki  der  Erste,  welcher  aus  dieser  unbedeu- 
tenden Quelle  die  Destillation  in  Angriff  nahm;  da  aber  die  Quelle  nur  ein  sehr 
geringes  Quantum  Naphta  lieferte,  so  versuchte  er  es  durch  Grabungen  auf  eine 
ergiebige  Quelle  zu  treffen,  was  er  mit  staunenswerther  Beharrlichkeit  durch 
3 Jahre  fortsetzte.  Schon  waren  17  Brunnen  mit  einem  Kostenaufwande  von 
4000  Gulden  vergebens  gegraben,  bis  endlich  der  18.  Brunnen  alle  Anstrengun- 
gen reichlich  belohnte.  Eine  Quelle  wurde  in  demselben  aufgedeckt,  welche  noch 
bis  heute  zu  ununterbrochen  täglich  300  Garnez  Naphta  liefert.  Noch  andere 
Brunnen  wurden  in  der  Nähe  gegraben  und  alle  mit  gleichem  Erfolge.  Bei 
1000  Garnez  Naphta  werden  täglich  aus  diesen  Brunnen  geschöpft  und  bis  nun 
zu  ohne  alle  Unterbrechung.  Der  Ort  dieser  Quellen  ist  auf  jeder  gewöhn- 
lichen Karte  sehr  leicht  zu  finden.  Eine^gerade  Linie  von  dem  Städtchen  Dukla, 
zu  dem  nahe  gelegenen  Städtchen  Krosno  gezogen  und  diese  Linie  in  3 Theile 
getheilt,  gibt  zwischen  dem  2.  und  3.  Theilungspunkt  von  Dukla  aus  genau  den 
Ort  an,  wo  sich  diese  ergiebigen  Naphtaquellen  befinden. 


198 


Verhandlungen. 


[16] 


Nicht  so  glücklich  ist  man  in  der  Gegend  von  Sandec.  Dort  befanden  sich 
Quellen,  die  durch  mehrere  Jahre  hindurch  30  bis  40  Garnez  Naphta  täglich 
lieferten,  die  aber  plötzlich  in  diesem  Herbste  bis  auf  einige  Garnez  täglich  ver- 
siegten; ob  sie  neuerdings  zu  ihrer  früheren  Ergiebigkeit  umgeschlagen,  ist  mir 
bis  jetzt  unbekannt  geblieben.  In  der  Nähe  des  Städtchens  Gorlice  finden  sich 
ebenfalls  viele,  aber  nicht  sehr  ergiebige  Naphtaquellen;  aber  hervorzuheben  ist, 
das  sich  in  jener  Gegend  vorfindende,  asphaltartigen  Erdpechlager,  welches  auf 
warmen  Wege  mit  Sand  gemengt,  eine  vortreffliche  Asphaltmasse  liefert.  Unsere 
unbedeutende  Industrie,  hat  trotz  dem  Bemühen  des  früheren  Besitzers  des  Fürsten 
Jablonowski  noch  keinen  Nutzen  daraus  ziehen  können.  In  nächster  Nähe  von 
Besko,  welches  s/4  Meilen  östlich  von  dem  Städtchen  Rymanow  liegt,  wurde  in 
diesem  Herbste  mittelst  Nachgrabung,  in  einer  Tiefe  von  4 — 5 Klafter  ebenfalls 
eine  Quelle  aufgedeckt,  welche  täglich  lo  — 16  Garnez  lieferte,  die  aber 
plötzlich  im  Spätherbste  versiegte  und  jetzt  nicht  mehr  als  1 — 2 Garnez  täglich 
abwirft.  Dergleichen  Fälle  wiederholen  sich  in  hiesiger  Gegend,  wo  das  Suchen 
und  Graben  nach  Naphta  an  der  Tagesordnung  ist,  sehr  häufig.  Glücklicher 
indessen  ist  die  Gegend  bei  Drohobycz,  die  grosse  Quantitäten  Naphta  liefert, 
aber  ausser  diesen  und  den  oben  im  Detail  geschilderten  Ergebnissen,  sind  die 
Resultate  im  Allgemeinen  nicht  die  Entsprechendsten,  weil  es  sehr  häufig  vor- 
kommt, dass  die  aufgefundenen  Quellen  nach  einiger  Zeit  versiegen,  dasselbe  war 
auch  hier  in  Besko  der  Fall. 

Nachdem  ich  im  Allgemeinen  die  Resultate  der  in  hiesiger  Gegend  ange- 
stellten  Grabungen  nach  Naphta  skizzirt , sei  es  mir  gestattet , noch  das 
Wichtigste  über  die  Lage  und  den  Bestand  der  hiesigen  Naphtaspuren , denn 
Quellen  sind  .sie  nicht  zu  nennen,  mitzutheilen.  Zwischen  zwei,  mit  dem  Haupt- 
rücken des  Gebirges  parallelen  Ausläufern  desselben,  liegt  eine,  beiläufig 
eine  Quadratmeile  grosse  Ebene,  die  westlicher  Seits  in  einen  Morast  endet. 
Diese  Hügel  indessen  sind  noch  nicht  die  letzten  nördlichen  Endzweige  der 
Karpathen ; denn  diese  ziehen  sich  noch  bis  Przemysl  in  einer  Strecke  von 
6 Meilen;  indessen  die  Entfernung  von  hier  bis  zum  höchsten  Rücken  der 
Wasserscheide  in  gerader  Richtung  beiläufig  2 Meilen  betragen  mag.  Südlich 
von  der  genannten  Ebene,  also  in  der  Richtung  gegen  das  Gebirge  hin,  erhebt 
sich  diese  Hügelkette  in  sanfter  Neigung,  häufig  von  ausgewaschenen  Schluchten 
durchschnitten.  In  einer  der  Letzteren  ungefähr  400  Klafter  von  der  bezeichneten 
Ebene,  gegenüber  dem  Moor  und  zwischen  bewaldeten  Anhöhen  findet  sich  die 
eine  Spur  von  Naphta.  Die  im  Spätherbste  dieses  Jahres  daselbst  angestellten 
unbedeutenden  Nachgrabungen  führten  bis  jetzt  zu  keinem  Resultate.  Zwischen 
den  mit  Bröckelschiefer  wechselnden,  in  ebenso  schräger  Lage  stehenden  Stein- 
schichten sickert  die  Naphta  in  sehr  unbedeutender  Quantität  durch;  jedoch 
ist  das  Gestein  in  seinen  Zerklüftungen,  besonders  aber  der  Brockel-  und 
Naphtaschiefer  mit  Naphta  innig  durchdrungen.  Das  Durchsickern  derselben 
findet  nach  allen  Seiten  der  Nachgrabung  statt,  und  da  dieselbe  in  horizon- 
taler Richtung  vorgenommen  wurde,  selbst  von  unten  herauf.  Das  stark 
ausquellende  Wasser  wird  bei  den  tieferen  Grabungen  stets  ein  bedeutendes 
Hinderniss  auf  dieser  Stelle  bleiben.  Die  zweite  Quelle  liegt  fast  in  derselben 
Richtung  ungefähr  300  Klafter  südlich,  ebenfalls  in  einer  tiefen  Schlucht.  Die 
Nachgrabungen  wurden  so  wie  bei  der  ersteren  in  horizontaler  Richtung 
betrieben  , um  bei  fortwährender  Verfolgung  der  entgegensickernden  Naphta  an 
den  Punkt  zu  gelangen,  wo  die  Quelle  in  den  Schieferschichten  bergeinwärts 
kennbar  wird,  um  erst  dann  entweder  in  die  Tiefe  oder  in  horizontaler  Richtung 
einzuschlagen.  Auf  diese  Art  wurden  die  mit  Erde  bedeckten  Steinschichten  an 


Sitzung  vom  18.  März.  D Stur. 


199 


[17] 


der  Berglehne  im  Profil  blossgelegt,  welche  hier  mehrere  mit  Thonsehichten 
wechselnd,  von  besonderer  Mächtigkeit  und  bedeutender  Härte  sind;  besonders 
war  die,  an  ein  sehr  mächtiges  Schieferlager  stossende,  6 Fuss  breite  Lage  so 
hart,  dass  sie  mit  Pulver  gesprengt  werden  musste.  Zu  dem  genannten  Schiefer 
angelangt,  welcher  von  Naphta  innig  durchdrungen  zu  sein  scheint,  verschwanden 
alle  Spuren  von  durchquellender  Naphta,  und  nur  aus  den  Spalten  des  letzt- 
bezeichneten  Gesteins  quoll  die  Naphta  so  ergiebig,  dass  am  ersten  Tage  bei  30, 
aber  am  nächstfolgenden  blos  einige  20  Garnez  gesammelt  wurden , diese 
Abnahme  des  Naphtaausflusses  nahm  aber  von  Tag  zu  Tag  so  zu,  dass  3 Tage 
nachher  fast  nichts  mehr  gesammelt  wurde.  Zu  dieser  Zeit  stellten  sich  starke 
trockene  Fröste  ein,  die  nicht  nur  die  Nachgrabungsarbeiten  unterbrachen,  son- 
dern auch  höchst  wahrscheinlich  ein  so  starkes  Zusammenziehen  der  oberen 
Erdschichten  bewirkten,  dass  zufolge  dieses  Umstandes  theilweise  der  Ausfluss 
der  Naphta  gehemmt  wurde. 

Die  in  einem  Schreiben  des  Herrn  Prof.  Dr.  Braun,  Bayreuth  vom  29.  No- 
vember v.  J.  enthaltene  Ansicht  „das  Pflanzenlager  von  Veitlahm  bei  Ku Irn- 
berg fällt  mit  oberem  Lias  zusammen;  was  durch  Kurr’s  Cupressites  liasinus 
( Widdringtonites  sp.  En  dl.)  und  Zamites  gracilis  Kurr  ( Otozamites  brevi- 
folius F.  Braun),  die  beide  auch  in  Veitlahm  Vorkommen,  sich  zur  Genüge 
beweiset“  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt  1861  — 1862,  Verh. 
S.  144)  — stand  im  Widerspruche  mit  den  Angaben  des  Herrn  Prof.  Dr. 
Const.  v.  Ettingshausen,  nach  welchen  Otozamites  brevifolius  auch  bei 
Theta  Vorkommen  sollte,  welches  Lager  oben  1.  c.  Herr  Prof.  Dr.  Braun  mit 
unterem  Lias  parallel  stellt. 

Herr  Prof.  Braun,  aufmerksam  gemacht  auf  diese  Widersprüche,  hat  ein 
weiteres  Schreiben  vom  6.  Februar  1862  an  Herrn  Hofrath  W.  Haidinger 
gerichtet,  aus  dem  Herr  D.  Stur  das  Folgende  mittheilt. 

„Die  in  Prof.  v.  Ettingshause n’s:  Begründung  einiger  neuen  oder  nicht 
genau  bekannten  Arten  der  Lias-  und  der  Oolithflora  (Abh.  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  I.,  3.  Äbth.,  Nr.  3)  auf  Taf.  II  abgebildeten  sechs  Stücke  sind 
nicht  von  dem  Fundorte  „Th et aff,  sondern  von  Veitlahm  bei  Kulm- 
bach. Die  Fundorte  sind  verwechselt  worden,  was  aber  in  sofern  von 
Bedeutung  ist,  da  beide  Fundorte  sehr  abstehende  Horizonte 
haben.  Die  Pflanzen  von  Theta  sind  älter,  die  Veitlahmer  liegen  dagegen  höher. 
Nicht  die  leiseste  Spur  von  Otozamites  brevifolius  (Fig.  6)  noch  von  Podoza- 
mites  distans  (Fig.  5)  fand  sich  bei  Theta.“ 

„Die  Fig.  1,  2,  3 derselben  Tafel  sind  keine  Thinnf eidien  oder  Coniferen, 
sondern  Farnkräuter,  was  schon  die  Nervation  erweisen  dürfte,  zu  dem  habe 
ich  dieselben  mit  Fruchthäufchen!  — Anfänglich  hielt  ich  sie  für  Pachypteri- 
den  Brong.,  überzeugte  mich  aber  bald,  dass  sie  geeigenschaftet  sind , eine 
selbstständige  neue  Gattung  zu  begründen.  Die  Halochloris  baruthina  Ett. 
Fig.  4,  ist  identisch  mit  Pilularites  Braunii  Go  epp.“ 

„Die  Podozamiten  halte  ich  für  Coniferen,  für  Dammarae.  Ich  besitze 
Zweige  mit  den  charakteristischen  bleibenden  Deckschuppen  der  Perula  oder 
Knospendecke.“ 

„Presl’s  Tax odit es  Münster ianus  von  Reindorf  bei  Bamberg  ist  zweifels- 
ohne identisch  mit  Palissya  Braunii  En  dl.“ 

„Diese  Mittheilungen“,  sagt  endlich  Herr  Prof.  Braun,  „erlaube  ich  mir 
nicht  etwa  in  der  Absicht  zu  tadeln,  oder  um  das  Besserwissen  leuchten  zu 
lassen,  sondern  lediglich  der  an  mich  ergangenen  Aufforderung  entsprechend, 
vorzulegen.“ 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  lg,  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


200 


Verhandlungen. 


[18] 

Wir  sind  Herrn  Prof.  Dr.  Braun  für  diese  Mittheilung  zu  grossem  Danke 
verpflichtet  und  huldigen  nicht  nur  dem  Wahlspruch : „demontrer  une  erreur, 
c’est  plus  que  decouvrir  une  verite“,  sondern  sind  auch  überzeugt,  dass  derlei 
Fehler,  die  doch  häufig  in  der  Wissenschaft  vorfallen,  aus  Rücksichten,  welcher 
immer  Art,  geduldet,  directen  Schaden  dem  Fortschritte  entgegenstellen. 

Weiter  gibt  Herr  D.  Stur  seine  zweite  Mittheilung  über  die  geolo- 
gische Uebersichtsaufn  ah  me  von  West-SIa  vonien. 

„In  meiner  ersten  Mittheilung  (Jahrb.  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  XII. 
1861  — 1862.  Verh.  pag.  115)  habe  ich  angedeutet,  dass  in  den  Berggruppen 
West-Slavoniens  nur  ältere  Formationen  erscheinen  und  diese  sich  auf  krystal- 
linische  Gesteinsarten  und  auf  Gesteine  der  Trias  beschränken.  Diese  beiden 
Formationen  sind  es,  über  die  ich  heute  ausführlicher  sprechen  will. 

Die  krystallinischen  Gesteine  bilden  den  grössten  Theil  des  Or- 
lja va-Gebirges  und  erscheinen  auf  einem  sehr  beschränkten  Raume  in  der 
Pozeganer  Berggruppe.  In  der  Brooder  Gruppe  fehlen  sie  wie  die 
Triasformation  gänzlich. 

Der  Pass  westlich  bei  Karne iis  ko  aus  dem  Pozeganer  Kessel  in  die  Gegend 
um  Pakrac,  theilt  das  Orljava-Gebirge  in  einen  südlichen,  östlich  von  Pakrac 
liegenden,  und  in  einen  nördlichen  östlich  von  Daruvar  sich  erhebenden  und  bis 
Gradac  nach  Ost  fortziehenden  Theil. 

Im  südlichen  Theile  des  Orljava-Gebirges  linden  sich  folgende  hierher 
gehörige  Gesteinarten : 

Granit  bestehend  aus  rauchgrauem  Quarz,  gelblichem  Orthoklas,  braun- 
bis  goldgelbem  Glimmer,  gewöhnlich  grobkörnig,  mit  eingewachsenen  grossen 
Orthoklaszwillingen.  Quarz  und  Feldspath  sind  gewöhnlich  inniger  mit  einander 
gemengt,  während  der  Glimmer  in  grösseren  Anhäufungen  vorhanden,  dem  Granit 
ein  flaseriges  Ansehen  verleiht. 

Dieser  Granit  erfüllt  das,  oberhalb  Rogolje  gelegene  Wassergebiet  des 
Slobostina-Baches,  der  bei  Okucane  (Gradiskaner  Grenz-Regiment)  sich  in  die 
Save-Ebene  ergiesst,  und  reicht  nach  Norden  bis  an  die  Orte  Brusovac,  Lipovac 
und  Bielaci,  östlich  von  Pakrac. 

Im  Gebiete  dieses  Granits  wurde  südlich  von  Lipovac,  östlich  von  Pakrac 
ein  feinkörniges  Gestein  beobachtet,  ein  Syenit,  der  aus  gelblichem  Orthoklas, 
dunkelgrüner,  vor  dem  Feldspath  vorherrschender  Hornblende  und  sehr  wenigem 
Glimmer  zusammengesetzt  ist.  Quarz  scheint  gänzlich  zu  fehlen. 

Sowohl  im  Norden  als  auch  im  Osten  und  Süden  ist  dieses  Granitmassiv 
von  krystallinischen  Schiefergesteinen  umgeben.  Die  herrschende  Gesteinart  ist 
hier  ein  schieferiger,  sehr  feinkörniger  G n eis  s mit  Uebergängen  in  Glimmer- 
schiefer. 

Das  Gestein  besteht  vorherrschend  aus  rauchgrauem  Quarz,  wenigem  weis- 
sen  Feldspath  und  noch  seltenerem  Glimmer,  der  letztere  meist  nur  in  ganz 
kleinen  und  mikroskopischen  Schüppchen  vorhanden.  Das  Gestein  hat  eine 
dunkle,  grünlich  graue  Farbe.  Dem  Gneisse  untergeordnet  treten  Hornblende- 
gesteine auf.  Ein  Vorkommen  derselben  von  grösserer  Ausdehnung  ist  bei 
Sagovina  , nordwestlich  von  Cernik  besonderer  Erwähnung  werth.  Das  hier,  in 
den  Bächen  überall  aufgeschlossene  Gestein  besteht  vorherrschend  aus  dunkel- 
grüner bis  schwarzer  Hornblende,  stellenweise  ausgeschiedeiiem  Feldspath  und 
ebenfalls  in  veränderlicher  Menge  vorhandenem  dunkelgrünem  feinschuppigem 
Glimmer. 

Körniger  Kalk  fehlt  diesem  Gebirge  gänzlich  bis  auf  ein  eigentümliches 
glimmerschieferartiges  Gestein,  das  nördlich  bei  Orljavac  an  der  Strasse  nach 


Sitzung  vom  18.  März.  D.  Stur. 


[19] 


201 


Kamensko,  eine  halbe  Klafter  mächtig  ansteht  und  das  in  Berührung  mit  Säuren 
aufbraust. 

Im  Süden  und  Osten  streichen  diese  Gesteine  von  Südwest  nach  Nordost 
und  fallen  nach  Südost  mehr  oder  minder  steil.  Im  Norden  des  Granitmassiv 
fallen  die  krystallinisehen  Schiefer  nach  Süden. 

Dieser  krystallinische  Kern  des  südlichen  Orljava-Gebirges  wird  nach  allen 
Richtungen  von  tertiär-neogenen  Ablagerungen  umgeben  und  zum  Theil  findet 
man  auch  diese  letzteren  dem  Grundgebirge  aufgelagert,  so  namentlich  bei  den 
Orten  Brusova,  Lipovac  und  Sumetlica.  Nur  in  der  Umgebung  von  Kamensko  ist 
ein  unmittelbarer  Zusammenhang  des  Grundgebirges  im  südlichen  und  im  nörd- 
lichen Theil  des  Orljavagebirges  blossgelegt. 

Von  Kamensko  in  nordwestlicher  Richtung  bis  nach  Doln-Korenicany , in 
nördlicher  bis  nach  Vucin  und  in  nordöstlicher  Richtung  bis  nach  Drenovac  und 
bis  östlich  vor  Orahovica  ist  das  Granitmassiv  des  nördlicheren  Theiles  des 
Orljava-Gebirges  ausgedehnt. 

Aus  der  Umgebung  von  Kamensko,  die  noch  im  Gebiete  der  krystallini- 
schen  Schiefergesteine  liegt  nach  Norden  dem  Orljavabache  folgend,  hinter 
den  Häusern  von  Vucjak,  dem  letzten  Orte  vor  der  Glashütte  Zvecovo,  er- 
reicht man  den  Granit,  der  dann  von  da  bis  an  die  angegebene  Begrenzung 
überall  zu  Tage  tritt,  wo  derselbe  nicht  von  jüngeren  Ablagerungen,  namentlich 
tertiären  Geröll-  und  Conglomeratschichten  wie  in  der  Gegend  zwischen  Borky 
und  Zvecovo  überdeckt  wird.  Am  schönsten  und  grossartigsten  ist  der  Granit  in 
der  Gegend  südlich  von  Drenkovac  bis  zur  gegenwärtig  verlassenen  Glashütte 
Jankovac  entwickelt.  Von  Jankovac  herab  bis  in  das  Kovaca-Thal  steigt  man 
sehr  steil  herab  und  findet  sich  ganz  unerwartet  am  Fusse  eines  schönen 
Wasserfalles.  Derselbe  fällt  über  eine  steile  Wand  von  Kalktuff,  die  der  über 
eine  Granitwand  herabstürzende,  aus  Kalkgebirgen  emporquellende  Bach  hier 
abgesetzt  hat.  Erst  am  Kovaca-Bache  wird  unter  dem  Tuff  der  Granit  sichtbar 
und  dauert  nun  bis  nach  Drenovac.  Grosse  Blöcke  des  Granits  liegen  im  Bach- 
bette und  auf  den  Gehängen  herum  und  alles  das  hüllt  ein  riesiger  Buchenwald 
in  ein  kühles  feuchtes  Halbdunkel.  Der  Granit  ist  hier  von  allen  übrigen  Vor- 
kommnissen am  grobkörnigsten  ausgebildet,  so  dass  die  Feldspathkrystalle  bis 
zollgross  sind. 

Im  Osten  von  Daruvar  sowohl,  als  auch  im  Süden  von  Drenovac,  von  Velika 
quer  über  das  Orljava-Gebirge  bis  nach  Orahovica,  liegen  auf  dem  Granit  Trias- 
gebilde, von  denen  weiter  unten  ausführlicher  gesprochen  wird,  und  überdecken 
dasselbe  vollends.  Erst  am  östlichen  Ende  des  Orljava-Gebirges , in  der  Umge- 
gend nördlich  von  Kutjevo  und  Gredistje  bis  Gradac  treten  unter  den 
Triasgebilden  die  krystallinisehen  Gesteine  wieder  zum  Vorschein.  Es  ist  kaum 
ein  Zweifel  vorhanden,  dass  dieses  Gebirge  die  Fortsetzung  der  krystallinisehen 
Schiefer  des  südlichen  Orljava-Gebirges  und  der  Umgebung  von  Kamensko  bil- 
det. Doch  herrscht  hier  in  den  Gesteinen  Glimmer  vor,  so  dass  man  hier  nur 
glimmerreiche  Gneisse  mit  wenig  Quarz  und  Feldspath  und  beinahe  rein  aus 
Glimmer  bestehende  Glimmerschiefer  findet.  Ein  eigenthümliches  Vorkommen 
bildet  der  Glimmerschiefer  auf  der  Höhe  des  Passes  von  Bektes  nach  Nasiee, 
der  hier  unmittelbar  an  der  Grenze  gegen  das  die  Spitze  einnehmende  grob- 
eckige Trachytconglomerat  auftritt.  Er  ist  schwarz  , graphitähnlich  abfärbend, 
mit  vielen  silberweissen  Glimmerblättchen  und  führt  in  kleinen  zerfressenen 
Hohlräumen  Brauneisenstein.  Am  Eingänge  in  die  Einthalung  des  Baches,  der 
nach  Bektes  fliesst,  findet  man  ein  Hornblendegestein,  eigentlich  Hornblende- 
gneiss,  dem  Glimmerschiefer  eingelagert. 

aa* 


202 


Verhandlungen. 


[20] 

Endlich  erscheint  in  diesem  Gebirgstheile  auch  noch  körniger  Kalk  in 
mehreren  schmalen  Schichten  dem  Grundgebirge  eingelagert,  wovon  drei  aus- 
geschieden werden  konnten.  Dieselben  finden  sich  an  der  Strasse  oberhalb 
Gredistje,  nordöstlich  bei  Bektes  anstehend,  sind  jedoch  nur,  so  weit  die  Strasse 
reicht,  zu  verfolgen,  in  dem  sie  rechts  und  links  im  Walde  unkenntlich  werden. 

In  der  Axe  dieses  krystallinischen  Gebirges  erscheint  nördlich  von  Kutjevo 
ein  von  West  nach  Ost  gedehnter  Granitstock.  Der  Granit  ist  reich  an  Orthoklas 
mit  wenigem  Oligoklas,  Glimmer  und  Quarz.  Grosse  Blöcke  dieses  Granits  liegen 
im  Bache  kaum  einige  Klafter  vom  Anstehenden  abwärts,  vollständig  abgerundet 
mit  glänzender,  wie  polirter  Oberfläche  herum.  Die  Gneissschichten  unterteufen 
im  Süden  und  überlagern  im  Norden  den  Granit,  so  dass  derselbe  als  ein  förm- 
liches Lager  in  den  krystallinischen  Schiefern  auftritt. 

Das  Vorkommen  der  krystallinischen  Gesteine  im  Pozeganer  Gebirge 
ist  nur  auf  eine  sehr  geringe  Stelle  mitten  im  dichten  Walde,  am  Ausgange  des 
schmalen  und  sehr  tiefen  Thaies,  das  sich  von  Verhovci  gegen  Novoselo  herab 
ergiesst,  beschränkt,  wo  in  einem  Wasserrisse  grobkörniger  feldspathreicher  Gra- 
nit und  flaseriger  Gneiss  anstehend,  beobachtet  wurden. 

Die  Triasformation  und  ihre  Gesteine  finden  im  Orljava-Gebirge 
ebenfalls  die  bedeutendste  Ausdehnung.  Dieselben  finden  sich  in  zwei  abgeson- 
derten Partien  in  einer  westlichen,  in  der  Tongebung  von  Daruvar,  und  in  einer 
östlichen  in  der  Umgebung  von  Velika  und  von  da  in  nordöstlicher  Richtung 
quer  über  das  Orljava-Gebirge  bis  in  die  Umgebung  von  Orahovica  verbreitet. 

Die  Triasformation  besteht  aus  zwei  Gliedern,  wovon  das  untere  aus  ver- 
schiedenfarbigen Schiefern , das  obere  aus  grauen  Kalken  und  Dolomiten  zu- 
sammengesetzt wird. 

Die  westliche  Daruvarer  Partie  der  Triasformation  ist  nur  sehr 
wenig  überdas  tertiäre  Land  erhoben,  so  dass  man  nur  die  Kalkrücken  untersuchen, 
und  an  die  liegenden  Schiefer  nirgends  gelangen  kann.  Erst  an  der  östlichen 
Grenze  gegen  das  Granitgebirge  wird  an  einigen  Stellen  der  Schiefer  sichtbar. 
So  namentlich  in  der  Umgebung  des  Klosters  Pakra,  südöstlich  von  Daruvar, 
findet  man  oberhalb  des  Klosters  an  der  Biela  unter  dem  Kalk  und  Dolomit  des 
Thaies  rothe  Schiefer  hervortreten,  die  an  den  Ufern  des  sich  vielfach  winden- 
den Baches  zum  Vorschein  kommen.  Ebenso  findet  man  diesen  Schiefer  auch  noch 
nördlich  von  Dobrakuca  an  einigen  Orten  entblösst. 

Die  Kalke  und  Dolomite  dieses  Triasgebirges  sind  licht  oder  dunkler  grau. 
Eigenthümlich  ist  die  Entwickelung  der  Triaskalke  in  einem  tief  aufgerissenen 
schmalen  Thale  östlich  von  Markovac,  östlich  von  Daruvar.  Der  Ort  selbst  ist 
auf  einer  Anhöhe  gebaut,  von  welcher  ein  Fusssteig  zu  den  Mühlen  des  Ortes 
herabführt.  Verfolgt  man  nun  das  Mühlwasser  aufwärts,  so  gelangt  man,  nach 
Ost  sich  wendend,  in  das  erwähnte  Thal,  wo  man  in  senkrechten  Wänden  einen 
rothen,  dem  Hallstätter  Kalke  sehr  ähnlichen  Kalk  findet,  dessen  Schichten  hier 
nach  West  fallen.  Weiter  aufwärts  nach  einigem  Hin-  und  Herwinden  wendet 
das  Thal  plötzlich  nach  Nord  ein,  und  man  sieht  weiter  aufwärts  wieder  nur  den 
Dolomit  und  grauen  Kalk,  der  nach  dem  Bachgerölle  zu  schliessen,  im  oberen 
Gebiete  des  Thaies,  das  übrigens  auf  der  Aufnahmskarte  gar  nicht  angedeutet  ist, 
herrschen  muss.  Trotz  des  eifrigsten  Suchens  gelang  es  mir  nicht,  auch  nur  eine 
Spur  von  Versteinerungen  in  diesen  rothen , auch  Hornsteine  führenden  Kalken 
zu  entdecken. 

Im  Parke  von  Daruvar  ist  ein  dunkler,  mergeliger  Kalk  entblösst,  aber  auch 
nur  im  Gebiete  des  Steinbrucbes  verfolgbar,  der  ein  anderes  Ansehen  darbietet 
als  die  von  demselben  durch  tertiäre  Ablagerungen  weit5  getrennten  Triaskalke; 


Sitzung  vom  18.  März.  D.  Stur. 


203 


[21] 

er  dürfte  einer  jüngeren  Formation , etwa  den  Kössener  Schichten  angehören. 
Spuren  von  einem  Pecten,  der  auf  den  Schichtflächen  hie  und  da  sichtbar  ist, 
haben  diese  Vermuthung  wachgerufen. 

Viel  interessanter  und  besser  aufgeschlossen  erscheint  die  Velika-Orahovi- 
caer,  östliche  Partie  der  Triasgebilde  im  Orljava-Gebirge. 

Velika  liegt  am  Ausgange  zweier  Thäler  von  alpinischem  Charakter,  die 
durch  einen  schmalen  Rücken,  dessen  südliches  Ende  eine  Ruine  krönt,  von 
einander  getrennt  werden. 

Die  Ruine  Velika  und  ihre  Umgebung  ist  von  grosser  Wichtigkeit,  weil  un- 
mittelbar unter  derselben  Versteinerungen  gefunden  wurden,  nach  denen  die  Be- 
stimmung  der  ganzen  Schiefergebilde  West-Slavoniens  vorgenommen  werden 
musste. 

Zunächst  an  tertiäre  Ablagerungen  schliesst  sich  bei  Velika  in  nördlicher 
Richtung  ein  Zug  von  Schiefern,  der  von  WNW  nach  OSO  zieht.  Dieselben  sind 
besonders  gut  am  rechten  Gehänge  des  östlicheren  Thaies  bei  Velika  entblösst, 
als  rothe,  graue  und  gelblich  weisse  Schiefer,  wovon  die  beiden  ersten  den 
Schiefern  von  Werfen  gleichen,  während  die  letzteren  ein  gneissähnliches  Ansehen 
darbieten.  Die  Schichten  fallen  deutlich  unter  43  — 30  Graden  nach  S,  unter 
der  Ruine  sind  sie  beinahe  senkrecht  aufgerichtet.  Im  Liegenden  dieser  Schiefer 
folgt  grauer  oder  dunkelgrauer,  mehr  oder  minder  dolomitischer  Kalk,  der  hier 
einen  mit  den  Schiefern  parallelen  Zug  bildet.  Das  Einfallen  ist  ganz  conform 
dem  des  Schiefers.  In  diesem  Kalkzuge  ist  eine  2 — 3Fuss  mächtige  Schichte  eines 
graubraunen  Thonschiefers  eingelagert,  der  von  der  Ruine  nach  W,  auch  noch 
im  Östlicheren  Thale  von  Velika  genau  zu  verfolgen  ist.  Der  Thonschiefer  ent- 
hält Spuren  von  Versteinerungen.  Eine  einzige  Art:  Halobia  Lommeli  Wissm. 
konnte  Herr  Dr.  Hörnes  von  da  mit  Sicherheit  bestimmen.  Ausser  dieser  liegt 
noch  eine  Posidonia  vor.  Im  Liegenden  dieser  Schieferschichte  sind  im  Kalke 
Schichten  mit  Crinoiden  und  Durchschnitten  von  Rivalven  beobachtet  worden. 
Das  Liegende  des  Kalkzuges  ist  wieder  ein  Schiefer  der  in  petrographischer  Be- 
ziehung  zwar  theilweise  vom  ersten  Zuge  Verschiedenheiten  zeigt,  jedoch  enthält 
er  auch  Varietäten  denen  des  ersten  Zuges  ganz  gleich. 

Zu  bemerken  habe  ich  blos  noch,  dass  der  Kalkzug,  auf  dem  die  Ruine 
steht,  weiter  im  Westen  sich  mit  seinen  Schichten  beinahe  horizontal  stellt  und  auf 
den  Schiefern  auflagert,  so  dass  der  Kalk  die  obere,  der  Schiefer  die  untere  Lage 
dieser  Formation,  die  nach  obiger  Versteinerung  der  Trias  angehört,  darstellt. 

Ausser  dem  ersterwähnten  Kalkzuge  findet  sich  noch  ein  zweiter,  der 
Hauptzug  des  Triaskalkes  und  Dolomites  den  man  auf  den  Wegen:  von  Velika 
nach  Drenovac,  von  Ceslakovac  nach  Drenovac,  von  Kaptol  und  von  Kutjevo  nach 
Orahovica  übersteigen  muss,  da  derselbe  gerade  an  der  Wasserscheide  zwischen 
der  Drave  und  Save  ausgebreitet  und  sowohl  im  Süden  als  im  Norden  von  einem 
breiten  Schiefergebiete  begleitet  ist.  Am  nördlichen  Rande  dieses  Kalkzuges  liegt 
das  Kloster  Caluga.  Von  diesem  nach  Ost  in  einiger  Entfernung  hört  der  bespro- 
chene Kalkzug  auf. 

Von  der  Ruine  Orahovica  nach  Ost  zieht  endlich  ein  dritter  dolomitischer 
Kalk  in  einem  schmalen  Zuge,  der  schon  südlich  von  Sumedje  unter  den  tertiären 
Ablagerungen  verschwindet. 

Im  Pozeganer  Gebirge  erscheinen  blos  Schiefer,  die  wohl  theilweise,  in 
petrographischer  Beziehung,  namentlich  dem  Thonschiefer  mit  Halobia  Lommeli 
Wissm.  vollkommen  ähnlich  sind,  theilweise  aber  unter  solchen  Verhältnissen  Vor- 
kommen, dass  ihre  zweifellose  Einreihung  in  die  Triasformation  nicht  möglich 
erscheint. 


204 


Verhandlungen. 


[22j 


Irn  hinteren  südlichen Theile  des  Vucjak-Thales,  das  in  Pozeg  selbst  ausmün- 
det, findet  man  an  der  Thalsohle  Schiefer  beinahe  horizontal  gelagert,  die  dem 
Velikaer  Thonschiefer  gleichen.  Mit  diesen  wechseln  dunkelröthlichgraue  bis 
schwarze  Schiefer,  auf  deren  Schichtungsflächen  wurmförmige  Zeichnungen  wie 
die  des  Gordius  carbonarius  Geinitz  (Verst.  der  Steinkohlf.  von  Hainichen  und 
Ebersdorf  Taf.  I,  Fig.  1)  nicht  selten  auftreten.  Sie  unterscheiden  sich  vorzüg- 
lich dadurch  von  dem  obigen,  dass  die  Windungen  nicht  so  eng  aneinander 
schliessen,  auch  nicht  so  regelmässig  sind  als  die  citirte  Zeichnung  andeutet.  Ich 
kann  nicht  unterlassen,  über  eine  ähnliche  Erscheinung,  auf  die  ich  durch  Herrn 
Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  aufmerksam  gemacht  wurde,  Bericht  zu  er- 
statten. Am  Fusse  des  Plawutschberges  wurden  in  den  dortigen  Schiefern,  die 
der  devonischen  Grauwacke  angehörend  betrachtet  werden,  dieselben  Gordius - 
Zeichnungen  beobachtet,  die  denen  im  Pozeganer  Gebirge  specifisch  vollkommen 
gleich  sein  dürften. 

Ausser  dem  Gordius  finden  sich  noch  mehrere  Zoll  lange  Encrinitenstiele, 
mit  einem  Durchmesser  von  kaum  einer  Linie,  in  diesen  Schiefern  nicht  selten  vor. 

Diese  hier  erwähnten  Schiefer  sieht  man  in  den  von  0 herkommenden 
Zuflüssen  des  Vucjak  horizontal  liegend  oder  nach  SO  fallend;  während  sie  am 
linken  westlichen  Ufer  des  Thaies  steil  nach  NO  fallen  und  hier  einen  eigenen 
Bergzug  unterteufen,  der  aus  Felsitporphyren  bestehend,  von  Pozeg  bis  Verhovci 
nach  SW  ausgedehnt  ist,  während  er  andererseits  von  Pozeg  in  SO-Hichtung  bis 
Blacko  reicht,  dessen  beide  Verlängerungen  somit  bei  Pozeg  unter  einem  stum- 
pfen Winkel  aneinander  stossen. 

Das  Gestein,  das  den  westlichen  Flügel  zusammensetzt,  ist  ein  Felsitporphyr 
(Thonsteinporphyr)  mit  compacter,  stellenweise  poröser,  griinlichweisser  und 
graulichweisser,  stellenweise  sphärulitische  Structur  zeigender  Grundmasse,  in 
welcher  Quarz  sehr  selten  und  nur  in  mikroskopischen  Theilen,  Orthoklas  eben- 
falls selten  eingestreut  erscheint.  Das  Gestein  ist  nur  selten  noch  frisch  erhalten, 
meist  so  weit  kaolinisirt,  dass  man  die  ursprüngliche  Beschaffenheit  kaum  mehr 
erkennen  kann.  Ein  derart  zersetztes  Gestein  wurde  bei  Blacko  am  Orte  eines 
80  Klftr.  langen  Stollens  angefahren.  Dasselbe  liefert  ein  ziemlich  brauchbares 
feuerfestes  Materiale.  Folgendes  Resultat  gab  eine  von  Herrn  K.  Ritter  v.  Hauer 
ausgeführte  Analyse  über  die  Zusammensetzung  desselben: 


Kieselerde 68*0 

Thonerde 19'2 

Eisenoxyd  Spur 

Magnesia 2*4 

Wasser 10-0 


99*6. 


Im  westlicheren  Flügel  dieses  Gebirges,  also  südwestlich  bei  Pozeg,  herrschen 
die  den  Felsitporphyren  zugehörigen  Tuffe  vor.  Schon  in  der  Stadt  Pozeg  selbst 
erhebt  sich  ein  steiler  Hügel,  den  eine  Ruine  krönt,  der  aus  Felsittuff  besteht.  Das 
Gestein  ist  ziemlich  grellroth  gefärbt,  mit  einem  breccienartigen  Ansehen,  und 
besteht  aus  Felsitporphyrstücken,  die  durch  eine  rotheFelsitgrundmasse  verbunden 
sind.  Die  Schichten  dieses  Tuffes  sieht  man  in  den  Steinbrüchen  nach  N bei- 
läufig unter  40  — 45°  einfallen.  Feinkörniger,  mitunter  ganz  dicht,  werden  die 
Felsittuffe  südwestlich  von  Pozeg  im  Vucjak-Thale,  und  zeigen  grellrothe  bis 
weisse  Farben.  Sie  enthalten  stellenweise  Kalkspath  und  sind  auch  von  Kalk- 
spathadern durchschwärmt. 

Die  in  meiner  ersten  Mittheilung  erwähnten  Eisensteine  bei  Blacko  gehören 
dem  Felsitporphyr  und  Tuffgebirge  an.  Ausserdem  sind  noch  in  diesem  Gebirge 


Sitzung  vom  18.  März.  K.  M.  Paul. 


205 


[23] 

Vorkommnisse  von  Melaphyrgängen  und  Lagermassen  beobachtet  worden.  Und 
zwar  östlich  im  Thale  bei  Pozeg,  am  Eingänge  in  das  Thal  von  Dervisaga  und  bei 
ßlacko. 

Dieses  Felsitporphyr  und  Tuffgebirge  wird,  wie  schon  erwähnt,  von  den 
Schiefern  im  Vucjak-Thale  unterteuft.  Wenn  daher  die  Felsitporphyr-Formation 
mit  ihren  Melaphyrgängen  und  Lagermassen  als  dem  Rothliegenden  angehörig 
betrachtet  wird,  würde  daraus  zu  folgern  sein,  dass  die  Schiefer  im  Vucjak-Thale 
mindestens  der  Steinkohlen-Formation  einzureihen  sind.  Bliebe  man  bei  dem  trias- 
sischen  Alter  dieser  Schiefer  stehen,  so  müssten  nachträgliche  Störungen  ange- 
nommen werden  die  die  Schiefer  in  das  Liegende  der  Felsitformation  gebracht 
haben;  mit  welcher  Annahme  aber  das  nördliche  Einfallen  der  Tuffe  am  Ruinen- 
berge in  Pozeg  nur  schwer  in  Einklang  zu  bringen  wäre. 

Herr  K.  M.  Paul  berichtet  über  die  Verrucano-  und  Werfen  er 
Schiefe  rgebildedesBakonyerW  aide  s.  Dieselben  treten  am  nordöstlichen 
Ende  des  Plattensee’s  auf,  und  setzen  bis  zur  Halbinsel  Tihäny  die  Ufer  desselben 
zusammen,  treten  dann  weiter  gegen  Südost  zwischen  Bad  Verkut  und  Zänka 
wieder  unter  den  Cerithienschichten  hervor,  und  setzen  in  einem  breiteren  Zuge 
bis  an  das  Basaltterrain  von  Tapolcza  fort,  wo  sie  dann  plötzlich  abbrechen. 

Das  Streichen  der  Schichten  ist,  wie  das  des  ganzen  Gebirgszuges  von  NO 
nach  SW,  das  Fallen  nach  NW.  Die  Schichten  des  Sandsteines  bilden  überall 
niedere  abgerundete  Hügel  am  Ufer  des  Sees,  hinter  denen  dann  erst  die  Kalke 
in  einer  schroffen  Mauer  emporsteigen. 

Ausser  dem  erwähnten  zusammenhängenden,  nur  durch  tertiäre  Gebilde 
stellenweise  unterbrochenen  Zuge  finden  sich  die  Werfener  Schiefer  jedoch  auch 
im  Innern  des  sie  gegen  NW  begrenzenden  Kalkgebirges  in  einzelnen  Rissen 
desselben,  so  östlich  von  Szabadya  Szent  Kiraly  und  zwischen  Tot  Vaszony  und 
Hidegküt. 

Das  Liegende  der  in  Rede  stehenden  Schichten  ist  nirgends  zu  beobachten; 
überlagert  werden  sie  von  zum  Theile  rauch wackigem  Dolomit,  welcher,  wie 
z.  B.  zwischen  Bad  und  Dorf  Füred  zu  beobachten  ist,  an  den  Berührungsstellen 
mit  dem  Sandsteine  wechsellagert. 

Im  Innern  der  Gruppe  lassen  sich,  von  unten  nach  oben,  folgende  Etagen 
unterscheiden : 

1.  Als  tiefstes  Glied  muss  ein  sehr  fester,  feinkörniger  und  glimmerloser 
Quarzit- Sandstein  von  grauer,  etwas  in  das  blaugrüne  spielender  Färbung  auf- 
gefasst werden,  welcher  einzelne  Lager  eines  groben,  ebenfalls  nur  aus  Quarz- 
Geschieben  bestehenden  Conglomerates  enthält.  Er  wurde  nur  an  der  südwest- 
lichen Partie  des  ganzen  Zuges,  in  der  Gegend  von  Köveskalla,  Kekkut,  Sälföld 
u.  s.  w.  bis  an  das  erwähnte  Abbrechen  des  Zuges  gegen  das  Basaltterrain  beob- 
achtet, und  scheint  ein  ziemlich  genaues  Analogon  der  unter  dem  Namen  Verru- 
cano bekannten  Schichten  zu  sein.  Petrefacte  wurden  in  demselben  nicht  aufge- 
funden. 

2.  Ein  etwas  höheres  Niveau,  gewissermassen  einen  Übergang  zwischen  dem 
Verrucano  und  den  eigentlichen  Werfener  Schiefern  scheint  ein  rother,  grobkör- 
niger glimmerführender  Sandstein  darzustellen,  welcher  stellenweise  durch  Auf- 
nehmen grösserer,  gewöhnlich  lichter  gefärbter  Quarzgeschiebe  in  Conglomerat, 
stellenweise  durch  zunehmenden  Glimmergehalt  und  grössere  Feinkörnigkeit  in 
die  gewöhnliche  Facies  der  Werfener  Schiefer  übergeht.  Dieser  Sandstein,  durch 
seine  rothe  Färbung  schon  von  weitem  kenntlich,  setzt  die  meist  niedrigen,  abge- 
rundeten Weingebirge  am  nordöstlichen  Ufer  des  Plattensees,  bei  Felsö  Eörs, 
Also  Eörs,  Vörös  Bereny  u.  s.  w.  zusammen. 


206 


Verhandlungen. 


[24] 

3.  Eigentliche  Werfener  Schiefer  in  verschiedenen  petrographischen  Abän- 
derungen, erscheinen  als  die,  die  Guttensteiner  Dolomite  und  Kalke  unmittelbar 
unterlagernde  Schicht  vorzugsweise  in  den  obenerwähnten  Rissen  im  Innern  des 
Kalkgebietes,  im  Hauptzuge  nur  stellenweise  z.  B.  bei  Bad  Balaton  Füred,  deutlich 
entwickelt  und  mit  bezeichnenden  Petrefacten. 

Bei  Szabadya  Szent  Kiraly  fanden  sich  in  einem  weisslichen,  mergeligen  und 
glimmerarmen  Sandsteine 

Myacites  fassaensis  Wissm.  und 
Pecten  Fuchsi  Hau. 

Leider  zeigt  sich  hier  nirgends  eine  deutliche  Überlagerung  dieses  Sand- 
steines mit  dem  obenerwähnten  rothen  grobkörnigen,  der  hier  ebenfalls  unmittel- 
bar südöstlich  vom  Orte  auftritt. 

Bei  Füred  kommen  in  einem  ähnlichen,  dünnschieferigen  Sandsteine,  unmit- 
telbar am  Ufer  des  Plattensee’s  ebenfalls  Myaciten  vor.  Die  Werfener  Schiefer 
sind  hier  längs  der  neuen,  das  Bad  Füred  mit  dem  gleichnamigen  Dorfe  verbin- 
denden Fahrstrasse  sehr  schön  aufgeschlossen;  sie  zeigen  auffallend  stark  gewun- 
dene Schichten,  welche  aber  im  Allgemeinen  doch  eine  flache  Neigung  gegen  NW 
erkennen  lassen,  und  wechsellagern  gegen  oben  mit  anfangs  dünnen,  gegen  NW 
immer  mächtiger  werdenden  Dolomitbänken.  Bei  Dorf  Füred  folgt  dann  rauch- 
wackiger  Dolomit,  dessen  Schichten  ebenfalls  die  wellenförmigen  Biegungen  bis 
weit  in  das  Innere  des  Kalkgebietes  fort  erkennen  lassen. 

Westlich  von  Hidegküt  treten  die  Werfener  Schiefer  in  einer,  von  dem 
Hauptzuge  ganz  isolirten  bis  gegen  Töt-Vaszony  sich  hinziehenden  Partie  in 
einem  secundären  Aufbruch  der  Kalke  zu  Tage.  In  einem  Graben  nächst  Hideg- 
küt zeigen  sie  ganz  genau  dieselbe  Facies,  welche  in  den  nordöstlichen  Alpen, 
z.  B.  in  der  Nähe  von  Wien  bei  Weissenbach,  die  herrschende  ist,  roth  oder 
grünlich  gefärbte,  sehr  glimmerreiche,  plattenförmige  Sandsteinschichten,  welche 
mit  dünnen  Schieferlagen  wechseln  und  auf  ihren  Schichtflächen  gewöhnlich 
mehr  oder  weniger  deutliche  Myacitenspuren  zeigen.  Ausser  diesen  fand  sich 
hier  aber  auch  ein  für  die  Fauna  der  Werfener  Schiefer  neues  Fossil,  ein  dem 
Genus  Aspidura  angehöriger  Krinoid  mit  zahlreichen  Myaciten  auf  derselben 
Platte. 

Westlich  von  diesem  Punkte,  ungefähr  in  der  Mitte  zwischen  Töt-Vaszony 
und  Hidegküt,  fanden  sich  in  einem  petrographisch  sehr  abweichenden,  gelbbraun 
gefärbten,  sehr  glimmerreichen  und  weichen  Sandsteine  zahlreiche  Petrefacte, 
darunter 

Avicula  Venetiana  Hau. 

Myacites  fassaensis  Wissm. 

Naticella  costata  Münst. 

ausserdem  eine  zweite  mehr  langgestreckte  Myaciten  -Species,  eine  Myoplioria, 
ein  Pecten  und  mehrere  andere  nicht  näher  bestimmbare  Bivalven. 


I 


Jahrbuch 


12.  Band. 


der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  II. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  1.  April  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  im  Vorsitz. 

Derselbe  liest  den  folgenden  Bericht  des  Herrn  Director  Haidinger  über 
das  vor  einigen  Tagen  in  reicher  Anzahl  von  Exemplaren  für  die  k.  k.  geolo- 
gische  Reichsanstalt  und  zur  Vertheilung  angekommene  zweite  Heft  der  „ Defense 
des  Colonies*  von  Herrn  Barrande,  welches  die  Aufschrift  führt:  „Unver- 
träglichkeit zwischen  dem  Systeme  der  Falten  und  der  Wirklichkeit  der  mate- 
riellen Thatsaehen“  *)• 

In  unserem  nächsten  Hefte  des  Jahrbuches  ist  seinem  früheren  Verlangen 
gemäss  der  Abschnitt  von  Seite  17  bis  34  seines  ersten  Heftes  der  Defense  des 
Colonies  abgedruckt  und  wird  demnächst  ausgegeben  werden.  Herr  Barrande 
hat  dies  nicht  abgewartet,  sondern  spricht  in  seinem  Begleitschreiben  vom 
20.  März  schon  wieder  die  Hoffnung  aus,  da  diese  Brochüre,  welche  von  der 
stratigraphischen  Frage  in  ihrem  wichtigsten  Punkte  handelt,  dazu  beitragen 
soll,  den  Geist  der  Leser  unseres  „Jahrbuches“  aufzuklären;  ich  werde  es  nütz- 
lich und  gerecht  finden  auch  diese  zweite  Abhandlung  in  unserer  Publication 
wiederzugeben,  welche  der  Darlegung  der  Geologie  des  Kaiserthums  Österreich 
gewidmet  ist *  2).  Ich  kann  diese  Abhandlung  indessen  keineswegs  zur  Aufnahme 
geeignet  finden.  Herr  Barrande  behandelt  den  Gegenstand  verschiedener  An- 
sichten in  wissenschaftlicher  Beziehung  auf  den  64  Seiten  weniger  als  solchen, 
als  vielmehr  aus  dem  Gesichtspunkte  einer  wirklichen  Streitfrage,  er  appellirt, 
indem  er  noch  in  einer  mir  gewiss  wenig  zukommenden  Art  voranstellt,  von  mir 
dem  schlecht  Unterrichteten,  an  mich,  den  besser  zu  Unterrichtenden.  Hätte  ich 
selbst  an  Ort  und  Stelle  die  Verhältnisse  in  angemessener  Weise  untersucht, 
dann  wäre  es  wohl  an  mir  ihm  gerne  und  mannhaft  Rede  zu  stehen.  Wie  die, 
Lage  jetzt  ist,  muss  ich  dies  meinem  hochverehrten  Freunde  Herrn  k.  k.  Berg- 
rath M.  V.  Lipoid  überlassen,  der  für  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  jenen 
Bericht  verfasste,  unter  Verhältnissen,  welche  Herr  Barrande  gar  keiner 
Rücksicht  würdigt,  und  der  auch  wohl  in  geeigneter  Weise  den  Inhalt  von  dem 
zweiten  Hefte  der  Defense  aufnehmen  wird.  Herr  Barrande  wird  Einiges  über 
dieselben  im  nächsten  Hefte  unseres  Jahrbuches  finden  in  den  Bemerkungen,  mit 
welchen  ich  die  Übersetzung  aus  dem  ersten  Hefte  der  Ddfense  begleitete.  Ich 
werde  sie  hier  nicht  wiederholen,  noch  überhaupt  in  eine  ausführlichere  Dar- 
stellung des  Inhaltes  eingehen  können,  welcher  übrigens  vorzüglich  immer  wie- 


O Incompatibilite  entre  le  Systeme  des  plis  et  la  realite  des  faits  materiels. 

2J  Cette  brochüre  traitant  la  question  stratigraphique  sous  le  point  de  vue  le  plus  impor- 
tant, doit  contribuer  ä eclairer  l’esprit  des  lecteurs  de  votre  Jahrbuch,  ä ce  titre  j’espere 
que  vous  trouverez  utile  et  juste  de  la  reproduire  dans  votre  publication,  destinee  a l’il— 
lustration  de  la  geologie  de  l’empire  d’Autriche. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


bb 


208 


'Verhandlungen. 


m 

der  Altes,  mehrfach  Gesagtes  wieder  neu  auf  den  Platz  bringt.  Dem  Ungestüm 
des  Herrn  Barrande  wünschte  ich  nur  von  unserer  Seite  einen  Empfang  von 
Ruhe  und  Geduld  zu  bereiten.  Ist  ja  doch  nicht  einfaches  Rechthaben,  sondern 
Kenntniss  der  Zweck  unserer  Forschung. 

Für  einiges  Einzelne  bitte  ich  doch  um  Nachsicht,  wenn  ich  es  schon  hier 
bemerke,  wo  ich  mich  doch  gar  zu  sehr  persönlich  in  das  Spiel  gezogen  sehe. 
Herr  Barrande  will  Herrn  Lipoid 's  Karte  benützen,  um  ihn  zu  widerlegen. 
Dazu  verlangt  er  von  mir  die  Vermittelung  zur  Ausfertigung  von  500  Exemplaren 
derselben.  Ich  habe  sie  übernommen  und  werde  selbe  Herrn  Barrande  zur 
Verfügung  stellen,  sobald  ich  sie  erhalten  habe.  Einstweilen  hat  Herr  Barrande 
ein  Uebriges  gethan  und  mir  unaufgefordert  den  Preis  derselben  bereits  über- 
sandt, den  ich  nun  aufbewahre. 

Um  uns  Kosten  zu  ersparen,  bietet  er  in  seinem  Schreiben  vom  20.  März 
dagegen  so  viele  Exemplare  einer  Tafel  (theoretische  Durchschnitte)  aus  dem 
Nr.  II  seiner  Defense  des  Colonies  an,  als  ich  von  denselben  verlangen  wolle. 
Sie  soll  unseren  Lesern  dargebracht  werden  *).  Ich  habe  nicht  um  weitere  Exem- 
plare gebeten,  da  ohnedem  die  Abhandlung  keinen  Platz  in  unserem  Jahrbuche 
fand  und  spreche  meinen  Dank  für  sein  freundliches  Anerbieten  aus. 

Ich  habe  gar  nicht  nach  Herrn  Barrande ’s  Geschmack  das  Wort  * reser - 
ves“  durch  „Hinterhalt“  übersetzt.  Mehreres  in  dieser  Beziehung  enthalten 
meine  Bemerkungen  in  dem  nächsten  Hefte  des  Jahrbuches.  Dennoch  darf  ich 
auch  hier  nicht  davon  zurückweichen  ein  Wort  zu  sagen.  Ich  habe  wirklich  das 
Wort  aus  Ueberzeugung  gewählt  und  das  nebst  der  Bedeutung  des  Wortes,  wofür 
übrigens  so  oft  namentlich  in  militärischer  Beziehung  das  Wort  „Reserven“ 
selbst  in  sonst  deutschen  Sprachsätzen  gebraucht  wird,  namentlich  aus  der  Art 
der  Anwendung  in  den  Verhandlungen  des  hochgeehrten  Herrn  Verfassers  selbst. 
Ein  Beispiel  gerade  hier.  Herrn  Barrande  schreibt  mir  eine  eben  so  genaue 
Kenntniss  der  französischen  Sprache  zu  als  er  sie  selbst  besitzt 1  2).  Ich  bin  mir 
wohl  des  grossen  Abstandes  bewusst  zwischen  dem  Meister  in  seiner  Mutter- 
sprache und  mir,  der  in  jedem  Briefe,  den  ich  geschrieben,  über  das  Eine  oder 
das  Andere  zweifelhaft  blieb.  Aber  das  ist  nur  der  Untergrund,  auf  welchem  es 
mehrEindruck  macht,  wenn  diese  Uebersetzung  als  eine  „petite  malice“  (ich  bitte 
um  Nachsicht,  wenn  ich  diese  Ausdrücke  gar  nicht  übersetze)  dargestellt,  und 
wahrscheinlich  gemacht  werden  soll,  sie  rühren  von  dem  jugendlichen  Eifer  irgend 
eines  Secretärs  oder  Concipisten  her,  der  seit  kurzem  erst  in  die  geologische 
Kanzlei  aufgenommen  worden  sei  3).  Der  Eindruck,  welchen  Äusserungen  dieser 
Art  machen,  ist  wohl  nicht  geeignet,  meine  erste  Ansicht  zu  verwischen. 

Merkwürdig  vor  Allem  erscheint  mir  die  Thatsache,  deren  Herr  Barrande 
gedenkt,  dass  vor  etwa  fünfzehn  bis  zwanzig  Jahren  seine  eigenen  Ansichten 
mehr  oder  weniger  ähnlich  jenen  der  Herren  Lipoid  und  Krejci  waren4). 
„Die  Zeit,  das  Nachdenken  und  besonders  die  an  den  Orten  wiederholten  Beob- 
achtungen, in  langen  Zwischenräumen,  haben  uns  langsam  zur  Lehre  der  Colo- 


1)  Pour  vous  eviter  des  frais,  je  mets  a votre  disposition  autant  d’exemplaires  de  ma  planche 
que  Yous  voudrez  bien  m’en  demander.  J’en  fais  hommage  ä vos  lecteure. 

2)  — connaissant  aussi  bien  que  nous  la  langue  franfaise,  — Defense  des  Colonies  II, 
pag.  60. 

3)  Cette  traduction,  vraiment  libre,  ä simplement  exeite  notre  hilarite.  Nous  la  considerons 
comme  ce-qu’on  norame  familierement  une  petite  malice  et  nous  l’attribuons  naturelle- 
ment au  zele  juvenil  de  quelque  secretaire  ou  concipist  nouvellement  enrole  dans  la 
ehancellerie  geologique. 

4)  Plus  ou  moins  semblables  ä celles  qu’  imaginent  M.  M.  Lipoid  et  Krej  ci.  Def.  II,  p.  59. 


Sitzung  vom  1.  April.  Haidinger.. 


209 


[3] 


nien  geführt,  der  einzigen,  welche  allen  Theilen  der  Aufgabe  genügt“  *).  Warum 
will  denn  nun  aber  Herr  Barrande  nicht  doch  auch  anderen  Personen  einige 
Zeit  zu  Betrachtungen  und  wiederholten  Beobachtungen  gönnen,  die  er  selbst  so 
lange  genoss,  und  warum  bekämpft  er  mit  solchem  Ungestüm  seine  eigenen  frü- 
heren Ansichten.  Gewiss  wäre  es  für  die  Wissenschaft  vortheilhafter  gewesen, 
er  hätte  jene  ersten  Ansichten  mitgetheilt  und  selbe  sodann  nicht  nur  für  sich 
selbst  sondern  auch  für  ein  theilnehmendes  Publicum  nach  Ueberzeugung  berich- 
tigt. 

Wie  die  Sache  jetzt  steht,  muss  man  zugeben,  dass  für  Personen,  welche 
nicht  an  Ort  und  Stelle  waren  und  sich  nach  eigenen  Beobachtungen  eine 
eigene  Ansicht  entwickelten,  die  Periode,  aus  welcher  das  von  Herrn  Barrande 
gewählte  Motto  stammt,  in  eine  neue  übergegangen  ist,  in  welcher  es  vielmehr 
heisst,  nach  den  Aeusser ungen,  die  man  von  gewichtigen  For- 
schern vernimmt,  haben  die  Barrand e’schen  Colonien  bedeutend 
an  Grund  verloren.  Was  mich  betrifft,  so  muss  ich  es  entschieden  ablehnen 
als  Richter  zu  sprechen,  wenn  ich  mich  auch  nicht  weigern  darf,  wo  es  erheischt 
wird,  als  Berichterstatter  einzutreten. 

Mit  wohlthuenden  Gefühlen  wendet  sich  der  Geist  aus  solcher  Fehde  nicht 
geschlichteter  Ansichten  und  unbefriedigter  Ansprüche  zu  dem  Bilde,  welches 
uns  die  Mittheilung  über  die  Jahresversammlung  der  geologischen  Gesellschaft 
in  London  am  21.  Februar  erschliesst,  welche,  wie  in  früheren  Jahren,  Herr 
Rupert  Jones  an  Herrn  Grafen  Marschall  rasch  eingesandt.  Wie  früher  hoch- 
verdiente Männer  zu  Würdenträgern  gewählt,  Prof.  A.  C.  Ramsay,  Präsident, 
Sir  P.  de  M.  G.  Egerto  n Bart.,  Sir  Ch.  Lyell,  J.  Carrick  Moore,  Prof.  J. 
Morris,  Vizepräsidenten,  Prof.  T.  H.  Huxley,  Warington  W.  Smyth,  W. 
J.  Hamilton,  Secretäre,  in  den  Rath  noch  unsere  Gönner  und  Freunde  Prest- 
wich,  Hör ner,  Sir  R.  Mure hison,  Scrope  u.  s.  w. , die  wir  vielfach  aus 
früheren  Beziehungen  treu  verehren.  Dann  aber  die  Anerkennungen  durch  die 
Verleihung  der  Wollaston-Medaille  an  Herrn  Robert  A.  C.  God  win-Austen, 
des  diesjährigen  Ergebnisses  der  Wollaston-Stiftung  an  uusern  hochverehrten 
Freund  Herrn  Prof.  Oswald  Heer  in  Zürich  ausgesprochen,  ein  wiederkeh- 
rendes erhebendes  Schauspiel  der  wohlwollenden  freiwilligen  Anerkennung, 
erfolgreicher  freiwillig  und  beharrlich  durchgeführter  Arbeiten.  Eines  und  das 
andere  bringt  den  Eindruck  freien  Entschlusses,  männlich  edler  Thatkraft  her- 
vor. Hier  sehen  wir  den  Zeitraum  unserer  eigenen  Bestrebungen  für  gesell- 
schaftlich-naturwissenschaftliche Entwickelung  überblickend,  die  Namen  der 
hochverdienten  Forscher  Bronn,  Searles  V.  Wood,  Darwin,  Hermann  v. 
Meyer,  James  Hall,  Barrande,  Sir  W.  E.  Logan,  Sir  H.  T.  de  la  Be  che, 
Griffith,  Vicomte  d’Archi  ac,  de  Verneuil,  Fitton,  Sedgwick,  Hop- 
kins, Pr  e st  wich,  Buckland,  bis  zu  unserem  ausgezeichneten  Freunde 
Herrn  Dr.  A.  Boue,  in  Bezug  auf  welchen  es  mir  beschieden  war,  in  der  Ver- 
sammlung von  Freunden  der  Naturwissenschaften  am  5.  Februar  1847  Nach- 
richt zu  geben  (Berichte  über  die  Mittheilungen  von  Freunden  der  Naturwis- 
senschaften in  Wien,  Band  II,  Seite  166).  Nur  langsam  gewinnt  auch  bei  uns 
der  Geist  freiwilliger  Arbeit,  der  Geist  freiwilliger  Anerkennung  einigen  Grund. 
Möge  er  uns  auch  stets  beleben.  Ist  auch  der  Natur  der  Sache  nach,  in  einem 
Institute,  wie  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  es  ist,  die  Aeusserung  dieses 


O Le  temps,  la  reflexion  et  surtout  Ies  observations  repetees  sur  le  terrain  ä de  longs  inter- 
valles  nous  ont  lentement  amene  ä la  doctrine  des  colonies  la  seule  qtii  satisfait  ä toutes 
les  donnces  du  probleme.  Ibid. 

bb* 


210 


Verhandlungen. 


w 

Geistes  eine  etwas  verschiedene  von  der,  wie  sie  in  einer  von  unabhängigen 
Männern  frei  gebildeten  Gesellschaft  stattfinden  kann,  so  ist  doch  auch  unser 
Bestehen,  unser  Fortschritt  im  grossen  Ganzen  rein  das  Ergebniss  freiwillig 
unternommener  und  geleisteter  Arbeit,  und  auch  das  dürfen  wir  von  uns  mit 
Beruhigung  sagen,  dass  wir  mit  Bewusstsein  und  Erfolg  nach  Kräften  als  ein 
Mittelpunkt  freiwilliger  Anerkennung  zu  wirken  bestrebt  waren.  Alles  Gute 
irgendwo  ist  immer  nur  das  Werk  freiwilligen  Entschlusses,  freiwilliger  Arbeit 
gewesen. 

Herr  Director  Haidinger  legt  noch  mit  dem  Ausdrucke  des  Dankes  an 
den  hochverehrten  Geber,  das  photographische  Bild  vor,  welches  ihm  Herr 
kaiserl.  Russischer  Staatsrath  Dr.  C.  C.  v.  Renard  freundlichst  gesandt,  und 
welches  unserem  photographischen  Album  gewidmet  wurde.  So  wie  es  uns  von 
hohem  Werthe  ist,  dasselbe  als  Erinnerung  an  langjährige  lebhafte  wissenschaft- 
liche Verbindung  zu  bewahren,  so  ist  es  andererseits  ein  wahres  Muster  des 
ausgezeichnetsten  Gelingens. 

Eben  kommt  noch  eine  fernere  ähnliche  freundliche  Gabe,  das  Porträt  des 
hochverdienten  Erdbeben-Forschers  Alexis  Perrey  von  Dijon,  welche  durch 
Herrn  Dr.  A.  Boue  übergeben  wurde.  Wir  bringen  beiden  hochverehrten 
Freunden  unsern  verbindlichsten  Dank  dar. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  gab  eine  kurze  Uebersicht  über  die  Verbreitung  und 
den  Charakter  der  Eocenablagerungen  des  Bakonyer  Inselgebirges. 

Schon  in  Beudant's  classischem  Werke:  „ Voyage  mindralogiqtie  et  g£o- 
logique  en  Hongrie  1822“  finden  sich  klare  Angaben  über  eocene  Schichten 
sowohl  aus  dem  Pest-Ofener  Gebirge  als  auch  aus  der  Gegend  von  Ober-Galla 
und  Moor.  Er  führt  nämlich  das  Vorkommen  von  Nummuliten  (. Numm . perforata 
d'Orb.  nach  seiner  Beschreibung)  in  den  Kalken  dieser  Orte  an,  erkennt  die 
Verbindung  beider  Punkte  durch  einen  Zug  gleichartiger  Schichten,  aber 
rechnet  dieselben  nach  der  Anschauungsweise  seiner  Zeit  zum  Jura.  In  neuerer 
Zeit  wurde  die  weitere  Verbreitung  eocener  Schichten  durch  das  Auffmdeu 
versteinerungsreicher  Localitäten  auch  in  dem  westlich  von  der  Mooren-Spalte 
gelegenen  Theil  des  Bakonyer  Systems,  besonders  von  den  Orten  Csurgo, 
Steinberg  bei  Oszlop,  Fenyöfo,  Bakonybel,  Penzesküt  nachgewiesen.  Vor  allem 
hatten  sich  die  Herren  v.  Schwabenau,  Römer,  Kornhuber,  Majer  aus 
Fünfkirchen,  v.  Anyos  in  Kardosret  in  dieser  Richtung  die  wesentlichsten 
Verdienste  erworben  und  dadurch  schon  sichere  Anhaltspunkte  für  die  Aufnahme 
vorbereitet.  Es  ist  nun  im  Verlauf  der  geologischen  Untersuchungen  dieser  Ge- 
gend durch  die  dort  beschäftigt  gewesenen  Reichsgeologen  in  nur  wenig  unter- 
brochenem Zusammenhänge  ein  Zug  vonEocenschichten  längs  des  ganzen  gegen 
Nordwest  gekehrten  Randes  des  Bakonyer  Systems  nachgewiesen  worden. 
Ueberdies  wurden  auch  an  der  südlichen  Gehängseite  des  mittleren  Haupt- 
rückens ein  grösserer  Zug  von  kalkigen  Eocenschichten  zwischen  Csak-Bereny 
und  Kozma  in  der  Ganther  Spalte  und  kleineren  Partien  ausser  bei  Csurgo  auch 
noch  zwischen  Guth  und  Iszka  Szt.  György  nachgewiesen. 

Der  petrographische  Hauptcharakter  ist  das  Vorherrschen  von  Kalksteinen 
und  kalkigen  Mergeln,  das  sparsame  und  scheinbar  nur  sporadische  Auftreten 
von  weichen  oder  losen,  thonigen  oder  mergeligen  Ablagerungen,  das  gänzliche 
Fehlen  typischer  mit  den  eocenen  Karpathensandsteinen,  Tassello  etc.  paral- 
lelisirbarer  Sandsteincomplexe,  und  endlich  überhaupt  das  seltene,  nur  locale 
Erscheinen  von  Conglomerat  oder  Sandsteinbildungen. 

Der  paläontologische  Haupttypus  der  Gruppe  wird  durch  das  massenhafte 
und  zum  Theil  auch  mannigfaltige  Auftreten  verschiedener  Nummulitenformen  in 


Sitzung  vom  1.  April.  Dr.  G.  Stäche. 


211 


[8] 


den  Kalkschichten  bedingt.  Nur  in  einigen  isolirten  Localitäten  mit  thonigmerge- 
ligen  Ablagerungen,  wie  besonders  in  der  berühmten  Localität  „Puszta  Forma“ 
treten  Nummuliten  vollständig  zurück  und  es  herrscht  eine  Fauna  von  Gastero- 
poden  und  Bivalven,  die  mit  denen  der  Schichten  von  Ronca  die  grösste  Aehn- 
liehkeit  haben.  Den  geringen  und  sehr  beschränkten  Sandsteinbildungen,  welche 
noch  zum  Eocenen  zugerechnet  werden  mussten,  fehlt  jede  Spur  einer  Fauna. 

In  Bezug  auf  die  Lagerungsverhältnisse  der  Eocenschichten  gilt  für  den 
Complex  der  deutlich,  zum  Theil  bankförmig  geschichteten  Kalke,  deren  Ver- 
halten noch  am  wenigsten  maskirt  ist,  als  Regel,  dass  sie  in  fast  horizontalen 
oder  schwach  geneigten  Schichten  discordant  den  steiler  aufgerichteten  Dach- 
stein- oder  Esinoschichten  .auf-  oder  anliegen.  Die  Lagerung  in  den  Strecken 
nämlich,  wo  die  Eocenkalke  unmittelbar  an  diese  älteren  Kalke  oder  Dolomite 
grenzen,  wie  dies  im  Bereich  des  Vertesgebirges  und  auf  grosse  Strecken  hin 
auch  am  Rande  des  eigentlichen  Bakonyer  Gebietes  der  Fall  ist,  fällt  deutlicher  in 
die  Augen  als  das  Verhalten  derselben  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Kreide- 
schichten. Hier  ist  dasselbe  meist  verdeckt,  doch  scheint  eine  normale  Ueber- 
lagerung  auch  hier  nicht  stattzufinden. 

Der  Versuch  einer  Gliederung  des  ganzen  Complexes  stösst  bei  den  im 
Bakonyer  Gebiete  herrschenden  Terrainverhältnissen  auf  grosse  Schwierigkeiten, 
da  fast  nirgends  gute  Profilaufschlüsse  zu  Hülfe  kommen.  Erst  nach  vollstän- 
diger Durcharbeitung  des  grossen  Materiales,  welches  aus  diesen  Schichten 
zusammengebracht  wurde,  wird  es  möglich  sein,  mit  Zuhülfenahme  aller  paläon- 
tologischer  Anhaltspunkte  und  durch  den  Vergleich  mit  den  klareren  Verhält- 
nissen der  Istrischen  und  zum  Theil  auch  der  Siebenbürger  Eocenablagerungen 
zu  einer  genauen  und  sicheren  Gliederung  und  Parallelisirung  dieser  Schichten- 
gruppe auch  in  dem  Bakonyer  Wald  zu  gelangen. 

Als  vorläufiger  Anhaltspunkt  möge  folgende  Uebersicht  dienen: 

A.  Untere  Eocengruppe. 

1.  Harte,  lichte  Kalke  mit  sparsamen  kleinen  Nummuliten,  die  an  einigen 
Punkten  deutlich  unter  der  versteinerungsreichen  Kalkgruppe  liegen,  wie  bei 
Ober-Galla  und  zwischen  Zircz  und  Czesznek,  so  wie  im  hinteren  Steinberg- 
graben bei  Oszlop. 

Hierher  gehören  wohl  auch  die  dolomitischen  Eocenschichten  aus  dem 
Ofner  Gebirge  von  Peters. 

B.  Mittlere  Eocengruppe  (Parisien  inferieur , Nummulitic.  Lyell ) . 

Dieselbe  enthält  drei  Nummulitenniveaux , deren  relative  Altersverhältnisse 

jedoch  noch  nicht  hinreichend  festgestellt  sind.  Die  Fauna  derselben  möchte  sich 
vielleicht  stellenweise  mischen.  Jedenfalls  ist  Nr.  4 jünger  als  die  beiden 
früheren. 

2.  Kalkige  Mergel  mit  zahlreichen  sehr  grossen  Numm.  complanata 
Lam.  und  zahlreichen  anderen  Foraminiferen,  besonders  Calcarina- Arten  und 
sparsameren  Ein-  und  Zweischalerresten.  Complanata- Bank  von  Ober-Galla  Bako- 
nybel,  Czesnek  u.  s.  w. 

3.  Feste  Kalke  oder  weichere  Mergelkalke  mit  Numm . perforata  d’  Orb., 
Numm.  Lucasana  Defr.  und  sehr  vielen  meist  als  Steinkerne  erhaltenen  Ein-  und 
Zweischalerresten,  ganz  besonders  häufig  Nerita  conoidea  Lam.,  Cerithium 
giganteum  Desh .,  Terebellum  convolutum  Lam.,  Corbis  lamellosa  Lam.  u.s.  w. 
An  einigen  Punkten,  wie  bei  Csurgo  auch  noch  mit  anderen  Nummuliten-Arten 
(Numm.  striata  d' Orb.,  Numm.  Leymeriei  d’ Ar ch.  e.  Haim.).  Die  verbreitetste 
und  wahrscheinlich  auch  mächtigste  Schichte.  Sie  findet  sich  bei  Ober-Galla,  Katona 
Csap,  Csurgo  Penzesküt,  Öreg  Kerulyhegy  bei  Bakonybel,  Steinberg  bei  Oszlop  u.s.w. 


212 


Verhandlungen. 


[6] 


4.  Mergelige,  nicht  selten  Glauconitische  Kalkschichten  mit  einer  beson- 
deren Nummulitenfauna , besonders  Numm.  exponens  Sow. , Numm.  spiru 
Roissy,  Numm.  granulosa  d’Arch.,  Numm.  distans  Desh.,  Riesen-Austern  wahr- 
scheinlich Ostrea  latissima  Desh.  und  sehr  viele Echinodermen,  darunter  beson- 
ders häufig  Conoclypus  conoideus  Ag.  und  Krabben. 

C.  Obere  Eocengruppe  (Niveau  von  Ronca). 

5.  Die  Mergel  von  Puszta  Forma  mit  Ceritliium  calcaratum  Brongn .,  Ceri - 
thium  lemniscatum  Brongn.,  Fusus  polygonus  Lam. , Natica  mutabilis  Desh., 
Cardium  gratum  Desh.  und  andere  Ronca-Versteinerungen. 

Die  genauere  Parallelisirung  und  Einreihung  der  hier  noch  nicht  unterge- 
brachten Ablagerungen,  wie  des  Hafnerthones  ober  Moor,  der  kohlenführenden 
Schichten  von  Zsemlye,  mit  sehr  undeutlichen  Resten  von  Süsswassermollusken 
und  Zähnen  einer  Anthracotherium-Art,  der  wahrscheinlich  mit  diesen  identischen 
tiefen  kohlenführenden  Schichten  von  Csernye,  der  conglomeratischen  und  sandigen 
Schichten  von  Arki  Puszta  und  von  Zircz,  so  wie  der  Sande  mit  Sandsteinkugeln 
bei  Fenyöfö  wird  wegen  mancherlei  Schwierigkeit  ihrer  Verhältnisse  erst  bei  Gele- 
genheit der  Veröffentlichung  der  von  Hrn.  Dr.  Stäche  unternommenen  speciellen 
Bearbeitung  der  gesummten  Tertiärgebilde  des  Bakonyer  Gebirgssystems  versucht 
werden. 

Herr  Karl  v.  Hauer  theilte  die  Resultate  einer  Untersuchung  der  Stein- 
kohlen von  Reschitza  und  Steierdorf  mit. 

Die  Beschickung  der  Londoner  Industrie-Ausstellung  von  Seite  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  mit  Mustern  der  fossilen  Kohlen  aus  dem  Gesammt- 
bereiche  der  österreichischen  Monarchie,  gab  die  Gelegenheit  manche  Lücke  aus- 
zufüllen, welche  in  den  Verzeichnissen  über  den  Brennwerth  der  Mineralkohlen 
in  den  Jahrbüchern  der  Anstalt  existirten.  Eine  solche  empfindliche  Lücke  war 
es , dass  die  Kohlen  von  den  Werken  der  k.  k.  pr.  österr.  Staatseisenbahn- 
Gesellschaft  im  Banate  bisher  noch  keiner  Untersuchung  waren  unterzogen 
worden.  Eben  diese  Kohlen  sind  von  besonderem  Interesse,  erstlich  weil  sie, 
wie  aus  ihrer  Anwendung  in  der  Praxis  hervorging,  zu  den  allerbesten  inländi- 
schen Sorten  gehören,  und  dann  weil  die  Werke,  auf  welchen  sie  gewonnen 
werden,  seit  der  Uebernahme  von  Seite  der  Staatsbahn-Gesellschaft  sich  im 
schwungvollsten  Betriebe  befinden.  Diese  Kohlen  spielen  also  bereits  eine  her- 
vorragende Rolle  im  Gebiete  der  heimischen  Industrie  und  werden  voraussicht- 
lich zu  einer  noch  viel  ausgedehnteren  Verwendung  gelangen , da  zufolge  der 
neuesten  Nachrichten  über  die  Gestehungsbauten  an  diesen  Localitäten  eine 
beträchtliche  Vermehrung  der  Production  eingeleitet  wurde. 

Bei  Steierdorf  besitzt  die  Gesellschaft  drei  Gruben,  in  welchen  3 Flötze 
abgebaut  werden,  deren  erstes  oder  Hangendflötz  0*6 — 1 Klafter,  das  II.  oder 
Hauptflötz  1*2 — 1*8  Klafter  und  das  III.  oder  Liegendflötz  0’6  — 0-8  Klafter 
mächtig  ist. 

Als  neuer  Aufschluss  ist  kürzlich  der  Thinnfeld-Schacht  eröffnet  worden,  in 
welchem  ebenfalls  das  Haupt-  und  Hangendflötz  abgebaut  werden. 

Endlich  existirt  noch  im  südlichen  Revier  ein  viertes  Werk,  wo  ein  nur 
0-1  Klafter  mächtiges  Flötz  abgebaut  wird. 

An  diesen  Werken  war  die  Production  seit  dem  Jahre  1855  folgende: 


Wr.  Ctr.  Wr.  Ctr. 

1855  1,014.804  1859  840.953 

1856  933.016)  wegen  Anhäufung  von  Vor-  1860  991.103 

1857  710.530>  räthen  die  Erzeugung  re-  1861  961.752 

1858  681.095)  dueirt. 


m 


Sitzung  vom  1.  April.  Karl  v.  Hauer. 


213 


Für  das  Jahr  1862  ist  bei  einem  Vorrathe  von  780.173  Centnei*  eine  Pro- 
duction von  1,336.330  Centnern  präliminirt  und  es  sind  alle  Vorbereitungen 
getroffen,  die  Production  auf  2 Millionen  jährlich  zu  erhöhen. 

Das  Vorkommen  ist  Liaskohle  von  ausgezeichneter  Güte  und  Reinheit,  sie  ist 
consistenter  als  jene  bei  Reschitza  im  Banat,  backt  sehr  gut  und  enthält  keinen 
sichtbaren  Kies. 

Die  Untersuchung  von  10  Stücken,  entlehnt  von  verschiedenen  Stellen  der 
3 Flötze,  ergab  folgende  Resultate: 

1*3  — 3*4  Procent  Wasser, 

1*5  — 1-9  „ Asche, 

63-6  — 66*3  „ Cokes. 

Ferner  ergaben  sich  im  Mittel  sämmtlicher  10  Proben  8*09  Centner  dieser 
Kohlen  als  Aequivalent  für  eine  30zöllige  Klafter  weichen  Holzes. 

Bei  Reschitza  besitzt  die  Gesellschaft  die  Gruben  Szekul  und  Doman.  In  der 
ersteren  sind  3 bauwürdige  Flötze  vorhanden,  deren  I.  0*6,  das  II.  0 8 und  das 
III.  0 4 Ktafter  mächtig  ist. 

Die  Kohle  gehört  der  alten  Steinkohlenformation  an , sie  ist  fettglänzend, 
nicht  sehr  consistent,  ausgezeichnet  backend  und  enthält  wenig  Kies.  Die  Kohle 
vom  II.  Flötz,  welche  untersucht  wurde,  enthält: 

1 Procent  Wasser, 

3 „ Asche, 

gab  63  „ Cokes, 

und  8*77  Centner  sind  das  Aequivalent  einer  Klafter  Holz. 

Die  Kohle  vom  zweiten  Werk,  Doman,  ist  Liaskohle.  Es  werden  2 Flötze 
abgebaut,  deren  erstes  1 — 13  Fuss,  im  Durchschnitt  6 Fuss  mächtig  und  durch 
taube  Einlagerungen  in  2 bis  3 Bänke  von  ungleicher  Mächtigkeit  getheilt  ist. 

Das  2.  Flötz  ist  im  Durchschnitte  4 Fuss  mächtig. 

Diese  Kohlen  zeichnen  sich  durch  besondere  Reinheit  aus  und  übertreffen 
im  Brennwerthe  alle  fossilen  Kohlen  der  ganzen  Monarchie. 

Erhalten  wurden  in  4 Proben: 

0 3 — 09  Procent  Wasser, 

,1*3  — 2*0  y,  Asche, 

76*2  — 82-6  „ Cokes, 

und  7-43  bis  7*12  Centner  ergaben  sich  als  Aequivalent  einer  30 zölligen  Klafter 
weichen  Holzes. 

Seit  diese  Baue  im  Besitze  der  österreichischen  Staatseisenbahn-Gesell- 
schaft sind  (seit  1834),  hat  sich  der  Betrieb  der  Gruben  und  der  Absatz  der 
Kohle  verdoppelt.  Für  das  laufende  Jahr  ist  eine  Production  von  447.240  Centnern 
präliminirt. 

Die  Kohlen  von  Reschitza  und  Steierdorf  nähern  sich  sonach,  wie  aus  den 
angeführten  Untersuchungsresultaten  hervorgeht,  den  besten  englischen  Stein- 
kohlen im  Heizwerthe,  sie  würden  für  maritime  Zwecke,  wo  es  sich  darum  handelt, 
in  einem  beschränkten  Raume  ein  möglichst  ausgiebiges  Brennmaterial  zu  ver- 
laden, dieselben  Dienste  leisten  können,  daher  es  sehr  zu  wünschen  wäre,  dass 
Verkehrsmittel  zu  Stande  kommen  möchten , die  nöthig  erscheinen  , um  die 
Kohlen  an  jene  betreffenden  Punkte  zu  bringen,  die  jetzt  ausschliesslich  auf  den 
Consum  der  englischen  Kohle  angewiesen  sind. 


214 


Verhandlungen. 


m 

Herr  k.  k.  Bergrath  Fr.  Foetterle  knüpfte  an  diesen  Vortrag  eine  kurze 
Mittheilung  über  die  Lagerungsverhältnisse  der  kohlenführenden  Liasformation 
im  Banate,  das  er  im  Jahre  1860  übersichtlich  durchforschte.  Ueber  einen  Theil 
des  Banates  liegt  eine  treffliche  Detailarbeit  des  verstorbenen  Johann  Kuder- 
natsch  „Geologie  des  Banater  Gebirgszuges“  (Sitzungsberichte  der  math.-nat. 
Classe  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  Band  23)  vor,  die  auch 
Herr  Foetterle  in  ausgedehntem  Maasse  benützte.Das  Banater  Becken,  innerhalb 
welchem  sich  secundäre  Formationen  von  der  Steinkohlengruppe  bis  zur  Kreide 
abgelagert  haben,  ist  in  seiner  Streichungsrichtung  von  Süd  west  nach  Nordost 
mehrfach  durch  Hebungen  und  Spaltenbildungen  derart  gestört,  dass  innerhalb 
einer  solchen  Störungslinie,  die  sich  oft  mehrere  Meilen  fortzieht,  stets  die 
tieferen  Glieder  desBeckens  zum  Vorschein  kommen,  wie  sie  auch  an  den  Bändern 
des  Beckens,  auf  krystallinischen  Unterlagen  aufruhend,  zu  Tage  treten.  Eine 
der  ausgedehntesten  Emportreibungen  älterer  Formationen  ist  in  Steierdorf,  sie 
hat  eine  Längenerstreckungvon  mehr  als  3700  Klafter.  Die  jüngeren  Schichten 
sind  gleichsam  geborsten,  nach  beiden  Seiten  hin  zurückgeschoben,  und  zwischen 
diesen  die  älteren  sattelförmig  emporgehoben  worden.  Als  ältestes  Glied 
erscheint  hier  der  rothe  Sandstein,  dessen  Stellung  zwischen  dem  Bothliegenden 
und  dem  bunten  Sandsteine  wegen  Mangel  an  bezeichnenden  Fossilien  eine  unge- 
wisse ist;  er  ist  in  Steierdorf  bei  1100  Fuss  mächtig.  Derselbe  wird  ringförmig 
von  der  Liasformation  eingefasst,  an  welche  sich  die  Jura-  und  Kreidekalke 
anschliessen,die  den  grössten  Theil  des  Beckens  einnehmen.  Die  Liasformation  be- 
steht der  Hauptsache  nach  aus  Sandsteinen,  die  unmittelbar  auf  dem  rothen  Sandstein 
aufliegen  und  eine  Mächtigkeit  von  500  bis  600  Fuss  besitzen,  und  aus  den  höher 
liegenden  Mergelschiefern.  Namentlich  die  obere  Abtheilung  der  Sandsteine  hat 
durch  ihre  Steinkohlenführung  eine  grosse  Wichtigkeit  erreicht.  Es  treten  hier 
fünf  verschiedene  Flötze  auf;  das  oberste  ist  das  sogenannte  Hangendflötz ; es 
bildet  gleichsam  die  Scheide  zwischen  den  Schiefern  und  den  Sandsteinen  und 
ist  zwischen  3 bis  4 Fuss  mächtig.  Zwischen  4 bis  6 Klafter  unter  demselben 
tritt  das  sogenannte  Hauptflötz  mit  9 bis  12  Fuss  Mächtigkeit  auf,  es  wird  durch 
den  sogenannten  Brand,  der  l®/4  Fuss  stark  ist,  und  den  3 bis  18  Zoll  starken 
Mittelberg  in  drei  Theile  getrennt,  wodurch  der  Abbau  erleichtert  wird.  Etwa 
40  bis  60  Klafter  unter  diesem  Hauptflötze  finden  sich  dann  noch  drei  sogenannte 
LiegendflÖtze,  wovon  das  erste  2 bis  3 Fuss  mächtig  immer  abgebaut  wird, 
während  das  zweite  und  dritte  nicht  immer  abbauwürdig  erscheinen.  Das  ganze 
Gebiet  wird  durch  die  eigenthümliche  linsenförmige  Erstreckung  der  hier  hlos 
gelegten  älteren  Glieder  von  Südsüdwest  nach  Nordnordost  in  zwei  grosse  Fel- 
der, ein  westliches  und  ein  östliches  Abbaufeld,  getheilt;  in  beiden  jedoch  finden 
sich  die  gleichen  vorerwähnten  Lagerungsverhällnisse,  mit  dem  Unterschiede, 
dass  die  Schichten  im  westlichen  Felde  steil  nach  Westen,  in  dem  östlichen 
Felde  jedoch  steil  nach  Osten  fallen.  In  dem  südlichen  Theile  sind  die  Flötze 
jedoch  mehr  verdrückt,  während  in  dem  nördlichen  Theile  die  Mächtigkeit  stets 
zunimmt.  Der  Abbau  ist  gegenwärtig  hauptsächlich  in  dem  nordöstlichen  Felde 
im  Schwünge.  Die  grosse  bis  zu  80  Graden  und  darüber  reichende  Steilheit  der 
Flötze  gestattet  nur  in  den  höheren  Lagen  einen  Stollenbau;  der  Tiefbau  ge- 
schieht vermittelst  Schächten,  von  welchen  jetzt  der  Kübeck-,  der  Thinnfeld-  und 
Breunnerschacht  stark  in  Anspruch  genommen  werden.  Der  durch  die  gegen- 
wärtigen Baue  auf  der  ganzen  Länge  von  nahe  3700  Klafter  beider  Felder,  also 
auf  einer  Gesammtlänge  von  etwa  7000  Klafter  nachweisbare  Kohlenreichthum 
in  diesem  Gebiete  ist  also  sehr  ansehnlich  und  gestattet  daher  leicht  eine 
doppelte  und  dreifache  Höhe  der  jetzigen  Erzeugung. 


[9] 


Sitzung  am  1.  April.  Fr.  Foetterle.  H.  Wolf. 


215 


In  den  Hangendschiefern  treten  häufig  Einlagerungen  von  Thoneisensteinen 
auf;  so  kommen  in  dem  südlichen  Theile  des  Gebietes  in  dem  Gränzenstein-  und 
Gustav-Baue  neun  verschiedene  derartige  Thoneisensteinlagen  vor.  Sie  sind 
regelmässig  in  den  Schieferschichten  eingelagert  und  3 — 5 Zoll  mächtig, 
halten  bis  auf  mehrere  Klafter  an,  werden  dann  plötzlich  verworfen,  verschleppt, 
oder  keilen  sich  gänzlich  aus,  in  den  meisten  Fällen  bilden  sie  jedoch  mehrere 
Klafter  lange  Linsen;  in  dem  nördlichen  Theile  des  Gebietes  hat  man  nur  drei 
solcher  Thoneisensteinlager  beobachtet,  so  dass  auf  ihre  Stetigkeit  in  dem  ganzen 
Gebiete  und  auf  beiden  Flügeln  nicht  sicher  zu  rechnen  ist  und  daher  jede  auf 
dieselbe  basirte  Rechnung  über  etwa  vorhandene  Eisensteinquantitäten  eine 
illusorische  wird. 

Die  Hangendschiefer  sind  etwas  bituminös  und  wurde  auf  diesem  Bitumen- 
gehalt eine  Steinöldestillation  in  Steierdorf  gegründet.  Leider  ist  der  Gehalt  an 
Oel  ein  so  geringer,  dass  wenig  Aussicht  vorhanden  ist,  dass  sich  die  kostspielig 
angelegte  Destillationshütte  rentiren  könnte. 

In  der  directen  Fortsetzung  des  Steierdorfer  Gebietes  nach  Nordost  treten 
noch  in  der  Csetnik  und  bei  Jabalcsa  die  Hangendschiefer  in  geringer  Ausdeh- 
nung zu  Tage.  Weiter  nördlich  zwischen  Doman  und  Kuptore  (bei  Resehitza) 
sind  sowohl  die  Liassandsteine  wie  die  Schiefer  in  grosser  Ausdehnung  wieder 
blossgelegt.  Sie  liegen  wie  bei  Steierdorf  auch  hier  auf  rothem  Sandsteine,  der 
bei  Kuptore  dieflötzführende  Steinkohlenformation  deckt,  und  enthalten  ebenfalls 
Kohlenflötze,  die  unter  gleichen  Lagerungsverhältnissen  wie  in  Steierdorf  auf- 
treten.  Es  sind  jedoch  nur  zwei  Flötze  mit  je  3 — 0 Fuss  Mächtigkeit,  die  beide 
abgebaut  werden  und  eine  beinahe  noch  vorzüglichere  Kohle,  jedoch  meist  als 
Kleinkohle  liefern. 

Herr  Heinrich  Wolf  berichtete  über  die  von  ihm  im  Sommer  1861  ausge- 
führte Aufnahme  der  Districte  des  W arasdin-Kreuzer  und  Warasdin-Georger  Grenz- 
regimentes. Diese  Districte  umfassen  einen  Flächenraum  von  über  70  Quadrat- 
meilen und  erstrecken  sich  über  die  Länder  zwischen  Drau  und  Save  längs  der 
Erhebungslinie  des  sogenannten  Biela-  oder  Warasdiner  Gebirges,  welche  das 
Kalnik-Gebirge  in  Croatien  und  das  Veroviticzer  Gebirge  in  Slavonien  verbindet. 

Diese  Erhebungslinie,  an  dem  tiefsten  Punkte  bei  Lepavina  nicht  über 
800  Wiener  Fuss  ansteigend,  bildet  grösstentheils  auch  die  Grenze  zwischen 
beiden  Regimentsdistricten. 

Aus  der  allgemeinen  diluvialen  Bedeckung , welche  in  diesen  Ländern 
herrschend  ist , treten  eben  nur  noch  die  jüngeren  Tertiärschichten  (Congerien- 
Schichten)  in  der  Nähe  dieser  Erhebungslinie  hervor.  Erst  in  der  Nähe  der 
vorhin  erwähnten  Gebirge,  zwischen  welchen  das  Biela-Gebirge  liegt,  treten  in 
höherem  Niveau  unter  den  Congerienschichten , Gesteine  der  brackischen 
Cerithienstufe  und  der  marinen  Leithakalkzone  hervor.  Ausser  den  genannten 
Endpunkten  befinden  sich  nur  im  Kreuzer  Regiment  noch  zwei  inselartige  Erhe- 
bungen, welche  aus  der  allgemeinen  Diluvialdecke  emporragend,  dem  Auge  in 
der  gegen  Süden  unbegrenzt  scheinenden  Ebene  einen  angenehmen  Ruhepunkt 
gewähren.  Es  sind  dies  das  Moslavina-Gebirge,  an  dessen  Nordseite  auch  Garic- 
Gebirge  genannt,  und  dann  die  Höhe  des  Marcavvaldes  bei  Kloster  Ivanec. 

Die  ältesten  Gesteine  des  in  Rede  stehenden  Terrains  befinden  sich  im 
Moslavina-  oder  Garic- Gebirge;  dasselbe  hat  eine  Flächenausdehnung  von  unge- 
fähr 2 Quadratmeilen,  und  besteht  in  seiner  östlichen  Hälfte  aus  Glimmerschiefer, 
Hornblendeschiefer  und  Gneiss,  in  seiner  westlichen  Hälfte  aber  aus  feinkörnigem 
Granit,  der  bei  Vrtlinska  am  Fusse  des  Rastikberges  in  der  Casmaer  Compagnie, 
dann  im  Jelenskagraben  N.  v.  Jelenska  und  NO.  von  Popovaca,  gewonnen  wird. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band.  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


CC 


216 


Verhandlungen. 


[10] 


Ein  gleichförmiges  Gemenge  von  weissem  und  schwarzem  Glimmer,  von 
Orthoklas  und  Quarz,  bedingt  seine  blaugraue  Färbung  und  macht  ihn  geeignet 
zu  Bildhauerarbeiten  und  monumentalen  Bauten;  er  wurde  daher  gewählt  für  das 
projectirte  Jellacic-Denkmal  in  Agram,  welches  aus  nationalem  Granit  ausge- 
führt werden  soll. 

Im  Vrtlinska-Steinbruch  wird  dieser  Granit  durchsetzt  von  einem  klafter- 
mächtigen Gang  von  Schriftgranit,  mit  grossen  Turrnalinkrystallen. 

Von  Eruptivgesteinen  erscheinen  im  Moslavina  - Gebirge  der  von  Hrn.  v. 
Vukotinovic  beschriebene  Diorit,  dann  grosse  Blöcke  von  Hypersthenfels, 
welche  in  dem  Graben  nördlich  bei  Miklonska  zahlreich  zu  finden  sind.  Herr 
Dr.  Zirkel,  welcher  denselben  untersuchte , fand  als  seine  Bestandteile : 
„Labrador  bräunlichgrau  in  dünnen  Zwillingen,  Zwillingsstreifung  erkennbar; 
Hypersthen,  schwärzlichbraun  mit  sehr  vollkommener  Spaltbarkeit  auf  orthogo- 
nalen Spaltungsflächen,  oft  mit  kupferrotem  Schimmer.  Eisenkies  in  feinen 
Körnchen.  Auch  hie  und  da  schlackiges  titanhältiges  Magneteisen“. 

Als  nächst  jüngere  Gesteine  schliessen  sich  an  dem  äussersten  Saume 
dieses  krystallinischen  Stockes  die  Leithakalke,  welche  aber,  der  fast  vollstän- 
digen Bedeckung  durch  Löss  oder  Congerienschichten  wegen,  nur  an  wenigen 
Punkten  sichtbar  werden.  Solche  Punkte  finden  sich  im  Handagolabach  südlich 
bei  Vrtlinska,  dann  bei  Samarica,  und  auch  bei  Kutinica,  an  letzterem  Orte  ent- 
sprechen die  dort  anstehenden  Kalke  mehr  den  Cerithienschichten. 

Ausser  diesem  Gebirgsstock  findet  sich  in  dem  in  Bede  stehenden  Terrain 
nur  noch  in  den  vom  Kalnikgebirge  in  den  nördlichen  Theil  des  Kreuzer  Regi- 
mentes eintretenden  Ausläufern  eine  etwas  grössere  Mannigfaltigkeit  von 
Gesteinen. 

Die  Basis  der  jüngeren  Ablagerungen  bilden  hier  die  vom  Kalnikgebirge 
und  weiter  aus  dem  Westen  vom  Ivanczicer  Gebirge  herüberstreichenden,  Sand- 
steine der  Gailthaler  Schichten  und  des  Hallstätter  Kalkes,  welche  von  Kalk- 
Diabasen  in  Kamenica  Potok  westlich  von  Apatovec  durchsetzt  werden.  Solche 
Diabase  erscheinen  auch  beim  Sauerbrunnen  von  Apatovec , wo  sich  auch 
verschiedene  Kalktrümmer  aus  der  Tiefe  emporgerissen  in  ihm  eingebettet  finden, 
darunter  auch  rothe  Crinoidenkalke.  Der  Sauerbrunnen  mag  an  das  Vorkommen 
dieses  Eruptivgesteines  gebunden  sein. 

Zunächst  dieser  älteren  Gesteinsgruppe  folgen  nun  wieder  Conglomerate 
und  Leithakalke , welche  das  Kalnikgebirge  zonenförmig  umschliessen.  Die 
Conglomerate,  welche  zu  unterst  liegen  und  manchmal  Kohlenflötzchen  ein- 
gebettet enthalten,  liefern  vortreffliche  Bausteine,  wozu  auch  häufig  die  Spitzen 
der  Berge  krönende  Leithakalke  ihr  Contingent  stellen. 

Als  äussere  Zone  finden  sich  dann  graue  mürbe  Mergel,  die  sich  an  mehreren 
Orten  als  ein  den  Cerithienschichteu  paralleles  Glied  erkennen  Hessen. 

Bei  Osek,  Apatovec  und  Ivanec  südlich  schliessen  sich  dann  diesen  Zonen  in 
noch  niederer  Hügelreihe  lockere  glimmerreiche  Sandsteine  mit  Liguitflötzen 
an,  welche  den  Congerienschichten  angehören.  Lignitflötze  sind  bekannt  bei 
Glogovnica,  bei  Rassina,  bei  Apatovec,  bei  Jagnedovac,  und  in  der  Ceklinica  bei 
Miklonska.  Stets  sind  nicht  näher  bestimmbare  Unionen  und  Helices  mit  den 
Flötzen  zu  linden. 

Cardium  conjungens,  Card,  apertum,  Congeria  subglobosa,  C.  triangu- 
laris  und  Cong.  spatliulata  sind  die  vorherrschenden  wenn  auch  nicht  zu  häufig 
erscheinenden  Arten.  Auch  verkieselte  Baumstämme  fanden  sich  auf  dem  Wege 
von  Sokolovac  gegen  Miliciani.  Die  höheren  Lagen  der  Congerienschichten  bilden 
Thone,  die  an  mehreren  Punkten  von  den  Töpfern  gewonnen  werden,  so  zu 


Sitzung  am  1.  April.  II.  Wolf.  F.  Stoliczka. 


217 


[in 

Berzaja  in  der  Kovacicza  Comp,  dann  bei  Marca  in  der  Kloster  Ivanecer  Comp. 
Diesen  Thonen  scheinen  auch  die  häufig  hei  Marca  vorkommenden  Sumpferze 
anzugehören,  die  geröstet  gegen  40  Percent  Eisen  liefern  würden. 

Diese  Thone  bilden  gegen  die  Save  den  allgemeinen  Untergrund  der 
Diluvialdecke,  auf  welchem  sich  die  Wässer  sammeln,  die  an  geeigneten  Stellen 
als  Quellen  mit  der  mittleren  Temperatur  von  9°  Reaumur  austreten. 

Belvedereschotter  in  ziemlich  mächtigen  Lagern  tritt  in  der  Umgehung  von 
Apatovec  auf,  und  erscheint  an  den  Wasserscheiden  zwischen  Drau  und  Save  an 
vielen  Punkten.  In  der  Gegend  um  Novigrad  sind  seine  unteren  Lagen  conglu- 
tinirt,  und  er  liefert  hier  das  einzige  Strassenbeschotterungsmaterial  für  die 
ganze  Strecke  der  slavonischen  Strasse  innerhalb  dem  Gebiete  des  Warasdin- 
Georger  Regiments. 

Das  Diluvium,  vorherrschend  aus  Löss  bestehend,  ist  oft  sehr  mächtig.  So 
fand  man  dasselbe  in  dem  Platzbrunnen  von  Beiovar  13  Klafter  mit  Einschluss 
von  2 Fuss  Schotter,  welcher  die  wasserführende  Schichte  über  den  Congerien- 
thonen  bildet. 

An  der  Drauseite,  in  der  sogenannten  Podravina,  finden  sich  statt  dem  Löss 
weitgedehnte  Flächen  von  dem  leicht  beweglichen  Flugsande,  welcher  sich  in 
leichtwelligen  Hügeln  nach  der  herrschenden  Windrichtung  ordnet. 

Das  Alluvium  ist  auf  die  grösseren  Flüsse  dieses  Gebietes  beschränkt, 
welches  sich  in  grossen  Thal  Weitungen  alljährlich  erhöht,  wie  der  Casmabach  zeigt. 

Herr  Dr.  F.  Stoliczka  gab  eine  Uebersicht  der  jüngeren  Tertiär-Ablage- 
rungen des  südwestlichen  Ungarn. 

Die  Tertiärbildungen  dieses  Gebietes  hängen  unmittelbar  zusammen  mit 
jenen,  welche  die  nach  Osten  hin  offene  Gratzer  Bucht  ausfüllen. 

Auf  die  Absätze  mariner  Bildungen,  deren  östliche  Grenze  ziemlich  mit  dem 
Laufe  der  Mur  zusammenfällt,  folgte  in  der  Gratzer  Bucht  die  Ablagerung  der 
Cerithienschichten.  Diese  rücken  viel  weiter  nach  Osten  hinaus  und  reichen 
nördlich  von  Radkersburg  bis  auf  das  ungarische  Gebiet,  wo  sie  sich  fast  rings 
herum  um  die  krystallinische  Insel  zwischen  Szerdicza  und  Kalch  ausbreiten.  Am 
deutlichsten  sind  die  Cerithienschichten  bei  Vecsezlavecz  und  Vizlendva  ent- 
wickelt und  durch  zahlreiche  Fossilien  charakterisirt,  wie  Tapes  gregaria , Ervilia 
podolica,  Cerithium  pictum,  rubiginosum  disjunctum,  Trochus  podolicus  u.  s.  w. 
Vorwiegend  sind  es  Sand  und  Sandsteine.  Nur  untergeordnet  kommen  oolithische 
Kalksteine  als  eingelagerte  Bänke  vor , die  dann  fast  ausschliesslich  aus 
incrustirten  Polystomella  crispa  und  subumbilicata,Rosalina  viennensis , Cypris - 
schalen  und  Muschelfragmenten  zusammengesetzt  sind. 

Viel  ausgedehnter  sind  die  Ablagerungen  der  Inzersdorfer  Schichten, 
welche  fast  die  ganze  Gratzer  Bucht  ausfüllen,  die  früheren  Bildungen  grössten- 
theils  verdecken  und  bis  über  den  Plattensee  hinaus  fortsetzen.  Sie  bestehen  im 
Westen  aus  Wechsellagerungen  von  Sand  und  Tegel  oder  einem  Gemisch  von 
beiden,  im  Osten  vorzugsweise  aus  Sand  und  Sandstein.  Zahlreiche  Fossilien 
charakterisiren  in  den  östlichen  Gebieten  diese  Schichten,  worunter  Melanopsis 
Bouei  und  pygmaea,  Pisidium  obliquum,  Valvata  piscinalis  und  Balatonica , 
Paludina  Sadleri , Cardium  apertum  u.  v.  a.  die  häufigsten  sind.  Hierher 
gehören  auch  die  Säugethierknochen  von  Baltavär,  deren  specielle  Bearbeitung 
Herr  Professor  Suess  übernommen  hat.  Am  häufigsten  kamen  hier  Reste  des 
Hipparion  gracile,  Antilope  brevicornis  u.  e.  a.  Wiederkäuer  vor;  Raubthiere 
sind  selten;  noch  seltener  Fischreste. 

Viel  mehr  untergeordnet  sind  Fossilien  in  den  nördlichen  Gegenden  zu 
finden,  wie  bei  Stegersbach  und  Rothenthurm , an  ersterer  Localität  treten  zahl- 

CG^ 


Verhandlungen. 


218 


[«2] 


reich e Melanopsis  Mariiniana,  M.  pygmaea,  Cardium  apertum  u.  a.  auf,  an 
letzterer  ist  nur  Congeria  spathulata  sehr  häufig. 

Ueber  den  Inzersdorfer  Sanden  folgen  die  ausgedehnten  Schotter-Ablage- 
rungen, welche  durch  ihre  Quarzgeschiebe,  wie  Professor  Suess  gezeigt  hat. 
als  Fluss-Sedimente  anzusehen  sind.  Der  Strom  dieser  Geschiebe  kam  vorzugs- 
weise von  Norden  und  ihre  Grösse  nimmt  nach  Süden  immer  mehr  ab,  bis  sie 
entweder  ganz  verschwinden  oder  nur  sehr  untergeordnet  auftreten.  Mit  der 
Ablagerung  der  Belvedereschotter  schloss  auch  hier  die  Miocenperiode,  wie  dies 
gleichfalls  im  Wiener  Becken  der  Fall  ist. 

Von  Eruptivgesteinen  treten  im  südwestlichen  Ungarn  nur  einzelne  ßasalt- 
tuffe  auf.  So  nördlich  von  der  Raab  bei  Giising  und  Tobaj.  An  letzterem  Punkte 
enthält  der  Basalttuff  zahlreiche  Einschlüsse  eines  Hornblendegesteins,  sehr  viel 
basaltische  Hornblende  und  Olivinbomben.  Südlich  von  der  Raab  sind  die  Vor- 
kommnisse bei  Ober-Limpach  und  Neuhaus  zu  erwähnen.  Bei  Neuhaus  kommen 
in  dem  Basalttuff  gar  nicht  selten  Stücke  von  oolithischem  Cerithienkalk  mit 
Polystomella  crispa , Cerithium  rubiginosum  und  Cardium  obsolet  um  vor. 
Olivinbomben  sind  auch  hier  gar  nicht  selten,  wohl  aber  Hornblende.  Die  auf- 
fallendsten Einschlüsse  sind  jedoch,  einzeln  und  schichtweise,  geröstete  Quarz- 
geschiebe, die  dem  Belvederschotter  angehören. 

Dieselbe  Beobachtung  machte  auch  schon  früher  Andrae  an  den  steirischen 
Tuffen  und  es  geht  daraus  hervor,  dass  die  Basalt-Eruptionen  aus  der  Zeit  des 
Inzersdorfer  Sees  bis  in  die  Periode  hinaufreichen,  wo  der  Belvedereschotter  ab- 
gesetzt wurde. 

Herr  Dionys  S tu  r berichtet  über  die  neu-tertiären  Ablagerungen  in  West- 
Slavonien,  als  dritte  Abtheilung  aus  seiner  diesjährigen  geologischen  Uebersichts- 
aufnahme.  (Siehe  dieses  Heft,  Seite  285.) 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  II. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  29.  April  1862. 

Herr  Director  W.  Haidinger  im  Vorsitz. 

Auch  in  diesem  Jahre  wurde  , wie  in  den  vorangegangenen,  in  der  Winter- 
Schlusssitzung  von  Herrn  Director  Haidinger  Bericht  erstattet  über  die  aus 
den  Sommerarbeiten  1861  gewonnenen  geologisch-colorirten  Karten  und  Druck- 
schriften, welche  im  vorgezeichneten  Wege  durch  Seine  Excellenz  Herrn  k.  k. 
Staatsminister  Ritter  v.  Schmerling  an  Seine  k.  k.  Apo  stolis  che  Majestät 
in  tiefster  Ehrfurcht  geleitet  worden  waren.  Es  waren  dies  folgende  Blätter: 
1.  Vier  Sectionen  der  k.  k.  General -Quatiermeisterstabs-Specialkarten  in  dem 
Maasse  von  1 Zoll  = 2000  Klafter  oder  1 : 144*000  der  Natur,  und  zwar  Nr.  IX, 
Umgebungen  von  Jicin  und  Hohenelbe  und  Nr.  X,  Braunau  und  Nachod,  ersteres 
welches  im  verflossenen  Jahre  noch  unvollständig  war,  beendigt,  letzteres  zum 
grössten  Theile,  beide  von  Herrn  Sectionsgeologen  Johann  Jokely,  welcher  seit- 
dem als  Professor  bei  dem  K.  U.  Josephs-Polytechnicum  eingetreten  ist.  Die 
beiden  Sectionen  Nr.  XV,  Neu-Bidschow  und  Königgrätz,  und  Nr.  XXI  Chrudim 
wurden  von  Herrn  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  und  Herrn  Sectionsgeologen 
Freiherrn  von  Andrian  gewonnen.  Durch  Uebersichts-Aufnahmen  gaben  uns 
die  Herren  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Dr.  Guido  Stäche  und  Dr.  Ferdinand  Sto- 
liczka,  welchen  sich  Herr  Karl  M.  Paul  als  freiwilliger  Theilnehmer  an  den 
Arbeiten  angeschlossen  hatte  — er  ist  seitdem  in  unseren  näheren  Verband 
getreten  — sechs  Blätter  der  Administrativkarten  von  Ungarn,  in  dem  Maasse 
von  1 Zoll  auf  4000  Klaftern  oder  1 : 288.000  der  Natur,  und  zwar  Nr.  IX 
Steinamanger,  Nr.  X Ofen-Pesth,  Nr.  XI  Szolnok,  Nr.  XIII  Gross -Kanischa, 
Nr.  XIV  Fünfkirchen , Nr.  XV  Szegedin  und  Arad.  Bei  der  grossen  Ausdehnung 
und  den  vielfach  in  mehreren  Districten  gewonnenen  neuen  Thatsachen  muss 
als  eine  wichtige  Theilnahme  an  der  Arbeit  auch  der  in  dem  früheren  Jahre  1860 
von  Herrn  Professor  Dr.  K.  Fr.  Peters  in  der  Umgebung  von  Fünfkirchen 
durchgeführten  Aufnahmen  Erwähnung  geschehen.  Den  Herren  k.  k.  Bergrath 
Fr.  Foetterle  und  Sectionsgeologen  D.  Stur  und  H.  Wol  f grösstentheils  abge- 
sondert, unabhängig  von  einander  auf  dem  weit  ausgedehnten  Arbeitsfelde  wirkend, 
gehören  die  auf  der  Administrativkarte  dargestellten  Theile  von  Croatien  und  der 
Militärgrenze,  so  wie  die  zwei  westlichen  Blätter  der  Generalkarte  der  Woj- 
wodina  und  des  Temeser  Banates  u.  s.  w.  in  dem  Maasse  von  1 Zoll  = 4000  Klafter 
so  wie  die  Karte  der  slavonischen  Militärgrenze  in  dem  Maasse  der  Strassenkarte 
oder  von  1 Zoll  = 6000  Klaftern  oder  1 : 432000  der  Natur. 

Bis  in  den  gegenwärtigen  Abschluss  machten  sich  die  Störungen  des  Jahres 
1 860  in  der  Gewinnung  von  Druckgegenständen  fühlbar,  indem  nur  das  einzige, 
zweite  und  zugleich  Schlussheft  des  XI.  Bandes  unseres  Jahrbuches  den  Karlen 
beigelegt  werden  konnte.  Es  enthält  auch  in  der  That  nur  die  einzige  classische 


der  k.k. geologischen 
Reichsanstalt. 


220 


Verhandlungen. 


[2] 

Abhandlung  von  Freiherrn  v.  Richthofen  über  die  Trachyte  von  Ungarn  und 
Siebenbürgen,  so  wie  die  Berichte  aus  unserem  wissenschaftlichen  Leben  das 
ganze  Jahr  1861  hindurch.  Freilich  ist  das  erste  Heft  Jahrbuch  1861  und  1862 
bereits  in  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  vorgelegt  worden,  aber  es  bildet  einen 
Theil  des  XII.  Bandes,  der  dann  im  künftigen  Jahre  1863  in  der  früher  gewohn- 
ten Weise  wird,  so  hoffen  wir,  geschlossen  werden  können. 

Noch  ein  schönes  neugewonnenes  Heft  von  Herrn  Dr.  Moriz  Hörn  es  fossilen 
Mollusken  des  Wiener  Tertiär-Beckens  konnte  angeschlossen  werden,  indessen 
werden  diese  Hefte  wie  bei  dem  ersten  Bande  desselben  Werkes,  dem  dritten 
Bande  der  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  aufgesammelt  bis 
der  zweite  Band  selbst,  der  vierte  unserer  ganzen  Reihe  abgeschlossen  ist. 

Den  vorhergehenden  Gegenständen  wurde  noch  aus  unserer  Sitzung  am 
18.  März  der  von  Herrn  Director  Haidinger  erstattete  Bericht  über  die  Vor- 
gänge in  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  im  Februar  dieses  Jahres  ange- 
schlossen , so  wie  endlich  das  Heft  in  englischer  Sprache , welches  auch 
vorgelegt  wurde:  The  Imperial  and  Royal  Geological  Institute  of  the  Austrian 
Empire.  London  International  Exhibition  1802.  Vienna  I.  and  R.  Court  and 
Government  Press.  Das  letztere  bezieht  sich  auf  die  Gegenstände  der  Londoner 
Ausstellung,  welche  von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  dorthin  entsendet 
wurden,  und  gibt  eine  rasche  Uebersicht  des  Personalstandes  der  Aufgaben  und 
zur  Verwendung  gestellten  Mittel;  einen  Bericht  über  die  Gewinnung  jeder  ein- 
zelnen der  zehn  aufgestellten  Karten,  von  1.  Ober-  und  Nieder-Oesterreich, 
2.  Salzburg,  3.  Steiermark  und  Illyrien,  4.  Böhmen,  5.  Tirol,  6.  Lombardie 
und  Venedig,  7.  Ungarn,  8.  Banat,  9.  Siebenbürgen,  10.  Galizien,  für  welche  zu 
leichterer  Orientirung  ein  in  Umrissen  ausgeführtes  Kartenskelet  beigegeben  ist. 
Ferner  ein  Wort  über  den  Inhalt  der  gesandten  Druckschriften  und  die  Natur 
der  von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  dargestellten  Krystalle.  Endlich  die  239 
Nummern  des  Verzeichnisses  von  Exemplaren  von  fossilem  Brennstoff,  der  auf 
Veranlassung  des  k.  k.  österreichischen  Ausstellungscomites  von  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  besorgten,  von  Hrn.  k.  k. Bergrath  Foetterle  geordneten 
Gesammtausstellung  dieser  Gegenstände.  Nebst  der  nach  Kronländern  gegebenen 
geographischen  Lage  der  einzelnen  Unternehmungen  ist  noch  die  Anzahl  der  in 
Arbeit  stehenden  Flötze,  die  Anzahl  der  Arbeiten  und  Dampfmaschinen,  die 
Natur  der  Kohle  nach  Aschen-  und  Wassergehalt,  der  möglichen  Darstellung  von 
Coke,  den  Wärme-Einheiten  und  in  runder  Zahl  von  Tonnen  (eine  Tonne  = 
1814  Wiener  Pfund  oder  20*32  Zollpfund).  Von  den  etwa  3*5  Millionen  Tonnen 
der  Erzeugung  an  Steinkohlen  und  Braunkohlen  in  Oesterreich  sind  etwas  über 
2 Millionen  durch  die  Exemplare  der  Gesammt-Ausstellung  vertreten.  Sie  geben 
also  allerdings  ein  sehr  entsprechendes  Bild  des  Zustandes  unserer  Industrie  in 
Bezug  auf  fossilen  Brennstoff,  Torf,  Braunkohle  und  Lignit,  Steinkohle,  Anthracit. 
Herr  Director  Haidinger  spricht  bei  dieser  Veranlassung  noch  seinen  verbind.- 
lichsten  Dank  den  hochgeehrten  Besitzern  und  Werksleitern  aus,  welche  sich 
freundlichst  dieser  Gesammtausstellung  angeschlossen  haben.  Es  werden  Exem- 
plare des  Ausstellungsberichtes  an  sämmtliche  wohlwollende  Theilnehmer  ver- 
sandt werden.  Zu  diesem  Zwecke  wurde  von  der  Auflage  von  6000  vorläufig  die 
Anzahl  von  1000  Exemplaren  zurückbehalten,  4000  Exemplare  nach  London  ab- 
gesandt. In  unsern  eigenen  Räumen  wird  aber  nun  eine  ganz  ähnliche  Ausstellung 
als  Sammlung  für  immerwährende  Zeiten  vorbereitet,  in  welcher  auch  später 
einzusendende  Musterstücke  Platz  finden  werden,  welche  wegen  Kürze  der  Zeit 
oder  aus  anderen  Umständen  nicht  für  die  Ausstellung  in  London  an  uns  einge- 
sendet waren. 


[3] 


Sitzung  am  29.  April.  W.  Haidinger. 


221 


Herr  Director  Hai  ding  er  legt  sodann  die  für  die  Ausstellung  in  London 
ausgeführte  Tafel,  mit  dem  Farbenschema  der  sämmtlichen  geologischen  Karten 
vor,  mit  Bemerkungen,  welche  am  Schlüsse  des  gegenwärtigen  Berichtes  gege- 
ben werden. 

Unsere  diesjährigen  ITntersuchungsaufgaben  theilen  sich  in  zwei  ganz  ent- 
gegengesetzte Richtungen.  Die  nördliche  Section  unter  Herrn  k.  k.  Bergrath 
M.  V.  Lipoid,  als  Chefgeologen  mit  den  Sectionsgeologen  Herren  F.  Freiherrn 
v.  Andrian,  H.  Wolf  und  K.  Paul,  hat  die  Aufgabe  der  Aufnahme  der  östlich- 
sten Karten-Sectionen  von  Böhmen,  Nr.  XVI  Umgebungen  von  Reichenau, 
Nr.  XXII  Umgebungen  von  Hohenmauth  und  Leitomischl,  Nr.  XXVII  Umgebungen 
von  Deutschbrod  und  Nr.  XXVIII  Umgebungen  von  Policzka,  die  drei  ersteren, 
obwohl  Grenzblätter,  doch  viel  zu  untersuchendes  Land  enthaltend,  die  letzteren 
nur  wenig  davon.  Dagegen  ist  auch  noch  vom  verflossenen  Jahre  von  der  Section 
Nr.  X Umgehungen  von  Braunau  und  Nachod  der  südlichste  Theil  zu  vollenden 
übrig.  Man  sieht,  die  Aufgabe  ist  eine  sehr  ansehnliche,  daher  die  Herren  Geo- 
logen sich  vorbereiten,  mit  dem  Beginne  des  Mai  in  ihre  Bezirke  abzugehen.  Es 
ist  uns  wichtig,  gerade  in  diesem  Jahre  die  Arbeiten  der  Aufnahmen  in  Böhmen 
zu  einem  Abschlüsse  zu  bringen,  um  ein  Exemplar  der  ganzen  Karte  des  König- 
reiches Böhmen  selbst  auf  der  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Arzte 
in  Karlsbad  vorlegen  zu  können.  Daher  denn  auch  mehrere  Kräfte  dahin  entsen- 
det werden  mussten. 

Zwei  Sectionen  gehen  dagegen  südlich,  und  zwar  Section  II  unter  ..Herrn 
k.  k.  Bergrath  Foetterle  mit  den  Herren  Sectionsgeologen  D.  Stur  und 
Dr.  F.  Stoliczka  in  die  croatisehe  Militärgrenze,  so  zwar,  dass  Herr  D.  Stur 
östlich  die  zwei  Banalregimenter  von  Glina  und  Petrinia  vornimmt,  und  einen 
Theil  des  Szluiner,  wo  sich  dann  Dr.  Stoliczka  anschliesst  und  nebst  einem 
Theile  des  Szluiner  noch  das  Oguliner  Regiment  nimmt  und  sich  im  Ottocaner 
an  Herrn  Bergrath  Foetterle  anschliesst,  dem  selbst  noch  das  Liccaner  Regi- 
ment zufällt. 

Die  Section  III  unter  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Herrn 
Sectionsgeologen  Dr.  G.  Stäche,  hat  Dalmatien  zur  Aufgabe.  Es  hat  sich  den- 
selben ein  uns  angelegentlichst  empfohlener  Freund,  Herr  Dr.  Karl  Zittel  als 
freiwilliger  Theilnehmer  an  unseren  Arbeiten  angeschlossen.  Wir  freuen  uns, 
den  trefflich  vorbereiteten  jungen  Forscher  in  dieser  Weise  in  unserer  Gesell- 
schaft zu  sehen,  dem  eine  Subvention  der  grossherzoglich  Baden’schen  Regierung 
gestattete,  sich  näher  mit  den  Arbeiten  an  unserer  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt und  den  wissenschaftlichen  Fortschritten  überhaupt  in  den  uns  zunächst 
liegenden  Zweigen  der  Naturfoschung  in  Wien  bekannt  zu  machen.  In  ähnlicher 
Weise  hatte  Herr  Dr.  Ferdinand  Zirkel  von  Bonn  mehrere  Monate  des  Winters 
an  unseren  Arbeiten  Theil  genommen,  sowie  er  auch  eine  sehr  werthvolle  kry- 
stallographische  Arbeit  über  den  Bournonit  im  k.  k.  Hof-Mineraliencahinet  durch- 
führte. Es  ist  gewiss  höchst  anregend,  zu  sehen,  wie  viele  Anerkennung  uns  auf 
diese  Weise  dargebracht  wird,  durch  die  Anziehung  für  jüngere  Forscher,  wel- 
chen ein  innerer  Trieb  die  Arbeit  zum  Bedürfnisse  macht,  wahre  Ergebnisse 
freiwilliger  Arbeit,  welche  allein  zu  Erfolgen  führt.  Aber  ich  darf  auch  aus  der 
gegenwärtigen  Veranlassung,  wo  die  noch  zuletzt  genannten  Herren  ihre  Zeit 
und  ihre  Arbeit  zwischen  den  Aufgaben  und  Hilfsmitteln  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  und  des  k.  k.  Hof-Mineraliencabinetes  theilten,  nicht  versäumen, 
unserem  wohlwollenden  Freunde  und  erfolgreichen  Arbeitsgenossen  in  der  För- 
derung geologischer  Interessen,  Herrn  Dr.  Hörnes,  als  Vorstand  jenes  reichen 
Museums,  meine  innigste  Dankbarkeit  auszudrücken  und  die  vollste  Anerkennung 


222 


Verhandlungen. 


w 


durzubringen,  für  seine  so  zweckmässige  und  kenntnissvolle  Leitung  der  Direetion 
desselben.  Wichtige  Arbeiten  sind  dort  von  ihm  selbst,  von  unserem  hochver- 
dienten Professor  Suess  und  Anderen,  durch  ihn  unterstützt,  durchgeführt  wor- 
den, er  wusste  die  trefflichsten  Männer  heranzuziehen,  von  welchen  wir  leider 
bereits  zwei,  unseren  unvergesslichen  Grailich,  und  den  verdienstvollen  Dau- 
ber durch  den  Tod  verloren,  nach  welchen  aber  bereits  auch  A.  Schrauf 
schon  sehr  Anerkennenswerthes  geleistet.  Uns  ist  diese  Verbindung  stets  von 
der  grössten  Wichtigkeit. 

Die  Herren  Dr.  Stäche  und  Dr.  Zittel,  die  Herren  D.  Stur  und  Dr. 
Stoliczka  sind  bereits  in  ihre  verschiedenen  Aufnahmsbozirke  abgereist.  Die 
übrigen  Herren  folgen  nach  Maassgabe  der  uns  überhaupt  vorliegenden  Auf- 
gaben. Wir  dürfen  wie  in  früheren  Jahren  reichen  Ergebnissen  entgegensehen, 
erleichtert  wie  uns  das  Unternehmen  durch  die  wohlwollende  Einführung  nach 
allen  Richtungen  durch  das  hohe  k.  k.  Staatsminislerium  ist,  und  wie  uns  auch 
durch  das  hohe  k.  k.  Finanzministerium  die  wünschenswerthesten  Erleichte- 
rungen bei  den  Untersuchungen  der  Küstenlinie  gewährte.  Aber  auch  von 
Privatunternehmungen  erfreuten  wir  uns  der  wohlwollendsten  Aufnahme,  wie 
uns  denn  die  hochverehrliche  Direetion  der  k.  k.  priv.  Südbahngesellschaft  auf 
der  Linie  Wien-Triest,  Freikarten  erster  Classe  freundlichst  zur  Verfügung 
stellte,  und  gleiches  vorläufig  für  die  nördlichen  Linien  der  k.k.pr.  österr.  Staats- 
Eisenbahngesellschaft  zugesagt  ist.  Auch  für  die  Benützung  der  Lloyd-Linien 
wurden  uns  von  dem  hochverehrlichen  Verwaltungsrathe  erste  Plätze  zu  dem  Preise 
der  dritten  freundlichst  gewährt.  Wichtig,  wie  solche  Erleichterungen  au  und  für 
sich  sind,  da  sie  von  den  doch  umschriebenen  Reisekosten  etwas  mehr  für  wirk- 
liche Forschungsarbeit  verfügbar  erhalten,  so  möchte  ich  doch  noch  einen  höheren 
Einfluss  darin  erblicken,  dass  von  diesen  grossen,  hochachtbaren,  einflussreichen 
Gesellschaften  in  der  Leitung  ihrerAngelegenheiten  ein  solcher  Sinn  fürAnerkennung 
desWerthes  wissenschaftlicher  Leistungen  ausgesprochen  ist,  und  ich  fühle  mich 
freudig  bewegt,  indem  ich  hier  meinen  innigsten  Dank  denselben  darbringe. 
Auch  für  geographische  Aufnahmskarten  ist  möglichst  gesorgt,  insoweit  sie  über- 
haupt zur  Verfügung  gestellt  werden  konnten,  theils  durch  die  freundliche  Für- 
sorge des  Herrn  k.  k.  Generalmajors  v.  Fligely,  dem  wir  sogar  Abdrücke  der 
noch  nicht  vollständig  ausgeführten  k.  k.  General-Quartiermeisterstabs-Special- 
karten  2000Klftr.  = 1 Wr.  Zoll  für  Dalmatien  verdanken,  theils  den  Herren  k.  k. 
Militär-Grenzregiments-Commandanten,  deren  jedes  nach  Kräften  für  sein  eigenes 
Bedürfniss  in  dieser  Beziehung  zu  sorgen  angewiesen  ist.  Namentlich  ist  unter 
diesen  die  in  dem  Maasse  von  1600  Klaftern  = 1 Zoll,  oder  1:115.000  der 
Natur,  von  Mathias  Kossovich,  Feldwebel  im  k.  k.  Liccaner  ersten  Grenzregi- 
mente  zusammengestellte  und  lithographirte  Karte,  welche  wir  Herrn  k.  k.  Oberst 
Adolph  Bermann  in  Gospich  verdanken,  höchst  erwähnenswerth,  die  sich  auf 
jene  schwierigen  Karst-Oberflächengestaltungen  bezieht,  mit  den  Hochterrassen 
und  tiefen  Dolinen,  mit  unterirdischen  Flüssen,  die  mit  grossem  Wasserreich- 
thume  plötzlich  aus  der  Kalkwand  heraustreten,  um  nach  kurzem  Laufe  wieder 
in  gleicher  Weise  zu  verschwinden.  Sie  stellen  unseren  Herren  Geologen  grosses 
Interesse,  aber  auch  grosse  Beschwerden  in  der  Erforschung  in  Aussicht ! 

Die  Frage  der  Mineralwässer  war  uns  in  der  letzten  Zeit  durch  mehrere 
Anfragen  nahe  gerückt.  Unter  andern  sandte  Herr  k.  k.  Revierförster  Eduard 
Pauli  zu  Hryniawa  bei  Kuty  im  östlichen  Galizien  (Kolomea)  Proben  eines  sehr 
viele  schwefelsaure  Salze  enthaltenden  Schwefelwassers,  dessen  Quelle  erst  in 
der  letzten  Zeit  von  dem  gr.  k.  Pfarrer  zu  Fereskul,  am  weissen  Czeremoszflusse, 
hochw.  Herrn  Thaddäus  Wirsk , in  einer  Seitenschlucht  am  Bache  Fereskulski, 


Sitzung  am  29.  April.  W.  Haidinger. 


223 


[S] 


in  dem  südöstlichen  Zuge  des  karpathischen  Waldgebirges  iu  einer  Höhe  von 
2000  Fuss  über  dem  Meere  entdeckt  v^rden  war.  Die  Quelle  friert  im  Winter 
nicht  ab,  ihre  Temperatur  ist  7°  R.  Bei  dem  Umstande,  dass  sie  so  reich  an 
schwefelsauren  Salzen  ist,  und  die  eingesammelten  Proben  nicht  rein  von 
Schlamm  waren,  dürfte  wohl  die  Zersetzung  durch  organische  Theile  einen  Ein- 
fluss auf  den  Gehalt  an  Schwefelwasserstoff  genommen  haben. 

Gerade  in  den  letzten  Tagen,  wo  uns  eine  vorläufige  Nachfrage  um  gewisse 
Quellen  höchst  wichtig  war,  erhielten  wir  von  Herrn  Braumüller  zugesandt  das 
Werk:  „Die  Heilquellen  und  Curorte  des  österreichischen  Kaiserstaates  und  Ober- 
Italiens“,  nach  amtlichen  Mittheilungen  bearbeitet  von  Herrn  Dr.  August  Frei- 
herrn v.  Härdtl,  Badearzt  zu  Badgastein,  mit  Vorworte  der  Herren  Doctoren 
Oppolzer  und  Sigmund,  eben  erst  1862  erschienen.  Mineralwasser,  Quellen 
überhaupt  sind  so  innig  mit  der  geologischen  Beschaffenheit  des  Landes  verbunden, 
dass  wir  die  reiche  uns  gebotene  Übersicht  der  in  unserem  Kaiserreiche  so  weit 
verbreiteten  Erscheinungen  dieser  Art  mit  dem  grössten  Danke  annehmen.  Man 
hat  oft  die  Quellen  mit  wahren  Gebirgsarten , Lagermassen,  Gangausfüllungen 
verglichen.  Gewiss  dürfen  sie  auf  diese  Stellung  Anspruch  machen,  ja  in  ihrer 
fortwährenden  Bewegung  sind  sie  Urkunden  der  Veränderungen,  welche  in  dem 
stets  wechselnden  Zustande  des  festen  Theiles  unserer  Erdrinde  stattfinden.  So 
wie  sie  durch  ihre  Verwendung  der  menschlichen  Gesellschaft  unentbehrlich 
sind,  bilden  sie  einen  höchst  wichtigen  Abschnitt  unserer  geologischen  Studien, 
welchem  auch  unsere  Aufmerksamkeit  stets  gewidmet  bleibt. 

Mit  besonderem  Vergnügen  bewahren  wir  fortan  in  unserem  Archive  das 
von  Herrn  Sectionsgeologen  H.  Wolf  uns  dargebrachte  „Profil  der  k.  k.  pr. 
Kaiserin  Elisabeth-Westbahn“  in  dem  Maassstabe  von  SO  Klaftern  auf  einen  Zoll 
(1 : 35  000  der  Natur)  für  die  Längen  und  4 Klafter  auf  einen  Zoll  (1 : 2*800 
der  Natur)  für  die  Höhen.  Es  ist  dies  das  Original  der  Aufnahme,  von  welchem 
eine  Copie  eben  jetzt  in  der  Gesammtausstellung  der  österreichischen  Eisenbah- 
nen in  London  zur  Anschauung  gebracht  wird.  In  drei  Sectionen  gibt  es  die  Ver- 
hältnisse der  Abschnitte  von  Wien -St.  Pölten,  St.  Pölten-Amstetten,  Amstetten- 
Linz.  Herr  Wolf  begann  seine  Arbeiten  während  des  Baues  der  Eisenbahn  im 
Jahre  1858.  Das  Ergebniss  wird  uns  immer  als  ein  praktischer  Beweis  der 
Nützlichkeit  solcher  fortwährender  Untersuchungen  darbieten.  Herr  Wolf  be- 
nützte jede  in  den  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ihm  zur  Ver- 
fügung stehende  Zwischenzeit,  um  die  Daten  auf  zahlreichen  Ausflügen  aufzu- 
sammeln. Wir  gemessen  nun  die  Ergebnisse  seiner  Unternehmungslust  und  sei- 
ner Beharrlichkeit,  wie  sie  nur  aus  freiwillig  eingesetzter  Thatkraft  gewonnen 
werden.  Ein  wissenschaftliches  Ergebniss,  durch  die  Untersuchung  der  Fossil- 
reste, welche  Herr  Wolf  rasch,  wie  er  sie  gesammelt,  Herrn  Dr.  Rolle  im 
k.  k.  Hof-Mineraliencabinet  zur  Bestimmung  vorlegte,  bewiesen  ältere  und  ältere 
tertiäre  Tegelsedimente,  so  wie  man  sich  westlich  von  Wien  entfernt.  Die  neuen 
Arten  sind  von  dem  letzteren  in  dem  35.  Bande  der  Sitzungsberichte  der  Kaiser- 
lichen Akademie  der  Wissenschaften  1859,  S.  193  beschrieben.  In  einem  Be- 
gleitschreiben hebt  Herr  Wolf  hervor,  wie  viel  bei  Anlage  von  Eisenbahnen 
den  eigentlichen  Arbeiten  vorangehende  geologische  Untersuchungen  Vortheile 
zu  gewähren  im  Stande  sind,  indem  nur  dadurch  auch  die  Natur  der  Schichten, 
die  man  antrifft,  gehörig  gewürdigt  wird,  und  bezeichnet  auch  die  Richtungen 
zur  Beurtheilung  der  Verhältnisse.  Gerne  stimmen  wir  diesen  Ansichten  des 
strebsamen  Forschers  bei.  Mit  grösster  Befriedigung  sehen  wir  aber  auch  den 
günstigen  Einfluss,  welchen  wissenschaftliche  Ergebnisse  für  die  Anwendung, 
für  die  Praxis  gewähren,  in  immer  weiteren  Kreisen  anerkannt.  Gewiss  sind 

dd 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band.  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


224 


Verhandlungen. 


[«] 

die  innigsten  Beziehungen  nicht  zu  verkennen,  wie  wir  in  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  uns  so  oft  zu  überzeugen  Gelegenheit  finden.  Wir  werden  es  uns 
auch  gewiss  immer  angelegen  sein  lassen,  und  im  Einzelnen  so  weit  es  uns  nur 
immer  möglich  ist,  den  Bedürfnissen  unsers  Vaterlandes  uns  zu  weihen. 

Als  Fortsetzung  der  in  der  Sitzung  vom  4.  Februar  1862  (Jahrbuch  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Verhandlungen  Seite  175)  gemachten  Mitthei- 
lung, sprach  Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  über  die  Eisensteinlager  an  der 
West-  und  Nordseite  des  Beckens  der  silurischen  Grauwackenformation  Böhmens. 
„An  der  Westseite  des  Beckens,  und  zwar  westlich  von  Komorau  und  Cerhowice 
erscheinen  die  obersilurischen  Schichten  der  böhmischen  Grauwackenformation, 
so  wie  von  den  untersilurischen  Schichten  die  oberen  Abtheilungen  — die 
Hostomnicer  Schichten,  — nicht  mehr,  sondern  nur  die  tieferen  Abtheilungen 
der  untersilurischen  Schichten,  nämlich  der  Brda-  (Barr.  dz)  die  Kokvcaner, 
Komorauer  und  Krusnahora- Schichten  (Barr.  d{).  Dies  ist  auch  der  Grund, 
warum  die  eisensteinführenden  Komorauer  Schichten  an  zahlreicheren  Punkten 
zu  Tage  treten,  und  die  Eisensteinlager  durch  zahlreichere  Aufschlüsse  in  Berg- 
bauen bekannt  sind.  Überdies  haben  in  diesem  Terrain  Porphyre  mehrfache 
Hebungen  und  Entblössungen  der  Schichten  veranlasst,  und  die  Brdaschichten 
erscheinen  an  mehreren  Orten  (Cilina-Berg,  Trojan-Berg)  als  isolirte  Partien 
ringsum  von  Rokycaner  Schichten  umgehen.  Berghaue  auf  Eisensteine  befinden  sich 
auf  der  bezeichneten  Westseite  des  Beckens  am  Giftberg  bei  Hlawa  und  Klestenic 
nächst  Komorau,  bei  Kwaiu  und  Zagecow  nächst  St.  Benigna,  bei  Tien  und 
Strasic,  bei  Chesnowic,  am  Karisek-,  Borek-  und  Bukow-Berg.  Westlich  von 
Cerhowice,  die  Ausky-Zeche  bei  Holoubkau,  bei  Sweikowic,  bei  Pilsenec,  zu 
Klabawa,  Eipowic  und  Kischic;  westlich  von  Rokycan,  endlich  nördlich  von 
Wossek  bei  Brezina,  am  Ratschberg  und  Berchlow,  östlich  von  Radnitz.  Die 
wichtigsten  dieser  Bergbaue  sind  jene  der  Umgebung  von  Komorau,  St.  Benigna 
und  Rokycan.  Bezüglich  der  Lagerungsverhältnisse  führte  Herr  Bergrath  Lipoid 
die  Kwainer  und  Klabawa-Eipowicer  Zechen  beispiel weise  an.  ln  der  zur  Aerarial- 
herrschaft  Zbirow  gehörigen  Kwainer  Zeche  sind  drei  Erzlagen,  welche  Stunde 
4 — 5 (NO.,  15  — 30°  0.)  streichen,  und  mit  35°  in  NW.  einfallen,  und  welche 
durch  taube  Zwischenmittel  von  10  — 12  Klafter  getrennt  sind,  im  Streichen 
ungefähr  600  Klafter  weit  aufgeschlossen.  Das  Hangendlager  ist  3 Klafter,  das 
Mittel-  und  Hauptlager  1 Klafter  2 Fuss  und  das  Liegendlager  3 Fuss  mächtig. 
Die  beiden  ersteren  führen  linsenförmige  Rotheisensteine,  das  letztere  dichte 
Rotheisensteine.  Die  Erzlager  haben  jedoch  durch  Verwerfungen  und  Ver- 
drückungen vielfache  Störungen  erlitten.  In  der  Klabawaer  und  Eipowicer  Zeche 
werden  ebenfalls  drei  Erzlager  von  linsenförmigen  und  dichten  Rotheisensteinen 
und  Sphärosideriten,  je  1 — 2 Klafter  mächtig,  mit  tauben  Zwischenmitteln  von 
1 — 2 Klafter,  abgebaut.  Die  Erzlager  streichen  Stunde  7 (0.  15°  SO.),  und 
verflächen  30  — 45°  in  Süd,  haben  jedoch  gleichfalls  mehrfache  Verschiebungen 
im  Streichen  und  Verflächen  erlitten. 

An  der  Nordseite  des  Beckens  bilden  die  Komorauer  Schichten  einen 
zusammenhängenden  Zug,  der  sich  von  Zebrak  in  nordöstlicher  Richtung  bis 
Ptic  bei,  Swarow  erstreckt,  von  dort  an  von  Kreidebildungen  bedeckt  wird,  und 
in  der  Sarka  bei  Prag  wieder  zum  Vorschein  kommt.  In  diesem  Zuge  treten  an 
vielen  Punkten  die  den  Komorauer  Schichten  eigenthümlichen  linsenförmigen 
Rotheisensteine  auf,  und  sind  Grubenbaue  auf  dieselben  bei  Hredl,  Zdice,  Dubowa, 
Hiskow,  Libecow  und  Swarow  eröffnet.  Der  Eisensteinbau  bei  Zdice,  in  welchem 
ein  8 Klafter  mächttiges  Erzlager  steinbruchmässig  ausgebeutet  wird,  zeigt  eine 
dreimalige  Biegung  und  Verwerfung  des  Lagers.  Durch  Pfibramer  Schiefer 


Sitzung  am  29.  April.  M.  V.  Lipoid. 


225 


[*] 


von  dem  erwähnten  Zuge  getrennt,  erscheint  ein  paralleler  schmaler  und  isolirter 
Zug  von  Krusnahora-,  Komorauer  und  Brda-Schichten  zwischen  Hfebeny  und 
Otrosin  bei  Kubiow  und  Neu-Joachimsthal.  In  diesem  Zuge  sind  Eisensteinbaue 
nächst  Hfebeny,  am  Welisberg  und  an  der  Krusnahora.  Letztere  theils  ärarisch 
theils  fürstlich  Furstenbergisch,  haben  am  nördlichen  Gehänge  der  Krusnahora 
die  Erzlager  nach  dem  Streichen  über  1000  Klafter  weit,  und  nach  dem  Ver- 
flächen  150  Klafter  tief  aufgeschlossen.  Man  unterscheidet  an  der  Krusnahora 
drei  Lager  von  linsenförmigem  Rotheisenstein  (42  — 46  Procent  Eisen  enthal- 
tend) deren  Liegendes  oder  Hauptlager  5 — 6 stellenweise  selbst  8 — 10 
Klafter  Mächtigkeit  besitzt.  Verwerfungen  der  Lager  fehlen  auch  hier  nicht.  Das 
Streichen  derselben  ist  Stunde  4—6  (0.),  das  Einfallen  widersinnisch  35  — 50 
Grad  in  Süd.  Da  in  neuerer  Zeit  am  Südgehänge  der  Krusnahora,  deren  Kuppe 
aus  Brda-Schichten  besteht,  die  Komorauer  Schichten  mit  Erzlagern,  jedoch  mit 
widersinnischem  nördlichen  Einfallen  erschürft  wurden,  so  ist  dadurch  die 
muldenförmige  Lagerung  der  Schichten  nachgewiesen. 

Bei  Nucic  nächst  Tahlowic  mehr  gegen  das  Innere  des  sibirischen  Beckens 
steht  ein  8 Klafter  mächtiges  Eisensteinlager,  theils  von  Seite  der  fürstlich 
F ürs  te  n b er  g’schen  Werke,  theils  von  Seite  der  Prager  Eisenindustrie-Gesell- 
schaft (Kladno)  in  Tagbau.  Die  Erze  dieses  Lagers,  welche  in  Kladno  ein  Aus- 
hringen  von  35  — 40  Procent  gehen,  sind  im  Allgemeinen  gleichartig  den  Erzen 
der  Komorauer  Schichten  überhaupt.  Dennoch  ist  es  zweifelhaft,  ob  dieses  Erz- 
lager nicht  schon  den  höheren  Vinicer  Schichten  angehören.  Letzterer  Ansicht 
ist  Herr  Barrande,  während  Herr  L i p o 1 d auch  das  Nucicer  Erzlager  als  in 
Komorauer  Schichten  liegend  ansieht,  die  sich  in  gestörter  Lagerung  befinden. 

Es  ist  dies  ein  unermesslicher  Reichthum  an  Eisensteinen,  welchen  die 
silurischen  Komorauer  Schichten  von  Böhmen  bei  ihrer  vielen  Meilen  weiten 
Erstreckung  ringsum  im  Silurbecken  und  bei  ihrer  durchschnittlich  grossen 
Mächtigkeit  beherbergen;  in  der  ärarialischen  Grube  an  der  Krusnahora  enthalten 
allein  die  gegenwärtig  aufgeschlossenen  Erzmittel  15  Millionen  Centner 
Eisenstein. 

Herr  Lipoid  gedachte  auch  dankend  der  Herren  Bergverwalter  Heinrich 
Becker  in  Komorau,  k.  k.  Bergmeister  Anton  Auer  in  St.  Benigna,  k.  k.  Berg- 
meister Friedrich  Czerny  in  Wossek,  k.  k.  Bergmeister  Johann  Gross  und 
fürstlich  Fü  rste  nb  erg'scher  Markscheider  Otto  Mayer  in  Neu-Joachimsthal 
und  Bergmeister  Georg  Paulus  in  Pilsen,  welche  ihn  nicht  nur  bei  seinen  geo- 
logischen Aufnahmen  freundlichst  unterstützten  , sondern  ihm  auch  werthvolle 
Daten  über  die  Eisensteinlager  bereitwilligst  an  die  Hand  gaben. 

Herr  Bergrath  M.  V.  Lipoid  legte  ferner  eine  Reihe  von  Versteinerungen 
vor,  welche  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  als  Geschenke  eingelangt 
waren,  und  zwar  zwei  Stück  Kalkschiefer  aus  dem  Rothliegenden  von  Kalna  süd- 
lich von  Hohenelbe  in  Böhmen  mit  Fährten  von  Saurichnites  salamandroides 
Gein.,  das  eine  vom  Herrn  Bergbauunternehmer  Alois  Seifert,  das  andere  von 
Frau  Josephine  Kablik  in  Hohenelbe.  Frau  Kablik  hatte  nebstdem  noch  Iserin- 
Geschiebe  eingesandt.  Eine  Sammlung  von  100  Stück  Versteinerungen  aus  den 
Amaltheenmergeln  und  den  Kössener  Schichten  des  Enge-Thales  bei  Vils  in 
Tirol,  eingesendet  von  Herrn  Johann  Fl.  Kutschker,  k.  k.  Zollamts-Official;  aus 
den  Amaltheenmergeln:  Ammonites  Amaltheus  Schloth . , margaritatus  Montf. 
und  Ammonites  radians  Rein,  in  zahlreichen  und  einzelnen  ausgezeichneten 
Exemplaren;  aus  den  Kössener  Schichten:  Cardita  austriaca  Hau.,  Avicula 
Portlocki  und  Terebratula  sp.  ? Die  schätzenswerthe  Sammlung  war  von  einer 
genauen  Beschreibung  der  Localitäten  begleitet.  Endlich  eine  Sammlung  von 

rld* 


226 


Verhandlungen. 


[8] 


Tertiärpetrefacten  aus  der  Umgehung  von  Kovacs  im  mittleren  Lapos-  Gebiete 
Nord-Siebenbürgens,  eingesendet  von  Herrn  Franz  Posepny,  k.  k.  Kohlenschurf- 
leiter  in  Kovacs,  als  Beleg  zu  seiner  von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Ritter  Franz  von 
Hauer  in  der  Sitzung  am  18.  März  1862  (Verhandlungen,  Seite  192)  vorge- 
legten Karte  und  Beschreibung  des  bezeichneten  Gebietes.  Nach  den  Bestim- 
mungen des  Herrn  Dr.  Guido  Stäche  befinden  sich  darunter:  Aus  der  oberen 
Kalketage,  entsprechend  den  Leithakalken,  Pecten  latissimns  Desh.  und  Null i- 
poren;  aus  den  übrigen  der  oberen  Eocengruppe  vom  Alter  von  Ronca  ent- 
sprechenden Schichten,  Ostrea  fimbrioid es  Bolle , 0.  lamellaris  Desh. , Tcre- 
bratula  granulosa  Desh.»  T.  imbricataria  Lnmk.,  Cerithium  diaboli  A.  Brongti., 
Natica  crapatina  Desh..  Cardium  gratum  Desh.»  Mnctra ? sirena  Brongn ., 
Pecten  solea  Desh.  und  Planorbis  sp. 

Herr  Karl  M.  Paul  gibt  eine  Uebersicht  der  rhätischen,  Lias-  und  Jura- 
Bildungen  im  Bakonyer  Gebirge.  „Es  ist  bereits  wiederholt  hervorgehoben 
worden,  dass  das  Vertes-Bakonyer  Gebirge  aus  einem,  ziemlich  regelmässig  von 
Nordost  nach  Südwest  streichenden,  und  nach  Nordwest  verflächenden  Zuge 
rhätischer  und  triassischer  Gebilde  besteht , welche,  von  jüngeren  Schichten 
umsäumt,  die  topographische  Axe  des  Gebirges  bilden,  während  die  geologische 
(Hebungs-)  Axe  in  den  Graniten  des  Meleghegy  (Nordost  von  Stuhl weissen bürg) 
und  deren  südwestlicher  Fortsetzung,  den  krystallinischen  Kalken  des  Särhegy 
zu  suchen  ist. 

Ueber  die  triassischen  Glieder  des  erwähnten  Gebirgszuges  (Verrucano, 
Werfener  Schiefer,  Guttensteiner  Schichten,  Esino-Dolomit]  ist  bereits  von  Herrn 
v.  Hauer1)  und  mir  selbst2)  berichtet  worden,  es  erübrigt  nur  noch  über  die 
rhätischen  Glieder  desselben  (Dachsteinkalk  und  Hauptdolomit)  und  über  die  an 
dieselben  sich  anschliessenden  Lias-  und  Jura-Gebilde  einige  kurze  Notizen  mit- 
zutheilen. 

Der  Dacbstei  nkalk  und  der  mit  demselben  stets  einig  verbundene 
Dolomit  (die  relative  Grenze  konnte  bei  der  Uebersichtsaufnahme  nicht  überall 
scharf  ermittelt  werden,  im  Allgemeinen  nimmt  der  Kalk  stets  die  nordwestlichen, 
der  Dolomit  die  südöstlichen  Partien  des  Zuges  ein)  beginnt  östlich  von  Unter- 
Galla  als  zusammenhängender  Gebirgszug,  während  er  in  dem  unmittelbar  nörd- 
lich anstossenden,  von  Herrn  Professer  Dr.  Peters  untersuchten  Terrain3)  mehr 
in  isolirten  Kuppen  aus  der  Diluvial-  und  Neogen-Ebene  hervorragt;  setzt  dann 
in  südwestlicher  Richtung  bis  Moor  und  Söred  fort,  bildet  hier  östlich  von  Moor 
ihm  Czoka  die  höchste  Kuppe  dieses  Theils  des  Gebirgszuges  (1512  Fuss),  und 
bricht  dann  plötzlich  in  einer  auf  die  allgemeine  Streichungsrichtung  beinahe 
senkrechten  Linie  ab.  Das  hiedurch  entstehende  Querthal , nur  von  Alluvium, 
Diluvium  und  einigen  Spuren  von  Miocen-Gebilden  ausgefüllt,  bildet  zugleich  die 
Grenze  zwischen  dem  Vertes-Gebirge,  und  dem  südwestlich  von  der  Spalte  sich 
erhebenden  eigentlichen  Bakonyer  Walde,  in  dem  die  Fortsetzung  des  Dachstein- 
kalkzuges bei  Baiinka,  Isztimer  und  Kutti  auftritt,  und  sich  weiter  mit  gleichem 
südwestlichem  Streichen  und  nordwestlichem  Verflächen  wie  im  Vertes-Gebirge 
über  den  Köreshegy  (war  von  Palota)  Nagyhegy,  Poczos  und  Gyöngyöshegy 
fortzieht,  während  bei  Nagy  Estergar  von  diesem  Hauptzuge  ein  zweiter  Zug 
abzweigt,  der  sich  in  einem,  nach  Norden  convexen  Bogen,  dessen  nördlichste 
Partien  ungefähr  zwischen  Czesnek  und  Fenyöfö  liegen,  bis  in  die  Gegend  von 


*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  XII.  Bd.,  II.  Heft,  Verhandlungen  S.  164. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  XII.  Bd.,  II.  Heft.  Verhandlungen  S.  20a. 

8)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalf.  X.  Jahrg.,  IV.  Viertelj.,  Seite  483. 


Sitzung  am  29.  April.  K.  M.  Paul. 


227 


[9] 


Jako  und  Nemetbänya  erstreckt.  Die  Lage  der  Schichten  in  diesem  Nebenzuge 
ist  der  im  Hauptzuge  herrschenden  entgegengesetzt,  das  Fallen  im  Allgemeinen 
ein  südöstliches,  daher  auch  die  Dolomitpartien  hier  im  Gegensätze  zum  Haupt- 
zuge im  Nordwesten  des  Zuges  vorwiegen.  Das  Becken,  welches  durch  den 
Hauptdachsteinkalkzug  und  den  erwähnten  antiklinalen  Nebenzug  eingeschlossen 
wird,  ist  von  einer  reichen  Reihenfolge  jüngerer  Schichten,  von  Lias  bis  zum 
Diluvium,  ausgefüllt,  und  dürfte  nach  dem  ungefähr  in  der  Mitte  desselben  liegen- 
den Benedictinerstifte  am  besten  als  Becken  von  Zircz  bezeichnet  werden. 

In  petrographischer  Beziehung  unterscheidet  sich  der  Dolomit  in  keiner 
Weise  von  dem  Hauptdolomite  der  Alpen;  es  findet  sich  sowohl  die  charakteristi- 
sche weiss  gestreift,  als  auch  die  eigenthümlich  fettartig  glänzende  breccien- 
artige  Varietät  vertreten.  Der  Kalk  jedoch  zeichnet  sich  durch  auffallend  weisse 
Färbung  aus,  die  sich  im  Verlaufe  des  ganzen  Zuges  so  ziemlich  gleich  bleibt; 
nur  der  Hügel,  auf  welchem  die  Ruine  Czesnek  liegt,  und  dessen  nächste  Umge- 
bung wird  durch  eine  röthlich  gefleckte  und  stark  krystallinische  Varietät  gebildet, 
welche  leicht  mit  Hallstätter  Schichten  verwechselt  werden  könnte,  wenn  nicht 
deutliche  Spuren  der  Dachsteinbivalve  darin  beobachtet  worden  wären. 

In  paläontologischer  Beziehung  zeigten  die  in  Rede  stehenden  Bildungen 
die  gleiche  Armuth,  wie  in  anderen  Theilen  der  Alpen;  doch  wurde  Megalodon 
triqueter  an  vielen  Stellen  beobachtet;  so  im  Vertes-Gebirge  am  Czoka  bei  Moor 
im  Bakonyer  Walde  bei  Oszlop,  Czesznek,  Kardosret,  Porwa  etc.;  an  einer  Stelle 
zwischen  Olaszfalu  und  Puszta- kis-Tees  fanden  sich  ausser  der  Dachsteinbivalve 
Durchschnitte  von  Gasteropoden  und  Korallen  und  eine  glatte  Terebratel,  leider 
alles  in  zu  geringer  Anzahl  und  schlechter  Erhaltung,  um  eine  Bestimmung  zu 
ermöglichen.  Bei  einer  dereinstigen  Detailaufnahme  dieses  Terrains  dürfte  in- 
dessen eine  sorgfältige  Ausbeutung  dieser  Localität  interessante  Bereicherungen 
für  die  Fauna  der  in  Rede  stehenden  Schicht  ergeben. 

Das  unmittelbare  Hangende  des  Dachsteinkalkes  sind  Lias-Bildungen, 
welches  sammt  den  mit  ihnen  in  Verbindung  stehenden  Repräsentanten  des  brau- 
nen und  weissen  Jura  ihre  Hauptverbreitung  in  dem  obenerwähnten  Zirczer 
Becken  haben.  Sie  treten  in  demselben  am  Südrande  des  nördlichen,  und  am 
Nordrande  des  südlichen  Dachsteinkalkzuges  auf,  verschwinden  mit  dem  (Neben-) 
Zuge  bei  Nemetbanya  unter  den  Neogenbildungen , setzen  aber  am  Nordrande 
des  südlichen  (Haupt-)  Zuges,  da  der  Becken  gegen  Südwesten  offen  ist,  in 
einem  von  jüngeren  Bildungen  häufig  unterbrochenem  Zuge  bis  Urkut  fort.  Aus- 
ser diesen  findet  sich  im  Bakonyer  Walde  nur  auch  an  einer  Stelle,  zwischen 
Isztimer  und  Czernye,  eine  isolirte  Partie  eines  hiehergehörigen  Mergels,  der 
sich  am  Nordrande  des  Gebirges  eine  kurze  Strecke  lang  zwischen  dem  Dach- 
steinkalke und  den  Eocenbildungen  einschaltet.  Im  Vertes-Gebirge  fehlen  die  in 
Rede  stehenden  Gebilde  gänzlich,  mit  einziger  Ausnahme  einer  kleinen  Partie 
jurassischen  Krinoidenkalkes,  welche  bei  Zsemlye  mitten  aus  den  Eocenschichten 
herausragt,  und  offenbar  als  Fortsetznng  der  durch  Herrn  Dr.  Peters  oben- 
citirten  Abhandlung  bekannten  Totisen- Vorkommnisse  betrachtet  werden  muss. 

Es  lässt  sich  in  dem  untersuchten  Terrain  folgende  Gliederung  der  hierher 
gehörigen  Gebilde  erkennen: 

I.  Lias,  a)  Fleckenm  ergeh  Weisse  oder  hellgraue,  dunkelgefleckte, 
dünngeschichtete,  hornsteinführende  Mergel.  Sie  liegen  an  der  erwähnten  Stelle 
zwischen  Isztimer  und  Czernye,  und  bei  Kardosret  (nördlich  von  Zircz)  unmittel- 
bar auf  Dachsteinkalk.  Petrefacte  wurden  nicht  in  denselben  aufgefunden. 

bj  Adnether  Schichten.  Rothe,  theils  thonige, theils  krinoidenführende 
Kalke.  Sie  liegen  bei  Kardosret  concordant  auf  den  Fleckenmergeln,  an  anderen 


228 


Verhandlungen. 


[10j 


Stellen  konnte  ihre  unmittelbare  Unterlage  nicht  beobachtet  werden.  Nur  an  zwei 
Punkten  wurden  ausser  den  Krinoiden,  Petrefacte  darin  aufgefunden,  nämlich 
zu  Kardosret  Ammonites  discoides  Ziet.  nebst  anderen,  unbestimmten  Ammo- 
niten und  Orthoceratiten,  bei  Urkut  Ammonites  Jamesotii  Sow.,  ein  nicht  näher 
bestimmbarer  Ariet,  und  die  gewöhnlichen  Orthoceratiten  des  alpinen  Lias. 
Wenn  man  bedenkt,  dass  Amm.  discoides  in  Schwaben,  Frankreich  und  England 
streng  auf  die  oberste  Schicht  des  obern  Lias,  Amm . Jamesoni  ebenso  aus- 
schliesslich auf  die  unterste  Hegion  des  mittleren  Lias  beschränkt  ist,  so  durfte 
es  vielleicht  bedenklich  erscheinen,  die  Schichten  von  Kardosret  und  Urkut 
mit  einander  zu  vereinigen;  da  aber  beide  die  Facies  der  alpinen  Adnether 
Schichten  auf  das  Ausgesprochenste  an  sich  tragen,  und  ein  Material  von  2 Species 
dennoch  zu  dürftig  ist,  um  theoretische  Folgerungen  daraus  zu  ziehen,  so  muss 
die  Aufhellung  dieses  Punktes  späteren  Zeiten  überlassen  bleiben. 

c ) Hierlatz-Sc  hi  chten.  Der  nördliche  Dachsteinkalkzug  bildet  im  Körös- 
hegy  (NNO  v.  ßakonybel  2238  Fuss)  die  höchste  Kuppe  des  Bakony-Yertes- 
Gebirges.  Um  diese  Kuppe  lagert  sich,  von  anderen  Liasschichten  isolirt,  eine 
kleine  Partie  eines  hellrothen,  sehr  brachiopodenreichen  Krinoidenkalkes  herum, 
welcher  ein  sicheres  Aequivalent  unserer  alpinen  Hierlatzschichten  darstellt  Es 
fanden  sich  nämlich  darin: 

Rhynchonella  Fraasi  Opp. 

„ polyptycha  Opp. 

Terebratula  (WaldheimiaJ  mntabilis  Opp. 

„ „ nimbata  Öpp. 

Spiriferina  alpitia  vor.  Opp. 

Alle  Species  mit  Exemplaren  vom  Hierlatz  genau  stimmend. 

11.  Jora.  a)  Unmittelbar  auf  den  Adnether  Schichten  von  Kardosret  liegt  eine, 
in  dem  Gebiete  vielfach  verbreitete  Ablagerung  eines  theils  gelblichweissen, 
theils  röthlichen  dichten  Kalksteins,  in  dem  ausser  einer  seltenen  und  unbe- 
stimmbaren Terebratel  keine  Petrefacten  Vorkommen,  daher  es  unsicher  ist,  ob 
derselbe  noch  dem  Lias  oder  schon  dem  braunen  Jura  zuzuzählen  ist.  Wo  ein 
Hangendes  derselben  zu  beobachten  ist,  sind  es  stets  Krinoidenkalke,  diese  sind 
jedoch,  trotzdem,  dass  sie  überall  petrographisch  gleich  sind,  keineswegs  eine 
einheitliche  Schicht,  sondern  es  finden  sich  die  Repräsentanten  verschiedener 
Etagen  darin  vertreten.  So  ist  b der  rothe  Krinoidenkalk,  der  in  dem,  dem 
Stifte  Zircz  gehörigen  Steinbruch  zu  Olaszfalu  (SO.  von  Zirez)  aufgeschlossen 
ist,  und  zahlreiche,  leider  meist  schlecht  erhaltene  Brachiopoden  enthält,  durch 
Terebratula  dorsoplic ata  als  dem  braunen  Jura  angehörig  charakterisirt. 
Dieser  Krinoidenkalk  wird  hier  von  der  Kreide  angehörigen  Radiolithenschichten 
überlagert , daher  die  Localität  für  das  Studium  der  Lagerungsverhältnisse 
der  Juraschichten  sehr  ungünstig  ist.  c)  Einem  entschieden  höheren  Niveau 
gehört  der  weisse  Krinoidenkalk  von  Herend,  und  der  rothe,  hornsteinführende 
von  Urkut  an;  es  finden  sich  darin  Rhynchonella  lacunosa,  Terebratula  bisuf - 
farcinata  und  substriata,  lauter  dem  oberen  Jura  entsprechende  Formen. 
d ) Ein  etwas  tieferes  Niveau  als  der  vorhergehende  scheint  der,  den  östlich  von 
Bakonybel  gelegenen  Somhegy  zusammensetzende  rothe  cephalopodenführende 
Krinoidenkalk  einzunehmen.  Von  dieser  Localität  kamen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  durch  die  Herren  Hofrath  v.  Schwabenau  und  Prof.  Dr.  Korn- 


t)  Die  Bestimmung  der  Brachiopoden  verdanke  ich  der  Güte  der  Herren  Prof.  Suess  und 
Dr.  Zitteh 


229 


[11] 


Sitzung  am  29.  April.  M.  Paul. 


huber  Suiten  von  Ammoniten  zu,  aus  denen  es  mir  gelang  folgende  Species 
zu  bestimmen: 


Ammonites  ptychoicus  Quenst. 
„ Zignodianus  d’  Orb. 
„ Kudernatsclü  Hau. 


Ammonites  dimorphus  d’ Orb. 
„ biplex  Sow. 

„ Achilles  d’  Orb. 


Rhätisch 


Im  Allgemeinen  sind  an  dieser  L°calität  die  Heterophylieri  an  Individuen- 
anzahl  bei  weitem  vorwiegend,  unter  ihnen  wieder  Am.  ptychoicus  am  häufig- 
sten; derselbe  kam  uns  auch  von  einer  zweiten  Localität  (zwischen  Epleny  und 
Lokut)  zu.  Wenn  auch  petrographisch  nicht  sehr  ähnlich,  dürften  sich  die  Kalke 
des  Somhegy  wohl  noch  am  besten  den  alpinen  Klausschichten  parallelisiren  lassen, 
obwohl  die  Planulaten  für  ein  etwas  jüngeres  Niveau  zu  sprechen  scheinen. 

Es  ergibt  sich  somit  für  die  Jura-  und  Lias-Bildungen  des  Bakonyer  Waldes 
folgende,  freilich  noch  mancher  Vervollständigung  bedürftige  Reihenfolge: 
Weisser  Jura.  . . . Weisser  Krinoidenkalk  von  Herend. 

Cephalopodenkalk  von  Somhegy. 

Brauner  Jura  ....<(  Rother  Krinoidenkalk  von  Olaszfalu. 

Weisser  und  röthlicher  dichter  Kalk. 

Adnether  Schichten  von  Kardosret. 

Lias Adnether  Schichten  von  Urkut,  Hierlatz  - Schichten  von 

Köröshegy,  Fleckenrnergel  von  Kardosret  und  Czernye. 
Dachsteinkalk. 

Hauptdolomit. 

Herr  H.  Wolf  sprach  über  die  geologischen  Verhältnisse  des  Kalnikgebirges 
und  der  Umgebungen  von  Warasdin-Teplitz  in  Croatien,  wo  er  in  Gemeinschaft 
mit  Herrn  Bergrath  Foetterle  im  Sommer  1861  eine  Uebersichtsreise  durch- 
zuführen hatte. 

Ueber  diese  Gebiete  liegen  schon  ältere  Mittheilungen , von  den  Herren 
Ludwig  v.  Vukotinovic  und  K.  Ritter  v.  H a u e r in  unserem  Jahrbuche  vor,  und 
zwar  über  Warasdin-Teplitz,  3.  Bd.,  3.  Heft,  pag.  13,  und  9.  Band,  1 Heft,  pag. 
163.  Dann  über  das  Kalnikgebirg,  im  4.  Band,  3.  Heft,  pag.  330,  und  es  sind  da 
die  geologischen  Verhältnisse  so  ziemlich  richtig  dargestellt.  Doch  gestatten  sie 
einige  genauere  Bestimmungen.  Das  Kalnikgebirge  erhebt  sich  ungefähr  bis  zu 
2000  Fuss  Höhe,  liegt  8 Meilen  NO.  von  Agram  und  3 Meilen  SSO.  von  Warasdin 
und  bildet  eine  der  Wasserscheiden,  zwischen  der  Save  und  der  Drau.  Es  streicht 
genau  von  WSW.  gegen  ONO.,  hat  eine  etwas  divergirende  Stellung  gegen 
das  Ivancicer  Gebirge,  und  nähert  sich  mehr  der  Streicbungslinie  des  Agramer 
Gebirges.  Die  beiden  eben  erwähnten  Gebirge  zeigen  verschiedene  geologische 
Verhältnisse,  die  sich  im  Kalnikgebirge  ausgeglichen  finden,  so  dass  man  sagen 
kann,  das  Kalnikgebirge  nehme  eine  Mittelstellung  in  seiner  geologischen 
Zusammensetzung  zwischen  den  vorerwähnten  Gebirgszügen  ein.  Das  Kalnik- 
gebirge, welches  durch  die  Strasse  Warasdin -Agram , bei  Hum  westlich, 
und  durch  die  Strasse  von  Warasdin-Teplitz  gegen  Kreuz,  östlich  begrenzt 
gedacht  werden  kann,  zeigt  in  dieser  Weise  eine  Längenaxe  von  dritthalb  Meilen 
und  da  es  im  Norden  durch  den  Bednyafluss,  im  Süden  aber  durch  die  an 
seinem  Fusse  gelegenen  Ortschaften  begrenzt  wird,  eine  Breite  von  einer  Meile. 

Die  ältesten  Gesteine,  die  hier  auftreten,  sind  dunkle  Schiefer  und  zum 
Theile  feinkörnige  graue  Sandsteine  mit  Conglomeraten  aus  krystallinischen 
Gesteinen  zusammengesetzt,  wie  an  der  Strasse  nördlich  vom  Ludovetzsattel  zu 
bemerken  ist.  Diese  Gesteine  setzen  von  hier  bis  in  das  Kreuzer  Regiment,  in 
die  Gegend  von  Apatovec  fort,  und  sind  an  mehreren  Stellen  von  Diabasgestei- 
nen durchbrochen,  wie  am  Sattel  zwischen  Vojnovec  und  Lujbesica , dann  im 


230 


Verhandlungen. 


[12] 


Kamesnicabache,  nördlich  von  Kamesnica.  Herr  v.  Vukotinovic  betrachtete 
diese  Sandsteine  und  Schiefer  als  Grauwacke,  eine  nähere  Bestimmung  ist  noch 
nicht  möglich.  Als  zunächst  -jüngeres  Gebirge  erscheinen  Hallstätter  oder 
Esino-Dolomite  und  Kalk,  beide  räumlich  von  einander  getrennt  durch  einen 
Braunkohlensandstein,  der  den  älteren  Kern  inselart ig  abschliesst. 

Die  Dolomite  erscheinen  bei  Lujbesica  am  Bednyabache.  Die  Kalke,  in  der 
Thalsohle  des  Kamesnicabaches,  NW  von  Ossek.  Bei  Vojnovec  nördlich  erschei- 
nen dann  rothliche  Kalke;  Bruchstücke  von  rothen  Krinoiden-Kalken  fanden 
sich  hei  Apatovec,  sie  sind  Glieder  der  Juraformation,  und  bilden  einen  Haupt- 
theil  des  Kalkgebirges  bei  Kalnik.  Weisse  Kalke  von  dichtem  Gefüge  und 
splittrigem  Bruch  liegen  darüber,  sie  zeigen  Korallendurchschnitte  und  sind  mit 
jenen  im  Gebiete  von  Oresje  dolnje,  den  Hippurites  Cornu  Vaccinum  führen- 
den Kalken,  gänzlich  gleich.  Die  Anwesenheit  der  Kreide  ist  auch  durch  graue 
Mergel  im  Sattel  von  Sudovec  gegen  Grana  erwiesen,  in  welchem  zwar  nicht 
häufig  Terebrateln  erscheinen,  welche  der  Terebratula  semiglobosa  aus  dem 
Pläner  Böhmens  oder  den  Kreidemergeln  von  Lemberg  zunächst  zu  vergleichen 
sind.  Diese  Gesteine  bilden  den  Kern  des  Kalnikgebirges,  an  welchen  sich  nun 
die  braunkohlenführenden  Sandsteine,  die  Leithakalke  mit  Pecten  latissimus  und 
Ostrea  callifera , darüber  die  grauen  und  weissen,  den  Cerithienschichten  zu 
parallelisirenden  Mergel,  und  endlich  die  Congerienschichten  zonenförmig  an- 
lagern, die  dann  vom  Löss  weit  übergreifend  bedeckt  werden. 

Am  Schlüsse  der  Sitzung  sprach  Herr  Director  Haidinger  noch  seinen 
Dank  aus,  den  hochverehrten  Herren,  welche  uns  in  der  heutigen  sowohl,  als  in 
den  Sitzungen  des  ganzen  verflossenen  Winters  durch  ihre  werthvollen  Vorträge 
und  Mittheilungen  erfreut  so  wie  den  hochverehrten  Theilnehmern  an  dem  Besuche 
der  Versammlungen  selbst,  welche  uns  durch  ihre  Gegenwart  und  ihr  Wohl- 
wollen reiche  Anregung  gewährten,  und  seinen  Wunsch,  nach  einem  Sommer  voll 
reicher  Ergebnisse  wieder  auf  ein  fröhliches  Zusammentreffen  am  zweiten  Dinstag 
im  November  (11.)  hoffen  zu  dürfen. 


[1]  Die  allg,  Farbentafel  für  die  10  geol.-col.  Karten  der  internat.  Ausstellung  in  London  1862.  23 1 

Die  allgemeine  Farbentafel 

für  die 

zehn  geologisch-colorirten  Karten  der  internationalen  Ausstellung  in  London  1862. 


Angeschlossen  an  die  Ausstellung  der  zehn  geologisch-colorirten  Karten,  ist  denselben 
noch  eine  Gesammt-Farbentafel  beigegeben,  welche  sich  gleichzeitig  auf  sämmtliche  in  den- 
selben vorkommende  Schichten-  und  Massengesteine  bezieht.  Nicht  weniger  als  174  ver- 
schiedene Farbentöne  und  Verbindungen  von  Farben  und  Linien  kommen  in  derselben  zur 
Anwendung.  Hier  genügen  sie  für  die  allgemeine  Uebersieht.  Für  einzelnes  genaueres  Studium 
werden  sie  noch  durch  die  Ziffern  unterstützt.  Man  wird  bemerken,  dass  von  der  anfäng- 
lichen Zahl  l (Alluvium)  an,  das  Fortschreiten  absteigend  immer  tiefere  und  tiefere  Schichten 
trifft,  bis  zu  Nr.  96  und  97  den  Sandstein,  Schiefer  und  Kalkstein  der  Steinkohlenformation. 
Die  Reihe  der  B a r ra  n d e’schen  Bezeichnungen  von  B bis  H,  den  Pffbramer  Schiefern 
Nr.  98  bis  zu  den  Hluboceper  Schichten  Nr.  112  ist  wieder  aufsteigend,  worauf  dann  wieder 
wie  früher  Kieselschiefer  Nr.  113  bis  zum  Quarzfels  Nr.  127  im  Ganzen,  Grossen  absteigend 
folgen.  Aber  auch  dies,  besonders  in  der  ersten  Abtheilung  von  Nr.  1 bis  Nr.  97  ist  nicht  so 
zu  verstehen,  dass  jede  einzelne  Nummer  in  dem  allergenauesten  Altersverhältnisse  unter  der 
andern  folgte.  Mehrere  derselben  bilden  im  Gegentheil  von  einer  Karte  zur  andern,  von  einem 
Kronlande  zum  andern  äquivalente  Horizonte,  oder  es  lässt  sich  in  dem  einen  nur  eine  all- 
gemeine Angabe  begründen,  während  anderwärts  eine  Scheidung  in  mehrere  aufeinanderfolgende 
Schichtensysteme  sich  sehr  gut  durchführen  lässt.  Ja  der  gleiche  Farbenton  ist  in  entfernten 
Gegenden  zuweilen  für  sehr  Verschiedenes  angewendet.  Dies  ist  aber  ja  gerade  der  Charakter 
fortschreitender  Forschung.  Nicht  als  theoretische  Classifieirung  sind  die  Namen  der 
Schichten  hier  gegeben,  wie  in  einem  geologischen  Lehrbegriffe,  sondern  so  wie  sie  uns  bis 
jetzt,  entsprechend  der  grösseren  oder  geringeren  Genauigkeit,  mit  welcher  sie  mehr  oder 
weniger  in  das  Einzelne  gehende  Aufnahmen  zu  geben  vermochten,  sich  durch  das  Studium 
darstellten.  Es  ist  dies  jetzt,  aus  Veranlassung  der  Ausstellung  ein  vorläufig  gewonnener  fester 
Punkt  und  Abschluss.  Die  Massengesteine,  vom  Granit  Nr.  128  beginnend  bis  zu  den  erloschenen 
Vulcanen  Nr.  160  im  Ganzen  mehr  aufsteigend  Die  Schlussgruppe  der  verschieden  Beziehungen 
Nr.  16!  Kohlen  bis  zu  den  Gängen  174  bezeichnet  eben  nur  Einzelnes,  ohne  bestimmte 
Altersbeziehung.  Eines  möchte  noch  erwähnt  werden,  dass  wo  sich  eine  Bezeichnung  auf 
wenige  Länder  bezieht,  dies  durch  den  beigefügten  Namen  und  Nummer  der  Karte  in  der 
Ausstellung  angedeutet  ist. 


(Alluvium. 
jTorf. 
iKalktuff. 

| Kalktu  ff.  Ungarn  (7). 

'Erratisches.  Galizien  (10). 

(Erratische  Blöcke.  Oesterreich  (1). 
iMoränen.  Steiermark,  Kärnthen  (3). 
vLöss. 

[Schotter  und  Conglomerat. 

[Schotter  u.  Conglom. 

/'Süss  wasserkalk. 


Süsswasserquarz. 
Süsswasserkalk. 
iSchotter. 
ICongeriensand. 


Böhmen  (4). 
Ungarn  (7). 


Ungarn  (7). 


Oesterr.  (1). 
Ungarn  (7). 


Congerientegel. 

Cerithienschichten. 

.:Ü  \Cerithienkalk. 

JSand  und  Sandstein. 

H fLeithakalk. 

f Leithaconglomerat. 

( Tegel  von  Baden. 
\Braunkohlensystem.  Steiermark  (3). 
= /'Menilitschiefer.  Oesterreich  (1). 

® iMenilitschiefer.  Galizien  (10). 

W ySüsswasserbildung.  Ungarn  (7). 

£ \ Jüngerer  Karpathensandstein. 

Galizien  (10). 
Sandstein.  Tirol  (5). 

Schotter  und  Thon.  Ungarn  (7). 


I 


30  w 

31  Z = 

32  | | 

33  £ w 


34 

35 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

46 

47 

48 

49 

50 

51 

52 

53 

54 

55 

56 

57 

58 


— a> 

® o 

c ® 

dH 


Nummulitensandstein.  Oesterr.  (1). 
Conglomerat.  Istrien  (3). 

Nummulitenkalk. 
Haupt-Nummulitenschichten. 

Siebenbürgen  (9). 
(Süsswassergebilde.  Siebenb.  (9). 


iCosinaschichten 
Conglomerat. 
/Mergelsandstein. 
I Kalkstein. 
Conglomerat. 


Istrien  (3). 
Siebenb.  (9). 

fGosau,  Oester- 
( reich  (1). 


Scaglia.  Lomb.-Venetien.  (6). 

Senoniensandstein.  ) x , . 
Senonienkalk.  f Istr,en 

Hippuritenkalk.  L.-V.  (6),  Ung.  (7). 
Rudistenkalk.  \ 

Radiolithenkalk.  ( 

Schiefer  von  Comen.f 
/Radiolithendolomit.  ) 
Caprotinenkalk.  Istr.  (3),  Ung.  (7). 
Baculitenschichten. 

Pläner. 

Oberer  Quader. 

Quadermergel. 

Quadersandstein. 

Gault  und  Seewer. 

Spatangenkalk. 

Neocomdolomit. 

Mergel. 

Teschenerschiefer. 


Istrien  (3). 


Böhmen  (4). 


Tirol  (5). 

Ungarn- (7). 
Galizien  (10). 


ee 


232  Die  allg.  Farbentafel  für  die  10  geol.-col.  Karten  der  internat.  Ausstellung  in  London  1862.  [2] 


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/'Wiener  Sandstein. 

^ \Rossfelderschichten. 


Salzb.  (2) 

( Tir.  (5) 

UJ  iAptychenschiefer. 

(Biancone  u.  Majolica.  Lomb.Ven.  (6) 
/Wealden.  Oesterreich  (1 ) 

i Weisser  Kalkstein.  Oesterreich  (1) 
e 1 Plassenkalk,  Strambergerschichten. 
*4=  \ Oest.  (1),  Istr.  (3),  Banat  (8) 


JVilsersehichten. 

Klausschichten. 


i \Klaussehichten  mit 
^ J Hornstein. 


Ungarn  (7) 
Oesterr.  (1) 


I W oltschacherkalk, 
f Krinoidenkalk. 


Oesterr.  (1 ). 
1,-V.  (6). 


Ungarn  (7) 
Istrien  (3) 
Oesterr.  (1] 
VOolithischer  Kalk.  istr.  (3)  L.-V.  (6) 
/Hierlatz-  und  Adnethschiehten. 
a 1 Fleckenmergel. 

•2  VKössenerschichten. 

| jDachsteinkalk. 

'5  /Dachsteindolomit. 

^ jGrestener  Kalkstein. ) 

« I Grestener  Dolomit.  ^ 

J ( Grest.  Rauchwacke.  ) 
yGrestener  Sandstein. 

/Rai  bl  er  u.  St.  Cas-)  Kärnthen, 

sianerschichten.  > Krain  (3). 

St.  Cassianersch.  )Tir.(5),Ven.  (6). 
Grossdornerschichten.  Krain  (3). 

Hallstätterkalk. 

Hallstätterdolomit. 

Esino  u.  Hallstätterschichten.  Tir.(5). 
Triasdolomit.  Ungarn  (7). 

Guttensteiner  Kalk. 

Guttensteiner  Dolomit. 

Guttensteiner  Rauchwacke. 
Radstätter  Kalk.  ) c . . /-.> . 

Radstätter  Schiefer,  j Z Ul^ 

\Werfener  Schiefer. 

Rothliegendes.  Böhmen  (4). 

Aelterer  rother  Sandstein.  Gal.  (10). 
.g  Ji  ^ (Sandstein  und  Schiefer. 

£ £ (Kalkstein. 

00  / Pribramer  Schiefer. 

I Pribramer  Grauwacke, 
gl  Ginecer 
£ I Krusnahora 

0 lKomorauer 
03  mokvcaner 
•=  Brda 

1 /vs„:-«jZahoraner  > 

Hostonmitzer’ 

Grünstein 
Kossower 
jLittener 
'Kuhelbader 
Konepruser 
Braniker 
\Hluboceper 

S Kieselschiefer. 

Alaunschiefer. 

Grauwackensand-)  Oest.  (1), St.  (3), 
stein  u.  Grauw.  K.f  Ung.  (7,  8,  10). 


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I ** 


153 

154 

155 

156 


co 


c n 


'Thonschiefer. 

Chloritschiefer. 

Talkschiefer. 

lAmphibolschiefer. 

| Kalkglimmerschiefer. 
Körniger  Kalkstein. 
[Glimmerschiefer. 

|G  nei88. 
fGranulit. 

Greisen. 

„Quarzfels. 


|-  Böhmen  (4). 


Granit. 

Granitit.  Böhmen  (4). 

Syenit. 

Syenit-Porphyr.  Böh.  (4),  Ban.  (8). 
Amphibolit.  Böhmen  (4). 


ßklogit. 

Diorit. 

Diorit. 

Diorit. 

Aphanit. 
Grünstein. 
Serpentin. 
Gabbro. 

Porphyr. 

Grüner  Porphyr. 
Porphyr. 
Melaphyr. 
Melaphyr 


Kärntht-n,  Steierm.  (3). 
Oesterr.  (1),  Banat  (8). 

Tirol  (5). 

| Böhmen  (4). 


Böhi 


Ungarn  (7). 
m.  (4),  Kiirnth.  (3) 
Böhmen  (4). 

Tirol  (5). 
Ungarn  (7). 
Tirol  (5). 
Melaphyr-Tuff.  Lomb.-Ven.  (6). 

Augitporphyr.  Tirol  (5). 

Augitporphyr.  Ungarn  (7). 

Augitporphyr-Tuff.  Tirol  (5). 

Dioiit-Tuff.  i Steiermark  (3). 

Porphyr-Tuff.  f v J 

Gi  ünstein-Trachyt.  Ungarn  (7), 

Siebenbürgen  (9). 


Phonolith. 

Grauer  Trachyt. 
Rhyolith. 

Trachyt-Tuff  und 
Conglomerat. 
Basalt. 

Basalt. 
jBasalt-Tuff. 
/Erloschene  Vulcane. 


Böhmen  (4). 
Ungarn  (7), 
Banat  (8), 

Siebenb.  (9). 

Ungarn. 

Böhmen  (4 ). 


(Kohle. 

Erdbrand.  Böhmen  (4). 

Steinsalz.  Oesterr.  (1),  Sieb.  (9). 
Salzformation.  Galizien  (10). 

[Plastischer  Thon.  ) 

|Schieferthon.  > Böhmen  (4). 

/Polierschiefer.  ) 

Gyps.  Ungarn  (7). 

Gyps. 

jGraphit.  Oesterr.  (1),  Böh.  (4). 

/Eisenstein. 

/Magneteisenstein.  Böhmen  (4). 
I Porzellanerde.  Oesterreich  (1). 

Gänge  und  Stöcke.  Oesterreich  (1), 
\ Böhmen  (4) . 


Jahrbuch 


12.  ßand. 


der  k.k. geologischen 
Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  III. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Bericht  vom  31.  Mai  1862. 


Rascher  im  Fortgang  als  in  den  letztverflossenen  Jahren  eröffnet  sich  der 
diesjährige  Sommer.  Schon  am  5.  Mai  durfte  der  Director  der  k.  k.  geologischen  u 
Reichsanstalt  an  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät  den  ehrfurchtvollsten 
Dank  in  aller  gnädigst  gewählter  Privat-Audienz,  auch  dieses  Mal  wie  früher 
huldreichst  aufgenommen,  darbringen.  Dieses  Mal  besonders  gehoben  durch  die 
unvergessliche  Allergnädigste  Besichtigung  der  Arbeiten,  der  Räume  und 
der  reichen  Sammlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  verflossenen 
lo.  Februar. 

Auch  die  in  tiefster  Ehrfurcht  an  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät 
am  28.  April  unterbreiteten  geologisch-colorirten  Karten  und  Druckwerke  wur- 
den mit  gleicher  Huld  wie  in  den  früheren  Jahren  All ergnädigst  entgegen- 
genommen. 

Unsere  Aufnahmsarbeiten  haben  nach  beiden  Richtungen,  nördlich  und  süd- 
lich begonnen.  Nach  der  letztem  Richtung  hatte  die  Abreise  der  Herren 
Dr.  Guido  Stäche  und  Dr.  Karl  Zittel  nach  Dalmatien,  und  der  Herren  Dionys 
Stur  und  Dr.  Ferdinand  Stoliczka  nach  der  croatischen  Militärgrenze  bereits 
vor  unserer  letzten  Sitzung  am  29.  April  stattgefunden.  Seitdem  sind  auch  Herr 
k.  k.  Bergrath  Lipoid,  so  wie  die  Herren  H.  Wolf,  F.  Freiherr  v.  Andrian 
und  K.  Paul  nach  Böhmen  abgegangen.  Es  wurde  bereits  in  der  Sitzung  am 
29.  April  der  freundlich  wohlwollenden  Aufmerksamkeit  und  Theilnahme  gedacht, 
mit  welchen  ausser  den  vorbereitenden  Empfehlungen  der  hohen  k.  k.  Ministe- 
rien, auch  von  der  k.  k.  priv.  Südbahn- Gesellschaft  durch  Frei-Fahrkarten 
erster  Classe  und  von  der  Dampfschifffahrts-Gesellschaft  des  k.  k.  priv.  österr. 
Lloyd  durch  Erleichterung  der  Fahrten  auf  den  adriatischen  Dampfschifffahrts- 
Linien  gesorgt  war.  Gleicher  Begünstigungen  erfreuen  wir  uns  auch  in  Frei- 
Fahrkarten  erster  Classe  für  die  nördlichen  Linien  der  k.  k.  priv.  österr.  Staats- 
Eisenbahn-Gesellschaft,  und  der  k.  k.  ausschl.  priv.  Kaiser  Ferdinands-Nordbahn. 

— Es  reiht  sich  die  freundliche  Aufnahme,  welche  die  Eröffnung  unseres  An- 
liegens fand,  ganz  jener  wohlwollenden  Förderung  an,  deren  sich  unser  treff- 
licher Landsmann  Dr.  Karl  Scherzer  erfreute,  als  er  an  der  Panama-Bahn  von 
der  Seite  des  stillen  Meeres  anlangte.  Der  Director  der  Eisenbahn,  Herr  Center, 
welcher  in  Aspinwall  residirt,  lud  Herrn  Dr.  Sch  erzer  auf  telegraphischem 
Wege  zur  freien  Benützung  der  Bahn  ein,  „da  es  ihm  stets  zum  besonderen  Ver- 
gnügen gereiche,  wissenschaftlichen  Reisenden  dienstgefällig  werden  zu  können“' 
(Reise  der  österreichischen  Fregatte  Novara  um  die  Erde  u.  s.  w.,  Band  III, 
Seite  382).  Und  seinen  vierzehn  umfangreichen  Gepäcksstücken  „schenkte  man 
eine  eben  so  grosse  Aufmerksamkeit,  als  ob  für  sie  der  höchste  Frachtensatz 
entrichtet  worden  wäre.“  „Die  Art  und  Weise,  wie  man  den  reisenden  Forscher 
behandelt,  ist  immer  zugleich  ein  Gradmesser  für  die  Culturstufe  des  Volkes 

ff 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


234 


Verhandlungen. 


[2] 


unter  dem  er  sich  befindet.  Er  wird  stets  dort  der  wohlwollendsten,  theilnehmend- 
sten  Aufnahme  begegnen,  wo  geistiger  Fortschritt  und  Wissenschaft  sich  der 
meisten  Verehrung  und  Anerkennung  erfreuen.“ 

Begreiflich  sind  die  ersten  Berichte  der  Herren  M.  V.  Lipoid,  H.  Wolf, 
Freiherr  v.  Andrian,  Paul  noch  eigentlich  mehr  Vorbereitungen  als  ausführ- 
licheren Ergebnissen  gewidmet.  Es  sind  die  k.  k.  Generalstabs  - Aufnahrns- 
Sectionen  zu  40Q  Klafter  gleich  1 Zoll,  so  unter  denselben  vertheilt,  dass  auf 
Herrn  Wolf  der  nordöstliche  Abschnitt  gegen  das  Glatzer  Grenzgebirge  kommt, 
und  er  hatte  zu  diesem  Zwecke  seine  Arbeiten  zuerst  von  Skalitz  aus  unter- 
nommen. Herrn  Paul  ist  anschliessend  der  westliche  Theil , noch  auf  dem  süd- 
lichen Theile  des  Blattes  Beichenau  (Nr.  16)  und  dem  nördlichen  des  Blattes 
Leitomischl  (Nr.  22)  übergeben,  während  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  den  süd- 
lichen und  noch  das  Stück  Bistrau  übernimmt.  Es  war  vor  Allem  erforderlich, 
dass  die  Herren,  welche  in  jenem  Landestheile  ihre  ersten  Aufnahmen  durch- 
führen, sich  genau  in  den  angrenzenden  Theilen  orientiren , von  welchen  im 
verflossenen  Jahre  durch  Herrn  J.  Jokely  das  Blatt  10,  Braunau  und  Nachod. 
im  nördlichen  Theile  aufgenommen  war,  aber  noch  die  südliche  Begrenzung 
zurückblieb.  So  lauten  die  Berichte  also  über  die  Phyllite  und  jüngeren  Granite, 
die  verschiedenen  Absätze  des  Rothliegenden,  über  welche  von  Herrn  Jokely  so 
wichtige  und  sorgsame  Arbeiten  geliefert  w orden  w aren , so  w ie  auch  über  die 
Kreideformation  der  Quader-  und  Plänergebilde,  namentlich  auch  des  dort  so 
verbreiteten  Krehsscheeren-Sandsteines  Gegenstand  vielfacher  Forschung  von  Prof. 
A.  E.  Reu ss.  Die  Grenzen  der  den  Herren  zufallenden  Districte  wurden  von  den- 
selben gemeinschaftlich  vorgenommen.  Freih.  v.  Andrian  berichtet  aus  dem  von 
dein  übrigen  abgetrennten  Gebiete  der  Karten-Section  Deutschbrod  (Nr.  2)  und 
über  die  Lage  der  dort  in  den  allerältesten  Zeiten  vielfach  bergmännisch  bear- 
beiteten Erzlagerstätten,  Phy Hit-,  Letten-  und  Schwefelkiesgänge  mit  silberhaltigem 
Bleiglanz,  Fahlerz  und  Arseni kkies  in  grauem  Gneisse,  der  das  eigentliche  Grund- 
gebirge darstellt,  oft  talkartiger  Phyllitgneiss,  auch  Einlagerungen  von  Amphibol- 
schiefer und  Diorit , an  vielen  Stellen  Pegmatit  und  Turmalingranit.  Nur  wenig 
Arbeit  ist  dort  gegenwärtig  noch  im  Gange,  auch  dürfte  Grösseres  wohl  nur  mit 
Vorsicht  gewagt  werden,  wenn  auch  den  in  alten  Zeiten  angewendeten  Mitteln 
entsprechend,  eigentlich  das  Revier  gar  nicht  als  erschöpft  betrachtet  werden 
dürfte.  Die  Herren  Lipoid  und  Paul  hatten  auch  das  Braunstein- Vorkommen. 
Pyrolusit  und  Manganit  im  Haschak-Bergrücken  zwischen  Körnitz  und  Ehrensdorf 
in  Mähren  in  Augenschein  genommen,  das  mehrfach  bergmännisch  untersucht, 
sich  nur  mit  schwachen  nussgrossen  reicheren  Partien  im  Rothliegenden  zeigt. 

Höchst  anziehend  sind  die  Nachrichten  aus  den  beiden  südlich  zu  üebersichts- 
Aufnahmen  ausgesandten  Sectionen.  Herr  Dionys  Stur  (Section  11)  berichtet  aus 
Karlstadt  über  die  von  ihm  auf  dem  Wege  von  Fiume  her  in  Croatien  gemachten 
Wahrnehmungen.  Was  auf  den  älteren  Karten  „Alpenkalk“  heisst,  klärt  sich 
nun  als  Ergebniss  langjähriger  Arbeit  unserer  erfahrenen  Geologen.  Von  der 
Grenze  bei  Lukodol  bis  Severin,  hohes  Trias-,  Kalk-  und  Dolomit-Gebirgsland. 
weiter  östlich  bis  Netretic  viel  verbreitet  Caprotinenkalke.  Bei  Novigrad  an  der 
Dobra  Trias  lind  Werfener  Schiefer,  so  wie  den  Lipold'schen  Gurkfelder 
Schichten  analoge  braune  mit  grauen  Dolomiten  wechselnde  Schiefer.  Leider 
stellten  sich  wie  im  verflossenen  Sommer  Fieberanfälle  ein,  w elche  indessen  bald 
unter  der  Sorge  des  wohlwollenden  Chefarztes  des  k.  k.  2.  Feldjäger-Bataillones, 
Herrn  Dr.  Rudolph  Rustler,  und  der  freundlichen  Pflege  von  Herrn  Berg- 
werks- und  Hotelbesitzer  Joseph  Remschmidt  sich  wieder  zum  Bessern 
wandten,  so  dass  Herr  Stur  neuerdings,  auf  das  Zuvorkommendste  von  dem 


Bericht  vom  3t.  Mai. 


235 


[3] 

Herrn  k.  k.  Oberst  und  Commandanten  des  k.  k.  4.  Szluiner  Grenz-Infanterie- 
Regimentes  Gideon  Ritter  v.  Zastavnikovic  aufgenommen  und  mit  offenem 
Aviso  und  Benachrichtigungen  an  die  Compagnie-Stationen  erfolgreichst  unter- 
stützt, seine  Arbeiten  wieder  aufgenommen  hat. 

Gleiche  wohlwollendste  Aufnahme  und  Unterstützung  berichtet  auch  Herr 
Dr.  Ferdinand  Stoliczka  aus  dem  k.  k.  3.  Oguliner  Grenz-Infanterie-Regiments- 
Bezirk  von  dem  Herrn  k.  k.  Oberst  und  Commandanten  Emanuel  Ritter  v.  Kne- 
sevic.  Bei  Mrkopail,  Tuk  und  Begowrazdolja  in  das  Regimentsgebiet  eintre- 
tend, verbreitet  sich  vorzüglich  untere  Trias,  Guttensteiner  Kalk  und  Dolomit 
bis  gegen  Dreznica,  wo  auch  etwas  tiefere  Schichten  der  Steinkohlenformation 
nach  der  miteingesandten  Kartenskizze  zu  Tage  kommen.  Ueber  dem  Gutten- 
steiner Kalk  folgen  hellere  Hallstätter  Kalke,  ferner  namentlich  östlich  weit  ver- 
breitet, noch  hellerfarbige  Caprotinenkalke.  Auch  Foraminiferenkalke,  wenn  auch 
seltener,  wie  südlich  von  Jasenak  (westlich  von  Ogulin),  und  oberhalb  Tuk  bei 
Mrkopail.  Petrefacten  überall  selten,  doch  wurden  einige  zu  späterer  näherer 
Untersuchung  bei  Unter-Dreznica  in  den  tiefsten  Schichten  und  anderwärts  auf- 
gesammelt. 

Die  frühere  Abreise  gestattete  auch  Herrn  Dr.  Guido  Stäche,  begleitet 
von  Kartenskizzen,  über  den  Beginn  der  Aufnahmen  etwas  ausführlichere  Nach- 
richt zu  geben.  Tief  verpflichtet  zu  innigstem  Danke  sind  wir  für  freundliche 
Förderung  unserer  Arbeiten  dem  Herrn  Gouverneur  Feldmarschall-Lieutenant  Frei- 
herrn v.  Mamula,  durch  offene  Ordre  nach  allen  Richtungen  gegeben,  und 
freundlichste  Theilnahme  an  dem  Wirken  unserer  Freunde  während  ihres  mehr- 
fachen Aufenthaltes  in  Zara.  Dazu  das  freundliche  Wohlwollen  der  Herren  k.  k. 
Schulrath  Laukot zky,  k.  k.  Hafencapitän  Tom  sich,  Bergcommissär  Ivanich, 
Gubernialsecretär  a.  D.  Nashieh,  Apellationsrath  Frederico  de  Paitoni,  Secre- 
tär  Ra  rbieri  in  Zara,  ferner  der  Herren  k.  k.  Lieutenant  C.  Friedrich  Drau- 
genz,  Postencommandant  inObrovazzo,  Dr.  Fortis,  k.k.  Prätor,  und  Mirkovic, 
Serdar  und  Colonnencommandant  in  Benkovacs.  Schon  von  Wien  waren  die 
Herren  Dr.  Stäche  und  Dr.  Zittel  mit  angelegentlichsten  Empfehlungen  von 
Herrn  Vincenz  Comelli,  von  der  k.  k.  privilegirten  südlichen  Staatsbahn,  und 
von  Herrn  Paul  Schmidt  in  Ivanec  in  Croatien,  früher  Bergverwalter  in  Car- 
pano  bei  Albona  in  Istrien,  von  Triest  aus  von  Herrn  Director  Schaub,  von 
den  Herren  Ritter  v.  Hagenauer,  Dr.  Kandier,  Custos  Frey  er  möglichst 
gefördert,  und  von  dem  hochwürdigen  Herrn  Consigliere  Giuseppe  Paitoni  mit 
Briefen  versehen  worden.  Dankbarste  Anerkennung  des  freundlichen  Wohlwollens 
ist  unsere  wahre  Pflicht,  um  so  wichtiger  als  in  jenen  Gegenden  die  vielfältigste 
Berührung  mit  dem  gebildeten  Theile  der  Bevölkerung  unentbehrlich  wird,  wo 
hei  der  aus  den  natürlichen  Verhältnissen  stammenden  Unwegsamkeit  des  Lan- 
des die  Urbewohner  nur  wenig  mit  den  Fortschritten  der  neueren  Cultur-Ent- 
wickelung  in  Berührung  kamen,  daher  unsere  Reisende  auch  mit  grösseren 
Schwierigkeiten,  Mangel  an  Unterkunft,  Mangel  an  Verkehrsmitteln,  wodurch 
namentlich  das  Sammeln  sehr  beeinträchtigt  ist,  zu  kämpfen  hatten,  als  selbe  ihnen 
hei  früheren  Forschungen  irgendwo  begegneten.  Indessen  hat  der  Anfang  im 
nördlichen  Theile  von  Dalmatien,  erst  durch  Ausflüge  nach  den  Inseln,  Uglian, 
Lungha  oder  Grossa,  Pasman,  dann  auf  dem  Festlande  von  Zara  über  Obrovazzo, 
Castel  Venier  über  den  Canal  de  la  Morlacca  nach  Starigrad  und  Beata  Vergine, 
dann  über  Benkovacz,  Ostrovizza,  Zara  vecchia,  die  schönste  Uebereinstimmung 
dargethan  mit  den  Herrn  Dr.  Stäche  so  wohl  bekannten,  nordwestlich  vorlie- 
genden Schichten  in  Istrien  und  dem  Quarnero.  i.  Die  Werfener  Schichten  im 
Velebic-Gebirge  hei  Vlaseograd,  mit  zahlreichen  Exemplaren  von  Myacites 

ff* 


236 


Verhandlungen. 


m 

Fassaensis,  Avicula  Venetiana  u.  s.  w.  beginnend.  2.  Die  Dolomite  und  Kalke 
der  unteren  Trias,  wenn  auch  ohne  Fossilresten.  3.  Die  dunkeln  und  schwarzen 
Kalke  und  Dolomite  der  oberen  Trias  setzen  den  höchsten,  centralen  Hauptkamm 
des  Velebic  zusammen;  sie  repräsentiren  zum  Theil  die  Raibler  Schichten,  zum 
Theil  die  Chemnitzien  führenden  Kalke  der  Hallstätter  Gruppe.  4.  Die  Kreide- 
formation sehr  umfassend  ausgebildet,  namentlich  die  unteren  breccienartigen 
Systeme,  längs  der  älteren  Rücken  bis  zu  den  Inseln  herab.  3.  Die  eocenen  Kalk- 
bänke mit  Alveolina  unmittelbar  über  den  Rudistenbänken , ohne  das  Zwischen- 
glied der  Cosina-Sehichten.  In  etwas  höheren  Lagen  Nummuliten,  überhaupt 
oft  reich  an  Fossilresten  entwickelte  Ablagerungen,  welche  mit  Lucina  gigan- 
tea , Cerithium  giganteum , C.  Cornucopiae,  vielen  Korallen  und  Rryozoen  ganz 
den  versteinerungsreichen  sandig-mergeligen  und  conglomeratischen  Schichten 
von  Veglia,  Galignana,  Gherdosella  und  Pisino  in  Istrien  parallel  zu  stellen  sind 
und  dem  eigentlichen  Parisien  entsprechen.  6.  Diluviales  nur  wenig,  Knochen- 
breccien  nebst  den  bekannteren  noch  bei  Starigrad  reich  an  Knochen  und  Zähnen 
von  Cervus  antiquus.  7.  Ausgedehnte  Kalktuflfablagerungen  im  Gebiet  des  Zer- 
manje-Flusses,  besonders  im  Kesselthal  der  Krupa.  Herr  Dr.  Stäche  gedenkt 
in  treuestem  Danke  der  freundlichen  Begleitung  des  unverdrossenen  und  kennt- 
nissreichen  Dr.  Karl  Zittel,  der  sich  diesem  Ausfluge  als  freiwilliger  Theil- 
nehmer  angeschlossen. 

Unser  trefflicher  Chefgeologe  dieser  dritten  dalmatinischen  Section,  k.  k. 
Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hau  er,  verliess  Wien  erst  am  22.  Mai,  um  sich  in 
den  Aufnahmsbezirk  zu  begeben.  Er  war  durch  häusliches  Unglück,  Krankheit 
und  das  am  17.  Mai  erfolgte  Hinscheiden  seiner  geliebten  Gattin  in  schmerz- 
lichster Weise  in  Anspruch  genommen  gewesen. 

Herr  k.  k Bergrath  Franz  Foetter  le,  Chefgeologe  der  II.  Section  für  die 
croatische  Karlstädter  Militärgrenze,  weilt  noch  in  Wien,  angelegentlichst  mit 
der  Anordnung  und  Aufstellung  der  Sammlung  von  fossilen  Brennstoff  beschäf- 
tigt, welche  wir  ganz  ähnlich  der  nach  Londen  gesandten  auch  in  unserem 
eigenen  Museum  zur  Aufbewahrung  bringen.  Eine  ganz  ähnliche  Sammlung 
endlich  wird  auch  für  das  k.  k.  polytechnische  Institut  zu  Herrn  Professor 
v.  Hochstetter’s  Händen  vorbereitet. 

Manches  freundliche  Geschenk  ist  uns  während  dieser  Zeit  für  Museum  und 
Bibliothek  zugekommen.  Von  den  letztem  darf  wohl  des  Herrn  kais.  russischen 
Staatsrathes  E.  v.  Eichwald  Letliaea  Rossica , eben  erst  im  ersten  Bande 
geschlossen,  mit  reichem  Atlas  in  anerkennendster  Weise  erwähnt  werden ; eben 
so  die  freundliche  Anzeige  von  Seite  des  Herrn  Professor  W.  H.  Miller, 
Foreign  Secretary  der  Royal  Society  in  London,  dass  uns  von  derselben  dem- 
nächst die  Philosophical  Transactions  von  1850  beginnend  zugesandt  werden 
sollen.  Hier  auch  darf  dem  dritten  Bande  der  „Reise  der  österreichischen  Fre- 
gatte Novara  um  die  Erde  in  den  Jahren  1857,  1858,  1859  unter  dem  Befehlen 
des  Commodore  B.  von  Wüllerstorf-Urbair“ , dem  erzählenden  Reise- 
berichte aus  der  Meisterhand  unseres  hochgeehrten  Freundes  Dr.  Karl  Ritter 
v.  Scherz  er  die  Erwähnung  nicht  fehlen,  das  durch  die  besondere  Gnade  Sr. 
kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs  Ferdinand  Maxi- 
milian uns  in  Mehrzahl  zukam,  in  Exemplaren  für  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt, Director  Haidinger,  k.  k.  Bergräthe  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Franz 
Foetter  le,  wofür  wir  den  innigsten  Dank  darbringen.  Herrn  Dr.  v.  Scherz  er 
insbesondere  sind  wir  auch  zu  dem  grössten  Danke  für  das  freundliche  Wohl- 
wollen verpflichtet,  mit  dem  er  (III.  Band,  Seite  266)  unserer  guten  Wünsche 
gedenkt,  und  wie  sie  sich,  schon  am  Beginn  dieses  unseres  unvergesslichen 


Bericht  vom  3t.  Mai. 


237 


m 

Nationalereignisses  den  Schicksalen  desselben  in  allen  Theilen  der  Erde  mit 
innigster  Treue  anschlossen. 

Unsere  hochverehrten  Freunde,  die  früher  unser  Museum  mit  ihrem  freund- 
lichen Besuche  beehrten,  werden  ein  wahres  Prachtstück  in  demselben  bei  einem 
erneuerten  Besuche  vermissen,  das  schöne  Skelet  des  Riesenhirsches  ( Cervus 
euryceros)  aus  Irland,  welches  am  22.  Mai  aus  demselben  in  das  eben  in  der 
Eröffnung  begriffene  Local  des  neuen  Gesellschafts -Thiergartens  im  Prater 
übertragen  wurde.  Es  war  bekanntlich  Eigenthum  unseres  langjährigen  wohl- 
wollenden Gönners  Herrn  Grafen  August  Breunner,  wurde  in  Herrn  Professors 
Hyrtl’s  Museum  der  vergleichenden  Anatomie  unter  seiner  Oberleitung  von 
unserem  früheren  ausgezeichneten  Arbeitsgenossen  Herrn  Dr.  Karl  Peters 
aufgestellt,  der  auch  im  Jahrgange  1855  unseres  Jahrbuches  eine  Beschreibung 
desselben  mit  Abbildung  veröffentlichte.  So  sehr  wir  dem  Herrn  Grafen  dank- 
bar zu  sein  Veranlassung  haben,  dafür,  dass  dieses  schöne  Exemplar  so  lange 
unser  Museum  geziert,  so  gehört  doch  unsere  ganze  Theilnahme  der  neuen 
Entwickelung,  in  welcher  es  in  dem  neuen  Gesellschafts-Thiergarten  anregend 
zu  wirken  bestimmt  ist.  Die  Idee  der  zoologischen  und  Acclimatisationsgärten  fand 
in  neuester  Zeit  auch  in  unserem  Wien  erst  in  den  Aquarien,  dann  in  immer 
weiteren  Kreisen  Anklang;  Herr  Alexander  Ussner  durch  seine  Untersuchung, 
Herr  Dr.  Gustav  Jäger  durch  seine  Kenntnisse  und  Arbeitskraft  gaben  die  erste 
Richtung.  Aber  es  hätte  an  der  nothwendigen  materiellen  Kraft  gefehlt,  wären 
nicht  die  hochgebildeten  und  hochgesinnten  Grafen  August  Breunner  und  Joh. 
Wilczek  helfend  eingetreten,  bis  zu  den  Punkte,  wo  jezt  eine  Actjengesell- 
schaft  in  das  Leben  getreten  ist,  um  die  wichtigen  in  Rede  stehenden  Interessen 
für  die  Zukunft  zu  sichern.  Wir  dürfen  dem  Unternehmen  alle  reiche  Ent- 
wickelung wünschen,  es  ist  fort  und  fort  wahre  wissenschaftliche  Arbeit,  getra- 
gen durch  freiwillige  Theilnahme  an  derselben.  Unser  Wien  gewinnt  dadurch 
einen  neuen  Reiz,  einen  neuen  Anspruch  auf  Anerkennung  als  Metropole  eines 
grossen  Reiches,  voll  von  Kenntniss,  Kraft  und  Beharrlichkeit! 

Eben  verlässt  das  zweite  sehr  starke  Heft  unseres  Jahrbuches  (Seite  87  bis 
310  und  Verhandlungen  Seite  135  bis  232,  im  Ganzen  322  Seiten  und  2 litho- 
graphirte  Tafeln)  die  Presse,  mit  vier  Abhandlungen  der  Herren  Freiherrn 
v.  Richthofen,  Krejci  und  Stur  wissenschaftlicher,  und  der  des  Herrn 
Barrande  nebst  Anmerkungen  von  W.  Haidinger  mehr  polemischer  Natur, 
letztere  über  die  Frage  der  Colonien.  Es  war  nicht  möglich  Angesichts  der 
lebhaften  Erörterungen  von  jener  Seite,  dasjenige  als  einfach  unrichtig  zu 
erklären,  was  von  unserer  Seite  nach  bestem  Wissen  und  sorgsamster  Ver- 
gleichung als  materielle  Thatsache  sich  darstellte.  Wir  haben  seitdem  viele  bei- 
stimmende Aeusserungen  der  ausgezeichnetsten  Geologen  in  dieser  Frage  erhalten. 

Bei  dem  hohen  Interesse,  welches  sich  auf  den  Zustand  des  Untergrundes 
unserer  Haupt-  und  Residenzstadt  Wien  bezieht,  auf  die  Frage  von  artesischen 
Brunnen  u.  s.  w.  verdient  hier  wohl  eine  besonderer  Erwähnung,  dass  Herr 
Abbe  Richard,  der  kenntnissreiche  Quellenforscher,  sich  eben  in  Wien  und 
der  Umgegend , in  Folge  zahlreicher  Einladungen  befindet  und  sich  auch  nach 
Ungarn  begeben  wird.  Auch  Herr  Ingenieur  Puttrich  aus  Bayern  beabsich- 
tigt ein  Patent  auf  das  Seilbohren  hier  zu  erproben.  Wir  freuen  uns  des  eben 
im  Drucke  vollendeten  Werkes:  Der  Boden  von  Wien,  von  unserem  trefflichen 
Freunde,  Herrn  Professor  E.  Suess,  der  uns  Allen  eine  tiefe  Einsicht  in  die 
Lage  der  Schichten  unseres  tertiären,  diluvialen  und  alluvialen  Untergrundes 
eröffnen  wird. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 

Bericht  vom  30.  Juni  1862. 

„Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät  haben  mit  Allerhöchster  Ent- 
schliessung  vom  13.  Juni  d.  J.  den  bisher  mit  Titel  und  Charakter  eines  Hofrathes 
fungirenden  Director  der  geologischen  Reiehsanstalt,  Hofrath  Wilhelm  Hai  din- 
ge r,  in  Anerkennung  seiner  ausgezeichneten  wissenschaftlichen  Leistungen  und 
seiner  durch  die  mehrjährige  Leitung  der  geologischen  Reichsanstalt  erworbenen 
Verdienste  zum  wirklichen  Hofrathe  allergnädigst  zu  ernennen  geruht.“ 

Diese  neue  Allerhöchste  Gnade  gibt  zu  dem  Glanze  des  am  24.  Juli 
des  Jahres  1859  A Hergnädigst  verliehenen  Titels  und  Charakters  das  eigent- 
liche Wesen  der  genannten  Stellung.  Der  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt ist  gewiss  verpflichtet,  während  er  auf  dom  gegenwärtigen  Bl  alte  seinen 
innigsten,  treuesten  Dank  unserem  Allergnädigsten  Kaiser  und  Herrn 
ausspricht,  auch  der  hochverehrten  Freunde  und  Arbeitsgenossen,  wie  damals 
lebhaft  zu  gedenken,  deren  Gesammtanstrengung,  durch  Kenntniss,  Kraft,  Hin- 
gebung und  Beharrlichkeit  in  den  Ergebnissen  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt das  grosse  Bild  des  Erfolges  zusammensetzt.  Er  darf  dafür  wohl  des  be- 
kräftigenden Ausspruches  Seiner  Excellenz  unseres  wohlwollenden  obersten 
Leiters,  k.  k.  Staatsministers  Ritter  v.  Schmerling,  gedenken,  der  in  seinen 
erhebenden  Eröffnungen  über  die  Allergnädigste  Ernennung  zum  k.  k.  wirk- 
lichen Hofrathe  besonders  hervorhebt,  dass  dieselbe  „eine  ehrenvolle  Anerkennung 
der  Leistungen  der  geologischen  Reichsanstalt  in  sich  schliesst.“ 

In  gewohnter  Weise  schreiten  unsere  Aufnahmsarbeiten  vorwärts.  Herr  k.  k. 
Bergrath  M.  V.  Lipoid  als  Chefgeologe  der  I.  Seetion  berichtet  über  die  Gegend 
nördlich  von  Policzka  und  Laubendorf,  östlich  von  Sebranitz  und  Ougezd,  so  wie 
über  die  Umgebungen  von  Abtsdorf  und  Kötzelsdorf.  Es  ist  dies  ein  Theil  des 
grossen  böhmischen  Kreidebeckens.  Im  Liegenden  meistens  versteinerungsarme 
Quadermergel  überdeckt  von  Löss.  Grosse  Einförmigkeit,  die  Schichten  meistens 
horizontal  gelagert  oder  nur  wenig  nach  Nord  gegen  die  Mitte  zu  geneigt.  Bei 
Kötzelsdorf  östlich  von  Zwittau  tritt  unter  dem  Mergel  Quadersandstein  zu  Tage, 
bei  Abtsdorf  an  der  Eisenbahn  die  höchsten  Schichten  über  dem  Mergel,  glau- 
conitisch,  die  Kalianassa-Schichten,  und  noch  von  Pläner  bedeckt,  merkwürdig 
als  gänzlich  getrennt  von  dem  grossen  Plänerbecken  und  am  weitesten  gegen 
Südost  vorgeschoben.  Ferner  in  der  Gegend  von  Abtsdorf,  an  wenigen  Stellen 
tertiärer  Tegel,  während  des  Eisenbahnbaues  mehrfältig  eröffnet  und  in  Bezug 
auf  Fossilreste  besonders  von  Herrn  Prof.  Reuss  studirt,  aber  nur  in  einer  be- 
schränkten Mulde,  da  unmittelbar  darauf  Löss  und  noch  höher  Schutt  und 
Quarzschotter  in  grosser  Mächtigkeit  folgen.  Löss,  mächtig  bei  Leitomischl, 


Bericht  vom  30.  Juni.  Freih.  v.  Andrian. 


239 


r2] 

nimmt  gegen  Süden  zu  ab,  so  dass  bei  Sebranitz,  Karlsbrunn  der  Quadermergel 
zu  Tage  tritt. 

Freiherr  v.  Andrian,  aus  dem  Mittelpunkte  Deutschbrod,  berichtet  über 
die  westlich  vorliegenden  Gegenden  des  Gebietes  Swetla,  Humpoletz,  Windig- 
Jenikau.  Grosse  Einförmigkeit  auch  hier,  vorwaltend  Gneiss,  in  mehreren  Varie- 
täten, und  Granite.  Ein  bestimmt  grauer  Gneiss,  dann  ein  zweiter,  den  man  zu 
dem  rothen  kaum  zählen  kann,  weil  doch  seine  Orthoklaskrystalle  ganz  grau 
sind.  Er  schliesst  sich  mehr  dem  Granite  an,  und  contrastirt  scharf  mit  dem 
eigentlichen  charakteristischen,  primitiven  grauen  Gneisse.  Die  Begrenzung 
erfordert  sehr  in  das  Einzelne  gehende  Studium,  und  dazu  sind  chemische  Ana- 
lysen unerlässlich,  wie  diejenigen,  welche  Herr  Prof.  Schee  rer  in  Freiberg 
mit  so  grossem  Erfolge  durchgeführt  hat,  und  für  welche  auch  hier  die  wichtig- 
sten Varietäten  aufgesammelt  wurden.  Zwei  Dioritstöcke  im  grauen  Gneisse, 
südöstlich  von  Deutschbrod,  der  eine  bei  der  Rosenmühle  im  Schlepankathale, 
der  andere  in  Neuwelt.  Der  Unterschied  der  grauen  und  der  von  demselben  ab- 
weichenden eruptiven  Gneisse  ist  praktisch  wichtig,  weil  doch  alle  Erzspuren, 
Pistenzüge,  die  so  häufig  erscheinen,  sich  auf  den  ersten  beschränken. 

Mannigfaltiger  als  diese  beiden  Abschnitte  ist  die  Zusammensetzung  der 
Gegend  zwischen  Leitomischl  und  Trübau,  nördlich  bis  Brandeis  und  Wilden- 
schwert, über  welche  Herr  C.  M.  Paul  aus  Brandeis  am  Adler  berichtet,  so 
wie  über  die  nordöstlich  anstossende,  gemeinschaftlich  mit  Herrn  H.  Wolf  be- 
sichtigte Gegend.  Das  Rothliegende  ragt  hier  weit  in  die  Kreidemulde  herein, 
bis  Kerhartitz,  zwischen  Brandeis  und  Wildenschwert  an  der  stillen  Adler, 
nordöstlich  bei  Hnatnitz  ausgebreitet  und  in  nordwestlicher  Richtung  nach  Schani- 
bach und  Lilitz,  so  wie  weiter  östlich  sich  erstreckend.  Meistens  gröberes  und 
feinkörnigeres  Quarzconglomerat  mit  rothen,  thonigen  Bindemitteln,  der  Scham- 
bacher Schlossberg  kalkhaltig,  selbst  in  dichten  graurothen  Kalkstein  mit  weissen 
Kalkspathadern  übergehend.  An  das  Rothliegende  Kreidebildungen  angfdagert, 
westlich  mit  Quadersandstein  beginnend,  östlich  fehlt  dieser  und  erscheint  un- 
mittelbar Quadermergel , der  überhaupt  vorherrscht.  Mitten  durch  die  Quuder- 
mergel  zieht  sich  von  Nordwest  nach  Südost  eine  Verwerfungsspalte,  in  eigen- 
thümlicher  Weise  durch  einen  kleinen  Granitstock  bezeichnet,  welchen  Herr 
Paul  zwischen  Wildenschwert  und  Brandeis  beschreibt.  Die  jüngeren  Quader- 
mergelschichten bald  mehr  sandig  oder  thonig,  bald  glauconitisch  mit  Kalianassa- 
resten,  weniger  einander  überlagernd,  als  sich  gegenseitig  vertretend. 

Immer  mehr  klären  sich  die  Ansichten  über  die  Natur  der  sich  übrigens  so 
vielfältig  ähnlichen  Kalksteingebilde  in  den  von  uns  in  Uebersichts-Aufnahmen  in 
dem  gegenwärtigen  Sommer  untersuchten  südlichen  Gegenden  der  croatischen 
Karlstädter  Militärgrenze  und  in  Dalmatien.  Herr  Dr.  F.  Stoliczka  (II.  Seetion) 
fand  südlich  von  Ogulin,  in  den  eingesandten  Kartenskizzen  verzeichnet,  weit 
verbreitet  Triaskalk  und  Dolomit,  die  Gebirgaxen  bildend,  während  auf  den 
Kuppen  oft  Hallstätter  Kalk  oder  seihst  Kreidekalk  angetrofiVn  wird.  Oestlich  von 
Plaski  erscheinen  bereits  Caprotinenkaike  und  andere  den  oberen  Kreidebildungen 
zugehörig  mächtig  entwickelt.  In  den  östlichen  Theilen  gegen  Karlstadt  zu  in 
ansehnlicher  Verbreitung  sehr  eisenschüssige  und  häufig  Brauneisensteinknollen 
führende  Thone,  nicht  selten  hoch  an  den  Gebirgsabhängen  hinauf.  Bei  Karl- 
stadt selbst  wechsellagernd  mit  Sand  und  Schotter,  ähnlich  den  Belvedere- 
Schichten  der  Umgegend  von  Wien,  und  in  diesen  Sanden  fand  Stoliczka 
Congeria  triangularis  und  Cardium  apertum.  Der  ganze  Complex  der  Thone 
dürfte  daher  den  Inzersdorfer  Schichten  angehören.  Hierher  wohl  auch  die 
schwachen  Lager  von  Lignit  südlich  vori  Dubrave. 


240 


Verhandlungen. 


3] 


Herr  Dr.  Stoliezka  berichtet  ferner  von  Rakovica  über  die  Zusammen- 
setzung des  mittleren  und  südlichen  Theiles  des  Sluiner  Regimentes , östlich 
anschliessend  an  das  Oguliner  Regiment,  dessen  Rezirk  bereits  früher  von  ihm 
aufgenommen  worden  war.  Im  Westen  bis  in  die  Hälfte  etwa  durch  eine  noch 
östlich  von  Veljun  und  Sluin  verlaufende  nordsüdliche  Grenze  getrennt,  mächtig 
entwickelt  der  vorwaltende  Kreidekalk.  Weiter  östlich  ältere  Formationen 
gegen  die  Grenze  von  Türkisch-Croatien  zu,  namentlich  die  Gailthaler  Schich- 
ten, oder  Steinkohlenformation,  ganz  im  Osten,  nordwestlich  von  Vojnid,  gelb- 
liche Sandstein-  und  Quarzconglomerate  mit  nur  schwachen  Lagen  schwarzer 
Schiefer,  letztere  mächtig  selbstständig  entwickelt  an  der  Petrova  Gora.  Ferner 
die  Werfener  Schiefer  der  unteren  Trias,  unmittelbar  auf  den  vorhergehenden 
gegen  Westen  zu.  An  vielen  Orten  auch  ein  kieseliger,  lichter  Dolomit,  theils 
das  untere  Glied  bildend,  oft  im  Wechsel  mit  den  viel  mächtigeren  rothen 
Schiefern  und  Sandsteinen.  In  den  letzteren  fand  Stoliezka  beim  Dorfe  Klokoc 
den  Myacites  fassaensis.  Bei  Sparnjak,  südlich  von  Veljun,  bis  Koranskylug 
Mergelkalk  der  unteren  Kreide.  Sodann  westlich  jene  mächtig  entwickelten 
oberen  Kreidegebilde,  lichte  Dolomite  und  Kalke,  stellenweise  mit  dunklen 
Krinoiden-  und  Foraminiferenkalken,  über  den  Koranerfluss  hinaus  in  das  Ogu- 
liner Regiment.  Rühmend  gedenkt  Herr  Dr.  Stoliezka  des  fortdauernden 
wohlwollenden  Schutzes  und  der  wirksamsten  Unterstützung  durch  den  Herrn 
k.  k.  Obersten  und  Regimentscommandanten,  Gedeon  Ritter  v.  Zastavni  kovid. 

Herr  D.  Stur  berichtet  aus  Samobor,  wo  ihn  Herr  Verwalter  Ignaz 
Waagner  auf  das  Wohlwollendste  aufnahm  und  erfolgreichst  unterstützte, 
über  die  Verhältnisse  der  Gegenden  westlich  von  der  Poststrasse  Karlstadt- 
Agram,  die  Umgebungen  von  Karlstadt,  Jaska,  Samobor  und  der  XL  und 
XII.  Compagnie  des  k.  k.  Sluiner  4.  Grenz-Infanterie-Regiments,  oder  der  soge- 
genannten Sichelburger  Grenze.  Nordwestlich  von  Carlstadt,  innerhalb  des 
Bogens  der  Kulpa,  Kreide,  in  den  tiefsten  Schichten  Caprotinenkalk,  in  den 
höheren  Mergel  ohne  Fossilresten.  Nordöstlich  anschliessend  im  Sichelburgischen 
und  dem  Provinciale  Trias,  rothe  Schiefer  und  Sandstein  den  Werfener  Schichten 
ähnlich,  dann  schwarze  Kalke,  Kalkschiefer,  Krinoidenkalke  und  andere  Varietäten, 
manche  wohl  den  Grossdornerschichten  Lipold’s  zu  vergleichen.  In  tiefem 
grüner,  in  höheren  Lagen  weisser,  leicht  zerbröckelnder  Dolomit,  die  Haupt- 
masse des  Samoborer  Gebirges.  An  verschiedenen  Punkten  desselben  treten 
unter  der  Trias  Gailtbaler  Schichten  zu  Tage,  bei  Breganza,  bei  Podlipovec,  bei 
Ruda.  Das  letztere  durch  grössere  Ausdehnung  der  Kohlenformation  ausgezeich- 
net, so  wie  durch  Erzführung  in  den  Schiefern,  Sandsteinen  und  Conglomeraten. 
Der  Kupferkies  zu  Ruda,  ehemahls  abgebaut  und  verhüttet — schon  den  Römern 
bekannt,  nimmt  die  tiefem  Lager  der  Schiefer  ein,  gegenwärtig  unter  Wasser. 
In  den  höheren  Schichten  bis  drei  Klafter  mächtige  Lager  von  leider  von 
Kupferkies  verunreinigtem  Spatheisenstein.  Dieser  wird  in  Ruda  verschmolzen. 
Bei  Ruda  auch  Gyps,  an  der  Grenze  der  beiden  Formationen.  Gegen  das  Flach- 
land zu  Leithakalk,  sodann  Mergelschiefer,  denen  von  Podsused  ähnlich,  und 
Congerienschichten  in  den  tieferen  Tegel,  den  höheren  Belvedereschotter.  Dieser 
ist  meist  grell  roth  gefärbt,  Schotter,  Sand  und  Lehm.  Dieses  Gebilde  enthält 
Kugeln , wo  die  Lehmmassen  mächtiger  sind , von  verschiedener  Grösse  bis 
zu  Centnerschwere  von  Brauneisenstein,  die  besonders  in  der  Umgegend  von 
Netretic  und  Rosopojnik  gewonnen  werden.  In  dem  tieferen  Congerien-Tegel 
eine  kleine  Braunkohlenmulde  bei  Bregana,  westlich  von  Samobor. 

Aus  der  IlI.Section  berichtet  Herr  k.k.  Chefgeologe  Franz  Ritter  v.  Hauer 
über  die  in  Gesellschaft  der  Herren  Dr.  G,  Stäche  und  Dr.  K.  Zittel  er- 


Bericht  vom  30.  Juni.  Fr.  Foetterle. 


241 


[4] 

zielten  Erfolge  im  Fortgange  der  Untersuchungen  der  Verhältnisse  von  Dalma- 
tien, in  den  Umgebungen  von  Sebenico,  Dernis,  Knin , Verlicca,  Sign  und 
Spalato.  Die  Schichten  geben,  wie  zu  erwarten  war,  die  Natur  der  in  Nordwest 
vorliegenden,  aus  dem  früheren  Berichte,  aber  doch  wieder  mit  mancherlei 
eigentümlichen  Erscheinungen,  erläutert  in  den  eingesandten  Kartenskizzen. 
Das  lignitführende  Neogengebilde  ist  weit  hinaus  verbreitet  gegen  Nordwest, 
Verlicca  zu  in  einer  schmalen  Zone,  und  dann  wieder  angelehnt  an  das  Kreide- 
gebirge bei  Miocic,  Parcic,  Bucic,  Rucic.  Beiehe  Fauna  von  oft  vortrefflich 
erhaltenen  Petrefacten  aus  den  Geschlechtern  Melanopsis , Neritciy  Helix , 
Planorbis , Melania , Pyrgula , Unio , Mytilus  beweisen  den  Süsswasser-Cha- 
rakter der  Ablagerung.  Eocenes  und  Kreide  vorwaltend,  vorzüglich  letztere 
gegen  die  östliche  Grenze  zu,  so  dass  hier  bestimmt  jurassische  oder  triassische 
Kalksteine  in  diesem  Theile  des  dalmatischen  Dinara-  und  Marina-Hochgebirges 
fehlen.  Die  der  oberen  Juraformation  angehörigen  Insel  des  Lamaschberges* 
südwestlich  von  Verlicca  ist  rings  von  Kreidekalken  umgeben,  und  von  geringer 
Ausdehnung.  Hier  finden  sich  Ammoniten  aus  der  Familie  der  Planulaten, 
Aptychen  und  Terebratula  diphyci.  Wichtig  in  der  Umgebung  von  Sebenico 
und  Scardona  das  Auftreten  der  im  Nordwest  auf  einer  Strecke  fehlenden  Cosina- 
Schichten.  Mannigfaltige  Schichten  der  Trias  durchziehen  das  Land  in  sonder- 
barer Erscheinung  in  eigenthümlichen  Zügen,  schief  die  Haupt-Streichungslinie 
schneidend,  Werfener  und  Guttensteiner  Schichten  von  Knin  nordwärts  bis  kurz 
vor  demRastello  di  Grab,  dann  wieder  Werfener  Schichten  in  südöstlicher  Richtung 
streichend,  von  Verlicca  in  südöstlicher  Richtung  Gyps  bei  Sign,  und  damit  in 
Verbindung  ein  dritter  Zug  mit  dem  ersten  parallel,  ein  vierter  vor  Knin.  An 
vielen  Stellen  sind  die  Werfener  Schichten  petrefactenführend , die  älteren 
Triaskalke  führen  bei  Much  den  Ceratites  Cassianus , bei  Zunic,  nordwestlich 
von  Knin,  dagegen  nehmen  sie  vollkommen  den  petrographischen  Charakter 
der  echten  Muschelkalke  (Virgloriakalk)  der  Alpen  an  und  führen  in  schönen 
Exemplaren  den  diese  Etagen  charakterisirenden  Spirifer  fragilis . In  den  lich- 
teren Esino-  oder  Hallstätter  Kalken  der  oberen  Trias,  an  den  nordwestlich 
von  Knin  vorliegenden  Gehängen  des  Drhelo-Berdo  zahlreiche  vortrefflich 
erhaltene  Gasteropoden  und  Acephalen , auch  sandig-mergelige,  den  Raibler 
Schichten  petrographisch  ganz  analoge  Gebilde,  leider  petrefactenleer,  so  beim 
Rastello  di  Grab  und  nördlich  von  Drhelo-Berdo.  Zu  dem  schon  bekannten 
Durchbruche  eines  vulkanischen  Gesteines  am  Monte  Cavallo,  südlich  bei  Knin, 
wurde  noch  ein  ähnlicher  bei  Podesaje,  südlich  von  Verlicca,  die  Werfener 
Schichten  durchbrechend  aufgefunden.  In  dankbarster  Anerkennung  gedenken 
unsere  hochverehrten  Freunde  der  wohlwollenden  Gönner,  welche  ihre  Unter- 
nehmungen erfolgreichst  förderten,  den  Herren  Ernst  Gw inner,  k.  k.  Marine- 
Lieutenant,  Antonio  Macale,  Bergbaubesitzer  in  Sebenico,  und  Vincenzo 
Galvani,  Bergbaubesitzer  und  k.  k.  Marine-Officier  in  Siverich,  F.  Ob  er- 
ste iner,  Bergverwalter  in  Siverich  bei  Sebenico,  Giuliano  Celotta,  k.  k. 
Bezirks-Actuar  in  Verlicca,  Theodor  Schiff,  Vorstand  des  k.  k.  Telegraphen- 
amtes in  Sign,  und  unseres  hochverdienten  langjährigen  Arbeitsgenossen  Prof. 
Francesco  Lanza,  eben  nach  einem  längeren  Unwohlsein  wieder  hergestellt 
und  rüstig. 

Herr  k.  k Bergrath  Foetterle  hatte  sich  am  23.  Juni  ebenfalls  in  seinen 
Aufnahmsbezirk  zunächst  nach  Zengg  begeben,  in  die  Regimentsbezirke  von 
Ottocac  und  Gospich.  Für  das  Ottocaner  Regiment  lag  im  k.  k.  Kriegsarchive  eine 
Manuskriptkarte  vor,  in  dem  Maasse  von  2000°  = 1",  oder  1 : 144  000  der 
Natur,  gezeichnet  1843  von  Herrn  k.  k.  Lieutenant  Stentian  Dmitr  assinovich. 


J$.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


gg 


242 


Verhandlungen. 


[5] 

welche  unter  freundlicher  Mitwirkung  von  Herrn  k.  k.  Major  E.  Petz  und  k.  k. 
Hofgärtner  Fr.  Antoine,  in  ausgezeichneten  photographischen  Bildern  unserer 
Aufnahme  zu  Gute  kam.  Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  schloss  sich  noch  ein 
junger  in  Paris  und  St.  Petersburg  gut  vorgebildeter  russischer  Geologe  an, 
Herr  Michael  Lepkowski,  der  eigens  für  geologische  Studien  kürzlich  in  Wien 
angekommen  war.  Vor  der  Abreise  hatte  Foetterle  noch  in  sorgsamster 
Weise  die  Aufstellung  unserer  Aufsammlung  der  Sorten  fossilen  Brennstoffes  aus 
dem  ganzen  Kaiserreiche  wieder  zu  einem  vorläufigen  Abschlüsse  gebracht.  Als 
die  Bildung  einer  solchen  Sammlung  für  die  International-Ausstellung  in  London 
wünschenswerth  erschien,  hatten  wir  von  den  hochgeehrten  Werksbesitzern  je 
vier  Exemplare  uns  erbeten,  indem  uns  der  Gedanke  leitete,  ein  Exemplar  für 
London  zu  bestimmen,  eines  für  Versuche  zu  verwenden  und  eines  als  Theil 
einer  bei  uns  aufzustellenden  Sammlung  zur  immerwährenden  Aufbewahrung, 
•das  vierte  Exemplar  zu  bequemerer  Verpackung.  Unseren  Einladungen  wurde 
reichlich  entsprochen,  so  dass  es  uns  gelang,  237  Nummern  von  Torf,  Braun- 
kohle und  Lignit,  Steinkohle,  Anthracit  zur  Austeilung  nach  London  zu  schicken. 
Die  Versendung  des  Berichtes  unserer  Ausstellung  an  die  hochverehrten  Besitzer 
und  Leiter  dieser  Unternehmungen  ist  nun  ebenfalls  vollständig  im  Gange,  und 
wir  wünschen,  dass  sie  als  Zweichen  dankbarer  Gefühle  von  unserer  Seite  über- 
all mit  freundlichem  Wohlwollen  aufgenommen  werden  mögen.  Viele  hochgeehrte 
Gönner  sind  durch  diese  Verhandlungen  in  den  Kreis  unserer  thatsächlichen 
Correspondenten  getreten.  Für  unsere  eigene  Sammlung,  die  der  Natur  der 
Sache  nach  fortwährend  sich  ausdehnen  wird,  gelang  es  Herrn  Foetterle 
bereits  die  Anzahl  der  Nummern  auf  302  zu  bringen.  Einige  Lieferungen  waren 
zu  spät  für  London  gekommen,  einige  Muster  lagen  aus  früherer  Zeit  vor,  aber 
in  Exemplaren,  die  für  London  nicht  anwendbar  waren,  endlich  wurden  auch 
die  zahlreichen  Torfmuster  einbezogen,  welche  aus  verschiedenen  Gegenden 
der  Monarchie  aus  Veranlassung  jener  im  Schoosse  der  k.  k.  zoologisch-botani- 
schen Gesellschaft  durch  eine  Commission,  deren  Berichterstatter  Herr  Professor 
Pokorny  war,  gesammelt,  von  demselben  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt 
freundlichst  überlassen  wurden.  Die  175  Localitäten,  aus  welchen  diese 
302  Nummern  entnommen  sind,  vertheilen  sich,  wie  folgt,  auf  die  verschiede- 
nen Kronländer : Böhmen  39,  Steiermark  31,  Ungarn  26,  Oesterreich  und  Salz- 
burg 24,  Mähren  und  Schlesien  15,  Galizien  und  Bukowina  8,  Krain  7,  Croatien 
und  Slavonien  6,  Kärnthen  und  Lombardo-Venetien  je  5,  k.  k.  Militärgrenze  3, 
Tirol,  Vorarlberg  und  Istrien  je  2,  Siebenbürgen  und  Dalmatien  je  1.  An  eigent- 
licher Steinkohle  liegen  Muster  zu  der  Summe  von  302  vor,  für  die  Kronländer: 
Böhmen  69,  Ungarn  24,  Mähren  und  Schlesien  14,  Oesterreich  11,  Galizien  8. 
k.  k.  Militärgrenze  2,  Steiermark  (Anthracit)  und  Lombardo-Venetien  je  1;  au 
Braunkohle:  Steiermark  48,  Oesterreich  und  Salzburg  20,  Böhmen  17,  Un- 
garn 11,  Croatien,  Slavonien  und  Krain  je  7.  Kärnthen  6,  Mähren  nnd  Schle- 
sien 5,  Tirol,  Vorarlberg  und  Lombardo-Venetien  je  4,  Galizien  und  Bukowina  3, 
k.  k.  Militärgrenze  und  Istrien  je  2,  Siebenbürgen  und  Dalmatien  je  1 ; an  Torf: 
Ungarn  14,  Böhmen  8,  Lombardo-Venetien  7,  Oesterreich,  Salzburg,  Galizien 
und  Krain  je  1.  Zu  diesen  sind  noch  zwei  grosse  Exemplare,  eines  von  4 Cent- 
ner  Gewicht,  von  dem  Freiherrn  v.  Roth  sch  ild’schen  Werke  in  Wittkowitz, 
eines  von  anderthalb  Centner  aus  dem  ehemals  Graf  Alfred  v.  Mensd  orffschen 
Werke  zu  Weitenstein  in  Steiermark.  Die  Exemplare  der  Sammlung  nehmen 
nahezu  die  ganze  Fensterseite  des  Mohs-Saales  in  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt ein.  Hatte  unsere  Londoner  Ausstellungs-Sammlung  bereits  den  Werken 
zur  Gewinnung  von  2 Millionen  Tonnen  (etw'a  40  Million  Zollcentner)  entspro- 


Bericht  vo*m  30.  Juni. 


243 


[6] 

chen,  wobei  für  eine  Anzahl  Werke  doch  noch  die  Gewichtsangaben  fehlten,  so 
dürfen  wir  wohl  hoffen  bei  dem  Umstande,  dass  dies  doch  schon  weit  über  die 
Hälfte  beträgt  (nämlich  etwa  4/7) , dass  wir  in  nicht  zu  langer  Zeit  Exemplare 
aus  weitaus  die  Mehrzahl  der  in  Arbeit  stehenden  Unternehmungen  versammelt 
sehen  werden. 

Von  London  kommen  uns  vielseitig  freundliche  und  anregende  Nachrichten 
zu,  durch  Mittheilungen  unserer  Freunde  in  England  sowohl,  als  von  unseren 
eigenen  dort  weilenden  Landesgenossen,  Herrn  k.  k.  Sectionsrath  Ritter 
v.  Schwarz  an  der  Spitze.  Herr  Professor  Dr.  Arenstein  sandte  freundlichst 
eine  Nummer  Supplement  to  tlie  Daily  News  vom  17.  Juni,  mit  einem  Berichte: 
The  International  Exhibition.  Raw  Materials.  Austria , in  welchem  auch  unserer 
Beiträge  anerkennend  gedacht  wurde.  Eine  Ungenauigkeit  enthielt  jener  Artikel, 
welchen  ich  glaube  hier  berichtigen  zum  müssen.  Es  wird  gesagt,  Herrn  Karl 
Ritter  v.  Hau er’s  Krystalle  seien  für  eines  der  englischen  Museen  angekauft 
worden *  *)•  Dies  ist  nicht  richtig.  Allerdings  sind  selbe  einem  dieser  Museen 
zugedacht,  aber  keineswegs  kaufsweise,  doch  lässt  sich  in  diesem  Augenblicke 
keine  eingehende  Mittheilung  vorlegen.  Billig  preist  jener  Artikel  unseren  be- 
kanntlich von  Herrn  Prof.  Arenstein  verfassten  und  in  der  k.  k.  Hof-  und 
Staatsdruckerei  auf  Maispapier , diesem  neuen  wichtigen  Ergebnisse  der  Erfolge 
an  jenem  grossen  Institute,  gedruckten  österreichischen  Gesammt-Ausstellungs- 
Kataloge,  so  wie  die  Anordnung  der  Ausstellung  selbst.  „Die  österreichische 
Abtheilung  ist  eine  der  grossartigsten,  anziehendsten  und  bestgeordneten  der 
ganzen  Ausstellung“  3).  Wir  dürfen  wohl  hier  unseren  Gefühlen  von  Dankbarkeit 
und  Verehrung  für  diese  grossen  Erfolge  den  Raum  gewähren,  wenn  uns  auch 
nicht  gestattet  sein  kann,  mehr  in  das  Einzelne  uns  zu  vertiefen. 

Mit  dankbarer  Anerkennung  erhielten  wir  von  dem  Königlich-Preussischen 
Handels-Ministerium  zugesandt  den  „ Official  Catalogue  of  the  Mining  and 
Metallurgical  Products ; Class  /.  in  the  Zollverein  Departement  of  the  Inter- 
national Exhibition  1862.  Compiled  under  the  immediate  direction  of 
Mr.  Von  Dechen  by  Dr. Hermann  Wedding.“  Es  darf  dies  als  ein  wahres  Muster- 
werk zur  Vergleichung  bezeichnet  werden,  und  wird  nicht  fehlen  in  künftigen 
Fällen  ein  wahres  Handbuch,  einen  Leitfaden  darzustellen.  Es  ist,  mit  einem  Worte 
ganz  des  Geistes  und  der  Thatkraft  unseres  hochgeehrten  langjährigen  Gönners 
und  Freundes  Heinrich  von  Dechen  würdig. 

Von  Seite  der  Königlich-Bayerischen  Staatsregierung  wurde  uns  von  Seiner 
Excellenz,  dem  Herrn  Staatsminister  und  Gesandten  Grafen  von  Bray-Stein- 
burg  ein  Exemplar  des  kürzlich  erschienenen  grossen  Werkes  „Geognostische 
Beschreibung  des  bayerischen  Alpengebirges  und  seines  Vorlandes**.  Herausge- 
geben auf  Befehl  des  k.  bayer.  Staatsministeriums  der  Finanzen.  Ausgearbeitet 
nach  seinem  im  dienstlichen  Aufträge  vorgenommenen  geognostischen  Unter- 
nehmungen von  C,  W.  Gümbel,  königl.  Bergmeister.  Mit  fünf  Blättern  einer 
geognostischen  Karte  des  Königreiches  Bayern,  1 Blatt  Gebirgsansichten,  und 
42  Profiltafeln,  nebst  Holzschitten.  Das  Werk  selbst  ist  seiner  Natur  nach  ausser- 
ordentlich wichtig  für  unsere  eigenen  Forschungen  durch  die  Mitglieder  der  k.  k. 


1)  The  same  Institute  exhibits  a series  of  crystals  of  soluble  Chemical  bodies , 360  in  num- 
ber;  they  have  been  artificially  prepared  by  M.  von  Hauer , and  certainly  have  never 
been  excelled  for  the  extraordinary  correctness  of  their  form.  We  are  happy  to  be  able 
to  state  that  this  unrivalled  collection  has  been  purchased  for  one  of  our  museums. 

2)  The  Austrian  department  is  one  of  the  gründest , most  interesting,  and  best  arranged  in 

* the  entire  Exhibition. 

gg* 


244 


Verhandlungen. 


m 

geologischen  Reichsanstalt,  daher  wir  stets,  der  Anordnung  des  Unternehmens  durch 
Seine  Majestät  den  König  Maximilian  II.,  und  seit  dem  Beginne  der  Ar- 
beiten, rnit  der  grössten  Theilnahme  der  Entwickelung  derselben  folgten.  Nament- 
lich war  Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von  Hauer  stets  in  lebhafter  Be- 
ziehung mit  Herrn  Giim b e 1 , wie  sie  denn  namentlich  auch  im  Jahre  1857 
gemeinschaftlich  eine  Anzahl  von  Untersuchungen  in  Nord-Tirol  durchführten. 
An  vielen  Stellen  unseres  Jahrbuches  ist  von  den  Erfolgen  des  sorgsamen,  in 
Untersuchung  und  Bearbeitung  unermüdeten Forschers  C.  W.  Gümbel  berichtet, 
und  nun,  wo  seine  grosse  „Geognostische  Beschreibung“  vorliegt,  gilt  es  uns 
erst  recht  als  ein  wahres  Grundwerk,  umfassend  wie  es  ist,  in  Grossoctav  ein 
Band  von  948  Seiten,  und  dazu  die  Karten  iri  dem  Maasse  von  1 : 100.000,  die 
vier  Sectionen  Sonthofen,  Werdenfels,  Miesbach,  Berchtesgaden,  nebst  zuge- 
hörigen Übersichtskarten  enthaltend,  die  Gebirgsschichten  durch  43  Farben  und 
Zeichen  gegeben,  in  der  bekannten  hohen  Vollendung  von  Perthes  in  Gotha, 
mit  Farbendruck  von  C.  Hellfarth. 

Eben  erst  erschien  und  ist  uns  von  dem  Verfasser,  Herrn  Nevil  Story 
Maskelyne  freundlichst  zugesandt  das  Verzeichniss  der  Meteoriten  im  Britischen 
Museum  in  London.  In  wenig  Jahren  hat  Herr  Maskelyne  vermocht  diese 
Sammlung,  von  etwa  70  Localitäten,  als  er  sie  übernahm,  auf  nicht  weniger  als 
94  an  Meteorsteinen  und  64  an  Meteoreisen  zu  bringen,  nun  zu  den  reichsten 
überhaupt  gehörend,  und  durch  eine  Anzahl  seltener  und  grosser,  namentlich 
ostindischer  Exemplaren  ganz  unvergleichlich.  Zu  den  grossen  Prachtstücken  ge- 
hören namentlich  Wold  Cottage  vom  13.  December  1795  von  47  Pfund,  Durala 
in  Ludiana  vom  18.  Februar  1815,  früher  im  East  India  House  29  Pfund,  noch 
nicht  beschrieben,  Nellore  vom  23.  Jänner  1852  30  Pfund.  Parnallee  vom  28.  Fe- 
bruar 1857,  letztere  beiden  von  dem  Museum  in  Madras  eingeliefert,  New  Con- 
cord,  Ohio  vom  1.  Mai  1860  17  Pfund,  Dhurmsala  vom  14.  Juli  1860  28  Pfund, 
und  von  dem  Falle  von  Gorukpur,  Piprassi  vom  12.  Mai  1861  ein  Stein  von 
5 Pfund.  Über  die  Fälle  von  Nellore,  Parnallee,  Gorukpur  hat  Herr  Director 
Haidinger  an  unsere  Kaiserliche  Akademie  der  Wissenschaften  Berichte  er- 
stattet. Ferner  sind  an  grösseren  Eisenmassen  in  London,  Otumpa  1400  Pfund, 
Lockport  11  Pfund,  Atacama  22  Pfund,  Claiborne  C.  Alabama  49  Pfund,  Cocke 
C.,  Tennessee  60  Pfund,  Sivier  C.,  Tenn.  55  Pfund,  Arva  14  Pfund,  Carthage, 
Smith  C.,  Tenn.  54  Pfund,  Seeläsgen  17  Pfund,  dem  sich  wohl  demnächst  einer 
oder  der  andere  der  grossen  Blöcke  von  Cranbourne  anschliessen  wird.  Herr 
Maskelyne  hat  grosses  Verdienst  in  der  mit  höchstem  Eifer  durchgeführten 
Vermehrung  dieser  Abtheilung  der  unter  seiner  Leitung  stehenden  mineralogi- 
schen Abtheilung  des  reichen  Britischen  Museums,  und  ohne  Zweifel  wird  uns 
auch  von  dort  mancher  wissenschaftliche  Bericht  über  die  zahlreichen  Aufsamm- 
lungen mitgetheilt  werden. 

Eben  im  Schlüsse  des  gegenwärtigen  Berichtes  kommt  uns  ein  höchst 
anregendes  Schreiben  zur  Hand,  von  Calcutta  am  18.  Mai  von  unserem  hochver- 
ehrten Freunde  und  trefflichen  früheren  Arbeitsgenossen,  Freiherrn  v.  Richt- 
hofen. Schon  bis  Molmen  war  ihm  unseres  hochverehrten  Freundes  Oldham 
Einladung  entgegengekommen,  in  Calcutta  in  seinem  Hause  abzusteigen,  und  er 
verweilte  doch  vier  Wochen  mit  der  höchsten  Theilnahme  für  die  Arbeiten  der 
geologischen  Landes-Aufnahme  von  Indien.  „Ich  hatte  alle  Gelegenheit  Herrn 
Oldham’s  geologische  Anstalt  kennen  zu  lernen.  Er  selbst  hat  in  diesem 
drückenden  Klima  eine  solche  bewunderungswürdige  Thätigkeit  und  Energie 
bewährt,  dass  sie  nur  von  bestem  Einfluss  auf  die  rasche  Entwickelung  eines 
solchen  Institutes  sein  können.  Die  Zahl  der  Mitglieder  wächst  stetig,  und  das 


Bericht  vom  30.  Juni.  Freih.  v.  Richthofen. 


248 


[8] 

einzige  Hinderniss  eines  noch  schnelleren  Wachsens  ist,  dass  so  Wenige  hier 
herauskommen  wollen.  Jetzt  stehen  bereits  13  Geologen  unter  Herrn  Oldham's 
Leitung,  und  eben  reist  derselbe  nach  Europa,  um  fünf  andere  herauszuholen. 
Aber  selbst  mit  der  zehnfachen  Zahl  könnten  doch  die  Aufnahmen  nur  langsam 
vorwärts  gehen;  denn  wie  gross  Indien  ist,  das  merkt  man  erst,  wenn  man  auf 
der  Karte  die  kleinen  rothen  Flecke  findet,  mit  denen  die  bisher  aufgenommenen 
Gebiete  bezeichnet  sind;  und  doch  hat  Indien  jährlich  ein  Gebiet  von  ungefähr 
400  deutschen  Quadratmeilen  aufzunehmen.  Die  Reisen  geschehen  hier  im 
Winter,  die  warme  Jahreszeit  vereinigt  einen  Theil  der  Mitglieder  in  Calcutta, 
aber  es  finden  keine  Versammlungen  statt  wie  in  Wien. 

Es  ist  bewunderungswürdig,  wie  viel  in  der  kurzen  Zeit  des  Bestehens  der 
Anstalt  geschehen  ist,  überdies  bei  den  Arbeiten  unter  so  grosser  Schwierigkeit, 
wie  Klima,  beschwerliches  Reisen,  Ausgedehntheit  des  Gebietes,  Mangel  an 
Karten  u.  s.  f.  Die  Schwierigkeiten,  mit  denen  Sie  in  Wien  vor  nicht  zu  langer 
Zeit  zu  kämpfen  hatten,  ist  allerdings  die  hiesige  geologische  Anstalt  so  glück- 
lich, nicht  zu  kennen.  Begünstigung  von  oben  fördert  ihre  Entwickelung  fort- 
während, seitdem  Herr  Oldham  sie  in’s  Leben  rief.  Die  Mitglieder  sind  pecuniär 
gut  gestellt,  und  stehen  ihnen  alle  Hilfsmittel  zu  Gebote.  Eine  reiche,  vortreff- 
lich ausgewählte  Bibliothek  steht  unter  Herrn  Oldham's  eigener  Leitung.  Die 
Sammlungen  haben  schon  einen  bedeutenden  Umfang  gewonnen  und  sind  ähnlich 
wie  in  Wien  aufgestellt.  Es  liegt  in  ihnen  ein  reiches  Material  zur  Bearbeitung 
vor  und  es  ist  nur  zu  bedauern,  dass  es  wie  bei  der  Reichsanstalt  an  der  hin- 
reichenden Zahl  der  Bearbeiter  fehlt.  Mehrere  Formationen  sind  durch  vortreff- 
liche Suiten  von  Versteinerungen  vertreten  und  es  scheint  keine  der  europäi- 
schen Formationen  in  Indien  zu  fehlen.  Herr  Oldham  bearbeitet  eben  die 
Flora  der  kohlenführenden  Schichten  von  Rajmahal,  Herr  Theobald  eine 
Reihe  sehr  merkwürdiger  Versteinerungen  aus  einer  Formation,  welche  nach 
ihren  Ammoniten  dem  Lias  zuzugehören  scheint,  aber  auch  einen  echten  Cera- 
titen  führt.“ 

Freiherr  von  Richthofen  hatte  seinen  Lieblings- Plan  über  Nordwest- 
Indien  und  die  vorliegenden  Gebirgsländer  nach  Sibirien  vorzudringen,  auf  die 
in  Calcutta  aufgesammelten  Erkundigungen  gänzlich  aufgeben  müssen,  und  hatte 
sich  bereits  wieder  am  21.  Mai  nach  Shanghai  eingeschifft,  wo  ihm  im  Verfolge 
seiner  Reisen  Yesso  und  die  Amur-Länder  noch  als  grosse  Erfolge  versprechende 
Aufgaben  vorliegen.  Herr  Oldham  seiner  Seits  verlässt  Calcutta  am  9.  Juni 
auf  dem  Wege  zur  International-Ausstellung  in  London,  und  wir  werden  wahr- 
scheinlich gegen  Ende  October  seinen  freundlichen  Besuch  in  Wien  gewärtigen 
können.  Er  theilt  mit,  dass  in  Calcutta  für  das  so  rasch  anwachsende  Museum  des 
Indischen  Geological  Survey,  zu  gemeinschaftlicher  Benützung  mit  der  Asiatic 
Society  of  Bengal  eben  der  Bau  eines  grossen  Museums-Palastes  beschlossen 
worden  sei,  an  dessen  Herstellung  unmittelbar  Hand  angelegt  werden  wird. 

Noch  am  30.  Juni  hatten  wir  das  Vergnügen  in  Wien  Herrn  William  T, 
Blanford,  einen  der  verdienstvollsten,  kenntnissreichen  Theilnehmer  an  den 
geologischen  Landesaufnahmen  von  Indien  willkommen  zu  heissen,  der  ebenfalls 
einen  Urlaub  für  das  Studium  der  Ausstellung  in  der  Heimat  benützt. 

Herr  Mich.  Simettinger, fürstl.  v. Liechtenstei n’scher  Berg-Ingenieur, 
sandte  eine  Anzahl  Exemplare  von  Brauneisenstein  aus  der  fürstl.  v.  Salm’sehen 
Josephi-Ueberschaar-Zeche  bei  Quittein  unweit  Müglitz  in  Mähren,  welche  sich 
dadurch  auszeichnen,  dass  ihre  Oberfläche  von  einem  gelblich-weissen , durch- 
scheinenden Allophan-Ueberzuge  überdeckt  ist,  von  der  dünnsten  Schicht  bis  zu 
drei  Linien  Dicke.  Es  ist  ein  Vorkommen  aus  dem  „alten  Mann“;  nach  Herrn 


246 


Verhandlungen. 


[9] 


Schichtmeister  Medritzer  in  zehn  Klafter  Teufe  aus  einem  Abbaue,  der  in 
den  Jahren  1842  bis  1843  im  Betriebe  war.  Die  Ablagerung  dieses  Ueberzuges 
fand  vorzüglich  in  den  Hangend-Partien  statt.  Das  Hangende  des  Erzlagers 
selbst  bilden  in  derNähe  dieses  Verhaues  „weisse  kalkige  Chloritschiefer,“  die  je 
näher  dem  Tage,  an  Eisengehalt  zunehmen,  ganz  aufgelöst  sind,  bis  zum  Zu- 
stande eines  rothen  sandigen  Lettens.  Das  Liegende  ist  dunkler,  fester,  deutlich 
geschichteter  Chloritschiefer. 

Von  Herrn  k.  k.  Appellationsrath  J.  Nechay,  Ritter  v.  Fels  eis,  unserm 
vieljährigen  hochverehrten  Gönner  und  Freunde,  erhielten  wir  eine  Anzahl 
Exemplare  von  gediegenem  Schwefel  mit  Bleiglanz  aus  der  alten  Grube  von 
Truskawetz,  Badeort,  9 Meilen  südwestlich  von  Lemberg,  so  wie  Proben  von 
begleitenden  Bergarten,  nebst  der  Schilderung  der  Gewinnung  von  Naphtha  in 
den  Brunnen,  und  von  Camphin  durch  Destillation,  von  Tustanowitz,  westlich  von 
Truskawetz , ferner  blaues  Salz  von  Kalusz  und  Bernstein  mit  eingeschlossenen 
Insecten  von  Lemberg,  endlich  eine  Anzahl  Baculiten  von  Nagorzany  von  neuen 
Aufsammlungen. 

Auf  die  freundliche  Veranlassung  von  Herrn  Ferdinand  Müller,  Director 
des  botanischen  und  Acclimatisationsgartens  in  Melbourne,  übersandte  uns  als  ein 
sehr  werthvolles  Geschenk,  Herr  C.  W.  Ligar,  Surveyor  General  von 
Victoria,  die  unter  seiner  Leitung  gewonnenen  und  herausgebenen  Karten  der 
Colonie  Victoria  in  8 Blättern,  Maassstab  8'/z  englische  Meilen  = 1 Zoll,  die- 
selbe in  zwei  Blättern,  17  englische  Meilen  = 1 Zoll,  endlich  ein  Blatt  Karte 
der  neuesten  Entdeckungen,  bereits  die  von  Wills  und  Burke  enthaltend,  in  dem 
Maasse  von  110  englischen  Meilen  = 1 Zoll. 

Dem  hohen  k.  k.  Finanz-Ministerium  sind  wir  für  eine  fiir  die  Erweiterung 
unserer  Sammlungen  höchst  wichtige  Verordnung  zu  dem  grössten  Danke  ver- 
pflichtet, in  Folge  welcher  uns  vor  wenigen  Tagen  eine  Anzahl  von  zehn  Goldstufen 
aus  neuen  Arbeiten  durch  die  k.  k.  Berg-,  Forst-  und  Salinen-Direction  für  Sieben- 
bürgen, gegen  Entschädigung  des  blossen  inneren  Goldwerthes  zugesandt  worden 
waren.  Sie  stammen  aus  den  Csertester  Reviersgruben  von  Magura  und  Valjear- 
szuluj,  und  sind  theils  moosartige  theils  feinblattförmige  Drusen,  so  wie  kleine 
dickere  Krystalle,  alles  auf  krystallinischen  etwa  1 bis  2 Linien  dicken  Quarzüber- 
zügen auf  dem  dortigen  viele  feine  Krystalle  von  Schwefelkies  enthaltenden  Grün- 
steinporphyr, zum  Theil  mit  unscheinbaren,  mattweissen  Schwerspathkrystallen 
und  etwas  Blende,  ein  paar  Stückchen  Gold  in  krystallinischem  Gyps,  dessen 
Individuen  mehr  als  einen  Zoll  im  Durchmesser  besitzen.  Ein  charakteristisches 
Stück  von  8*6  und  3 Zoll  Durchmesser  der  Quarzgangbildungen  war  beigelegt, 
ein  Netz  von  sich  durchkreuzenden,  zum  Theil  weniger  als  eine  Linie  starken 
Gängen,  zwischen  welchen  das  frühere  Grundgestein  erst  aufgelöst  und  zerstört, 
und  dann  vollständig  fortgeführt  worden  war.  Die  Sendung  ist  uns  an  sich, 
namentlich  auch  für  den  Fundort,  werthvoll  und  lehrreich. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


der  k.k. geologischen 


Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  III. 


Der  Boden  der  Stadt  Wien  nach  seiner  Bildungsweise , Be- 
schaffenheit und  seinen  Beziehungen  zum  bürgerlichen  Leben. 

Eine  geologische  Studie  von  Eduard  Suess. 

Mit  21  Holzschnitten  und  1 Karte  in  Farbendruck.  Wien  1862.  Wilhelm  Braumüller, 
k.  k.  Hofbuchhändler.  8<>-  326  S. 


Bericht  von  Wilhelm  Haidinger. 

Dem  hochverdienten  Verfasser  dieses  längst  sehnlich  erwarteten  Werkes 
wünsche  ich  gleich  bei  dem  Erscheinen  desselben  meine  hohe  Anerkennung  für 
den  Werth  der  Leistung  auszusprechen.  Wohl  darf  ich  mich,  ohne  besondere 
Anmaassung  zu  den  Fachmännern  zählen,  „welche“,  wie  Herr  Professor  Suess 
in  dem  Vorworte  bemerkt,  „an  dem  Zustandekommen  dieser  Schrift  einen  un- 
mittelbaren oder  mittelbaren  Antheil  genommen  haben.“  Führt  er  ja  doch  so 
viele  Arbeiten  gediegener  Forscher  unter  denQuellen  an,  die  Namen  Franz  v.  H a u e r, 
Czjzek,  Hörnes,  Freih.  CI.  v.  Hügel,  v.  Morlot,  Reissek,  C.  v.  Ettings- 
hausen, Hecke],  Fo etter le,  Wolf,  Stur,  deren  Arbeiten  theils  in  den  von 
mir  auf  Subscription  herausgegebenen  Berichten  über  die  Mittheilungen  von 
Freunden  der  Naturwissenschaften  in  Wien,  im  Druck  erschienen  seit  24.  No- 
vember 1846,  theils  in  den  Schriften  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  durch 
meine  Hand  gingen,  unter  steter  aufmerksamer  Theilnahme,  eine  und  die 
andere  wohl  von  mir  selbst  veranlasst.  Gerne  verweile  ich  einen  Augenblick  auf 
diesem  Abschnitte  reger  Entwickelung,  dessen  auch  Suess  anerkennend  ge- 
denkt, denn  er  zeigt  die  grosse  Bewegung  freiwilliger  Theilnahme  an  wissen- 
schaftlicher Arbeit  im  Ganzen,  welche  unsere  neueste  Zeit  bezeichnet,  und  an 
welcher  erfolgreich  Theil  genommen  zu  haben  ich  wohl  mit  Beruhigung  bean- 
spruchen darf.  Die  wissenschaftlichen  Arbeiten  unseres  trefflichen  Suess  fanden 
bald  einen  wohlwollenden  Mittelpunkt  in  dem  Kreise  unserer  „Freunde  der  Na- 
turwissenschaften.“ Im  k.k.  Hof-Mineraliencabinete,  dem  er  bald  darauf  als  Mit- 
glied angehörte,  eröffneten  sich  ihm  Felder  der  Studien,  die  er  sorgsamst 
bearbeitete,  und  wo  sich  ihm  nach  und  nach  die  Ueberzeugung  heraussMIte, 
dass  die  Erforschung  der  Umgegend,  die  ihm  so  genau  bekannt  war,  auch  über 
die  Zusammensetzung  des  Bodens  der  eigentlichen  Stadt  und  der  Vorstädte  von 
Wien,  das  wahre  Licht  verbreiten  müsse  und  die  nicht  ohne  praktischen,  tief  in 
das  Leben  der  Bewohner  eingreifenden  Nutzen  bleiben  könnte.  Höchst  anregend 
wirkte  die  in  dieser  Zeit  von  dem  k.  k.  Ministerium  des  Innern  über  die  Fragen 
der  Wasserversorgung  und  Canalisation  unter  dem  Vorsitze  des  Freih.  v.  Ba  um- 
gar tn  er  eingesetzte  Commission,  bei  welcher  auch  zwei  Mitglieder  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt,  die  k.  k.  Bergräthe  v.  Hauer  und  Foetterle 
ebenfalls  gegenwärtig  waren.  Aber  Herr  Professor  Suess  hatte  während  dieser 
Zeit  noch  weitere  Vorbereitungen  getroffen.  Als  die  Vorträge  an  dem  k.  k.  mon- 
tanistischen Museum  ihr  Ende  erreichten  , sorgte  er  für  Heranbildung  theilneh- 
mender  Freunde,  die  sich  ihm  in  seinen  Arbeiten  anschlossen,  der  Herren  Let  o cha. 


* 


248 


Der  Boden  der  Stadt  Wien  nach  seiner  Bildungsweise. 


[2] 


Karrer,  Stoliczka,  Steindachner,  Paul,  welche  zum  Theile  auch  uns  in 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  wieder  zu  Gute  kommen.  Nach  allen  Rich- 
tungen in  sorgsamster  Weise  vorbereitet,  hatte  Herr  Professor  Suess  die  Um- 
risse des  gegenwärtigen  Werkes  in  seinen  drei  im  Gebäude  der  Kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  im  Jahre  1858  gehaltenen,  mit  so  grosser  Theil- 
nahme  aufgenommenen  Vorträgen,  und  in  den  auf  Anregung  der  k.  k.  Gesell- 
schaft der  Aerzte  im  December  1861  gehaltene  Vorlesungen  ausgebildet,  wel- 
chen nun  die  Erfüllung  gefolgt  ist.  Den  eben  genannten  Quellen  schliessen  sich 
später  die  wichtigen  Arbeiten  von  V.  Streffleur  über  die  Oberflächen-Verhält- 
nisse  des  Bodens,  so  wie  eine  ungemeine  Menge  von  neuen  von  Suess  selbst 
aufgesammelten  Thatsachen  an. 

Wir  sehen  nun  in  lichtvoller  Reihung  und  Darstellung  die  einzelnen  Abthei- 
lungen der  Schrift  sich  aufeinander  folgen.  Erst  die  Lage  von  Wien,  in  der  Ein- 
senkung des  Alpen-  und  Karpathen-Gebirgszuges  und  zwar  in  der  Breite  der 
nördlichen  Kalkgebirgskette,  mit  Rückblicken  auf  die  eben  durch  diese  geographi- 
sche Lage  bedingte  culturhistorische Stellung  unserer  grossen  Reichs-Haupt- und 
Besidenzstadt  Wien,  die  Gestalt  und  die  Wässer  der  Oberfläche.  Sodann  in  einem 
zweiten  Abschnitte  das  Geologische,  die  Tertiärbildungen  mit  ihren  aufeinander 
folgenden  marinen,  brackischen  und  Süsswasserbildungen,  die  Diluvialbildungen 
von  Löss  und  Schotter,  die  Alluvialbildungen  von  Silt  und  Schotter.  Dazu  überall 
in  zweckmässigster  Auswahl  die  Abbildungen  der  für  die  Schichten  am  meisten 
charakteristischen  Fossilreste,  so  dass  ein  wahrer  Leitfaden  für  Erkennung  der 
Schichten  beim  Graben  der  Brunnen  entsteht.  Hier  auch  die  wichtigen  Nachweise 
des  Einflusses  der  Erdrotation  auf  den  grösseren  Druck,  welchen  fliessende  Gewässer 
in  der  nördlichen  Erdhemisphare  auf  ihr  rechtes  Ufer  ausüben  und  es  vorzugsweise 
unterwaschen  und^erstören.  Daher  der  erste  Steilrand  des  Grundes  von  Döbling 
an,  längs  der  Währingergasse,  derNordseite  des  „alten  Wien“  noch  dieForm  des 
römischen  Castrums  ersichtlich,  an  der  Ferdinandsbrücke  vorbei,  dann  wieder 
deutlich  erkennbar  in  dem  Garten  des  fürstlich  v.  Liechtenstein’schen  Palastes 
auf  der  Landstrasse.  Weiter  entfernt  von  der  Donau  ein  zweiter  Steilrand  von 
der  Währingerlinie  gegen  die  Josephstadt,  Laimgrube,  Karlskirche,  den  Rennweg. 
Die  an  vielen  Stellen  mächtige  Lage  von  Schutt,  aus  historischen  Zeiten  in  seiner 
grossen  Bedeutung  aufmerksam  gewürdigt,  sodann  die  so  einflussreichen  Bezie- 
hungen der  in  Wien  verwendeten  Baumaterialien,  von  Tegel  und  den  Ziegel- 
gruben, Sand,  Stein,  was  wieder  zu  den  genauesten  Angaben  Veranlassung 
wird.  Hier  unter  andern  die  geistvolle  Nachweisung  der  Entstehung  der  Stein- 
kerne von  solchen  Conchylien,  deren  Schalen  im  lebenden  Zustande  nicht  ausKalk- 
spath,  sondern  aus  Aragonit  bestanden.  Topographisch  verfolgt  sodann  in  einem 
dritten  Abschnitte  Schritt  für  Schritt  Herr  Professor  Suess  die  Schichten,  von 
den  höchsten  Alluvialbildungen  im  oberen  und  unteren  Werd,  und  von  den  Dilu- 
vialbildungen bis  zu  den  tiefsten,  welche  an  die  Oberfläche  treten,  in  der  innern 
Stadt  und  in  allen  Vorstädten,  von  der  westlichsten  um  die  Stadt  südlich  herum 
bis  zu  der  östlichsten  fortschreitend,  von  der  Nussdorferlinie  bis  an  den  Wien- 
fluss und  von  diesem  wieder  bis  an  den  Steilrand  in  Erdberg,  mit  zahlreichen 
einzelnen  Nachweisen  aus  den  aufgesammelten  Erfahrungen  bei  Brunnen- 
anlagen und  anderen  Arbeiten.  Angeschlossen  eine  rasche  Uebersicht  der  ganzen 
Bodengestaltung.  Hier  auch  die  Bodenkarte  der  Stadt  Wien  und  auf  derselben 
sowohl  die  Coten  der  Oberflächengestaltung,  als  auch  die  der  Oberflächengestal- 
tung des  Tegels,  der  einen  die  ganze  Stadt  umgebende  Steilrand  nachweist.  Herr 
Professor  Suess  beweist,  dass  die  Auswaschung,  von  welcher  dieser  Steilrand 
abhängt,  nach  der  Ablagerung  des  Belvedereschotters,  also  nach  unsern  jüngsten 


Beschaffenheit  und  seinen  Beziehungen  zum  bürgerlichen  Leben. 


249 


[3] 

Tertiärbildungen  stattgefunden  hat,  aber  vor  unsern  Diluvialbildungen , welche 
demselben  angelagert  sind. 

In  dem  vierten  Abschnitte,  der  dem  Boden'  in  seinen  Beziehungen  zum  bür- 
gerlichen Leben  gewidmet  ist,  nimmt  die  Wasserführung  die  erste  Stelle  ein. 
Hier  ist  die  natürliche  Abtheilung  der  Stadt  in  zwei  Bezirke  durch  die  bereits 
mit  160  Punkten,  mehreren  davon  ganzen  Strassen  entlang,  sorgsam  nachge- 
wiesenen Gestaltung  der  Oberfläche  der  Tegelunterlage  bedingt.  Der  Steilrand 
desselben  bildet  die  Grenze  bis  zu  welcher  die  durchlässigen  Alluvialschichten 
die  Infiltration  des  Donau wassers  gestatten.  In  der  innern  Stadt  hebt  sich  ein 
halbmondförmiger  Tegelrücken  empor.  Bis  auf  den  Tegel  nieder,  der  selbst  als 
wasserdicht  betrachtet  werden  kann,  sinken  die  Grundwasser.  Die  grössere 
Härte  der  Brunnenwasser  ist  deutlich  durch  diese  Grundwasser  bedingt.  Herr 
Professor  Suess  weist  nun  den  verschiedenen  Brunnen  ihre  Stelle  in  den  drei 
Abtheilungen  an,  den  Donaubrunnen,  welche  von  mit  Grundwasser  gemischtem 
Donauwasser  gespeist  werden,  den  Seihebrunnen  , welche  blos  Grundwasser 
haben,  und  den  Tegelbrunnen,  in  welchen  man  Wasser  auf  durchlassenden  Sand- 
schichten in  grösserer  oder  geringerer  Tiefe  antrifft.  Höchst  anregend  ist  hier 
die  Beurtheilung  der  Ergebnisse  der  Untersuchungen  der  Brunnenwasser  in 
Beziehung  auf  ihre  Härte,  wie  sie  auf  Veranlassung  der  oben  erwähnten 
Ministerial-Commission  von  mehreren  unserer  Chemiker  an  nicht  weniger  als 
157  Brunnen  ausgeführt  wurden,  wie  sie  deutlich  durch  ihre  Härtegrade  auf 
ihren  Untergrund,  und  die  Lage  gegen  die  Oberfläche  der  nicht  durchlassenden 
Tegelschichte  oder  auf  andere  eigenthümliche  nachweisbare  Verhältnisse  schlos- 
sen lassen.  Für  die  Seihebrunnen  wird  die  Oberfläche  durch  Neubauten  immer 
mehr  eingeschränkt,  manche  Saugecanäle  mussten  schon  aufgegeben  werden,  bei 
anderen  steht  dies  noch  bevor,  wie  denn  die  Lage  derselben  mit  Beziehung  auf 
die  Lage  mancher  Friedhöfe  eine  wenig  angemessene  ist.  Für  Tegelbrunnen- 
Bohrungen  ist  die  Thatsache  wichtig,  dass  die  bisherigen  Versuche  auf  dem 
Getreidemarkte  und  im  Raaber  Bahnhof  noch  die  tiefsten  marinen  Schichten 
nicht  erreicht  haben.  Man  würde  jedenfalls  nach  Suess  auf  eine  Steigkraft  von 
47  Fuss  über  dem  Pflaster  des  Stephansplatzes  rechnen  können,  welche  bereits 
in  den  brackischen  Schichten  erreicht  war.  Ein  besonderer  sehr  wichtiger 
Artikel  ist  dem  Auftreten  und  der  Verbreitung  der  Cholera  im  Jahre  1855 
gewidmet,  mit  Beziehung  auf  die  Grundwasser  selbst,  vorzüglich  aber  auf  die 
Lage,  Richtung  und  den  Zustand  der  Cloaken.  Herr  Professor  Suess  hat  nicht 
versäumt  in  diesen  Abschnitten  mehrfach  der  Arbeiten  und  Ansichten  der  Herren 
D eiesse  über  Paris,  Pettenkofer  über  München  und  Anderer  anerkennendst 
zu  gedenken. 

In  einem  wichtigen  und  gewiss  nach  allen  Richtungen  recht  sehr  zu  beher- 
zigenden Schlussworte  stellt  Herr  Professor  Suess  Betrachtungen  über  die 
Salubritätsverhältnisse  von  Wien  auf  Grundlage  der  bisher  gewonnenen  Boden- 
kenntniss  an,  wie  die  durchschnittliche  Verlängerung  der  Lebensdauer  als  das 
Wichtigste  sich  darstellt.  „Mit  der  Lebensdauer  steigt  auch  die  Gesundheit  des 
einzelnen  Individuums  und  mit  dem  physischen  Wohlsein  seine  physische  Kraft, 
seine  Arbeitsfähigkeit  und  Arbeitslust,  seine  Wohlhabenheit  und  endlich  sein 
moralisches  Wohlsein. „Alle  Principien",  sagt  Play  fair  ( Report  on  the  State 
of  large  Towns  in  Lancashire,  pag.  130),  „welche  zur  guten  Ordnung  und  zum 
Gedeihen  des  Staates  führen,  sind  enthalten  in  der  Verbesserung  des  Gesund- 
heitszustandes der  Bevölkerung“.  Hier  findet  das  grosse  Bedürfniss  einer  bessern 
Versorgung  mit  Wasser  seine  Stelle,  und  wie  von  den  beidenFragen,  von  Donau- 
leitungen, oder  von  Leitungen  aus  den  Gebirgsgegenden  sich  eine  grosse  Anzahl 

hh 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


250  Der  Boden  der  Stadt  Wien  nach  seiner  Bildungsweise,  Beschaffenheit  u.  s.  w 


[4] 

von  Stimmen  für  die  Wasser  der  Fischa-Dagnitz  ausgesprochen.  Auch  die  „Ent- 
täuschung“ als  „im  vergangenen  December,  nach  so  vielen  gründlichen  und 
mühsamen  Studien,  die  Vertreter  der  Commune  eine  Aufforderung  erlassen 
konnten,  welche  die  Möglichkeit  offen  liess,  dass  dieses  Werk  in  die  Hand  einer 
Privatgesellschaft  falle“.  Herr  Professor  Suess  macht  gewiss  mit  vollem  Hechte 
bemerklich,  wie  ein  solches  Ereigniss,  wenn  es  einträte,  als  das  gefährlichste 
Monopol  sich  in  seiner  Entwickelung  zum  Nachtheile  der  Bevölkerung  darstellen 
würde.  Ihm,  der  so  tiefe  Kenntniss  der  natürlichen  Verhältnisse  besitzt,  muss  es 
freilich  unbegreiflich  scheinen,  wie  man  von  Seite  der  Träger  des  allgemeinen 
Vertrauens  sich  der  Pflicht  entschlagen  kann,  demselben  zu  entsprechen,  indem 
man  den  Schwierigkeiten  der  Lage  auszuweichen  scheint,  aber  nun  gerade  das 
versäumt,  um  dessentwrillen  man  das  Vertrauen  geniesst.  die  wahre  Sorge  für 
das  Wohl  der  Gemeinde.  Aber  selbst  ein  Ueberfluss  an  nun  zugeführtem  Wasser, 
ohne  entsprechende  Entwässerung  , gäbe  nur  neue  Herde  für  die  Entwickelung 
von  Krankheiten  durch  vermehrte  Durchfeuchtung  des  Bodens,  durch  vermehrten 
stagnirenden  Cloaken-Inhalt  in  den  tiefer  liegenden  Theilen.  ln  den  höher  lie- 
genden besitzt  andererseits  wieder  namentlich  der  Matzleinsdorfer  Friedhof  eine 
durch  die  geologische  Sfructur  des  Bodens  für  die  zunächst  liegenden  Vorstädte 
höchst  ungünstige  Lage.  Um  jeden  Preis  sollte  verhindert  werden,  dass  das 
Grundwasser  der  Leiehenhöfe  unter  unsere  Vorstädte  hereintrete,  und  Fermente 
der  Fäulniss  unter  dieselben  trage.  Die  Aufgrabungen  des  Bodens,  wo  menschliche 
Wohnungen  gestanden  haben  und  die  von  Cloaken  durchzogen  waren,  sind 
selbst  oft  Quellen  für  nachtheilige  Einflüsse  auf  die  Gesundheit. 

So  bringt  das  Studium  des  Untergrundes  von  Wien,  wie  Herr  Professor 
Suess  es  uns  vorführt,  zwar  in  erster  Linie  auf  die  grossen  Aufgaben,  welche 
uns  Allen  als  Bewohnern  von  Wien  in  ihrer  Durchführung  als  unerlässlich 
erscheinen  müssen,  eine  Pflicht  der  Selbsterhaltung,  welche  wir  nicht  von  uns 
ablehnen  dürfen,  aber  in  der  Kraft  der  Pflichterfüllung  muss  uns  auch  das  Selbst- 
bewusstsein erheben,  dass  wir  an  dem  Orte,  den  uns  die  Vorsehung  zum  Wohn 
sitze  angewiesen,  unserer  Bestimmung  in  der  menschlichen  Gesellschaft  uns 
würdig  erweisen.  „Mag  auf  dem  so  mannigfaltigen  Stück  Bodens,  der  ihr  zuge- 
fallen ist“,  so  schliesst  Herr  Professor  Suess,  „unsere  alte  Kaiserstadt  sich 
verjüngen,  und  mag  sie,  geehrt  von  den  Fremden,  geliebt  von  ihren  Bürgern, 
eingedenk  ihrer  ruhmvollen  Vergangenheit  und  unter  dem  Einflüsse  ihrer  eigen- 
thümlichen  geographischen  Lage,  einer  der  Mittelpunkte  jenes  grossen  intellec- 
tuellen  und  sittlichen  Aufschwunges  der  gesammten  Menschheit  wrerden,  der 
unsere  Zeit  vor  allen  Zeiten  auszeichnet.“ 

Mir  gereicht  es  zu  einem  der  höchsten  Genüsse,  des  Erscheinens  des 
gegenwärtigen  Werkes  noch  Zeuge  gewesen  zu  sein,  und  Ein  Wort  der  Aner- 
kennung seines  Wcrthes  ausgesprochen  zu  haben,  wobei  ich  nur  bedauern  muss, 
dass  die  vorstehenden  Zeilen  bei  dem  reichen  Inhalte  nur  ein  sehr  unvollstän- 
diges Bild  geben.  - — Das  Buch  sollte  in  der  Hand  jedes  Freundes  der  geologi- 
schen Verhältnisse  des  Untergrundes  von  Wien  sein,  aber  auch  jeder  Besitzende 
in  dem  Umfange  unserer  guten  Stadt,  jeder  der  überhaupt  Antheil  an  unseren 
gesellschaftlichen  Zuständen  und  Verhältnissen  in  denselben  nimmt,  wird  es  mit 
grösster  Befriedigung  durchnehmen.  Als  ich  es  zuerst  zur  Hand  nahm,  war  es  mir 
unmöglich,  es  wieder  weg  zu  legen,  bevor  ich  die  letzte  Zeile  desselben  gelesen. 
Ich  wünsche  , aber  ich  hoffe  es  auch,  dass  es  von  grossem  Einflüsse  sein  wird, 
eben  in  Bezug  auf  die  wichtigen  Fragen,  welche  uns  immer  dringender  vorliegen. 


Jahrbuch 


12.  Barul, 


der  k.k. geologischen 


Reichsanstalt, 


Verhandlungen  der  b.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Bericht  vom  31.  Juli  1862. 

Mit  gehobenem  Gefühle  dürfen  wir  wohl  den  Bericht  über  die  Ereignisse 
des  verflossenen  Monates  mit  den  Ergebnissen  für  die  k,  k.  geologische  Reichs- 
anstalt, der  am  11.  Juli  in  London  bekannt  gemachten  officiellen  Verzeichnisse 
der  den  Ausstellern  zuerkannten  Preise  und  Auszeichnungen  beginnen.  Nicht 
weniger  als  fünf  Medaillen  sind  uns  im  Ganzen  zuerkannt  worden,  drei  in  der 
1.  Classe:  Bergwerks-,  Steinbruch-,  metallurgische  und  Mineralprod ucte,  und 
zwei  in  der  29.  Classe:  Werke  und  Vorrichtungen  für  den  Unterricht.  Die 
Gesammtanzahl  der  Medaillen,  welche  nach  Oesterreich  kamen,  ist  für  die 
1.  Classe  überhaupt  29,  für  die  29.  Classe  22,  überhaupt  vertheilt  nahe  an  7000. 
Sie  erschienen  in  der  Wiener  Zeitung  vom  13.  und  vom  24.  Juli  unter  folgenden 
Begründungen : 

CI.  1.  2 (Nummer  des  Verzeichnisses).  15  (Ausstellungsnummer).  Wilhelm 
Haidinger,  k.  k.  Hofrath  und  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in 
Wien,  als  Gründer  und  Director  der  geologischen  Aufnahmen  mit  ehrenvoller 
Erwähnung  seiner  Hilfsarbeiter. 

15.  15.  Die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
in  Wien,  für  ihre  werthvollen  und  sorgfältig  gearbeiteten  geologischen  Karten 
des  österreichischen  Kaiserstaates. 

28.  15.  K,  k.  Director  der  geologischen  Reichsanstalt  in  Wien 
für  die  vollständige  Sammlung  und  die  statistischen  Daten  der  fossilen  Brenn- 
stoffe im  österreichischen  Kaiserstaate. 

CI.  29.  10.  1155  a.  K.  k.  geologische  Reichsanstalt  in  Wien,  für 
ihre  Karten  und  Publicationen. 

12.  15.  Karl  Ritter  v.  Hau  er,  Vorstand  im  Laboratorium  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  in  Wien,  für  eine  Sammlung  künstlicher  Krystalle. 

Man  sieht,  von  den  sämmtlichen  Gegenständen,  den  Karten,  Publicationen, 
der  Krystall-Sammlung,  der  Brennstoff-Sammlung  ist  keiner  ohne  einen  Preis 
geblieben,  dazu  noch  ein  fünfter  für  die  Gesammtheit  der  Stellung  der  Anstalt 
selbst  in  der  Person  ihres  Directors,  und  überdies  noch  die  ehrenvolle  Erwäh- 
nung sämmtlicher  Hilfsarbeiter.  Ein  höherer  Erfolg  war  wohl  in  dieser  Richtung 
nicht  möglich.  Wir  begrüssen  die  Thatsaehe  mit  dem  aufrichtigsten  innigsten 
Danke  den  sämmtlichen  wohlwollenden  Jurors,  welche  in  der  Beurtheilung  ver- 
sammelt waren,  in  der  1.  Classe  unter  dem  Vorsitze  unseres  langjährigen  Gön- 
ners und  Freundes  Sir  Roderick  Murchison,  unterstützt  von  dem  Secretär 
Warington  W.  Smyth.  Wir  fanden  uns  da  in  der  That  zu  Hause.  Aber  auch  in 
der  29.  Classe  unter  dem  Vorsitze  des  Herrn  Marquis  Gustav  Bens o di  Cavour, 
wusste  unser  hochverehrter  Freund  Herr  Nevil  Story  Maskelyne  aus  früherer 
Zeit  den  Werth  der  von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  dargestellten  Prachtkrystalle 
entsprechend  zu  schätzen. 

v hh# 


252 


Vcihandlun^en. 


[2] 

Nicht  das  Erringen  der  Preise  war  es  übrigens,  das  uns  in  der  Anmeldung 
und  Vorbereitung  zu  den  Arbeiten  der  Ausstellung  belebte,  sondern  das  Gefühl 
der  Pflichterfüllung,  da  nicht  zu  fehlen,  wo  der  Ruf  an  unser  grosses  Oester- 
reich ergeht.  Es  war  dasselbe,  welches  uns  in  früheren  schwierigen  Abschnitten 
unserer  Entwickelungen  beruhigte,  dasselbe,  welches  immer  allen  unseren 
Arbeiten  zum  Grunde  lag.  Der  Pflichterfüllung  verdanken  wir  alle  unsere 
Erfolge. 

Im  Verlaufe  des  Monats  Juli  wurden  die  Aufnahmsarbeiten  unserer  ersten 
Section  mächtig  gefördert,  mit  der  Absicht,  welche  nun  der  Erfüllung  sich 
nähert,  die  Karte  des  Königreiches  Böhmen,  in  dem  Maassstabe  von  1 : 144.000 
der  Natur  oder  2000  Klafter  = 1 Zoll,  deren  Herausgabe  unlängst  von  dem  k.  k. 
militärisch-geographischen  Institute  vollendet  ist,  nun  auch  nach  unseren  geolo- 
gischen Specialaufnahmen  vollständig  colorirt  bei  der  am  18.  September  bevor- 
stehenden Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  in  Karlsbad  vorzu- 
legen. In  dem  südlichen  Theile  des  Blattes  Leitomischel  (Nr.  XX)  und  dem  Blatte 
Bistrau  (Nr.  XXVIII)  hatte  Herr  Chefgeologe  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  die 
südliche  Grenze  der  Kreidebildungen  gegen  die  krystallinischen  Gebirge  von 
Richenburg  bis  an  die  mährische  Grenze  im  Südosten  bei  Hainzendorf  festge- 
stellt, so  wie  die  Kreidebildungen  selbst.  Weit  verbreitet  an  der  mährischen 
Grenze,  bei  Bor  und  Budislaw,  Quadersandstein,  der  in  grossen  Steinbrüchen 
gewonnen  wird.  Die  neue  gothische  Kirche  in  Policzka  ist  aus  Budislawer  Qua- 
dern gebaut.  Höchst  anziehend  und  lehrreich  sind  die  von  Herrn  Li p o Id  in 
einer  späteren  Mittheilung  vorgelegten  Berichte  nebst  der  Original-Aufnahms- 
karte der  Gegend  östlich  und  südlich  von  Policzka  bis  Swojanow  und  an  die 
mährische  Grenze.  Hier  liegen  zwei  ganz  von  einander  abweichende  zusammen- 
gesetzte Gebirgssysteme  vor,  obwohl  sie  beide  den  krystallinischen  Gebilden 
angehören.  Sie  sind , westlich  unweit  Swojanow  durch  eine  Linie  etwa  nach 
Goldbrunn,  Hammerburg,  Hartmanitz,  hohe  Berg,  deutlich  von  einander  geschie- 
den. Westlich  von  derselben  ist  Gneiss  vollkommen  herrschend,  der  nur  drei 
Züge  von  Hornblendeschiefern  und  bei  Trhonitz  ein  5 bis  6 Klafter  starkes  Kalk- 
steinlager umfasst.  Die  Lagerungsverhältnisse  sehr  einfach,  Streichen  von  Nord- 
west nach  Südost,  Einfällen  nach  Nordost.  Verschiedene  Gneissvarietäten, 
mehrere  leicht  zerfallend,  dagegen  granitartige  Lagen  fest,  welche  dann  als 
Granitblöcke  an  der  Oberfläche  liegen  bleiben.  Viel  verwickelter  und  schwieriger 
ist  das  östliche  System  bei  Swojanow  und  in  dessen  Umgegend,  ein  mannig- 
faltiger Wechsel  von  Schichten  von  krystallinischem  Kalksteine,  Urlhon-,  Quarzit- 
und  Graphitschiefer,  Gneiss,  Hornhlendeschiefer  und  granatenführendem  Glim- 
merschiefer. An  der  Grenze  des  westlichen  Systems  fallen  die  dort  nordöstlich 
streichenden  Schichten  gegen  dasselbe  ein,  doch  folgt  mit  grosser  Wahrschein- 
lichkeit aus  der  Lage  überhaupt,  dass  das  westliche  System  das  ältere  ist.  Die  zu 
Tage  kommenden  Ausbisse  des  östlichen  zeigen  auch  nahe  südlich  von  Swojanow 
ein  Umbiegen  des  Streichens  der  Schichten  erst  gegen  Osten,  dann  gegen  Südost. 
mit  nördlichem  und  nordöstlichem  Einfallen.  Lipoid  zählte  sieben  verschiedene 
Kalksteinschichten,  in  ihrer  Nähe  sind  stets  die  bedeutenderen  Graphit-Ablage- 
rungen. Dies  ist  südlich  von  Swojanow.  Nördlich  setzt  kein  Kalkstein  fort,  wohl 
aber  deutlich  überlagernd  der  granatenführende  Glimmerschiefer,  Hornblende- 
schiefer  und  Urthonschiefer  bis  zu  dem  Gebiete  der  Kreideformation  bei  Ditters- 
bach und  Rosozna.  In  der  Umgegend  von  Swojanow  war  Lipoid  in  zuvorkom- 
mendster Weise  von  Herrn  Bergbaubesitzer  Anton  Merkl  begleitet  und  durch 
dessen  genaue  Localkenntniss  auf  das  Dankenswertheste  gefördert.  Serpentin 
erscheint  mit  dem  Hornblendeschiefer  westlich  bei  Wachtelsdorf,  östlich  bei 


[3]  Bericht  vom  31.  Juli.  Freiherr  v.  Andrian.  Karl  M.  Faul.  H.  Wolf.  253 

Studenetz,  hier  mit  Talk  und  Tremolith  und  mit  Talkschiefer,  der  zu  Platten 
für  Dacheindeckung  gewonnen  wird,  Brauneisenstein,  Schwefelkies,  auch  etwas 
Kupferkies,  letzterer  in  der  Gegend  von  Swojanow. 

Südwestlich  von  den  vorhergehenden  Aufnahmen,  der  mährischen  Grenze 
entlang  berichtet  Freiherr  v.  Andrian  aus  den  sehr  einförmigen  Gebilden  der 
Generalstabskarten-Section  Deutschbrod  (Nr.  XVII)  der  Umgebungen  von  Polna 
und  Neu-Reichenau.  Charakteristischer  rother  Gneiss  ist  auf  den  böhmisch- 
mährischen Grenzrücken  und  seine  Ausläufer  beschränkt,  höchst  ausgezeichnet 
von  Sazau  bis  Janowitz.  Weitaus  die  grössere  Ausdehnung  hat  der  graue  Gneiss 
in  mehreren  Varietäten,  oft  thonschieferähnlicher  Phyllitgneiss,  so  bei  Giess- 
hübl,  Iglau.  Der  graue  Gneiss  umschliesst  die  Erzzonen  der  Iglauer  wie  der 
Deutschbroder  Gegend,  ferner  die  gewöhnliche  mittelkörnige  und  eine  gross- 
körnige Varietät,  letztere  in  einer  ausgezeichneten  Reihe  von  Bergen  zwischen 
Humpoletz,  Stöcken  und  Neu-Reichenau,  dazu  etwas  Hornblendeschiefer  und 
Serpentin  östlich  von  Polna  und  bei  Luekau,  nordwestlich  von  Iglau.  Eine  grosse 
Granitpartie  östlich  von  Neu-Reichenau.  Das  ganze  Terrain  überaus  eintönig. 

Herr  Karl  M.  Paul  berichtet  in  derselben  ersten  Section,  nördlich  an  die 
Arbeiten  Lipold’s  anschliessend  aus  der  Plänermulde  zwischen  den  Linien 
Chotzen-Hermanitz  östlich  und  Zamrsk-Hohenmauth  westlich,  und  den  umliegen- 
den Gegenden.  Oestlich  und  westlich  erhebt  sich  im  Liegenden  die  obere  Etage 
der  Kreidemergel,  dieser  wie  bei  Chotzen  und  Kosorin  stellenweise  als  Cali- 
anassa-Sandstein  entwickelt.  In  der  Mulde  ist  indessen  der  Pläner  meist  nur  an 
den  Thalgehängen  Zusehen,  auf  den  Höhen  ist  er  vom  Schotter  und  Löss  bedeckt, 
während  zahlreiche  Teiche,  Sumpfbildungen  und  Alluvien  die  Tiefen  der  Thal- 
sohlen bedecken.  Besonders  mächtig  entwickelt  Sand  und  Schotter  nördlich  von 
der  Eisenbahn  zwischen  Uhersko  und  Chotzen.  Die  schwarzen  dioritähnlichen 
Gesteine  bei  Luze  erheben  sich  ohne  ersichtliche  Störung  unmittelbar  aus  dem 
Quadermergel,  und  beurkunden  dadurch  gewiss  ein  höheres  Alter,  als  die 
eigentlichen  neueren  eruptiven  Gesteine  jener  Gegend,  welche  einen  steiler 
einfallenden  Saum  von  Quadersandstein  mit  sich  an  die  Oberfläche  heben. 

Herr  H.  Wolf  hatte  in  seiner  Aufgabe  die  Verfolgung  und  möglichst  gleich- 
förmige Behandlung  der  bis  zu  dem  gegenwärtigen  Sommer  von  Joh.  Jokely 
bearbeiteten  Gebilden  des  Rothliegenden.  Nach  einem  ausführlichen  und  um- 
fassenden Berichte  ist  ihm  dies  nicht  vollständig  gelungen.  Wohl  hat  die 
anerkannte  Sorgfalt  von  Jokely’s  Forschungen  vieles  für  seine  Ansicht  der 
Verhältnisse  günstig  vorbereitet,  aber  Herr  Wolf  hatte  neuerlich  seine  beson- 
dere Aufmerksamkeit  den  Verschiedenheiten  zwischen  Jo  ke ly s Ansichten  und 
den  Ergebnissen  der  Forschungen  von  Herrn  Prof.  Beyrich  zugewendet  und 
mit  diesen  auch  die  wenn  auch  etwas  älteren  und  allgemeinen  Darstellungen  von 
Herrn  Prof.  A.  E.  Reuss  verglichen.  Dann  hatte  er  auch  in  mündlicher  Mit- 
theilung in  Breslau  sich  die  Ansichten  unserer  hochgeehrten  Gönner  und  Freunde, 
der  Herren  Göp per t und  Ferdinand  Römer  erbeten.  So  wird  vor  der  Hand 
die  Fortsetzung  der  Karten  sich  nicht  in  dem  ganz  gleichen  Geiste  an  die 
vorhergehenden  anschliessen.  Verschiedenheiten  in  den  Betrachtungen  dieser  Art 
sind  unvermeidlich.  Mittheilnngen  von  Jokely  sind  eben  in  dem  nächst  vor- 
bereiteten Hefte  unseres  Jahrbuches,  im  Drucke.  Höchst  wichtig  wäre  es  nun,  für 
die  Verteidigung  seiner  eigenen  Ansichten,  wenn  er  selbst  sie  noch  führen 
könnte.  Da  ereilt  uns  die  in  so  vielfacher  Beziehung  höchst  schmerzliche  Nach- 
richt von  seinem  plötzlichen  am  23.  Juli  erfolgten  Tode,  wo  wir  uns  der  Hoffnung 
hingegeben  hatten,  seine  neue  Stellung  als  Professor  am  kön.  ungarischen 
Josephs-Polytechnicum  in  Ofen,  im  Kreise  seiner  näheren  Vaterlandsgenossen, 


254 


Verhandlungen. 


M 

nachdem  ec  aus  den  bei  seiner  Lebhaftigkeit  so  anstrengenden  Aufnahmsarbeiten 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  geschieden  war,  würde  seinem  Gemiithe  die 
vollständigste  Befriedigung  und  Beruhigung  gewähren.  In  der  Geschichte  der 
Leistungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  lebt  sein  Andenken  ehrenvoll  für 
immer  fort.  Dank  den  sorgsamen  Arbeiten,  namentlich  in  der  Aufnahme  des 
nordwestlichen  und  nördlichen  Böhmens  bis  an  die  östliche  Grenze,  seit  seinem 
Eintritte  in  unseren  näheren  Verband  im  Jahre  1852. 

Jedenfalls  erheischten  nun  aber  die  Ergebnisse  der  gegenwärtigen  Unter- 
suchungen des  Herrn  Wolf  in  dem  Verhältnisse  des  Rothliegenden  in  Böhmen 
neue  Vergleichungen,  welche  für  eine  oder  die  andere  Seite  bestätigend,  gewiss 
für  die  Kenntniss  der  Sache  selbst  höchst  förderlich  sich  bewähren  werden.  Hier 
möge  über  einen  der  Hauptpunkte  der  Fragen  erwähnt  werden,  dass  Jokely 
Alles  was  Araucaritenstämme  enthält,  Rothliegendes  nennt,  während  mit  Bey  rieh 
Wolf  sich  mehr  der  Annahme  hinneigt,  die  Araucarien-Arkosen  setzen  auch 
in  das  eigentliche  Steinkohlengebirge  nieder,  und  es  ist  namentlich  dies  ein 
leitender  Punkt  einer  Wiederuntersuchung  der  Lagerungsverhältnisse  der  wich- 
tigsten der  bezüglichen  Localitäten. 

Herr  Wolf  berichtet  ferner  über  die  Aufnahme  des  Gebirges  der  Hohen 
Mense  oder  des  Hohen  Kammes  des  Adlergebirges  nordwestlich  von  Reichenau, 
der  in  südöstlicher  Fortsetzung,  wenn  auch  durch  den  Lavinersattel  getrennt, 
sich  als  eine  Fortsetzung  des  Biesengebirges  darstellt.  Die  Centralaxe  krystalli- 
nischer  Gesteine  im  Norden,  die  eigentliche  Hohe  Mense,  die  Schaubühne  (586°) 
besteht  aus  Glimmerschiefer  mit  Graphit-  und  Quarzitschiefer -Einlagerungen 
an  der  östlichen  Abdachung  gegen  Kronstadt,  westlich  gegen  Deschnai  Horn- 
blendeschiefer, auch  Kalkstöcke  bei  Schnappe  (Ober -Giesshübel)  und  Rass- 
dorf  (Kronstadt).  Ein  Keil  von  rothem  Gneiss  zieht  sich  von  der  Hohen  Wurzel 
bei  Oltendorf  in  den  Hohen  Kamm  hinein.  Der  nördliche  Glimmerschiefer  ist  von 
Syeniten  durchbrochen,  so  bei  Polom,  Deschnai,  Gross-Aurim,  besonders  in 
der  Nähe  der  Hornblendeschiefer.  Eine  Zone  von  Phylliten  scheidet  sie  von  der 
westlich  vorliegenden  Ebene.  Herr  Wolf  weist  nach,  wie  das  Rothliegende, 
mehr  oder  weniger  leicht  erkennbar,  sich  in  einem  Zuge  von  Neustadt  bis  über 
Lukawitz  nach  Reichenau  zu  erstreckt.  Uebrigens  ist  der  Hohe  Kamm  von  allen 
Seiten  von  Quadersandstein  und  Quadermergel  umschlossen,  weniger  vollständig 
in  den  südöstlichen  Theilen  durch  die  Abschwemmungen  der  Wilden  Adler. 
Westlicher  folgen  dann  gegen  die  Ebene  zu  die  höheren  Quadermergelschichten, 
zu  oberst  Schotter  und  Löss. 

Nur  das  Uebersichtliche  lässt  sich  hier  in  den  engen  Baum  aus  den  in  s 
Einzelne  gehenden  Aufnahmen  andeuten,  während  die  Uebersichtsaufnahme  der 
II.  und  III.  Section  uns  aus  den  von  Geologen  überhaupt  noch  wenig  oder  gar 
nicht  bisher  besuchten  Gegenden  selbst  nur  Ueberblieke  gewähren. 

Der  Chefgeologe  Herr  k.  k.  Bergrath  F o et te  rl e war  am  9.  Juli  mit  Herrn 
Dr.  Stoliczka  in  Ottocac  zusammengetroffen.  Vorher  noch,  begleitet  von 
Herrn  M.  Lepkowski,  hatte  derselbe  zum  Anschlüsse  an  früheren  Aufnahmen 
von  Fiume  aus  vorzüglich  zur  genaueren  Begrenzung  der  Eocen-  und  oberen 
Kreidekalkgebilde  die  Gegend  von  Porto  Re  und  Novi  vorgenommen.  Gemein- 
schaftlich sodann  erst  die  westliche  Abtheilung  zwischen  Zengg,  Ottocac  und  dem 
Meere  im  Canal  de  la  Morlacca  bis  Jablanaz  und  die  westlich  vorliegenden  Inseln 
S.  Gregorio,  Golo,  Arbe  und  Dolin,  und  sodann  den  östlichen  Tlieil  des  Ottoca- 
ner  Regimentes  bis  an  die  türkische  Grenze  gegen  das  Thal  der  Unna  und  Bihac 
zu.  Alles  schliesst  sich  gut  an  unsere  früheren  Aufnahmen  und  Erfahrungen  an. 
Zwei  mehr  gleichlaufende  Gebirgszüge  der  Velebit  westlich,  die  Plesivica  Fort- 


Bericht  vom  31,  Juli,  Foetterle.  Dr.  Stoliczka, 


255 


[S] 

Setzung  der  kleinen  Kapella  östlich  umschliessen  die  untersuchten  Gegenden  des 
Festlandes.  Ersterer  von  der  durchaus  felsigen  Küste  rasch  mit  kahlen  Steinwän- 
den zu  einer  Höhe  von  5.000  Fuss  ansteigend,  ein  wahres  Steinmeer,  doch  an  den 
östlichen,  in  mehreren  parallelen  sanfter  abfallenden  Abhängen  bedeckt  von  herr- 
lichen Fichten-  und  Buchenwäldern.  Eben  so  rasch  der  Abfall  der  kleinen  Kapella 
und  Plisivica  gegen  Osten,  mit  einer  ausgedehnten  fruchtbaren  Terrasse  gegen  die 
Unna  umsäumt.  Mit  wahrem  Karstcharakter  schliessen  der  Velebit  einerseits,  die 
kleine  Kapella  und  Plisivica  andererseits  mehrfach  durch  Zwischenhöhenzüge 
aneinander,  voll  von  Vertiefungen  und  zahllosen  Schlünden,  ohne  eigentliche 
grosse  lange  Flussthäler.  Die  grösste  der  sich  stellenweise  bildenden  Tief- 
ebenen ist  die  mehrere  Quadratmeilen  grosse  von  Ottocac  selbst,  das  an  der  Gacka 
liegt,  die  bei  Wrello  unweit  Sinaz  im  Süden  entspringt  und  westlich  in  zwei 
Armen  bei  Svica  und  Brelog  verschwindet,  um  an  der  Küste  bei  St.  Georgen  und 
Starigrad  in  mehreren  zum  Theil  untermeerischen  Quellen  ins  Meer  zu  münden. 
Der  Grund  in  den  Tiefebenen  vortrefflich,  vieler  Cultur  noch  fähig,  namentlich 
auch  die  stark  entwaldeten  Bergabhänge  für  eine  Bewaldung,  die  sehr  wün- 
schenswerth  und  vielversprechend  wäre.  Der  geologische  Bau  einfach  und  über- 
sichtlich. Werfener  Schiefer  als  tiefstes  Glied  bei  Bielopolje  und  Korenica  mit 
Avicula  Venetiana,  Myacites  fassaensis  und  Naticella  costata,  überlagert  von 
dunkeln  deutlich  geschichteten,  splitterigen  Kalkstein,  wohl  der  Trias  angehörig, 
eben  so  wie  der  darauf  folgende  körnige  Dolomit,  der  eine  bedeutende  Ausdeh- 
nung im  Osten  des  Begiments  besitzt.  An  den  östlichen  und  westlichen  Abhängen 
folgen  untere  und  sodann  obere  Kreidekalke,  die  ersteren  namentlich  sehr  weit 
verbreitet,  und  gegen  das  Meer  zu  an  den  Abhängen  von  oberem  Kreidekalk  ein- 
gesäumt, der  dann  auch  wieder  auf  der  Insel  Arbe  die  von  Nordwest  nach  Süd- 
ost sich  hinziehende  Ostküste  und  die  Westküste  einnimmt,  während  das  Innere 
so  wie  die  Nordspitze  von  Nummulitenkalk  und  Nummulitensandstein  erfüllt  ist. 
In  den  Kalksteinen  sind  Versteinerungen  nicht  häufig,  ausser  etwa  einzelne 
Caprotinen,  nur  einzelne  Schichten  sind  voll  von  Foraminiferen,  wie  denn  an  der 
Küste  bei  Zengg,  bei  Kutterevo  auf  dem  Sattel  am  Uebergangspunkte  von  Zavalje 
nach  Bielopolja  (Skipina)  im  eigentlichsten  Sinne  Foraminiferen-Bänke  zu 
nennen.  Hin  und  wieder,  wie  unter  andern  bei  Starigrad  südlich  von  Klada 
schneeweisser,  durch  seine  Schönheit  werthvoller  Marmor. 

Auf  der  Fahrt  von  Klada  nach  Jablanaz  entkam  die  geologische  Section  mit 
genauer  Noth  der  grössten  Gefahr  durch  den  plötzlich  am  Nachmittage  des 
11.  Juli,  zwischen  4 und  6 Uhr  unvorgesehen  eingetretenen  Sturm.  Sie  hatten 
in  freundlichster  Förderung  unserer  Arbeiten  zur  Aufnahme  der  Meeresküste  im 
Canal  de  la  Morlacca  den  Gebrauch  eines  Küsten-Streifschiffes  mit  8 Mann  Rude- 
rern unter  dem  Befehl  des  See-Capo  Anton  Lenaz  von  Klada  erhalten.  Man  war 
bereits  Starigrad  vorüber,  als  der  orkanähnliche  Sturm  eintrat,  der  jeden  Augen- 
blick das  schwache  Fahrzeug  an  den  entgegenstehenden  Felswänden  zu  zer- 
schellen drohte,  und  nur  dem  kundigen  Blick  und  der  Geistesgegenwart  des  ent- 
schlossenen Anton  Lenaz  verdanken  wir  die  Rettung  der  ganzen  Expedition,  so 
dass  sie  ungefährdet  in  den  Hafen  von  Jablanaz  einlief.  Wohl  sind  wir  dem 
unerschrockenen  Seemanne  für  diese  rettende  That  zu  dem  tiefinnigsten  Danke 
verpflichtet. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  gedenkt  mit  innigstem  Danke  auch  der 
freundlich  wohlwollenden  Förderung  durch  die  Herren  k.  k.  General-Major  und 
Brigadier  Theodor  Ritter  v.  Me  dl  und  den  Herrn  Regimentscommandanten  k.  k. 
Oberstlieutenant  Arsenius  Prodanow,  so  wie  den  Herrn  kf  k.  Telegraphen- 
Amtsleiter  Georg  Rohrauer  in  Ottocac,  welcher  letztere  insbesondere  die 


256 


Verhandlungen. 


[»] 

barometrischen  Beobachtungen  zu  machen,  freundlichst  übernommen  hatte  Die 
gleiche  freundliche  Aufnahme  durch  die  genannten  Herren  war  auch  Herrn  Dr 
Stoliczka  zu  Theil  geworden,  der  bereits  früher  in  Ottocac  eintraf,  leider 
durch  heftige  Fieberanfälle  in  seinen  Arbeiten  beeinträchtigt,  von  welchen  er 
jedoch  bald  unter  der  sorgsamen  Pflege  des  Herrn  k.  k.  Regimentsarztes  Dr. 
Adalbert  Ke  1 1 er  vollständig  wiederhergestellt  wurde.  Herr  k.  k.  Oberstlieute- 
nant P.  Adler  hatte  ihn  noch  mit  seinem  eigenen  Exemplare  der  Regiments- 
karte als  einem  werthvollen  Geschenke  erfreut.  Doch  hatte  Herr  Dr.  Stoliczka 
noch  in  der  Zwischenzeit  eine  Anzahl  geologischer  Streifungen  vorgenommen, 
welche  Aufschlüsse  über  die  Zusammensetzung  des  östlichen  Theiles  des  Oguli- 
ner  Regimentes  aus  den  oberen  weissen  Kreidekalken  in  Wechsellagerung  mit 
weissen  Dolomiten,  bis  sich  bei  Zaborski  gegen  die  Plitwica-Seen  ältere  dem 
Guttensteiner  ähnliche  Kalksteine  der  Trias  anschliessen , wie  dies  ebenfalls  in 
Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle’s  Bericht  ersichtlich  ist. 

Aus  den  östlichsten  Theilen  unserer  diesjährigen  Aufnahme  im  östlicheren 
Zweiten,  und  westlicheren  Ersten  k.  k.  Banat-Militär-Grenz-Infanterie-Regiment 
von  Petrinia  und  Glina,  berichtet  Herr  D.  Stur  ebenfalls  die  befriedigendsten, 
vollkommen  die  Natur  derGebirgsverhültnisse  sicherstellenden  Thatsachen.  In  der 
Südspitze  beider  gegen  die  trockene  türkische  Grenze  zu  am  Zirovac-Bache  auf- 
wärts die  ältesten  Gesteine,  die  Schiefer  und  feinkörnigen  Sandsteine  der  Gail- 
thaler-Schichten,  in  welchen  die  Kupfer-,  Blei-  und  Eisen-Erzlagerstätten  von 
Tergove  zum  Abbau  eröffnet  sind.  Auf  dieselben  folgen  Werfener  Schiefer  hart 
an  der  Grenze  sowohl  als  in  nördlicher  Richtung  bei  Rujevac  und  Stupnica.  Hier 
bedeckt  von  mannigfaltig  beschaffenen  Sandstein  und  Schiefern  mit  Grün- 
steinen und  grossartigen  Lagern  von  Serpentin.  Hier  auch  Kreide-Ablagerungen, 
und  zwar  Neocomschichten  mit  Aptychen  und  obere  Kreide  mit  Inoceramen.  Das 
Sumarica  und  Vranova  Glava  Waldgebirge  ist  eocen,  Sandstein  und  Schiefer 
westlich,  grobe  Conglomerate  östlich.  Die  Ruinen  Zrin  und  Pedale  stehen  auf 
Leithakalkfelsen,  eine  südwestlich  vorliegende  Tertiärmulde,  mit  den  Radobojer 
ähnlichen  Bildungen  mit  Pflanzen  und  Fischresten,  so  wie  mit  charakteristischen 
Cardien,  von  Cerithienschichten  östlich,  endlich  Congerienschichten  wieder  im 
westlichen  Theile  des  Beckens. 

Nördlich  und  östlich  bis  an  die  Ebene  der  Save  und  gegen  Dubicza  gröss- 
tentheils  Tertiärablagerungen.  In  der  Glina  erheben  sich  noch  zwei  Partien 
älterer  Gebirge,  Sandstein  und  Schiefer  der  Steinkohlenformation  südlich  von 
Glina  und  dann  die  Petrovagora  im  Westen  von  Topusko  bis  nördlich  gegen 
Vrginmost  und  Slavskopolje.  Auf  demselben  östlich  dann  Werfener  Schiefer  und 
Triaskalke.  Eocen -tertiäres  zwischen  den  älteren  Gebirgen.  Höchst  wichtig 
entscheidende  Beobachtungen,  dass  die  Congerienschichten  es  sind,  wel- 
chen die  Brauneisensteine  in  dem  Lehme  und  Sande  von  Croatien  und  Slavonien 
angehören,  und  nicht  die  Diluvialbildungen,  wie  dies  in  Krain  vorausgesetzt 
wurde.  Herr  Bergverwalter  Karl  Vogt  fand  in  der  Gegend  von  Blatusa,  nördlich 
von  Topusko,  häufig  Cardien  in  dem  sandigen  Thoneisenstein,  und  unweit  davon 
im  rothgefärbten  Sande  die  Congeria  subglobosa,  deren  Steinkern  aus  Braun- 
eisenstein besteht.  Cerithienschichten  in  der  Gestalt  von  weissen  Mergeln  und 
Sandstein,  Leithakaike  fehlen  nicht.  Lignit  in  einem  bis  drei  Klafter  mächtigen 
Flötze  bei  Vranovina  südlich  von  Topusko,  auf  beiden  Ufern  der  Glina  von  Herrn 
Karl  Vogt  entdeckt  und  bearbeitet,  andere  Lignitvorkommen  wenig  verspre- 
chend. Herr  D.  Stur  berichtet  in  dankbarst  anerkennender  Weise  über  die 
freundliche  Aufnahme  und  Förderung  im  ersten  k.  k.  Banal-Regiment  durch  die 
Herren  k.  k.  Oberst  und  Commandanten  Joseph  Mraovic,  Director  Cegka  und 


Bericht  vom  31.  Juli.  G.  Stäche. 


257 


m 

Bergverwalter  Karl  Vogt,  so  wie  im  zweiten  k.  k.  Banal -Regiment  durch  den 
Herrn  k.  k.  Oberstlieutenant  und  Commandanten  Emanuel  Ritter  von  Maravich, 
so  wie  den  Herren  Director  Alexander  Schönbucher  und  Berg-Ingenieur  Karl 
Jessl  er  zu  Tergove. 

Die  Herren  Chefgeologe  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von  Hauer  und  Dr. 
G.  Stäche  berichten  aus  dem  südlichen  Theile  von  Dalmatien,  das  sie  aus  4em 
Mittelpunkte  Cattaro  zur  Untersuchung  brachten.  Hier  vor  Allem  die  höchst  eigen- 
tümliche und  wichtige  Thatsache,  dass  nicht  unbedeutende  Massen  der  obern  Trias 
gerade  im  südlichsten  Theile,  und  nicht  in  den  höheren  Gebirgen,  sondern  teil- 
weise schon  unmittelbar  am  Meeresstrande  vorliegen.  Herr  k.  k.  Hauptmann  Rudolph 
Graf  v.  Walderdorff  hatte  sie  zuerst  auf  das  Vorkommen  von  Petrefacten  am 
Scoglio  Catic  gegenüber  von  Castel  Lastua  (Budua  S.  0.)  aufmerksam  gemacht. 
Ein  dünn  geschichteter,  weisser,  der  „Majolica“  petrographisch  etwas  ähnlicher 
Kalkstein  von  muscheligem  Bruche  mit  Hornstein-Knollen  und  Schichten,  enthält 
in  einer  seiner  Bänke  eine  unzählige  Menge  von  Exemplaren  der  wohlbekannten 
charakteristischen  Halobia  Lommeli.  Die  gleichen  Verhältnisse  wurden  dann  an 
mehreren  Punkten  wiedergefunden,  bei  Livodi,  Castel  Lastua,  Budua,  Castel 
nuovo  u.  s.  w.,  noch  bedeutender  vom  Goras-Berg  (Cattaro  S.)  gegen  die  Meer- 
enge Le  latin  und  auf  das  Kamena-Plateau  nördlich  von  Castel  nuovo.  Hier  noch 
mehrere  gewissen  Cassianern  ähnliche  Formen,  wie  Cidaris  dorsata , Pleurotoma- 
ria  radiata,  Melania  u.  s.  w. 

In  einer  Partie  Kalkstein,  von  Herrn  M.  V.  Lipoid  früher  als  Jyra  bezeich- 
net, konnte  keine  Spur  von  Petrefacten  gefunden  werden,  doch  wurde  die  Be- 
stimmung vorläufig  beibehalten,  wenn  sie  auch  hornsteinführend,  wie  jene  Trias- 
kalke sind.  Ein  Eruptivgestein  in  der  südöstlichen  Ecke  des  Landes  zwischen 
dem  Grenzfort  Castel  Priseka  und  dem  Meere,  ähnlich  dem  von  Monto  Cavallo 
bei  Knin.  Dunkle,  wahrscheinlich  den  Kössener  Schichten  analoge  Mergel  nörd- 
lich davon,  so  wie  helle,  wohl  Jura-Kalksteine  mit  zahlreichen,  zum  Theile  sehr 
eigenthümlichen  Brachiopoden  nordöstlich  bei  Risano.  Ferner  Kreide  und  Eoce- 
nes,  vielfältig  durch  deutliche  Petrefacten  gut  charakterisirt.  Die  so  oft  als 
werthvolle  Funde  angekündigten  Kohlenvorkommen  liegen  im  eocenen  Flysch, 
und  es  ist,  wie  Lipoid  dargethan,  hier  keine  Aussicht  je  ausgiebige  Flötze  zu 
finden,  so  sehr  man  dies  auch  wünschen  könnte.  Herr  Dr.  Zittel,  der  sich 
unserer  diesjährigen  geologischen  Aufnahmspartie  in  Dalmatien  angeschlossen, 
war  seitdem  wieder  nach  Wien  zurückgekehrt. 

Ein  umfassender  Bericht  betrifft  die  Insel  Lissa,  in  letzter  Zeit  so  vielfach 
genannt,  wegen  des  dringenden  Bedürfnisses  von  Trinkwasser,  auf  der  nur  wenig 
genügend  versehenen  Insel.  Für  dies  Bedürfniss  ist  allerdings  die  geologische 
Kenntniss  des  Bodens  maassgebend,  und  es  zeigt  sich  da,  dass  in  dem  nördlichen 
Theile  gegen  Osten  zu , wo  Lissa  die  eine  grosse  Ortschaft  selbst  liegt,  die 
Verhältnisse  dadurch  ungünstig  sind,  dass  der  Kreidekalk,  aus  dem  die  Insel  dem 
grössten  Theile  nach  besteht,  gut  geschichtet,  meistens  nur  steil  einfallend  und 
voll  Höhlen,  der  Ansammlung  von  Wasser  keinen  Boden  darbietet.  Alle  Versuche 
von  Aufgrabungen,  welche  auf  Veranlassung  des  erfahrenen  Quellenforschers 
Herrn  Abbe  Richard  unternommen  wurden,  misslangen,  so  dass  wohl  nur 
grössere  gut  angelegte  und  sorgfältig  gehaltene  Cisternen  hier  das  Bedürfniss 
befriedigen  könnten.  Weit  vortheilhafter  liegt  an  der  Westseite  der  Insel  die 
zweite  "grössere  Ortschaft  Comisa.  Hier  tritt  unter  den  Kalksteinen  .ein  grünlich- 
graues, demMelaphyr  verwandtes  Eruptivgestein  hervor,  in  Begleitung  von  Tuffen 
und  Conglomeraten,  so  wie  von  ansehnlichen  Massen  von  Gyps  und  von  Gyps- 
mergeln,  alles  älter  und  unter  die  Kalksteine  einfallend.  Hier  entspringen 

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K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


Verhandlungen. 


258 


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mehrere  Quellen  und  aus  ihrer  sorgsamen  Behandlung  lässt  sich  allerdings  eine 
grössere  verwendbare  Menge  von  benützbarem  Wasser  erwarten. 

Aus  den  beiden  Standquartieren  Ragusa  undSpalato  bringt  Herr  k.  k.  Berg- 
rath Franz  Ritter  von  Hauer  noch  die  dankbarste  Anerkennung  den  hochgeehrten 
Gönnern  dar,  welche  unsere  Reisenden  bei  ihrer  Aufnahme  auf  das  Fördersamste 
unterstützten,  den  Herren:  Rudolph  Graf  von  Wal  der  d orff,  k.  k.  Hauptmann  und 
Platzcommandanten  in  Castel  Lastua  bei  Cattaro,  Georg  Zu  lieh,  k.  k.  Kreis- 
commissär  in  Cattaro,  Daniel  Petric,  k.  k.  Oberstlieutenant  und  Platzcommandant 
in  Castelnuovo,  P.  D.  Doimi,  Podestä,  und  Alexander  Felir,  k.  k.  SchifTsfähnrich 
in  Lissa,  Pietro  Bor  eich,  Pfarrer  in  Comisa  (Lissa),  Antonio  Marincovich, 
k.  k.  Hafen-  und  Gesundheitsagenten,  und  Ferdinand  G er  za  he  k,  k.  k.  Ober- 
lieutenant in  Comisa.  Ferner  in  Lesina  den  Herren  k.  k.  Hauptmann  Rudolph 
Mendelein,  Gutsbesitzer  Gregorio  Bucich,  Deputaten  F.  Balea  und  Guts- 
besitzer Girolamo  Machiedo  zu  Gjelsa  auf  Lesina. 

Vielfach  anziehend,  vorzüglich  auch  in  Bezug  auf  die  letzten  Berichte  von 
Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von  Hauer  aus  Dalmatien,  ist  die  folgende 
von  London,  20.  Juli  1862  datirte  Nachricht  von  unserem  hochgeehrten  Freunde, 
Herrn  Professor  E.  Suess,  der  in  den  letzten  Tagen  einige  Wochen  des  lehr- 
reichsten Aufenthaltes  in  England  mit  dem  grössten  Erfolge  für  die  Sammlungen 
des  k.  k.  Hof-Mineraliencabinets  schloss. 

„Geehrter  Herr  Hofrath!  Herr  S alter  hat  mir  in  Jermvn  Street  eine  Suite 
von  Fossilien  vorgelegt,  welche  Colonel,  jetzt  Major-General  Richard  Strachey 
vor  einiger  Zeit  aus  einem  schwarzen,  thonigen  Kalksteine  vom  Rajhoti-Passe 
von  Indien  nach  Thibet  mitgebracht  hatte.  Die  englischen  Paläontologen  hatten 
zwar  längst  den  triassischen  Charakter  der  Fauna  und  ihre  Ähnlichkeit  mit  unse- 
ren Cassianer  Bildungen  festgestellt,  aber  ich  fand  thatsächlich  eine  so  grosse 
Übereinstimmung  der  einzelnen  Arten,  dass  ich  meinte,  die  Liste  derselben  dürfte 
Ihnen  und  den  Lesern  Ihrer  Berichte  willkommen  sein,  sie  lautet: 


Ammonites  Johannis  Austriae  Klipst . ? 
„ eine  oder  zwei  neue  Ceratiten- 
Formen. 

Nerita  Klipsteini  Hörn. 

Halobia  Lommeli  Wissm.  (in  grosser 
Menge). 

Spirigera  Strohmayeri  Sss. 
Rhynchonclla  retrocita  Sss. 


Orthoceras  pulchellum  Hau.  ? 

„ Unbeschriebene  Art  mit  gerun- 
zelter Seite,  wie  am  Sandling. 

Nautilus  (Fragment). 

Ammonit  es  floridus  Wulf,  (häufig). 

„ Aon  Mst. 

„ Gaytani  Klipst. 

„ Ausseanus  Hau. 

„ bifissus  Hau. 

und  einige  minder  gut  erhaltene  und  minder  sicher  bestimmbare  Formen.  Es  ist 
nun  sehr  auffallend,  dass  nicht  nur  in  so  grosser  Entfernung  dieselbe  Fauna  mit 
solcher  Übereinstimmung  wiederkehrt,  sondern  dass  sie  durch  die  besonders  grosse 
Häufigkeit  zweier  Formen,  nämlich  der  Halobia  Lommeli  und  des  Ammonites 
Floridus  ausgezeichnet  ist,  welche  beiden  Arten  auch  bei  uns,  wenn  nicht  eine 
gewisse  Bank,  so  doch  eine  gewisse  Facies  (Muschelmarmor  von  Bleiberg)  aus- 
zeichnen, welche  noch  dazu  wie  die  Vorkommnisse  vom  Himalaya,  im  Gegensätze 
zu  den  meisten  unserer  obertriassischen  Schichten,  schwarz  gefärbt  ist.  Unwill- 
kürlich denkt  man  auch  an  die  Exemplare  von  Halobia  Lommeli  aus  Neuseeland, 
mit  welchen  uns  Freund  Hochstetter  vor  einiger  Zeit  überrascht  hat.  Die 
Nachweisung  des  seit  lange  vermutheten  Vorkommens  dieser  Fauna  im  Osten, 
und  noch  dazu  so  fern  im  Osten,  wird,  hoffe  ich,  eine  neue  Anregung  zur  Aus- 
arbeitung und  zum  Studium  unserer  eigenen  Ablagerungen  sein.  Ich  bin,  geehr- 
ter Herr  Hofrath,  mit  den  herzlichsten  Grüssen,  Ihr  ganz  ergebener  Ed.  Suess.“ 


m 


Bericht  vom  31.  Juli. 


259 


Unter  den  im  Laufe  des  Monats  erhaltenen  Petrefacten  sind  wir  unserer 
hochverehrten  Gönnerin,  Frau  Josephine  Kablik  in  Hohenelbe  zu  besonderem 
Danke  verpflichtet,  für  eine  Anzahl  Platten  mit  Fischresten  aus  dem  Rothliegen- 
den  der  dortigen  Umgegend,  nach  Herrn  Dr.  St  ei  ndachner’s  Bestimmung 
PalaeoniscusFreieslebeni  Ag.  und  Palaeoniscus  Duvernoyi  Ag.,  welche  so  wohl 
erhalten  sind,  dass  sie  sehr  zur  ferneren  Ausbeutung  des  Fundortes  einladen. 

Unter  den  neuesten  der  Theorie  der  Wissenschaft  gewidmeten  Werken  sei 
es  hier  noch  gestattet,  dem  schönen  ersten  Bande  sammt  Atlas  des  wichtigen 
Werkes:  „ Manuel  de  Mineralogie  par  A.  Bes  Cloizeaux “ ein  Wort  zu 
weihen.  In  seinem  Freunde  und  Lehrer  H.  de  Senarmont  hatten  auch  wir 
einen  hochgeehrten  Freund  und  Gönner  erst  in  neuester  Zeit  zu  unserem  grossen 
Schmerze  verloren.  Des  Cloizeaux  steht  jetzt  unbezweifelt  als  die  erste 
Grösse  in  Frankreich  in  der  Mineralogie  da.  Das  gegenwärtige  Werk  ist  längst 
sehnlichst  erwartet.  Es  sollte  erst  nach  dem  Plane  eine  Uebersetzung  des  engli- 
schen Werkes  von  Brooke  und  Miller  werden,  aber  die  immer  fortschrei- 
tende Masse  der  Specialitäten  in  Des  CI  oizeaux’s  Untersuchungen,  vorzüglich 
in  optischer  und  krystallographischer  Beziehung,  machte  es  unerlässlich,  eine 
eigentümliche  Richtung  der  Bearbeitung  einzuschlagen.  Herr  Des  Cloizeaux 
gibt  sehr  viel  Neues  aus  seiner  eigenen  Entdeckung  und  Bearbeitung,  doch  muss 
ja  unvermeidlich  so  Manches  aus  alter  Zeit  und  wohl  bekannt  von  anderen  Ver- 
fassern mit  aufgeführt  werden.  Da  klingt  denn  das  jetzt  immer  moderner  wer- 
dende : Droits  de  traduction  et  de  reproduction  reserves  ganz  eigentüm- 
lich, besonders  für  denjenigen,  der  in  der  Verbreitung  des  Ergebnisses  seiner 
Bestrebungen  den  Zweck  derselben  erkennt.  Uns  widerstrebt  dieses  wenig 
wissenschaftliche  Gefühl  des  gewählten  Spruches,  da  wir  alle  unsere  Ergebnisse 
so  gerne  der  mannigfaltigsten  unbeschränktesten  Benützung  geweiht  sehen 
möchten,  wobei  es  uns  indessen  auch  stets  zur  Freude  gereichen  wird,  wenn 
man  unserer  Bestrebungen  anerkennend  gedenkt.  Dies  hindert  nicht,  dass  wir 
Herrn  Des  Cloizeaux’  Werk  als  eine  wahre  Bereicherung  der  Wissenschaft 
betrachten,  die  sich  allmälig  nach  allen  Richtungen  abrundet.  Namentlich  hat 
Herr  Des  Cloizeaux  sorgsamst  die  neuesten  Bestimmungen  und  mit  eigenen 
Namen  versehenen  Substanzen  aufgesammelt. 

Den  innigsten  tiefgefühlten  Dank  bringen  wir  auch  unserem  hochverehr- 
ten edlen  Freunde  Karl  Naumann  für  die  zweite  Abtheilung  des  zweiten 
Bandes  seines  Lehrbuches  der  Geognosie,  das  Rothliegende  bis  zum  Schluss  der 
Kreide.  Hier  finden  wir  sorgsam  benützt  unsere  eigenen  Beiträge  aus  unseren 
langjährigen  Studien  in  den  Ländern  des  Kaiserreiches.  Hier  erscheinen  sie  erst 
in  der  so  wichtigen  systematischen  Reihung,  und  bieten  uns  wieder  werthvolle 
Vergleichungspunkte  dar.  Das  ist  die  wohlthätige  Wechselwirkung  redlicher 
Forschung  im  Einzelnen  und  der  mit  Umsicht  aus  einer  durch  eigene  langjäh- 
rige Erfahrung  gewonnenen  höheren  Stellung  geleiteten  Zusammenordnung  der 
Ergebnisse  der  zahlreichsten  Forscher  in  allen  Theilen  der  Erde. 

Gerne  gedenken  wir  auch  der  hocherfreulichen  Ereignisse  in  uns  so  nahe 
liegenden  Kreisen,  der  Aller  gnädigsten  Verleihung  des  Österreichisch- 
Kaiserlichen  Leopold-Ordens  an  unseren  ehrwürdigen  Präsidenten  der  Kaiser- 
lichen Leopoldinisch-Carolinischen  Akademie  der  Naturforscher,  Dr.  D.  G. 
Kies  er,  der  k.  k.  Hofrathswürde  an  unsern  hochverdienten  Rokitansky, 
an  unsern  grossen  Hyrtl,  den  Schöpfer  unseres  Museums  der  vergleichen- 
den Anatomie,  an  dessen  Bestehen  wir  für  unser  Bedürfnis  zu  Verglei- 
chungen fossiler  Reste  billig  stets  den  innigsten  Antheil  nahmen.  Auch  des 
freundlichen  Besuches  unseres  hochverehrten  Freundes  K.  S.  Bergrathes 

ii* 


260 


Verhandlungen. 


[10] 

A.  Breit h au pt  müssen  wir  in.  treuer  Erinnerung  gedenken,  der  aus  Ver- 
anlassung des  von  ihm  als  solches  anerkannten  Meteoreisens  von  Rittersgrün 
nach  Wien  kam,  das  hier  unter  unseres  Freundes  Herrn  Director  Hörnes 
Leitung  entzwei  geschnitten  und  zu  wissenschaftlichen  Studien  vorbereitet  wurde, 
mit  ihm  Dr.  St  übel  von  Dresden,  später  Loven  von  Stockholm  und  anderer. 

So  erreichten  wir  auch  in  diesem  Zeitabschnitte  Ergebnisse  reichen  Lebens, 
glänzende  Anerkennung  langjähriger  wissenschaftlicher  Bestrebungen,  neue 
Vermehrung  der  Kenntniss  unseres  Landes  durch  gediegene  Arbeit  unserer 
eigenen  Mitglieder,  wenn  auch  hier  nur  in  den  äussersten  Umrissen  angedeutet, 
freundliche  werthvolle  Mittheilungen  und  Geschenke  an  neuer  Kenntniss,  an 
materiellen  Gegenständen,  hocherfreuliche  Ereignisse  in  den  uns  nahe  liegenden 
Kreisen,  Besuche  befreundeter  Forscher.  Aber  auch  der  Ernst  der  Zeit  ist 
erschütternd  sichtbar,  unser  grosser  Altmeister  Bronn  ist  nicht  mehr,  der 
eine  grosse  empfindliche  Lücke  uns  zunächst  hinterlässt,  unser  wohlwollender 
Freund  de  Senarmont,  lange  vor  der  Zeit,  die  ihm  das  Leben  zu  bieten 
schien,  noch  viel  unzeitiger  unser  langjähriger  Arbeitsgenosse  in  erfolgreichsten 
Forschungen  Johann  Jokely.  Welche  Erinnerungen,  ganz  dazu  geeignet,  um 
uns  zuzurufen,  die  kurze  Spanne  Zeit  gut  zu  verwerthen,  die  uns  noch  auf 
dieser  Erde  zu  wirken  gegeben  ist. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt. 


Jahrg.  1861  u.  1862. 
Heft  IV. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 

Sitzung  am  4.  November  1862. 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 

Meine  hochverehrten  Herren! 

In  dem  Leben  des  Einzelnen  ist  jeder  folgende  Jahresabschluss  reicher  an 
ernsten  Betrachtungen  als  der  frühere.  Wir  verfolgen  die  Ergebnisse  unserer 
Arbeit,  unserer  Pflichterfüllung  in  den  grösseren  oder  kleineren  Kreisen,  in 
welchen  es  unsere  Aufgabe  war  zu  wirken,  dankerfüllt  einer  höheren  Waltung. 
Sie  ist  es,  die  uns  Zeit  und  Raum  zum  Wirken  gewährt.  Um  ein  ganzes  Jahr 
bereits  habe  ich  die  Lebensdauer  meines  unvergesslichen  Lehrers  und  Meisters 
Mohs  überschritten.  Dankbar  muss  ich  dieser  höheren  Gunst  gedenken,  denn 
jedes  Jahr  in  der  Reihe  derjenigen,  welche  der  Arbeit  gewidmet  sind,  bietet 
höheren  Erfolg,  Abschluss  des  früher  Begonnenen,  Beginn  von  Neuem. 

Unwillkürlich  drängen  sich  Betrachtungen  dieser  Art,  mehr  persönlicher 
Natur  in  den  Vordergrund,  wenn  die  Aufgabe  der  Bericht  über  die  Wirksamkeit 
einer  öffentlichen  Anstalt  ist,  deren  Bestehen  und  Entwickelung  so  innig  mit  dem 
Leben  und  der  Entwickelung  des  Einflusses  aller  Theilnehmer  desselben  ist,  wie 
in  unserer  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Nicht  alle,  welche  wir  das  letzte  Jahr  in  gemeinschaftlicher  Arbeit  began- 
nen, sehen  auch  die  gegenwärtige  dreizehnte  Wiederkehr  der  Jahresfeier.  Es 
ist  gewiss  ein  peinliches  Gefühl  für  mich  zu  berichten,  wie  einer  unserer  mehr- 
jährigen emsigen  Arbeitsgenossen  selbst  seinem  Leben  ein  Ziel  gesetzt.  Johann 
Jokely,  in  Erlau  1826  geboren,  hatte  die  bergmännische  Laufbahn  durch  seine 
Studien  in  Schemnitz  eröffnet,  und  war  noch  unter  dem  k.  k.  Ministerium  für 
Landescultur  und  Bergwesen  gleichzeitig  mit  dem  gegenwärtigen  k.  k.  Professor, 
Herrn  Victor  Ritter  v.  Z e p har o vich,  am  3.  September  1862  als  Candidat  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zugetheilt,  am  21.  December  desselben  Jahres 
als  k.  k.  Bergwesenspraktikant  beeidet.  Schon  im  nächsten  Sommer  war  Jokely 
ein  Mitglied  der  Aufnahmssection  in  Böhmen  unter  dem  verewigten  Czjzek,  mit 
F.  v.  Li  dl,  Dr.  Hochstetter  und  Ritter  v.  Zepharovich,  in  dem  südwest- 
lichen Theile  des  Königreiches.  Seitdem  ist  sein  Leben  innig  mit  unseren  Arbei- 
ten in  diesem  Kronlande  verbunden.  Im  nächsten  Jahre  nördlich  fortschreitend. 
Im  Jahre  1866,  als  der  Tod  unsern  hochverdienten  Czjzek  hinwegraffte,  waren 
Hochstetter,  v.  Zepharovich,  Jokely  in  dem  nordwestlichsten  Theile,  von 
Eger  beginnend  gegen  Neudeck,  Joachimsthal,  Elbogen,  Lubenz,  1866  Hoch- 
stetter und  Jokely  weiter  östlich  fortschreitend  nach  Kommotau  und  Leit- 

kk 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  t£.  Band,  i 861  und  1862.  Verhandlungen, 


262 


Verhandlungen. 


[2] 

meritz,  1857,  als  Hochstetter  zum  Mitglied  der  wissenschaftlichen  Commission 
für  die  Novarafahrt  gewählt  war,  Jokely  allein  als  Sectionsgeologe  seit 
24.  März  bei  Leitmeritz  und  Tetschen,  so  wie  er  denn  später  die  nördlichsten 
Theile  Schlukenau  und  Böhmisch-Leipa  im  Jahre  1858,  Jungbunzlau  1859,  Jicin 
und  Braunau  1860  und  1861  aufnahm.  Während  dieser  Zeit  eröffnete  sich  die 
Aussicht  für  ihn,  die  Stelle  eines  Professors  der  Naturgeschichte  an  dem  königlich- 
ungarischen Josephs-Polytechnicum  zu  gewinnen,  welche  in  der  Tliat  seine  Er- 
nennung durch  Allerhöchste  Entschliessung  vom  11.  Jänner  1862,  und  seinen 
Antritt  jener  Stelle  am  28.  März  zur  Folge  hatte.  Wir  begleiteten  diese  Ver- 
änderung mit  Gefühlen  innigster  Theilnahme,  denn  wir  hofften,  die  neue  Stellung 
würde  beruhigend  auf  sein  Gemüth  wirken,  das  in  denn  bei  seiner  natürlichen 
Lebhaftigkeit  durch  aufreibende  Märsche  häufig  in  grosse  Aufregungen  einer 
gewissen  Neigung  zu  Missverständnissen  so  manche  Nahrung  gab.  Die  Aussicht 
in  Ungarn,  seinem  nähern  Vaterlande  zu  wirken,  hatte  auch  ihm  mächtig  be- 
geistert. Leider  musste  ein  unseliges  Missverständnis,  gerade  in  Verbindung 
mit  einer  Aussicht,  welche  das  höchste  Lebensglück  ihm  hätte  bereiten  sollen, 
ihn  zu  einem  überraschen  Entschlüsse  bringen,  in  Folge  dessen  er  am  23.  Juli 
durch  Strychnin  sein  Leben  endete.  Wohl  dürfen  wir  diesen  Verlust  an  Kenntniss 
für  unser  Vaterland  innigst  bedauern,  aber  es  ist  auch  billig,  dass  wir  nach  dem 
Berichte  unseres  hochgeehrten  Freundes  Herrn  Prof.  K.  M.  Nendtvich  des 
traurigen  Gesundheitszustandes  des  Verewigten  gedenken , nach  dem  Sections- 
befunde,  gänzliche  Atrophie  der  Milz,  Tuberkeln  in  Lunge  und  Leber,  und 
welche  Einflüsse  auf  das  Gemüth  hervorzubringen  vermochten,  die  in  jener 
beklagenswerthen  That  ihren  Abschluss  fanden.  Tief  und  allgemein  war  auch  der 
Ausdruck  der  Trauer,  mit  welcher  Jokdly’s  sterbliche  Reste  von  seinen  Ange- 
hörigen, Freunden  und. Schülern  zu  seiner  letzten  Ruhestätte  im  katholischen 
Friedhofe  in  Ofen  begleitet  wurden.  Uns  wird  stets  Jokely  als  ein  sorgsamer, 
scharf  beobachtender  Forscher  unvergesslich  sein.  Viele  Ergebnisse  sind  in  un- 
serem Jahrbuche  enthalten,  die  letzten  noch,  so  wie  den  betreffenden  Karten 
wurde  in  dem  verflossenen  Sommer  die  reiche  Anerkennung  eines  Sir  Roderich 
Murchison  zu  Theil,  welcher  mit  der  Karte  in  der  Hand  das  Rothliegende  der 
Umgebung  von  Pecka  untersuchte. 

Gleichzeitig  mit  der  Nachricht  von  Jokely’s  Bestimmung  zum  Professor 
nach  Ofen  hatte  ich  am  4.  Februar  Nachricht  von  dem  Hinscheiden  unseres  lang- 
jährigen Gönners  und  Freundes,  Karl  Cäsar  v.  Leonhard,  gegeben,  und  des 
grossen  Einflusses  auf  unsere  Entwickelung  gedacht  des  seinen  früheren  perio- 
dischen Veröffentlichungen  sich  anschliessenden  von  ihm  und  Bronn  herausgege- 
benen Jahrbuches.  Auch  dieser  Arbeitsgenosse  des  Verewigten  sollte  nur  wenige 
Monden  seinen  dahingeschiedenen  Freund  überleben. 

„Heinrich  Georg  Bronn,  Hofrath  und  Professor  an  der  Universität  Heidel- 
berg, wurde  den  5.  Juli  1862  durch  eine  plötzliche  Lungenlähmung  dem  Kreise 
seiner  Familie  und  Freunde  und  der  Wissenschaft,  deren  unermüdlicher  Jünger 
er  während  seines  ganzen  Lebens  war,  entrissen.“ 

„Bronn  wurde  den  3.  März  1800  in  Ziegelhausen  bei  Heidelberg  geboren. 
Schon  frühe  zeigte  sich  bei  ihm  der  lebendige  Drang  zum  Studium  der  Natur- 
wissenschaften, schon  als  Knabe  beschäftigte  er  sich  auf’s  Eifrigste  mit  Botanik 
und  Zoologie,  und  als  er  während  seines  Aufenthaltes  auf  der  Universität  seiner 
angebornen  Neigung  fi ei  folgen  konnte,  bewährte  sich  der  schaffende  Geist  des 
strebsamen  Jünglings  schon  frühzeitig  durch  eine  vortreffliche  botanische  Disser- 
tationsschrift, für  welche  ihm  von  der  medicinischen  Facultät  der  Universität  in 
Heidelberg  ein  akademischer  Preis  zuerkannt  wurde.“ 


[3] 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


263 


„Kurze  Zeit  nach  Beendigung  seiner  Universitätsstudien  erschienen  zwei 
für  die  damalige  Zeit  höchst  bemerkenswerthe  Arbeiten:  das  System  der 
urvveltlichen  Conchylien  und  das  System  der  urweltlichen  Pflan- 
zenthiere,  wodurch  der  junge  Forscher  bereits  eine  staunenswerthe  Fülle  von 
Kenntnissen  an  den  Tag  legte“. 

„In  den  darauf  folgenden  Jahren  war  die  Thätigkeit  Bronns  vorzüglich 
dem  Heidelberger  Mineralien-Comptoir  gewidmet,  in  dessen  Interesse  er  theil- 
weise  auch  seine  italienische  Reise  in  den  Jahren  1824  bis  1827  unternahm.  — 
Die  Ergebnisse  dieser  Reise,  die  Resultate  seiner  geologischen  und  paläontolo- 
gischen  Forschungen  sind  sowohl  für  ihn  selbst,  als  auch  für  die  Wissenschaft 
von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung“. 

„Die  praktischen  Arbeiten  in  der  Natur,  das  eingehendste  geologische  Studium 
einer  bisher  höchst  unvollständig  gekannten  Formation,  war  von  dem  grössten 
Einfluss  für  die  Beurtheilung  der  Beobachtungen  Anderer.  Nur  ein  Forscher,  der 
selbst  die  Schwierigkeiten  der  selbstständigen  Beobachtung  erfahren  und  über- 
wunden hat,  wird  im  Stande  sein,  die  Leistungen  auf  diesem  Gebiete  richtig  zu 
erfassen,  und  nur  ein  so  praktisch,  wie  theoretisch  gebildeter  Geist  wie  Bronn, 
konnte  ein  Unternehmen  beginnen  und  durchführen,  wie  „das  Jahrbuch  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Petrefa  ctenku  n de“,  in  dem  er  in  Gemein- 
schaft mit  einem  ebenbürtigen  Forscher  seit  dem  Jahre  1830  eine  umfassende 
Uebersicht  des  gesammten  Fortschrittes  im  Gebiete  dieser  drei  Wissenschaften 
geboten  hat“. 

„Der  durchgreifende  Einfluss  der  Lethaea  geognostica  (erschienen  zwischen 
1834  und  1837)  auf  die  Entwickelung  der  damals  in  Deutschland  noch  in  der 
Kindheit  stehenden  Paläontologie  und  stratigraphischen  Geologie,  war  ein  ent- 
scheidender und  verschaffte  Bronn  mit  vollem  Recht  seine  Stellung  neben  den 
ersten  Trägern  der  Naturwissenschaften“. 

„Ein  noch  grossartigeres  Unternehmen  war  die  von  der  Holländischen  Socie- 
lät  der  Wissenschaften  in  Harlem  mit  einer  Medaille  gekrönte  „Geschichte 
der  Natur“  mit  dem  beigefügten  „Index  und  Enumerator  palaeontologicus“ . 
Während  in  den  beiden  ersten  Theilen  die  tiefsten  theoretischen  und  philosophi- 
schen Fragen  auf  die  scharfsinnigste  Weise  discutirt  werden,  bekundet  der 
dritte  Theil  den  unsäglichen  Fleiss  und  die  unermüdliche  Arbeitskraft  des 
Geschicktesten  aller  Compilatoren“. 

„Durch  „die  Geschichte  der  Natur“  war  dem  Kreise  seiner  Fachgenossen 
bereits  eine  Andeutung  gegeben,  der  Richtung,  auf  der  wir  Bronn  in  seinen 
folgenden  Werken  sich  bewegen  sehen.  Der  naturphilosophische  Geist  tritt  mehr 
und  mehr  in  seinen  Arbeiten  hervor,  und  in  der  im  Jahre  1857  von  der  französi- 
schen Akademie  gekrönten  Preisschrift  „die  Ent wickelu  n gsges etz e der 
organischen  Schöpfung“,  finden  wir  die  Resultate  seiner  langjährigen 
Forschungen  unter  zwei  grossen  Naturgesetzen  vereinigt,  deren  logische  Ent- 
wickelung der  Hauptzweck  dieser  Schrift  ist“. 

„Bronn’s  letzte  Schriften  „die  morphologischen  Studien“,  „die 
Classen  und  Ordnungen  des  Thierreiches“,  seine  Uebersetzung  des 
Darwinschen  Werkes  und  seine  ganze  Stellung  zu  dieser  neu  auftauchenden 
Theorie,  sind  noch  zu  sehr  im  Gedächtnisse  aller  Freunde  der  Naturwissenschaf- 
ten, dass  wir  an  dieser  Stelle  ihren  Werth  und  ihre  Bedeutung  nicht  hervorzu- 
heben bedürfen“. 

„Zwei  Jahre  vor  seinem  Tode  hatte  Bronn  die  Genugthuung,  seine  ver- 
dienstvollen Bestrebungen  durch  die  Verleihung  der  Wollaston-Medaille  ausge- 
zeichnet zu  sehen“. 

kk* 


264 


Verhandlungen. 


W 

Ich  verdanke  die  vorstehende  biographische  Skizze  einem  unmittelbaren, 
eifrigen  Schüler  des  Verewigten,  unserem  verehrten  jungen  Freunde,  Herrn 
Dr.  Karl  Zi  ttel , der  sich  als  freiwilliger  Theilnehmer  unserer  diesjährigen 
Sommer-Aufnahme  angeschlossen,  und  seihst  schon  treffliche  Beweise  unab- 
hängiger Forschungsgabe  und  erfolgreichster  Bestrebungen  abgelegt  hat. 

Unerwartet  trifft  uns  hier  aus  neuester  Zeit  die  Nachricht  von  dem  Hinschei- 
den eines  jungen  rüstigen  Forschers,  J.  Theobald  v.  Zollikofer,  aus  St.  Gallen 
in  der  Schweiz,  der  am  19.  October  langem  Leiden  der  Tuberculose  in  Gratz  im 
34.  Lebensjahre  unterlag.  Wohl  dürfen  wir  ihn  als  einen  wahren  Arbeitsgenossen 
einen  der  unsern  nennen,  wenn  er  auch  nicht  der  k.  k.  geologischen  Beichs- 
anstalt  als  Mitglied  angehörte.  Aber  es  finden  zwischen  ihm  als  Begehungs- 
Commissär  des  geognostisch  montanistischen  Vereines  in  Steiermark  und  uns  stets 
die  lebhaftesten  Beziehungen  statt,  so  dass  unsere  neben  einander  fortgeführten 
Arbeiten  doch  wie  aus  Einem  Gusse  erscheinen. 

Unsere  älteste  Berührung  war  die  von  ihm  zur  Zeit  der  Versammlung 
deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  in  Wien  im  Jahre  1856  an  uns  übersandte 
Abhandlung:  „Beiträge  zur  Geologie  der  Lombardie  mit  besonderer  Berücksich- 
tigung der  quarternären  Bildungen  des  Po-Thales , mit  Karten  der  Umgebungen 
von  Bergamo,  von  Sesto  Calende,  den  Diluvialterrassen  des  Tessins  und  einer 
Gletscherkarte  des  Südabhanges  der  Alpen,  nebst  zahlreichen  Durchschnitten 
u.  s.  w.,  das  Ergebniss  der  Studien  während  eines  längeren  Aufenthaltes  in 
Bergamo,  einiger  Ausflüge  nach  dem  Corner  See  und  eines  Aufenthaltes  während 
dreier  Sommer  in  Sesto  Calende  am  Langen  See.  Im  zweiten  darauffolgenden 
Sommer,  1858,  wirkte  er  bereits  in  seiner  neuen  Verbindung  mit  dem  geogno- 
stisch-montanistisclien  Verein  in  Steiermark,  und  unser  Jahrbuch  bewahrt  die 
trefflichen  von  ihm  gelieferten  Berichte,  den  für  den  Sommer  1860 , über  die 
geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark,  noch 
in  dem  letzten  im  Laufe  des  verflossenen  Sommers  am  31.  August  ausgegebenen 
dritten  Hefte  des  12.  Bandes,  für  1861  und  1862.  Manchen  anziehenden  Vortrag 
in  unseren  Sitzungen  verdanken  wir  ihm  bei  seinem  abwechselnden  Aufenthalte 
in  Wien,  wo  er  in  seiner  freundlich-liebenswürdigen  Persönlichkeit  er  uns  stets 
willkommen  war.  Nachfolger  früherer  ausgezeichneten  Forscher , des  talent- 
vollen scharfsinnigen  Adolph  v.  Morlot,  der  verdienstvollen  Dr.  K.  J.  Andrae 
und  Dr.  Fr.  Rolle  hatte  er  in  dem  abgelaufenen  Sommer,  schon  mit  grosser 
Beschwerde,  das  letzte  der  beabsichtigten  Arbeit  unternommen,  um  sodann  an 
die  Zusammenstellung  einer  geologischen  Uebersichtskarte  von  Steiermark  zu 
gehen,  als  das  Unabwendbare  eintrat. 

Aber  während  unser  Leben  durch  diese  und  so  manche  grosse  Verluste 
dieser  Art  geprüft  worden  ist,  wenn  sie  uns  auch  nicht  so  unmittelbar  berührlen, 
wie  die  genannten,  darf  das  Jahr  doch  andererseits  im  Allgemeinen  als  ein  solches 
bezeichnet  werden,  das  uns  eine  reiche  Ernte  glänzender  Augenblicke  der  An- 
regung in  durchgeführten  Arbeiten  und  reicher  Anerkennung  brachte. 

Schon  im  verflossenen  Jahre  am  19.  November,  konnte  ich  der  uns 
durch  die  für  das  gegenwärtige  Jahr  1862  bestimmte  International-Ausstel- 
lung  in  London  erwachsenden  Aufgaben  gedenken,  der  geologisch-colorirten 
Karlen  sowohl,  als  unserer  Publicationen  und  der  Sammlung  fossilen  Brennstoffes 
der  Oesterreichischen  Monarchie.  Es  war  vom  Anfänge  klar,  dass  wir  nicht  in 
der  Arbeit  Zurückbleiben  durften,  wenn  auch  die  engere  Theilnahme  für  diese 
Ausstellung,  selbst  in  Wien  erst  später  sich  lebhafter  gestaltete,  als  unser  hoch- 
verehrter Gönner  und  Freund,  Herr  Ritter  v.  Schwarz,  zum  Ersten  k.  k.  Com- 
missär  bei  derselben  ernannt  worden  war.  Ruhig  mussten  wir  fortarbeiten,  der 
Arbeit  war  viele,  manche  Verantwortung  gerne  auf  uns  nehmen,  wo  unvor- 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


265 


[S] 


gesehene  Schwierigkeiten  so  leicht  den  ganzen  Erfolg  in  Frage  stellen  konnten. 
An  unsere  eigenen  Ausstellungsgegenstände  reihten  sich  die  Muster  fossiler 
Brennstoffe  des  Kaiserreiches,  für  welche  die  Ausstellungs-Commission  selbst 
den  Wunsch  einer  Colleetiv-Ausstellung  ausgesprochen.  Auch  hier  hiess  es  rasch 
Hand  an’s  Werk  legen.  Die  Besitzer  und  Werksleiter  wurden  za  Einsendungen 
eingeladen,  welchem  so  viele  derselben  auf  das  Zuvorkommendste  entsprachen, 
dass  wir  uns  in  den  Stand  gesetzt  sahen,  eine  mehr  als  die  Hälfte  der  Jahreserzeu- 
gung (in  runden  Zahlen  2 Millionen  Tonnen  oder  etwa  40  Millionen  Zollcentner, 
von  etwa  3-5  Millionen  oder  etwa  70  Millionen  Zollcentner)  vertretende  Samm- 
lung von  Kohlenmustern  in  Würfeln  von  6 Zoll  Seife  nach  London  zu  senden. 

Einstweilen  war  von  Seite  des  k.  k.  Staatsministeriums  in  der  Abtheilung 
für  Unterricht,  unter  der  Leitung  Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Unter-Staats- 
secretärs  Freiherrn  v.  H eifert  eine  Gesammtausstellung  der  betreffenden  Gegen- 
stände vorbereitet,  und  zum  Orte  der  Ausstellung  waren  die  Säle  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  gewählt  worden.  Es  brachte  dieser  Umstand  den 
grossen  Vortheil  für  uns,  dass  eine  Ausstellung  der  von  uns  vorbereiteten  Gegen- 
stände sich  als  ein  unmittelbares  Erforderniss  an  dieselbe  anschliessen  musste, 
und  mit  und  für  uns  war  auch  für  die  Ausstellung  des  k.  k.  militärisch-geogra- 
phischen Institutes,  unter  der  Leitung  des  Herrn  k.  k.  Generalmajors  v.  Fligdly, 
eine  günstige  Erweiterung  dargeboten.  Von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
waren  vorbereitet:  I.  Die  geologisch-colorirten  Karten:  1.  Specialkarten  in  dem 
Maasse  von  1 : 144*000  oder  2000  Klafter  = 1 Zoll,  Oesterreich,  Böhmen 
(mit  Ausnahme  der  drei  östlichen  Sectionen),  Steiermark  und  Illyrien,  Salzburg; 
2.  Uebersichtskarten  in  dem  Maasse  von  1 : 288*000  oder  4000  Klafter  = 1 Zoll, 
Ungarn,  Tirol  und  Vorarlberg,  Lombardie  und  Venetien,  Banat;  3.  Uebersichts- 
karten in  dem  Maasse  von  1 : 432*000  oder  6000  Klafter  — 1 Zoll,  Sieben- 
bürgen und  Galizien.  II.  Die  10  Bände  Jahrbuch  und  3 Bände  Abhandlungen. 
III.  Von  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer,  Vorstand  des  chemischen  Laboratoriums, 
die  von  ihm  dargestellten  Krystalle  über  100  Species  in  380  Individuen.  IV.  Die 
Gesammtausstellung  der  Muster  fossiler  Brennstoffe  239  Nummern,  aus  Böhmen 
(70),  Mähren  und  Schlesien  (40),  Galizien  (10),  Ungarn  und  Banat  (36), 
Siebenbürgen  (1),  Banater  Militärgrenze  (3),  Slavonien  (2),  Croatien  (4), 
Oesterreich  und  Salzburg  (23),  Tirol  (1),  Vorarlberg  (1),  Steiermark  (33), 
Kärnthen  (6),  Krain  (7),  Dalmatien  (1),  nebst  einem  Anhang  von  Kohlenbriquets 
(1).  Die  specielle  Sorge  für  die  Aufstellung  dieser  Kohlensammlung  hatte  Herr 
k.  k.  Bergrath  Fo  etter  le,  eben  so  wie  die  Sorge  für  die  allmälige  Gewinnung 
der  Karten,  und  die  Aufstellung  überhaupt.  Wir  sind  ihm  für  seine  trefflichen 
Leistungen  zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet,  den  ich  ihm  hier  aus  vollem 
Herzen  wiederholt  darbringe. 

Während  der  nun  in  Wien  ausgeführten  Vor-Ausstellung  war  es,  dass  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  die  höchste  Auszeichnung  beschieden  war, 
welcher  sich  der  Director  und  die  Mitglieder  derselben  in  der  Reihe  der  Jahre 
ihres  Bestehens  erfreuen  durften.  Unser  Allergnädigster  Kaiser  und  Herr 
geruhten  nicht  nur,  nebst  denAusstellungen  der  Unterrichtsgegenstände  und  den- 
jenigen des  k.  k.  militärisch-geographischen  Institutes,  auch  unsere  vorbereiteten 
Gegenstände  eingehend  zu  besichtigen,  sondern  Seine  k.  k.  Apostolische 
Majestät  durchschritt  auch  unsere  eigenen  sämmtlichen  Aufstellungs-  und 
Arbeitsräume,  mit  sichtlicher  Theilnahme  für  unsere  Bestrebungen  und  Leistun- 
gen , über  welche  die  Allergnädigste  Befriedigung  huldvollst  ausgesprochen 
wurde.  Noch  an  demselben  15,  Februar,  seit  welchem  unser  Gedenkbuch  in 
seinem  zweiten  Bande  durch  den  A 11  erh  ö chsten  eigenhändigen  Namenszug  ver- 


266 


Verhandlungen. 


[«] 

herrlicht  ist,  geruhten  auch  mehrere  durchlauchtigste  Herren  k.  k.  Erzherzoge, 
Karl  Ludwig,  Wilhelm,  Leopold  und  Sigmund,  so  wie  der  Gross- 
herzog von  Toscana,  sodann  in  späteren  Tagen  Ihre  k.  k.  Hoheiten  die  durch- 
lauchtigste Frau  Erzherzogin  Sophie,  die  durchlauchtigsten  Herren  Erzherzoge 
Karl  Ferdinand  und  Rainer  unsere  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ihrer 
theilnehmenden  Besichtigung  zu  würdigen.  Auch  der  wohlwollenden  Gegenwart 
unseres  eigenen  höchsten  Leiters,  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritters 
v.  Schmerling  durften  wir  uns  erfreuen,  dem  wenige  Tage  darauf,  am 
26.  Februar,  in  anerkennendster  Huld  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät 
eine  erhabene  Krone  dem  hohen  Verdienste  zu  verleihen  geruhten. 

Glanzvoll  ist  dieser  Tag,  dieser  Abschnitt  unseres  Bestehens  in  unsern 
Annalen  eingezeichnet. 

Einstweilen  schritten  unsere  Aufgaben  fort,  die  Ausstellung  in  Wien  wurde 
geschlossen,  die  Absendung  nach  London,  die  Gewinnung  eines  Ausstellungs- 
Verzeichnisses  in  englischer  Sprache  für  London  vorbereitet.  Das  letzte  in 

8.000  Exemplaren  abgedruckt,  wurde  grösstentheils  nach  London  gesandt, 

1.000  Exemplare  wurden  an  die  Gesellschaften  und  Institute  vertheilt,  mit 
welchen  wir  in  Verbindung  stehen,  so  wie  an  die  Besitzer  uud  Leiter  der  Berg- 
bau-Unternehmungen, deren  Theilnahme  für  die  Gesammtausstellung  unserer 
fossilen  Brennstoffe  wir  gewonnen  hatten.  So  fördersam  auch  alle  Anstalten  für 
den  Zweck  der  Erleichterung  getroffen  waren,  so  galt  es  doch  in  der  Ausführung 
die  grösste  Aufmerksamkeit  anzuwenden,  um  Alles  noch  rechtzeitig  zu  beginnen 
und  zu  vollenden.  So  bin  ich  noch  Herrn  k.  k.  Professor  I)r.  Joseph  Arenstein 
persönlich  auf  das  Innigste  zu  Danke  verpflichtet,  für  die  Besorgung  der  Ueher- 
sendung  jener  4.000  Exemplare  der  Schrift:  „ The  Imperial  and  Royal  Geolo - 
gical  Institute  of  the  Austrian  Empire so  wie  der  Aufmerksamkeit  des 
Herrn  Factors  A.  K noblich  in  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  für  die  zeit- 
gemässe  rasche  Ausfertigung.  Herr  k.  k.  Bergrath  Fo ette r 1 e aber  besorgte 
noch  die  Versendung,  eben  so  wie  ihm  später  auch  noch  die  Aufstellung  unserer 
eigenen  Sammlung  an  fossilen  Brennstoff  oblag.  Es  konnte  diese  in  einer  etwas 
grösseren  Ausdehnung  gewonnen  werden,  als  die  für  London  bestimmte,  da  eines 
und  das  andere  noch  später  eintraf,  auch  Mehreres  in  Exemplaren  vorlag, 
welche  für  London  nicht  verwendbar  gemacht  werden  konnten.  So  gelang  es 
Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  302  Nummern  von  173  Localitäten  in  unserem 
Mohssaale  aufzustellen. 

Während  des  Schlusses  der  Arbeiten  für  die  Ausstellung  in  London  musste 
uns  die  bevorstehende  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  in 
Karlsbad,  die  zahlreichen  erwarteten  Fachgenossen  auf  derselben  die  höchste 
Anregung  bringen,  um  unserer  Stellung  in  dem  grossen  Oesterreichischen  Kaiser- 
staate entsprechend  dort  zu  erscheinen.  Die  Specialkarte  von  Böhmen,  in  dem 
Maasse  von  2.000  Klaftern  auf  1 Zoll,  1:144  000  der  Natur,  war  im  Abschlüsse, 
erforderte  aber  durch  einen  ganzen  Sommer,  in  verstärkter  Vertretung  unserer 
Aufnahmssection.  So  verfügte  sich  denn  Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  schon 
am  Anfänge  des  Monats  Mai,  nebst  den  Herren  Sectionsgeologen  H.  Wolf, 
Freiherr  F.  v.  A n d r i a n,  K.  P a u 1 in  den  betreffenden  Aufnahmsbezirk  der  östlichen 
Kartensectionen,  und  zwar  noch  einen  Theil  von  Nr.  X,  Umgebungen  von  Braunau 
und  Naehod,  dann  die  Grenzblätter  Nr.  XVI,  Umgebungen  von  Reichenau, 
Nr.  XXII,  Umgebungen  von  Hohenmauth  und  Leitomischl,  Nr.  XXVII,  Umgebun- 
gen von  Deutschbrod  (voll),  und  Nr.  XXVIII,  Umgebungen  von  Bistrau.  Sie 
wurden  auch  entsprechend  abgeschlossen,  so  dass  die  ganze  Karte  noch  zur 
Vorlage  für  die  Versammlung  in  Karlsbad  gewonnen  wurde. 


[7] 


Ansprache  des  Directois  W.  Haidinger. 


26*7 


So  waren  die  Detail-Aufnahmen  für  Böhmen  in  diesem  gegenwärtigen  Jahre 
geschlossen.  Aber  auch  für  die  Uebersichts-Aufnahmen  wünschten  wir  den 
Schluss  vorzubereiten,  und  dafür  lag  uns  die  allerdings  umfassende  Aufgabe  eines 
grösseren  Theiles  der  k.  k.  Militärgrenze,  nämlich  die  ganze  Karlstädter  und 
Banalgrenze,  so  wie  ganz  Dalmatien  vor.  Auch  hier  mussten  wir  uns  bestreben, 
zeitlich  in’s  Feld  zu  rücken,  vorzüglich  da  die  heisse  Sommerperiode  in  jenen 
südlicheren  Gegenden  vielleicht  eine  Unterbrechung  der  Untersuchungen  hervor- 
bringen konnte.  So  waren  in  der  zweiten  Hälfte  des  April  Herr  Dr.  G.  Stäche, 
begleitet  von  Herrn  Dr.  Karl  Zittel  von  Heidelberg,  der  sich  uns  als  freiwilliger 
Theilnehmer  an  unseren  Arbeiten  anschloss,  nach  Dalmatien  abgegangen,  in  der 
letzten  Woche  desselben,  die  Herren  D.  Stur  in  die  zwei  Banal-Grenz-Regimen- 
ter  und  den  nördlichen  Theil  des  Szluiner  Regiments,  Herr  Dr.  Stoliczka  in 
das  Oguliner,  südliche  Szluiner  und  Ottoeaner  k.  k.  Karlstädter  Grenz-Regiment. 
Die  Chefgeologen  folgten  später,  Herr  k.  k.  Bergrath  Ritter  Franz  v.  Hauer 
am  22.  Mai  nach  Dalmatien,  bis  dahin  durch  Familien-Unglück,  den  Tod  einer 
geliebten  Gattin  zurücligehalten,  Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Foetterle  Ende 
Juni  nach  den  Karlstädter  k.  k.  Militärgrenz-Regimentern  Oltocac  und  Gospich  in 
der  Licca , begleitet  von  Herrn  Michael  Lepkowski  aus  Curland.  Namentlich 
die  Schlussarbeiten  der  Aufstellung  der  Kohlensammlung  als  einem  Ganzen, 
durften  nicht  unterbrochen  werden,  um  selbe  doch  in  einem  abgeschlossenen 
Zustande  zu  hinterlassen. 

Was  während  der  Monate  Mai,  Juni  und  Juli  an  Ergebnissen  der  Aufnahmen 
gewonnen  wurde,  wurde  in  den  bezüglichen  Berichten  mitgetheilt.  Es  erübrigt 
mir  noch  einer  Anzahl  von  nachträglichen  Berichten  der  Herren  Geologen  zu 
gedenken,  welche  nach  dieser  Zeit  zur  Hand  kamen,  und  nun  die  ganze  Ueber- 
sichts-Aufnahme  des  Kaiserreiches  abschliessen. 

Aus  dieser  Zeit  ist  es  mir  aber  hier  wohl  gestaltet,  zweier  Ereignisse  zu  ge- 
denken, wohl  dazu  geeignet,  in  der  ferneren  Entwickelung  der  k.  k.  geol.  Reichs- 
anstalt anregend  zu  wirken.  Durch  Allerhöchste  Entschliessung  vom  13.  Juni 
war  der  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zum  wirklichen  k.  k.  Hof- 
rath ernannt  worden.  Ursprünglich  in  der  Gründung  der  Anstalt  am  13.  Novem- 
ber 1849  als  k.  k.  Sectionsrath  fest  gestellt,  folgte  schon  am  24.  Juli  1839 
Titel  und  Charakter,  nun  die  volle  Begründung  des  vollständigen  Wesens  dieser 
neuen  Stellung,  befürwortet  von  Seiner  Excellenz  unserem  wohlwollenden  höch- 
sten Leiter,  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritter  v.  Schmerling.  Bin  ich  nun 
gewiss  auch  persönlich  zu  dem  innigsten  treuesten  Danke  verpflichtet,  so  darf 
ich  wohl  noch  ein  weiteres  Verhältniss  bezeichnen,  dass  gewiss  von  vielen 
Seiten  Theilnahme  findet.  Was  mich  persönlich  höher  stellte,  das  dürfen  wir 
wohl  als  eines  der  Zeichen  allgemeiner  Höherstellung,  wachsender  Achtung  für 
die  Wissenschaft  betrachten,  und  für  die  Männer  der  Wissenschaft,  welche  ihr 
treu  anhangen,  ihr  Streben  der  Erweiterung  derselben  weihen.  Dasselbe  sehen 
wir  in  den  Allergnädigsten  Verleihungen  am  11.  Juni  des  Ritterkreuzes  des 
Oesterreichisch-Kaiserlichen  Leopold-Ordens  an  den  Präsidenten  der  Kaiserlichen 
Leopoldinisch-Carolinischen  Akademie  der  Naturforscher,  den  leider  nun  dahin- 
geschiedenen D.  G.  Kies  er,  so  wie  in  dem  Titel  eines  k.  k.  Hofrathes  an  die 
Zierden  unserer  Wissenschaft,  die  grossen  Männer  Hyrtl  und  R okitansky 
verliehen.  Denn  die  Stellung  der  Männer  der  Wissenschaft  in  einem  Lande,  die 
Achtung,  welche  man  ihnen  angedeihen  lässt,  ist  der  Maassstab  der  Achtung, 
deren  die  Wissenschaft  selbst  in  demselben  sich  erfreut.  Wahrhaft  geehrt  ist 
diese  letztere  dort  nicht,  wo  wir  die  ersteren  nur  untergeordnete  Stellungen  ein- 
nehmen sehen.  Das  Streben,  die  Wissenschaft  höher  als  früher  in  unserem 


268 


Verhandlungen. 


[8] 

Oesterreich  zu  sehen,  hat  mich  immer,  seit  meinem  Eintritte, in  den  Staatsdienst 
am  14.  April  1840  begleitet,  und  ich  darf  wohl  sagen,  Vieles  ist  jetzt  anders  als 
damals.  Mancher  Lichtpunkt  ist  gewonnen , aber  auch  mancher  grosse  wissen- 
schaftliche Erfolg  erzielt.  Der  Gedanke  des  grossen  Kaiserreiches  hebt  uns  hoch 
in  der  Beurtheilung,  während  in  engeren  Grenzen  befangener  Provinzgeist  sich 
hergebrachter  Fesseln  nicht  zu  entledigen  wagt.  So  dürfen  wir  noch  fortwäh- 
rend auf  Fortschritt  hoffen,  nach  dem  Maassstabe,  welchen  auch  die  Männer 
der  Wissenschaft  selbst  in  ihrer  gegenseitigen  Achtung  bereit  halten. 

Welcher  herrliche  Erfolg  war  es  nicht,  als  uns  in  den  verschiedenen  Ab- 
theilungen unserer  Einsendungen  zur  Londoner  International-Ausstellung  nicht 
weniger  als  fünfMedaillen  zuerkannt  wurden,  drei  in  der  I.  Classe:  Berg- 
werks-, Steinbruchs-,  metallurgische  und  Mineralproducte , und  zwei  in  der 
29.  Classe:  Werke  und  Vorrichtungen  für  den  Unterricht.  Nur  in  den  ursprüng- 
lichen Bezeichnungen  darf  ich  sie  hier  mit  ihrer  Begründung  wiedergeben,  wie 
sie  in  der  Wiener  Zeitung  von  13.  und  24.  Juli  enthalten  sind. 

1.  CI.  1.  2 (Nummer  des  Verzeichnisses).  15  (Ausstellungs-Nummer).  Wil- 
helm Haidinger,  k.  k.  Hofrath  und  Director  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  in  Wien,  als  Gründer  und  Director  der  geologischen  Auf- 
nahmen mit  ehrenvoller  Erwähnung  seiner  Mitarbeiter. 

2.  15.15.  Die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
in  Wien,  für  ihre  werthvollen  und  sorgfältig  gearbeiteten  geologischen 
Karten  des  österreichischen  Kaiserstaates. 

3.  28.15.  K.  k.  Director  der  geologischen  Reichsanstalt  in 
Wien,  für  die  vollständige  Sammlung  und  die  statistischen  Daten  der 
fossilen  Brennstoffe  im  österreichischen  Kaiserstaate. 

4.  CI.  29.  10.1155  a.  K.  k.  geologische  Reichsanstalt  in  Wien,  für 
ihre  Karten  und  Publicationen. 

5.  12.  15.  Karl  Ritter  v.  Hauer,  Vorstand  im  Laboratorium  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsansfalt,  für  eine  Sammlung  künstlicher  Krystalle. 

Gerne  stelle  ich  die  Begründungen  hier  in  ihrer  ursprünglichen  Ordnung 
und  Benennung  hin,  während  in  dem  von  dem  niederösterreichischen  Gewerbe- 
verein herausgegebenen  Separatheft  zu  den  Verhandlungen  und  Mittheilungen  die 
alphabetische  Folge  gewählt  ist  und  es  bei  Nr.  2 und  3 ganz  gleich  heisst  die 
k.  k.  geologische  Reichsanstalt  in  Wien,  wie  bei  Nr.  S.  Es  ist  dies 
freilich  gleichmässig,  aber  mir  scheint  gerade  die  ursprüngliche  Fassung  charak- 
teristisch und  ehrenvoll.  Allerdings  ist  es  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt, 
welche  als  Institut  durch  die  Kraft  der  Bewilligungen  die  Arbeit  ermöglicht,  aber 
der  Director  und  die  Mitglieder  sind  es,  welche  dieselbe  in’s  Werk  setzen,  und 
das  hat  man  dort,  in  dem  praktischen  England,  gerne  hervorheben  wollen.  Und 
gewiss  wirkt  diese  Anerkennung  viel  anregender  als  die  bei  uns  so  vielfach 
beliebte  Vereinfachung  nach  Gleichförmigkeit. 

Aus  den  Berichten  über  die  Vorgänge  des  Sommers  bleibt  nur  noch  ein 
Wort  zu  sagen  von  dem  Schlüsse  der  Aufnahmen  in  Böhmen  und  in  den  südlichen 
Gegenden  des  Kaiserreiches.  Namentlich  hatten  noch  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid 
Veranlassung  höchst  Anziehendes  mitzutheilen.  Sir  Roderick  I.  Murchison 
hatte  seine  Cur  in  Marienbad  angetreten.  Er  beabsichtigte  nach  derselben  zwei 
geologische  Ausflüge  in  Böhmen  zu  unternehmen,  den  einen  in  der  Gegend  von 
Pilsen  und  südlich  davon  um  die  Lagerungsverhältnisse  der  Unterlage  der  siluri- 


Ansprache  des  Direktors  W,  Haidinger. 


209 


m 


scheu  Schichten  zu  vergleichen,  den  andern  in  das  itn  Nordosten  Böhmens  vor- 
liegende permische  Gebiet.  Es  war  dies  für  uns  eine  höchst  wichtige  und 
erwünschte  Veranlassung,  einen  Geologen  von  so  hoher  Geltung,  der  sein  Leben 
dieser  Wissenschaft  geweiht,  dem  Director  der  geologischen  Landesaufnahmen 
von  Grossbritannien,  doch  einige  Erleichterung  für  seine  Zwecke  zu  ermöglichen, 
aus  den  von  unseren  Herren  Geologen  aufgesammelten  Erfahrungen.  Gleich  zu 
allem  Anfänge  erklärte  er,  dass  er  die  in  der  letzten  Zeit  mehrfach  besprochenen 
B arra  n de’schen  Colonien  nicht  zu  besuchen  beabsichtige.  Er  müsste  mehr  Zeit 
auf  eine  vollständige  Durcharbeitung  des  Gegenstandes  verwenden,  als  er  zur 
Verfügung  hatte,  und  ein  Gewinn  für  die  Wissenschaft  liess  sich  aus  der  flüchti- 
gen Besichtigung  nicht  erwarten.  Aber  von  dem  Wunsche  friedlicher  Betrachtung 
von  Fragen,  über  welche  verschiedene  Ansichten  herrschen,  ausgehend,  hatte  er 
seine  eigenen  Wünsche  dem  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  er- 
öffnet, wenn  auch  von  der  Bemerkung  begleitet,  dass  er  die  Stellung  desselben 
in  dieser  Frage  wohl  zu  würdigen  wisse.  „Ich  hoffe.  Sie  sehen  aus  dem  wahren 
Gesichtspunkte  meinen  Wunsch  an,  wo  möglich  alle  aufgeregte  Erörterung  zu 
vermeiden.  Sind  wir  doch  so  sehr  an  freundschaftliche  Erörterung  über  streitige 
Punkte  in  unserer  Wissenschaft  gewohnt“  *).  So  schreibt  dieser  edle  Gönner 
und  Freund  in  dem  lebhaften  Wunsche  der  Vermittelung.  Für  seine  näheren 
Zwecke  konnten  wir  ihm  eine  Anzahl  Sectionen  unserer  Specialkarten  schicken, 
und  Herr  k.  k.  Bergrath  Lipoid  selbst  begleitete  ihn,  in  Gesellschaft  mit 
unserem  hochgeehrten  Freunde  Herrn  Dr.  Fritsch  von  Prag  zu  einigen,  der 
südwestlich  in  dem  silurischen  Gebiete  gelegenen  lehrreichen  Durchschnitten, 
namentlich  bei  Rokycan,  Kischitz,  Ginec,  so  wie  auf  dem  Wege  von  Zdie  nach 
Prag,  hier  namentlich  die  vielen  und  mächtigen  Schichtenstörungen  bezeichnend, 
welche  die  Silurformation  und  besonders  die  obere  Kalkzone  derselben  zwischen 
Beraun  und  Rewnitz  erlitten  haben.  Diese  Fahrt  muss  jeden  Geologen  über- 
zeugen, dass  die  so  vielfältig  bisher  vorausgesetzte  Regelmässigkeit  der  Schich- 
ten in  der  böhmischen  Silurformation  nicht  vorhanden  ist.  „Diese  Störungen,“ 
schreibt  Lipoid,  „sind  auch  Ursache,  dass  die  Mächtigkeit  der  einzelnen 
Schichtencomplexe  bisher  viel  grösser  angenommen  wurde,  als  sie  in  der  That 
ist,  und  ich  habe  Herrn  Murchison  die  Mächtigkeit  der  mir  bekannten 
Schichten  aufgezeichnet,  wie.  ich  sie  aus  mehrjährigen  Erfahrungen  kennen 
lernte.“ 

Aus  einigen  Ausflügen  in  der  Nähe  von  Prag,  in  Gesellschaft  der  Herren 
Fritsch  und  Jahn  erwähnt  Lipoid  noch  der  Auffindung  der  Rokycaner 
Schichten  (Barrande’s  Etage  d1)  in  der  Sarka  in  nächster  Nähe  von  Prag, 
aufgelagert  auf  Komorauer  Schichten  und  überlagert  von  Brda-Schichten,  so  wie 
eines  neugewonnenen  sehr  lehrreichen  Durchschnittes,  entlang  der  neuen  im 
Jahre  1861  eröffrieten  Strasse  von  der  Civil-Sch wimmschule  zum  Gasthofe  am 
Belvedere  mit  vielfachen  Störungen  und  namentlich  mit  ausgezeichneten  Faltun- 
gen der  silurischen  Schichten. 

Nach  seiner  nordöstlichen  Excursion  gab  Sir  R.  Murchison,  in  einem 
Schreiben  aus  Linz  vom  16.  September  eine  für  uns  so  wichtige  und  anregende 
Aeusserung,  dass  ich  sie  nicht  nur  meinem  hochverehrten  Freunde  Herrn  k.  k. 
Bergrath  Ritter  v.  Hauer  nach  Karlsbad  mittheilte,  sondern  sie  auch  gerne  hier 
wieder  für  unser  Jahrbuch  aufbewahre : 


*)  I hope  you  will  quite  understand  my  desire  to  have  impeded  if  possible  all  angry 
discussion.  Amiable  discussion  on  disputed  points  we  are  well  accustomed  to  in  our 
Science. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


270 


Verhandlungen. 


[10] 

„Mein  Durchschnitt  von  Pardubitz  nach  Reichenberg  war  höchst  belehrend^ 
und  von  einem  trefflichen  jungen  Freunde,  Dr.  Fritsch  begleitet,  verwendete 
ich  mehrere  Tage  in  genauen  Untersuchungen.  Die  Excursion  nach  Radowens 
gab  ich  auf,  weil  ich  gerade  auch  dasselbe  bei  Pecka  an  der  Bahnlinie  fand.“ 
(Ich  hatte  einen  Probedruck  von  J o k el  y’s  Mittheilung  über  diese  Gegend  an 
Murchison  gesandt.)  „Dort,  in  Falgendorf  und  in  Semil  machte  ich  einen 
längeren  Anfenthalt,  zwei  Nächte  an  letzterem  Orte,  war  in  Liebstadtl  bei  Ihrem 
Correspondenten“  (Pfarrer  Mary ska)  „und  machte  einen  detaillirten  Durch- 
schnitt von  den  höchsten  Schichten  des  Rothliegenden  bis  dahin,  wo  das  unterste 
Conglomerat  auf  den  krystallinischen  Schiefern  ruht.  Ihre  Karte  war  mir  sehr 
nützlich  und  sie  ist  sehr  genau.“  — Das  Zeugniss  eines  M u r chison  ist 
gewiss  höchst  erfreulich  und  es  bleibt  nur  eines  zu  bedauern , dass  der  arme 
Jokely  es  nicht  mehr  erleben  sollte. 

„Und  nun  in  Bezug  auf  die  älteren  Gesteine  oder  jene,  welche  in  ungleich- 
förmiger Lagerung  unter  den  silurischen  Schichten  des  Prager  Beckens  liegen.“ 

„Ich  nehme  keinen  Anstand,  nun  wo  ich  von  Marienbad  bis  Pilsen  reiste,  und 
seitdem  von  Pilsen  nach  Fürth  und  Regensburg,  zu  sagen,  dass  ich  alle  sogenann- 
ten krystallinischen  Gesteine,  auch  die  Urthonschiefer  bei  Mies,  und  in  der  Nach- 
barschaft von  Pilsen,  so  wie  östlich  von  Prag  gegen  Pardubitz  als  metamorphische 
unterste  Schichten  des  Prager  Beckens  selbst  betrachte.  Sie  haben  auch  das  gleiche 
NO.  und  SW. Streichen.  Sehr  verschieden  in  Structur  und  Richtung  istder  alteGneiss 
von  Fürth  auf  der  neuen  Regensburger  Linie  bei  Passau  und  namentlich  auf  dem 
linken  Donauufer  an  dem  letztem  Orte  mit  seinem  bestimmten  NW.  bis  SO.  Streichen. 
Nachdem  ich  die  älteren  Gesteine  von  Grossbritannien  durchgearbeitet  und  nach- 
dem ich  gezeigt,  wie  der  ältere  Gneiss  der  nordwestlichen  Küste  von  Schottland 
ein  NW.  bis  SO.  Streichen  besitzt,  und  alle  paläozoischen  Gesteine  unterteuft, 
können  Sie  wohl  denken,  wie  hoch  meine  Befriedigung  sein  musste,  als  ich  diese 
auffallende  Übereinstimmung  im  Herzen  von  Deutschland  beobachtete.  Es  fehlt 
nur  noch  Eines,  welches  Ihre  Geologen  möglicher  Weise  entdecken  werden, 
ein  Ort  oder  mehrere  Orte  in  Böhmen,  wo  die  nordöstlich  streichenden  Ablage- 
rungen unmiltelbar  auf  den  nordwestlich  streichenden  aufruhen.  Ist  dies  gelun- 
gen, so  ist  die  Auflagerung  auf  dieses  wahre  Grundgebirge  in  gleicher  Weise 
in  Deutschland,  wie  in  Grossbritannien  festgestellt.“ 

Gewiss  ist  diese  Aufgabe  eine  höchst  anziehende  und  wird  uns  billig  bei 
günstiger  Veranlassung  beschäftigen.  Bekanntlich  hatte  Murchison  seine  An- 
sichten in  dem  j Quart erly  Journal  of  tlie  Geological  Society , für  August  1860, 
Seite  216,  über  den  Laurentian  oder  ältesten  Gneiss  der  Insel  Lewis  und  des 
nordwestlichsten  Theiles  von  Schottland  in  der  Grafschaft  Sutherland  im  Zu- 
sammenhänge erörtert,  und  auch  eine  neue  Uebersichtskarte  von  Schottland  auf 
Tafel  XII,  Vol.  16  gegeben.  Es  ist  dies  ein  für  das  Verständniss  der  Bildung 
der  Erdrinde  sehr  wichtiger  Gegenstand  und  es  liegen  in  den  Specialaufnahmen  so 
viele  einzelne  Beobachtungen  der  Lagerungsverhältnisse  vor,  dass  die  Aufgaben 
der  Erhebungen  sich  sehr  bald  werden  mit  Schärfe  angeben  lassen. 

Nur  in  wenigen  Umrissen  erwähne  ich  der  Berichte  der  Mitglieder  der  II. 
und  III.  Section  unserer  Uebersichtsaufnahme  in  den  südlichen  Theilen  der  Mon- 
archie, da  die  Herren  selbst  nun  alsbald  ihre  ausführlichen  Darstellungen  vor- 
legen werden.  Herr  D.  Stur  berichtete  über  jenen  Theil  des  Sluiner  Grenz- 
regiments, der  östlich  von  der  Strasse  Karlstadt- Vojnic-Kerstinja-Rastel-Maljevac 
gelegen,  sich  im  Osten  an  seine  eigene  Aufnahme  im  1.  Banalregiment,  westlich 
an  die  Aufnahme  des  Herrn  Dr.  Stoliczka  im  Sluiner  Regimente  anschliesst, 
mit  Orientirungen  von  den  höheren  Zügen  bis  in  die  Ebenen , namentlich  aus 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


271 


tu] 

den  Gailthaler  Sandsteinen  und  Conglomeraten  und  den  Werfener  Schiefern 
bis  in  die  weit  verbreiteten  Congeriengebilde.  Herr  Dr.  Stoliczka  berichtete 
noch  über  die  Aufnahmen  aus  der  Küstengegend  des  Oguliner  Regiments  nörd- 
lich von  Zengg.  Namentlich  sind  da  bei  Kriviput  und  bei  Opiateno,  östlich  von 
Ledenica  die  reichen  Foraminiferenschichten  der  untern  Kreide  verbreitet. 
Ganze  Bänke  von  Korallen  aus  den  Sippen  Cladocora,  Maeandrina , Trochos - 
milia,  aber  so  fest  mit  der  Kalkmasse  verbunden,  dass  man  ihre  Natur  nur  an 
den  Auswitterungsflächen  erkennen  kann.  Auch  über  Bribir,  den  Fundort  eines 
seit  dem  Jahre  1847  von  Herrn  Kohlenwerksbesitzer  Wessely  an  unser  Museum 
freundlichst  mitgetheilten  Mastodonzahnes,  gibt  Herr  Dr.  Stoliczka  Nachricht. 
Der  Zahn  selbst  gehört  in  die  Abtheilung  Tetrcilophodon,  und  daher  die  Abla- 
gerung in  die  jüngste  Tertiärzeit,  entsprechend  den  Bildungen  des  Arnothaies. 
Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  gab  einen  umfassenden  Bericht  über  den  süd- 
lichsten Tlieil  des  Ottocaner  Regiments  in  den  Compagnien  Pazaristje,  Perusic 
und  Bunie,  so  wie  über  das  Liceaner  Regiment  und  die  dalmatinischen  Inseln 
Pago,  Skerda,  Maon,  welche  er  in  steter  Begleitung  des  Herrn  M.  Lepkowski 
durchforschte.  Hier  durch  beide  Regimenter  das  Velebitgebirge  mit  seinem 
höchsten  Punkten  Satorina  5400,  Velika  Visosica Hl  18,  SvetoBerdo  5565  Wiener 
Fuss  Höhe,  östlich  davon  die  Gospicer  Hochebenen.  Die  ältesten  Schichten,  die 
überhaupt  Vorkommen,  sind  Conglomerate  der  Steinkohlenformation,  Gailthaler 
Schichten  angehörend,  dann  Werfener  Schiefer,  Triaskalke,  namentlich  auch 
Raibler  Schichten  deutlich  entwickelt,  westlich  dem  Meere  entlang,  ein  schmälerer 
Streifen,  Östlich  in  breiteren  Massen  unterer  und  oberer  Kreidekalk.  Auf  der 
Insel  Pago,  langgestreckt  zwischen  Hippuritenkalk,  eingemengte  Eocengebilde, 
Nummulitenkalk,  Mergel  und  Sandstein. 

Aus  der  III.  Section,  welcher  er  sich  als  freiwilliger  Theilnehmer  ange- 
schlossen, kehrte  Herr  Dr.  Zittel  schon  früher  nach  Wien  zurück.  Die  Herren 
k.  k.  Bergrath  Ritter  v.  Hauer  und  Dr.  Stäche  gaben  noch  Berichte  über  die 
der  Seeküste  näher  liegende  Hälfte  des  dalmatinischen  Festlandes  zwischen  der 
Linie  Trau-Sign  einerseits  und  der  Narenta  andererseits,  und  den  diesem  Küsten- 
strich  gegenüber  liegenden  Inseln. 

Die  Kreideformation  weitaus  vorwaltend,  die  reichsten  Ablagerungen  von 
Asphalt,  wie  jene  vom  Yergoraz,  vom  Monte  Mossor,  und  vom  Port  Mandoler 
gehören  der  oberen  Abtheilung  der  Kreideformation  an;  doch  auch  sonst  manches 
Anregende.  An  der  Strasse  von  Neoric  nach  Kliake  Werfenerschichten,  darüber 
Guttensteiner  Kalke,  beide  mit  einem  solchen  Reichthum  an  organischen  Resten, 
wie  er  bisher  an  wenigen  Punkten  der  unteren  Abtheilung  der  alpinen  Trias  beob- 
achtet wurde.  Nebst  den  gewöhnlicheren  Formen  wie  Myacites Fassciensis,  Nati- 
cella  costata  traten  namentlich  bei  Muc  Inf.  auch  die  selteneren  dieser  Etage 
eigenthümlichen  Cephalopoden  (Cer.  hinodosus) , ferner  Turbo  rectecostatus , 
dann  noch  mehrere  andere  erst  näher  zu  untersuchende  Gasteropoden  undBival- 
ven  auf.  Cosinaschichten  auf  Bua,  Lesina  und  der  Halbinsel  Sabioneello. 

Durch  die  gesteigerte  Sommerhitze  waren  die  letzten  Ausflüge  bereits  sehr 
beschwerlich.  Aber  es  lag  uns  auch  bereits  Allen  der  Wunsch  vor,  bei  der  Ver- 
sammlung in  Karlsbad  es  an  unserer  Theilnahme  nicht  fehlen  zu  lassen,  hatten 
doch  in  einem  früheren  Abschnitte  unserer  Arbeiten,  unsere  Mitglieder  Joke  ly  und 
Ho  ch  st  etter  die  Umgegenden  aufgenommen,  und  letzterer  ein  treffliches  Werk 
über  Karlsbad  nebst  Karte  herausgegeben,  dessen  Widmung  ich  seinem  freund- 
lichen Wohlwollen  verdanke.  Unser  hochverehrter  Freund  Herr  Prof.  A.E.  Reuss 
bereitete  eine  Arbeit  über  die  Umgegend  vor,  bei  welcher  auch  diese  unsere 
Karten  theilweise  benützt  wurden.  Uns  selbst  gelang  es,  nach  den  Aufnahmen 

11* 


272 


Verhandlungen. 


[12] 

der  Herren  Lipoid,  Wolf,  Freiherr  v.  Andrian,  Paul,  die  Special  karte  des 
ganzen  Königreiches  Böhmen,  in  dem  Maasse  von  2000  Klaftern  = 1 Zoll  oder 
1:  144.000  der  Natur  zu  reduciren  und  in  einer  grossen  Tafel  zusammenzu- 
stellen,  zur  entsprechenden  Vorlage.  Nebst  den  vier  Obengenannten  waren  doch 
noch  aus  unserer  Mitte  die  Herren  k.  k.  Bergräthe  Franz  Ritter  v.  Hauer  und 
Foetterle,  so  wie  Herr  Dr.  Guido  Stäche  hei  der  Versammlung  gegen- 
wärtig, letzterer  Secrefär  der  geologischen  Section.  So  ging  dann  auch  dort 
Alles  anregend  und  glücklich  vorüber,  unter  dem  freundlichen  Walten  der  Herren 
Geschäftsführer  k.  k.  Landesmedicinalrath  Dr.  J.  Lö sehn  er  von  Prag  und  dem 
um  Karlsbad  und  seine  Besucher  so  hochverdiente  Arzte  Hofrath  Dr.  Gallus  Ritter 
v.  Hochberger.  Wohl  bin  ich  verpflichtet  des  Telegrammes  dankend  zu  er- 
wähnen, das  mir  aus  der  Sitzung  der  geologischen  Section  durch  deren  treff- 
lichen Präsidenten  Geheimen  Bergrath  Nöggerath  am  22.  September  zukam: 
„Die  geologische  Section  begrüsst  herzlich  aus  ihrer  Sitzung  die  Herren  Hofrath 
.Haidinger  und  Oberberghauptmann  v.  Dechen  als  Zeichen  ehrenvollster 
Anerkennung  ihrer  verdienstvollen  Arbeiten  zur  geognoslischen  Kenntniss  des 
deutschen  Bodens".  Um  1 Uhr  7 Minuten  in  Karlsbad  aufgegeben,  in  Wien  t Uhr 
45  Minuten  angekommen,  wurde  die  Rückantwort  von  Dörnbach  bis  wohin  die 
telegraphische  Verbindung  nicht  reicht,  bis  um  8 Uhr  55  Minuten  Ankunft  ver- 
zögert, doch  konnte  sie  mein  edler  Freund  Nöggerath  doch  noch  an  demsel- 
ben Abend  in  der  Festversammlung  im  sächsischen  Saale,  und  dann  in  der 
Sitzung  am  23.  vorlegen:  „Mit  innigstem  Dankgefühle  empfange  ich  den  wohl- 
wollenden Ausdruck  freundlicher  Gewogenheit  der  geologischen  Section  durch 
ihren  hochverdienten  Präsidenten,  hoehgehnben  in  der  gemeinsamen  Krinnerung 
an  unseren  Freund  und  Meister  v.  Dechen,  hochgehoben  in  dem  Bewusstsein 
des  unaufhaltsamen  reichen  Fortschrittes  in  Kenntniss  des  deutschen  Bodens, 
in  Kenntniss  der  ganzen  uns  zu  Eigen  gegebenen  Erde  durch  das  jüngere  that- 
kräftige  Geschlecht“.  Ein  Telegramm  erlaubt  nur  Weniges  zu  sagen.  Aber  ich 
fühlte  tief,  dass  es  ein  Ausdruck  sei,  von  den  aus  allen  Gauen  Deuschlands  ver- 
sammelten Fachgenossen,  der  Befriedigung  über  den  Fortschritt  geologischer 
Arbeiten  befreundeter  Forscher,  in  Oesterreich,  in  Preussen,  hier  durch 
Oberberghauptmann  von  Dechen,  dort  durch  meinen  Namen  bezeichnet.  Aber 
während  H.  v.  Dechen  selbst,  in  beiden  Rücksichten,  als  wissenschaftlicher 
Forscher  und  in  seinem  Einflüsse  als  Förderer  der  Arbeiten  Anderer,  an  der 
Spitze  steht,  muss  es  mir  klar  sein,  dass  unsere  Arbeiten  in  der  That  mehr  auf 
die  Kräfte  meiner  jüngeren  Freunde  und  Arbeitsgenossen  gegründet  sind,  und 
für  mich  doch  einsehr  bescheidener  Antheil  der  Vermittelung  entfällt.  Das  wünschte 
ich  in  meinem  Danke  auszudrücken,  und  dann  doch  auch  das  Gefühl  gemeinsamen 
Strebens  der  Männer  der  Wissenschaft,  in  allen  Völkerstämmen,  als  Herren 
unserer  schönen  Erde.  Wahres  wissenschaftliches  Streben  ist  es,  das  uns  vereinigt, 
wozu  uns  die  Sprache  als  Mittel  gegeben  ist.  Möge  jeder  Volksstamm,  jeder 
Einzelne  sich  bestreben,  in  seinen  Beiträgen  sich  seiner  Brüder  und  Freunde 
würdig  zu  erweisen.  Gewiss  haben  wir  uns  bestrebt,  in  Bezug  auf  die  Karlsbader 
Versammlung,  ebenso  wie  im  Jahre  1856  in  Wien,  dieser  Ansicht  entsprechend 
zu  handeln. 

Mit  wahrer  Befriedigung  erfüllt  uns  die  hohe  Anerkennung,  welche  bei  den 
kenntnissvollen  Fachgenossen  die  Arbeiteu  unseres  hochverehrten  Freundes 
des  k.  k.  Hüttenchemikers  Adolph  Pater  a in  Joachimsthal  gefunden  haben,  an 
deren  Fortschritten  wir  stets  so  innigen  Antheil  nahmen,  der  Anwendung  wahrer 
Wissenschaft  in  dieser  wichtigen  Abtheilung  menschlicher  Beschäftigungen.  Aus 
dem  Berichte  der  Herren  Prof.  Dr.  Böttger,  Dr.  Scheibler,  Prof.  Friedr. 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


273 


[13] 


Marian,  in  dem  Tageblatte,  S.  91,  entnehmen  wir,  wie  überhaupt  das  einstim- 
mige Uriheil  aller  anwesenden  Chemiker  dahin  lautete,  dass  der  chemischen 
Fabrik  in  Joachimsthal,  was  die  wissenschaftlichen  Einrichtungen  und  die  exacte 
Leitung  derselben  anbetrifft,  schwerlich  dürfte  eine  Rivalin  zur  Seite  gestellt 
werden  können“.  Ferner,  dass  das  besuchte  Etablissement  in  chemischer  Bezie- 
hung einen  bewundernswerthen  Höhenpunkt  einnehme,  in  seiner  Art  einzig  in 
Europa  dastehe,  und  hoffentlich  für  immer  als  eine  bleibende  Zierde  deutscher 
Industrie  grünen  und  blühen  werde“. 

Ich  halte  es  für  meine  Pflicht  dafür  zu  sorgen,  dass  die  Erinnerung  an  diese 
reiche  Anerkennung  auch  in  unserem  Jahrbuche  für  immer  aufbewahrt  werde. 

Ich  darf  hier  nicht  versäumen,  allen  den  hochgeehrten  Gönnern  und  Freun- 
den meinen  innigsten  Dank,  im  Namen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  und 
in  meinem  eigenen  darzubringen,  welche  unsere  reisenden  Geologen  auf  ihren 
Unternehmungen  wohlwollend  förderten  und  unterstützten,  in  den  mancherlei 
Lagen  ihrer  Bedürfnisse,  und  die  ich  hier  in  chronologischer  Weisung  verzeichne: 
Die  Herren  Dr.  Rudolph  Rustler,  Chefarzt  des  k.  k.  2.  Feldjäger-Bataillons, 
Joseph  Remschmidt,  Bergwerks-  und  Hotelbesitzer,  Gideon  Ritter  v. 
Zas  tav n iko  vic,  k.  k.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k.  4.  Sluiner  Grenz- 
Infanterie-Regiments  in  Karlstadt,  k.  k.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k. 
3.  Grenz-Infanterie-Regiments  Emanuel  v.  Knesevic  in  Ogulin,  k.  k. 
Gouverneur  FML.  Freiherr  v.  Mamula,  k.  k.  Schulrath  Laukotzky,  k.  k. 
Hafencapitän  Tomsich,  k.  k.  Bergcommisär  Ivanich,  k.  k.  Gubernialsecretär 
a.  D.N  ashich,  k.  k.  Appellationsrath  Frederico  de  Paito  ni,  Secretär  Bar  hie  ri, 
sämmtlich  in  Zara,  k. k.  Lieutenant  C.  FriedrichDraugenz,  Postencommandant  in 
Obrovazzo,  Dr.  Fortis,  k.  k.  Prätor,  Mirko  vic,  Serdar  und  Colonnencommandant 
in  Benkovac,  Vincenz  Co  melli  in  Wien,  Paul  Schmidt  in  Ivanec,  Director 
Fr.  Schaub,  Ritter  v.  Hagenauer,  Dr.  Kandier,  Custos  Freyer,  Rath 
Giuseppe  Paito  ni  in  Triest,  Inspector  Ignaz  Waagner  in  Samobor,  Ernst 
Gwinner,  k.  k.  Marinelieutenant,  Antonio  Macale,  Bergbaubesitzer  in 
Sebenico,  Vincenz  Galvani,  Bergbaubesitzer  undk. k.  Marine-Officier  inSiverich, 
F.  0 b e r s t e i n e r,  Bergverwalter  in  Siverich,  Giuliano  C e 1 o 1 1 a,  k.  k.  Bezirksactuar 
in  Verlicca,  Theodor  Schiff,  Vorstand  des  k.  k.  Telegraphenamtes  in  Sign,  Fran- 
cesco Lanza,  unser  langjähriger  hochverehrter  Gönner  und  Freund  in  Zara,  k.  k. 
Major  E.  Petz  und  k.  k.  Hofgärtner  Fr.  Anto in e in  Wien,  Bergbaubesitzer 
Anton  Merkl  in  Swojanow,  Steuermann  Anton  Lenaz  in  Klada,  k.  k.  General- 
major Freiherr  Theodor  v.  Me  dl,  k.  k.  Oberstlieutenant  und  Regimentscomman- 
dant  Arsenius  Prodanow,  k.  k.  Telegraphenamtsleiter  Georg  Roh  rau  er,  k.  k. 
Regimentsarzt  Dr.  Adalbert  Keller,  k.  Oberstlieutenant  Prokop  Adler,  sämmtlich 
in  Ottocac,  Bergverwalter  Karl  Vogt  in  Topuszko,  k.  k.  Oberst  und  Regiments- 
commandant Joseph  Mraovich,  Director  Czegka,  k.  k.  Oberstlieutenant  und 
Regimentscommandant  Emanuel  Ritter  v.  Maravic,  Director  Alexander  Sch  ön- 
buchner,  Bergingenieur  Karl  Jes  sl er,  sämmtlich  in  den  beiden  Banalregi- 
rnentern;  Rudolph  Graf  Walderdorff,  k.  k.  Hauptmann  und  Piatzcommandant 
in  Castei  Lastua  bei  Cattaro,  Georg  Zu  lieh,  k.  k.  Kreiscommissär  in  Cattaro, 
Daniel  Petric,  k.  k.  Oberstlieutenant  und  Piatzcommandant  in  Castelnuovo, 
P.  D.  Do  imi,  Podestä,  Alexander  Fehr,  k.  k.  Schiffsfähnrich  in  Lissa,  Pietro 
Bor  eich,  Pfarrer  in  Comisa,  Lissa,  Antonio  Marino  vich,  k.k.  Hafen- und  Gesund- 
heitsagent, Ferdinand  Gerzabek,  k,  k.  Oberlieutenant  in  Comisa,  in  Lesina  die 
Herren  k.  k.  Hauptmann  Rudolph  Men  de  lein,  Gutsbesitzer  Gregorio  Bucich, 
DeputirterF.  Balea,  Gutsbesitzer GirolamoMachiedo  aufGjelsa,  FranzPlotzek 
zu  Wrischt  bei  Nemetzky  in  Mähren,  k.  k,  Oberst  und  Regimentscommandant 


274 


Verhandlungen. 


[14] 

Adolph  Bermann  und  k.  k.  Oberförster  Raimund  Richter  in  Gospic,  k.  k. 
Hauptmann  Stanislaus  Dragancic,  Edler  v.  Drachenfels  in  Podapac,  k.  k. 
Lieutenant  Mathias  Zezic  in  Carlopago.  Ueberall  fanden  die  Geologen  die  zuvor- 
kommendste Hilfe  und  Unterstützung  von  allen  Freunden  der  Civilisation  und  des 
Fortschrittes  um  so  erfreulicher  aber  auch  unerlässlicher  in  Gegenden , wo  in 
den  südlicheren  der  von  uns  in  diesem  Jahre  durchforschten  die  Mehrzahl  der 
mit  dem  Boden  zunächst  in  Berührung  stehenden  Einwohnerschaft  von  der 
Kenntniss  und  den  Bedürfnissen  der  neueren  Gesellschaft  noch  so  sehr  entfernt 
ist.  Um  desto  lebhafter  ist  unser  Dank  und  unsere  Anerkennung. 

Auch  auf  die  grossen  Gesellschaften,  die  gerade  an  dem  andern  Endpunkte, 
den  Ergebnissen  höchster  Ausbildung  der  Staatsgesellschaftsverhältnisse  stehen, 
den  Gesellschaften  für  Erleichterung  des  Verkehrs  durch  Eisenbahnen  und  Dampf- 
schifffahrt muss  ich  einen  Augenblick  in  dankbarer  Anerkennung  für  die  uns  zu 
Theil  gewordene  Erleichterungen  verweilen,  der  k.  k.  a.  pr.  Kaiser  Ferdinands- 
Nordbahn,  k.  k.  pr.  österreichischen  Staatseisenhahn,  k.  k.  pr.  Südbahn,  welche 
uns  sämmtlich  Freikarten  erster  Classe  zur  Verfügung  stellten,  der  Dampf- 
schifffahrts-Gesellschaft des  k.  k.  priv.  österreichischen  Lloyd,  von  welcher  wir 
auf  den  adriatischen  Linien  Fahrplätze  erster  Classe  für  den  Preis  der  dritten 
erhielten.  Dass  bei  den  höchsten  leitenden  Behörden,  dem  k.  k.  Finanzministerium 
und  Kriegsministerium,  so  wie  vor  Allem  in  unserem  eigenen  wohlwollenden  k.  k. 
Staatsministerium  wir  uns  der  kräftigsten  Förderung,  Unterstützung  und  Anregung 
erfreuten,  bildete  eigentlich  die  Grundlage,  auf  welcher  sich  unsere  Bestrebun- 
gen und  Erfolge  aufbauten. 

Mehrfach  wurden,  wie  jedes  Jahr,  die  Kräfte  unseres  Instituts  für  Beant- 
wortung specieller  Fragen  auch  von  k.  k.  Behörden  und  Privaten  benützt,  nament- 
lich mehren  sich  die  Nachfragen  nach  dem  Heizwerthe  von  Braun-  und  Steinkohlen. 
Herr  k.  k.  Hauptmann  Karl  Ritter  v.  Hauer  hat  die  an  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  bisher  durchgeführten  Arbeiten  in  einem  eigenen  Werke  zusammen- 
gestellt, bei  Braumüller  herausgegeben  und  demselben  eine  sehr  wrerth volle 
und  lehrreiche  Einleitung  vorausgesetzt.  Aber  auch  in  einzelnen  Excursionen  war 
die  Gegenwart  der  Herren  k.  k.  Berg  rät  he  Lipoid  und  Foetterle,  des  Herrn 
Wolf  in  geologischen  Fragen  erheischst  worden. 

In  gewohnterWeise  fanden  unsere  Berichterstattungs  - Sitzungen  statt, 
unterbrochen  nur  durch  die  Erfordernisse  der  Ausstellung,  zu  welcher  auch  der 
Sitzungssaal  benützt  wurde. 

Mit  wahrer  Beruhigung  konnten  w ir  die  Fortschritte  des  Druckes  unserer 
wissenschaftlichen  Werke  alnvarten.  Rascher  konnten  wir  auch  auf  Vollendung 
dringen,  wo  Dank  der  Vorsorge  in  der  Leitung  unserer  Angelegenheit  durch 
unsern  obersten  Chef,  k.  k.  Staatsminister  Ritter  v.  Schmerling,  wir  jetzt  in 
klarer  gegenseitiger  Abrechnung  mit  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  stehen. 

Es  wurde  ein  reiches  Doppelheft  der  „fossilen  Mollusken  des  Wiener  Ter- 
tiärbeckens“ von  unserm  hochverehrten  Freunde  Hörnes  fertig,  das  13.  und 
14.  der  ganzen  Reihe,  oder  II.  Band  3.  und  4.  Heft,  zugleich  IV.  Bandes  der 
„Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt“.  Es  enthält  auf  98  Seiten 
Text  und  20  Tafeln  die  zweischaligen  Geschlechter:  Venus,  Dosinia,  Gratelou- 
pia,  Cytherea , Circe,  Pisidium , Isoccirdia , Pecchiolia,  Cypricardia,  Cardium , 
Chama.  Freuen  wir  uns,  dass  nun,  so  viel  wir  hoffen  dürfen,  dem  Schlüsse  dieses 
wichtigen  Werkes,  dessen  Kosten  nach  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Maje- 
stät Allergnädigster  Entsehliessung  ausserhalb  der  Dotation  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  gedeckt  werden,  kein  Hinderniss  mehr  im  Wege  steht. 
Dann  aber  erst  dürfen  wir  rufen:  „Tantcie  molis  erat!“ 


Ansprache  des  Direotors  W,  Haidinger, 


275 


[IS] 


Drei  Hefte  unseres  Jahrbuches  wurden  ausgegeben.  Aber  um  einigermaassen 
die  in  der  traurigen  1860ger  Periode  durch  Druckeinstellung  veranlassten  Stö- 
rungen und  Schwierigkeiten  wenigstens  in  der  Form  der  Bände  zu  verhüllen, 
blieb  mir  nichts  übrig,  als  zwei  Jahre  in  einen  Band  zusammenzufassen,  für  1861 
und  1862.  So  enthält  nun  das  I.  Heft  blos  Herrn  k.  k.  Bergrath  Lipold's  Ab- 
handlung über  die  B arr  a n d e’schen  Colonien,  nebst  den  kleinen  laufenden 
Artikeln  und  die  Verhandlungen  des  ganzen  Jahres  1861;  das  II.  Heft  Abhand- 
lungen von  Freiherrn  v.  Rieht hofen,  Kr ejei,  Stur,  nebst  einer  Protestation 
Barrande’s  und  die  Winter-Sitzungsberichte;  das  III.  Heft  Abhandlungen  von 
v.  Zollikofer  und  Jokely,  nebst  den  Sommer-Monatsberichten.  Auch  für  das 
IV.  Heft,  nun  im  Drucke,  musste  ich  mich  auf  eine  Abhandlung  L ip  o 1 d’s : „Über 
das  Steinkohlengebiet,  NW.  von  Prag  aus  dem  Jahre  1860  beschränken,  nebst 
den  Sitzungsberichten.  So  sehr  sind  wir  noch  immer  durch  den  Einfluss  jenes 
peinlichen  Zeitabschnittes  zurückgesetzt. 

Die  in  dem  Jahre  1861  aufgenommenen  Kartensectionen  waren  nebst  dem 
II.  Hefte  des  Jahrbuches  für  1860  in  der  bisher  befolgten  Weise  an  Seine 
k.  k.  Apostolisch  e Majestät,  unter  Vertretung  des  Herrn  k.  k.  Staatsmi- 
nisters Ritter  v.  Schmerling  in  tiefster  Ehrfurcht  unterbreitet  und  huldreichst 
entgegen  genommen  worden.  Diesesmal  die  Sectionen  der  Detailaufnahmen  in 
Böhmen,  Nr.  IX  Jicin  und  Hohenelbe  und  Nr.  X Braunau  und  Nachod,  Nr.  XV 
Neu-Bidschow  und  Königgrätz  und  Nr.  XXI  Chrudim;  ferner  von  Übersichts- 
Aufnahmen  sechs  Blätter  der  Administrativkarte  von  Ungarn,  Nr.  IX  Steinam- 
anger, Nr.  X Ofen-Pest,  Nr.  XI  Szolnok,  Nr.  XIII  Gross-Kanischa,  Nr.  XIV  Fünf- 
kirchen, Nr.  XV  Szegedin  und  Arad.  Ausserdem  noch  der  Bericht  über  die  Vor- 
gänge im  Februar  in  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  aus  unserer  Sitzung  am 
18.  März  und  ein  Exemplar  des  oben  erwähnten  Berichtes  in  englischer  Sprache : 
„ The  Imperial  and  Royal  Geological  Institute  of  the  Austrian  Empire.  London 
International  Exhibition  1862. 

Die  Vertheilung  der  Druckschriften,  Jahrbuch  und  Abhandlungen  ging  in 
gewohnter  Weise  fort  und  stellt  sich  gegenwärtig  wie  folgt : 


An  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät  und  das  Allerhöchste 

Kaiserhaus 

Behörden  und  Institute 

Montanbehörden 

Lehranstalten  . . . 

Wissenschaftliche  und  andere  Gesellschaften 

Redactionen I 

Gönner  und  Geschenkgeber 


An  Seine  k.  k.  Apostolische  Majestät  und  das  Allerhöchste 

Kaiserhaus 

Behörden  und  Institute 

Montanbehörden  

Lehranstalten . 

Wissenschaftliche  und  andere  Gesellschaften 

Redactionen 

Gönner  und  Geschenkgeber 


Inland  Ausland 


22 

— 

45 

10 

148 

8 

198 

54 

61 

198 

3 

10 

6 

18 

483 

298 

19 

. ' 

10 

15 

15 

1 

37 

35 

30 

98 

— 

8 

23 

18 

134  175 


276 


Verhandlungen. 


fiöj 

Im  Ganzen  also  781  Exemplare  Jahrbuch  und  309  Exemplare  Abhandlungen 
frei  als  Geschenke  vertheilt;  vielfach  mit  Aussicht  auf  werthvolleGegengeschenke, 
die  auch  nicht  zurückgeblieben  und  fortwährend  unsere  Bibliothek  bereichern, 
theils  an  Gesellschaftsschriften,  theils  an  selbstständigen  Werken. 

Unsere  Bibliothek,  nach  dem  von  dem  Herrn  Bibliotheks-Custos  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Ritter  Adolph  Senoner  sorgsam  fortgeführte ii 
Katologe  enthält  mit  dem  Abschlüsse  für  3t.  October: 

Bücher  . . 3.304  Nummern,  11.622  Bände  und  Hefte 
Karten  . , . 427  „ 1.299  Blätter. 

Fortwährend  bestreben  wir  uns  auch,  mit  Erfolg  den  Austausch  der  Schriften 
befreundeter  Gesellschaften  zu  befördern,  nach  dem  Vorbilde  jenes  grossen  welt- 
historischen Institutes  zu  Washington  dem  Smithsonian  Institute.  Auch  mit  diesen 
Expeditionen  ist  Herr  Senoner  betraut. 

Die  Nachfragen  nach  geologisch-colorirten  Karten  mehrten  sich  ansehnlich 
in  dem  verflossenen  Jahre.  Wir  hatten  nicht  weniger  als  234  Sectionen,  theils 
Special-,  theils  Generalkarten,  theils  Strassenkarten  an  die  Herren  Professor 
A.  E.  Reuss  (6)  injPrag  und  J.  Barrande  (2),  Professor  v.  Hochs tetter(l), 
Artaria  (9),  Gazda  (2),  Henoch  (3),  Wettstein  Rilter  v.  Westers- 
heim (1)  in  Wien,  Koller  in  Neulengbach  (J),  Nawoy  zu  Mako  (4),  Ruard 
in  Sava  (6),  Posepny  in  Borsa  (8),  Bernhard  v.  Cotta  in  Freiberg  (3),  an 
den  gegenwärtigen  k.  Finanzminister  in  Turin,  den  hochverdienten,  uns  längst 
befreundeten  Naturforscher  Ritter  Quintino  Sella  (103),  an  das  k.  k.  Bergober- 
amt zu  Pfibram  (3),  an  die  königl.  ungarische  Akademie  der  Wissenschaften  zu 
Pesth  (21),  an  die  k.  k.  Berghauptmannschaft  zu  Komotau  (10),  an  das  königl. 
preussische  Oberbergamt  zu  Breslau  (84)  abgeliefert.  Nebst  diesen  wurden  noch 
die  106  Sectionen  füf  die  International-Ausstellung  in  London  ausgefertigt,  so 
wie  10  Sectionen  an  Sir  Roderick  I.  Murchison,  als  Fortsetzung  der,  für  das 
Museum  of  Practical  Geology  bestimmten,  übergeben;  zusammen  also  nicht 
weniger  als  480  Sectionen.  Fortwährend  erweitert  sich  auch  unser  Preiscourant, 
von  welchem  der  letzte  Abschluss,  im  dritten  Hefte  des  Jahrbuches  für  1861  und 
1862  die  Zahl  von  131  Sectionen  umfasst,  zu  welchen  nun  noch  im  Verlaufe  der 
Herausgabe  des  vierten  Heftes  die  in  dem  gegenwärtigen  Jahre  gewonnenen 
Sectionen  von  Böhmen,  der  croatischen,  Karlstädter  und  Banalgrenze  und  Dal- 
matien kommen  werden. 

Auch  wurden  wieder  sechs  Sammlungen  verschiedener  Art  vertheilt,  so  dass 
die  Summe  sich  bis  jetzt  auf  373  stellt. 

Das  Ordnen  der  Sammlungen  wird  nach  Möglichkeit  fortgesetzt.  Ein  wich- 
tiges neues  Glied  war  die  Sammlung  fossiler  Brennstoffe,  wie  sie  oben  erwähnt 
ist,  durch  Hernn  k.  k.  Bergrath  Foetterle  aufgestellt.  In  den  Localfloren 
fossiler  Pflanzenreste  war  Herr  D.  Stur  wieder  vorgeschritten,  Herr  Dr.  Zittel 
hatte  eine  Arbeit  in  den  Gosau-Bivalven  begonnen,  neue  Schränke  zur  Aufstel- 
lung sind  nun  bereits  in  Arbeit,  die  uns  für  den  künftigen  Abschluss  sehr  ver- 
sprechende Ergebnisse  voraussehen  lassen. 

Von  Herrn  Grafen  v. Marschall  sind  wir  soeben  im  Begriffe,  das  Gesammt- 
Inhaltsverzeichniss  der  ersten  zehn  Bände  des  Jahrbuches  für  den  Schluss  des 
Jahres  ebenfalls  im  Drucke  abzuschliessen. 

Wie  in  früheren  Bänden  enthalten  die  Hefte  die  Verzeichnisse  der  während 
der  Zeit  eingegangenen  Geschenke  an  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten,  an 
Büchern  und  Karten  und  anderen  Gegenständen.  Ich  darf  wohl  hier  dasselbe  der 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


277 


[17] 


Aufmerksamkeit  der  hochverehrten  Herren  empfehlen.  Auch  das  gegenwärtige 
Jahr  hat  uns  viel  des  Werthvollen  gebracht. 

Eine  der  freundlichen  Gaben  ist  die  von  der  königlichen  Friedrichs-Univer- 
sität in  Christiania  uns  zugesandte  Neugold-Erinnerungs-Medaille  auf  die  Jubel- 
feier ihres  fünfzigjährigen  Bestehens,  gefeiert  am  2.  September  1861,  uns  wohl- 
wollendst zugestellt  durch  den  königlich  schwedischen  ausserordentlichen  Ge- 
sandten und  bevollmächtigten  Minister,  Herrn  Ritter  Friedrich  Due. 

Für  zahlreiche  werthvolle  Geschenke  sind  wir  wohlwollenden  Gönnern 
neuerdings  verpflichtet:  Herren  Bauingenieur  Biefel  in  Kremsier,  Fortunat 
Müller  in  Radmannsdorf,  Freiherrn  v.  Merck  in  Hamburg,  Prof.  Dr.  Braun  in 
Bayreuth,  k.  k.  Hauptmann  Reichhardt  in  Weisskirchen,  Johann  Florian 
Kutsehker  in  Vils,  Bergverwalter  Heinrich  Becker  in  Komorau,  Alois  Sei- 
fert in  Hohenelbe,  Karl  Baron  Seiffertitz  in  Bregenz,  Hüttenmeister  Frist- 
mantel in  Bras  bei  Rokitzan,  Franz  Posepny  in  Koväcs,  Franz  v.  Kubinyi  in 
Pesth,  J.  Nechay  Ritter  v.  Felseis  in  Lemberg,  J.  Simettinger  inMähriseh- 
Trübau,  Alexius  Hän  in  Puszta  Banhäza;  der  k.  k.  siebenbürgischenBergdirection  in 
Klausenburg.  Unserer  hochgeehrten  Gönnerin  Frau  Josephine  Kablik  in  Hohen- 
elbe sind  wir  für  mehrere  Sendungen  von  Fischresten  und  Saurierfährten  aus  dem 
Rothliegenden  Böhmens  innigst  dankbar,  so  wie  uns  Frau  Albertine  Szöllösy 
v.  Nagy-Szö  ilös  in  Oravitza  in  letzter  Zeit  durch  Einsendungen  von  Asbest 
aus  einem  neuen  Anbruche  erfreute.  Näheres  ist  theils  in  unseren  Berichten  auf- 
geführt, theils  für  die  bevorstehende  Reihe  von  Sitzungen  vorbereitet.  Werth- 
volle Aufsammlungen  wurden  besorgt  unter  Vermittelung  der  Herren  Sapetza  in 
Neutitschein  und  Tronegger  in  Raibl. 

Durch  die  Gnade  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten 
Herrn  Erzherzoges  Ferdinand  Maximilian  wird  uns  so  eben  unter  Vermit- 
telung der  Marinekanzlei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät  ein 
Exemplar  des  nach  der  Modellirung  des  Herrn  k.  k.  Hauptmannes  (nun  Major) 
Ign.  Cybulz  in  der  k.k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  trefflich  ausgeführten  galvano- 
plastischen Reliefbildes,  Kupfer  und  versilbert,  der  Insel  St.  Paul  im  Indischen 
Ocean  zugestellt.  Wir  dürfen  dies  wohl  als  ein  ungemein  werthvolles  Zeichen 
von  Höchstdessen  huldreicher  Theilnahme  betrachten,  und  unsern  innigsten 
Dank  dafür  darbringen,  im  besonderen  Hinblicke  auf  den  Umstand,  dass  es 
Herrn  Professor  v.  Hochstetter,  damals  noch  ein  Mitglied  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt,  wesentlich  auch  in  den  Arbeiten  zur  Gewinnung  der 
Kenntniss  von  dieser  merkwürdigen  vulcanischen  Insel  mitzuwirken  bescbieden 
war,  und  uns  dadurch  um  so  werthvoller. 

Auch  der  dritte  und  Schluss-Band  der  „Reise  der  österreichischen  Fregatte 
Novara  um  die  Erde  in  den  Jahren  1867,  1868,  1869,  unter  dem  Befehle  des 
Commandanten  B.  v.  Wüllerstorf-Urb ai r"  erheischt  mein  Wort  des  innig- 
sten Dankes  an  den  grossmüthigen  Geber,  Sein  e kaiserliche  Hoheit  den 
durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzog  Ferdinand  Maximilian;  den  Bericht  ver- 
fasst von  unserem  hochverehrten  Freunde  Herrn  Dr.  Karl  Ritter  v.  Scherz  er. 
Uns,  die  wir  das  Werk  nun  ebenfalls  in  Mehrzahl  erhielten,  liegen  die  Interessen 
um  so  näher,  als  wir  ihn  stets  vom  Beginn  bis  zum  Schluss  mit  der  grössten  Auf- 
merksamkeit verfolgten.  Die  Unternehmung  selbst,  ein  unvergängliches  Denkmal 
für  den  höchsten  Gründer  sowohl  als  für  die  tapfern  und  wohl  vorbereiteten  Theil- 
nehmer  an  der  Ausführung.  Wir  haben  allen  Grund  zu  hoffen,  dass  nun  auch  die 
wissenschaftlichen  Abtheilungen,  nach  den  verschiedenen  Zweigen,  unabhängig 
von  einander,  doch  in  gemeinschaftlicher  Erscheinung,  nach  und  nach  in  einer 
kurzen  Reihe  von  Jahren  an  das  Licht  treten  werden.  Mit  der  ersten  Abtheilung 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


mm 


278 


Verhandlungen. 


[18] 

des  „Nautisch-physikalischen  Theiles“  nebst  Karten,  den  wir  so  eben  erhielten, 
unter  der  Bearbeitung  von  Herrn  Dr.  Franz  Schaub,  Director  der  k.k.  hydrogra- 
phischen Anstalt  in  Triest,  ist  bereits  der  Anfang  gemacht.  Auch  eine  medicinische 
Abtheilung  ist  erschienen,  leider  bald  darauf  von  dem  Hinscheiden  des  Verfassers 
Dr.  Eduard  Schwarz,  erst  30  Jahre  alt,  gefolgt.  Aber  selbst  ein  beklagens- 
werther  Zwischenfall  dieser  Art  ist  nur  eine  um  so  eindringlichere  Mahnung,  das 
Werk  selbst  möglichst  zu  fördern. 

Einen  Augenblick  mit  dem  Ausdrucke  des  Dankes  darf  ich  auf  der  ganzen  Reihe 
der  Philo  sophical  Transact  ions  der  Royal  Society  in  London  seit  dem  Jahre  1850 
verweilen,  nebst  den  in  neuerer  Zeit  veröffentlichten  Proceedings.  welche  uns  durch 
Beschluss  derselben  in  derletzten  Zeit  zugekommen  sind.  Höchst  wichtig  war  das 
uns  so  nahe  berührende  Geschenk  von  Seite  des  kön.  bayerischen  Staatsministe- 
riums der  Finanzen,  der  grossen  Arbeit  des  kön.  bayer.  Bergmeisters  C.  W. 
Gümbel:  „Geognostische  Beschreibung  des  bayerischen  Alpengebirges  u.  s.  w.“ 
das  uns  durch  den  kön.  bayerischen  Staatsminister  und  Gesandten  Herrn  Grafen 
v.  Bray-Stei  nb  u rg  zukam.  Über  einen  Theil  des  Werkes  gab  uns  Herr  k.  k. 
Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  eine  Uebersicbt  in  einer  früheren  Sitzung.  Es 
wird  uns  auch  später  noch  mehrfach  beschäftigen,  so  wie  mehrere  der  mit  der 
letzten  reichhaltigen  Sendung  dev  Smithsonian  Institution  angekommenen  Werke. 

E i c h w a 1 d’s  Lethaea  rossica  verdanken  wir  dem  ausgezeichneten  Verfasser. 
Des  Cloizeaux’  Manuel  de  Mineralogie,  das  Werk  eines  grossen  Meisters, 
namentlich  in  derjenigen  Richtung  mineralogischer  Forschung,  die  ich  selbst  mit 
Vorliebe  gepflegt,  auf  welcher  ich  mich  längst  überflügelt  sehe,  gewiss  im  In- 
nersten meines  Gefühles  hoch  erfreut  über  die  Ergebnisse,  wenn  es  mir  auch 
nicht  mehr  beschieden  ist,  den  Reihen  der  Vorderen  mich  anschliessen  zu  dürfen. 
Gegenwart  und  Zukunft  gehört  der  Jugend  und  Kraft. 

Ein  neuer  Jahrgang  liegt  vor,  des  so  werthvollen  Montanhandbuches  für 
1863,  das  uns  Herr  k.  k.  Rechnungsrath  J.  B.  Kraus,  wie  in  früheren  Jahren 
freund  liehst  mitgetheilt. 

Vieles  muss  ich  die  hochgeehrten  Herren  bitten,  selbst  noch  besichtigen 
zu  wollen. 

Eines  nur  was  ich  hier  nicht  übergehen  darf,  ist  das  wichtige  Werk  „der 
Boden  von  Wien“  von  unserem  hochverehrten  Freunde  Herrn  Professor  E.  S u e s s, 
eine  der  schönsten  Gaben  für  unsere  Mitbürger  der  grossen  Kaiserlichen  Reichs- 
Haupt-  und  Residenzstadt.  Hier  finden  wir  auf  tiefe,  sorgsam  aufgesammelte 
Kenntniss  gegründet,  die  Bedingungen  unserer  gegenwärtigen  und  künftig 
zu  verbessernden  Lebensbeziehungen  für  bürgerliche  Wohlfahrt.  Möchte  es  reich 
beherzigt  werden. 

Manche  anregende  Besuche  hatte  uns  der  Sommer  gebracht,  in  unserem 
Gedenkbuche  eingezeichnet,  die  hochgeehrten  Gönner  und  Freunde  Faller, 
Breithaupt,  Stübel,  Madelung,  Rene  de  la  Faille,  W.  T.  Blanford, 
S.  Loven,  Tb.  Kjerulf,  A.  Sjögren,  J.  Auerbach,  E.  H.  Costa, 
Bernhard  v.  Cotta,  Ch.  U.  Shepard,  R.  P.  Greg,  zuletzt  noch  vor 
wenigen  Tagen  Thomas  Oldham  von  Calcutta,  Director  der  geologischen  Lan- 
desaufnahme von  Indien,  der  uns  mit  dem  letzten  Dampfer  verliess.  Bald  folgt 
ihm  einer  unserer  eigenen  jüngern  Freunde,  ein  Mitglied  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  Herr  Dr.  F.  Stoliczka,  dem  sich  eine  einladende  Veranlassung 
eröffnet,  eine  Reihe  angestrengter  aber  erfolgreicher  Jahre  des  paläontologischen 
Studiums  in  jener  grossen  indischen  Hauptstadt  zu  verwenden. 

Für  unsere  geologischen  Studien  höchst  wichtig  zur  Heranbildung  jüngerer 
Kräfte,  erfolgten  im  Laufe  dieses  Jahres  die  Eröffnung  von  geologischen  Vor- 


Ansprache  des  Directors  W.  Haidinger. 


279 


[19] 

trägen  in  unserem  Sitzungssaale  durch  Herrn  Lk. Universitätsprofessor  Dr.  K.  F. 
Peters,  so  wie  die  Ernennung  unseres  hochverehrten  Freundes,  Herrn  Eduard 
Suess,  zum  k.  k.  Professor  der  Geologie  an  der  Wiener  Universität. 

Bei  diesem  regen  Leben  in  unserem  wissenschaftlichen  Kreise,  muss  es  mir 
ein  Gefühl  wahrhaft  erhebenden  Genusses  sein,  zu  sehen,  wie  der  Reiz  der  Er- 
leichterung wahrer  wissenschaftlicher  Arbeit,  wie  er  in  demk. k.  Hof-Mineralien- 
cabinete  von  dem  hochverdienten  Director  desselben,  Herrn  Dr.  M.  Hörn  es 
geboten  wird,  wie  man  ihn  in  dem  Anschlüsse  an  unsere  eigenen  praktischen 
Arbeiten  im  Felde  findet,  auch  von  auswärts  hochgebildete  junge  Forscher  ver- 
einigt, wie  in  diesem  Augenblicke  die  Herren  Dr.  Ferdinand  Zirkel  von  Bonn, 
Dr.  Albert  Ma  delun g von  Gotha,  Dr.  Karl  Zittel  von  Heidelberg,  Michael 
Lepkowski  aus  Kurland,  von  welchen  die  beiden  letzteren  unserer  diesjährigen 
Aufnahme  sich  angeschlossen  hatten.  Während  sich  nun  für  meine  Person  die 
Beweglichkeit,  die  That,  immer  mehr  nur  in  der  Erinnerung  darstellt,  sehe  ich 
hier  in  der  Hand  jugendlicher  Rüstigkeit  und  Kraft  die  Bewegung,  den  Erfolg,  für 
die  Zukunft  gesichert. 

Erlauben  Sie  mir  noch,  meine  Herren,  ein  Wort  des  Rückblickes  auf  unsere 
Arbeiten,  der  Umschreibung  unserer  Aufgaben.  Die  Übersichtsaufnahmen  sind  mit 
der  diesjährigen  für  das  Kaiserreich  geschlossen,  die  Detailaufnahme  für  Böhmen. 
Wir  dürfen  wohl,  bei  der  eigenthiimlichen  Theilnahme  in  der  Art  der  Gewinnung 
derselben  in  den  ersteren  für  unsere  Zwecke  die  Arbeiten  des  geognostisch- 
montanistischen  Vereines  in  Gratz  und  des  Werner-Vereines  in  Brünn,  für 
Steiermark,  Mähren  und  Schlesien  mit  einschliessen.  Aufnahmen  der  letzteren 
Art  liegen  uns  noch  viele  vor.  Für  den  Abschluss  der  ersteren  ist  nun  eine 
unerlässliche  Aufgabe  für  uns  die  Gewinnung  einer  geologischen  Ueb er- 
sieh tskarte,  in  welcher  alle  Eigentümlichkeiten  der  einzelnen  Kronländer 
möglichst  ihre  Berücksichtigung  finden,  um  ein  ganzes,  grosses  Bild  darzu- 
stellen. Die  Detailaufnahmen  nehmen  ihren  Fortgang.  Aber  gleichzeitig  mit 
denselben  erheischen  die  Studien  in  den  Sammlungen  mehr  auf  sie  verwendete 
Zeit,  welche  wir  bisher  möglichst  den  Übersichtsaufnahmen  zuwandten,  um  in 
diesen  für  das  ganze  Kaiserreich  eine  gleichförmige  Basis  zu  gewinnen.  Eine 
andere  Aufgabe  besteht  in  einer  mehr  auf  einzelne  Gegenden,  namentlich  solcher 
welche  für  die  Volkswirtschaft  durch  das  Vorkommen  nutzbarer  Producte  wich- 
tig sind,  bezügliche  Forschungen,  so  wie  auf  diejenigen,  welche  in  wissenschaft- 
licher Beziehung  Ergebnisse  in  Aussicht  stellen,  für  welche  selbst  unsere  bishe- 
rigen Detailaufnahmen  nicht  hinlänglich  Zeit  zur  Verfügung  stellten.  In  allen 
diesen  Richtungen  werden  wir  uns  fortzuschreiten  bestreben,  stets  durch  den, 
nun  unter  günstigen  Lagen  fortwährend  erleichterten  Gang  der  Erscheinung 
unserer  Druckwerke  unterstützt. 

Wenn  wir  im  verflossenen  Jahre  gerade  am  19.  November  in  treuer  Unter- 
thanenliebe  und  Ehrfurcht  unserer  Allergnädigsten  Kaiserin  gedachten 
und  den  Segen  des  Allerhöchsten  für  Festigung  Ihres  Wohlbefindens  unter  dem 
milden  Himmel  unserer  schönen  Lagunenstadt  erflehten,  so  darf  ich  wohl  heute 
den  Ausdruck  gehobensten  Gefühles  bei  der  Rückkehr  in  unsere  Mitte  der,  neu 
in  frischester  Jugend,  Kraft  j und  Genesung  blühenden  All  er  durchlauch- 
tigsten Kaiserin  in  ehrfurchtsvollster  Huldigung  unserem  Allergnädigsten 
Kaiser  und  Herrn  darbringen. 


mm 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  4.  November  1S62. 

Herr  k,  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  führt  den  Vorsitz  und  eröffnet 
die  Sitzung  mit  dem  Vortrage  der  Ansprache  des  Herrn  Directors  W.  Haidin- 
ger, welche  auf  den  vorangehenden  Blättern  abgedruckt  ist. 

Im  Aufträge  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn 
Erzherzogs  Ferdinand  Maximilian  waren,  wie  oben  Seite  277  erwähnt, 
durch  das  k.  k.  Marine-Ministerium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  weitere 
Ergebnisse  und  Publicationen  der  Novara-Expedition  übermittelt  worden:  1..  Erste 
Abtheilung  des  nautisch-physikalischen  Theiles,  herausgegeben  von  der  k.  k. 
hydrographischen  Anstalt  in  Triest,  mit  7 Karten.  2.  Modell  der  Insel  St.  Paul 
im  indischen  Ocean,  ausgeführt  von  dem  k.  k.  Major  Herrn  Ign.  Cybulz  und 
galvanoplastisch  vervielfältigt  in  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei. 

Herr  Dr.  F.  v.  Höchst  etter  begleitet  diese  Vorlagen  mit  erläuternden  Be- 
merkungen über  die  merkwürdige  vulkanische  Natur  der  Insel  St.  Paul , deren 
Krater  5000  Fuss  weit  und  1000  Fuss  tief  ist,  und  deren  Lavafelder  zum  Theil 
nach  so  heiss  sind,  dass  das  durchsickernde  und  am  inneren  Kraterrand  wieder 
zu  Tage  tretende  Wasser  fast  bis  zur  Siedhitze  erwärmt  wird. 

Herr  Dr.  F.  v.  Höchst  etter  spricht  ferner  dem  Herrn  Hofrath  Haidin- 
ger  seinen  Dank  aus  für  das  werthvolle  Geschenk  einer  70  verschiedene  Kohlen- 
localitäten  der  österreichischen  Monarchie  repräsentirenden  Kohlensammlung, 
welche  das  Mineralien-Cabinet  des  k.  k.  polytechnischen  Institutes  der  Liberalität 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  verdanke, 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  v.  Hauer  erinnerte  an  die  Sitzung  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt  am  16.  April  1861  (Jahrbuch,  XII.  Bd.,  Verh.  Seite  39), 
in  welcher  er  eine  Anzeige  des  Inhaltes  der  ihm  von  dem  hochverdienten  Ver- 
fasser Herrn  k.  bayer.  Bergmeister  C.  W.  G ü m b e 1 freundlichst  übersendeten 
ersten  82  Bogen  der  „Geognostischen  Beschreibung  des  bayerischen  Alpen- 
gebirges und  seines  Vorlandes“  mitgetheilt  hatte.  Im  Laufe  des  Sommers  ist  nun, 
wie  bereits  Herr  Director  W.  Haidinger  in  dem  Monatsberichte  vom  30.  Juni 
1862  (Verh.  Seite  243)  dankend  mittheilte,  das  völlig  vollendete  Werk  als 
Geschenk  der  k.  bayerischen  Staatsregierung  für  unsere  Anstalt  eingelaufen,  und 
es  erübrigt  uns  noch  die  Inhaltsanzeige  für  den  Rest  des  Werkes  nachzutragen.  — 
Seite  579  beginnt  die  Schilderung  der: 

VII.  Eocengebilde.  Sie  sind  in  ihrer  Verbreitung  beinahe  nur  „auf  den 
äusseren  (Nord-)  Rand  des  Gebirges  und  auf  jene  muldenförmigen  Querbuchten 
beschränkt,  die  bereits  für  die  Entstehung  jüngerer  Kreideschichten  günstig, 
auch  nach  einer  theilweisen  Ausfüllung  durch  letztere  noch  vertieft  blieben“. 


Sitzung  am  4.  November.  Fr.  v.  Hauer. 


281 


0] 


Bezüglich  der  Gliederung  der  Eocengebilde  in  den  bayerischen  und  angren- 
zenden Tiroler  und  Vorarlberger  Alpen  unterscheidet  Gümbel  vier  verschie- 
dene Stufen  und  zwar  von  unten  nach  oben. 

1.  Unterste  Nummulitengruppe  (Burgberger  Schichten). 

2.  Untere  Nummulitengruppe  (Kressenberg -Schichten)  entsprechend  dem 
Niveau  des  Parisien  oder  Pariser  Grobkalkes. 

3.  Obere  Nummulitengruppe  (Reiter  Schichten).  Niveau  des  Sandes  von 
Beauchamp  oder  Bartonien. 

4.  Jüngere  Nummulitengruppe  (Häringer  Schichten).  Niveau  des  Gypses  von 
Montmartre  oder  Ligurien. 

Die  sämmtlichen  Flyschgebilde  der  genannten  Alpen  werden  als  der  Eocen- 
formation  angehörig  betrachtet,  und  zwar  erscheinen  sie  als  ein  Aequi valent  der 
Schichtengruppen  3 und  4 zusammengenommen.  Als  Beweis  für  die  Richtigkeit 
dieser  Ansicht  dient  die  Beobachtung,  dass  am  Grünten  sowohl  als  am  Unters- 
berg  die  Flyschschichten  unmittelbar  den  Nummulitenschichten  concordant  auf- 
gelagert sind;  und  zwar  an  ersterem  Orte  den  älteren  Kressenberg-Schichten, 
am  Letzteren  den  jüngeren  Reiter  Schichten;  sie  lassen  sich  nicht  als  ein  beson- 
deres Glied  der  ganzen  Nummulitenformation  auffassen,  welches  sich  der  oben 
angeführten  Schichtenreihe  einordnen  lässt,  sondern  ihre  Bildung  erfolgte  in 
der  äusseren  Zone  im  offenen  Meere,  während  in  kleinen  Becken  im  Innern  der 
Alpen  die  höheren  Etagen  der  petrefactenführenden  Nummulitenformation  abge- 
lagert wurden.  Ungeachtet  der  grossen  Nähe  der  oberen  Nummulitenschichten 
und  des  Flysches  glaubt  also  Herr  Gümbel,  dass  „die  Verschiedenartigkeit  der 
Bildungsbedingungen“  unter  den  angedeuteten  Verhältnissen  hinreichend  sei,  das 
gleichzeitige  Entstehen  von  petrographisoh  so  differenten  Gesteinsmassen  zu 
erklären. 

Ohne  im  Entferntesten  der  Richtigkeit  der  Annahme  entgegentreten  zu 
wollen,  dass  der  gesaminte  Flysch  der  Westalpen  nur  den  obern  Theil  der 
Eocenformation  vertrete,  bemerkte  Herr  v.  Flauer,  wolle  er  doch  anderseits 
darauf  aufmerksam  machen,  dass  durch  Herrn  Gümbel’s  Bemerkungen  und 
Erhebungen  die  Ansicht,  dass  ein  grosser  Theil  der  Wiener  Sandsteine  der  Ost- 
alpen der  Kreideformation  angehöre  nicht  widerlegt  erscheine.  Der  Umstand, 
dass  man  in  den  westlichen  Alpen  und  auch  im  Innern  der  Ostalpen  in  der 
Reihenfolge  der  Neocom-  und  anderen  Kreidegebilde  keine  echten  Flyschschich- 
ten antreffe,  könne  folgerichtig  eben  so  wenig  einen  Beweis  gegen  die  gedachte 
Ansicht  abgeben,  als  das  Fehlen  von  Flyschschichten  in  den  inneren  Eocenbecken 
gegen  die  Zuweisung  des  bayerischen  Flysches  zur  Eocenformation;  hier  wie 
dort  könne  man  auf  den  Gegensatz  der  Bildung  im  offenen  Meere  mit  jener  in  den 
Buchten  hinweisen,  und  brauche  nur  anzunehmen,  dass  die  Flyschbildung,  die  ja 
auch  in  Bayern  u.  s.  w.  mehrere  durch  verschiedene  Faunen  charakterisirte  For- 
mationsstufen vertrete,  in  den  Ostalpen  und  auch  in  den  Karpathen,  wo  das 
ganze  Gebilde  auch  wirklich  eine  noch  weit  grössere  Mächtigkeit  erlangt,  in  einer 
noch  bedeutend  früheren  geologischen  Epoche  begonnen  habe. 

Von  Petrefacten  aus  den  Eocengebilden  diagnosirt  Herr  Gümbel  kurz  die 
folgenden,  grösstentheils  von  ihm,  theilweise  auch  von  Herrn  C.  Mayer  benann- 
ten neuen  Arten.  Den  Letzteren  ist  im  Folgenden  ein  M.  beigesetzt. 

Aus  den  Kressenberg-Schichten:  Hymenocyclus  stella , nummuliticus ; 
Escharina  Mariana;  Reteporidea  versipunctata ; Vincidarict  nummiditica ; 
Nullipora  nummulitica ; Lichenoporä  multiph'cata,  caryophyllea,  pupa,  fungi- 
formis ; Defrancia  biradiata;  Cricopora  divergens,  favosa;  Crisidina  num- 
mulitica, spar siporosa;  Pustulipora  botryoides , aspera , didyma;  Truncatxda 


282 


Verhandlungen. 


[3] 


bifrons;  Ceriopora  subglobosa ; Iris  nummulitica;  Cladocora  nummulitica, 
subalpina;  Steplianophyllia  bifrons;  Montlivaltia  bifrons;  Trochocyathus 
verrucosus , multicostatus ; — Cidaris  striatopunctata,  canaliculata,  subacilaris , 
cervicornis,  biornata , undatocostata , crateriformis , sceptrum  ; Pseudodiadema 
macrocephalum ; Diadema  nummuliticum ; — Argiope  flabelliformis , longi- 
rostris,  nummulitica;  Terebratula  sinningensis , cyrtiaeformis , eudichotoma; 
Crania  minutula , Kr  essenberg  ensis ; — Ostrea  pseudo  vesicularis , Paueri; 
Anomia  Nysti;  Plicatula  parvula , Helli;  Spondylus  Muensteri , affinis , Helli; 
Pecten  int  er  co  Status,  Muensteri;  Lima  nummulitica ; Fm/s^//«  internostriata ; 
Modiola  Kressenberg ensis ; Pinna  leguminacea ; Area  nummulitica;  Cardium 
Paueri;  Crassatella  Oenana;  Pholadomya  Muensteri;  Teredo  nummulitica ; — 
Scalaria  ornatissima ; Solarium  quadrangulatum ; Trochus  Muensteri;  Pleu- 
rotomaria  puncticulosa ; — Serpula  taeniaeformis. 

Aus  den  Reiter  Schichten:  Pavolunites  nummulitica ; Cricopora  tubulosa; 
Chaetetes  undulatus ; Plerastraea  volubilis;  Ileliopora  astraeoides , rugosa; 
Astraea  inaequalis ; Enallastraea  crassicolumnaris  ; Pr  ionast  raea  subregularis , 
tenuilamellosa  ; Stereopsammia  D oetzkir ebner iana  ; Monticularia  granulata , 
inaequalis;  Maeandrina  vallcculosa;  Pocillopora  granulosa;  Phyllocoenia 
ovalis,  striata;  — Lima  crassicostata ; Modiola  Studeri;  Pectunculus  May  er  i; 
Limopsis  co stclla tu , obovata;  Nucula  bavarica  M.  ; Cardita  amita  M. ; Venus 
Helvetica  M. ; Solenomya  Sandbergeri ; Solen  elongatus;  — Dentalium  speciosum; 
Turritella  crispata;  Strombus  Escheri;  Pseudolira  Fischcrana  M ; Ficula 
Helvetica  M. 

Aus  den  Häringer  Schichten,  deren  geologische  Stellung  in  der  Eocen-  und 
nicht  in  der  Oligocenformation  durch  zahlreiche  Petrefacten  nachgewiesen  wird: 
Robulina  excentrica ; Cristellaria  triquetra,  aspenda;  Rotalina  megomplialus , 
haering ensis ; Rulimina  semistriata;  Glandulina  abbreviata  ; Dentalina  fusi- 
formis ; — Pecten  Hoernesi  M.  et  G.,  Guembeli  M. , Bronni  M.  et  G. ; Lima 
tirolensis  M.  et  G.,  Guembeli  M. ; Avicula  monopteron ; Pinna  imperialis  M. 
et  G.;  Crenella  Deshayesiana  M.  et  G. ; Area  tirolensis  M.  et  G. ; Pectunculus 
glycimeroides  M.  et  G. ; Trigonia  Deshayesiana  M.  et  G. ; Cardium  tirolense 
M.  et  G.,  Oenanum;  Cyrena  gregaria  M.  et  G.;  Lucina  Heeri  M.  et  G.,  rostra- 
lis  M.  et  G.,  Mittereri  M.  et  G.,  Rollei  M.  et  G. ; Tellina  Piclileri  M.  et  G. ; 
Neaera  bicarinata  M.  etG.,  scalarina  M.  et  G-;  Corbula  astartea  M.  et  G . 
Leguminaria  sinuata;  Septaria  BeyricHi  M.  et  G. ; — Vcrmetus  gracilis  M. 
et  G. ; Melania  elegans  M.  Chenopus  haering e nsis ; — Pollicipes  Renevieri 
M.  et  G. 

VIII.  Aeltere  oligocene  Molasse  und  IX.  neogene  Molasse.  Die 
letzte  nördliche  Vorstufe  der  Alpen  bricht  mit  den  Nummulitenschichten  und  dem 
Flysch  plötzlich  ab.  Die  grossartige  Terrainverflächung,  die  sich  im  Norden 
anschliesst,  und  die,  wenn  sie  auch  noch  einzelne  Höhenpunkte  bis  zu  3000  Fuss 
aufzuweisen  hat  und  Unterschiede  in  der  Höhe  zwischen  Berg  und  Thal  von 
1200 — 1300  Fuss  erkennen  lässt,  doch  im  Vergleich  zum  Hochgebirge  gemein- 
hin als  Ebene  bezeichnet  wird,  hat  die  Molassegebilde  zu  ihrer  Unterlage. 

Die  Trennung  der  älteren  oligocenen  weiter  im  Süden  am  Gebirgsrande 
gelegenen  Molasse  von  der  nördlich  anschliessenden  jüngeren  neogenen  Molasse, 
ist  vollkommen  durchgefiihrt  und  durch  zahlreiche  Beobachtungen  erläutert.  Im 
Westen  bildet  die  erstere  eine  sehr  breite  Zone,  die  nach  Osten  schmäler  wird, 
und  sich  noch  ehe  der  Teisenberg  endet,  ganz  auskeilt,  so  dass  hier  die  jüngere 
Molasse  unmittelbar  an  den  Gebirgsrand  herantritt.  Jenseits  der  Salzach  auf 
österreichischem  Gebiete  fehlen  daher  die  Oligocen-Scbichten. 


w 


Sitzung  am  4.  November.  Fr.  v.  Hauer. 


283 


Die  Oligocen-Molasse  ist  steil  gehoben,  doch  „darf  die  horizontale  oder  ge- 
neigte Lagerung  nicht  als  sicheres  Kriterium  einer  Scheidung  der  Tertiärschich- 
ten am  Nordrande  der  Alpen  benützt  werden,  denn  es  wurden  die  jüngeren 
Molasseschichten  im  Westen,  in  Schwaben  wie  in  der  Schweiz  von  Schichten- 
störungen getroffen  und  in  ihrer  Lagerung  verrückt,  während  im  Osten  im  Isar-, 
Inn-  und  Salzachgebiete,  wie  in  Oesterreich  seit  ihrer  Ablagerung  keine  Niveau- 
veränderungen mehr  eingetreten  sind.44 

Die  oligocene  Molasse,  der  die  bekannten  Pechkohlenflötze  angehören,  zer- 
fällt in  drei  Hauptgruppen,  und  zwar  von  unten  nach  oben: 

1.  Aeltere  Meeresmolasse. 

2.  Aeltere  Süsswassermolasse. 

3.  Aeltere  Brackwassermolasse. 

Diese  drei  Gruppen  sind  auf  den  Karten  ausgeschieden. 

Von  neuen  Petrefacten,  zu  deren  Bestimmung  die  Herren  C.  Mayer, 
F.  Sandberger  und  0.  Heer  ebenfalls  Beiträge  lieferten,  werden  die  nach- 
folgenden kurz  charakterisirt: 

1.  Aus  der  unteren  Abtheilung  der  oligocenen  Molasse,  von  den  tiefsten 
marinen  Bildungen  bis  zu  den  Cyrenenschichten : Litharaea  subalpina;  Modiola 
inter  striata ; Pectunculus  latiradiatus  Sandb per  latus;  Cardium  Heeri  31., 
Emmrichi,  laticostatum , subalpinum , isaricum,  tenuicostatum , helveticum  M., 
Sandbergeri;  Donax  parallelus ; Siliqua  bavarica  M .;  — Dentalium  Mayeri; 
Natica  atylodes;  Turritella  qaadricanaliculata  Sandb.,  diversicostata  Sandb.; 
Rissoa  pachychilus  ; Mur  ex  obtusicosta  Sandb. ; Fusus  subscalaroides,  pleura- 
gon;  Pleurotoma  ambly  schisma  Sandb. 

2.  Aus  der  oberen  Abtheilung  der  oligocenen  Molasse  (Brackwasser- 
molasse): Ficus  Martiana  Heer;  Acerates  Guembeli  Heer ; — Escherina  p eis- 
senberg ensis ; — Mytilus  aquitanicus  M. ; Unio  inftatus,  inaequiradiatus,  flexi - 
costatus ; — Melania  Mayeri;  Paludina  gravistria  ; Melanopsis  foliacea,  acumi- 
nata  Sandb.;  Cerithium  plachostichum , Sandbergeri;  Mur  ex  acuticostatus ; 
Fusus  bistr iatus;  Buccinum  Flurli. 

Die  neogeno  Molasse  zerfällt  in  drei  Gruppen,  und  zwar  von  unten  nach  oben: 

1.  Jüngere  gelbe  Blätter-Molasse  oder  Schichten  der  Myrica  salicina. 

2.  Obere  Meeres-Molasse,  Schichten  der  Cytherea  albina. 

3.  Süsswasser-Molasse,  Schichten  der  Helix  Moguntiana. 


IX.  Diluvium.  Das  folgende  Schema  macht  am  Deutlichsten  ersichtlich, 
welche  Gebilde  Herr  Gümbel  dieser  Formation  zuzählt,  und  in  welcher  Weise 
er  sie  gliedert. 


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Hangendes:  Novärgebilde  oder  Alluvium. 


In  der  Hochebene 

In  den  Alpen 

Erratische  Blöcke 

Hochfluthgeröll,  Lehm,  Thon 

Löss,  Diluviallehm 

Tünchererde,  Braunkohle 

Diluvial-Conglomerat 

Terrassen-Diluvium 

(Nagelstein,  Nagelfluhe) 

Hochgebirgschotter 
? Erratische  Geschiebe 

Liegendes:  Tertiärgebilde. 


284 


Verhandlungen. 


[S] 

„Das  sogenannte  quartäre  Gerolle  und  der  Löss  nehmen  ein  eigentüm- 
liches Verbreitungsgebiet  ein,  dessen  Grenze  ausser  aller  Beziehung  mit  jener 
der  zunächst  älteren  tertiären  Sedimente  steht.  Wir  sehen  es  deutlich  an  dieser 
abweichenden  Ausbreitung  und  der  geänderten  Gesteinsbeschaffenheit,  dass 
mit  der  Bildung  des  Diluvialgerölles  eine  neue  wichtige  Zeitperiode  begonnen 
hat.“  — „Es  wird  zwar,“  fügt  Herr  Gümbel  weiter  hinzu,  „die  Ansicht,  dass 
unsere  sogenannten  Diluvialgebilde  mit  einigen  der  obersten  sogenannten  Ter- 
tiäretagen — Piiocen  und  Pleistocen  — gleichzeitig  sind,  wohl  von  wichtigen 
Gründen  unterstützt.  Die  Schwierigkeit  aber  eine  reine  Süsswassersee-  und 
FlussablagerungmitmarinenSedimenten  alsgleichalterig  zu  erkennen,  und  andern- 
theils  der  innerhalb  unseres  Gebietes  so  scharf  hervortretende  eigentümliche 
Charakter  dieser  jüngeren  Ablagerungen  lassen  es  angemessen  erscheinen,  ihnen 
einen  besonderen  Abschnitt  zu  widmen.“ 

X.  Alluvium.  Die  Bildungen  der  Neuzeit  werden  unter  6 verschiedenen 
Bubriken,  und  zwar  1.  Verwitterungsgebilde,  2,  Flussgebilde,  3.  Quellabsätze, 
4.  Teich-  und  Sumpfgebilde  (Torf),  5.  Berg-  und  Felsenschlüpfe,  6.  Schnee- 
felder und  Gletscher,  geschildert  und  als  Anhang  eine  Beihe  von  Bemerkungen 
über  Quellen  beigefügt. 

Der  dritte  und  letzte  Abschnitt  des  ganzen  Buches,  Seite  838 — 896,  end- 
lich bringt  unter  dem  Titel  „Geognostische  Folgerungen“  Betrachtungen  über 
die  Oberflächengestaltung  des  Landes,  über  den  Aufbau  der  nordöstlichen  Kalk- 
alpen, über  das  Verhältniss  der  Gesteinsarten  zum  organischen  Beiche  endlich 
eine  Aufzählung  aller  nutzbaren  Mineralstoffe,  der  Orte  ihres  Vorkommens  und 
ihrer  Gewinnung. 

Ein  sehr  vollständiges  Orts-  und  Sachregister,  Seite  897 — 948,  erhöht 
bedeutend  die  Bequemlichkeit  der  Benützung  und  42  beigegebene  Tafeln  mit 
Durchschnitten  tragen  nicht  wenig  dazu  hei,  den  Text  zu  erläutern  und  die 
geschilderten  Verhältnisse  anschaulicher  zu  machen. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  legte  über  das  Terrain  der  silurischen 
Grauwackenformation  in  Böhmen  eine  geologische  Karte  vor,  welche,  nach  dem 
von  den  englichen  Geologen  für  die  silurischen  Schichten  angewendeten  Farben- 
schema ausgeführt  worden  ist.  Diese  Ausführung  der  Karte  wurde  durch  Sir 
Roderick  M u rch iso n veranlasst,  mit  welchem  Herr  Lipoid  gleichzeitig  mit 
Herrn  Dr.  Anton  Fritsch  von  Prag,  von  Pilsen  aus  mehrere  Excursionen 
vornahm.  Die  folgende  Paralleltafel  gibt  die  Aequivalente  der  silurischen  Schich- 
ten, nach  den  in  England  angenommenen  Benennungen,  den  Bezeichnungen  des 
Herrn  J.  Barrande  in  seinem  Systeme  silurien  du  centre  de  la  Boheme , und 
der  Schichtenfolge,  wie  sie  in  den  Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
neuerlichst  aufgeführt  wird.  Sie  wurden  bei  den  gemeinschaftlichen  Ausflügen 
der  genannten  Herren,  so  wie  bei  dem  Studium  der  reichhaltigen  Sammlungen 
in  Prag  vielfältig  besprochen. 


In  Böhmen; 

Die  Schichten  von 
Obersilurisch: 

Hlubocep 
Branik  . . 

Koneprus 


Die  Barr  an  de’schen 
Etagen: 


H . . . . 
G 

F 


In  England: 


Passage-Beds. 
Upper  Ludlow. 
Aymestry  limestone. 
Lower  Ludlow . 


[6] 


Sitzung  am  4.  November.  M.  V.  Lipoid.  Dr.  F.  Stoliczka. 


285 


In  Böhmen t In  England: 

Die  Barr  ande’schen 

Die  Schichten  von:  Etagen; 

Kuhelbad  E (Kalk)  . . Wenlock-Limestone. 

Litten E (Schiefer)  Wenloch- Skale. 


Unter silur isch : 


Kossow  . 
Königshof 


Zahofan d 4 

Vinic ds 

Brda dz 

R°kycan I ^ 

Komorau 


Krusnahora 


d'  . 


Caradoc . 


. Llandeilo . 

( Stiperston. 

\ Upper  Lingida  Flags. 


’ /r  * * *.  \ C fjngula  FlagS 

Pribram  (Grauwacke) ) u J 

Pribram  (Schiefer,  mit  den  Kiesel-,  Alaun-  und 

Aphanitschiefern) Cambrian  System. 


Herr  Dr.  Ferdinand  Stoliczka  gab  eine  Uebersicht  der  geologischen  Ver- 
hältnisse des  Oguliner  und  Szluiner  Piegimentes  (Jahrb.,  IV.  Heft,  Seite  526), 
und  sprach  am  Schlüsse  die  folgenden  Worte  : 

Meine  Herren,  es  ist  wohl  das  letzte  Mal,  dass  mir  die  Gelegenheit  geboten 
ist,  an  dieser  Stelle  zu  Ihnen  zu  sprechen.  In  kurzer  Zeit  trete  ich  meine  Reise 
nach  Ostindien  an,  und  scheide  aus  dem  Verbände  eines  Institutes,  an  dem  ich 
zwar  nicht  eine  lange  aber  wahrhaft  glückliche  Zeit  verlebt  habe.  Es  waren 
allerdings  nur  zwei  Jahre,  aber  diese  gehören  zu  den  lehrreichsten  und  ange- 
nehmsten meines  Lebens.  Unvergesslich  bleiben  mir  die  vielseitigen  Eindrücke 
und  Anregungen,  die  ich  von  unserem  hochgeehrten  Herrn  Hofrath  Haidinger, 
Bergrath  F.  v.  Hauer,  Foetterle  und  so  vielen  anderen  geehrten  Freunden 
empfing.  Meine  Abschiedsworte  können  daher  eben  nur  Worte  des  innigsten 
Dankes  sein,  den  ich  Ihnen,  meine  Herren,  hier  darbringe. 

Aber  ich  kann,  meine  Herren,  nicht  von  diesem  Platze  scheiden,  ohne  den 
innigsten  Gefühlen  der  Dankbarkeit  Ausdruck  zu  geben,  welche  ich  meinem 
hochgeehrten  Lehrerund  Freunde  Professor  S uess  schuldig  bin.  Er  ist  es,  dessen 
erste  Schule  ich  genossen  habe,  der  mich  hier  eingeführt  und  für  die  Arbeiten 
der  k.  k.  geologischen  Reichsaustalt  vorbereitet  hatte.  Gleichzeitig  bringe  ich 
meinen  wärmsten  Dank  dar  unserem  verehrten  Direclor  Dr.  Hörnes,  welcher 
mich  stets  auf  das  Wirksamste  unterstützt  und  meine  Arbeiten  immer  durch  all- 
seitige Anregung  gefördert  hatte.  Wenn  auch  fern  in  einem  fremden  Lande,  wird 
mir  stets  das  Andenken  an  alle  diese  Herren  unvergesslich  sein. 

Der  Vorsitzende  erwiederte  mit  der  Bemerkung,  dass  die  Zeit,  welche  Herr 
Dr.  Stoliczka  als  Mitglied  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  unserem 
Kreise  verlebte,  wenn  auch  kurz,  doch  reich  gewesen  sei  an  redlich  geleisteter 
Arbeit  für  unsere  grossen  Aufgaben;  er  hoffe  zuversichtlich,  auch  in  seiner  neuen 
Stellung,  wohin  ihn  unsere  besten  Wünsche  begleiten,  werde  Herr  Dr.  Stoliczka 
uns  freundschaftlich  verbunden  bleiben,  im  gemeinsamen  Streben  für  den  Fort- 
schritt unserer  schönen  Wissenschaft. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


nn 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Jahrg.  1661  u.  1862. 
Heft  IV. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 

Sitzung  am  18.  November  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  von  Hauer  im  Vorsitz. 

Herr  k.  k.  Professor  Eduard  Suess  sprach  über  die  bedeutenden  neuen 
Acquisitionen  an  tertiären  Säugethierresten  von  Pikermi  in  Griechenland,  welche 
das  k.  k.  Hof- Mineraliencabinet  im  Laufe  des  letzten  Jahres  neuerdings  gemacht 
hat,  und  deutete  daraufhin,  wie  diese  Stücke  nicht  nur  an  und  für  sich  eine  grosse 
Zierde  jedes  Museums  sein  müssten,  sondern  wie  sie  speciell  für  Wien  darum  von 
so  hohem  Werthe  seien,  weil  die  von  Jahr  zu  Jahr  zunehmende  Erkenntniss  der 
früheren  Landfaunen  von  Oesterreich  in  den  jüngeren  Tertiärstufen  eine  immer 
grössere  Uebereinstimmung  mit  den  griechischen  Vorkommnissen  hervortreten 
lässt,  und  doch  nur  durch  unmittelbare  Vergleichung  derselben  zu  feststehenden 
Ergebnissen  gelangt  werden  kann.  Die  Untersuchung  der  griechischen  Einsen- 
dungen zeigte  nun  folgendes : 

Von  den  Affen  ist  Semnopithecus  pentelicus  Wagn.  durch  zwei  Schädel 
von  männlichen  Individuen,  zwei  Unterkiefer  und  eine  Anzahl  von  Extremitäts- 
knochen vertreten.  Aus  der  Abtheilung  der  Raubthiere  fand  sich  der  Unter- 
kiefer einer  vielleicht  neuen  Katzenart  von  der  Grösse  des  Leoparden,  ein  unterer 
Eckzahn  des  furchtbaren  Macliairodus  leoninus , Schädelfragment  und  Unter- 
kiefer von  Thalassictis  viverrina , und  eben  so  ein  Schädelfragment  und  ein  Unter- 
kiefer von  Hyaena  hipparionum  vor.  Viel  zahlreicher  sind,  wie  gewöhnlich, 
die  Ueberreste  der  Pflanzenfresser.  Die  Gattung  Mastodon  ist  durch  den 
Stosszahn  eines  sehr  jungen  Thieres  und  durch  einige  riesige  Extremitätsknochen, 
die  Nashörner  durch  den  vollständigen  Schädel  eines  sehr  jungen,  im  Zahnwech- 
sel begriffenen  Individuums  von  Rhinoceros  Sclileiermacheri , den  vollständigen 
Unterkiefer  eines  alten  Individuums  und  durch  eine  grosse  Anzahl  verschiedener 
Theile  des  Skeletes  repräsentirt.  Stis  erymuntliius , die  grosse  auch  in  Baltavär 
häufige  Schweineart  hat  mehrere  Kiefer-  und  Extremitätstheile  geliefert.  Vom 
Helladotherium  Duvernoyi,  dem  grossen  dem  Sivatlierium  nahestehenden  Huf- 
thiere,  das  in  Ungarn  ebenfalls  bereits  nachgewiesen  ist.  fand  sich  ein  Mittelfuss- 
knochen  vor;  einige  andere  Extremitätsknochen  mögen  der  von  Wagner  in 
früheren  Jahren  nach  einem  im  k.  k.  Hof-Mineraliencabinete  befindlichen  Kiefer- 
stücke beschriebenen  Giraffen- Art,  der  Camelopcirdalis  attica , angehören.  Von 
den  schlankeren,  den  Antilopen  verwandten  Thieren  befanden  sich  bei  der 
Sendung  zahlreiche  Schädelstücke,  Kiefer,  Hornkerne,  Hufe  und  sonstige  Theile 
des  Skeletes,  die  den  Gattungen  Gazella , Antilope , Tragoceras  und  Palaeoryx 
entsprechen,  darunter  namentlich  ein  ziemlich  vollständiger  Schädel  der  Antilope 
Lindermayeri  mit  seinen  spiral  aufgerollten  Hornkernen.  Endlich  kamen  von  dem 
pferdeartigen  Hipparion  so  viele  Ueberreste  mit,  dass  man  von  dem  Baue  des 


Sitzung  am  18.  November.  E.  Suess.  Fr.  v.  Hauer. 


287 


[2] 


ganzen  Thieres,  namentlich  von  jenem  der  eigenthümlich  gestalteten  Extremitäten 
sich  ein  genaues  Bild  zu  machen  im  Stande  ist. 

Mit  den  früher  aus  Pikermi  erhaltenen  Resten,  namentlich  mit  der  Sendung 
des  Freiherrn  v.  Brenner-Felsach  vereinigt,  gibt  diese  neue  Sammlung  einen 
vortrefflichen  und  sehr  vollständigen  Ueberblick  der  grossen  Mannigfaltigkeit 
dieser  Fauna  und  lässt  sie  mehr  und  mehr  ihre  Uebereinstimmung  mit  der  jetzigen 
Thierwelt  Afrika’s  hervortreten.  — 

Herr  Prof.  Ed.  Suess  legte  ferner  eine  Anzahl  neuerdings  im  Wiener 
Becken  bekannt  gewordene  tertiäre  Säugethierreste  vor.  Der  auffallendste  unter 
denselben  ist  ein  grosser  Hauzahn  eines  schweinähnlichen  Thieres,  ähnlich  und 
der  Grösse  nach  in  der  Mitte  stehend  zwischen  jenen  des  Ebers  und  Hippopo- 
tarmis.  Dieser  eigentümliche  Zahn  gelangte,  als  vom  Leithagebirge  stammend, 
im  Laufe  des  vergangenen  Jahres  aus  einer  alten  Sammlung  an  das  k.  k.  Hof- 
Mineraliencabinet.  Eine  neuerliche  Durchsicht  der  Fossilreste  von  Sansans  im 
Pariser  Pflanzengarten  liess  seine  Bedeutung  erkennen , es  ist  einer  der  Hauzähne 
des  Listriodon  splendens. 

Herrn  k.  k.  Kriegscommissär  Letocha,  welcher  im  Laufe  der  letzten  Jahre 
mit  so  viel  Eifer  und  Glück  zur  Erkenntniss  unserer  erloschenen  Säugethierfaunen 
beigetragen  hat,  ist  es  neuerdings  gelungen,  eine  Anzahl  hoch  interessanter  Stücke 
aufzufinden.  Eines  derselben  ist  ein  ganz  ähnlicher,  nur  etwas  kleinerer  Hauzahn, 
vermutlich  von  demselben  Thiere,  aus  dem  brackischen  Tegel  von  Nussdorf, 
ein  zweites  der  letzte  Backenzahn  des  Unterkiefers  von  einer  grossen  Art  von 
Palaeomeryx.  Beide  Stücke  deuten  auf  die  öfter  betonte  Uebereinstimmung  der 
Landfauna  der  mittleren  Stufe  unserer  Tertiärablagerungen  mit  jener  der  tief- 
sten oder  marinen  Stufe  und  Verschiedenheit  von  jener  der  jüngsten  oder  Süss- 
wasserstufe. Aus  dieser  letzteren,  und  zwar  aus  dem  Congerientegel  von  Matz- 
leinsdorf, legte  Herr  Suess  zwei  ebenfalls  von  Herrn  Letocha  aufgefundene 
Reste  einer  Emys  ähnlichen  Schildkröte  vor.  — 

Die  Vollendung  der  geologischen  Uebersichtsaufnahmen  der  gesammten 
österreichischen  Monarchie,  welche  durch  die  Arbeiten  des  diesjährigen  Sommers 
zum  Abschluss  gebracht  wurden,  legt  nun  zunächst  die  Aufgabe  nahe,  diese  Auf- 
nahmen, welche  je  nach  den  vorhandenen  topographischen  Grundlagen  für  die 
einzelnen  Länder  auf  Karten  von  verschiedenem  Maassstabe  eingetragen  werden 
mussten,  in  ein  Gesammtbild  zu  vereinigen. 

Als  erste  hierzu  nöthige  Vorarbeit  legte  Herr  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  ein 
vergleichendes  Schema  vor,  welches  er  entworfen  hatte,  um  die  auf  den  einzelnen 
Kronlandskarten  unterschiedenen  Gebirgsarten  und  Formationsglieder  in  Parallele 
zu  stellen.  In  jenen  Ländern,  für  welche  bereits  die  geologischen  Detailkarten 
vorliegen,  sind  natürlich  viel  mehr  Unterscheidungen  durchgeführt,  als  in  den 
nur  übersichtlich  aufgenommenen ; ausserdem  sind  aber  auch,  entsprechend  der 
verschiedenen  localen  Ausbildung  der  Gebirgsarten  selbst,  die  Eintheilungen  und 
Bezeichnungen  der  Formationsglieder  in  den  einzelnen  Karten  sehr  verschie- 
den. Die  Gesammtsumme  der  zur  Unterscheidung  angebrachten  Farbentöne  und 
Bezeichnungen  beträgt  daher  nicht  weniger  als  160,  und  zwar  116  für  die 
Schichtgebilde,  11  für  die  krystailinischen  Schiefer  und  33  für  die  eruptiven 
und  Massengesteine. 

Aus  der  Zusammenstellung  des  vorgelegten  Schema’s  dagegen  hat  sich 
ergeben,  dass  für  die  Uebersichtskarte  der  Gesammtmonarchie  die  gleichmässige 
Unterscheidung  von  etwa  49  verschiedenen  Gesteinsarten  und  Formationsgliedern 
durchzuführen  sein  wird,  und  zwar  34  für  die  Schichtgebirge,  3 für  die  krystal- 
linischen  Schiefer  und  10  für  die  Eruptiv-  und  Massengesteine. 

nn  * 


288 


Verhandlungen. 


[3] 

Herr  v.  Hauer  bezeichnet  übrigens  seine  Arbeit  durchaus  nicht  als  eine 
definitiv  abgeschlossene , der  Hauptzweck  der  Vorlage  bestehe  vielmehr  darin, 
die  sämmtlichen  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsansfalt  mid  Freunde  der 
Geologie  zur  Prüfung  und  Berichtigung  etwaiger  irriger  Annahmen  in  dem 
Schema  und  überhaupt  zur  Theilnahme  und  Mitwirkung  bei  der  nunmehr  in  An- 
griff zu  nehmenden  Zusammenstellung  der  Gehersichtskarte  der  Gesammtmonar- 
chie  einzuladen. 

Herr  Bergrath  M.  V.  Lipoid  berichtete  über  die  Arbeiten  der  I.  Section 
in  Böhmen  im  Sommer  1862.  An  den  Arbeiten  nahmen  ausser  ihm  als  Chefgeo- 
logen die  Herren  Sectionsgeologeri  Baron  F.  Andrian,  H.  Wolf  und  K.  Paul 
Antheil.  Die  Aufgabe  der  I.  Section  bestand  in  der  geologischen  Aufnahme  des 
östlichsten  Theiles  von  Böhmen  auf  den  Generalstabskarten  Nr.  X (Nachod), 
Nr.  XVI  (Reichenau),  Nr.  XXII  (Leitomischl),  Nr.  XXVII  (Deutsch-Brod)  und 
Nr.  XXV III  (Bistrau),  mit  welchen  Aufnahmen  zugleich  die  geologische  Karte 
des  ganzen  Königreiches  Böhmen  zur  Vollendung  gebracht  wurde.  Die  Arbeiten 
im  Felde  begannen  bereits  Anfangs  Mai,  und  waren  derart  vertheilt,  dass  Herr 
Baron  Andrian  das  Terrain  des  Blattes  Nr.  XXVII,  Herr  Paul  die  westlichen 
und  Herr  Wolf  die  östlichen  Theile  der  Blätter  Nr.  X,  XVI  und  XXII  bis  zum 
Parallelkreise  von  Leitomischl , und  Herr  Bergrath  Lipoid  das  Terrain  des 
Blattes  XXII  südlich  von  Leitomischl  und  des  Blattes  Nr.  XXVIII  aufzunehmen 
hatte.  Mit  halben  August  waren  die  Aufnahmen  beendet,  und  es  konnte  die  voll- 
endete geologische  Karte  von  Böhmen  hei  der  Versammlung  deutscher  Natur- 
forscher in  Karlsbad  vorgelegt  werden. 

Herr  Bergrath  Lipoid  sprach  nun  weiters  über  die,  in  dem  von  ihm  auf- 
genommenen Terrain  auftretenden,  krystallinischen Gesteine  südlich  und  westlich 
von  Policzka  und  Prosec,  mit  Ausschluss  der  in  der  Umgehung  von  Swojanow 
vorkommenden  krystallinischen  Schiefer , deren  Besprechung  einer  'nächsten 
Sitzung  Vorbehalten  wurde.  Das  vorherrschende  Gestein  dieses  Terrains  ist 
Gneiss,  der  in  zwei  Hauptvarietälen  vorkommt,  in  einer  glimmerreichen,  meist 
feinflaserigen , leicht  verwitterbaren,  und  in  einer  glimmerarmen,  festen, 
häufig  körnig-granitischen.  Bei  der  ersten  Varietät  herrscht  brauner  Glim- 
mer und  weisser  Feldspath,  bei  der  zweiten  weisser  Glimmer  und  rother 
Feldspath  vor.  Diese  beiden  Gneissvarietäten  sind  nicht  auf  gesonderten 
Gebieten  vertlieilt,  sondern  wechsellagern  mit  einander  in  der  Art,  dass  die 
festen  Gneisse  in  der  Mächtigkeit  von  eii?  paar  Fuss  bis  zu  20  Klafter  Zwisehen- 
lagerungen  in  dem  mürben  Gneiss  bilden.  Durch  Verwitterung  der  letzteren 
gelangen  die  ersteren  als  Felswände  zu  Tage,  zertrümmern  und  bedecken,  nach- 
dem die  Kanten  der  Trümmer  sich  abrundeteri,  als  Blöcke  weite  Strecken  des 
Terrains,  ähnlich  den  Granilblöcken  in  einem  Granitgebirge.  Diese  zum  Theile 
granitischen  Gneisse  entsprechen  den  „rothen  Gneissen“  des  Erzgebirges,  und 
entbehren,  wie  im  Erzgebirge,  einer  edlen  Erzführung.  Als  untergeordnete  Ein- 
lagerungen in  dem  Gneisse  erscheinen:  Krystallin  ische  Kalksteine  in  der 
Mächtigkeit  von  10 — 12  Klaftern  bei  Trhonitz,  Sedlitz  und  hei  Rychnow,  am 
letzteren  Orte  mit  Talk,  Asbest  und  Malakolith;  Glimmerschiefer  an  der 
mährischen  Grenze  bei  Ingrovitz,  am  Südwestgehänge  des  Landratberges  und 
zwischen  Chlumetin  und  Cachnow;  endlich  A in  phib  ol schiefer  in  drei  parallelen 
Zügen.  Den  Amphibolschiefer  begleiten  Lager  von  Magneteisenstein  und 
Eisenglanz  bei  Ruda  und  bei  Teleci,  woselbst  ein  2 — 3 Fuss  mächtiges  nach 
NW.  streichendes  und  mit  30  Grad  nach  NO.  einfallendes  Erzlager,  das  im 
Streichen  1000  Klafter  weit  aufgeschürft  ist,  für  den  Eisenhochofen  zu  Kadau 
in  Mähren  a bgehaut  wird.  Die  Lagerungsverhältnisse  des  Gneisses  und  der  ihm 


Sitzung  am  18.  November.  M.  V.  Lipoid.  Fr.  Foettterle. 


289 


[4] 

zwischengelagerten  Gesteine  sind  in  dem  Terrain  zwischen  Bistrau  und  Ruda  bei 
Wüst-Kamenitz  aussergewöhnlich  constant,  — das  Streichen  desselben  nämlich 
von  SO.  nach  NW.,  und  das  Einfallen  nach  NO.  Westwärts  von  Ruda,  in  der 
Umgebung  von  Krouna  aber  zeigen  die  Gneisse  ein  Streichen  von  SW.  in  NO., 
und  das  Verflachen  derselben  ist  theils  ein  nordwestliches,  theils  ein  südöstliches. 
Das  erstere  Streichen  entspricht  dem  Böhmerwald-,  das  letztere  dem  Erzgebirgs- 
Systeme.  Indessen  bemerkte  Herr  Bergrath  Lipoid,  dass  sich  in  dem  petrogra- 
phischen  Charakter  und  in  der  Art  der  Zwischenlagerungen  zwischen  den  Gneissen 
bei  Bistrau  und  bei  Krouna  durchaus  kein  Unterschied  wahrnehmen  lasse,  und 
dass  desshalb  in  dieser  Beziehung  die  Gneisse  mit  nordwestlichem  und  jenejnit 
nordöstlichem  Streichen  nicht  verschiedenen  Altersstufen  angehören  können.  — 
Westlich  von  Krouna  bis  nach  Skuc,  so  wie  an  dem  Hügel  westlich  von  Prosee 
treten  Urthon  sch  iefe  r und  Phyliite  auf  und  bilden  isolirte  Schollen  in  dem 
Gneissgebiete.  Bei  Richenburg  gehen  dieselben  in  Gr  au  wackens  chief  er  über, 
welche  dort  mit  Sandsteinen  die  nördliche  Begrenzung  der  krystallinischen 
Schiefer  bilden.  Zwischen  Prosec  und  Breitenthal  bei  Policzka  ist  das  Terrain 
von  Graniten  zusammengesetzt,  die,  obschon  sie  mehr  den  Gneissgraniten  als 
den  gewöhnlichen  Gebirgsgraniten  ähnlich  sind,  besonders  als  Granitgebirge  aus- 
geschieden wurden,  weil  in  dem  Terrain  kein  Auftreten  von  Gneissen  beobach- 
tet wurde. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  berichtete  für  Herrn  Karl  v.  Hauer, 
der  durch  Unwohlsein  verhindert  war,  über  Einsendungen  von  Kohlen,  welche 
in  letzterer  Zeit  zur  Untersuchung  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangt 
sind.  Sie  rühren  theils  von  neuen  Schürfen,  theils  von  Fundorten  her,  von  wel- 
chen noch  keine  Proben  bisher  ausgeführt  wurden. 

1.  Kohlen  von  Briloff  und  Scoffle  am  Karst.  Ueber  das  Vorkommen 
dieser  Ablagerung  bat  bereits  früher  Herr  Bergrath  Foetterle  Mitteilungen 
gemacht,  aus  denen  hervorgeht,  dass  eine  ergiebige  Ausbeute  hier  nicht  zu  hoffen 
ist.  Nichtsdestoweniger  wurden  in  neuerer  Zeit  grossartige  und  kostspielige 
Untersuchungsbaue  fortgesetzt,  über  deren  Resultate  Mittheilungen  noch  zu 
erwarten  stehen.  Die  Qualität  der  Kohle  ist  sehr  vorzüglich.  Bei  einem  Gehalte 
von  5-3  Procent  Asche  ergab  sie  ein  Aequivalent  von  7-5  bis  8 Centner  für  eine 
Klafter  weichen  Holzes. 

2.  Braunkohle  von  Lepoglava  in  Croatien,  eine  Fortsetzung  des  kürzlich 
von  Herrn  Bergrath  Lipoid  beschriebenen  Vorkommens  bei  Ivanec.  Das  Lager 
dieser  Kohle  wurde  erst  im  März  dieses  Jahres  aufgeschlossen  und  Muster  von 
Herrn  v.  Bedekovich  durch  das  k.  k.  Handelsministerium  eingesendet.  Die 
Mächtigkeit  des  Flötzes,  welches  zu  Tage  ansteht,  beträgt  fünf  Fuss  und  erhält 
sich  dem  Streichen  nach.  Im  Querschlage  jedoch,  welcher  nach  der  23  Grad 
fallenden  Kohle  getrieben  wurde,  zeigt  sich  das  Flötz  nach  drei  Klaftern  schon 
sechs  Fuss  mächtig.  Was  die  Qualität  der  Kohle  anbelangt,  so  gleicht  sie  voll- 
kommen jener  dichten  Braunkohle  (Glanzkohle),  die  südlich  von  Ivanec  vor- 
kommt. 

3.  Braunkohle  von  Gross-Gorica  in  Croatien,  von  dem  k.  k.  Obergespan 
Herrn  L.  v.  Vucotinovic  eingesendet.  Die  Kohle  enthält  4-4  Procent  Asche, 
ist  aber  sehr  von  Grubenfeuchtigkeit  durchdrungen,  daher  sich  19  Centner  als 
Aequivalent  einer  Klafter  weichen  Holzes  ergeben. 

4.  Braunkohle  von  Mariaschein  im  Aussig-Teplitzer  Kohlenrevier.  Sie 
wurde  in  diesem  Jahre  auf  dem  Reservatfelde  der  Staats-Eisenbahn- Gesellschaft 
in  einer  Teufe  von  63  Klafter  angefahren.  Die  Kohle  gibt  auffällig  viel  Theer. 


290  Verhandlungen.  SitzuDg  am  18.  November.  Fr.  Foettirle-  [5] 

Der  Aschengehalt  beträgt  2*3  Procent  und  als  Aequivalent  einer  Klafter  weichen 
Holzes  ergaben  sich  11*5  bis  12  Centner. 

5.  Braunkohle,  südlich  von  Mautern  in  Niederösterreich.  Sie  wurde  in 
diesem  Jahre  durch  Herrn  J.  Springer  erschürft.  Es  fanden  sich  zwei  Flötze, 
zusammen  drei  bis  vier  Fuss  mächtig.  Eine  Grube  wurde  auf  dem  westlichen  Ab- 
hange der  Anhöhe,  welche  sich  am  rechten  Donauufer  hinter  Mautern  erhebt, 
angelegt.  Die  Kohle  ist  wohl  eine  Fortsetzung  des  Vorkommens  bei  Thallern  und 
enthält  viel  Schwefelkies.  Der  Aschengehalt  beträgt  11*6  Procent  und  als  Aequi- 
valent einer  Klafter  weichen  Holzes  ergaben  sich  10*2  Centner. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  machte  eine  Mittheilung  über  das  Braun- 
kohlenvorkommen von  Zagyva  und  Salgö  Tarjan  im  Neograder  Comitate,  das  der 
nahezu  100  Quadratmeilen  grossen,  Braunkohlen  führenden  Tertiärbucht  angehört, 
welchezwischen  der  Gran  und  der  Hernad,  nördlich  von  dem  Schemnitzer  Trachyt- 
stocke,  dem  kryslallinischen  Gebirge  des  Sohler  Comitates  und  den  secundären 
Kalkmassen  von  Gömör  und  Torna  begrenzt  wird,  während  die  Trachyte  von 
Waitzen,  der  Matra  und  das  Bickgebirge  sie  im  Süden  von  dem  grossen  ungari- 
schen Tertiärhecken  trennen.  Aehnlich  den  geologischen  Verhältnissen  im  böh- 
mischen Mittelgebirge  ist  diese  Bucht  durch  zahlreiche  Basalt-Eruptionen  durch- 
setzt, welche  in  einer  beinahe  geradlinigen  Richtung  von  Süd  nach  Nord  von 
Hatvan  über  Somos  Ujfalu,  Fülek  bis  gegen  Rima  Szombath  das  ganze  Gebiet  in 
zwei  fast  gleiche  Tlieile,  ein  westliches  und  ein  östliches,  theilen.  Beinahe  über- 
all in  diesem  Gebiete  tinden  sich  Braunkohlen,  die  jedoch  an  wenigen  Punkten 
noch  aufgeschlossen  sind  und  abgehaut  werden.  Die  Szent  Istväner  Steinkohlen- 
Bergbau-  und  Eisenbahn-Gesellschaft,  welche  Pesth  über  Hatvan  durch  das 
Zagyvathal  mit  Losoncz  durch  eine  Locomotivbahn  zu  verbinden  beabsichtigt,  hat 
bei  Pälfalva,  Salgö  Tarjan,  Zagyva  und  Kazär  ein  Gebiet  von  13.000  Joch 
acquirirt,  innerhalb  welchem  in  etwa  372  Feldmassen  ein  Braunkohlenflötz  von 
einer  Mächtigkeit  zwischen  5 bis  7 und  8 Fuss  sich  nachweisen  lässt,  was  bei 
einer  durchschnittlichen  Mächtigkeit  von  nur  4 Fuss  einem  Kohlenquantum  von 
über  300  Millionen  Centnern  entspricht.  Die  Kohle,  überall  durch  Stollenbau 
leicht  zugänglich,  ist  fest,  glänzend  im  Bruche  und  von  sehr  guter  Qualität. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  theilte  ferner  mit,  dass  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt  von  dem  hohen  k.  k.  Staatsministerium  in  Folge  einer  Anzeige  des 
k.  k.  Statthalterei-Präsidiums  in  Lemberg  und  des  Czortkower  Kreisvorstehers 
Herrn  Ludwig  Kilbe  inZaleszczyki,  Nachricht  nebst  einem  Situationsplan  erhalten 
habe  von  dem  Funde  von  zahlreichen  Knochenresten  von  Mammuth,  welche  bei 
Kasperowce  in  der  Nähe  von  Zaleszczyki  an  der  Berglehne  zwischen  dem  Dniester 
und  Serethflusse  und  dem  Tuppabache  in  einer  Höhe  von  450  Fuss  über  dem 
Dniester  unter  einer  Schotterdecke  von  12  Fuss  aufgedeckt  wurden.  Es  ist  nur 
zu  bedauern,  dass  von  diesen  Resten,  welche,  wie  es  nach  der  Beschreibung 
wahrscheinlich  ist,  einem  Individuum  angehört  haben,  nichts  erhalten  werden 
konnte,  da  sie  au  der  Luft  gänzlich  zerfielen. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Sitzung  am  2.  December  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauerim  Vorsitz. 

Herr  Edmund  v.  Mojsisovics  machte  die  folgende  Mittheilung:  „Der  drin- 
genden Aufforderung  meines  hochverehrten  Lehrers  und  Freundes,  Prof.  Suess, 
Folge  leistend,  gestatten  Sie  mir,  meine  Herren,  aus  den  Erinnerungen  meiner 
letzten  Sommerexcursionen  einige  auf  die  Stellung  der  Hierlatz-Schichten  bezüg- 
liche Daten  Ihnen  mitzutheilen.  Es  ist  bekannt,  dass  die  Frage  nach  dem  Alter 
der  Hierlatz-Schichten  controvers  ist,  indem  Stoliczka,  gestützt  auf  seine  palä- 
ontologischen  Studien  über  die  Gasteropoden  und  Acephalen,  sie  für  mittleren, 
Oppel  dagegen,  der  die  Brachiopoden  studirte,  auf  diese  und  die  Cephalopoden 
sich  berufend,  sie  für  untern  Lias  erklärte.  Stoliczka  zeigte,  dass  18  Arten 
von  Gasteropoden  und  Acephalen  mit  dem  miltlern  Lias  der  Normandie  und  12  Arten 
mit  dem  mittlern  Lias  Süd-Deutschlands  ident  seien. 

Oppel  bestimmte  unter  den  Cephalopoden  der  Hierlatz-Schichten  10  Arten, 
welche  mit  ausseralpinen  ident,  dem  untern  Lias  angehören.  Es  sind  dies  sehr 
charakteristische  Arten.  Die  Brachiopoden  gewährten  Oppel  wenig  Anhalts- 
punkte. Nur  vier  Arten  Hessen  sich  mit  ausseralpinen  unterliassischen  iden- 
tificiren.  Weiters  bemerkt  0 pp  el  noch,  dass  kein  einziger  Brachiopode  der 
Hierlalz-Schichten  dem  mittleren  Lias  auschliesslich  angehöre,  und  daher  die- 
jenigen Formen,  welche  ausser  den  Alpen  für  den  mittlern  Lias  typisch  sind, 
in  den  Hierlatz-Schichten  fehlen. 

Die  beiden  genannten  Forscher  stützten  sich  rein  auf  paläontologische 
Momente.  Vielleicht  können  die  stratigraphischen  Beobachtungen,  welche  ich 
machte,  zur  Lösung  der  Frage  beitragen.  Bei  St.  Wolfgang  am  Fusse  des  Schaf- 
berges stehen  Gosau-Schichten  an,  die  hinlänglich  bekannt  und  beschrieben  sind. 
Die  Hauptmasse  der  Gebirgsgruppe  des  Schafberges  besteht  aus  Hauptdolomit.  Sie 
besitzt  ausser  dem  Schafberge  von  bedeutenderen  Bergen  noch  den  Leonsberg- 
Zinken  (Ziemitz)  und  formirt  ein  räumlich  ziemlich  ausgedehntes,  zwischen  den 
genannten  Bergen  eingeschlossenes  alpenhaftes  Hügelland.  Der  Hauptdolomit  bildet 
auch  das  Fundament  des  Schafberges  selbst.  Er  ist  auf  allen  Seiten  desselben  bis  zu 
einer  Seehöhe  von  ungefähr  4000  Fuss  anzutreffen.  Bei  der  Sehafbergalpe 
(4350  Fuss)  findet  man  Mergel  und  Rauch wacken  der  Kössener  Schichten  an- 
stehend. In  schlecht  erhaltenen  Exemplaren  kommt  hier  die  Avicula  contortci  vor. 
Die  Kössener  Schichten  lassen  sich  von  der  Schafbergalpe,  nordwärts  fortwandernd, 
an  der  Westseite  des  Berges  verfolgen.  Von  Schichtung  ist  hier  keine  Spur  zu 
erkennen,  da  das  Materiale  der  Schichten  aus  zersetzten  Mergeln  und  Bauch- 
wacken besteht.  Am  Nordabhange  des  Berges  zeigen  sich  die  Kössener  Schich- 
ten sehr  regelmässig  geschichtet,  die  Avicula  contorta  häufig  bergend  und  mit 
kleinem  Winkel  gegen  Nord  sich  verflächend.  Die  Kuppe  des  Berges  wird  von 
Hierlatz-Schichten  gebildet.  Siefallen  ziemlich  steil  gegen  den  Wolfgangsee,  also 
südlich.  Die  Schichten  zeichnen  sich  durchgrossen  Reichthum  an  Brachiopoden  aus. 


292 


Verhandlungen. 


[2] 


Der  Schafberg  ist  vielleicht  der  bekannteste  Berg  in  den  österreichischen 
Alpen.  Zahlreiche  Ansichten  von  demselben  finden  sich,  und  besonders  hat  die 
Nordseite  wegen  ihres  steilen  Abfalles  und  ihrer  grotesken  Formen  die  Maler 
angezogen.  Im  Munde  des  Volkes  wird  die  Nordseite  Teufelsabbiss  genannt.  Ein 
Blick  auf  ein  solches  Bild  und  noch  mehr  eine,  wenn  auch  flüchtige  Begehung 
der  Nordseite  unseres  Berges,  lassen  einen  grossartigen  Einsturz  erkennen.  Die 
Wände  des  Berges  sind  senkrecht,  theilweise  überhängend.  Drei  kleine  Seen 
und  zahlreiche  umhergestreute  Blöcke  von  Hierlatz-Schichten  bestärken  uns  in 
der  gefassten  Meinung. 

Der  mittlere  dieser  Seen,  Mittersee  genannt,  verdient  unsere  besondere 
Aufmerksamkeit.  Zwischen  ihm  und  der  Wand  des  Schafberges  finden  wir 
einen  ziemlich  mächtigen  Absatz  aus  dunkelrothen  Hierlatz-Bänken  bestehend 
und  flach  Nord  fallend.  Diese  rothen  Kalke  liefern  uns  in  den  tiefsten  Lagen  zahl- 
reiche Ammoniten,  Orthoceren,  Belemniten,  mit  wenigen  Brachiopoden  und  Ace- 
phalen  vermischt,  während  in  den  höheren  Lagen  die  Cephalopoden  mehr  und 
mehr  schwinden,  um  den  Gasteropoden  Platz  zu  machen. 

Mein  Aufenthalt  an  dieser  interessanten  Stelle  war  leider  ein  kurzer  und 
muss  ich  es  mir  daher  für  spätere  Zeiten  Vorbehalten,  Ihnen,  meine  Herren, 
bestimmte  Details  über  die  Fauna  der  einzelnen  Lagen  zu  geben. 

Es  scheinen  nach  diesen  flüchtigen  Beobachtungen  die  Cephalopoden  führen- 
den Schichten  den  tiefsten  Horizont  der  Hierlatz-Schichten  zu  bilden,  während 
die  am  Schafberge  so  mächtig  entwickelten  Kalke  mit  Brachiopoden  ein  höheres 
Niveau  einzunehmen  scheinen.  Eine  Mitlelzone  wäre  in  den  Gasteropoden- 
Schichten  anzunehmen.  Verglichen  mit  den  Ansichten  Stoliczka's  und  Oppel’s, 
zeigt  sich  eine  Uebereinstimmung  mit  Oppel,  in  so  ferne  er  für  die  Cephalo- 
poden ein  unterliassisches , und  mit  Stoliczka,  in  so  ferne  er  für  die  Gastero- 
poden und  Aceplralen  ein  mittelliassisches  Alter  beansprucht.  Wenigstens  wider- 
spricht dies  meinen  stratigraphischen  Beobachtungen  nicht.  Die  Brachiopoden- 
Schichten  kämen  aber  im  Widerspruche  mit  Oppel  höher  zu  stehen,  nämlich 
über  die  Gasteropoden-Schichten. 

Weit  entfernt,  mir  in  dieser  schwierigen  Frage  einCrtheil  anzumaassen,  über- 
lasse ich  dasselbe  gewiegten  Forschern.  Freuen  würde  es  mich,  wenn  ich  durch 
diese  kleine  objective  Mittheilung  Anlass  gegeben  hätte,  sorgfältige  Aufsamm- 
lungen von  Petrefacten  an  den  bezeichneten  Punkten  vornehmen  zu  lassen,  und 
wenn  auch  andere  bald  in  der  Lage  wären,  meine  Beobachtungen  zu  bestätigen“. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  sprach  über  die  Bleierz-  und  Zinkerz- 
Lagerstätten  von  Baib  el  in  Kärnthen.  Ueber  die  geologische  Beschaffenheit 
der  Umgebung  von  Raibel  sind  ältere  Nachrichten  von  den  Herren  L.  v.  Buch, 
A.  Boue,  Fr.  Meiling,  A.  v.  Morlot  und  J.  Niederist  vorhanden,  und 
durch  die  Aufnahmen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  insbesondere  des  Herrn 
Bergrathes  Fr.  Foetterle  wurde  ausser  Zweifel  gestellt,  dass  die  Raibler 
Erzlager  in  den  dolomitischen  Kalksteinen  der  Hallstätter  Schichten  auftreten, 
und  zwar  im  Liegenden  und  in  der  Nähe  der  die  letzteren  überlagernden  fossilien- 
reichen bituminösen  Kalkschiefer  der  Raibler  Schichten,  die  das  oberste  Glied  der 
alpinen  Trias  bilden.  Ueber  die  Erzlagerstätten  von  Raibel  insbesondere  gab  Herr 
Bergrath  J.  Nied  er  ist  in  „v.  Leonhard’s  und  Bronn’s  Jahrbuch,  Jahr- 
gang 1852,  Seile  769,  eine  detaillirtere  Beschreibung,  vermöge  welcher  sich 
bei  denselben  ein  Bleierz-  und  ein  Galmei-Zug  unterscheiden  lassen,  und  das  ge- 
sammte  Erzvorkommen  eine  Combination  von  Lagern  und  Gängen  darstellt.  Herr 
Bergrath  Niederist  betrachtet  das  ganze  Erzvorkommen,  — das  ist  sämmt- 
liche  durch  taube  Mittel  unterbrochenen  Lager  und  Gänge  (von  Osten  nach 


Sitzung  am  2,  December,  M.  V.  Lipoid.  D.  Stur. 


293 


[3] 

Westen:  Luschari,  Rauschenbach,  Josephi,  Struggl’sche,  k.  k.  Lager,  Johanni), 
— als  eine  in  Abend  nicht  geschlossene  unregelmässige  Linse,  und  findet  die 
Linsenform  auch  an  den  einzelnen  Lagerstätten  und  selbst  an  deren  Erzmitteln 
ausgeprägt. 

Herr  Bergrath  Lipoid  erwähnte  vorerst,  dass  das  Erzvorkommen  von 
Raibel  vollkommen  mit  den  von  ihm  in  Unterkärnthen  vielfach  beobachteten 
Bleierz-Vorkommen  übereinstimme.  Auch  in  Raibel  ist  die  ursprüngliche  und 
Haupt-Erzlagerstätte  ein  wahres  Lager,  das,  bisweilen  bis  zu  10  Klafter  mäch- 
tig, den  Gebirgsschichten  conform  im  Allgemeinen  von  Ost  in  West  streichet  und 
nach  Süd  einfällt.  Die  Gebirgsschichten  nächst  Raibel  findet  man  nun  von  zahl- 
reichen Klüften  durchsetzt,  welche  in  der  Regel  von  Nord  in  Süd  streichen  und 
mit  grösstentheils  steilen  Winkeln  bald  in  Ost,  bald  in  West  einfallen. 

Viele  dieser  Klüfte  enthalten  eine  Erzführung,  und  treten  somit  als  Erz- 
gänge auf,  aber,  wie  Herr  Niederist  bemerkt,  „alle  Gänge  erscheinen  nur 
dort  und  darum  von  Erzen  begleitet,  wo  und  weil  sie  die  Hauptmasse  der 
Lager  durchsetzen  oder  berühren*.  Uebereinstimmend  mit  anderweitigen  Beob- 
achtungen des  Herrn  Bergrath  Lipoid  haben  diese  Erzgänge  ihre  Erzfüh- 
rung dem  darüber  befindlichen  Erzlager  zu  verdanken,  durch  dessen  theilweise 
Zerstörung  den  Klüften  von  oben,  theils  auf  mechanischem,  theils  auf  nassem 
Wege  Erze  zugeführt  wurden,  womit  auch  die  Beobachtung  des  Herrn  Berg- 
rathes  Ni  ederist  übereinstimmt,  dass  die  Erze  auf  Gangklüften  sich  indem 
Liegend-Kalksteine  verlieren,  sich  aber  gegen  das  Hangende  zu  veredeln. 

Die  meisten  der  vorhandenen  Gänge  und  Klüfte  sind  nun  nach  Herrn 
Lipold’s  Ueberzeugung  bald  grössere,  bald  kleine  Gebirgsspalten,  an  welchen 
Rutschungen  und  Verschiebungen  der  Gebirgsschichten  stattgefunden  haben,  die 
somit  auch  Verwerfungen  der  ursprünglichen  Erzlagerstätte  im  Gefolge  hatten. 
Nach  dieser  Ansicht  ist  es  erklärlich,  warum  nächst  Raibl  nach  dem  Strei- 
chen gleichsam  mehrere  Hauptlager  (von  Westen  in  Osten  k.  k.  Lager,  Struggl’- 
sches  Lager,  Josephi-Lager  u.  s.  f.)  in  relativ  verschiedenen  Horizonten  vor- 
gefunden werden.  Herr  Bergrath  Lipoid  beleuchtete  die  praktische  Wichtigkeit 
dieser  Ansicht  für  neue  Aufschlussbaue  und  erörterte,  wie  wesentlich  für  diesel- 
ben und  für  eine  allfällige  neue  Ausrichtung  des  Hauptlagers  eine  genaue  Erhe- 
bung aller  Klüfte  und  Gänge  sei.  Er  sprach  desshalb  die  Hoffnung  aus,  dass  das 
reiche  k.  k.  Erzlager,  das  im  Osten  durch  das  Morgen-,  im  Westen  durch  das 
Abendblatt  — welche  beide  Verwerfungsklüfte  seien,  begrenzt  wird,  weiter  im 
Westen  wieder  werde  angefahren  werden  können. 

Herr  Dion.  Stur  legt  vorerst  im  Aufträge  des  Herrn  k.  k.  Hofrathes  und 
Directors  W.  Hai  ding  er  den  Inhalt  zweier  Einsendungen  von  Versteinerungen 
vor,  die  wir  unserer  hochverehrten  Correspondentin,  der  Frau  Josephine 
Kablik,  Apotheken-Besitzerin  zu  Hohenelbe  in  Böhmen,  verdanken. 

Frau  Josephine  Kablik,  im  Dienste  der  Wissenschaft  bereits  hochbetagt 
(geb.  1787),  insbesondere  um  die  Botanik  hochverdient,  hat  sich  durch  ihre 
vieljährigen  Bemühungen  um  die  Kenntniss  der  Flora  von  Böhmen,  speciell  der 
Flora  des  Riesengebirges  einen  wohlklingenden,  in  allen  Ländern  Europa’s  wohl- 
bekannten  Namen  erworben.  Im  achten  Decennium  ihres  vielfach  bewegten 
Lebenslaufes  wendet  sie  nun  auch  noch  den  geologisch-wichtigen  Verhältnissen 
ihrer  Umgegend  eine  besondere  Aufmerksamkeit  zu,  und  verdient  gewiss  auch 
in  dieser  Richtung  die  Hochachtung  aller  Freunde  der  Geologie. 

Die  eingesendeten  und  vorgelegten  sämmtlichen  Versteinerungen  sind  aus 
dem  bei  Hohenelbe  gelegenen  Kalnäer  Kupferbergwerke.  Es  sind  Fische, 
Thierfährten  und  Pflanzen. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


00 


294 


Verhandlungen. 


[4] 

Die  Fische  sind  von  Herrn  Dr.  Steindach n er  freundlichst  bestimmt 
worden  und  zwar  drei  Stücke  als  Palaeoniscus  Freieslebeni  Agass.,  ein  Stück 
als  Palaeoniscus  Duvernoyi  Agass.,  zwei  Stücke  als  Palaeoniscus  Wratisla- 
wiensis  Agass.  und  noch  ein  Prachtstück,  welches  Herr  Stei  n da  ch  ner  für 
eine  neue  Art  von  Palaeoniscus  hält,  die  aber  vielleicht  mit  Palaeoniscus 
Blainvillei  Agass.  (Geinitz,  Dyas  Tab.  IX,  F.  3)  identisch  sein  dürfte. 

Die  Thierfährten  sind  dieselben  wie  jene,  die  in  einer  früheren  Sitzung 
Herr  Bergrath  Li  p ol  d als  von  derselben  hochverehrten  Einsenderin  erhalten, 
vorgelegt  hatte,  und  gehören  dem  Saurichnites  salamandroides  Gein.  (1.  c.  p.  4 
Tab.  III)  an. 

Von  Pflanzen  liegen  derselben  Sendung  bei:  ein  Fucoid,  erinnernd  an  den 
Zonarites  digitatus  Brong.  (Gein.  I.  c.  Tab.  XXVI,  F.  1,  2,  3)  und  drei  Stücke 
von  Hymenophyllites  semialatus  Geiu.  (Leitpflanzen  des  Rothliegenden  und 
des  Zechsteines  p.  10,  Tab.  1,  F.  4). 

Endlich  findet  sich  unter  den  Stücken  auch  noch  ein  Schieferthonstück  aus 
den  jungtertiären  Ablagerungen  der  Braunkohlenformation  Böhmens,  auf  welchem 
ein  dem  Ulmus  Brauni  Heer  (Fl.  tert.  lielv.  II.  p.  59.  t.  LXXIX.  f.  14)  ange- 
höriger  Blattabdruck  wohlerhalten  zu  bemerken  ist. 

Wir  sind  der  hochverehrten  Einsenderin  für  dieses  werthvolle  Geschenk 
zu  dem  verbindlichsten  Danke  verpflichtet. 

Ferner  legt  Herr  Dion.  Stur  eine  „Notiz  über  die  sibirischen  Schichten  der 
Gegend  von  Zaleszezyky  in  Galizien“  von  Herrn  Prof.  Dr.  Ferd.  Börner  vor, 
deren  Inhalt,  abgedruckt  im  Neuen  Jahrbuch  von  v.  Leonhard  und  Bronn, 
1862,  III.  Heft,  p.  327  bis  330,  so  weit  derselbe  Galizien  betrilTt,  auch  in  den 
Blättern  des  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  nicht  fehlen  darf. 

Diese  Notiz  lautet  wörtlich  wie  folgt: 

„Durch  die  geologische  Reichsanstalt  in  Wien  erhielt  ich  unlängst  eine  von 
Herrn  Stur  zusammengebrachte  umfangreiche  Sammlung  von  Fossilien  aus  der 
Gegend  von  Zaleszezyky  in  Galizien  zur  Ansicht  zugeschickt,  welche 
gestattete  eine  allgemeine  Vorstellung  von  der  Altersstellung  der  dortigen 
wenig  bekannten  älteren  Gesteine  zu  gewinnen.  Die  ganze  Schichtenfolge, 
welche  an  den  Ufern  des  Dniester  an  zahlreichen  Punkten  aufgeschlossen  ist, 
besteht  aus  einem  Wechsel  von  dunklen  grünlichgrauen  Schieferthonen,  thoni- 
gen  Kalkstein-  und  röthlichen  Sandstein-Schichten.  Alle  diese  Schichten  scheinen 
reich  an  Versteinerungen  zu  sein  und  nach  denselben  nur  einem  einzigen 
geologischen  Niveau  anzugehören,  und  eben  so  scheinen  auch  die  verschiedenen 
Fundorte,  welche  durch  Versteinerungen  in  der  Sendung  vertreten  waren, 
nämlich  ausser  Zaleszezyky  selbst  noch  Usczieczko,  Skala,  Winiatince,  Kaspe- 
rowee,  unter  sich  übereinzustimmen.  Neben  mancherlei  unentschiedenen  For- 
men tritt  nun  in  dieser  Fauna  der  silurische  Charakter  deutlich  hervor.  Als 
entschieden  silurische  Typen  sind  namentlich  eine  der  Beyrichia  KlÖdeni  nahe- 
stehende Beyrichia-kvi  und  eine  der  Leperditia  Baltica  nach  Grösse  und 
Form  sehr  ähnliche  Leperditien  - Art  hervorzuheben.  Ein  freilich  nur  als 
Steinkern  erhaltenes  Exemplar  von  Lucinaprisca  von  Skala  gleicht  ferner  völlig 
den  auf  Gottland  gefundenen  Steinkernen  dieser  Art.  Auch  einige  häufig  vor- 
kommende Euomphalus- Arten  haben  ihre  nächsten  Verwandten  unter  silurischen 
Species,  darunter  auch  eine  am  Umfange  der  Umgänge  nach  Art  des  Euompha- 
lus alatus  geflügelte  Art.  Eine  in  grosser  Zahl  der  Individuen  gesellig  vorkom- 
mende  Tentaculiten-kvX  ist  mit  dem  bei  Dudley  und  auf  der  Insel  Gottland 
vorkomraenden  Tentaculites  ornatus  identisch  oder  doch  sehr  nahe  verwandt; 
und  eben  so  hat  eine  häufige  Avicula-  oder  Pterinea- Art  in  der  von  Murchison 


Sitzung  am  2.  December.  D.  Stur.  K.  Paul 


295 


[*] 

als  Leitmuschel  seiner  oberen  Ludlow-Schichten  betrachteten  Avicula  retroflexa 
ihre  nächste  Verwandte.  Weniger  entscheidend  für  die  Altersbestimmung  zeigen 
sich  die  Brachiopoden.  Mehrere  derselben  scheinen  neu  und  eigenthümlich  zu 
sein;  andere  erinnern  an  devonische  Formen  und  haben  mich  in  der  That  früher, 
als  mir  nur  eine  beschränkte  Zahl  von  Fossilien  aus  jener  Gegend  vorlag,  ver- 
leitet die  Schichten  von  Zaleszczyky  für  devonische  zu  halten.  Auch  das 
häufige  Vorkommen  von  Schildern  der  merkwürdigen  Gattung  Pteraspis,  und 
zwar  der  mit  Pteraspis  Lloydi  ( Cephalaspis  Lloydi  Ag.)  nahe  verwandten 
Art,  welche  für  Kn  er  (Ueber  die  beiden  Arten  Cephalaspis  Lloydi  und  C.  Lewesi 
Ag.  und  einige  diesen  zunächst  stehende  Schaalen-Reste,  in  Haidinger’s 
naturw.  Abh.  1,  1847,  p.  159  bis  168,  F.  5)  die  Veranlassung  zur  Errichtung  der 
Sippe  Pteraspis  geworden  ist,  könnte  leicht  verführen  die  Schichten  von  Zalesz- 
czyky der  devonischen  Gruppe  zuzurechnen,  da  die  englischen  Arten  dieser 
Sippe  dem  Oldred  angehören.“ 

Nachdem  Herr  Professor  Römer  in  den  nun  folgenden  Zeilen  die  Synonymie 
von  Palaeoteuthis  Dunensis , Archaeoteuthis  Dunensis  und  Pteraspis  Dunensis 
auseinandergesetzt,  auch  die  generische  Identität  dieses  rheinischen  Fossils  mit 
der  Pteraspis  von  Zaleszczyky  angeführt,  beschliesst  er  diese  interessante 
Notiz  mit  Folgendem: 

„Was  nun  schliesslich  die  Altersbestimmung  der  Schichten  von  Zaleszczyky 
anbetrifft,  so  gehören  sie  nach  den  mir  daraus  bekannt  gewordenen  Fossilien 
jedenfalls  in  die  obere  Abtheilung  der  silurischen  Gruppe  und  sind  dem  englischen 
Wenlock-Kalke  mit  Einschluss  der  Ludlow-Schichten  wesentlich  gleich  zu  stellen. 
Vergleicht  man  sie  mit  den  gleich  alten  Schichten  anderer  Gegenden,  so  zeigen  sie  mit 
keiner  derselben  eine  nähereUebereinstimmung,  sondern  stehen  sowohl  inpaläonto- 
logischer  wie  in  petrographischer  Reziehung  sehr  eigenthümlich  da.  Im  Ganzen 
zeigen  sie  aber  doch  immer  noch  mehr  Uebereinstimmung  mit  den  obersilu- 
rischen  Schichten  der  insei  Gottland  und  Englands  als  mit  den  räumlich  näher 
liegenden  von  Böhmen.  Vielleicht  sind  in  den  angrenzenden  Theilen  von  Polen 
und  Russland  silurische  Gesteine  entwickelt,  denen  sie  sich  näher  anschliessen 
und  durch  welche  zugleich  ein  Uebergarig  zu  den  silurischen  Gesteinen  des 
Nordens  vermittelt  wird“. 

Herr  K.  M.  Paul  legte  die  geologische  Detailkarte  seines  diesjährigen  Auf- 
nahmsgebietes vor.  Dasselbe  umfasst  den  südwestlichen  Theil  des  Königgrätzer, 
und  den  nördlichen  Theil  des  Chrudimer  Kreises  im  östlichen  Böhmen,  oder  den 
zwischen  den  Städten  Böhmisch-Trübau , Leutomischl,  Hohenbruck,  Opocno, 
Reichenau  und  Senftenberg  gelegenen  Landstrich.  In  geologischer  Beziehung  ist 
es  der  östlichste  Theil  des  grossen  böhmischen  Kreidebeckens,  welches  sich  aus 
der  Gegend  von  Saaz  in  östlicher  Richtung  über  den  Leitmeritzer,  Bunzlauer, 
Bidschower,  Königgrätzer  und  Chrudimer  Kreis  erstreckt,  durch  das  Elbethal 
mit  dem  sächsischen  Kreideterrain  zusammenhängt,  und  südlich  von  Böhmisch- 
Trübau  auch  mit  dem  mährischen  Kreideterrain  in  Verbindung  steht. 

Der  orographische  Charakter  des  Terrains  unterscheidet  sich  wenig  von 
demjenigen  der  übrigen  erwähnten,  dem  Kreidebecken  angehörigen  Gegenden.  Die 
in  ruhiger  Weise  abgelagerten  und  auch  später  nur  wenig  gestörten,  daher 
meistens  fast  horizontal  gelagerten  Kreideschichten  bilden  ausgedehnte  Plateaux, 
stellenweise  durch  weit  sich  forterstreckende  Verwerfungsspalten  in  Terrassen 
gesondert,  und  durch  zahlreiche  und  zum  Theil  sehr  tiefe  Erosionsthäler  von 
einander  getrennt.  Mit  grosser  Gleichförmigkeit  pflegen  die  meist  steilen  Ge- 
hänge dieser  Auswaschungsthäler  felsig  oder  bewaldet  zu  sein , während  die 
Höhen  der  Plateaux  die  Basis  einer  sehr  blühenden  Bodencultur  sind. 


00 


296 


Verhandlungen. 


[ß] 

Einige  Abwechslung  wird  in  die  Einförmigkeit  der  Terrains  durch  die 
eruptiven  Gneissgranite  von  Lititz,  Pottenstein  und  Prorub  gebracht,  welche, 
runde,  bewaldete  Kuppen  bildend,  der  Gegend  einen  abweichenden  landschaft- 
lichen Charakter  verleihen. 

Wie  sich  nach  dem  Gesagten  von  selbst  ergibt,  sind  es  die  verschiedenen 
Glieder  der  Kreideformation,  welche  in  der  Zusammensetzung  des  Terrains  vor- 
herrschen. Ueber  diese  sollen  in  einer  der  nächsten  Sitzungen  einige  Details 
mitgetheilt  werden.  Bildungen,  welche  dem  Ufer  des  Kreidebeckens  angehören, 
ragen  nur  an  zwei  Punkten  in  das  Terrain,  so  am  südlichen  Uferrande  bei  Doly 
(südlich  von  Luze)  ein  grauschwarzer,  durch  die  Nähe  von  Basalt  auffallend 
stark  gefritteter  Grauwackensandstein,  und  am  nördlichen  Ufer  eine  kleine  Par- 
tie jener,  der  Urthonschieferzone  angehörigen  Gebilde,  welche  einen  Ueber- 
gang  zwischen  Thonschiefer  und  Chloritschiefer  bilden,  nicht  selten  Hornblende 
führen,  und  unter  dem  Namen  der  grünen  Schiefer  bekannt  sind.  Die  Grenze 
dieser  Schiefer  läuft,  so  weit  sie  in  das  in  Bede  stehende  Terrain  fällt,  durch 
die  Ortschaften  Swyney,  Rudney  und  Masty  (östlich  von  Opocno),  und  ihre  ge- 
naue Kenntniss  ist  den  Oekonomen  dieser  Gegend  sehr  wichtig,  da  die  chemische 
Zusammensetzung  der  Schiefer  eine  ganz  andere  agronomische  Behandlungs- 
weise des  Bodens  bedingt,  als  sie  auf  dem  angrenzenden  Kreideterrain  üblich  ist. 

Ausser  der  Kreide  ist  es  noch  das  Rothliegende,  welches  in  dem  Terrain  in 
grösserer  Verbreitung  auftritt.  Es  beginnt  südlich  von  Lititz  bei  Böhni.-Rybna, 
und  zieht  sich  \or\  hier  in  einem  etwa  ‘/a  Meile  breiten  Zuge  in  südöstlicher 
Richtung  über  Zampach,  Hnatritz,  Liebenthal  u.  s.  w.  gegen  die  mährische  Grenze. 
Es  sind  fast  durchgehends  weiche  Sandsteine  mit  rothem,  thonigem  Bindemittel, 
meistens  grobkörnig,  stellenweise  durch  Aufnehmen  grösserer  Quarzgeschiebe 
in  Conglomerat  übergehend. 

Zwischen  Wildenschwert  und  Brandeis,  bei  Kerhartitz,  tritt  das  Rothlie- 
gende im  Thale  des  stillen  Adlerflusses  an  einem  isolirten  Punkte  noch  einmal 
auf,  hier  durch  einen  kleinen  Granitblock  emporgehoben.  Bei  Zainbach  erscheint 
es  sehr  kalkreich,  bei  ßöhmisch-Rybna  als  Arkose;  im  Allgemeinen  gehört  es 
der  mittleren  Etage  Jokely's  an. 

Besonderes  Interesse  verdienen  die  bereits  erwähnten  eruptiven  Gneiss- 
Granitmassen,  welche  das  Lititzer  Gebirge,  die  Proruber  Berge  bei  Pottenstein, 
und  den  erwähnten  kleinen  Stock  zwischen  Wildenschwert  und  Brandeis  zusam- 
mensetzen. 

Sie  bilden  im  Allgemeinen  eine  Mittelform  zwischen  Gneiss  und  Granit, 
doch  kommen  eben  sowohl  wahre,  feinkörnige  Granite,  als  echte  Gneisse  vor, 
und  zwar  herrschen  im  Centrum  der  Stöcke,  besonders  im  Lititzer  Gebirge  die 
granitartigen,  an  den  Rändern  die  mehr  schieferigen,  gneissartigen  Varietä- 
ten vor,  ohne  dass  sich  jedoch  zwischen  denselben  eine  scharfe  Grenze  ziehen 
Hesse.  Im  Granit  finden  sich  zweierlei  Feldspathe,  Orthoklas  und  Oligo- 
klas , stellenweise  auch  Hornblende.  Bei  Prorub  enthält  das  hier  mehr  gneiss- 
artige  Gestein  eine  Einlagerung  von  weissem,  gestreiftem,  körnigem  Kalk  mit  fast 
mikroskopisch  kleinen  Granaten.  Diese  Gesteine  haben  die  sonst  so  regelmässig 
gelagerten  Kreideschichten  auffallend  gestört,  und  stellenweise  bis  40°  aufge- 
richtet , ein  Beweis  , dass  ihre  Eruptionszeit  nach  dem  Schlüsse  der  Kreide- 
periode zu  suchen  ist.  Die  Art  der  Schichtenstörung  ist  jedoch  ebenfalls  eine 
eigentümliche.  Die  gestörten  Kreideschichten  fallen  nämlich  nicht  nach  allen 
Seiten  gleichmässig  von  dem  krystallinischen  Kerne  ab,  sondern  es  pflegt  ein 
solches  regelmässiges  Abfallen  nur  an  der  West-  und  Südwestseite  der  krystal- 
linischen Stöcke  staltzufinden,  während  an  der  Ostseite  die  jüngeren  Kreide- 


Sitzung  am  2.  December.  K.  M.  Paul.  H.  Wolf. 


297 


[7] 

schichten  (die  Quadermergel)  oft  ganz  ungestört  bis  dicht  an  das  krystallinische 
Gestein  reichen,  ohne  dass  hier,  wie  an  der  Westseite,  eine  Zone  der  älteren 
Kreideschichten  (des  Quadersandsteines)  emporgehoben  wäre.  Die  Störung  tritt 
somit  nur  in  der  Form  einer  Verwerfung  auf.  Eine  solche  lässt  sich  in  der  Richtung 
von  NNW. — SSO.  von  Polom  bis  gegen  Böhmisch-Trübau,  also  etwa  3*/a  Meile 
lang  verfolgen. 

Die  Beobachtungen  an  den  Proruher  Bergen  mussten  auf  die  Vermuthung 
bringen,  es  dürfte  wohl  auch  diese  Verwerfung  einen  ähnlichen  Grund  haben, 
und  wirklich  fand  ich  an  dem  Punkte,  wo  das  tiefe  Auswaschungsthal  der  stillen 
Adler  diese  Verwerfungslinie  schneidet  (zwischen  Wildenschwert  und  Brandeis), 
den  bereits  erwähnten  dritten  kleinen  Granitstock  als  Erklärungsgrund  der 
Schichtenstörung. 

Dass  der  ganze  erwähnte  Zug  des  Rothliegenden  mit  der  Erhebung  dieser 
Gneissgranite  in  Verbindung  steht,  wird  durch  die  Umstände  wahrscheinlich 
gemacht,  dass  1.  sich  das  Rothliegende  an  den  Lititzer  Granitstock  unmittelbar 
anschliesst,  dass  2.  das  Streichen  des  Rothliegenden  genau  dieselbe  Richtung 
hat,  welche  sämmtliche  von  den  Gneissgraniten  herrührende  Störungen  haben 
(NNW. — SSO*),  und  welche  daher  diese  selbst  in  der  Tiefe  einzuhalten  schei- 
nen, und  dass  3.  auffallender  Weise  auch  beim  Rothliegenden  nur  an  der  West- 
seite ein  regelmässiges  Abfallen  der  Schichten  und  eine  Quadersandsteinzone 
bemerkbar  ist,  während  im  Osten  des  Zuges  die  Quadermergel  ungestört  an  die 
Schichten  des  Rothliegenden  anstossen.  Es  ist  daher  wahrscheinlich,  dass 
dieser  Zug  des  Rothliegenden  nicht  eine  Insel  im  Kreidemeer  darstellte,  sondern 
erst  später,  wahrscheinlich  zugleich  mit  den  Gneissgraniten  emporgohoben  wurde. 

Basalt  endlich  findet  sich  bei  Luze  in  zwei  kleinen  Kuppen,  welche  ganz 
ohne  Störung  aus  den  Kreideschichten  hervortreten;  das  südlichste  und  östlichste 
Basaltvorkommen  Böhmens. 

Von  Schichten,  die  jünger  sind  als  die  Kreide  findet  sich  mit  Ausnahme 
der  Diluvialgebilde  nur  noch  bei  Trübau  eine  kleine  Tegelablagerung  als  Fort- 
setzung des  bekannten  Triebitzer  Vorkommens,  eine  aus  Mähren  hereinragende 
kleine  Bucht  des  Wiener  Tertiärbeckens  bezeichnend. 

Herr  H.  Wolf  legte  eine  Suite  von  Versteinerungen  vor,  welche  durch  Ver- 
mittlung des  Herrn  Berg-Ingenieurs  Mich.  Simettinger  als  ein  werthvolles  Ge- 
schenk des  hochwürdigen  Herrn  Prof.  Domas  in  Mährisch-Trübau  einlangten. 
Dieselben  stammen  von  der  Nordseite  des  Calvarienberges  in  Jaromieric  bei 
Gewitsch  in  Mähren,  wo  sie  durch  eine  bedeutende  Tegelabrutschung  zu  Tage 
kamen. 

Jaromieric,  zwischen  180  und  200  Klafter  über  dem  Meere  in  der  von 
Brünn  aus  über  Czernahora,  Borkowitz,  Gewitsch,  Mährisch-Trübau  nachLands- 
kron  und  Böhmisch-Trübau  in  Böhmen  sich  erstreckenden  Bucht  des  Wiener 
Beckens  gelegen,  ist  schon  seit  längerer  Zeit  als  Fundort,  besonders  von  Fora- 
miniferen durch  Herrn  Prof.  Reu ss  in  Prag  bekannt  geworden.  Ein  Besuch 
derselben  Localität  vor  zwei  Jahren  durch  Herrn  Director  Hörnes  und  Herrn 
Wolf  gab  eine  Ausbeute  von  38  Arten  Gasteropoden  und  7 Arten  Conchiferen. 
Die  jetzige  Sendung  aber  vermehrt  ausschliesslich  der  Foraminiferen  die  bekann- 
ten Arten  bis  auf  160,  worunter  einige  für  das  Wiener  Becken  neu,  und  zwar 
120  Arten  Gasteropoden,  darunter  die  Genera  Buccinum,  Murex , Fusus,  Caucel- 
laria,  Pleurotoma,  mit  einer  grösseren  Anzahl  von  Arten,  Conchiferen  nur  32  Arten, 
worunter  die  Genera  Cardita , Venus , Area  am  häufigsten  vertreten;  ferner  von 
Annulaten  3 und  von  Polyparien  7 Arten.  Die  ganze  Ablagerung  gehört  dem 
Horizonte  von  Baden  an,  obgleich  auch  brackische  Formen,  wie  Bissoma 


298  Verhandlungen.  Sitzung  am  2.  December.  fl.  Wolf.  Fr.  Foetterle.  [8] 

und  Bulla  vorhanden  sind,  deren  Vorkommen  aber  sich  durch  eine  locale 
Mischung  des  Meerwassers  mit  den  Zuflüssen  vom  Lande  her  erklären  lässt. 

Den  entschiedensten  Beweis  für  die  Analogie  dieser  Tegelablagerung  mit 
jener  von  Baden  fand  schon  Herr  Prof.  Beuss  in  der  grossen  Anzahl  von  Fora- 
miniferen, deren  er  40  in  unserem  Jahrbuche  1854,  Seite  659,  aufzählt.  Herr 
F.  Karrer,  der  nun  eine  noch  grössere  Anzahl  besitzt,  bestätigt  auch  im  All- 
gemeinen diese  Ansicht  von  Reuss,  nur  bemerkt  er,  dass  durch  das  Vorkommen 
von  Quinqueloculina  Haidingeri  Orb.  und  Quinquel.  focda  Reuss  auch  die 
von  Prof.  Beuss  vermissten  Agathistegier  nachgewiesen  sind. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  legt  die  geologische  Uebersichtskarte 
des  Gebietes  des  ersten  k.  k.  Liccaner  Grenzregimentes  vor,  welche  er  im  ver- 
gangenen Sommer  in  Begleitung  des  Herrn  M.  Lepkowski  aus  Kurland  auf- 
genommen hat.  Dieses  über  46  Quadratmeilen  umfassende  Land,  das  durch  das 
mauerartig  sich  erbebende  steile  Kalkgebirge  des  Yelebit  von  der  Küste  getrennt 
wird,  ist  ein  karstartiges  Hochgebirgsland  mit  nur  wenigen  Hochebenen,  und 
erst  an  der  östlichen  Grenze  lindet  gegen  die  Unna  eine  tiefere  Senkung  des 
Landes  statt.  Eine  grosse  Spaltung  und  Hebung  der  Gebirgsschichten  hat  am 
östlichen  Rande  des  Velebit  in  einer  Erstreckung  von  nahe  20  Meilen  das  Zu- 
tagetreten der  ältesten  Sedimentgebilde  bewirkt.  Als  tiefste  Bildung  erscheinen 
Sandsteine  und  Schiefer  der  Steinkohlenforinalion.  Diesen  folgen  als  unterstes 
Glied  der  Trias  die  petrefactenreichen  Werfener  Schiefer,  w elche  auch  in  dem 
Thale  der  Zermania,  so  wie  an  der  türkischen  Grenze  im  Tischkow  atzthale  und 
bei  Serb,  ferner  in  der  Ebene  vou  Korhavien  und  an  mehreren  einzelnen  Punkten 
verbreitet  sind;  im  Tischkowatzthale  und  bei  Serb  führen  sie  ein  bei  50  Klafter 
mächtiges  Gypslager.  Sie  werden  von  lichten  splittrigen  Esinokalken  und  Dolo- 
miten überlagert,  und  diesen  folgen  dunkelgraue  bis  schwarze,  regelmässig  ge- 
schichtete Kalke,  welche  den  Raibler  Schichten  entsprechen. 

Bei  Unter-Lapaz,  am  westlichen  Abhange  der  Wissociza,  wurde  das  isolirte 
Vorkommen  von  Jurakalk,  überlagert  vom  Caprolinenkalk,  aufgefunden.  In  dem 
nördlichen  Theile  des  Landes,  und  am  westlichen  Abfalle  des  Velebit  hat  der 
Kreidekalk  eine  grosse  Verbreitung,  während  Kalk,  Sandstein  und  Mergelschiefer 
der  Eocenformation  in  geringer  Ausdehnung  nur  am  nördlichen  Rande  der  Ebene 
von  Korbavien  bei  Bunic  auftreten.  Diese  Ebene  wird  theilweise  von  feinem 
Flugsand,  theilweise  von  Schotter,  die  Hochebene  vonGospic  jedoch  zum  grössten 
Theile  von  mit  Lehm  untermengtem,  feinerem  Quarzschotter  bedeckt.  Innerhalb 
des  Gebietes  der  Werfener  Schiefer  treten  bei  Unter-Pazarischtje,  Ostaria,  Divo- 
sello,  Grachaz  und  St.  Peter  porphyrartige  Gebilde  auf. 

Herr  Foetterle  erwähnte  schliesslich  dankbar  der  bedeutenden  Unter- 
stützung, der  er  sich  bei  der  Lösung  seiner  Aufgabe  allseitig  von  den  dortigen 
k,  k.  Militärbehörden  zu  erfreuen  hatte. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  legte  am  Schlüsse  die  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  zugesendeten  Abhandlungen  und  Annalen  der  k.  Akademie 
der  Wissenschaften  zu  Lissabon  vor,  und  lenkte  die  Aufmerksamkeit  auf  mehrere 
in  den  ersteren  erschienene  höchst  interessante  Aufsätze  von  Herrn  Carlos 
Ribeiro,  worunter  der  eine  über  die  geologische  und  hydrologischeBeschaffen- 
heit  der  Umgebung  von  Lissabon,  mit  Rücksicht  auf  die  Wasserversorgung  der 
Stadt,  als  ein  wahres  Muster  bezeichnet  werden  kann,  wie  derartige  Fragen  von 
wissenschaftlicher  Seite  zu  behandeln  sind;  einige  andere  Aufsätze  behandeln 
das  Vorkommen  von  Steinkohlen  in  der  Steinkohlenformation  von  S.  Pedro  da 
Cova  bei  Gondomar,  District  Do  Porto,  im  Oolith  bei  Cabo  Mondego,  District 
von  Leiria,  und  von  anderen  Mineralien  in  Portugal. 


Jahrbuch 


12.  Band. 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzung  am  16.  December  1862. 

Herr  k.  k.  Bergrath  Franz  Ritter  v.  H au  er  im  Vorsitz. 

Herr  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  besprach  ein  von  Herrn  Pau- 
li tsch  entdecktes  Eisensteinvorkommen  nächst  dem  Markte  Prassberg  in  Unter- 
steiermark. Dasselbe  befindet  sich  an  dem  „Dobrol“  benannten  Gebirge,  südlich 
von  Prassberg,  welches,  aus  Kalksteinen  der  alpinen  Trias  zusammengesetzt,  ein 
karstähnliches  Hochplateau  mit  zahlreichen  Kesseln,  Spalten  und  Vertiefungen 
bildet.  In  diesen  letzteren  finden  sich  nun  Eisensteine  in  bald  grösseren,  bald 
geringeren  Mengen  vor,  und  zwar  theils  dichte,  theils  mulmige  und  ochrige,  theils 
breccienartige  Braun-  und  Rotheisensteine.  Eine  Untersuchung  des  Terrains  hat 
Herrn  Lipoid  überzeugt,  dass  diese  Eisensteinbildungen  secundärer  Natur  sind, 
nämlich  Metamorphosen  aus  Schwefelkies.  Letzterer  kommt  nämlich  in  einem 
porphyrischen  Gesteine,  das  die  Kalksteine  der  Hallstätter  Schichten  unter- 
teufend am  Plateau  zu  Tag  tritt,  eingesprengt  und  auch  in  einer  Schieferlage 
unter  demselben  in  grösseren  Massen  vor.  Nur  der  Verwitterung  dieser 
Schwefelkiese  verdanken  die  zum  Theil  schönen  Braunerze  ihre  Entstehung, 
denn  nur  in  den  Kesseln,  die  noch  tiefer  als  die  Ausbisse  der  Kieslagen  sind,  ist 
die  Anhäufung  der  Braunerze  eine  namhafte.  Daraus  ergibt  sich,  dass  zwar  die 
Erze  durch  Tagbau  leicht  zu  gewinnen  sein,  aber  in  die  Teufe,  nicht  niedersetzen 
werden.  Herr  Lipoid  wiesauf  eine  ähnliche  Erscheinung  und  muthmassliche 
Bildungsart  der  Braun-,  Roth-  und  Bohnerze  am  Plateau  des  Terglou-Gebirges 
zu  Rudne  Pole  in  der  Wochein  in  Krain  hin. 

Herr  Bergrath  Lipoid  legte  ferner  eine  Suite  von  Gesteinen  aus  Klein- 
asien vor,  welche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  von  dem  k.  k.  General- 
Probieramts- Director  Herrn  Max  Li  11  von  Lilien bach  als  Geschenk  zuge- 
mittelt wurden.  Dieselben  wurden  von  Herrn  Alois  Rochel,  derzeit  k.  k. 
Bergrath  in  Pribram , als  er  in  den  Jahren  1842  u.  s.  f.  im  Interesse  der  otto- 
manischen  Regierung  Kleinasien  bereiste,  gesammelt.  Herr  Bergrath  Rochel 
hatte  bereits  im  Jahre  1845  eine  ähnliche  Gesteinssuite  dem  k.  k.  montanisti- 
schen Museum  zum  Geschenke  gemacht.  Die  vorgelegte  Suite,  88  Stücke, 
besteht  aus  Gebirgsgesteinen , Erzen  und  Hüttenproducten  von  Kaban  Maden, 
Argana  Maden  und  Gümesch  Hanee,  aus  Kalksteinen  von  verschiedenen  Punkten, 
Trachyten  von  Trebisond  und  Diarbekir,  aus  Gyps  von  Siwas  und  Kurudschai, 
Serpentin  und  Gabbro  von  Argana  Maden  und  Numulitenkalk  von  Argana-Kloster. 
Die  Erze  sind  Blei-,  Zink-,  Kupfer-  und  Eisenerze.  Nach  einer  freundlichen 
Mittheilung  des  Herrn  Bergraths  Rochel  kommen  „die  Kabaner  silberhältigen 
Bleierzlager  zwischen  Kalk  und  Schiefer,  und  die  Gümesch  Haneer  Silber  und 
Gold  haltenden  Bleierze  nesterweise  in  Kalk  vor,  während  die  Arganer  Kupfererze 


Verhandlungen. 


300 


[2] 


einen  gewaltigen  Kiesstock  bilden,  dessen  Grenzen  noch  nicht  bestimmt 
wurden." 

Herr  Ferdinand  Freiherr  v.  Andrian  theilte  Detailbeobachtungen  über  das 
Eisensteinvorkommen  am  Ko  hl  berge  und  am  Kogel  anger  südöstlich  von 
Eisenerz  in  Steiermark  mit.  Es  wurden  die  betreffenden  Baue  auf  Wunsch 
des  Vertreters  der  gräfl.  F e s teti  c »'scheu  Concursmasse,  des  Herrn  Dr.  S e h ö n- 
pf  1 u g besucht. 

Die  längs  des  Trofajacher  Thaies  aufgeschlossenen  Gesteine  sind  grüne, 
kalkige  Thonschiefer,  welche  der  Grauwackenformation  angehören,  und  ziemlich 
regelmässig  nach  h.  3 — 4 streichen,  und  nach  NW.  verflachen.  Sie  enthalten 
grössere  und  kleinere  Einlagerungen  von  Kalkstein,  welche  in  letzterem  Falle  den 
Kalkthonschiefer  bilden,  ein  Gestein,  welches  im  genannten  Thale  an  mehreren 
Stellen  als  Baustein  benützt  wird;  selbstständige  Kalklager  treten  in  bedeuten- 
der Mächtigkeit  in  der  Nähe  der  sogenannten  „Hampelhuben“  auf. 

Die  erzführende  Kalksteinmasse  bildet  das  Hangende  der  ganzen  Grau- 
wackenformation und  verhält  sich  der  Lagerung  nach  ganz  gleichartig  mit  den 
Schiefern.  Sie  nimmt  den  nordwestlichen  Theil  des  K o h I b e rgrückens  ein 
und  wird  an  dem  daranstossenden  Zeberkogel  unmittelbar  von  Verrucano  und 
Werfener  Schiefern  überlagert.  Wir  haben  hier  den  letzten  selbstständigen 
Ausläufer  der  Eisenerz  führenden  Kalksteinzone  von  Eisenerz  und  man  kann 
schon  aus  diesem  innigen  geognostischen  Zusammenhänge  eine  annähernd 
gleiche  bauwürdige  Eigenschaft  erwarten. 

In  diesem  Sinne  sprach  sich  Herr  Bergrath  Franz  Ritter v.  Hauer  in  einem 
Berichtevom  MonateMai  1857über  das  damals  nur  wenig  aufgeschlossene  Erzvor- 
kommen am  Kohlberge  aus.  (S.  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  VIII  S.  365.) 

Seit  jener  Zeit  hat  man  eine  beträchtliche  Anzahl  von  Tagröschen  ange- 
legt, welche  alle  eine  ziemlich  reiche  Erzführung  constatirt  haben.  Die  geogno- 
stischen  Verhältnisse  sind  so  ziemlich  dieselben  wie  bei  Eisenerz.  Der  weisse, 
feinkörnige  oft  sehr  charakteristisch  roth  geflammte  Kalkstein  ist  fast  an  allen 
Punkten  mit  Spatheisenstein  imprägnirt  und  bildet  die  sogenannte  Rohwand, 
deren  niedrigster  Eisengehalt,  nach  der  im  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  vom  Herrn  Hauptmann  Ritter  Karl  v.  Hauer  und  dem  Vortra- 
genden vorgenommenen  Analyse  14 — 17  Percent  beträgt.  Grössere  Spatheisen- 
steinlinsen sind  in  der  ganzen  Masse  vertheilt,  man  findet  da  die  meisten  frischen 
Bruchstücke  davon,  so  wie  die  durch  ihren  hohen  Erzgehalt  so  sehr  geschätzten 
Braun-  und  Blauerze.  Dass  auch  grosse  zusammenhängende  Partien  von  letzteren 
Vorkommen,  beweist  eine  grosse  „nächst  der  Lacken“  an  der  Grenze  der  Kalk- 
steinzone angelegte  Tagrösche,  welche  eine,  mehrere  Klafter  betragende  Erz- 
mächtigkeit der  reichsten  Gattung  zeigte;  die  absolute  Menge  des  vorhandenen 
abbauwürdigen  Erzes  lässt  sich  nicht  angeben,  da  die  vorhandenen  Aufschlüsse 
nicht  auf  eine  regelmässige  Erzeinlagerung,  sondern  das  Vorkommen  zerstreuter 
Linsen  von  wechselnder  Mächtigkeit  deuten. 

Die  Anlage  der  Tagröschen  ist  derart  geschehen,  dass  dieselben  den  gan- 
zen Kohlbergrücken  nebst  den  beiden  Abhängen,  so  weit  sie  aus  erzführen- 
dem Kalk  bestehen,  ziemlich  gleichförmig  aufschliessen.  Am  nordöstlichen 
Abhange,  in  der  sogenannten  Höll,  sind  mehrere  Stollen  über  einander  ange- 
schlagen, welche  bei  einem  bedeutenden  Rohwandgehalte  doch  auch  schöne 
Partien  von  feinkörnigem  Spatheisenstein  aufgeschlossen  haben.  Diese  letzteren 
zeigen  einen  Gehalt  von  30  Percent  an  metallischem  Eisen. 

Das  Hangende  der  erzführenden  Kalkzone  bilden  Conglomerate , rothe 
Schiefer  und  Sandsteine.  Dass  dieselben  insgesammt  zu  den  „Werfener  Schie- 


Sitzung  am  16.  December.  Freih.  v.  Andrian. 


301 


[3] 

fern“  gezählt  werden  müssen,  nicht  zu  den  Grauwacken,  wie  noch  in  der  vor- 
trefflichen Beschreibung  des  Erzberges  von  Herrn  v.  Schouppe  (Jahrbuch  der 
k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1834,  S.  396  ff.)  geschieht,  geht  aus  einer  verglei- 
chenden Beobachtung  der  oberen  mit  den  unteren  Schichten,  so  wie  aus  dem 
Vorkommen  von  Gyps  deutlich  hervor.  Die  groben  Kalkconglomerate  sind  als 
unregelmässig  begrenzte  Stöcke  eingelagert;  als  Beispiel  im  Kleinen  können  die 
sandsteinartigen  Linsen  der  oberen  Werfener  Schiefer  dienen.  Sie  bilden  eine 
Reihe  von  Kuppen,  vom  Zeberkogel  angefangen  längs  des  linken  Trofajacher 
Bachufers,  während  die  vom  Himmelskogel  ausgehenden  Bäche  sämmtlich  die 
Werfener  Schiefer  als  ihre  Unterlage  blosslegen.  Das  Streichen  der  Werfener 
Schiefer  ist  concordant  mit  jenem  der  Grauwackenschiefer,  die  Fallrichtung 
wechselt  am  Zeberkogel  so  wie  am  Himmelskogel  zwischen  Nord,  Nordwest 
und  Nordost. 

Obwohl  die  Erze  der  Grauwacken-  und  der  Werfener  Schiefer  wahr- 
scheinlich einer,  nach  der  Ablagerung  beider  Gebilde  stattgefundenen  meta- 
morphischen  Action  ihr  Dasein  verdanken,  einer  Action,  welche  vorzugsweise 
an  das  Vorkommen  von  Kalk  geknüpft  scheint,  da  bei  weitem  die  meisten  der 
fraglichen  Erzzüge  mit  dieser  Gebirgsart  auf  irgend  eine  Weise  verknüpft 
erscheinen,  wie  eine  Durchsicht  der  Zusammenstellung  der  Herren  v.  Hauer 
undFoetterle  beweist,  so  scheint  es  doch  gerathen,  vorläufig  die  Vor- 
kommen in  beiden  Gebilden  zum  Behufe  einer  leichteren  Vergleichung  der 
verschiedenen  Localitäten  zu  trennen,  wie  es  Herr  Bergrath  Lipoid  in  seiner 
Beschreibung  der  Eisenerzvorkommen  im  Kronlande  Salzburg  gethan  hat  (Jahr- 
buch der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1854,  S.  369). 

Die  Werfener  Schiefer,  welche  den  Himmelskogel  zusammensetzen,  sind 
voll  von  kleinen  Spatheisensteinschnüren,  welche  sich  hie  und  da  auch  zu  grösse- 
ren Massen  concentriren.  Von  der  Sohle  des  Tragössthales  bis  zum  sogenannten 
Hieselegg  ist  eine  Anzahl  von  30  solchen  Lagen,  deren  durchschnittliche  Mäch- 
tigkeit nicht  über  4 Zoll  beträgt,  bekannt.  Eine  der  bedeutenderen  wird  am 
Kogela  nger  am  östlichen  Abhange  des  Himmelskogels  abgebaut 

Die  Lagermasse  besteht  aus  Quarz,  mit  Bruchstücken  von  kalkigem  Schiefer, 
welche  als  Erzführer  gelten,  aus  einem  armen  Ankerit  von  13  Percent  Eisen- 
gehalt, Kalkspath  und  Bitterspath.  Die  Masse  ist  von  unregelmässigen  Schnüren 
und  Knauern  von  Spatheisenstein  durchzogen.  Die  Mächtigkeit  beträgt  1 bis 
2 Fuss,  in  den  östlichen  Stockwerken  steigt  sie  auf  4 — 5 Fuss.  Im  Ganzen 
überwiegt  der  Gehalt  von  Ankerit  bedeutend  den  der  anderen  Bestandtheile. 
Der  Gehalt  an  Schwefelkies  ist  sehr  gering. 

Das  Streichen  des  Lagers  ist  h.  5 — 17;  das  Fallen  30  — 45°  in  Nord.  Es 
ist  durch  drei  Stollen  und  Ausbisse  auf  eine  Teufe  von  50  Klafter  aufge- 
schlossen. 

Die  dem  Streichen  nach  zum  Abbaue  disponible  Masse  ist  weniger  bedeu- 
tend, weil  das  Lager  gegen  Nordost  von  einer  nach  h.  8 streichenden  Gypsein- 
keilung  abgeschnitten  wird.  Es  sind  ähnliche  Verhältnisse,  wie  sie  Herr 
Kudernatsch  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1852, 
1.  Heft,  S.  4 von  Gollrad  beschrieben  hat.  Zum  Abbaue  bleiben  somit  nach  der 
östlichen  Richtung  15,  nach  Westen  20  Klafter. 

Die  Conglomerate  scheinen  sich  in  Bezug  auf  die  Erzführung  in  gleicher 
Weise  zu  verhalten.  Am  westlichen  Abhange  des  Himmelskogels  hat  man 
mittelst  zweier  Schürfe  das  Vorhandensein  von  Ankerit  und  Spatheisenstein 
nachgewiesen,  doch  sind  die  Aufschlüsse  noch  zu  gering,  um  sich  über  die  Natur 
des  Vorkommens  ein  klares  Bild  entwerfen  zu  können. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


PP 


302 


Verh  andlungt  n. 


W 

Herr  Karl  v.  Hauer  legte  Proben  von  Roth-  und  Grauspiessglanzerz  (Anti- 
monblende  und  Antimonglanz)  vor,  welche  von  Pinkafeld  in  Ungarn  stammen,  und 
zur  Untersuchung  eingesendet  wurden. 

Die  eingesendeten  Stücke  sind  sehr  reichhaltig,  der  Gehalt  beträgt  zwischen 
30  und  60  Procent  Antimon,  da  sie  fast  frei  von  begleitender  Bergart  waren.  Die 
Zusammensetzung  ergab  sich  entsprechend  den  bekannten  Formeln. 

Sb. 03 . 2(Sb  . S.;)  Antimonblende,  ein  Oxysulfuret  und  SbS3  Antimon- 
glanz, ein  Sulfid. 

Da  beide  Mineralien  hier  an  demselben  Fundorte  Vorkommen,  so  ist  wohl 
das  Oxysulfuret  aus  dem  Sulfide  durch  Oxydation  entstanden.  Ja  die  Stücke  von 
Rothspiessglanzerz  enthalten  seihst  noch  Partien  von  unverändertem  Grauspiess- 
glanzerz. Über  die  Lagerungsverhältnisse  wurde  von  dem  Einsender  indessen 
nichts  Weiteres  mitgetheilt,  was  in  dieser  Richtung  nähere  Aufschlüsse  gehen 
könnte. 

Herr  v.  Hauer  berichtete  ferner  ober  eine  Reihe  von  Analysen  der  Eisen- 
steine vom  Kohlberg  und  Kogelanger  in  Steiermark,  welche  er  gemeinschaftlich 
mit  Freiherrn  von  Andrian  ausgeführt  hatte. 

Diese  Eisensteine,  welche  Herr  Freiherr  von  Andrian  an  Ort  und  Stelle 
selbst  gesammelt  halte,  und  zwar  in  solcher  Wahl,  um  ein  möglichst  getreues 
Bild  von  dem  höchst  mannigfaltigen  Gesammtvorkommen  zu  erhalten,  wurden 
nicht  blos  auf  den  Gehalt  an  Metall  untersucht,  sondern  vollständig  quantitativ 
zerlegt.  Da  sie  nämlich  von  Freischürfen  her  rühren,  die  nicht  nur  seit  der  vor 
mehreren  Jahren  erfolgten  Eröffnung  aufrecht  erhalten,  sondern  durch  ununter- 
brochen fortgesetzte  Aufschlussbaue  zum  Zwecke  einer  wirklichen  Production 
vorbereitet  wurden,  so  schien  es  wünschenswert,  um  eine  vollständige  Ueber- 
zeugung  über  die  Schmelzwürdigkeit  und  einen  Fingerzeig  über  die  Art,  nach 
welcher  Gattirungen  zu  bewerkstelligen  wären,  zu  erhalten,  die  Erze  einer 
genaueren  Untersuchung  zu  unterziehen. 

Aus  den  Analysen  ergibt  sich  nun,  dass  die  Erze  theils  Ankerite  mit  einem 
Eisengehalte  von  14  — 17  Procent,  theils  Spatheisensteine  mit  einem  mittleren 
Eisengehalte  von  30  Procent,  Brauneisensteine  mit  einem  Gehalte  von  40  und 
endlich  sogenannte  Blauerze  (reinere  Brauneisensteine)  mit  einem  Gehalte  von 
30 — 60  Procent  Eisen  seien.  Diese  Angaben  beziehen  sich  auf  ungeröstete  Erze 
und  es  ist  hiermit  die  Frage  der  Schmelzwürdigkeit,  in  Anbetracht  dessen,  wie 
beträchtlich  sich  der  Gehalt  noch  durch  Röstung  erheben  muss,  hinlänglich  ent- 
schieden, wenn  auch  das  Vorkommen  ein  solches  ist,  dass  Ankerite  und  Spathei- 
sensteine vorwalten.  Die  accessorischen  Bestandtheile  sind  Kiselerde,  Thon,  Kalk 
und  Magnesia,  welche  letztem  beiden  natürlich  in  den  Ankeriten  vorwalten,  in  den 
Spatheisensteinen  noch  40  bis  30  Procent,  in  den  Brauneisensteinen  14  bis  17  Pro- 
cent betragen,  in  den  Blauerzen  aber  nur  mehr  alsSpur  vorhanden  sind.  Die  Menge 
Quarz  und  Thon  ist  in  den  Ankeriten  und  Spatheisensteinen  zumeist  nur  sehr 
geringe,  sie  beträgt  nicht  mehr  als  0*6  bis  3 Procent.  Speciell  am  Kogelanger 
finden  sich  Spatheisensteine,  deren  Gehalt  an  in  Säuren  unlöslichen  Bestandteilen 
(Kieselerde,  Thon)  11  bis  37  Procent  beträgt.  Aus  diesen  Daten  ergibt  sich, 
dass  bezüglich  der  Gattirung  die  Zusammensetzung  der  auf  dieser  Localität 
befindlichen  Erze  schon  gestattet,  durch  richtige  Mischungsverhältnisse  jene 
passende  Combinationen  zu  erhalten,  welche  für  die  Verschmelzung  nöthig  sind, 
und  dass  daher  bei  der  Beschickung  eines  Hochofens  anderweitige  Zuschläge 
vollends  entbehrlich  wären. 

Diese  analystischen  Resultate  im  Anschlüsse  an  die  Detailerhebungen  der 
Lagerungsverhältnisse  der  Erze,  welche  Herr  Freiherr  von  Andr  i an  mitgetheilt 


Sitzung  am  16.  December.  K.  v.  Hauer.  H.  Wolf. 


303 


[S] 


hat,  sind  nunmehr  geeignet  einige  wichtige  Anhaltspunkte  für  die  Gründung 
einer  Eisenindustrie  an  dieser  Localität  zu  liefern,  mindestens  was  die  rein  tech- 
nische Seite  anbelangt  und  dürften  einer  solchen  künftigen  Unternehmung  einen 
wesentlichen  Nutzen  bieten. 

Herr  Wolf  gab  eineUebersicht  der  geologischen  Verhältnisse  desChrudimer 
und  Königgrätzer  Kreises  in  Böhmen.  In  der  verlängerten  Axe  des  Riesen- 
gebirges erhebt  sich  im  Südsüdosten  zwischen  Reinerz  und  Nachod  ein  gleicher 
krystalliniseher  Kern  unter  den  Ablagerungen  des  Rothliegenden  und  der  Kreide 
wieder  empor,  bis  zu  3300  Fuss  im  böhmischen  Kamm,  oder  dem  Adlergebirge. 
Im  Nordosten  von  Landskron  erleidet  diese  Axe  eine  Drehung  nach  Mähren  und 
Schlesien  hinüber,  in  ihr  liegen  die  hohen  Sudeten  mit  dem  Spieglitzer Schnee- 
berg 4482  Fuss.  Es  wird  dadurch  ein  Theil  des  Glatzer  Beckens,  welches  von 
einer  Reihe  sedimentärer  Gesteine  erfüllt  ist,  umschlossen.  Mehrere  Unterbre- 
chungen in  dieser  Axe  vermitteln  die  Communication  zwischen  dem  westlich  und 
östlich  von  diesem  Gebirgskamme  liegenden  Tieflande,  wie  der  Sattel  bei 
Reinerz  und  jener  bei  Mittelwalde. 

Der  krystallinische  Kamm  besteht  vorwaltend  aus  rothem  Gneiss,  an  den  sich 
Schieferzonen  anlegen,  bestehend  aus  Glimmer-  und  Hornblendeschiefer  mit 
Kalkeinlagerungen. 

Eine  äussere  Zone  bilden  dann  die  Phyllite  und  wenig  charakteristische 
Gesteine  von  wahrhaft  sedimentären  Ursprung,  die  Herr  Wolf  nach  G.  Rose, 
und  Jokely  vorläufig  grüne  Schiefer  nennt. 

Syenite  durchbrechen  diese  Schieferzonen  bei  Giesshübl,  Neu-Hradek 
Solnitz,  Reichenau  und  Gaabl. 

Mit  dem  Durchbruch  dieser  Syenite  war  eine  Niveauänderung  innerhalb  der 
krystallinischen  Schieferzonen  verbunden,  so  dass  die  Gewässer  des  Rothlie- 
genden einen  schmalen  Durchgang  fanden,  welcher  von  der  Bucht  bei  Lewin 
beginnend  in  südlicher  Richtung  gegen  Schambach  in  Böhmen  fortsetzt.  In  die- 
ser Linie  liegen  noch  einzelne  Schollen  eonglomeratischer  Ablagerungen,  wie 
bei  Giesshübl,  Sattel,  Rowney,  Lukawetz  und  Reichenau,  und  man 
kann  nun  bestimmt  sagen,  dass  die  Gewässer,  in  welchen  sich  die  ausgedehnten 
Ablagerungen  des  Rothliegenden  bei  Braunau,  Schatzlar  und  Trautenau  bil- 
deten, mit  den  Gewässern,  aus  welchen  sich  das  Rothliegende  in  Mähren  abla- 
gerte, in  der  vorerwähnten  Linie  in  Verbindung  standen. 

Das  Rothliegende,  zu  unterst  aus  Conglomeraten  bestehend,  umfasst  in  seinen 
höheren  Lagen  feinkörnigere  Sandsteine  mit  bunten  Letten  uud  dunklen  Schie- 
fern, zwischen  welchen  zuweilen  dünne  Lamellen  einer  glänzenden  muschelig 
brechenden  Schwarzkohle  eingebettet  sind. 

Von  Schambach  angefangen  ist  das  Rothliegende  in  einer  ununterbrochenen 
1000  — 2000  Klafter  breiten  Zone,  längs  einer Bruchlinie  aufgedeckt  die  gegen 
Südsüdost  verläuft,  an  welcher  stellenweise  krystallinische  Schiefer  empor- 
treten,wie  bei  Geyersberg  und  Böhmisch-Rothwasser;  westlich  dieser  Aufbruchs- 
linie liegt  die  ganze  Rothliegendzone  und  in  weiterer  Entfernung  auf  dem  Roth- 
liegenden in  normaler  Lagerung  die  Sandsteine  und  Mergel  der  Kreideformation, 
einen  weit  hin  sichtbaren  Gebirgsrand  von  300  bis  600  Fuss  relativen  Höhen- 
unterschied gegen  das  Rothliegende  bildend. 

Oestlich  dieser  Aufbruchslinie  schliessen  sich  unmittelbar  den  krystallinischen 
Schiefern  nur  Kreideglieder  an,  und  zwar  in  stark  geneigter  Stellung,  die  manchmal 
auch  eine  senkrechte  ist,  wie  bei  Geyersberg,  Böhmisch-Rothwasser  und  Landskron. 

Diese  Aufbruchslinie,  offenbar  nach  der  Ablagerung  der  Kreide  erfolgt, 
bedingte  zwei  Senkungszonen,  die  ihr  parallel  verlaufen.  Die  westliche  ist 


304 


Verhandlungen. 


re] 


erkennbar  in  der  Linie,  Lichwe,  Wildenschwert,  Böhmisch-Trübati,  Abtsdorf, 
Trübau.  Die  östliche,  in  der  Linie  Geyersberg,  Böhmisch-Rothwasser,  Lands- 
kron,  Mährisch-Trübau. 

Diese  Senkungszonen  öffneten  den  miocenen  Gewässern  des  Wiener  Beckens 
zwei  Buchten  nach  Böhmen  herein , in  welchen  der  Tegel  einerseits  bei  Wil- 
denschwert und  anderseits  noch  bei  Böhmisch-Rothwasser  zu  finden  ist.  Die 
Fundorte  mariner  Conchylien  in  diesem  Tegel,  in  der  westlichen  Bucht,  bei 
Abtsdorf  und  Triebitz  in  der  östlichen,  bei  Rudelsdorf  und  Landskron,  sind 
durch  die  Eisenbahnbauten  von  dem  sie  bedeckenden  Diluvialschotter  und  Lehm 
entblösst  und  bekannt  geworden. 

Herr  Wolf  wird  die  hier,  nur  in  allgemeinen  Umrissen  skizzirten  Verhält- 
nisse in  späteren  specielleren  V orträgen  noch  weiter  erläutern. 

Es  werden  die  Exemplare  jenes  neuen  Fundes  von  Pseudomorphosen  von 
Glimmer  nach  Cordierit  vorgelegt,  über  welche  Herr  Director  Haidinger  in 
der  letzten  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  ausführlichen 
Bericht  erstattet  hatte.  Der  Fundort  ist  Greinburg  im  Mühlkreise  von  Oesterreich 
ob  der  Enns.  Sie  waren  von  dem  Steinmetz  Joseph  Blechinger  von  Ardacker 
in  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gebracht  worden.  Sie  haben  bis  zwei  Zoll 
Länge  und  einen  Zoll  im  Durchmesser.  Sie  sind  in  Quarz  eingewachsen,  und 
auf  dieser  Seite  gut  ausgebildet,  auf  der  entgegengesetzten  stossen  sie.  wie  auf- 
gewachsen an  ein  körniges  Orthoklasgestein  an.  Die  Form  ist  die  gewöhnliche, 
der  zwölfseiligen  Prismen  mit  Endfläche,  ganz  analog  den  Pinitcn.  Im  Innern 
mehr  die  Structur  des  Chlorophyllits , die  Glimmerblättchen  sowohl  auf  den 
Endflächen  und  parallel  denselben  und  den  Krystallschalen,  als  auch  parallel 
allen  den  Prismenflächen  abgelagert , so  dass  wie  eine  scheinbare  Spaltbarkeit 
in  diesen  Richtungen  entsteht.  Keine  Spur  des  ursprünglichen  Cordierits  mehr 
übrig,  überall  die  Härte  2*3  bis  3*0.  Gewicht  = 2*646.  Die  chemische  Mischung 
ist  naeh  Herrn  Karl  Ritter  v.  Hauer  in  100  Theilen:  Kieselerde  44*94,  Thon- 
erde 24*90,  Eisenoxyd  und  etwas Manganoxydul  1318,  Magnesia  2*64,  Kali  8*94. 
Natron  2*06,  bei  Glühverlust  2*74.  Es  verhalten  sich  RO:R2Os  : Si03  = 1 :6:9, 
und  folgt  die  Formel:  2Ka0.3Si02  + 2AI203 . 3Si02,  eine  Verbindung  von 
Kalitrisilicat  mit  Thonerd e-Singulosilicat,  während  der  ursprüngliche  Cordierit 
aus  2 Atomen  Magnesia-Bisilicat  und  1 Atom  Thonerde-ßingulosilicat  bestand. 
Die  Nähe  des  Vorkommens  lässt  uns  wohl  erwarten,  dass  zeitlich  im  nächsten 
Frühjahre  unternehmende  Forscher  jene  Gegenden  zum  Ausgangspunkte  näherer 
Untersuchungen  machen  werden,  welche  gewiss  manches  anziehende  Ergebniss 
versprechen. 

Herr  Bergrath  Fr.  v.  Hauer  theilte  den  Inhalt  einer  Notiz:  „Zur  Geognosie 
Tirol’s“  von  Herrn  Adolph  Pichler  in  Innsbruck  mit.  (Jahrbuch  dieses  Heft, 
Seite  331.) 

Weiter  gab  derselbe  Nachricht  über  Fossilreste  aus  dem  Tegel  von  Olmütz. 
Proben  eines  aus  diesem  Tegel  geschlemmten  Sandes  hatte  Herr  Dr.  Joh.  Nep. 
Woldrich,  gegenwärtig  in  Salzburg,  der  mit  der  Zusammenstellung  eines 
Werkchens  über  die  Stadt  Olmütz  beschäftigt  ist,  bei  seinem  letzten  Besuche 
in  Wien  zur  näheren  Untersuchung  uns  zurückgelassen.  Seiner  Mittheilung  zu 
Folge  wurden  bei  der  Grabung  eines  Brunnens  in  Olmütz  auch  grössere  Muschel- 
reste vorgefunden,  von  welchen  er  aber  leider  nichts  mehr  erhalten  konnte.  Der 
Sand  enthält  nur  ganz  kleine,  meist  mikroskopische  Objecte.  Die  Herren  Dr.  Moriz 
Hörnes  und  Felix  Karrer  übernahmen  freundlichst  die  Bestimmung,  und  zwar 
erkannte  Ersterer: 


m 


Sitzung  am  16.  December.  Fr.  v.  Hauer. 


305 


Phasianella  Eichwaldi  Hörnes 
Bulla  utricula  Brocch.  . . . 
Ervilia  pusilla  Phil.  . . . , 
Venus  multilamella  Lam.  . . . 
Lucina  exigua  Eichw.  . . . 


Im  Wiener  Becken  bekannt  zu: 

. . Steinabrunn  und  Baden. 

• • n n 

• . n 

. . Gainfahren  — „ 

. . Steinabrunn  — ,, 


Letzterer  schreibt:  „Der  Sand  zeigt  von  Bryozoen  nur  wenige  Spuren, 
etwas  von  Cidaritenstacheln  und  einige  Nulliporen,  nicht  selten  dagegen  hübsche 
Cypridinen.  Foraminiferen  kommen  eben  nicht  sehr  häufig  vor,  und  ist  ihre 
Artenzahl  auch  eine  beschränkte.  Vorherrschend  ist: 

Im  Wiener  Becken  bekannt  zu: 

. . Nussdorf. 

. . „ Baden. 

• • SS  X 

Sehr  selten  sind  : 


Asterigerina  planorbis  Orb> 
Polystomella  crispa  Orb. 
Rosalina  viennensis  Orb.  . 


Polystomella  Fichteliana  Orb Nussdorf. 

Nonionina  communis  Orb „ 

Amphistegina  Hauerina  Orb „ 

Bulimina  elongata  Orb „ 

Triloculinu  inflata  Orb „ 


Die  Lage,  aus  welcher  der  Sand  stammt,  gehört  daher  jedenfalls  einem 
höheren  Niveau  der  marinen  Neogenschichten  des  Wiener  Beckens  an,  und 
steht  sicher  der  Amphisteginen-Zone  sehr  nahe.“ 

Mit  Freude  begrüssen  wir  die  Nachricht  von  der  erfolgten  Bildung  eines 
neuen  Mittelpunktes  wissenschaftlicher  Thätigkeit  im  Kaiserstaate.  Der  natur- 
wissenschaftliche Verein  für  Steiermark,  angeregt  in  einer  in  Gratz  am  4.  April 
1.  J.  abgehaltenen  Versammlung,  begründet  durch  die  mit  Allerhöchster  Ent- 
schliessung  vom  19.  Juni  erfolgte  Genehmigung  seiner  Statuten,  hat  durch  ein 
vom  15.  November  datirtes  Rundschreiben,  welches  durch  Herrn  Prof.  v.  Zepha- 
rovich  auch  an  Herrn  Hofrath  W.  Haidinger  übersendet  wurde,  den  Beginn 
seiner  regelmässigen  Thätigkeit  angekündigt.  Der  Zweck  des  Vereines  „das 
Studium  der  Naturwissenschaft  im  Allgemeinen  anzuregen  und  zu  befördern, 
insbesondere  aber  Steiermark  naturwissenschaftlich  zu  durchforschen“  soll 
zunächst  durch  monatliche  Versammlungen,  deren  Sitzungsberichte  in  der 
„Tagespost“  erscheinen  werden,  Förderung  finden,  ln  der  ersten  dieser  Ver- 
sammlungen am  8.  November  wurden  die  Geschäftsleiter : ein  Präsident  J.  Freih. 
v.  Fürstenwärther,  zwei Vicepräsidenten  die  Herren  J.  Ritter  v.  Pittoni  und 
Dr.  0.  Schmidt,  ein  Secretär  Herr  Dr.  V.  Ritter  v.  Zepharovich,  ein 
Rechnungsführer  Herr  G.  Dorfmeister,  und  vier  Directionsmitglieder  die 
Herren  Dr.  G.  Bill,  J.  Ritter  v.  Helms,  Dr.  G.  Göth  und  Dr.  J.  Knar  gewählt. 
Von  dem  regen  Sinne  der  Bewohner  des  schönen  von  der  Natur  so  reich  begab- 
ten Landes,  dürfen  wir  zuversichtlich  eine  lebhafte  Theilnahme  für  den  neuen 
Verein  erwarten,  der  unter  günstigen  Auspicien  ins  Leben  getreten,  gewiss  bald 
eine  ehrenvolle  Stelle  in  der  Reihe  der  älteren  der  Wissenschaft  geweihten  Ver- 
bindungen in  unserem  Staate  einnehmen  wird. 

Aber  noch  von  einem  andern  wissenschaftlichen  Unternehmen,  welches, 
wenn  auch  ausserhalb  der  Grenzen  unseres  Reiches  ins  Leben  tretend,  doch 


306 


Verhandlungen. 


[S] 

durch  die  Aehnlichkeit  mit  den  Aufgaben,  die  wir  selbst  verfolgen  sowohl  als  auch 
durch  die  unmittelbare  Nachbarschaft  der  Gegend,  für  welche  dasselbe  geschaffen 
werden  soll,  unser  Interesse  im  höchsten  Grade  anzuregen  geeignet  erscheint, 
erhielten  wir  im  Laufe  der  letzten  Tage  ausführliche  Nachricht.  Der  gewesene 
k.  Finanzminister  in  Turin,  Herr  Quintino  Sella  sandte  uns  freundlichst  Sepa- 
ratabdrücke seines  „Berichtes  über  die  Art  die  geologische  Karte  des  Koni  grei- 
ches  Italien  anzufertigen“  *)• 

Seine  Vorschläge,  bis  in  die  einzelnen  Details  ausgearbeitet,  gehen  darauf 
hinaus,  im  Allgemeinen  den  in  England  und  Oesterreich  eingeschlagenen  Plan  der 
geologischen  Landesaufnahme,  der  entschiedene  Vorzüge  vor  jenem  besitze 
den  man  in  Frankreich  annahm,  zu  befolgen.  Vorerst  soll  eine  Ueber^ichtskarte  im 
Maasse  von  1 zu  600.000,  auf  w elcher  die  neueren  Arbeiten  über  die  Geologie 
Italiens  zusammenzustellen  wären,  angefertigt,  weiter  aber  die  Detailkarlen  im 
Maasse  von  1 zu  60.000  durch  zu  diesem  Zwecke  anzustellende  Geologen,  die  dem 
k.  Corps  der  Berg-Ingenieure  anzureihen  wären,  aufgenommen  w erden.  Samm- 
lungen, eine  Bibliothek,  ein  chemisches  Laboratorium  u.  s.  w.  sollen  errichtet 
und  ein  Repertorium  herausgegeben  werden.  Für  das  erste  Jahr  wird  ein 
Kostenaufwand  von  97.000  Lire  veranschlagt,  wobei  keine  Zahlung  für  ein 
Locale  einbegriffen  ist,  da  der  Anstalt  vorläufig  disponible  Räume  im  Castello  del 
Valentino  angewiesen  werden  könnten. 

Zur  Begründung  dieser  Vorschläge  gibt  Herr  Sella  eine  kurze  Schilderung 
der  geologischen  Landesaufnahmen  in  Frankreich,  England,  Oesterreich,  Belgien, 
verschiedenen  Staaten  von  Deutschland  u.  s.  w.  w ie  er  dieselben  auf  einer  zu 
diesem  Zwecke  unternommenen  Rundreise  kennen  gelernt  batte.  Mit  grosser 
Befriedigung  muss  es  uns  erfüllen,  wenn  wir  sehen,  dass  der  hochverehrte  Herr 
Verfasser,  unbeirrt  von  momentanen  politischen  Antipathien  und  der  Parteileiden- 
schaft des  Tages  in  eine  durchaus  wohlwollende  Besprechung  der  Leistungen 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  eingebt,  und  auch  die  Bemerkungen,  welche 
er  über  ein  verhältnissmässig  zu  rasches  Vorgehen  bei  unseren  Aufnahmen,  und 
die  dadurch  bedingte  geringere  Genauigkeit  unserer  Karten,  namentlich  im 
Vergleiche  mit  den  englischen  beifügt,  müssen  wir  als  vollkommen  objeetiv 
gehalten,  ja  sogar  im  Wesentlichen  als  völlig  richtig  anerkennen.  In  der  That 
können  unsere  Specialkarten,  was  die  Sorgfalt  in  der  Ausführung  der  Details 
betriff  t,  mit  den  englischen,  deren  Maassstab  mehr  als  doppelt  grösser  ist,  und  zu 
deren  Aufnahme  bei  gleichem  Flächenraum  nach  Herrn  Sella's  eigener  Berech- 
nung ein  nabe  14mal  grösserer  Geldaufwand  erfordert  wird,  nicht  in  gleiche 
Reihe  gestellt  werden.  Aber  den  Maassstab  zu  wählen  lag  überhaupt  nicht  in 
unserer  Hand,  es  konnten  eben  nur  die  vorhandenen  Specialkarten  des  k.  k. 
Generalquartiermeisterstabes  zu  Grunde  gelegt  werden;  überdies  hatten  wir, 
während  England  schon  vor  dem  Beginn  seiner  amtlichen  Landesaufnahmen  die 
geologische  Karte  von  Green ough  besass,  und  die  theoretischen  Fragen  über 
die  Eintheilung  und  Gliederung  der  im  Lande  vorkommenden  Formationen  im 
Allgemeinen  längst  gelöst  batte,  nur  aus  beschränkten  Gebieten  halbwegs  brauch- 
bare Vorarbeiten,  und  sahen  uns  als  erste  Aufgabe  die  noch  völlig  ungelösten 
Räthsel  unserer  Alpen  gegenüber  gestellt,  deren  Untersuchung  mit  eben  so 
grossen  wissenschaftlichen  , als  rein  physischen  Schw  ierigkeiten  zu  kämpfen 
hatte.  Ist  es  uns  aber,  wie  Herr  Sella  selbst  an  einer  anderen  Stelle  seines 


!)  Sul  Modo  di  fare  la  Carta  geologica  del  Regno  d’  Italia.  Relazione  al  Sign.  Commen- 
datore  Cordova , Ministro  di  agrieoltura,  Industria  e commercio.  Milano. Novembre  1862. 


Sitzung  am  4.  November.  Fr.  v.  Hauer. 


307 


[9] 

Berichtes  anerkennt  *)  gelungen,  diese  Schwierigkeiten  grossentheils  zu  über- 
winden, so  dürfen  wir  wohl  behaupten,  dass  dies  eben  nur  durch  eine,  wenn 
auch  nicht  bis  in  die  letzten  Details  genaue,  dafür  aber  raschere  Fortführung 
unserer  Aufnahmen  über  grössere  Landstriche  möglich  wurde,  wobei  gar  oft 
klare  Lagerungsverhältnisse  in  einer  Gegend  den  Schlüssel  gaben  zum  Ver- 
ständniss  sehr  verwickelter  Erscheinungen  in  einer  mitunter  weit  entfernten 
andern  Gegend. 

Herr  Q.  Sella  gibt  die  Bemerkungen,  die  wir  eben  berührten,  nicht  als 
Ergebniss  seiner  eigenen  Wahrnehmungen,  sondern  als  das  Urtheil  anderer 
Personen,  die  er  um  ihre  Ansicht  befragte.  Den  gleichen  Vorgang  beobachtete 
er  auch  in  den  anderen  von  ihm  bereisten  Ländern.  Bei  keinem  Volke  lauteten 
die  Urtheile  über  die  Leistungen  der  eigenen  Landesgenossen  günstiger  als  bei 
den  Engländern;  gerne  stimmen  auch  wir  diesem  Urtheile  bei;  stets  werden  wir 
die  Arbeiten  des  geologischen  Aufnahmeamtes  in  England,  als  ein  Vorbild 
betrachten,  dem  mit  allen  Kräften  nachzustreben  unsere  Aufgabe  bleibt.  Ein 
Vorbild  sollte  uns  aber  auch  dieses  Land  bleiben  durch  sein  Nationalgefühl, 
welches  jeden  Zweig  nützlicher  Thätigk eit  mächtig  fördert  durch  den  berechtigten 
Stolz,  mit  welchem  es  auf  die  heimischen  Leistungen  blickt  und  redlicher 
Arbeit  überall  frei  und  freudig  Theilnahme  und  Anerkennung  spendet. 


D Seite  5,  wo  es  heisst:  Mi  si  citavano  le  Alpi  Orientalin  pochi  anni  fa  egualmente  mal 
conosciute  come  le  alpi  occidentali3  su  cui  si  hanno  ora  cosi  vive  e fervide  contestazioni : 
non  appena  se  ne  feei  un  rilevamente  dettagliato  se  ne  pote  quasi  ovunque  chiarire 
benissime  la  struttura  geologica. 


yj 


309 


Personen-,  Orts-  und  Sack-Register 

des 

12.  Jahrganges  des  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


Von  August  Fr.  Grafen  Marschall. 


Die  Benennungen  von  Behörden,  Anstalten,  Aemtern  und  Vereinen  finden  sich  im  Personen- 
Register.  Den  Namen  minder  bekannter  Orte,  Gegenden,  Flüsse,  Berge  u.  dgl.  ist  die 
Benennung  des  Landes  oder  Bezirkes,  in  welchem  sie  liegen , in  einer  Klammer  beigefügt.  Ortsnamen, 
die  zugleich  zur  Bezeichnung  von  Formationen  oder  geologischen  Gruppen  dienen,  z.  B. 
„Dachstein-Kalk“,  „Werfener  Schiefer“,  „Wiener  Sandstein“  und  ähnliche,  sind  im  S a ch -R  e gi  s t er  zu 
suchen.  Da,  wie  in  den  Jahrgängen  8,  9,  10  u.  11,  auch  im  Jahrgang  12  die  „Verhandlungen“  ihre 
eigene  , von  der  des  Textes  gesonderte  Seitenzahl  führen  , sind  die  darin  vorkommenden  Gegenstände 
nach  denen  des  Textes  aufgeführt  und  von  diesen  durch  den  Vorgesetzten  Buchstaben  V gesondert. 


I.  Personen-ßegister« 

Aichhorn  (Prof.).  Forcherit.  F 65.  Ambros  (Th.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geolo- 
gische Reichsanstalt.  F 22.  Andrian  (Frhr.  F.).  Aufnahmsreisen  in  Böhmen.  V.  234,  239, 
253.  — Czaslauer  und  Chrudimer  Kreis.  F 127.  — Eisensteine,  Analysen.  533,  536, 
F 302.  — Eisenstein-Lager  von  Kohlberg  und  Kogelanger.  F 300.  — Gneiss-Gebiet  des 
Czaslauer  und  Chrudimer  Kreises.  F 177.  — Granitisches  Gebiet  von  Beneschau.  F.  61. 
— Kaurimer  und  Taborer  Kreis.  F.  5.  Augsburger  NaturforschenderVerein.  Geschenk 
an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  F 9. 

Barrande  (J.).  Silurische  Colonien  in  Böhmen.  1,  5,  7 9,  40,  207,  208,  F 148, 
149,  207.  Becher  (H.)n  Gänge  des  Giftberges.  F 195.  Beer.  Bohrungen  im  böhmischen 
Steinkohlengebirge.  446,  447,  461,  463.  Berg- und  Hüttenmänner  (Versammlung  der 
österreichischen).  F 96,  97.  Biefel  (J.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt. 
F 3.  Binkhorst  van  den  Binkhorst  (Jonkh.  J.  T.).  Obere  Kreide  von  Limburg.  F 129. 

Boucher  de  Perthes  (J.  A.)  Diluviale  Reste.  F 160,  161. Geschenke  an  die  k.  k. 

geologische  Reiehsanstalt.  F 103.  Braun  (Prof.).  Fossile  Pflanzen  von  Veitlahm.  F 199. 
Breithaupt  (Prof.  A.).  Besuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  V.  260.  — Gänge 

des  Giftberges.  F 195.  — Paradoxit.  V.  86.  Br  eunner  (Graf  Aug.).  Wiener  Zoologischer 
Garten.  F.  237.  Bronn  (Prof.  H.  G.).  Nekrolog.  F 262,  263.  — Preisschrift  („Morpho- 
logische Studien“  u.  s.  w.).  V 45.  — Theorie  der  Silurischen  Colonien.  47.  — Wollaston- 
Medaille.  F 38. 

Clausthaler  Ober-Bergamt.  Risse  der  Bergbaue  des  Ober-Harzes.  F.  66.  Cotta 
(Prof  B.  v.).  Erz-Lagerstätten  Europa’s.  V 112.  Cybulz  (Major  J.).  Relief  der  Insel  St. 
Paul.  V 277.  Curioni.  Eisen-Industrie  der  Lomhardie.  F 47. 

D a u b er.  Nekrolog.  F.  36.  D au  bre  e (M.  A.).  Wollaston-Preis.  F 38.  Dechen(Ober- 
Berghauptmann  von).  Gruss  (telegraphischer)  der  Naturforscher  - Versammlung  zu  Karls- 
bad. F.  272.  Delesse  (A.).  „Geologie  souterraine  de  la  ville  de  Paris.“  F.  86,  102.  Des 
Cloizeaux  (Prof.  A.).  Handbuch  der  Mineralogie.  F.  259.  Dubocq  (C.).  Geognostische 
Karte  der  Banaler  Domäne.  F 152.  Domas  (Prof.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt.  F 297. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Baud,  1861  und  1862.  Verhandlungen. 


qq 


310 


Personen-Regisfrr. 


Engelshofen  (Freiherr).  Allerthiimer  des  Vitus-Berges.  V.  103.  Ettingshausen 
(Prof.  C.  v.).  „Die  Blattskelette  der  Dicotyledonen“.  V.  1 0i . Pflanzenreste  bei  Kulm- 

bach. V.  199.  — Reclamation  gegen  Professor  Unger.  V.  151. 

Ferdinand  Maximilian  (Erzherzog,  kais.  Hoheit)  Puhlication  der  Resultate  der 
Novara-Expedition.  V.  100,  277,  280.  Fichtner  (,!.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt.  Tr.  22.  Finanz-Ministerium  (k.  k.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt.  V.  240.  Foetterle  (Franz).  Aufnahmsreise  in  der  MilitSrgrfinze.  1'.  241, 
242,  254,  298.  Braunkohle  von  Zagyvn  und  Salgo  Tsirjan.  V.  290.  — Braunkohlen-Ab- 
lagerungen  von  Valdagno.  V 154.  — Croaiien  zwischen  Drau  und  Save.  V.  123.  — Fahlerze 
des  Avanza-Grabens.  I'.  107.  — Fossile  Brennstoffe  für  die  Londoner  Ausstellung.  1.  109, 

242,  266.  — Lias  (kohlenführender)  im  Banat.  V.  214.  — Mammuth  in  Galizien.  V.  290. 

— Mittheilungen  und  Vorlagen.  V 22,  23,  53,  63,  108,  196,  298.  — Stein-  und  Braun- 
kohlen (Einsendungen  von).  V.  289.  — Süsswasser-Petrefacle  von  Ulm  V.  9.  — Über- 

sichtskarte (geologische)  des  Banats,  der  Illyrischen  und  Roinan-Banater  Militärgrenze.  V. 62. 
Forcher(W.).  Opal  mit  Schwefel-Arsen.  V.  65,  66.  Fritsch.  Hauyinfels  von  Ditro.  V.  65. 
Fritsch  (Dr.  A.).  Sammlung  böhmischer  Silur-Petrefacfe  für  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt. V.  128. 

Geologische  Reichsansta  1 1 (k.  k.).  Sr.  k.  k Ap.  Majestät  Besuch  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt.  V.  184,265.  — Ausstellung  der  Sehul-  und  Unterriehts-Gcgunstfiude 
für  die  Londoner  Ausstellung.  V-  183.  — Besuch  Sr.  knis.  Hoheit  Erzherzog  Rainer.  V.  93, 
266.  — Besuche  von  Mitgliedern  desAllerh.  Kaiserhauses  I’.  185,266.  - Besuche  von  Frem- 
den. V.  260.  — Bibliothek.  V.  99  — Dotation.  V.  91.  — Einsendungen  für  die  Bibliothek 
75,  306,  426,  539,  V.  74,  80,  86,  103,  152,  223.  236.  237.  243,  24 4,  246,  250,  276.  278, 

297,  298. für  das  Museum.  72,  225,  300,  425,  537,  V.  74,  80,  86.  103,  IIS.  128, 

166,245,246,259,277.-  Farben-Schema  der  Karten.  V.  231.  Geschenke.  V.  3,  7.  8. 
9,  10,  16,  18,  19,  22,  53,  63,  66,  80.  86,  103,  118,  131,  132,  133,  152.  223,  225,  236,  237, 

243,  244,  245,  246,  259,  277,  278,  293,  297,  298.  — Geschenk  an  das  k k.  polytechnische 
Institut  zu  Wien  V.  280.  — Glückwünscbuugs-Sch reiben  an  Regierungsrath  Zippe.  V.  I.  — 
Karten.  V.  54,  98,  99,  219,231,  205,266,272,275,  276,287.  — Laboratorium  (Arbeiten 
im  chemischen).  67,  421,  533,  V.  79,  85,  95.  — Londoner  Ausstellung  1862  301,  1.97 
109,  184,  185,  186,  220,  231,  242.  243,  251.  264.  266,  268.  Monatsberichte.  V.  71,  75, 
81,  233,  238,  251.  — Murehison’s  (Sir  R.  .1.)  Excursionen  im  böhmischen  Silur-Gebiete. 
V.  268,  269,  270.  — Novara-Expedition.  V.  100,277.  — PersonalverSnderungen  V.  168, 
169.  — Porträt-Album.  V.  103,  210.  — Preis-Medaillen  der  Londoner  Ausstellung.  V.  268. 

— Publieationen.  V.  12,  72,  97.  98,  99,  119,  133,  219  220,  237,  274,  275.  Räumlich- 
keiten. V.  63,  91.  - Reisen  der  Geologen.  V.  93,  133,221,233.238.  252,  267,  271,  288. 

— Sammlungen.  V.  99,  100,  276.  — Selbstständige  Stellung.  V.  63,  70,  71,  91,  148.  — 
Senoner’s  „Übersicht  der  Sammlungen.“  L.  99.  — Verhandlungen:  am  Schlüsse  jedes  Heftes 
mit  besonderer  Seitenzahl.  — Versammlung  der  österreichischen  Berg-  und  Hüttenmänner. 
V.  96,  97.  Göppert  (Prof.).  Pflanzenreste.  V.  69,  70.  — Versteinerte  Wälder  im  Roth- 
liegenden  von  Böhmen.  392,  393.  Goodwin-Austen  (A.  C.).  Betheilung  mit  der 
Wollaston-Medaille.  V.  209.  Gregory  (R-).  Naphtha-Quellen  in  Galizien.  V.  196.  Gümbel 
(Bergmeister).  Dachstein-Bivalve.  V.  130.  — Seaphites  multinodosus.  V.  3.  — Werk  über 
die  bayerischen  Alpen.  V.  39,  243,  280. 

Haerdtl  (Dr.  Freiherr  A.J.  Werk  über  die  Heilquellen  des  „Oesterreichischen  Kaiser- 
staates. V.  223.  Haidinger  (W.).  Ansprachen  bei  Eröffnung  der  Sitzungs-Perioden  1861/62 
und  1862/63.  V.  89,  261.  — Sr.  k.  k.  Apostolischen  Majestät  Besuch  der  k.  k.  geologischen 

Reichsanstalt.  V.  184.  — Audienz  bei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät.  V 71,  92.  — Be- 

merkungen über  Barrande’s  „Defense  des  Colonies.“  207,  220,  V.  148,  149,  207.  — Bronn  s 
Nekrolog.!7.  262,  263.  — Dauber’s  Nekrolog.  V.  63.  — Prof.  C.  v.  Ettingshausen’s  „Reclama- 
tion gegen  Prof.  Unger.  V 151.  — Forcherit.  V.  65.  — k.  k.  geologische  Reichsanstalt, 

Erneuerung  des  Mietvertrages.  V.  63,  91. Gegenstände  zur  Londoner  Ausstellung. 

F.  184,  187,  188,  264,  266,  268. Karten.  F.  54,  187,  189,  265,  266. Preis- 

Medaillen  der  Londoner  Ausstellung. F.  268. Publieationen.  F.  12,  148,  219,  221. 

Selbstständige  Stellung.  F.  63,  70,  71,  91.  — Glimmer  pseudomorph  nach  Cordie- 

rit.  V.  304.  — Granit  aus  Vorarlberg.  V 189.  — Gruss  (telegraphischer)  der  Natur- 
forscher-Versammlung zu  Karlsbad.  F.  272.  — Hauyinfels  von  Ditro.  F.  64.  — k.  k.  Hof- 
rath (Ernennung  zum  wirklichen).  F.  238,  267.  — Hohenegger’s  „Geognostische  Karte  der 

Nord-Karpathen“  u.  s.  w\  V 131,  132.  — Jokely’s  Nekrolog.  V.  261.  — K.  C.  v.  Leonhard’s 

Nekrolog.  F 167.  — Londoner  Ausstellung  (Betheilung  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt an  der).  F.  184,  187,  188,  264,  266,  268. — (Ausstellung  der  Schul-  und 

Unterrichtsgegenstände  für  die).  F.  183.  — Londoner  Ausstellungs-Medaille  (Zuerkennung 
der).  V.  251,  268.  — Montanistische  Zeitschrift  „Berggeist“.  V 39.  — Richter  (Betheilung 
des  Cabinetsdieners  mit  dem  silbernen  Verdienstkreuz  mit  der  Krone).  F.  71,  72,  92. 


Pfcrsonen-Register. 


311 


— Silurisehe  Colonien  in  Böhmen.  2,  207,  220.  — Professor  Suess’  „der  Boden  der 

Stadt  Wien".  V.  247.  — Verein  „zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse".  V. 
53.  — v.  Zcpharovich’s  „Erläuterung  zur  Sammlung  für  das  Studium  der  Eigenschafts- 
lehre". V.  18.  — Theobald  v.  Zollikofer’s  Nekrolog.  1.264.  Hartisch  (C  ).  Kohlenbaue 

von  Buschtehrad-Kladno.  473.  Hauer  (Franz  Ritter  v.).  Ammoniten  aus  dem  Medolo. 
V.  166.  — Aufnahmsreise  in  Dalmatien.  V.  240,  241,  257,  271.  — Bausteine  zur 

Restauration  des  St.  Stephans-Thurmes.  V.  2,  3.  — Bronn’s  Preisschrift.  V.  45.  — Burzen- 
länder Gebirg.  V.  20.  — v.  Cotta’s  Werk  über  die  Erz-Lagerstätten  Europa’».  V.  112. 

— Curioni’s  „Sulla  Industria  del  Ferro  in  Lombardia“.  V.  47.  — Fogarascher  Gebirg.  F. 

1,  2.  — „Geologische  Uebersichts-Karte  von  Siebenbürgen".  V 102.  — Gümbel’s  Werk 

über  die  bayerischen  Alpen.  V.  39  , 280.  — „Monographie  der  Dachstein-Bivalve“.  V 130. 

— Parallelisirung  der  Gebirgsarten  und  Formations-Glieder  der  Kronlandskarten.  V 287. 

— v.  Pävai’s  Mittheilungen  über  das  nördl.  Siebenbürgen.  V.  194.  — Phosphorit  in  Oester- 
reich. V 190.  — Prof.  Pichler’s  Schreiben  über  die  Fauna  der  Hierlatz-Schichten.  V.  130. 

Notiz  über  den  Haller  Salzberg.  V.  194,  195.  — Posepny’s  Karte  des  Mittellaufes  der 

Lapos.  V.  192,  193.  — v.  Schwabenau’sche  Petrefacten-Sammlung.  V 67.  — Trias  des 

Vertes-Gebirgs  und  des  Bakonyer  Waldes.  V.  164.  — - Woldfich’s  Schrift  über  das  Becken 

von  Eperies.  V.  46.  Hauer  (Karl  Ritter  v.).  Antimon-Erze  von  Pinkafeld.  V 302.  — Arbeiten 
im  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  67,  421,  533.  — Cokes  der  Wiener 

Gas-Anstalt.  V.  189.  — Donau-Wasser,  Analyse.  V.  34.  — Eisenquelle  von  Mauer  bei  Wien. 
V.  56,  85.  — Eisenerze  aus  Steiermark.  Analyse.  536,  V 302.  — Fossile  Brennstoffe  von 

West-Slavonien.  V.  117.  — Kohle  von  Beatenglücks-Grube,  V.  139  — Kohlen  - Eisenstein 

aus  dem  Banat,  Analyse.  533.  — Krystallogenetische  Studien.  V.  49.  — Maly’s  Analyse  eines 
Harzes  aus  Neu-Seeland.  V.  4.  — Metalle  (Verhalten  einiger)  in  der  Flamme  des  Schwefel- 
wasserstoff-Gases. V.  115.  — Preis-Medaille  der  Londoner  Ausstellung.  F.  268.  — Samm- 
lung künstlicher  Krystalle.  V.  10,  243,  251.  — Sorby’s  Abhandlung  über  die  mikroskopische 

Structur  der  Krystalle.  V.  9.  — Steinkohlen  von  Reschitza  und  Steierdorf.  V 212. 

(Einsendungen  von).  V 289.  — „Untersuchungen  über  den  Breunwerth  der  Braun- 

und  Steinkohlen  u.  s.  w.  der  Oesteri  eichischen  Monarchie“.  423.  — Wasser  der  Garser 

Quelle  und  des  Kamp’Flusses.  V.  107.  Haussmann  (Freih,).  Geologische  Karte  des  unter- 
irdischen Paris.  F.  86,  102.  Hawel  (Franz).  Wotwowitzer  Steinkohlen-Bergbau.  438. 
Herb  ich  (Franz).  Hauyiufels  von  Ditro.  F 64.  Heer  (Prof.  O.).  Betheilung  mit  dem 
Wollaston-Preise.  F.  209.  Hin  genau  (Freih.  0.).  Versammlung  des  Werner-Vereins.  V.  189. 
Höchstetter  (Prof.  F.  v.)  Ulrich’s  Schreiben  aus  Victoria  (Australien).  V.  23.  Hohen- 
egger(L.).  „Karte  der  Nord-Karpathen  in  Schlesien"  u.  s.  w.  V 131,  132.  Hohmann 
(0.).  Kohlenbau  von  Turan.  501,  502.  — Kreidegebilde  des  Schlaner  Beckens.  514.  Hörn  es 
(Dr.  M.).  „Die  fossilen  Mollusken  des  Tertiär-Beckens  von  Wien".  11.  Band.  (Bivalven.)  V. 
119,133,  274.  Hof-Mi  n er  alien-Cabinet.  Tertiäre  Säugethiere  von  Pikermi.  V.  286. 
Hyrtl  (Prof.).  Ernennung  zum  k.  k.  Hofrath.  F 259,  267. 

Jäg e r (Dr.  G ).  Wiener  Zoologischer  Garten.  237.  Jokely  (Prof.  J.).  Nekrolog.  V. 
253,  254,  260,  261,  262.  — Pflanzenreste  im  Basalt-Tuff  von  Alt-Warnsdorf  379.  — Pro- 
fessur zu  Ofen.  F.  169,  253.  — Quader  und  Pläner  des  Bunzlauer  Kreises.  367.  — Riesen- 
gebirg in  Böhmen.  396,  F 59.  — Rothliegendes  im  Jiciner  Kreise.  381,  V.  29.  — Stein- 

kohlen-Ablagerungen,  Rothliegendes  und  Kreide  im  Königgrätzer  Kreis.  V 169. 

Kahlik  (Frau  Jos.).  Geschenke  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  V.  118,  225, 
259,  293.  Kies  er  (Präsident).  Betheilung  mit  dem  Oesterreiehisch  - kaiserlichen  Leopolds- 
Orden.  F.  259,  267.  Kitz  (A.).  Kahlengehirg  von  Schlan.  496,  Kleszczynski  (Ed.). 
Eruptive  Gesteine  und  natürliche  Cokes.  V 19.  Kofistka  (Prof.).  Höhenmessungen  im 
Prager  Kreis.  519.  Kotz  (Freiinnen  Ernestine  und  Louise).  Geschenke  an  die  k.  k.  geolo- 
gische Reichsanstalt.  V.  133,  Kraus  (J.  B,).  „Montan-Handbuch  des  Oesterreiehischen 
Kaiserstaates."  F.  22,  23.  — „Sammlung  montanistischer  Gesetze  und  Verordnungen."  V 152. 
Krejci  (J.).  Geologie  von  Prag  und  Beraun.  223.  — Sammlung  böhmischer  Silur-Petrefacte 
für  die  k.  k.  geologische  Reiehsanstalt.  V.  128.  — Silurisehe  Colonien  in  Böhmen.  250,  251, 
253,  254,  257,  258.  Kutsehker  (J.  H.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt. 
V.  125. 

I^archer  (Aut.).  Steinkohlen-Bergbau  von  Kolec.  444,  447,  448,  449.  Leinmüller 
(Jos.).  Geschenke  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  V.  53.  Lenaz  (Ant.).  Rettung  der 
Expedition  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  bei  einem  Seesturrn.  U.  255.  Leonhard 
(K.  C.  v.).  Nekrolog.  V.  16?.  Lepowski  (M.).  Aufnahmen  in  der  Militärgrenze.  V.  298. 
L e t o c h a (A.).  Geschenke  an  die  k.  k.  geologische  Reiehsanstalt.  V.  63.  — Palaeomeryx 
und  Schildkröte  aus  dem  Nussdorfer  Tegel.  V 287.  L i g e r (C.  W.).  Geschenk  an  die  k.  k. 
geologische  Reiehsanstalt.  V.  246.  Li  11  v.  Lilienbaeh  (Max).  Geschenk  an  die  k.  k. 
geologische  Reichanstalt.  V.  299.  Lipoid  (M  V.)  Aufnahmsreisen  in  Böhmen.  234,  238, 
252,  288.  — Banande’s  silurisehe  Colonien  in  Böhmen.  1,  4,  11,  30,64  — Basalte  von 


312 


Pcrsonen-Register. 


Pardubitz.  V 155.  — Braunkohlen- und  Galmei-Bergbau  von  Ivanic.  V.  135.  — Eisenstein- 
Lager  von  Prasberg.  V.  299.  — Eisenstein-Lager  der  silurischen  Grauwacke  in  Böhmen. 
F.  175,  224.  — Eruptive  Gesteine  und  natürliche  Cokes.  V 19.  — Erz-Lagerstätten  von 
Raibl.  F 292.  — Gänge  des  Giftberges.  F 195.  — Gesteine  aus  Klein-Asien.  F.  299.  -- 
Grauwacke  (silurische)  in  Böhmen.  F 284.  — Jokely’s  Abhandlung  über  das  Riesengebirg 
in  Böhmen.  F 59.  — — — über  das  Rothliegende  in  Böhmen.  F.  29.  — Karte  (geolo- 
gische) von  Böhmen.  F.  68.  — Kreide  im  Prager  und  Bunzlauor  Kreis.  F.  48.  — Mineralien 
und  Petrefacte,  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt  eingesendet.  F.  118.  — Olmütz  und 
Umgebung.  F 19.  — Parallelisirung  der  Silur-Schichten  in  Böhmen  und  England.  F.  284, 
285.  — Pardubitz,  Königgratz,  Neu-Bidsow,  Königsstadtl  und  Elbe-Teinitz.  F.  105.  — 
Petrefacte  von  Hohenelbe  und  von  Vils.  F 225.  — — aus  Mähren.  F.  3.  — Rolhliegen- 

des  in  Mittel-Böhmen.  F 30.  — Steinkohlen-Gebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager 
Kreises.  431.  Lissaboner  k.  Akademie.  Abhandlungen  und  Annalen.  F.  298.  Londoner 
Geologische  Gesellschaft.  Preisvertheilungen  und  Jahreswahlen.  F 38,  209.  Lyell 
(Sir  Ch.).  Theorie  der  silurischen  Colonien.  50. 

Maier  (K.).  Sammlungen  von  tertiären  Petrefacten.  F.  121.  Maly  fR.).  Analyse 
eines  Harzes  aus  Neu-Seeland.  F 4.  Mar  yska  (Pfarrer).  Geschenk  an  die  k k.  geolo- 
gische Reichsanstalt.  F 80.  Maskelyne  (N.  St.).  Meteoriten  des  Britischen  Museums. 
F 244.  Merck  (Freiherr).  Kryolith.  F.  86,  118.  Mojsisovics  (E.  v.).  Hierlatz-Schich- 
ten.  F.  291.  M ü 1 1 e r (Dr.  Ferd.).  Liger’s  Karte  der  Colonic  Victoria  (Australien).  1.246. 

— Tertiär-Petrefacte  aus  Ballaraat  (Australien).  F.  80.  M ü 11  n e r (L)r.  F.).  Petrefacte  von 
Radmannsdorf.  F 118.  Murchison  (Sir  R.  J.).  Theorie  der  silurischen  Colonien.  53.  — 
Excursionen  im  Silur-Gebiete  von  Böhmen.  F 268,  269,  270. 

Na  tu  r fo  rscli  er  - Versam  m 1 u ng  zu  Karlsbad.  F.  272.  Naumann  (Prof.  K.) 
„Handbuch  der  Geologie“,  2.  Band,  2.  Abtheilung.  F.  259.  Nechay  v.  F e I s e i s (J.).  Ge- 
schenk an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  F.  246. 

Oldh  am  (Th.)  Abbildungen  fossiler  Pflanzen  aus  Ostindien.  F.  80.  — Geologische 
Aufnahme  von  Ost-Indien.  V.  244,  245. 

Partsch  (P.).  Ammoniten  im  Dachschiefer.  F.  46.  Paul  (K.  M.).  Aufnahmsreisen 
in  Böhmen.  F.  234,  239,  253,  295.  Rhätisehes,  Jura  und  Lias  des  Bakonyer  Waldes.  F.  226. 

— Verrucano  und  Werfend*  Schiefer  des  Bakonyer  Waldes.  F.  205.  — Pa  vai  (Dr.  AI.  v.). 
Nördliches  Siebenbürgen.  F 194.  Peters  (Dr.  K.).  ßaranyer  Comitat.  F.  58.  — „Geolo- 
gische und  mineralogische  Studien  aus  dem  südöstlichen  Ungarn.“  F.  101.  Pichler  (Prof.). 
Fauna  der  Hierlatz-Schichten  in  Tirol.  F.  130.  — Gcognosie  Tirols  (zur)  531 . — Haller 
Salzberg.  F 194.  — Posepny  (Franz).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt. 
F 226.  — Karte  des  Mittellaufs  der  Lapos.  F 192,  193.  Polytechnische  Institut 
(Geschenk  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  an  das  Wiener  k.  k.).  F.  280.  Porlh  (E.). 
Kupfer-Lagerstätten  von  Rochlitz.  413.  - Rothlicgendes  im  Jiciner  Kreis.  381,  388,  391. 

O u a g 1 i o.  Hauyinfels  von  Ditro.  F.  64. 

Rainer  (Erzherzog,  kais.  Hoheit).  Besuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  F.  93 
Reuss  (Prof.  A.  E.).  Rakonitzer  Becken.  485,  491,  496,  504.  — Kreidegehilde  in  Böhmen. 
511,  514.  Ribeiro  (Don  Carlos).  Sendung  nach  Wien.  V.  98.  — Umgebung  von  Lissabon 
(Geologie  und  Hydrographie  der).  F.  298.  R i c hte  r (Jos.).  Betheilung  mit  dem  silbenen 
Verdienstkreuz  mit  der  Krone.  F.  71,  72,  92.  Richthofen  (Freih.  Ferd.).  Kalk-Alpen  von 
Vorarlberg  und  Nord-Tirol.  87.  — Schreiben  aus  Calculta.  F.  244,  245.  Roche  1 (A.). 
Gesteine  aus  Klein-Asien.  F.  299.  Römer  (Prof  Ferd.).  Rotlier  Marmor  von  Ki ritein.  F.  69. 

— Silurisches  in  Galizien.  F.  294,  295.  Roki  tansky  (Prof.).  Ernennung  zum  k.  k.  Hof- 
i ath.  F 259  , 267. 

S§apetza  (Joseph).  Chrysolith  von  Hotzendorf.  F 74,  80.  — Petrefacte  für  die  k.  k. 
geologische  Reichsanstalt.  F 118.  — Pseudomorphosen  nach  Aragonit.  F 86.  Schaum- 
burg-Lippe (Prinz  Wilhelm  zu).  Besuch  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt.  F 62. 

— Geologische  Begehungen.  F 175.  Schmerling  (Seiner  Exc.  Ritter  Anton  von).  Besuch 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  F 185,  266.  Schmidt  (C.).  ßodenkarte  von  Mähren. 
F 189, 190.  Schmidt  (J.).  Kohlenbaue  von  Buschtehrad-Kladno.  473.  Schott  (Ferd.). 
„Notizen  über  geognostisch-bergmännische  Vorkommen  im  Krakauer  Gebiet“  u.s.w.  F.  85,86. 
Schupansky  (G).  Kohlenbau  von  Rakonitz.  491,  504,  509.  Schwabenau  (Hofrath  von). 
Petrefacten -Sammlung.  V.  67.  Seifert  (A.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichs- 
anstalt. F 225.  Sella  (Q  ).  Programm  der  geologischen  Aufnahme  von  Italien.  F.  305,306. 
S enarmont  (G.  de).  Ableben.  F.  260.  Senoner  (Ad.).  Betheilung  mit  dem  k.  griechi- 
schen Erlöser-Orden.  F 99.  — „Ueborsicht  der  Sammlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt“. F 99.  Seyffertitz  (Freiherr  K.).  Granit  aus  einem  erratischen  Block.  F.  189. 
Seykotta  (M.  A.).  Steinsalz -Production  von  Wieliczka.  F 87.  Siineftinger  (M.). 
Geschenk  an  die  k,  k.  geologische  Reichsanstalt.  F 245,  246.  — Petrefacte  von  Mährisch- 
Trübau.  F 297.  Sorby  (H.  C.).  Mikroskopische  Struetur  der  Krystalle.  V.  9.  Spinelli 


Orts-Register. 


313 


(J.  B.).  Ammoniten  aus  dem  Medolo.  V 166.  S ta  ats-Mi  nisterium  (k.  k ).  Werk  über  die 
Wasserversorgung  der  Stadt  Wien.  V.  7.  Stäche  (Dr.  G.).  Aelteres  Tertiäres  im  west- 
lichen Siebenbürgen.  V.  5,  6.  — Aufnahmsreisen  in  Dalmatien.  235,  240,  241,  257,  271. 

— Basalte  des  Bakonyer  Waldes.  V 145.  — Eocenes  des  Bakonyer  Inselgebirges.  V.  210. 

— Jüngeres  Tertiäres  des  Bakonyer  Waldes.  V.  124.  — Petrefacte  aus  dem  Lapos-Gebiet. 
V.  226.  — Quellengebiet  der  kleinen  Szamos.  V.  31.  Stamm  (Dr.  Ferd.).  Phosphorit  in 
Oesterreich.  V.  190  Steiermärkischer  Naturwissenschaftlicher  Verein  zu  Gratz. 
V.  305.  Stoliczka  (Ferdinand).  Aelteste  menschliche  Ueberreste.  V.  160.  — Aufnahms- 
reisen in  der  Militärgrenze.  V 235,  239,  210,  254,  256.  — Geologische  Aufnahme  von  Ost- 
indien (Anstellung  bei  der).  V.  285.  — Jung-Tertiäres  im  südwesllichen  Ungarn.  V.  217. 

— Krystallinische  Schiefer  im  südwestlichen  Ungarn.  V.  114.  — Oguliner  und  Szluiner 
Regiments-Bezirke.  526,  V 285.  — Tertiäre  Petrefacte  der  Süd-Alpen.  V 16.  Straßhey. 
(General  R.).  Trias-Petrefacte  aus  Ost  indien.  V.  258.  Stur  (D).  Aufnahmsreisen  in 
Croatien.  V.  234,  240,  256.  — Fossile  Pflanzen.  V.  140.  — Karte  der  Umgebungen  Wiens 
(neue  Ausgabe  der  Czjzek’schen).  V.  102.  — Landstrich  zwischen  Drave  und  Save.  V.  115. 

— Neogenes  im  westlichen  Slavonien.  285.  — Pflanzenresten  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt 
(Ordnung  djr  Sammlungen  von).  V.  99,  100,  276.  — Sibirisches  in  Galizien.  V.  294.  — 
Südliches  Siebenbürgen.  V.  12,  13.  — Tertiäres  im  südwestlichen  Siebenbürgen.  V.  59,  60. 

— West-Slavonien.  V.  200.  Suess  (Prof.  E.).  Boden  von  Wien  (Werk  über  den).  V.  217. 

— Keltische  Alterthümer  in  Nieder-Oesterreich.  V.  163,  164.  — Schreiben  aus  London. 
V.  258.  — Sibirische  Colonien  in  Böhmen.  55,  V.  153.  — Tertiär-Säugethiere  von  Pikermi. 
V.  286.  — — des  Wiener  Beckens.  V 287. 

Xch^hatchef  (P.  v.).  Vesuv  im  December  1861.  V.  179.  Trzeciecki.  Naphtha- 
Quellen  in  Galizien.  V.  197.  Turczma  novicz  (P.).  Steinsalz  mit  Trüffelgeruch.  V.  8. 

Ulrich  (G.).  Schreiben  aus  Victoria  (Australien).  V 23.  Unger  (Prof.  C.  von 
Ettingshausen’s  Reclamation  gegen  Prof.).  V.  151  Ussner  (Al).  Wiener  Zoologischer 
Garten.  V.  237. 

W e r n e r-Ver e i n.  Jahresversammlung.  V.  189,  190.  Wiener  k.  k.  Geographische 
Gesellschaft.  Uebertragrng  der  Sitzungen  in  das  k.  Akademie-Gebäude.  V.  72,  92, 
Wiener  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse. 
Gründung.  V.  55.  Wilczek  (Graf  Job.).  Wiener  Zoologischer  Garten.  V.  237.  Wlach 
(J.  C.).  Bohrungen  in  den  Steinkohlen-Schichten  von  Kolcc.  445.  Woldfich  (Dr.  J.  N.). 
„Beiträge  zum  Studium  des  Beckens  von  Eperies“.  V.  46.  — Tegel-Petrefacte  von  Olmütz. 
V.  304.  Wolf  (H.).  Arader  Gebii  gsarten.  V.  22.  — Aufnahmsreisen  in  Böhmen.  234, 
239,  253,  254,  303.  — Brünn,  Boskowitz  und  Olmütz.  V.  19,  20,  21.  — Chrudimer  und 
Königgrätzer  Kreis.  V.  303.  — Durchschnitte  des  Untergrundes  von  Wien.  V.  8.  — Elisabeth- 
Westbahn  (Profil  der).  V.  223.  — Goeppert  und  Römer  (Miltheilungen  der  Prof.).  V.  69. 

— Köros-Thal.  V.  14.  — Mastodon  (Reste  von).  V.  22.  — Petrefacte  von  Mährisch-Trübau. 
V.  297.  — Tertiäres  und  Diluvium  zwischen  Olmütz  und  Brünn.  V 51.  — Vrdnik-Gebirg. 
V.  158.  — Warasdin-Kreutzer  und  St.  Georger  District,  V.  215.  — Warasdin-Teplitz  und 
Kalniker  Gebirge.  V 227. 

SB  enger  (Prof.  C.  W.).  Geschenk  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  V.  10. 
Zepharovich  (Prof.  V.  v.).  „Erläuterungen  zur  Sammlung  für  das  Studium  der  Eigen- 
schaftslehre“. V.  18.  Zippe  (Prof.  F.  X.  M.).  Glückwünschungs-Schreiben  der  k.  k.  Geolo- 
gischen Reichsanstalt.  V.  1.  Zirkel  (Dr.  Ferd.).  Massengesteine  des  Melcghegy.  V.  121. 
Zittel  (Dr.  K.).  Aufnahmsreise  in  Dalmatien.  V 240,241,271.  Zollikofer  (Th.  v.). 
Nekrolog;  V.  264.  — SüdöstJ.  Ober-Steiermark.  311.  — Tertiäres  Becken  von  Gratz.  V.  11. 


II.  Orts-Register. 

Abbeville  (Frankreich).  Feuersteine  (verarbeitete)  im  Diluvium.  V.  160,  161. 
Achen-Thal  (Tirol).  Geologischer  Bau.  155,  156.  Aflenz-Thal  (Vorarlberg).  Trias 
und  Lias.  92,  93.  Algäu  (bayerisches).  Gebirgsbau.  125.  Almejur-Tha!  (Vorarlberg). 
121.  Alpen.  Megalodus-Arten.  V.  130.  —(südliche).  Eocene  Petrefacte  aus  Basalt-Tuff. 
V.  16,  17.  — (Gümbel’s  Werk  über  die  bayerischen).  V.  39,  243,  244,  280,  281.  Alpcr- 

sehon-Thal  (Tirol).  Profil  der  Trias.  117,118.  Alsohagymäs  (Siebenbürgen).  Tert. 
Petrefacte.  V.  194.  Al  t- Warns  d or  f (Böhmen).  Flora  des  Basalt-Tuffes.  379.  Andels- 
buch (Vorarlberg).  Profil  nach  Tamüls.  176.  Arader  Comitat  (Ungarn).  Gebirgsarten. 
V.  22.  Arlberg  (Tirol).  Trios  und  Lias.  87,99,  100,  101.  Arpad  (Ung,).  Cardien  der 
Congerien-Schichten.  V.  121.  Atzgersdorf  bei  Wien.  Mastodon.  V.  22.  Au  (Vorarlberg). 
Jurassisches.  163.  Auekland  (Neu-Seeland).  Harz  aus  der  Braunkohle.  V 4.  Australien. 


314  Orts-Register. 

Goldfelder.  V.  23,  24,  25.  — Petrefacte.  V 80.  Avanza-Graben  (Venet.).  Fahlerze. 
V.  107,  108. 

Back-Creek  (Neu-Holland).  Goldgebiet.  V.  24.  Bakonver  Wald  (Ungarn). 
Basalt.  V.  145.  — Eocenes.  V.  210.  — Geologischer  Bau.  V.  76,  77,  84,  124,  145,  164,  205, 
210,  226.  — Jura,  Lias  und  Rhiitisches.  V.  226  — Petrefacte.  V.  67,  77.  — Tertiäres. 
V.  124,  210.  — Trias.  V,  164.  — Verrucano  und  Werfener' Schiefer.  V.  205.  Balan 

(Siebenbürgen).  Hauyinfels.  V.  64.  Banat.  Geologische  Aufnahme.  I’.  62.  — Geologische 

Karte  der  Staats-Eisenbahn- Domänen.  V.  152.  — Lias  (kohlenführender).  V.  214.  Bara- 

nyer  Comitat  (Ungarn).  Geologische  Beschaffenheit.  V.  58.  Baumgarten.  Braunkohle, 
Probe.  534i  Bayreuth.  Fossile  Pflanzen.  V.  143.  144.  Beat  e ns  gluck- Grabe  (Pr.  Schle- 
sien). Steinkohle.  V.  139.  Belec  (Böhmen).  Silurisehe  Colouie.  24,  32,  35.  Belvedere  zu 
Prag.  Durchschnitt.  250.  Beneschau  (Böhmen).  Grauilgebirg.  U.  61.  Benkovaz  (Sla- 
vonien).  Neogener  Tegel.  288.  Be  raun  (Böhmen).  Geologische  Aufnahmen.  223.  Berchtes- 
gaden (Gebirg  zwischen  Seef-dd,  den  Alpen  von  Salzburg  und).  144.  Bernhards- 
Thal  (Tirol).  Algäu-Schichten.  127.  Berszaszka  (Militärgrenze).  Braun-  und  Steinkohlen, 
Proben.  70,  71.  Bes  ko  (Galizien).  Naphtha-Quellen.  U.  196  Bethlcn  (Siebenbürgen).  Reste 
von  Hirschen.  V.  194.  Betzeck  (Vorarlberg).  Durchschnitt.  182.  Bezau  (Vorarlberg).  Profil 
nach  Andelsfluh  und  Tainüls.  176,  185.  Bi  rtu  I tau  (Pr.  Schlesien).  Kohlen,  Probe.  F.  534. 
B i s tri  t z a-G  r a h e n (Steierm.)  Profil.  333.  Blacko  (Simonien).  Braun-Eisenstein.  V.  117. 
ßludenz  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  87,  89,  90,  92,  93.  B o c k b a c h - T h a I (Tirol). 
Lias.  120.  Böhmen.  Araueariten  im  Rot  Mietenden.  V.  30.  — Colonien  in  dei  S lur-Forination. 
1,  7,  11,  30,  53,  55,  64,  207,  208,  247,  250,  251.  253,  258.  — Eisenstein-Lager  in  der 

Silur-Grauwacke.  V.  175.  176,  224.  - Geologische  Aufnahme  V.  54,  68,  7 i,  73,  75,  76, 

81,  93,  94, T05,  127,  219,  221,  234,  238,  239,  252,  253.  V.  260.  288,  295.  — Kreidegebilde. 
511  — Riesengebirge.  396.  — Silurisehe  Gebilde  4,  60,223.  V.  72,  73,  75,  128,  128, 

129,  153,  175,  176,  224,  269,  270,  284. Grauwacke.  V.  284.  — Siiur-Peli e- 

facte.  V.  129.  Böhmisch -Bio  d.  Rothliegeudes.  V.  30.  Bos  ko  w i tz  (Geologie  des  Land- 
strichs zwischen  Olmutz,  Bi  unn  und).  V.  20,  21.  Brandeisl  (C  »Innen).  Bohrungen  im 
Steinkohlen-Gebirg.  448,451,  452.  — Kohlenflötze.  450.  Brauik  bei  Prag.  Silurisehs. 

276.  Bras  (Böhmen).  Steinkohlen-Becken.  V.  110.  Brda-Gebirg  hei  Prag.  Silurisches. 
239.  B re  ge  n z e r -A  c h e (Vorarlberg).  Durchbruch.  108,  109,  182.  Breitensee  hei  Wien. 
Fossile  Pflanzen  und  Conchylien.  V.  63.  Brenten- Kopf  (Tirol).  Durchschnitt.  151  Bri- 
1 o ff  (Istrien).  Braunkohle.  V.  289.  B rix  I egg  (Tirol).  Hierlatz-Pelreläele.  V.  130  Brodec 
(Böhmen).  Bohrungen  im  Steinkohlen-Gebirge.  447.  Br o oder  Gebirg  (Slavonien). 
AelteresNeogenes.  295,  296.  Brünn.  (Geologie  der  Gegend  zwischen  Boskowitz,  Olmutz  und) 
V.  21,  22.  — (Tertiäres  und  Diluvium  zwischen  Olmü  z und).  U.  49,  51.  Brunnberg 

(Böhmen).  Ansicht.  402.  B r u nnersdo  r f (Böhmen).  Steinkohle,  Probe.  423.  Bruska  hei 
Pi'ag.  Silurisehe  Colonie  „Zippe“.  51,  55,  56,  59,  62,  64,  250,  251,253.  ßunzlaiicr  Kreis 
(Böhmen).  Quader  und  Pläner.  367,  373,  377.  V.  48.  Burzenland  (Siebenbürgen). 
Gebirgsbau.  V.  20.  Bustehrad  (Böhmen).  Steinkohkn-Formation.  446,  447,  454,  455, 
465,  466,  467,  469. 

Calcutt  a.  Schreiben  des  Freiherrn  v.  Riehthofen.  V.  244,  245.  C a m p b e 1 1 ’s  G r e e k 
V a 1 1 ey  (Neu-Holland).  Goldfeld.  V 24.  C an isfluh  (Vorarlberg),  Jurassische  Gebilde.  163, 
167,  175,  176,  177.  Cer  nositz  (Böhmen).  Silurisehe  Colonie.  18,  19,  36,  39,  44.  Cerwena 
Hora  (Böhmen).  Felsit-Porphyr.  230.  Chru dinier  Kreis  (Böhmen).  Geologische  Aufnahme 
V 127,  295,  303.  — Gneiss-Gebiet.  V.  177.  Gigei nik  (Slavon).  Süsswasser-Kalk.  298, 
299.  Cilli  (Steierm.).  Neogene  Kohle.  340.  — Porphyr.  354.  — Sandstein  des  Leitha-Kalkes. 
343.  - — Tertiäres  Becken.  318,  319,  320,  335.  Clausthal.  Grubemisse.  V.  66.  Cludinico 
(Istrien).  Triaskohle,  Proben.  70.  Croatien.  Geologische  Aufnahme.  V.  79,  82,  94,  115, 
123,  234.  Csertest  (Siebenbürgen).  Goldstufen.  V.  246.  Czaslauer  Kreis  (Böhmen). 
Geologische  Aufnahme.  V 127.  — - Gneiss-Gehiet.  V.  177,  178. 

Daisy  Hill  (Neu  Holland).  Goldfeld.  V.  24,  25.  Dalaas  (Vorarlberg).  Profil.  96. 
Dalmatien.  Braunkohlen,  Proben.  71.  — Geologische  Aufnahme.  U.  221,  235,  241,  257,  271. 
— Kreidegebilde.  V 271.  Daruvar  (Slavonien).  Trias.  V.  202.  Didamskopf  (Vorarlberg). 
Neocomes.  187.  Ditro  (Siebenbürgen).  Hauyinfels.  V.  64.  D lug oszin  (Galizien).  Galmei- 
Lagerstätten.  V 85,  86.  Dok  es  (Böhmen).  Bohrungen  im  Steinkohlen-Gebirg.  463.  Donati- 
Berg  (Steierm.).  Profil.  314.  Donau.  Analyse  des  Wassers.  V.  34.  Dornbirn  (Vorarlberg). 
Granit  in  einem  erratischen  Block.  V.  189.  — Nunimulitische  Gebilde.  199,  200.  — Profil 
gegen  Gölzis.  181.  Dr achen b urg  (Steierm.).  Profil-  333.  Drau-Save-Gebirg  (Steierm.). 
Orographie.  313.  Dfinow  (Böhmen).  Quader.  513.  Dürrach-Thal  (Tirol).  Dolomit.  155. 
Dvorec  bei  Prag.  Silurisches.  249,  276. 

JEggenburg  (Nieder-Oesterreieh).  Behauene  Feuersteine.  V.  163,  164.  Eisenbrod 
(Böhmen).  Grünsteine  des  Riesengebirges.  407.  Elbe-Teinitz  (Böhmen).  Krystallinisches 
Gestein.  V.  135.  Elbin  gen  - Alp  (Tirol).  Trias  und  Lias  135.  Eimen  (Tirol).  Jüngerer 


Qrfs-Regisfer. 


315 


Lias.  140.  E n gl  and.  Sibirische  Sehichtenfolge  mit  der  des  centralen  Böhmens  parallelisirt. 
F.  284.  285.  Eperies  (Ungarn).  Tertiäres  Becken.  F 46.  Euba  (Königreich  Sachsen). 
Paradoxit.  F 86.  Europa.  Eoeene  Flora.  F 149,  151,  152.  — (B.  v.  Cotta’sWerk  über  die 
Erz-Lagerstätten  von).  V 112, 

Falgendorf  (Böhmen).  Melaphyr  des  Rothliegenden.  386.  Feldkireh  (Vorarlberg). 
Kreidegebilde.  182.  Fereskul  (Galizien).  Schwefelquelle.  F 222,  223.  Feuer  stätter 
Berg  (Vorarlberg).  Jurassisches.  164.  — — Kreide.  186.  Fogaras  (Siebenbürgen). 
Gebirgsbau.  F 1,  2.  Formarin  (Vorarlberg).  96,  103.  Freudenthal  (Militärgrenze). 
Chrom-Eisenstein.  421.  Fuchsberg  (Böhmen).  Ansicht  der  Schneekoppe  und  des  Brunn- 
Berges.  402.  Fünfkirchen  (Ungarn).  Geologie  des  Gebietes.  F 58.  Füred  (Ungarn). 
Myaciten-Schiefer.  F.  206.  Fulnek  (Mähren).  Gryphaea  Cochlear.  F 118.  — Trichoma- 
nites.  F 70. 

Galizien.  Naphtha-Quellen,  F,  196.  — Sibirisches.  F 294.  — (östliches).  Petrefacte 
der  Kalkgebilde  am  unteren  Dniester.  F.  69.  Galzein-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  138. 
Gars  (Nieder-Oesterreich).  Quellwasser.  F.  107.  Giess  hü  bei.  (Böhmen).  Syenit.  F 303. 
Giftberg  (Böhmen).  Eisenstein-Lager  und  Gänge.  F 195.  Gleinstetter  (Steierm.).  Glanz- 
kohle, Probe.  69.  Glei  rsch -Thal  (Tirol).  Hallstätter-Kalk.  149.  Glesenze  (Vorarlberg). 
Algäu-Schichten.  106.  Graba  ch  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  99,  102,  119,  120.  Gradac 
(Slavonien).  Krystallinisches  Gestein.  F 201.  Gr a ts  ch  n i t z a - Gr  a b e n (Steiermark). 
Kalktuff.  353.  Gratz.  Tertiäres  Becken.  F.  11.  217.  Gredistje  (Slavonien).  Braunkohlen- 
Flötze.  292,  293.  — Krystallinisches  Gestein.  F 201.  — Nullipos en-Kalk  292.  Greinburg 
(Ober  - Oesterreich).  Glimmer,  pseudomorph  nach  Cordierit.  F 304.  Gries  au  (Tirol). 
Jüngerer  Lias.  140.  Grönland.  Kryolith.  F.  86,  118.  Gross-Aupa  (Böhmen).  Kupfer- 
Bergbau.  41 G,  — Kupferkiese,  Proben.  535.  G ross -Göritz  a (Croatien)  Braunkohle. 
F.  289.  Gross-Kuh  el  bei  Prag.  Colonien,  211,  247,  257,  258.  — Oberes  Sibirisches.  278. 
— Unteres  Sibirisches.  257.  Grub-Spitz  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  103.  Grünten 
(Vorarlberg).  Hebung  der  Kreideschichten.  191.  Gurkfeld  (Krain),  Tertiäre  Petrefacte. 
F.  53.  Gypsi-Tobl  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  103,  105. 

Hafner-Thal  (Steiermark).  Neogene  Fauna.  343.  Hall  (Tirol).  Geologischer 
Bau  des  Salzberges.  147.  — Pflanzenreste  im  Salzthon.  F,  194,  195.  Harrachsdorf 
(Böhmen).  Bleierze.  420.  Harz  (oberer).  Grubenrisse.  F 66.  Haselberg  (Nieder- 
Oesterreich).  Keltische  Alterthümer.  F.  164.  Ha werna  (Böhmen).  Malakolith  mit  Kalk- 
steinen. 408,417.  H ei  ligen  kreu  z (Steiermark).  Neogenes  Kohlenflötz.  346.  Hideg- 
küt  (Ungarn)  Werfener  Schiefer.  F.  206.  Hinterau-Tha  1 (Tirol).  Hallstätter  Kalk. 
149.  Hiscow  (Böhmen).  Steinkohlen-Becken.  524.  Hluboeep  bei  Prag.  Silurische 
Schichten.  32,272.  H och-Fr  eschen  (Vorarlberg).  Valenginien.  167,182.  Hoch-Ifer 
(Vorarlberg).  Jura-  und  Valenginien-Gebilde.  167,  185,  187.  Hoch-Krumbach  (Vorarl- 
berg). Trias  und  Lias.  HO.  Hoch-Nissel  (Tirol).  Durchschnitt.  151.  Hochvogel 
(Vorarlberg).  Dolomit.  122.  Höllen  tobe]  (Vorarlberg).  Profil.  96.  Hohenegg 
(Steiermark).  Profil.  325.  Hobenelbe  (Böhmen).  Fährten  eines  Sauriers  F.  118,  225, 
294.  — Geologie  der  Umgebung.  F 76.  — Granitit.  403.  — Koprolithen.  535.  — Petre- 
facte. F 293,284.  Hohenems  (Vorarlberg).  Nummuliten-Schichten.  199.  — Profil 
gegen  die  Hohe  Kugel.  178.  — Profil  des  Rhein-Thaies.  181.  Hopfreben  (Vorarlberg). 
Störungs-Linie  der  Trias  und  des  Lias.  115,  Horn- Thal  (Vorarlberg).  Durchschnitt. 
122,  123.  Hostomnic  bei  Prag.  Unteres  Sibirisches,  239.  Hotzendorf  (Mähren). 
Mineralien  und  Pseudomorphosen.  V.  74.  Housina-Berg  bei  Prag.  Silurisches.  255. 
Hronow  (Böhmen).  Steinkohlen-Ablagerungen.  F.  169,  170.  Hryniawa  (Galizien). 
Schwefel wasser.  F 222,  223. 

Jagma  (Slavonien).  Süsswasser-Kalk  auf  Lignit.  298.  Jamnitza  (Slavonien). 
Mineralquelle.  534.  Jaromiefic  (Mähren).  Tegel-Petrefacte.  F 297.  Jaworzno  bei 
Krakau.  Steinkohlen-Formation.  V 85,  86.  Jenbach  (Tirol).  Hallstätter  Kalk.  152. 
Jerovec  (Croatien).  Braunkohlen-Flötze.  F 138.  Jeschkowitz  (Steiermark).  Grün- 
stein. 359.  Jessen  ei  (Böhmen).  Braun-Eisenstein  in  diluvialem  Lehm.  418.  Jicin 
(Böhmen).  Geologie  der  Umgebung.  F 76.  Ji  einer  Kreis  (Böhmen).  Rothliegendes.  381. 
Jilow  (Böhmen).  Melaphyr.  409.  II 1 — Thal  (Vorarlberg).  Verwerfungs-Spalte  des  Trias 
und  des  Lias.  92.  Imst  (Tirol).  Südliche  Grenze  des  Kalkgebirges.  135,136.  Inns- 
bruck. Trias  und  Lias.  144,147.  Inn-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  135,136,  158. 
Joachims t-hal  (Böhmen).  Chemische  Aerarial-Fabrik.  F.  272,  273.  Johannesbad 
(Böhmen).  Warmquelle.  410.  Iser-Fluss  (Böhmen).  Diluviale  Lehme.  409.  Italien 
(Sella’s  Bericht  über  die  geologische  Aufnahme  von).  F 306.  Ivansica-Gebirg 
(Croatien).  Braunkohlen-Formation.  F 136,  137.  — Galmei-Bergbau.  F 135.  — Geologi- 
scher Bau.  F 82,  83,  135.  — Lignit.  F 216. 

Ka  is e r - B er  g (Böhmen).  Melaphyr  des  Rothliegenden.  386,387.  Kai  ser-Gebi  rg 
(Tirol).  Hallstätter  Kalk.  160.  Kaiser-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  121.  Kalna 


310 


Orts-Regisler. 


(Böhmen).  Saurier-Fährten.  F 118,  225.  Kalniker  Gebirg  (Croatien)  Geologischer 
Bau.  V 229.  Kamenitz  (Böhmen).  Braun-Eisenstein.  418.  Kamensk  y Verh  (Böhmen). 
Basalt.  517.  Kamensko  (Slavonien).  Krystallinisches  Gestein.  F.  201.  Kamp-Fluss 
(Nieder-Oesterreich).  Analyse  des  Wassers.  V 107.  Karbende  I-Gebirg  (Tirol).  Hall- 
stätter Kalk.  142.  Kardo  sr  et  (Ungarn).  Adnetber  und  Jura-Schichten.  V 228.  Karlik 
(Böhmen).  Sibirische  Colonie.  20,32,35,36,37,44.  Karlsbad.  Naturforscher-Versamm- 
lung. V.  271,  272.  Karlstadt  (Militärgränze).  Geologische  Verhältnisse.  526.  Karl- 
stein (Böhmen).  Oberes  Silurisches.  256,  278,  279.  Karpathen  (nördliche)  in  Schlesien, 
Mähren  und  Galizien,  Hohenegger’s  Karte.  V 131,  132.  Kaurzimer  Kreis  (Böhmen). 
Geologische  Karte.  V.  5.  Kiritein  (Mähren).  Rother  Marmor.  F.  69.  Kis-Falud 
(Ungarn).  Granit.  V.  122.  Kladno  (Böhmen).  Quader.  515.  — Steinkohlen-Bergbau.  474. 
— Steinkohlen-Formation,  446,  460,  461,  462,  470.  Kl  ein- Asien.  Gebirgsarlen.  V.  299. 
Klein-Aupa  (Böhmen).  Aufgelassener  Bergbau.  416.  — Malakolith  mit  Kalkstein.  408. 
Klein-Borowitz  (Böhmen).  Stamm  von  Araucaria.  395.  Klein-Kirchheim  (Kfirnthen). 
Katharina  - Heilquelle.  V.  79.  Klcin-Prilep  (Böhmen).  Steinkoblen-Becken.  F.  523. 
Klein-Zell  (Nieder-Oesterreich).  Mineralwasser.  534.  Kloster-Thal  (Vorarlberg). 
Trias  und  Lias.  92,93,97,98,99,101.  Knappenboden  (Tirol).  Schichtenstörung  der 
Trias  und  des  Lias.  124.  Kogelanger  (Steiermark).  Eisenerze.  536.  V.  300,  302. 
Königgrä  tzer  Kreis  (Böhmen).  Kreidegebilde.  295.  — Krystallinische  Gesteine.  V.  303. 
Könnend  (Ungarn).  Neogener  Schotter  und  Sand.  V 84.  Köröshegy  (Ungarn).  Hier- 
latz-Schichten.  F 228.  Köros-Thal  (Ungarn).  Geologische  BeschalTenheit.  V.  14.  Kohl- 
berg (Steiermark).  Eisenerze.  536.  F.  300,302.  Kolec  (Böhmen).  Steinkohlen-Formation. 
444.  445,  446.  Komorau  (Böhmen).  Gänge  des  Giftbergs.  F.  195.  Koneprus  (Böhmen). 
Oberes  Silurisches.  30,281.  Ko  rno  (Böhmen).  Silurische  Colonie.  27,32,35.  — Unteres 
Silurisches.  256.  Koso  r (Böhmen).  Silurische  Colonie.  18,  36,  39, 44.  Koukolova  Hora 
bei  Prag,  Kalk  des  obern  Sibirischen.  269,  270.  Koväcs  (Siebenbürgen).  Eocenes. 
V.  193,  226.  Kozäkow  (Böhmen).  Basalt.  409.  Kozinec  (Böhmen).  Stämme  von  Arauca- 
rien.  393.  Kra  insch  itza  (Steiermark).  Sclnvefclkies-Lager.  364.  Krakau  (geogno- 
stisch-bergmännische  Verhältnisse).  F.  85,  86.  Kralup  (Böhmen).  Steinkohlen-Snndstein. 
437.  Kronstadt  (Siebenbürgen).  Burzenländer  Gebirg.  F.  20.  Kroucow  (Böhmen). 
Kohlenflötze  im  Rothliegenden.  509,510.  — Quader.  515.  Kü hj  o c h -T ha I (Tirol). 
Profil.  118.  K ü nz  I e - Spi  tz  (Vorarlberg).  Dolomit.  107.  K u fs  te  i ii  (Tirol).  Hallstätter 
Kalk.  159.  Kuheibad  bei  Prag.  Bituminöser  Kalkstein  des  obern  Silurischen.  271,275. 
— Plastischer  Thon.  283.  Kumreu  tz  (Steiermark).  Neogene  Fauna:  345.  Kunetitzer 
B erg  (Böhmen).  Basalt.  F.  156.  Kutjevo  (Slavonien).  Krystallinisches  Gestein.  V.  201. 
Kutina  (Slavonien).  Paludinen-Kalk.  297.  Kuty  (Galizien).  Schwefelquelle  von  Hryniawa. 
F 222,  223. 

I^aak  (Steiermark).  Gewundene  Gailthaler  Schiefer.  323.  Laimser  Joch  (Tirol). 
Kössener  Schichten.  151.  Lana-R  u da  (Böhmen).  Steinkohlen-Formation.  480.  Land  eck 
(Tirol).  Trias.  116,119,135,  136.  Lapos-Fluss  (Siebenbürgen).  Geognoslische  Karte 
des  mittlern  Laufes.  F.  192,  193.  Lasnitz-Graben  (Steiermark).  Porphyr-Brcccien.  356. 
Lech-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  116,  119,  122,  125,  126,  135.  — (Vorarlberg).  Trias 
und  Lias.  103,104.  L eilac h- S p itz  (Tirol).  Dolomit.  133.  Leisherg  (Steiermark). 
Dolomit.  327.  — Durchschnitt.  316.  Lejskow-  Berg  bei  Prag.  Kalk  des  obern  Silurischen  . 
269.  Lepogl  ava  (Croatien).  Braunkohle.  V.  289.  Lermoos  (Tirol).  Trias  und  Lias. 
139,  140.  Lewin-Oels  (Böhmen).  Meiaphyr  des  Rothliegenden.  387.  Liccaner 
Regiments-Bezirk  (Militärgränze).  Geologische  Verhältnisse.  V 298.  Lichtenwald 
(Steiermark).  Profile.  326.  Li  eh  wer  da  (Böhmen).  Mineralquellen.  410.  Limburg 
(v.  d.  Binkhorst’s  Werk  über  die  Kreideschichten  von).  V 129.  Lissa  (Dalmatien).  Wasser- 
versorgung. F 257.  Lititz  (Böhmen).  Granitgebirg.  V 296.  Litten  (Böhmen).  Silurische 
Schichten.  31,  35,  37.  L o b e c (Böhmen).  Steinkohlen-Sandstein.  437.  Lobko  vic 
(Böhmen).  Kreidegebilde.  283.  Lo  mbar  die  (Curioni’s  Werk  über  die  Eisen-Industrie  der). 

V 47.  London.  Ausstellung  von  1862.  301,  V 97,  109,  183,  184,  185,  186,  220,  223, 
231,  242,  243,  251,  265,  266,  268.  — Meteoriten  des  Britischen  Museums.  V 244.  Lubno 
(Böhmen).  Steinkohlen-Bergbau.  492,493,  L ueta  s e h-T h a 1 (Tirol).  Trias  und  Lias.  140. 

Madau-Thal  (Tirol).  Algäu-Schichten  und  Dolomit.  123,  137.  Mähren.  Mineralien. 

V 80.  — Petrefacte.  F.  3,  4,  69,  70,  73,  74.  — Pflanzen  (fossile).  V 69,  70.  Mährisch- 
Trübau.  Graphit,  Probe.  V.  535.  Maestricht.  Petrefacte  der  obern  Kreide.  V.  129. 
Maria-Dobie  (Steierm.).  Plutonischesf  357.  Mariaschein  (Böhmen).  Braunkohlen. 

V 289,  290.  Maros-Thal  (Ungarn).  Gebirgsarten.  V.  22.  Martins  wand  (Tirol).  Kalke 
der  Trias  und  des  Lias.  145^  146,  532.  Ma schwitz  (Böhmen).  Rother  Gneiss.  370.  Mauer 
bei  Wien.  Mineralquellen.  68,  V.  56,  85.  Mautern  (Nieder-Oesterreich).  Braunkohle 
V.  290.  Melbourne  (Australien).  Conchylien  und  Petrefacte.  V.  80.  — Geol.  Karte.  V 246. 
Meleghegy  (Ungarn).  Granit.  F.  111, 121,122.  Mellen-Thal  (Vorarlberg).  Kreideschich- 


Orts-Register. 


317 


ten.  185.  Menchecourt  (Frankreich).  Petrefacte  und  keltische  Alterthümer.  F 161,  162. 
Mic hei up  (Böhmen).  Exogyra  Columba.  Fi  118.  Mil  i tä  r gr  e n z e.  Blei-  und  Eisen-Erze, 
Proben.  71.  — Geologische  Aufnahme.  F 54,  55,  79,  83,  94,  215,  221,  235,  240,  241,  242, 

256.  — Geologische  Karten.  F 62.  Mir  ö schau  (Böhmen).  Steinkohlen-Pflanzen.  F 140. 

M i s th  a ufe  n-  B e r g (Vorarlberg).  Dolomit.  105,  106.  Mitter-See  am  Schaf- 
berg (Ober  - Oesterreich).  Hierlatz-Schichten.  F 292.  Mnienau  (Böhmen.)  Littencr 
Schichten.  30,  37,  266,  270.  Mo  Id  au -Thal  bei  Prag.  Silurisches.  248,  249,  259.  Mon- 
tavon  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  90.  M os  1 a v i n er  G e bi  r g (Slavonien)  Congerien- 
Schichten.  276,  F 216.  — Eruptives  Gestein.  F 216.  — Krystallinisches  Gestein. 

Fi  215,  216.  M o t o 1 (Böhmen).  Silurische  Coionie.  60,  64,  251,252,253.  Mramor-Berg 
(Böhmen).  Kalkstein  des  obern  Silurischen.  270.  Müglitz  (Mähren).  Allophan.  F.  245, 
246.  Murau  (Steiermark).  Roheisen,  Analyse.  69,  70.  Muttekopf  (Tirol).  Gosau- 
Conglomerat.  138. 

Wamlesser-Thal  (Tirol).  Dolomit  und  Kössener  Schichten.  139,140.  Nasse- 
reith  (Tirol).  Dolomil.  137.  — Trias  und  Lias.  140.  Ne  d wes  (Böhmen).  Oberes  Roth- 

liegendes.  383.  Neu-Seeland.  Fossiles  Harz.-  F 4.  Neusohl  (Ungarn).  Mineralien  und 
Hüttenproducte.  F.  10.  Neutitschein  (Mähren).  Mineralien.  F.  74,  80,  86.  Niederndorf 
(Tirol).  Eocenes.  204.  Nieder -Rochlitz  (Böhmen).  Kupfer-Bergbau.  413.  — — 

Phyllit.  401.  Novska  (Slavonien).  Congerien-Tegel.  298.  Nucic  (Böhmen).  Eisenerze 
des  Silurischen.  F 225.  Nussdorf  bei  Wien.  Reste  von  Palaeomeryx  und  Cheloniern. 
F 287. 

©ber-Boskow  (Böhmen).  Grünsteine.  407.  Ob  er- Harz.  Grubenrisse.  F.  66. 
O b e r - L ap  u gy  (Siebenbürgen).  Tertiäres.  F 59,  60.  Ober -Rochlitz  (Böhmen).  Kupfer- 
Bergbau.  413,  415.  — Phyllit.  401.  Öcs  (Ungarn)  Tegel  mit  Helix.  F.  126.  Oester- 

reich (Kaiserthum).  Kraus’s  „Montan-Handbuch  für  1861.“  F.  22,  23.  — Parallelisirung  der 
Gebirgsarten  und  Formations-Glieder  auf  den  Kronlands-Karten.  F 287,  288.  — Phosphor- 
säurehältige  Mineralstoffe.  F 190.  Ogriseg  (Steiermark).  Porphyr-Breccien.  356,  357. 
Oguliner  Regimentsbezirk  (Militärgrenze).  Geologische  Verhältnisse.  526.  Okucane 
(Slavonien).  Mariner  Neogen- Mergel.  288.  Olaszfalu  (Ungarn).  Brauner  Jura.  F 228. 
Olimie  (Steiermark).  Eisenstein-Bergbau.  363.  Olmütz  (geologische  Aufnahme  der 
Strecke  zwischen  Brünn,  Boskowitz  und).  F 21,  22.  — Tegel-Petrefacte.  F.  394,  305.  — 
(Tertiäres  und  Diluvium  zwischen  Brünn  und).  F 51.  Orlau  (Mähren).  Steinkohlen-Pflan- 
zen.  F 3.  Orljava-Gebirg  (Slavonien).  Krystallinisches  Gestein.  F 115,  116,  200. 

Neogenes.  291,  294,  F 116. Trias.  F 116,  201,  202.  Orlitza  - Gebirg 

(Steiermark).  Grünsteine.  359.  — — Orographie.  317.  — — Quer-Profil.  324.  Osek 
(Militärgr.).  Congerien-Schichten.  F 216,  217.  Ost-Indien.  Fossile  Pflanzen.  F 80. 
— Geologische  Aufnahme.  F 244,  245,  285.  — (Dr.  Stoliczka’s  Abreise  nach).  F 285. 
Os  trau  (Mährisch-).  Natürliche  Cokes.  F.  19.  — Steinkohle.  F 139.  Ovar  (Ungarn). 
Braunkohle,  Proben.  70. 

Pakrac  (Slavonien).  Leitha-Kalk.  289.  Pardubitz  (Böhmen).  Basalte.  F 155, 
156.  Paris.  -Unterirdische  geolog.  Karte.  F 86,  102.  — Wasserkarte.  F.  102.  Passek 
(Böhmen).  Quarzit  - Schiefer.  407.  Passeyer-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  124. 
P e ck  a (Böhmen).  Versteinerte  Stämme  von  Araucaria.  393,  394.  PecsawaGura  (Mähren). 
Pseudomorphosen  nach  Analcim.  F.  80.  P e 1 e c h o w (Böhmen).  Basalt.  409.  Pertisau 
(Tirol).  Hallstätter  Kalk  und  Dachstein  - Dolomit.  152.  Petneu  (Tirol).  Trias  und 
Lias.  117.  P e tro  w i tz  (Böhmen).  Bohrungen  im  Steinkohlen-Gebirg.  495.  Petzei  (Steier- 
mark). Zinkblende  der  Gailthaler  Schichten.  361.  Pi  kenn  i (Griechenland).  Tertiäre 
Säugethier-Fauna.  F 286.  Platten-See  (Ungarn).  Basaltische  Gebilde.  F.  145.  — — 
Myaciten-Saridstein.  F 206.  Plumser  Joch  (Tirol).  Dachstein-Dolomit.  153.  Podle- 
zin  (Böhmen).  Quader  515.  Steinkohlen-Bergbau.  498,  499.  Pölitz  (Böhmen).  Bucht  der 
Kreide  in  das  Rolhliegende.  F 173.  Ponikla  (Böhmen).  Kalkstein  mit  Malakolith.  408. 

— Graphit.  419.  Po  ruber  Berge  (Böhmen).  Gneiss-Granit.  F 296,  297.  Pozeg 
(Slavonien).  Braunkohle.  286.  — Conglomerat.  285,  286.  — Leitha-Kalk.  286,  289,  294,  295. 

— Tertiäre  Kessel.  F 83,  116.  Pozegan er  Gebirg  (Slavonien).  Geologischer  Bau.  285, 

286,  287,  F 115,  116. Krystallinisches  Gestein.  F 200. Schiefer.  F 203,  204. 

— — Tuffe  des  Felsit-Porphyrs.  F 116,  204.  Prag.  Alluvien.  284.  — Diluvium.  283. 

— Kreidegebilde.  282.  — Silurische  Schichten.  51,  52,  223,  239.  Prager  Kreis. 

Basalt.  517. Diluvium.  517. Höhenmessungen.  519. Kreidegebilde.  511,  516, 

F 48. Rothliegendes.  507. Steinkohlen-Becken  (isclirte).  528. Steinkohlen- 

Gebiet.  433,  435,  502,  503.  Prassberg  (Steiermark).  Eisenstein-Lagerstätte.  F 299. 
Prazalans  (Vorarlb.).  Schutthalde.  91-  Pf  i ch  owitz  (Böhmen).  Quarzit-Schiefer.  407. 
P r z i w o s (Mähren).  Natürliche  Cokes.  F 19.  Pr  o c o p i - T h a 1 bei  Prag.  Grünsteine.  273. 

Silurische  Schichten.  52,  271.  Puszta  Bany  Hä  za  (Ung.).  Eisenerze,  Probe.  533. 

Puszta  Forma  (Ungarn).  Eocene  Mulde  im  Esino-Dolomit.  F 77. 

K.  Ic.  geologische'  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandl  sngea. 


rr 


318  Orts-Register. 

Q u e e n to  w n (Australien).  Oolith-Pflanzen.  F.  28.  Quittein  (Mähren).  Allophan 
V.  245,  246. 

fikadmannsdorf  (Krain).  Gailthaler  Pelrefacle.  I.  118.  Radotiu  (Böhmen). 
Siliirisehe  Colonie.  16,  39,  44.  Rndowenz  (Böhmen).  Steinkohlen-Ablagcrungen.  F.  172, 
174.  Raihl  (Kärnten).  Blei- und  Zinkerz-Lagerstätten.  F.  292.  — Zinkblende-Schliche, 
Proben.  534.  R aj  h oti-Pass  (Ost-Indien).  Triassische  Petrefacte.  V.  258.  Rajmahal- 
Hüge]  hei  Calcutta.  Fossile  Pflanzen.  F.  80.  Rakonitz  (Böhmen).  Steinkohlon-Forma- 
tion.  485.  Rank  weil  (Vorarlberg).  Kreidegcbilde.  183.  Rann  (Steiermark).  Tertiäres 
Becken.  321,  322,  352.  R ap  i tz  (Böhmen).  Quader.  515.  — Steinkohlen-Flötze.  466,  467. 
R e hhorn-G  ebirg  (Böhmen).  Alter  Bergbau  auf  Gold.  419.  Reichenberg  (Steier- 
mark). Neogene  Kohle.  350,351. — - Tertiäres  Becken.  321,349,350.  Reinerz  (Böhmen). 
Krystallinische  Gesteine.  V.  303.  Repu  sni  ca -Thal  (Slavonien).  Paludinen-Kalk.  297. 
Reschitza  (Banat).  Steinkohlen  des  Lias.  F.  212.  Reutte  (Tirol).  Trias  und  Lias.  13t), 
131,  132,  133.  Rhätikon.  Flysch.  203.  Rhein-Thal  (Vorarlberg ’sche')-  Durchschnitt 
von  Dornbirn  bis  Gölzis.  181.  R i b n i c (Böhmen).  Bergbau  auf  Kupfer.  415.416.  Riesen- 
Gebirg  (böhmisches).  Geologischer  Bau.  396,  F.  59.  — Rothliegendes.  F.  29.  Riesen- 
grund (Böhmen).  Bergbau.  417. — Kalkstein.  408. — Porphyr.  409.  Riss  (Tirol).  Trias 
und  Lias.  144,  149,  150.  Rochlitz  (Böhmen).  Bergbau.  413,  415.  — Malakolith -Kalk- 
stein. 408.  — Phyllit.  401.  — Quarzit* Schiefer.  407.  Rogoljc  (Slavonien).  Bryozoen- 
Sand  (neogener).  288.  Rohitsch  (Steiermark).  Sauerquellen.  365,  366.  Rokyean 
(Böhmen).  Sibirisches  mit  Sphärosiderif.  F.  176.  Ros  e n a - G ebi r g (Stcierm.).  Contact- 

Gesteine.  357,  358. Eisenerze.  363,  364.  — — Transversal-Durchschnilt.  318,  319. 

R o th  e n bru  n n (Vorarlberg).  Dolomit.  113.  Rothe  Wand  (Tirol).  Erdharzige  Schichten 
des  Hallstätter  Kalkes.  155.  Roth  wand  (Vorarlberg).  Adneth-  und  Dachstein-Kalk.  95, 
105,  106.  Rozdelow  (Böhmen).  Bohrungen  im  Steinkohlen  - Gebirg.  462,  463,  465. 
Rudenza-Gebirg  (Steiermark).  Eisensteine  der  Gailthaler  Schichten.  362.  — Orogra- 

phie.  318,319.  R u n gel  in  (Vorarlberg).  Durchschnitt  der  Trias.  90. 

Saladina-Kopf  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  96.  S ä I go  Tarjan  (Ungarn).  Braun- 
kohlen. F.  290.  St.  Egidi  (Steiermark).  Contaet-Gesteine.  357.  St.  Georgen  (Sleierm.). 
Profil  des  Vodrusch-Grabens.  356.  St.  Paul  (Insel).  Relief-Plan.  F.  280.  St.  Peter 
(Böhmen).  Bergbaue.  420.  — Kalkstein.  408.  St.  R o s a I i a (Steiermark).  Porphyr-Breecien. 
355.  Sarka-Thal  bei  Prag.  Thon-Eisenstein  im  Schalstein  der  azoischen  Schiefer.  242, 
243.  Saserberg  bei  Bayreuth.  Fossile  Pflanzen.  F.  143,  144.  Schafberg  (Ober- 
Oesterreich).  Geologischer  Bau.  F.  291,  292.  — Seen.  F.  292.  Schafberg  (Vorarlberg) 
Trias  und  Lias.  97,  98.  Schatzlar  (Böhmen).  Steinkohlen-Ablagcrungen.  F.  76,  169,  170. 
Schlan  (Böhmen).  Steinkohlen-Formation.  496,500.  S c hl  a n e r S a lz  b e r g (Böhmen). 
Basalt.  517,  518.  — Quader.  514.  Schlesien  (k.  k.).  Bodenkarte.  F.  189.  190.  — 
Hohenegger’s  Karte  der  Nord-Karpathen.  V.  131,  132.  Schnan  (Tirol).  Trias-  und  Lias- 
Schichtenfolge.  118.  Schneekoppe.  Ansicht  vom  Fuchsberg  aus.  402.  Schnepfau 
(Vorarlberg).  Kreidegebilde.  185.  Schöpfendorf  (Steiermark).  Grossdorner  Schichten. 
331.  S chrö  e k en  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  110,  112.  Schruns  (Vorarlberg).  Trias 
und  Lias.  90.  Schw  adowitz  (Böhmen).  Steinkohlen,  Proben.  68,69.  — Steinkohlen- 
Ablagerungen.  F.  81,  82,  169,  171,  174.  Schwarzenberg  (Vorarlberg).  Grenze  des 
Flysches  und  der  Kreide.  182.  Sch  warzen thal  (Böhmen).  Alter  Bergbau  auf  Gold.  419. 

— Silbererze.  420.  Sch warz-Kosteletz  (Böhmen).  Rothliegendes.  F.  30.  Schwatz 
(Tirol).  Trias  und  Lias.  150,151.  S co ff le  (Istrien).  Braunkohlen.  F.  289.  Seefeld 
(Tirol).  Asphalt-Schiefer  mit  Fischresten.  142,  143.  — Trias  und  Lias.  144.  Seifen  hach 
(Böhmen).  Meckschiefer.  401.  S ei  tzk  1 os  t er  (Steierm.).  Querschnitt  durch  das Eocene.  339. 
Senetz  (Böhmen).  Steinkohlen-Flötz.  491,494.  Si  bratsgfö  11  (Vorarlberg).  Kreidegebiide. 
185,186.  Siebenbürgen.  Braunkohle,  Proben. 533.—  Geologische Uebersichts-Karte.  F.  102. 

— (nordwestliches).  Aelteres  Tertiäres.  F.  5,  6.  — (südliches).  Geologische  Aufnahme. 
V.  12,  13.  Siegsdorf  (Bayern).  Seaphites  der  Gosau-Sehiehten.  F.  3.  Skalka  in 
Prag.  Silurisches.  249.  Skalka  berg  (Böhmen).  Eisensteine  des  Silurischen.  F.  177. 
Sl  anka  men  (Militärgrenze).  Neogene  Kalke.  V.  160.  S 1 attets  c h e (Steiermark).  Alter 
Bergbau.  364,365.  S l a vo  ni  e n (westliches).  Eisensteine.  F.  117.  — Geologische  Auf- 
nahme. F.  115,  200.  — Lignit.  F.  117.  — Neogenes.  285.  Sl  i vene  c (Böhmen).  Oberes 
Silurisches.  273,  278.  S m r c (Böhmen).  Basalt.  409.  Solstein-Gebirg  (Tirol).  Ideal  - 
Profil.  148.  Somhegy  (Ungarn).  Rother  Crinoiden-Kalk.  V.  228.  Sonn wend- Joch 
(Tirol).  Dolomit,  Lias  und  Jura.  157.  Speising  bei  Wien.  Tertiär-Conchylien.  F.  63. 
Spindel  mühle  (Böhmen).  Ansicht  des  Ziegenrückens  und  des  Brennbergs.  402.  Spojil 
(Böhmen).  Basalt.  V.  156,  157.  Spullers-See  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  97,98. 

-Stall  er  Alpe  (Tirol).  Durchschnitt.  151.  Staner  Jo ch"  (Tirol).  Trias  und  Alpenkalk. 
531.  Steierdorf  (Banat).  Kohlen-Eisenstein,  Analyse.  533.  — Steinkohlen  des  Lias. 
F 212,  214.  Steiermark  (Ober-).  Höhenmessungen.  F 79.  — (Unter-).  Geologie 


Orts-Register. 


319 


des  südöstlichen  Theiles.  311 . — (Naturwissenschaftlicher  Verein  für).  V 305.  Steinbrück 
(Steiermark).  Hydraulischer  Kalk,  Analyse.  535.  Steinjöchel  (Tirol).  Trias-Durchschnitt. 
137.  Stög  (Tirol).  Dolomit.  126.  — Trias  und  Lias.  119,121,125.  Store  (Steier- 
mark). Porphyr-Breccie.  355.  Stradonitz  (Böhmen).  Steinkohlen-Becken.  524.  Stuben 
(Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  100.  Stubenbach  (Vorarlberg).  Störungen  des  Trias  und 
des  Lias.  115.  Studeny-Berg  (Böhmen).  Eisenerze  im  Sibirischen.  V 177-  Stupnaj 
(Böhmen).  Versteinerter  Wald.  393.  Sünser-See  (Vorarlberg).  Nummuliten-Schichten. 
198.  Suli  gu  li  (Ungarn).  Sauerquelle.  69,422,  V.  85.  Swarow  (Böhmen).  Komorauer 
(silurische)  Schichten.  V 224.  Swina  (Böhmen).  Steinkohlen-Becken.  V 142,  143. 
S z a m o s - Fl  u ss  e s in  Siebenbürgen  (Quellengebiet  des  kleinen).  V.  31.  Szluiner 
Regiments-Bezirk  (Militärgrenze).  Geologische  Beschaffenheit.  526. 

T ab  o r (Croatien).  Porphyrische  Breccien.  357.  Taborer  Kreis  (Böhmen).  Krystal- 
linisehe  Gesteiue.  V.  5.  Tamüls  (Vorarlberg).  Kreidegebilde.  176.  Tapolcza  (Ungarn). 
Cerithien-Kalk.  V.  125.  Tarenz  (Tirol).  Trias-Durchschnitt.  137.  Thannberg  (Vorarl- 
berg). Trias  uud  Lias.  110.  Thann  heim  (Tirol).  Trias  und  Lias.  130,  133.  Tirol  (nörd- 
liches). Eocenes.  204.  — Jurassisches  und  Kreide.  191,  196.  — Trias  und  Lias.  115,  116. 
Tirols  („Zur  Geognosie“).  531.  Tobaj  (Ungarn).  Basalt.  V.  218.  T o b o 1 k a (Böhmen). 
Oberes  Silurisches.  281.  Torre  del  Greco  bei  Neapel.  Erhebung  des  Meeresgestades  durch 
den  Ausbruch  des  Vesuvs.  V.  182.  Tot-Vaszony  (Ungarn).  Myaciten  - Sandstein.  V 206. 
Treban  (Böhmen).  Silurische  Colonie.  21,32,  33,  35,  36.  Trennenberg  (Steiermark). 
Durchschnitt  der  eocenen  Gebilde.  339.  — Trachyte.  359.  Trobenthal  (Steiermark). 
Neogene  Kohle.  347.  Truskawetz  (Galizien).  Gediegener  Schwefel  mit  ßleiglanz.  V 246. 
Tsehern  elitza  (Steiermark).  Porphyr  und  dessen  Breccien.  355.  Tugstein  (Vorarlberg). 
Kreide-  und  Nummuliten-Schichten.  179.  Tyrn  (Mähren).  Sphenopteris  sp.  nova.  V.  4. 

UI  m.  Tertiäre  Süsswas>er-Petrefacte.  V.  9.  Ungarn  (südöstliches).  Professor  Peters’ 
„geologische  und  mineralogische  Studien“.  V.  101.  — (südwestliches).  Geologische  Aufnahme. 

V.  73,  76,  77,  78,  84,  94,  111. Geologische  Uebersichts-Karte.  Kill. Jüngeres 

Tertiäres.  V.  217.  Urkut  (Ungarn).  Rother  jurassischer  Kalk.  K 228. 

Vadans  (Vorarlberg).  Verwerfungsspalte  des  Trias  und  des  Lias.  92.  Valdagno 
(Venetien).  Braunkohlen-Flölze.  V 154,  155.  Va  1 Tro m pi a (Lombardie).  Ammoniten  des 
Medolo.  V.  166.  Veitlahm  bei  Bayreuth.  Fossile  Flora.  V.  199.  Ve  len  c z e r- G e b i r g 
(Ungarn).  Geologischer  Bau.  V.  121,  122.  Velika  (Slavonien)  Halobien-Schiefer.  V.  205. 
VelkiVrh  (Steiermark).  Profil.  326.  Vertes-Gebir  g (Ungarn).  Geologische  Aufnahme. 

K 76,77. Triassische  Kalke.  V 164.  Vesuv.  Ausbruch  im  December  1861.  V.  179. 

Victoria  (Australien).  Diamanten.  V.  26,  27.  — Edelsteine.  V.  27.  — Geologische  Aufnahme. 
V.  23,  26,  246,  — Gold-Bezirke.  V.  23,  24,  25.  — Oolith-Pflanzen.  V.  28.  Vieh  dorf  (Oester- 
reich). Braunkohle,  Probe.  68.  Vils  (Tirol).  Jurassischer  Kalkstein.  193.  — Petrefacte  der 
Amaltheen-Mergel  und  der  Kössener  Schichlen.  V.  225.  — Trias  und  Lias.  130,  131,  133. 
Vitus-Berg  (Nieder-Oesterreich).  Celtische  Alterthümer.  V.  163.  Vodru  sch- Graben 
(Steiermark).  Profil.  356.  Vomper-Thal  (Tirol).  Trias  und  Lias.  147,  148.  Vorarlberg. 
Flysch.  200.  — Jurassisches.  160,  163.  — Kreide.  160,  164,  174,  188.  — Molasse.  204.  — 
Nummuliten-Schichten.  198.  — Trias  und  Lias.  87.  Vrb  o vac  (Slavonien).  Hohle  Geschiebe 
im  Leitha-Kalke.  290.  Vrdnik-  Gebirg  (Militärgränze).  Geologischer  Bau.  V.  158.  Vucjak- 
Thai  (Slavonien).  Schiefer  mit  Spuren  von  Gordius.  V.  204,  205.  Vucin  (Slavonien).  Leitha- 
Kalk.  291,  292.  — Traehyt.  291,  292,  V.  116.  Vy sehrad  bei  Prag.  Azoische  Silur-Schichten. 
249.  Vysoky-Ujesd  (Böhmen).  Azoische  Silur-Zone.  235. 

Wa  cher-Gebirg  (Steiermark).  Eisensteine  der  obern  Trias.  364.  — Orographie. 
315,319.  — Quer-Profil.  316.  Walser  Kerle  (Tirol).  Dolomit  und  Trias.  126,129. 

— Kössener  Schichten.  127.  Walser  Thal  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  105,106. 
Wan  neck  (Tirol).  Hallstätter  Kalk.  141.  Warasdin  (Militärgrenze).  Geologische  Auf- 
nahme des  Gebietes.  K 79,  83,  215.  Warasdin-Teplitz.  Geologie  der  Umgebung. 
V 229.  Warth  (Vorarlberg).  Trias  und  Lias.  110,  114.  Weissenbach  (Tirol).  Trias  und 
Lias.  125,131,132.  Weissenfluh  (Vorarlberg).  Kreidegebilde.  186,187.  Welwarn 
(Böhmen).  Steinkohlen-Formation.  496,497.  Westbahn  (Kaiserin  Elisabeth-).  Geolo- 
gisches Profil.  V.  223.  We  tt  erstei  n - G e bi  rg  (Bayern).  Kalk-Alpen.  142,144.  Wid- 
derstein (Vorarlberg).  Dolomit  der  Trias.  107,109,110.  Widum  (Tirol).  Trias  und 
Lias.  154.  Wieliczka  (Galizien).  Steinsalz  mit  TrüfFelgeruch.  V.  8.  — Steinsalz-Produc- 
tion seit  1772,  V.  87.  Wien.  Berg- und  Hüttenmännische  Versammlung.  V.  96.  — Cokes 
(Untersuchung  der  im  Handel  vorkommenden).  V.  189.  — Geologische  Karte  der  Umgebung. 
V.  102.  — Kalksteine,  Anal.  67.  — Material  zum  Umbau  des  St.  Stephans-Thurmes.  V 2,  3. 

— Wasserversorgung.  K 7.  — Zoologischer  Garten.  V.  237.  — (Prof.  Suess’s  Werk  über 
den  Boden  der  Stadt).  V.  247.  Wiener  Becken.  Analogie  der  Mollusken  mit  denen  des 
Tertiären  der  südlichen  Alpen.  V.  17,  18.  — Wirbelthier-Reste.  V.  285.  — (Dr.  Hörnes’s 
Werk  über  die  tertiären  Zweischaler  im).  V.  119.  W il d ens  c h we rt  (Böhmen).  Gneiss- 


320 


Sach-Register. 


Granit.  V.  296.  Wilki sehen  (Böhmen).  Kohlen,  Probe.  67.  Winaric  (Böhmen). 
Basalt.  517,  518.  — Pläner.  376.  Wi  ndisc h-Landsberg  (Steiermark).  Eisensteine 
von  Olimie.  363.  — Grossdorner  Schichten.  331.  358.  — Gränstein.  358.  Winterstau- 
den (Vorarlberg).  Kleidegebilde.  185,  186.  Wörgl  (Tirol).  Grenze  der  Trias.  160. 
Wolesetz  (Böhmen).  Fossile  Pflanzen.  V.  31.  Wolfsegg-Traunthal  (Ober-Oester- 
reich). Braunkohlen,  Proben.  535.  Wo  1 s a n bei  Prag.  Silurisches.  51,52.  — Steinkohlen- 
Schichten.  451.  W o n o k 1 a s (Böhmen).  Silurische  Colonie.  20,36,39.44,219.  Wolsch- 
G e b i rg  (Steiermark).  Contact-Gesteine.  360,361.  — Sauerquellen.  365,366.  Wotwo- 
wi  tz  (Böhmen).  Höhenmessungen.  V.  519.  — Steinkohlen-Formafion.  437,438,440,443. 

^Kagyva  (Ungarn).  Braunkohle.  V.  290.  Zalesczyky  (Galizien).  Mammuth. 
V.  290.  — Silur-Petrefacte.  V.  294.  Za  vis  (Böhmen).  Azoische  Silur-Schichten.  233. 
Zbraslawitz  (Böhmen).  Gneissgebirg.  V.  61.  Zderetz  (Böhmen).  Melaphyr  des  Roth- 
liegenden.  387.  Zdice  (Bölunen).  Roth-Eisenstein  im  Sibirischen.  V 224.  Zebra  k 
(Böhmen).  Komorauer  Schichten.  V.  224  — Sibirischer  Quarzit.  244.  Slcinkohlen- 

Beeken.  524.  Zehgrund-Bauden  (Böhmen).  Magnet  - Eisenei  z.  419.  Zelezna 
(Böhmen).  Steinkohlcn-Becken.  V.  524.  Ziegenrücken-Berg  (Böhmen).  Ansicht.  402. 
Zircz  (Ungarn).  Lias,  Jura  und  Kreide.  V.  67,  84.  Zirl  (Tirol).  Baibier  Schichten.  148. 
Ziskaberg  bei  Prag.  Untere  (azoische)  Silur-Schichten.  248.  Zi  t te r k I a p fe n (Vorarl- 
berg). Dolomit  des  Trias.  107,  110.  Zlaty  kun  (Böhmen).  Silurisches.  281.  Zsill- 
Thal  (Siebenbürgen).  Geologischer  Bau.  V.  13.  — Tertiäres.  V.  60.  Z ü rs s (Vorarlberg). 
Trias  und  Lias.  99,100,101,  102.  Zug-Spitz  (Bayern).  Geologischer  Bau.  142.  143. 


III.  Sach- Register. 

Acanthodes  gracilis.  509.  Acantho  theu  tis  speciosa.  U.  9.  Acclima  tisations- 
G es  e 11s  chaf  t zu  Wien.  V 237.  Acer  trilobatum.  379.  Acerates  Gucmbeli.  V.  283. 
Acida  spis  sp.  265.  Acmaea  mammillata.  V.  45.  Actaeonella  gigantea.  V.  7,  15. 
Adiantit  es  Haidingeri.  V.  143.  Adnether  (Lias-)  Kalk  des  Bakonyer  Waldes.  V.  67,  227, 
228,  229.  — der  bayerischen  Alpen.  V 42.  — in  gekrümmten  Schichten.  95,  98,  104,  129. 

— im  nördl.  Tirol.  120,  124,  127,  129.  - in  Vorarlberg.  95,  98,  101,  104,  127.  A I e- 

thopteris  Brongniarti.  V.  140  — nervosa.  F.  143.  A 1 gä u - S chi ch t e n im  nördl. 

Tirol.  12,129,  131.  — in  Vorarlberg.  93,  95,  98.  101,  104,  111,  112.  — (gekrümmte). 
95,  98,  129.  Allophan  auf  Braun-Eisenstein.  F.  245,  246.  Alluvien  der  bayerischen 
Alpen.  V.  284.  Al  penkalk  des  croatischen  Küstenlandes.  U.  234.  — (oberer)  des  Staner 
Joches.  531.  Ambrit.  K 4,  5.  Amethyst  mit  braunem  Glaskopf.  F.  80.  Ammergauer 
(Jura-)  Schichten  im  nördl.  Tirol.  131,  194.  Ammoniten  des  Medolo.  U.  166.  — -Kalk 
(rother)  des  Oxford.  194.  Ammonites  Achilles.  V.  229.  — acutangulus.  F.  43.  — 
Alpino-liasicus.  V 43.  — Amaltheus.  F 225.  — Aon.  F.  258.  — asperrimus.  166.  — Astie- 
rianus.  195.  — Ausseanus.  F 258.  — Berehtesgadensis.  V.  40.  — biflssus.  F.  258.  — 
bifrons.  F 46.  — biplex.  163,  164,  V.  229.  — bullatus.  F.  67.  — elypeiformis.  165.  — 
convolutus.  164.  — crassus.  V.  168.  — cryptoceras.  166.  — Deverianus.  F.  67.  — dimor- 
phus.  F.  229.  — Doetzkirchneri.  V.  43.  — Emmrichi.  F.  43.  — Erato.  528.  — eueeras. 
V.  43.  — falcatus.  F.  67.  — fimbriatus.  V.  168.  — floridus.  V 258.  — Gaytani.  V.  258.  — 
Gollevillensis.  173.  — Grasianus.  195.  — Haueri.  V.  43.  — Hermanni.  V.  43.  — hetero- 
phyllus.  V.  168.  — Jamesoni.  V.  228.  — Infundibulum.  165.  — Joannis  Austriae.  V 258.  — 
Kammerkahrensis.  V.  43.  — Koessenensis.  V.  42.  — Kudernatschi.  V.  67,  229.  — Lamberti. 
164,  V.  43.  — Mantel li.  V.  67.  — margaritatus.  V.  168,  225.  — megastomus.  V.  43.  — Mille- 
tianus.  173.  — Mimatensis.  V 168.  — Partschi.  V.  168.  — parvulus.  V.  40.  — peramplus. 
374,  514.  — Pettos.  V.  168.  — Phillipsi.  V 168.  — planorboides.  V.  42.  — polyplocus.  538, 
V.  3.  — pseudoceras.  V.  40.  — pseudo-eryx.  V.  40.  — pseudo-planorbis.  V.  40.  — ptychoicus. 
V.  67,  229.  — radians.  V.  168,  225.  — Ragazzonii.  V.  168.  — Rhaeticus.  V.  42.  — Rhoto- 
magensis.  514.  — salinarius.  V.  40.  — Spinellii.  V.  168.  — stellaeformis.  V.  43.  — subfim- 
briatus.  165.  — subradiatus.  V.  42.  — Tatricus.  V.  43,  168.  — Taylori.  V.  168.  — tortili- 
formis.  F.42.  — Trompianus.  K168.  — Zetes.  V 168.  — Zignodianus.  164,  V.  229.  — sp.  514. 
A mp  h ib  ol- S ch  ief  er  mit  Magnet-Eisenerz.  V.  288.  Amphistegina  Haueri.  291,  292, 
295.  — Haueriana.  V.  305.  — mammillaris.  292.  A m pu  11  a r i a Vulcani.  V 17.  Anacho- 
ropteris  pulchra.  V.  142.  — rotundata.  V.  142.  Analcim  in  Basalt.  V.  156.  Anan- 
chytes  ovatus.  173,  V 45,  157.  A n ati  na  Rhaetica.  F.42.  Ancylo  ceras  dilatatum.  165. 

— pulcherrimum.  165.  — subsimplex.  V.  45.  — tenuistriatum.  V.  45.  A n n u 1 a r i a fer- 
tilis.  V 143.  — longifolia.  382.  — minuta.  V.  142.  Anodonta  postera.  V.  144.  — sp.  297. 
A n o m i a Nysti.  V.  282.  — sp.  V.  182.  An ormal- Ge  s t eine  in  Unter-Steiermark.  353, 


Sach-Register. 


321 


354.  Anthophyllum  dentato-lamellosum.  F 40.  Antilope  brevicornis.  F 217.  — 

Lindermayeri.  F 286.  Antimon  (krystallisirtes).  Fi  10. Erze  im  böhmischen  Riesen* 

gebirg.  413,  420.  — — von  Pinkafeld.  V.  302.  A p h a n i t (silurischer)  in  Mittel-Böhmen, 
238.  Aphlebia  tenuiloba.  F 142.  Api  o c r i n u s Alpinus.  Fi  43.  — annulatus.  F 43. — 
concentricus.  V.  43.  — elegans.  Fi  43.  — moniliformis.  F 43.  — plumosus.  F.  43.  Apor- 

rha'is  Pes  pelecani.  F 17.  Ap  ty  ch  en-K  a lk  in  Vorarlberg.  165,  176. Schichten  der 

bayerischen  Alpen.  F 44.  A pty  c h u s Alpino-jurensis.  F 43.  — breviflexuosus.  F 45.  — 

— decurrens.  F 45.  — Didayi.  143,  165,  166,  168,  176,  194,  195,  Fi  44.  — intermedius. 
V.  43.  — latecostatus.  F 43.  — latus.  195.  — obliquus.  F 45.  — orbicularis.  F 43.  — 
protensus.  F.  43.  — pumilus.  F 43.  — sparsilamellosus.  F 43.  — tenuis.  F 45.  — undatus. 
F 45.  Araucarien  (Stamme  von)  im  Rothliegenden.  392,394.  Araucarites  Agor- 
dicus.  F 31.  — Cordai.  382.  — cupreus.  393,  F.  31.  — Schrollianus.  382,  393,  395,  F 30. 
Area  barbata.  F 160.  — canalifera.  F 42.  — carinifera.  F 45.  — Chiemensis.  F 45. 

— cylindracea.  F 68.  — globulosa.  F 45.  — nummulitica.  F 282.  — Piehleri.  F 42.  — 
Rhaetica.  V.  42.  — Tirolensis.  F 282.  — undulata.  514.  — sp.  F 297.  Archaeoteuthis 
Dunensis.  F 295.  Ar  et  h usin  a Konincki.  250. — sp.  265.  A r g i o p e decoliata.  295. — 
flabelliformis.  F 282.  — longirostris.  F 282.  — nummulitica.  F 282.  — pusilla.  295. 
Arkose  in  Böhmen.  382,  389.  — mit  Araucariten-Stämmen.  F 30.  Arlberg  (Trias-)  Kalk. 
90,  91,  98,  101,  104,  136.  Arsen-Erze  im  böhmischen  Riesengebirg.  413,  416,  417,  420 

K i e s vom  Riesengrund.  417.  Asp  i d o rhynch  us  sp.  F 9.  Asplenites  alethopte- 

roides.  F 143.  — angustissimus.  F 143.  — fastigiatus.  F.  142.  — Lindsayoides.  F.  143. 

— longifolius.  F.  142,  143.  — Radnicensis.  F 142,  143.  — similis.  F 143.  — Sternbergi. 
F 142,  143.  Asterigerina  planorbis.  F 305.  Asterophyllites  grandis.  V.  141,  142, 

— longifolius.  F 141,  142.  As  t a r t e Rhaetica.  F 42.  — Calloviensis.  F 43.  Astraea 
bifrons.  F 45.  — sp.  F 124.  A tractites  Alpinus.  F 43.  Aufnahme  (geologische)  von 
Italien.  F 306.  Ausstellung  (Londoner).  301,  423,  F 185,  186,  220,  231,  243,  251, 
265,268.  Avellana  bistriata.  F 45.  — serrata.  F 45.  A v icuia  contorta.  127,  F 41, 
144.  — Escheri.  156.  — intermedia.  156.  — monopteros.  F 282.  — Portlocki.  156,  F 225. 

— retroflexa.  F 295.  — Venetiana.  527,  F 206,  255.  — sp.  nova.  F 48. 

Bactrylli  um  Schmidti.  91.  — striolatum.  127.  Baculiten- Schichten  auf 
Pläner.  378,  514,  V.  174.  Baculites  anceps.  514.  — sp.  166.  Baianus  sp.  F 124,  182. 
Banksia  sp.  F 152.  Basalt  des  Bakonyer  Waldes.  F 145,  147.  — im  böhmischen 
Riesengebirge.  409.  — in  den  Kreideschichten  des  Prager  Kreises.  514,  516.  — der  Littener 
Schichten.  265.  — von  Pardubitz.  F 155.  — am  Platten-See.  F 145.  — im  Quader  des 
nördlichen  Böhmens.  377.  — im  Rothliegenden.  389,  390,  F 29.  — von  Schlan.  518.  — im 

Steinkohlen-Gebiet  des  PragerKi  eises.  517. Laven  am  Platten-See.  F 147, 148. Tu  ff 

von  Alt-Warnsdorf  (Pflanzenreste  im).  379. am  Platten-See.  F 147. im  südwest- 

lichen Ungarn.  F 218.  B au  m s t amm  (verkieselter).  345.  Bausteine  des  St.  Stephans- 
Thurmes.  F 2,  3.  Belemnites  bipartitus.  165,  166,  170.  — dilatatus.  165,166,  V.  20. 

— latus.  165.  — paxillosus.  F 14.  — semihastatus.  164.  — subfusiformis.  170.  Bel- 
vedere- (neogener)  Schotter.  287,  F 217,  218.  Betula  sp.  F 63.  Beyrichia 
Klödeni.  F 294.  Bergbau  im  böhmischen  Riesengebirg.  410,  413,415,417,418,420, 
F 59.  — von  Ober-  und  Nieder-Rochlitz.  413.  — des  obern  Harzes.  F 66.  — von  Ribnic. 
414.  Berggeist  (Zeitschrift).  F 39.  Biflustra  bipunctata.  295.  Biloeulina 
Lunula.  288.  Blatt-Skelette  der  Dicotyledonen  (C.  v.  Ettingshausen’s  Werk  über  die). 
F 101.  Blei-Erze  im  böhmischen  Riesengebirg.  413,416,417.  — aus  Klein-Asien. 
F 299.  — von  Rai  bl.  F 292.  — -Glanz  mit  gediegenem  Schwefel.  F 246.  — in  Unter- 
Steiermark.  362,  — (silberhaltiger),  Proben.  71.  Boden  karte  von  Mähren  und  k.  k. 
Schlesien.  F 189,  190.  — Bohrungen  im  Steinkohlen-Gebirg  des  Prager  Kreises.  438, 
443,  444,  445,  446,  447,  448,  451,  452,  455,  458,  461,  462,  463,  480,  481,  482,  483,  489, 
490,  493,  494,  495.  Bos  primigenius.  F 161.  — priscus.  F 161.  Braniker  (untere 
Silur-)  Schichten.  52,  249,  276,  278,  281,  F 284.  Braun  - Eisenstein  von  Blacko. 
F 117.  — der  Gailthaler  Schichten.  362.  — metamorph  aus  Eisenkies.  F 299.  — ' in 
neogenem  Thon.  530.  — von  Prassberg.  F 299.  — Proben.  71,  533.  — (manganreicher). 
362.  Braunkohlen  aus  Croatien.  F 289.  — von  Ivanec  und  Jerovec.  F 137,  138.  — 
von  Mariaschein.  F 289,  290.  — von  Mautern.  F 290.  — Proben.  68,  70,  71,  348,  423, 
533,  534,  535.  — in  Slavonien.  F 116,  117,  135,  137.  — vonValdagoo.  F 154,  i 55.  — 
von  Zagyva  und  Also-Tarjan.  F 290.  — -Flötz  von  Heiligenkreuz.  346.  — — von  Pozek. 
286,  F 117.  — -Revier  von  Reichenburg.  350,  351.  — — von  Trobenthal.  347.  — 
-System  (neogenes)  von  Unter-Steiermark.  340,  346,  356.  Braunstein,  Proben.  70, 
535.  Br  d a - (unter- silurische)  Schichten.  243,  248,  F 285.  B r ec  ci  e n (porphy  rische) 
im  Rothliegenden.  388.  — in  Unter-Steiermark.  355,  356,357.  Brennstoffe  (fossile) 
für  die  Londoner  Ausstellung.  301,423.  Bri  quettes,  Proben.  70,  71,  533.  Bryozoen- 
Schichten  der  bayerischen  Alpen.  F 44.  — des  Leitha-Kalkes.  295,341,  356.  Bucci- 


322 


Sach-Register. 


num  Flurli.  V.  283.  — sp.  F.  297.  B u I i m i na  elongala.  V 305.  — pupoides.  288.  — 
Pyrula.  288.  — semislriala.  V.  282.  Bulla  subalpina.  F.  45.  — utricula.  V.  305.  — 
sp.  V.  298.  Bunt-Sandstein  der  bayerischen  Alpen.  V 40.  Bythinia  tentaeulata. 

V 161,  162. 

Calainites  communis.  523.  V 3,  140,  141,  142,  143. var.  ramnsus.  V.  141, 

142. — Suckowi.  F.  141,  142. varians.  V 141,  142.  — — tenuifolius.  F.  142. 

Transitionis.  F 22.  C a I a m o p hy  1 1 i a sp.  F 17.  C a 1 c a r i n a sp.  F.  211.  Callitrites 

ßrongniarti.  290.  Camelopardalis  Altica.  Ir.  286.  C a n c e 1 1 a r i a sp.  F.  297.  C a p ro- 
tin a ammonia.  171.  F.  44.  — gryphaeoides.  171.  Ca pr  ot i nen-  (Kreide-)  Ka  1 k in  Vorarl- 
berg. 170, 171, 179, 18 1, 182.  185. Schichten  der  bayerischen  Alpen.  F.  44,  45.  Carcha- 

r o d o n polygyrus.  341.  — rectidens.  341.  — subauriculatus.  341.  Car  dien  des  Wiener 
Beckens.  V.  120.  C a r ö i n i a sublaevis.  V.  42.  Cardita  Aniita.  F.  282.  — Austriaca. 
V.  225.  — crenata.  153,  532.  — fibrosa.  252.  — gibbosa.  252.  — sp.  F.  297.  Cardin  in 
Alpinum.  V.  42.  — aperlum.  530,  F.  120,  126,  216.  217,  218,  239  — Austriacum.  127,  156. 

— Burdigalinum.  F 120.  — Carmintinuin.  V 120.  — conjungens.  V.  120,  216.  — Deshayesi. 

341.  — discrepans.  F.  120.  — echinatum.  341.  — Emmriehi.  F.  283.  — granigerum  F.  45. 
--  gratiim.  F 212,  226.  — Haueri.  299.  — Heeri.  F 120,  283.  — Helveticum.  F 283.  — 
hians.  F 120.  — Hungaricum.  299.  — haricum  V.  283.  — Kübecki  V.  120.  — latecostaium. 

F.  120,  283.  — obsoletuin.  F 120,  218.  — Oenannm.  V.  282.  — Paueri.  V.  282.  pUcatWD. 
290,  F 120.  — Sandhergeri.  ]T.  283.  — sem'sulcatum.  F 127.  — subalpinum.  F 283.  — 
tenuicostatum.  F 283.  --  Tirolense.  F 282.  — Vindobonense.  295,  343,  V.  120,  125.  — 
sp.  299.  Carpinus  grandis.  379.  — oblonga.  379.  — sp.  V.  63.  Carpolites 
costalus.  F 142,  143.  — Discus.  V.  142.  — Follieulus.  r.  142.  — lentiformis.  F.  142,  143. 

— microspermus.  F 142.  — Placenta  F.  142.  — pyrilormis.  V.  142,  143.  — sulcatus. 
F 142.  Carya  Biliniea.  379.  Caryophyllia  granulata.  F 42.  Castanea 
Kuhinyi.  F 63,  Casuarina  Haidingeri.  V.  151,  152.  Caulerpites  rugosus.  F.  42. 
Cellepora  Coronopus.  F.  194.  — globularis.  291,  292,  295.  Ce  rat  it  es  binodosus. 
F.  84,  165,  271.  — Cassianus.  F 241.  Ceriopora  anomalopora.  295.  — subglobosa. 
F 282.  Cerithien-  (Neogen-)  Kalk  des  Bakonyer  Waldes.  V.  124,  125.  — -Sandstein 

mit  Resten  von  Mastodon.  F.  22. Sc  h i c h t e n in  Slavonien.  287,  290,  294.  Cerithiuin 

calcaratum.  F 17,  77,  212.  — Castellinii.  JT.  17.  — Chiemcnse.  V.  45.  — combustnm.  V.  17. 

— Cornu  copiae.  K 6.  — Diaboli.  V.  226.  — disjunctum.  F 217.  — giganteum.  F 211. 

— granuliferum.  V 42.  — lemniscatum.  F.  212.  — Luschitzianum.  F.  157.  — Maraschinii. 

V.  17.  — margaritaceum.  341,  342,  lr.  6,  60.  — multisulcatum.  V 17.  — pictum.  286, 

287,  294,  V.  125,  160,  217,  218.  — plachostichum.  V 283.  - plicatum.  284,  341.  - rubi- 

ginosum.  286,  287,  289,  294,  344,  V.  52,  160,  217.  — Sandbergeri.  V.  283.  — trispinosum. 
V.  42.  — Zekelii.  V.  45.  — sp.  344.  Cervus  euryceros.  V.  161,  162.  — megaceros. 

V 194.  C h a b a sit  in  Australien.  T.  27.  Chaetetes  undulatus.  V”.  282.  Cb  a m a arietina. 
V.  120.  Cb  am  a e des  Wiener  Beckens.  V.  119.  Charasp.  V.  6.  Cheirurus  insignis. 
250.  Ch  e m n i t z i a azona.  V.  42.  — eximia.  152.  — nodifera.  lr.  40.  — protensa.  V.  42. 

— pseudo-Vesta.  V.  42.  — Rosthorni.  149.  — scalata.  134.  — turritellaeformis.  V.  42. 

— sp.  149.  Ckenopus  Hiiringensis.  V.  282.  — Pes  pelecani.  V.  17.  Chondrites 
aequalis.  330,  — alternans.  V.  43.  — brevis.  V.  43.  — longissimus.  V.  45.  — rnaculatus. 
F.  42.  — rectangularis.  F.  45.  — Rhaeticus.  F.  42.  — strictus.  V.  43.  — Targionii.  330. 

— varians.  V.  43.  — vermicularis.  F.  42.  C h r o m- E i se  n s t e i n von  Freudenthal , Anal. 
421.  C hry s o 1 ith  von  Hotzendorf.  F.  74.  Cidaris  basilica.  F.  43.  — biornata.  V.  282. 

— canaliculata.  F 282.  — cervicornis.  F 282.  — crateriformis.  F.  282.  — dorsata.  V.  257. 

— Klipsteini.  F 41.  — laeviuscula.  F.  42.  — pseudogerana.  V.  42.  — Rhaetica.  F.  42. 

— Sceptrum.  V.  282.  — striatopunctata.  F.  282.  — subaxillaris.  F.  282.  — undatocostata. 
F 282.  C i n n a m o m u m polymorphum.  379.  C irce  des  Wiener  Beckens.  F 120.  — exi- 
mia. V.  120.  Circophyllia  Alpina.  F.  42.  Cladocora  nummulitica.  V 282.  — sub- 
alpina. F.  282.  — sp.  F271.  Clymen  ia  sp.  F.  21.  Cly  menien-Schichten  in  Mähren. 
F.  69.  Clypeaster  grandifiorus.  290.  Cokes,  Proben.  67,  F.  189.  — (natürliche)  durch 
Einwirkung  eruptiver  Gesteine.  V 19,20.  Colonien  in  der  böhmischen  Silur-Formation. 
1,  7,  10,  30,  40,  43,  55,  64,  207,  211,  247,  251,  253,  257,  258;  V 149,  153,  206.  — 
(Barrande’s  Theorie  der).  40,  41,  207,  211.  — (Petrefactenführung  der  böhm.  Silur-).  9.  29, 
32,41,45,46,54,57,63,252.  Com  pl  anata-Bank.  V.  211.  C o n g e ri a Partschi.  345. 

— spatulata.  530,  V.  216,  218.  — subglobosa.  V 216,  256.  — triangularis.  F 126,  216, 
239.  — sp.  298,  299,  345.  Congerien  des  Wiener  Beckens.  F.  121.  — (Neogen-) 

Schichten  des  Bakonyer  Waldes.  F.  127.  — — mit  Braun-Eisenstein.  V 256. in 

Croatien.  287,  296,  198. in  Dalmatien.  F.  239. der  Militärgrenze.  V.  216,  217. 

in  Unter-Steiermark.  340,  344,  352.  Conglomerate  des  Basaltes  am  Platten-See. 

F.  147.  — des  Leitha-Kalkes.  356.  — des  Pozeganer  Gebirgs.  285.  — des  Rothliegenden. 
381,  F 29.  — der  Werfen  er  Schiefer.  F.  300,  301.  — (neogene)  des  Bakonyer  Waldes. 


Sach-Regisler. 


323 


V,  126.  Conocl  y pus  conoideus.  V.  84,  212.  Co  n oc  rin  us  sp.  6.  Co  n tac  t- Gest  ei  i«  e 
in  Unter-Steiermark.  318,  323,  339,  333,  336,  337,  360,  361.  Conularia  grandis.  V.  176. 
Conus  antediluvranus.  F.  32.  — Brocchii.  343.  Corax  sp.  341.  Corbis  granulato- 
striata.  V.  41.  — lamellosa.  V 68,211.  — Mellingi.  332.  Corbula  astartea.  V 282. 

— carinatn.  344,  V.  63,  160.  — sp.  332.  Cordai'tes  borassifolius.  323,  F.  142,  143. 
Cordierit  (Glimmer  pseudomorph  nach).  V 304.  Crania  Kressenbergensis.  V.  282. 

— minutula.  V.  282.  Crassatella  Oenana.  F.  282.  Crenella  Deshayesiana.  V.  282. 
Cricopora  divergens.  V.  281.  — favosa.  V.  281.  — tubulosa.  V 282.  Crioceras 
ammonitiforme.  V.  42.  — annulatum.  V 42.  — debile.  V.  42.  — Duvaii.  163.  — Bhaeticum. 
V.  42.  — Villersianum.  163.  — sp.  193.  Crisia  Edwardsi.  288,295.  C r i s i d i n a num- 
mulitica.  F.  281.  — sparsi-porosa.  V.  281.  Cristellaria  asperula.  F.  282.  — Cassis.  288. 

— triquetra.  F.  282.  — sp.  288,  C tenopty  chius  brevis.  309.  Culm-  (Steinkohlen-) 

S ch  i chten  in  Mähren.  F.  19,  69. des  Vrdnik-Gebirgs.  V.  159.  Cuninghamit.es 

sphenolepis.  F.  144.  Cupressites  Alpinus.  F.  41.  — liassinus.  V.  144,  199.  Cyathei'tes 
Miltoni.  V 141,  142,  143.  — Oreopteridis.  382,  F.  141,  142,143.  — - — arboreseens.  F.  141, 

142. dentatus.  F.  141,  142.  — undulatus.  V 141,  142,  143.  Cy  ath  o p h y 1 1 u m 

profundum.  F.  42.  — rhomboideum.  V.  42.  Cycloidei.  509.  Cyelo  p teris  auriculata. 
F.  142,  143,  — orbicularis.  V.  142,  143.  Cyclostoma  elegans.  V 161.  Cyphaspis 
ßurmeisteri.  252.  Cypraeasp.  V.  63.  Cy  pri  card  i a Alpina.  V.  42.  — Transsylvanica. 
V.  120.  Cypris  Faba.  345.  — sp.  V.  217.  Cyrena  Alpina.. V.  41.  — gregaria.  V.  282. 
Cysto  s ei  ri  te  s Partschi.  287.  Cytherea  Bellemontana.  V.  63.  — elegans.  V.  283.  — 
Rhaetiea.  F.  42  — sp.  344.  C y th  ere  ae  des  Wiener  Beckens.  V.  119,  120. 

S>  achschiefer  im  böhmischen  Riesengebirg.  400.  D a c h s te i n-B  i v a 1 ve  (Gümbel’s 
Monographie  der).  F.  130.  — (Lias-)  -Dolomit  in  Nord-Tirol.  124,  129,  131,  133,  134, 
136,  137,  148,  151.  — — in  Vorarlberg.  98,  101,  104.  — -Kalk  in  Algäu-Schichien.  112. 
des  ßakonyer  Waldes.  V.  226. -in  gekrümmten  Schichten.  95. im  nörd- 
lichen Tirol.  127. (oberer)  in  Vorarlberg.  98,101.  Dalmanites  atavus.  F7!  176. 

— socialis.  245,250.  Defrancia  biradiata.  V.  281.  — deformis.  295.  Demante  der 

Goldfelder  von  Victoria  (Ausiralien).  V 26,  27.  Dental  ina  elegans.  288.  — fusiformis. 
V.  282.  — inornata.  288.  — pauperata.  288.  Dentalium  Mayeri  V.  283.  — medium. 
V.  157.  — multi-canalieulatum.  V.  45.  — quinquanguläre.  F.  42.  — speciosum.  V.  282. 
Desmodus  sp.  509,  D evoni  sch  es  in  Mähren.  F.  21.  Di  adema  nummuliticum.  V 282. 
Diastersp.  F.  20.  Di  c o t y'l  e d on  e n (C.  v.  Ettingshausen’s  Werk  über  die  Blatt-Skelete 
der).  V 101.  D i c ty  o p teri s Brongniarti.  F.  142,  143.  D i I u v i a 1- L e h m im  böhmischen 
Riesengebirg.  409.  — — in  Unter-Steiermark.  352,  353.  — — im  westl.  Slavonien.  296. 

Schotter  mit  Naphtha  geschwängert.  294,  295. im  nördlichen  Tirol.  205. 

bei  Prag.  283,  284. Terrassen  an  der  Drave  und  Save.  299. bei  Innsbruck.  145, 

205.  — — • zwischen  Olmütz  und  Brünn.  V 53. im  Vorarlberger  Rhein-Thal.  205. 

Diluvium  bei  Abbeville.  V.  160,  161.  — der  bayerischen  Alpen.  V.  283.  — an  der  Iser. 
374,  375,  409.  — im  mittlern  Böhmen.  283,  V.  106.  — zwischen  Olmütz  und  Brünn.  V 52, 
53.  — im  Steinkohlen-Gebiete  des  Prager  Kreises.  517.  — in  Unter-Steiermark.  352,  353. 

— (Blöcke  von  Silur-Kalk  im).  284.  Diorit  (silurischer)  in  Mittel-Böhmen.  231,  233. 
Diplodussp.  509.  Dipl  o stegium  Brownianum.  F.  143.  D i p 1 oxyl  o n elegans.  V.  142. 
D i s c i n a Suessi.  F.  41.  D isco  hei  ix  Orbis.  F.  130.  D iscoi  d ea  Rotula.  173.  Disco- 
seris Rhaetiea.  V.  42.  D i sl  oc  a tio  n e n der  böhmischen  Silur-Schichten.  1,17,18,27, 
28,  32,  33,  37,  40,  61,  62,234,  348,  249,277,  278.  Dolerit  im  Eocenen.  339,  366.  Dolo- 
mit zwischen  Absam  und  der  Martinswand.  532.  — auf  Algäu-Schichten.  113,  114.  — des 
Bakonyer  Waldes.  F.  166.  — der  bayerischen  Alpen.  V.  40,  41.  — des  Dachstein-Kalkes. 
98,  101,  104,  124,  129,  332,  333,  334,  V.  227.  — an  Flysch  grenzend.  107.  — durch  Grün- 
stein umgewandelt.  358.  — des  Kalniker  Gebirgs.  V.  230.  — des  Lias  im  nördlichen  Tirol. 
118.  — der  obern  Trias.  360.  — (Hallstätter).  316,324,325,326,327,350,358.  — 
(kiesiger)  der  Trias.  518.  Domopora  prolifera.  295.  — stellata.  295.  Donax  parallella. 
V 283.  Do  sinia  orbicularis.  F.  119.  D o si  n i ae  des  Wiener  Beckens.  V.  119.  Dreis- 
senasp.  286.  Drift  (goldführender)  von  Victoria  (Australien).  F.  24,25,26.  Dryan- 
droides  hakeaefolia.  379. 

Echinol  a m p a s sphaeroidea.  F.  68.  — sp.  V.  6,  84.  E c h i n u s discoideus.  V 68. 

— sp.  F.  194.  Edelsteine  der  Goldfelder  von  Victoria  (Australien).  F.  27.  Eisenerze 
von  Blacko.  V.  117.  — im  böhmischen  Riesengebirge.  418.  — in  Gailthaler  Schichten.  342, 
362,  363.  — des  Giftberges.  F.  195.  — im  Hallstätter  Kalk.  318.  — von  Kohlberg  und  Kogel- 
anger. 536,  V.  300.  — in  der  Lombardie.  F.  47,  48.  — der  obern  Trias.  384.  — von  Prass- 
berg. V.  299.  — Proben.  422,  533,  536.  — von  Quittein.  F.  245,  246.  — in  der  silurischen 
Grauwacke  Böhmens.  F.  175,  176,  195,  224.  Eisen-Industrie  der  Lombardie  (Curioni’s 
Schrift  über  die).  F.  47.  Eisenquelle  von  Gars.  V.  107.  — von  Mauer  hei  Wien.  V.  56, 
85.  Elephas  primigenius.  283,  F.  161.  Emys  sp.  V.  287.  Enallastraea  crassi- 


324 


Sach-Register. 


columnaris  F 282.  Encrinus  liliiformis.  V 40.  Eo  eenes  im  Bakonyer  Wald.  F.  210, 
211,  212.  — der  bayerischen  Alpen.  V 280,  281.  — des  Douati-Berges.  314.  — im  Lapo.s- 
Thal.F  193.  — im  nördl.Tirol.  204. — im  nordwesll.  Siebenbürgen.  V.  6.  — inUnter-Stejermark. 
334,  339,  346,  347,  336,  360,  361.  — in  Vorarlberg.  198.  Eocen -Fauna  der  bayeri- 
schen Alpen.  F.  281,  282. Flora  Europa’s  (neu-holländischer  Charakter  der).  F.  151. 

— -Porphyrtuffe.  318,  338,  339,  356.  Ephedrites  Sotzkianus.  F.  151,  152. 
E q u u s fossilis.  517,  F 162.  Erdöl  in  Galizien.  V.  196.  Eruptiv-Gesteine  im 

Königgratzer  und  Chrudimor  Kreis.  F.  296. im  Voslaviner  Gobirg.  F.  216. im 

südwestt.  Ungarn.  F.  21 8. im  westl.  Slavonien.  291  293. (Vei  cokung  von  Steinkohlen 

durch).  F 19.  Ervilia  Podolica.  294.  — pusilia.  1'.  305.  Erze  aus  Klein-Asien.  F.  299. 
E r z - L a g e r s t ä 1 1 e n im  böhmischen  Riesengebirge.  41 1,  414,  415,  419,420.  F.  30,  59. 

— — Europa’s  (Professor  von  Cotla’s  Werk  über  die).  F.  112. von  Raibl.  F.  292. 

in  Unter-Steiermark.  361.  Erzprob  c n.  70,  71.  Eschara  bipunetata.  292.  — 

cervicornis.  295,  F 194.  — macroeheila.  295.  — monilifera.  292.  295.  — polystomella.  288, 
295.  — Reussi.  295.  — undulata.  295.  Escharina  Mariana.  F.  281.  — Peissenbergensis. 

F 283.  Esino-Dolomitim  Bakonyer  Wald.  F.  166. Kalk  der  bayerischen  Alpen. 

F.  40.  Eugcniacrinus  Alpinus.  V 43.  E u o m p h a 1 u s alatus.  F.  292.  — ferox. 
F.  42.  Exogyra  Columba.  173.  286,  373.  F.  118.  — Couloni.  170,  179.  — sp.  286. 

Fabrik  (chemische)  zu  Joachimsthal.  F.  272,  273.  Fährten  von  Sauriern.  F.  118, 
225,  294.  Fahlerz  im  Avanza-Graben.  F.  107,  108.  Faltungen  im  Silur-Gebirg  von 
Mittel-Böhmen.  215,  216,  219.  F a r b e n t a fe  1 der  Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. F 231.  Faunen  des  Oolithes  in  England.  48,49.  der  Silur- Colonien  in  Böhmen. 
9,  29,  32,  41,  45,  46,  54,  57,  63,  250.  — (silurische)  von  Böhmen.  9,  29,  41,  43,  45,  46,  54, 
57,63,250.  Fe  I d s pa  th  - Ge  s t ei  n von  Kis-Falud.  F.  122.  Felsit  - Porphyr  der  azoi- 
schen Schiefer  im  Mittel-Böhmen.  229,  233,  237.  — — von  Kis-Falud.  F.  122.  — — in 
Unter-Steiermark.  318,  339,  353,  354. — im  wcstiiehcnSlav<  nien.  F.204.  Felsi  t Schiefer 
(eocene).  347.  Fenestrella  plebeja.  F.  118.  Feuersteine  (bearbeitete)  im  Diluvium. 
F 160,  161,  162,  163.  Fi  cula  Helvetica.  1’.  282.  Ficus  Martiana.  F.  283.  Filisparsa 
biloba.  288,  295.  Fische  des  böhmischen  Rothliegenden.  F.  259,  294.  Fisch -Schie  fe  r 

(asphalthältige)  im  Hangenden  der  Rakonicer  Kohlenflötze.  509,  510. von  Seefeld. 

143.  F 1 a b e 1 1 a r i a Slernhergi.  F.  1 43.  Fl  ecken  me  rgel  der  AlgSu- Schichten.  95.  — des 
Lias.  132,227.  — im  nördl.Tirol.  154.  — in  Vorarlberg.  120  Fleckenschiefer  im 
böhmischen  Riesengebirg.  401  Fletcheria  Simplex.  F.  40.  Flora  des  Basalt-Tufies  von 
Alt -Warnsdorf.  379.  — des  Lias  von  Bayreuth.  F.  143,  144,  199.  — der  Steinkohlen  von  Bras, 
Miröschau  und  Swina.  F.  140,  142.  Fl  y sch  im  nördl.  Tirol.  133.  — am  Rhatikon.  203,204. 

— in  Vorarlberg.  162,  181,  182,  198,  199,200,202.  — (eoccner)  der  bayerischen  Alpen. 
Foraminifera  (ntogene).  288,  295.  F o r c h e r i t.  F.  65.  Formationsglieder 
(Parallelisirung  der)  auf  den  Ivronlands-Karten  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt.  F 287,  288. 
Fucoi’den-Schiefer.  316.  Fucus  intricatus.  200,204.  — Targionii.  204.  Fusus 
acutangulus.  F 45.  — polygonus.  F.  17,  212.  — pleurogon.  F.  283.  — subparallelus.  F.  283. 

Gra  i 1 th  al  e r (Steinkohlen-)  Schichten  in  der  Mililärgrenze.  526.  F.  240,  256.  — 
in  Unter-Steiermark.  318,  323,  324. (umgewandelte).  318. — (gewun- 
dene). 323.  Galmei  im  Gebiet  von  Krakau.  F.  85,  86.  — -Lager  vom  Ivanczica-Berg. 
F 135,  136.  Gangbildungen  im  Eisenerz-Lager  des  Giflherges.  F.  195.  — (erzführende) 
im  böhmischen  Riesengebirg.  419,  420.  Gastrochaena  ornata.  F.  42.  Gault  der  baye- 
rischen Alpen.  F.  44,  45.  — in  Vorarlberg.  171,  172,  179,  180,  181,  182,  185.  G a z e 1 1 a 
sp.  F 286.  Gebirgsarten  aus  Klein-Asien.  F.  299.  — aus  dem  südlichen  Ungarn.  F.  22. 

— (Parallelisirung  der)  auf  den  Kronlands-Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
F 287,  288.  Geognosie  (Prof.  Naumann’s  „Lehrbuch“  der)  F.  259.  G e r v i 1 1 i a iuflata. 
127.  — longa.  F 42.  — rectiversa.  F.  42  Gervillien-Schichten  der  bayerischen 
Alpen.  F 41.  Geschiebe  (hohle)  im  Leitha-Kalke.  290.  Glandulina  laevigata.  288. 
Glanzkohle,  Proben.  69.  Glaskopf  mit  Amethyst.  17  80.  Glimmer,  pseudomorph 
nach  Cordierit.  F 304.  Glimmer-Gneiss.  F 177.  Glimmer -Porphyr  im  Siluri- 
schen.  247,248,255  Gl  immerschiefer  im  böhmischen  Riesengebirge.  399,414.  — des 
Fogarascher  Gebirges.  F 2.  — im  Lapos-Thal.  F 193.  — in  Vorarlberg.  91,  101.  Gl  obi- 
ge r i n a bulloides.  288,  289.  — triloba.  288,  289.  G 1 o b u 1 i n a gibba.  289.  — tubercu- 
lata.  289.  Glossopteris  sp.  F.  80.  G 1 y p h a e a Alpina.  F.  43.  Glyptostrobus 
Europaeus.  379.  Gneiss  im  mittleren  Böhmen.  F.  5,  61,  177.  — bei  Policzka.  F.  288.  — 
(eruptiver)  des  böhmischen  Riesengebirges.  400.  — (grauer).  F 127,  177,  239,  253.  — 

(rother).  370,  F.  127,  178,  239,  253,  254. Granit  (eruptiver).  F 296. P h y 1 1 i t. 

F 177,  178.  G o 1 d im  böhmischen  Riesengebirg.  419.  Goldfelder  von  Victoria  (Austra- 
lien). F 24,  25,  26.  Goldstufen  von  Csertest.  F.  246.  Goniatites  crenistria.  F.  22. 
Gordius  carbonarius.  F 204.  Gosau-Conglomerat  des  Muttekopfes.  138,  195, 
196. Gebilde  im  nördl. Tirol.  158^  195,  196. S ch i chtq-n  der  bayerischen  Alpen. 


Sach-Register. 


325 


V.  44,  45. Scaphites  multinodosus.  V.  3.  Granit  von  Beneschau.  F.  61.  — des 

böhmischen  Riesengebirges.  400,  401,  414.  — im  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreis.  V.  127. 

— im  Gneiss  des  mittleren  Böhmens.  F 5.  — im  Innern  eines  erratischen  Blockes.  F.  189. 
im  Liegenden  des  mittel-böhmischen  Silurischen.  226,  227.  — des  Meleghegy.  V.  121.  — 

des  Szamos-Gebietes.  V.  33.  — im  westlichen  Slavonien.  V.  200.  Granitit  des  böhmi- 
schen Riesengebirges.  400.  Graphit  im  böhmischen  Riesengebirge.  419.  — Proben.  69. 
Graptolithen -Schiefer  in  Böhmen.  39,  45,  56,  252,  253,  263.  — — der  Littener 
Schichten.  258,263,265.  Graptolithus  Bohemicus.  252. — Colonus.  252. — Folium. 
F 23.  — priodon.  252.  — Roemeri.  252.  Grateloupiae  des  Wiener  Beckens.  F.  119, 
120.  Grauwacke  im  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreis.  F 128.  — (Eisenerze  der  siluri- 
schen) in  Böhmen.  F 175,  176,  224.  — (mährisch-schlesische).  V 21,  22.  — (Petrefacte 
der  galizischen).  F 294.  — (Pribramer).  329.  Grau  wa ck e n - S c h i e fer  der  ßruska. 

251.  — der  Hostomnicer  Schichten.  241.  — der  Zahofaner  Schichten.  245,  248.  Gross- 
dorner  Schichten.  316,324,326,  330,  331,333,  350,  352,  358.  Grubenrisse  aus 
dem  Ober-Harz-.  V.  66.  Grünstein  im  böhmischen  Riesengebirg.  407,  415.  — in  Dolomit. 
358.  — in  Unter-Steiermark.  316,  358,  361.  --  (silurischer)  in  Böhmen.  26.  27,  38,  45,  60, 
238,  245,  246,  263,  264,  265,  273.  Gryphaea  Archiaeiana.  240.  — Cochlear.  290,  F 51, 
52,118.  Gurkfelder  Schichten.  326,  329,  350.  Guttenstei ner  Kalk  des  Bakonyer 

Waldes.  F.  164. des  Körös-Thales.  V 14. im  nördlichen  Tirol.  151. in 

UnterSteiermark.  324,  325,  326. der  Zugspitze.  141.  — Rauch  wacke.  142.  Gyps 

der  Trias  in  Vorarlberg.  105.  Gyropteris  crassa.  F 142. 

Häringer  (Eocen-)  Schichten.  F 282.  Haliotis  sp.  F.  130.  Hallstätter  Kalk 

der  bayerischen  Alpen.  V.  40. im  nördlichen  Tirol.  131,  134,  137.  142,  144,  147,  148, 

151,  153,  159,  160,  531. in  Unter-Steiermark.  318,  325,  326,  327,  339,  347,  356. 

(erdharzige  Schichten  im).  153.  — Dolomit.  325,326,327,  350,358.  Halobia 

Lommeli.  149,  F 203,  257,  258.  — rugosa.  F 41.  Halochoris  Baruthina.  F 199. 
Hami  t es  sp.  168.  Harz  (fossiles)  aus  Neu-Seeland.  F 4.  Haupt-Dolomit  (triassischer) 
der  bayerischen  Alpen.  F 41.  Hebung  der  Kreideschichten  am  Grünten.  191.  Hebungs- 
Wellen  in  der  Trias-Lias-Zone  von  Vorarlberg.  87,  88,  119,  114,  115,  122,  126,  190. 
Heilquellen  und  Curorte  des  Oeslerr.  Kaiserstaates  (Dr.  Freih.  von  Härdtl’s  Werk  über). 
F 223.  H e 1 i o p o r a astraeoides.  F 282.  — rugosa.  F 282.  Helix  damnata.  F 17. 

— Moguntina.  F 283.  — nemoralis.  F 126.  — pulchella.  F 161,  162.  — ruderata.  F.  85. 

— vermiculata.  V.  126.  — sp.  V.  16,  241.  Helladotherium  Duvernoyi.  F 286. 

He  1 mi  nth  o i d ea  sp.  200.  Heterostegina  costata.  292.  — cristata.  295.  Hierlatz- 
(Lias-)  Kalk  im  nordl.  Tirol.  131,135.  — Schichten  des  Bakonyer  Waldes.  F 228. 

— des  Schaf herges.  F 291.  — des  Sonnwend-Joches.  V.  130.  Hipparion  gracile. 
F 217.  — sp.  F 186.  Hippotherium  gracile.  F 84.  Hippurites  Cornu  vaceinum. 
F 15,  44,  230.  --  ellipticus.  F 58.  Toucasianus.  F 15.  Hluboceper  (oberste  Silur-) 
Schichten.  52,  272.  Höhenmessungen  in  Ober-Steiermark.  F 79.  — im  Prager 
Kreis.  F 519.  Höhlenbär.  F 11,  16,  74.  Holaster  subglobosus.  173.  — sub- 
orbicularis.  173.  Holocystis  polyspathes.  F 45.  Hornera  Hippolyta.  291,  292,  295. 
Hostomnicer  (untere  Silur-)  Schichten.  233,  241.  Hütte  n p ro  d u cte  aus  Neusohl. 
F 10.  Huttonia  spicata.  F.  142,  143.  Hyaena  Hipparionum.  F 286.  Hymenocaris 
vermicauda.  F 23.  Hymenocyclus  nummuliticus.  F 281.  — Stella.  F 281.  Hymeno- 
phyllites  semialutus.  F 294.  Hypersthen-Fels  im  Moslaviner  Gebirg.  V 216. 

«Janira  aequicosta.  F 80.  Jaspis  im  Grünstein.  316,  358.  Ichthyosaurus 
tenuirostris.  156.  Idmonaea  foraminosa.  288,  292,  295.  — Giebeli.  292.  — pertusa. 
295.  — tenuisulca.  288,292,295.  Illaenus  Katzeri.  F 162.  Imbricaria  sp.  F 130. 
Inoceramus  Cripsi.  173,  F 48.  — Cuvieri.  173.  — Falgeri.  127.  — mytiloides.  373,  514, 
F.  48.  — problematicus.  F 48.  — sp.  514.  Inzersdorfer  (Neogen-)  Schichten  bei 
Karlstadt.  530.  — — — im  südwestlichen  Ungarn.  F 217.  Iris  nummulitica.  F 282. 
Isoarca.  V 131.  Isocar  di  a Cor.  F 120.  — cretacea.  F.  48.  — perstriata.  F 42. 

— striata.  F 131.  — subtransversa.  F 120.  Isocardiae  des  Wiener  Beckens.  F 12\,. 
Jura-Kalk  von  Au.  163.  — — (brauner)  in  Siebenbürgen.  F.  20.  — -Schichten  des 
Bakonyer  Waldes.  F 226,  227,  228.  — von  Fünfkirchen.  F 59.  — — in  der  Militär- 

gränze.  528.  im  nördlichen  Tirol.  130,  131,  132,  191,  192,  196. in  Vorarlberg. 

161,  163.  — - der  Zugspitze.  142. (obere)  der  bayerischen  Alpen.  V.  43 

Malk  (hydraulischer).  Analyse.  F 535.  — -Sandstein  (neogener).  343.  — 
-Schiefer  der  Grossdorner  Schichten.  331.  -W-  -Sphaeroide  in  dem  Silurischen  von 
Böhmen.  39.  Kalkstein.  Analysen.  67,70.  — bei  Kufstein.  159,160.  — (bituminöser) 
der  Kuheibader  Schichten.  270,  271,  275.  — (Biöcke  von)  im  Diluvium  bei  Prag.  284. 

— (dunkler)  der  Guttensteiner  Schichten.  316,  325,  326.  — (erzführender)  mit  Malakolith. 
408,  412,  413,  414,  415.  — (ober-silurischer)  in  Böhmen.  224.  — (silurischer)  in  Böhmen. 
57,  62,  224,  267,  268,  269,  270,  280.  Kalktuff  im  obern  Silurischen  bei  Prag.  284. 

K.  b.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  Verhandlungen,  SS 


326 


Sach-Register. 


— in  Unter-Steiermark.  353.  Karte  von  Victoria  (Australien).  V 246.  — (geologische) 

von  Böhmen.  V 105.  — (Hohenegger’s  geologische)  der  Nord-Karpath<»n  u.  s.  w.  V 131, 
132.  Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  V 54,  68,  96,  97,  185,  186,  219.  265, 
276. — (Farben-Schema  der).  F 231.  Keuper  der  bayerischen  Alpen.  V.  40. 

— -Kalk  (oberer)  der  bayerischen  Alpen.  F 42.  Kieselschiefer  der  azoischen  Silur- 

Schichten.  237.  Klüfte  im  Sibirischen  von  Mittel-Böhmen.  234,281,282.  Knochen- 
fisch (heterocerker)  aus  dem  Tertiären  von  Laak.  F.  53.  Knnllcn-Kalk  (siluriseher). 
268,  277,  278,  280.  Kn  o r r i a Sellonii.  F.  141,  142.  Königs  hofer  (Silur-)  Schichten. 
5,  6, 15,  23,  26,  27,  246,  248,  254  Kössener  (Lias-)  Schichten  der  bayerischen  Alpen. 
F 41,  42. im  nördlichen  Tirol.  120,  124,  127,  129,  131,  156. in  Vorarl- 

berg. 98,  101, 104, 1 13.  Kohle n-E i s c n s t e i n,  Analyse.  533.  Komorauer  (untere  Silur-) 
Schichten.  242,  243,  254,  V.  176,  224,  225.  Konepruser  (untere  Silur-)  Schichten. 
249,  267,  276,  278,  281.  Koprolithen  aus  dem  Rothliegenden.  53i.  Kossovver  (Silur-) 
Schichten.  5,  6,  14,  15,  20,  22,  23,  25,  27.  Kr  e i d e-S  chichten  der  bayerischen  Alpen. 

F 43,  44,  45. im  Bunzlauer  Kreis.  367. in  Dalmatien.  V.  239,  241,  255,  257,  271. 

des  Kitjera.  F 15. des  Königgrätzer  Kreises.  F 169,  172,  174,  295.  296. 

des  Körös-Thales.  F 14. in  Limburg.  V.  129.  — — in  der  Militärgränze.  529,  V.  239, 

240,  255,  271. im  mittlern  Böhmen.  F.  48,  106,  169,  253. von  Policzka.  F.  238. 

um  Prag.  282. im  Prager  Kreis.  F 437,  511,  515,  516.  — — im  nördlichen 

Tirol.  142,  191,  192,  196. in  Vorarlberg.  161,  164,  174,  179,  181,  182,  185,  188. 

Kressenberger  (Eocen-^  Schichten.  F.  281.  Krusnaliora  (untere  Silur-)  Schich- 
ten. 254,  F 176.  Kryolith  aus  Grönland.  F.  86,  118.  Krystalle  (R.  K.  v.  Hauer’s 
Sammlung  chemisch  dargestellter).  V 186,  268.  — (Sorby’s  Denkschrift  über  die  mikro- 
skopische Structur  der).  V.  9.  Kr  y statli  n- G eslei  n des  böhmischen  Riesengebirges. 

F 59. im  Chrudimer  und  Königgriitzer  Kreis.  V.  296,  303.  — — des  Fogarascher 

Gebirgs.  F 2. des  Kaurzimer  und  Taborer  Kreises.  F 5.  — — der  Militargränze. 

F 62,  83.  — — im  mittlern  Böhmen.  F.  61.105,127.  — — des  Moslaviner  Gebirgs. 

F 215,  216. des  Orljavu-Gebirgs.  F.  116,  200,  201. bei  Policzka.  F 252,  288. 

des  Reljezat-Gebirgs.  F 12,  13. des  Szamos-Gebiets.  F 33. des  Vrdnik- 

Gebirgs.  F 159.  — -Schiefer  im  südwestlichen  Ungarn.  F.  114.  Krysta  llogen  esis 
(K.  v.  Hauer’s  Studien  über).  F.  49.  Kuhelb  ad  er  (untere  Silur-)  Schichten.  7,  249, 

255,276,278,280,  281. (bituminöser  Kalk  der).  270,  271,  275,  281 . Kupfer- 

Erze  des  böhmischen  Riesengebirges.  413,  420,  535. 

Laganum  sp.  F 6.  Lamna  sp.  341.  Lava  des  Vesuvs  beim  Ausbruch  im  Decem- 
ber  1861.  V.  179,  181.  — (basaltische)  am  Platten-See.  F.  147,  148.  Leda  discors.  F.  45. 

— Ehrlichi.  V.  45.  — fabaeformis.  F 42.  — percaudafa.  F.  42.  Lehm  im  westl.  Slavonien. 
296.  L eith  a -Co  ng  I o m e rat  in  Unter-Steiermark.  314,342.  — -Kalk  im  Moslaviner 

Gebirg.  F 216. zwischen  Olmütz  und  Brünn.  V.  52. in  Unter-Steiermark.  324, 

326,  342,  346,  348,  351. im  westlichen  Slavonien.  285,  286,  289,  291,  292,  294,  295. 

(hohle  Geschiebe  im).  290.  — -Schichten  in  Unter-Steiermark.  318,347,350, 

351,  352,  356.  Leopolds-Ordens  (Verleihung  des  Oesterreichischen  kaiserlichen  an  den 
Präsidenten  Kieser.  F 267.  L e p e r d i ti  a Baltica.  V 294.  L e p i d o d en d r o n aculeatum. 
F 3,  141,  142,  143.  — brevifolium.  F.  143.  — erassifolium.  F 143.  — crenatum.  F 143. 

— dichotomum.  V 141,  142,  143.  — Haidingeri.  V.  141,  142,  143.  — obovatum.  F.  140, 

143.  — Sternbergi.  F.  143.  — undulatum.  V.  141,  142.  Lep  idop  hl  o ios  laricinum.  V. 
141.  Lep i do ph y 1 1 u m binerve.  F.  143.  L epi  d ostro  bus  variabilis.  F.  141.  Lepralia 
sp.  F.  194.  Lep  ra  ri  a monoceros.  295.  — stenostoma.  295.  Leptaena  euglypha.  250, 
252.  - Rhaetica.  V 42.  Leptoxylum  geminum.  F.  143.  Letten  des  Quaders.  372. 
L et  te  n ko  h 1 e n- Gr  u pp  e der  bayerischen  Alpen.  F.  40.  L i as  im  Bakonyer  Wald.  F 226, 
227,  228.  — der  bayerischen  Alpen.  F 43.  — Grenze  gegen  den  Flysch.  107,  108.  — im 
nördlichen  Tirol.  115,  116.  — in  Vorarlberg.  87,  114,  115.  — (jüngerer).  114,  115,  125, 
130,  140.  — (kohlenführender)  des  Banats.  F 214. Dolomit.  118,119. Flecken- 
mergel. 132. K o h 1 e von  Reschitza  und  Steierdorf.  F.  212. Schi  efer  mit  Fisch- 

resten von  Seefeld.  143.  Lichas  scaber.  252.  Lichenopora  caryophyllea.  F.  281. 

— fungiformis.  F.  281.  — multi-plicata.  F.  281.  — Pupa.  F 281.  Li  gnit  des  Moslaviner 
Gebirgs.  F 216.  — im  westlichen  Slavonien.  F 117.  — -System  in  Unter-Steiermark. 
344.  Lima  Alpina.  F 42.  — asperula.  F 42.  — crassecostata.  F.  282.  — gigantea. 
156.  — millepunctata.  F.  42.  — minuta.  F 42.  — nummulitiea.  F 282.  — Nux.  F 45. 

— salinaria.  F.  41.  — spinosostriata.  F.  42.  — subglabra.  F 41.  — Tirolensis.  F 282. 
Limnaeus  pereger.  F 161.  Limopsis  costellata.  F 282.  — obovata.  F.  282.  Limu- 
lus  Walchi.  F 9.  Lingula  Feistmanteli.  254,  F 176.  — sp.  F 176.  Listriodon 
splendens.  F.  287.  Litharaea  subalpina.  F.  283.  Lithochela  problematica  F 42. 
Litten  er  (obere  Silur-)  Schichten.  6,  7,  11,  14,  17,  19,  20,  21,  23,  28,  29,  30,  31,  32, 
34,  37,  38,  40,  61,  249,  255,  258,  359,  263,  265,  276,  278,  281.  Löss  auf  Kreide  im  mittleren 


Sach-Register. 


327 


Böhmen.  V 106,  128.  Lu  ei  na  divaricata.  F 63,  160.  — exigua.  F 305.  — Heeri.  F 282. 

— Mittereri,  F.  282.  — ohlonga.  F 41.  — Oppeli.  F 42.  — prisca.  F 294.  — Rhaetiea. 
F 42.  — Rollei.  F 282.  — rostralis.  F.  282.  — subsquamulata.  F.  45.  — sp.  344. 
Lutrar ia  convexa.  344,  352.  Lycop odites  Bronni.  382.  Ly  o ns i a unioides.  V.  58. 

Machairodus  leoninus.  F.  286.  Mactra  Podolica.  294.  — Sirena.  F 226. 
Maeandrina  valleculosa.  F 282.  Mal  a k ol  i th  - Ka  1 k stei  n (erzführender).  408,  412, 
413,414,415.  Mammuth  aus  Galizien.  F.  290.  Mangan-Eisenstein.  362.  Manon 
varians.  Fi  42.  Marginulina  subbullata.  F 45.  — sp.  288.  Marmor  (rother)  von 
Kiritein.  F 69-  Mastodon  sp.  F 22,  271,  286.  Medolo  (Ammoniten  aus  dem).  F 166. 
Meeresküste  (Hebung  der)  bei  Ausbruch  des  Vesuvs  im  December  1861.  F 182.  Meeres- 
Molasse  der  bayerischen  Alpen.  F.  283.  xMegaiodus  Carinthiacus.  F 131.  — Colum- 
bella.  F 131.  — gryphoides.  F 42,  131.  — lamellosus.  F 131.  — seutatus.  F 131.  — tri- 
queter.  127,  F 40,  67,  77,  111,  130,  131.  — (Giimbel’s  Monographie  der  Gattung).  F 130. 
Melania  elegans.  F 282.  — Escheri.  293.  — Mayeri.  F 283.  — Stygia.  F 17.  Melan- 
opsis  acicularis.  297,  298.  — acuminata.  F 283.  — Aquensis.  345.  — Bouei.  V.  85, 

126,  217.  — buccinoidea.  297,  298.  — costata.  297.  — Dufouri.  297.  — Esperi.  297,  298. 

— foliacea.  F 283.  — Martiniana.  F 16,  218.  — pygmaea.  345,  F 16,  217,  218.  — sp. 
F.  16,241.  — -Schichten.  344,345.  Melaphyr  im  böhmischen  Riesengebirg.  409, 

— der  Insel  Lissa.  F 257.  — des  Rothliegenden.  385,  386,  387,  389,  392,  F 29. 

Membr anipora  angulata.  295.  — Rhaetiea.  Fi  42.  Mergel  des  Lias.  91.  — (eocene) 
des  Bakonyer  Waldes.  F.  211,  212.  — (mariner  neogener).  288.  — (tertiäre)  in  Unter- 
Steiermark.  326,  343,  346.  — -Kalk  der  Kreide  iin  Vrdnik-Gebirg.  Fi  159,  160.  Meta- 
morphose von  Eisenkies  in  Braun-Eisenstein.  F.  299.  — von  Gesteinen.  318,357,258, 
F 299.  Meteoriten  im  Britischen  Museum  (Maskelyne’s  Verzeichniss  der).  F 244. 
Mi  c r a s t er  Cor  anguinum.  173.373.  Mi n er  al ie n aus  Grönland.  F 118.  — aus  Neusohl. 
F 10,  — aus  Neutitschein.  F 74.  Mineralogie  (Des  Cloizeaux’s  Handbuch  der).  F 259. 
Mi  n er  alquel  1 en  im  böhmischen  Riesengebirg.  410.  — von  Gars.  F 107.  — von  Hryniawa. 
F 222,  223.  — von  Jamnica.  534.  — von  Kleinzell.  534.  — von  .Mauer  bei  Wien.  68,  F 56, 
85.  — von  Suliguli.  69,422,  F 85.  — in  Unter-Steiermark.  365,366.  Miocenes  des 
Körös-Thales.  F 16.  — im  Lapos-Thal.  F 193,  194.  — zwischen  Olmütz  und  Brünn,  F 51. 

— in  Vorarlberg.  204.  Mi  tra  Ebenus.  F 51 . Mi  fctel- Do  lomit  im  nördlichen  Tirol.  532. 
Modiola  interstriata.  F 283.  — Kressenbergensis.  F 282.  — marginata.  343.  — Schaf- 
häuteli.  156.  — Studeri.  F 282.  — Volhynica.  343.  Molasse  der  bayer.  Alpen.  F 282, 
283.  — in  Unter-Steiermark.  344,345.  — in  Vorarlberg.  204.  Monotis  salinaria.  159. 

Kalk.  159.  Montan-Ha  nd  buch  des  Oesterr.  Kaiserstaates  (J.  B.  Kraus’ s).  F 22,  23, 

Monticularia  granulata.  F,  282.  — inaequalis.  F 282.  Mo  n 1 1 i val  t i a bifrons.  F.  282. 
Morast-Erz,  Probe.  F 532.  Murex  acutecostatus.  F 283.  — obtusecostatus.  F 283. 

— sp.  F 297.  — sp.  nova.  F.  52.  Muschelkalk  der  bayer.  Alpen.  F 40,  41.  Muschel- 
keuper der  bayer.  Alpen.  F 41.  Myacites  drupaeformis.  F 42.  — • Fassaensis.  527,  F 135, 
206,  235,  240,  271.  — Meriani.  F 42.  — Quenstedti.  F.  42.  Myophoria  vulgaris.  F 40. 

— Whatleyae.  F 166.  Myrica  salicina.  F 283.  Myriozoum  geminiporum.  291,295. 

— truncatum.  292.  Mytilus  Aquitanicus.  F 283.  — Escheri.  F.  42.  — Faujasi.  341. 

— Haidingeri.  341.  — impressus.  F 41.  — sp.  160,  F 182,  241. 

Naphtha-Quellen  im  Diluvial-Schotter.  294,295.  — — in  Galizien.  F 196. 
Schiefer.  F 197.  Nati ca  Alpina.  156.  — angulifera.  F 60,  63.  — atylodes.  F 383. 

— ecarinata.  F 42.  — mutabilis.  V.  212.  ■ — Rhaetiea.  V.  42.  — vulgaris.  514.  — sp.  343. 
Naticella  costata.  F 77,  206,  255,  271.  Nautilus  elegans.  373.  — Haueri.  F 42. 

— impressus.  F 43.  — multisinuosus^  F 42.  — sp.  F 258.  Neaera  bicarinata.  F 282. 

— scalarina.  F 282.  Necrolog  H.  G.  Bronn’s.  F 262,  263.  — K.  F.  H.  Dauber’s.  F 36. 

— J.  Jokely’s.  F 261.  — K.  C.  v.  Leonhard’s.  F 167.  — J.  Th.  v.  Zollikofer’s.  F 264. 
Neo  com  es  im  nördlichen  Tirol.  159,196.  — in  Vorarlberg.  164,165,187.  Neogenes 
von  Alsö-Hagymäs.  F 194.  — des  Bakonyer  Waldes.  Vx  124.  - im  Egerer  Becken.  380. 

— bei  Karlstadt.  F 139.  — in  der  Militärgrenze.  F 256.  — im  südwestlichen  Ungarn. 
F 217.  — in  Unter-Steiermark.  335,339.  --  im  westlichen  Slavonien.  285.  Neogen- 

Beek  e n von  Cilly.  346. von  Rann.  352. von  Reichenburg.  349,  350. M o 1 a s s e 

der  bayerischen  Alpen.  F 282,  283.  Nerinea  Buchi.  F 15.  Nerita  conoidea.  F 17,  68, 
211.  — Klipsteini.  F 258.  — sp.  F 16.  Ne  r it  i na  Groteloupiana.  345.  — transversalis. 
297.  — sp.  345.  Neuropteris  aeutifolia.  F 141,  142.  — flexuosa.  F 142,  143. — gigantea. 
F 143.  — heterophylla.  F 140.  — Loshi.  F 142,  143.  — obovata.  F 142.  — rubescens. 
F 141,  142.  — tenuifolia.  382.  Nierenthaler  (Kreide-)  Schichten.  F 44.  Niobe 
lueinaeformis.  F 118.  Nodosaria  elongata.  F 45.  Noeggerathia  foliosa.  F 142. 

— speciosa.  F 142.  Nonionina  bulloides.  288.  — communis.  F 305.  — granosa.  289. 

Nucleolites  Neocomiensis.  166.  Nu  c ul  a Bavarica.  F 282.  — jugata.  F 42.  — pecti- 
nata.  F.  514.  — Reussi.  F 45.  — salinaria.  F 41.  — semilunaris.  376,  514.  — striatula. 


s§ 


328 


Sach-Register. 


514.  Nulli  pora  annulata.  134,  142.  — nummulitica.  V.  281.  — sp.  F.194,226.  Nulli- 
p or  e n -K  al  k in  West-Slavonien.  291,294.  Nu  m m u I i n a complanata.  V.  68.  — Lucasana. 
V.  68,  211.  — perforata.  F 6,  68,  210,  211.  N u m m u 1 i t es  distans.  IT  212.  — exponens. 
V 212.  — granulosus.  F 212.  — laevigafus.  F 6.  Leymeriei.  V.  211.  — Spira.  F 212. 

— striatus.  F 211.  Nu  m m u 1 i te  n - Sch  i c h te  n des  Bakonyer  Waldes.  F 210,  211. — der 
bayer.  Alpen.  F 281.  — in  Siebenbürgen.  F 6, 194.  — in  Vorarlberg.  178,  179,  181,  198. 

©ligocenes  in  Vorarlberg.  204.  0 I i g o c e n-M  o 1 a s se  der  bayerischen  Alpen. 

F 282,  283.  Olivin-Basalt  bei  Schlan.  F 518.  — -Gestein  (basaltisches).  F 80. 

— — im  Basalt-Tuff.  F 218.  Oolith  der  Trias  in  Galzein-Thale.  138.  Oolithes 
(Faunendes)  in  England.  48,49.  Oolith-Kalk  mit  Cerithien  im  Basalt-Tuff.  V.  218. 

Structur  des  Caprotinen-Kalkes.  171.  Opis  lunulata.  528.  Orbicula  Alpina. 

F 43.  Orbitulina  concava.  F 44.  — lenticularis.  F 44.  Orographie  des  llasalt- 
Gebirges  am  Platten-See.  F 145,  146.  — des  böhmischen  Riesengehirges.  396.  — des 
Kalniker  Gebirges.  F 229.  — der  Militärgrenze.  F 526,  527.  — des  Steinkohlen-Gebietes 
des  Prager  Kreises.  431.  — von  Unter-Steiermark.  312,  313.  — des  Vrdnik-Gebirges.  V 159. 

— des  westlichen  Slavoniens.  F 115.  Orthis  redux.  244.  — sp.  V.  176.  Orthoceras 
liasieum.  F 43.  — originale.  252.  — pulchellum.  V.  258.  — sub  mnulare.  552.  — sp.  149, 
F.  176.  Ostrea  anomioides.  F 41.  — callifera.  V.  124,  230.  — Coehlear.  343,344. 
F 194.  — Columba.  F 48.  — digitalina.  291,  292,  F.  63.  — fimbrioides.  V.  226.  — 
Gingensis.  F.  51.  — glabrata.  F.  41.  — inflexestriata.  F.  42.  — intusradiata.  F 45. 

— lamellaris.  F.  226.  — lateralis.  F.  48.  — latissima.  V.  212.  — macroptera.  170,  181. 

— Montis  Caprilis.  532.  — Naumanni.  376.  — Paueri.  V.  282.  — pseudo-vesicularis.  F.  282. 

— Rhaetica.  F.  42.  — spinicosta.  F 42.  — fentaculala.  F.  42.  — vesicularis.  376,  V 15. 

Otodus  appendiculatus.  514.  Otozamites  brevifolius.  F.  199  0 x yr  h i n a Alpina.  V.  41. 

Pachypteris.  F 199.  Palaeobatrac  h u s Goldfussi.  379.  Palaeomeryx  sp. 
F 287.  Palaeoniscus  Blain villei.  F 294.  — Duvernoyi.  F 259,  294.  — Freieslebeni. 
F 259,294.  — Vratislaviensis.  382.  — sp.  509,  F.  294.  Palaeorvxsp.  F 286.  Palaeo- 
t euth  i s Dunensis.  F 295.  P al  i ssy  a Brauni.  V.  144.  145,  199.  P a 1 i s s y a-S a n d s t e i n 
des  untern  Lias.  F 145.  Paludina  eoncinna.  297,  F.  85.  — ecarinata.  297.  — gravi- 
stria.  F 283.  — naticoides.  297.  — Sadleri.  F 127,148,217.  — Sadleriana.  296,297. 
298,  299.  — stagnalis.  345.  — tentaeulata.  297,  298,  299.  — Vukotinovici.  297,  298.  — sp. 
F 6.  P al  u d i n en - K a I k in  westlichen  Slavonien.  297,298.299.  Panopaea  Faujasi. 
F 52,  124.  — Rhaetica.  F.  42.  Paradoxit.  F 86.  Part  nach-  (Trias-)  Mergel  in 

Vorarlberg.  90,  91,  101,  104,  120. Schichten  der  bayerischen  Alpen.  F.  40. im 

nördlichen  Tirol.  117,118,131,132,149,  151.  — — der  Zug-Spitze.  141.  Partschia 
Brongniarti.  380.  Pavolunites  nummulitica.  F.  282.  Pavotu  bigera  dimidiata.  295. 
P ecc  h i ol  i a des  Wiener  Beckens.  F 120.  Pe c op  t e r i s aequalis.  F.  140.  — Glockeriana. 
F 142,  143.  — Glockeriana,  var.  falciculata.  F.  14»,  142.  — mucronata.  F.  143.  — pennae- 
formis.  F 142,  143.  — Pluekeneli.  F.  140.  — Hadnicensis.  F 142.  — Silesiaca.  F.  141, 
142.  — unita.  F 141.  — sp.  F.  80.  Pecten  antistriatus.  F118.  — Bronni.  F 282. 

— filosus.  153.  — Fuchsi.  F 206.  — Guembeli.  F.  282.  — Hörnesi.  F 282.  — indupli- 
catus.  F 42.  — intercostatus.  F 282.  — laevistriatus.  F.  41.  — latissimus.  290,292,294, 
343,352,  F.  52,  226,  230.  — limoides.  F 41.  — Malvinae.  343.  — Münsteri.  F 282. 

— opercularis.  343,  F 51.  — perglaber.  F 41.  — pseudodiscites.  F 42.  — pusio.  343. 

— quinquecostatus.  373.  — radiifer.  F 42.  — Rhaeticus.  F 42.  — sarmentitius.  343, 
352.  — semipunetatus.  F 42.  — Solarium.  F 124.  — Solea.  F.  226.  — squamuliger. 
F 42.  — striatocostatus.  F 42.  — subreticulatus.  TT  130.  — trigeminatus.  514.  — un- 
dulatus.  376.  — versinodis.  F 42.  — Verticillus.  528.  — Vilsensis.  F 43.  — Vindunensis. 
528.  — sp.  343,  F 124,  194.  Pectunculus  glycimeroides.  F,  282.  — lateradiatus. 
F 283.  — Mayeri.  F 282.  — perlatus.  F 283.  — polyodonfa.  F 52,  63,  160.  — sp. 
F 124.  Pentacrinus  propinquus.  532.  Perna  Bouei.  153.  — Rhaetica.  F 42.  — un- 
dulata.  F 42.  Petrefacte  des  Bakonyer  Waldes.  F.  67.  — der  Hierlatz-Schichten.  V 
130.  — von  Hohenelbe.  F.  294.  — aus  Mähren.  F 3,69,70.  — aus  dem  nördlichen  Böhmen. 
F 80.  — von  Radmannsdorf.  F 118.  — am  ScoglioCatic  in  Dalmatien  F 257.  — von 
Vils.  F 225.  — (diluviale)  von  Menchecourt.  F 161,  162.  — (jurassische)  von  Solenhofen. 
F 9.  — (Dir.  Krejci’s  Sammlung  silurischer).  F 128,  129.  — (sibirische)  von  Zaleszczyky. 

F 294.  — (tertiäre)  von  Breitensee  und  Speising.  F 63. von  Jaromeric.  F 297,  298. 

von  Koväcs.  V.  226. von  Nussdorf.  F.  287. von  Olmütz.  F 304,  305. 

von  Pikermi.  F 286. der  südlichen  Alpen.  F 16,  17. des  Wiener  Beckens. 

F 287.  — — (Siisswasser-)  von  Ulm.  F 9.  — (triassische)  aus  Ost-Indien.  F 258. 
P e tri colin  a sp.  F 144.  P eu  ce  Brauniana.  F 144.  — sp.  345.  Pflanzenreste  im 
Basalt-Tuff.  379.  — der  böhmischen  Steinkohlen-Becken.  F 140.  — aus  Mähren.  F 69, 
70.  — aus  Ost-Indien.  F 80.  — im  Rothliegenden.  382,  390,  392,  393,  F 294.  — der 
Steinkohlen- Gebilde  des  Prager  Kreises.  502.  — des  Tegels  von  Breitensee.  F 63. 


Sach-Register. 


329 


— (Rassische)  von  Bayreuth.  F 143,  144. von  Veitlahm.  F 199.  — (oolithische)  in 

Australien.  F 28.  Phasianella  Eichwaldi.  V.  305.  Pholadomya  Alpina.  344. 

Münsteri.  V.  282,  Phosphorsäure  (Vorkommen  der)  in  Mineralstoffen  des  Oester- 
reichischen  Kaiserstaates.  V.  190.  Phylljt  des  böhmischen  Riesengebirgs.  400,  401. 

— im  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreis.  F.  127,  128.  — des  Vrdnik-Gebirgs.  F 159.  Phyl- 
1 o c o e n i a ovalis.  F 282,  — striata.  F 282.  Piluharites  Brauni.  V 199  Pinnadecus- 
sata.  514.  — Doetzkirchneri.  V.  41.  — granulata.  F 41.  — imperialis.  V 282.  — legumi- 
nacea.  V 282.  Pisidium  amnicum.  F 161,  162.  — obliquum.  V.  217.  — priscum.  F 120. 
Placoparia  Zippei.  F 176.  Pläner  im  Bunzlauer  Kreise.  367,  373,  374,377.  — im 

Czaslauer  und  Chrudimer  Kreis.  F 128.  — im  Königgrätzcr  Kreis.  F 174. Mergel  bei 

Prag.  251,282.  — — im  Prager  Kreis.  514.  Plagiostoma  incurvostriatum.  V.  41. 

P 1 an era  Ungen.  379.  Planorbis  carinatus.  F,  161,  162.  — corneus.  V.  126.  — margi- 
natus.  F 161.  - nitidus.  F.  126.  — sp.  290,293,  V.  6,  16,226,241.  Platten  kalk  der 
Gurkfelder  Schichten.  316,  326,  329,  330,  331,  332,  350.  Pleisto  eenes  der  bayerischen 
Alpen.  V 284.  Pierast rae in a volubilis.  V.  282.  Plesioteuthis  prisca.  F 9.  Pleu- 
romya  mactraeformis.  V.  42.  Pleurotoma  amblysehisma.  V.  283.  — cataphracta.  V.  18. 

— subterebralis.  F 18.  — sp.  F 297.  Pleurotomaria  Alpina.  V.  42.  — co  rctata.  V. 
130.  — puncticulosa.  V.  282.  — radiata.  V.  257.  — sp.  514.  Plicatula  Helli.  V 282. 

— parvula.  F 282.  PI  u t o n- Ge  s t ei  n e in  Unter-Steiermark.  359,  366.  Pocillopora 
granulosa.  F 282.  Pod^zamites.  V.  199.  Pollicipes  Renevieri.  V.  282.  Polysto- 
mella  crispa.  289,295,  V 217,  218,  308.  — Fichteliana.  289,  F 305.  — subumbilicata. 
F 217.  Populus  latior  subtruncala.  F 63.  — mutabilis  ovalis.  V.  63.  Porphyr  der 
azoischen  Silurschichten.  229,  230.  — im  böhmischen  Riesengebirg.  409.  — des  Pozeganer 
Gebirges.  F.  204.  — des  Rothiiegenden.  389,  F.  172.  — des  untern  Sibirischen.  242,  255. 

— in  Unter-Steiermark.  353,  354,  360,  361. B r e c c i e n.  355,  356,  357. Schlacken. 

357.  — -Tuff  des  Pozeganer  Gebirges.  F.  116,  117. (eocener).  318,  325,  338,  339. 

Posidonia  sp.  F 204.  Posidonomya  Becheri.  F 22.  — Clarae.  V.  135.  Preis- 
Vertheilung  der  Londoner  Ausstellung  von  1862.  F 251,  268.  — der  Londoner  geolo- 
gischen Gesellschacht.  F 38.  Pribramer  Grauwacke.  239.  — (azoisch-silurische) 

Schichten.  227,  230,  232,  233,  235,  248. Eisenerz-Lagerstätten.  F 175.  Priona- 

straea  subregularis.  V.  282.  — tenuilamellosa.  V.  282.  Productus  aculeatus.  F 118. 
Protocardia  Hillana.  514.  Protogyn  im  böhmischen  Riesengebirg.  400,  403,  405. 
Psaronius.  F 142,  143.  Ps  eud  o di  a de  ma  macrocephalum.  V 282.  Pseudoliva 
Fischeriana.  F 282.  Pseudomorphosen  von  Glimmer  nach  Cordierit.  F 304.  — vom 
körnigen  Kalkstein  nach  Aragonit.  V 74.  — von  Wacke  nach  Analcim.  V.  80.  Pteraspis 
Lloydi.  F 295.  — Dunensis.  F.  295.  — sp.  F 192.  Pterinea  sp.  F 294.  Pterophloios 
Emmrichi.  F 42.  Pterop  hy  1 1 u m sp.  V.  80.  Ptychoeeras  sp.  166.  Pupa  Muscorum. 
F 85,  126.  Pustulopora  anomala.  295.  — aspersa.  V.  281.  — botryoides.  F 281.  — 
didyma.  V.  281.  — pulchella.  295.  Pygopterus  sp.  509.  Pygurus  rostratus.  166. 
Pyrgula  sp.  F 241.  Pyrula  Lainei.  341. 

Quader  de«*  Bunzlauer  Kreises.  367,  369,  373,  377.  — im  Czaslauer  und  Chrudimer 
Kreis.  F 128.  — im  Königgrätzer  Kreis.  V.  172,  173,  174.  — (cenomaner).  368.  — 
-M  e r g e 1 im  Prager  Kreis.  513,514,515,516.  - -Sandstein  bei  Prag.  251,  282. 

im  Prager  Kreis.  513,  514,  515,  516.  Quartäres  der  bayerischen  Alpen.  V 284. 

Quar  z-B  r e c c i e n des  Verrucano.  F 33.  — -Sandstein  der  Kreide.  F 15.  Quarzit 
des  untern  Silurischen.  243,  244,  252,  256,  $84.  — -Schiefer  im  böhmischen  Riesen- 
gebirg. 407.  Quellen  in  Unter-Steiermark.  365.  — im  westlichen  Slavonien.  V.  118. 
Quinqueloculina  foeda.  F 298.  — Haidingeri.  F 298. 

Hadiolites  Neocomiensis.  F 67.  — Paillettianus.  F 15.  Rai  bl  er  (Trias-) 

Schihten  der  bayerischen  Alpen.  F 41. im  nördlichen  Tirol.  129,  131,148,151, 

159. in  Unter-Steiermark.  332. in  Vorarlberg.  98,  100,  101,  104,  136,  137. 

Rauch  wacke  des  Guttensteiner  Kalkes.  148.  — der  Raibler  Schichten.  100,  105,136, 
137.  Reiter  (Eocen-)  S chichten  der  bayerischen  Alpen.  V.  282.  Ret  epo  ra  eellulosa. 
292,295.  — Rubeschi.  295.  Reteporoidea  versi-punctata,  F 281.  Retzia  trigonella. 
F 40,  165.  Rhabdotus  verrucosus.  F 143.  Rhätische  (Trias-)  Schichten  im 
Bakonyer  Wald.  F 226.  Rhinoeeros  Schleiermacheri.  380,  F.  286.  — tichorhinus.  517, 
F 3,  161.  — sp.  283.  Rhodocrinus  armatus.  F.  43.  Rhynchonella  controversa. 
F 43.  — dilatata.  528.  — fisRcostata.  156.  — Fraasi.  F 228.  — granulatostriata. 
F 41.  — lacunosa.  V.  228.  — octoplicata.  373.  — plicatella.  F 20.  — polyptycha. 
F 228.  — retrocita.  F.  258.  — solitaria.  F 43.  — subrimosa.  156.  — subtriplieata. 

F 42.  — Vilsensis.  F 43.  Rhyolith  im  westlichen  Slavonien.  293.  R h y ti  d o p hl o i o s 
tenius.  F 142.  Ris  soa  pachychilos.  F 283.  Risso  inasp.  F 297.  Robuli  na  Austriaca. 
288.  — cultrata.  288,  295.  — excentrica.  F 282.  — latemarginata.  F 45.  — sp.  288. 
Roheisen,  Anal.  67,  70.  Rokyc  an  er  (Silur-)  Schichten.  F 176.  R onca- (Eocen-) 


330 


Sach-Register. 


Schichten.  F 226.  Rosalina  grosse-punctata.  V.  45.  — Viennensis.  V.  2i7. 

Rostellaria  cornuta.  F.  42.  — corvina.  F 77.  — Reussi.  F 157.  — Pes  carbonis.  F.  17. 

— sp.  344.  Rossfelder  (Kreide-)  Schichten  im  nördlichen  Tirol.  193,  195.  — — 
in  Vorarlberg.  164,185.  Rotalina  Boueana.  288,  289,  295.  — Akneriana.  289.  — 
Dutemplei.  295.  — Eggeri.  F 45.  — Haeringensis.  F 282.  — megomphalos.  F.  282.  — 
Partschiana.  289.  — Soldanii.  289.  Roth-Eisenstein  der  obern  Trias.  364.  Roth- 
liegendes  im  böhmischen  Riesengebirg.  F 29,  82.  — im  Jiciner  Kreis.  381.  — im  König- 
grätzer  Kreis.  F 169,171,  174,296.  — im  mittlern  Böhmen.  F 239,  253.  — im  Prager 
Kreis.  507,  513,  514,  516,  F 30.  Ruts  chflä  chen  der  Hallstätter  Dolomite.  327. 

Sacheria  asplcnioides.  F 143.  Säugt  hier  e (fossile)  von  Pikermi.  V.  286. 

im  Wiener  Becken.  F 287.  S a g e na  ria  Wolfiana.  1*.  70.  Salamandra  laticeps. 

379.  Salenia  petalifera.  173.  Salieornia  crassa.  288,292,295.  — marginata.  288, 
292,  295.  Salzthon  im  nördlichen  Tirol.  531.  — (Pflanzenreste  im  Haller).  F.  194, 

195.  St.  Cassian-Petrefacte  im  südlichen  Dalmatien.  V.  257. aus  Ost-Indien. 

F 258.  — -Schichten  in  Unter-Steiermark,  332.  Sandstein  des  Kalniker  Gebirgs. 
F 229,  230.  — (neogener)  im  Bakonyer  Wald.  F.  127.  — (tertiärer)  in  Unter-Steiermark. 
314,337,342,344.  Sa  ngu  i n o I a r i a recta.  F 41.  Sapindus  falcifolius.  379.  Sa- 
phire im  Goldgebiet  von  Victoria  (Australien).  F.  27.  Sauerquellen  im  böhmischen 
Riesengebirg.  410.  — von  Suliguli.  69.  — in  Unter-Steiermark.  365,  366.  Sauriehnites 
salamandroides.  F 118,  225,  294.  Saxicavasp.  F.  144.  Scalar  ia  omatissima.  F 282. 
Sca ph ites  constrictus.  F 3.  — falcifer.  F 45.  — multinodosus.  F.  3.  Schalstein  im 
untern  Silurischen.  242.  S c h i c h t e n s t ö r u n g en  der  Kreidegebilde.  176,185,188,189. 

— krystallinischer  Schiefer  durch  Syenit.  F 303.  — in  der  Militärgrenze.  530.  — des  Silu- 
rischen in  Mittel-Böhmen.  215,  219,  234,  248,  249,  250,  255,  275,278.280.281.  - im 
Tertiär-Becken  von  Gratz.  F.  12.  — der  Trias  und  des  Lias  115,  116.  118,  124,  129,  131, 
148,  151.  Schichtenstreckungen  der  alpinen  Gesteine.  190.  Schichtenwindungen 
der  Gailthaler  S<  hiefer.  323.  S c h i e fe  r des  Kalniker  Gebirgs.  F 229,  230.  — (azoiseh- 
silurische)  in  Mittel-Böhmen.  225.  — (bituminöse)  mit  Fischresten  von  Seefeld.  143. 

— (eocene)  in  Unter-Steiermark.  314,  335,  339.  — (ki ystallinische)  im  südwestlichen 
Ungarn.  F 114.  Schizaster  eurynotus.  F.  68.  — sp.  V.  84.  Schizodus  elongatus. 
F.  42.  Schizonema  sp.  F 80.  Sch  izopteris  Lactuca.  F 142.  Schleifsteinein 
Unter-Steiermark.  337,  338.  Schotter  (diluvialer)  mit  Blöcken  von  sibirischem  Kalk.  284. 

auf  Kreide  im  nördlichen  Böhmen.  I7.  106. im  nördlichen  Tirol.  205.  um 

Prag.  283,  284,  517.  — (neogener)  im  Bakonyer  Wald.  F.  126,  127.  S c h ra  tte  n-  (Kreide-) 
Kalk  der  bayerischen  Alpen.  V.  44,  45.  — — in  Vorarlberg.  170,  179,  181,  182,  185. 

S ch w e fei  (gediegener)  mit  Bleiglanz.  V.  246.  Schwefelkies  in  Braun-Eisenstein  ver- 
wandelt. F 299.  — in  eocenem  Tuff.  364.  S c h we  f el  - K o h 1 e n s t of  f (Verhalten  einiger 
Metalle  in  der  Flamme  von).  F 115.  Schwefelquelle  von  Hainsko.  365.  Scrupo- 
cellari  a elfptica.  288,295.  Scyphia  cylindrica.  V.  43.  S e e we  r (Kreide-)  S ch i c fi- 
ten der  bayerischen  Alpen.  F 44,  45. in  Vorarlberg.  164,  173,  179,  181,  182,  185. 

Semnopitheeus  Pentelicus.  F.  "286.  Septaria  Beyrichi.  V.  282.  Serpentin  in 
Bronzit  ubergehend.  F .13.  — des  Vrdnik-Gebirgs.  1’.  160,  — (schieferiger).  F 114. 
Serpula  Alpina.  F 43.  — mammillata.  F 45.  — Rhaetiea.  V.  43.  — taeniaeformis.  F.  282. 
Sigillaria  diploderma.  F 142,  143.  — elongata.  F 140.  — gracilis.  F 3.  — Knorri. 
F.  3.  — ornata.  F.  142.  — rhytidolepis.  F 142,  143.  — Sillimanni.  F 142,  143.  — tri— 

gona.  F 141,  142.  Si  I b er- B erg b a u im  böhmischen  Riesengebirg.  413. (alter)  in 

böhmischen  Rothliegenden.  392. (aufgelassener  von  Slattetsehe.  364,365.  Siliqua 

Bavarica.  F.  283.  Silurisches  in  Böhmen.  4,  207,  223,  239,  260,  F.  129,  153,  269,  270, 
284.  — in  Galizien.  V 294,  295.  — in  Victoria  (Australien).  F.  24.  Silur-Faunen  von 
Böhmen.  9,  29,  41,43,45,46,54,57,63,250.  — -Petrefacte  aus  Böhmen.  V 128. 

von  Zaleszczyky.  F 294.  — -Schichten  von  Böhmen  (Eisenerze  der).  V.  175,  176, 

224. (Parallelisirung  der)  mit  denen  in  England.  F.  284,  285.  S ip h o n a r i a sp.  F. 

130.  Solarium  quadrangulatum.  F.  282.  — stellatum.  F.  45.  Solen  clavaeformis. 
F.  45.  — elongatus.  V.  282.  S o 1 e n o my  a Sandbergeri.  V.  282.  Spatangen- (Kreide-) 
Kalk  in  Vorarlberg.  164,169,  176,180,181,182,185.  Spatangus  retusus.  168,169, 

170.  — sp.  F.  17.  Spa  th-Ei  sen  st  ei  n von  Kogelanger  und  Kohlberg.  F.  300,  301. 

der  Lombardie.  V.  47,  48.  S p h a er  exo  c h us  mirus.  252.  S p h a e r o coc  c u s sp.  V 182. 
Sphaerodus  Neocomiensis.  F.  20.  Sphaeroidina  Austriaca.  288.  Sphaerulites 
undulatus.  F.  48.  Sphenodus  Alpinus.  F.  43.  Sphenophyllum  emarginatum.  F.  143. 

— Schlotheimi.  F.  140,  142.  143.  — — var.  saxifragaefolium.  F,  142,  143.  Spheno- 
pteris  acutiloba.  F.  141,  142,  143.  — botryoides.  F.  143.  — debilis.  F 143.  — elegans. 
F.  142,  143.  — flavicans.  V.  141.  — fragilis.  F.  141,  142.  — Gutbieri.  V.  143.  — Hoening- 
hausi.  F.  141,  142.  — irregularis.  F.  143.  — lanceolata.  F.  143.  — latifolia.  F.  141,  142. 

— linearis.  F.  143.  — meifolia.  F 142,  143.  — obtusiloba.  F 141,  142,  143.  — spinosa. 


Sach-Register. 


331 


F 142,143.  — tenuissima.  F 143.  — sp.  F 4.  S p i rif  e r alpestris.  F 40.  — bisulcatus. 
F 118.  — glaber.  F 118.  — Münsteri.  156.  — rostratus.  F 58.  — uncinatus.  127. 
S piriferina  Alpina,  var.  F.  228.  — fragilis.  F.  165,  241.  — Mentzeli.  F.  40,  165.  — oxy- 
colpos.  156.  Spirigera  lunata.  F.  41.  — nuciformis.  F.  42.  — Stromayeri.  F 258. 
Spondylus  alfiuis.  F.  282.  — cancellatus.  F.  45.  — crassicosta.  F 52.  — crisiatus.  F.  40. 

— Helü.  F 282.  — rarispina.  F.  68.  — rugosus.  F.  41.  — squami-costatus.  F.  42:  Spon- 
gites  porosissimus.  V.  42.  Steinkohle  durch  eruptive  Gesteine  vercoket.  F 19.  — von 

Mährisch-Ostrau.  F 139.  — (Rassische)  von  Fünfkirchen.  F 58. von  Reschitza  und 

Steierdorf.  F 212,  214.  Steinkohlen,  Proben.  67,  68,  69,  71,  421,  422,  F 139. 

— -Baue  von  Bustehrad  und  Kladno.  473.  — -Becken  von  Bustehrad-Kladno.  446. 

— — von  Lana-Buda.  480.  — von  ßakonic.  485. von  Schlau.  496. von 

Wotwowitz.  437. (vereinzelte)  im  Prager  Kreis.  523.  — -Flötze  von  Bustehrad. 

454,  466.  — -=•  des  Quaders.  513.  — — des  Rothliegenden.  514,  F 169,  172,  174. 

— -Flora  von  Miröschau  und  Bfas.  F 140. von  Swina.  F 143.  — -Formation 

(fossile  Reste  der)  im  Prager  Kreis.  502.  — -Gebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager 
Kreises.  431,  433,  502. Mulde  von  Jaworzno.  F 85,  86.  — -Petrefacte  von  Rad- 
mannsdorf. F 118. Revier  von  Schatzlar  und  Schwadowitz.  F 169,172,174.  — -Sand- 

stein in  Victoria  (Australien).  F 26.  — (Gailthaler)  -Schichten  in  Unter-Steiermark. 

323.  — -Vercokung  zu  Bustehrad.  479.  Steinsalz-Production  von  Wieliczka. 
F 87.  Stereo  psammia  Doetzkirchneri.  F 282.  Stigmaria  ficoides.  523,  F 140, 
141,142,143.  — inaequalis.  F 142.  Succinea  oblonga.  F.  85,  126.  Süsswasser- 
Kalk  des  Bakonyer  Waldes.  F 125.  — — (neogener).  297,298,  F 125.  — -Molasse 
der  bayerischen  Alpen.  F 283.  — -Petrefacte  von  Ulm.  F 9.  — -Sandste  in.  345, 

Schichten  im  südwestlichen  Ungarn.  F 111. (kohlenführende).  F 136.  Sus 

Erymanthius.  F 286.  Syenit  im  Chrudimer  und  Kön  iggrätzer  Kreis.  F 303.  — in  Mähren. 
F 20,  21.  — in  der  Militärgrenze.  F,  62.  Syring  odendron  Pes  capreoli.  F 141,142. 

Taeniodon  Ewaldi.  F 144.  Taeniopteris  Daintreei.  F 28.  — Nilssoniana. 
F 28.  — sp.  F 80.  Tapes  gregaria.  F 217.  Taxodium  dubium.  379.  Taxodites 
Münsterianus.  F 199.  Tegel  (kohlenführender).  F 131.  — (neogener)  des  Bakonyer 
Waldes.  F 126.  — — im  westlichen  Slavonien.  288,  297,298.  — -Petrefacte  von 
Jaromieric.  F 297,  298.  — — von  Olmütz.  F 303,  304.  T e 1 1 i n a concentrica.  514. 

— Pichleri.  F 282.  — semi-striata.  F 45.  Tentaculites  ornatus.  F 294.  Terebellum 
convolutum.  F 68,211.  Terebra  Vulcani.  F 17.  Terebratella  pectunculoides. 
F 164.  Terebratula  Algovica.  F 45.  — antiplecta.  194.  — bifrons.  F 43.  — 

bisuffarcinata.  F 228.  — brevis.  F 42,  43.  — concinna.  194.  — cornuta.  156.  — cyrtiae- 
formis.  F 282.  — depressa.  170.  — diphya.  F 241.  — discoidea.  F 42.  — dorsoplicata. 
F 228.  — Equicampestris.  F 45.  — eudichotoma.  F 282.  — globata.  164.  — grandis. 
F 194.  — granulosa.  F 226.  — imbricataria.  F 226.  — lata.  170.  — Marcousana.  F 44. 
— - Margarita.  F 43.  — mutabilis.  F 228.  — nimbata.  F 228.  — Pala.  194.  — praeionga. 
170.  — pyriformis.  156.  — reflexestriata.  F 45.  — reticularis.  250,  252.  — selloides. 

F 43.  — semiglobosa.  F 230.  — Sinningensis.  F 282.  — sphaeroidalis.  F 20.  — striato- 
punctata.  F 40.  — subcanaliculata.  F 43.  — substriata.  F 228.  — subtriangulata. 

F 45.  — Tamarindus.  170.  — Tichaviensis.  F 3.  — Vilsensis.  F 43.  — sp.  F 225. 
T e r e d o nuinmulitica.  F 282.  Terrassen-Diluvium  im  nördlichen  Tirol.  205. 

— zwischen  Olmütz  und  Brünn.  F 52.  — in  Unter-Steiermark.  353.  Tertiäres  von 
Alsohagymäs.  F 194.  — des  Bakonyer  Waldes.  F 124,  211.  — der  bayerischen  Alpen. 
F 280,  281.  — in  Dalmatien.  F 236,  239,  241.  — von  Jaromieric.  F 297,  298.  — von 
Könnend.  F 84,  85.  — im  Körös-Thal.  F 16.  — des  Lapos-Gebietes.  F 193,  194.  — in 
der  Militärgränze.  529,  530,  F 83,  216,  217,  256.  — im  nördlichen  Tirol.  204.  — zwischen 
Olmütz  und  Brünn.  F 51.  — im  Rhätikon.  198,  204.  — im  südwestlichen  Siebenbürgen. 
F 59,  60.  — im  südwestlichen  Ungarn.  F 111,  217.  — in  Unter-Steiermark.  314,  316,  318, 

324,  325,  326,  334,  339,  356,  360.  — in  Vorarlberg.  198,  204.  — im  westlichen  Slavonien. 
285,  F 116.  — (älteres)  im  nordwestlichen  Siebenbürgen.  F 5,  6.  Tertiär - Becken 

von  Cilli.  320,  346.  — — von  Eperies.  F 46. von  Gratz.  F 11. von  Pozek. 

F 83. von  Rann.  321,  352,  F 53. von  Reichenburg.  321,  349. von  Wien. 

V.  17,  18,  119. Petrefacte  der  südlichen  Alpen.  F 16,  17.  Tetralophodon  sp. 

F 271.  Textularia  abbreviata.  289.  — articulata.  288.  — deperdita.  289.  — laevigata. 
289,295.  — Mayeriana.  288,289.  Thalassictis  viverrina.  F 286.  Thamnastraea 
Alpina.  F 42.  — Rhaetica.  F 42.  — splendens.  F 40.  Thiergarten  zu  Wien.  F 237. 
Thinnfeldia.  F 199.  Thon  (blauer)  des  Quaders.  513,  515.  — (rother)  des 
Neogenen.  F 529,  530.  Thon-Eisenstein  im  Neogenen.  F 256.  — des  unteren 
Silurischen.  242.  Thonschiefer  im  nördl.  Tirol.  118.  — im  westlichen  Slavonien. 
F 203,  204.  — (azoi'seh-silurischer)  von  Pribram.  227,  233.  Thonstein-Porphyr 
des  Orljava-Gebirgs.  F 194.  T h r a c i a ventricosa.  344.  Topographie  des  böh- 


332 


Sach-Register. 


mischen  Riesengi  birgs.  397.  — von  Unter-Steiermark.  312.  Toxaster  Brunneri.  160. 

— Campichei.  166,  F 44.  — complanatus.  F 44.  — Saentisianus.  166.  Trachyt  bei 

Cifly.  359.  — in  Geschieben.  F 160.  — des  Kalniker  Gebirgs.  V 79.  — des  Lapos- 

Gebietes.  F 193.  — des  Meleghegy.  Fi  110.  — im  mittleren  Ungarn.  V 122,  123.  

des  Szamos-Gebietes.  F 32,  33,  34,  194.  — im  westlichen  Slavonien.  291.  F.  116. 

Porphyr  in  Siebenbürgen.  V 15,16.  Trapp-Ergüsse  im  Silurisehen.  211, 

213,  214.  — -Gesteine  der  südlichen  Alpen.  F.  17.  Tragoceras  sp.  F.  286. 
Trias  im  Bakonyer  Wald  und  Vertes-Gebirg.  V.  164,  195.  — der  bayerischen  Alpen. 
F 40.  — in  Dalmat  en.  F 235,  236.  — von  Daruvar.  F 202.  — der  .Militärgrenze.  527, 
528,  F 255.  — im  nördlichen  Tirol.  115.  — des  Orljava-Gebirges.  F.  202.  — des  Szamos- 
Gebietes.  V.  33.  — in  Unter-Steiermark.  316,  324,  325,  360.  — in  Vorarlberg.  87,  101, 
104,  107.  — (eisenführende).  F.  299.  — (Eisenerze  des  lombardischen).  F.  47.  — (Galmei- 
Lager  der).  F.  129.  — -Kohle.  Proben.  70,  533.  — -Lias-Zone  (Grenze  der) 
gegen  den  Flysch.  107,  108.  Trieb  omanites  Lipoldianus.  F.  70.  Trigonia 
Deshayesiana.  F.  282.  Triloeulina  intlata.  F.  305.  Trinucleus  Goldfussi.  250,251. 

— ornatus.  245.  — Ileussi.  F 176.  Triton  basalticus.  379.  — opalinus.  379.  Trocho- 

cy  athus  mammillatus.  F 45.  — multicostatus.  F.  282.  — verrucosus.  F.  282.  Troehos- 
m i 1 i a sp.  F 17,  271.  Trochotoma  striata.  F.  130.  T r o c h u s Alpinus.  F.  42. 
cumulans.  F 17.  — Münsteri.  F 282.  — patulus.  F.  63.  — perstriatus.  F.  42.  — Podolicus. 
F 217.  — Pseudo-Doris.  F.  42.  — Turricula.  F.  63.  — sp.  156,343.  Trümmer- 
Gesteine  in  Unter-Steiermark.  331.  Truncalula  hifrons.  F.  281.  Truncatulna 
lobatula.  288.  Tuff  (basaltischer)  am  Plalten-See.  V.  147.  — (Bruchstücke  von  Cerithien- 
Kalk  in  basaltischem).  F 218.  — (eocener)  in  Unter-Steiermark.  325,  337,  338,  339,  356, 
361.  T u r b i n e I 1 a sp.  F.  130.  T u r b i n o I i a Bbaelica.  F.  42.  T u r b o Emmrichi. 
F.  42.  — graniger.  F.  43.  — recte-coslatus.  F.  271.  Turbonilla  Werdenfelsensis. 
F 42.  Turmalin-Granit.  F 177,  178.  Turrililes  Bergeri.  F.  44.  Turritella 
Alpina.  F 42.  — Archimedis.  F.  17,  18.  — crispata.  F.  282.  — diverseeostata.  F.  283. 

— imbricataria.  F 68.  — quadri-canaliculata.  F.  283.  — striatissima.  F.  42. 

Ulmus  ßrauni  F 294.  Unio  flexecostatus.  F.  283.  — inaequeradiatus.  F.  283. 

— inflatus.  F 203.  — sp.  296,299,393.  Urgonien.  171.  Ursus  spelaeus.  F.  16,  74. 

Ur-Thon schiefer  im  böhmischen  Riesengebirg.  400,  416,  F.  59. im  Czaslauer  und 

Chrudimer  Kreis.  F 127,  128.  — — von  Prosec  und  Policzka.  F.  289. des  Vrdnik- 

Gebirges.  F 159.  Uvigerina  pygmaea.  289. 

Vaginulina  ßadensis.  288,  289.  Valenginien  (Kreide)  in  Vorarlberg.  164, 
166.  Valvata  piscinalis.  297,  F 217.  Venus  Helvetica.  F 281.  — incrassata.  var. 
Stiriaca.  341,  342.  — multilamella.  F.  119,  305.  — ovalis.  376.  — plana.  F.  48.  — sub- 
donacina.  F 41.  — umbonaria.  V.  63.  — sp.  343,  F.  125,  297.  — -Arten  des  Wiener 
Beckens.  F 119.  Vermetus  gracilis.  F 281.  Verrucano  im  Bakonyer  Wald  und 
im  Vertes-Gebirg.  F.  164,  205.  — in  Siebenbürgen.  F 33.  — in  Vorarlberg.  91,  100,  131. 

— (Eisenerze  im  lombardischen).  F 47.  Vertebraria  sp.  F 80.  Verwerfungs- 
Spalten  in  Trias  und  Lias  von  Vorarlberg.  109,115.  Vilser  (jurassischer)  Kalk 
im  nördl.  Tirol.  131,193.  V i n c u 1 a r i a nurnmulitica.  F 281.  Virgloria-  (Trias-) 
Kalk  im  Bakonyer  Wald  und  im  Vertes-Gebirg.  F.  165.  — im  nördlichen  Tirol.  118,  131, 
148,  151,  531,  532.  — in  Vorarlberg.  90,  91,  98,  99,  101.  Volkmannia  elongata.  F.  242. 

— gracilis.  F 242.  — polyslachya.  382.  Vulsella  interne-striata.  F.  281. 

W a c k e pseudomorph  nach  Analcim.  F 80.  — (basaltische)  mit  Saphiren  und 

Zirkonen.  F 27.  Wälder  (fossile)  im  böhmischen  Rothliegenden.  392,393.  Wald- 
h e i in  i a mutabilis.  F 228.  — nimbata.  F 228.  Warmquelle  von  Johannisbad.  411. 
Wasser  in  und  um  Wien  (Commission  über  das).  F 7.  Wassers  der  Donau  (Analyse 
des).  F 35.  — des  Kamp-Flusses  (Analyse  des).  F 107.  Wasserkarte  von  Paris. 
F 86.  Wasser-Versorgung  der  Insel  Lissa.  F 259.  Werfen  er  (Bunt-Sandstein-) 
Schichten  im  Bakonyer  Wald  und  im  Vertes-Gebirg.  F 164,  205.  — der  bayerischen 
Alpen.  F 40.  — in  Dalmatien.  F 241,  255.  — bei  Füred.  F 206.  — in  der  Militargrenze. 
F 240,  256,  298,  — des  Solsteines.  148.  — in  Unter-Steiermark.  316,  324,  325.  — (Eisen- 
erze führende)  von  Kohlberg  und  Kogelanger.  F 300,  301.  — (umgewandelte).  318. 
Werkzeuge  und  Waffen  im  Diluvium.  F 161,163.  — bei  Eggenburg.  F.  162,163. 

— der  keltischen  und  keltogallischen  Periode.  F 162,  163,  164.  Widdringtonites 
acutilobus.  F 142.  — sp,  F 199.  Wo  1 laston-M edaill e (Zuerkennung  der).  F 38. 

Xenaeantbus  Decheni.  382,  509.  Xenophora  cumulans.  F 17,  18. 
Ziahoraner  (untere  Silur-)  Schichten.  60,  62,  245,  248,  249,  250,  253,  255, 
276,  278,  281.  Zamites  gracilis.  F 144,  199.  Zeolith  (neue  Art  von)  aus  derColonie 
Victoria.  F,  27.  Zinkblende  von  Petze!.  361.  — -Schliche,  Probe.  534.  Zink- 
Erze  des  Ivanecer  Gebirges.  F 135.  — — des  Raibler  Gebietes.  F 292.  Z i p p e a 
disticha.  F 141, 142.  Zirkon  von  Victoria  (Australien).  F 27.  Zouarites  digitatus.  F 294. 


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